Die oben besprochene Photographie hat Bruchner durch seine treue Wirtschafterin Kathi in die Wohnung des Fräuleins schicken jassen, mit der Bitte, Fräulein Marie möge sich„renanchieren“ und auch ihr Kontersei der Kathi gleich mitgeben. Die Kathi ist begeistert von der schönen Wohnung, von der vornehmen Bürgerlichkeit dieses Hauses, bringt Bruckner das Bild„das ihr Fräulein Marie gerne und stolz mitgegeben hat und wird nicht müde, ihm #. eTäähten und zu versichern, daß das Fräuin bestimmt die„Richtige“ fei. Er schreibt darauf an sie folgenden Brief: Stempel: Alsergrund. Hochwohlgeboren Fräulein Marie Demar, loco Wieden, Waaggasse 9. Liebenswürdigste, Edelste Freundin, Fräulein Marie! Herzlichen Dank für Ihr herrliches Bild. Die treuherzigen, schönen Augen! Wie trösten Sie mich oft. Bis zum Ende meines Lebens wird die Reliquie teuer und kostbar sein Und welche Freude bei so oftmaligen Anblick usw. Auch ich bitte um Ihre so theure Freundschaft, liebstes Fräulein! Möge mir dieselbe nie entzogen werden! Der meinen sind Sie in alle Ewigkeit sicher. Soeben habe ich mich beim Könige von Baiern für die Annahme der Widmung bebankt. Nochmals herzlichen Dank und innigst büßt Ihre gütigen, schönen Hände Ihr Sie überaus verehrender Freund A. Bruckner. Wien, 11. Mai 1885. Am Abend Was ich heute gefehlt, Schwinde im Schatten der Nacht. Was an Licht mir geleuchtet, Werde mir Segen und Tat. Gib mir die Gnade des Schlafs Und einen tröstenden Traum. Clara Prieß. Braut zu trösten. Plötzlich öffnete sich die Tür, und auf der Schwelle erschien— der Vermißte. ungewaschen und unrasiert, unter dem Arm ein großes Paket, in dem sich der neue Anzug befand. Renzo hat aber schwören müssen, nie wieder auf eine fahrende Straßenbahn zu pringen. 2 Daß dieser Brief mehr als Freundschaft verrät, davon merkt Fräulein Marie nichts, oder will sie vielleicht nichts merken? Sie ist ja jung und schön, und Bruckner, mit seinen zweiundsechzig Jahren, kann äußerlich dem Ideal nicht entsprechen, das sie sich natürlich, wie alle anderen Mädchen ihres Alters, unumstößlich aufgebaut hat. Sie ist weiter lieb zu ihm, respektvoll, wie es der Altersunterschied und die Verehrung erfordert, und doch als Frau— ennchber. Bruckner leidet, daß Fräulein Marie so gar bein Vertrauen zu ihm hat, und während er sich trotz alledem die schönsten Zukunftsbilder ausmalt, weiß sie sich„nun mit Schrecken alles erfassend, immer weniger zu raten und zu helfen. Wie aber seine Stürmischkeit, sein Drängen, sein Bitten immer heftiger werden, zieht sie sich zurück, schmerzlich zwar und voll Angst, ihn zu verlieren, den sie so verehrt. E raber scheint noch immer nichts zu merken, und eines Tages kommt er zu ihr und erbittet sie sich zur Frau. Nun ist sie gezwungen, ihm ganz wirklich, hart und unerbittlich mit Nein zu antworten! Er starrt ihr ins Gesicht, erkann sich nicht vom Platz bewegen, sie weiß kein Wort, das sie zurücknehmen könnte. Da stürmt er fort, jung, glühend, verletzt, tief verletzt, unglücklich zum Sterben, die Trenen fließen unbeherrscht aus aus den guten Augen. Und dann kommt er nie mehr. Es har ihn zu tief getroffen. Er weicht ihr aus, wo er ann! Er schämt sich— nicht, daß er sie hassen würde! Und nun wird er wieder einsam, nachdem er zwei und ein halbes Jahr neben diesem jungen Mädchen gelebt, sich an ihrer Heiterheit, Frische und auch ihrem Blauben an ihn erbaut hatte. Nun wird er erst alt. Und weil er niemand von seinen Freunden mehr in der Welt weiß, dem er seine Achte widmen könnte, so widmet er sie dem Kaiser Franz Josef. den er im Herzen eigentlich immer so wie den lieben Gott, wie einen persönlichen Freund liebte. —.2— Doch der Segen kommt von oben Von Bandy. Bei Darlington in der englischen Grafschaft Durham befinden sich die ausgedehnten Besitztümer eines schwerreichen Gutsbesitzers, John S. Adams. Die drei bildhübschen Adamsschen Mädchen sollten dereinst— so wollte es der Herr Papa— die drei Söhne eines benachbarten Großindustriellen heiraten, doch es kam anders. Der Segen kommt nun einmal von oben, und die drei Schwestern haben ihre Männer im wörtlichsten Sinne aus der— Luft gegrifsen. Noch im Kriege gab es eine lokale Seniation in Darlington sauf dem Gute des alten Adams fand eine Notlandung statt. Der Führer des notgelandeten Mi tärftugzeuges erlitt so schwere Schnittwunden, daß der patriotisch denkende Adams nicht umhin konnte, den verunglückten Luftkrieger in seinem Hause aufzunehmen. Die älteste Tochter des Hauses. Mabei, pflegte den schmucken Fliegerleuman: so aufopfernd, daß sie ihm(nach erfolgter Heilung der Schnittwunden) Wunden ganz anderer Art zufügte. Für derartige Verwundungen gibt es seit Menschengedenken nur ein He#lmittel: die Ehe. Mabel wurde alio Frau Leutnant Vidor. sehr gegen den Willen des alten Gutsbesitzers.— Die Zeit verzing, die Fliegerei machte weitere Fortschritte, Notlandungen kamen aber leider immer noch vor. Zum größten Leidwesen des ehrwürdigen John S. Adams setzte eines Tage der Motor eines Passagier= flugzeuges ausgerechnet in der Näbe seines Landhauses aus. und der Pilot(der Flugseiter eines benachbarten Hafens) war gezwungen, sich in Sicherheit zu bringen. Er tat es so gründlich, daß er einige Wochen später um die Hand der mittleren Tochter des Hauses, Annie, anhielt. Adams verfluchte die ganze verrückte Fliegerei, mußte aber seine Einwilligung geben, und so wurde aus Annie Frau Hauptmann Wrecker. Vor kurzem fand dann auf dem Gute Adams die dritte— und hoffentlich letzte Notlandung statt, die(s2 unwahrscheinlich es auch klingen mag) wiederum damit endete, daß Claire Adams ihr Herz, ihre Hand und ihre Mitgift an den Fliegeroberleutnant Cook= Pierre verlor. Die Bevölkerung verdächtigte die Fliegeroffiziere, nicht ganz unbeabsichtigt gerade auf dem Gute ihres späteren Schwiegervaters notgelandet zu sein, diese erklärten aber einem Revorter gegenüber. keine Ahnung davon gehabt zu