Alich im Sommer Seefisch! Von Sanitätsrat Dr. Alfred Jacoby=Berlin. Liebe Hausfrau! Warum scheust du dich, im Sommer Seefische auf den Tisch zu bringen? Du meinst, sie verderben leicht? Du bist in einem Irrtum befangen, der zur Zeit deiner verehrungswürdigen Großmutter Wahrheit war. Aber die Seefische haben doch ihr„verderbliches" Wesen nicht geändert? fragst du erstaunt. Ihr Wesen hat sich freilich nicht geändert, aber die Art der Herbeischaffung ist anders geworden. Früher war ein weiter Weg von der Küste bis ins Binnenland. Da wurden die Seefische mit anderem Gut zusammen auf den langsam fahrenden Güterzügen verfrachtet, und in der langen Beförderungszeit hatte die warme Luft Gelegenheit, aus das Fischfleisch einzuwirken. Nach solcher tagelangen Fahrt mögen die Fische, die so köstlich frisch aus dem Wasser gekommen waren, schließlich nicht immer einwandfrei angekommen sein. Am Bestimmungsort fehlte es womöglich sogar an geeigneten Lagerräumen und an einer schnell verteilenden Verkaufsstelle. Jetzt liegen die Verhältnisse ganz anders. Die Seefische werden unmittelbar nach dem Fang noch auf den Fischdampfern Eis gepackt und verlassen den Eisschutz nicht, bis sie in deine Hand gelangen. Vom Dampfer gelangen sie, immer von Eis umgeben, durch die Fischverkaufshallen in den großen Fischereihafen auf schnellstem Wege in besonderen, selbstverständlich eisgekühlten Fischversandwagen, die an schnellfahrende Züge angehängt werden. in die Verkaufsstellen des Binneniandes. Wenn dich noch nachts der Traum quält: „Was koche ich heute“, hat der Fischkleinhänoler sein Auto mit deinem Mittagsgericht bereits beladen und wartet nur auf dein Kommen. Begleite mich, liebe Hausfrau, in ein Fischgeschäft oder auf den Markt und laß uns hinter die Kulissen spähen, wo die Fische bereits ausliegen. Der Händler öffnet gerade sein Geschäft, ein kalt=appetitlicher Hauch weht uns entgegen. Da liegen sorgsam in kleine Eisstückchen verpackt in handlichen Kisten und Körben die Leckerbissen der Nord= und Ostsee. Der Kabeljau und Rotbarsch, die Schollen, Schellfische und Seezungen, Seelachs, Merlan und wie sie alle heißen. Und unmittelbar vom Eis fort legt dir der Händler den Fisch in deinen Korb. Da ist jede Verderbsgefahr ausgeschlossen. In dieser Sorgfalt des Eisschutzes ist das Fischfleisch jedem frischen Schlachtviehfleisch, einschließlich des Gefrierfleisches(trotz seines Namens) ebenbürtig. Bedenke auch, liebe Hausfrau, was der Kauf jeden Pfundes einheimischen Seefischfleisches bedeutet. Beschäftigungsmöglichkeit für unsere Seefischer und alle Menschen, die mit dem Fischhandel zu tun haben; Ausnutzung von Schätzen, die uns in unendlichen Mengen ohne unser Zutun wachsen, Beschränkung der Fleischeinfuhr aus dem Auslande, die unsere Volkswirtschaft und damit unsere Zahlungsfähigkeit so schwer belastet. Und bedenke weiter, liebe Hausfrau, daß es in puncto Lebensmittel ausschließlich auf dich und deine zig Millionen Gefährtinnen ankommt, ob unser Geld deutscher Arbeit zugute kommt oder in das Ausland fließt. Glaube aber nicht, daß du der deutschen Wirtschaft ein Opfer bringst, wenn du den Seefischhandel durch deinen Einkauf belebst. Du bereicherst im Gegenteil deinen Speisezettel durch nahrhafte, schmackhafte, billige und leichtverdauliche Gerichte. Und was besonders wichtig ist, du förderst mit Seefischgerichten deine und deiner Familie Gesundheit. Gerade im Sommer besitzt das Fleisch des Seefisches wegen seiner Lockerheit erhebliche Vorzüge gegenüver dem bindegewebereicheren, schwerer verdaulichen Fleisch des Schlachtviehs. Beim Schlachtvieh ist für die Güte des Fleisches schließlich die Gewissenhaftigkeit des Schlächters entscheidend, ob er dir Fleisch von jungen oder alten Tieren gibt. Beim Seefisch kommt dieser Unterschied überhaupt nicht in Betracht, Seefischfleisch ist niemals zäh. Die Minderbezahlung der weiblichen Angestellten pd. In Berlin tagt vom 17. bis 23. Juni der 11. Kongreß des Weltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit. Dieser unterhält eine Reihe von interna#onalen Ausschüssen, deren Aufgabe es u. a. ist, die Probleme der Frauenarbeit in den verschiedenen Ländern zu untersuchen, z. B. einen Ausschuß für gleiche Arbeitsbedingungen für Mann und Frau, einen Ausschuß für Familienzulagen u. a. Für die gleiche Bezahlung von Mann und auf gleichen Posten tritt in Deutschland ten seit langem nachdrücklichst ein. Seine Forderung ist bisher aber nur in geringem Maße verwirklicht. Unter 822 Tarifverträgen für Angestellte, die durch das Tarifregister des „GDA“ erfaßt werden, sehen noch 633 den sogenannten„Abschlag“ für weibliche Angestellte vor. Die weiblichen Angestellten werden also um diesen Abschlag geringer bezahlt als ihre männlichen Kollegen auf gleichen Posten.— Der Abschlag beträgt in 592 von diesen 663 Tarifverträgen 4—25%. In 71 Tarifverträgen ist ebenfalls ein niedrigeres Gehalt vorgesehen, ohne daß die Prozente in bestimmter Höhe festgelegt worden sind.— Die Mehrzahl der Tarifverträge, nämlich 430, sieht 10% Abschlag vor. Wie hoch sind nun die nach diesen Tarifverträgen zu zahlenden Gehälter für die deutschen weiblichen Angestellten? Der größte Teil von ihnen ist in die Gehaltsgruppen 1 und 2 der Tarifverträge eingereiht. Die Gehaltssätze der Verträge sind zumeist in vier Gruppen abgestuft. Die Gruppe 1 umjaßt Angestellte, die mit schematischen Arbeiten betraut sind; die Tarifgehälter für weibliche Angestellte dieser Gruppe, wie sie sich aus den oben genannten Unterlagen errechnen, betragen nach vollendetem 21. Lebensjahre z. 3. Einzelhandel 109.79 Mark, im Großhande! 