Hilfe, ich bin Gartenbesitzei Von Lore Lenz. Allen Ehepaaren, denen im Laufe der Jahre der Geprächsstoff ein bißchen knapp wird, und denen die Natur keinen in Form eines Kindes schenkte oder der Tierschutzverein in Gestal vierbeiniger Hausgenossen vermittelt, sei ein Garten wärmstens empfohlen. Die Frage allein, wohin die Laube kommen soll, und ob sie nur ein Sitz mit was drum herum oder eine Art Sommerhäuschen werden soll, bietet ein abendfüllendes Thema. Je nach Temperament wird der Dialog darüber lustspielhaft heiter dahinplätschern oder mit dramatischen starken Effekten dem Höhepunkt der Uneinigkeit zutreiben, bis###ließlich der Geldbeute! das Schlußwort zu sprechen hat. Licht und Luft sollen auch aus der Laube nicht ausgesperrt sein, nach Süden jedoch schütze eine Wand vor heftiger Sonne,— auch darf es nicht„ziehen", doher müssen mindestens zwei besser noch drei Lattenwände errichtet werden In halher Manneehöhe zieht sich auch an der Vorderseite eine Wand entlang, nur der Eingang bleibt frei— wird aber oberhalb durck ein zierliches Gitterwerk verschont, das auch zu beiden Türseiten sich entlangzieht. Blumenkästen werden an der einen Schmalseite befestigt und ringsherum Feuerbohnen gesteckt; dazwischen säte ich noch rankende Kresse, die der Ostpreuße so hübsch:„Glück über den Zaun“ nennt. Ueberhaupt habe ich meiner Freude an Blumen etwas die Zügel schießen lassen. Auf den Rabatten längs des Mittelweges wird sich. wenn alle Blütenträume reifen, ein wahrer Urwald demnächst in sinnbetörender Farbenfülle darbieten. Leokojen pflanzte ich in lila, weiß und rot. Von Astern, von denen es fünfzig Spielarten geben soll, nahm ich nur die hohe Strahlenaster, die mittelhohe Viktoria und die kleinen Triumphastern, sowie die Zwergkön'gin. Die Astern pflanzte ich jedoch erst an die s meil ich wußte, daß ich sie noch kurz vor der Blüte im September auf ihren eigentlichen Platz verpflonzen kann. Und nun kam die lustige Studentenblume heran, von der Onkel Max zwar behauptet, sie rieche abscheulich, die aber den Vorzug hat, auch mit unserm gerade nicht hochwertigen Boden vorlieb zu nehmen und ein billiger Füller mit ihren orangegelben Blüten zu sein. Die Sorte Tagetes patula wurde in Abständen von 40 Zentimetern gesetzt und kann nun frisch drauf los wuchern. Eine Verwandte der Petunie, die Salpiglossis, wurde ebenfalls ihrer Anspruchslosigkeit und reichen trompeten=förmigen bunten Blüten wegen angepflanzt. Ich möchte doch auch später Schnittbumen haben. Meinetwegen mag sie schon etwas klebrige Stempel haben.(Männer haben immer etwas an den von ihren Frauen gewählten Blumen auszusetzen.)— Gesät habe ick noch: Rittersporn, der als echter Ritter zufrieden ist mit jedem Boden, nur verpflanzen— nein— bitte nicht. Abstand: 10 Zentimeter. Daneben streute ich weitläufig die liebliche, wohl riechende Wicke, die ihre Hochzüchtung durch englische Namen kundtut. Alle 12 Zentimeter ein Körnchen Reseda von der Sorte Mache nicht zu vergessen. Meine Absicht war, dieses Blumenpaterre nach Größen zu stufen, ob sir meinen Wunsch erfüllen, mag die Zukunft zeigen. Mir ist jedenfalls alles Erleben, so oder so — Stufe zur Gartenweisheit. —1•.— Hauswirtschaftliche Plauderei Warum nicht Biersoßen? Vergeblich wird man auf Speisenkarten bei festlichen Anlässen den Vermerk suchen, daß der Ochsenschwanz oder die Zunge in Bier gedünstet worden sind. Wein darf genannt werden, Milch, sofern sie Rahm heißt, macht sich durchaus festlich in Verbindung mit einem Filet oder einer möglichst fremdländisch klingenden Soße. Bier macht sich lieber im trauten Familienkreise einen guten Namen, als ausgezeichnete Grundlage für eine herzhafte, feinsäuerliche Soße. So bewährt es sich bei Sauerbraten, den man in eine Beize von halb Bier, halb Essig legt, wobei der Essig besser nochmals zur Hälfte aus Wasser besteht. Das Bier heißt in Berlin Weißbier, in Potsdam Stangenbier, in Leipzig Gose und der Witz bei der Sache ist nur: es muß obergäriges Bier sein. Zwei in Scheiben geschnittene Zwiebeln, richtige tüchtige Bollen, am besten Lorbeerblätter und Pfefferkörner kann das Fleisch nicht entbehren, das für drei bie vier Tage Aufenthalt in dem Würzbade nimmt. Bald so herum, bald anders zu haWasser ; R a g o u t f l e i s c h v o n W i l d i s t p r e i s w e r t ben. Es wird angeschmort, und statt mit Traun= oder Weißbier getränkt. Gurkenstückcher geben ihre Säure an die Soße ab, so daß die Zitrone, die sonst dieses Amt hat überflüssig ist. Doch ein wenig Zucker und die Hälfte von diesem wenigen aus der Paprikabüchse entnommen, machen das Ragout anrichtereif. Es gibt kaum etwas sanfteres an Geschmack als eine Kalbszunge. Meist wird sie daher menschlichen Gewohnheiten durch scharfe sätze in etwa angepaßt. Es braucht jedock nicht immer Madeira zu sein, Braunbier tuts ebenso gut. Erst muß die Zunge weichgekocht und von ihrer Dickhäuterpelle befreit werden, ehe man sie dem Einfluß des aufhetzenden Bieres preisgibt. Die Kalbshaxe zieht sich sehr zu ihrem Vorteil einen dicken Teigmantel an. Ohne das Fleisch zu zerreißen, lost man den Knochen heraus, kocht die Haxe weich und läßt sie abtropfen. Ein rundlicher Teig aus lauem Weißbier, Mehl, Muskatblüte und Salz hält sich bereit, die zarte Haxe zärtlich einzuhüllen, ehe sie in kochendem Fett kroß und goldbräunlich zu backen hat. Sie schließt sich beim Mittag danr gern an süß=säuerlich gekochten Weißkohl an. Ein solcher Teigmantel steht kleinen Bratwürsten auch garnicht schlecht, die man hüllenlos schon zur Genüge kennt und ein bißchen über hat, im Gegensatz zu andern unverhüllten Erscheinungen, die man Revue passieren läßt. Sobald der Frost über den Rosenkohl gegangen st, hat er die richtige Reise, um eine gute Begleitung zu den Teigwürsten abzugeben. Wie anders sieht der alte ehrliche Schmorbraten aus, wenn er sich des Blergenusses einmal gehörig schuldigmacht. Er wird tüchtig geklopft, mit Salz und Pfeffer bestreut und in den Schmortopf auf einige Scheiben Speck gelegt. Wenn er angebraten ist, werden Zwiebel, eine Mohrrübe, Pfeffer und Lorbeerblatt hinzugefügt. Und nun das Weißbier, das sich mit