haben. daß Adams der— reichste Mann der Grafschaft Durham sei. Jedenfalls haben sich Madel. Annie und Claire Adoms große Verdienste um die— Forderung der Luftfahrt erworben... Martyrium einer weißen Inderin Die Behörden des britisch=indischen Vasallenstaates Baroda verlaugten kürzlich die Ausleferung einer weißen Suda rikauerin, die mit seinem mohammedanischer. Inder verheiratet war und von ihrem Monn des Tiebstahls bezichtigt wurde Gelezonl#ich dieses Schrittes gelangte die Fachricht vom vierzehnjahrigen Ehemartyrium der weißen Inderin in die Ceffenklichkeit. Ais junges Mi'echen von vierzehn Johren heiratete sie in Tüdairika mit Genegmigung ihrer Ellern einen reichen Inder aus Baroda, der sich selbst ols Junggeielle bezeichnete. Kurz nach der Hochzeit folgte die junge Südafrikanerin ihrem Gatten nach Indien. Dort mußte sie erfahren, daß ihr Mann schon seit Jahren mit einer Inderin verheiratet war. Aller Mittel entblößt und von der Außenwelt abgeschlossen, mußte sie sich mit ihrem Los als Nebenfrau abfinden. So führte die junge Weiße ein Leben, das nicht besser war als das einer Sklavin. Da starb die erste Frau, der Mann ging für Jahre nach Südafrika zurück. Die Hoffnung auf ein besseres Los lebte in der Südafrikanerin wieder auf. Toch ihre Lage verschlimmerte sich nur noch, da sie jetzt von ihrem Stiefsohn gequält und öfters geschlagen wurde. Schließlich wurde sie von ihrem Stiefsohn noch des Juwelendiebstahis bezichtigt und auf sein Betreiben hin verhaftet. Wegen Mangel an Beweisen mußte sie freigelassen werden, doch ihr Gatte, der inzwischen nach Indien zurückgekehrt war, veranlaßte neuerdings die Festsetzung der nach Vombay Geflohenen. Das dortige Obergericht lehnte aber den Auslieferungsantrag mit der Begründung ab, daß derjenige, welcher noch das englische Bürgerrecht besitzt, nicht einem fremden Gericht überantwortet werden darf. Außerdem erklärte es die Ehe für ungültig, da sie vor einem englischen Standesamt geschlossen morden war, das nichts von der vorherigen Verheiratung des Inders wußte. Die weiße Inderin wurde sofort freigesetzt und soll nach vierzehnjährigem Abenteuer in die Heimat zurückgebracht werden. Der verhinderte Bräutigam Renzo Garatti, ein junger Arbeiter in Turin, und seine kleine Lucia wollten heiraten. Alle Vorbereitungen zur Hochzeit waren getrossen und gerade zur rechten Zeit wurde auch der neue Anzug fertig, den Renzo sich zu dem festlichen Tage hatte bauen lassen. Am Tage vor der Hochzeit begab sich der junge Mann mit dem Anzug zu seiner Braut, um ihr das funkelnagelneue Prachtstuck zu zeigen. Man verplauderte den Nachmittag und den Abend und plötzlich bemerkte der Bräutigam, daß es höchste Zeit sei, aufzubrechen, wenn er die letzte Straßenbahn zu seiner ziemlich weit entfernten Behausung noch erreichen wollte. Flüchtig wurde der neue Anzug wieder eingewickelt ein rascher Abschied foigte, und Renzo stürzte davon. Gerade erreichte er noch die schon anfahrende Straßenbahn, sprang hinauf und— gerade einem Sch#tmann in die Arme, der ihr alsbald wegen Uebertretung der Verkehrsvorschriften aufschrieb. Einen Ausweis hatte Renzo nicht bei sich, infolge des raschen Laufs machte er einen aufgeregten Eindruck, dazu kam der schlecht in Pavier gewickelte neue Anzug, alles zusammen Grund genug, daß der Hüter der Ordnung den Bräutigam für einen Dieb hielt und ihn mit zur nächsten Polizeiwache nahm. Hier verbrachte der Unglückliche eine fürchterliche Nacht und einen beinahe nock schrecklicheren Morgen, denn inzwischen rückte die für die Travung bestimmte Stunde beran und er saß auf der Volizeiwache, ohne seiner Lucia auch nur Nachricht von seinem Geschick geben zu können. Diese lag inzwischen in ihrem Hochzeitsstaat verzweifelt in einem Sessel und vergoß bittere Tränen. Stundenlang wartete sie, aber ihr Renzo erschien nicht. Die Hochzeitsgäste waren versammelt; man wußte gar nicht mehr, wie man den Aufschub erklären sollte, und nach einigen Stunden vergeblichen Harrens blieb nichts weiter übrig, als den Pfarrer davon in Kenntnis zu setzen, daß die Hochzeit wegen Unauffindbarkeit des Hauptbeteiligten nicht stattfinden könne. Die Gäste eingen aufgeregt wieder nach Hause, die Angehörigen blieben zurück, um die verzweifelte Die Zeit der Weihnachtsbäckerei ist wieder da Neben dem altgewohnten Weihnachtsgebäck möchte die Hausfrau auch einmal Neues versuchen. Das Daheim(65. Jahrg. Nr. 9) gibt unter anderen Rezepten auch das folgende für ein willkommenes Naschwerk:„Ein halbes Pfund Palmin wird zerlassen und zum Abkühlen hingestellt. Inzwischen verrührt man in einem Porzellannapf drei ganze, sehr frische Eier, fügt ein bis zwei Päckchen Vanillenzucker, vier oder fünf Eßlöfsel Kakao und zwei Eßlöffel Zucker hinzu, und rührt, bis sich alles gut vermengt hat. Dann gibt man, zuerst tropfenweise, das laue Palmin, das nicht zu heiß und nicht zu kalt sein darf, unter fortwährendem Rühren darunter, bis ein glatter, gut gebundener Creme entstanden ist. Das Palmin darf sich nicht absetzen, sonst wird die gut mundende Sache unschmackhaft. hat man einige Nüsse oder Mandeln gröblich gehackt und zurechtgestellt, auch eine kleine Kastenform mit Pergamentpapier so ausgelegt, daß Boden und Seitenwände gedeckt sind. In diese Form kommt nun eine Schicht der oben angegebenen Creme gleichmäßig dann legt man viereckige Keks in der Weise darauf, daß immer einer neben dem andern eine vollkommene ununterbrochene Schicht von Keks gebildet hat, dann kommt wieder Masse usw. Die oberste, die eine Cremeschicht sein muß, wird mit den Mandeln oder Nüssen bestreut. Man stellt die Form recht kalt, daß sie erstarrt und deckt sie gut zu. Bei Bedarf hebt man den Kuchen, der sich gebildet hat. aus der Form mit dem Papier heraus, entfernt dieses und schneidet nach Belieben Scheiben oder Stückchen. Auch als Nachtisch ist die Näscherei mit ihrem hübschen Streifenmuster sehr beliebt. Zu diesem Rezept rechnet man ein Viertelpfund Keks.