0 3 Pon“ Wenn ich vor einem groten Kinderpublkkums leie, devorzuge ich imimer meine Geschichten aus der Gegenwart,„Im Zoo".„Doktor spielen“ usw. weil sich die Kinder dier abgespiege!! wiederfinden. Ueber die dummen Fragen der beiden Jungen im Zoo lachen sie sehr erhaben, weil sie selbst besser Bescheid wissen. Bei„Doktor spielen" erhebt sich stets ein Jubelgeschrei wenn der kleine Doktor seiner Patientin, der Mama, verordnet, jeden Tag zwei Weingläser voll Rizinus einzunehmen, weil sie die Schrekken dieses sonst in kleineren Dosen perordneten Getränkes am eigenen Leibe erlebt haben und sich über die große Dosis freuen. Märchen dagegen erzähle ich nur im engen Kreis, im Sofawinkel, und die Hauptsache ist das Licht abzuknipsen. Da sitzen wir dann eng umschlungen und fühlen uns verzaubert. Im großen hellbeleuchteten Saal kann dieser Zauber nicht aufkommen. Auch dürfen die Kinder die Zwischenbemerkungen, die ich ihnen gestatte, dort nicht machen, oder sie wagen sie nicht zu machen, trotzdem sie oft besser Bescheid wissen in den bekannten Märchen, als der Erzähler selbst. Einmal allerdings erlebte ich es auch anders. Eine Anzahl Künstler hatte sich zusammengefunden, um im Beethovensaal ein Kinderpublikum für eine Stunde zu unterhalten. Ich selbst sprach meine kleinen lustigen Gedichte. Einer der bekanntesten Berliner Schauspieler erzählte ein Andersen=Märchen, wobei er plötzlich durch ein Kinderstimmchen unterbrochen wurde, das ihm zurief:„Nein, so ist es nicht, das ist ganz falsch, die Prinzessin...“ Und griff von Zeit zu Zeit korrigierend in den Vortrag ein. Der bekannte Schauspieler aber hatte die Liebenswürdigkeit, sich nach Schluß der Erzählung bei der kleinen Mitarbeiterin freundlichst zu bedanken. —1—.— Frühgemüse Spargel. Die ersten Spargel sind auf dem Markt zu sehen. Diese Zeit des Frühjahrs ist eine überaus wichtige für jede gute Köchin und Hausfrau. Sein Augenmerk wird man auf die so wertvollen Gemüre richten müssen, die uns nach und nach beschert werden und deretwegen man nur allzugern Fleischgerichte hintenan stellt. Nicht nur des von der neueren Wissenschaft anerkonnten hohen Nährgehaltes sondern auch der Abwechselung wegen, die uns nur allzu willkommen ist, werden wir mit beiden Händen zugreifen, was uns an Reichtümern in den nachsten Wochen und Monaten von der nie ermudenden Mutter Erde gespendet wird. 1 214 Li, Gam Zu keiner Zeit ichmecken auch die Gemuse so zart und gut, wie gerade im Frühjahr. Und der Winter mit seinen paar Kohlarten bot uns ja nebenher höchstens Konservengemüse, die bei einer tüchtigen Hausfrau doch nur äußerst selten— so mal im„Notfall“ auf den Tisch kommen, da ihr ursprünglicher Nährwert auf ein Bruchteil zusammengeschrumpft ist. Unter den Frühgemüsen kommt dem Spargel eine außerordentlich hohe Bedeutung zu. Freilich kann man ihn sich zur Zeit noch kaum leisten, da er seines hohen Preises wegen gegenwärtig noch zum Luxus gehört. Bald aber werden wir ihn erstehen können, falls uns das Wetter nicht einen Strich spielt. Mit dem Spargel ist es ähnlich wie mit dem Obst. Sein Nährwert allein als solcher ist seines hohen Wassergehaltes wegen nicht so groß, daß er uns deshalb unentbehrlich erscheint. Die in ihm enthaltenen Salze sind indessen ungemein wichtig für unseren Organismus. Man muß unterscheiden zwischen Nährgehalt, also Eiweißarten, Kohlehydraten, Fetten usw. und— den heute als so wichtig anerkannten sogenannten Nährsalzen, die ins Blut gehen und in irgend einer Weise dem Stoffwechsel förderlich sind. Der Spargel ist außerordentlich wichtig für die Funktionen der Nieren. Ja, man hat ihn deswegen direkt zu einer Kur verschrieben, d. h., man hat seinem ausschließlichen Genuß tatsächlich eine ausreichende Heilwirkung zugeschrieben, eben speziell bei Nieren= und Blasenerkrankungen. Was den Spargel noch besonders wertvoll macht, ist, daß er von vielen Menschen auch in rohem Zustand(im Gegensatz zu andern Gemüsen), gut vertragen wird. Daß alle Nähr salze im rohen Zustand am besten ausgenützt werden, weiß heute jeder Laie. Kocht man die Spargel, so soll es nur äußerst kurze Zeit geschehen um den Nährwert nicht unnötig herabzumindern. Auch die Spargelschalen sollten stets noch ausgekocht und als Suppe verwendet werden, # gerade sie sehr viele Nährsalze enthalten. Ganz verkehrt ist das lange Wüssern des ! Spargels, das tatsächlich heute noch in törichtei Annahme manchmal geschieht, als ob er dadurch ein weißeres Aussehen beim Kochen erhielte. Muß man ihn von einem Tag zum anderen liegen lassen, so schlage man ihn in ein angefeuchtetes Leinentuch. Schälen sollte man ihn stets erst unmittelbar vor dem Kochen. Da Spargel leicht säuert, sollte man ihn in gekochtem Zustand nie zum nächsten Tag übriglassen, sondern immer nur soviel auf den Tisch bringen, als genossen wird. Auch den später folgenden Frühgemüsen muß man größte Aufmerksamkeit schenken. Selbst der anfangs etwas hohe Preis soll einen nicht abschrecken, sie zu kaufen, da sie eben doch durch ihren gesundheitlichen Wert jenen rechtfertigen. Und— nicht nur als„Nebengericht", sondern vielmehr als Hauptgericht seien sie gegeben— wenn man auf Fleisch nicht ganz verzichten kann. Wer den Wert der Frühgemüse anzweifelt, oder sie sonst aus einem Grunde nicht auf den Tisch bringt, dem muß die Anwartschaft darauf, als gewissenhafte Köchin zu gelten, glattweg abgesprochen werden. kng. Spargelgerichte Spargelgemüse. Die Spargel werden sein geschält(wobei zu bemerken ist, daß es richtiger ist, von der Anschnittstelle nach dem Kopf hin zu schälen), und zurechtgeschnitten, eotl. auch mit einem Faden umbunden. In schwachem Salzwasser mit einer Prise Zucker läßt man sie sehr kurze Zeit kochen(die Kochzeit richtet sich nach der Stärke der Spargel). Nach dem Abgießen schwitzt man etwas Butter und Weizenmehl hellgelb, gießt die Spargelbrühe dazu, ebenso einen Eßlöffel gute, frische Butter und schmeckt nochmals auf Salz ab. Möglichst gleich nach dem Kochen anrichten, da die Spargel leicht gelb und zähe werden. Spargelsalat. Die Spargel werden wie angegeben