110,89 Mark, in der Industriee 116,08 Mark. in verschiedenen Sparten 133,08 Mark, im Gesamtdurchschnitt 117,46 Mark monatlich. Die Tarifgruppe 2 zahlt für allgemein gehobene Tätigkeit nach vollendetem 24. Lebensjahre den weiblichen Angestellten im Einzelhandel 153,85 Mark, im Großhandel 152,71 Mark, in der Industrie 164,29 Mark, in verschiedenen Zweigen 176,83 Mark, ergibt einen Gesamtdurchschnitt von 161,92 Mark monatlich. Für die Tarifgruppe 3(selbständige Arbeiten nach vollendetem 28. Lebensjahre) sind die entsprechenden Gehälter Mark 231,34, 220,40, 244,89, 250,72, Gesamtdurchschnitt 236,84 Mark; für Gruppe 4(leitende Tätigkeit nach vollendetem 30. Lebensjahre) Mark 298,78, 296,68, 316,56, 318,09, Gesamtdurchschnitt 307,53 Mark monat0. 9 Nesteilung der Gane ben mneik Für die Beurteilung der rage der weib. lichen Angestellten ist zu berücksichtigen, daß das Gros der weiblichen Angestellten in die Gruppen 1 und 2 eingereiht ist, wonach also die Gesamtdurchschnittsgehälter von 117,46 und 161,92 Mark monatlich in Betracht kommen. Sobald ein Anfall auftritt, neve man das Kind sofort in die Höhe und halte es vornübergebeugt, bei langem Steckenbleiben bespritze man das Kind mit kaltem Wasser, es erholt sich dann leichter. Der Keuchhusten Eine der schlimmsten Kinderkrankheiten, die besonders gern zum Frühjahr und Frühsommer auftritt, ist der Keuch= oder Stichhusten. Er ist ansteckend in hohem Maße und befällt vorwiegend Kinder unter zehn Jahren; man hüte deshalb vor allem die Kleinen vor dem Zusammensein mit keuchhustenkranken Kameraden, die Träger des Ansteckungsstoffes in der ausgeatmeten Luft und im Auswurf enthalten. Typisch für den Keuchhusten ist der regermäßig wiederkehrende krampfhafte Hustenanfall, der mit einem keuchenden Einatmen beginnt worauf schnell hintereinander kurze, gellende Hustenstöße folgen. Wenn der Husten vorüber ist, tritt erst wieder ein krampfhaft keuchend.s oder pfeifendes Einatmen ein, das für das leidende Kind unsagbar qualvoll ist. Meistens ist das Kind nach dem Anfall wieder ganz wohl, spielt und lacht, ißt und trinkt, nur wenn die Anfälle zu schnell aufeinanderfolgen, bleibt der kleine Patient auch in der Zwischenzeit leidend und erschöpft. Sobald sich Fieber zeigt, bleibe das Kind ruhig im Bett; man schütze es vor Aufregung und schicke zum Arzt. Er wird, wenn es irgend tunlich ist, Luftveränderung verordnen, sonst aber das sonnigste Zimmer im Hause als Krankenzimmer wählen und täglich bei größter Sorgfalt, die neue Erkältung ausschließt, Lüftung des Zimmers anordnen. Die Diät ist sehr vorsichtig zu wählen, blähende Gemüsee sind zu vermeiden, ebenso derbe Fleischsorten, man beschränke sich auf Milch, Eier und Prei, etwas leichtes, weißes Fleisch von Geflüge und Kalb ist als Leckerbissen gestattet. Tägliche Waschungen mit lauem Wasser wirken lindernd, auch sind Inhalationen von Wiesbadener Wasser oder einfache Salzwasserinhalationen zu empfehlen. Bei mildem Wetter bringe man seinen kleinen Kranken täglich stundenlang ins Freie, sorge aber dafür daß er nicht herumtollt und sich nicht erhitzt Man zerstreue die Gedanken des Kindes, halte ihm Erregungen fern und ermahne es energisch, den Hustenkitzel, soviel es geht, zu unterdrücken. uenemtemmanen Aus dem fahrenden Zug dem Kinde nachgesprungen. Bei Colombo auf Ceylon sprang eine Mutter nahe der Station Maradana aus einem fahrenden Zug, um ihr hinausgefallenes dreijähriges Kind zu retten. Vergeblich versuchten die Mitreisenden, sie festzuhalten. Einem geistesgegenwärtigen Mann gelang es wenigstens, der Frau ihren Säugling vom Arm zu reißen, ehe sie, völlig verstört, den gefährlichen Sprung ausführte. In Deutschland fällt bei der Nachricht auf, daß man nicht das Notsignal zog. Die angeblich so sorgfäitige englische Kolonialverwaltung läßt aber auf Ceyion sämtliche Züge ohne Notleine fahren. Auch der Schaffner, der den Vorgang bemerkte, konnte sich nicht einmal mit dem Lokomotivführer in Verbindung setzen. Der Zug fuhr von der Unglücksstelle in unverminderter Fahrt nach der nächsten Station. Die Fahrgäste lieferten hier den Säugling mit dem sechsjährigen Bruder ab. Die Kinder weinten mitleiderregend über die verlorene Mutter und den dreijährigen, infolge der sich plötzlich öffnenden Wagentur aus dem Zuge gefallenen Bruder. Zur Ueberraschung der Stationsbeamten tauchte die verloren geglaubte Frau mit ihrem Kinde nach einigen Stunden wieder auf. Allerdings brach nach Erreichen des Zieles mit einem schweren Nervenchok zusammen. Sie hatte ihr Kind, so unwahrscheinlich das klingt, lebend vorgefunden, nachdem sie selbst ohne wesentlichen Schaden auf dem Boden gelandet war. Beide waren glücklicherweise auf sumpfiges Gelände gefallen, so daß sie mit ein paar Hautabschürfungen davonkamen. Mutter und Kinder wurden zu ihrer völligen Erholung von dem Todesschreck einem Krankenhaus überwiesen. Der Kußmarkt von Nagy Altmagy. Die Versteigerung oder der Verkauf von Küssen von den Lippen schöner Frauen bildet bei uns einen sehr beliebten Teil von Veranstaltungen zu wohltätigen Zwecken Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß es in Ungarn einen richtigen„Kutzmarkt“ gibt, auf dem jeder der Lust hat, für einen mehr oder weniger großen Betrag sich die beliebte„Leckerei“ erstehen kann. Alljährlich versammeln sich in dem Ort Nagy=Altmagy auf Grund eines alten ungarischen Brauches die im letzten Jahre verheirateten Frauen des Komitats auf dem Marktplatz und lassen sich von jedem Manne, der den üblichen Preis— oder auch mehr— in klingender Münze bezahlt, küssen. Der Preis betrug vor dem Kriege noch nicht einmal fünf Pfennig, nur bei ganz besonders hübschen und kußtüchtigen Frauen stieg er bis auf den Höchstsatz von 25 Pfennig. Man konnte sich damals für wenig Geld schon allerhand leisten. Wie helfe ich mir ohne Eisschrank? Diese Frage werden sich jetzt sehr viele vorlegen. Sie finden sie in der neuesten Nummer (65. Jahrg. Nr. 36) des Daheim beantwortet, wo es u. a. heißt:„Man kann folgende Kälte mischungen herstellen, deren Zutaten Sie„ederzeit in der Drogerie erhalten. 1. 5 Gewichtsteile Salmiaksalz, 5 G.=T. Kalisalpeter, 8 G.=T. schwefelsaures Natron und 16 G.=T. kaltes Wasser werden zusammen in einem großen Porzellan= oder Steingutgefäß gemischt. Die Temperatur sinkt von+ 10 Grad auf— 15 Gr. 2. 