“ Perantwortsich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena., Praden Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 49 Altena, den 4. Dezember 1923 Das Bad, ein wichtiges Ge sundh its- und Schönheitsmitte! Die Pflege eines gesunden und guten Aussehens ist heute eine selbstverständliche Forderung. Daher greift jede kluge, nachdenkliche Frau immer mehr zu den Bedingungen der Lebensführung zurück, die Grundlage für wahre Schönheit sind, also naturgemäß zu den ersten selbstverständlichen Körperpflegemittein, von denen schon die schönen Römerinnen ausgiebig Gebrauch machten. In erster Linie gehört dazu das Bad. Das„tägliche Bad“ kann nun des Morgens oder am Abend genommen werden; das wird sich nach dem Dafürhalten der ein elnen Dame richten; wer zu Rheuma irgen wie neigt, tut natürlich besser. am Abend zu baden. um gleich darauf durch die Bettwärme den Körper zu schützen. Im anderen Falle er'rischt ein morgendliches Bad und wird von Vielen vorgezogen. I4#6#r ga#. Das Bad darf nicht über 30—35 Grad betragen. Nachdem der Körper etwa fünf Miauten darin verweilt hat, seift man ihn schnell ab legt sich wieder ins Wasser, dem inzwischen heißes Wasser nachgefüllt wurde. Jetzt dorf man eotl. bis auf 38. höchstens 40 Grad erhöhen. Nach wieder fünf Minuten erfolgt eine kurze kalte Dusche und hierauf eine tüchtige Ganzfrottierung. Ein längeres Baden ist, wenn es täglich geschieht, von Nachteil. da es schwächen würde. Wer indessen nur einmal wöchentlich oder zweimal badet, kann gut 20 bis 30 Minuten im Wasser bleiben. Daß Herzleidenden eine geringere Temperatur des Wassers gestattet ist, versteht sich von selbst. Soll das Bad zugleich zehren, so kann man 20 bis 30 Minuten Zeitdauer auf ein heißes Bad rechnen, doch bedenke man, daß dies immer nur eine vorübergehende„Kur“ sein dürfte. Die kalte Dusche sollte unter keinen Umständen fortfallen, da sie nicht nur ein vorzügliches Abhärtungsmittel bedeutet, sondern zugleich vom kosmetischen Standpunkt zu empfehlen ist; es wird nämlich hierdurch ein Erschlaffen der Muskulatur vermieden. Sehr zu empfehlen ist ein Zusatz von Kochsalz zweimal wöchentlich. Salzbäder stärken und desinfizieren zugleich. Auf ein Bad 3—5 Pfund. Rein medizinische Bäder, wie Kohlensäure=, Fichtennadelbäder und die unzähligen anderen, dürfen nicht täglich, sondern nur nach Arztvorschrift genommen werden. Dagegen kann eine erfrischende Essenz unbedenklich jedem Bad, auch dem täglichen, zugefügt werden, wenn es, — die Börse der betreffenden Dame gestattet. Bei dem Duschen sei noch bemerkt, daß es, um nicht seinem Zweck entgegenzuwirken, d. h. um nicht gerade zu Erkältungen zu führen, anstatt sie zu verhindern sehr schnell vorgenommen werden muß. Wem es anfangs ein unangenehmes Gefühl verursacht, der beginne mit einer allmählichen Abkühlung, also derart, daß er nach dem heißen Bad zunächst ein wenig kälteres dazugibt, bis zuletzt das Wasser leitungskalt ist. Die Ansicht, daß ein Zusammenschauern des Körpers Beweis wäre, daß das Duschen nicht gesundheitszuträglich ist, ist durchaus irrig; es soll vielmehr gerade Herz und Lunge weiten. Man mache sich überhaupt einmal den Zweck einer Dusche und die Funktionen des Körvers während dieser klar: Die durch das heiße weit geöffneten Poren, die allen Schweiß und alle unreinen Teilchen abgegeben haben, sollen sich wieder schließen, um der Haut wieder ein frisches. straffes Aussehen zu geben. Durch die kalte Dusche wird augenblicklich das Blut, das beim Baden den ganzen Körper durchströmt von der Außenseite nach den inneren Organen zu abgezogen; diese momentane innere Blutüberfüllung gibt naturgemäß das Blut sofort wieder an die Körperoberfläche zurück, so daß jalso eine ungeheure Durchblutung des gesamten Körpers erreicht worden ist. Der Körper selbst empfindet diesen Vorgang durch das ungemein angenehme Wärmegefühl unmittelbar nach dem Duschen, vorausgesetzt, daß dieses richtig, das heißt schnell genug, vorgenommen wird. Längeres Duschen als eine Vierteiminute ist von Nachteil, da dann schon ein Kältegefühl einsetzen kann. Ebenso ist es von Wicht gkeit, erst Kopf und Nacken, danach Schulter, Arme, Brust, Leib, Rücken und Beine zu duschen, um so das Blut abwärts zu leiten Wer sich erst einmal an Duschen gewöhnt. der wird sie wegen des überaus reizvollen Durchwärmens des Körpers kaum je wieder forten.„7an Bahurem mögen bi. 8, Besonders nervosen Naturen mögen die Duschen unter Umständen nicht anzuraten sein, daden sie selbst indessen die Ueberzeugung, als täten sie ihnen gut, so können sie davon auch überzeugt sein. Wer durchaus nichts von kalten Duschen wissen will, der gewöhne sich wenigstens daran, nach jedem Bade eine Gesichtsdusche zu nehmen, um ein vorzeitiges Welken der Hart unmöglich zu mecken..,.“ Veanst Das täglihe Bad erhält gesund, verjungt in gewissem Sinne und gehört eigentlich zu den Selbstverständlichkeiten des gebildeten Menschen, wie Essen und Trinken. Min könnte wohl behaupten, je mehr der Körper mit Wasser in Berührung kommt, um'o gesünder K er. I. 3 8 „An Kindes Statt“ Von R. Giehsebrecht. „In jedes gute Herz ist das Gefühl von der Natur gelegt, daß es für sich allein nicht glücklich sein kann, daß es sein Glück in dem Wohle anderer suchen muß."