überraschend guter Wirkung. Auf ein Bad 3—5 Pfund Salz, beginnend mit 35 Crad bei starkem Frostgefühl je nach Verlangen des Patienten wärmer, dann bis 40 oder 42 Grao hochgehend. Dauer eine viertel bis halbe Stunde. Danach sehr warm einpacken. Ebenso bei hohem Fieler für Darmentleerung sorgen. Einlauf beim Kind etwa ein halbes Liter. beim Erwachsenen dreiviertel bis ein Liter Wasser. Sehr gut Salzwassereinläufe von viertelstündiger Dauer, oder beim Kind Dauerklystier mit Salzwasser(dann nur ein Viertelliter Wasser). Temperatur 25—30 Grad. Immer daran denken, daß das Fieber als nichts anderes aufzufassen ist als ein Kampf, den der gesunde Körper gegen die Krankheitskeime führt. Das Fieber also nicht eigentlich unterdrücken durch Gewaltmittel, sondern eher unterstützen. —121— Reserviere dir einen Tag im Monat für Reparaturen In den meisten Haushalten wird eine gewisse Regelmäßigkeit sich geltend machen, nach der nicht nur die täglichen Arbeiten, sondern auch die Ausnahmetage, wie Wasch=, Ausbessertag usw., sich abspielen. Es gibt aber neben diesen vorauszusehenden Arbeiten noch jene anderen, die so zwischendurch immer einmal sich als notwendig erweisen, also z. B. Reparaturen aller Art; nicht immer ist im Augenblick Zeit dazu, sie zu erledigen; man schiebt sie auf bis.... und oft ist man dann unangenehm überrascht, wenn durch ein Vergessen dieser Arbeiten eine ärgerliche Situation, eine Verlegenheit geschaffen wurde. Plötzlich braucht man notwendig dasjenige Gerät, das doch noch in defektem Zustand fest und treu an irgendeinem verlassenen Ort ruht. Wir sollten einen Tag alle 14 Tage(oder in größeren Haushalten auch wohl zwei solcher Tage) eigens dafür reserviert halten, um uns vor unliebsamen Ueberraschungen zu schützen. Diese Tage müssen aber regelmäßig eingehalten werden, sollen sie ihren Zweck erfüllen. Es gibt in einem Monat doch überall so viel Kleinigkeiten zu reparieren, zu ergänzen, in Ordnung zu bringen, daß diese Arbeiten getrost einen besonderen Tag(oder wenn es auch nicht ein ganzer würde!) beanspruchen können. Zweck dieser Maßnahme sei eben nur der, daß nicht an beliebigen Tagen unnötigerweise Küche und Kammer verschmutzt werden durch derartige Arbeit und daß Zeit genug bleibt, letztere auch gründlich und mit der dazu nötigen Muße auszuführen. Viel Aerger wird man sich auf diese Weise ersparen können. Welche Arbeiten etwa außerhalb der Reparaturen an diesem Tage fertiggestellt werden sollen, das muß dem Belieben der Hausfrau und der Art des einzelnen Haushalts vorbehalten bleiben. Jedenfalls muß der betreffende Tag als solcher festgehalten und darf nicht durch zu viele andere Pflichten ausgewerden. Gedanken über Frauen, Liebe und Ehe Von Gerda Kerger==Torenburg. Manche Menschen brauchen notwendig die zeitweilige Trennung; sie wollen sich einmal wieder sehnen. Man sollte auch in der Ehe den Wunsch des anderen, allein zu sein, respektieren. * Die Art; die eifersüchtige Männer bevorzugen. eine Frau von der Welt und allen Freuden abzusperren, rächt sich meist ir irgend einer Form. * Es ist eine Lebenskunst, so viel Freuden und subtile Genußmöglichkeiten wie nur denkbar einzufangen; durch das Auswahlgefühl unterscheiden sich die Menschen voneinander. * Entbehrung innerer Freuden schaft in vielen Frauen automatisch den Wunsch nach Ausgleich durch ein äußerlich freudvolles Dasein. Laß dein Kind vor dem Zubettgehen aufräumen Nur wenige Mütter halten ihre Kinder dazu an, ihre Spielsachen oder was es sonst sei, in Ordnung zu bringen, ehe sie schlafen gehen. Meist ist das Kind ohnehin ermüdet oder doch unlustig geworden, um sogar noch eine kleine „Arbeit" zu verrichten. Den Wirrwar, den es in toller Lust geschaffen, beseitigt„Mutter“ oder das Mädchen eben wieder. Das ist verkehrt! Kinder müssen rechtzeitig daran gewöhnt werden, aufzuräumen. Aber diese Aufgabe soll ihnen nicht als unangenehme Last dargestellt werden, sondern als etwas ebenso Notwendiges wie Schönes. Es gehört so unendlich wenig dazu, einem Kind gerade in dieser Beziehung etwas klarzumachen. Mit einigen richtigen Worten wird man das Kind bald davon überzeugen können, daß es selbst mehr Freude daran haben muß, ein sauberes Zimmer zurückzulassen, wenn es zur Ruhe geht, als eines, dessen Anblick jeden zurückschrecken muß. Ordnung ist ein wichtiges Kapitel im Kinderland, und vielleicht beginnt es auf dieser Seite. Abgesehen davon, daß Kinder, die schon auf diese Weise zur Ordnung angehalten wurden, fürs srätere Leben erzogen werden, so können wir sehr oft beobachten, daß diese Eigenschaft auch kleinsten Kindern wirkliche Freude und Befriedigung gibt. Der„Familientausch“ von New Auburn Ein nicht gerade alltäglicher„Familien= tausch“ fand kürzlich in New Auburn im Staate Wisconsin statt. W. Brown, der mit seiner Eheliebsten gerade nicht auf bestem Fußhand, hatte gegen sie die Scheidung wegen schiechter Behandlung eingeleitet. Das Zukammenleben war für beide Teile allmählich so unerquicklich geworden, daß Frau Brown schon vor dem Urteil die Wohnung verließ Der vereinsamte Gatte fühlte sich in der leeren Behausung recht ungemütlich, er suchte daher und fand auch bald Gesellschaft in Gestalt von Frau Lizzie Heidelberger, mit der ihn wohl schon seit längerer Zeit zarte Bande verknüpften. Lizzie war bereit, ihm den Laoshait zu führen, um so mehr, als sie selbst mit ihrem Manne in Scheidung lag. Also zog sie zu Herrn Brown. Ihre sechs Kinder brachte sie der Einfachheit halber gleich mit und tröstete so ihren neuen Hausherrn über den Verlust seiner eigenen drei Sprößlinge, die Frau Brown mit sich genommen hatte. Dieser wurde die Sorge, wo sie ihr Houpt zur Ruhe legen sollte, übrigens schneil abgenommen. Auch ihr bot sich ein Posten als Haushälterin. natürlich bei niemand anders als bei Herrn— Heidelberger, eiem guten Bekannten, der sie mit ihren Kindern bereitwillig in sein verein. samtes