Wasser vermischt hat, sowie eine halbe Tasse Essig und ein Löffel voll Sirup. Nach zwei bis drei Stunden, kurz vor dem Runden der Soße, findet sich noch eine Tomate oder ein Löffel Tomatenmark in ihr ein, die nun wirklich nicht mehr mit der Rotweinflasche liebäugeln sollte; sie ist auch ohne diese Zutat delikat. Sehr bereitwillig zeigt sich obergäriges Bier unser Suppenrepertoire reichhaltiger zu gestalten. Namentlich kann es alle Brotsuppen, sell und dunkel, sehr vorteilhaft aufmöbeln. Einige alte Brötchen werden mit Rosinen aufgequollen, mit Weißbier aufgegossen und mit Mehl verrundet, das mit Milch angerührt wurde. Zimt und Zitrone sind willkommen. In Schwarzbrotsuppe soll ein Teelöffel Kümmel nicht vergessen werden, und sowohl Nelken als Ingwer, sogar ein wenig Kardamom stehen der wählerischen Köchin zur Verfügung. Mit Sago, mit Mandomin, mit Grieß, immer schmeckt eine Biersuppe, namentlich wenn sie innerlich noch ein Gelbei genommen hat und äußerlich den Eierschnee auflegt, kräftig, und doch mit einem Anklang an die Feinheit einer Weinsuppe. Das merkt man besonders, wenn man seinen Gästen ein Weingelee— aus Weißbier vorsetzt. Jeder wird es für das nehmen, für was es ausgegeben wird. Also Weingelee! Acht Tafeln roter Gelatine wäscht man und löst sie in mehreren Löffeln Weißbier auf. In dem Rest des Bieres(eine Flasche genügt). hat man einem Stück Zitronenschale Zeit gelassen, ihr Aroma abzugeben, und entfernt sie, weil ein Gläschen Rum, ein Viertelpfund Zucker und die Gelatinelösung zusammen in eine ausgespülte Glasschale gegossen werden sollen, wobei ihre Anwesenheit nicht mehr erwünscht ist. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.—— Mit Schlagsahne bedeckt man die Schandtat der Vorspiegelung falscher Tatsachen und bietet liebreich Makronen dazu. Wenn wir nun einmal schon vom Pfad der Wahrheit abgewichen sind, wollen wir ruhig weiter mogeln und unseren Gästen Spiegeleiertörtchen aus— Tortelettes vorsetzen, auf die wir bis zum Rand Schlagsahne gestrichen haben. Das ist das falsche Eiweiß, und das Gelbe spielt eine geschmorte halbe Aprikose so ausgezeichnet, daß wir über die gelungene Täuschung doppelt vergnügt sind— denn das nette Aussehen trügt nicht! A. R. —— Die Pfege unseres Lieblings Der Käfig des Kanarienvogels. Käfig behaglich sein; er muß sich frei darin bewegen können der Käfig muß leicht zu reinigen und mit einer praktischen Futtervorrichtung versehen sein, mit einem Wort, die Wahl eines richtigen Käfigs ist für den Kanarienvogel von allergrößter Wichtigkeit. Vor allem möchte ich vor den——— Turmbauern warnen, die oft als Dekoration des Zimmers gedacht sind, in denen sich aber die Vögel höchst unbehaglich fühlen; Messingkäfige haben wieder den Nachteil, daß sie leicht Grünspan ansetzen, der, wenn das Vögelchen daran pickt, giftig wirkt; bei Holzbauern setzen sich in den Ritzen, die sich immer im Holz finden, Mlben fest. Alle übermäßig verzierten Käfige sind insofern unpraktisch, als das Vögelchen sich leicht an den Verzierungen verletzen kann und die Reinigung des Bauers durch die Verzierung erschwert wird. Für den Einzelvogel ist ein fig. der 30—40 Zentimeter lang und ebenso hoch und etwa 25 Zentimeter tief sein muß, das geeignetste. Das Gitter soll so eng sein, daß der Vogel mit seinem Kopf nicht hindurch kann; die Tür muß gut schließen, damit der gefiederte Sänger uns nicht entwischt. An dem Käfig muß eine Metallsch= blade sein, vor der sich eine Klanne befindet, die verhindert, daß der Vogel beim Herausziehen der Schublade davonfliegt. Die Futter= und Trinkgefäße sollen so beschaffen sein, daß der Vogel das Futter weder herauswerfen noch verunreinigen kann. In die Tür des Käfigs soll man oas Badehäuschen für das Tierchen anhängen können. Die Sitzstangen, von denen man im allgemeinen drei im Käfig anbringt, sollen etwa einen Zentimeter im Durchmesser sein und aus weichem Holz geschnitten werden. Hat unser Mätchen einen gestrichenen Käfig. so muß der Anstrich aus sehr harttrockener Laufarbe bestehen, damit er sie nicht abpicken kann. Unvermeidlich ist es, daß das Vögelchen etwas von dem Futter umherwirft und den Platz, auf dem das Bauer steht, damit verunreinigt; um dies zu verhüten, ist es empfehlenswert, Glasscheiben in den Käfig einzuschieben. Einfache und zweckmäßigste Käfige sind wohl die aus vereinktem Eisendraht; sie können mit heißem Wasser schnell und gründlich gereinigt werden; die besten Käfige dieser Art ind die aus Blechrohr gefertigten, die nirgends scharfe Ecken und Kanten aufweisen, an denen die Vögel sich Schaden tun können. Schön verzierte Glasscheiben oder Vernialungen geben diesen Bauern ein sehr gefälliges Aussehen, sie bilden in dieser Ausstattung eine Zierde für das Zimmer und unserem„Hänschen“, ein behagliches Heim, in dem er sich wohl fühlt. Der kranke Kanarienvogel. Große Betrübnis herrscht in der unser„Hänschen“ frißt nicht, trinkt nicht, sitzt phlegmatisch im Käfig, er ist krank. Wie sollen wir unseren Liebling kurieren?— Das Wichtigste ist die Ausschaltung übler Einflüsse und zwar Zugluft, ungeeignetes Futter, sowie„lle plötzlichen Uebergänge von Pflege und Fütterung. Handelt es sich um einen neuen Vogel, durch den man seinen Bestand vergrößern will, so isoliere man den Neuling mindestens 14 Tage, damit derselbe eine etwa vorhandene Krankheit nicht auf die anderen Vögel überträgt. Das beste Mittel gegen die meisten Krankheiten des Kanarienvogels ist vollkommene Ruhe und ziemlich hohe Wärme; um erstere zu erzielen, muß man den kranken Vogel allein in einen Käfig setzen und große Sorgfalt bei seiner Fütterung anwenden. Bei starkem Durchfall lasse man sofort jedes Grünfutter weg, füge einige Tropfen Choleratinktur ins Trinkwasser und setze dem Futter etwas Mohnsamen zu. Bei Verstopfung gebe man geschälten Hafer und etwas Grünfutter. Wird das Vögelchen zu fett, so setze man ihn auf schmälere Kost, man lasse das Eifutter fort und gebe ihm Grünzeug und Hafer. Während der Mauser muß man die Kanarienvögel ganz besonders kräftig füttern, man reiche ihnen Sepia, von dem man ein Stück durch das Gitter zum Picken steckt und lege Wert auf sehr große Reinlichkeit des Käfigs und seines Bewohners, schütze ihn vor allen Dingen auch vor Zualuft. Ist der Vogel von Ungeziefer befallen, so bestreicht man die Stellen mit verdünntem Glyzerin und bestäubt sie mit Insektenpulver. Den Käfig reinigt man dann sorgfältig mit heißem Sodawasser. Verpflegt und pflegt man den Kanarienvogel sachgemäß, mit Sorgfalt und Verständnis, so kann man die Krankheiten verhüten; unser Liebling wird uns danken und uns durch seinen schönen Gesang erfreuen. Kmp. So wie wir Menschen uns in unserem Heim wohl und gemütlich fühlen wollen, so muß auch unserem gesiederten Hausgenossen sein Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: B. A. Santz. Altena. 