So wie die Bewegung die Seeie unserer] Wo koche ich mit Sorgfalt? Lebens ist, so ist die Anmut die Seele unserer#:“ h S4 Bemegun— Nes G. Haeusler Hewegung Die Anmut kann nicht nur eine angeborene sondern auch eine anerzogene sein. Zur Schönheit erziehen, das sollte die Aufgabe unserer Mütter und Lehrer sein. Schon im Gange soll die Schönheit des Körpers zum Ausdruck kommen. Aber in jeder andern Bewegung auch. Wie sich die Anmut auf gewisse Individuen erstreckt, so auch auf gewisse Nationen. Die Pariserin ist die geborene Anmut. Die Amerikanerin— d. h. das college girl auch. Die Wienerin erst recht. Irgend jemand hat behauptet, die Wienerin veckorpere das Ideal anmutiger Bewegung. Die beste Schule zur Anmut ist der Tanz. Aber nicht der gesuchte Tanz mit seinen affekkierten Bewegungen, sondern der natürliche Tanz mit seinen sich zur Musik selbständig ergebenden Rhythmen. Wer gut tanzt, geht gell. Und da ja Wien das Walzerland ist, erklärt es sich, warum die Wienerin auch beim Gehen einherschwebt. An jeder Bewegung muß instinktiv der ganze Körper teilnehmen. Selbst an der einfachsten Handbewegung. Instinktiv, auch da nicht gesucht. Denn alles Gezierte trägt den Stempel der Mache an sich. Anmut aber soll Natur sein oder zur Natur geworden sein. Eines von beiden. Anmut und Unnatur schließen sich aber geFrauen und Handwerk Was Frauen in Amerika leisten können. Von S. Wan. Fräulein Margot Zachert wird als erster deutscher Maurerlehrling beim Bau des Berlin=Köpenicker Rathauses beschäftigt. Nach Angaben ihres Lehrherrn, Herrn Ratsmuurer meister Fritz Wolf, arbeitet sie mit großem Geschick und Fleiß. Ein Jahr gedenkt die junge Dame das Maurerhandwerk praktisch zu erlernen, um sich dann zur Architektin ausbilden zu lassen. Frauen und Handwerk! Heute scheinen diese beiden Begriffe in Europa noch wesensfremd. Es dürfte jedoch vielleicht auch nur eine Frage der Zeit sein. In Amerika ist das längst der Fall. Dort gibt es nicht nur einen Maurerlehrling. sondern sogar einen Maurerprofessor. Esther Knutsen und Ursula Quinn repräsentieren sich als weibliche Ingenieure. Edna Stark als Schiffsreinigerin, Sophie Penkinson und Miß Schmitt als Hufschmiede usw. In der Schweißerin Katharina Nelson finden wir Mannesmut, Kraft und Tüchtigkeit in bewunderungswürdiger Weise vereint. Aus Reklamegründen suchte sie sich sogar besonders schwierige Arbeitsstätten aus. So sehen wir sie auf dem Schornstein eines Ozeanriesen arbeiten, in schwindelnder Höhe auf dem Gipfel eines Hafenkrans—.50 Meter über dem Erdboden — mit dem Sauerstoffgebläse hantieren usw. Maschinenschlosserinnen gibt es in amerika 500 an der Zahl. In Arbeitshosen und keck im Nachken sitzender Schlossermütze stehen sie an der Drehbank und verstehen es woh.,##. Hammer zu schwingen und die Maschinen zu bedienen. Mrs Sawing zeichnet sich als Schiffszimmermann aus, Mrs Anderson als Bildhauerin, Carathine R. Carabine als Prüferin von Zuckerwaren bei einem amerikanischen Einfuhr=Prüfungsamt— ein süßer Beruf—, Mrs. Eddie Nils als Falzerin usw. Seltsamen Passionen geht eine Journalistin im Nebenberuf nach. Es ist Miß Margaret T. Stevens, die Herausgeberin des„Baltimoce und Ohio Magazine“. Als wirksamen Ersatz sportlicher Uebungen betreibt sie das Heizen von Lokomotiven. Daß man in Amerika die physischen Kräfte der Frau höher als bei uns einschätzt, beweist übrigens die Tatsache, daß sämtliche Studentinnen der Reitschulen sich in der schweren Kunst des Hufschmiedens üben müssen. denen Boden!". Die Wahrheit dieses Satzes haben im Besonderen die Bewohner der Stadt Silver Springs in Maryland U. S. A. erkannt, und nur darum, weil sie in Mrs. W. J. Bramann einen weiblichen Feuerwehrhauptmann haben. Da Frau Bramann im Helm und weiten Mantel an der Dampfspritze eine große Anziehungskraft auf die Bevölkerung ausübt, ist es kein Wunder, daß es in Silver Springs öfter brennt, als anderswo, und Feuer gibt behanntlich dem Handwerk Arbeit. von G. Haeusler. Wer kocht, muß mit Aufmerksamkeit bei der Sache sein und außerste Sorgfalt darauf verwenden. Das beste Material wird verdorben, wenn unachtsam damit umgegangen wird und umgekehrt wird das einfachste Gericht zu einem Genuß, wenn es sorgfältig gekocht wird. Diese weisen Lehren hörte ich schon in frühester Jugend von meiner Großmutter, später von meiner Mutter, bis sie mir sozusagen in Fleisch und Blut übergingen und ich sie schon längst zu Nutz und Frommen meiner selbst anwende. Einige gute Ratschläge in dieser Beziehung sind vielleicht mancher jungen, noch unerfahrenen Hausfrau willkommen und so will ist denn einiges aus dem Born der Erfahrung schöpfen. Beginnen wir mit der Feurung, als dem Nächstliegenden. Man halte das Feuer immer in mäßigem Zug; bei schnellem Feuer hat die Hausfrau nur Schaden durch Anbrennen und Ueberkochen der Speisen. Durch schnelles Kochen werden diese nicht einen Augenblick früher gar, sie verlieren vielmehr noch an Wohlgeschmack, der sich bei langsamem, gleichmäßigen Kochen besser entwickelt. Die Gasflamme lasse man nie über den Boden des Topfes hinausschlagen, da dies einen unnötigen Gasverbrauch ergibt.— Braten soll man bei starkem Feuer in heißem Fett schnell auf allen Seiten anbraten, damit der Saft möglichst im Fleisch bleibt. Will man dagegen eine gute Fleisch= brühe haben, so schneidet man das Fleisch in Stückchen, zerkleinert die Knochen, setzt es in kaltem Wasser auf und läßt einmal aufkochen. Dann nimmt man den Schaum ab, tut Salz und Suppengrün hinzu und läßt es dann langsam weiterkochen.