Heim aufnahm. Alle Beteiligten zeigen sich mit der Neuordnung der Dinge außerordentlich zufrieden. Man hat, nachdem die nicht zu einander passenden Varreien glücklich getrennt waren, in aller Freundschaft die den beiden Frauen gehörigen Sachen, sogar die Eheringe, ausgetauscht und wartet nun in Ruhe den Ausgang der beiden Scheidungsprozesse ab. Sobald das Urteil gesprochen ist, gibt es in New Auburn eine Doppelhochzeit. Aus dem Engen und Weiten Die Hexe von Ossuly. In dem ruthenischen Dorse Ossulg lebte eine alte Frau, von der sich alle Dorfbewohner erzählten, sie sei eine Hexe und stehe mit dem Teufel im Bunde. Sie wurde daher allgemein gehaßt, aber die Furcht vor ihr sicherte sie doch vor offenen Feindseligkeiten. Vor kurzem faßten sich jedoch einige mutige Bauern ein Herz und beschlossen, ihr Dorf von der „gefährlichen" Alten zu befreien. Jedenfalls sand man diese eines Morgens an einem Kreuzwege erhängt vor. Die Bevölkerung atmete auf, allerdings fürchteten abergläubische Gemüter immer noch, daß die tote Hexe„umgehen“ und sich an dem Dorfe und seinen Bewohnern rächen könne. Um das zu verhindern, wurde auf Rat eines„Sachverständigen“ der Baum, an dem die Tote hing, ausgehoben und mitsamt seiner schaurigen Last tief in die Erde vergraben. Vorher hatte man der Toten noch den Mund mit Glasscherben gefüllt, um sie auf diese Weise zu hindern,„sich mit dem Teufel zu unterhalten und ihn gegen das Derf einzunehmen. Selbstmord wegen eines Loches im Strumpf. Auch die vollkommenste Hausfrau wird ihrem Mann einmal Veranlassung zur Unzufriedenheit geben, weil sie die eine oder andere ihrer häuslichen Obliegenheiten vernachlässigt hat. Wenn sie vernünftig ist, wird sie den Vorwurf schweigend hinnehmen und für Abhilfe sorgen. Besitzt sie dagegen keinen Takt und Verstand, so fühlt sie sich gekränkt und macht ihrem Mann eine häusliche Szene. Anders in Japan. Kein schwererer Vorwurf kann dort die Frau treffen, als der. auch nur eine Kleinigkeit in ihrem Haushalt vernachlässigt zu haben. Kürzlich machte ein junger Tokioter seiner Frau Vorwürfe, weil sie ihm einen Strumpf gegeben hatte, in dem er ein kleines Loch fand. Die junge Hausfrau nahm sich die Rüge schwer zu Herzen. Sie hatte ihre Pflicht versäumt und mußte dafür die Verantwortung tragen, so gut wie ein japanischer Kavitän, der sein Schiff verliert, oder ein Generai, der sich besiegen läßt. Sie bat ihren Gatten durch einige Zeilen um Vergebung ihrer Schuld und beging— Selbstmord. Die Tokioler Zeitungen finden dies aus dem typisch sapanischen Verantwortungsgefühl heraus verständlich. Die elektrische Wiege. Zweifellos ist der Erfinder der elektrischen Wiege ein geplagter Familienvater, dem nach des Tages Last und Mühe die nächtlichen Soli seines Jüngsten keine Ruhe ließen. Um diesem Uebel abzuhelfen, hat er ein handliches Gerät erfunden, das an jede elektrische Steckdose angeschlossen werden kann und durch eine Pleuelstange den Kinderwagen mit dem Kinde sanft hin und her schiebt. Für Eltern, die gern einmal Theater oder Kino besuchen wollen, ist dieser Apparat gewiß der lang ersehnte Retter! Als ein froher Gruß an das neue Jahr erscheint das neue Daheim(65. Ihrg. Nr. 14). Ein Festtagsgedicht, Noten zu einem Lied „Jahreswende“, und die winterliche Radierung „Georgenfeld im Erzgebirge“ von M. Herzing leiten die wechselvolle Reihe der Beiträge ein. Der neuen Wochenschau im Bild folgt der Aufsatz„Bei der Taufe des Christ in Abessinien" von H. Weiß. Eine rechte Feiertagslektüre sind Franz Langheinrichs Gedanken zu den Bildern von Adolf Münzer. Eine treffliche Auswahl von Werken dieses farbensicheren, lebensfrohen Malers wird in vorzüglicher, bunter Widergabe geboten. Dr. H. Kühl unterrichtet uns über„Edelsteine, Edelsteinimitationen und künstliche Edelsteine". Karl Hobrekker plaudert„vom klassischen Herrn Schneemann". Ein Abschnitt des großen neuen Filmromans„Der Vitapalast“ von Hans=Caspar von Zobeltitz, die heitere Neujahrsnovelle „Stille im Trubel", von H. Schedler, eine Würdigung Konrad Dudens anläßlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages unseres Meisters der Rechtschreibung, eine wertvolle ganzse tige Kunstbeilage, Rätsel, Anekdoten, Auskünfte und das Frauendaheim vollenden den reichen Inhalt des schönen Heftes, mit dem das Daheim, 65jährig und dennoch jugendfrisch, seinen verheißungsvollen Weg in das Jahr 1929 antritt. Bazax“, die älteste deutsche Frauenund Modezeitschrift, beginnt jetzt seinen 75. Jahrgang. Das besonders reichhaltige läumsheft bringt neben hübschen Zeichnungen Kampf, Max Slevogt und Fritz Koch=Gotha eine interessante Rückschau„75 Jahre Deutsches Frauenleben“. Agnes Miegel plaudert über„Das Modenbild", Maria von Bunsen widerlegt das Märchen von der„Guten alten Zeit“, Max v. Boehn prophezeit launig die Wiederkehr der Krinoline, Alexander v. Gleichen= Rußwurm untersucht die gesellschaftlichen Zustände vor 75 Jahren, Alice Salomon, die Leiterin der sozialen Frauenschule, spricht über die Mütter von einst und jetzt, über die schreibende, Herbert Eulenberg über die lesende Frau und H. von Nostiz geb. von Hindenburg über die Gesellschaftsdame von heute. Der bekannte Graphologe Rafael Schermann prüft die Zusammenhänge zwischen Schriftbild und Mode und kommt dabei zu neuen Ergebnissen. Dichtergrüße an den„Bazar", Erinnerungen und Jubiläumsbeiträge von Thomas Mann, Walter von Molo, Rudolf Presber, Helene Voigt=Diederichs und Gabriele Reuter machen das Heft zu einer wertvollen literarischen Gabe. Der modische Teil bringt u. a. den Kreislauf der Mode in 75 Jahren, der hauswirtschaftliche einen Ueberblick über die„Hausfrauenbewegung in Stadt und Land“ mit vielen Bildnissen ihrer hervorragendsten Führerinnen. Druch und Verlag: P A Santz. Altena. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena 2 — — Praden„„ 4 p Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 1 Altena, den 8. Januar 1929 Ehekrisis? Ein Geschichtsschreiber der deutschen Familie wird vlelleicht dereinst dem Jahre 1928 eine besondere Bedeutung zumessen, denn es hat uns ein Schlagwort beschert, das in dem Ringen der Famllie einen neuen Abschnitt darstellt, das Wort„Ehekrisis“. Durch Jahrzehnte hindurch zieht sich schon der Kamof um die Familie. Er begann mit der Entmut gung der Familie gegenüber ihrer Hauptaufgabe, der Aufzucht der Kinder, er fand seine Fortsetzung in der Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen der Familie in der Kriegs= und Nachkriegszeit und ist nun in ein neues Stadium getreten, indem unter dem Feldgeschrei„Ehekrisis“ der Ansturm gegen das letzte Bollwerk begonnen hat. Ehekrisis bedeutet, daß die Ehe ihren festen Ankerplatz verlassen hat und einem neuen, noch unbekannten Ziele zuste##ert. Während die Parteien im Reichstag sich den Kopf zerbrechen ob es wohl angängig sei, die Hindernisse der Ehescheidung um ein geringes zu mindern, sind nicht unbeachtliche Kreise unseres Volkes der Ansicht, daß die Ehe in der alter gebundenen Form sich überlebt habe und suchen in der Zeitehe, Probeehe, Kameradschaftsehe(zu denen der diese Dinge verspottende Volksmund die Wochenendsehe hinzugefügt hat) das gelobte Land. Wir stellei ihnen das Wort eines der modernen Ehe briktsteiler gegenüber:„Die Einehe ist die notwendige Voraussetzung einer geordneten Kinderzucht", und auch das schlichte Wort Fontanes:„Ehe ist Ordnung“. Ordnung aber, so fügen wir hinzu, ist stets ein Sichfügen in ein Sittengesetz. So wollte es auch die Ehe im alten Sinne. Sie verlangte Verantwortungsgefühl von denen, die sie schlossen, Entsagung von denen, die sie geschlossen hatten. Mochte die sündige Welt hiervon oft abweichen, es blieb das Ideal, und jede Abweichung wurde von der Gesellschaft verurteilt. Der Kreuzesdruck, den der Mensch nun einmal auf dem Passionsweg zu seinen Idealen braucht, das waren die heranwachsenden Kinder. Das Ideal liegt zerschlagen am Boden. Mit dem Geburtenrückgang fing es an. Wir wußten nicht, was wir taten. als wir den seruellen Trieb von der darauf ruhenden Verantwortung befreiten. Es ist wohl selten gegen ein in seinen Fomilien glücklich sehendes Volk ein so heimtückischer Schlag geführt worden. Wir wurden des Zügels ledig, zerschlugen zuerst die alte kinderreiche Familie in ihrer Selbstbescheidung und schicken uns jetzt an, auch die Ehe vernichten. Vor 130 Jahren setzte man in Paris die Vernunft auf den göttlichen Thron. Sie konnte sich nicht halten, ihre Leit wor noch nicht gekommen. Jetzt regiert Vernunft tatsächlich und unangefochten, und wir haben den göttlichen Funken im Menschen zum Verlöschen gebracht. Wir sind stolz darauf, aber die nunft erhebt höhnisch ihr Haupt. Sie schickt den Würger Kinderlosigkeit aus, die zu vernichten, die sie anbeten. Ehekrisis? Gewiß. die Einehe bleibt ein Problem, da sie nicht genau den menschlichen Trieben entspricht. Aber sie ist ein Probiem der Sittlichkeit. Es ist widernatürlich, ihren Zweck nur im Wohlbefinden der Eheschließenden zu suchen, ihr höchstes Ziel ist und bleibt die Aufzucht der Kinder. Wer andere Ziele voranstellt, vernichtet die Ehe, bereitet aber auch seinem Volke, dessen Zukunft auf den kommenden Generationen beruht, den Untersang Dr. Von. Und wieder— die Junggesellin Von Liesel Peck. Immer wieder und wieder werden der Junggesellin die natürlichsten Dinge in seltsam betonten Fragen serviert:„Sie leben ganz allein? Haben ein eigenes Heim? Sie sehen Gäste bei sich, Freundinnen, Freunde? Ueberhaupt, Sie empfangen Herrenbesuch?“ Und immer wieder nimmt man sich vor, diese zweifelnden Mienen zu übersehen und sich, hat man ernst und sachlich Rede und Antwort gestanden, über dieses achselzuckende Abschneiden des— wie die Leute so schön sagen— „heiklen“. Themas, nicht zu ärgern. Wir ärgern uns aber doch wieder über den lieben Nächsten, ärgern uns, weil wir Junggesellinnen Frauen sind, Frauen, die— wenn ihnen das Schicksal auch vorerst— denn was nicht ist, kann ja noch werden— den höchsten und echtesten Frauenberuf der Gattin und Nutter vorenthalten hat— trotz aller Abhärtung im Lebenskampf, gegen die feinen Nadelstiche, die unsre Weiblichkeit bezweifeln und verletzen, empfindsam bleiben. Sollen diese zweifelnden Mienen schweigende Mißachtung vor der Stellung der Junggesellin ihren Rechten und Pflichten bedeuten oder die Unwichtigkeit ihres Vorhandenseins überhaupt bezeichnen? Eines ist so gedankenlos und unwürdig wie das andere! Die Junggesellin, unter der man die jüngere und ältere unverheiratete, im Berufsleben stehende und auf sich allein angewiesene Frau versteht. ist heute keine Einzelerscheinung mehr.„Sie ist mit unserem gesamten Wirtschaftsleben schon so eng und vor allem zahlreich verwachsen, steht bereits zu stark im Vordergrund, so daß man alle Probleme, die sich um ihr Dasein knüpfen, nicht mit einem geringschätzigen Achselzucken abtun darf. Ihrer Entstehung nach ist die Junggesellin eine Erscheinung der Kriegs= und Nachkriegszeit und der damit eng zusammephängenden Entwicklung im Berufsleben der Frau; eigentlich ist sie ja die frühere„alte Jungfer“, aber verjüngt und so verändert, daß man sie doch wiederum damit nicht mehr recht vergleichen darf.