Schönheitskonkurrenzen Von John C. Waters=Chicago. Während mancher gute Berliner die Wahl] von Fräulein Hella Hofmann zur Vertreterin; Deutschlands auf der Badeschönheitenkonkurrenz von Galveston(Texas) mit Begeisterung; begrüßte, hat Atlantic City, die Heimat dieser „sinnigen“. Wettbewerbe, mit dem schönen Brauch gebrochen. T i tonangebenden Badeort der Ostküste werden bald auch die anderen Plätze folgen, die sich eine Zeit lang durch die stark besuchten, weil mit dem Reiz der Neuheit umgebenen Wettbewerbe eine billige Reklame schusen. 71. Die meisten Deutschen werden dem Ende solcher Wettbewerbe keine Träne nachweinen. Nur wenige haben mit ungetrübtem Genuß die vorjährige Berliner Konkurrenz, die beinahe zu einem Skandal geführt hätte, verfolgt. Es war ja auch nicht jedermanns Geschmack, zu sehen, wie der Oberbürgermeister der Reichshauptstadt seine Hilfe einer„Zeremonie“ lieh, die am besten auf einen Rummelplatz gehört hätte. In Atlantic City sind die Stadtväter und die Besitzer der großen Hotels zu der Erkenntais gelangt, daß eine Wiederholung der Schönheitskonkurrenzen das Seebad auf das Niveau von Coney Island, dem Newyorker Rummelplatz=Badestrand, herabziehen würde. In Zukunst soll deshalb kein Wettbewerb mehr stattfinden. Der Entschluß ist den Leuten in Atiie City sicher nicht leicht geworden, denn die alljährliche Auswahl und Ernennung der America" hat dem Seebad Millionen von Dollars erspart, die sonst zu Reklamezwecken hätten ausgegeben werden müssen. Die Veranstaltungen riefen aber nicht nur bei den Unternehmern, sondern vor allem bei den„Schönheiten" selbst lebhafte Bedenken hervor. An sich ist es schon nicht jedermanns Sache, im Badeanzug auf einer Bühne hoch über allem Volk zu stehen und seine Reize durch Zehntausende von neugierigen Blicken prüfen zu lassen. Mit der Zeit gewöhnten sich Bewerberinnen hieran, denn sie hatten nicht nur in Atlantic City, sondern vorher schon in ihrem Heimatort und dann in der Hauptstadt ihres Staates ein Examen zu bestehen, wollten sie die Berechtigung erwerben, sich am Endkampf um den Tite!„Miß America“ zu beteiligen. Neid, Mißgunst, beleidigte Gemüter waren die natürliche Folge jeder Prüfungsschau. Ein merkwürdiges Mißgeschick verfolgte die Schönheiten, als ob s'ch alle Verwünschungen, welche die wen glücklichen Bewerberinnen den Auserwih##n zuteil werden ließen, verwirklichten. Eine der Preisträgerinnen in Atlantic City war Miß Charlotte Nash aus St. Louis, die den Sieg ihren mit hunderttaus##nd Dollars versicherten Grübchen verdankte. Diese kostbaren Lachwinkel gewannen der jungen Dame außerdem noch die###e eines Theatermilbionärs Ripon=Nirdlir. aus Philadelohig, und eines Tages fuhr das glückliche Pärchen auf die Hochzeitsreise nach Europa. Kurz danach ham aber die vollständig geknickte Mrs. Nixon=Nirdl. als Miß Nash wieder zurück. Sie hatte nämlich die unangenehme Entdeckung gemacht, daß ihre Ehe ungültig war, weil NixonNirdlinger, in den Anblick der HunderttausendDollar=Grübchen versunken, vergessen hatte, daß er von seinen beiden ersten Frauen noch gar nicht geschieden war. Miß Nash entzog sich allem heuchlevischen Mitleid durch Flucht in die Einsamkeit. Noch schlechter erging es der ebenfalls aus St. Louis stammenden Miß Bruns. Ihr Sieg im Schönheitswettbewerb machte sie zum Filmstar. Sie konnte sich den Luxus einer fürstlichen Wohnung in Newyork leisten und lernte in ihrer neuen Umgebung den Rauschgiftteufel kennen. Das Laster verleitete sie, ihren Filmkontrakt zu brechen. Sie geriet in Vergessenheit und tauchte erst wieder auf, als sie wegen eines Diebstahl, den sie begangen haue, am sich Geld für Kokain zu verschaffen, ins Gefängnis wandern mußte. Später starb sie an Kokainvergiftung. Tragikomisch war das Geschick der Miß Eunice Geiser, die solange ein zufriedenes Leben als Telephondame führte, bis sie eines Tazur„Miß Jersey City“ ernannt wurde. Ihr auch die Adresse ihrer Arbeitgeber erschienen in allen Zeitungen. Da war es vorbei mit ihrer Ruhe. Jeder zweite Anruf, der seitdem bei ihrem Amt erfolgte, verlangte eine Verbindung mit Fräulein Geiser. SchließUch war die Leitung gezwungen, die junge Schönheit mit Rücksicht auf die weitere Durchführung des Betriebes zu entlassen. Leider hatte die sorglose„Miß Jersey City“ versäumt, Ed inzwischen umder ihnen teienboniichen Ner: ghrein nach einem geisttucerten Kotten uungee sehen. Auch„Miß Chicago 1927“ wurde vom„Miß“geschick verfolgt. Sie trug schon die Anweisung auf den Geldpreis und die Gutscheine für eine fürstliche Kleider= und Wäscheaussteuer bei sich, als eine Rivalin die Entdeckung machte, daß die Auserwählte wenige Tage nach ihrer Zulassung zum Wettbewerb geheiratet hatte. Da aber nur unverheiratete Damen um die Siegerpalme ringen dürfen, mußte die„Miß“ Scheck, Aussteuer und Titel der neidischen Denunziantin abtreten. Die Chicagoer Männerwelt nahm derartigen Anteil an dem Geschick der gestürzten Schönheit, daß der junge Gatte ernstlich eifersüchtig wurde. In jedem Laden, in jeder Zeitung sah er das Bild seiner Frau im Badeanzug. So drohte der Ehe schon in den Flitterwochen ein trauriges Ende; endlich gelang es der Vermittlung des einen Rechtsbeistandes, den Gatten mit dem Versprechen zu versöhnen, seine Frau werde sich niemals wieder an Wettbewerben irgend welcher Art beteiligen. Dutzenden von anderen, so„Miß Toronto", „Miß Denver“, erging es ähnlich. Das Unglück verfolgte unablässig die Schönheiten, und die Reihen der Bewerberinnen lichteten sich immer mehr. So soll eine Anzahl von Konkurrenzen in diesem Jahr nicht wieder stattfinden. Vielleicht ist es auch das erste und letzte Mal, daß Berlin, welches sich anscheinend für Deutschland hält, eine„Miß Germany" nach Galveston seirfendet. Wenn der Spargel wächst.. Es gibt eine berühmte Spargelgeschichte, die von dem großen französischen Theologen, Schriftsteller und Lebenskünstler Fontenelle erzählt wird. Er war ein leidenschaftlicher Spargelesser, liebte ihn aber nur in Oel und Essig, während sein Kollege, der Kardinal Dubois, dies Gericht in Butter bevorzugte. Fontenelle hatte den Kardinal einmal zum ersten Spargel des Jahres eingeladen und als aufmerksamer Wirt die eine Hälfte in Oel, die andere in Butter befohlen. Da wird ihm die Nachricht gebracht, sein alter treuer„Freund, der Kardinal sei plötzlich gestorben. Mit Tränen im Auge stürzt er heraus und ruft seinem Koch zu:„Jean, alle Spargel in Essig und Oel!