8 G.=T. schwefelsaures Natron, 5 G.=T. Kochsalz zusammenmischen. 3. 9 G.=T. phosvyorsaures Natrium, 6 G.=T. salpetersaures Ammon, 4 G.=T. Salpetersäure. Diese Misch ungen ersetzen selbst an heißesten Tagen den besten Eisschrank. Die angegebenen Salze mischt man entweder in großem Steingut= oder Porzellantopf, legt einen dünnen Holzdeckel oder passenden Porzellan= oder Emailleteller darauf und auf diesen, die frisch zu haltenden Speisen wie: Butter, Milch, Sahne. Fleisch, Wurst usw. Aber nicht nur auf diese Frage antwortet das Daheim in seinem neuesten Heft, es tät der Hausfrau auch zu sommerlichen Fischgerichten, sagt ihr, wie man Teppiche flicken kann, erzählt vom Leben der Wildenten und einer Filmdiva aus Hollywood, von Ausgrabungen in Köln und dem 700=Jahrfest Bützows, von Rankerosen und Zeppelinmotoren, vom Husaren von Rheinsberg und Kinderlügen und noch von anderem mehr. Zu diesem reichen Lesestoff gibt es eine Fülle von Bildern, deren Abwechslung gleich groß ist. Pradel 4 4 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 20 Altena, den 12. Juni 1929 Die Haftung des Mannes fü strafbare Handlungen seiner Frau Von Landgerichtsrat a. D. Carl DebesMünchen. Für die Vermögensschäden, welche durch strafbare Handlungen seiner Frau verursacht worden sind, wird der Mann wohl zivilrechtlich zu haften haben, soweit nicht zwischen den Ehegatten der vertragsmäßige Güterstand der Gütertrennung besteht. Eine andere Frage ist, inwieweit sich der Mann strafrechtlich verantwortlich macht, wenn er nicht seine Frau von der Begehung ktrafbarer Handlungen abhält. Das geltende Srrafrecht bedroht denjenigen mit Haststrafe, velcher es unterläßt, unter seiner Gewalt stehende Personen, die seiner Aussicht untergeben sind und zu seiner Hausgenossenschaft gehören, von Diebstählen oder der Verletzung der Gesetze zum Schutze der Forsten, der Feldfrüchte, der Jagd oder der Fischerei abzuhalten. Wenn z. B. eine mit ihrem Manne auf einem Waidspaziergange befindliche Frau durch diesen ungehindert und in Mißachtung seiner mündlichen Mißbilligung dürre Zweige und k.einere untere Aeste von dem Jungholz abbricht und mit nach Hause nimmt, macht sich wohl diese Frau eines Forstfrevels schuldig, ihr Mann bleibt aber straflos. Denn das Bürgerliche Gesetzbuch war bestrebt, die Stellung der verheirateten Frau zu einer möglichst selbständigen zu machen, und hat ein Gewaltsverhältnis des Mannes gegenüber seiner Frau im strafrechtlichen Sinne, wie es in früheren Zeiten bestand, völlig ausgeschlossen. Deshalb ist die Frau für die von ihr begangenen strafbaren Handlungen voll verantwortlich, der Mann dagegen nicht. Hat aber der Mann die strafbare Handlung seiner Frau gebilligt, dazu auf irgend eine Weise geholfen oder den Vorteil daraus gezogen, so ist er als Mittäer, Gehilfe, Begünstiger, Hehler oder, wenn er seine Frau gar zu ihrer Straftat verleitet hat, als Anstifter strafbar. Wenn der Mann an der Handlung seiner Frau selbst ganz unbeteiligt ist, so genügt für seine Straflosigkeit, daß er im Falle seiner vorherigen Kenntnis von ihrem Vorhaben ihr davon abgeraten und die Tat ihr verboten hat. Eine gewaltsame Abhaltung seiner Frau davon kann niemand von ihm verlangen. Wenn sie seinen wohlmeinenden Worten kein Gehör schenkt, tut sie dieses auf ihre eigene Verantwortung. Ihr Mann hat sich durch sein vielleicht schwächliches und nachgiebiges Verhalten nicht strafbar gemacht. Nur in einem besonderen Falle macht sich der Mann durch ein solches Verhalten bei einer strafbaren Handlung seiner Frau zum strafbaren Mitschuldigen, nämlich bei der Kuppelei. Das Reichsgericht hat in solchen Fällen wiederholt erklärt, der Ehemann sei berechtigt und verpflichtet, dem verwerflichen Treiben seiner Frau Einhalt zu gebieten und eventuell einen Wohnungswechsel zu veranlassen. Wenn der Mann solche gebotenen Schritte unterlasse, mache er sich zum Mitschuldigen seiner straffälligen Ehefrau. In allen übrigen Fällen kann der Mann nicht dafür bestraft werden, daß er strafbare Handlungen seiner Frau nicht verhindert hat, es müßte sich höchstens um das Vorhaben eines Landesverrats, Münzverbrechens. Mordes, Raubes oder eines gemeingefährlichen Verbrechens handeln, welches noch rechtzeitig verhindert werden konnte, wenn eine Warnung oder Anzeige erfolgt wäre. Wenn meine Frau klug wäre... „Wenn meine Frau klug wäre,“ sagt der Mann.„würde sie nicht so sprechen, so nicht handeln, mich nicht mit Fragen quälen, von denen jede einzelne einen Vorwurf in sich birgt, würde mich ruhig gehen lassen, ohne durch kleine Bemerkungen— deren Unterton mir [deutlich ihre Absicht verrät— zu fordern:„Wo gehst du hin?“ Wahrscheinlich erzähle ich später doch, was ich vorhatte.„Wenn sie klug wäre“— ginge sie schweigend darüber hinweg, daß es ihr nicht fremd blieb, daß meine Gedanken und Wünsche vielleicht einmal andere Wege gehen. Sie würde kein Wort verlieten, nur durch eine liebe, stets gleichbleibende Art mir zeigen— ich bin dein bester Kamerad. verliere dich nicht selbst. Sicher würde sie leigen, aber keine Anklage über die Lippen lassen. Glaubt sie, daß das Empfinden für die anderen nicht nur ein leichtes Spiel ist, so muß sie wenn sie klug wäre— mir wortlos heffen, diese Zeit der Anfechtung zu überwinden, und dankbar wird ihr jeder Mann für das Verstehen sein und sich sicher bemühen, sie diese schwere Zeit vergessen zu lassen. Sind wir uns denn klar darüber, daß in der Sphäre von Andeutung, andeutenden Worten, andeutenden Gefühlen, die täglichen unbemerkten Bitterkeiten, ja Tragödien entstehen? Ja— so spricht der Mann und kann auch so sprechen, die Weltgeschichte und unendlich viele Beispiele des täglichen Lebens geben ihm recht. Eine Frau, die zu schweigen versteht, wird bedeutend weiter kommen und Anerkennung und Achtung finden, als die andere, die durch kleinliche Eifersucht den Mann zur Verzweiflung bringt und aus dem Hause treibt, die ständig grübelt, jedes Wort