— Fisch muß in kräftig gewürzter Brühe aufkochen und dann langsam ziehen. Geflügel bleibt saftiger, wenn man bei kleinen Arten die Brust mit Speckscheiben belegt. Koteletts brät man in reichlich Fett, bei mäßigem Feuer, damit sie auch durchgebraten werden. Bratwurst legt man einige Minuten in kochendes Wasser, um das Aufplatzen während des Bratens zu verhindern. Nimmt sie dann aus dem Wasser, trocknet mit einem sauberen Tuche ab und brät sie in heißer Butter langsam braun. Fleischklößchen in Frikassee oder dergl. tut man gut, in Salzwasser garzukochen und dann an die betreffende Speise zu legen. Gemüse(Kohlarten) müssen in leichtem Salzwasser weichgekocht und dann geschmelzt werden. Zur Zubereitung verwendet man etwas von der Kohlbrühe, da in dieser die besten Teile vom Gemüse enthalten sind. Frisches Obst sollte man nie in Wasser kochen, sondern dasselbe abends vorher, nachdem man es gewaschen, tüchtig einzuckern. Am anderen Morgen in dem Saft, den es gezogen hat, langsam schmoren. Es wird dann viel schmackhafter.— Auch den Hülsenfrüchten wollen wir einige Aufmerksamkeit schenken. Vor allem müssen dieselben abends vorher eingeweicht und anderntags ohne Salz in kaltem Wasser angesetzt werden. Speckschwarten, Schinkenreste und etwas Zwiebel läßt man gleich mitkochen. Da das Salz das Weichwerden der Hülsenfrüchte verhindert, salzt man erst später. Nun noch einiges über die Kartoffel! Wässerige Kartoffel schüttet man einige Minuten vor dem Garsein ab, schüttet sie tüchtig und läßt sie langsam trocknen, gardämpfen, damit die in der Kartoffel befindlichen Wasserteile verdunsten. Ebenso macht man es mit solchen Kartoffeln, die leicht zerfallen. Will man von wässerigen Kartoffeln Pellkartoffeln bereiten, so schält man rund um die Kartoffel einen schmalen Streifen ab und behandelt sie ebenso wie die betreffenden Salzkartoffeln. Heilgetrank# Dazu eignen sich besonders Blätter= und Blütentee; da auch ihr Duft leicht verfliegt, so muß so ein Aufguß stets nur kurz vor dem Gebrauch bereitet werden und zwar entweder in einer gut schließenden Teekanne oder doch wenigstens in einem solchen Gefäß, welches man gut zudecken kann. Das Gefäß spült man erst mit heißem Wasser aus, um es zu erwärmen, tut zwei bis drei Teelöffel voll der betreffenden Kräuter hinein, gießt ein vierte! Liter stark kochendes Wasser darauf und läßt den Aufguß zugedeckt auf der warmen Herdplatte fünf bis zehn Minuten ziehen, nicht kochen, schließlich gießt man ihn durch ein Sieb. Auf diese Weise bereitet man: Die unter dem Namen Brusttee verkauften Mischungen, die bei Brustbeschwerden lindernd wirken. Fencheltee: Bei Verdauungsstörungen. Holundertee, aus den weißen Bluten des gemeinen Holunderstrauches, der stark schweiß treibend wirkt. Kamillentee: Ein krampfstillendes Mittel bei Magen= und Leibschmerzen. Lindenblütentee: Ein schwachschweißtreibender, bei leichtem Fieber wohltätiger Tee. Melissentee: Als Gurgelwasser. Pfeffermünztee: Gegen Leibschmerzen, Magenbeschwerden, Blähungen und Durchfälle recht wirksam. Sennesblättertee: Wirkt abführend. Man nimmt fünf bis zehn Gramm Sennesblätter auf 150 Gramm Wasser. Salbeitee: Wird ale zusammenziehendes Gurgel= und Mundwasser bei Halsentzündungen und Zahngeschwüren verwendet. Zu Heilgetranken durch Abkochen eignen sich, im Gegensatz zu dem Aufguß, Stoffe von härterer Beschaffenheit, z. B. Rinden, Wurzeln und Hölzer. Die Pflanzenstoffe kommen in kaltes Wasser, werden meist eine halbe Stunde unter Umrühren gekocht, und das ganze dann durch ein Sieb gegossen. Da die Flüssigkeit zur Hälfte einkocht, so muß man doppelt so viel Wasser nehmen, als man Tee zu haben wünscht. Dazu gehören unter anderem: Baldriantee, aus den Wurzeln der Pflanze. Er wirkt beruhigend. Eibischwurzel oder Althäatee.(Dieser darf nicht länger als zehn bis fünfzehn Minuten kochen.) Lindert den Husten und löst den Schleim.., g.g Whirhrmittes m. Faulbaumrinde. Mildes Abfuyrmittel. Man nimmt zwei Eßlöffel voll Rinde auf zwei Tassen Wasser und läßt dies auf die Hälfte einkochen. Der Mann von vierzig als Liebhaber. Auf der flimmernden Leinwand ist nach Ansicht von Joseph Schenk, dem amerikanischen Filmmagnaten und Ehemann Norma Talmagdes, der Mann von vierzig Jahren der vortrefflichste Liebhaber. Wenn Jünglinge von 23 Jahren sich in 18jährige Mädchen verlieben, so gleichen sie unbeholfenen jungen Hunden, die nur für eine Weile miteinander spielen. Ganz anders wirkt es auf die Zuschauer, wenn der Mann von vierzig als Liebhaber auftritt. Der Fachmann muß es ja wohl wissen. Wieviel Gemüsesamen braucht man? Das ist für den Garten= und Kleingartenbesitzer jetzt wieder eine wichtige Frage. Das neue Daheim(64. Jahrg. Nr. 21) schreibt dazu: „Beim Bestellen der Gemüsesamen verfällt man leicht in den Fehler, viel zu große Mengen zu beziehen. Später wird dann meist zu eng gesät und die Pflänzchen stehen„wie Haace auf dem Hund“, stecken verzweifelt die Blättchen nach oben, u mwenigstens etwas von den lebenspendenden Sonnenstrahlen zu erhaschen, werden dabei lang und„spillerig“ und sind nicht imstande, sich zu gesunden, nutzbringenden Pflanzen auszubilden. Man mache sich einmal klar, wieviel Samenkörner etwa auf ein Gramm gehen. Der Majocan steht mit 6000 Körnern auf ein Gramm an erster Stelle. Ihm folgt der Thymian mit etwa 5000. Sellerie hat etwa 2000, abgeriebene Möhren, wie man sie meist im Handel kauft, 1000, Petersilie 650, Mairüben über 500, Lauch etwa 350, Kohlrüben etwa 360, ebenso Winterkohl, Gurken etwa 40, Kürbis 4 bis 6, Spinat 120 und so ähnlich. Jeder Same geht natürlich nicht auf. Im Mistbeet kann man mit einem Drittel, im Freien gar mit der Hälfte wegbleibender Sämlinge rechnen. Wenn auf gut vorbereitetem Boden weit gesät wird und zu dicht aufkommende Pflanzen frühzeitig verzogen und ausgelichtet werden, so daß sich jede einzelne voll entwickeln kann, kommt man mit sehr wenig Saatgut aus. Eine Familie von 4 bis 5 Personen benötigt etwa 100 g Spinar, 500 g Puffbohnen, je 10 g frühe oder späte Möhren oder Karotten, 100 g Kopfsalat, ½ Pfd. Kneifelerbsen, 1 Pfd. Markerbsen, ½ Pfd. Schoten, 1 Pfd. Bohnen, 1 bis 2 g Bohnenkraut, 20 g Schwarzwurzeln, 30 g Radies, 10 g Kohlrabi, 100 Korn Blumenkohl, 10 g Wirsing, ebensoviel Rotkohl, 10 g Gurken 10 g Blätterkohl. 