(Goethe). Innere Einsamkeit ist es, die arm macht, und vieles in Aeußerlichkeiten suchen läßt, was nur von innen heraus erwachsen kann. Manche kinderlose Ehe, in der der Verzicht auf das Kind kein freiwilliger ist, sondern ein bitteres Muß, zeigt das zur Genüge. „Wir leben, um zu hinterlassen“, nicht nur in materieller Hinsicht, sondern besonders im Geistigen. Sind es nicht unsere Gedanken, unsere Lebensanschauungen, die sich in unseren Kindern, wenn auch zeitgewandelt, aus der Erziehung heraus widerspiegeln? Nur das Wissen um ein zweckumrissenes Lebensziel, über uns hinaus, löst innere Befriedigung aus. In Mühe und Leid, in Sorge und Liebe schaffen wir für das Morgen, nur solches Schaffen macht glücklich. Ist es nicht ein Wunderbares, darum zu wissen, daß bei solchem Tun, aller Voraussicht nach, unser Lebensabend nicht einsam ist? Not und Qual unfreiwilliger Kinderlosigkeit zermürben das Glück mancher Ehe, mindern das Hochmaß der Leistungsfähigkeit des Mannes und rauben der Frau jene liefe Befriedizung der Mütterlichkeit, die in jeder fraulichen Frau schlummert. Manche Witwe, manche unverheiratete Frau, die Stellung und Einnahme eines„Familien= vaters" besitzt, könnte einen Teil davon nützen, durch Annahme eines Kindes, sie würde damit gleichzeitig die stille Sehnsucht unbewußter Mütterlichkeit erfüllen und sich ein Familienleben schaffen. Viele berufstätige Frauen schrecken vor solcher Bindung zurück, weil ihnen die große Verantwortlichkeit bedenklich erscheint. Doch muß dieser Egoismus der Frau in weitem Maße überwunden werden. Wer sein Leben ideell ausschöpfen und bereichern will, handle in diesem Sinne, allen Hemmungen zum Trotz. „Familiensinn“ nennt sich einer, wie er sich mir während des Schreibens als Beispiel bot Ein kinderloses Gutsbesitzervaar möchte gern ein Kind, einen Erben für das Gut, annehmen. Die noch lebende Mutter der Frau, die Ehefrau des verstorbenen Besitzers, weigert sich, aus traditionellen Gründen, dem Wunsch zuzustimmen, Der Besitz der„Familie“ gehöre der„Familie“ ind dürfe niemals in„fremde“ Hände kommen. Aehnliche Bedenken mögen häutig gezug bei Witwen oder kinderlosen Ehepaaren vorkommen. „Gesundheitsnot“ ist das zweite Bedeuken. In Laienkreisen ist dank unverstandener Vererbungstheorie das Geheimnis der Erbanlagen n weitem Maße übersteigert durch ein Zuriel in Bedenklichkeiten. Durch sorgfältige, zutrefsende Prüfung ließen sich doch in vielen Fällen diese Bedenken nach Möglichkeit zerstreuen. Was vom nhnsischen Stand-unkt gilt, vetri auch den psychischen. Man sagt, wenn wir auch ber Vater und Mutter Auskunft erhalten. elbst angenommen, daß sie unbedingt zutrefsend ist, was wissen wir derüber Liegt nicht in der Vorgeneration vielleicht Trunksucht, Lasterhaft'gkeit, Verbrecherratur sw.? Es ist das Geheimnis des Unbekannten. das wir fürchten. Doch vergessen wir eins nicht. Das Gegenewicht unserer Erziehung, das wir als Ausleich dem betreffenden Kinde mitgeben und das vielleicht mildernd wirken wird. Eine gute Erziehung wird wie die gute Kinderstuve unersetzbare Werte zeitigen. Weiter dürfen wir nicht vergessen, daß auch wir oft genug Träger uns selbst unbekannter Erbmasse sind, warum würden Eltern sonst oft der Frage nachgrübeln, woher ihr Kind diese oder jene Vera#lagung, ibwegig aller Familienvererbung, hat? Die Zahl der Vollwaisen und der unehelichen Kinder ist heute erschreckend groß, so daß die Wahl in jeder Beziehung behutsam ferschend, getroffen werden kann. Wer darf ein Kind an Kindes Statt annehmen? Die Altersgrenze ist vierzig Jahre, doch darf, nach Prüfung der Lage, auch ein früherer Termin zugelassen werden, stets, wenn Eheleute nach mindestens zehnjähriger kinderloser Ehe ohne Aussicht auf Leibeserben sind. Auch darf das einem der Gatten zugehörige Kind unter Fortlassung der Altersgrenze angenommen werden. Zwecks Annahme wird die Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes verlangt, die bei normalen Verhältnissen meist gegeben wird und nur dann versagt wird, wenn irgendein Verdacht vorliegt, daß die Annahme in Wirklichkeit irgendwelchen anderen Belangen oder unlauteren Zwecken dient, die mit dem Kinderverhältnis nichts zu tun haben. Mit der gesetzlichen Annahme an Kindes Statt erhält das Kind das Recht auf den Naden der„Eltern“, die auch den Vornamen des Kindes auf ihren Wunsch ändern konnen, was aus traditionellen Gründen, besonders bei alten Familien, meist geschieht. Die gesetzliche Annahme erklärt das Kind „als eigen“, damit gibt sie ihm in Erziehungs=, Berufs=, Heirats= und Erbschaftsfragen den Anspruch und das Recht des eigenen Kindes, wenn nicht bei der Annahme diesbezügliche abwegige oder einschränkende Bestimmungen gemacht worden sind, wie z. B. der Zusatz„im Falle noch kommender Leibeserben“. Wer ein Kind annimmt, überlege, daß er sich damit zur Pflicht an einem zweiten Leben bekennt, das ihm auf Gedeih und Verderb verknüpft bleibt. Es ist zu hoffen, daß die Erkenntnis tiefsten Sozialempfindens vielen elternlosen Kindern Heim und Herzen Einsamer öffnet, zum Glück und Segen beider Teile. Kinder sind es. die Sonne in unser Herz schaffen, Sonne in unser Heim und die Achtung vor der Frau in der Allzemeinanschauung erhöhen durch den Beweis, daß auch die berufstätige Frau sich ihrer Pflich Liebe? Skizze von Else Croner Die junge Gräfin Baldini paßte nicht in diesser Liebesstunde ihr„Ich“ zum Schweigen geleine italienische Garnisonstadt Schon daß bommen märe alg ok Spolz und Sinne sich Kleine ktaltenische Garnisonstabl. Schon daß sie nicht Italienerin war, empfanden die Regimentsdamen als Nachteil. Gewiß ließ sich gegen ihre Ehe und ihren Lebenswandel nichts Nachteiliges sagen, aber sie hielt sich sehr zurück und zeigte wenig Interesse für die Liebesgeschichten ihrer Nachbarn. Auch ließ sie sich aus ihrer Heimat deutsche Bücher kommen und spielte oft stundenlang auf ihrem Wiener Flügel Beethoven und Schubert. Wer schätzte das hier in Ferrara? Hier liebte man Frohsinn und Leichtigkeit, heiteres Gespräch und klingendes Lachen: Die melancholische Sehnsuchtsmiene der Gräfin stand in aufreizendem Gegensatz zur sonnigen Umwelt. Im geselligen Kreis war die Signora meist schweigsam, nur wenn sie allein mit dem Grafen im Park spazieren ging oder auf dem Balkon mit ihm saß, dann belebten sich ihre Züge und man konnte hören, wie leicht ihr die fremde Sprache von den Lippen ging und wieviel Zärtlichkeit und Schmelz sie hinein zu legen vermochte. Auch heute verbrachte das Ehepaar die warme Sommernacht auf dem luftigen Balkon. Der Graf stand in seiner kleidsamen Offiziersuniform neben seiner jungen Frau und schaute sie besorgt an: Wieder Tränen, Erika?