2 S 9 E 3 S g22 ### # 5 8 3. 8X R S ö 9.3 * —5 1##. ## g S B7 Sdeß Sän1sns 55 S SaST ####S ch B SESS•OSTS ##B 8 Prader4 0 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 17 Altena, den 24. April 1928 Märchendeutungen Das Verlangen, altes kostbares Sagen= und Märchengut in der Volksseele lebendg zu erhalten, würde in unproduktiver Sehnsucht versanden, wenn man nicht versuchte, jeder Generation die Form zu bieten, die sie annehmbar findet. Es gibt gewiß auch sehr viele, die Märchen u. Sagen in ihrer ursprünglichen Gestalt für unsterblich halten und jede Deutung, jede Erläuterung als ein Vergehen an der Naivität des Aufnehmens empfinden. Es sei nun zur Beruhigung dieser sorgenvollen Gemüter gleich gesagt, daß die Märchen selbst stets unangetastet bleiben müssen, in der Form, wie Grimm und der Volksmund sie uns überliefert haben. Jedoch das Erzählgut auszuwerten als ein Erlebensgut, ist der tiefere Sinn, der dem Märchendeuten zu Grunde liegt. Und auf diese Weise hat die Mutter und jeder feinfühlende Erzieher es in der Hand, die wundervollen Märchen unseres Volkes in den Alltag zu übertragen. Den Kindern wird für gute und schlimme Regungen ein Märchenbeispiel vor die Seele treten können und anspornend oder hindernd nachwirken. Das„Wie“ soll jetzt den kritischen Augen verantwortungsbewußter Mütter unterbreitet werden. Die Märchen: Sterntaler, Frau Holle, Rotkäppchen und Aschenbrödel sind bekannt genug — und dennoch ihrem Seelengehalt nach recht unbekannt. Ebenso wie man behaupten wird, daß es ein Fantasiegebilde sei: das törichte Sternentalerkind, das sich arm schenkt und dennoch reich wird. Dabei haben wir jedes Jahr herrlich Gelegenheit, in der Verschwendungsbereitschaft der Erde das Vorbild des Sternentalerkindes zu erleben. Von der ersten Anemone, den Frühlingsblüten an, die Zeit der glühenden Sommerpracht hindurch, bis zur Ernte der rotwangigen Aepfel, der Nüsse und Birnen schenkt und schenkt die gütige Erde, bis sie von Herbststürmen zerzaust, frierend, nakkend unter dem Himmelsgewölbe steht. Und siehe, ein weiß Linnenhemdchen von schneeigen Flocken breitet der Himmel über das nackte Seelchen, das sich arm geschenkt hat. Und in seinem Schoße sammelt es die Sternentaler, die Samenkörner für künftiges Wachstum in Flur und Feld. Wieder hat es dann den Reichtum, die Fülle, die köstliche Wundergabe, sich arm schenken zu können. Lernt ein besinnliches Kind nicht seine Mutter Erde inniger lieben, wenn es in Märchenform von der Güte hört, von der Seligkeit des Gebens, die heute, in unserer materiellen Wegrichtung etwas ungewöhnliches ist, und fast für Schwäche angesehen wird? Es lassen sich sehr viele Ausblicke auf das reale Leben aus dem Märchen schöpfen. Frau Holle gibt dafür die besten Anhaltspunkte. Wie sich in uns oft zwei Seelen tummeln, und das goldene Herz nur zu oft der schwarzen, mit Pech behafteten Seele erliegt, so hat die lichte, fleißige Tochter der Witwe einen schweren Stand gegen ihre faule, dumpfe Schwester. Die feine empfindliche Seele muß leiden, das Leben wird ihr schwer gemacht, die dickfellige hat es scheinbar sehr viel besser. Doch wenn es zur Prüfung auf Herz und Nieren kommt, dann zeigt sich, daß der goldtreue Mensch, auf den man sich verlassen kann. den Sieg erringt. Pech heftet sich an die Fersen der in selbstgefälliger, eigensüchtiger Triebhaftigkeit verharrenden Pechmarie.„Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige“ ist ein Moltkewort, das in Märchen und Leben sich bewahrheitet. Die Geschichte des Aschenbrödels ist in die Welt der Deutungen übertragen, reich an innerem Geschehen. Als die Mutter aus dem Hause schied, weiß sie, daß sie ihrem Kinde nichts besseres hinterlassen kann. als das innige Vertrauen zu dem guten Geist des väterlichen Heuses. Der gute Geist entflieht, als die Mut=list, hat der Verein Deutscher Evangelischer ter eine Nachfolgerin bekommt. Auf heiteren, rein äußerlichen Lebensgenuß wird das Haus gestellt, und für ein stilles, besinnliches Seelchen ist da kein Raum. Es wird verhöhnt. „Was, so unmodern bist du? Nun, dann sei unser Arbeitstierchen, wenn du so dumm bist!" Da sitzt nun die arme Seele in der Asche. verstoßen von der derben Lebenslust. Scheu flüchtet sie sich zur Erinnerung, dem einzigen Paradies, aus dem kein Mensch vertrieben werden kann. Langsam mahlen Gottes Mühlen, sagt ein altes Sprichwort. Selbst, als Aschenbröde! Unmögliches auferlegt wird, hilft ihr das Vertrauen in die guten Geister, die Muttersegen ihr vermacht hat. Nun helfen alle Fallstricke nicht mehr, die Uebelwollen legt, alle Versuche. dem Aschenbrödel den Königssohn, den wahren innerlichen Seelenadel abspenstig zu machen, versagen, weil in traumhafter Sicherheit das Seelchen tut, was zu seiner völligen Uebermacht über Bosheit und Verleumdung führt. Es tut eben einfach immer das Rechte, nicht wahr? Wie schwer scheint es uns oft das Echte. Rechte zu tun. Wir sind eben nicht mehr gewöhnt, nur der inneren Stimme des Vertrauens zu gehorchen. Wir haben es verlernt, wir selbst zu sein, lassen uns bestimmen durch ansehnliches Aeußeres, schöne Kleider, durch Vorteile, die uns zu winken scheinen, durch schöne Redensarten und alle verwirrenden Einflüsse einer verwirrten Zeit. Darum werden wir, geblendet wie die bösen Schwestern, und zu Tode getanzt von unserer falschen glühenden Lebenssucht, nie ein hohes Ziel reichen. Ja, was machen wir nun mit dem Rotkäppchen? Wer an den Beispielen schürsen gelernt hat, wird unschwer in dem Märchen einen Vergleich finden. Morgens macht sich die Sonne auf den Weg. Ihr Röckchen und ihr Mieder strahlen und glühen, daß einem die Augen übergehen. Sie wandert, wie wir alle ins ungewisse Halbdunkel des Schicksalswaldes, in Wolken; und am Abend schleicht sich die Dunkelheit heran, um uns zu verschlingen. Immer näher, immer näher. Jetzt schnappt der Wolf nach dem Lichtgebilde. Noch leuchtet das Mieder. Jetzt wieder ein Zupacken und nur das rote Käppchen leuchtet glühend purpur auf. — Und nun— verschlang das Dunkel die Sonne.