15 g Rettich, 15 g rote Bete usw. Sehr viel Wert ist auf guten Samen zu legen. Der Spinat, die Radieschen, die Möhren, Erbsen, Bohnen, Kohlrabi, Salat usw. sät man natürlich nach und nach. in Abständen von etwa 14 Tagen.— Je nach den Lieblingsgerichten der Familie vermehrt oder verringert sich die einzelne Menge der Samen. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz. Altena. BSugen anS 2.8 ## * 65 □ I. F#ss SEE 5 S 85 % 8 5 2„ 7 8 E2: 2 9 8 P* S 7 85S S a 8 8 „S FSRE“ # — S— S. g urn Jgggaäe aas-5TSoSTSSSSg E S E8 S S E Praderr „ 4 Eheliches Güterrecht Für junge Ehepaare und Verlobte, die in kurzer Zeit die Ehe schließen wollen, wird es nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, in welcher Weise der Gesetzgeber die güterrechtlichen Verhältnisse innerhalb einer Ehe geregelt hat. Grundsätzlich steht es den Ehegatten frei, ihre güterrechtlichen Verhältnisse durch Ehevertrag nach ihrem Willen zu regeln. Dieser muß bei gleichzeitiger Anwesenheit beider Teile vor Gericht oder vor einem Notar geschlossen werden. Ist ein besonderer Güterstand durch Ehevertrag nicht vereinbart, so gilt der gesetzliche Güterstand der Verwaltung und Nutznießung des Ehemannes an dem Vermögen der Ehefrau. Hier sind an Vermögensmassen zu unterscheiden das Vorbehaltsgut und das eingebrachte Gut der Ehefrau und das Mannesvermögen. Zum Vorbehaltsgut gehört in erster Linie dasjenige, was zum persönlichen Gebrauch der Frau bestimmt ist und was sie durch ihrer eignen Hände Arbeit oder durch den selbständigen Betrieb eines Erwerbsgeschäftes erworben hat. Ueber das Vorbehaltsgut steht der Ehefrau das ausschließliche Verfügungsrecht zu. Alles übrige Vermögen fällt in das eingebrachte Gut der Ehefrau, an dem dem Manne das Verwaltungs= und Nutznießungsrecht zusteht und über welches beide Ehegatten nur gemeinschaftlich verfügen dürfen. Der gesetzliche Güterstand der Verwaltung und Nutznießung ist das in den meisten Ehen geltende Güterrechtssystem. Ist der gesetzliche Güterstand der Verwaltung und Nutznießung durch Ehevertrag ausgeschlossen, ohne daß ein besonderes System vereinbart worden ist, so gilt der zweite gesetzliche Güterstand der Gütertrennung. Bei der Gütertrennung hat die Frau über ihr Vermögen freie Hand, genau so, als wäre sie gar nicht verheiratet; insbesondere fällt das Recht des Mannes auf Verwaltung Nutznießung fort, so daß die Frau die Einkünfte aus ihrem Vermögen allein für sich verwenden kann. Die Gütertrennung tritt auch noch kraft des Gesetzes in hier weniger interessierenden Fällen ein. Empfehlenswert wird die Verueinbarung der Gütertrennung insbesondere in den Fällen sein, in welchen die Frau ein großes Vermögen in die Ehe einbringt, und sie dem Mann wegen seines Leichtsinns den Zugriff zu demselben verweigern will. Zu beachten ist aber, daß die Gütertrennung Dritten gegenüber nur dann geltend gemacht werden kann, wenn sie ins Güterrechtsregister eingetragen ist. Außer den soeben erwähnten beiden gesetzlichen Güterständen behandelt das Gesetz noch drei weitere, ohne daß den Eheleuten das Recht genommen ist, auch unabhängig von den im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelten Güterständen ihre güterrechtlichen Verhältnisse nach ihrem freien Willen und Gutdünken zu regeln. Das Gesetz gibt nur einige Typen, deren Anwendung den Eheleuten freigestellt wird, deren Verwendung durch Bezugnahme im Ehevertrag auf ein im Bürgerlichen Gesetzbuch geregeltes Güterrechtssystem den Eheleuten die Regelung ihrer güterrechtlichen Verhältnisse aber erleichtern soll. Nur in seltenen Ausnahmefällen wird in der Praxis von den genannten Systemen abgewichen. Die allgemeine Gütergemeinschaft vereinigt das Vermögen beider Ehegatten zu einem gemeinschaftlichen, das als Gesamtgut bezeichnet wird. Hierzu gehört außer dem bereits zur Zeit der Eheschließung vorhandenen Vermögen beider Ehegatten auch dasjenige, was jeder von ihnen während der Ehe erwirbt. Das Gesamtgut bildet eine unteilbare Masse unter der Verwaltung des Ehemannes, der jedoch zu einzelnen Verfügungen, wie über Grundstücke, Schen kungen u. a. der Zustimmung der Ehefrau bedarf. Bei Auflösung der allgemeinen Gütergemeinschaft, insbesonders Tod eines der Gatten oder Scheidung der Ehe, erhält jeder Ehegatte die Hälfte des Gesamtgutes, ohne Rücksicht darauf, wieviel Prozent er derzeit in das Gesamtgut eingebracht hat. Die allgemeine Gütergemeinschaft bürgt danach gewisse Gefahren in sich, die insbesondere dann nicht ju unterschätzen sind, wenn die eingebrachten Gütermassen beider Ehegatten ihrer Höhe nach außerordentlich verschieden sind. Errungenschaftsgemeinschaft, die nur das tögen, welches beide Ehegatten während Die Vergpöo. st..29 hi. Kährnider Ehe erwerven, betrifst, und die Fahrnisgemeinschaft, welche außer dem in der Ehe errungenen Vermögen auch noch die bewegliche Habe beider Ehegatten mitumfaßt, sind zwei im Gesetz geregelte Güterrechtssysteme, die wenig praktische Bedeutung erlangt haben. —2.