zerlegt und immer etwas ahnt und wittert. Sie leidet selbst am meisten durch diese Einstellung. Und wenn der Mann sie sogar eines Tages mit dem Vornamen einer anderen Frau anredet, mit weichem, zärtlichen Klang, wie er seinen guten Kameraden selten oder nie anredet— auch dann müßte sie, wenn sie klug wäre— lächeln und schweigen. Denn, sagt sie ein bitteres oder scharfes Wort, dann fährt er auf und ist empört, und sie trägt die Schuld an dem Zwist! Wenn sie das alles könnte, diese liebende Frau, müßte sie nicht geradezu ein Engel sein an Verstehen, Größe, Liebe und Geduid? Die Frau, die voll und ganz in ihrem Haushalt und ihren Mutterpflichten aufgeht, hat keine Zeit, kleinlich zu sein und sich mit unnützen Gedanken zu plagen. Sie ist die bequeme Frau für den Mann. Dann kommt die andere, die das Muß endlich klug gemacht hat, die ihre große Liebe zur Ruhe brachte, wehmütig darüber lächelt, daß sie einstmals litt und kämpfte. Klar und scharf sieht sie die Ecken und die Kanten, die Illusionen sind zewichen und nun kann sie klug sein. Ihr„Ich“ hat sie gerettet aus dem Zusammenbruch und lebt ihr Leben— vielleicht nicht ganz allein, vielleicht hat sie einen Menschen gefunden, der ihr Menschentum versteht. Es gibt Frauen, die eine kluge Einstellung mit auf die Welt brachten, gute Hausfrau und Mutter, treueste Gefährtin und Kameradin sind. Man könnte sie beneiden! Es gibt aber auch andere, die klug sind, weil sie selbst eigene Wege gehen und aus diesem Grunde großzügig denken können. Vieles, was hier in dieser kurzen Betrachtung gesagt wurde, läßt sich natürlich auch auf den Mann anwenden, denn auch sehr viele Männer müssen klug sein, um nicht durch ewige Auseinandersetzungen, Unruhe und Mißstimmung in ihr Leben zu bringen, und müssen oft ein Auge zudrücken. Wie heißt es doch in dem Liedchen:„Und wer behaglich leben will, drückt beide Augen zu!“ Elle Goedel. Zeitgemäße Frauenberufe I. Die Blumenbinderin. Die Freude an der Blume und die Fabe, die blühenden Schätze anmutig zu oronen, scheint den Frauen angeboren zu sein und wer Geschmack und eine leichte Hand, wer Getübl für Form und Farbe hat, wird sein Heim gewiß reizend damit zu schmücken wissen. Was aber für den Hausgebrauch genügt, ist noch lange nicht genug, um auch im Erwerbsleben bringend verwertet zu werden, zumal heutt, wo die Ansprüche in jedem Berufe imer höher gestiegen sind. So ist auch die Blumenkunst, das Binden von Sträußen und Kränzen, das Füllen von Vasen und Schalen, den schuhen längst entwachsen und aus dem Handwerk ins Kunstwerk hinübergeglitten. Wie hoch sich die Blumenkunst in den letzten Johren entwickelt hat. können wir am besten in den Auslagen großstädtischer Blumengeschäfte studieren, in denen es nur wahrhaft künstlerische, fein empfundene Schöpfungen zu bewundern gibt. Zugleich wird es uns dabei bewußt, daß auch diese so leicht und selbstverständlich wirkende Kunst ein ernstes Studium voraussetzt. Gar vieles will dabei bedacht sein: die sinngemäße Verteilung der Blumen, die Wirnung der verschiedenen Formen und Farben untereinander und als Farbenflecke im Raum, die zweckgemäße Wahl der Blumen, Vasen usw. Schon seit Jahren haben sich die Frauen der Blumenbindekunst zugewandt. In den Gartenbauschulen wird sie gelehrt und ab und zu werden auch Sonderkurse ins Leben gerufen. Es gibt sogar„Schulen für Blumenkunst". Diese sehen gewöhnlich drei Kurse vor. Einen für Liebhaberinnen, der drei Monate bei zweimal„wöchentlichem Unterricht dauert. Ein zweiter Kursus, der an den Gärtnerinnenberuf anschließt. Dieser Kursus währt ein halbes Jahr bei täglich vollem Unterricht, entweder vor= oder nachmittags. Der dritte, etwa zehn Monate währende Kursus ist für Berufsbinderinnen berechnet. Dieser Unterricht beschäftigt sich in der Hauptsache mit der Formenund Farbenlehre, mit der künstlerischen und praktischen Unterweisung im Raumschmuck, mit der Ausschmückung von Tisch und Tafel, dem Binden von Kränzen. Girlanden usw. Im Kursus für Berufsbinderinnen kommen auch die geschäftlichen Fragen des Berufes zur Erörterug. Ein Frauenberuf, der sich jedoch nur in Städten aussichtsreich gestalten kann. Auf jeden Fall wird dieser Beruf Erfolg und Befriedigung gewähren. II. Der Beruf der„Wanderlehrerin“ für den Nüchternheitsunterricht. Dieser soziale Beruf ist noch nicht überfüllt und bietet für Frauen, die sich dazu zeeignet fühlen, immerhin noch ein schönes und aussichtsreiches Betätigungsfeld.: In Berlin wird er von der Reichsarbeitsgemeinschaft für alkoholfreie Jugend erziehung erteilt und mird dann als Wanderunterricht, der als ergänzende Maßnahme zu den Alkoholfragen in der Schule hinzutritt, praktisch durchgeführt. Dieser Unterricht kann natürlich nur von enthaltsamen Lehrern und Lehrerinnen erteilt werden, die mit den wissenschaftl. Ergebnissen der modernen Nüchternheitsforschung vertraut sind. Diese Wanderlehrkräfte üben ihre Tätigkeit im Auftrag der Behörden aus, das heißt mit anderen Worten, daß sie nur dahin entsandt werden, wo besonders krasse Vorfälle der Trunksucht behördlicherseits zu verzeichnen sind. Außerdem erteilen diese Lehrkräfte auch in allen anderen Schulen jeglicher Art, also auch in Sonntags=, Lehrlings= und Fortbildungsschulen Unterricht, indem sie auf die Schädlichkeit des Trinkens wissenschaftlich hinweisen, ferner werden sie häufig bei Elternversammlungen a 1 S S5 8 8 35SE S 8 OSSE 9 80.25 S A SBSLTEOEESSOEEEE F#5S5 E5ERSEES EEFEV SrAEE-SOSTEE LA55S S50S SSS BSSLB5BSISSDEEMSABB 8% — 9589• * PFEETN HoGos anERR530 SS 255 S S45BS Margerete Flacher Herr Milein war in der Sommerfrische, hatte ein Zimmer im Goldenen Hirsch bezogen und freute sich. Als er vor dem Schlafengehen noch einmal leise seine Türe öffnete, um seine staubigen Stiefel hinaus zu befördern, tat sich auf der anderen Seite des Korridors ebenso leise eine Tür auf, und ein braungebrannter Mäochenarm senkte sich vorsichtig her nieder, um ein Paar kleiner Haferlschuhe vor die Schwelle