eisung, ablegen kann. Also auch hier der ein Ausdünsten des Körpers unmöglich. #as aber noch hinzukommt, ist die Lichtundurchlässigkeit bei der Männerkleidung. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wie wichtig es ist, daß unsere Haut dem Licht ausgesetzt ist, wissen wir. Man hat nun festgestellt, daß lichtempfindliches Papier, das man auf die bloße Haut gebracht hat, unter der Frauenkleidung dunkel wird, hingegen bleibt es bei der Männerkleidung durch die Lichtstrahlen unbeeinflußt, ein Beweis also, daß das Licht die Kleidung des Mannes niht zu durchdringen vermag. Also wieder ein Beweis, daß die Männerkleidung gesundheitswidrig ist. Wie gesagt, hier können die Männer von den Frauen lernen(womit nicht behauptet werden eu, daß es nicht auch sonst geschehen könnte!) Auf jeden Fall hat sich die Frau viel schneller und viel durchgreifender einer hygienischen Kleidung zugewandt, als das beim Manne geschah. Lassen wir es uns also zum Gesetz werden, hierin den Frauen nachzustreben und fangen wir— im Interesse unserer Gesundheit — bald damit an. —.— Kinderkirchen in England In England gibt es seit einiger Zeit Kirchen in denen die Kinder unter sich sind, und die ihnen ganz allein gehören. In mehreren Städten ist der Hauptkirche noch ein Anbau hinzugefügt worden, und Sonntags, wenn der allgemeine Kirchgang ist, kommen die Eltern mit den Kindern an der Hand. Während die Erwachsenen ihre Plätze einnehmen, gehen die Kleinen stolz weiter in ihre eigene Kirche. Dort halten sie ihren eigenen Gottesdienst ab, der sich nicht etwa in der Form von Sonntagsae hp pielt, bel denen die Leitung immer hin noch in den Händen Erwachsener liegt, sondern dort stellen die Kinder aus ihren Reihen auch die Redner. In regelmäßig wochentlich stattfindenden Versammlungen wählen die jungen Kirchgänger ihren Diakonus, der dann für den Vorlesestoff zu sorgen hat, die Auswahl der Lieder vornimmt und sich auch um Sammlungen zur Stützung der Kirchenkasse zu bemühen hat. Für Kinder unter vierzehn Jahren, denn alles, was darüber ist, darf nicht mehr in die Kinderstuben=Kirche kommen, sind das wahrlich ganz erstaunliche organisatorische Leistungen, die da vollbracht werden. Ein wich tiges Hilfsmittel hat man ihnen mit einem besonders bearbeiteten Kinderkirchenbuch in die Hand gegeben, in dem Sprüche, Lesestücke und Gedichte enthalten und außerdem in der Art der bei Kindern so beliebten Poesiealben mehrere Seiten freigelassen sind. Darauf können sie dann selbst einschreiben, was ihnen schön und weise dünkt. Ein Chor, aus Knaben und Mädchen gebildet, vervollständigt die Kirchengemeinde der Kleinen, in der sogar schan die Frage der Stellung der Frauen, das „eißt hier, der Mädchen, angeschnitten worden ist. Es ist ja eine alte Geschichte, daß mit dieser Problemstellung nicht früh genug begonnen werden kann. Bekanntlich muß ein Sextaner schon darüber erhaben sein. In dieser leinen Kirchengemeinde entstehen Auseinandersetzungen über die Frage, ob Mädchen auch zum Redneramt zugelassen werden sollen. Anschei nend war der Verstand dafür, das Gesühl dagegen. Schließlich wurde der Beschluß gefaßt, daß keine beträchtlichen Gründe gegen die Besetzung des Redneramtes durch Mädchen vor liegen, aber man wollte es vorläufig dabei lassen, daß nur Jungen zugelassen werden, wofür auch der äußere Umstand spräche, daß in der Kirchengemeinde mehr Knaben als Mädchen seien. Wahrlich, Englands junges Geschlecht, das durch die Kinderkirchen seinen Weg ins Leben nimmt, es wird, ob sehr fromm, das läßt sich noch nicht vorhersagen, aber ganz gewiß mit einer nicht geringen Dosis Selbstvertrauen und Selbstsicherheit versehen sein. Sie wollte sich scheiden lassen Frau Jenny war seit drei Jahren verheiratet und wollte sich seit zwei Jahren scheiden lassen. Jedenfalls sprach sie immer davon. Aber es kam nie so weit. So recht ernst mit dem Scheiden war es ihr auch nicht. Eigentlich wollte sie ihrem Manne nur ein wenig Angst machen. Wenn er einmal gesagt hätte:„Ach, mein Liebling, laß das doch, mache keine Dummheiten, komm, gib mir einen Kuß..“ dann wäre alles gut gewesen. Aber er war, wenn sie vom Scheiden sprach, immer so furchtbar gleichgültig, lachte sogar, zuckte mit den Schuttern, als wenn er sagen wollte:„Na, Siitel! Diese Gleichgültigkeit konnte sie nicht überwinden. Es mußte ihm einmal gezeigt werden, daß es ihr bitter ernst war. Und so hatte sie sich einen besonders feinen Plan ausgedacht. Am Abend, wenn der Mann aus dem Büro kam, wollte sie so tun, als ob sie am Telefon mit ihrer Freundin Käthe spräche, und in diesem Gespräch wollte sie alles sagen, was sie auf dem Herzen hatte. Er sollte alles hören, und wenn er dann sah, daß sie wirklich von ihm gehen wolle, dann würde es wohl aus sein mit seiner Gleichgültigkeit. Aufgeregt sah sie der Stunde entgegen, wo ihr Mann nach Hause kommen mußte. Da hörte sie seine Schritte auf der Treppe, hörte, wie die Korridortüre aufgeschlossen wurde und er auf die Garderobe zuging, um seinen Mantel aufzuhängen. Sie stand längst an dem Telefonapparat, und so laut, daß er es hören mußte, und mit verhaltenem Schluchzen rief sie: „Nein, Käthe, suche mich nicht umzustimmen! ... Mein Entschluß ist unabänderlich, ich gehe für immer!... Er behandelt mich wie eine Puppe, er ist ein Scheusal, nicht einen Tag länger bleibe ich mehr mit ihm zusammen. Mein Koffer ist gepackt, ich fahre noch heute mit dem Nachtschnellzug zu meinen Eltern. Leb' wohl, Kathe!... Nein, nein, es bleibt dabei, es ist aus, ganz aus...“ Und mit heftigem Ruck legte sie den Hörer auf den Apparat. Dann öffnete sie die Korridortür und sah sich ihrem Manne gegenüber. „O Gott, du hier?" rief sie mit künstlich gespieltem Entsetzen. „Jawohl, ich bin hier. Warum sollte ich nicht hier sein?“ „Dann hast du auch alles gehört, was ich mit Käthe gesprochen habe?