a * 8888 88öS 8-.3 888-8 Saes saaS 8853 38383 allgemeinen zu sein schten, an den Bemühungen, das zu retten, was uns das Dasein an Lebenswerten gelassen hat. Gerade dieses Widerstreben, sich willig dem Althergebrachten zu unterwerfen, führt in den meisten Fällen zu Enttäuschung und zum Scheidungsgericht. Manche Leute behaupten vielleicht, die Geschiedene werde eine bessere Ehefrau sein als die Unverdorbene und Unbefangene. Mar. nimmt eben an, die Erfahrung habe sie verständig gemacht, und Verständnis ist zweifellos die erste Voraussetzung für eine harmonische Ehe. Vielleicht aber hat der unerfahrene Flapper mehr Verständnis für die Kunst, einen Mann zu umschmeicheln, ihm das Leben angenehm zu machen und ihn zu fesseln als eine schon mehrfach verheiratete Filmkönigin. Außerdem schleicht um eine Ehe, deren einer Teil schon geschieden war, stets das Gespenst der Eifersucht. Kein Mann wird der Frau vollkommen vertrauen, die er aus der Hand eines anderen empfangen hat. Er mißtraut allen Männern und bringt deren Freundschaft zu seiner Frau nur Argwohn entgegen. Wenn er die Gattin mit ihnen lachen und sprechen hört, so erinnert er sich daran, daß sie ihm gegenüber ebenso lachte und sprach. Nahm er sie nicht einem anderen Manne fort? Wie kann er dafür bürgen, daß ihm nicht wieder ein anderer die Frau entreißt? In jedem: Menschen lebt der unbewußte Wunsch nach Unschuld und Unerfahrenheit und ebenso eine Sehnsucht nach einem ruhigen und zufriedenen Herzen. Wenn auch eine Clara Bow die ideate Gefährtin für das Kabarett ist, so bleibt ein Filmschauspieler letzten Endes doch ein Mensch, und er wird— vorausgesetzt, daß er sich von ruhiger Ueberlegung leiten läßt— eine besonnene und gelassene Frau wählen, die in der Kochkunst geübt ist. In der Filmkolonie zu Hollywood gibt es so viele hubsche Mädchen billig, gute Köchinnen und Hausfrauen auer sind wertvoller als Rubinen. Es ist sehr wahrso, Kenntnisse von der 31 einen heiratslustigen schein! 3ce nn zulich, daß gründliche ereitung guter Speisen männlichen Filmstar mehr locken als die Kenntnis der Handhabung von Lipgenstift und Schminktopf. Praktische Winke Als etwas recht Peinliches wird es empfunden, wenn einem beim Tanzen das Gesicht schwitzt oder vor Feuchtigkeit glänzt. Damen, die daran jeiden, pfiegen eine Puderquaste bei sich zu Führen und von Zeit zu Zeit in der Garderobe ihr Gesicht damit zu trocknen. Das aber hat seine Schattenseiten. Erstens sieht es jeder, der mit gesunden Augen begabt ist, und zweitens ist es für die Haut sehr schädlich, weil es die Poren verstopft. Man erreicht daszselbe weit sicherer und ohne üble Folgen, wenn man ein Stück von einem alten Glacehandschuh bei sich trägt und damit in den Tanzpausen das Gesicht sanft abreibt. Glanz und Feuchtigkeit schwinden davon, und das Gesicht bleibt frisch und natürlich. Gegen rote Nasen, die zumal im Winter für viele Damen ein schlimmes Uebel sind, hat sich am besten folgende Behandlung bewährt: Morgens und abends wird die Nase, im ganzen zehn Minutenlang, abwechselnd in heißes und kaltes Wasser getaucht, und zwar 5 bis 6 Sekunden lang in so heißes Wasser, wie es überhaupt erträglich ist, und nachher sofort zwei Minuten lang in eiskaltes Wasser. Zum Schluß ist sie mit seiner Creme dünn zu bestreichen. Bei Versonen, die an diesem Schönheitsübel nur im Winter leiden, ist diese Methode schon nach ein bis zwei Wochen von sicherer Wirksamkeit. um dmtusen muet Rein Tanzgirl und Philosophie. Wer die Gunst eines schönen Revuegirls von heute gewinnen will, tut gut, statt der bisher von den Schönen bevorzugten Riesenkonfektschachteln und kostbaren Blumen ein— Konversationslerikon als Geschenk zu wählen. Wenn nämlich unsere Tanzgirls dem Beispiel ihrer umerikanischen Kolleginnen folgen— woran kaum zu zweifeln ist— und gleichfalls „Gehirnathletik" zu treiben beginnen. Die Chormädels von drüben sind neuerdings dahinter gekammen, daß es nicht genügt, gerade Beine zu haven und auch sonst erfreulich auszusehen, daß vielmehr auch ein wenig Bildung nicht schaden könne. Aus dieser Erkenntnis heraus stürzen sie sich in jeder freien Minute auf gute, oft sogar nicht ganz leicht zu verstehende Bücher, um der mangelnden Bildung etwas nachzuhelfen. Ein über ihren literarischen Geschmack befragtes Newyorker Tanzgirl erzählte, daß von den 80 Mädeln der Revue ein halbes Dutzend eine höhere Schule besucht habe und daß fast die ganze Gesellschaft in den Pausen und der Freizeit sich guter Lektüre widme. Von den Vieren, mit denen sie ein Zimmer teilte, las eine die„Geschichte der Philosophie“, eine andere einen Roman von Joseph Conrad, eine dritte bevorzugte Bernard Shaw, und nur die letzte war Liebhaberin leichterer Kost. Das alte Wort, daß Klugheit und Schönheit sich selten zusammenfinden, dürfte unter diesen Umständen bald seine Geltung verlieren Sparsame Hochzeit im Hause Hamagucht. Der japanische Ministerpräsident Hamaguchi ist der Ansicht, daß die Regierung dem ganzen Volke mit gutem Beispiel vorangehen und Beweise der Sparsamkeit geben soll. Also bestimmte der Kabinettschef, daß auch die Hochzeit seines zweiten Sohnes Jwane mit der Tochter eines der ersten Würdenträger des Reiches im Zeichen äußerster Sparsamkeit zu stehen habe. Sein Wort wurde aufs strengste befolgt. Die Hochzeitszeremonie, an der Hunderte von Eingeladenen teilnahmen, kostete einschließlich allen Blumenschmucks im Tempel nur 50 Den (100 Mark). Für die dreihundert Teilnehmer am„Festbankett“ war ein Saal gemietet worden, doch die ganze Bewirtung bestand aus Butterbroten und aus Tee für die Damen und Bier für die Herren. Der sehr angeregte und vergnügte Verlauf der Feier bewies, daß man auch standesgemäß Hochzeit feiern kann, ohne sich dabei an Kaviar und anderen Leckerbissen den Magen zu überladen. Zum Schluß wünschten die Teilnehmer an diesem etwas ungewöhnlichen Mahl dem jungen Ehepaar glückliche Hochzeitsreise und fanden es sehr vernünftig, daß der Ministerpräsident seinen Kindern zu diesem Zweck nur die Summe ron 250 Den(500 Mark) in die Hand drückte. Außer mit der bedeutenden Ersparnis, die Ministerpräsident Hamaguchi dieser spartanischen Einfachheit verdankt, kann er noch damit rechnen, durch sein Verhalten die Sympathie weiter Kreise erworben und die Sparsamkeit zur großen Mode erhoben zu haben. diese Kategorte von Kavalieren erlassen. Trotz= dem mehren sich die Skandale, die sie verursachen. Kürzlich wurde wieder ein Eintänzer ins Gefängnis gebracht, weil er der Frau eines reichen Kaufmanns gesagt hat:„Gnadige Frau! Sie haben jetzt ausgievig mit mir getanzt, bitte, zahlen Sie nun auch ausgiebig!