“ Die kleine Anekdote zeugt von der Verehrung, die Feinschmecker dem Spargel stets entgegengebracht haben. Mit Recht ist auch kein sanderes Gemüse mehr gepriesen worden #als der Spargel. Nur muß man einiges beim Vorbereiten und Schälen des Spargels beachten: Beim Einkauf schaue man vor allem darauf, daß der Sparge! nicht gewaschen ist.(Sodann wähle man kurzgestochenen Spargel aus, auch sind, die ganz dicken Spargel leicht hohl.) Die teuersten und die Mittelsorten nehme man zum Kochen von Stangenspargeln und Auflauf, die dünnen Sorten zu Suppen und geschnittenen Gemüsespargeln. Die Köpfe sollen weiß sein beim deutschen Spargel. Das Schälen des Spargels ist eine Kunst, die gelernt sein will. Man nehme den Spargel in die linke Hand, den Kopf nach oben und setze etwa 2 cm unterhalb des Kopfes das Messer an, schäle nach unten, am Kopf nur dünn, die Schale fassend, nach unten dicker werdend. Es dürfen nach dem Schälen keine holzigen Stellen mehr zu merken sein. Der Spargel soll nach dem Schälen völlig rund und nicht eckig aussehen; die untere Fläche wird abgeschnitten. Beim Kochen werden die Köpfe eher gar, als die unteren Teile, deshalb legt man beim Kochen von Spargelstücken die unteren Enden stets 10 Minuten eher in den Topf. Beim Gesellschaft zum Schutz der Männerrechte. Es mußte dazu kommen. Es ist auch kein bloßer Scherz, obwohl man einstweilen darüber lacht oder wenigstens lächelt. Die Gesellschaft Justitia in Wien ist eigens zu dem Zweck gegründet worden, die Rechte der Männer gegen den Ansturm der Frauen auf ihre keit zu schützen. Hötte sich, die Gesellschgst darauf beschränkt, die wirtschaftlichen Rechte der Männer zu betonen und das Eindringen der Frau in Betriebe, die für sie ungeeignet sind, zu verhindern, so hätte sie gewiß auf vielseitigen Beifall rechnen können. Leider aber scheint sie sich in das eheliche Verhältnis zwischen Mann und Frau einzumischen; denn sie schreibt ausdrücklich den Schutz unterdrückter Männer gegen ihre herrschsüchtigen Weiber auf ihre Fahnen. In Wien müssen in dieser Hinsicht ganz eigentümliche Zustände herrschen. Wie ein Mitglied des Vorstandes, Kornblüh, dem Berichterstatter einer englischen Zeitung mitteilt, sind 50 v. H. der männlichen Patienten des Wiener Irrenhauses Steinhof durch die Mißhandlungen, die sie von ihren Frauen zu erdulden hatten, um den Verstand gebracht worden. Man sollte meinen, daß Männer, die sich so nachdrücklich unter den Pantoffel begeben, nicht viel Verstand zu verlieren haben, und eingehende ärztliche Untersuchung dürfte in der Mehrzahl der Erkrankungen feststellen, daß wenigstens die Anlage zum Irrsinn schon bei der Wahl der Frau vorhanden war. Man erfährt, daß die Gesellschaft schon zahlreiche Mitglieder hat und daß sie sich eine startte Vermehrung ihrer Teilnehmer von einem Werbevortrag verspricht, zu dem sie den beliebten und eheerfahrenen Charlie Chaplin eigens aus Amerika kommen läßt. Charlie ist ja schon zweimal geschieden worden, weiß also jedenfalls Bescheid, und man darf gespannt darauf sein, welche Enthüllungen er den Wiener Leidensgenossen machen wird. Der„gute Ton“ amerikanischer Frauen. Der bekannte amerikanische Schriftsteller Phelps Phelps, ein Vorkämpfer der Prohibition, verbreitet nunmehr eine vielsagende Erklärung, in der er zunächst betont, daß in früherer Zeit die Frauen nur wenig Alkohol getrunken haben.„Heutzutage aber“, erklärt er,„sieht man überall, selbst an öffentlichen Orten, wo trotz des Alkoholverbots Spirituosen ausgeschänkt werden, Frauen und junge Mädchen sich ungeniert an der Vertilgung beträchtlicher Mengen geistiger Getränke beteiligen. Ja, es gilt als zum guten Ton gehörig und im höchsten Grade„schick“, Hüftflaschen und allerlei Attrappen, die mit der verbotenen Flüssigkeit gefüllt sind, mit sich zu führen und fleißig in Gang zu setzen. Dieses Spiel bildet die Hauptattraktion der meisten Gesellschaften, eben weil es verboten ist, und die Folgen sind naturgemäß von verheerender Wirkung auf die noch ungefestigte Konstitution junger Personen.“ Das neue Daheim(64. Jahrg. Nr. 34) erscheint soeben und bringt im Hinblick auf unsere Reichstagswahl eine illustrierte Schilderung„Parlamentswahlen in aller Welt“. Einen Beitrag zur Berliner Ernährungswoche bildet der Aufsatz von Martha von Zobeltitz kostet dich dein Kind?