gekocht und abgegossen. Die Spargelbrühe wird abgegossen und, noch warm mit Oel, Essig(nicht zuviel), sehr wenig Pfeffer und etwas Zucker abgeschmeckt, über die ebenfalls noch warmen Spargel gegossen. In einigen Stunden ist der Salat gut durchzogen. Gute Spargelsuppe. Die Spargel werden nach dem Schälen in 5 Zentimeter lange Stücke geschnitter und in schwachem Salzwasser mit einem Stich Butter und einem halben Teelöffel Zucker schnell gargekocht. In das Spargelwasser quirlt man zuletzt folgenden Brei: Zwei oder drei Eigelb, eine Prise Salz, Pfeffer, einen Teelöffel Mehl, etwas Butter. Man läßt die Spargelsuppe eben einmal mit dem gutverrührten Brei aufkochen, rührt währenddessen, ohne jedoch die Spargel zu zerstören und gibt zuletzt die zu Schnee geschlagenen Eiweiße daran. Eine andere Art: Drei ganze Eier werden mit wenig Butter, einem Eßlöffel Mehl, etwas Milch, Pfeffer, Salz gut verquirlt und in die kochende Spargelbrühe über einen Quirl gegossen, wobei die Brühe diesmal nicht gerührt, sondern nur der Topf geschwenkt werden darf, um ein Ansetzen zu vermeiden. Spargel und Tomaten. Die Zusammenstellung dieser beiden Gemüse ist bei richtiger Zubereitung eine durchaus vorteilhafte. Die Spargel werden nach bekannter Art weichgekocht und auf ein Sieb getan. Die Tomaten werden in ganzen Früchten, nachdem sie gewaschen sind, sehr kurze Zeit gekocht, ebenfalls in Salzwasser, und unmittelbar nach dem Herausnehmen von der sich jetzt leicht abziehenden Schale befreit und halbiert. Hübsch angerichtet auf einer flachen Platte, überträufelt man die Tomaten mit Zitrone, auch nach Belieben mit wenig Parmesankäse bestreuen. Auf die Spargel legt man ein paar feine, frische Butterspäne, die ruhig zergehen können. Zuletzt gibt man an den Rand einige Löffel von dem Tomatenwasser, das man wenig mit Schwitzmehl eingedickt hat. Sehr gut schmeckt zu diesem Gericht Kalbsmilch oder Kalsbrägen. Spargel überbacken mit Blumenkohl. Fertig gekochte Spargel werden mit weichgekochtem Blumenkohl in eine Auflaufform oder eine Küchenwunderform gegeben, mit frischer Butter, geriebener Semmel, etwas geriebenem Parmesankäse belegt und mit ganz wenig Spargelwasser übergebacken, bis die obere Schicht schön goldbraun ist. Als Tunke gibt man dazu entweder die eingedickte Spargelund Blumenkohlbrühe oder— besser— braune Butter; als Beigabe nach Belieben Brisolottes oder besser Kalbsbrägen. Regeln für das Kuchenbacken Oftmals mißrät ein sonst recht schöner Kuchen dadurch, daß sich um die Rosinen ein Wasserstreifen gebildet hat, der den Geschmack des Kuchens natürlich beeinträchtigt und zudem auch für den Magen unzuträglich ist. Man helfe sich da so: Die Rosinen, Sultaninen oder Korinthen werden nach dem Waschen auf ein Sieb zum Abtropfen gegeben und hiernach noch mit Mehl tüchtig abgerieben, ehe man sie an den Teig gibt. Die also noch vorhandene Flüssigkeit, die beim Abtropfen nicht fortging, wird so von dem Mehl aufgesogen. Nie wird sich so ein Wasserstreifen bilden. Niemals sollte man beim Kuchenbacken die kleine Mühe des Mehlsiebens scheuen. Ein noch so sorgfältig bereiteter Kuchen wird niemals annähernd so locker werden, wenn man ungesiebtes Mehl verwendet. Niemals verwende man, sobald es sich um einen Pulverkuchen handelt, angewärmte Zutaten oder, wenn es ein Hefekuchen wird, kalte Zutaten. Niemals nehme man Hefe in einen Kuchen die man nicht zuvor hat„gehen“ lassen; es kann auch geschehen, daß man schlechte Hefe vom Bäcker erhält, die einem den ganzen Kuchen verdirbt. Niemals unterlasse man es, einen Kuchen noch warm zu„stürzen"; denke aber ebenso daran, daß das Stürzen eines noch ofenheißen Kuchens zur Katastrophe werden kann. Niemals stelle man einen Hefekuchen in den Ofen, bevor er in der Form nicht„geht"; er wird sonst in jedem Falle ungenießbar. Niemals fülle man einen gutgehenden Hefekuchen mehr als bis zu Dreivierteln der Form er geht sonst über diese weg und verdirbt. Auch das oft übliche Herunterdrücken des hochgehenden Teiges ist unter allen Umständen zu vermeiden, da der Kuchen dadurch brüchig wird und sich nicht schneiden läßt. Zu brauner Kuchen, der trotzdem noch nicht recht gar ist oder zu wenig Unterhitze hatte, verbrennt trotz längeren Backens doch nicht, wenn man seine Oberfläche mit einem eingefetteten Pergamentpapier bedeckt. Müchertisch Reichsmuttertag. Zum Reichsmuttertag schickt Frida Schanz, die deutsche Dichterin, in Nr. 32 des Daheim einige Worte voraus, die wir unsern Lesern (im Auszug) nicht vorenthalten möchten. Sie schreibt:„Es ist ein junges, neu bei uns eingeführtes Fest und doch eins wie aus uraltem Kult, aus dem tiefsten Sinn der Natur heraus erstandenes: der Liebes=, Dank= und Ehrentag für die Mutter. Die Nachkriegszeit hat es gebracht als ein Dank= und Opferfest, ein Ehrenfest für die Frauen, die so Unsägliches gaben, taten, entbehrten und litten. In vollem Glanze, zu vollem Rechte besteht es nun, allüberall eingeführt,— kein kirchliches, kein Vaterlandsfest, und doch ein mit Kirche und Vaterland aufs tiefste und festeste verwobenes. Mutterschaft, Muttertugenden, Mutterglückseligkeit in neues, helles Licht zu erheben, in einer Zeit, wo viel zersetzende Mächte gegen die heiligen Gesetze der Ehe, der Familie, der Grundfundamente eines glücklichen, gedeihenden Staates am Werk sind,— das ist wohl der tiefste Sinn der neuen, mit so großer Kraft in so kurzer Zeit durchdrungenen Festtagseinrichtung.— Ein Vorbild des nun aus urdeutschem Verlangen und Sehnen heraus erwachsenen deutschen Muttertags hatte schon vier Jahre vor dem Kriege Amerika gegeben. Von A. Jarvis, Philadelphia, angeregt, wurde der Muttertag am zweiten Sonntag des Mai 1910 zum erstenmal in einer Reihe von Städten der Vereinigten Staaten gefeiert. Durch eine allgemeine Proklamation wurde dann im Jahre 1914 dieser Tag zum allgemeinen Festtag, an dem die amerikanische Flagge von allen Regierungs= und Privatgebäuden weht, erhoben.— Bei uns in Deutschland hat vor allem Studiendirektor Rudolf Knauer=Berlin, der schönen Idee des Mutterfestes mit unermüdlicher Kraft und Energie zum Durchbruch verholfen.