“ Und jetzt hört man, daß die Gemahlin eines Diplomaten in die unangenehmste Situation von der Welt geraten ist, durch einen Eintänzer, mit dem sie seit einem halben Jahr beständig konferiert hat. Es soll aber bei diesen Konferenzen ganz und gar nicht von den Vereinigten Staaten von Europa die Rede gewesen sein. Die Pariser Zeitungen sind voll von Abenteuern dieser Art. Die Damen der guten Gesellschaft, die mit einem Eintänzer tanzen und dabei sozusagen daneben tanzen, sind garnicht mehr zu zählen. Meistens geht die Geschichte schlimm aus. Die Illusionen verschwinden ebenso wie der Schmuck der Damen, es kommt zum Drama, und die Scheidungsgerichte erhalten Arbeit. Früher haben sich die Herren der guten Gesellschaft mit besonderer Vorliebe fur die Tänzerinnen ruiniert. Sie haben ihre Rache. Jetzt ruinieren sich die Damen für die Tänzer. Offenbar lassen sich gerade die reiferen Damen von den Don Juans der Ballhäuser den Kopf verdrehen. Obgleich die Damen in den Zeitungen geuug Geschichten gelesen haben, die ihnen eigentlich als Warnung hätten dienen sollen. Merkwürdig ist trotzdem der sensationelle Erfolg der „mondänen Tänzer“, die gar nicht mondän sind, die sehr oft weder schön noch elegant sind, die zumeist keine Bildung und durchaus nicht die besten Manieren besitzen. Aber Tanz und Tänzer sind„schick“ in Paris und die Skandale nehmen kein Ende. Eine Köchin erteilt dramatischen Unterricht. Maggie Walker, die seit einiger Zeit in den Diensten der bekannten dramatischen Schauspielerin Gracie Fields in London stand, hatte ihre drei Brüder seit annähernd zwei Jahrzehn ten nicht mehr gesehen; der eine rückte noch im frühesten Alter aus, die anderen beiden waren Berufssoldaten geworden und dienten — falls sie überhaupt noch am Leben waren— in Indien bei den Kolonialtruppen. Das Ehepaar Walker hatte längst das Zeitliche gesegnet, und Maggie, die ebenfalls nicht mehr ganz junge Küchenfee, glaubte, ganz allein auf dieser Welt zu stehen. Man kann sich die Aufregung des alten Mädchens vorstellen, als es eines Tages die Nachricht erhielt, die drei Brüder erfreuten sich einer ausgezeichneten Gesundheit und beabsichtigten, die Schwester aufzusuchen. Ueberglücklich venachrichtigte Maggie ihre Herrin von dem großen Ereignis und teilte ihr auch den Tag mit, an dem der Besuch der drei totgeglaubten Brüder fällig war. Miß Fields ließ es sich nicht nehmen, an dem denkwürdigen Tage zu Hause zu bleiben, um der wirnungsvollen Szene beizuwohnen, bei der ausnahmsweise das Leben die Regie führte. Die drei Brüder Walker kamen denn auch pünktlich an und traten im Beisein der Primadonna ins Zimmer der Schwester. Maggie starrte sie einen Augenblick sprachlos an und schrie dann mit weit geöffneten Armen glückselig auf: „John, Alexander, James!“. Nachdem die vier Geschwister ausgiebig Wiedersehen gefeiert hatten, ließ Miß Fields ihre Köchin kommen und spendete ihr uneingeschränktes Lob:„Maggie, das haben Sie fabelhaft gemacht! Diese Wiedersehensszene war formvollendet, echt, unübertrefflich. Ich habe sehr viel von Ihnen gelernt!“ Sprachs und überreichte der verdutzten Hausangestellten zehn Pfund als— Schulgeld. Pariser Gigolo=Skandale. Der Gigolo, d. h. der Eintänzer, den heutzutage fast alle Vergnügungsetablissements und auch die seriösen Hotels bei ihren Tanztees für partnerlose Damen auf Lager haben müssen, hat in Paris kein leichtes Los. Die Polizei hat besondere Ueberraschungsbestimmungen für Der Weiberfeind. Tolstoi hat in der„Kreutzersonate" ausgesprochen, was er von den Frauen hält: sie kommen nicht gut dabei weg. Es scheint aber, daß er in dieser Novelle noch schonend mit ihnen umgegangen ist. Einst war bei ihm die Elite versammelt, und zum hunderttausendsten Male sprach man vom Rätsel Frau. Hin und her spann sich das Gespräch, es wollte kein Ende nehmen, bis der Gastgeber es apodiktisch beendete:„Erst wenn ich im Sterben liege, kann ich sagen, was ich in Wahrheit vom Weibe denke. Aber dann nichts wie rin in den Sarg, Deckel zu— das Toben möchte ich nicht mehr erleben!" Ein Kleiderfetischift. Die Pariserinnen sind seit einigen Tagen in heller Aufregung und besonders ängstlich, wenn sie durch die Straßen des Operaviertels gehen müssen. Denn wenn auch nicht ein neuer Jack the Ripper aufgetaucht ist, so gefährdet doch eine geheimnisvolle Person. wayrscheinlich ein Mann, zwar nicht Leben und Gesundheit, aber immerhin doch in offenbar krankhafter Sucht die Kleidung der weiblichen Straßenpassanten. Es sind bereits eine nicht unerhebliche Anzahl von Frauen Opfer dieses Irren geworden. der ein griechisches„phi“ in hellroter Farbe auf den Mantel oder auch mitunter auf das Kleid, und zwar gewöhnlich in der Mitté des Rückens, in aller Eile natürlich, aber deutlich und ziemlich dick aufträgt. Soeben erschien das neue Daheim(66. Ihrg. Nr. 15) mit einer Fülle wertvoller Anregungen und erlesenen Unterhaltungsgaben. Der interessanten Wochenschau im Bild folgen unterhaltsam geschriebene, fachnundige Aufsätze aus den verschiedensten Gebieten des Wissens und der heutigen Lebensgestaltung. U. a. schreibt Dr. Paul Ostwald über die ernsten Fragen der „Deutschen Ostgrenze". Wort und Bild schildern uns„Memlings Altarschrein im Lübecker Dom". Marie von Bülow, die Witwe Hans von Bülows, erzählt in dem liebenswürdigen Beitrag„Im Meininger Hoftheater“ aus ihrer Jugendzeit, aus ihrer eigenen kurzen künstlerischen Laufbahn und von Brautschaft und Ehe mit dem genialen Meister der Toge, dessen Geburtstag sich jetzt zum hundertsten Male jährt. M. Nerida=Specht erforscht die„Psychologie der berufstätigen Frau". Neben einer abgeschlossenen Novelle steht ein spannender Abschnitt des neuen Romans„Schatzgräber in Franken“ von Friedrich Schnack. Rätsel, Ratschlage, das Frauendaheim mit modischen und hauswirtschaftlichen Winnen, der Rätseltei und ein prächtiger Bildschmuck mit wertvoller ganzseitiger Kunstbeilage vollenden den vielseitigen Inhalt des schönen Heftes. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: Dr. C. Santz, Altena. 8388 Sigs 86as 3 8re 8858 Sxe Sgg- 8563 Sa5S 85383 885838388 3888 SS33 833S 8533 5 St.ls Praden Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 2 Altena, den 14. Januar 130 Taktgefühl Das Wort„Takt“ stammt aus der Welt der Musik und ist daraus übertragen auf unsere Art zu leben. Wie Takt in der Musik die feste Wiederkehr des musikalischen Rhythmus bedeutet, wie der Takt hier hält, ordnet, bindet, so sollte auch das„Taktgefühl“ für unser seelisches Leben der Rhythmus sein. Und wie es in der Musik ein angeborenes größeres oder geringeres Taktgefühl gibt, so ist auch jedem Menschen zunächst ein gewisses Maß an Takt angeboren,— wohl ihm und seiner Umgebung, wenn es genügend groß ist und ihn durch sein Leben sicher begleitet. Vor allem uns Frauen sollte dieser Takt eigen sein. Das Goethewort:„Willst du genau erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an“, meint nichts anderes, als daß hier der feinste Herzenstakt, daß hier Maß und Sitte am ehesten zu finden sind. Wenn wir freilich viele Lebensäußerungen der modernen Frau betrachten, so möchte man irre werden an ihrem Edelsinn, ihrem Taktgefühl. Freilich ist ein Teil des Lebenstaktes Zeitgeschmack und wandelt sich mit Sitte und Mode. Aber das Echte und Feinste des Herzenstaktes hat ewige Züge, ewige Werte und wiederholt sich immer wieder in seinen Wirkungen. Freilich ist es wie alles Innerliche schwer zu fassen und zu umschreiben, und ein Rezept zu seiner Erlernung gibt es schon gar nicht. Es ist ja gerade das Geheimnis des Taktgefühls, im gegebenen Augenblick zu schweigen, oder das richtige Wort zur rechten Zeit zu sagen. Das gleiche Wort kann einmal verletzen und stören,— ein anderes Mal heilen und heben. Es kommt nur darauf an, wann und zu wem es gesprochen wird. Und nicht zum wenigsten kommt es auf den Ton an, in dem es gesagt wird— gerade hier schwingt oft der allerfeinste Takt. Deshalb ist auch das Wort „Zartgefühl“ fast gleichwertig: das Wissen um Wunden, die nicht berührt werden dürfen, um Gesprächsthemen, die man vermeidet, weil sie wehe tun— oder sucht, weil sie wohl tun, das Verstehen der leisen, oft von dem Betreffenden selbst kaum erkannten Schwingungen der anderen Seele. Und weil die Frau im allgemeinen intuitiver und gefühlsbegabter ist als der Mann, so ists gerade hier ihr Recht und ihre Pflicht, führend, vorbildlich zu wirken. Freilich gehört dazu, daß sie zunachst den wahren Takt, den rechten Rhythmus für ihr eigenes Leben findet. Frauen, die nur in der Hetze des lauten Alltags leben, die— sei es vor Haushaltsnöten oder sogenannten Gesellschaftspflichten— nicht dazu kommen, auf den wahren Herzschlag ihres seelischen Lebens zu lauschen, werden auch das feine Verstehen, das Horchen auf die andere Seele nicht lernen. Wir hören heute immer wieder, wie eine starke Rolle das Rhythmische in unserem Leben spielt. Unsere Jugend wird viel mehr als in früheren Zeiten daraufhin ausgebildet. Möchte damit Hand in Hand gehen die Pflege jenes allerbesten Taktes, des Herzenstaktes. Damit kommen wir zu der Frage: Kann Herzenstakt und Zartgefühl gelehrt werden? — Sicher nicht durch moralische Belehrungen und äußere Bildungsversuche. Der einzige Weg ist, die Quelle zu suchen, woraus diese schonste Lebensäußerung entspringt, hier zu schöpfen und weiterzugeben. Diese Quelle ist aber die Liebe,— jede Liebe, die nicht das ihre sucht, die versteht und verzeiht, die alles hofft, alles glaubt, alles duldet. Diese Liebe gibt dann den rechten Takt, den rechten Rhythmus für Haus und Leben. Glücklich das Hauswesen, dem eine in diesem Sinne taktvolle Frau vorsteht.— Mann und Kinder, Hausangestellte und Gäste sind da in allerbester Hut und Pflege. Clam Prieß. „Schönheitsköniginnen“? Ganz besonders viel Wert wird heute auf Frauenschönheit gelegt— aber doch auf das, was die Mode darunter versteht.„Schönheitsköniginnen“ tauchen in allen Badeorten auf und feiern ihre Triumphe in den Weltzentralen. Die Reklame sorgt für ihren Ruhm und zeigt ihre Bilder auf Schönheitspasten und Parfüm=Flaschen. Man verfällt auf die merkwürdigsten und gewagtesten Methoden, den jeweiligen Schönheitsgrad festzustellen,— mißt, wiegt, vergleicht. Auch einzelne Körperteile, „der kleinste Fuß“ und dergl. werden prämiiert. Und zu solchen Schaustellungen und Abschätzungen drängt sich, was an weiblicher Jugend Anspruch auf„Schönheit" zu haben glaubt! Und es fehlt nie an Zuschauern— neidischen und lüsternen—. Weiß unsere laute, oberflächliche Zeit denn gei nicht mehr, daß man das Unwägbare einer Frauenschönheit nicht wiegen, ihr Feinstes und Bestes nicht messen kann?“ Gewiß, es ist eine Gnade um regelmäßige Gesichtszüge und eine ebenmäßige Gestalt. Aber wie langweilig können regelmaßig schöne Gesichter auf die Dauer wirken, denen jenes Beste und Letzte sehlt: der Spiegel einer schönen Seele zu sein,— denen der Zauber anmutiger Bewegtheit, des wechselvollen Spiels von Scherz und Ernst, das geistige Leben nicht Reiz und Anmut gibt.— Und wie anziehend wirkt oft ein durchaus nicht schönes Frauengesicht, wenn bewegte Freude, wenn Liebe und Klugheit es verschönen. Dazu kommt, daß die rein körperliche Schönheit bald vergeht,—„schön währt nicht lang“, sagt der Volksmund,— daß aber das Geistige, sei es nun von der Natur gegeben oder selbst erworben, bleibt und wächst, so daß in diesem Sinne hier eine seine Gerechtigkeit waltet, und zum Schluß das alte Sprichwort doch die Wahrheit sogt:„Jede Frau sieht so aus, wie sie ist.“ Freilich muß man Menschengesichter zu lesen verstehen. Aber kennen wir nicht alle jene Frauen, die in ihrer Jugend„schön“ waren und nun leere, verfallene, alte Gesichter zeigen? Und andere, die nie schön waren, die aber schön wirken, weil sie ein lebendiges, seelenvolles Gepräge haben, weil sie von einer Harmonie zwischen Jahren und Erfahrung, von Lieben und Leidenkönnen, von Ueberwinden und Reisen sprechen?