lichkeit uderprüft werden, denn in unserem Volk dari sich nicht eine größere Anzahi Siudierender nutzlos ein vier=, fünf= und noch mehrjähriges Siudium gestatten. Die ak#be mischen Berufe sind fast alle überfüllt und bie ten wenig auswertbare Aussichten, gle chviel ob es der Lehrberuf(außer Mathemarikern und Neusprachlern), der juristische, forstwissenschaftliche, medizinische, volkswirtschaftliche Beruf ist.— oder die höhere Leamtenkarriere — alle sind ausnahmslos überfüllt, das gilt nicht nur für unsere Söhne, sondern auch für unsere Töchter. Vielmehr dieten die praktischen Berufe de individueller Eignung und dem nötigen Fle ß noch Vorwärtskommen. Ueber die verschiedenartige Auswahl der Berufsarten gibt die einschlägige Literatur oder die Berufsämter genauere Auskunft, im engen Rahmen lassen sich hier nur kurze Hinweise geben. Noch eins. Bei der fortschreitenden Entwicklung der Wirtschaftslage sollten die Mütter den Töchtern wieder mehr zu fraulichen Berufen raten, die eine schnellere Erwerbsmöglichkeit bieten und an sich aussichtsvoller sind, weil die starke Konkurrenz des Mannes als Mitbewerber fehlt. Wen'ger aussichtsreich ist heute der kaufmännische Beruf, hier macht sich das Sinken des prozentualen Frauenanteils in fallender Konjunktur sehr schnell bemerkbar. Für die Eltern heißt es mit offenen Augen Zukunftsmöglichkeiten und Berufseignung des Kindes sorgfältig zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen, die durch keine persönliche Eitelkeit(wie es bei dem akademischen Studium häufig ist) beeinflußt wird. Nur die tatsächliche Eignung und Ausschöpfungsmöglichkeit darf bei der wichtigen Entscheidung ausschlaggebend sein. Von Frauengebieten, die ein berufliches Vorwärtskommen ohne akademisches Studium ermöglichen, seien genannt: Kunstgewerbe, Frauenhandwerk, Kranken= und Kinderpflege; in der landwirtschaftlichen Kleinarbeit: die Kleintier= und Geflügelzucht— Gutsverwaltung oder Assistenz— Photographie.— Wohlfahrtopflege und neuerdings auch der Polizeidienst(die höhere Karriere bedingt hier allerdigs auch akademisches Studium). Betont sei nochmals, daß Vorstehendes keinesfalls als ausschöpfend betrachtet werden soll, sondern nur kurze Ricktlinien zur Vertiefung in die Froge: was soll mein Kind werden? zeigen Hausfrauentorheiten Von Ilse Steffeno, Leipzig. Wer wüßte nicht den Wert einer„praktischen“ Hausfrau zu würdigen?. Und werden sie nicht immer seltner mit den Jahren?— Es gibt aber auch Hausfrauen, deren praktischer Sinn zu weit geht und sie Torheiten begehen läßt, die endlich einmal gerügt werden müssen. Sitzen mir da kürzlich zwei Damen gegenüber in der Elektrischen, beide beladen mit Markttaschen, die einen ganzen kleinen Gemüsela den enthalten.„Da fällt mir ein, ich hätte ja den Blumenkohl zu morgen garnicht gebraucht, morgen kommt ja die Waschfrau, da mache ich Bohnensuppe....“, sagt die eine.— Die arme Waschfrau! Gewiß, Bohnensuppe ist etwas vollwertiges, äußerst nahrhaftes, wer wollte es bestreiten! Und für eine Schwerarbeiterin, wie eine Waschfrau sie doch zweisellos darstellt, auch geeignete Kost.— Nur— nun ja, diese Bohnensuppe ist so gewissermaßen zur Tradition geworden; in vielen Häusern wenigstens. Sie gehört zum Waschtag, resp. zum Ausbesser tag oder ähnlichen schwerwiegenden Tagen. Wenn nun die Waschfrau am Montag bei Frau Schultze Bohnensuppe, am Mittwoch bei Frau Neumann halt—, diesmal gibt es Erbssuppe — vorgesetzt bekommt(dem lieben Leser wird es ein leichtes sein, bis zum Wochenschluß weiter zu denken), so dürfte das weder die Arbeitsfreudigkeit der Waschfrau erhöhen, noch ihrem Magen zuträglich sein. Dennoch— unzählige Hausfrauen verfahren nach diesem Rezept und bilden sich obendrein auf diese Methode noch etwas ein. Die Schneiderin, die Bohnerfrau oder wer es sein mag, wenn sie erscheinen, so erscheint zugleich auf dem Mittags tisch eins der genannten Gerichte oder— es gibt Kohlrüben. Warum eigentlich? Sind diese Gerichte so besonders billig? Man behauptet es, denn das ist ja der Grund, der man sich freilich nicht eingesteht, daß ein Gericht Bohnensuppe, wenn es nämlich gut kräf## zuberenel ist, das heißt mit reichlich Schinneuresten und nicht nur alle Viertelstunde eine Bohne— daß dieses Gericht durchaus nicht billiger, ja eher teurer sein dürfte, als beispielsweise ein Gulasch. Man vergißt, daß Kohlrüben mit einem guten Stück Schweinebauc nicht billiger sind als z. B. Fleischklopse mit olländ'scher Soße. Indessen— man kocht un entwegt an den ohnehin kritischen Tagen da Erstgenannte. Warum? Ist es bequemer? Kaum.„Hülsenfrüchte kochen sich allein“, höre ich da manche Hausfrau triumphieren.„Gewiß, wenn man sie nämlich recht fest und treu anbrennen läßt!“ Sonst— die andern genannen Gerichte sind nicht zeitraubender. Nein, eien wir ehrlich! Es ist nichts weiter als Ge dankenlosigkeit. Nachmachen einer übernom menen Gewohnheit, alle andern angeführten Gründe wären Selbsttäuschung. Betrachten wir nun einmal vom entgegengesetzten Standpunkt aus die Angelegenhe't. alle diese zeitweisen Aushilfen, ob es nun die Schneiderin, Waschfrau oder wer sonst ist— sie haben intensivere Arbeit zu leisten als jene jesten Hilfskräfte, die wir so gemeinhin in unzerm Hause beschäftigen. Oder— Hand aufs Herz— sehen wir ihnen nicht heftig auf die Finger? Verlangen wir nicht von ihnen, da sie meist stundenweise(immer aber relativ höher als sonstiges Hauspersonal), bezahlt werden, auch dementsprechende Leistungen von ihnen? Drohen wir nicht allzuschnell mit Entlassung, mit einem Wechsel, wenn sie uns enttäuschen? Wenn wir aber mit unsern Forderungen so weit gehen, warum nicht auch mit unsern Gegenleistungen? Wo soll auf der andern Seite Vertrauen und