“ „Natürlich habe ich alles gehört,“ sagte er mit derselben Gemütsruhe, die sie so oft zur Verzweiflung gebracht hatte, während er nach seinem Hut griff und anfing, sich langsam seinen Mantel wieder anzuziehen. „O... Oh... Wo willst du hin?“ rief sie aus. „Aber, meine Liebe, ich will nur hinuntergehen und dir ein Auto holen, damit du den Nachtschnellzug nicht versäumst...“ Aus dem Engen und Weiten Gehörprüfung in der Schule. Mit Hilfe eines sinnreichen Apparates, Audiometer genannt, werden neuerdings an Schulkindern Gehörprüfungen vorgenommen. Alle Schüler und Schülerinnen werden mit Kopfhörern versehen und müssen nach dem Diktat einer Grammophonplatte, die mit verschiedenen Lautstärken spielt, schreiben. Diese schulärztlichen Untersuchungen verfolgen den Zweck, den Kindern Klassenplätze zuzuweisen, die dem individuellen Gehörvermögen angepaßt sind. Schüler mit weniger gutem Gehor erhalten demzufolge ihren Platz in unmitteloarer Nähe des Lehrers. K. T. Die Kleidung der Eskimofrauen. Die Eskimos, die nördlichsten Bewohner unseres Planeten, gehören bekanntlich zu den unkultiviertesten Völkern der Erde. Ihre Lebensweise ist im höchsten Grade primitiv. Nichtsdestoweniger beweisen die Frauen jener Eis=Nomaden, daß auch sie Töchter der Eva sind. Ganz besonders setzt uns die geschmackvolle Kleidung der Eskimofrauen von der Nordküste Alaskas in Erstaunen. Die Kombination der einfachen Ornamente, Würfel und Linien führt bei ihnen zu einer künstlerischen Gesamtwirkung, die einen feingebildeten Geschmack voraussetzt. Aeußerst vornehm wirken auch die Winterkleider der Eskimofrauen, die aus den kostbarsten Pelzen zusammengesetzt sind und ein Vermögen repräsentieren. B—rg. —1•.— Ratschläge und Winke Mittel gegen Schnupfen. Wer einen Schnupfen schnell fort haben will, versuche folgendes: Vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen trinke man ein kleines Glas lauwarmes Wasser, dem man nicht mehr als drei Tropfen Jod beigemischt hat. Am Tage selbst hat dieses Mittel keinen Zweck; dagegen dürfte man nach einem Tag bei der angegebenen„Kur“ seinen Schnupfen los sein. Bemerkt sei noch, daß das Mittel im Anfangsstadium sicher hilft, ebenso, daß eine so geringe Menge Jod dem Körper nichts schaden kann. Bei Kindern gebe man zwei Tropfen in das Wasser. Scheuerlappen reißen nicht so schnell, wenn man sie vor dem Gebrauch heiß überbrüht. Sehr ratsam ist es auch, sie zunachst mit einem alten Bandstreijen schräg zu übernähen, und zwar so, daß von jeder Ecke zur gegenüberliegenden je ein Bandstreifen geht. Wenn man dann noch darauf achtet, daß anstatt des Auswringens lieber ein Ausdrücken durchgeführt wird(denn gerade das feste Drehen der Tücher ist von Nachteil!), so dürfte die Garantie gegeben sein daß selbst die heutigen Scheuertücher, die ja bekannt sind für schlechte Haltbarkeit, eine vierteljährliche Lebensdauer bei täglichem Gebrauch haben. Handschuhe halten an den Fingerspitzen länger wenn man vom ersten Tage an ein winziges Wattebäuschchen in jeden einzelnen Finger steckt. Dasselbe trägt nicht auf, verhindert aber, daß der Fingernagel das Gewebe durchstößt. Nicht in Kugelform, sondern in länglicher Form soll das Stückchen Watte in den Handschuhfinger gesteckt werden. Haltbares Strumpsstopfen. Um gestopfte Stellen an Strümpfen haltbarer zu machen, empfiehlt es sich, ein Stück großlöchrigen Tüll unterzulegen. Man schneidet ein Stück Tüll, etwas größer, als das Loch im Strumpf, heftet es von der linken Seite auf und stopft danach das Loch zu. Besonders bei Kinderstrümpfen, die ja meist grözere Löcher aufweisen, ist diese Art des Stopfens vorzuziehen, da durch die sehr festen Fäden des Tulls ein nochmaliges Reißen an derselben Stelle fast unmöglich wird. Stiefel. sollte man auf folgende Weise putzen: Am Abend reibt man die Stiefel mit der Schuhcreme tüchtig ein(und zwar sollte man nie mit dieser sparen, da das immer auf Kosten des Leders geschieht), und erst am nächsten Tage putzt man mit der Bruste oder einem weichen Lappen das Schuhzeug blank. Durch das Stehen über Nacht zieht das Fett besser in das Leder ein und hat zur Folge, daß beim späteren Putzen nicht nur an Zeit gespart, sondern auch ein höherer Glanz des Leders erzielt wird. Marzipan lange frisch zu erhalten. Eigentlich dürfte es kaum vorkommen, daß Marzipan trocken und hart wird, denn dazu schmeckt es zu gut, aber es gibt auch Menschen, die sind noch beim„Naschen“ sparsam! Um nun das Marzipan vor dem Austrocknen zu bewahren, tue man es in einen Karton und schlage diesen in feuchte Tücher, etwa vierfache Schicht. Der Karton wird freilich hierdurch unbrauchbar, aber— das Marzipan ist gerettet. An Geschmack verliert es hierdurch nicht. —.— #eI Büchertich 182 Das neue Daheim(64. Jahrg. Nr. 16) ist erschienen. Ein bunter Wechsel interessanter Abbildungen zu den jüngsten Zeitgeschehnissen eröffnet die Fülle anregender, unterhaltsamer und belehrender Beiträge. Kapitän v. Waldeyer=Hartz würdigt die politische und sportliche Leistung des Weltumseglers Kapitäns Kircheis. Dr. Plambeck schildert die von ihm in einem niederdeutschen Kloster entdeckten, jetzt in Berlin ausgestellten frühgotischen Teppiche, deren schönste auch im Bild gezeigt werden. Dr. Steding gibt einen Aufsatz„Das schwere Pferd im modernen Wirtschaftsleben“. Der Dipl. Turn= und Sportlehrer beim Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen H. M. Wagner betrachtet die Aussichten unserer Sportsmannschaft für die Amsterdamer Olympiade. Eine farbig illustrierte Plauderei über den Eislauf schließt sich an. Neben dem neuen Roman von Marie Diers„Die Waisenkinder von Bötefüer" steht eine abgeschlossene Novelle „Der Schneemann“ von Burk und eine kurze Erzählung„Die Uhr Wilhelmine“ von Max Jungnickel. Farbige Wiedergaben von Gemälden alter und neuer Meister, Anekdoten, das Frauendaheim mit vielen praktischen Ratschlägen, eine ganzseitige wertvolle Kunstbeilage und der Rätselteil vollenden den vielseitigen Inhalt des Heftes. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: B. A. Santz, Altena. Pradenr Beilage zum Altenaer Nr. 3 Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Altena, den 17. Januar 1928 Seelische Schädigungen der arbeitenden Frau Von Dr. Brinkmann, Berlin. Bei einer Frau, die in ihrem Berufe aufgeht, was von ihr ja in demselben Maße verlangt wird wie vom Mann, treten Schädigungen ihres Innenlebens naturgemäß viel stärker in Erscheinung als beim Manne. Eine Ausnahme hiervon machen höchstens die höheren, geistigen Berufe, die sich selbst von körperlichen Beeinflussungen auf das Leben der Frau im allgemeinen zurüchhalten. Unter solcher Arbeit leidet die Gesundheit der Frau nicht mehr als die des Mannes, und es hat sich sogar einwandfrei feststellen lassen, daß der gesundheitliche Zustand der jüngeren, im Beruf oder in der Vorbereitung dazu stehenden Frauen sich beträchtlich gehoben hat. Es spielt dabei die moderne Frauenkleidung, die, mit Ausnahme vielleicht der Fußbekleidung, heute ja hygienisch viel einwandfreier ist, als Korsett und lange Röcke früher waren, eine beträchtliche Rolle. Daneben natürlich auch Sport und Gymnastik, weit mehr jedoch aber der Umstand, daß es durch ihren Beruf der Frau schwer gemacht ist, sich nur und nur mit ihrer Person zu beschäftigen, daß sie also mit hilfe der Arbeit fost immer wohltuend von ihren Alltagssorgen und Nöten abgelenkt wird und dadurch auch zu einer geistig erfrischenden Lebenserfassung gelangt. Etwas anderes ist jedoch um das außerberufliche Dasein der arbeitenden Frau, das immer wieder auf die Gesundheit, die Arbeitslust und Berufsfähigkeit störend und hindernd einwirkt. Denn die Frau ist häuslicher und heimgebundener als der arbeitende Mann, und ihr Heim sollte ihr ein Aequivalent für die zumeist doch nicht gerade leichten beruflichen Sorgen und Mühen bieten. Bei der heutigen wirtschaftlichen Stellung der Frau ist das aber nur in den allergünstigsten, seltensten Fällen möglich. Denn meistens muß die Frau selbst ihre Wirtschaft führen, muß selbst kochen, da sie es bald überdrüssig ist, in Restaurants zu essen und sich auch das ihres Einkommens wegen kaum leisten kann, muß selbst für die Instandhaltung ihrer Kleider sorgen usw. Oft kommt dazu noch die Sorge für den Mann und die Kinder, denn nur in ein paar Sonderfällen gestattet das Einkommen beider das Halten der Bedienung. Nun könnte diese Sorge für das Heim der berufstätigen Frau wohl eine Entspannung und eine Erholung von ihren Berufspflichten sein, da ist aber die reine Arbeitsleistung, die von ihr verlangt wird, eine das Maß dessen, was sie tatsächlich körperlich zu leisten vermag, weit, weit übersteigende. Nicht lange, und die Freude der Frau an ihrem Heim verwandelt sich in eine entsetzliche Last für sie und läßt sie nur mit Unlust und Widerwillen an das Heimgehen denken. Wesentlich schlimmer steht es aber um die, die durch Fabrikarbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen gezwungen sind. Die Fabrikarbeiterin, die zum großen Teil doch in modernsten, technisch hochentwickelten Betrieben arbeitet, ist in ihrem außerberuflichen Leben mit der Dürftigkeit ihres Daseins, der mangelhaften Hygiene, ihrer Armut mehr als belastet. Die Enge der Wohnung, die Gedrücktheit der Lebensführung und die innere Leere der Arbeit drängt sie darum fast durchweg zu derben Sensationen, schafft aus ihr den verödeten und entseelten Menschentypus, der sein Vergnügen, seine Zerstreuungen nur noch in der Befriedigung ordinärer Nahrungs= und Sexualinstinkte finden kann. Diesen innerlich verarmten Menschentyp züchtet unsere Zeit unter den Frauen stärker als unter den Männern. Der Mann hat neben der Arbeit doch nicht so sehr den Druck häuslicher Sorgen und Pflichten zu spüren, die der Frau, soweit sie Familie hat, zu einer Notwendigkeit und zu einem Lebensinhalt werden. Er hat mehr Aufstegsmöglichkeiten im Beruf und dadurch mehr Freude an ihm, hat stärkere politische Interessen als die Frau usw. Statt dessen ist die Art der Beschäftigung einer Fabrikarbeiterin — Sortieren, Verpacken, Bedienen von Maschinen— eine so eintönige, monotone, daß, wollte man sie einem Manne zumuten er unfehlbar verblöden müßte. Wenn man außerdem noch bedenkt, daß die Vorgesetzten einer solchen Arbeiterin nicht immer die besten Umgangsformen haben, sie also auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefaßt zu werden pflegt, kann man es beinahe verstehen, Laß ein solches bedauernswertes Geschöpf ihr ganzes außerberufliches Dasein in den übelsten Spelunken und„Vergnügungsstätten“ zubringt und dadurch unrettbar einem sittlichen Verfall zustrebt. Die körperliche und seelische Gesunderhaltung der Frau hängt davon ab, wie ihre Widerstandskraft gegen diese ihr Leben vergiftende Einflüsse gestärkt werden kann. Ansatzsunkte hierzu ja unzweifelhaft vorhanden, in Sportvereinen, in der Jugendbewegung usw., nicht zu vergessen die Bemühungen der Unternehmer, ihren Angestellten die Pausen tatsächlich zu einer Erholung und Entspannung werden zu lassen, gymnastische Uebungen zu ermöglichen(wie z. B. die Post, die großen Warenhäuser) und ähnliches. Es muß dabei allerdings bedacht werden, daß solche Versuche einen durchaus egoistischen Hintergrund haben, weil bekanntlich aus einer ausgeruhten Frau mehr herauszuholen ist, als aus einer, die acht Stunden ununterbrochen durcharbeitet, ein tatsächlicher Nutzen für die Arbeitende ergibt sich also eigentlich nicht. Hier kann nur mit der Zeit die Oeffentlichkeit bessere Möglichkeiten schaffen; der Staat wird über kurz oder lang doch dahin kommen, sich dieser Dinge anzunehmen und durch eine vernünftige Geie“gebung die Arbeit der Frau regeln, vielleicht. indem der Frau ein besonderes„Arbeitsrecht“ geschaffen wird, so wie es für die Jugendlichen kräftig propagiert und nächstens wohl auch zur Tatsache wird. Einst und Jetzt Von Käthe Braun=Prager. Liebe Mutter, während ich Dir schreibe, hat Klara schon ihre Hochzeitsreise angetreten und ich sitze hier in ihrem Mädchenzimmer und denke an Dich, wie Du bei meiner Hochzeit gefühlt haben magst. Sicherlich viel feierlicher als ich. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr begreife ich Euren Ernst aus jenen Tagen, da wir Schwestern das Haus verließen und„ins Leben hinauswaten“, wie man dann so schön zu sagen pflegte. Aber dieser„Ernst des Lebens“ hatte er nicht damals seine Berechtigung? Es war doch wirklich alles fürs Leben. War mit der unendlich reichen und schweren Leinenausstattung, die oft wichtiger als der Mann selbst war und ebenso den schweren Möbeln nicht förmlich ein Bleigewicht um unseren jungen Hals gehängt, das uns immer zuraunte: fürs Leben, fürs Leben, was ganz schrecklich war, wo man doch schon oft mit fünfzehn Jahren heiratete. Und wenn der Mann auch ein, wie es sich oft herausstellte, unmöglicher Teil des weiblichen Wesens war, man hatte mit ihm vorlieb zu nehmen, man hatte keinen anderen Gedanken, daß jemals etwas anderes als der Tod diese Ehe auflösen könne. Und jetzt begreife ich mit einem Male auch, warum heute, in diesem, in allen Dingen so labilen Zeitalter, die leichte Wäscheausstattung, die wir jetzt unseren Bräuten mitgeben. Wenn man von der Bettwäsche absieht, die sich ja nur durch größeren und graziöseren Luxus auszeichnet— denke nur an unsere schweren. gehäkelten Einsätze!— so ist auch die Ausstatung ein Symbol der heutigen Frau, fast wäre ihre Leibwäsche in einen kleinen Koffer zuammenzupressen, Seide und feiner Batist. Welchen Sinn hätte es auch, ihr viel davon nitzugeben, da ja die Wäsche der Mode ebenso interworfen ist, wie Kleider? Und die Möbel? Die Kasten sind oft eingebaut, in manchen Häusern sogar schon die Betten! Moderne Wohnungen bestehen meitens nur aus Ecken, Tischchen und Sessel für die Gäste, damit nur ja viel Gruppen sich bilden können, was der altmodische, massive Eichentisch nicht zuließ, hier eine Vitrine, da ein Kästchen und vor allem wenig Nippes. Vieder ein Symbol, daß die heutige Zeit jeden iberflüssigen Ballast, und die unwahren Linien. der unerläßlichen Kitsche ablehnt. Ein Gegentand der Wiener Werkstätte,— Klara hat hre Hochzeitsgeschenke meistens von dort berommen— ist das einfachste was Du Dir denen kannst: eine gehämmerte Metalltasse, die Linien sind von einer Ehrlichkeit des Selbstzweckes, die beschämen. Ein Glas ohne Verzierung, aber das Material wirkt durch Gehalt ind Farbe, eine Ledergarnitur, schwarz mit regelmäßigen goldenen Streifen, keine Schäfer. (zenen darauf, kein gespitzter Rosenmund. Ich, die schon damals unter den Hochzeitsgeschennen litt, und nicht durchsetzen konnte, sie nicht aufstellen zu müssen, ich empfinde mit besonderer Freude die Vereinfachung der Gegentände. Und nun ist Klara weggefahren mit Seidenstrümpfen und einem Kleid, so kurz, wie wir mit elf Jahren nicht mehr gehen durften, ihr Brautkleid entsprach einem meiner Kleider, als ich, vierzehnjährig, bei Schulschluß ein Gedicht aufsägte: Lachend und sicher, ohne Angst vor dem Ernst des Lebens. Ich weiß, so sehr bedeutet ihr die Ehe nicht mehr das Leben wie uns. Heute ist alles ein Versuch. Jetzt erwächst Pflicht aus Liebe, aber früher mußte Liebe aus Pflicht erwachsen, wenn man das Leben ertragen wollte. Einmal war die geüllte Truhe und die gefüllten Schränke alles, heute kommt es mehr auf Leichtigkeit an, was ja nicht mit Leichtsinn zu verwechseln ist. Auf die Leichtigkeit in allen Lebensformen: in der Seidenwäsche und den Halbschuhen— denke nur an unsere schweren hohen Stiefel!—, in den von Tanz fast beflügelten Körpern. Anmut und Leichtigkeit— ja das waren seltene Gaben zu unserer Zeit der Schwere, als Hüften ind runde Formen überhaupt erst das wahre Weib ausmachten. Ich weiß, Dir kann ich alles sagen, Mutter, denn Du bist eine moderne Großmutter. Ich weiß, Du liebst auch die Anmut und hast die alte Zeit mitgemacht, weil es ja keine Wahl gab und alles unumstößlich festgesetzt war. So wollen wir uns wenigstens an der heutigen Jugend freuen und uns bemühen, mit ihr Schritt halten zu können, wenn wir uns auch noch in unseren Jahren Seidenwäsche anschafjen sollten. Deine Tochter Annaliese. —1—.— Die Strickmode Was bringt sie Neues? Von H. H. Sitte=Hutter. Die Strickmode ist wohl die populärste aller Moden seit Jahrzehnten. Und wenn man die Zeit nachrechnet, kommt man darauf, daß ihr unbedingte: Herrschertum bereits mehr als 3.-8 Jahre zählt. Es fing an mit Strickzucken die nach dem Kriege etwas farbenfreudiger jewählt wurden, dann kamen die Jumver. Der liebe Jumper aber hat schon wieder unjezählte Wandlungen durchgemacht. Ganze gestrickte Kostüme und Complets folgten bald und nach diesen wiederum Pullover und Jum G 3 PokgESOSE S 3•.81 2 SgExDG• # 5 F 5EE S 55 S 9 SE. FSSASSBSEES HSSEDE TR•F5OOSN Sg-SSSDS, Sox, PBgPPPLLAEPERESSB: 5 S SüSEn- Sg S#n Eönsm BaE 53SSUBESASR B 5E ∆ 5 GSSPSUS" SSESSUES Gus#e 5355 8% 2 * B S 555 • SeRA E#zgs S Sei 6.9— S 5Es g SPGHOLER S#e 8 8 S OphHSpEELFE,R, SE. Zngx P--TaSS 5g. Eg: 80 S.5 GGTSEg·O-DESSAE SeE CADOC SoSSgEESOSSEER 95.9• b S. RSSJöSES 97. 