— Ehe und Gewöhnung Von Heinz Veltinger, Goslar. Der Mensch soll das anpassungsfähigste Geschöpf sein, wird behauptet. Es sei dahingestellt, ob diese Feststellung ihre Berechtigung hat. Jedenfalls hat gerade die Gegenwart den Beweis geliefert, daß der Mensch sich merkwürdig schnell umzustellen vermag, wenn— er muß. Demgegenüber darf nicht bestritten werden, daß auch jene schöne These„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" als erwiesen gelten kann. Wir sprechen von sogenannten Gewohnheitsmenschen, d. h. von solchen, denen ihre Gewohnheiten gewissermaßen zur Lebensnotwendigkeit geworden sind. Mehr oder weniger sind wir aber alle, und sei es unbewußt, von unsern jeweiligen Gewohnheiten abhängig und werden ungemütlich, wenn diese eine unerwartete Unterbrechung erfahren. So wird uns die Gewohnheit lieb wie ein treuer Gefährte, ohne den wir zuletzt nicht mehr auskommen möchten. Doch die Gewohnheit hat zwei Seiten. Sie zwingt uns nicht nur in ihren Bann, sie— verleidet uns auch manches, eben darum, weil sie es mit dem grauen Mantel der Alltäglichkeit umgibt. Was uns zur Gewohnheit wiro, hat seinen eigentlichen Reiz verloren. Nur das reizt uns, worum wir kämpfen müssen, was wir nicht als sicher voraussehen können. Das ewig sich Gleichbleibende, das immer sich Wiederholende langweilt uns zuletzt, stumpft uns ab. Würden wir immer die gleiche Kost genießen müssen, wäre es uns unerträglich. Das dauernde Einerlei mancher Berufe nimmt, denen, die ihn ausfüllen, die Freudigkeit daran. skrupelloser Weise ein Band zerschneiden, das für solche Willkür zu heilig ist. Ehe und Gewöhnung. Wir hatten festgestellt, daß die Gewohnheit im Leben zwei Seiten, eine angenehme und eine nachteilige hat. Auch in der Ehe ist es damit so. Es sind nicht nur die Romane, auch die Wirklichkeit bietet genug Beispiele dafur, daß umgekehrt wieder die Gewohnheit oder, hier richtiger gesagt, die Gewöhnung es ist, die— beide Teile in der Ehe fest aneinanderkettet oder, nach einer Trennung, wieder zueinander führt. Das Gleiche, was einen ermüdete, ja mehr, was einem lästig erschien, solange man nebeneinander dahinlebte, dasselbe empfindet man— in der Trennung— als etwas Notwendiges, als etwas Verlorenes, das man zurückerstrebt. Psychologisch eigentlich ein Problem, im Leben aber eine Wahrheit, die wir nicht abzuleugnen vermöchten. So ist die Gewöhnung zugleich also eine Gefahr und ein Schutz in jeder Ehe. Im allgemeinen sind das die glücklicheren Ehen, wo der eine Teil— meist ist es ja der Mann— sehr oft durch seinen Beruf von Hause ferngehalten ist. Diese immer von Zeit zu Zeit wiederkehrende längere Trennung bewahrt vor dem gegenseitigen Sich=Gleich=gültig Werden, man erlebt sich gegenseitig immer wieder aufs neue, man findet immer wieder Fesselndes an einander. Die nüchterne Gewohnheit hat die Poesie des Zusammenlebens nicht hinweggewischt. Wie ist es nun mit der Ehe? Ist die Ehe nicht auch etwas Gewohnheitsmäßiges? Ohne Zweifel. Und vielleicht liegt hierin eine Gefahr für viele Ehen. Immer das gleiche Wesen jahrein, jahraus zur Seite, immer die gleichen Schwächen und Kanten, an denen man sich all die Jahre hindurch stieß und sich noch lange wird stoßen müssen. Das ist der Gedanke, unter dem so unendlich viel Ehen heute leiden und schließlich auseinandergehen. Nicht immer sind es nur schwerwiegende Gründe, die eine Ehe unerträglich machen. Gerade heutzutage geschieht dies weit öfter dadurch, daß die Menschen, ewig nach Abwechselung verlangend, nach Erleben, Sensation strebend, sich in diesem Punkt in ihrer Ehe enttäuscht fühlen. Das Alte reizt nicht mehr, das Neue, Ungelernte, lockt. Es hieße, vom Thema abweichen, wollte man un dieser Siene Gericht halten üder dieDoch solche Ehen sind selten. Die meisten bedingen ein dauerndes Zusammensein und damit auch ein schnelleres Sicheinleben. Die Ehescheidungsprozesse geben genug Beispiele dafür, daß oft beide Teile nichts andres von einer anfangs ernsthaft beabsichtigten Scheidung in letzter Stunde zurückhält als— die Gewohnung. Die voraufgegangene Zeit der Trennung(bis zum stattfindenden Ehescheidungstermin), hat beide Teile darüber aufgeklärt, daß gerade das, warum man voneinander strebte, nun auch wieder dassenige ist, was nachdem man einmal diese Zwischenzeit durchkostet hatte, wieder einander zuführt— Gewöhnung ist's! Es ist kein Kapitel aus einem Witzblatt, sondern verbuchte Wahrheit, daß zwei Ehegatten(sie gehörten den Arbeiterkreisen an), die in dauernden Streitigkeiten mit einander lebten und nun gegenseitig auf Scheidung geklagt hatten, am Tage des Termins auf Vorhaltungen des Richters hin sich ohne weitere Bedenken versöhnten, wobei er die Worte sagte:„Herr Richter, ick weeß ja, wät ick an meine Olle habe“ und— sie mit strahlendem Blicke und den Worten:„Na denn is ja allens beim alten“ ihren Mann aus dem Gerichtssaal zog. Dies ist ein Fall, der sich vervielfältigen ließe Gewöhnung! In der Ehe Hemmnis und Bindeglied zugleich, ein Problem, wie viele in diesem Erdenleben, das am glücklichsten zu lösen nur jeder selbst kraft seines Persönlichkeitswertes in der Lage ist. Landwirtschaftliche Lehrtätigkeit als Ausbildungsfach für weibliche Jugend Von Pauline Wulff. Ueberfüllte Berufe sind das Schreckbild von Eltern und Kindern, die schulentlassungsreif vor der Wahl eines Berufes stehen. Gute Vorbildung, kostspieliges Studium gibt vielfoch nicht die geringste Sicherheit, erlerntes Wissen erwerbsmäßig auszunutzen. Zur Ersparung man an dieser Stelle Gericht halten über die= unnötiger Unkosten und Enttäuschungen sollten jenigen, die aus soichem Bewußztsein heraus in Eltern und Vemctbuchende sich über Zies und * SS S 52-3 325-S51 e 25AESSS 15o 4·S 9 * * 65 5 8 * 8 8 2 S 6# 8 9 = SERgOS8 a SSEE ab ES SaE ES S•5DS * E 12. 8 S 32 S S S. ESPPGSTG GEuSSSSE #. 4 S 4 m S #• S— E e# K 9 Mein schwarzgelber Pierrot Eine Fastnachtsgeschichte von Otto König Wir beide, meine Frau und ich hatten uns wieder einmal etwas gezankt. Das kommt in jeder Ehe zuweilen vor und dien: schließlich zur Auffrischung der Liebe. Nun hatte ich auch diesmal— wenigstens nach Ar sicht meiner arg gekränkten besseren Hälfte— Ugrecht gehabt, und dementsprechend brannte mir schon auf dem Wege ins Geschäft das Gewissen. Ich beschloß daher, mir durch eine besonders großherzige Tat die Verzeihung und einen holden Blick von meiner Frau zu verdienen. Da fiel mir ein, daß sie so gern einmal einen Maskenball besucht hätte, ader bisher mit Rücksicht auf meine Unbeholfenheit diesem Vergnügen entsagt hatte. Nun wollte ich ihr einen besonderen Spaß machen und mit ihr am gleichen Abend — es war gerade Faschingsdienstag— zu einem Maskenfest gehen. So trat ich nach Geschäftsschluß in ein Kaufhaus und erwarb zwei schwarze