gen nicht mit schlechten Erianerungen auf.2. Mütterschule in Form einer wachst.— nicht non ie ein Dahrheiten sind zwar staunenswerter Originalität, aber sie sind deswegen nicht weniger nützlich. —2.— Die Gurke als Heilmittel Der frisch ausgepreßte Gurkensast ist ein ier Mittel gegen Fieber, Blutwallungen, G sichtsröte und Blutspeien. Besonders Lungenkranken, bei denen sich Wangenröte zeigt, ist Gurkensaft sehr zu empfehlen. Ueberhaupt kann man den Saft als ein erfrischendes, die Lunge erleichterndes und die Hautausdünstung beförderndes Mittel betrachten. Es wird bereitet, indem man auf die geschälten und in dünne Scheiben zerschnittenen Gurken etwas Salz streut und eine Viertelstunde später auspreßt. Um die kühlenden und auflösenden Eigenschaften des Saftes zu erhöhen, gibt man noch etwas Weinessig hinzu. Eingemachte Salz=, Essig= und Genfgurken sind, wenn man Brot verzehrt, ein vortreffliches Erwärmungsmittel. Frische Gurkenschalen werden in Griechenland zur Vertreibung von Kopfschterzen angewandt. Man lege sie auf Kopf und Stirn und bindet sie mit einem Tuche fest. Die getrocknete, gelb aussehende Gurkenrinde ist ein gutes Mittel gegen Frostschäden. Die Samenkörner werden herausgenommen, und die Schalen mit den inneren weichen Teilen an der Sonne getrocknet und aufbewahrt. Beim Gebrauch werden die trockenen Schalen in warmem Wasser erweicht, aufgeschnitten und die inneren Seiten auf die erfrorenen Stellen gelegt. Röte, Geschwulst und Schmerzen sollen sich bald nach dem Gebrauch verlieren.— Aus Gurkensaft bereitet man auch eine Essenz, welche man mit Nutzen bei rauher und rissiger Haut anwendet, und eine sogenannte Gurkenpomade, die als Verschönerungsmittel der Gesichtshaut, besonders zur Entfernung von Hitzblattern, Mitessern usw. gerühmt wird. Die Bereitung der Gurkenessenz geschieht am einfachsten, wenn man zwei Telle Saft von ungesalzenen Gurken mit einem Teil Glycerin vermischt und einige Tropfen Benzoltinktur zusetzt. Des Abends vor dem Schlafengehen reibt man die rissige Haut damit ein. Die Gurkenpomade stellt man her, indem man weiße Gurken reibt, mit einer gleichen Menge feinen Olivenöls vermischt, es in einem Behälter in einen mit Wasser gefüllten Topf stellt und erhitzt, bis das Wasser kocht Dann wird die Mischung durch ein Haarsieb gegossen, dem durchgegangenen Oele frische Gurzugesetzt,— in derselben Weise wie das erstemal— wiederholt man die Operation vierbis fünfmal. Die ölige, glänzend weiße Pomade, welche man dadurch erhält, muß man sorgfältig in einer luftabgeschlossenen Dose aufbewahren. Freizeit im Neulandhaus zu Eisenach Die erste Mütterschulfreizeit, die im Frühjahr dieses Jahres im Neulandhaus in Eisenach stattfand, fand so viel freudige und eifrige Aufnahme in den deutschen Frauenkreisen, daß das Neulandhaus schon für den Spätherbst eine zweite solche Schulung vorbereitet, die vom o. November bis 3. Dezember stattfindet. Junge Mädchen. Bräute, junge Frauen und Mütter aller Stände, die wissen, wie heilig und verantwortungsvoll ihr Frauenberuf für die Gesundung des Familienlebens und des ganzen Volkslebens ist, werden zu diesem Lehrgang herzlichst eingeladen. Er will in gemeinsamer Arbeit und in frohem Miteinanderleben und =lernen eine gute innerliche Vorbereitung geben zu dem großen und schönen Beruf der deutschen Frau und Mutter. Lehrgegenstände: Der