60 MERROUO * H S F8r39„„„** 5 u S 85EE3S E** Se7 * E E 6.5 S 6•— D at5 * * * Das Werkzeug Gottes Size von Grete Masse Sie lebten stil. dahin: Halk, der Mann, und Freda, das Weib. Sie waren von weit hergekommen und hatten niemandem weder Gruß noch Wort gegeben. Stumm wie die Tiere waten sie ihres Weges gezogen. Staub lag auf ihren schweren Schuhen, und das Haar, zerzaust vom Wind der Wanderung, stand wild und starr um ihre Stirnen. Sie trugen die Köpfe gesenkt, als müßten sie sich stemmen gegen einen Widerstand. Erst wenn sie sich aufrichteten, sah man, wie groß sie eigentlich waren. Die Frau reichte mit ihrem Scheitel nahezu bis zur Stirn des Mannes. Nahe den Wäldern, fernab von den letzten Dörflern, schlug der Riesenhafte mit der Kraft seiner gewaltigen Arme die Wohnhütte auf. Kreischend zog seine Säge durch das Holz der Bäume, die er gefällt. Das Geräusch der Arbeit und der Schrei des wilden Vogels in den Lüften waren die einzigen Laute, welche die Stille zerrissen, sie stand wie eine Mauer um die beiden Menschen. Jahr um Jahr verging. Sie litten nicht Not. Die Arbeit ihrer Hände war gesegnet. Was ihnen der Wald nicht bot und der Erdboden nicht gab, das holte die Frau nach stundenlangen Märschen aus einer anderen Gegend. Während die Gefährtin fern war, überkam den riesenhaften Mann die Unruhe; es trieb ihn hin und her. Er warf das Arbeitsgerät fort, suchte einen Platz auf, von dem aus er das Gelände weit überschauen konnte, und wartete. Dann und wann zog er eine alte, verbeulte silberne Uhr aus der Tasche und verfolgte düster den Weg des Zeigers. War die Stunde überschritten, ward der Mann bleich wie der Tod; aus seinen Zügen sprang jäh der Ausdruck der Angst empor. Sie steigerte sich zur Qual.„Sie kommt nicht wieder“— stöhnte er. Er sah sie im Geiste davongehen, den großen Städten zu; sie durfte sich ja überall hinwagen. Der Verdacht lastete nur auf ihm. Jeder würde ihn für einen Mörder halten. Er hatte den Fremden tot im Schnee gefunden, als er zurückkam mit dem Gelde, das er für ihn wechseln sollte. Aber das hätte ihm niemand geglaubt. Vielleicht hätte er sich dennoch dem Gericht gestellt, wenn nicht die Frau gewesen wäre, die kühle, rothaarige, schweigsame. Wie wenn man ihn einsperrte? Er wollte sie nicht lassen, die sich ihm wider Willen vermählt hatte, die ihre Pflichten fleißig und getreu verrichtete, aber nie ein Liebeswort für ihn fand, nie von selbst den Arm um seinen Nacken schlang und ihn nie auf den Mund küßte. Er wäre hinter seinen Gefängnismauern dem Wahnsinn verfallen, wenn er sich hätte vorstellen müssen, daß indessen seine Frau als Wirtin allein in ihrer Schenke stand: mit ihrem roten Haar den Brennpunkt aller Männerblicke bildend, die sehnsüchtig nach ihrem schönen Haupte starrten. Nein, er konnte sich nicht einsperren lassen, sich nicht außerhalb der Welt stellen. Die Frau war ihm sofort gefolgt, ohne Murren und ohne Wimperzucken, als er von ihr die Flucht verlangte. In die Einöde, auf der die Stille schwerer lastete als der niedrige graue Himmel. Sie hatte bei ihm ausgeharrt Jahr um Jahr, und seine Liebe geduldet. Nur wenn sie mit ihrer Kiepe über Land ging, und Stunden um Stunden verrannen, bis er sie zurückkehren sah, überfiel ihn die tödliche Angst, daß sie irgendwo auf Nimmerwiedersehen untertauchen könnte. Aber jedesmal war sie heimgekehrt. Wenn er sie von ferne erkannte, schlich er zur Wohnhütte zurück. Trat die Frau ein, lag er wie schlafend da. Durch den Spalt der Augenlider sah er untätig zu, wie sie sich abmühte, die Tragbänder zu lösen und die Kiepe niederzusetzen. Das Korbgeflecht war bepackt bis über den Rand hinaus. Aber die Frau seufzte nicht; sie gehörte zu denen, die nicht klagen.—— ... Einstmals, am Morgen nach einer solchen Heimkehr, stopfte der Mann die Pfeise mit dem Tabak, den die Frau mitgebracht. Während sie am Herd hantierte, packte er die Dinge aus, die sie eingekauft, und stapelte sie nebeneinander auf. Das Papier, in das sie eingewickelt gewesen, legte er zurück. Meistens war es braunes oder graues Packpapier, manchmal aber auch eine alte Zeitung. Die bewahrte er auf und las sie auch noch, wenn er ihrer überdrüssig geworden, denn die Frau und er saßen sich an den langen Abenden fast einsilbig gegenüber. Die Frau, die über den Herd gebeugt stand und sich um das Feuer mühte, hatte nicht gesehen, was hinter ihrem Rücken geschah. Sie vernahm nur ein Aechzen, einen Ruf, dem man es anhörte, daß er aus einer übervollen Brust kam, und sah zu ihrem Erstaunen, als sie sich umdrehte, in seinen groß ausgerissenen Augen den Triumph brennen. Sie rührte ihn an: nicht mit Worten, sondern nur mit den Blicken fragend, was geschehen und was ihn so verwandelt. Er riß eins der alten Zeitungsblätter hervor und rief: „Weißt du, was dies hier ist? Es ist das Werkzeug Gottes!“ Sie nahm ihm die Zeitung aus der Hand und las:„Ein hiesiger Geschäftsmann, Charles Parker, hat sich dem Gericht gestellt und bekannt, vor neun Jahren, im Orte St.. seinen Kompagnon, den Kaufmann Hilarius, erschlaigen zu haben, um Alleininhaber der Firma zu werden und betrügerische Manipulationen zu verschleiern. Parker legte dieses reuevolle Geständnis aus Erschütterung darüber ab, daß sein einziges, abgöttisch geliebtes Kind während eines Gewitters vom Blitzschlag getötet wurde. Er hat dies in seinem Schuldbewußtsein als eine Vergeltung und ein himmlisches Strafgericht angesehen.“— Lange hielt die Frau das Zeitungsblatt in der Hand. Dann wurden ihre Augen groß und glänzend, und das Blut flutete ihr wie eine lichte Welle in die Schläfe.„Dies, Halk, ist in Wahrheit das Werkzeug Gottes. Es sagt laut und unwiderlegbar, daß du an dem Morde unschuldig bist.“ „Du hast nicht an meine Unschuld geglaubt? Du hast mich für einen Mörder gehalten und bist mir doch aus der Heimat in die Fremde gefolgt? Warum tatest du das?“ „Ich bin deine Frau; es war meine Pflicht, Halk!“ Er sah sie schmerzlich an.