— Wir wissen, daß das gebildete junge Mädchen der früheren Zeit hübsch zu Hause blieb und auf den Mann wartete; stellte er sich nicht ein, blieb sie die brave Haustochter und pflegte Eltern und Großeltern zu Tode oder ging als mehr oder weniger ältliches Fräulein in ein Abgesehen natürlich von den zahlreichen Frauen, die schon damals ihren Unterhalt verdienen mußten, die einzig standesgemäßen Berufe. Gesellschafterinnen, Lehrerinnen usw. ergriffen, die aber zur damaligen Zeit immerhin beträchtlich in der Minderzahl waren. Heute ist es umgekehrt. die Ausnahmen werden von denjenigen gebildet, deren Eltern in der Lage sind, eine nicht verdienende Tochter zu erhalten, oder die sogar wie früher von einem ererbten Vermögen leben. Die Mehrzahl muß verdienen, muß den Lebenskampf aufnehmen. Zum Heiraten fehlen oft die Männer oder auch die Grundpfeiler, einen Hausstand zu gründen. Oft sind die Herren nicht in der Lage, sofort einen Hausstand zu begründen oder, wie es der heutigen Frau zwischen 25 und 35 geht, der im Alter passende Ehegefährte ist ein Opfer dag Wastersssende Ehegefährte ist des Wellkrieges geworden. Bei der ganz jungen Generation, den 17=, 18= und 19jährigen, wird das natürlich gar nicht mehr so fühlbar werden, sich im Laufe der Zeit wieder ausbalancieren. Gerade aber die Frauen, bei denen der Mann einfach fehlt, nicht da ist, von diesen will ich sprechen. Zum Glück hat ein großer Teil dieser jungen Mädchen doch noch ein schützendes Elternhaus, Vater oder Mutter, doch viele besitzen auch das nicht mehr, oder der Beruf zwang sie, in die Großstadt zu gehen. Das sind unsere Junggesellinnen, die hier oder anderswo in möblierten Zimmern hausen, denn nur ganz wenig sind in dem paradiesischen Glückszustand, eine kleine Wohnung ihr eigen zu nennen. Entweder es fehlt die Wohnungserlaubnis, oder aber, wie in den weitaus meisten Fällen, das— Geld! Der größte Teil unserer gebildeten Mädchen verdient gerade soviel, wie man zum Leben benötigt, nur ein ganz geringer Prozentsatz in leitenden und selbständigeren Stellungen wird besser bezahlt. Also gerade im Gegensatz zum Mann. Für den Mann sind wir Frauen ja auch heute noch in gewissem Sinne die„Eindringlinge“, und die Herren der Schöpfung finden es nur zu selbstverständlich, daß der Mann(auf derselben Basis mit der Frau verglichen) mehr verdient. Sie vergessen nur, daß die heutige Frau, die verdienende Junggesellin, dieselben Pflichten wie der ihr gleichgeordnete Mann hat, ihr also auch die gleichen Rechte— die gleiche Bezahlung— zustehen. Sogar was Heim und Geselligkeit anbelangt, wird die Junggesellin ihrer Wesensart nach dem eher zustreben als der Mann. Und sind denn„Heim“.„Geselligkeit“ so absonderliche Dinge, daß man sie mit kleinlicher Prüderie der Junggesellin wehren will: Soll die vereinsamte Frau, die schon so vieles entbehren muß, auch noch den bescheidensten Freuden jener behüteten, jungen Damer entlagen? Kann man da wirklich mit altmodischen Moralpredigten kommen? Gerade die Junggesellin, die durch angestrengteste Berufsarbeit gefesselt ist, braucht mehr denn alle eine Häuslichkeit voller Behagen und Ruhe, eine Geselligkeit, d. h. Menschen, mit denen sie in geruhsamer Umgebung— nicht in lärmenden Kaffeehausbetrieben— plaudern, sich geistig erfrischen kann. Gerade sie braucht die geistige Anregung. die nur der männliche Kollege, Freund und Berater ihr zu geben vermag. Gibt es wirklich noch Menschen, die trotz der gewaltigen Eindrücke und Umwälzungen der letzten Jahre so rückständig, so lächerlich altmodisch infiziert, so spießig kleinlich sind, daß sie der Junggesellin die Rechte entziehen wollen, die doch ohne Wimpernzucken die Pflichtenbürde auf sich genommen hat. Ebenso wie man der verheirateten Frau das private und öffentliche Interesse zuwendet, ihre Stellung erleichtern, verbessern will, mit derselben Berechtigung fordert die Junggesellin, die um ihr junges und schwieriges Leben heiß kämpfende Frau, Verbesserung ihrer Lage, nicht Erschwerung durch Kleinlichkeit. Neid, Bosheit und Interessenlosigkeit. Sie bittet und sie fordert Verständnis. Und sie hat ein Recht, zu fordern!— Ballsaison Berliner Nodebrief. „Frauen, laßt Euch nichts vormachen...“ Es gibt Aengstliche, die so warnen. Sic fürchten, daß mit der nach hinten lang abfallenden Linie schon morgen die Schleppe wieder da ist dem knapp und knapper sitzenden Stilleibchen die Schnürtaile wieder heraufbeschworen wird. Aber keine Sorge! Die Zeitzeideuten nicht darauf hin, daß die moderne, praktische und gesundheitlich eingestellte Frau andern Sinnes werden will. Es ist ja bekannt, daß alles Revolutionäre nach geraumer Zeit sich gerne des Gewesenen.„Abgeschafften“ erinnert und gleichsam damit spielend, dort Anleihen aufnimmt, die Mutmaßungen gerechtfertigt erscheinen lassen.— Die Gegensätze spielen sich aus, und entgegengesetzte Strömungen bestehen wohl auch nebeneinander. Wir erleben zwar, daß das Alte in veränderter Form neu ersteht, aber nie, daß es als das Alte wieder auflebt. Keine Sorgen, die Schleppe kommt so bald nicht wieder in der Form, wie wir sie kannten, wenn auch die entlehnten Stilkleider in den Ballsälen vorderhand lang und länger geworden sind, und die bauschigen Rückenpartien mit ihrer wachsenden Länge dem Parkettboden gefährlich zu werden, drohen!.:„Iher richtig, das moderne Stilkleid schwingt sich im modernen— Walzertakt im heutigen Ballsaal— und die Frauen und Mädchen zeigen eine Grazie und Iumut in e 2 e S 8.5 B Das Klingelzeichen für die Scheidung Humoreske v. Carlis Heles Sa recht glücklich waren sie ejgentlich nicht! 19* Sb recht glücklich wären sie eigentlich nicht, wenigstens bildeten sie sich das ein. Sie trugen zu schwer an der Leichtigkeit ihrer unverbrauchten Jugend und wirtschaftlichen Sicherheit und suchten darum nach seelischen Konflikten. Das einzig für sie verwendbare und auh immer sichere Mittel dazu war die Eifersucht. Daisy, der kleine Blondkopf, litt Höllenqualen, wenn ihr geliebter Rolf in dem leichtbeSemeireter Schritt einer Schönen sofort mit heuer Begeisterung die Tänzerin entdeckte; er schwärmte für Tänzerinnen, und sie war scheinbar mit vier linken Füßen auf die Weit gekommen. So hatte er wenigstens behauptet. sie kürzlich beim Charleston total versagte. " Er, dagegen litt für einen Mann an einer beschamenden Kampfunlust und Unbrauchbarkeit seiner Hand= und Armmuskeln, und Daisy schwärmte für Kraft und Mut. Solche Mängel, reichlich gesucht und gewissenhaft gepflegt, mußten zu fortwährenden Reihungen führen. Dazu ein Regentag, der Wasserfälle vom Himmer herunter holte; und die Katastrophe war da. Sie befanden sich auf dem Nachhausewege aus einem Kino, wo Daisys augenblicklicher Schwarm, ein weltberühmter Schwergewichtler seinen letzten Kampf auf der Leinwand wiederholte. Sie tänzelte im Nachsinnen seines Triumphes leichtfüßig in den schon durchnäßten Kleidern. Ihr Mann zog verstimmt und ebenfalls in aufgeweichtem Anzug schwer die Beine noch „Wollen wir nicht ein Auto nehmon?