“ Er schuttelte leise den Kopf, und in seinen dunklen, glänzenden Augen lag neben aller Liebe ein Fünklein Ungeduld.„Gefällt es Dir denn nicht hier?" Er wies mit einer großen Geste auf Villa, Park und die im Mondschein träumende Stadt. „Doch, Lorenzo, die Natur ist schön hier im Süden. Aber— mißverstehe das bitte nicht— ich habe Heimweh. Mir ist oft, als müßte mir das Herz springen. Wie auf einem fremden Planeten fühle ich mich hier. Ich kann mich hier nicht einleben, bei allem guten Willen nicht. Ich vergleiche unwillkürlich, ich habe einen anderen Maßstab,— ich wußte es selbst nicht, wie sest ich in der Heimat verwurzelt din; erst die Fremde hat es mich gelehrt.— Ich kann hier nicht glücklich sein.“ Lorenzo war peinlich überrascht von diesem Geständnis seiner jungen Frau. Er liebte sie mit der ganzen Leidenscheid des Romanen Sein Beruf und Erikas Liebe— andere Götter kannte er nicht. Lautlos war es geworden. Ferrara schlief. Nur aus dem Park hörte man das Plätschern der Fontänen. Die dufterfüllte Nacht wob einen Schleier über irdisches Geschehen. Auch Erika konnte sich dem Zauber der Stunde nicht entziehen. Liebevoll schmiegte sie sich an Lorenzo der sie in leidenschaftlicher Aufwallung an sich als fürchte er, daß seindliche Mächte sie entreißen könnten. Es war, als ob in diekommen würe, als bo Seele um Sinne sich restlos dem„Du“ ergeben hätten. Alle Sehnsucht schien in Erfüllung gewandelt. Sie hörte Lorenzos einschmeichelnde Stimme sagen:„Ist es nicht überall so, daß die Heimat des Mannes auch die der Frau wird? Und bietet Dir unsere große und ungewöhnliche Liebe nicht Ersatz für alles, was Du für mich aufgegeben hast?— Es war Deine freie Wahl. Ein Zurück gibt es für uns beide nicht mehr.“ Unruhig fuhr Erika bei diesen Worten auf. Ihre Nerven zitterten. Der Zauber der Stunde war gebrochen. Die ersten Morgenstrahlen erleuchteten die alte Kaserne und die Burgmauer. Wirklichkeit umsing sie wieder und verscheuchte alle aufklingende Romantik. „Lorenzo,“ bat die Gräfin mit flehenden Augen,„ich sagte es Dir ja schon, ich kann hier nicht leben.“ „Dann liebst Du mich nicht,“ klang es schroff zurück. Und etwas weicher, in dem schmerzlichen Ton des enttäuschten Mannes: „Dann hast Du die große Liebe nicht, von der ich träumte.“ Ich liebe Dich unendlich, Lorenzo; der Gedanke, mich je von Dir zu trennen, ist schlimmer als der Tod.“ Ein bös=ironisches Lächeln zuckte um seine schön geschwungenen Lippen. „Das sind Widersprüche, die ich Dir erklären will, soweit es möglich ist. Ich stellte mir unsere Ehe anders vor...“. sie zögerte einen Augenblick befangen, um dann, fast sich überstürzend, heraus zu sprudeln, was lange verschüttet und verdrängt schien:„Schon die fremde Sprache, die ich zwar beherrsche, aber die mich in jeder Liebesstunde, bei jedem innigen Gespräch mit Dir quält.“ „Und doch sprichst Du diese Sprache wie eine Römerin", versuchte er galant zu scherzen. Nur mit einem halben, erzwungenen Lächeln antwortete Erika auf die Huldigung ihres Gatten.„Ich kam nach Ferrara mit den Vorstellungen, die wir Deutschen vom„Tasso“ haben. Ferrara, welcher Klang! Als einen den Musen geweihten Ort dachte ich es mir. Eine Stadt mit herrlichen Gärten und musischen Menschen. Geist und Poesie glaubte ich hier zu finden.— Und was ist es in Wirklichkeit? Eine nüchterne Garnisonstadt ohne Reiz, schmuckloser als jede andere italienische Stadt. Goethe kann nie hier gewesen sein“, schloß sie seufzend. „Und das Tusculum, das ich Dir hier einrichte, unser schönes Heim mit den auserlesenen Gemälden und Marmorbüsten,— ist das gar nichts?“ bewußt ist; daß mütterliches Empfinden höchstes Frauenglück ist und bleibt. „Bau dir zum Glück mit eigener Hand die Brücke. Beglücke du, so wirst du glücklich gen: -[— Ein Wort über Handarbeiten Der Begriff Frau und der Begriff Handarbeiten gehören eigentlich eng zusammen, oder sagen wir vorsichtiger, es war einmal, daß sie eng zusammen gehorten. Es könnten sich sonst diejenigen beleidigt fühlen, die statt der Nadel viel besser den Tennisschläger zu führen verstehen oder die einem gemutlichen Kaffeestündchen bei einer Handarbeit viel eher einen Tanztee vorziehen. Und unsere fortschrittlichen, modernen Frauen machen— es ist nun einmal so— heutzutage einen wesentlichen Prozentsatz aus. Dennoch— Frauen und Handarbeiten gehören zusammen, wie etwa Frauen und Blumen Frauen und Edelsteine, Frauen und Poesie Und unsere Zeit ist wahrlich bemüht, die Handarbeit wieder zu ihrem alten Rechte kommen zu lassen, ja, wir können wohl behaupten, daß seit Jahrzehnten eine solche Vielseitigkeit eine solche Farbenfülle, eine so reiche Verwendungsmoglichkeit auf diesem Gebiete miteinander wetteifern, daß man kaum unberührt von all diesen Reizen bleiben kann. Dementsprechend haben sich auch Tausende, die nach dem Krieg dazu verurteilt waren, alles, was Handarbeiten betraf, ruhen zu lassen, weil es ja mehr noch an Material, als an Zeit mangelte, besonders in den letzten Jahren dieser so reizvollen Beschäftigung wieder zugewandt Zugegeben, es gibt Frauen und Mädchen, die pit ener henderbet genissernaßen gerwache sen scheinen. Es geht ihnen so wie jenen Männern, die mit ihrer Pfeise am Morgen erwachen und sich am Abend mit ihr zur Ruhe legen. Es gibt wahre Handarbeitsnärrinnen, die jedem gesund Denkenden auf die Nerven fallen können. Aber sie sind ja gottlob nur Ausnahmen. Daneben gibt es solche, die in den Grenzen bleiben und die Handarbeit als Selbstzweck betrachten. Wie ungemein reizvoll kann man ein sonst einfaches, ja oft nüchternes Heim durch ein paar hübsche Handarbeiten gestalten. Es sind nicht einmal immer große Kosten damit verknüpft, viel eher spielt hier ein guter Geschmack oder Geschicklichkeit eine Rolle. Durchaus nicht immer ist neues Material zur