“ Frida Schanz schrieb einen warm empfundenen Nachruf für Heinrich Federer, den zu früh Verstorbenen. Der Mittelpunkt des Heftes ist ein mit vielegjschgang Abilblungen vesch üchen voni F. H. Höcher. D beuchte ert whsede, au) an hate, um Kochen von Stangenspargelge gaste, may dielder Sleglender Fes erihalt ainen Abschnit Diebstahs, den sie beggngen., Pa#r, Vn. Spargel in Bündei, die Köpfe aue in gleicherswer erzähleiwe###il enthält einen Abschni beld für Kokain zu verschaffen, ins Ge= Fichtung und stelle sie mit dom Stengel nach Richtung und stelle sie mit dem Stengel nach unten in einen Topf, sodaß die Wasser ragen. Erst nach etwa zehn Minuten, wenn die Enden anfangen, weich zu werden, lege man sie ganz ins Kochwasser. Stangenspargel: Die Stangenspargel werden behandelt, wie in den oben angeführten Regeln vorgeschrieben ist, d. h. sie werden in kochendem, leicht gesalzenem Wasser gar gekocht. Dann wird das Bund herausgenommen, aufgeschnitten und auf eine Platte gelegt. Man zerläßt Butter mit etwas geriebener Semmel im Topf, bräunt dies leicht uno gießt die Tunke über die Spargel. Man kann auf die Platte beim Anrichten auch vorher gebutterten Toast legen. —2— — Bücerfisd. des Romans„König Kandaules“ von... Dreyer und die heitere Novelle„Ein, Meisterflug" von G. Enders. Cornel Schmitts„Soubrette des Waldes“ ist eine reizende kleine vogelkundliche Plauderei. Die ständige Berufsberatung des Daheim, die Rätselecke, ein Wochenschau im Bild, das Frauendaheim mit modischen Neuheiten und praktischen Winken, Anekdoten. Verse usw. vervollständigen den Inhalt. Besonders zu loben ist der künstlerische Bildschmuck. Die farbenfreudige Jugendzeitschrift des Daheim, die„Arche Noah“, lseot lose bei. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. — 6 2 ## S 9 5 R 63 2 s — Pradsrr 6 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung 1977 Nr. 21 Prügelstrafe als Erziehungsmittel Von Clara Prieß Wir alle wissen, daß es heute eine viel umstrittene Frage ist, ob die körperliche Züchtigung als Erziehungsmittel zulässig zu den Tagen der großen französischen Revolution war es selbstverständlich, daß Eltern und Lehrer die Prügelstrafe für ganz unentbehrlich hielten und ausgiebig davon Gebrauch machten. Sie konnten sich dabei auf Worte der heiligen Schrift berufen:„Wer seine Rute schonet, der hasset seinen Sohn, wer ihn aber lieb hat, der verwirft der größte Teil der geschulten Pädagogen die Prügelstrafe in der Theorie, in der Praxis wird allerdings immer noch viel Mit einer allgemeinen Ablehnung der körverlichen Züchtigung ists nun auch nicht get es kommt auf das„Wann" und„Wie" und jeden einzelnen Fall an.„ Daß ein Kleinkind, solange es noch ein ganz unvernünftiges, moralischen Belehrungen, zugängliches Wesen ist, mitunter Schläge haben muß, wenn es sich unreinlich, ungehorsam und heftig zeigt, wird kein praktischer streiten. Der Vorzug der körperlichen Züchtigung ist, daß sie sofort anwendbar und rasch wirksam ist und bei Uebellaunigkeit und Wutanfällen des Kindes oft geradezu erlösend wirkt. Freilich kommt dann bald genug auch für jedes Kind zu seiner Zeit— die Grenze, wo das Ehrgefühl verletzt werden kann und des Kindes Seele leidet. Das ist der Zeitpunkt, wo andere Strafen gewählt werden müssen. Hier heißt es für den Erzieher, scharf“ acht haben— nicht nur auf das Kind, vor allem auf sich selbst. Jede eiene, Erregung, jeder Zorn muß ausgeschaltet sein, ehe man züchtigen darf. Es ist tief beschömend, zu denken, wie viele Ohrfeigen und Schläge in der schlechten Laune und— vielfach unbewußt— in der Wut und Rachsucht des Erziehers ihren Ursprung haben. Geistig und körperlich muß der Erzieher über dem Kinde stehen, nur ruhigen Gemüts und reinen Herzens darf er von derartigen Zuchtmitteln Gebrauch machen, sonst wird das Kind die Ungerechtigkeit, so vergewaltigt zu werden, scharf empfinden. und Bitterkeit und Mißtrauen werden die unausbleiblichen Folgen E" Nurst und GraufIn Fällen von Tierqualerei und Grausamkeit verdient auch das heranwachsende Kind Prügel— nach dem alten einfachen Grundsatz: Was du nicht willst, daß dir geschehe, sollst du auch anderen nicht antun. Man mache sich aber auch hierbei klar, daß geistige und sittliche Werte nicht eingeprügelt werden können— daß nur geistige und suttliche Kräfte hier heben und fördern. Ein besonderes Kapitel ist die Geschichte der Prügelstrafe in unseren Schulen. Allmählich ist man im Erziehungswesen zu der richtigen Einsicht gekommen, daß mit den barbarischen Mitteln der früheren Schulzucht aufgeräumt werden muß und zeitgemäßere Formen der Bestrafung gefunden werden müssen. Die Unterrichtsbehörden der verschiedenen deutschen Staaten haben sich damit befaßt. In Bayern, Baden, Sachsen und Oesterreich ist die körperliche Züchtigung durch die Lehrer verboten. Ein preußischer Erlaß aus dem Jahre 1920 sucht die Lehrerschaft der Volksschulen für den Gedanken zu gewinnen, daß die Prügelstrafe mit dem Geiste unserer Zeit nicht mehr vereinbar sei und aus der Schule ganz beseitigt werden müßte.“ Die Behörde hat auch betont,„daß diejenigen Lehrer und Lehrerinnen am höchsten geschätzt werden, die es verstehen, ohne Anwendung körperlicher Züchtigung gute SchulAltena, den 22. Mai einzelnen Kindes, sowie Selbstbeobachtung und Selbstzucht in vielen Fällen den Lehrer vor der peinlichen Aufgabe, Körperstrafen vollziehen zu müssen, bewahren.“ Diese Erlasse sind ein Ausdruck für den Standpunkt, den auch unsere häusliche Erziehung heute einnimmt. Man wird dabei bleiben, und im großen und ganzen muß die Zeit der Prügelstrafen hinter uns liegen. Freilich wird auch gerade heute wieder viel über die Jugend geklagt, und strenge Zucht scheint nötig. Machen wir uns immer wieder klar, daß alle unsere Erziehung doch nur den einen Sinn hat, das Kind zur Selhsterziehurg.