Pflichtfreudigkeit hervorwachsen, wenn wir— menschlich gedacht— so sehr versagen? Ist es also wirklich so„praktisch“, wenn eine Hausfrau diese Methode einschlägt? Niemals! Sie wird sich im Gegenteil selbst schädigen. Man wird dort, wo man mehr Entgegenkommen findet, auch selbst freudiger schaffen. So kommt also für die Hausfrau nichts von Vorteil heraus, wenn sie ihren törichten Standpunkt beibehält. Oder— will jemand behaupten, daß es mit der baren Ent schädigung solcher Hilfskräfte genug ist? Ich möchte dem ein entschiedenes Nein entgegensetzen. Ich habe immer die Erfahrung gemacht, daß gerade das, was man über den ausgemachten Lohn hinaus noch gibt, was man gewisser maßen nicht mit der Hand, aber— ich möchte sagen, mit dem Herzen gibt, daß dieses am meisten von den andern gewertet wird, ja mehr, gewertet nicht nur, sondern— wieder gutgemacht. Wer's nicht glauben will, der mache einen Versuch und er wird sich bald davon überzeugen können, daß überall da, wo er selbst ein persönliches Interesse verriet, wo er sich— menschlich zeigte, ihm auch ein Lohn für ward. —2— Beitrag zur Schönheitspflege Mittel gegen settendes Haar. Zur Vollkommenheit des Aeußeren gehört in erster Linie das wchlgepflegte Haar. Ja es ist sicher, daß der Eindruck eines Gesichtes zu einem großen Teil von der Frifur abhängt. Viele wissen es und Damenfriseure sind selten unbeschäftigt. Andere mit minder großzügigem Geldbeutel versuchen mit eigener Geschicklichkeit die Frisur so vorteilhaft wie möglich herzustellen und bringen es oft zu erstaunlicher Fertigkeit. Ein großes Hindernis ist jedock das allzu rasch fettende Haar. Wer feines, eeiches Haark;; das in der Regel nicht sehr oicht ist, muß sich aus diesem Grunde alle ach Tage der lästigen Kopfwäsc unterziehen. Ab. l##esehen davon, daß das L.##fwaschen immer störend in den Verlauf des Tages eingreift, ist zu h##es Waschen auch schitlich für das Haar. Sprödes und unansehnliches Haar ist soft eine unangenehme Folge davon. Schon nach einigen Tagen dringt das Fett der Kopfhaut wieder durch und verdrängt die bleidsamen natürlichen oder ondulierten Wellen. Als ein sehr wirksames Mittel hat sich der in allen Apotheken käufliche Salicil=Spiritus für Kopseinreibungen gezeigt. Mehrere Tropsen davon werden auf ein kleines Wattebäuschchen gegossen, bis es leicht durchfeuchtet ist. Damit wird nun die Kopfhaut, nachdem das Haar beiseite gekämmt ist, Stelle um Stelle eingerieben und massiert. Der Spiritus ist 2o direkt auf die Kopfhaut zu bringen, damit nichts verloren geht; die Haare werden durck Massage mitentfettet. Natürlich muß das or und nach der Massage gut durchge# werden. Das Haar wird locker und glanzvoll und läßt sich tadellos frisieren. In mitgebrachten Fläschchen erhält man für eine Mark ein Quantum Solicil=Spiritus, das für vier bis fünf Einreibungen ausreicht. Aus dem Engen und Wenten Die letzten frauenlosen Wahlen in Frankreich, Alles deutet darauf hin, daß Frankreich zum letzten Mal vor Wahlen steht, an denen die Frauen noch nicht teilnehmen. Auch die Kammer hat sich für das Frauenwahlrecht ausgesprochen und dem Senat den Antrag vorgelegt die Frauen vorerst zur diesjährigen Gemeindewahl zuzulassen. Der Antrag ist jedoch abermals abgelehnt worden, und eine starke Erbitterung in Frauenkreisen gegen diese als rüßständig bezeichnete Entscheidung ist die Folge. Allgemein, selbst im Senat, ist man er Ansicht, daß die Frauenbewegung im Lande gerade durch diese Ablehnung stark gefördert wird und daß die nächsten Wahlen auch die französischen Frauen endlich an die Urne bringen werden. Ein neuer Frauenberuf Bei der Bedeutung, die die Ernährung im Krankenhausbetrieb wie in den Sanator#en spielt, hat sich der Mangel an genügend vorcebildeten Fachkräften für die Leitung der Diätküchen mehr und mehr bemerkbar gemacht. Aus diesem Grunde hat der Lette=Verein in Berlin einen Lehrgang eingerichtet, der aus einer jährigen theoretischen und einer ½jähr'gen praktischen Ausbildung besteht und dessen Te“nehmerinnen nach beendeter Ausbildung de Befähigung als„Diätküchenleiterinnen“ erholten. Die staatlich genehmigten Kurse geben somit Schwestern Gelegenheit zu einem neuen aussichtsreichen Lebensberuf. —1.— Die Erwerbslosenfürsorge für das junge Mädchen. Zu diesem wichtigen Thema lesen wir im neuen Daheim(64. Jhrg. Nr. 29): Wenn das junge Mädchen, die Haus= oder Büroangestellte im Alter von 15 bis 21 Jahren, ihre Stellung verliert, weil Arbeitseinschränkung ihre Mitarbeit überflüssig machte, wird schon vom dritten Tage nach der Entlassung an für sie gesorgt. Selbstverständlich nicht soweit, daß sie nun jeglicher Sorge enthoben ist, sondern nur, um ihr den Uebergang zu einer neuen Stelle zu ermöglichen. Je nach Lage und Bedürftigkeit werden verschieden gestaffelte Unterstützungssätze gewährt. Von dem Mädchen selbst wird dafür verlangt, daß es sich nachdrücklich um eine Arbeitsstelle bemüht. Wöchentlich zweimal später oft sogar täglich, muß es sich zu diesem Zweck auf dem städtischen Arbeitsnachweis ihres Berufszweiges melden und dort mehrere Stunden anwesend sein. Manchmal läßt der rechte Arbeitsplatz hartnäckig auf sich warten und der Weg zum Nachweis muß oftmals angetreten werden. In den Großstädten hat man sich besonders eingehend der Jugendlichen angenommen. Man hat ihnen Tagesräume mit behaglichen warmen Näumen eingerichtet. Hier kann das junge Mädchen seine freie Zeit verbringen; es kann Kenntnisse im Nähen und Kochen erwerben; es kann ehemalige Schulweisheit wieder hervorholen; es kann sich seine stenographischen Kenntnisse durch Uebung erhalten und verbessern; es kann seinen Appetit am selbstgekochten Mittagsmahl stillen und es darf die aus gelieferten Stoffen hergestellten