zu setzen. Herr Milein konnte eben noch einen silverblonden Haarschopf erblicken und den Schein angenehm kontrastierender Augen, auch bemerkte er mit Behagen, daß der Arm einen sanften Goldton besaß. Sein Schlaf wurde durch diese Eindrücke angenehm beeinflußt, ebenso sein Erwachen am nächsten Morgen. Als er nach erfrischender Toilette seine Schuhe wieder herein holen wollte, hoffte er, daß eine stillschweigende Sympathie den braunen Arm zum selben Augenblick hernieder kenken würde. Aber nein. Der Platz vor der Schwelle drüben war bereits leer. Herr Milein hatte zu lange von den angenehmen Eindrücken geträumt oder zu lange unter ihrem Einfluß Toilette gemacht, und es blieb nichts als die Hoffnung, den silbernen Schopf beim Frühstück wiederzufinden." Nun war Herr Milein kein Feigling, durchaus nicht; aber er besaß zwei Schwächen. Er hatte erstens eine heimliche Scheu vor Hunden. Zu seiner Rechtfertigung mag gesagt sein, daß diese Tiere trotz seines liebenswürdigen Gemüderselbe, während er ihr verstohlen auf dem Weg in die nächsten Berge und wieder ins heimische Quartier folgte. Vor dem Miitagessen allerdings sah er die Begehrte auf einer Bank in den Anlagen, allein sie hatte sich abgewandt, zeichnete mit ihrem Bergstock in den Sand des Weges und änderte diese Stellung auch nicht, als er sich ein Herz faßte und sich mit freundlichem Gruß auf die andere Ecke der Bank setzte. Ergrimmt und entmutigt drehte Herr Milein sich in die entgegengesetzte Richtung, ebenfalls gedankenvollTieren aufzunehmen. O, jetzt konnte im Sande maiend. Schon ließ sich auch eine daß er kein Feigling war. Er faßte fest zu und fand sich mit rotem Kopf auf einer Wiese, einer Herde Kühe und— wer beschreibt seine schreckhafte Ueberraschung— dem silberblonden Schopf gegenüber, der, ein großes Paket unter dem Arm, ratlos und ängstlich vor den Kühen gewichen war. Da standen sie nun und sahen sich an— verblüfft, beschämt—, während die Tiere mit blödem Gebrüll die Stirnen senkten. Was tun? Ja, was nun?— Herr Milein fühlte sich wahrhaftig Mannes genug, den Kampf mit den er zeigen, alte Dame zwischen ihnen nieder, und Grimm und Enttäuschung erreichten ihre Höhe. Aber siehe da—(wie ein Uebel sich oft als Glück entpuppt)—„Wie spät ist es wohl?" fragte die alte Dame, und beider Köpfe wandten ich zuvorkommend herum; die Blicke trafen sich, vom Ziffernblatt abirrend, in höflich angenehmer Freundlichkeit, mit heimlich spitzbübischem Lächeln sogar. Ja, daß sie reizend war, das wußte er nun, ihre Miene nahm alsobald ihre Zurückhaltung wieder an, ja, sie schien Bekanntschaften gänzlich abgeneigt zu sein und verließ die Bank, ehe die rederustige Dame sie im Gespräch vereinen konnte. Herr Milein schloß auf unglückliche Liebe und gab betrübt die Hoffnung auf, den silbernen Schopf als Gefährten in die Berge zu gewinnen. Tiere trotz seines liebenswürdigen Gemü] So schlug er am Nachmittag einsame Pfade tes eine unerklarliche, angriffswutige Vorliebe ein, die zwischen Bauerngehoften hindurch den für ihn besaßen(wovon bereits mehrere Bisse Weg zum Gießbach abkürzten, freute sich der zeugten). Und zweitens war er von großer Schuchternheit jungen Damen gegenüber, obgleich es nicht erwiesen ist, daß diese Wesen dieselbe angriffslustige Vorliebe für ihn besaßen. So erspähte Herr Milein im Garten des Hotels zwar wirklich den silbernen Schopf über braungoldiger Fassade und eine überaus angenehme Gestalt in kräftigem Blau dazu, aber er vermochte nicht, sich dieser Gestalt auch nur im geringsten freundschaftlich zu nähern. Durchaus nicht. Der Abstand zwischen ihnen blieb fidyllischen Heimstätten, guckte in Häuser und Ställe und redete mit flachsköpfigen schwarznasigen kleinen Bauernkindern, als in einem Anwesen plötzlich ein zähnefletschender Köter ihm mit gehässig klutunterlaufenen Augen entgegen sprang und ihn mit wütendem Gekläff verbellte. Ein Unbehagen erfaßte Herrn Milein. Das Geheul wurde drohender. Das Tier war im Begriff, ihn anzuspringen. Da klemmte er sich mit raschem Entschluß durch eine gelockerte Planke des Zaunes, drückte sie wieder (ug- mit einer Hand seinen Stock fester, mit der anderen die Hand des goldbraunen Armes mit sanfterer Festigkeit und führte das blaue Gewand sicher zwischen den Kühen hindurch. Und da standen sie nun wieder und sahen sich an— erwartungsvoll und nicht gerade klug—, aber doch klug genug, um in ein befreiendes Gelächter auszubrechen. Und von hier ab fiel es nun wirklich nicht mehr schwer. Es war wohl eine Selbstverständlichkeit, daß Herr Milein sich erbot; die Dame zur Sicherheit weiter zu geleiten und bei dieser Gelegenheit nach ihrem Ziel fragte. Der silberne Schopf erzählte, daß er eben ein Paket Aepfel geholt habe, die Herr Milein nun bereits in Händen hatte. Damit aber ihr Begleiter nicht so schwer daran zu tragen hätte, schlug das kleine Fräulein mit einer alle Erwartungen übertreffenden Munterkeit vor, sich unter eine Eiche zu setzen und das Gewicht nach Möglichkeit zu verringern—, was sie in einiger Entfernung von der Gefahrenzone denn auch in bester Laune taten. Dabei ergab es sich, daß die Unnahbarkeit des blonden Schopfes im Grunde nichts als Aengstlichken gewesen war, so daß Herr Milein guten Geund besaß, sich als Beschützer in die Berge anzubieten was gern angenommen wurde.- Und so hatte der erste Apfel, den diese Ena Heern Milein reichte, keineswegs den Verlust eines Paradieses zur Folge.— Im Gegenteil. beschäftigt, um auch das Elternhaus dem günstigen Einflusse derartiger sozialer Aufklärungen zugänglich zu machen. Die Wanderlehrer und Wanderlehrerinnen müssen auch den JuBendvereinen für Vorträge zur Verfügung stehen. Die Zahl der heute in Berlin beschäftigten Wanderlehrer und Wanderlehrerinnen beträgt 25. Man beabsichtigt aber, noch weitere Stellen neu zu besetzen. Die Anforderungen, die an diesen Beruf gestellt werden, sind in der Tat nicht gering, aber es ist ein Beruf, der mit innerer Befriedigung zu erfüllen vermag, da er in aufklärender, hygienischer, pädagogischer und sozialer Hinsicht von großer Bedeutung ist. Der Beruf bietet überdies die Möglichkeit, das ganze Land zu bereisen und mit allen möglichen Volkskreisen Fühlung zu nehmen. Da auch rednerische und vortragsmäßige Begabung nötig ist, ist dieser Beruf nur für ideell eingestellte und gut vorgebildete Frauen möglich, die in ihm allerdings einen tiefen und wertvollen Lebensinhalt finden können.