Beruf der Gattin: Ehe, Verwaltung des Haushaltes, Haus als Heim, Haus und Volk. Der Beruf der Mutter: Mutterschaft, Säuglingspflege. Kleinkindpflege, häusliche Gesundheitsund Krankenpflege. Das Kind: Seelenkunde, Erziehungskunde, Beschäftigung und Spiel. Schule. Außer einer Aerztin und einer Säuglingsschwester werden mitarbeiten: Guida Frau Prof. Helene Meyer, staatl. geprüfte Lehrerin Lina Lejeune, Jugendleiterin. Der Gesamtpreis des Monats für Wohnung, Verpflegung, Heizung. Beleuchtung und Unterricht beträgt 110 Mark. Auskunft und nähere Programme durch das Neulandhaus. — Moderne Kinderreime Früher war es die Mühle, die Kutsche, der Kaiser, König, Edelmann usw., die in den Kinderreimen verherrlicht wurden. Heute haben sich die Reime bereits zum Teil modernisiert. Man singt: „Bimblimdin, die Elektrisch kimmt, Ohne Schuh' und ohne Strümpf' Bimblimbim, die Elektrisch kimmt.“— Ein anderer Reim lautet: „Bimblimbim, die Elektrisch kimmt; Was ist denn passiert?— Da guckt ein Mann zum Fenster raus Und hat sich nicht rasiert.“ Das Auto ist gleichfalls der Dichtkunst der Kleinen nicht entgangen. In Anlehnung an ein Lied aus dem„Autoliebchen“ heißt es: „Töff, töff, töff, wer kommt denn da gefahren? Töff, töff, töff, ein Mann mit schwarzen Haaren. Töff, töff, töff, wo geht die Reise hin?— Töff, töff, töff, nach Frankfurt, Köllen, Düsseldorf, Töff, töff, töff, nach Pommern und Berlin.“ In ähnlicher Weise ist die Luftschiffahrt verherrlicht. Der Kindermund singt: „Zeppelin hin, Zeppelin her, Zeppelin hat kein Luftschiff mehr, Zeppelin doch, Zeppelin nieder, Zeppelin hat sein Luftschiff wieder— Zipp, zapp. Zeppelin, 's Luftschif ist schon wieder hin.“ * W. Schm. □Es ist nicht leicht, Mannequin zu sein! Der Weg vom Mannequin zur Sommer= oder Modekönigin— bitte die Betonung auf„Königin" zu legen— ist bekanntlich nicht weit. Auch die„Weiße Wand“ des Films mit märchenhaften Filmgagen rückt nicht selten in greifbare Nähe. Der Herr Baron, der Freiherr von und zu... oder gar ein indischer Prinz... ach! welche Titel kann man nicht alle erheiraten. Ist man dagegen materiell eingestellt, findet sich wohl auch ein amerikanischer Dollarmillionär — und schwimmt mit ihr über den großen Teich. Ist es nicht eine Lust, eine„schöne" Probierdame zu sein?„Nicht immer“, sagt Mary B. aus Wien, die den bitteren Kern der weisen Lehre„Die schönsten Frauen haben am meisten zu jeiden" allzu gründlich knacken mußte. Als Portierdame in einem großen Konfektionshause hatte sie durch ihre außerordentliche Schönheit die Herzen der Wiener Männer gewonnen. Dem biederen Rechtsanwalt, der ihr Herz und Hand angeboten hatte, gab sie kurz vor der bereits angesetzten Trauung den Laufpaß und schenkte dem Neffen des berühmten Außenministers Benesch, Jara Benesch, Komponist des Tutanchamen=Liedes und des Schlagers„Ja, die Blanka von der Zinostenska Banka“ ihr ganzes Ich weil„Er“ ihr vorher brieflich seine ganzen Tantiemen und sein ganzes Vermögen verschrieben hatte. Kann man in diesem Falle der schönen Probiermamsell die Sinnesänderung verdenken? Zehntausend andere junge Mädchen hätten sicherlich nicht ander gehandelt. Plötzlich verreiste jedoch der Komponist nach Prag, schrieb der kleinen Mary einen Brief, in dem er mitteilte, daß er nicht nach Wien zurückkehre, und infolgedessen aus der geplanten Heirat nichts werden könne. Mary klagt