— Diese Art von Schönheit ist eine ungewollte und unbewußte und zeigt sich freilich nicht allem Volk. Wenn die Mütter ihren Töchtern mehr von dieser Schönheit, die sich bei der alternden Frau als Würde äußert, vorlebten, so würden sie Besseres für ihre Kinder tun als mit äußern Gaben an Putz und Schmuck. Aber wer weiß heute von solchem Wert? Und wieviele Töchter sind willig, hier aufzumerken und sich zufrieden zu geben mit dem Maß an Jugend und Anmut, das ihnen zuteil wurde und als köstliches Pfand gegeben ist? Es ist so viel einfacher und verlockender, sich nach dem Vorbild eben jener„Schönheitsköniginnen“ zu kleiden und anzumalen und des Beifalls des männlichen Geschlechts auf diese Weise sicherer zu sein. Daher auch das Einerlei der Gesichter und Gestalten, der Typ des „Girl“,— denn Amerika hat dies Schönheitsprodukt zuerst gezüchtet, und die übrigen Kulturländer sind schnell und willig dem großen Beispiel gefolgt. Gewiß ist das Durchschnittsmädel von heute hübsch anzusehen: schlank, gut gewachsen und sportlich durchgebildet. Aber in Masse gesehen wirkt es eintönig und einförmig. Und wo ist „die Schönheit, die aus innerem Leben strahlt?“ Und was wird eingesammelt für den Herbst des Lebens?— Herbst darf es freilich nicht werden. Die Altersunterschiede werden in Kleidung und Benehmen immer mehr verwischt— als ob diese Frauen dunkel fühlten. daß sie zum Altwerden nicht gerüstet sind,— daß sie sich jene Werte nicht erworben haben, die das Alter nicht nur erträglich, die es gesegnet und schön machen können. Wir Frauen von heute dürfen uns nicht von all dem Modemachwerk blenden lassen und müssen für uns und unsere Töchter immer wieder Maß und Ziel des wahren Schönheitsideals sehen:„Das Durchleuchten der Seele, auch durch unregelmäßige Formen, ist die wahre, echte Schönheit. 8 —1.— Gäste haben— Gast sein Zwei verschiedene Talente, die einen gemeinsamen Nenner haben: gesellschaftliche Routine. Das bedeutet: spontanes Erfassen der Situation — das Selbstverstandliche liebenswurdig udanciert zum Ausdruck bringen. Wie wett man diese reizvolle und geheimnisvolle Kunst beherrscht, ist am sichersten und schwersten im eigenen Hause zu beweisen, wenn man Gäste bei sich hat; Gäste bewirtet. Ein paar gute Freunde empfangen, die sich untereinander kennen, die den gleichen Resonanzboden haben, das will nichts sagen. Aber so allerhand Leute, die man eben mal bitten muß, vielleicht Vorgesetzte des Mannes oder eigene, die noch dazu in recht kritischer weiblicher Vezseitung erscheinen—, da kann einem schon ein bißchen schwül werden. Der erste heikle Punkt ist der Anzug der Hausfrau: nie und unter keinen Umstanden darf sie zu elegant sein. Als Norm gilt: gut angezogen, dem Stil des Abends ent sprechend großes oder kleines Abendkleid, aber die einfachste Spezies darin. Nie die weiblichen Gäste in den Schatten stellen wollen, auch den mit wenig Gücksgütern gesegneten gerecht werden. Und dann die Unterhaltung. Warum eigentlich nicht nach einleitenden persönlichen Fragen anfangs vom Wetter sprechen, von port, Reisen, Moden, gesellschaftlichen Veranstaltungen? Spater kristautsiert sich dann schon eine geistigere Atmosphäre heraus. Weiter, das Menü. Es lag schon acht Tage vorher fest und hat, weiß Gott, allerhand Kopfzerbrechengemacht. Es sollte ja nicht zu opulent und nicht zu einfach sein, die Weine passend gewählt und richtig temperiert, eher ein wenig über dem Niveau des Essens stehend. Blumen und Beleuchtung können gar nicht sorgfältig genug gewählt sein, möglichst viele einzelne Beleuchtungskörper, sie geben neben dem stärksten Lichtkegel in der Mitte, gut im Raum verteilt, di ebeste Wirkung. Die Tischordnung ist ja von vornherein gegeben: der Hausherr fuhrt die älteste Dame oder die sozial höchststehende nach dem Rang ihres Gatten, ihrer eigenen gesellschaftlichen Stellung, oder eigenen Leistungen. Die Hausfrau hat den Partner nach den gleichen Gesichtspunkten.(Der Prinzgemahl der Frau Abgeordneten rangiert aber tiefer) Erstmalig im Hause Erschienene genießen immer eine Vorzugsstellung. In den Ansichten über die Platzfolge scheiden sich die Geister. Es ist in viele nHäusern üblich, daß die Gastgeber die beiden Schmalseiten des Tisches einnehmen. Das empfiehlt sich unter keinen Umständen, es isoliert bei einer längeren Tafel den Hausherrn und die Hausfrau vollständig und erschwert die Unterhaltung. Die Gastgeber sollten mit den Ehrengästen stets an der Mitte der Tafel sitzen und die Gäste nach den Enden der Tafel immer jugendlicher werden. Und damit sind wir bei der Tragödie zweiten Teil angelangt: den Gästen. Sie haben an dem Abend nur die eine Mission: liebenswürdig und heiter zu sein und mitzuagieren. Auch die weltgewandteste Hausfrau kann innerlich zur Verzweiflung kommen, wenn ihre Gäste nicht mitschwingen, einen geschickt hingeworfenen Gesprächsball nicht auffangen und lustig weitergeben. Fürtet ruhig ein bißchen, Freunde meines Hauses, aber ver *2 82 *: "*%— □ *"— * 2 85 8 —*„ □Z 0 2 Gogs SPsagrst. S 27. S SSEBOSTOSESGE aSST5SSSASESESSEE FDN P ·OASUS * 9 E SS * 2O Ssrng * 8 □ S 9 8—5 SD• gi B 0.— 5 — 8 S 12 2BE 8 6 5 Der Märchenprinz Skizze in drei Briefen von Hans Friedrich Peine liebe, einzige Hetti! Du, ich glaube, ich bin sehr glücklich. Nein, ich glaube es nicht nur, ich bin es wirklich. Du wirst über diese Einleitung staunen. So viel Ueberschwang bei der sonst so kaltschnäuzigen Inge! noer laß Dir berichten, und Du wirst begreifen. Ich hätte Dir ja alles übermorgen auf dem Ball in der Harmonie erzählen können aber so lange halte ich es nicht aus, vor Dir ein Geheimnis zu haben, und dann— es soll Dich auch nicht unvorbereitet treffen. Außer dem habe ich auf dem Ball sicher nicht genü gend Zeit, mich Dir zu widmen, denn... aber nun höre! Also Du kennst ja meinen Traum vom Märchenprinzen, der mir einmal begegnen soll. Hochgewachsen, blond, blauäugig, mit vielem, vielem Geld, mindestens einer hundert pferdigen Limousine, einer schönen Villa. Die nerschaft usw. Viel Zeit müßte er haben, damit seine Frau nicht immer allein ist und er sie auf langen Reisen in schöne Gegenden führen kann Und nun denbe