“ fragte die Frau. „Nein. Ich muß mich von dieser geschmacklosen Kraftmeierei in der frischen Luft erholen,“ kam es mürrisch zurück. Sie zuckte nur geringschätzig mit der linken Schulter, ging noch ein paar Schritte weiter, zögerte, lief dann gegen eine Haustür, wo sie sich mit den Worten unterstellte:„Vorläufig gehe ich keinen Schritt weiter.“ Langsam trat er zu ihr, steckte die Jände in die Hosentaschen und lehnte sich gegen den Türrahmen. Sie schwiegen. Vor ihnen klopfte der Regen mit harten Tropfen auf den Asphalt. Hinter ihnen wurde jetzt der Hausflur erleuchtet. Der Pförtner schloß die Tür auf. Sie rührten sich nicht.„Na, zu wem wollen S' denn nu noch eigentlich nachts um halb zwölf?“ erkundigte er sich nicht gerade sehr freundlich. Erstaunt drehten sich beide um, und Rolf sagte:„Wir? Wir wollen zu gar niemand.“ „So, dann soll die verrückte Klingelei wohl ein Scherz sein?“ fuhr der Mann auf. „Wir,— wir geklingelt?“ kam es gleichzeitig aus beider Mund. „Natürlich Sie. Ueberhaupt, Mensch, merben Sie denn nicht, daß sie mit Ihrer ganzen linken Längsseite auf dem Klingelknopf lie gen.“ schrie der Portier Rolf an, der nur erwiderte:„Unsinn!" „Unsinn?". Das war dem in seiner Nachtruhe gestörten Hausgewaltigen denn scheinbar doch zu viel, und er steigerte die Stimme:„Unsinn? Das ist kein Unsinn, wenn ich hier nachts aus den Betten raus muß für Ihre Flegelei. Ueberhaupt, wenn Sie hier auch noch frech werden, gibt's'n ordentlichen Kinnhaken! Verstanden? Sie Konfektionsschwengel Sie!" Daisy reckte den Körper vor. Sie fieberte, was Rolf wohl tun würde, und war einer Ohnmacht nahe, als er sich entschuldigte und dem Manne Geld gab.„Wenn Du Dich für! diese Beleidigung nicht handgreiflich rächst, bist Du mein Mann gewesen,“ stieß sie heftig hervor. Der Portier maß die schmächtige Gestalt des Angeredeten mit einem verächtlichen Blick, während Rolf zu seiner Frau sagte:„Laß das bitte! Du weißt, ich habe für Schlägereien nun einmal nichts übrig. Aber wenn Du zu Deinem Glücke unbedingt einen Boxer nötig hast, bitte, suche Dir einen!" Daisy war sprachlos und suchte wie alle Frauen nach einer unerhörten Beleidigung, die ihr auch sofort schlagfertig auf die Lippen sprang:„Suchen? Das brauche ich ja gar nicht mehr. Ich habe ihn nämlich schon längst gefunden. Das kann ich Dir sagen, der hätte sich das nicht ungestraft gefallen lassen.“ „Willst Du damit sagen, daß Du mich— mich...“ Er hielt den Atem an. Er konnte das furchtbare Wort nicht aussprechen. Desto leichter sprang es ihr über die Lippen:„Betrügst? Ja, ich betrüge Dich. Schon lange.“ „Mit so einem...“ „Boxer. Ja. Er ist himmlisch!“ „Sagen Sie mal, haben Sie mich vielleicht deshalb aus dem Schlafe geholt?“ mischte sich der Portier verärgert ein und wollte die Tür schließen. Aber Rolf hielt ihn fest.„Halten Sie, Mann! Ja, einzig und deshalb. Sie haben es gehört. Sie betrügt mich. Sie müssen morgen früh mit mir zum Rechtsanwalt und das Gehörte wiederholen... Der Mann lehnte ab. Er hatte anders zu tun. Erst Rolfs Versicherung, daß ihm seine Zeit fürstlich, königlich bezahlt würde, stimmte ihn um. Nun war Daisy wirklich sprachlos Beim Himmel, so hatte sie das ja gar nicht gemeint! Sie wollte Rolf nur ein bißchen lärgern, weil er im Kino über die schönen Beine einer obendrein noch ganz nebensächti. chen Darstellerin so begeistert war. Aber Rolf ging gar nicht mehr mit ihr nach Hause. Er brachte sie nur bis zur Tür, sagte förmlich:„Gnädige Frau!“ und ging. Daisy suchte sofort ihr Schlafzimmer auf, legte sich ins Bett und weinte. Am andern Morge: begann sie schon um 8 Uhr mit der Toilette, stand gegen halb zehn hell, duftend und leuchtend wie eine jung erblühte Rose vor dem Spiegel und übte die abweisend hochmütige Miene, mit der sie Rolf imponieren wollte. Als sie zu dem Anwalt kam, saß ihr Mann bereits im Wartezimmer. Neben ihm der gräßliche Pförtner, der an allem die Schuld trug. Daisy grüßte kurz und setzte sich ihrem Manne gegenüber. Er sollte sehen, wie hübsch sie aussah und was er im Begriffe war mutwillig aufzugeben. Aber mit Staunen und Bangen mußte sie feststellen, daß ihr Mann gar keine Notiz von ihr nahm. „Rolf— Rölfchen, was um Himmelswillen ist Dir denn passiert?“ schrie sie auf. Er gab keine Antwort.„Rölfchen, sprich doch! Ich vergehe vor Angst,“ weinte sie jetzt. Das erweichte ihn. „Ich habe mich gestern abend noch in eine Amateurboxschule aufnehmen lassen und gleich mit dem Training begonnn, wie Du siehst.“ erklärte er. auf die grün und blau schimmernde Gesichtshälfte deutend.„Ich will doch für den Kerl gerüstet sein,“ setzte er stoiz hinzu „Und Dein Gegner?“ forschte sie atemlos. „Dem habe ich eine ins Gesicht gegeben. Seine Nase blutete ganz fürchterlich und dürste heute nicht weniger farbenfroh sein als mein Gesicht.“ „Fabelhaft!“ rief sie begeistert und fuhr fort: „Aber Rölfchen, so kannst Du doch unmöglich zum Anwalt gehen, komm sofort nach Hause! Ich muß Dir essigsaure Tonerde auflegen.“ Rölf gab dem Portier zwanzig Mark Neugeld und stieg mit seiner Taisy in ein Auto. In der Wohnung zog er sie auf seine Knie. „Also sag' mir die volle Wohrheit, Daisy! Du liebst diesen Boxer?“ Sie wurde erst dunklerot, dann erklärte sie mit strahlenden Augen:„Wahnzinnig!“ „Wo— wo kann ich denn diesen Kerl treffen?