—— Aber es darf sie etwa nicht behalten! Nein! Angetan mit leuchtendem Röckchen und Mieder entsteigt die Sonne dem gefräßigen Maul der Finsternis. Wie oft opfern wir diesem Moloch unsere leuchtend guten, hellen Vorsätze? Wie oft wird das dunkle Böse in uns Herr über gute Regungen? wie gut, wenn ein scharfer Schnitt von außen her unsere Gedanken wieder frei macht! Eine Mahnung oder ein schlechter Ausgang ähnlicher Unternehmungen bei anderen! Heraus mit der Helligkeit, der Freude am Gutsein. Gewiß, wir irren, gehen in Waldestiefen, pflücken spielerisch, zeitvergessen Blumen am Wege, und lassen uns verschlingen von bösen Trieben, aber wenn nur wieder Klarheit in unser Denken und Wollen kommt. so ist alles wieder gut. Ganz wie im Märchen! Daß Dornröschen eine reiche Fülle von Natur ereignissen in das liebliche Märchenbild hüllt, dürfte nach den erzählten Deutungen keinem Zweifel mehr begegnen. Es wird eine Aufgabe der Mütter sein, die Beziehungen zwischen altem Volksempfinden und heutiger realer Welt aufzusuchen und ihren Kindern als eine Bereicherung der Seele zu vermitteln. Evangelium und Frauentum Kundgebung des Vereins Deutscher Evangelischer Lehrerinnen. In der Erkenntnis, daß heute mehr denn je die Frauenfrage die Schicksalsfrage des Volkes Lehrerinnen bei seiner Arbeitstagung in Hamm während der Osterferien sich mit der Frage der Gestaltung des Frauentums vom Standpunkt des biblischen Evangeliums aus auseinandergesetzt. Die erschütternde Tatsache, daß die Verwir. rung der sittlichen Begriffe bis in den Wurzelboden unseres Volkslebens, bis in die Familie aller Stände und Schichten eingedrungen ist, macht es uns zur Gewissenspflicht, von dem ewig gültigen Gotteswort aus Wegweisung zu suchen, wie wir unserer Verantwortung als evangelische Lehrerinnen und als Erzieherinnen des Volkes gerecht werden können. Wir sehen offenen Auges die vielsachen verhängnisvollen Hemmungen, welche durch die Mechanisierung und Intellektualisierung, durch die katastrophale Wirtschaftslage hervorgerufen sind. Doch sind wir der Ueberzeugung, daß die letzten Ursachen der sittlichen Zerrüttung in der Loslösung von den Geboten Gottes und den Kräften des Evangeliums liegen. Nur die Gewissensgebundenheit an Gott und sein Wort kann zur Ueberwindung der Hemmungen, auch der Hemmungen, welche der Gestaltung wayren evangelischen Frauentums entgegenstehen, führen. Darum muß unsere Frauenwelt den Weg zu dieser Gottgebundenheit zurückfinden. So allein kann sie der großen Verantwortung die ihr mit ihrem ausschlaggebenden Einfluß gegeben ist, gerecht werden. Wir brauchen im Wort Gottes gegründete Frauen: Mütter für die Familien, Lehrerinnen für die Schulen, Frauen in Erwerbsberufen, Führerinnen im öffentlichen Leben. Wir brauchen eine Schulung und Erziehung unserer Töchter, die Lebensanschauung und Lebensgestaltung bewußt nach biblischer Weisung richtet und zu einem Leben in reiner Sitte und gesundem, kraftvollem und mütterlichem Frauentum zu führen bestrebt ist. Darum fordern wir für evangelische Kinder die evangelische Schule mit der Bibel. Wir fordern, daß alle Schulen, in denen evangelische Mädchen herangebildet werden, zum mindesten vom Entwicklungsalter an die Gestaltung evangelischen Frauentums in den Vordergrund der Erziehung stellen, es sei in den Oberklassen der Volksschulen, in den Hausfrauen= und Berufsschulen, in den mittleren und höheren Schulen und in den Frauen=, Frauenover= und Werkoberschulen. Da für diese Aufgabe in psychologischer, ethischer und religiöserHinsicht in erster Linie die Frau in Betracht kommt, muß ihr in angemessener Zusammenarbeit mit dem Manne das Uebergewicht des Einflusses eingeräumt werden. Dazu ist auch Ausbildung auf evangelischen pädagogischen Frauenakademien, die dem Ziele„Evangelium und Frauentum" durchaus gerecht werden, unentbehrlich. Wir rufen Elternschaft und Lehrerschaft, Kirche und Staat zum Einsatz aller Kräfte für die Erreichung dieser hohen Ziele zur Umgestaltung unseres Volkslebens auf. Mehr Freiheit den Großstadtkindern Der Lenz ist da! Ueber Nacht hat sich auch das Straßenbild geändert. Ueberall tönen uns Kinderstimmen, Jugendlust, Lachen und Lieder entgegen. Ueberall stockt unser Fuß beim Schreiten— da fliegt uns ein Ball entgegen, dort stolpern wir beinahe über einen„Triesel" und ein— wütender Blick aus Kinderaugen trifft uns:„Wehe“ sagt er.. Dort steigt ein Drachen empor aus der Enge der Straßen, hier müssen wir einen kleinen Umweg machen, um nicht einen sorglos=fröhlichen Kreis spielender Kinder aus allen Himmeln zu reißen. Frühling, Sonne, blauer Himmel, ihr tragt die Schuld an allem! Ihr armen Kinder der Großstadt! Daß man euch eue bescheidenen ** E ETS5gS S 2 SEST SSS5SSS 180 27325 C □ A — A 8. D S Hrs * 5 Feep P SgSpES 559.50 C E GGEDEE * S# Sgge B:S 8 E *7 S 8 9 SS CD 60.— S 84 ** 6 3. S g.ac 0 S 0FE E%8—89. S S S5 SaProst EFUSDSO•OSASTS DOSTTE S OSSG S. 2 #S 8 5875.-55-5|ESEBSSSES SS TSSE n S.S GESSEESSSSBEG: # SESCDSg SC9 B-UERESEEE □ S 855 * S 5. — S SESHS. 3. 3 #. 5 S 8 58 5S Pg L. EESSOS E E B S°g Hocagxme „*" 0 E 8 PPEE .#p. S 5 5— S 85 "* SEn 589. —— ASTFETE• 5 SOUENT S•En S SBLE 8S F 858 9 2 8 80.2* S„„* * S E9 e 8*•" **+ * # — SEi S · S S SEEEETTSSTUES ESRESS E: SS S6. 228 5 8 0 si 6 m 8 S 2 S5S GEESESg = OEEE S S9- TgDESES S 35g 8 * n S 1. B 5 FSHOSS BEERGA BPOaßnE Kragen und Krawatte Skizze von Lissy Roßbach den gesernt und sich gebeiroten zug“ ds der Leinenanzug kühlt! BestimmtjModes Ewig gehst Du in Deinen alten, unim Anfang einer jeden:—.: Sde 7. 