Dir, Liebste, mein Traum w'r Wirklichkeit. Verlobt haben wir uns nock nicht, es bot sich ihm noch keine Gelegenheit zu der entscheidenden Frage, aber ich hoffe nein, ich weiß es bestimmt, daß er sich übermorgen erklären wird. Gestern bei Brauckmanns, wo wir uns kennen lernten, hat er schon beinahe jeden Tanz mit mir getanzt und machte immer ein zorniges Gesicht, wenn ihm ein anderer zuvor kam. Diese kleine Eigenheit muß ich ihm noch abgewöhnen, das gibt es heute doch nicht mehr. Aber jetzt kann ich ihm wechslung. Eine Dauerstellung hat er auch Wir werden zunächst eine gemütliche Dreizimmerwohnung nehmen, und eine Stundenfrat müßte sich keine Frau auch leisten können sagte er. Ist das nicht viel schöner, als wenn man ein Mädchen den ganzen Tag auf dem Halse hat? Und wie gut sieht er aus! Blond #lauäugig. schlank, also in jeder Hinsicht mein Märchenprinz. Nur einen besseren Schneider muß er sich anschaffen, und die Krawatten werde ich ihm selbst aussuchen, darin scheint er sich etwas größer und schlanker aus. Bin Besitzer einer Käsegroßhandlung in Hamburg, habe fünfzigtausend Mark Einkommen im Jahr, einen hundertzwanzigpferdigen offenen Sechssitzer und eine achtzigpferdige Limousine; Segeljacht und Motorboot vorhanden. Meine Villa von vierzehn Zimmern in Horvestehude hat Blick auf die Alster. Die Reisen machen wir selbstverständlich zusammen: Aegypten. Kanarische Inseln, später auch mal Amerika und Ostasien. Ich habe natürlich nicht so groß roch nicht firm zu sein. Aber ist ein goldigerangefangen, aber im Kriege und später immer Jung. Ach Hotti wan mirst In übermargenzrichtig gelegon da= ist die Sonntsache! In der lunge. ach. Helll, wus wirst Du übermoigen Augen machen! Bis dahin tausend Küsse— nein, nur einen. in dem Artikel muß ich jetzt sparen— und freue Dich mit— Deiner grenenlos glücklichen Inge. Mein sehr wertes Fräulein! Sie lietzen den Brief an Ihre Freundin Hetti in der Straßen bahn liegen, wo ich ihn fand. Natürlich habe ich ihn gleich befördert, auch eine Marke daraus geklebt. Weil ich wissen mußte, wen ich mi“ den Kosten dafür zu belasten hätte, und deUmschlag nicht verschlossen war, sab ich mir der Brief an. Ich muß sagen, Sie befinden sich in einem großen Irrtum, wenn Sie meinen, der Win'ried entspräche Ihrem Märchenprinzen Keine Villa, keine Limousine, überhaupt nichts wovon Sie früher einmal geträumt haben. Da nasse ich viel besser zu Ihnen, mein wertes Fräulein, und möchte mir erlauben. Sie höf darum nicht böse sein, denn ich bin ja so glück=lichst um Berücksicht'gung meiner Person zu lich. Und denke Dir, er hat ein Motorrad mit Beiwagen. Ich finde das viel netter als die großen Wagen, wenigstens für den Anfang Da braucht man nicht immer Freunde und Bekannte zum Mitfahren auszufordern. Und Winfried— ist das nicht ein entzückender Name?— muß oft wochenlang für seine Firma reisen im ganzen etwa drei Monate im Jahr. Was habe ich da viel schöne Zeit für mich, für Freundinnen und Bekannte, auch mal für einen kleinen Flirt, natürlich nur zur Abbitten. Denn Sie gefallen mir erstens. was ihre Erscheinung anbelangt, und dann, we:! Sie keine dumme Pute sind sondern Ansprüche ans Leben stellen. Ich schätze Großzügigke ind gehe selbst immer aufs Ganze. Um mich Ihnen vorzustellen: Erinnern Sie sich des Herren im Gehpelz. der Ihnen heute nachmittag in der Straßenbahn, Linie 5. gegenübersaß, mit silbernem Krückstock, hel'gelben Handschuhen und(echt) goldenem Kneifer? Das bin ich. Alter fünfundvierzig. Wenn ich stehe, sehe frichlig gelegen, das isnt die Haupfacher Iu der Straßenbabn fuhr ich gestern nur Ihretwegen. In der Anlage überreiche ich Ihnen eine Fintrittskarte für das Fest im Börsenklub. Meine L'mousine wird halbacht Uhr vor Ihrer Nohnung warten. Für gehabte Unkosten megen des Balles in der Harmonie komme ich natürlich auf und zeichne hochachtend— Moritz Huppke, in Firma Huppke, Engelke und Co., räse und Molkereiprodukte en gros. Liebe Hetti! Leider hatte ich keine Zeit nehr, Tir zu schreiben, daß ich nicht zur Harmonie kommen konnte. Du wirst Dich auch ohne mich amüsiert und viellecht den armen Winfried getröstet haben. Ich merkte noch rechtzeitig. daß er mir das nicht bieten würde, worauf ich Anspruch machen kenn. Zu Feser insicht verhalf mir glücklicherweise: mein wirklicher Märchenprinz. den ich nur doch dekunden habe. Aber darüber be'd mehr. wartet näms'ch schon unten mit der Lim### sine. Nur schnell noch so viel:„Pilla in Hamburg, zwei große Wagen, seegehende Seaeliacht und Motorboot klotzig viel Geld läßt sich denken), schöne Ressen usw. Vorzüglicher Schneider. das ist mehr wert als eine gute Figur. Er heißt Moritz; ich werde ihn Morrn nennen. des klingt so schön exotisch beinahe am rikan sch. Nun aber Schluß! Morry hupt wie nicht ganz gescheit, da werden die Nachbarn Stielaugen machen. Tausend Küsse! Inge. meidet Dissonanzen, und, um Gottes willen, fachsimpelt nicht, wenn ihr drei seid in gleicher Art, finanztechnisch, wissenschaftlich oder künstlerisch begabt. Das lähmt jede Geselligkeit. Ein paar Worte— eine berufliche Frage schnei! gestreift— aber damit genug. Auch die Sitte, daß die Herren sich nach dem Essen für langere Zeit ins Rauchzimmer zuruckziehen, trägt wenig zum Gelingen des Abends bei. Seien Sie überzeugt, meine Herren, der Hausherr hat strenge Weisung, alle Autonomiegelüste zu unterdrücken, machen Sie ihm sein schweres Bmt nicht noch schwerer. Und wenn gespielt werden soll, suchen Sie sich weibliche Partner, und wenn getanzt werden soll, stehen Sie nicht beauem in den Ecken herum. Fragen Sie nicht im stillen au fdie eindringlich mahnenden Bliche der Hausfrau: bin ich denn zum Tanzen eingeladen? Natürlich sind Sie dazu eingeladen Vozu denn sonst? Elsbeth Unverrich —.2— Küchenkultur Trotz der Bedingtheiten der sozialen Lage herrscht in großem Maße die Sehnsucht nach Schönheit im Hause. Die blanke Küche, oftmals der einzige Aufenthaltsort der ganzen Zamilie, in der allerlei Schmuck Verwendung Nwet,“ ist ein Beispiel dafür. Hier walten nicht immer die Lebensgesetze, die man sich zu eigen machen muß. In der Küche soll die Zweckmäßigkeit, die Sachlichkeit und die gute Form der Möbel, des