„Freda, mir scheint, ich habe doch einen Mord begangen. Einen Mord an dir! Ich zwang dich zu mir, obwohl ich wußte, daß du mich nicht liebtest. Ich gebe dich frei! Du kannst jetzt ruhig in die Heimat zurückkehren, in der man nun weiß, daß du nicht die Frau eines Mörders bist. Ich breibe hier in der Einsamkeit, die mir lieb geworden, im Schatten der Wälder, die meine Not gesehen, bei denen ich mir in Arbeit und Kampf ein zweites Leben ausgebaut...“ Sie schwieg. Aber aus ihren Augen brach ein Strahlen, das er nicht zu deuten wußte. „Verstehst du mich nicht, Freda? Du sollst frei sein! In tiesster Seele bereue ich es, dich zu mir gezwungen zu haben...“ Sie lächelte, und alle ihre Strenge, ihre Kühle wurde aufgelöst in diesem zarten kindlichen Lächeln.„Ich nehme dein Geschenk nicht an, Halk! Ich breibe hier, wo du dein zweites Leben aufgebaut. Ich kam gezwungen zu dir; ich bleibe aus freiem Willen bei dir. Hier, im Schatten der Wälder, in der großen Einsamkeit habe ich dich verstehen und lieben gelernt.. Zum ersten Male fühlte er ihren Arm um seinen Nacken und zum ersten Male in freiwilligem Kusse ihren Mund auf dem seinen. perjache. Sie hat aber auch so viele Vorzüge die liebe Strickmode, daß man sie schwerlich aus dem Toilettenbestand der Frau wieder wird streichen können. Aber nicht nur die Frau, sondern der Herr, der Knabe, gehen in gestrickten Kleidungsstücken; also so recht eine „Familienmode“ im besten Sinne des Wortes ist die Strichmode geworden. u-beggner seht vonenten uoh baes. trickte Kleid. Meist sehr farbenfroh. Der ock glatt, einfarbig, dazu ein bunter Jumper oder ein plissierter, karierter Rock und eine glatte Weste, darunter eine weiße Seiden dluse. Als Neuestes aber gilt das„Vierer Complet“: ein Rock, dazu ein Jumper und eine Wefte(abwechselnd zu tragen) und darüber entweder das dazugehörige Jackett oder der Strichmantel. Haben Jumperkleio und Pullover hauptsächlich für den Vormittag zum Einkauf oder für Sportzwecke Geltung, so bringt der Nachmittag das elegante gestrickte Kleid, das sogar schon als „kleines Teekleid" bezeichnet werden kann. Es sind wundervolle weiche Strickstoffe, Angora kasha der modernste, welche mit Crepe de Chine garniert werden oder auch mit buntem Rehleder, welches dann apart durch eingestanzte Metallplättchen verziert wied. Plissees und Falten spielen beim nachmittäglichen Strickkleid ebenfalls eine große Rolle. Die Musterungen sind für alle Tageszeiten sehr lebhaft und man zieht die reizvollen deutschen Wiener Werkstätte=Dessins den zwar sehr modernen, aber etwas langweiligen englischen Dessins vor Der Jumper selbst ich meise= quer gestreift— sehr zum Leidwesen vieler Frauen. die fürchten, daß die Querstreifen die Figur verbreitern. Immer appetitlich wirken auch weiße oder zartrosa Crepe de Chine= oder Linongarnituren auf den gestrickten Kleidern. welche einen duftigen Eindruck vermitteln und schnell gewaschen und geplättet, immer nett und sonber wirben. Ganz kühne Prophezeiungen gehen noch weier: sie sprechen vom gestrickten.. Abendkleid Es ist, offengestanden, bis heute noch nicht so weit, weil gerade die jetzige Mode so herrliche Stoffe für alle Gelegenheiten beschert, daß man sich die„gestrickte Dame am Abend“ nicht recht vorstellen kann. Aber bereits sah man in den letzten Modeschauspielen der ersten Mode gteliers zwischendurch Jumper=Abend=Complets ein reizender Rock mit einem ärmellosen Jumper aus irgend einem gold= oder silberdurchwirkten Stoff. Erst bei genauer Prüfung konstatierte man zu seinem Erstaunen, daß man ein— gestricktes Kleid bewundere. Die in ihrem Können und ihrer Technik ständig wach sende und sich neu umstellende Strickindustrie hat einen unerhörten Schritt vorwärts getan: sie bringt seidendünne und seidenweiche Trikot. stoffe auf den Markt, welche sehr wohl in den Wettlauf treten können mit anderen Stoffen, die gerade momentan en voque sind. Und wenn das gestrickte Kleid auch nicht zum nustergültigen Abendkleid avancieren wird, kann man doch damit rechnen, daß manche Frau im golddurchwirkten Jumper am Abend glänzen und dabei das Odium ganz vergessen machen wird, daß er.. gestrickt ist. —1.— Welcher Chef ist mustergültig? Die„Vereinigung der Maschinenschreiberinnen“ in den Vereinigten Staaten hatte kürzlich an ihre Mitglieder eine Rundfrage gerichtet welcher Prinzipal von den Schreiberinnen als mustergültig bezeichnet werden könne. Die Namen verschiedener Unternehmer wurden in eine Liste eingetragen und es stand jedem Mitglied frei, bei der Vereinigung jede erforderliche Auskunft über die beruflichen Eigenschaften des betreffenden Kandidaten einzuholen. Na— und ob gefragt wurde! Dann kam der peinliche Wahlaht. Ein gewisser Herr Leonhard wurde als Jdealtyp des amerikanischen Chefs von den Mädchen wonniglich erkurt. Hundert Punkte hatte er seinen Mitbewerbern voraus. Man stellte u. a. fest, daß er folgende reizende Eigenschaft besitzt: er selbst kommt stets pünktlich ins Büro, wirft aber nicht mit Tintenlöschern und Papierkörben um sich, wenn eine seiner niedlichen Stenotypistinnen einmal in der Woche zu spät erscheint. Seine Telephonate führt er, wenn irgend möglich, stets persönlich und gestattet seinen weiblichen(natürlich nur ihnen!) Angestellten Privat gespräche in weitestgehendem Maße. Er zieht sich stets wie ein„Gentleman“ an und raucht grundsätzlich keine schlechten Zigarren. Er flucht überhaupt nicht. Er beobachtet nie heimlich die Arbeiten seines Personals und läßt nicht, kurz bevor er auf der Bildfläche erscheint das Gerücht verbreiten, das Büro bekäme ihn acht Tage lang nicht zu sehen, weil er verreise. Er wacht ängstlich auf die pünktliche Innehaltung des Büroschlusses, diktiert keine Briefe nach der Geschäftszeit und brummt nicht, wenn man ihm seine eigenen Fehler verbessert. Er brüllt schließlich auch keine an, wenn er nicht gleich verstanden wird, und ist,— das gab bei der Wahl den Ausschlag— ein liebebedurftiger Junggeselle! Daraus ergibt sich dann folgerichtig für alle Stenotypistinnen die so selten erörterte und so oft heimlich überlegte Frage: Wie heirate ich meinen Chef? —1—.