jetzt und jordert für ihr gebrochenes Herz 30000 Goldmark. Man darf gespannt auf diesen österreichischen Ehezusageprozeß sein. W. S. Was ist Bananas=Slide? Um es gleich zu sagen: Bananas=Slide ist der neueste Modetanz, geboren in der Zeit der Hundstagshitze, der Zeit der Bananenschalen, die, auf den Bürgersteig geworfen, jung und alt zum Ausgleiten veranlassen, daher— Slide; denn Slide heißt— gleiten, rutschen. Sie können sich bereits eine Vorstellung machen, wie dieser Niggertanz getanzt wird? Wer des öfteren auf einer Bananenschale ausgerutscht ist, bringt jedenfalls schon einige Uebung für den neuesten Tanz mit. Wir können bereits auf die kommende Tanzsaison gespannt sein; denn die reizendsten Bilder erwarten uns. Man vergegenwärtige sich nur ein solches Tanzpärchen, das bereits durch Charleston=Geschlenker gelockerte Kniegelenke besitzt und nun bald rechts. bald links, nach vorn und hinten ausrutscht. Auch Heebie=Jeebie wird man tanzen. schangreli: an darf gesrannt in die Zukunft Ratschlläge und Winke Brandgefahren, an die man nicht denkt. Eine Feuersozietät weist darauf hin, daß bei der Bedienung von elektrischen Heizapparaten — wie die Erfahrung lehrt— leider sehr häufig sorglos verfahren wird und bei Beachtung nachfolgender Ausführungen viele Brände vermieden werden können. Elektrische Heisapparate, wie Bügeleisen, Bettwärmer. He.kissen und Kocher dürfen nicht ohne Aufsicht gelassen werden, da sie sich oft bis zum Glühen erhitzen, wenn sie längere Zeit unter Strom stehen, ohne daß die erzeugte Wärme verbraucht wird. Es ist notwendig, in jedem Falle für feuersichere Aufstellung bei Bügeleisen und Kochern zu sorgen, die Heizkissen und Bettwärmer zu kontrollieren und vor allem darauf zu achten, daß die Apparate abends und nachts vom Stromkreis abgeschaltet sind. Korken aus Flaschen, in die sie hineingefallen sind, zu entfernen. Man macht aus einem dünnen Bindfaden eine Schlinge, die man in die Flasche durch die Oeffnung der Flasche hineinhängt. Durch Hinund Herbewegen fängt man den Korken in dieser Schlinge, die man dann recht schlaff macht, damit der Korken fest darin hängt und zieht die Schlinge mit demselben fest heraus. Sollte der Pfropfen zerbrechen, so kann man dieselbe Prozedur mit jedem Teil machen, sind es dann nur noch kleine Stücke. so spült man sie mit Wasser heraus. Man entfernt so zuverlässig jeden Korken, der hineingefallen ist, aus der Flasche. Tuchkleider und Kragen an Herrensachen zu reinigen. Man taucht eine Bürste in Seifenspiritus, bürstet damit das Kleid oder den Kragen ab, reibt sehr schnell mit einem Lappen in der gleichen Farbe, möglichst von demselben Stoff, den man erneut in kaltes Wasser getaucht hat und plättet die feuchten Sachen auf der linken Seite.— Bei Krogen an Herrenröcken kann man die fettige Stelle wiederholt mit Salmiakgeist bestreichen und jedesmal, wenn sich Fett gelöst hat, dasselbe mit einem Messerrücken vorsichtig abstreichen. Farbige Stoffe wasche man nur in lauwarmem Seifenwasser, spüle sie mehrmals sorgfältig in kaltem Wasser, dem man etwas Essig zufügt, und hänge sie sofort, ohne sie zu wringen, zum Trocknen auf. Die gewaschenen Stoffe oder die daraus gefertigten Kleidungsstücke dürfen weder naß noch ausgewrungen liegen bleiben, da sie sonst streifig werden. —1•.