## Wollen des Guten, zur sittlichen arbeit an sich selbst zu bringen. Dazu helfen Prügelstrafen sicher nicht— wohl aber unser Beispiel, unsere eigene Selbstzucht. Eine schwere Verantwortung liegt heute auf uns Eltern und Erziehern: Wir sollen eine starke und widerstandsfähige, aber auch seelisch reine und reiche Jugend heranbilden. Möge in Haus und Schule dazu Wille und Weg gefunden werden. Wir Frauen von heute wissen nicht viel von der Taille. Uns ist wohl bekannt, wo die anatomische Taillenlinie liegt, im Uebrigen aber hat sich die Mode seit Jahren schon auf die Hüfte festgelegt. Hier liegt— äußerlich die Grenze zwischen Rock und Bluse, eine Gürtung in der natürlichen Mittellinie ist seit Jahren unmodern. Die Blusenhose Kehrt die Taille wieder? Von H. H. bis zu anatomischen Mitte und so honmnt plötzlich die verschmähte Taille wieder zu ihrem alten Recht. Vorderhand allerdings nur beim Sportdreß, aber immhin, ein Anfang ist geDamit die Bluse auch die Bedenken ihrer Feindinnen überwindet, denen sie zu ist, bringt die Mode gleich eine Novität in Verbindung mit der in Gnade ausgenommenen 1 Blusenhose heißt die letzte Schöpfung der großen Modehäuser. Viele Frauen werden mit diesem Titel vorerst nichts anzusangen wissen. Er läßt mehrere modische Mutmaßungen zu Doch um die Neugierde der verehrten Feserin: nen oder verehrten Hausfrauen nicht anzusehr anzuspannen, sei gleich verraten, daß eine Kontbinskhton vomn Mieibung md, Weiher ger meint ist. An die Bluse ist beitet, welches wieder ein Stück Wäsche ersparen soll, pwenn man sich in Sportdreß wirft. Das eventuelle„Zu“=Wenig kann schnell mit einem Leibchen ausgeglichen werden, das noch darunter anzuziehen ist. Und dann kommt es wohl weniger auf eine weitere Reform der Wäsche an, sondern auf die Neuheit. Blusenhose! Das ist ein Modeschlagwort, wieder etwas, mor Zeggfrte, Freundin noch nicht besitzt. Das Ger per Vormittags= und Sportkleidung ist ohneyin arm an„modischen Finessen“, denn das Praktische, zum Vormittagseinkaufe oder für den Sport Gegebene ist schon längst gesagt, längst bekannt. Die Blusenhose wirklich aus der Verlegenheit. Peinlich ist nur das eine: man darf wohl verraten, daß man eine Blusenhose trägt, aber zeigen...? Kleidlänge, Dekollete und Taille. Diese drei Hauptcharakteristikas der Mode wechseln in Laufe der Jahre immer wieder. Bald burste man eine Taille haben, bald war es verboten, sie zu betonen; dann wieder war sie(zu, Zeiten der Königin Luise), ganz weit heraufgeschoven, um später wieder einmal bis zur Hüfte herabzurutschen. Eine Zeit wiederum schnürten Mädchen und Frauen sich zum Angst= und Bangewerden, um die heiß ersehnte„Wespentaille" zu erreichen. Zur Zeit, da unsere Mütter heirateten, nahm man es mit der Taillenweite auch peinlich genau u. jeder em. weniger den man der Freundin voraus hatte, war Gewinn. Je schlanker die Taille, um so eleganter die Frau. Säuglinge im Sommer Ein zwiefaches Gesicht zeigte die Sonne unseren Vorfahren, freundlich erwärmend und belebend, oder drohend mit der Glut und tötender Trockenheit. Zwiesacher beheutet die Sommersonne auch für unsere Keinzten. Sie fördert die gesamte Lebenstätigkeit, läßt die weichen Knochen hart und fest werden und braut in den kleinen Körperchen Schutzstoffe gegen mannigfache Erkrankungen; aber sie gefährdet auch durch Ueberhitzung und begünstigt Ernährungsschäden. * Im Hochsommer häufen sich die Brechdurchfälle der Säuglinge. In den hitzgeschwängerWohnungen, besonders der oberen StockDas gesundheitsschädigende Einpressen der einzelnen Körperteile und das atemberaubende Schnüren gehören ja schon seit Jahren der Vergangenheit an. Die Frau von heute trägt ja höchstens einen festen Gürtel, der die Figur zusammenhält, ohne sie einzuzwängen. Im übrigen aber ist Schlankheit(neuerdings im Rahmen der wieder anerkannten durchaus weiblichen Attribute) Devise für die Silhouette. Das Verdrängen von Rock und Bluse als kompletten Anzug durch das Kleid trug wohl die Hauptschuld an der Vernachlässigung des Tailleneinschnittes. Rock und Bluse waren höchstens noch zum Sport erlaubt, und wurde, da die Bluse vielfach durch den Pullover oder Lumberjack ersetzt. Im Winter wenigstens, jetzt, wo wir dem Sommer entgegengehen, ist man allerdings bestrebt, wieder frohe, helle Töne in die Toilette zu bringen und lanciert daher neuerlich die Bluse aus weicher Wasch= und Chantungseide oder aus Batist, meist in weiß. Blüten= oder elfenbeinweiß ist also die neue Bluse, die plötzlich— und das ist wahrlich eine modische Ueberraschung — nicht mehr bis zur Hüfte reichend über dem getragen wird, sondern so, wie seinerzeit Nicht das Sauerwerden der Milchsäuregärung ist gefährlich; denn gerade säuerliche Buttermilch ist für die erkrankten Kinder eines der besten Heil= und Nährmittel. Aber andere Kleinpilzwucherungen wirken auf die nicht genügend gekühlte Milch derart ein, daß ohne nennenswerte Geschmacks= und Geruchsveränderung sich Giftstoffe in ihr entwickeln. Wenn dann außerdem im heißen Zimmer der arme Säugling noch in seiner Bettgruft vor Wärme fast erstickt, so ist er nicht imstande, die Gifte der Milch durch Verdauung unschädlich zu machen. Es stellen sich Erbrechen und Durchfälle ein, und wenn nicht schnell und zweckmäßig Behandlung einsetzt, kann das Kind verloren sein. Unter nicht ausnahmsweise schlechten Verhältnissen gelingt der vernünftigen Mutter die Vorbeugung leicht. Soweit als mäglich soll das Zimmer kühl gehalten werden, indem man bei verdunkeltem Fenster kräftigen Luftdurchzug lherstellt.(Keine Angst vor Erkältungen!) Den Säugling gewöhne man rechtzeitig daran, nacht oder leicht bedeckt der Luft ausgesetzt zu den. Im heißen Sommer gehören Federbetten nicht in das Säuglingslager. Auch mehrmaliges Waschen oder Baden in kühlem Wasser tut gut. Im übrigen soll das Kind soviel als der freien Luft sein, ohne der Sonne 8 —* K* SS#urSSia P Sars. sr5#S5SS S Die Pigstschüne Skizze von Paulrichard Hensel Gan= beklommen stand Grete Gorn, als sie die Schachtel mit den neuen sandfarbenen Schuhen aufgeschnürt hatte. Zärtlich nahm sie sie aus der Seidenpapierhülle, stellte sie auf den Tisch, hielt sie an den Fuß— das war doch wirklich hübsch von dem neuen Pensionsherrn. Ja, aber durfte sie denn dies Geschenk annehmen? Rudolf würde gewiß zürnen, aber er war weit und konnte nichts dazu beitragen, daß das Pfingstfest ihr etwas Freude brachte. Der Vater fuhr einen der großen Dampfer auf dem Strom, und Festtage bedeuteten für ihn verstärkte Arbeitstage; die Mutter hatte mit den Pensionsgästen zu tun, die um diese Zeit sich einfanden; niemand hatte Zeit für die neunzehnjährige Grete. War es da