— Tristan und Isolde im Nonnenkloster Zur Ausstellung gotischer Bildtteppiche bei Hinrichsen=Lindpaintner=Berlin. Von Dr. Augusta von Oertzen. In Wienhausen bei Celle in Hannover wurde vor über sechshundert Jahren ein verstecktes Zisterciensernonnenkloster gegründet, die frommen Schwestern, die dort Aufnahme fanden. gehörten dem besten hannoverschen Adel an, sie waren hochgebildet, mit der Kunst und Dichtung ihrer Zeit vertraut. In ihren Mußestunden, die ihnen nach dem Dienst in Kirche und Kloster übrig blieben, machten die Nonnen Handarbeit. Das, was sie in diesen stillen Stunden geschaffen, gehört heute noch zu den seltensten Schätzen mittelalterlicher Textilien überhaupt! Es berührt eigentümlich, wenn man sich vorstellt, daß diese heiligen Schwestern, wenn sie aus der Messe oder von der Beichte gekommen waren, sich an den Stickrahmen setzten und sich eifrig an die Arbeit machten, nicht um die Geschichten der Heiligen und Märtyrer mit ihren bunten Wollfäden zu malen, sondern die wunderbarste Geschichte von weltlicher Minne. die es gibt, nämlich die Geschichte von Tristan und Isolde... Mit ihren feinen, vergeistigten Händen, die es gewohnt waren, sich zum Gebete zu falten, spannen die frommen Bräute Christi das Märchen von Liebesglück und Tod auf ihre Leinwand. Sie benutzten dazu dicke Wollfäden, die leicht gedreht und gefärbt in dem sogenannten „Klosterstich“ in den Stoff eingestickt wurden. Auf den drei— in Streifen eingeteilten— großen Tristanteppichen der Klosterfrauen von Wienhausen wird die ganze glücklich=unglückliche Geschichte des berühmten Liebespaares auf gerollt; aber die Sage ist nicht nach dem bekannten Text von Gottfried von Straßburg wiedergegeben, sondern nach dem noch älteren, nämlich des Eilhard von Oberg, eines Ministerialen am Hofe Heinrichs des Löwen. Die ganze zauberhafte Grazie der frühmittelalterlichen Kunst liegt über diesen Gespinsten der heiligen Schwestern, die graziöse, etwas dekadente Haltung der Könige, Königinnen und vornehmen Höflinge des 14. Jahrhunderts, der elegische Schwung ihrer leicht geneigten Gestalten, die sich unter der Last schwerer Kronen beugen.. Auf einem eisengepanzerten Streitroß sprengt König Marke einher; Tristan, der unwiderstehliche Verführer, sitzt in eleganter Pose in seinem Nachen, der ihn als Brautwerder Markes nach Irland zu dem Vater Isoldens führen soll; er besiegt den Drachen, schneidet ihm die Zunge heraus, und wird von Isolde und Brangäne gepflegt. Später fährt er zu Marke zurück, begleitet von zwei weißen Tauben, welche ein Goldhaar der schönen Königstochter in ihrem rosigen Schnabel tragen. Und weiter spinnt sich auf dem schmalen Teppichstreifen der Nonnen von Wienhausen das Wunder der Verzauberung: Tristan und Isolde, von dem rätselhaften Liebestrank berauscht, vergessen alle Gesetze der Pflicht und des Anstandes... Mit rührender Einsalt erzählen die heiligen Schwestern, wie Marke einst das Liebespaar in seligster Verschlingung findet, wie er verstört dasteht, vor Schreck ist ihm seine mächtige Krone schief gerutscht, während das sündige Paar friedlich schlummernd ruht! Jahrhunderte zogen vorüber... Die Teppiche blieben in dem Kloster, und ganze Generationen frommer Schwestern, die ihr Herz dem Himmel versprochen, standen träumend vor diesem Wunder irdischer Minne: lange blieben diese Kunstwerke verborgen, niemand kam in die weltentlegene Gegend. und erst im vorigen Jahre wurde, durch das Werk von Dr. Maria Schütte, das mittelalterliche Kleinod ins Licht der Oeffentlichkeit geführt. Die Ausstellung in der Bellevuestraße in Berlin gibt allen Freunden mittelalterlicher Kunst Gelegenheit, diese meisterhafte Interpretation einer unserer schönsten Sagen zu betrachten. Das unvergängliche Lied von Liebesglück und Leid gewinnt hier einen ganz besonderen Reiz, wenn man sich vorstellt, daß es in einen weltfernen Kloster von frommen Bräuten Christi in ihrer speziellen Kunst, der„Klosterstickerei“ interpretiert wurde. Leuchten Ihre Kakteen? Von Munkepunke. Sonst sind Sie und sie(die Kakteen nämlich) nicht zeitgemäß! Sie wissen es noch nicht? Ja, Sie leben eben noch immer all zu sehr hinter Ihrer Zeit! Bei mir klingelte es gestern, als ich just meinen weißen Angorakater Piff durchkämmte. Das Mädchen meldete einen Baron X., der mich in wichtigster Angelegenheit sprechen müsse. Da trat auch schon ein in jeder Beziehung geheimnisvolles Paket in mein Zimmer, entschuldigte sein Erscheinen und fragte mich nach dem Wohlmeiner Kakteen. Schmartefreck Nicht den Aglei muß du wählen, Nicht den Türkenbund, Denn zu dunkel ist die Farbe, Hebt sich nicht vom Grund. Pflücke dir die weiße Rose Für der Locken Pracht, Und sie wird noch heller schimmern Als ein Stern bei Nacht. Beiterläuten. Es reiten die Wolken Mit Donner und Sturm, Es kann sie nicht bannen Die Glocke vom Turm. So schreitet das Schicksal, Und wenn es dich fällt, Du kannst es nicht biegen, Ob Feigling, ob Held. * Hüte dich, Mädchen! Meine Lieder sind Lerchen, Du wandelst vorbei Und hörest sie singen Im Blauen so frei! Meine Lieder sind Falken So stürmisch und wild, Keck siehst du sie schweben Im Sonnengefild. Meine Lieder sind Pfeile, Begehrst sie im Scherz: O hüte dich, Mädchen, Sie treffen ins Herz. Drei Gedichte von Adolf Pichler aus der neuen zweibändigen Pichler=Ausgabe der Helios=Klassiker. 82 Ich war geschmeichelt, überhaupt für so zeitgemäß gehalten zu werden, mußte jedoch bedauern: mein Kater habe die Kakteen, so stachlich sie gewesen, für Champignons gehalten, ausgebuddelt und aufgefressen. Das frisierte Untier auf meinem Schoß grinste heimtückisch zu meinen Worten und schielte neugierig zu dem Paket hinüber. „Sehr schade“, sagte der Baron.