2 * 2 E 2 5: g 5 S•Pn 8 aSS .E**6 S* ##5 S- S. 48 93 5 S * 9—.2.0 nanz S EAn ..8 -Sogsugse S ongnPE zn Und als Erna erfuhr, daß dles ihre Nach folgerin im Krawattenlager war, zog sie ihre Schlüsse. Sie schrieb an den Personalchef. Der entsann sich, Ernas Nachfolgerin bei der nächsten Vakanz einen Posten zugesagt zu haben. Erich, ihr Freund, hatte diese Vakanz auf geschickte und gemeine Art herbeigeführt. Hier fehlt ein Paragraph im Strafgesetzbuch. Denn damit, daß Erna den jungen Mann auf Schadensersatz verklagte und 150 Mark zugesprochen erhielt— womit sie das Geld noch lange nicht hat— ist es nicht getan. : Merkwürdigkeiten amerikanischer Kinder Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten nimmt es nicht weiter wunder, daß halbwüchsige Kinder am Steuer sitzen und ihren Wagen selbst lenken. Die Polizei duldet das, d. h. mit anderen Worten, es gibt keine Verordnung die es Kindern verbietet, einen Führerschein zu erwerben. Gegen ein Uhr mittags kann man also folgendes sehen: in den Schulhösen, wo die Autos der Kinder den Vormittag über stehen — Schulgaragen gibt es noch nicht— besteigen die kleinen Wagenlenker ihre Sitze, nehmen meist noch den einen oder anderen Kameraden der kein Auto besitzt, mit, und fahren heim. Aber es gibt noch weitere Neuigkeiten: die amerikanischen Knaben betätigen sich auch als Verkehrspolizisten. In jeder Klasse wählt der Lehrer die zwei oder drei tüchtigsten, ernstesten und zuverlässigsten Schüler aus, unterweist sie genau in dem, was sie zu tun haben, und diese Kinder verlassen vor den anderen Schülern die Klasse, um sich an der der Schule am nächstgelegenen Straßenkreuzung aufzustellen. Wenn nun die anderen Kinder das Schulgebäude verlassen— es handelt sich hierbei natürlich nur um Schulen, die in verkehrsreicheren Gegenden großer Städte untergebracht sind — so regeln diese Knaben den Verkehr. Sie haben das Recht, Autos und andere Wagen anzuhalten, um ihren Kollegen einen gefahrlosen Uebergang über die Straße zu sichern. Die Polizisten=Knaben tragen eine behördliche Armbinde, die sie weithin für ihr Ehrenamt kenntlich macht. Die Einführung, daß sich Kinder als Verkehrspolizisten betätigen, hat sich bewährt; sie entlastete viele Eltern, die ihre Kinder sonst von der Schule abholen mußten, von dieser zeitraubenden Verpflichtung. Eheschließung um illernacht. Daß die Bürokratie in Deutschland im Aussterben zu sein scheint, zeigt ein Vorfall, der sich lich in Schnarsleben im Kreise Wolmirstedt abgespielt hat. Dort hatte sich ein junges Paar, das sich trauen lassen wollte, durch einen Formfehler nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern hat seinen Willen energisch durchgesetzt und ist dabei glücklicher Weise nicht auf bürokratischen Widerstand gestoßen. Als die beiden Brautleute mit ihren Zeugen auf dem Standesamt erschienen, um den Bund fürs Leben zu schließen, eröffnete ihnen zu ihrem großen Erstaunen der Beamte, daß die Papiere, die aus Großottersleben kommen sollten, noch nicht da wären. Wie sich herausstellte, hatte der BräuEntthronung der Venus? Was soll man heute dazu sagen, wenn das, was Generationen schönheitstrunkener Menschen durch die Jahrtausende hindurch als ihr Idol verehrten, von hypermodernen Geistern verspottet und in den Staub gezogen wird? Dieses Schicksal droht zur Zeit der Venusstatue von Milo, die in ihrer marmornen Pracht noch immer auf einem Sockel im Louvre thront und das Schönheitsideal der abendländischen Mensch heit nach wie vor verkörpert. Die Aufseher des Louvre behaupten zwar, daß die Schar der Bewunderer dieser Göttin ständig abnimmt, doch ist dieses verringerte Interesse wohl auf andere Gründe zurückzuführen, als sie der bekannte Pariser Kunsthändler und Aesthet Edouard Jonas vor nicht zu langer Zeit ins Treffen führte. Sein Urteil muß als befangen gelten, da er behauptete, die Venusstatue schon seit seiner Jugend aus tiefster Seele gehaßt zu haben. Sie hat nach seiner Ansicht zu lange Beine und allzu starke Hüften. Jonas schwärmt für schmale Sitzgelegenheiten und will in seinem ganzen Möbellager keinen einzigen Stuhl besitzen, der ihm breit genug für die Venus von Milo erscheint. Sie ist nicht einmal fähig, sich ihr Brot als Mannequin zu verdienen. Sie benötigt ein volles Jahr härtester Trainingsarbeit und zahlreiche Paraffinbäder, um„eine normae Figur“ zu erhalten. Noch lauter als jener stößt jedoch Raymond Duncan, der Bruder Isidoras Altphilologe und Kunsthistoriker, ins gleiche Horn:„Was griechisch ist, kann nicht so häßlich wie die Venus sein. Sie ist zu unerhört dick, aber sie hat in der Person Homers einen guten„Manager“ gehabt. Ihr Halsumfang gleicht dem des französischen Boxerkönigs Georges Carpentier, doch ihr Rumpf ist breiter und ihr Bizeps stärker als der seinige. Ihr Lebendgewicht muß schätzungsweise achtzig Kilogramm betragen haben und würde heute jede zwanzigjährige Französin zur Verzweiflung treiben. Sie muß entthront großer Sorgfalt vorbereitete Hochzeitsfeier verschieben? Das schien schon der Gäste wegen nicht angängig, die nicht gerade gesättigt zur Feier gekommen waren, und denen der Magen schon bis in die Kniekehlen hing. Kurz entschlossen feierte man also das Hochzeitsfest, das vielleicht gerade wegen dieses Zwischenfalles in bester Fröhligkeit verlief. Den Höhepunkt der Feier bildete der Augenblick, um 12 Uhr nachts, als die Aushängefrist abgelaufen war und sowohl der Standesbeamte in der Person des Amtsvorstehers als auch der Pastor erschienen, um das im voraus gefeierte Ereignis amtlich und kirchlich zu bestätigen. Das faschistische Muttermal. Vor einiger Zeit hat in der Nähe von Ancona eine Bäuerin ein Mädchen geboren, das an der linken Körperseite ein Mal mit den deutlichen Formen des Liktorenbündels trägt. Kurze Zeit vor der Niederkunft sprach sie mit anderen Frauen über faschistische Bevölkerungspolitik. Diese Frauengruppe befand sich zu einer Stunde auf dem Platz vor dem Regierungspalais, wo ein großes Liktorenbündel mit den Trikolorefarben die Fassade festlich schmückte. Sie habe dieses Abzeichen, das in der Nacht durch Hunderte von Glühlampen beleuchtet war, angeschaut und dabei die Worte gesprochen:„Mein Kind wird mit diesem Zeichen zur Welt kommen.