“ Wie Frieda Schanz möchten auch wir jetzt schon unseren jungen Lesern zurufen: Rüstet zum Muttertag, ehret die Mütter am zweiten Sonntag des Mai, nehmt ihnen die Arbeit ab, schmückt ihr Zimmer mit Blumen! Es scheint uns Pflicht, bei dieser Gelegenheit wieder einmal auf das„Daheim“ hinzuweisen diese Zeitschrift des deutschen Hauses in der jener Geist waltet, der uns auch den Muttertag brachte. Verantwortich: H. Semmelmann, Altena Druck und Verlag: amp A. Santz, Altena. * 8 S# 8 S* Praden4 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 19 Altena, den 8. Mai 1928 Wenn du noch eine Mutter hast, so danke Gott und sei zufrieden Zum Muttertag von Hanna Rittmann. Wundersam klingt uns das Wort: Mutter! Mutter! Unbewußt wird der weinende Säugling ruhig, wenn er die Nähe der Mutter fühlt, ihre Stimme hört, ihre Berührung empfindet. Nichts vermag es zu täuschen, beirren, so innig ist die geheimnisvolle Verbundenheit von Mutter und Kind. Und ist nicht die Mutter Formerin und Führerin zu neuem Leben, Erziehern eines neuen Menschen! Ist nicht die Erziehung der wertvollste Besitz des Lebens? Ruht nicht der schwerste Teil der Erziehung auf der Mutter, nämlich das Beispielgeben! Nur lebendige Liebe erträgt alles Schwere, meistert es im Ertragen... und indem sie es meistert, erzieht sich die Mutter selbst und wird darum zur wirklichen Erzieherin. Frage das Kind nach seiner Mutter, die Antwort an sich ist die Kritik der mütterlichen Wertigkeit! Sie zeugt von Liebe, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Gleichgültigkeit, Verächtlichkeit oder von Trauer. Gleichviel— welche Auffassung sich daraus ergibt, sie ist der Spieges und Gradmesser des Muttertums. Wie anders steht das Kind das ein glückliches Heim besitzt, der Frage nach der Mutter gegenüber, als ein solches aus unzufriedener oder, heute leider so häufigen, zersetzter Familie. Mutter! Welch unendlichen Reichtum umschließt das eine Wort. Ein kleines Mädchen, das schulpflichtig wurde und deren Mutter für die Kinder zur eignen Entlastung ein Fräulein ins Haus nimmt, klagt bei der Nachricht nachdenklich betrübt:„Mutter, nun werden wir gerade so arm wie die anderen Kinder, die ein Fräulein haben.“ Wie tief erfaßt diese Kleine den Begriff„Mutter“. Ein krankes Kind jammert nach der Mutter, ihre Nähe lindert seine Schmerzen, gibt ein wundersames Gefühl der Geborgenheit. Und wenn wir älter werden? Wohin flüchten wir mit unseren Schmerzen und Sorgen? Immer ist die Mutter dem Kinde nötig— immer. So wachsen ihre Pflichten mit dem Alter. Wie viel leichter ist es dem kleinen Kinde, den kleinen Sorgen Helferin werden, als den großen. Da kommen Klippen und Abgründe und nicht jede Mutter vermag der Gefahr zu steuern, nur eins kann Brücke grundsätzlicher, verwirrender und verwirrter Begriffe werden — die Liebe,— Mutterliebe.— Wahre Mutterliebe in ihrer Verbundenheit mit dem Kinde, bleibt ihm Halt in aller Gefahr, bewahrt, behütet es— das Mädchen, den Knaben. Es gibt heute eine scharfe Trennung der Begriffe, auch bei den Frauen, die sich aus nüchtern materiellen oder aus scheinbar ideellen Gründen vom Kinde abwenden, sich damit selbst verleugnen, denn der Verzicht auf Mütterlichkeit bedeutet schlechthin Verzicht auf Voll endung, mehr— auf Krönung des Frauentums. Es gibt Frauen, die Furcht haben, Mutter zu werden, die verschämt an ihrer Eignung zur Mutterschaft zweifeln. Von begründeten Ausnahmen abgesehen, ist es mehr oder weniger krasser Egoismus, der sich hinter scheinbarer Bescheidenheit birgt. Muttersein bedeutet im tiefsten Sinn ein Höchstmaß von Pflichten. Mehr noch, Muttersein heißt Stufenträgerin werden zum Aufbau des Morgen, bedeutet Opfertum. Es gibt nichts in der Welt, das nötiger ist als die Mutter! Das sollten wir bedenken und zu dieser heiligsten Frauenpflicht hinstreben. Diese Erkenntnis sollte uns allen verneinenden Utopien abwegig machen. Muttersein ist mehr als Mutterwerden, die Preisgabe dieses Wissens bedeutet Volksunglück, wie es der Bolschewismus mit seiner Gefolgschaft furchtbaren Kinderelends in Rußland beweist. Unser Idealismus hat Bankrott gemacht, aber der Wille zur Erneuerung umfaßt immer weitere Kreise. Wer die Zukunft bejaht, muß die Mission der Mutter in ihrer ganzen Bedeutung erkennen. Aus diesem Willen heraus hat man der„Mutter“ einen besonderen Tag in Deutschland geweiht. Mahnend, mit leuchtenden Lettern ruft er uns allen zu: Gedenket der Mutter! —42.— Der Schlaf unserer Kinder Von G. Reimer. Schopenhauer hat zwar gesagt,„Schlaf ist halber Blödsinn“, und es gibt Menschen, die diesem Grundsatz huldigen; indessen dürfte wohl die weitaus größte Mehrheit aller Sterblichen den Wert und Nutzen des Schlafes erkannt haben. Vor allem ist der Wert des Schlafes für unsere Kinder nicht zu verkennen In der Inflationszeit, die ja noch mit ihren Schrecken in unser aller Erinnerung ist, haben die Aerzte festgestellt, daß die mangelnde Ernährung, die damals unsere Gesundheit schädigte und sich zumeist an dem Gedeihen unserer Kinder rächte, wesentlich unwirksamer blieb, wenn man ihr ein Mehr an Schlaf entgegenstellte. Man suchte also den Kleinen das was man ihnen an guter Kost versagen mußte durch ein vermehrtes Quantum Schlaf zu ersetzen und— siehe da, man hatte wirklich Erfolg. Daraus erhellt, welch wichtiger Faktor im Leben der Schlaf ist. Demgegenüber darf nicht übersehen werden, daß das Schlafbedürfnis bei den einzelnen Kindern ein recht verschiedenes sein kann. Jede Mutter wird aber ein Urteil darüber haben, wieviel Schlaf ihr Liebling nötig hat und dementsprechend wird sie für das nötige Maß sorgen. Wenn Kinder nicht schlafen wollen, so ist das durchaus kein Beweis, daß sie keinen Schlaf brauchen. Zu wenig Schlaf wird bei ihnen eine Reizbarkeit, eine Nervosität zur Folge haben, die uns eben erkennen läßt, die subjektive Beurteilung seitens des Kindes darf nicht maßgebend sein. Ein Säugling soll des Nachts dreizehn“ Stunden schlafen, außerdem noch über Mittag zwei bis drei Stunden. Mit dem dritten Lebensjahr braucht