3a; Jan ist, als Deine schweren, seidenen Klei= modernen Anzügen! Heute hat jeder fesche, ven sie einer am anderen Alles schan und sise.] A)gz, 335, Frauen verschließt Euch jederlmoderne Kragen spitze, lange Echen. Nur Du benswert. Die Krawatte bewunderte den gra. gaese Die Hauptsache bei Euch istgehst mit Deinen alten, niedtigen Echen weiter in seiner glänzenden, starken Männlichheit Siates phr Euch in glänzende, auffallende herum. Wenn uns noch das Geld sehlen würde und er wieder liebte das Anschmiegsame unds one nleiden köngt. Wenn Ihr dabei auchlzu neuen Anzügen! Dann wolle ich nichts sadie glänzende Schönhoit der Oramateg M, die glänzende Schönheit der Krawatie. Wenn sie zärtlich und wie Schutz suchend die schmalen Arme um seinen Hals legte, dann wollte er ihr seine starke, physische Kraft zeigen und spannte die Muskeln an, daß er fast platzte. Dabei preßte er die Krawatte so fest an sich, daß sie in allen Nähten krachte. Sie fand das entzükkend, wenn auch ihr neues, leichtes, seidenes Kleid Schaden litt. Aber das machte nichts, denn man lebte ja in sehr guten Verhältnissen, und sie konnte sich sehr schnell wieder ein neues Kleid kaufen. Aber als dann die Flitterwochen vorbei waren und sich der erste Sturm ihrer jungen Liebe gelegt hatte, da Nun ja, man ändert sich eben, und auch in jeder Ehe kommen angeblich solche Veränderungen vor. Bei der Krawatte fing es an. Man war noch rücksichtsvoll und zärtlich gegeneinander, aber manchmal ließ sie doch ihre ih. sonst so fest umschlingenden Arme ein wenig lockerer und rückte ein Stückchen von ihm ab. Dann ging es weiter. Mit kleinen, feinen Sticheleien. „Weißt Du, ich finde, Du siehst sehr gut aus in dem beigeseidenen Anzug. Den solltest Du öfter anziehen“, sagte die Krawatte.„Ich muß selbst wissen, was ich anzuziehen habe“, knurrte der Kragen gereizt,„aber ich weiß ja auch, warum der leichte Anzug Dir so sympathisch ist. Damit Du noch mehr von mir fortrücken kannst. Ich finde überhaupt, daß die Frau eng zum Manne gehört und nicht nach dem Grundsatz: Drei Schritte vom Leibe! handelt wie Du“, redete er sich dann immer mehr in Wut. Dann weinte die Krawatte ein bißchen, der Kragen sah ein, daß er zu weit gegangen war. Beide versöhnten sich wieder, und einige Tage war’s gut. Bis Frau Krawatte wieder zu stöhnen begann.„Ich verstehe gar nicht, wie man in einer solchen Mordshitze einen steifleinenen Anzug anziehen mag. Dabei hältst Du mich so fest, daß ich kaum Atem holen kann!"„Ichl umkommt vor Hitze!" „Wenn Du schlecht geiaunt bist, dann lasse bitte Deine Laune nicht an mir aus“, meinte spitzfindig Frau Krawatte.„Man braucht gar nicht erst hinzusehen, man merkt es sofort an Deiner Stimmung, wenn Du den steifleinenen Anzug trägst. Dann tust Du gleich so überlegen und selbstbewußt wie ein Schulmeister, der glaubt, ein dummes Kind vor sich zu haben. Aber mir kannst Du damit nicht imponieren! Außerdem bist Du roh und rücksichtslos geworden. Den ganzen Morgen drückst Du mir schon den Kragenknopf in den Rücken. Aber so seid Ihr Männer, roh und brutal. Und vor der Ehe? Ich hätte das wissen sollen! Du hast mich nie geliebt!“ schloß sie dann schluchzend. Der Kragen war bestürzt. Er redete der nervösen Frau zu, sagte, daß er sie noch immer liebte, daß alles wieder besser werden sollte. Seine geschäftlichen Sorgen und die Hitze und wer weiß, was noch alles, wären an allem schuld. Aber das sollte jetzt wahrhaftig das letzte Zerwürfnis sein. Der Frieden war wieder für kurze Zeit hergestellt. Am nächsten Morgen nahm er sie zärtlich in seine Arme.„Siehst Du, heute gefällst Du mir ausgezeichnet, kleine Frau! Wie entzückend Du bist! Und wie goldig Du in dem neuen Kleid aussiehst! Einfach süß! Jedenfalls ist dieses Kleidchen entschieden vornehmer und eleganter als das blaue mit den roten Tupfen, was Du gestern trugst.“ O weh, da war er in ein Wespennest getreten.„Was, eleganter? Dieser billige Seidensetzen? Da kann man mal wieder sehen, was ein Mann für einen Begriff von Mode hat! Das getupfte, blaue Kleid ist das Modernste, was es jetzt gibt. Merke Dir das! Heute nachmittag ziehe ich es gleich wieder an. Alle finden mich reizend darin! Natürlich, nur der eigene Mann findet es greulich! Du bist wohl eifersüchtig, weil mich alle darin bewundern? Was verstehst Du Trottel überhaupt von gen. Aber nur reine Bequemlichkeit ist es bei Dir! Man muß sich bald schämen, mit Dir ein paar Schritte über die Straße zu gehen!“ „Jetzt ist es aber genug!“ begehrte da der Kragen wütend auf.„Ich habe andere Sorgen als mich um die Mode zu kümmern. Das tust Du ja schon zur Genüge! Wenn ich nicht das Geld verdiente, dann könntest Du nicht so nach der neuesten Mode gekleidet gehen. Und wenn ich Dir zu unmodern geworden bin und Dir so ein junger Modenarr besser gefällt, bitte schön, ich halte Dich nicht!“ Man sprach kein Wort mehr miteinander. Die Ehe hatte einen tiefen Riß bekommen. Am Abend aber war man zu einem Ball geladen. Da mußte man sich dann wieder zusammen zeigen, offiziell, als glücklich=zufriedenes Ehepaar. Arm in Arm.— Ab und zu sah die kleine Frau Krawatte verstohlen zu dem in starker, frischer Männlichkeit erglänzenden Kragen auf. Aber es war sehr warm, und man mußte angestrengt tanzen. Dem Kragen wurde es immer heißer. Er suchte es krampfhaft zu verheimlichen. Aber dann ging's nicht mehr. Der Schweiß drang aus allen Poren, und der Kragen wurde schlapp und weich und knickte zusammen. „Also das ist Deine vielgepriesene männliche Stärke und Widerstandsfähigkeit! Ein Waschlappen bist Du!“ höhnte Frau Krawatte. Sie hatte am Nachmittag schon in einem Geschäft mit einem jungen, feschen, modernen Kragen kokettiert. Das verlieh ihr Halt.„Ich bin jung und lebenslustig, und Du mußt einsehen, daß wir nicht recht zusammen passen. Da trennen wir uns am besten.“ Der Kragen klappte ganz zusammen und verließ mit seiner Frau fluchtartig das Fest. Am nächsten Morgen aber sah man Frau Krawatte am Arm eines jungen modernen Kragens. Der alte Kragen aber vergrub sich in sein Zimmer und ließ sich nicht mehr sehen.— Das ist die Geschichte von der Ehe zwischen Kragen und Krawatte.