“ Der Spruch hätte sich also schon bewahrheitet. Die faschistische Behörde von Ancona hat eine Aufnahme des Muttermals machen lassen und diese sofort nach Rom an den Duce gesandt. Das Kind als Schmarrenretter. In einem schwedischen Sommertheater ereignete sich kürzlich folgendes: Man spielte dort einen Schmarren, der kaum einen sonderlichen Publikumserfolg erzielt haben würde, wenn nicht ein kleines Mädchen die Zuschauerschaft in fröhliche Stimmung versetzt hätte. Die Sechsjährige sollte inhaltsgemäß gegen Ende des ersten Aktes auf die von allen Spielern verlassene Bühne treten und die Worte sorechen:„Ja, so, alle sind fortgegangen. Da werde ich wohl auch gehen.“ Das kleine Mädel erschien nun rechtzeitig mit einer Puppe im Arm. Zuerst blickte es sich ein wenig scheu um und begann dann allerliebst mit seiner Puppe zu spielen. Die Souffleuse schwitzte Blut und Schwefel in ihrem Kasten, als das Kind stumm blieb und sich den Teufel um das Theater scherte. Die Lage wurde peinlich. Immer aufgeregter und hastiger raunte sie dem Mädel die Stichworte zu. Das Publikum amüsierte sich königlich. Endlich schien die kleine Schauspielerin etwas gemerkt zu haben. Sie trippelte, die Puppe nach sich schleifend, bis dicht an den Souffleurkasten heran und rief hinern: „Warum schreist du denn so, liebe Tante?“ Die Zuschauer wieherten vor Lachen. Da besann sich die Kleine, machte der Tante im Kasten ihren schönsten Knix und verschwand mit der Improvisation:„Gute Nacht, Tantchen, ich muß jetzt gehen.“ Unter stürmischen Beifall fiel der Vorhang. Und der Schmarren zog. (So ganz velläufig kam das Gespräch auch auf die türkischen Kronjuwelen, und bei dieser Gelegenheit erwähnte die Dame, sie habe in ihrer Sammlung ebenfalls einige recht wertvolle Juwelen, müsse sich aber der Not gehorchend von ihnen trennen. Der Offizier konnte ihr sofort die freudige Mitteilung machen, er kenne eine hochgestellte Persönlichkeit, die sicher Interesse für den Schmuck habe. Madame Casanova ließ das Gespräch nicht einschlafen und fragte, ob der Türke nicht die Liebenswürdigkeit besitzen würde, sich den Schmuck gelgentlich anzusehen. Der höfliche Orientale war gern zu diesem Dienst bereit, und eines Tages ließ er sich bei Madame Casanova anmelden. Er konnte der glücklichen Juwelenbesitzerin mitteilen, sein Bekannter sei zu einem Kaufe gern bereit, falls ihm der Schmuck zusage. Erfreut bot die Pariserin dem höflichen Besuch ein Glas Portwein an und nippte selbst an einem anderen. Da sie weder das Glas noch die Flasche einen Augenblick aus dem Auge gelassen hatte, so konnte sie ihren Besucher keiner schlechten Handlung verdächtigen. Doch kaum hatte sie genießerisch ihre Zunge über die portweinfeuchten Lippen gleiten lassen, da fiel sie in ihren Stuhl zurück und gleichzeitig in einen tiefen Schlaf. Sie wachte erst am anderen Morgen auf, als der Hausmeister und der Postbote an ihrer Wohnungstür Sturm läuteten. Madame Casanova fiel aus allen Wolken, als sie feststellen mußte, daß der„Offizier" ihren gesamten Schmuck im Werte von 65000 Mark mitgenommen hatte. Seitdem hat weder sie noch die Polizei etwas von dem Exoten oder von den Juwelen gehört, und die Gewißheit, daß sie nun auch der Mitwelt von einem leider recht schmerzlichen„Abenteuer“ berichten kann, ist ein recht schwacher Trost für den Verlust des höflichen Bekannten und der Edelsteine. Außerdem zergrübelt sich die Unglückliche den Kopf, wie es dem Juwelenliebhaber gelingen konnte, sie mit ihrem eigenen Portwein einzuschläfern. Die Geheimnisvolle. Einen Dackel zu haben, ist manches Mannes Stolz. Auch Max Liebermann hat einen. Aber er läßt es mit dem Besitz nicht sein Bewenden sein, er kümmert sich auch um ihn und geht vormittags ein bißchen im Tiergarten spazieren. Mit dem Dackel. Vor ein paar Tagen ging er wieder. Und wie sie so beide um die Ecke, am Brandenburger Tor vorbei, biegen, da bricht der Dachel aus der Hürde, die Autos bremsen knirschend, der Sipo regelt hilflos den Verkehr. nichts ficht den Dackel an, er springt weiter über die Straße, einer Frau entgegen. Liebermann staunt. Er kennt die Frau nicht. Er ruft den Dackel. Aber der kennt die Frau und bleibt weg. Wäre Liebermann öfters aus seinem Atelier in seine Küche gegangen, ja, dann wäre kein Mysterium vorhanden. Denn die Frau war— seine Köchin, seit Jahren! Ueberboten. Drei Teilnehmer an einer Hochzeitsfeier unterhalten sich darüber, was sie dem jungen Paar zur Hochzeit geschenkt haben. Der eine erzählt stolz, daß er Kuchenbestecke für zwölf Personen überreicht hätte.„Und ich ein Tafelservice für vierundzwanzig Personen“, übertrumpft ihn der zweite.„Für vierundzwanzig Personen?“ sagt der dritte.„Ich habe ein Teesieb für hundert Personen geschenkt!“ Madame Casanova trinkt ein Glas Portwein für 65 000 Mark. Madame Casanova— bitte, verehrter Leser, denken Sie nichts Schlimmes bei diesem Namen, denn die Pariser Dame, die ihn führt, hat sonst weder durch ihre Abstammung noch durch ihre Lebensführung mit dem Abenteurer seligen Angedenkens auch nur das geringste gemein— besaß eine Sammlung ausgesuchter Kunstgegenstände, die sie zu verkaufen beabsichtigte. Vor einigen Tagen machte sie gelegentlich einer offiziellen Feier die Bekanntschaft eines höchst vornehm aussehenden älteren Herrn. Madame Casanova erfuhr zu ihrer Genugtuung, daß ihr neuer Bekannter aus einer alten türkischen Familie stammte und holber Offizier im Heere seines Vaterlandes war.“ Soeben erschien das neue Daheim(65 Ihrg. Nr. 46) mit vielen anregenden und unterhaltsamen Beiträgen aus allen wichtigen Gebieten des Wissens, der Kunst und heutiger Lebensführung. Erdkunde: Dr. E. Carthaus,„Feuerspeiende Berge“, Politik: Major v. Moßdorf, „Nationalismus als Religion der Türken", Zoologie: Kapitän Schneider,„Ich und meine hundert Löwen“, von der Reichsmarine: Korvettenkapitän F. O. Busch,„Der Kutter“, Schulwesen: Dr. Holtorf,„Das Problem der Ueberbürdung an höheren Schulen“, Zeitgeschehnisse: Die einleitende Wochenschau im Bild, Hauswirtschaft und Mode: Das Frauendaheim mit vielen nützlichen Winken. Dazu ein Abschnitt des laufenden heiteren Romans„Die Buschhexe" von G. Mühlen=Schulte, eine abgeschlossene Novelle „Die unglückliche Kanne“ von G. Zimmermann und eine Plauderei„Auf dem vollen Fuder“ von Thea von Puttkamer. Vorzügliche farbige Wiedergaben von Gemälden, Verse, Auskünfte, Rätsel und der umfassende Daheimanzeiger mit Stellenvermittlung vollenden den reichen Inhalt des schönen und wertvollen Heftes. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. und Verlag: Dr. C. Santz. Altena. 2 S S• 8 a 183e5S 8 5e 21 eg KIRNE. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 28 Altena, den 20. August 1929 Ist das Glück der Familie heute gefährdet? Es gibt kein Zeitalter, das nicht über den Zerfall der Familie geklagt hätte, ebenso wie über die Unbotmäßigkeit der Jugend gegenüber dem Alter über Verwahrlosung der Sitten. Und jede Generation war der Meinung, mehr Berechtigung zur Klage zu haben als irgendein Zeitalter vor ihr. Und immer wurden von den hilfsbereiten Freunden der Jugend Hilfsmittel vorgeschlagen um Zucht und Sitte, Respekt und Moral zu retten— all Versuche jedoch scheinen versagt zu haben, denn allen Leuten ist die alte Zeit gleichzeitig die gute Zeit!— Das vergangene Dezennium scheint ihnen tausendmal besser als das gegenwärtige. Und doch gibt es nicht einen Geschichtsschreiber, der zu sagen wagte, das Leben seiner Zeit sei rein und sittenstreng gewesen— da können wir bei Plinius anfangen und bei Ranke aufhören! Die Sittenlosigkeit vergangener Jahrhunderte soll uns nicht mehr erregen, aber die seelische Not unserer Tage greift uns ans Herz— wie kann man bessern, helfen, retten—, ist es nicht verlorene Mühe, helfen zu wollen, wenn selbst ein Savonarola, ein Abraham a Santa Clara ohne dauernden Erfolg geblieben? Man könnte heute nicht mehr Bußprediger sein, ohne dem Fluch der Lächerlichkeit zu verfallen, deshalb müssen wir uns darauf beschränken, durch Tat und Beispiel zu wirken. Und an einem müssen wir vor allem festhalten an der Familie. Der Zerfall der Familie bedingt für die Menschen deutschen Wesens nicht nur den Zerfall des Deutschtums, sondern den Zerfall der Kultur überhaupt. Bei einem Volk fremder Art, den Russen, haben wir ein Abscheu erregendes Beispiel, wie rasch ein Volk in kultureller Hinsicht sinken kann. Niemals ist Zusammenhalt der Familie notwendiger als in Zeiten der Not, und die wirtschaftliche Lage Deutschlands zwingt uns, im Gemeinschaftsleben miteinander durchzuhalten. Das Einzelwesen schlüpft überall durch, es hat überall Existenzmöglichkeit, in der Heimat und in der Fremde, in der Großstadt und auf dem Dorf. Sein Heim ist das möblierte Zimmer, an dem noch nirgends Mangel ist, seine Herdwärme liefert das Wirtshaus, das überall gastlich seine Pforten geöffnet hält. Doch in der Familie stecken die Wurzeln des Menschenglücks, des Volkstums, aus ihr wächst das junge Geschlecht heraus, das die Zukunft auf den Schultern trägt! Eine glückliche Familie ist nicht immer ein Zeichen für den Wohlstand des Hausvaters, aber sie ist immer ein Zeichen für die Liebeskraft der Menschen, die ihr angehören. Diese Liebeskraft soll nun recht vielen Volksgenossen erhalten bleiben und deshalb haben wir alle für die Erhaltung des Familienlebens zu sorgen. Doch die Familie braucht Ausdehnungsmöglichkeit, sie braucht eine Wohnung, Spielraum für die Kinder, Arbeitsplätze für die Erwachsenen— und alles das wird ihr heute nur in beschränktem Maß und in unzureichenden Räumen zuteil. Dadurch gibt es mehr Reibungsflächen als man wünschen möchte, denn Enge stört die sorglose Entwicklung der Charaktere, man behindert einander— und hart im Raume stoßen sich die Menschen— Die Jugend findet wohl noch wie einst Liebe und Verständnis, wenigstns bemüht sich ehrlich gemeintes Interesse mehr denn je um sie— aber— Raum findet sie in fast allen Häusern zu wenig. Wenn die Jungen im Alter des Heranblühens spielen und tanzen wollen— wer hat den Raum, sie mit fröhlichen Gesellen und Gesellinnen zusammen einzuladen? Wer hat die Mittel, sie zu bewirten? Wer kann wie früher heitere Geburtstagsfeste geben, bei denen die Glücklicher!— Und so treibt die Not des Raumes sie in die Tanzdielen und Kaffees, was sich früher im Rahmen des Hauses unter der zärtlichen Billigung der Verwandten abspielte, wird jetzt durch das Außerhausgehen ein Anlaß zu ständigem Mißverständnis— der Tanz, der heitere Verkehr der Geschlechter, die Liebelei. Zugegeben, daß mehr getanzt wird als jemals— es wird aber auch mehr gearbeitet! Gönnen wir der Jugend den Tanz, der zum Sport wurde. Ueben wir nicht zuviel Kritik! Aber verlangen wir in anderer Weise Unterordnung unter die Psyche der Erwachsenen. Die Stunde der Heimkehr muß genau festgesetzt werden, zuviel und zeitloses In=die=NachtHineinbummeln ist für die Gesundheit und für die Moral zum Schaden. Ebenfalls dulde man keine Respektlosigkeiten! Auf dem Grundsatz: ehre Vater und Mutter, ist noch jedes Familien glück aufgebaut. Clara Schelper. 72.— Ehe-Indiskretionen Die Frau hat die„Hosen“ an. Das ja ohnedies, werden Sie meinen. Aber nicht von jenen kleinen süßen Fragmenten der ehemaligen großen bürgerlichen Hose mit breitem Stickereibesatz soll hier die Rede sein, sondern von jenen herrschsüchtigen Frauen, die in ihrer Machtgier so weit gehen, daß sie die ganze Familie tyrannisieren. Und da gibt es noch zwei Gattungen(um im groben zu unterscheiden): die Frau, die alles„der Familie zuliebe" tut und nur das Beste will, und jene andere, bei der es innerer Drang ist, daß sie die erste Rolle spielt, daß der Mann zur Pagode wird, daß die Kinder den Vater als lächerliche Figur ansehen, daß allein Geltung hat, was die Mutter befiehlt. Denn sie hat keinen anderen Ton, mit den Ihren zu sprechen, als leben jenen befehlenden. Larifari ist die Erziehung durch Güte, Ueberflüssigkeit, auf die Wünsche des Mannes einzugehen. Er kommt gar nicht dazu, sie ihr vorzutragen, denn sie führt das Wort, sie entscheidet über alles, sie „hat die Hosen an". Der Pantoffel, den sie schwingt, hat nichts von jener zärtlichen Weichheit, die man diesem Toilettenrequisit reizender Frauen nachsagt, er ist ein DamoklesSchwert, das zeitlebens über der Familie schwebt, wenn der Mann nicht sofort„Remedur" schafft. Aber