Wäsche= und Kleidungsstücke als Eigentum behalten. Es hat sich fast überall gezeigt, daß im allgemeinen die Mädchen schneller wieder Arbeit bekommen als die Jungen, vielleicht weil sie oft mit geringeren Löhnen zufrieden sind. Durch die neue Arbeitsbeschaffung für die Mädchen ist der Besuch ihrer Heime einem starken Wechsel unterworfen, oft mit täglichem Zu= und Abgang. Mit dieser Tatsache muß die Heimleitung rechnen bei der Aufstellung ihres Arbeitsplanes, und sie wird für die Mädchen nur kurzfristig abgeschlossene Beschäftigungen wählen, die wohl in einem inneren Zusammenhang stehen, aber dennoch einzeln allen zugängig sind. Vorantwortsich: H Semmelmann, Altena Druck und Verlag: P. A. Santz. Altena. Pradenl Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 16 Altena, den 17. April 1928 Lebenskünstlerinnen Von Annie Juliane Richert. Hübsch muß das sein, wenn man so als Lebeuskünstlerin das ganze verzwickte, verflixte Leben derart verwandeln kann, daß es wie eine Wiese voll Vierklee und Glückspilzen uns vor den lachenden Augen liegt. Aber wie lernt man Lebenskunst? Hat die Ehegattin vielleicht schon ein Zipfelchen davon erwischt, wenn sie den Wunsch des Gatten, allwöchentlich einen Abend fern dem trauten Heim am Skattisch zu begehen, selbstverleugnerisch mit freundlicher, lachender Miene zur Kenntnis nimmt? Und wenn sie es versteht, sich mit einer gewissen Anmut nach der berühmten Decke zu strecken? Gewiß berechtigen diese Anfänge schon zu den schönsten Hoffnungen, aber es sind erst winzige Bausteine zu dem Kunstwerk, das wir aus unserm Leben machen möchten. Es sieht bei jedem anders aus. Und den Baugrund kann man nicht erwerben. Er liegt in dem frohen, leichten Sinn, den Goethe, Fraus Ajas echter Sohn, als den glücklichsten Gewinn tausendfach erfahren hatte. Wenn das heitere Temperament nicht da ist, dann helfen die schönsten Sprüche und goldnen Lebensregeln, die Weisheiten der Philosophen und die tiefgründigsten Vorträge nichts.— Ein tüchtiger, wertvoller, auch ein bedeutender Mensch kann sich ohne diese Gabe der Natur entfalten, ein Lebenskünstler wird er nicht. Aeußere Umstände allein sind nicht maßgebend. Man glaubt immer, daß Frau Aja, die Mutter Goethes, es leicht gehabt habe, eine Lebenskünstlerin zu sein.„Ich bitte Sie! Wohl habend, sorgenlos. eine Mutter von Gottes Gnaden!“. So? Waren die Zeiten nicht durchsetzt von Kontributionen, Requisitionen. Einquartierungen und Durchmärschen? Muß sie als Siebzigjährige nicht noch nach Offenbach fliehen, um der Plünderung zu entgehen?„Fatal und bedenklich“ nennt sie ihre Lage, ohne einen Augenblick verzagt zu sein. Nun, sie hatte auch einen Kavalier, dem sonst der Ruf eines Frauenverschmähers anhängt. Humor hieß er, und ist einer der besten Führer im labyrinthischen Gewirr der Lebenskunst. Leider — wie gesagt— für das weibliche Geschlecht fast noch seltener zur Verfügung, als ihren Gegenspielern in der Komödie des Lebens. Aber wenn er da ist— bleibt er treu; durch dick und dünn seiner Gebieterin zugetan. Nie hätte ohne diesen cavaliere servente Liselotte von der Pfalz die Kraft gehabt, das Leben an der Seite Herzog Philipps von Orleans auszuhaiten. Geschweige noch, sich vergnügt ihr Eckchen Eigendasein zu zimmern. Was kümmerte sie sich darum, ob es jemand paßte oder nicht, sie nahm ihren etwas derb geratenen deutschen Humor beim Schopfe und dachte: „Ihr könnt mir alle im Mondschein begeg nen! Sie konnte bei dieser Behauptung ihres Ichs einen andern Kampfgenossen ebensowenig entbehren als den Humor. Ohne gesunden Egoismus geht's nicht. Und wenn man hervorhebt, daß sie die Dinge oft auf die leichte Achsel nahm und um die Schwierigkeiten einen Bogen machte, wer kann es ihr verübeln. Es war ihre Lebenskunst. Sie hatte, wie der Engländer es rät:„das Beste daraus gemacht", was unter sotanen Umständen daraus zu machen war. Darauf allein kommt es an. Da steigt eine zarte Frauengestalt, von süßem Charme umflossen, vor mir aus ihrem Selbstbildnis. Will die vielseitig begabte Malerin, Frau Vigée Lebrun, daran erinnern, daß sie auch eine Pächterin der Lebenskunst war, als sie vor Ausbruch der Revolution ihr geliebtes Paris fluchtartig in hochbepackter Reisekutsche, Richtung Italien, verließ? Nein, liebe geniale Madame Vigée Lebrun, Sie waren lebensklug, aber zur Lebenskünstlerin brachten Sie es nicht. Sie waren eine viel zu sensible Künstlernatur. Ihre vibrierenden Nerven— Erster Schulgang Zum ersten Mal in seinem jungen Leben Löst heut dein Kind sich still von deiner Hand Beginnet eigne Wege nun zu gehen, Betritt erwartungssroh ein fremdes Land. Du selber leitest es mit stillem Lächeln Zu jener neuen, unbekannten Welt, In der auf seine frohe Kinderseele Zum ersten Mal der Sorge Schatten fällt... Den Garten, drin allein du durftest pflanzen Mit Muttertreue, Mutterlust und=schmerz Mußt fremden Händen du nun anvertrauen, Mit andern teilen deines Kindes Herz! Und immer mehr wird es dir leis entgleiten Das du gehegt mit eifersücht'gem Blick; Wird selber bald nach fremden Händen greisen Und immer seltner schau'n nach dir zurück! Und wenn heut deines Kindes Augen leuchten In seliger Erwartung frohem Glanz— Wird deine dir ein bittres Wissen feuchten: „Von nun gehört mein Kind mir nicht mehr gand Lu Wagener. □. i erinnern Sie sich— waren stets auf der Flucht vor den„echigen spitzen Geräuschen“, die Sie von einer Wohnung zur andern jagten— von Italien über Wien nach dem stillen, von Ihnen sehr bewunderten Berlin— nach Rußland— England— und zurück in die„engen Straßen“ von Paris. Erst spät kommen Sie zur Ruhe, zur schönen Harmonie, der heiteren Gelassen heit der wahren Lebenskünstlerin ließ Ihr fabelhaftes Arbeitsfieber Sie nicht