— Oder?... chen, die ihr euch erobert, noch neiden muß! Daß immer wieder in euren Frohsinn hinein ein böses, liebloses Wort der hastenden, jagenden Großstadt fallen und eure Träume zerstören muß! Ihr stellt so wenig Ansprüche und seid so genügsam, ihr merkt die Enge und den Zwang um euch herum gar nicht, wenn ihr die lachende Sonne und die warme, kosende Lenzlust empfinde!! Nur eines tut euch weh! Wenn man euch beiseite stößt, wenn man euch das letzte bißchen Raum, das euch bleibt, rauben will.—— Seht ihr Großen es denn niemals ein, wie arm unsre Großstadtkinder oft dran sind gegenüber den anderen, die sich tummeln können nach Herzenslust? Seid nicht so lieblos, so hartherzig gegen sie die so wenig Freiheit haben. Habt Verständnis für ihre Sehnsucht, die schon von früh an so gefesselt liegt und bei jedem leisesten Flügelschlage, den sie versucht, ernüchtert zurückweichen muß. Geht ihr auch mal zur Seite, ihr Großen, damit sie zu ihrem Recht kommen ihr vergebt euch damit wirklich nichts! Die Kleinen aber werdens euch danken, und wäre es auch nur mit einem Sonnenblick, der aus ihren glücklichen Kinderaugen strahlt und am Ende in eurem Herzen einen Widerschein zurückläßt. Frühlingsfeier der Musik Von Dipl. mus. Annaliese Weyl= Nissen. „Ich denke dies und denbe das, Ich sehne mich und weiß nicht recht nach was: Halb ist es Lust, halb ist es Klage; Nein Herz, o sage, Was webst du für Erinnerung In golden grüner Zweige Dämmerung?" Mörike, der Dichter, hat da einen Zustand besungen, den wir alle so gut kennen, den heute die Aerzte genau zu ersorschen bemüht sind. Der„Frühlingsrausch" liegt uns im Blut da; wachsende Licht erregt uns, ob wir wollen oder nicht, die rasch steigende Wärme macht und wnegeiom nied doran pofer „mattgefärbte, halbbehagliche Gefühl“, das uns beglückt als sicherster Bote des Sommers. Und es drängt uns, unserem Sehnen einen Ausdruck zu geben, das Herz ist so voll überströmenden Gefühles, die Liebe lockte den Lenz: in unserem Busen barg sie sich tief,— nun lacht sie selig dem Licht! Die große Zeit der Dichter ist da, die Musiker stehen nicht zurück im Preisen der erwachten Natur. Eine gewaltige Zahl köstlicher Volkslieder jubelt über den Frühling. „Der Winter ist vergangen, ich seh des Maien Schein, Ich seh die Blümlein prangen, des ist mein Herz erfreut“ singt man schon seit dem sechzehnten Jahrhundert zu einer entzückenden Melodie. Und seit Jahrhunderten klingt das Lied:„Ich ging durch einen grasgrünen Wald, da hört ich die Vögelein singen; sie sangen so jung, sie sangen so alt, die kleinen Vögelein in dem Wald, die hört ich so gerne wohl singen.“ Weiter noch gehen wir zurück in die deutsche Vergangenheit, zu den Minnesängern, den ritterlichen Spielleuten des Mittelalters. Heinrich von Veldecke sang um 1180: „In des jahres schönen zeiten, Wenn die tage werden lang, Klare Wetter sie begleiten, Und im walde wieder streiten Amseln mit erneutem sang, Liebe botschaft zu bereiten: Gott mag er dann wissen dank, Wer hat rechte minne Sonder gram und ohne wank.“ (Uebertragung von Friedrich Wolters.) Hier und fast überall in allen Jahrhunderten sind innig verbunden Lenz und Liebe; und nur selten wird das Lied von der Lenzesliebe zum Jubelgesang allein, meist enthält es ein wenig Traurigkeit,— und sei es nur ein wenig Wartenmüssen. Volkslieder und Kunstlieder sind sich darin gleich. Hermann Löns singt: „Jetzt kommt der Sommer in das Land, Die Birken werden grün, Ich nehm den Stechen in die Hand, Von dannen will ich zieh'n; Fahr hin, fahr hin Mit deinem falschen Sinn.“ Löns Lieder sind fast schon Volkslieder geworden, man denkt schon oft nicht mehr an den Dichter, wenn man sie singt. Und wer denkt an Hoffmann von Fallersleben, wenn er dessen Frühlingslieder singt:„Nachtigall. Nachtigall, wie sangest du so schön“ oder„Maiglöckchen läutet im Tal“. Urd was liegt schon sehr daran,— die Namenlosigkeit, die sich allmählich entwickelt, ist ja nur ein Beweis, wie innig die Schöpfungen der Dichter in den Besitz des Volkes eingegangen sind; sie haben zusammen mit den Melodien einen namenlosen, aber gerade darum viel dauerhafteren Ruhm geschaffen. So populär wie die Lieder können andere Frühlingsfeiern der Musik nicht werden. Der bezaubernde Lyrismus von Griegs„An den Frühling", von Sindlings„Frühlingsrauschen“ oder Mendelssohns„Frühlingslied"(ein„Lied ohne Worte"), erschließt sich immer nur einem kleineren Kreis. Je künstlerisch wertvoller, um so geringer der Wirkungskreis: aber Straußens „Frühlingsstimmenwalzer“ kennt jeder, er ist hart, hart an der Grenze des Kitsches, der im Frühling wahre Orgien feiern kann,— darum ist der Walzer so bekannt. Uebrigens ist er aber in vielen Einzelheiten ungemein reizvoll, schon wie sich der erste kleine Lauf jubelnd in die Höhe schwingt und oben wie ein Vöglein auf schwankem Ast tiriliert,— schon das ist gleich eine kompositorische Leistung. Und dann die großen Frühlingskompositionen! Vor allem Beethovens Pastoralsymphonie, deren„Szene am Bach“ ein fröhliches, beglükkendes Wettsingen zwischen den Vögeln und dem murmelnden Quell ist, ein Meisterwerk der musikalischen Stimmungsschilderung.. So hervorragend(um ein wenig aus der Schule zu plaudern), daß die Melodie und der Rhyth= mus der plaudernden Quelle von einer Menge anderer Komponisten sagen wir„übernommen" worden sind. Wenn in vollendeter Wiedergabe Beethovens Symphonie gespielt lwird, dann lebt und webt der Wald und die Blumen, die Weiden und Wiesen in köstlichem Zauber,— nicht alles phonographenartig fest=sweilige, schulmeisterliche Klavierstücke waren gehalten, wie in der Szene am Bach, ost sym=es. bolisch mit großer Kunst. Richard Wagners großes Frühlingslied aus der Walküre brauchen wir kaum zu erwähnen es ist eingegangen in den Schatz der deutschen Lieder, der Allgemeingut ist, und überall wird gesungen:„Winterstürme wichen dem Wonnemand“ Sehr wenig leider weiß man von einem anderen Frühlingslied, das uns der bedeutende gegenwärtige Komponist Gerhard von Keußler in dem Vorspiel zu seinem Marienoratorium „Die Mutter“ geschenkt hat; es verherrlicht das Wunder der Empfängnis und Frühlingsgeburt unserer Allmutter Erde: „Welch dunkle Kreise seines Fluges zog langsam um das Haupt des Winters der greise Totenrabe... Nur Schnee und Schnee war unsre Sonne— sie starb dahin! und nie erschaute Wunder füllen unsern Sinn, unsern wolkenweiten Sinn— Silberne Klänge durchschweben das Blau, Harfen und Cymbeln durchrauschen die Luft, und es verjüngt sich in glitzerndem Tau— Keime der Seligkeit bergend— irdischer Moder zu himmlischem Duft.