oft ist er wirklich der schwächere, wenn auch ungleich wertvollere Mensch und der robusten Natur der Frau nicht gewachsen. Mit Gottergebenheit oder Wurschtigkeit erträgt er sein Schicksal und wacht unter Umständen aus seiner Lethargie auf. wenn das erste Kind so groß ist, daß man Pläne macht für dessen zukünftigen Lebenslauf. Manchmal selten genug, gelingt es dann, der Frau die Macht zu entreißen. Denn wie die Mutter, ist auch der Vater für sein Kind oft zu jedem Opfer bereit, und der Pantoffel entfällt der erstaunten Frau noch rechtzeitig genug. Die Ehe läßt sich ja dann nur selten mehr korrigieren, verbessern. Der„Aufstand des Vaters" aber kommt dem Kinde zugut, und wie dieses oft die Ursache ist, daß Menschen, für die es besser wäre, auseinanderzugehen, dann doch dieses Leben weiterschleppen und ertragen, so ist das Kind auch die Ursache, daß ungleich starke Ehepartner ihre Temperamente ausgleichen, weil der schwächere Teil sich ermannt und aufbäumt dem Kinde zuliebe oder um seine Achtung zu erringen. Denn nichts ist peinigender und demütigender als traurige, fragende Kinderaugen, als Kinderarme, die sich verstohlen hilfesuchend um den Hals des schwächeren und gleich ihm unterdrückten Ehegenossen schlingen. Nichts aber auch ist mächtiger als ein Kind, das oft Ursache ist, daß ein jahrelang erfolgreich geschwungener„Pantoffel“ dem bisher herrschenZahl der Gäste keine Rolle spielt?— Kaum einden Teile aus der Hand gewunden wird. Was wir morgen tragen Es mag für viele von uns ein heimliches, unausgesprochenes Abschiednehmen sein, das Weghängen all der farbenfrohen Sommerfähnchen, die in ihrer unerreichten Leichtigkeit gerade als vielsagendes Nichts uns erfreuten und uns schmeichelten. Noch ist es nicht so weit, d nnoch steht es allzubald bevor, untrügliche Zeichen, die wir gar zu gern an den noch sonnendurchglühten beglückenden Altweibertagen über die„bloße",(jetzt bronzene) Achsel ansehen lassen sich nicht weglächeln. Sie werden unerbittlich deutlicher und triumphieren plötzlich eines Tages mit rechthaberischer Konsequenz: es ist so weit! Aohl oder übel, man läßt es sich gefallen, ist schließlich vorbereitet. Die trübere Jahreszeit wirft ihre Schatten voraus, und letzten Endes findet man es vornehm, in„Dunkler“ Resignation sich zu gefallen: Schwarz, Dunkelblau, ein fragwürdiges Braun zwischen kaffee= und schokoladenfarben sind die Lieblingstöne, mit denen wir den Herbst empfangen. Im Jackenkleid natürlich zunächst, dem mit Recht so beliebten Laufanzug der Uebergangszeit. Selbstverständlich bleibt die Mode hier sachlich=einfach ruhig=dezent. Das englische„Tailor=made“ ohne Gürtel gestattet wieder zart geschwungene Hüften der modernen vollschlanken Frau ein Hervortreten durch seitlich enger anliegende Formen an die gleichzeitig anspruchsvoller werdende Taille. Eine leichte Schweifung findet sich auch an den fünf Achtel langen Jacken, die den Gürtel hochtaillig tragen. Nachmittagsmäntel folgen dieser Prinzeßlinie und fallen tief unten glockig aus. Nach wie vor reichen die Röcke der Kostüme 10 bis 12 Zentimeter über das Knie, sie sind meist seitlich noch gefaltet, oder glockig geschnitten. Die Füchse, die wir lieb gewonnen haben, sind nicht so schnell abgetragen und bleiben uns teuer. Dazu die moderne Waschseidenbluse, die blusig in den Rock gesteckt wird. Freilich sind auch melierte und Phantasie=Wollstoffe, Marengo und Diagonalstoffe wieder da! Großgemusterte Tweeds geben einfarbig dunklen Wollkleidern die elegante Ergänzung durch drei Viertel lange einfarbig abgeblendete Mäntel. Viel Capes werden auch am Nachmittag zu sehen sein, und einige Mantelmodelle zeigen flügelartige Capeteile angearbeitet. Oft überrascht die gänzlich verschiedenartige Machart der Vorder= und Rückenpartien. Gleich den Nachmittagskleidern bringen auch die Phantasiemäntel tiefangesetzte Saumvolants, die Rückenpartien abrundend oder ein Spitz bildend. Diese schlanken Längen mit den tiefen welligen Anhängseln unterstützen in der Tat sehr die schlanke Taille. Denn diese vor allem ist ja der Schwerpunkt, auf den die neue Mode stolz ist. Und wer es bis dato nicht geglaubt hat, der mußte sich diesen Sommer an den Modezentren, den Badeplätzen, auf der Promenade und im sommerlichen Ballsaal davon überzeugen: die Taille hat sich zurückgefunden, die höher und höher geschobenen Gürtel haben sie bestens balanciert: nun sitzt sie da, wo sie Mutter Natur wollte. Ob das allen Frauen recht ist? Ich kenne welche, die seufzen und nachts nicht schlafen können. Die Jugend aber prahlt mit dem „Abbinden“ ihrer Lenden, die endlich wieder zur Geltung kommen. Die für das Straßenbild vielfach gefürchtete Länge der Kleider aber ist nicht mehr unwahrscheinlich, sondern abgewehrt. Wir tragen unsere sportlichen Mäntel, Jumper= und Jackenkleider, die vielleicht für den Winter etwas längeren langlinigen Neuheiten auf der Straße genau wie vordem wadenfrei, aber das lange Ende kommt am Nachmittag und erst am Abend doppelt nach. Wurde die kurze Taille propagiert, um die reichen, rückwärtigen Längen zu unterstreichen, so hat 453.55— 3355T2* 1• ER N5 6F 0 8 982 31 S- 5Eg!. S 8 0— E„s•• EoSEE H E“ a S.— S Sng sannen 8- 5 #S2 9 S J 9 E S"EE * S: * 8 S S tHSKSES AG 2S 5 -dr #. B- S 598•88ESSEE D. 9 SE 2* g SE%PAEEEDSGSLAESESES e n rBSaEs gp-epanns. an##röge Sa Sgsgs gggP-SPäggg GS SBCGGHSLDEMOMTSER SEUNSDOMSNEONSSCSE # S. S 4 Ss - SEzE S ST#ERL " PPersuia Jürgen Tiedemanns blondes Kind hatte das Lachen verloren, als nan Arnulf Bacenkamp nach der Fahrt gegen den übermütigen Dänen das Schwert abforderte und er sich in den Gewahrsam der Stadt begeben mußte. In offener Seeschlacht hatte er sich dem Befehl des Hauptmanns widersetzt, und es entschuldigten ihn nach lübischem Recht für dieses Vergehen weder seine Jugend noch die verkehrte Kampfesweise des Hauptmanns. Daß trotz seiner Unbesonnenheit ein Sieg über die Dänen erfochten wurde, war ein Zufall, und um dieses Sieges willen ließ man den jungen Ratsherrnohn schließlich wieder frei, ohne ein Urteil gefällt zu haben. Es gab zwar manche, die darüber murrten; denn obwohl Arnulf Barenkamp, ein gar fröhlicher, ritterlicher Gesell, in allgemeiner Gunst stand, sollte das Recht der Hanse doch ohne Ansehen der Person geübt werden. Ursula Tiedemann hatte während der wochenlangen Haft ihres Herzliebsten weder gejammert noch bei seiner Freilassung gejubelt. Nur ihre Lippen schlossen sich fest aufeinander, und als Herr Arnulf voll Wiedersehensfreude zu ihr eilte, sind nur bittere Worte zwischen den beiden hin und her gegangen. Sie, die schon als Kind immer ihrem Vater den Sohn ersetzen wollte, hat eine gar männliche Sprache geführt und den jungen Kaufmannssohn einen Rebellen genannt, der nur der Schwäche einiger Ratsherren seine Freiheit verdanke. Trotzdem ist er noch einmal wiedergekommen, denn er liebte die Jungfer Ursula sehr. Da hat sie ihm stumm die Tür gewiesen, und ihre Hand soll nicht gezittert haben. Herr Arnulf Barenkamp aber verschwand aus Lübeck; er sei in fremde Kriegsdienste getreten, hieß es.