schlimm, wenn einer der Herren ein wenig freundlich zu ihr war und sie sich's gefallen ließ? Und die Schuhe — nun ja, der Herr Reinert war eben reich, sie ordnete fleißig sein Zimmer und erfüllte alle seine Extrawunsche, und wenn er sich erkenntlich zeigte, so war das wohl nicht mehr als recht und billig, beruhigte sich Grete. Als dann der junge Reinert sagte:„Mädel, Sie kommen ja gar nicht aus dem Haus heraus; wollen Sie mir nicht einen Pfingstnachmittag Gesellschaft leisten?" da dachte Grete: Ich sehe immer nur, wie an den Festtagen die anderen sich ihrer neuen Kleider, Hüte und Schuhe freuen, wie sie sorglos, vielleicht mit einem Liebsten am Arm, auf dem Dampfer den Strom herauf fahren, Wein trinken, irgendwo tanzen— da kann der Wunsch nicht schlimm sein, auch einmal dabei zu sein. Gewiß, morgen würde sie es dem Rudolf, der ein Recht auf ihr Herz hatte, schreiben; aber warum war er nicht hier und führte sie aus? Wenn das der Herr Reinert tun wollte, war es sehr freundlich von ihm— und hübsch und jung war er obendrein auch.— Der Pensionsgast dachte nichts weiter als: Es ist langweilig hier. Aber die kleine Grete ist ein liebes und sehnsüchtiges Mädel. Man darf die Abenteuer, die sich bieten, nicht vorübergehen lassen. Und so kam es, daß die beiden am Nachmittag, als Ruhe in der Küche eingetreten war, mit der Uferbahn nach einem Ausflugsort fuhren, mit hundert anderen feiertäglich gestimmten Menschen in einem Gartenlokal saßen und Obstwein tranken, der Musik lauschten und schließlich sich unter die tanzenden Paare mischten. Grete hatte ihr schönstes Frühlingskleid und die neuen Schuhe angezogen und war froh endlich auch einmal Gelegenheit zu haben, sich schmücken, ganz sorgles sein und verwöhnt werden zu können. Schmale Waldwege führten an den Uferhängen entlang. Abendschatten waren schon unter die Wipfel gezogen. Langsam gingen Reinert und Grete Gorn nach einer Anhöhe, wo sie sich vom Buschwerk gegen die Blicke Vorübergehender geschützt, niederließen. Wein und Tanz klangen in ihnen nach. Und wie selbstverständlich legte Reinert den Arm um das Mädchen und fragte:„Nun, Kleine, ist das nicht ein schöner Pfingsttag gewesen?“ Da erzählte sie ihm, wie dankbar sie sei, und verhehlte nicht, daß sie im Grunde immer die Frauen und Mädchen beneidet habe, die zu den Festtagen auf den Dampfer ihres Vaters kämen, und die Sommergäste, die keine Sorgen zu kennen schienen. Reinert sagte lächelnd:„Ach, liebe Grete, zu beneiden brauchst Du diese Menschen nicht. Pfingsten bedeutet doch, daß die Junger, als Christus sie verlassen hatte, nun selbst für die Lehre einstehen mußten, die sie für richtig befunden hatten. Und es sollte so sein, daß unter allen Menschen Frieden und Liebe ist. Aber was haben wir heute gesehen? Mädchen, die unersättlich im Tanz waren, aber morgen wieder als sittsam und unwissend gelten wollen; Frauen, die in neuerwachter Frühlingssehnsucht heimlich ein Abenteuer suchen und morgen vor Angst vergehen, daß sie verraten werden könnten; und auch solche, die all die Ausgelassenheit und Fröhlichkeit nur mit einem kühlen, beherrschten Blick streifen und brennend gern dabei sein möchten,— niemand also, der sich ehrlich zu dem bekennt, was er innerlich für gut befindet. Da sind wir doch anders, Gretei, nicht wahr? Wir sind allein, wir sind jung, um uns ist der Frühling— also wollen wir auch glücklich sein.“ Innerlich aber sprach er zu sich selber weiter: Wenn Du jetzt noch viele Worte machst und das Mädel nicht herzhaft abküßt, bist Du ein großer Esel! Grete aber saß so in Gedanken versunken, daß er mit seiner stürmischen Bewegung innehielt. So hatte ja noch niemand sie das Fest verstehen gelehrt. Und sie brauchte also wirklich niemand zu beneiden. Aber in dem neuen Erkennen erfaßte sie plötzlich auch den Sinn der letzten Worte des Mannes— ja, was dachte er denn?— das klang süß und heimlich— aber es hatte einen eingeschlafenen Gedanken in ihr geweckt. Und leise sagte sie: „Ja, nun verstehe ich das Fest. Wenn man einmal etwas für recht erkannt hat, soll man es nicht verheimlichen, sondern dafür einstehen, auch unter Anfechtungen. Und sehen Sie: Ich bin seit einem Jahre verlobt, er ist weit fort von hier, aber ich habe ihm die Treue geschworen, und so meinten Sie es doch auch: Gerade Pfingsten soll ich daran denken.“ Ganz still war es da eine Weile hinter den Büschen. Reinerts Gesicht stand im Schatten, und man konnte nicht sehen, wie die Scham es gerötet hatte. Aber Gretes Augen waren zwei helle Sterne.— Wortkarg fuhren sie heim. Am nächsten Tage reiste Reinert ab. Als er zu Hause seinen Koffer öffnete, fand er die kleinen gelben Mädchenschuhe darin. Und er stand lange am Fenster, mit der Hand das weiche Leder streichelnd, und sah verloren auf das Leben der freudeleeren und sonnenarmen Stadt. im Vorzug. Ihre Milchquelle bleibt stets gut. Muß aber künstlich ernährt werden, so muf nicht nur schon in der Molberei die Milch stark gekühlt werden, sondern auch die abgekochte Nahrung soll sofort nochmals gut gekühlt und das Kühlwasser im Laufe des Tages mehrmals gewechselt werden. Selbstverständlich soll bei der Zubereitung der Nahrung auf peinlichste Sauberkeit geachtet werden. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß ärztliche Ueberwachung gerade der gesunden Säuglinge sehr viel zu ihrer weiteren Gesunderhattung beitragen kann; daß aber, wenn Stö rungen sich einstellen, unbedingt zuerst der Rat eines Arztes, nicht der alter Tanen oder Kinderfraren einzuholen ist; ist wohl selbstverständlich. —.