“ Darum:„Die Fenster auf, die Herzen auf!“ der Frühling will herein!. Vom unsterblichen Walzer Von Annie Juliane Richert. Wie entstand doch der Walzer? Zur Zeit, als man noch Drehtänze tanzte oder schritt, war es nicht üblich, sich beim Tanz zu umfassen, und das„unverschämte Ummekuseln“, fand so viele Gegner wie heute der Charleston. Da gab es einen abscheulichen Tanz, der„Langaus“ hieß. Er verlangte, daß der Tänzer die Dame umfaßte und mit möglichst wenig Umdrehungen einen langen Raum durchtanzte. Auf dem Lande sprang man vergnügt im„Ländler“ herum, der aus dem Landel ob der Ems in die umliegenden Bauerschaften gezogen war und in Bayern, Sachsen, in Böhmen den Buben manchen frohen Jauchzer entlockte. Der Ländler bekam in der Bürgerschaft und in den französisch beeinflußten Gesellschaftskreisen ebensowenig Heimatrecht, als später die Allemande, die ein Ländler mit französischem Gehabe war. Trotzdem hielten es ernsthafte Musiker oft für unter ihrer Würde, in der Tanzform zu komponieren. Außer Bach, von dem wir die schönsten Menuetts, Gavotten, Bourrees Giguen, und wie sie alle heißen, haben. Um 1700 konnte ein Organist in Halberstadt noch mit einem gewissen Recht behaupten, daß Tanzmusik gar keine Musik wäre— er meinte damit von den zünftigen Musikern mit großer Allongeperücke nicht anerkannte Musik. Man hat ja auch die Volkslieder lange verachtet. Bis zu Mozarts Zeiten führten die Walzer, die sich aus der Allemande allmählich entwickelt hatten, ein anonymes Dasein. Nur zwei alte Walzermelodien sind uns erhalten geblieben, von denen die eine: Ach, du lieber Augustin, sich nicht mehr als Walzer, sondern als Volkslied aufspielt. Der erste Dreischrittwalzer nahm seinen so stark bekämpften Siegeszug von der Bühne aus. Die Oper„una cosa rara“ von Martin wurde in Wien im Jahre 1787 aufgeführt. Vier schöne Mädchen führten den Tanz, der aus zwei musikalisch ver schiedenen Teilen bestand auf, und nun wollte alle Welt diese neue Art tanzen. Die musikalische Form hatte Beethoven auch schon in seinen deutschen Tänzen, aber mit geringem Schwung, nicht beflügelt von der Leidenschaft zum Tanz, wie Mozart sie hatte, benutzt. Aber der ihm zugeschriebene Sehnsuchtswalzer, der die Augen unserer Urgroßmütter in Zärtlichkeit feucht erschimmern ließ, ist gar nicht von Beethoven, sondern von Franzl Schubert. Ebensowenig hat Weber den„Letzten Gedanken“ für sich in Anspruch zu nehmen, er ist von Reißiger, und war längst nicht sein letzter Gedanke. Es begann nun eine wahre Sucht, Walzer als Klavierstücke zu komponieren. Jeder, der etwas auf sich hielt, komponierte Walzer, und gleich wahre Bandwürmer von Walzer. Da war einer, der wurde im Jahrer. 1808 bei der Eröffnung des Apollosaales in Wien gespielt. Er dauerte eine geschlagene halbe Stunde und war in zwölf Teilen noch jedesmal mit einem Trio, ein Teil sogar mit einem doppelten Trio ausgestattet. Die Walzerketten oder=kränze waren alles andere als vergnüglich, heiter und ½ Da kam 1823 bei Leidersdorf in Wien eine Sammlung von Tänzen heraus, die sich„Karneval“ nannte. Und darin war ein Walzer, der sich unter den andern ausnahm wie ein schimmernder Goldfasan unter gackerndem Hühnervolk. Der war von Franz Schubert. Mit verwegenem Schwung packte er den Rhythmus, ließ aller Lust an der Musik freiesten Lauf. Er hatte den armen Inhalt reich gemacht, die enge Form gesprengt. Vorher war schon ein Fanfarenruf in die lederne Walzergesellschaft gedrungen mit Webers Aufforderung zum Tanz, in der sich der ganze Herzensroman eines züchtigen Mägdleins abspielt. Zum erstenmal wird dem eigentlichen Walzerthema eine spannende beflügelte Einleitung voraufgeschickt. Eine Form, die Zuhörer zu locken und zu fesseln, die Lanner und Strauß später liebevoll ausgesponnen haben. Schubert erschloß uns mit seinen Walzern ein neues musikalisches Paradies. Wiener Zärtlichkeit, heimlichste Sehnsucht, selbst vergessenes Aufjubeln, derbe Lebensfreude, aber auch wehmütiger Schmerz treten in dem Reichtum seiner Walzer zutage. Der Musiker hat höchstes Entzücken in dem Nachempfinden der Harmonieverschiebungen, der reizvollen Klangüberraschungen, und der Laie kann sich dem Zauber der musikalischen Empfindung nicht entziehen. Wie ein holder Klang aus der goldnen Ferne schwebt die Schubertsche Musik zu uns. In unerhörter Fülle, in verschwenderischem Reichtum. Und dabei wissen wir nicht, wie unendlich viele dieser improvisierten, aus der sehnsüchtigen Stimmung beim„Heurigen“ gepflückten Blüten unbeachtet zur Erde geflattert sind, nicht zu Papier gebracht, verklungene — verwehte Schönheit. Durch Schubert kam das neue Moment in die Walzerlinie, die ein Aufstampfen der groben Bauernschuhe gleichsam bedeutet, das Vorschlagen der Bässe mit den beiden nachfolgenden Akkorden— mtata, mtata. Vorher war der Rhythmus nur durch die Melodie angedeutet. Jetzt gewann er Festigkeit und einen gewissen Trotz, sich allen Gewalten gegenüber zu erhalten. Bei Chopins Walzern haben wir das Verlangen, zu träumen, uns ganz in die süße Morbidezza seiner Melodien einspinnen zu lassen Raum und Zeit zu vergessen. Aus seinen Walzern steigt die zartsinnliche Luft der ästhetischen Salons, des eleganten geistsprühenden Paris auf. Die schöne George Sand lauscht hingegeben dem Spiel des Künstlers. Chopin, obwohl Pole v. Geburt u. Pariser seiner Meinung nach, hat saft nur deutsche Lehrer gehabt, und die Tiefe des inneren Erlebens in seiner Musik, die Beherrschung der musikalischen Mittel führt man gern auf diese Vorbildung zurück Die rauschenden Konzertwalzer haben eine kunstvolle Einleitung, und die Themen stehen nicht wie einzelne Gedanken einzeln für sich nach Schubertscher