— Darüber waren dreizehn Jahre vergangen, in denen die Ursula das Lachen nicht wieder fand. Es haben viele Freier um sie geworben, doch sie wies jeden ab, ohne ihn auch nur anzuSkizze von Elisabeth Werner sehen. In ihrer gänzlichen Einsamkeit wußte sie nichts Besseres mehr zu beginnen, als in ihres Vaters Zahlrenreihen zu rechnen. Zu dieser Zeit geschah es, daß der alte Thomas Barenkamp starb. Gram über das Verschwinden des Sohnes, falsche Berater und geschäftliche Mißerfolge hatten ihn so gebeugt, daß er zuletzt Hand an sich legte. Die Bilanz des alten, angesehenen Handelshauses Thomas Barenkamp u. Sohn aber ergab, daß mehr Gläubiger als Schuldner da waren; und da sich keine Blutsverwandten als Erben meldeten, wurde der wertvolle Familienbesitz vor den Ratslauben öffentlich ausgeboten. Damit die Schande, die fortan auf dem Namen Barenkamp ruhte, verkleinert werde, sagten die ehrsamen Bürger der Stadt. Am Tage der Ausbietung stand die Jungfer Ursula Tiedemann, einen verhüllenden Schleier über das blasse Gesicht geschlagen, unter der Menge. Fast jedes Stück, das da in fremde Hände wanderte, war ihr lieb und vertraut wie ihres Vaters Hausrat, doch so oft sie den alten Diener, der sie begleitet hatte, bestimmen wollte, für sie zu bieten, so oft verschloß ihr auch der Stolz wieder die Lippen. Da zuckte sie zusammen. Der Ansager hob einen kostbaren, golddurchwirkten Fensterbehang in die Höhe— ihr Brautgeschenk an Arnulf Barenkamp! Hastig flüsterte sie dem Alten zu, darauf zu bieten. Da geschah etwas Seltsames. Ein fremder Kriegsmann, der schon lange unbemerkt und regungslos an der Tür gestanden hatte, trat sporenklingenden Schritts an den Tisch heran, und eine Stimme schlug an ihr Ohr die ihr das Blut zum Herzen strömen ließ: „Das Tuch ist nicht feil, Herr Krämer, denn es gehört dem Sohne Thomas Barenkamps.“ Und gelassen nahm er dem verdutzten Manne die kostbare Stickerei aus der Hand, schlug sie über den Arm und schritt geradeswegs auf Jungfer Ursula zu, die ihm mit weiß gewordenen Lippen und ohne Laut entgegen sah. „Ihr wolltet verzeihen, Jungfer Ursula, daß ich Euren Weg noch einmal kreuze“, sprach er gemessen, als hätte er die einstige Braut gestern zum letzten Male gesehen.„Toch als mir in Welschland ein reisiger Mann berichtete, daß mein lieber Vater und meine liebe Mutter gestorben seien, bin ich Tag und Nacht geritten, um ein stilles Gebet an ihrer Gruft zu verrichten. Nun hat dies ergötzliche Spiel, zu dem auch Ihr erschienen seid, mich hier etwas aufgehalten.“ Er wollte auflachen, doch es wurde nur ein klangloser, abgerissener Ton, und nun zuckte es in seinem gebräunten Gesicht, als müsse er seinen Jammer hinwegschreien über die gaffende Menge. Die Ursula wollte etwas erwidern, doch kein Laut kam über ihre Lippen. Da trat der Mann dicht an sie heran, und fast wild gingen seine Augen über ihr noch immer schönes Gesicht. „Wir sind nun quitt, Jungfer Ursula“, sagte er halblaut.„Wenn Ihr so lange glaubtet, daß ch Euer Leben zerstort habe— dies da“, und er wies mit einer unendlich verachtungsvollen Gebärde auf die Menge hinter sich,„ist Euer Werk. Denn ich darf nicht daran denken, was aus uns beiden hätte werden können, wenn Ihr meine jugendliche Verfehlung vor dreizehn Jahren weniger hochmütig und lieblos beurteilt hättet. Das mig Euch ein Trost in Eurem harten Sinn sein!“. Und er verneigte sich vor ihr. Da fand Ursula Tiedemann die Sprache wieder.„Arnulf!“ schrie sie auf und hob beide Arme gegen den Davongehenden. Doch er war schon an der Tür.„Quitt, Jungfer Ursula“, rief er mit rauher Stimme und schwenkte das goldgestickte Tuch,„ich bin ein Kriegsmann, und der Kaiser wartet.“ Da ist die stolze Ursula schweigend davongegangen, und vor ihrem versteinten Angesicht sollen die Leute scheu zur Seite gewichen sein. sich die Charakteristik dieser Modensilhouette noch verschärft und bereichert. Mit den rückwärtigen konkurrieren jetzt stark die seitlichen Längen bei vielen durchsichtigen Abendtoiletten aus schwarzem Tüll, Chiffon, Brokatdessins nähert sich dazu auch die Vorderstoffpartie bedenblich dem Boden. Stoffülle der Röcke, übereinanderliegende Glocken, Zipfel, Garnituren über Garnituren, angehangte Schleifteile, Schleifen aller Art werben um Gunst. Die Abendmäntel aber sind kurz, dreiviertel lang reichen sie etwas über das Knie. Auch am schwarzen Nachmittagskleid aus glänzender Seide, neuen Moireestoffen, Samt, seinen Tuchen und Chiffonwollen finden wir deutlich die obige Note, freilich gemäßigter und dezenter. Wegen erhöhter Wichtigkeit der Taille werden sehr viele Prinzeßformen getragen, ebenfalls mit tief angesetzten Tuniken oder Glockenvolants. Ist die rückwärtige Partie also bevorzugt, so gilt das auch fur die Ausschnitte. Der spitze, tiefe Rückenausschnitt, oft raffiniert geschmackvoll ausgeputzt durch feine Bandkreuzungen, Perlenschnüre oder gestickte Schleifenarrangements(dabei soll man besonders vorsichtig beobachten!), hat sich auf das vornehme Nachmittagskleid übertragen, vorn am Kleid jedoch ist vom Ausschnitt sogar ein Stückchen Hals„abgebunden“ bei gleichzeitigem Rückendekolleté. Diese gewagten neuen Experimente erfordern jedoch absolute Geschmacksicherheit und eine überzeugende Note der Trägerin. Die Mode sagt zwar: der Ausschnitt sitzt im Rücken. aber wir sagen: alles mit Maßen und leiten die für uns brauchbaren rechten Linien daraus ab. Vielfach gefallen auch unregelmäßig laufende Ausschnitte, einseitig durch Schleifen oder Schnallen geziert, auch viereckige bleiben modern Eins aber ist über jeden Zweifel erhaben: fraulicher ist die Mode geworden, das kann sogar„gesetzter“ heißen.