Pierrots mit gelben Aufschlägen und Pompons. Ich hatte allen Grund, mich über das verächtliche Lächeln der Verkäuferin zu ärgern, die der Ansicht zu sein schien, daß Pierrots doch reichlich veraltete Kostüme sind und gerade den heutigen Damen keine Gelegenheit geben, die Pracht ihrer Seidenstrümpfe zu zeigen. Ich ließ mir aber durch die Miene der jungen Damen nicht die Laune verderben und trug meine beiden Masden erwartungsfreudig nach Hause. In der Stube packte ich meine Herrlichkeiten aus, legte erst den einen, dann den anderen Pierrot auf den Tisch; dann folgten die beiden schwarzen Zuckerhüte; ich kramte ein paar schwarze Seidenmasken hervor, förderte aus elf Taschen Papierschlangen und Konfettibündel ans Lampenlicht, zog zwei Blasinstrumente aus der Brusttasche und— wartete immer noch umsonst auf den Freudenausbruch meiner Frau. Endlich machte sie ihr Mündchen auf: „Das soll denn der ganze Plunder? Du denkst wohl, ich gehe in diesem Affenanzug mit Dir zum Maskenfest! Meinst Du, ich will mich für eine alte Großmutter halten lassen. Heutzutage einen Pierrot! Verrückt!" Da wurde ich zum ersten Mol in meinem Eheleben energisch:„Wenn Du nicht mit willst, dann gehe ich eben allein!“ Meine Frau würdigte mich keines Blickes und verschwand in ihrem Schmollwinkel. Ich strafte sie ebenfalls mit Nichtachtung und zog mich seelenruhig an. Als ich mich in meinem schwarzen Kittel mit den riesigen gelben Wollbüscheln im Spiegel betrachtete, kam ich mir selbst nicht allzu schlau Aussicht genau orientieren, ehe sie einen beKimmten Weg einschlagen. Betrachten wir die Landwirtschaft, so sehen wir, daß sie auch heute noch in der Zahl ihrer weiblichen Erwerbstätigen einen großen Vorsprung vor der Wirtschaft hat. Zahlen wirken in diesem Falle leicht verwirrend, weil in der Rubrik ein großer Teil„mithelfender Familienangehöriger“ mit ersaßt wird. Diese Betriebsamheit der Angehörigen kann nicht immer rein berufsfähig bewertet werden. Andernteils ist es unbedingt wünschenswert, viele Landtöchter wiederum in der Landwirtschaft gu verankern, da ihre Eignung denen der Städterin, dank ihrer Erfahrung, weit voraus ist. Wenn die Landwirtschaft heute existenzfädig bleiben will, muß auch sie ihre Betriebe ictschaftli cher gestalten, rationalisieren. Hierzu gehört ein wichtiger Faktor: Vorbildung. So ist der Kampf der Landwirtschaft um Rationalisierung gleichzeitig ein Kampf um verbesserte Vor= und Ausbildung ihrer Mitarbeiter. So liegt hier noch Brachland, das Raum gibt zu vertiefter Ausnutzung. Die Landwirtschaftskammern sind eifrige Helferinnen, sie empfehlen, besonders für Töchter vom Land eine richtige Lehrlingszeit auf von der Kammer anerkannten, Lehrmeisterinnenhöfen. Der weibliche Lehrling muß sich zur Verrichtung jeder Arbeit verpflichten. Für die Städterin kommt eine solche Lehrlingszeit nur in seltenen Fällen in Frage, da für sie die körperlichen und seelischen Anforderungen eine vollständige Umwandlung des Ich verlangen, was nur selten in dem gewünschten Maße gelingt. Doch ein Vortrag von Dipl. Landwirt Müller (Hennef) wies auf andere praktische Möglichkeiten. Zunächst liegt die Notwendigkeit vor, das Fortbildungsschulwesen auf dem Lande zu verbessern, den Knabenklassen mehr gleich. wertige Mädchenblassen anzugliedern, wo die Mädchen zu dem künftigen Beruf als Hauswvon, Landfrau, Mutter und Staatsbürgerin vor und mußte meiner Frau einigermaßen Recht geben— im Innern natürlich nur. Denn. was ich einmal angefangen hatte, mußte ich schon um meiner Manneswürde willen durchführen. Im letzten Augenblick steckte ich noch meine Brieftasche in den Kittel. Sie war angenehm gerundet, denn zwei Tage vorher war der Erste gewesen. Ich wollte sie aber nicht zu Hause lassen, weil ich befürchtete, daß meine Frau sie beschlagnahmen und mich dadurch für den Reit des Monats in unwürdiger Abhängigkeit halten könnte. So begab ich mich mit der freudigsten Miene der Welt zum Maskenfest in die„Harmonie“. Dort ging es lustig zu. Mir war aber die Sache noch reichlich neu. Deshalb zog ich mich nach einigen freundlichen Rippenstößen der Tanzenden in eine stille Ecke zurück und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Ich saß schon eine ganze Stunde und kämpfte mit e#r aufsteigenden Reue, da sauste ein kleiner schwarzer Pierrot mit gelben Pompons auf mich zu und setzte sich auf meinen Schoß. Aha, dachte ich, hier geht es wirklich wie in jeder anständigen Faschingsgeschichte zu: Die erzürnten Gatten treffen sich als Masken und fallen sich nachher selig in die Arme! Denn ich war keinen Augenblick im Zweifel, meine Frau auf dem Schoße zu haben. Rosige Oehrchen, dunklen Bubenkopf, braune Augen hinter der schwarzen Seidenmaske: nur sie konnte es sein! Wir amüsierten uns köstlich. Obwohl ich aus meinem kleinen Pierrot kein Wort herausbekommen konnte, verstanden wir uns, wie ich das zwischen Mann und Frau nach einer Auffrischung der Liebe nicht anders erwartete, auch stumm ganz großartig. Bald verspürte ich Hunger, denn ich hatte 32. Hause kein Abendessen bekommen. Ich Fu daher meinem Pierrot vor, einmal die katte Küche in Augenschein zu nehmen. Aus dem Besehen wurde rasch ein kräftiges Zugreifen. Ein Lachs= und Kaviarbrötchen nach dem anderen verschwand hinter dem Seidenlappen der Gesichtsmaske meines Schwarzgelben. Endlich durfte ich meine Brieftasche zücken und bezahlen. Als ich das kostbare Kleinod wieder in meinen Kittel stecken wollte, nahm mir der Pierrot die Tasche ohne weiteres aus der Hand— der Griff hierbei war ganz der meiner lieben Frau— und ließ sie verschwinden. „Meinetwegen,“ brummte ich,„behalte sie, ausgebildet werden. Hierzu gehören geeignete Lehrkräfte. Sodann fehlen noch Lehrerinnen der landwirtschaftlichen Hauskunde für wirtschaftliche Frauenschulen, denn die„Landwirtschaftliche Hauswirtschaft“ ist der allgemeinhauswirtschaftlichen vollständig abwegig Eine weitere