Art, sondern weben ineinander, sie gehören zusammen, und spinnen sich fort, bis am Schluß ein sprühender Tonregen ein Brillantfeuerwerk aufrauscht. Das Finale des Klaviervirtuosen. Für Chopin gilt das Wort von Schumann, daß es Herzwalzer gibt, die uns erbeben lassen in Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, nach verklungenen Welten und Tagen... Ganz eigenwillige Wege hat ein andrer, nun wieder deutscher Musiker für den Walzer gefunden. Max Reger verband seine süddeutsche kindlich=frohe Heiterkeit mit einem ganz außergewöhnlichen Können der Umbiegung eines Themas. Diese aus einem Thema hervorquellenden Varianten erinnern an Zauberei. Bald spielt ein Kind auf der Wiese, bald sehen wir die verschlungenen Gedankenwege des tiefgründigen Gelehrten. Interessante Bässe, überraschende Wendungen, ein Heer von Variationen, eine an Bach gemahnende Durchführung der Idee in allen Stimmen, schillernd in allen Stimmungen, zeigen uns das Gestaltungsvermögen, dieses einen unsrer größten Zauberer der Harmonisierung. Reger hat mit Schubert die architektonische Gliederung der Form geer setzt Thema an Thema zu einem einen bleichenden Einfluß. köstlichen gau. Regersche Walzer sollte jeder Für die Tanentfalt Klavierspieler liebevoll studieren, er tritt in einen Garten der noch manches unerforschte Eckchen voll heiterer Schönheit der Allgemeinheit verborgen gehalten hat. Und wenn wir glauben, daß dem Walzer je das letzte Stündlein schlagen sollte, so wollen wir ein einzig Mal die„Geschichten aus dem Wiener Wald“ oder„An der schönen blauen Donau“, spielen ... und werden es erleben, daß wieder der alte einstmals so mächtige Zauber wirkt.— fast wie einst im goldnen Zeitalter des Walzers. ischen Walzers vermochte einstmals die sozialen Gegensätze besser auszugleichen, als die feurigsten Reden und die glühendsten Gedichte der Weltverbesserer. Seine Melodien veredelten den Tanzboden der Vorstädte mit ihrer hinreißenden, aber immer vornehmen Eingebung, und in den Salons wurde die Tanzweise des Volkes heimisch, die vorher nie Eingang gefunden hatte. Wenn wir heute dem Walzer als Musikform Unsterblichkeit voraussagen, so wird nicht nur die ältere Generation wehmütig in Erinnerung nicken, sondern auch die Jugend wird davon überzeugt sein— wenn in alle musik hinein einmal der wieder„moderne" Walzer von Strauß seine selige Unbekümmertheit und seine tiese, herrliche Schönheit hineinschmeichelt und hineinjubelt. —2— Die Pflege des Klaviers Ein Klavier ist ein Wertobjekt in doppelter Hinsicht. Sein hoher Anschaffungspreis und die Familientradition, die gewöhnlich mit ihm verbunden ist, erfordern eine sorgsame Pflege, heute um so mehr, weil eine Neuanschaffung in vielen Fällen ganz ausgeschlossen ist. Die sachgemäße Behandlung hat nicht nur zur Folge eine langere Haltbarkeit des Materials, sondern auch eine längere Erhaltung seines Wohlklanges, gibt also auch eine Bereicherung für das ästhetische Empfinden. Wo soll ein Klavier stehen? Stets an einer Innenwand, aber weder nahe am Ofen, noch dicht am Fenster. Ofen= und Fensternähe bringen starke Temperaturschwankungen mit sich, und an einer Außenwand wird das Klavier sehr leicht feucht. Muß ein Klavier an einer Außenwand stehen, dann soll zum mindesten die Wand bis zu seiner ganzen Höhe mit einem. dichten Stoff bekleidet werden. Konstante Kälte, also z. B. der Aufenthalt in einem im Winter ungeheizten Zimmer schadet einem Klavier nicht. Es ist aber sehr gefährlich, einen solchen Raum plötzlich zu heizen. Die Erwärmung darf nur langsam vorgenommen werden, zuerst muß öfter gelüftet werden. Auch der Deckel des Klaviers muß offen gehalten werden; es empfiehlt sich, ihn auch immer während des Spiels etwas offen zu halten wegen angenehmerer Gestaltung des Tones. Leider findet man in manchen Familien recht ungestimmte Klaviere, da es für den Dilettanten nicht immer leicht festzustellen ist, wann der Klang unrein ist. Halte man sich daran, jeweils im Frühjahr und im von einem guten Fachmann, nicht von einem wandernden Stimmer, stimmen zu lassen, und zwar im Frühjahr einige Wochen nach Beendigung des Heizens und im Herbst einige Wochen nach dessen Beginn. Jegliche Eigenreparatur ist gefährlich, Rost, abkratzen, Saiten aufziehen, Hammerköpfe abfeilen, an liegenbleibenden Tasten herumdobtern muß unbedingt unterlassen werden. Es ist zwar möglich, daß man den momentanen Schaden behebt, aber sicher nicht für die Dauer und die später doch nötig werdende Reparatur durch den Fachmann ist dann doppelt teuer. Selbst behandeln darf man nur Holz und Tasten. Das Holz wird nicht mit einem Tuch abgewischt, da ein Tuch die— äußerst scharfen — Staubteilchen in die Politur drücken würde, sondern der Staub wird lediglich leicht abgewedelt. Decken gehören nicht aufs Klavier, da sie Staubfänger sind und mit ihrem Gewicht die Staubkörnchen in die Politur hineindrücken. Das Aufpolieren des Holzes überlasse man dem Fachmann. Die Pflege der Tasten geschieht nicht mit irgend einem Politurwasser, sondern höchstens, wenn die Tasten sehr schmutzig sind, mit Spiritus. Im allgemeinen genügt ein trockenes Tuch. Das Gelbwerden der Tasten läßt sich nicht ganz vermeiden. Auch die beiten Elsenbeinauflagen vergilben allmählich. Man kann diesen Prozeß aber hinauszögern, indem man den Deckel der Klaviatur recht viel offen stehen läßt; im Gegensatz zu der weit verbreiteten umgekehrten Meinung haben Luft und Licht Ivon seliger Lust beschwinot, Bedantische, lang=[Die umschmeichelnde Melodik eines Stmußun sol#########4 unug rs#cte gu Me#### Für die Tonentfaltung sind alle großen schwer gerahmten Bilder, Wandteppiche und Polstermöbel in der Nähe des Instrumentes gefährlich. Untersätze unter den Füßen schaden dagegen nicht, sie empfehlen sich sogar zur Schonung des Fußbodens und des Teppichs. Das sind alles Punkte, die bei der Behandlung des Klaviers zzu berücksichtigen sind. Es ist also kein Kunststück, sein Klavier zu pflegen; und es ist sehr erfreulich, daß man mit so geringen Mitteln den schönen Erfolg erzielen kann, das Leben seines Klaviers mindestens. um sehn Jahre zu verlägorrn.##### n wrchigrtn##