Geschirrs und der Geräte maßgebend sein. Die Frau von heute belastet sich oftmals mit unnötiger Arbeit. Ich denke an die Zierbretter mit den Töpfen und Töpfchen, die eigentlich niemals gebraucht werden. Wie oft findet man blaue oder rote Bändchen, die an die Henkel gebunden werden. Ebenso laufen am Bord, oft am Handtuchbrett, gehäkelte Spitzen entlang. Die„schönheitswütige“ Hausfrau liebt besonders die„Küchenkante", durch die ebenfalls, etwa wie bei einem eleganter Nachthemd, ein Banddurchzug geht. An all der Dingen haben die Fliegen eine herzinnig Freude: der Staub, Brikettasche und Ruß alles setzt sich in die gehäkelte Arbeit fest Die Hausfrau hat in der Wäsche eine ganz besondere Not diese Handarbeiten„klar zu bekommen. Warum der Unsinn? Geschirr, Mö bel. beides gut abwaschbar, von schöner, einster nach der Arbeit eine blauweiß gewürfelte Decke auf den Küchentisch, das macht die schlichteste Küche schön. Die Möbel= und Geschirrindustrie bringt in letzter Zeit überaus praktische Dinge hervor. Und praktisch soll illes sein, leicht greifbar und gut sauber zu halten. Es erleichtert unbedingt die Haushalts orgen, wenn alles übersichtlich geordnet und schnell erreichbar ist. Von einer sehr häßlichen Gewohnheit muß die Hausfrau loskommen: Vom Spruch=Unsinn Du betrittst deine Küche und ein Sprüchlein iderm Herd verkündet:„Eigener Herd ist Boldes wert“. Oder auf dem Körbchen ein. Decke:„Kauf gut ein, kehr bold heim“. Ein Deckchen an der Ausgußumrahmung verrät. daß aus dem Wasserhahn„Kühle Flut tut gut“ läuft. Das ist alles andere als schon. In desselbe Kapitel gehören„Nur ein Viertelstünd hen“ und die Schlafzimmersprüche:„Morgen stunde hat Gold im Munde“. All diese Sentimentalitäten haben mit Schönheit und Gemütlichkeit nichts zu tun. Was tut die Hausfrau vor Verlegenheit, wenn man in der Ar heitszeit ihre Küche betritt und der Wand spruch stimmt nicht? Sie entschuldigt sich,„daß es noch so aussieht". Die Küche kann eben nicht immer„blank und rein“ sein: denn in ihr wird gearbeitet.„Gröhn. —(eDas lange Abendkleid Unleugbar, es hat auf der ganzen Linie gesiegt. Nicht etwa, daß man auf Bällen und im Theater keine kurzen Kleider mehr zu sehen bekäme, man sieht sie sogar noch sehr häufig, aber das sind Schöpfungen der vergangenen Saison, die man eben noch aufträgt. Bezechnenderweise ist der Sieg nicht den allmänztigen Modediktatoren zuzuschreiben(in bez., auf die Farben konnten sie gar nicht durch dringen), sondern der Einsicht der Frauen, daß die neue Linie trotz einiger nicht unberechtigte: Einwände doch kehr schätzenswerte Porte### hat. Diese Mode schafft wieder Illusionen. Und — ehrlich gesagt— wer kann und möchte dar auf verzichten? Wenn man dis 5 Uhr so sach lich und praktisch und übersichtlich wie nur denkbar angezogen ist, dann darf der Reit der Tages ruhig dem fraulichen Kleid gehören, mit graziösem Faltenwurf und weichen, schwingenden Linien. Wie sah denn eigentlich die glori kizierte und himmlifizierte Hemdkleidmode aus beides gut abwaschbar, von schöner, ein= jur die einige Frauen heute, noch eine Lanze zacher Form. freundliche Gardinen am Fen=orechen? Sitzend schoden sich die Kleier handbreit über das Knie hinauf, um tiefe Seisel konnte man überhaupt nur scheue Krei e ziehen— dann das Unnorte#lhafte der ver. ungerten Taille, des verkürzten Unterkörpers.— Der lange Rock— er braucht nicht notwendig in einer Schleppe zu erden— schafft die getreckte elegante Beinime, deren ästhei her Wert gegenüber der verkurzten gar nicht zu diskutieren ist. Wem der Uebergang ju der sochgerückten Taille etwas zu plötzlich kommt, den wird die doopelte Tail.. nmarkierung veröhnen, deren untere Grenze in der Mitte der hüfte sein kann. Dort erst beginnt die weihe Fülle schmiegsamen Materials, gleitnde Stoffmengen, die hinten oder seitlich den Boden streifen. Wenig oder gar kein Ausputz, sorgfältige Verarbeitung. Eingehen auf den Ton der Trägerin kennzeichnen das Kleid ron Klasse. Die Taille, so wichtig sie, was Ausschnitt und Höhe anbelangt, ist, tritt in den Hintergrund. Man arbeitet sie zuweilen aus ibweichendem Material, das schwerer ist, oder doch so aussieht, als das des Rockes. Banne=, Brokat= oder Lameetaillen zu Taffet=Moiree und Tüllröcken sind große Mode. Die Farben? Beim Modestart im Herbst sind die berückendsten Töne durchs Ziel geegugen; dahlia, see= und flaschengrün, versene braune und blaue Schwebungen. Und heute zeigen die ersten Bälle überwiegend das schwarze und rein weiße Abendkleid und wundervolle schwarz=weiß Kombinationen. Eine kluge und glückliche Entscheidung, die die Frauen selbst getroffen haben. Denn fast alle sehen in schwarzen Kleidern vorteilhaft aus, ehr vielen Gesichtern schmeichelt das sanfte Weiß glänzender Seide, man kann das ganze modische Drum und Dran besser dazu abstimmen und, eins der wichtigsten Momente, sie können am häufigsten getragen werden.— Um diese klassisch=einjachen Kleider etwas zu beieben, trägt man im Sau., Theater und zu Gesellschaften ganz kurze, weiche Mäntelchen und Jackchen aus Samt, Crepe satin oder Chiffon mit Perlen oder Straß bestickt und mit Pelz besetzt, die man nur zum Tanzen ablegt, zum Essen aber anbehält. Sie komplettieren das Kleid in außerordentlich reizvoller Art, aber es wäre veriehlt, sie nun unter allen Umständen anschaffen zu wollen. Wenn die Ausgabe für ein erstklassiges Stück nicht gemacht werden kann, sollte man lieber darauf verzichten. So eine extravagante Sache muß den guten Saion verraten, denn der Schritt von Eleganz zum modischen Kitsch ist hier besonders klein. S ESE " O 2•5 * S S. S S911 5 a-•" 8 F#S S Sesu. Sgxg 5 E S5— R3-• PSEZES POTUMOUPOEE - SESESSTS-ge|S“E S•1SS“ 9 8 * ###sgsgess — # 9 5 S SS „ S 2** S S 2.2" * E*„TS Sg. SSEESSLEER BEDTSSTTTEEZUeF•e * 9 E * 8 2 E*U•S Sa S5RT Kaninchenfelle Etwa 65 von 100 aller Pelzmäntel, Pelzver brämungen und Fellverzierungen stamme. vom Kaninchen, und es ist daher kein Wunder daß die Kaninchenzucht heute ein wichtigvolkswirtschaftlicher Faktor ist. Das Kanin. chenfell hat viele gute Tigenschaften: es ist haltbar, es kann dem Regen und der Sonne ausgesetzt werden, es ist dicht und es hat einen schönen