—rn. Der dekorative Schal Der Schal war früher bei der Frau nur in sehr großem Umsang beliebt. Große viereckige spanische Tücher mit Seidenfransen wurden malerisch und exotisch um die Schultern gelegt, verdeckten das Kleid zu drei Vierteln und machten aus der kleinen Bürgerfrau eine temperamentvolle Carmen. Diese großen Schals haben nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt. Sie bilden immer noch ein degehrtes„Mitbringsel“ aus dem schonen Spanien oder aus Paris oder Italien. An warmen Sommerabenden und in der Wandelpause des Theaters oder Konzerts umhüllen sie die Frau fremdartig und reizvoll. Berade die Neigung der Mode zum weiblichen Stil hat auch dem großen Schal wieder zu erhöhter Geltung verholfen. Die letzte Zeit aber ist nicht spurlos an der Frau vorübergegangen. Die strenge Sportmode, die Moderichtung des Etonkopfes, der schmalen Girlfigur, des Sporthemdes und telkleides klingt noch nach. Sie ist schon als passé erklärt, aber rasch und gründlich verin ursächlichem Zusammenhang stand mit Lebensformen und Lebensreformen. Noch heute beeinflußt diese vergangene und noch im Vergehen begriffene Mode sichtbar die gegenwärtige Einstellung. So ist uns von ihr die große Einfachheit der Tageskleidung geblieben. Der Abend verlangt weiche reiche Falten, Raffungen, Glanz, Pelz und weite lange Röcke. Am Tage liebt man noch praktische kurze Kostüme, sportliche Komplets, schlichte Mäntel und Jumperkleidchen. Besonders der Vormittag zeigt noch ganz das gleiche Bild wie vor einem Jahr. Und in dieser Anlehnung an die Mode der vorigen Saison liegt die Ursache des großen Sieges des Schals. Nicht des großen exotischen, sondern des kleinen Schultertuches, das in so verschiedenen Formen den Vermittler spielt zwischen der Strenge des Sportdreß und der Weichheit der neuen femininen Bekleidungsart. Der Schal war ursprünglich in der Art bekannt, in der ihn der Mann noch heute trägt. Daneben kam das Tuch auf, das sich heute auch die Herrenmode erobert hat und das die Form eines Taschentuches aufweist. Diesem Knüpftuch folgte das fesche Cowboytuch, dessen Knoten auf der Schulter geschlungen wurde. Unzählige Variationen tauchten seitdem auf. So ein doppeltes Dreieck, das lose ineinandergeschlungen wurde. Ein rund geschnittenes Tuch, das gleichmäßig über die Achseln herunterhing und wie ein Schulterkragen aus Großmutters Zeit wirkte. Das kleine Verwandlungstüchlein, das gleichzeitig als Taschenziertuch, Kopftuch beim Sport, Fichu und Halstuchlein dienen kann, ist die neueste Errungenschaft. Die Vielfarbigkeit beim Tüchlein ist heute letzter Schick, dazu die Anbringung der Farben. Zwei= oder dreifarbige Diagonalstreifen, zusammengesetzt, aufapplizierte einseitige (Karo=)Muster, farbige Einfassung— immer zum Kleid abgetönt— sind Dinge, die die Mode dieses reizenden fraulichen Attributs wandeln. Wie er auch getragen wird, immer bildet der Schal eine Belebung, eine flotte Ergänzung des einfachen Kleides und besonders jetzt, wo die Frauenmode eine immer größere Einheitlichkeit in Farbe und Material erstrebt, ist der mag eine Moderichtung gar nicht zu verschwin=Schal ein brauchbares Beiwerk, das zum harden. Eine einzelne Modeerscheinung tauchtmonischen Gesamteindruck nicht unwesentlich schnell unter. aber nicht eine Moderichtung, diebeizutragen vermag. Zehn Gebote der Mode 1. Entferne alle Kleider und Mäntel aus deinem Schrank, die du nicht gern trägst. Sie kleiden dich nicht, weil du sie ohne Lieve anziehst. 2. Verkaufe, verschenke diese alten Sachen oder mache dir nette Hauskleider daraus. Verlange aber nicht, daß sie zu einem eleganten Kleid umgearbeitet werden. Stoff für Neues muß neu sein— auf ausradierter Schrift kann man ja auch nicht mehr gut schreiben. 3. Kaufe dir zuerst die Dinge, die du unbedingt brauchst. Kaufe sie so, als könntest du dir außer ihnen nichts leisten. Dann bist du. für alle Zufälle versorgt. 4. Bedenke, daß dich eine gute Qualität billiger kommt als eine schlechte, die nicht lange hält. 5. Denke aber auch daran, daß der Mann den Wert der Stoffe und der Kleider nicht kennt. Er taxiert ihn so hoch, wie er dich schön findet. 6. Kaufe deine notwendigsten Garderobestücke so, daß sie nicht der Tagesmode unterworfen sind. Dann kannst du sie zehn Jahre lang tragen. 7. Orienkiere dich aber stets über die neueste Moderichtung, damit du vorher weißt, was alle tragen werden— damit du es nicht kaufst. 8. Wenn du dir dann noch Luxuskleider leistest, dann nimm lieber eins weniger und dafür doppelt so gut. Dieselben Menschen sehen dich nicht jeden Tag in einem anderen, sondern viele sehen dich einmal in einem Kleid. 9. Entwürdige deine Kleider nicht, indem du sie am falschen Orte trägst. Das Milien schafft dem Kleide erst Geltung. 10. Lerne verzichten! Entscheidend ist nicht, was du dir an Straßringen, an Reifen, Spangen und Ketten, an Blumen und anderem Putz leisten kannst, sondern wieviel du dir versagen kannst, weil du für wertlosen Tand zuviel Geschmack besitzest. □— Kindergesellschaft Kindergesellschaften sind im Winter und Sommer aktuell. Man weiß nicht einmal, wer heute glücklicher ist, ob die Mama oder ihr Kindlein, das heute kleine Gäste bewirten darf! Ob da das Mädchen Geburtstag hat oder der Junge, für beide. Buben wie Mädel, ist es mit gestohlene Bar sz. von Walter Anatole Persich In Texas muß man stundenlang von der letzten Hazienda reiten, prall die Sonne auf dem Kopf des keuchenden Pferdes, bis in die Schenkel im harten Gras dieser Steppe, die schlimmer sein kann als die Sahara, lechzend nach einem Tropfen wirklich kalten Wassers. Dann kommt gegen die erste Dämmerung ein von Gras frei geschorener Platz mit dreißig, vierzig angepflockten Pferden und daneben, in einer sehr wackligen Holzbude, hört man das Toben von ebenso viel Stimmen. Da liegt Fred Corners Steppenbar, die Station der Boys auf ihren Ueberlandtouren. Ein Mädel, sechzehn oder siebzehn Jahre, hilft dem Reiter beim Anpflocken und fragt ihn schon vor der Tür nach seinen Wünschen, seinem Herkunftsort und Reiseziel, und drinen in Qualm und Gebrüll wird man gleich umringt:„Good day, old boy! Was giot es Neues in den Städten? Erzähle— wir haben seit sieben Wochen keine Nachricht von draußen.