Erwerbsmöglichkeit, wo noch Kräftemangel vorliegt, ist die landwirtschaftliche Hausbeamtin, die imstande sein muß, eine Gutsherrin zu vertreten. Zu den beiden letzteren Berufsbildungen ist Lyzeumsausbildung Voraussetzung des Studiums. Durchschnittlich ist die Neigung zu landwirtschaftlicher Tätigkeit gering, in wahrer Landflucht drängt die Jugend zur Großstaot und Stadt, um hier vielleicht jahrelang vergebens auf eine Existenzmöglichkeit darbend zu harren, Mitträger der geistigen Erwerbolosen, die kein Unterkommen finden können. Wer den Beruf zur Landtätigkeit, gleichviel ob als Lehrerin oder Beamtin ergreift, muß sich über die Anforderungen klar sein, muß Freude haben an der Natur, gesund sein und frohen Arbeitswillen besitzen, denn der landwirtschaftliche Beruf stellt, besonders im Sommer oft sehr starke Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit. Es ist ein wichtiges Problem, daß nur die geeigneten Kräfte sich zu den Berufen melden, denn es ist ein äußerst wichtiges Arbeitsseld, das sie erwartet. Kleine Gesellschaftsabende Meine liebe Freundin! Ueber Deinen Brief habe ich mich nicht nur gefreut, weil er mir zeigte, daß es Dir und Deiner Familie gut geht, sondern auch, weil Du mir darin erzählst, daß sich unsre Gäste so lobend über den Verlauf unsres kleinen Gesellschaftoubende geäußert haben. wenn es Dir Spaß macht; aber verliere sie nicht!" Dann tanzten und tollten wir weiter. Auf einmal, mitten im Trubel, ließ mich der Schwarzgelbe stehen, zeigte auf seinen heruntergerutschten Seidenstrumpf und verschwand garderobenwärts. Ich setzte mich inzwischen an einen Tisch und ließ eine Flasche Sekt auffahren. Eine Viertelstunde, eine halbe Stunde verging, mein Pierrot kam nicht wieder. Ich fxagte die Garderobenfrauen, die Pförtner und Uner nach meinem Schwarzgelben; keiner hatte ihn gesehen. Er war weg und mit meine Brieftasche...... Saskarkan Als die letzten Nachzügter den Maskenball verließen, war mein Pierrot immer noch nicht erschienen. Man warf mich schließlich auch auf die aschermittwochbleiche Straße und behielt meinen schönen neuen Mantel als Pfand für den schlechten Sekt. Meine ganze Laune war natürlich verschwunden und ich in gelinder Wut, als ich nach Hause kam und meine Frau wie einen unschuldsvollen Engel schlummern sah. Aergerlich rüttelte ich sie hoch:„Wo hast Du denn gesteckt? Warum bist du mir weggelaufen und hast mich ohne Geld sitzen lassen?“ Schlaftrunken starrte mich meine bessere Hälfte an:„Was willst Du denn? Ich bin doch den ganzen Abend nicht aus dem Hause gegangen, seitdem ich Deinen verrückten Piecrot im Kaufhaus für sechs Paar Seidenstrümpfe umgetauscht habe!“ Da fiel ich vor Schreck der Länge nach aufs Bett:„Was, Du bist gar nicht auf dem Maskenfest gewesen? Ich habe doch ganz genau deinen Pierrot er kannt! Es war noch ein Fehler in der Seide auf dem Rücken, deshalb war er auch um zehn Mark billiger!“— Da schwur sie, daß sie nicht auf dem Fest gewesen war. Dann berichtete sie, wie sie der Verkäuferin im Warenhaus erzählt habe, daß ihr Mann das Ansinnen an sie gestellt hätte, in einem so vorsintflutlichen Kostüm zum Fest zu gehen. Eine junge Dame hätte dabei neben ihr gestanden und dann gesagt, sie wolle das Kostüm kaufen. So war ich einer kleinen Gaunerin in die Finger gefallen.—„Wieviel hattest Du denn in der Brieftasche?" erkundigte sich meine Frau.— Dreihundert Mark“ ächzte ich. Da fiel sie in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich gekommen war, prasselte ein derartiges Donnerwetter auf mein schuldbeladenes Haupt, daß es diesmal für eine zehnwöchentliche Auffrischung der Liebe reichte... Aschermittwoch! Und nun bittest Du mich, daß ich Dir mein „Geheimnis“, solche Abende zu arrangieren, anvertraue. Von Herzen gern, liebe Freundin! Ein wenig Geschmack, gastliche Fürsorge und hausfrauliche Umsicht, das sind die Bedingungen, die zu erfüllen sind. Wenn man will, kann man sagen, daß eine Einladung eine Premiere im Kleinen ist. Die Gastgeber sind die Autoren, die Gäste die Akteure. Beide müssen ihr Bestes zum Wohlgelingen des Abends beitragen. Der Anblick des geschmackvoll, ein wenig künstlerisch gedeckten Tisches versetzt schon die angekommenen Gäste in festliche Stimmung. Ein gut Teil hierzu tragen ein paar schöne Blumen bei. Fülle Deine schönste Vase damit und setze sie in die Mitte des Tisches. Vergiß nicht, unter die Blumen das so wunderschön zartgrün aussehende und sehr dekorierende Plumosus zu tun und zwar so, daß die langen Zweige einen ziemlich großen Teil des Tisches hauchsein bedecken. Lade niemals mehr als sechs Personen ein. Eine Taktik, die von vornherein ein Gelingen des Abends sichert. Und immer Menschen, die in ihrer Wesensart ziemlich zueinander passen. Sie werden sich auf gleichen Interessenwegen bald gefunden haben. Das gemeinsam fesselnde Thema bringt sie einander nah, während bei größeren Einladungen nur Gruppengespräche geführt werden können, die meist konventionellen Charakter haben. Die Gäste haben an den Längsseiten des Tisches Platz genommen, mein Mann und ich an den Schmalseiten. So können wir beide den Tisch überschauen, ob hier etwas zu reichen ist, dort Getränke fehlen. An meiner rechten Seite steht ein kleines ebenfalls hübsch gedecktes Tischchen, von dem aus ich den Tee und die Platten reichen kann, so daß sich das störende Aufstehen nach Möglichkeit erübrigt. Ist ein Dienstmädchen zum Servieren da, ist das Tischchen ja überflüssig. S 8 8 E *** 3• 8— E g * S 8 2 EgE 5 S G S * 53 2 g. E 9 K 65 E 8 W 8 *•8 E 9 3 E mn• — 0 60 *.* 9.2 6 — 5 □ S 33 E 5 S 9-S 215 5 S S 8 S 6 1. * 5 S S: S 5 S 8 * 8 5 PI#nSGE — 5 5 5 # a SEES S oSS•ES 2 6 50 — 2* 5 S 2 E 8 8 S a2 # E S 55 2 K 5 9 42 8 80 85 * e. 5 9 S 5 5 * S 3 E S 55 85 5 9 3 Sochss Kostspielige Heilung von Eifersucht Eue Fachiggschiche Fein war das ausgedacht! Endlich hatte sie die Gelegenheit, ihren Mann auf die Probe zu stellen, ob er ihr wirklich treu war. So oft er ihr auch versicherte:„Ich liebe nur meine kleine Ruthi=Putti!