gelangen. Ge statten Sie mir, Sie in Ihren Rahmen zurückzuversetzen. Sie dienten mir freundlich als ein Beispiel, daß schaffende Künstlerinnen es selten verstehen, trotz aller Lebensklugheit eine Künstlerin auf dem holprigen Terrain des Lebens zu werden. Daß dagegen die großen Liebeskünstlerinnen es waren, dafür sprechen genug Tatsachen. Ach, es scheint doch furchtbar schwer, eine Lebenskünstlerin zu werden! Ja, werden ist nicht das richtige Wort! Man ist dazu veranlagt, geboren. Und doch hat Zeiten gegeben, in denen ganze Kreise iese wundervolle tänzerische Kunst verstanden. Denkt man nicht heute voll Wehmut an jene Berliner Salons, in denen sich die glänzendsten Vertreter der romantischen Dichterschule zusammenfanden? Die Schicksale der Frauen, um die ein Reigen von Sang und Klang und lebensfreudiger Schönheit kreiste, waren hineingezogen in den oft stürmischen Wirbel der Romantik. Doch um die Namen Rahel von Varnhagen, Henriette Herz, Frau von Eilenburg, Dorothea Veit, da weht der Er innerungshauch an eine Zeit, in der das Leben köstlich schien—— trotz allem! Weil man es gemeinsam trug. Wenn es zu denken ist, daß ganze Völker das Talent zur Lebenskunst haben, so sind wir geneigt, es den Orientalen zuzusprechen. Es geht aber nicht zu verpflanzen. Ebenso wenig können wir das„Weaner Blut“ der Oesterreicherin sterilisieren, und als heilsame Medizin der schwereren norddeutschen Frau—„bitte 10 Tropfen bei Anfällen von Lebensmißmut" einflößen. Und wie die Oesterreicherinnen es verstehen, den schillernden Schmetterlingsstaub der„Weltfreuden“ in ihr Dasein zu tragen, so waren die Baltinnen in tieferer Auswertung des Levens ebenfalls Künstlerinnen der Lebensgestaltung. Ihre Anpassungsfähigkeit— aha, wieder eine Stufe zur Lebenskunst— war bewundernswert. Deutsches„Wesen, deutsche Kultur gingen in ihnen die glucklichste Verbindung ein, mit der Weiträumigkeit, die Fühien und Denken des Russen auszeichnete. Der Rhythmus ihres Lebens schwang in schönem Gleichmaß zwischen Hausfraulichkeit und geistigem Wirken: fröhliche Unbekümmertheit leuchtete ihren Tagen. Ach, wenn diese goldene Unbeschwertheit auch wieder durch den Rhythmus unsres Daseins känzeln könnte. Mit wieviel Gehalt kann man einen Hausstand gründen? Von Hilde Wernecke, Kassel. Ehe wir diese Frage beantworten, sei vorausgeschickt, daß es in solchem Falle zu allererst darauf ankommt, wie die Betreffenden, um die es sich hier handelt, sich einstellen zum Leben, d. h., welche Ansprüche sie stellen. Der eine kommt mit Nichts aus, ein andrer klagt und stöhnt bei einem Rieseneinkommen. Der eine hält zusammen und das macht ihm zudem noch Freude, der andre verschwendet sich ein, und bildet sich daß er— darbt. Also verallgemeinern läßt sich die Antwort auf die oben gestellte Frage haum. Nehmen wir nun an, es handelt sich um verständige, d. h. in diesem Fall denkende und rechnende Menschen, die nicht mit allzugroßen Illusionen in die Che eingehen, sondern immer den Voden unter den Füßen behalten. Wem es nur darauf ankommt, einen Haus stand zu gründen, aus welchem Grunde, ist hier ganz belanglos, der wird sich fürs erste mit einer ganz bescheidenen Wohnung, mit Stube und Küche begnügen müssen. Die Kalamität der Wohnungsnot kommt ihm da gut zu Hilfe, wenn anders er im geheimen noch etwas gere Sehnsüchte aufkommen fühlt. Das nungsgeld spielt ja nun einmal eine der tigsten Rollen; einmal darum, weil es auf Jahre hinaus festliegt und nicht nach Willkür erhöht, resp. beschnitten werden hann; zum andern, weil wieder andre Posten von ihm abhängig gemacht werden, wie etwa Licht=, Kohenverbrauch usw. Natürkich kommen auch die einmaligen Anschaffungen dazu, die mit jedem weiteren Raum um ein Beträchtliches steigen. Bleiben wir also bei der Einzimmerwohnung. Man rechnet im allgemeinen für die Miete ein Fünftel(heute auch schon nur ein Sechstel), des Gesamtelnkommens. Da schon bei dem Mietspreis einer Einzimmerwohnung ein gewisser Spielraum gelassen werden muß(Lage des Wohnortes einmal, also ob Großstadt, Mittel= oder Kleinstadt, sodann Lage des Wohnviertels, auch hier ein Unterschied), so werden wir hier eine Durchschnittsmiete von 30 bis 35 Mark monatlich rechnen müssen. Bei einem Einkommen von monatlich 220 Mark dürfte eine derart bemessene Miete in den vorgeschriebenen Grenzen sein. Wie verteilt sich nun das andre Gehalt? Immer vorausgeschickt, daß die angegebenen Beträge mehr oder weniger der Willkür resp. dem Dafürhalten des Einzelnen unterworfen sind, seien hier wiederum Durchschnittssummen angegeben, die sich auf gesunder Basis aufbauen, die aber dessenungeachtet verschoben werden können. Fangen wir zunächst bei den sogenannten „laufenden Ausgaben“ an, also bei denen, die, ähnlich der Miete, sich aus sich selbst ergeben und zwar nur ganz unerheblichen Veränderungen unterworsen sind. Hierzu gehört Koch= und Leuchtgas= resp. elektrischer Lichtverbrauch, Kohlen, Krankenkassen=, Invalidengeld u. a. Setzen wir für ersteres etwa 4 Mark an, wobei zu beachten ist, daß darin zugleich das Licht eingerechnet ist. Für Heizung etwa(aufo Jahr S ###.SEEBASE E33285 BBR* K ES F•.