Herstellung nötig, sondern oft können Reste, die sonst uberflüssig wären, Verwendung finden. Umgekehrt läßt sich aber immer einmal ein kleiner Betrag von der Wirtschaftskasse abmogeln, der dann für ein Häufchen Wolle oder Seide, oder was es sei, angewendet werden kann. Und es ist merkwürdig, die meisten Männer haben Sinn für solche Ausgaben wenn sie in den Grenzen bleiben; wenigstens freuen sie sich ehrlich, wenn etwas Fertiges und Geschmackvolles vor ihnen liegt, das dazu beiträgt, das Heim ein wenig persönlich zu schmücken. Wie entzückend kann eine Kaffeetafel wirken, die ein kleines Lager an selbstgefertigten Handarbeiten darstellt: von der bunten Kaffeedecke angefangen, über reizende Tellerdeckchen fort zu Vasenunterdeckchen selbstgeflochtenen Gebäckkörbchen oder Blumenhullen bis zu dem berühmten Kaffeewärmer, der wie ein Wachtposten über dem Ganzen thront. Aber nicht nur die Handarbeiten, die neben dem praktischen Zweck zugleich eine Zierde bedeuten, sondern die, welche nur ersterem dieAch, Lorenzo, das kleinste, kescheidenste Häuschen bei uns im Lande, jenseits der Alpen, würde mir mehr bedeuten als alles hier. Wende Dich nicht ab“, ihr Ton wurde immer wärmer und werbender; mit einer Innigkeit, die selbst Lorenzo nicht ihr kannte, bat sie: „Gib deinen Dienst auf! Laß uns fortziehen von hier und nach meiner Heimat gehen. Vater schrieb mir, er hätte eine Stelle für Dich. Alles könnte so schön sein...“ „Niemals!“ Hart und scharf, wie eines Messers Schneide fiel dieses Wort. Graf Baldini war aufgefahren; seine Figur straffte sich.„Berühre nie wieder diesen Punkt,“ rief er in erregtem Pathos.„niemals gebe ich meinen Beruf auf. Ich bin Soldat und diene dem Staat bis zum letzten Atemzug.“ Drüben in der Kaserne erwachte das Leben. Der Graf verließ nach kurzem, schweigsamen Frühstück das Haus. Wie betäubt von der Wucht des„Niemals" lehnte Erika an der von Glycinien umrankten Säule. Ihre letzte Hoffnung war geschwunden. Ein Regiment Soldaten zog vorbei. Lorenzo an der Spitze.— Er grüßte militärisch zu ihr herauf. Sie lächelte wehmütig. Er hatte wohl recht, er gehörte an diesen Platz, war ebenso fest hier verwurzelt wie sie in ihrer Heimat. Eine Staubwolke wirbelte auf und hüllte das Städtchen Ferrara wie in einen grauen Schleier Schleier. „Zu Staub wird alles", dachte Erika sinnend, dann ging sie hinüber in Lorenzos Arbeitskabinett. Mit rascher, knapper Bewegung öffnete sie ein Schubfach und entnahm ihm den blitzenden, stets geladenen Revolver. Hastig schrieb sie ein paar Zeilen. Dann streckte sie sich auf dem Divan aus und bettete sich auf die weichen Daunenkissen, als gälte es einen erquickenden Schlaf zu tun. Ein Schuß dröhnte durch die Villa. Diener und Kammermädchen eilten erschreckt in das Zimmer, in dem sie nur eine Tote fanden. Ein kleines Loch an der Schläfe— sonst das Bild einer friedlich Schlafenden. Als der Graf zwei Stunden später nach Hause kam und in ahnender Unruhe nach der Signora fragte, wurde er zu ihr in das Sterbezimmer geleitet.— In wortloser Erschütterung kniete er an ihrem Lager. Man gab ihm den Brief. Zitternd durchflog er ihre letzten Zeilen: „Vergib mir, Geliebter. Ich sah keine andere Lösung. Das Heimweh war stärker als ich. Ohne Dich kann ich nicht leben. Mit mir in die Heimat ziehen konntest Du nicht. Ich ehre Deine Gründe, aber mir blieb kein anderer Ausweg. Ich hoffe auf ein Wiedersehen in einer besseren Welt. In alle Ewigkeit Deine Erika.“ nen, sind es, die unendlich viele Liebhaberinnen und Anhängerinnen gefunden haben. Welche junge Mutter setzte nicht ihren Stolz darein, für„Baby“ ein allerliebstes Röckchen zu stricken oder ein süßes Mützchen zu häkeln? Wieviel spart sie zugleich bei dieser Selbstarbeit! Kindersachen sind bekanntlich unerhört und unverständlich teuer! Oder welche fürsorgliche Hausfrau hätte ihren Eheherrn nicht schon mit ein paar selbstgestrickten Weihnachtshandschuhen überrascht. die unverwüstlich in ihrer Haltbarkeit waren und darum später gern einmal nachbestellt wurden? Handarbeiten! Wo anfangen und wo aufhören, wollten wir dieses Gebiet ausschöpfen? Das neue, und gerade das deutsche Kunstgewerbe zeigt, was feinsinnige, schaffende, regsame Hände für kleine, wertvolle Gegenstände erstehen lassen; ja, nicht nur genäht, gestickt, sondern auch gebastelt, geklebt, gezimmert, geflochten, geritzt, gewebt, gemalt usw. sind Handarbeiten. Die Weihnachtszeit naht; früher bedeutete das einen Hochbetrieb bei allen handarbeitsfreudigen Seelen. So ist es heute nicht mehr, aber es gibt noch Tausende— die Warenhäuser und die Handarbeitsgeschäfte liefern um diese Zeit den besten Beweis dafür— die Freude an den heimlichen behaglichen Stunden haben, die sie im Kreise lieber Freundinnen mit ihrer Handarbeit verleben oder daheim im Beisein der Familienglieder, wenn womöglich eines von diesen noch durch Vorlesen diese Stunden besonders würzt. Frauen= und Handarbeiten erhöhen Frauenart! * □ 2 6 S a2 S.* Ferkanr 38S#ar Winterschmuck in deinem Heim Von Franziska Bruck, Leiterin der Blumenschmuckschule Berlin. Einer Schönheitswirkung in der Ausgestaltung unserer Wohnräume wird viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist der Blumenschmuck mit seinen unendlichen Möglichkeiten an Form und Farbe. Blumen beleven den Raum, in dem sie stehen, das wissen und fühlen wir. Doch kommt es unbedingt darauf an, wie und wo sie aufgestellt werden, weil es zu wesentlich für die harmonische Wirkung ist. Die heutige Außen= und Innenarchitektur beschäftigt sich mit anderen Zielen als mit den Stilarten alter Tradition. Ihre Richtlinien der neuzeitlichen Wohnung sind: Ausnutzung des Raumes, Zweckmäßigkeit der Einrichtung und Einfachheit in Form und Gebrauch. Wenige Teppiche, vereinzelte Bilder und Geräte, dafur farbige Kissen und Decken auf breiten Polstern Diese Geschmacksrichtung hat ihr Gutes und Berechtigtes, läuft aber Gefahr, nüchtern und unpersönlich