„Sonst hätte ich Ihre Kakteen gleich persönlich impfen können“. So viele Zeitungen ich auch täglich lese— das war mir denn doch entgangen, daß man Kakteen auch impfen könne, ja vielleicht infolge eines neuen Gesetzes gar impfen müsse! Ich war sichtlich verlegen und sah schon ein bezügliches Strafmandat anschwirren. „Aber ich habe Ihnen hier gleich eine bunte Kollektion leuchtender Kakteen mitgebracht", fuhr der Baron fort und entknotete und entfaltete sein Paket— schon umschnurrt von meinem begeisterten Angorakater. Leuchtende Champignons!, mauzte er jetzt ganz deutlich. Leuchtend wie abends meine Augen— „Wenn wir vielleicht in Ihre Dunkelkammer treten könnten“, schlug der Baron vor,„so werden Sie sich von diesem Wunder, von dieser letzten Sensation von ganz Berlin W überzeugen. Herr Kommerzienrat Müller hat sogleich dreihundert Stück zum Geburtstag seiner Gattin bestellt.“ Natürlich war auch Piff mit in die Dunkelkammer geschlitzt. Sogleich leuchteten die sich schnell ganz ausgerundeten Pupillen des Tieres auf, so hell, daß die angeblich leuchtenden Kakteen vor Neid erblaßten u. überhaupt nicht zu sehen waren. Pfiff konnte ein höhnisches Kichern nicht ganz unterdrücken. Er war beleidigt, als der Baron die Entfernung dieser grellen Leuchtkonkurrenz erbat. Und nun leuchteten die Kakteen wirklich milde und unheimlich phosphoreszierend.„Die große Mode!", bewunderte sich der Baron selbst.„Wie viel Dutzend darf ich für Sie notieren?“ „Sehr schön!“ sagte ich schlicht.„Aber, lassen wir es lieber. Solch leuchtende Pflanzenkost für meinen Kater dürfte nr für die Dauer doch wohl etwas zu teuer sein. Vielleicht daß ich nach seinem hoffentlich noch recht fernen Tode auf Ihr freundliches Angebot zurückkomme. Aber vielleicht sind dann längst leuchtende Tiere modern, Kanarienvögel oder Meerschweinchen müffen sich dunn impfen fassen oder auch Menschen, die ja bisweilen schon Leuchten der Wissenschaft oder der Literatus genannt werden die es doch meist vorziehen, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Entschudigen Sie schon, daß ich immer etwas hinter meiner Zeit zurück lebe...“ 12— Wie tanzt man Charleston— Tango— Walse. Nach glücklich hinter uns liegenden Uebergangszeiten sino wir beim Tanz heute endlich so weit, in dem Tanz nicht mehr ein akrobatisches Gelenkigkeitskunststück zu erblicken, sondern, so sagt mit Recht die Zeitschrift„Die Räder", Berlin W 57, in einem Aufsatz hierüber, einen natürlichen Ausdruck sinnlicher Freude und Anmut. Der Wert wird nicht mehr auf schwierige Schritte, sondern auf einfache, natürliche Bewegungen und ruhige Linien gelegt. Daß diese äußere Ruhe und Beherrschung doch erfüllt ist von innerem Schwung und verhaltener Kraft, ist der besondere Reiz unserer heutigen Tanzart. So verbindet sie glücklich die beherrschte Form früherer Zeiten mit den lebendigen Kraftimpulsen der Gegenwart. Wir tanzen auch heute noch Charleston, den man eine Zeitlang für die tollste Modeverrücktheit der Zeitgenossen ansah. Aber aus dem rohen abgehackten Ausdruck sind fließende und wiegende Bewegungen geworden, die nur in den leicht elektrisierten Kniebewegungen den früheren ungehemmten Naturausdruck verraten. Das Schwierige an dieser Tanzart sind nicht die Schritte oder Figuren, sondern die absolut ruhige Haltung des Oberkörpers, ohne steif zu wirken, und die unmerkbare Verlegung des Körpergewichtes, die jeder einzelne Schritt verlangt. Dann der Tango! Es ist derjenige Tanz, der dem tänzerischen Ausdruck wie dem musikalischen Empfinden den weitesten Spielraum verleiht. So hat er sich in seiner Art länger als alle anderen Tänze behauptet und gilt auch heute noch als der„schönste Tanz“. Schrittart, Figuren und Musik gestalten sich bei diesem Tanz zu einer Sinfonie des Liebeswerbens. Er verlangt schmiegsame, aber auch selbstbewußte Bewegungen. Nur wer gut„zu führen" versteht und fest„auf seinen beiden Füßen" steht, wird ihn mit Genuß tanzen können. Schließlich noch eine dritte Tanzart, den „englischen Walzer“, der in der letzten Zeit wieder mehr in den Vordergrund getreten ist. Er ist eine Zusammensetzung von unserem alten Walzer und dem früher viel getanzten Boston. Man soll sich von dem Begleitwort „englisch“ nicht schrecken lassen. Der Tanz ist made in germany, denn die Schritte sind deutschen Walzerursprungs. Er betont die mit Schwung getanzte runde Drehung. Während man den Charleston als den lebhaften, lustigen den Tango als den kraftvollen, heißblütigen Tanz bezeichnen könnte, ist der„Walse" als gefühlvoll und leicht sentimental zu charakterisieren. Mit diesen drei Tanzarten, die in der heutigen Saison vorherrschen, hat also jedes menschliche Naturell die ihm zusagende Eigenart. Die ungesunde Männerkleidung Von Gerd Herdegen. Am 13. Dezember hielt der Direktor des Forschungsinstitutes für Hygiene und Immunitätsforschung in Berlin=Dahlem, Professor Friedberger. vor der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege einen Vortrag, in dem er klarlegte, daß die Männerkleidung weitaus unhygienischer sei iIs die Frauenkleidung. Schon vor kurzem erschien von Professor Friedberger in einer medizinischen Zeitschrift ein diesen Punkt beleuchtender Artikel. Es hieß darin, daß die Männerkleidung, da sie fünfmal(?) so schwer ist wie die der Frau, schon aus diesem Grunde ungesund ist, da sie den Körper unnötig belaste, zudem aber auch eine notwendige Wärmeregulierung beim Manne unmöglich mache. Wenn nun schon im Sommer die Frauenkleidung, da sie sehr leicht ist, hierin dem Manne ein nachahmenswertes Beispiel gibt, so erst recht im Winter. Denn dann hilft sich die Frau trotz ihrer auch verhältnismäßig leichten Stoffe, indem sie durch leichte Ueberkleidung der Kälte entgegentritt. Beim Manne ist das anders. Er schützt sich durch dichere Unterkleidung, die er nicht, wie die Frau ihe