— Pfingstwunder Von Helmuth V. E. Miethke. Langsam wandere ich meine Straße. Unter hohen Pappeln und krausköpfigen Weiden entlang, an starken Eichen und leuchtenden Birken vorüber. Und manchmal auch begleiten blühende Kirschbäume meinen Weg. Wohin ich will? Ich weiß es selbst nicht. Mache mir darüber auch keine Gedanken. Warum fragst du darnach! Nur eins will ich dir sagen: Die Sehnsucht hieß mich den Wanderstab ergreifen, und die Hoffnung leitet meine Schritte. Das Schöne suche ich. Erfüllung wünsche ich. Was soll ich dir auch erzählen von dem, was mich dazu trieb. Es ist ja doch nur alltäglich, dir längst Behanntes. Wie ich mich mühte. des Lebens Inhalt zu ergründen unter den Menschen und in der Wissenschaft, und wie ich immer Nein und Halbheit fand. Ach, erinnere mich nicht daran! Denn heute ist ein ganz besonderer Tag: Der Sonnabend vor Pfingsten. Maien= und Festgeruch liegt in der Luft. In den Dörsern, durch die ich komme, herrscht ein froh=geschäftig Leben. Alles ist Vorbereitung. Erwartung. Auch ich bin###ingstlich gestimmt. Eine leise Ahnung erfüllt meine Seele, ein unbestimmtes Wissen von dem Wunder, das sich mir irgendwie nähert.— Und nun liege ich mitten im Grase. Die Lerche singt und die Grille zirpt. Die Schmetterlinge tanzen und die Blumen neigen sich ihnen zu. Ich belausche die Bienen beim süßen Mahl und die Käfer beim Liebesfest. Ich erblicke den blauen Himmel über mir und spüre das webende Leben um mich. Ich bin benebelt von dem lieblichen Duft, der aus den unzähligen Blütenkelchen aufsteigt wie aus einer Rauschschale, die zum Lobe des Höchsten entzündet ward. Der Odem Gottes hüllt mich ein. Nichts ist in mir als Frieden. Meine Seele gleicht dem Meere, in dem sich die Sonnenstrahlen spiegeln. Aber dann steigen sie wieder in mir auf, jene leichten Wellen der Unruhe, die der freudigen Erwartung vorausgehen; und von ihnen umspielt lasse ich mich treiben. Als die Vögel beginnen, ihre Nester zu bereiten, biege ich in eine Dorsstraße ein. Ich meide zwar sonst in dieser Jahreszeit die menschlichen Behausungen, da mir dann die große Wohnstatt Gottes ein angenehmeres Heim bietet, aber heute treibts mich sonderbarerweise dorthin. Immer noch in Sinnen versunken, wandere ich meinen Weg. Da wehts mich plötzlich an wie Frühlingswind. Ich schaue auf und gewahre ein Mädchen, das mit wiegendem Schritt auf mich zuschwebt Auf ihrem Haupt leuchtet das Gold der reifen Aehren, gleich dem Blau der Kornblumen schimmerts in ihren Augen, und auf ihrem Antlitz liegt die strahlende Sommersonne. Als ich ihre Nähe spüre, als ihr Lebensodem sich mit d. meinigen kreuzt, durchzuckte es mick wie ein elektrischer Schlag und gedankenschnell kommt mir die Erkenntnis: das ist die Erfüllung. Ein feines Glöcklein läutet mir einen„Guten Abend" zu. Und dann stehen wir uns gegenüber. Zwei Augenpaare begegnen sich, ein Erkennen spiegelt sich in ihnen wider. Da denke ich daran, daß ich wohl ihren Gruß entgegnen muß. Doch sie kommt mir wieder zuvor: „Was schaut Ihr mich so seltsam an, als ob ich ein Wunder wär?" ein Wunder...“, sprechen meine Lipren nach. Bei diesem Ton ihrer Stimme erzittern die Saiten meines Herzens im leisen Gleichklang. Dann aber sage ich endlich:„Verzeiht, daß ich über das Wunderbare das Alltägliche vergaß" Da senkt sie ihre Lider und fragt rasch: „Ihr scheint nicht mehr weit zu wollen heut?“ „Nicht weiter als ich bin,“ gebe ich zurück. „Nun, hier werdet Ihr kaum nächtigen können.“ Mit einem Lachen perlts aus ihrem Munde. „Recht habt Ihr, ein Heulager wollt ich mir heut zur Pfingstfahrt suchen, wenn Ihr mir raten könntet...?“ „Raten—? Ja, kommt, ich führe Euch zu meiner Mutter.“ Froh plaudernd erreichen wir das schmucke Hauschen. Die Mutter ist noch im Vorgarten beschäftigt. Als ich bescheiden meine Bitte vorbringe, mustert sie mich mit ihren gütigen Augen und heißt mich freundlich willkommen. Und dann sitzen wir selbdritt noch lange in der blumenumrankten Laube beisammen. Als wir uns die Hände zur guten Nacht reichen, da ist es, als hätte ein huldreicher Engel unsere Herzen mit einem zarten Band umwoben. Aber in meiner Kammer flieht der Schlaf vor dem Glück, das in mir ist. Mit der Sonne erhebe ich mich und gehe leise hinaus zu den Birken. Den treuen Wandergenossen vertraue ich mich an und erbitte von ihnen den Festschmuck für meine Herzgeliebte. Versonnen, noch im Pfingsttraum befangen, nickten sie Gewährung. Dann bekränze ich mit den Maien, den Sinnbildern des blühenden Lebens, ihre Fenster. Von einem versteckten Winkel aus sehe ich nach einer Weile, wie ein morgenfrisches Antlitz beim Anblick des Braut=Grüns errötet. Da weiß ich, daß der Pfingstbrauch ihr zu Herzen ging.. Und Hoffnung looerr wie eine Flamme in mir empor, und ich danke dem Gutigen, der mich das Pfingstwunder erleben ließ. —fe) Ein Segelboot und ein Magnolienbaum Von Walter Meding. Hinterher, d. h. am dritten Pfingstfeiertag hatten mich meine Verwandten zur Rechenschaft gezogen und nach ebenso langen wie hitzigen Debatten, den einmütigen Familienbeschluß gefaßt, das Segelboot zu verkaufen. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden gewesen, zumal mein Vater als rechtmäßiger Besitzer die gegenwärtig schlechte Geschäftslage als triftigen Grund für diese Besitzentäußerung vorbrachte. Inwiefern aber die Anpflanzung zweier Magnolienbäume im Herbst nach meiner Verheiratung mit den wachsenden Sorgen meines Vaters vereinbar war, konnte ich zunächst nicht begreifen. Und als mir durch ein Geständnis meiner Frau die Ursache dieser Besitzvermehrung bekannt wurde, kam ich mir wie ein ganz richtiger Ehemann vor, dessen einmal geäußerte Nachgiebigkeit durch ein unausrottbares Naturdenkmal feftgehalten werden sollte. Weder passive Resistenz noch unterdruckter Groll vermochten diese Wahrzeichen der ehelichen Machtgruppierung zu beseitigen. Und da ich trotz gegenteiliger Ansichten im Stillen davon überzeugt war, der Klügere zu sein, gab ich nach, wie— ich damals nachgegeben hatte.... Es war ein herrlicher Pfingstsonntag. Und da ich das dringende Bedürfnis