“ stammelte ihr Mann. Daisy zeigte mit der ausgestreckten Hand hiner ihn. Er fuhr herum und starrte sich selbst im Spiegel in das wutverzerrte Gesicht. „Das ist der Boxer, den ich liebe. Einen andern kenne ich nicht,“ lachte sie, ihm um den Hals fallend. Rolf zog seine kleine Frau zärtlich on die Brust, aufseufzend:„Wie ich aussehe!“ „Himmlisch! Und heute gehe ich mit,“ rief sie begeistert aus. Ihrem Mann fielen die Arme herunter— sein Bedarf an Boxererfahrungen war eigentlich gedeckt—, und er fragte:„Warum willst Du mit?“ „Erlaube mal, in der Stunde der Gefahr gehört die Frau zu ihrem Manne," erwederte Daisy beinahe gekränkt. Stunde der Gefahr! Das klingt ja beinahe wie Aussicht auf erfolgreichen Totschlag, dachte Rolf und sagte kleinlaut:„Ich dachte schon, Du wolltest mich vielleicht bewundern, Daisy?“ „Das natürlich auch. Aber in erster Linie will ich doch die Nase Deines Gegners sehen, Rölfchen." Er sank in einen Stuhl, von der Sorge überwältigt:„Wo hole ich mir nun einen blau geschlagenen Gegner?“ ihren weiten Kleidern, in den schwebenden Röcken mit den wippenden Glocken, Zipfeln und Volants, als hätten sie nie eine„Männer= mode“ mitgemacht. IIn Wahrheit, ich glaube, daß keine Frau der vergangenen krassen „männlichen“ Mode err##thaft nachtrauert; das Gesamtbild macht den Eindruck der wiedergewonnenen, koketten Fraulichkeit, an der man sich ausgiebig freut. Warum erprobt eine jede sonst das Stilkleid und die Löckchenfrisur und die Grazie des anmutvollen Fächerhaltens Wer irgenwie nur hineinpaßt, trägt die Stilform, die tonangebend geworden zu sein scheint. Und es gibt Frauen, die heimlich, aber konsequent ihren Taillenumfang zu stilisieren bemüht sind, um an diese Mode denken zu können, denn sind auch Hüften erlaubt, ja sogar angebracht beim ersehnten Stilkleid, so ist doch jene Schlankheit oberhalb der Hüfter bedingt, die so charakteristisch dabei ist. Fettschichten über dem Magen oder dem Zwerchfell sind jedem Stilleibchen unerwünscht. Im übrigen stellt es auch dem fraulichen Dekollet erhöhte Ansprüche, zum mindesten will es, was die Linien des Halses. Nackens, der Schultern und der Arme anbelangt. Rücksichten genommen wissen... es bleibt eben ein— Stilkleid. Da sich aber unsere Frauen und Mädcher erhöhter Beobachtungsgabe für ästhetische Geschmacksfrogen und neuer Körperpflege erfreuen, passen sie immer mehr in ein solcher Kleid. So wogen Tüll= und Chisfonwolken in Ballsaal und der ausladende, weite Rock ist mit den reichen Glochenröcken gudrer. Kleider verschwistert, die alle, alle kob#tt und orczög dergusgeputzt sind, oder auch so beliehte Zipfelröcke darstellen. Die Glocke jedenfalls hat auf der ganzen Linie gesiegt. Ist es nicht immer der ganz runde Rock, so sind doch die glockig geschnittenen Zwischensätze oder Aufsätze an glatte Teile charakteristisch, es gibt ja auch im Glockenschnitt so viel Abwechslung. Die großen Weiten und doppelten Ueberfälle, kurz, die reichste Stoffülle eignet sich natürlich am besten für die hauchdünnen, zartesten Gewebe, die nicht auftragen und doch einen fließenden, weichen Fall versprechen. Volantglokken oder Tunikaglocken über einem engeren Rock sind gleichfalls zu sehen. Als streng modern gelten die glatt anliegenden Hüftpassen die an kürzeren wie an den lang nach hinten abfallenden Kleidern verarbeitet werden. Für alle nicht so schlanken Tamen sind sie zu empfehlen, da besonders kleidsam. Sie lassen die Taille lang und schlank erscheinen, die oft noch durch einen Phantasiegürtel nach vorn mit seinen langen, sich verbreiternden Enden abgebunden, unterbrochen wird. In bogiger Form, vorn spitz ansteigend oder auch in sich kreuzenden Linien, ist dann der glockige Rock, nach hinten immer reicher und länger fallend, an die Hüftpasse gereiht. An solchen Kleidern wird loftmals nur der Rocksaum breit bestickt oder mit Perlen benäht, eventuell noch die Bürtelenden. Wie ja überhaupt die Stoffülle und die moderne Zusammensetzung zweier Stoffqualitäten den Putz vielfach ergeben.: Die Stoffe sind ja auch für die Abendkleider sol wundervoll fein ersonnen, daß sich auffallender Put von selbst erübrigt. Für reifere Tamen ist spitzenstaff die große Mode, der in allen Farben zu wählen ist und über dem glatten, gleichfarbenem Seidenunterkleid getragen wird. Auch Spitze und eine andere Seidenstoffart werden vielfach kombiniert, was gut aussieht. Wie gesagt, ein nicht übermäßig weiter Glockenschnitt und die neue Hüftenpasse sind hier ratsam, denn die ganz engen Schnitte lassen viel zu sehr die Formen heraustreten, der ganz weite Rock aber wiederum(wie etwa beim Stilkleid) trägt viel zu sehr auf. Auch sind Gürtel hier gut geeignet. Uns. Backfische sollten Taffet und Tüll vorziehen, der entzükkend auch in Mustern und changierend zu haben ist. Warum älter oder„damenhafter“ machen? Jugend ist der schönste Schmuck, der immer beneidet wird. Für sie hat die Mode besonders die neuen Schmuckranken erdacht, die, aus Blumen von Veiour oder Sammet mit flimmernden Steinkeichen bestehend, auf die zarte Kleiderseide appliziert werden, oft nur einseitig den weiten Rock garnierend oder wahllos über den weiten Rock verstreut. Die gegensätzliche Hüftseite am Abschluß des Nieders harmoniert mit der einseitigen Rockranke. Die großen Blumen aus stärkerem abweichendem Material sind appliziert mit dem Grundstoff verbunden. Auch lebhafte farbige Bänder und Schärpen kleiden die frühe Juigend. Viel seltener sind die über und über bestickten Perlkleider geworden, ja. fast ganz verschwunden, weil sie etwas Storres an sich haben, das die Mode nicht lanciert. Und das so lange vor der Saison protegierte Schmarz, sowie die dunklen Farben auch für den Ballsaal scheinen plötzlich in Vergessenheit geraten zu sein. Gewiß sieht man auch entzückende schwarze Tüllstil= und dunklere Georoettseie E 8.8 8SSP SSSSgEg S SaeS 888 S 35 denkleider mit heller Stickerei, aber sie sind in dem leuchtenden, farbenfrohen Gewimmel, das sorglos tanzt, nur