ein gesundes Kind (es sei hier immer nur von normalen Kindern die Rede), etwa zwölf Nachtstunden, zwei Mittagsstunden. Unter allen Umständen soll man die Kinder bis zum ächten Lebensjahr wenigstens zum Mittagsschlaf zwingen. Dieser Mittagsschlaf ist ungemein stärkend; wo das Kind durchaus nicht zum Schlafen zu bewegen ist(und das ist sehr häufig der Fall), da lasse man es trotzdem„ruhen“, es wird endlich vor Langeweile sich zum Schlaf bequemen und hat man das erst einmal erreicht, dann ist es ein leichtes, diesen Mittagsschlaf beizubehalten. Nach dem zehnten Jahr ist allgemein Mittagsschlaf nicht mehr so nötig; wo das Kind ihn dennoch verlangt, da soll man unter keinen Umständen dem entgegenarbeiten. Ein zehnstündiger Nachtschlaf ist Bedingung, auch mit zehn Jahren. Doch nicht nur die Schlafdauer ist wichtig, sondern anderes auch. Daß der Schlaf vor Mitternacht der gesündeste ist, ist bekannt. Er ist aber auch dann nur gesund, wenn zwischen den Mahlzeiten und Schlaf mindestens eine Stunde verstrichen ist. Ein voller Magen verursacht einen unruhigen Schlaf; desgleichen soll das Lager möglichst ganz flach sein. Kinder gewöhne man am besten sogar daran, ohne Keilkissen zu schlafen. Sofern nicht ein Herzleiden besteht, ist das die gesündeste Lage. Nicht zu warm eingepackt, kein Federunterbett, das unnötig hitzt und dadurch schwächt. Nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen Märchen lesen oder Schularbeiten machen last sen. Am besten ein halbes Stünochen vorher gescherzt oder harmlos geplaudert. Das sehr verbreitete Auf=dem=Bauch=Liegen der Kinder während des Schlafes, das von vielen Aerzten als sehr gesundheitsschädlich hingestellt wird, ist gar nicht so schlimm. Auch Rückenlage kann ungesund sein, wenn nämlich der Körper zusammengekrümmt liegt. Anfang müssen Kinder daran gewöhnt werden, den Körper frei ausgestreckt liegen zu lassen, da die Organe bei dem stundenlangen Verharren in gekrümmter Stellung sich nicht frei entfalten können. Wenn hingegen diese Vorsicht gewahrt wird, schadet auch die Lage auf dem Bauch nichts, ja es gibt sogar Aerzte, die behaupten, es sei noch eine Frage, ob diese Lage nicht die von der Natur gesündere ist, da tatsächlich unendlich viel Kinder sie bevorzugen. Die Arme sollen seitwärts am Körper entlang nicht über den Kopf gehalten werden, da das den Blutkreislouf behindert. Ein Offenhalten des Mundes beim Schlafen veranlasse jede Mutter, Nase und Rachen des Kindes vom Arzt auf Polypen untersuchen zu lassen. Eine gründliche Atmung(und beim Schlafen ist sie ja erwiesenermaßen am intensivsten), ist erste Bedingung für Gedeihen des Kindes, kann aber nur bei freien Luftwegen geschehen. Haben Kinder keinen oder unruhigen, von Träumen beeinträchtigten Schlaf, so ist eine dieser erwähnten Bedingungen unerfüllt geblieben wenn anders es sich eben um ein gesundes Kind handelt. Nur ein tiefer, fester Schlaf kann aber kräftigen und dem Kind willkommen jein. Zuletzt sei noch bemerkt, daß das Schlafen bei offenem Fenster stets zu empfehlen ist. Ist ein Kind nicht daran gewöhnt, so beginne man damit in der warmen Jahreszeit und allmählich; mnatürlich auch nicht während einer Erkältungsperiode. Das Bett darf in diesem Fal. nicht unmittelbar neben dem offenen Fenster stehen, sondern etwas davon entfernt; ebenso ist der geringste Zug zu vermeiden. Hat man Kinder gleich daran gewöhnt, dann schadet auch ein Schlafen bei offnem Fenster im Winter nichts. Ein Abstrampeln des Deckbettes muß in solchem Fall natürlich abgewöhnt worden sein. Gesunder Schlaf, gesunde Nerven, gesunder Organismus überhaupt. Für unsere Kinder in jedem Fall eines der wichtigsten Gesetze, deren Notwendigkeit nicht angezweifelt werden darf. Das erste Warnungszeichen Mitternacht. Tiefes Schweigen herrscht in den weiten Räumen der Fabrik, die am Tage erfüllt sind vom Stampfen der gewaltigen Maschinen, von den Zurufen der Arbeiter, vom Kommen und Gehen des Personals. In Begleitung einer scharf dressierten Dogge durchschreitet der Wächter langsam das gesamte Gebäude. Seine Sinne sind geschärft, um das geringste Geräusch, alles Unvorhergesehene wahrzunehmen. Plötzlich glaubt er einen leichten Brandgeruch zu spüren. Ohne Untersuschungen auf eigne Faust anzustellen, durch die vielleicht kostbare Minuten verlorengehen könnten, setzt er das Alarmwerk in Bewegung. Es dauert nicht lange, und Hilfe ist zur Stelle. Man untersucht und findet, daß der erprobte Wächter sich nicht getäuscht hat. Im Keller ist ein Haufen Lumpen in Brand geraten. Noch ist der Schaden gering. Einem sofort herbeigeholten Löschzug der Feuerwehr gelingt es, den Brandherd auf einen Raum zu beschränken und das Feuer zu löschen, ehe es sich weiter ausbreiten konnte. Der Aufmerksamkeit und Entschlußkraft des Wächters ist es zu danken, daß die Fabrik vor großem Schaden, ja vielleicht von Schlimmerem bewahrt geblieben ist. Hieße es die Stellung der Frau im Haus, und in der Familie unterschätzen, wenn man sie mit der eines Wächters vergleichen würde? Ge * * * 8—.— S O " 0.— E 9— — 2.2.— — R. S G5 5 8. 85 9825 5EPS 8 8 225EE SoEes 00 S 2 5 SEBOGESE — 'GSEURSS CE 9S5 S8SxSSSUSESSSS „SEEDSSE 5 FEARGL ZTOTOTOEROE PSZOFLGEEEOE # g5gr SGxSS5SS *„** 8 *— *. 1.900— ER BPEs *• — S S 40 E „PFTEUTZGL DEGEURUTTDTAER“ SO BSLADESRSOSEAE S. *— *6 S 22 89 53 8 9# .— 50 S 55 69D 6 . 5 S 85 S B EEE * 2 · e S. S 65 RHEE Mamm Ollne Ellereuent Skizze von Oleg Berting Paul, mir graut geradezu vor dir!“ sagte Risa mit leichtem Erschauern.„Warum?“ erkundigte sich Paul, dem angesichts dieser Frage scheinbar bedeutend mehr graute als seiner Gattin.„Weil du so eifersüchtig bist!“„Ich? Erlaube mal...“ „Ja— du!— Ich weiß, wie du dich beherrschen, dich verstellen kannst. Aber ich bin eine sensible Frau, ich fühle deine Eifersucht ich sehe förmlich, wie sie sich so unheimlich still immer tiefer in dich hineinfrißt, und ich fürchte mich)“ „Aber Risa, das ist doch reinster Unsinn.“ „Es ist kein Unsinn! Gestern der Blick in der Theaterloge, als mir Doktor Becker etwas eifriger als gewöhnlich den Hof machte!