“, sie glaubte es ihm nicht! Sie war ja wohl schön genug einen Mann zu fesseln, aber die Versuchung für Gerd, war zu groß. Wenn sie sah, wie die Frauen an seinen Lippen hingen, wenn er etwas erzählte, wie sie ihm mit den Augen folgten, wenn er mit ihr, seiner Frau tanzte, wie man sie neidisch musterte, wenn er ihr in seiner ritterlichen Weise behülflich war. Nein, sie konnte es ihm nicht glauben, er naschte gewiß doch manchmal von verbotenen Früchten. Eisersüchtig wachte sie über ihn, aber noch nie hatte sie etwas gemerkt, na, jetzt würde es sich ja finden.—— Gerds Freund, hatte ihn und seine Frau eingeladen, einen Maskenball mitzumachen, Ruth bat Gerd jedoch ohne sie hinzugehen, sie hätte keine Lust, wollte lieber zu Hause bleiben.— „Nein, Ruth, unmöglich, ohne meine kleine Frau soll ich zum Ball? Ausgeschlossen! Dann bleibe ich auch zu Haus," brauste er auf. Ruth staunte— sollte er doch nicht? Aber er tat gewiß nur so. Freute sich vielleicht innerlich, daß er ohne sie gehen konnte. „Ach geh nur allein, ich will nicht, daß Du hier bleibst, muß sowieso noch verschiedene Briefe schreiben, das erledige ich dann,“ sagte sie troßie....„4 15 An mmte ucb a Gerd strauvre sich noch ein wenig, gud aber schließlich nach... Nun war der Abend gekommen. Ruth hatte sich ein sehr schickes Kostüm arbeiten lassen, es stand ihr tipp=topp. Sie wartete auf Gerds Fortgehen.— Endlich kam er. Im eleganten, schwarzen Domino stand er vor ihr und sah sie liebevoll an.—„Auf Wiedersehn Liebling, tut es Dir nicht leid, daß ich allein gehe, soll ich doch lieber jetzt noch hier bleiben"?, fragte er zärtlich. „So ein Heuchler, wie gut er sich verstellen hann," dachte Ruth, laut aber sogte sie: „Nein geh' nur.“— Er bettelte mit den Augen.„Bekomme ich keinen Abschiedskuß?“ „Doch“, sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küßte ihn. Er hielt sie fest und trank sich satt an dem. kleinen, weichen, halbgeöffneten Rosenmund. Er liebte seine süße, kleine Frau, wie nichts Mit einem langen Blick umsaßte er ihre zarte Gestalt, dann ging er. Jetzt wurde sie aber flink. Temperamentvoll setzte sie die silberne Klingel in Bewegung. Die Jungfer erschien:„Bnädige Frau wünschen?“— Schnell Liesa, mein Maskenkostüm.“ Eine halbe Stunde später entstieg Ruth ihrem Auto und betrat, klopsenden Herzens den Saal. Viele sahen sich nach ihr um. Die meisten Frauenaugen hingen an der kostbaren Halskette, die sie trug. Ein Familienerbstück im Werte eines kleinen Vermögens. Das war das schönste Schmuckstück, welches sie besaß. Ruth dachte, eigentlich dumm von mir, die Kette um zu tun, Gerd könnte mich dadurch leicht erkennen, aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern. Jetzt schaute sie nach dem großen schwarzen Domino aus.— Plötzlich streifte eine schlanke Männerhand ihren Nacken und eine offenbar verstellte Stimme fragte:„Wollen wir tanzen, Kleine?" Sie sah zur Seite, ja, er war es— statt aller Antwort nickte sie nur, das Herz schlug ihr bis zum Halse. „Wenn er mich nur ja nicht erkennt, dann ist alles verloren", dachte sie, und als er mit ihr sprach, verstellte sie auch ihre Stimme. Er schien eine besondere Vorliebe für sie zu haben, immer wieder tanzte er mit ihr und während des Tanzens besah er sich oft ihre Halskette— das sah sie aber nicht, denn sie reichte ihm nur bis zum Herzen. Beim Tanzen hielt er ihren schlanken, geschmeidigen Körper fest in seinen Armen, und führte sie sicher und leicht durch die Reihen. Je länger sie mit ihm tänzte, je besser fand sie sich in der Situation zurecht. Er scherzte— und sie lachte girrend, sah ihm verliebt in die Augen und kokettierte mit ihm nach allen Regeln der Kunst.——— Es war schon sehr spät, sie saßen zusammen in einer Nische. „Jetzt kommt es“, dachte Ruth,„dann soll er aber was erleben.“ Er stand auf, seine Augen tief in die ihren senkend, sagte er leidenschaftlich: „Ich liebe Dich, kleine, reizende Hexe“, riß sie wild in den Arm und preßte seine Lippen fest auf ihren Mund. Sie versuchte, sich aus seiner Umarmung zu befreien, was ihr aber nicht gelang. Enolich hatte sie eine Hand frei, klatschand schlee= sio ihn damit ing(Kasicht: Mir Du andere Frauen. Du Scheinheiliger, pfuk“, stieß sie zischend vor Empörung hervor. Seine Maske hatte sich, wahrscheinlich durch den Schlag gelockert, und fiel jetzt plötzlich auf die Erde.— Ruth vergaß ihren Mund, den sie schon wieder zum Sprechen geöffnet hatte, zu schließen, Himmel— das war ja gar nicht ihr Mann— ihr völlig fremde Augen sahen sie verwundert und verblüfft an. „Verzeihung— Gott— ich dachte mein Mann“... stammelte sie. „Gnädigste scheinen sich in einem Irrtum zu befinden— Sie gestatten, daß ich mich empfehle?“ Eine kurze Verbeugung— dann war sie allein——— Erschöpft ließ sie sich in einen Sessel fallen und überdachte die Lage. Dann lachte sie befreit auf— also war ihr Mann doch nicht treulos. Furchtbar aufgeregt war sie doch gewesen, an ihrem Hals klopften jetzt dochdie Adern— sie fühlte dahin— ein kalter Schauer rieseite ihren Rücken herunter— ihre Kette war fort. Sie suchte auf der Erde, im Sessel— vergeblich, eine dunkle Ahnung stieg in ihr auf, sie stürzte in den Saal, aber von dem, den sie suchte, war nirgends eine Spur zu finden. Mühsam schleppte sie sich nach einem Auto, gab ihre Adresse an und fühlte das Bewußtsein schwinden.... Als sie wieder zu sich kam, lag sie in ihrem Zimmer, auf der Chaiselongue und Gerd beugte sich mit besorgten Blicken über sie— jetzt— als sie die Augen aufschlug, stieß er ein befreites„Gott sei Dank“ hervor, dann fragte er: „Aber Ruth, Liebling, was hast Du nur angestellt? Wo bist Du nur gewesen? Ich bin auf halbem PWege umgekehrt, um doch lieber bei Dir zu bleiben. Komme nach Haus, da bist Du nicht da, die Jungfer sagt: Du seist im Theater. ich warte— endlich um Mittemacht bringt man dich ohnmächtig, im Maskenkostüm, nach Haus. Ruth, Ruth, was hast du nur gemacht?