hatte, die Feiertage allein zu bleiben, bat ich mir das Segelboot zur alleinigen Verfügung aus, ohne mich um väterliche Einwände und mütterlich gut gemeinte Besorgnisse zu kümmern. Das aufgeregte Drängen, Krakehlen und Hasten der Ausflügler auf den Vorortbahnhöfen hatte ich glücklich überstanden. Während ich durch den betauten Wald zu einem verschwiegenen Zipfel des Sees ging, lagen KinVergeschrei, aufmunternde Zurufe, Ermahnungen und ärgerliche Ausbrüche gepeinigter Familienväter wie ein quälender Traum hinter mir. Ich genoß den schönen Morgen wie ein Geschenk und war durchaus gewillt, jede Gesellschaft mit Hartnäckigkeit eines Gekränkten zu meiden. Erst als ich andere Menschen sah, deren ungemütliches Lärmen sich am Wasser in ruhebeglückte Freude verwandelt hatte, als ich das Boot klar machte, die Pesennen wegrollte und das Großsegel vor Wind flattern ließ, bekam ich eine Art Mitleid mit mir selbst. Aber ich dachte an den Berliner, der sein„Ausflugs“ Lokal gleich gegenüber dem Bahnhof zu finden wünscht, der Mutter Natur an einem Sonntag mit Butterbrotpapier für fünf Jahre einzudecken liebt, und ließ meinen Trotz an einer Spante aus, die durchaus nicht fester gezogen werden wollte. Mit einer geringen Spannung nur, mit der leisen Hoffnung auf ein unvorhergesehenes Abenteuer kreuzte ich endlich aus der windgeschützten Bucht auf den See hinaus. Der Ständer oben am Mast hnatterte, das Boot lag schräg im Wind, wie es sich gehörte, folgte dem leisesten Steuerdruck, und die Wellen, die sich an der Bordwand brachen, glucksten eintonig, einlullend und schienen nichts von dem lärmenden Dampferverkehr zu wissen, der den Feiertag störte. Und als ich mehrere Stunden ungestorter Fahrt hinter mir und ein ganzes Paket vorsorglicher Butterbrote in mir hatte, war ich mit der Welt ausgesöhnt. Aber mein seelisches Gleichgewicht wurde mir sehr bald verlagert, als ich an dem langsameren Tempo merkte, daß mir ein fremder Segler mit selbstverständlicher Frechheit den Wind aus dem Segel fing. Ehe ich noch meinem berechtigten Aerger Luft machen konnte, wurde ich von einer angenehmen Frauenstimme angesprochen, die die eingeschläferte Abenteuerlust wieder weckte: „Ich bin eigentlich neugierig, wie lange Sie noch so vor sich hinträumen wollen. Sehen Sie denn nicht, daß Sie schnurstracks auf eine Boje zielen?“ Natürlich sah ich die Boje, aber ich sah auch ein sonnverbranntes Gesicht und dunkle Augen, die mich herausfordernd anlachten. Ich wollte den Kurs ändern. „Nicht eher, als bis Sie sich für meine Fürsorglichkeit bedankt haben!". Ich dachte: nun gerade nicht! Ich konnte aber nicht mehr wenden, das andere Boot lag direkt vor mir, schnitt meinen Kurs und blieb auf der anderen Seite neben mir: „Damit Sie auch mal den ganzen Wind in das Segel bekommen“. lautete die Erklärung. Ich pfiff zum Zeichen, daß ich allein bleiben wollte. Es half nichts. Und eigentlich gefiel mir der Zwischenfall auch ganz gut. „Sehen Sie dort vorne auf der Landzunge den vereinsamten Magnolienbaum?“—„Das sind Pfingstrosen“, renommierte ich mit meinen von. Ich wollte meine Künste zeigen und den Weg abschneiden, vergaß aber, daß mein Boot tiefer lag und blieb an einer Sandbank kleben. Als ich nach langem Mühen wieder flott war, brannte drüben bereits ein Feuer, und ich bekam plötzlich einen unerklärlichen Kaffeedurst. Noch stand es mir frei, einen anderen Kurs zu nehmen. Aber das herausfordernde Wesen des jungen Mädchens reizte mich zum Widerspruch. Und Feigheit sollte mir niemand nachsagen. Ich zeigte also Mut und— nach vorne, gerade aus, auf eine weiße Gestalt „Kommen Sie, großer Kapitän! Der Kaffee Recht, einen Liebsten zu erwählist schon kalt geworden, der Magnolienbaum—0— ist beinahe verblüht, während Sie mir Ihr Manöver vorexerzierten—“ 1 „Sie müssen doch zugeben, daß man diese Blüten im Volksmund——“—„Nehmen Sie] Das Hochzeitsfest ist einer der Höhepunkte Ihre Tasse, oder soll ichz sie noch länger halsim menschlichen Leben, der Ehrentag für Braut war vergebens, und und Brautiaam. In den Städten unterscheiden (Lärrhn erschedut Düer Gothte in dei Bübert, die“ den Tanz begleiten, stets als der„Eisersüchtige“ und im Gegensatz zum jugendlichen werten Liebhaber als hassenswert. Trotzdem beschränkte sich die Freiheit des 1. Mai zumeist auf theoretische Auslegung, und artete nicht, wie zuweilen angenommen ward, in sittenlose Oxpien aus.„. Die Gelehrten finden in jenen Maiseiern, in jener Maifreiheit die Begrundung der bekannten Sitte, verheiratete Frauen im Lied zu umwerben. Auch Gaston Paris erzählt davon als Der Hochzeitsbitter Einsetzen des Willdes und .... Am dritten Feiertag fand erwähnte Familienrat statt. Maifrauen naturwissenschaftlichen Kenntnissen.„Nein, ein Magnolienbaum!“. Nun wurde ich aber böse. Ich blieb bei meiner Behauptung. Es entspann sich ein Wortwechsel, den mein Partner schließlich abbrach:„Also, wir werden ja sehen. Wer zuerst dort ist, kocht Kaffee!" Sie wartete meine Antwort garnicht ab. Ihr Boot legte sich steuerbords über und schoß daasse, oder soll ich sie noch länger huz im menschlichen Leben, der Ehrentag für Braut ten: geder Widerstan, gar vergebens, und und Bräutigam. In den Städten unterscheiden es war lange Zeit nicht mehr von Kaffee oder sich heute die festuichen Veranstaltungen oft nur anderen Gewächsen die Rede.(wenig von solchen bei anderen Gelegenheiten. „Eigentlich müßten Sie mich schon kennen. Auf dem Lande jedoch haben sich noch mancherMein Ankerplatz in der Bucht liegt genau ne= lei alte Sitten und Gebräuche erhalten, und er ben Ihrem. Sie fahren sonst nur mit Ihren kommt aus diesem Anlaß deutscher Humor und Eltern aus.