— So blicken Mörder.“„Risa!— Kind, sei doch.. „Laß nur, laß, du täuschest mich nicht. Ich weiß du dist zu stolz, um deine Liebe und deine Eifersucht zu zeigen, aber ich fühle das Unglück nahen, obgleich ich unschuldig bin, dich nie betrogen habe, ich schwöre es dir.“ „Sei doch vernünftig, Risa! Gewiß liebe ich dich, sehr sogar, aber...“„Sieh. du gibst sogar zu, daß du mich liebst, sehr liebst. Also bist du auch sehr eifersüchtig. Das gehört nun einmal zusammen, sagt meine Freundin Li. O Himmel! Eine furchtbare Krankheit ist deine Eifersucht, und ich werde ihre entsetzlichen Folgen tragen müssen!" Der Fähigkeit zu jeder weiteren Widerrede völlig beraubt, sank, Paul in den Sessel zurück, „Es war ein Irrtum. Natürlich, ein Mann, der so viel arbeiten muß, kann sich seiner Frau nicht in dem Maße widmen, wie mir lieb wäre. Doch jetzt bin ich mir vollkommen darüber klar: seine durch Arbeit und Sorgen zurück gedrängten Gefühle komprimieren sich bei ihm im Reich des Unbewußten zur negativen Erscheinung einer tiefen, krankhaften Eifersucht. Jawohl!“„Diese Wahrheit stamm! wohl von Doktor Becker?“„Allerdings. Der Blick, den Paul uns gestern zuwarf, als Dokser lauschiger, palmengeschützter Winkel. Doktor Becker küßte hingerissen Irau Risas Hände, hinauf bis zum Ellenbogen und höher. Plotzlich erblaßte Risa.— Paul stand vor ihnen!... Angstvoll suchte sie in seinen Zügen ihr Schicksal zu lesen, aber nichts verriet die furchtbare Aufregung, die in ihm toben mizte. „Herr Doktor“, sagte Paul in eiskaltem Ton, der Risa mit spitzen Krallen ans Herz griff, zehn und „ich bitte Sie, mich morgen zwischen zehn und tor Becker mir den Hof machte, hat mir den eis in meinem Büro aufzusuchen, ich habe etwas Seelenzustand meines Mannes geoffenbart. mit ihnen zu besprechen.“„Gewiß, ich komme“, Heute sagte ich Paul seine Eifersucht auf den Kopf zu und erklärte ihm, er könne sogar zum Mörder werden; da schwieg er und verbarg sich hinter seiner Zeitung, von der Wahrheit meiner Worte erdrückt.“ „Am besten wäre es, du brächtest seine Eifersucht zum Explodieren.“„Um des Himmels willen!“„Es wird schon so schlimm nicht sein. und dann ist es vorbei. So etwas reinigt die Luft.“„Und wenn das an der Oeffentlichkeit ge.chieht! Bedenke doch— unsere Stellung, der Skandal!“ „Ach was— heute lebt man schnell. In einer Woche ist alles vergessen. Außerdem wäre das in unserer lieb= und leidenschaftslosen Zeit eine vorzügliche Reklame für euch beide. Eirmai echte Leidenschaft. Ein wirklicher Othello im Frack! Wie man dich beneiden würde! Wie rikant das wäre!“„Hm— ja— ich müßte wirklich versuchen... Jawohl, biegen oder sel zurug, wirklich versuchen... Jawohl, biegen oder zündete sich die erloschene Iigzalte wieder an brechen!— Ich halte diesen Zustand wirkuck und vertiefte sich schweigend in den Börsenbe=,nicht länger aus. Mag er mich töten.“„Quatsch richt der Nachmittagszeitung.— Mit leichtem.— Noch eine Tasse Kaffee?“„Bitte! Und, sag Frösteln zog Risa den Seidenschal fester um mal kann ich nicht das Rezept für diese Torte didie Schuttern und verließ das Zimmer. „Es ist furchtbar“, seufzte Risa.„Was ist furchtbar?" fragte Li.„Pauls Eifersucht.“ „Pauls Eifersucht?— Ich habe nie bemerkt, daß Paul eifersüchtig ist. Außerdem klagtest du doch früher geradezu über Mangel an Leidenschaft von seiner Seite. Wie reimt sich das?“ „1ch eine Lasse Russcer„Hnlef,undg sag nur, nunn ich Nicht das Regept für biese haben, sie ist ausgezeichnet?“„Gewiß, nachher schreibe ich es dir auf.“„Wie findest du übrigens die Ausstellung von Frühjahrshüten bei...“ * Einer der letzten Bälle des Winters wogte einm hundertfarbigen Meer gleich über das glatte Parkett und verior sich im stillen Wassagte Doktor Becker fachlich. Wie wunderbar er sich beherrscht. Beide sich beherrschen, dachte Risa, und es tat ihr fast leid, daß der Othello doch nicht zum Vorschein kam.„Und nun, R'sa, denke ich, wir verabschieden uns, es ist schon bald zwei Uhr.“ * Mehr tot als lebendig saß Risa neben dem beharrlich schweigenden Paul im Auto, und graßliche Phantasien von amerikanischen Duelten und ähnlichem Unheil plagten sie. Zu Hause fragte Paul:„Weißt du auch, warum ich Doktor Becker ins Büro bat?" Jetzt mußte es kommen!—„Ich weiß“, sagte Risa tonlos, einer Ohnmacht nahe.„Dac glaube ich kaum", sagte Paul lächelnd.— O, dieses ködliche Lächeln! dachte Risa.„Ich habe nämlich ein vorzügliches Geschäft gemacht, wir können jetzt für sechs Wochen an die Riviera verreisen. Aber es läuft noch ein Prozeß, eine ziemlich sichere Sache. Nun, der Doktor Becker ist ein junger, tüchtiger Rechtsanwalt, da will ich ihm die Sache inzwischen übergeben..“„Du lugst!— Das ist alles Komödie!“, schrie Flau Risa hysterisch,„Du hast gesehen, wie er—“ „sein Schnurrbärtchen an deinen Armen putzte. Meinst du dieses unschuldige Vergnügen?“ Frau Risa hatte den Glauben an die Eifersucht ihres Gatten gänzlich verloren. Aber die Rivierareise zeigte ihr, daß Liebe auch ohne Eifersucht möglich ist. hört es nicht auch zum Pflichtenkreis der neuzeitlichen, ihrer Aufgabe bewußten, Hausfrau über das seelische und körperliche Wohl aller Familienmitglieder zu wachen, jedes kleinste Anzeichen das auf den Beginn eines Leidens schließen lätt, im Auge zu behalten und den „Brandherd einer Krankheit durch sofortiges und sachgemäßes Eingreifen auf einen möglichst kleinen Raum einzudämmen? Es gibt keine Krankheit, die nicht in ihrem Anfangestadium leichter zu behandeln wäre, als im fortgeschrittenen Zustand, kein chronisches Leiden, das sich nicht zuvor durch Warnungszeichen bemerkbar gemacht hätte. Diese zu beobachten, die Folgerung aus ihnen zu ziehen, ist Sache des Familienwächters, der Sausfron.„, u. Lu, Salil. 