(Man könnte sagen, die Frau von 30 Jahren wird gefeiert!) Vollschlank ist Wahrheit geworden. Das heißt, wohlgemerkt — es steht ja im Wort— immer noch schlank, aber, richtig, ein rundes Schlank mit wieder sichtbaren Formen. Auf eins nur kommt es dabei an, nämlich, daß diese in Harmonie zueinander sich„formen". Ein paar Gramm mehr oder weniger spielen heute nicht mehr die große Rolle, das harmonische Ausbalancieren der Rundungen aber bleibt wichtig: denn Schönheit der Taille ist Trumpf, meine Damen! Katarina Goetz, „Meisterin der Hauswirtschaft Bei dem heute herrschenden Frauenüberfluß in fast allen Kulturländern ist der Beruf alHausfrau ein wenig ins Hintertreffen gerateil, das heißt, der Beruf als Hausfrau wird bei den jungen Mädchen, die Geld verdienen sollen, als nicht sehr aussichtsreich gewertet. Das ist grundfalsch, denn niemand steht sich besser und wird besser bezahlt als eine tüchtige Hausangestellte, wenn sie zu häuslicher Tätigkeit recht viel Ueberlegung und wirtschaftliche Uebersicht mitbringt. In jedem Geschäftshaushalt, in jedem Haus.., wo die Frau als Mitverdienerin in Frage kommt, ist ein junges oder älteres Mädchen mit einer guten Schulbildung, das sich verständig dem fremden Haushalt einfügt, eine sehr geschätzte Kraft, wenn sie ihre Sache versteht, und sie wird bedeutend besser entlohnt, als eine kaufmännische Angestellte oder als der Durchschnitt der Künstlerinnen. Eine Hausdame die tüchtig ist, und die sich in ihrem Wesen beliebt macht, hat oft ungeheure Vorteile gegenüber den Frauen anderer Berufe. Sie ist oft j„ zehntelang auf einer Stelle, und selbst das v. rückende Alter ist bei einer sparsamen und tüchtigen Hausangestellten noch nie ein Hinderungsgrund oder ein Grund zur Entlassung gewesen, ganz im Gegensatz zu anderen Berufen. Erfreulicherweise nimmt der Koch= und Nähunterricht an den deutschen Schulen von Jahr zu Jahr zu. Die Mädchen der letzten oder der beiden letzten Schulklassen haben wöchentlich zweimal Kochunterricht, Nähunterricht, zuweilen wohl auch Säuglingspflege, wie uns das aus einer neuerbauten Volksschule in Frankfurt an der Oder bekannt ist. In der Rheinpfalz haben die heranwachsenden Mädchen schon seit vielen Jahren hauswirtschaftlichen Unterricht, ebenfalls in einzelnen rheinischen Städten. Das hat sich vor allem im Industriegebiet bewährt, wo die schulentlassenen Mädchen zum Geldverdienen sofort in die Fabriken geschickt werden und später als Hausfrau oft ungenügend vorgebildet sind. In diesen Kochkursen in den Schulen lernen die Mädchen vorzüglich kochen, sie lernen sparsam wirtschaften, einkaufen und in einzelnen Anstalten lernen sie auch Gartenbewirtschaftung Gemüsebau, Kleintierzucht und Wäsche waschen Segensreich ist auch der Nähunterricht. Die Kinder können natürlich nicht zu perfekten Schneiderinnen herangebildet werden, aber sie lernen sich eine Schürze nähen, dem Brüderchen ein Häschen, dem Schyolterchen ein Kleidchen. der Mutter eine Nachtjacke machen. Das sind wesentliche Vorteile für ein junges Mädchen, das ins Leben hinausgeht, und wir können nur wünschen, daß recht viele Schulen diese wichtijen weiblichen Arbeitsstunden mit aufnehmen in den Lehrplan, und daß recht viele Stadtväter das Geld für die damit verbundenen Mehrausgaben der Schulen bewilligen. Die gute Hausfrau ist von volkswirtschaftliher Bedeutung. Das ist wahrlich keine Ueberreibung, sondern eine erst in der Jetztzeit erkannte Tatsache. Deshalb sind neuerdings Betrebungen im Gange, auch Hauswirtschaftsmeisterinnen zu ernennen, die in einzelnen Städten auch von Erfolg gekrönt waren. In Altona fand die erste Meisterinnenprüfung statt in diesem neu zu Ehren gekommenen Gewerbe. Die mit Erfolg abgelegten Prüfungen berechtigen zu dem neu gepragten Titel: Meisterin der Hauswirtschaft. Für eine Hausdame, eine Kran kenpflegerin und eine Haushaltslehrerin sicher ein erstrebenswerter Titel! Die Damen, die sich dieser Prüfung unterziehen, erhalten Unterricht in der Nahrungsmittellehre, Gesundheitslehre, Bürgerkunde, Kinderpflege, Krankenpflege, Buchführung u. a. m. Der ganze Lehrgang erforderte vier Semester. für Hausfrauen wurden jede Woche an zwei Nachmittagen Kurse abgehalten, doch mußten auch sie zwei Jahre lang praktisch und theoretisch tätig sein, das bedeutet gewiß ein Opfer an Zeit, bezeugt aber den guten Willen der modernen Frau, auch dem einst so wenig beachteten Beruf einer Hausfrau Anerkennung zu verschaffen. Gleichzeitig hat die„Meisterin der Hauswirtschaft" die Berechtigung erworben, Lehrlinge in der Hauswirtschaft auszubilden, so daß diese eine Hausgehilfenprüfung ablegen können. Clara von Wedelstaedt. —1..— Blinde Eifersucht schadet nur Der Vergiftungsversuch und der ungerührte Gatte.— Ein blaues Auge als Ersatz für Familienglück. Von Howard F. Gibson= St. Louis. Wenn es dem Menschen zu gut geht, wird er bekanntlich übermütig. Bei der schönen jungen Frau Thelma Hugo wirkte sich das gute Leben, das sie mit ihrem Töchterchen an der Seite ihres Gatten im prächtigen Heim führen durfte, auf ähnliche Weise aus. Sie wurde leifersüchtig, und heute sitzt sie mit einem blauen Auge weinend in der leeren Wohnung. Mit einem Traum ihres Mannes, eines Musikers, begann die Tragödie. Der Zufall wollte es, daß Frau Hugo in der Nacht aufwachte Da hörte sie ihren Mann im Schlafe sprechen, und sie lauschte andächtig. Doch sie bekam einen großen Schrecken, denn nach einem an sich schon verdächtigen Seufzen mußte sie die entsetzlichen Worte vernehmen:„So, Diana, jetzt wollen wir nach Hause fahren!“ „Diana!“ schoß es der Horchenden durch den Kopf.