“ Man kennt mich zwar in dieser Gegeno noch nicht; aber ich habe Grüße von Mac Steward Miller, dem Diebeswirt aus Palmerston. Das öffnet die Mienen. Es wird schnell Nacht. Will Jack Ramsay. der Lange mit dem Typ des Iren; ein kleiner breiter Kerl mit ein paar. Fäusten von Kopfgröße, Buster Wilm; ein Deutscher von frauenhafter Gestalt, von Rothe, die berittenen Freibeuter, in der ganzen Steppe begannt, sitzen unter der Funzel auf dem Brettergerüst vor dem Hause und behaupten, man befinde sich auf einer Veranda. Die Kerle haben vorhin gebrüllt und gelacht, mit Fäusten auf den Tisch geschlagen, mit Messern gespielt— jetzt hocken sie da im Abend, in der Fremde. Die harten Konturen steinerner Gesichter sind verwischt und wirken wie Linien im Antlitz trauriger Kinder, Harald Rothe erzählt seine Geschichte: „Mein Verhältnis war, daß ich in einem ordentlichen, geschäftstüchtigen Land, wo ein Millionenbetrug nichts wiegt, wenn er mit juristischen Finessen gemacht ist, die hier bei uns geltenden einfachen Gesetze anwenden wollte: Ich habe einem Mann das Atmen abgewöhnt. Natürlich bin ich nicht unschuldig, die ganze Sache würde man mir auch wohl in jedem anderen Lande übel genommen haben. Es drehte sich um Geld und— natürlich— um eine Frau. Wir Boys wissen kaum noch, was eine Frau bedeutet, eine Frau, die alle Mittel der Zivilisation für sich in Anspruch nimmt und so schön ist, daß jeder Mann, den sie will, ihr verfällt. Ich war damals mit der Gründung einer Filiale beauftragt, die unsere Bank in Hamburg einrichten wollte und die unsere gesamten Beziehungen auf eine großartige Basis stellen mußte. Alles klappte ausgezeichnet— bis ich eines Abends, in einer Bar nahe dem Hasen, dieser Frau begegnete. Früher habe ich gegrinst, wenn in Romanen von Liebe auf den ersten Blick gefaselt wurde — und in dieser Bar saß eine Frau, rank, wild, Augen voller Versprechen, Hände, die krallig und sanft zugleich sein konnten.— Drei= oder viermal verfehlte ich bei ihrem Kolmen die Möglichkeit einer Bekanntschaft — dann dauerte es sechs Tage, und der Ober übergab ihr meine Karte mit einer Einladung, die ich für alle Fälle im voraus geschrieben hatte. Sie setzte sich, als sei das selbstverständlich, an meinen Tisch, sah mich kaum an und bestellte Sekt. Viel sprachen wir nicht. Aber ich ging noch in dieser Nacht in die Bank und entnahm dem Safe zehntausend Mark gegen meine Quittung als Vorschuß auf mir zustehende Bewinnbeteiligung. Marja, sie nannte sich so als russische Emigrantin, nahm die Scheine als Preis für die Gesellschaft eines Abends. Was ich erwartete, geschah nicht, es blieb bei ein paar nichtssagenden Küssen, die sie kühl über sich ergehen ließ, immer hieß es: später. Wir sahen uns oft, ich durfte sie in Theater, Restaarants Kabaretts führen, wurde beneidet, belaht, verlor ihretwegen Freunde— und hoffte jeden Tag auf den nächsten Abend. Sie forderte ein Vierteljahr nichts von mir— und da ich, außer Geld für Geschenke an sie, nichts brauchte, verringerte sich der Fehlbetrag in der Kasse von Woche zu Woche. Bis zum Besuch der Direktion, etwa vier Wochen später, konnte der Verlust gedeckt sein. Das Geschäft lief ohne mein Dazutun recht gut— ich selbst konnte kaum denken. Die Geschichte mußte mich allmählich aufreiben.— Wir saßen in einem Separé, plötzlich brach sie in Tränen aus; ich solle ihr die Möglichkeit geben, ihren in Rußland verurteilten Bruder zu retten. Sie benötige eine größere Summe Geldes zu Bestechungen für die Flucht— nur als Darlehen, da Dimitri, ihr Bruder, den gesamten Familienschmuck versteckt halte. Ihren Worten nach mußte sie nahezu unseren ganzen Kassenbestand haben. Im nerhin konnte ich am nachsten Morgen die Wechselkasse und die Tageskasse mit genügeno Mitteln ausstatten— für die Börse würden die zu erwattenden Eingänge und einige Schecks reichen. Eine halbe Stunde später zählte ich ihr die Scheine auf den Tisch des Weinhauses, sofort nahm sie ihren Mantel und erklärte auf alles Fragen und Drängen mit beziehungsreichem Lächeln:„Wenn Dimitri da ist...“ Mit dem Mittagszuge traf das Direktorium ein Man stellte so erhebliche Unterschlagungen fest, daß man mich noch in derselben Stunde verhaften ließ: Urkundenfälschung und Vertrauensbruch — das genügte trotz meiner Unbeschoitenheit, um mir mehrere Jahre Gefängnis zu verschaffen. 1 Ein Gefangniswärter brachte persönlich einen Brief an Marja, in dem ich sie um wenige Mittel bat— sie ließ bestellen, sie habe keine zweifelhaften Bekanntschaften. Es war Sommer, als ich zum erstenmal wieder durch die Straßen Hamburgs ging. Aus offenen Kaffeehäusern tollte Musik in den Lärm. Frauen gingen vorüber, Seeleute, Reisende. Die Bar, in der ich Marja hennen lernte, bestand noch: Ich trat ein und bestellte eine Erfrischung,„ Wur Ketirt, mich 2. Einer der früheren Keuner sigerte mih und kam an meinen Tisch:„Herr, gehen Sie lieber fort! Ich meine es gut mit Ihnen. In einer Stunde im Café Excelsior kann ich Ihnen mehr sagen.