1. Noch vor kurzer Zeit ist oer watte leichtfüßig die Stufen zu seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung hinaufgesprungen. Jetzt muß er auf jedem Treppenabsatz stehenbleiben, wei! das Herz hart gegen die Rippen schlagt. Eine Alterserscheinung bei dem kräftigen Vierzigjährigen? Man zieht den Arzt zu Rat und ser konstatiert eine leichte Herzverfettung, die jetzt im Anfangsstadium durch Diät und sachge maße Lebensweise verhältnismäßig leicht zu deheben!t,„ 9749#lact aher###f Der Soyn, Gymaafast, klagr über opf schmerzen. Sämtliche Körperorgane scheinen in Ordnung. Vielleich: Ueberarbeitung? Dube kernt der Junge spielend, wie er selbst zugibt. Also doch eine Ausrede für Nachlassen in der Schulleistungen? In diesem Fall wohl nicht Die Augen sind überanstrengt worden. Eine vom Arzt vorgeschriebene Brille, die vorläufig nur beim Lesen getragen zu werden braucht schützt vor Verschlimmerung des Zustandes, der in späteren Jahren zu Schwachsichtigkeit oder vielleicht noch Schlimmerem hätte führen kön„Ich will nach Haus, Mutter. quält die Achtjährige beim Geburtstagsfest. Sonst ist sie die Lustigste. Die Anführerin bei allen Streichen. Heute sitzt sie müde an der Seite der Mutter. Die Schckolade, ihre Lieblingsspeise, hat sie nicht angerührt, den Teller mit dem Kuchen fortgeschoben.„Schiecte Laune hat das kleine Fräulein“ neckt der Onkel, ein Junggeselle. Die Mutter aber weiß es besser: ein gesunors Kind ist nie schlechter Laune. So äußert sich der Beginn einer Kinderkrankheit. Man fährt direkt vom Fest zum Arzt. der wirft einen Blick auf die Kleine, deren Augen glänzen und dekeine Angst. In diesem Anfangsstadium wirkt eine Spritze Wunder. Nach drei Tagen ist die Kleine fieberfrei, die fürchterlichen Erstickungsanfälle sind überhaupt nicht eingetreten. Deutlicher beinahe als alle andern Organe signalisieren die Zähne eine Erkrankung, und doch wird gerade ihr Warnungsruf am allerhäufigsten überhört. Wieviel Wurzelhautentzündungen, wieviel Vereiterungen, Lockerungen des ganzen Gebisses verhindert werden könnten, wenn der Patient beim ersten leichten warnenden Schmerz sich einer Behandlung unterzogen hätte, davon weiß jeder Zahnarz: zu erzählen.„Es gibt keine schlechten Zähne, er gibt nur vernachlässigte“. Vielleicht mag dieser Ausspruch eines bekannten Fachmannes übertrieben sein, soviel steht jedoch fest, daß frühzeitige Zahnlosigkeit fast stets auf eignes Verschulden zurückzuführen ist, oder auf die mangelnde Sorgfalt derjenigen, der die Aufgabe obliebt, den Gefundheitszustand der Ihrigen zu beobachten und zu bewachen— der Frau und Mutter. H. L. Sprechende Fenster Von Gret Mertens, Köln. Sprechende Fenster? Gibt es so etwas? Doch! Fenster können— Bände reden. Weniger zu denen drinnen, als zu denen, die— an ihnen vorübergehen. Denen können sie unendlich viel verraten von dem, was sich hinter ihnen verbirgt. Wer viel mit der Stadtbahn oder mit der Straßenbahn fahren muß, er ist am Ende schon einmal— vielleicht nur aus Langeweile— darauf verfallen, die unzähligen Fenster, an denen er vorüberjagte, zu sich sprechen zu lassen. Und oftmals hat er dann wohl geahnt oder gewußt, wie es dahinter in den großen oder winzigen Zimmern, in den armseligen oder eleganten Räumen aussehen mag. Unendlich viel können sie verraten, diese Fenster! Da sind welche, die fesseln unsern Blick, aber iicht durch besondren Schmuck, durch luxuriöse Gardinen oder durch ihren Blumenflor; nichts ist es, als ihre wundetvolle Sauberkeit, ihr Blinken und Blitzen, ihre Reinheit, die uner Wohlgefallen wachruft und uns zuflüstert: Tahinter waltet eine gute, treue Hausfrau, die es ernst mit ihrer Pflicht nimmt. Wie blank und frisch muß es auch drinnen sein, hinter diesen Fenstern, die so appetitAndre sind da, die starren uns in ihrer Nüchternheit entgegen, daß wir am liebsten gleich wieder von ihnen wegschauen möchten. Kahl, unverhüllt, ohne den geringsten Gardinenschmuck, so wie man sie wohl vom„Großreinemachen" oder vom Umzug her kennt. Aber— dieses ihr Aussehen ist nichts Vorübergehendes, sondern— sie kennen kein andres. Sie sind verdammt, immer ihre fast wehtuende Nüchternheit preiszugeben. Wir sehen genauer hin, richtig, dahinter arbeitet es. Ein Schneidergtelier, eine Bürostube oder Aehnliches tut sich dahinter auf. Jedenfalls etwas ganz Alltägliches; so alltäglich, so nüchtern, daß man darüder ganz und gar das letzte bißchen Schönheitssinn vergaß. Um ja jeden Strahl Tageslicht auszunützen, aus solchem überpraktischen Sinn heraus brachte man es fertig. den Vorübergehenden da draußen solch ödes, unfrohes Bild zu bieten. Da sind wieder andre Fenster, nur gut, daß sie uns bald das eben Geschaute vergessen machen. Wie ein Stückchen Sonnenland strahlen sie uns entgegen, warum nur? Weil sie ein wenig oder auch oft recht viel Poesie in sich bergen, einen kleinen oder auch ürwigen Blumenkor, der dovon Kunde gibt, daß die die hinter diesen Fenstern ihr Heim haben, noch Sinn für Schönheit sich bewahrt haben in all dem zermürbenden Einerlei des Tages. Und diese Poesie überstrahlt die Einfachheit oder gar Armut, die sich sonst aus den recht armseligen Gardinenfähnchen verraten würde. Und da wären wir gleich bei den Fenstern, die auch zu uns sprechen, wenn auch auf andre Weise als die eben erwähnten. Was haben wir heute für Pracht in den Gardinen! Was gibt es da für Wunderwerke! Von den hauchzarten, duftigen Bebilden bis zu den schwersten, geradezu prunkvoll wirkenden Stores! Auch sie können reden, können erzählen von der kalten Pracht, die vielleicht auch im Innern jener Räume uns entgegenatmen würde, wenn wir sie beträten, oder sie redeten vielleicht von einem entzükkenden Jungmädelstübchen, das im wahrsten Sinne ein Gedicht zu nennen wäre... Sie vermögen wirklich zu sprechen, alle die Fenster. an denen uns unser Weg vorüberführt, wir müssen sie nur verstehen. Aber weil sie das können, darum sollten wir uns dessen auch stets bewußt sein: sollten uns sagen, schließlich sind unsre Fenster nicht nur für uns selbst da, sondern auch— und das am Ende erst recht— für die andern! Für alle die, die daran vorüberzugehen verurteilt sind. Schließlich stellen sie eine Art Verbindung zwischen uns und der Außenwelt dar, unbewußt, unbeabsichtigt, aber dennoch nicht wegzuleugnen, und darum uns eine Pflicht auferlegend. —.