„Ein Frauenname! Was hat das zu bedeuten? Träumt er von einer anderen?" Sie richtete sich auf und lauschte, um vielleicht aus dem Munde ihres träumenden Gatten noch mehr von der Fremden zu erfahren, die da plötzlich in ihr Glück hineinplatzte. Ein paar Seufzer und ausgiebiges, aber nichtssagendes Schnarchen waren alles, was sie noch vernahm. Doch der Name ließ ihr keine Ruhe, und am andern Morgen nahm sie sich den Gatten vor: „Du hast heute nacht im Traum mil Diana gesprochen. Wer ist das?" Zu ihrer Verwunderung erschrak der hartgesottene Sünder, für den sie ihren Mann nun hielt, nicht im geringsten, sondern er sagte nach einigem Nachdenken ruhig:„Diana? Da habe ich sicher von dem auslandischen Kraftwagen geträumt, der so heißt und den ich gern besitzen würde. Die Erklärung beruhigte Frau Hugo nicht. Sie gab sich aber den Anschein, als befriedige sie die Antwort, und suchte einen Kraftwagenhändler auf:„Gibt es einen ausländischen Wagen, der Diana heißt?“—„Jawohl.“ Trotzdem war Frau Thelma noch nicht beruhigt. Sie bat ihre bewährten Freundinnen zu einer Tasse Tee und legte dem hohen Richterkollegium den Fall vor.„Ho“, meinte eine dieser Damen,„den Männern ist nie zu trauen, und gerade hinter einem Musiker sind die Weiber her. Wir wollen die Sache einmal prüfen.“ Tatsächlich konnte die hilfsbereite Freundin Frau Hugo bald darauf mitteilen:„Im gleichen Hause, in dem Dein Mann seine Musikschule hat, wohnt eine angehende Schauspielerin, die blonde Diana Banks. Zu alledem ist sie zwanzig Jahre alt und hübsch. Ja, die Männer!“ Der freundlich geschürte Verdacht fraß natürlich weiter in der liebenden Frauenseele, und am nächsten Morgen fragte die Eifersüchtige ihren Gatten beim Frühstück so nebenbei: „Kennst Du eine Diana Banks?“—„Ja“, antwortete der Musiker ungerührt.„So heißt wohl die junge Dame, die unter meiner Schule wohnt.“ Damit war das Gespräch für den Augenblick erledigt. Doch der Verdacht ließ Frau Hugo keine Ruhe, und eines Tages untersuche sie den Kraft wagen ihres Mannes. Sie fand unter den Polstern eine olonde Haarnadel:„Der Beweis!“ Am„Abend hielt sie dem Manne das corpus delicti unter die Nase:„Bekenne!“. Der Gatte wurde nicht im geringsten verlegen:„Ich habe keine Ahnung, wie die Nadel in meinen Wagen kommt!“ Sprach's und wandte den Rükken. In jeder Beziehung gekränkt zog sich Frau Thelma in ihre Gemächer zurück. Eine Minute später klang ihr Wimmern durch die Wohnung:„Ich habe Gift genommen!“ Der Gatte erschrak nun doch, aber nach einiger Zeit wußt: er, daß die Dosis nicht genügend gewesen war, um das Leben seiner Frau zu gefährden, und er ließ sie mit ihren Leibschmerzen allein. Am nächsten Abend verstärkte Frau Hugo die Dosis mit dem Erfolg, daß der ungerührte Gatte ihr ein Brechmittel empfahl und sich nicht weiter um sie kümmerte. Der dritte Vergiftungsversuch endete mit einer kleinen Nachkur im Krankenhause und dem väterlichen Rat der Aerzte, nicht wieder ein solches Pulver zu nehmen, weil Frau Hugos Verdauung und Teint darunter leiden könnten. Erschrocken befolgte die Selbstmordkandidatin die Mahnung. Dafür quälte sie nun den Gatten jeden Abend mit anderen Szenen. Herr Hugo flüchtete mit seiner Geige, die er dann zu spielen pflegte, vor ihr von einem Zimmer ins andere:„Aber liebe Frau, vielleicht hältst Du Deine Predigten in Deinem Boudoir, damit ich üben kann.“ Frau Hugo predigte weiter. Da erklärte ihr Mann, sie zwinge ihn, seine Abende im Klub zu verbringen, damit er endlich Ruhe habe. Er täuschte sich, denn eines Nachts platzte die zornsprühende junge Dame mitten zwischen die friedlichen Klubleute hinein, weil ihre aufmerksame Freundin ihr durch den Fernsprecher mitgeteilt hatte, sie habe die besagte Schauspielerin in das Klubhaus gehen sehen.„Wo ist diese Diana?" Die Herren machten verdutzte Gesichter, denn der Musiker saß friedlich und ohne weibliche Gesellschaft zwischen ihnen: „Hier gibt es keine Diana!“, Ueberzeugt, eine Lüge gehört zu haben, verschwand Frau Thelma, und ihr Mann bekam vor Aerger einen roten Kopf. Die Eifersüchtige ahnte nicht, daß sie sich lächerlich machte, denn ihr Wahn raubte ihr den klaren Blick. Sie dachte an Scheidung, und dann fiel ihr wieder ein:„Die andere warte: nur darauf, daß Du Dich scheiden läßt.“ Nun erinnerte sie sich, verschiedentlich gelesen zu haben, daß Frauen in ihrer Lage den Männern ohne viele Umstände eine Kugel in den Kopf jagen. Dazu konnte sie sich aber nicht entschließen, weil sie den Sünder doch liebte. Dagegen wollte sie der Feindin einen ordentlichen Denkzettel geben. Eines Sonntag morgens sagte ihr Mann: „Ich gehe in die Kirche.“ Naturlich war Frau Thelma überzeugt, daß er log und die schöne Gelegenheit zu einer Zusammenkunft mit der Verhaßten benutzen wollte:„Ich will beide mit der Hundepeitsche überraschen.“ Dieses nützliche Instrument war leider nicht zu finden und so ergriff Frau Hugo den Ledergürtel ihres Mannes. An der Tür zur Wohnung der Feindin horchte sie. Da hörte sie eine weibliche Stimme mit Pathos sagen:„Ich liebe Dich und werde Dich immer lieben.“ Kein Zweifel, die Sünder sazen zusammen. Die Tur flog auf, Frau Hugo stürzte hinein und sah— nichts von ihrem Manne. Dafür standen zwei Jünglinge vor Fräulein Diana, machten erstaunte Gesichter und hielten Partituren in der Hand. Frau Hugo erkannte in ihrer blinden Wut nicht, daß es sich um eine harmlose Probe handelte, sondern war überzeugt, ihr sündiger Gatte sei irgendwo verborgen. Sie schwang den Ledergürte! und warf sich auf die Ueberraschte. Die hob die Hände zur Abwehr. Die beiden Jünglinge zogen sich angesichts ihrer Ueberflüssigkeit diskret zurück. Als die Polizei nach einiger Zeit kam und Frieden stiften wollte, fand sie als Ergebnis der Aussprache einige zertrümmerte Vasen, einen Holzhammer und zwei außer Gefecht gesetzte junge Damen vor. Sie brachte Fräulein Banks mit einigen empfindlichen Verletzungen ins Krankenhaus und die eifersüchtige Frau Hugo mit einem verschlossenen blauen Auge und gebrochenen Daumen auf die Wache. Letztere entließ sie dann mit den freundlichen Trostworten: „Die Sache kann Ihnen einige Jahre Gefängnis wegen Totschlagsversuch einbringen.