* SBTBSE S#x sss S. 9 55 * —9— G5Fig P SEE DEE: SK sch # 5 5 * FARSARSES 8 53 EPHESRSBERRREEE Der-Tänzer Skizze von Josef Stollreiter Sie hatten jung, sehr jung geheicatet. Ludwig war ein tüchtiger Weinbauer großen Stils und hatte unter gründlichster AusnutBewirtschaftungsmethoden Weinberg um Weinberg in Ertragsjähigkeit und Vollwertigkeit der Frucht gesteigert. Maria Regina, eine junge, blühende Frau von ieingem prichelnden Glanz, gab seinem uner= Die, ein Prinz aus einem fremden, exotischen müvlichen Streben den idealen Inhalt, den die Lande tauchte er auf und verschwand, immer einer schönen und reinen Frau immersgleich strahlend, gleich liebenswürdig, gleich Nähe einer schönen und reinen Frau ei alan 8 erlebte schon ein Jahr nach chrer, Iexheiratung ein großes Unglüchk. Er #. g. bei einer Autofahrt und brach das linvarheiisenA Beide Brüche merste tend d.sis, daß er zeitlebens hinken mußie und den linken Arm nicht mehr gebrauFar konnte. Das war ein schwerer Schlag, für Ludwig vielleicht nicht so sehr wir für ria Regina, die auf ihren schlanken, elegamen„Gatten stolz gewesen war, die leidenschaftlich mit ihm alle Bälle durchtanzte und gern an seiner Seite prunkte. Hatten sie doch in der ganzen Stadt allgemein als das„Schöne Paar“ gegolten. Als Ludwig sich endlich, nach langen, vergeblichen Operationen, Streckungen und erfolglosen anderen Versuchen wieder bewegen konnte, fuhren sie beide auf einige Wochen nach der Hauptstadt, um sich für den Verluft an Lebensfreude, den Ludwigs Krankheit mit sich gebracht, zu entschädigen und ihr ein wenig beschwertes Gemüt wieder gründlich aufzuheitern. Mit der den Kleinstädtern eigenen Anhängüchkeit wurden sie bald Stammgäste in einem der vornehmen Tanzpaläste, und Maria Regina tanzte wie eine Göttin. Atemlos und ununterbrochen. Und immer hatte sie denselben, eleganten Tänzer, der Ludwig etwas ähnlich sah und unter dessen liebenswürdig führender Hand ihr die neuen Weisen spielend geläufig wurden. Er war ganz so, wie Ludwig vor dem ten Tanzes wie von der Erde eingeschluckt, kam am nächsten Abend mit strahlendem Lächeln an ihren Tisch und bat um den ersten Tanz. Maria Regina lebte wie im Traume. Ihre Schlummerstunden waren von ihrem Tänzer erfüllt. Sie wob Mädchenträume um seine Gestalt. Niemals sagte er auch seinen Namen. Wie ein Prinz aus einem fremden, exotischen zuvorkommend und dienstbereit. Ludwig, der immer nur die Tanzpaare beobachtete und, um die lange, für Maria Regina jedoch so kurze dahin hastende Zeit tot zu schlagen, unzählige Zeitungen las, wurde ihr fast verhaßt. Sie ging neben ihm her, als wäre er ein aufdringlicher Fremder, der sich nicht abschütteln lassen will. Daß er ihr das alles freudig geboten, daß er opferte und vielleicht doch unter diesem Opfer litt, da sie kaum mehr einen Blick für ihn hatte, kam ihr nicht einmal in den Sinn. Sie war eine völlig andere geworden, und der Fremde hätte sie jeden Abend entführen können, sie wäre ihm in ihrem Taumel mit freudigem Aufjauchzen gefolgt, um frei zu sein. Zornig war sie auf den seinen, jungen Mann, der so stumm und ohne Initiative blieb. Und als sie wieder einmal nach einer jubelnd durchtanzten Nacht in ihr Hotel zurückkehrten, nahm sie sich vor, dem jungen Menschen am nächsten Abend selbst die sentscheidenden Worte in den Mund zu legen. Mit diesem Entschlusse im Herzen erhob sie sich gegen Mittag in stolzer Kühle und speiste mit dem verhaßten Manne an der großen Tafel. Dann schlug sie von oben herab vor, eine Fahrt durch die Stadt zu machen und einige nette Einkäufe zu besorgen. Ludwig legte ruhig seine Brieftasche auf den Tisch und schlug sie auf.„Es tut mir leid, Maria Regina,“ sagte er schonend, und eine leichte Röte übergoß seine Züge,„wir können Unglücksfalle. Niemals wurde er zudringlich, uns deinen Tanzpalast nicht mehr gestatten!“#dan und immer verschwand er nach Schluß des letz=] Sie fuhr empor, wie von einem Peitschenhieb taumelt. zungerechnet), monatlich 5 Mark, ebenfalls, erdkohlen eingerechnet. Krandenkasse und Invalidengeld werden zusammen etwa 20—25 Mark für beide Teile betragen. Jetzt kämen die Posten, die absolut unverbindlich festgesetzt werden, d. h., die eine Kürzung oder Erweiterung erfahren können. Das ist das Wirtschaftsgeld, Kleidergeld, notwendige Anschaffungen wie Seife. Schuhereme usw. Der Uebersicht wegen fassen wir die einzelnen Posten einmal alle zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: Monatseinkommen 220 J Miete 33 M Bas 4 J4 Heizumg 5 4 Naturalien 95 M Krankenhaus 10 M Invalidengeld 10 M Zeitung 3 M Schuhmacherreparaturen 6 444 Seife, Soda, Schuhputz, Scheuerlappen usw. usw. 3#4 Radiogebühren 2 344 Tabak, Bier usw. 8 J4 Kleidung 30 M1 getroffen.“„Ah!“ rief sie empört.„Du bist— eisersüchtig!“ „Nein,“ gab Ludwig mit bittrem, wunden Lächeln zurück.„Aber— wenn Du Dich selbst überzeugen willst— mein Mitgebrachtes ist zu Ende. Ich hatte bereits Geld ausgenommen. Auch das ist dahin— bis auf die Summe, die Hotelrechnung und Rückreise beanspruchen." Sie sah ihn entsetzt an.„Das ist doch gar nicht möglich. Wir haben doch nicht so viel verzehrt!“ „Du hast nicht Unrecht, Maria Regina— aber Dein Tänzer hat mich bereits einen Weinberg gekostet!" Maria Regina sah ihn sprachlos an.„Ich begreife Dich nicht!“ stammelte sie nach langem Ringen. „Er ist Angestellter des Tanzpalastes und muß von den Damen, deren er sich annimmt, bezahlt werden. Teuer sogar. Er war der Teuerste unter allen.— Bitte, hier sind die Rechnungen!" Maria Reginas Augen glitten weit aufgerissen über die Zahlen. Dann sank sie mit einem verzweifelten Aufschrei zusammen. Ein wildes Schluchzen schüttelte sie, und stürzende Tränen der Scham und der Reue überschwemmten ihre Augen. Ludwig schaute starr und still vor sich hin. Erst als der Sturm in ihrer Brust ein wenig abdämmte, sagte er weich und ergriffen:„Das ist nicht anders, Maria Regina. Die Großstadt macht aus allem ein Geschäft. Ich war erst selbst erstaunt, aber ich ahnte nicht, daß Du diesen eitlen und holen Glanz, daß Du diese Menschen ernst nehmen könntest. Verzeih— es war gut gemeint.