“ Wirklich kam er dorthin, aber ganz freiwillig wollte er mit der Sprache nicht heraus. Ich gab ihm Geld und drohte, mich in der Bar über den Grund seines geheimnisvollen Betragens zu erkundigen. „Sie sind ins Unglück gekommen— man hat Sie ausgenutzt und ein feines Gara geknüpft, um Sie zu fangen. Schon von Ansang an. Morgens, nachdem Marja Ihre erste Karte bekommen hatte und das Geld, zahlte der Kellner Carol— der Rumäne wissen Sie, der dies Karte abgeben sollte— zehntausend Mark für die Bar an. Heute ist er Besitzer! Sie wurden verhaftet, so schrieben die Zeitungen, da kaufte seine Marja, die er bald heiratete, ein Landhaus. Sie glauben mir nicht? Sein Name steht an der Bartürk Bitte, Herr, behalten Sie einen klaren Kopf. Zu retten ist nichts, fangen Sie neu an, in einem anderen Lande“ Ich wußte nicht, was geschehen sollte.— Schließlich wollte ich mir Gewißheit verschaffen, suchte das Landhaus auf und ließ nich der Dame des Hauses unter anderem Namen melden. Sie erschien, geheimnisvoll, herrisch — aber sie machte sofort an der Tür kehrt. Sie hatte mich erkannt. Der Kellner stand im Türrahmen, kam auf mich zu und sah mich frech an:„Meine Frau ist= für Sie nicht zu sprechen. Verlassen Sie das Haus! Ich habe bissige Hunde.“ „Lauter so feige, wie Sie?“ „Verbrecher!" Das Wort genügte; ich würgte ihn, bis ihm die Augen aus den Höhlen traten. Das Zimmer ließ sich von außen verriegeln. Ich fand Marja einen Stock höher.„Wenn du willst, daß ich deine Mitschuld an den Unterschlagungen nicht bekannt gebe, bewahre Ruhe. Ich habe deinen Mann ermordet und wünsche, daß es bis heute nacht geheim gehalten wird. Du wirft mir das Geld für die Flucht geben.“ Alle Größe fiel von ihr ab wie ein zerfetzies Kleid, sie entnahm einem Schrank mehrere große Scheine— drei Stunden später erreichte ich im Flugzeug die dänische Grenze, am Abend ging es mit dem Schiff nach England. Bei euch, old Boys, endet meine Geschichte.“—— Darin hatte Harald Rothe sich geirrt. Sein Roman fand erst Jahre später das große„Finish“ des Schicksals, daß sich Gelo nicht mit Blut zurückzahlen läßt, ohne Blut zu fordern. Er wurde noch ein sehr besitzender Fellhändler und machte, weite Reisen. Vor einigen Wochen ist er in Cherbourg durch eine Frau in einem Hotel erschossen worden. Man hat ihre Spur nicht gefunden... das Höchste, Freunde und Freundinnen zu bewirten, im eigenen Haus Gastgeber zu sein! Aber dann hat man es schon oft erlebt, daß der Erfolg des ersehnten Nachmittags nicht ganz den Erwartungen entsprach, es gab Momente der Langeweile, es gab Streit, es gab Unwohlsein infolge Magenuberiadung Das zu verhindern ist nicht so schwer, wie es aussieht. Die Hausfrau, die junge Gäste erwartet, mache sich ein Programm, wie sie ihre kleinen Geister zu unterhalten gedenkt, und sie lasse keine Pause eintreten in der Abwickelung der zugedachten Anregungen. Da gibt es zuerst die leiblichen Genüsse, meistens Schokolade oder Kakao und Kuchen, die schon mal einen Hauptbestandteil des Vergnügens darstellen. Es darf niemals zu reichlich Kuchen auf den Tisch gestellt werden und vor allem nicht zu schwere Sorten, denn selbst wenn unsere Kinder einen guten Magen haben, so gibt's doch junge Gäste, die sehr empfindlich sind, und je besser es den Kleinen schmeckt, desto mehr werden sie futtern. Man setze ihnen einen leichten Biskuitkuchen vor, Zwieback, vielleicht auch eine leichte Obsttorte, aber man passe dennoch auf, daß sie nicht zuviel essen. Sehr wichtig sind nun die Spiele, die man für seine junge Schar auswählt. Man lasse ruhige Spiele mit Bewegungsspielen abwechseln. das immer Spaß macht, ist die Reisebeschreibung. Jedes Kind wählt sich einen Gegenstand, der bei der Reise gebraucht wird, z. B. Fahrkarte, Bahnhof Mantel und so fort. Nun beginnt ein Kind zu erzählen von einer Reise: Im Frühjahr packte ich meinen Koffer, nahm meinen Mantel über den Arm und ging zum Bahnhof—.—. Sooft nun der Name eines der genannten Gegenstände gesprochen wird, muß sich der Träger desselben erheben, einmal herumdrehen und wieder setzen. Bei einem vorher bestimmten Wort stehen alle auf und drehen sich um. Der Erzähler muß rasch sprechen und in geschickter Weise die Worte häufig wiederholen, denn wer nicht aufpaßt und seine Umdrehung versäumt, gibt ein Aehnlich ist das Spiel: Tierkonzert. Jeder Mitspielende erhält einen Tiernamen und beim jedesmaligen Nennen des von ihm gewählten Tieres hat er dessen Stimme nachzuahmen. Bei der Erwähnung des gemeinschaftlich Gewählten müssen alle laut ihre Stimme ertönen lassen. Lied erraten, Sprichworte erraten, Städte erraten sind bekannte Spiele, die den Kindern snicht fremd sind. Die Mutter versäumte nicht, sich mit ihrem Kind vorher zu beraten, was gespielt werden soll, damit es keine langweiligen Pausen gibt und keine dummen Fragen: Was sollen wir nun spielen? Ratspiele und Scherze stellen die Ruhe wieder her. Es gibt Ein sehr lautes, aber sehr fideles Spielllda reizende und unterhaltsame Spiele, von denen wir gern ein andermal erzählen wollen, eins wollen wir heute noch anführen. Gegenstand erraten. Die Kinder einigen sich, nachdem eins hinausgegangen ist, über einen Gegenstand, der crraten werden soll. Das zurückgekehrte stellt" nun reiheum die verschiedensten Fragen, erhält aber nur ja und nein zur Antwort. Ist eine Frage nicht mit ja oder nein zu beantwocten, so antwortet man Stellenweise. Zum Beispiel: Die Kinder denken sich ein Bild an der Wand. Die Fragende erkundigt sich: Stammt euer Gegenstand aus dem Tierreich? Nein! Ist er von Menschen geschaffen? Ja. Ist er grün? Stellenweise. Eine üble Angewohnheit ist es, den Kindern eine Verlosung zu veranstalten und Geschenke auszuteilen. Das sollten vernünftige Eltern auf alle Fälle unterlassen, denn die Begehrlichkeit der Kinder wird mit diesen Sachen nur gereizt und mit dem wirklichen Vergnügen der kleinen Gesellschaft haben sie nichts zu tun. Es ist eine neue Art der bequemen Eltern, sich loszukaufen von den paar Stunden, die sie lieber den Kindern widmen sollten. Kinder sind ja für wirkliches Interesse der Erwachsenen so dankbar, und sie wissen recht wohl, wer gern mit ihnen spielt, um selbst mal wieder Kind unter Kindern zu sein. Kl. v. Wedelstaedt. ##2