— Das Zahlenverhältnis der Erkrankungen bei Männern und Frauen Von B. Witt. So eigentümlich es klingt, so kann man doch sagen, daß eigentlich die wenigsten Menschen eines naturlichen Todes sterben, insofern, als man das Aushören des Lebens infolge Erlöschens der Körperkräfte(Altersschwäche), als den natürlichen Tod, jede zum Tode führende Krankheit aber als eine gewaltsame und somit unnatürliche Ursache betrachten muß. Gelänge es auch der Wissenschaft, die Ursachen des allmählichen Kräfteverfalles(Absterbens) zu vermindern und so die Spanne des menschlichen Lebens zu verlängern, so würden doch die Krankheiten immer wieder heimtückisch einen Strich durch diese schöne Rechnung machen, um so mehr als sie infolge unserer ganzen Kulturentwicklung immer ausgedehnter Besitz von der Menschheit ergriffen haben. Interessant ist nun, wie sich die Hauptkrankheiten als Todesursache auf die Menschen verteilen, nicht minder aber auch, welches Verhältnis sich den einzelnen Geschlechtern gegenüber ergibt. Wir legen das letzte statistische Ergebnis in Deutschland zugrunde, das insofern ein allgemeines Bild zeigt, als eigentümlicherweise, wie die Statistiken ausweisen, eine bestimmte Norm ohne erhebliche Abweichungen sich Jahr für Jahr wiederholt. Und auch insofern sind solche Statistiken wertvoll, weil sie in diesem Falle einen aufschlußreichen Blick auf das Verhältnis der Lebenskräfte und auch wohl der Lebenshaltung der beiden Geschlechter gewähren. Nehmen wir z. B. die Krankheiten, die mit den Atmungsorganen zusammenhängen. Da ist man im allgemeinen, soweit es die Frauen betrifft, geneigt, die heutige Mode für das Sterben vieler Frauen infolge derartiger Krankheitsursachen verantwortlich zu machen. Es zeigt sich aber, daß der durch die Kleidung angeblich viel besser geschützte Mann doch die überwiegende Zahl bei der Statistik stellt. So starben an Lungenentzündung 30 716 Männer gegenüber 27.567 Frauen, und an sonstigen Erkrankungen der Atmungsorgane 15 328 Männer gegen 12784 Frauen, wogegen allerdings die Jufluenza wieder mehr weibliche Opfer, nämlich 7281 gegen 6673 forderte. Wiederum erliegt der Mann in stärkerem Maße Magenund Darmerkrankungen, was wohl nicht zum mindesten damit zusammenhängt, daß der Mann viel mehr Wert auf Essen und Trinken legt als die Frau. Alfred Lichtwark führte es auf die vielen Pflichtdiners zurück, daß so viele Männer der guten Gesellschaft in einem Alter von 50 bis 60 Jahren sterben. Magen= und Darmkrankheiten forderten 13 699 Opfer männ lichen und 11 003 weiblichen Geschlechts, wenn auch die Krankheiten der übrigen Verdauungsorgane das Bild ein wenig. jedoch unwesentlich, verschieben, denn hier stehen 14522 gegen 15015. Auch der Blinddarm ist für den Mann wesentlich gefährlicher als für die Frau; das Verhältnis der Gestorbenen ist hier 2435 gegen 1728. Ernsthafter sind für die Frau die Krankheiten des Herzens; mit 57.810 Todesfällen aus dieser trsache übertrit sie den Mann(52 159) erheblich; auch der Gehirnschlag fordert mehr Frauen als Männer— 21 652 gegen 19 409—, wahrend Nervenkrankheiten wieder mehr den Mann betreffen(15 897 gegen 13.535). Ziemlch seich bleibt das Verhältnis bei Tuberkulose 27094 bezw. 28 725), wohingegen Krebsleiden rieder auffallend mehr weibliche Opfer forern, nämlich 35 587 gegen nur 27977. Wenn man indessen jeweils das Verhältnis gegeneinnder abwägt, so scheint sich fast in allen Fällen eine größere Lebenskraft und Zähigkeit des weiblichen Geschlechts zu ergeben. Vor allem zeigt sich das schon im ersten Lebensjahr, dem gefährlichsten für den Menschen, sowie daraus, daß viel mehr Frauen als Männer jenes Alter erreichen, wo der Tod als natürlich(Altersschwäche), zu bezeichnen ist. Das erste Lebensahr(Lebensschwäche) forderte 26439 Knaben egen 20013 Mädchen; an Altersschwäche staren dagegen 47·096 Frauen gegen nur 32.630 Männer. Offenbar infolge unserer Kulturentwicklung werden die Kräfe des Mannes rascher aufgerieben, so daß er, oft infolge willkürlicher Mißwirtschaft der Lebenskräfte, leichter einer Krankheit zum Opfer fällt und so den natürlichen Tod, den Tod infolge Altersnicht erreicht. Der verliebte Hafis Nach Strophen des großen Persers Von Hans Bethge. Solange meine Pulse schlagen, Gehör ich Dir. Wenn ich dereinst Begraben bin, werd ich als Staub Vom Grab her wirbeln und den Saum Deines Gewandes küssen, voller Liebe. Wenn mein heißes Herz in tausend Stücke Brechen wird, so wirst Du sehn, Geliebte, Daß ein jedes dieser tausend Stücke Liebt wie tausend unversehrte Herzen! Laß mich in Deinen Locken wühlen, laß mich! Es treibt mich, meine Seele aufzusuchen, Die arme Seele, die sich liebestrunken In diese tiefen, labyrinthischen Gänge, In deiner Locken schöne Nacht verlor. * Ich bin nicht mehr. Ich bin einmal gewesen. In meiner Liebe Flammen ging ich auf, Ein ungeheurer Brand. Die leichte Asche Stob in die Lüfte,— darauf sank sie zärtlich Als kleine Opfergabe Dir zu Füßen. Zertritt sie nicht. Mein Herz pocht noch in ihr. Wieweit die Kulturentwicklung hier ins Gewicht fällt, erkennt man aus entsprechenden statistischen Nachweisen, die ergeben, daß der Tod infolge Altersschwäche in rein agrarischen Ländern den höchsten, in industriellen Gegenden dagegen nur einen geringen, und in Großstädten den geringsten Prozentsatz ausmacht. Mecklenburg zeigt hier das günstigste Bild(nur die kleinen Staaten Strelitz und SchaumburgLippe schneiden noch besser ab); auf 10000 Lebende im Jahr kommen 18,8 männliche und 24,4 weibliche Todesfälle aus Altersschwäche (über 60 Jahre); dann folgen Ostpreußen mit 16,0 bezw. 20,8 und Thüringen mit 15,1 bezw. 20,2. Demgegenüber weist das Rheinland nur 8.3 und 11.0, Westfalen 7,6 und 10,9 auf. Hamburg mit 3,1 bezw. 5,4 und Berlin mit nur 1.8 bezw. 1.,3 zeigen ein auffallend ungünstiges Bild, das die Lebensfeindlichkeit der Großstadt deutlich erkennen läßt, wenn auch die Abwanderung vieler Leute bei Erreichung ihres Lebensabends in kleinere Städte hierbei in Betracht zu ziehen sein dürfte. —.2— Sommerlaunen Von K. Goetz. Sind Sie dahintergekommen, gnädige Frau? — Der Schwerpunkt des federleichten, neuen Sommerkleidchens dreht sich um den— Punkt!— Einen?