“ Schluchzend, von Reue fast aufgelöst, warf sie sich an seine Brust und beichtete ihm schonungslos aus übervollem Herzen. Am selben Nachmittage reisten sie noch in die Heimat zurück. Glücklich wie ein Hochzeitspaar, das in seine goldene Zeit, in die Wunder der Flitterwochen Ebenso— eine nur zu wichtige Angelegenheit näher zu bringen, ihnen eine Prüfung zu er— Familienzuwachs ändert das Bild sofort möglichen, ob sie in ihren Anschauungen und um ein Beträchtliches. Ein Haushalt zu Dreien, noch dazu, wenn diese dritte Person ein Säugling ist, und vor allem die Kosten, bis dieser erst mal da ist, all das kann bei dem vorgesehenen Einkommen nicht bestritten werden; es sei denn, daß die Frau sich entschließt, mitzuverdienen. Bei einem Einkommen von 300 Mark dürfte sich folgende Ausstellung ergeben: Summa: 209 J Die noch übrigen 11 Mark werden für„besondere Fälle" sehr nötig sein; es kommt mal ein Geburtstag, es ist mal ein Stück Geschirr zu ersetzen, Porto, Fahrgeld, ein Kinobesuch ein Blumentopf für den— Balkon vielleicht, tausend Dinge sind da, die nicht vorher bedacht wurden und doch nicht auszuschalten sind. Natürlich wird, wie erwähnt, unsre Aufstellung überall eine Aenderung erfahren müssen. Hier ist noch ein Abonnement für die Strahenbahn nötig, dort föllt Krankenkasse oder Invalidengeld fort, da es vom Arbeitgeber bezahlt wird; hier vergrößert sich der Posten „Schuhmacher", da beide Teile viel„auf den Beinen“ sind, dort wieder erhöht sich das Heigungogeld da die Wohnung denkbar ungünstig biegt u. s. f. Jedenfalls sehen wir, daß man— bei gutem Willen mit 200 Mark zu Zweien! auskommen kann, ja, zur Not mit noch weniger Geld. Demgegenüber darf aber nicht übersehen werden, daß schwere Krankheitsfälle, große Neuanschaffungen oder viel Gastlichkeit im Miete Gas Heizung Naturalien Krankenkasse Jonalldenget Schchrno Seife, Soda usw. usw. Radiogebühren Tabak, Bier usw. Sleihuung 35 A 4 5 A 130 M 10 M 10 A 5 A 10 3 A 2 A 15 A 50 A Summa: 279 K Die restlichen 21 Mark siehe bei der vorigen Aufstellung. Die immer wieder auftauchende Frage, können wir heiraten oder, bei dem junge Manne, der sich nach einem eignen Herd sehnt: Kann lich an einen Hausstand denken,— ist unter Umständen durchaus zu lösen; man sollte aber eher mit zuviel Pessimismus als mit zuviel Optimismus ans Werk gehen; denn— geheiratet ist bald aber die Sorge ums tägliche Brot treibt allen häuslichen Frieden und alles Glück hinaus und nur zu leicht heißt es dann, wenn es zu spät ist: Hätte ich lieber noch gewartet! —12— Praktische Wirkungen des Verlöbnisses „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang!“. In richtiger Erkenntnis der Schillerschen Worte hat Sitte und Gewohnheit die Institution der der Ehe vorausgehenden Verlobung oder des Verlöbnisses getroffen. Mögrichen, 5o sie m chlen unschäuungen und Ueberzeugungen auch wirklich so zu einander passen, daß sie das starre und auf die Lebenszeit berechnete Band der Ehe auf sich nehmen können, das nach der heute geltenden Eherechtsbestimmung nur unter ganz besonderen Voraussetzungen lösbar ist. Wie mit der fortscheitenden Kultur der in den Gesetzen niedergelegte Gesamtwillen jede Institution des Lebens zu umfassen und unter bestimmte Normen zu bringen bestrebt ist, so ist auch das Verlöbnis, wenn auch nicht in seiner Form, so doch in seinen Folgen bestimmten gesetzlichen Regeln unterworfen: Während für die Eheschließung nach heutigem Recht ein Mindestalter für den Mann von 21 Jahren und für die Frau von 16 Jahren gefordert wird(§ 1303 des Bürgerlichen Gesetzbuches), so enthält dieses Gesetz in seinen für das Verlöbnisrecht geltenden Vorschriften(§§ 1297 bis 1302) keine derartige Einschränkung. Nach benannter Rechtsauffassung und der Rechtsprechung des Reichsgerichts ist die Verlobung als ein auf zukünftige Eheschließung gerichteter Vertrag aufzufassen, der aber keiner Formvorschrift unterliegt. Da nun aber Minderjährige ohne Einwilligung des gesetzlichen Vertreters keine Verträge schließen können, so ist zur Gültigkeit eines zwischen Minderjährigen geschlossenen Verlöbnisses die Einwilligung des Vaters, oder wenn dieser verstorben ist oder die elterliche Gewalt verwirkt hat, der Mutter, eventuell auch eines Vormundes erforderlich(§ 108 B6B.) Im Gegensatz zu vielen anderen Gesetzgebungen, wie z. B. der amerikanischen, bestimmt das Bürgerliche Gesetzbuch aber, daß aus einem Verlöbnis nicht auf Eingehung der Ehe geklagt werden kann und daß das Versprechen einer sogenannten Konventionalstrafe für den Fall der Unterlassung der Eheschließung nichtig ist. Da, wie gesagt, das Verlöbnis noch keinen festen Rechtszustand begründet, seinem praktischen Zweck entsprechend vielmehr nur als ein Prüfungsstadium anzusehen ist, so hindert auch keine gesetzliche Schranke die Verlobten, das Verlöbnis jederzeit wieder aufzuheben. Allerdings zeitigt der Rücktritt vom Verlöbnis doch immerhin gewisse rechtliche Folgen wirtschaftlicher Natur. Der von dem Verlöbnis zurücktretende Teil hat dem anderen, oder dessen Eltern, sowie anderen Personen, die hen Wer Aaichnen ui lobung oder des Verlöbnisses getroffer gerechnet worden Verlöbnis hat den Zweck, die beiden die Ehe= anstelle der Eltern gehandelt haben, wie z. B. d. hierfür also das Gehalt nicht ausreichte. schließung beabsichtigenden Teile einander Pflegeeltern. Vormündern. Verwandten usw. 8 Als wir uns kennenlernten? Es war ein Sommertag im Rosenmonat. Die ganze Welt ein buntes Blühen, die ganze Welt ein Sonnenschein, ein helles Lachen. Wir sahen uns, wir liebten uns, wir fanden uns. Da waren keine vielen Gedanken, kein Ueberlegen, kein Wenn und Aber, da gab es nur eine jubelnde jauchzende, zupackende Gewißheit: Hier ist das Glück! Woher sie kam, woher sie stammte, ist es ganz gleich? Kam sie aus land, aus Irgendwo, aus Wundergärten? Genug, sie war da, sie saß auf meinen Knien, Glockenklingen rauschte durch die Luft, die Welt versank, wir