zu werden. Es gilt, irgend etwas zu finden, was sich den strengen Linien wohl anzupassen versteht, aber imstande ist, dem umschlossenen Raum Belebung und Behaglichkeit zu geben. Wir bringen deshalb Blumen und ihre Begleitschaft ins Haus und finden durch sie einen Ausgleich, wie er freudiger und wärmer kaum geschaffen werden kann. Im Freiland ist alles Blumige verblüht, und nur das Treibhaus gibt Alpenveilchen und Primeln zu erschwinglichen Preisen her. Sie werden mit den eigenen Blättern zusammen in ein schlichtes Glas geordnet, wodurch die Räume genügend Farbe atmen. Dann sind es die südlichen Länder, welche ihre Blütenmengen über die Grenzen senden, so daß uns genügend Auswahl zur Verfügung steht. Aber es müssen nicht immer farbenbunte Blumen sein, welche lebendig in ihrer Umgebung wirken. Im Gegenteil die winterlichen Pflanzen zeigen so viel Bewegtheit und können sich so künstlerisch einzeichnen und von den Wänden abheben, daß es nur ratsam ist, in unserer blumenarmen Winterszeit etwas von ihnen ins Haus zu tragen. Vom Herbst haben wir doch noch einige Zierfrüchte hinübergerettet. Wie malerisch wirkt ein schlanker Hagebuttenzweig an der warmgelben Wand. Eine flaschenförmige Vase mit grüner Glasur nimmt diesen schlichten Zweig auf und ziert den Platz, den sie einnimmt. Die Waldrebe hat ihre grauen Federbällchen entwickelt und legte ihre Ranken aus einer Kelchform kommend auf die breite Fläche des Fensterbrettes. Weich berührt sie einige der Eibe, an denen noch die roten Becherfrüchte hängen. Diese Pflanzenarten haben den Vorzug, wochenlang auszudauern, ohne an Frische und Form einzubüßen. Noch andere seien genannt: Wacholder, Stechpalme, Kiefer und Makonia, sowie dunkelgrüne Efeuranken, welche in ihrer Bewegtheit sich der Umwelt charakteristisch anzuschmiegen verstehen. Wir geben ihnen ein einfaches Behältnis in Vasenform aus dem sie herausschwingen können, oder vereinen sie mit Moos und Preißelbeerlaub in flacher Schale zum zwanglosen Beieinander. Derartige Naturausschnitte bringen das Waldinnere im Kleinen ins Haus und beglückt atmen wir den Duft ein, welcher von dem tiefgrünen, frischen Pflanzenleben ausgeht. Der gleiche Eindruck überkommt uns, wenn Tannenzweige als Vorboten der Weihnachtstage den Weg über unsere Schwelle finden. Ein Zauber geht von diesem nadelduftenden Geäst aus, dem wir nicht widerstehen können. Uniere Erwartung findet in lichtergeschmücktem Adventskranz den Auftakt für die Festtage. Die Natur schenkt aus ihrem Pflanzenvorrat überreiches Material, welches an Formen und Farbenfülle, an Duft und Lieblichkeit nicht übertroffen wird. Wir brauchen aus der Menge nur wenige Blüten, oft nur einen einzigen Schmucktrieb vom Baum oder Strauch zu wählen, was selbst für allerbescheidenste Ansprüche erreichbar ist, um uns einen jebensvollen Eindruck zu schaffen. Die Masse macht es niemals, wie so viele glauben. Im Gegenteil, sie wirkt eher verletzend, wenn sie mit absichtlichem Pomp in Erscheinung tritt. Ein Beispiel hierfür: Ein junges Paar hat endlich seine 2½=Zimmer=Wohnung bezogen. Da sind Freunde, welche dieses Ereignis mit Blumen feiern möchten, und da blühen gerade jetzt die großen Schaublumen der Chrysantheme zu Tausenden heran. Jede einzelne trägt auf hohem Stengel ihr blütenschweres Haupt. berückend in Form und Farbentönen. Von diesen nun würde eine Einzelblume, höchstens aber drei, in schlanker Vase vereinigt, für das Ausdieser kleinen Behausung genügen. Sie mütigsten Gatten aus der Fassung bringen. stehen auf einem halbhohen, etwas vors##rin= Madame überlegt einen Augenblick, bevor sie genden Schrank und bekrönen den Raum bis den üblichen Schuldschein kritzelt. Dann zieht zum letzten Verblühen. Dagegen, was geschieht, sie kurz entschlossen ihr Scheckbuch, das dand wenn aus Unüberlegtheit diese Riesen=Chrysan= einer Reihe kürzlicher Abhebungen nur noch themen in vielen Exemplaren ins Haus ge=Makulaturwert besitzt:„.. zahle an Herr# bracht werden, für die weder Behältnisse, noch Platz vorhanden? Ich will es verraten: sie verwelken ungepflegt in irgend einem Winkel — zur Qual der Beschenkten, ohne ihrem Zweck zu dienen, Freude zu bereiten. Um so mehr als es eine Reihe kleiner und kleinster Chrysanthemumblüten gibt, die in reizenden Sonderarten heranwachsen und unaufdringlich ihre Schönheit im bescheidensten Raum entfalten können. Hüte deine Kinder in der jetzt beginnenden Jahreszeit Die„Zeit vor Weihnachten“ ist im allgemeinen die kritischste Zeit im Jahre, vom Gesundheitsstandpunkt aus betrachtet, und besonders groß ist die Gefahr, wenn eine milde Temperatur herrscht, strenge Kälte ist bei weitem gesünder. Vor allem sind es die Kinder, die jetz! gefährdet sind. Schon tauchen wieder die ersten Berichte von Diphtheriefällen auf, hier wird eine Schule wegen Scharlach geschlossen, dort wegen Grippe. Das oberste Gesetz für jede Mutter heißt jetzt: Vorbeugen! Nicht erst warten, bis eine Krankheit im Anzuge ist, bis sich Temperatur zeigt oder eine„harmlose“ Erkältung! Nein, vorbeugen! Kann man denn das? Sicherlich. Dein Kind gurgelt natürlich täglich, aber— auch mit einem Desinfektionsmittel, mit Waserstoffsuperoxyd oder mit Seifenwasser? Und auch des Abends? Und siehst du ihm allabendlich in den Hals, auch dann, wenn es über nichts klagt? Und läßt du es bei dem geringsten Schnupfen tüchtig Fußbäder mit kalter Nachspülung nehmen? Sorgst du für guten Stuhlgang bei deinem Kinde? Beobachtest du alle zwei, drei Tage seine Temperatur? Das ist übertrieben, wie? Ganz und gar nicht! Frage einmal die Tausende von Müttern, die ein Kind an Diphtherie haben hergeben müssen, wie unglaublich schnell diese heimtückische Krankheit den kleinen Körper zugrunde richten kann! Denke nicht bei dem geringsten Belag im Halse, es ist ja nur eine harmiose Halsentzündung! Denke nicht, wenn dein Kind über Mattigkeit klagt, das sei Einbildung. Selbst wenn das subjektive