seidigen Glanz. Da rran durch die ver niedenen Zuchtungsarten auch die verschieden artigst gefarbten und gezeichneten Kaninchen felle gewinnen kann, ist eine beträchtliche Vie seitigkeit der Verarbeitung möglich. Die einfarbigen Kanincenielle sind begehr ter als die gestreiften und gefleckten. Und zwar deshalb, weil man ersteren ihren ein fachen Ursprung nicht so leicht anmerken kann; wie denen, die eigentlich unverändert bleiben müssen. Am geschätztesten sind weiß Kaninchenfelle, die man zur Herstellung von eleganten Kinderpelzen, Kindermüffchen, abe. auch für Pelzkragen zu dunklen Mänteln und vor allem für Abendcapes benötigt. Diese als Hermelinimitation üblichen Pelze sind jetz: wieder sehr modern. Weiße Kaninchen werden besonders in Belgien und Holland gezüch, tet. Es ist das eine Tiergattung, die d'e Wissenschaft als Albinos bezeichnet. Sie haben hellrosa Augen, die bei älteren Tieren richtig rot werden. Diese Tiere werden auch de trächtlich groß, so daß ihre Felle um so wert voller und gebrauchsfähiger sind. Die weißen Kaninchen sind sehr fruchtbar, so daß sich die Zucht gut bezahlt zu machen pflegt, um so mehr, als men in den betreffenden Länder. auch das Koninchenfleisch mehr schätzt, als die bei uns der Fall ist. Auf den belgischen und holländischen Lebensmittelmärkten nämlich fin den sich überall zahlreiche Stände, in denen ausschließlich Kaninchenfleisch. und zwar ent weder im ganzen oder in Stücken feilgebote wird. In Polen und Rußlund wird ebenfalls ein weißes Kaninchen gezüchtet, das aber blaue Augen hat. Es ist höher und kürzer gebaut als das belgische Tier, erreicht aber ein be trächtliches Gewicht und ist eigentlich ein Mittelding zwischen Hasen und Kaninchen. Diese Tiere weisen nicht selten ein Körpergewich von 4—6 Pfund auf. Neben einem gerädezu erstklessigen Fleische bieten sie ein durch sein. Dichte und schneeige Weiße begehrtes Fell, das man speziell als Hermelinimitation zu venutzen pflegt. Diese Felle lassen sich auch gut färben Sie gelangen dann unter der Bezeichnung Bibrette(hellbraun), Biberhase(mittelbraun), Kanin(schwarz) und Taupe(maulwurffarben) in den Handel. Auch Deutschland hat an der Fabrikation der Kaninchenfelle einen hervorragenden Anteil. Die meisten Felle nämlich werden bei uns gefärbt und teilweise auch in unserem Lande gegerbt. Leipzig ist bekanntlich der Mittelpunkt der deutschen Pelzindustrie und tausende und abertausende Felle der im Ausland gezüchteten Kaninchen gelangen zu diesem Zwecke zu uns. Stefanie Rodof. fluß solcher musikalischen Veranstaltungen in den Ferienheimen nicht zu unterschätzen: ich denke hierbei an ein reizendes kleines Erlehnis in den Kinderheimen Nordholz bei Cuxhaven, wo etwa 450 Kinder, Knaben und Mädchen in bunter Reihe, meinen Liedern zuhörten und ein etwa neunjähriger Junge, nachdem ich „Tas stille Tal“ gesungen hatte, zu der Leiterir des Heims ganz spontan äußerte:„önnen wir das Lied nicht auch mal so singen? wir brülle:: is ja immer.“ Freilich nicht alle Kinder üben solche Selbstkritik, die gleichzeitig ein feineres musikalisches Verstärdnis verrät; es sind andere unter ihnen, die sich weniger von der gebotenen Musik als van dem Drum und Dran der Veranstaltung beeinflussen lassen, und so war es recht amusant, als wiederum ein Junge— diesmal war es ein waschechter Berliner— auf die Frage, was ihm denn am besten gefallen habe, die bündige Antwort fand:„Daß ich mang die Mächens sitzen durfte“. Aus diesem völlig verschiedenartigen Verhalten der jugendlichen Zuhörer geht deutlich hervor, wie schwer es ist, bei dem Vortrag der Lieder den inneren Konnex mit den Kindern herzustellen(wie ja ein solcher Konnex überhaupt das Geheimnis aller künstlerischen Wirkung ist). Hierbei spielt naturgemäß auch das Alter der Kinder eine gewisse Rolle: je jürger sie sind, um so aufnahmefähiger sind sie für oie Finnfälligkeit der Lieder, die irgendeinen realen oder märchenhaften Vorgang illustrieren. Däher haben auch Lieder, wie etwa„Schneewittchen“ von Carl Reinecke, in dem das allen Kindern bekannte Märchen musikalisch Gestalt und Farbe annimmt, oder ein heiteres Lied aus der Wirblichheit, wie„Die lustigen Schneidergesellen“ von Otto Blensdorf, immer al. stärksten gewirkt. Meine Erlebnisse in Kinderheimen Von Helene Lachmanski=Schaul= Berlin. So oft ich auch in den verschiedenen Kaderheimen meine schlichten Volns= und Kinderlieder gesungen habe, konnte ich immer wieder feststellen, daß das Gemüt des Kindes jür diese einfache Kunst ganz besonders empfänglich wer. A es Komplizierte, alles Verkünstelte, alles, was sich nicht in einer klaren und leicht faßlichen Melodie musikalisch ausdrückt, lehnt es wie aus einem nat rlichen Instinkt heraus ab; dazu tut die völlig veränderte Umgebung das ihrige, um Herz und Sinn der in den Ferienheimen untergebrachten Kinder, die ja zu Hause selten oder nie von außen her irgendwelche künstlerische Anregung empfangen, musikalischen Eindrücken weit zu erschließen. Gewiß ist diesen Kindern, soweit sie wenigstens schon schulpflichtig sind, manches der von mir zu Gehör gebrachten Lieder nicht mehr unbekannt, da sie es ja oft genug in der Schule selbst mitgesungen haben; aber gerade deshalb macht es ihnen offensichtlich besondere Freude, wenn sie ein altes Volkslied wie„Das stille Tal“ oder das Mozartsche„Komm, lieber Mai“ oder auch Joh. Trojans„Wo bin ich gewesen?", dessen Text ihnen aus der Lesefibel wohl vertraut ist, nun aus sangeskundigem Munde wie etwas völlig Neues hören dürfen. Aber über diesem kindlichen Vergnügen an dem Gebotenen selbst ist der vädagogische EinAuch der Rhythmus eines Liedes ist gerade für Kinder, und zwar für jüngere wie altere, zumeist ein Gradmesser seiner Wirkung: ze traffer und konzentrierter die Melodie geführt wird, desto empfänglicher zeigen sich die kleinen Zuhörer. Sehr oft geht dann diese Empfänglichkeit in persönliche Vertraulichkeit über, und selbst schüchterne Kinder versuchten oft nach Schluß der Veranstaltung mit mir„Fühlung“ zu neymen. So entsinne ich mich, wie ein kleines. kaum vierjähriges Mädchen sich zighaft mir näherte, die Augen bittend auf mich gerichtet, um ganz leise den Wunsch zu auß rn:„Ach, Tante, sing doch mal„Hänschen klein!