— Nein, viele, unzählbare: kleine, große, dünne, dicke, helle, dunkle, matte und glänzende. Hier reihenweise, wohlgeordnet, marschieren sie— klein beginnend, doch immer umfangreicher sich ausbreitend und wieder bescheiden endend— exakt auf dem freundlichen Hintergrunde— dort sind sie— in unbeschreiblichem Punktgewimmel, klein od. in buntem Wechsel von groß und klein durcheinanderkugelnd auf leuchtenden Stoffarbenspiegel gesät— der„dernier eri“ der sommerlichen Punktmode.— Lustig ist das?— ohne Zweifel. Hochrote, grellgelbe, tiefschwarze Punkte und wieder Punkte, und manchen, der genauer hinsieht, kann dabei schwindlig vor den Augen werden... Wie wählen Sie Ihr Punktkleid, gnädige Frau!— Wie,— es dreht sich um den dunklen Punkt in Ihrem Portefeuille?— Ist das nötig?— Drei Meter oder eine Kleinigkeit mehr von diesem herrlichen Stoff. eine geschickte Hand, die dem bißchen Phantasie zu dienen weiß, und— wenn es sein muß— nach dem letzten Schick ein paar Streifen Uni=Stoff dazu— das ist alles! Aber noch besser; greifen Sie doch zu dem entzückenden Glasbatist, der der teuren Seide erheblich Konkurrenz macht und dabei als vornehmes, sommerliches Material gilt— so ist auch diesem„Punkt“ geholfen. Nehmen Sie ein glockiges, bewegtes Röckchen, vielleicht auch ein solches mit einseitigem Schürzenteil, welcher bis zum Ausschnitt sich fortsetzt und einseitig in geknoteten Bändern auf der Schulter kokett endet. Irgendeine Schleife, irgendwo— sei sie groß oder klein — ist wichtig zu nehmen an diesem Punktkleid. Lassen Sie sich raten: zerschneiden Sie den Stoff so oft es angeht und setzen Sie die runden oder eckigen Stofflinien wieder aneinander; es wird auf alle Fälle chie. Das schnitteil in Hufeisenform ansetzen, dessen schmale Enden im rückwärtigen Stoffteil verlaufen! Auch seitliche, lose Boleroteile, die die vordere Stoffmitte hervorheben, sehen gut aus. Ziehen Sie Kombination mit dem Unstreifen vor, so geben Sie dem Saum einen solchen.— eine Uni=Schulterschleife und einen Uni=Gürtel, der vielleicht vorn der dem Verschluß in Jettschnalle schräg aufsteigt. Sehr fesch ist auch ein separut georbeiteter Uni=Schal mit Punktblende zu dem betreffenden Kleide, oder ein angearbeiteter Halsschal oder ein Schultercape, doppelseitig, uni und gepunktet, ist neueste Mode. Die gepunkteten oder getupften Kleider verschmähen ja jeden weiteren Aufputz, sie wollen durch ein wenig kunstgerechte Insichverarbeitung der Stoffidee wirken. Wie fein uns dabei die großen Schleifen zu Hilfe kommen, nicht wahr? Aus dem gleichen Stoff rückwärts oder seitlich— oftmals tiefer angebracht und mit ihren Bändern über den Saum hängend, oftmals gigantisch zu Riesenschleifen drapiect, ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich und verlangen dafür auch etwas: Grazie, gnädige Frau! Dazu unbedingte Schlankheit außerdem am Stilkleide, zu dem sie ja eigentlich geschaffen maren. Wie reizvoll umhüllt auch#o ein einfarbiges, helles Glasbatiststilkleid mit dunkler, großer Schmetterlingsschleife eine schlanke Gestalt! Mit ihren zipfligen Volantröcken,— wenn das Drum und Dran dazugegeben ist, wirken diese Roben ganz bildhaft und bemerken Sie, bitte, daß die Schleife nun sogar oft über dem Taillenansatz getragen wird„ 8 Mn Das Drum und Branr Ja, vas gioi es freilich überall. Zum Punktkleide sah ich ganz hokette Samtjäckchen, uni natürlich, dem Schnitt des Kleides„übergeschnitten“, so beispielsweise das mittlere Punktfeld an der Bluse sichtbar lassend und darunter die Jackenteile mittels einer Schleife zusammenführend. Ueberhaupt die Jacken, oder vielmehr Jächchen in diesem Jahr! Jedes Seidencreppkleid will ja eine Ergänzung— letzthin in„Tailor made“.— Sogar zu den leichten Chantungkleidern gehört das farbig abgestimmte lose Ueberziehsäckchen; und die— Westen! Aber führt das nicht zu weit? Lassen wir es heute beim Kleide. Und eins noch. Auch Ihren hellen Sommermantel, den einfarbigen, können Sie„gepunktet“ füttern— auf Revers und Kragen übergreifend. Es sieht nicht einmal schlecht aus. Weichen Hut Sie zum Punktkleide tragen, gnädige Frau? Uni natürlich,— helles Stroh oder auch dunkles— je nach dem! Wieviel Hüte Sie dann brauchen— allein im Sommer? Drei dürften— könnten reichen das helle, federleichte Strohhütchen,— auch Sonnenschützer—, also mit breiterem Rand, für leichteste Sommertoilette, das dunklere „Uni“=Hütchen für gemäßigtere Kleidung, Kostüm, trüberes Wetter usw., das Jahresfilzkäppchen(mit dem Saison=Strohstreifen!) für Reise und mehrere Gelegenheiten, den— Florentiner zum Stilkleide und... ja also— vier,— gewiß, vier im Ganzen! Kinder-Humor Von Josefa Netz. Der Humor des Kindes ist wohl vorhanden, denn Humor ist eine angeborene Gabe. Sie muß sich aber erst entwickeln, muß sich am Leben entfalten, um zur Erkenntnis zu werden. Humor des Kindes aber ist unbewußte Drolligkeit, verbunden mit Empfänglichkeit für den Humor des Erwachsenen. Der sogenannte„Kindermund“ aber ist nur die Auffassung einer unfreiwillig=komischen Aeußerung des Kindes seitens des Erwachsenen. Mein erstes Gedicht„Kinderfragen" entstand nach einem Spaziergang mit Kindern, auf dem sie die drolligsten Fragen, von ihnen natürlich ganz ernst gemeint, an mich gestellt hatten. Einmal sagte ich zu einem Kinde:„Mach doch mal einen Witz.“ Auf diese, gewiß törichte Forderung, sagte das Kind, schnell gefaßt: „Kasperl“. Da es also selbst einen Witz nicht zu machen vermochte, übertrug es ihn auf die konzessionierte Witzfigur, die ihm bekannt war. Mit einem anderen Kind besuchte ich eine Aufführung meines Märchenspiels„Den König drückt der Schuh". Im ersten Akt passierte ein kleines Malheur, indem nämlich eine Ritterrüstung, die den Königsaal schmückte, mit vielem Geprassel hinfiel. Nach Schluß der Vorstellung fragte ich:„Lilly, was hat Dir nun am besten gefallen?"„Wie der Ritter umfiel". Das war für einen Autor gewiß keine erfreuliche Antwort, aber bezeichnend für die Auffassung des Kindes in Bezug auf Humor. Situationskomit wird dem kleineren Kind stets am besten zusagen. 2 guc trchnfper dee war“