“..,. deutsches Gemüt nicht selten auf die schönste Nun wurde mir vieles klar, und manche Weise zum Ausdruck. Ist der Tag der Hochzeit Sehnsucht, die bis dahin nur entfernten Din=festgesetzt, so tritt der Hochzeitsbitter oder gen nachgeschwebt war, nahm konkrete For-Hochzeitslader sein Amt an. Er ist während men an. Die Nachmittagssonne warf ihr blen=der ganzen Festtage die Hauptperson, der Reddendes Gold durch das grüne Laub. Derner, die lustige Gestalt, die für Wind legte sich, und der Wald begann zu er=Spaß zu sorgen hat. Von seiner glücklichen zählen. Ich war nicht mehr böse: Wahr hängt vielfach das Gelingen des Fester „Ich glaube, es ist doch ein Magnolienbaum jab. Nur Personen mit Gemüt und Einbilsagte ich leise.„Er blüht gerade zu Pfingsten.“ dungskraft, mit erfrischendem Humor und etMeine Nachgiebigkeit wurde mit einem Lä=swas poetischem Talent eignen sich gut dazu. cheln belohnt, das ich nicht vergessen habe. In feierlichem Anzuge, den Stab oder HochNoch immer herrschte die übliche Nachmittags-zeitsspieß in der Hand, das Knopfloch oder den flaute. Während in einem fernen Kirchdorf Hut mit Rosmarien geschmückt, oft mit bunten die Glocken läuteten, warteten wir auf das Bändern und Goldborten geziert, macht er sich Einsetzen des Mindag und sauf, um zunächst die Hochzeitsgäste zum Feste der oben zu laden. An manchen Orten erscheint er hoch zu Roß, an anderen auf einem ganz bunt geschmückten Fahrrade. 64 Nach alter Sitte darf diese Einlavung nicht in trockenen Worten bestehen, sie muß Schwung haben und ist deshalb an vielen Orten poetisch. Wie ganz anders klingt eine solche alte LaVon Anna Blum=Erhard. ldung, wie sie noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts der„Ummabidders“ in KleinschöppenDie alte Sitte des Mailehens, der„Mai= stedt im Braunschweigischen vorbrachte, im frauen", erhielt sich in manchen Gegenden Vergleich zu den nüchternen Einladungen der Deutschlands, vor allem am Rhein, bis ins 19./Gegenwart. Sie sei deshalb an dieser Stelle Jahrhundert. An der Ahr z. B. pflegte sich am wiedergegeben: Vorabend des 1. Mai die Dorfjugend unter der Dorflinde zu versammeln oder vor der nirche.„Lieben Leute, ich komme zu euch geritten, Der anwesende Schöffe bot die jungen Mädchen Um euch alle einzuladen und zu bitten, an den Meistbietenden aus. Durch Ersteige=Keinen von den Hausleuten ausgenommen, rung“ gewann der Bursche das Recht, die Er=Freitag morgen zu N. N. zur Hochzeit zu wählte zu allen Jahresfesten abzuholen, ihr er= kommen. korener„Kavalier" bei Tanz und Bewirtung Kommt aber nicht mit vollem Magen, zu sein..[Denn sie werden tüchtig auftragen. Die Schönste ward als Erste ausgeboten und Braut und Bräutigam tut die Myrte zieren, meistens vom reichsten Jüngling ersteigert.[Mit Trompetenklang wollen zum Altar wir sie Nach ihr kamen die übrigen an die Reihe, und fuhren wenn alle einen Liebhaber gefunden hatten, Und kommen wir zur Kirche heraus, zog man mehr oder minder befriedigt ab, den Dann gibt es einen großen Schmaus, Freuden des Sommers entgegen, bei denen Dann wird getrunken und kuranzt dann der Erlös der Versteigerung zur Zahlung Und die ganze Nacht hindurch getanzt. der Musikanten und der Zeche verwendet ward. im andern Lag mit heiterm Sinn Nie war ein fremder Bursche zugelassen. Die Ceht's wieder zum Hochzeitshause hin, Maifrauen durften nur mit den Söhnen des Lann tanzen und schmausen wir wieder so Orts tanzen und gehen. Eindringlinge wur= Wie am vorigen Tage froh. den von starhen Fausten nicht eben sanft, hin Am Somntag wirs dar Epmutschmich wieder ausbefördert, was bei den ebenerdigen Lanz=— e.. g wuld der Brauischuls wieder boden, die nur durch Läden verschlossen waren) Anbeteo ge fu— Ginche sic k. nicht schwierig war. Auch vom oberen Stock= Und im Hochzeusguge zur Rirche sich bewegt. werk aus gings zuweilen, ohne Benützung der Und ist die Kirche wieder aus, Treppe, holderdipolderdi hinunter, und Wider=Geht's wiederum ins Hochzeitshaus. setzliche erhielten tüchtige Hiebe, die ihnen das Nach dem Schmause tanzen wir weiter Wiederkommen verleideten. Häufig ward aus Nach der Musik ganz lustig und heiter. solchem Sommberbund nach Jahr und Tag Am Montag wird an nichts gedacht, einer fürs Leben.(Denn der wird völlig blau gemacht. E □# ihlich daß di: Madc# Am Dienstag sind wir lustig und wohl, Es war in St. Goar üblich, daß die Mapchen Eg schmeckt ganz vortrefflich der saure Kohlzu dieser Auslosung, deren Erlös— oft 20 Darauf an dem lieben Mittwoch bis 30 Taler— aber nicht immer in den Stadt= Sind wir wieder vergnügt, doch säckel floß, festlich gewandet erschienen und wenn dann Küche und Keller noch etwas verdie Aufstellung vorm Rathaus stattsand. For=] mag, scher wollen diese Sitte mit der früheren Leib= Feiern wir auch noch den Donnerstag. eigenschaft in Verbindung bringen. Das Mai- Dann aber ist die Hochzeit aus. fest, keltischen Ursprungs, galt als germanisches und jeder geht wieder in sein Haus. kirchlichen Festen. Im Provenzialischen„ka= Daß der Hochzeitsbitter überall freundlichst belenda staya, im Frankischen„meierlole“ ge= wirtet wigegugd daß daße an Lein. nannt, war der 1. Mai bei der weiblichen Be—Prgrgenders an Hst völkerung in hohem Ansehen. Sie tanzten un= große A#orverungen gesteu. werben, ist selbstter sich, Frauen und Dirnen, und sangen dazu. verständlich. Zuweilen, besonders bei dem Es bezeichnete die höchste Lebensfreude, die fränkischen Stamme, findet noch heute die LaFreiheit, das Heraustreten aus dem Bann der dung mehrmals statt: es ist dies wohl ein mütterlichen Gewalt— und für die verheiratete Ueberbleibsel der altfränkischen Ladung zum Frau aus der Hut des Gatten. Der 1. Mai ver= Gericht, die wenigstens dreimal geschehen schaffte ihr die Möglichkeit, einmal der Stim= mußte. In Oberbayern und in manchen Geme des Herzens zu folgen, die ja bei den Ehe= genden Oesterreichs wird sogar die Braut durch schließungen damals selten gehört wurde den Hochzeitsbitter geladen.