“ Und wie eine andere, die schon etwas mutiger war und mich offenbar vom Kopf bis Fuß eingehend gemustert hatte, die neugierige Frage an mich tellte:„Hast du immer goldene Schuhe an?“— wobei sie mir, wie einer Märchentante, die außer ihrer Neugierde auch ihre Phantasie angeregt hatte, bis in mein Zimmer ti rein folgte. Kein dankbareres Publikum givt es, als diese Kleinen. Nicht nur, daß ihre Beifallsäußelungen keine Grenzen kennen— sie sind auch unersättlich im Aufnehmen, und sie möchten am liebsten jedes Lied da capo dören. Und wenn. sie gar irgendwelche Beziehungen“ wittern, wie in Carl Reineckes bekanntem Kinderlied„Der Besen und die Rute“, so teilen sich die zuhörenden Knaben und Mädchen wie von selbst in zwei Parteien, von denen eine jede nach ihrer Art an den Vorgängen des Liedes Anteil nimmt. Solch intensives Interesse, das die älteren Kinder, wie ich wiederholt erfahren habe, auch Liedern ernsteren Gepräges zuwenden, nehmen sie dann aus der zeitgebundenen Umgebung des Ferienheims in ihre Alltäglichkert hinüber solchen Fällen das Unglück des Filmstars zu steigern.„ Eine Fimschauspielerin, deren Namen jedem Besucher der Lichtspielhäuser regelmäßig wieder begegnet, erklarte mir einst, sie würde in irgend einem kleinen Hause im Mittelwesten der Vereinigten Staaten mit einem Gatten, der jeden Abend pünktlich zum Essen käme, und mit Aufregungen eines neuen Hutes oder Kleides wegen weit glücklicher sein. Ich möchte auch wetten, daß die prächtige Dolores de Rio, mit ihrem sanften Gesicht und ihren Madonnenaugen, einer der unglucklichsten Menschen in Hollywood ist. Denn sie hat bisher ihren hingebenden Jaime, ihren mexikanischen Gatten, nicht vergessen können, mit dem sie noch vor einem Jahre die Vergnügungen und Freuden von Mexiko City genoß. Ihre gegenseitige Liebe zerplatzte mit der Rakete, die Dolores Ruhm am Filmhimmel verkündete. Niemand kann durch die Studios gehen, wie ich es getan habe, ohne auf die verhängnisvollen Irrtümer aufmerksam zu werden, die Eheschließungen oft voraufgehen— besonders wenn es sich um Heiraten unter jüngeren Künstlern handelt—, und ohne sie tief zu bedauern. Oft werden Filmstars in die Ehe hineingeworfen wie die Kartoffel in die Bratpfanne. Manchmal tritt ein junges Künstlerpaar nur deshalb vor den Altar, weil es von den Kollegen geneckt wurde. Ich habe gehört, der Jugendroman von Mary Pickford und Owen Moore habe ebenso begonnen. Filmdirektor und Kollegen riefen einmal gleichzeitig, als sie durch den naiven Liebreiz des Mädchens und die überreichliche Männlichkeit des Mannes entzückt wurden: „Welch ein schönes Paar würden sie abgeben!“ So wurden die beiden einander tatsächlich in die Arme getrieben. Meiner Ansicht nach ist es immer leichter, sich der Meinung anderer anzuschließen, als ihr Widerstand zu leisten. Die Filmstars, sprichwörtlich impulsiv und temperamentvoll, gehen oft übereilt Verpflichtungen ein, obwohl ein wenig klare Ueberlegung ihnen Selbstbeherrschung und Vorsicht hätten rätlich erscheinen lassen. Im Stoßen und Hasten eines Filmstudios, des prosaischsten und ernüchterndsten Platzes auf Erden, darf niemand hoffen, die vollkommene Liebe zu finden, die zugleich Trost und Eingebung fur die berufliche Arbeit verleiht. Wenn beide Gatten Künstler sind, die wie Motten zum Licht flogen, so sinken die Aussichten auf ein gluckliches Zusammenleben mehr und mehr, bis die Ehe schließlich im Nebel des Argwohns und des Komödiespielens untertaucht. Denn Liebe zwischen zwei Menschen von gleich impulsiver Persönlichkeit wird entweder zum großen Idyll oder zur großen Tragödie, manchmal auch zu beidem. Auf jeden Fall kann man sich nur schwer vorstellen, daß eine derartige Ehe in den üblichen Bahnen bleibt. Kein Haus in der ganzen Christenheit is geräumig genug, um zwei Künstlertemperomente zu beherbergen. Heutzutage, wo die Frauen doch mehr mit den Männern auf deren eigensten Arbeitsgebieren in Wettbewerb treten, ist die Ehe mehr ein sozialer Vertrag als eine romantische Lebensgemeinschaft, in der die Frau ihre Persönlichkeit der ihres Herrn und Meisters unterzuordnen pflegte. Die alte Auffassung von der Beziehung der Geschlechter untereinander verlangte, daß der Geschmack der Frau sich dem des Mannes anpaßte. Anders ausgedrückt, sie besaß keine stimmt war, dem keiblichen Wohl und der 40#, erlichen Pflege der Jugend zu dienen, oftmals der Anlaß, auch die seelischen Kräfte der„nder zur Entwicklung zu bringen. —12— Ehen unter Filmgrößen Wird Hollywood der Liebe zum Verhängnis?— Warum Ehen so oft ein Mißerfolg sind? Von John Gilbert, (dem bekannten Filmschauspieler). Die große Masse nennt Glück und Hollywood in einem Atemzuge. Deshalb wird sie oft peinlich überrascht, wenn sie entdeckt, daß auch den Filmgrößen Augenolicke der Verzweiflung und des Kummers nicht erspart bleiben, die meistens auf eheliche Zwiste zurückzuführen sind. Derartige falschen Anschauungen der großen Masse tragen nur dazu bei. in Und so wird der vorübergehende Erholungs= Individualität. Man brauchte nur— so wird aufenthalt, der in erster Linie dazu##mt uns erzählt— zu hören, wie eine Hausfrau aus der viktorianischen Zeit das Mittagessen ihres Gatten bereiten ließ, um die Wahrheit der vorhergehenden Behauptung zu erfahren. Die heutige Ehe dagegen bedingt ein weit größeres Maß an Geben und Nehmen, und das Band ist nicht mehr so eng wie früher. Ein kleiner Beweis dafür sind die massenhaften Ehescheidungen in Hollywood. Es gibt eine Reihe von Gründen für diese häufigen Trennungen innerhalb der Filmkolonie, und nicht der geringste unter ihnen ist meiner Ansicht nach der rein fiktive Wert, den wir in unseren Filmrollen der„großen Leidenschaft" beilegen. Wir sind Phantome in einer Welt des Unwirklichen und halten leicht bloße Schatten für Gestalten, und wenn wir mit einem Schlage in der Welt der Wirklichkeit erwachen, so erscheint uns die Ehe als Enttäuschung. Unglückliche Heiraten sind nicht notwendigerweise das Ergebnis der Unvernunft oder des Egoismus. Manchmal liegt im Gegenteil die Schuld an dem recht lobenswerten Wunsche, die Ebe besser zu gestalten, als sie bieber in