“ Sie weint, schluchtzt, erzählt ihm dann aber alles, schildert ihm ihre Eifersucht, ihre Pläne bezüglich des Maskenballs, sagt ihm auch das, mit dem vermeintlichen Gerd, im schwarzen Domino, mit dem Kuß, und der entwendeten Halskette. Zületzt bittet sie ihn um Vergebung. „Jetzt bin ich gründlich von meiner Eifersucht geheilt", sagt sie unter Tränen lächelnd.„und das ist die Halskette doch wert?" „Ja, das ist die Kette wert,“ sagt er leise, auf der Welt, und ihre Eisersucht, mit der sie schend schlug sie ihn damit ine Gesicht:„Nir ihn so oft quälte, war völlig unbegründet.—heuchelst Du Liebe und Treue, und dann küßt und küßt ihr die Tränen fort Zuerst reiche ich den Tee und die zu einer hübschen Rosette arrangierten bunten Brote. Halbierter runder Pumpernickel mit Butter und Käse und kleine Käsestangen bilden das Innere der Rosete. Nach einer verhältnismäßigen Pause, während der Unterhaltung, decke ich Tassen und Teller ab und setze an jeden Platz die schon in der Küche bereit gehaltenen Ananasscheiben mit Schlagrahm. Dazu setze ich in die Mitte des Tisches kleine leichte Waffeln oder kleines Teegebäck, während mein Mann die Weingläser füllt. Einen guten leichten Rotwein finde ich am geeignetsten. Um die Getränke muß sich der Hausherr kümmern. Er hat die Flaschen in erreichbarer Nähe. Die kleinen in Goldpapier gewickelten amüsanten Schokoladenherzen, die jeder Gast neben seinem Gedeck vorfand, passen auch als süße Erinerung zu der Ananas. Bei Sommereinladungen pflege ich jeder Dame eine hübsche Blume zum Anstecken auf die Platzkarte zu legen. Jetzt bittet mein Mann, im Nebenzimmer in bequemen Stühlen Platz zu nehmen und bietet die Zigarren und Zigaretten an. Hat ein Gast künstlerische Fähigkeiten, spielt er Klavier, singt er, liest er gut vor, wird er liebenswürdig gebeten, doch von seinem schönen Können zu spenden. Diese Bitte wird meist gern erfüllt und die Stimmung dadurch um vieles gehoben. Die Obstschale ist ein farbenfrohes Arrangement von Aepfeln, Orangen, Trauben, Bananen und Nüssen. Ich stelle sie in die Mitte des Rauchtisches, damit jeder Gast nehmen kann, was ihm beliebt. Papierservietten und Glasteller stehn daneben. Befindet sich unter den Gästen eine durch Reisen oder Erlebnssie bekannte Persönlichkeit, so muß der Gastgeber es verstehen, diese zum ausgiebigen Erzählen anzuregen. Geschickt müssen überhaupt alle Anwesenden zum gesellschaftlichen Rahmen und Geben veranloßt werden. So, meine ließe Freundin, wenn du nun ecrechnest, wie verhältnismäßig wenig Kosten so ein kleiner Gesellschaftsabend verursacht, wirst du dir auch des öfteren die Freude solcher Geselligkeit gönnen. Deine Hildegard. —12.— Aus der guten alten Zeit Von E. Stock. In einer alten Häuslichkeit hat jedes Stück eine liebe Erinnerung, sei es eine Trazgz, eig Stutzuhr, ein Spinnrgd usw. Ja,(erte, ein Marktkorb, so prosaisch dies auch kungt, ruft manchmal viel längst Vergangenes hervor. Der, von dem ich nun heut erzählen will, erblickte das Licht der Welt im Jahre 1860 und zwar auf Bestellung. Er ist nun zwar inzwischen etwas brüchig geworden und beiseite gestellt, aber nur aus dem Grunde, weil wir mit ihm alt geworden sind, die Zeiten. ändert haben und wir auch nicht meyr schwer schleppen können. Die liebevolle Pietät haben wir ihm bewahrt, der so treue Dienste in unserem Elternhause tat. „Polen“ war seine Geburtsstadt, ein Korbflechter in der Schützenstraße half zu seiner Entwicklung, daß er so kräftig wurde, eine möglichst große Kalbskeule tragen zu können. Viel Geselligkeiten waren in unserem Elternhause üblich; das brachte der Stand unseces Laters mit hoh. 464 Die gute alte Zeit war ja einfach mit ihren Ansprüchen. Der Gaumen war noch nicht überreizt von lukullischen Genüssen. Ein schöner, großer Kalbsbraten zur Abendgesellschaft und vorher ein Schwmmpudding mit 16 Eiern, das Ja, wird die heutige Generation denken, ein zwanzigpfündiger Kalbsbraten, das ist schon eine große Ausgabe. Ja heute! Aber damala! Wißt ihr, was das Pfund kostete? Rund zwei Groschen! Das konnten sich unsere Elteon schon leisten. Und da häufig Gesellschaften gegeben werden mußten und es unserer Mutter zu viel Zeit fortnahm und sie auch nicht gern zum Markt ging, so bestellte sie einfach den Marktkorb extra für die Kalbskeule, die der Bursche dann vom Marktschlächter holen mußte. Ab und zu saßte er auch eine schöne große Ochsenzunge, das Pfund zu vier Groschen, die dann mit Madeira=Soße und Mürbeteig ein herrliches„ragout fin" abgab. Die Braten aber, die er mit herausschleppte, waren allemal köstlich und mundeten den Gästen großartig. Nur einmal erinnere ich mich der hellen Verzweiflung meiner Mutter. Der Braten wollte nicht werden. Der Osen hate keinen Zug. Schließlich rief man den Schornsteinseger und des Rätsels Lösung war: ein verbrannter Kater saß in der Bratofenröhre. Nachdem er entfernt war, brannte das Feuer hell und der Braten kam dennoch verspätet auf den Tisch. Wie viel solcher großen Braten und Zungen der Korb mal getragen haben mag: Seine größte Leistungsfähigkeit fiel in die Jahre 1864—1866. Dann kam der Krieg. Unser Vater zog hinaus ins feindliche Leben und kehrte krank zurück.— Abschied wurde genommen und unser Johann, der einst schmierigste Bursche, aber äußerst intelligent als Pole, von unserer Mutter zum feinsten Diener erzogen, wurde entlassen. Der Korb hat sein hellgelbes Gewand durch Anstrich in ein braunes verwandelt. Wir aber blicken auf ihn wie auf einen Freund, der die guten, alten Zeiten miterlebt hat. Anmut und Bewegung Wir haben unsere Glieder bekommen, um uns zu bewegen. Die Harmonie der Glieder verlangt eine Harmonie der Bewegung. In der Harmonie der Bewegung kann sich die ganze Anmut unseres Körpers zeigen.