zwei, wir blieben. Sie war so frisch wie Frühlingsluft, froh wie die Lerche, die im Sonnenschein gen Himmel trillert, sich jubelnd verliert in unendlichen Weiten. Schlank und hoch war ihre Gestalt, und doch voll ausgereift zu weiblicher Anmut. Alles an ihr war, als stiege sie eben aus einem Bade. In ihren blauen Augen lag helles Leuchten vom frühen Morgen bis zum spöten Abend. Nie war sie müde. Ihr Schritt sedernd als berührte sie kaum den Boden. Sie schwebte über Gräser und Halme dahin gleich einer Else, und doch von so lachendem Fleisch und Blut, wie nur jemand sein konnte. Ihr Haar war blond und weich wie Seide; wenn ich mit der Hand hindurchfuhr, hatte ich das Gefühl, als knisterte es. Von Achim v. Winterfeld zu Vollkommenheiten, all das verworrenes Er hatte sie eingeladen auf sein Gut, und Ringeln in Staub und Schlamm drang kaum bis an die ersten Pforten ihres Wesens. Sie war ein glückliches Menschenkind, glücklich in ihrer Unberührtheit von des Lebens quälenden Dunkelheiten, glücklich in ihrem lachenden jauchzenden Schweben über den abgrunddüsteren Rätselschlünden umergründlicher Weltendämonie. Ich habe ihr viel aus meinem Leben gebeichtet. Vieles, von dem ich niemandem sonst je ereines Tages, heimlich vor allen, war sie ihm gefolgt, war zu ihm gegangen in ihrem schönsten Kleid, mit klopsendem Herzen, hatte ihn geküßt und sich küssen lassen, hatte all seinen Künsten ihre ahnungslos noive Natur siegreich entgegengesetzt, und war von ihm gegangen, wie sie gekommen war. Sie hatte ihm Briefe geschrieben, richtige Liebesbriefe, hatte ihm ausgemalt, wie es sein zählt, vieles, was mir erst wieder lebendigwürde, wenn sie als sein Weib mit ihm lebte, ihr dosteben wie ich war nicht wie mich ihrelsüß, Hoffnungen, die ihm, dem Verschuldeten, dem die Ehe Rettung seines Besitzes werden sollte, werden mußte, nur ein abwehrendes Lächeln entlockten. ihr Schrehen, wie ich war,rnicht wie michihre Liebe verklärend soh. Sie hörte alles mit hellen Augen. „Wenn du mich nur liebst,“ sagte sie lächelnd, „dann mag gewesen sein, was da will.“— Eines Abends, wir saßen am Waldessaum, da beichtete auch sie. Die Sonne war unter den Horizont gesunken, weißgraue Nebel stiegen aus den Wiesen, die Glocken eines fernen Dorses läuteten den Feiertag ein. Und sie erzählte, von einer Liebe, die sie gepackt, kurz bevor wir uns fanden. Gepackt, sagte sie, und dabei leuchteten ihre Augen auf, und ihre weißen Zähne blitzten. Auf einer grozen Gesellschaft war es gewesen, rings hatte es geschwirrt von Gesichtern und Stimmen, von Licht und Glanz. Sie hatte nur ihn gesehen, nur ihn, nur seine Augen. Sie war so unbewußt wie ein Kind in allem,und sie mar du was sie tot. Sie stand wohl vor dem Spiegel sggt gu... Er hatte du zu hr gewenn sie sich ihr Haar kömmte, wenm sie die.: g, willig I, Leinen dorklen.. Jur S#t, Scmgeig,„wenn in gic Blick war willig in seinen dumteen, vannenden blonden Flechten aussteckte, sie sah auch hinein, aber von all ihrer Lieblichkeit wußte sie nichts Häfte ihr jemand gesagt, daß sich Männerblicke begehrend auf sie richteten, sie hätte ihm voll stummen Unverstehens in die Augen geschaut. Das Leben war ihr wie ein großer Garten; das Unkraut sah sie nicht, sie sah nur Blumen. In allem menschlichen Streben sah sie Stufen Augen versunken. Wie eine Nachtwandlerin war sie neben ihm her gegangen auf einsamen Wegen. Betäubender Blütenduft stieg auf zwischen den Büschen, der Mond segelte zwischen weißen Wölkchen. Da hatte er sie in die Arme genommen, und sie hatte sich nicht gewehrt. Sie hatte sich in seine Armee geschmiegt, ganz weich und fest im Dunkel der Nacht. Voll abwägender Wehmut war seine Antwort. Luftschlösser, die sich nie erfüllen könnten, zu schön vielleicht, um Wirklichkeit zu werden. Und dann:„Muß man denn heiraten?“ hatte er geschrieben,„um sich zu lieben? Können wir nicht einen Traum zusammen träumen, schön wie die Sommemnacht, und voneinander gehen vor dem Erwachen, abbrechen in glühend=dunkler Nacht und die Erinnerung an selige Stunden mitnehmen, als ein dunkelleuchtendes Heiligtum in ein vemunftgefügtes Leben?“ „Und dann komst du, und mit dem Augenblick, als ich dich soh, war alles andere vorbei und tot.“ Sie lag in meinem Arm und soh mich an:„Ich könnte mir nicht denken, daß ich je einen anderen lieben könnte als dich.“ Dunkelheit hatte sich tief auf die Erde gesenkt. Wie dichte schwarze Schleier lag sie in den Mulden, als schwarzer Samt hing sie zwischen den Büschen. (Aus Achim o. Winterfeld, Im heiligen Hain. Roman einer Ehe. Reclams Universal=Bibliothek Nr. 6847/48.) den Schaden zu ersetzen, den sie dadurch erleiden, daß sie in Erwartung der Ehe Aufwendungen gemacht haben oder Verbindlichkeiten eingegangen sind. Beispielsweise hat der zurücktretende Bräutigam eventuell den Brauteltern Anzahlungen auf Einrichtungs= gegenstände zu ersetzen, die nach dem Vertrag mit dem Lieferanten bei Nichtabnahme der bestellten Aussteuer verfallen, sowie Mieten für die Festsäle, in denen die Hochzeitsfeier stattfinden sollte, und dergleichen mehr. Ferner muß dem anderen Verlobten dafür Schadenersatz geleistet werden, daß er in Erwartung der Ehe irgend welche sein Vermögen oder sein Erwerbsleben berührende Maßnahmen getroffen hat. Hierher gehört z. B. der Schade, der einer bisher im Erwerbsleben tätig gewesenen Braut dadurch entstanden ist, daß sie ihre Stellung im Geschäft oder fremden Haushalt in Hinsicht auf die erwartete Eheschließung aufgegeben hat, oder dem Bräutigam, daß er in Erwartung der in Aussicht gestellten Mitgift sein Erwerbsgeschäft vergrößert oder auch den Bau eines Hauses unternommen hat. Um in dieser Hinsicht die Schadenersatzpflicht aber nicht ins Ungemessene zu steigern, ist vom Gesetzgeber die einengende Bestimmung getroffen worden, daß nur solche Aufwendungen dabei zu berücksichtigen sind, die den Verhältnissen der berechtigten Teile angemessen sind. Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht ist ferner, daß der Rücktritt von der Verlobung aus einem wichtigen Grunde erfolgt, sei es aus einem Grund rechtlicher oder ethischer Natur. Bestimmte Normen hat das Gesetz in dieser Hinsicht nicht geschaffen, vielmehr entscheidet freies richterliches Ermessen darüber, ob die Aufhebung des Verlöbnisses aus einem wichtigen Grunde, oder ob diese frivol erfolgte. Nach herrschender Rechtsauffassung gelten als wichtige Gründe sittlicher Natur die Umstände, die einem Ehegatten das Recht auf Scheidung einräumen, z. B., Bruch der versprochenen Treue, Beginn eines bescholtenen Lebenswandels usw. Ein wichtiger Grund rechtlicher Natur ist beispielsweise die Nichteinwilligung des gesetzlichen Vertreters, die nach§ 1304 B6B. zur Lersich it. minderjächriger Personen erforIm selben Umfange schadenersatzpflichtig ist ein Verlobter auch dann, wenn er durch sein als Verschulden aufzufassendes Verhalten den veranlaßt hat, sofern dieses Verschulden als ein wichtiger Grund im obigen Sinne anzusehen ist. Wenn eine unbescholtene Braut ihrem Bräutigam schon während des Verlöbnisses ehemännliche Rechte eingeräumt hat, so gewährt ihr das Gesetz, falls der Bräutigam hinterher! ohne wichtigen Grund zurücktritt von der Eheschließung, oder die Braut durch einen wichtigen, durch sein Verhalten bedingten Grund zum Rücktritt veranlaßt, einen sogenannten Deflorationsanspruch, d. h., sie kann für den ihr erwachsenen ideellen Schaden eine angemessene Geldentschädigung verlangen, über deren Höhe das freie Ermessen des Richters zu befinden hat. Unterbleibt die Eheschließung, so ist jeder Teil berechtigt, von dem anderen die Herausgabe aller Geschenke, die er ihm während des Verlöbnisses gemacht hat, zu fordern. Soweit bei der Eingehung des Verlöbnisses keine anderweiten Bestimmungen getroffen sind, wird vom Gesetz präsumiert, daß die Rückforderung dann ausgeschlossen sein soll, wenn die Aufhebung des Verlöbnisses durch den Tod eines Verlobten erfolgt. Abweichend von den normalen Verjährungsfristen(§ 196—197 BGB.) verjähren die aus dem Verlöbnis erwachsenen Ansprüche in zwei Jahren von der Auflösung des Verlöbnisses an. Einen Erbanspruch hat der überlebende Verlobte auf das Vermögen des verstorbenen anderen Teils nicht, auch wird der versterbende Bräutigam nicht von den während des Verlöbnisses etwa gezeugten Kindern, den sogenannten Brautkindern, beerbt. Neben diesen materiell rechtlichen Wirkungen hat das Verlöbnis auch noch Wirkungen prozessualer Art. Nach den einschlägigen Bestimmungen der Zivil= und der Strafprozeßordnung kann in einem gegen einen Brautteil gerichteten Zivil= oder Strafverfahren der andere Verlobte sein Zeugnis verweigern. Wird von diesem Verweigerungsrecht kein Gebrauch gemacht, so verbleibt der als Zeuge vernommene Verlobte zunächst unvereidet und die Vereidigung erfolgt erst hinterher, damit dem Verlobten Zeit gegeben wird, seine Aussagen noch zu berichtigen, um ihn nicht etwa aus Liebe einen Meineid schwören zu lassen. Schließlich sei hier noch auf ein das Verlöbnisrecht berührendes Erkenntnis des Reichsgerichts hingewiesen, das vor kurzem im Gegensatz zu der Unpfändbarkeit des Eheringes als Verschulden aufzufassendes Verhalten dengensatz zu der Unpfändbarkeit des Eheringes anderen Teil zum nücktritt vom Verlöbnis die Verlobungsringe als pfändbar erklärt hat.! Was werden unsere Kinder? Von P. Hauch. * Der Wille zur Zukunftsbestimmung unserer Jugend muß sich bei der Schulentlassung klären. Der eine oder der andere strebt unbeirrbar seinem Ziele zu, doch die Mehrzahl hat nicht das Gefühl einer ausgeprägten Bestimmung... und bedarf der elterlichen Führung Doch auch viele Eltern stehen unwissend den Einzelfragen gegenüber. Bei der Berufswahl heißt es heute besonders behutsam vorgehen. Vor jedem unproduktiven oder produktiv nicht auswertbaren Beruf sei gewarnt. Die statistische Uebersicht verschiedener Berufsämter ergibt für die Volksschüler als bevorzugte Berufe— rein zahlenmäßig ersaßt — Hanowerker beitimmter Kategorien und Kaufmänner. Bei den Mädchen„Verkäuferinnen und Schneiderinnen, Bewerberinnen für den Hausdienst finden sich haum, von den Großstädten gar nicht zu reden. Das bezeugt eine tatsächliche Unterbewertung des häussichen Berufes und pricht von Heimflucht. Bei der ständigen Arbeitslosigkei: weiter Kreise muß hier eine gesunde Aufklärungsarbeit in geeigneter Weise einsetzen, da der Hausberuf, auch gesundheitlich, für viele junge Mädchen be sonders empfehlenswert ist. Von den Abgangsschülern der„Höheren Schulen“ wendet sich ein großer Tei. akademischen Berufen zu; es sind weit mehr, als jene, die später dieses Wissen produktiv verwerten können. So begrüßenswer: an sich eine Steigerung unserer Volksbildung wäre, findet sich heute häufiger ein Mißverhältnis von Wollen und Können. Zur Abstellung wird von manchen Seiten eine schärfere Scheidung der zum Studium Zugelassenen verlangt, um den Tüchtigen nicht auf Kosten des Andranges der Mittelwertigen die Zukunft zu verbauen. Es ist Elternpflicht, in jedem Falle die Berufseignung des Kindes aufs sorgfältigste festzustellen, um den unnötigen Verlust etwaiger Studiengelder zu vermeiden. Die Eignungsprüfung erspart nicht nur finanzielle Enttäuschung, sondern auch persönliche Enttäuschung. Bei dem heutigen Ueberangebot wird die Rationalisierung des Wissens an sich auf die Dauer immer schärfer durchgeführt werden. Andererseits soll der kommende Beruf unbedingt bezüglich finanzieller Auswertungsmög