“ Herr Hugo hatte nun von seiner eifersüchtigen Gattin genug, um so mehr, als er beweisen konnte, daß er nie ein Wort mit der Verdächtigen gesprochen hätte. Er packte seine Koffer ließ den Möbelwagen kommen, räumte die Wohnung aus, legte dem gesunden Auge seiner Frau eine richterliche Verfügung vor, derzufolge ihm bis zur Scheidung die Sorge für das Kind übertragen wurde, und heute sitzt die unglückliche Eifersüchtige allein in ihrer großen Wohnung, deren ganze Ausstattung aus einem freundlicherweise zurückgelassenen Bett besteht. vielmehr trifft doch einmal der Sonnenstrahl das ungeschützte Auge. Die in dem Auge befindliche Linse wirkt dann wie ein Brennglas und verbrennt die Netzhaut. Von ärztlicher Seite wird sogar die Ansicht vertreten, daß die Herabsetzung der Sehschärfe des Auges, wie man sie bei manchen Schielenden findet, durch eben diese Sonneneinwirkung bedingt ist. Man stelle deshalb niemals ein Kind im Kinderwagen schutzlos in die Sonne, sondern sorge dafur, daß die Augen der Kinder der direkten Sonneneinwirkung entzogen sind. —12.— Schützt die Augen der Kinder Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird vom Landesausschuß für Hygienische Volksbelet rung geschrieben: Mit dem Auge pflegt gerade die Jugend bei Scherz und Spiel besonders leichtsinnig umzugehen, und manche schwere Augenverletzung oder gar der Verlust des Augenlichtes ist auf solchen Leichtsinn zurückzuführen. Hier kann elterliche Mahnung und Strenge ebenso wie einsichtiges Verhalten des Kindes manches schwere Unheil verhüten. Wenig bekannt, aber darum umso beachtlicher ist eine Gefahr, die dem Auge des wehrlosen und unschuldigen Säuglings aus falsch angewandter Hygiene droht.„Gebt dem Kinde Luft und Sonne!" Diese Mahnung der Hygiene wird von vielen Müttern, Kinderpflegerinnen und derol. leider häufig in folgender Weise alsgeführt: Man setzt den Säugling in den Kinderwagen und fahrt mit ihm hinaus ins Freie. Dort trifft man Bekonnte, mit denen eine Unterhaltung interessant erscheint. Indessen wird der Kinderwaget, fürsorglich beiseite gefahren und in die Sonne gestellt. Bei der Rückenlage des Kindes im Wagen fallen die Sonnenstrahlen senkrecht in seine Augen. Das merken die Erwachsenen meist nicht, weil sie es am eigenen Leibe nicht zu spüren bekommen. Sie selbst gehen aufrecht oder sitzen, so daß die Sonnenstrahlen ihre eigenen Augen nur im soitzen Winkel treffen. Je höher die Sonne steigt, umso weniger werden die Erwachsenen vom Sonnenlicht belästigt, während das Kind in horizontaler Körperlage natürlich umso mehr darunter zu leiden hat. Wenn auch die kleinen Sorgfältiges Anrichten der Speisen erhöht die Eßluft Manche Hausfrau, die gut und mit Sorgfalt kocht, wundert sich im stillen darüber, daß es ihren Angehörigen niemals so richtig schmeckt, daß diese, ohne die Speisen ihrer Güte nach zu wurdigen, hastig und unfreundlich ihr Teil verzehren und gerne wieder vom Tische aufstehen. Dieser Mangel liegt vielfach an einer unschönen Verabreichung der Gerichte und Speisen. Nicht nur das Was, sondern auch das Wie, das ist die Art der Darbietung, sind für den Appetit ausschlaggebend. Wenn man z. B. einen großen Haufen Gemüse und Kartoffeln auf dem Teller vorgesetzt erhält, wird einem als empfindlich veranlagten Menschen schon von vornherein die Lust des Essens vergehen. Wo es nur irgendwie angeht, sollte man die Schüse seln herumreichen, damit sich jeder ganz nach Belieben bediene. Es empfiehlt sich, Schüsseln zu verwenden, die zugedeckt werden können, denn sonst geschieht es unweigerlich, daß das Essen, sobald man zum zweiten Male davon nimmt, bereits abgekühlt ist. Auch die Art des Anrichtens ist wichtig. Wie nett und appetitlich sieht es aus, wenn man das Fleisch oder Gemüse liebevoll auf den Platten anordnet und mit einem Petersilienblättchen oder Salat, Gurken usw. ausschmückt. Auch der Pudding soll nicht als unförmige Masse zu Tisch gebracht werden. Für wenige Pfennige erhält man die mannigfachsten Formen, in denen er serviert wird. Das Brot, das nicht gerade und sorgfältig, sondern schief und eckig geschnitten ist, wirkt wenig apetittanregen, und die Butter, in die man mit dem Messer ein paar Kerben formt, sieht sicherlich ansehnlicher aus als diejenige, an der man noch genau sieht, wieviel der letzte Verbraucher von ihr entnahm. Dasselbe gilt für den abendlichen Aufschnitt. Schön und sorgfältig auf eine dazu bestimmte Schüssel gelegt, eventuell ein Blättchen Salat oder ein paar Radieschen und eine Aufschnittgabel dazu, und jedes Familienmitglied wird gerne und freudig zugreifen. Die moderne tüchtige Hausfrau hat es sich abgewöhnt, derlei Sorgfalt nur dann aufzuwenden, wenn Gäste da sind. Will sie ihren Bedarf meistern, so muß sie verstehen, den kleinen Dingen Freude abzulauschen muß aus dem alltäglichen Imbiß ein frohes und gemütliches Mahl zu richten wissen. Und hierbei zeigt es sich ganz besonders, daß kleine Ursachen große Wirkungen zeitigen: kleine Unterlassungssünden auf diesem Gebiete können das ganze Familienleben gefährden.—2u. —(2— Der Kavalier Von Dr. Artur Landsberger. Erna Fr. war seit zwei Jahren in einem Warenhaus angestellt. Im Krawattenlager. Arbeitete zur vollsten Zufriedenheit ihrer Chefs. Eines Tages ließ sich ein Herr Krawatten vorlegen. Er nahm ihre Hand und sagte:„Sie gefallen mir— besser als alle Ihre Krawatten.“— Er schmuste, aber er haufte nichts. Drei Tage lang wiederholte er das. Erna dachte: ein Freund ist am Ende mehr wert als die Prozente. Aber die Aufsicht hatte es längst bemerkt. Erna erhielt einen Verweis. Als der Herr am vierten Tage wieder kam, sagte Erna:„Entweder Sie kaufen oder — ich fliege.“— Der Herr küßte ihr die Hand und kaufte wieder nichts. Am nächsten Tage ließ der Abteilungschef Erna kommen und überreichte ihr eine Postkarte, auf der stand: „Schnucki! es war himmlisch gestern. Erwarte Dich heute wie immer um acht. Streng' Dich in Deinem dummen Laden nicht an, sondern denke an mich.“ Ernas Beteuerungen, den Absender nicht zu kennen, halsen nichts. Sie flog. Aber Erna hatte eine Freundin im Warenyaus. Als sie die eines Tages nach Geschäftsschluß abholte, sah sie den Herrn, der sie belästigt hatte. Er Würmer sich gegen die Blendung des Sonnen=ging auf ein junges Mädchen zu, das in Belichtes durch Schließen der Augen zu schützen gleitung der Freundin heraus kam.—„Erich!“ versuchen, so gelingt es ihnen nicht vollständig, rief das Mädchen von weitem und lief auf