Einzelerscheinungen. Ja, es gibt auch Dinge im Reiche der großmächtigen Königin Mode, die mit leisem Achselzucken wieder— vorläufig— beisekte gelegt werden müssen... K. Goet. —2— Vom Eislaufen Von P. Wild. Der Wintersport ist im heutigen Umfang ein Produkt der neuen Zeit, die körperliche Entspannung in sportlicher Bewegung sacht. Sicherlich ist das Eislaufen einer der gesundHeitslördernsten„Sporte, der auch für jedes Maochen oringeno zu empfehlen ist. Beim ersten drohenden Schneefall und leichtem Frost werden unsere Sportgeräte mit wägenden Blicken ob ihrer Gebrauchsjähigkeit geprüft, oder suchende Blicke wandern an den Ausstellungen der Schaufenster entlang, die „Sportartikel“ zeigen. Glücklicherweise ist der Schlittschuh ein„billiges" Svorthandwerkszeug, das auch für die kleine Börse erschwinglich ist. Selbstverständlich gibt es auch kostbare Schlittschuhe, schwer vern ckelte, besondere Spezialmarken usw. Doch hüten wir uns, Kindern solch teure Ware zu schenken, sie ent wachsen ihnen ja doch. und dann ist das Wertloswerden so schmerzlich.f Die Reichhaltigkeit der Schlittschuhsysteme ist überaus groß, dennoch gibt es immer besonders erprobte „Favoriten“, das sind gar nicht immer die kostspieligsten, sondern die zweckmäßigsten. Auf alle Fälle sollen wir deutsche Schlittschuhmarken kaufen, die es an Gleichwertigkeit mit jeder anderen„Marke“ aufnehmen. Es geht hier nicht an, besondere Systeme zu empfehlen, da muß jeder Anfänger sich von Fachleuten oder verständnisvollen Läufern beraten lassen. Was den Eissport so besonders gesund macht, ist die Bewegung in reiner, frischer Luft. Sie fördert den Blutkreislauf in hohem Maße und regt Haut und Nerven zu erhöhter Tätigkeit an. Auch wird die Lunge tüchtig gelüftet. Der Sport erfrischt ungemein. was uns bei der heutigen erschlaffenden Lebensart von besonderer Wichtigkeit dünkt. Welche Freude liegt im Rhythmus der Bewegung, wenn wir scheinbar unbeschwert öber die glatte Fläche dahingleiten, oder für Fortgeschrittene im Versuch des Kunstlaufs. Bogen und Kreise werden gelaufen und gar getanzt. Wie schön ist der Anblick vollendeter Harmonie in der Bewegung kunstfertiger Läufer. „Und das furchtbare Fallen?" warnen die Bedächtigen. Nun, in der Beziehung dürken wir unbesorgt sein. Die Gefahr eines unglücklichen Sturzes ist nicht so groß und für den Anfänger ist der Uebergang an einer gefährdeten Großstadtverkehrsecke unbedingt viel gefährlicher als die Möglichkeit eines Unglücks auf dem Eis. Hand aufs Herz. Sind wir im Anfangsstadium etwa nicht gefallen? Hat uns das Fallen geschadet? War es nicht meist die Sitzfläche, mit der wir die berühmten„Sterne“ ins Eis fielen? Bei tieferem Eindringen in die Kunst des Eislaufens verringert sich die Gefahr des Fallens durchweg. Direkte Unglücksfälle sind bei keinem Sport auszuschließen, doch stehen sie beim Schlittschuhlauf in keinem Verhältnis zur Zahl der Sportfreudigen. Je früher ein Kind das Laufen erlernt, desto leichter wird es ihm, und desto eher wird es sich auf den Stahlschienen mit vollständiger Sicherheit bewegen können. Um Erkältungsmöglichkeiten vorzubeugen, müssen wir für die richtige Bekleidung sorgen. Die Lösung der Frage umfaßt zwei Notwendigkeiten: Wärme und Zweckmäßigkeit. Am hübschesten sind für die Eisbahn Jumperkleider, weiß oder in lustigen Farben, mit passender Kopfbekle dung. Wollstrümpfen oder Gamaschen und kräftigen Stiefeln. Die Sohlen müssen derb sein, undurchlässig gegen etwaige Feuchtigkeit, wie sie z. B. durch die Fußwärme oder verlagerten Schnee auf dem Eis leicht möglich ist. Ein sehr einfaches Mittel ist es, die ganzen Schuhe, oder wo das zu weit geht. wenigstens die Schuhsohlen mit flüssigem Fett (Oel oder Tran) einzudichten. Das macht die Sohlen nicht nur undurchlässig, sondern auch haltbarer. Der Eislauf an sich birgt keine Erkältungsgefahr, wohl aber leichtsinniges Verhalten Durch die Bewegung warm oder heiß gelaufen heißt es sich nicht zum Abkühlen ahne Hüllen ins Freie sebenz, meigf'ishen wie dos Hesähl Lebenswahrheiten Nach anderen Freude! Du wirst erfahren, daß Freude freut.. Bischer. Ein großer Mensch ist derjenige, der sein Kinderherz nicht verliert. Meneius. Die Zeit verlangt, daß du realistisch bist, dein Herz das Gegenteil; suche beides zu verbinden und nach Bedürfnis anzuwenden. Gib aber acht, daß du dabei immer gut und edel bleibst. * Es ist unglaublich schwer, und beinah möchte ich sagen, ganz unmöglich, etwas Geschehenes oder Erzähltes ganz und gerade so wieder zu geben, als man es gesehen oder gehört hat. Mit der schönsten, reinsten Wahrheitsliebe überlassen wir uns öfters, ohne es zu ahnen, unserem eigenen Gefühle. Und dieses oft liebenswürdige Gefühl für Recht und Unrecht gibt nicht selten unseren Worten einen ganz anderen Sinn. Schiller. Man muß sich die Menschen nach ihrer Art verbindlich machen, nicht nach der unsrigen. Wer die Gottesgabe der Begeisterung besitzt, der wird wohl älter, aber niemals alt. Omken. Niemand ist frei, der über sich nicht Herr ist. Claudius. Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus. Ebner= Eschenbach. .. eine Erhältung im Anzug. Nach dem Lauf muß der Körper warm gehalten werden, nur dann erhalten wir uns das erfrischende Gefühl. Hier muß die Jugend zur Sorgfalt zegen die Besundheit, ohne alberne Aengstlichkeit, erzogen werden, und auch die Erwachsenen sollten die Vorsicht nicht außer acht lassen. Dann wird der Eislauf seinen Zweck voll und ganz erfüllen und Leib und Seele erfrischen. —2— Kinder nicht überfüttern! Von Dr. med. Reinbacher. Kinder, die an Nahrung dauernd mehr erhalten, als sie zum Ersatz verbrauchter Substanz, verbrauchter Energie und zum Wachstum bedürfen, geraten in einen Zustand der Ueberernährung. Eltern und Pflegerinnen fehlt oft eine Vorstellung von dem Nahrungsbedürfnis ihrer Schutzbesohlenen. Sie glauben, die regelmäßige Gewichtszunahme, die der Säugling zeigt, auch im weiteren Verlauf der Entwicklung finden zu müssen. Wir wissen aber, daß die tägliche Gewichtszunahme fortschreitend abnimmt, und daß man am Ende des ersten Lebensjahres kaum noch eine wöchentliche Zunahme feststellen kann. Weiterhin verleitet zur Ueberernährung die Annahme, daß das Fettpolster, wie es der gesunde Säugling zur Schau trägt, auch dem Kleinkinde erhalten werden müsse. Der reichliche Fettansatz beim Säugling beruht aber auf seinem vorwiegenden Genuß einer ziemlich fettreichen Nahrung, der Milch und auf geringer körperlicher Tätigkeit. Fallen diese beiden Umstände fort, wenn das Kind laufen lernt und wenn es gemischte Kost erhält, so schwindet auch das Fettpolster. Einem Kinde geschieht also ein Zwang, wenn man diese Tatsachen nicht beachtet. Es wird überfüttert. Unter allen Umständen schadet das seiner körperlichen und geistigen Entwicklung und zwar auf folgende Weise: Reichlicher Fettansatz läßt sich beim älteren Kinde nur erzielen bei Wasseranreicherung des Organismus. So kommt es zur„Aufschwemmung“ des Körpers der Kinder. Aufgeschwemmte Kinder leisten aber gegenüber Krankheiten aller Art. besonders Infektionskrankheiten. weniger Widerstand, wie die Erfahrung lehrt Weiterhin beobachten wir bei einer großen Zahl der überfütterten Kinder Wacherungen bestimmter drüsiger Organe. Die Vergröße rung der Mandel zeigt sich niemals bei SSäuglingen der ersten Lebenswochen. Sie wird erst später erworben. Auch andere Drüsen wuchern und bedingen einen Zustand, der in höheren Graden entschieden als krandhalt anDie Leidesfülle überfütterter Kinder versteht sich leicht. Sie beruht auf einer Ueberdehnung des Darmes. Kinder mit großem Bauch gehen mit zurückgelegtem Oberkörper, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Der Ueberschuß an Nahrung gelangt nicht zur Verdauung. Gemästete haben daher häufigen oder reichlichen Stuhl. Ebenso führen große Flüssigkeitsmengen, wie sie viele Kinder erhalten, zu größeren Harnausscheidungen. Bei ihnen gelingt die Erziehung zur Sauberkeit vin schwerer. Allein mit Einschränkungen der Flüssigkeit lassen sich manche Bettnässer heilen Ein großer Nachteil liegt darin, daß überfütterten Kindern das natürliche Hunger= und Sättigungsgefühl abhanden kommt. Ohne eigentliches Nahrungsbedürfnis kommen sie zur Mahlzeit. Sie werden wählerisch, äußern Abneigung und Widerwillen gegen einzelne Speisen und legen in dieser Hinsicht bald die übelsten Angewohnheiten an den Tag. Gutes Zureden und Lobreden nötigt sie zu reichlicherer Nahrungsaufnahme als sie bedürfen. Wie auf die körperliche, so übt die Ueberfütterung auf die geistige Entwicklung einen ungünstigen Einfluß aus. Geistig regsame Kinder sind meistens schlechtere Esser als die Trägen. Bei letzteren gelingt eine Ueberernährung viel leichter. Statt einer Förderung der geistigen Entwicklung tritt aber eine Hemmung ein. Voller Bauch studiert nicht gern. Ueberernährte Kinder brauchen nicht, wenn der fehlerhafte Zustand ihres Körpers erkannt ist, schonend zu einer vernünftigen Lebensweise hinübergeführt werden. Auf wenige ordentliche Mahlzeiten stellen sie sich raschest um, wenn der Wechsel von einem Tage zum anderen erfolgt. Der Widerstand, den sie in den ersten Tagen leisten, geht bei zielbewußtem Verhalten der Erzieher bald vorüber. —13— Bewährte Hausmittel in Krankheitsfällen Wir stehen noch mitten in der kritischen Zeit, die uns darüber belehrt, daß überall und immer Gefahren uns umlauern, die mit der Witterung zusammenhängen und die nicht als übertrieben anzusehen sind. Die meisten Krankheiten beginnen ja mit irgendeiner verschleppten oder absichtlich übersehenen Erkältung. Erst, wenn sich daraus etwas Ernstes entwickelt hat, werden wir aufmerksam, aber oft ists dann auch zu spät oder doch sehr spät. Einige bewährte Vorbeugungsmittel seien hier genannt, deren Anwendung trotz ihrer Harmlosigkeit dennoch sehr oft von unschätzbarem Nutzen wurde. Bei fieberhaften Erkältungen: Fliederblütentee oder Lindenblütentee, auf eine Tasse etwa einen guten Eßlöffel voll, kalt angesetzt, einige Minuten kochen lassen, durchsieben, Geeignetes, schweißtreibendes Mittel. Dagegen Kamillenaufguß zum Einatmen: In eine Schüssel gießen, ganz heiß mit einem Tuch überdecken, unter das man den Kopf steckt und die Dämpfe einatmet. Lösend bei Hustenreiz und Atmungsbeschwerden. Gurgeln mit gut warmer Seifwasserlösung, Bei versetztem Schnupfen Leinsamentee kochen, auf einen halben Liter Wasser etwa drei Eßlöffel voll, lange, bis zum Dickwerden, einkochen, unter öfterem Rühren, da leicht ansetzend. Dann das Ganze in ein Leinenbeutelchen tun und so heiß, als man es vertragen kann, auf die Stirn oberhalb der Nase legen, ein wollenes Tuch darüber. Stundenlang liegen lassen. Hernach die Stirn vor Zug und Kälte noch einige Zeit schützen. Heißes Zitronenwasser ebenfalls zum Schweißtreiben. Schottischer Umschlag: Zwei nasse Servietten werden über beide Schulterblätter gelegt, ähnlich wie ein Umschlagetuch; darüber Gummivapier, zuletzt Wolltücher, alles fest und der Umschlag gut deckend. Wassertemperatur zimmerwarm. Nach dem Abnehmen kalt abreiben, dann wieder in wollene Tücher, zehn Minuten später diese ab. Die Umschläge sind bei Husten und Fieber vorzüglich; bei hohem Fieber alle zwei Stunden erneuern, bei weniger alle vier Stunden. Nicht vergessen, daß der Schlaf bei einem Fieberkranken nie zu unterbrechen ist, auch nicht durch diese Maßnahmen, da er in allen Fällen als Heilfaktor zu betrachten ist. Beinvackungen gleichfalls wertvoll, um Fieber zu lindern. Vorzüglich essiggetränktes Wasser, zimmerwarm, darüber einen Strumpf ziehen. Alle zwei Stunden erneuern. Stets daran denken: Bei hohem Fieber Kopf kühl haiten, Füße warm. Bei Frostgefühl, das sehr gut trotz hohen Fieders auftreten kann. Wärmflaschen seitlich des Körpere u. an den Füßen. Auch bei bedem Rleber## ein Saluwal