Befinden ein blendendes wäre, bedeutete das nicht einmal immer eine Bürgschaft dafür, daß nicht doch schon im Körper ein Krankheitskeim schlummert, der tags darauf zum Ausbruch kommt. Und ist irgendein Anzeichen für eine Krankheit zu beobachten, so sorge in jedem Fall erst einmal für gründliche Stuhlentleerung, sie ist für einen Heilprozeß stets eine der ersten Bedingungen. Ist die geringste Temperaturunregelmäßigkeit da, so laß dein Kind nicht hinaus auf die Straße. Sonst aber— auch dies gehört zu den einfachsten, aber besten Vorbeugungsmitteln: Laß dein Kind so oft und so viel ins Freie, als irgend möglich! Einer unserer berühmtesten Kinderärzte hat eeinmal gesagt: Die schlechteste Draußenluft ist immer noch besser als die beste Zimmerluft. Krankheitserreger gedeihen im Zimmer ungleich besser als in der frischen Luft. Wer vorbeugt, der braucht nicht mit Angst und Bangigkeit der gefahrvollen Jahreszeit entgegenzusehen. Wenn Madame Spielschulden hat Madame will keine Kinder. Denn sonst hätte sie keine Zeit, ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Glücksspiel zu huldigen. Ihrer Ehe vermag sie nämlich keine Reize mehr abzugewinnen, also spielt Madame fast jede Nacht. Ohne Spiel kann Madame wirklich nicht mehr leben. Es ist ihr ebenso notwendig wie Lippenstift und Reispuder. So sitzt sie eines Abends in einem Kasino ihres lieben französischen Vaterlandes und läßt ihre schlaffen Nerven vom Surren der Gluckskugel aufpeitschen. Einem reichen Industriellen sind die Einsätze zu gering:„Lappalien! Wer hält gegen mich 150 000 Franken?“—„Ich möchte schon.“ meint Madame tiefsinnig und melancholisch,„doch ich habe nicht genugend Geld.“— Schadet nichts. Madame. Spielen wir auf Ehrenwort.“— „Abgemacht.“ Madame verliert. 50000 Franken sind keine Bagatelle. Die Mitteilung von einem derartigen Verlust hann selbst den zauftT. X. oder Ueberbringer 150000 Franken. —„Bitte, mein Herr.“—„Vielen Dank, Madame, empfehle mich Ihnen zu gelegentliches Revanche.“— Der Bankbeamte wiegt den Scheck bedauernd in der Hand:„Tut mir leid, mein Herr. Ohne Deckung.“ Der schwerreichs Gewinner geht fluchend zu seinem Anwalt: „Einklagen! Wegen Betrugs anzeigen!“ Madame steht also kurz darauf vor Gericht.„Wegen Ausstellung eines Schecks ohne Deckung, Vetrug usw.“ steht in der Anklageschrift. Welche Schande! Madame wird daraufhin für einige Monate hinter den schwarzen Mauern von St. Lazare verschwinden müssen. Skandal!„Wass entrüstet sich Madame.„Seit wann ist man denn gesetzlich verpflichtet, Spielschulden zu bezahlen?“—„Spielschulden?" echot der Vorsitzende tiessinnig.„Stimmt das, Herr Anwalt von der Gegenpartei?"—„Jawohl.“— „Schön“, sagt der Richter und verkündet das Urteil:„Die Angeklagte wird von der Beschuldigung des versuchten Betrugs freigesprochen, da es sich bei der in Frage kommenden Summe um Spielschulden handelt. Wegen verbotenen Glückspiels wird die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 16 Franken verurteilt.“ —„Vielen Dank.“ sagt Madame und neigt gegen den feindlichen Anwalt hohnlächelnd ihre Lindberghkappe. Es gibt doch immer noch galante Richter! —5— Ein Liebesbrief Anton Bruckner Von Käthe Braun=Prager. Bis auf wenige flüchtige Begeisterungen über plötzlich auftauchende und wieder verschwindende Mädchengestalten, konnte kein Biograph Anton Bruckner ein tieferes Gefühl für eine Frau nachweisen. Er ging auf der Straße, sah ein gesundes, frisches Ding und war imstande, ihr zu folgen, sie anzusprechen, oder ihre Hand zu ergreifen. Wenn das Mädchen ihn dann lachend oder böse, oder gar grob stehen ließ, konnte er sehr traurig werden.„Es will mi halt keine“, sagte er dann immer. Wohl litt er darunter, daß die Frauen seine Männlichkeit gar so sehr und fast absichtlich übersahen, aber er war viel zu entrückt, kindlich und gläudig, als daß er deswegen mit der Welt hadern sollte. Wenn er seine Noten aufschrieb, waren die Frauen, Armut, Spott und Schande vergessen; nachher, von der Arbeit müde, kam er langsam wieder in die Welt zurück, aber dann stürzte er vom Himmel immer wieder in traurige Dunkelheit. In einem Wiener Hause wohnt eine vornehme Frau, Frau Rat B. In ihrem Musikzimmer hängen viele schöne Bilder: Erinnerungen aus der Jugendzeit, Photographien von Rubinstein, Spontini, Wagur und die letzte Aufnahme von Brahms, wie er mitten in einem Garten im Lehnstuhl ausruht. Links über dem schwarzen Flügel hängt ein Brief, ganz in Glas gefaßt, von einem Mahagonirahmen umgeben, und darunter das Bild eines Mannes, dem Güte aus den Augen leuchtet, und der rührend in seiner Unbeholfenheit für die schiefe Künstlerkrawatte fast um Verzeihung bittet. Auf der Rückseite der Photographie ist lesen: „Meiner hochverehrten, liebsten Freundin und Kunstgenossin, Fräulein Marie Demar als kleine Erinnerung gewidmet. 22. März 1885. Anton Bruckner.“ Bruckner war damals 62 Jahre alt, und jenes Fräulein Marie Demar, nun Frau Rat B., noch ein junges Mädchen. Die Freundschaft des von ihr so tief verehrten Meisters macht sie stolz und glücklich. Bruckner kommt oft zu ihr, spielt ihr vor, nie aber eigene Kompositionen, und leidet auch nicht, daß sie ihm welche vorspielt oder singt. Aber sie gehen gemeinsam: ins Theater oder Konzert. natürlich auf der Galerie, wo er auf der„Vierten“ in der Oper immer unwiderstehlich gezwungen ist, für sich und Fräulein Marie„Linzer“ zu kaufen. Fräulein Marie muß auch immer die „Linzer“ essen, obwohl sie gar nicht mag; er aber liebt diese kleinen Törtchen, weil sie ihn an seine Heimat erinnern. Er ißt eigentlich nur den Namen, gar nicht das Gebäck, so sehr liebt er sein Oberösterreich. Und dann gehen sie auch zusammen in den Prater und in die Wiener Umgebung, und es kann auch manchmal an heißen Tagen vorkommmen daß Fräulein Marie sich„genieren“ und wegschauen muß, wenn Bruckner sein großes, blaues Taschentuch hervorzieht und sich das erhitzte Gesicht damit trochnet. K