— Das Daheim beginnt seinen 64. Jahrgang. Schon die erste Nummer zeigt, daß es geblieben ist, was es immer war: Die deutsche Zeitschrift für das deutsche Haus. Zu Hindenburgs 80. Geburtstag schrieb General Litzmann eine Würdigung des großen Feldherrn. Einen weiteren Festbeitrag liefert der illustrierte Aufsatz aus Besserschem Familienbesitz. In der abwechsselungsreichen Reihe aktueller Abbildungen finden sich die letzten Aufnahmen des Reichspräsidenten. Ein neuer Roman beginnt den neuen Jahrgang; es ist Ann Tizia Leitichs fesselndes Bekenntnis„Ursula entdeckt Amerika“. Daneben steht eine abgeschlossene Novelle„Rekord“ von Wolfgang Federan. Elisabeth und Hermann Heisz erzählen anschaulich aus der Arbeit der Montessorischule. In einem Aufsatz„Das Schloß der schönen Frauen“ schildert Fritz Martin Rintelen die geschichtliche und kunstgeschichtliche Bedeutung von Schloß Wilhelmsthal bei Kassel. Ernst Herford berichtet über die Feuerwehrschule Bahrensdorf; Theodor Klapproth plaudert launig über seine lustige„Katzenfamilie Suleika“. Eine Fülle von bunten und einfarbigen, künstlerisch wertvollen und vorzüglich wiedergegebenen Bildern begleiten den Text. Eine prächtige ganzseitige Kunstbeiluge, das Frauendaheim mit praktischen Winken für die moderne Frau in Haus und Beruf und die lose beiliegende Kinderzeitschrift„Arche Noah“ vollenden den vielseitigen Inhalt des Heftes. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 40 Altena, den 4. Oktober Kultur in der Küche Von W. Polte. „Kommen Sie mir nur nicht mit solchen Dingen, eine prosaische Hausfrau hat andere Dinge im Kopf!“ „Wirklich! Ich denke im Gegenteil...“ „Ich verstehe: Im Gegenteil...“ „Sie haben recht gehort. Der Begriff Kultur umschließt nicht nur den Salon.. sondern das ganze Haus.. also auch die dazu gehörige, Küche“ „Was wollen Sie mit dem Unsinn?“ „Unsinn? Warten Sie ab. Sie halten als gute Hausfrau Sauberkeit in der Küche für elbstverständlich?“ ich„ Frage.. das ist doch. selstverständX8.— Pun das ist die erste Küchenkultur.“ „Tenn Sie so anfangen...“ „Ja, ich fange so an. Außer der Ihnen in der Küche so selbstverständlichen Kultur der Sauberkeit.. gibt es eine:. Zeitkultur, die alle möglichen Begriffe umsaßt.“ „Bitte erklären Sie...“ „Ich denke an die vervollkommnete Technik .. und ihre Anwendung. Sie hat bis heute bei der deutschen Hausfrau, die doch den Ruhm hat, die beste Hausfrau zu sein, noch nicht den Platz errungen, der ihr zukommt. Wie sich die Waschmaschine unwiderruflich bei uns eingebürgert hat.. und fortlaufend vervollkommnet wird, ein Erfolg, der sich aus unserm Haushalt nicht mehr fortdenken läßt..“ „Erlauben Sie, fällt die Waschmaschine bei Ihnen auch unter den Kulturbegriff?" „Allerdings! Ebenso die modernen Einmachapparate. Reinigungsmethoden.. eine garze Reihe zeitsparender anderer technischer Hilfsmittel, die uns die Küchenführung erleichtern. Unsere Industrie ist unermüdlich tätig. Doch für die Hausfrau ist nicht alles Gold was glänzt.“— „Das geben Sie zu? Ich habe vor einiger Zeit eine kleine Reibmaschine gekauft.. sie hat mich, gelinde ausgedrückt... in der Praxis.. vollständig enttäuscht. Ich habe mir vorgenommen, in meine Küche kommt keine.“ „Neuerung mehr. Nicht wahr, das wollten Sie sagen?“ „Allerdings.“ „Bei jeder Neuerung kommen Fehlversuche vor.. dazu gibt es auch Schund! Doch im Durchschnitt wird viel Gutes geschafft. Wie anders schaut heute ein Kücheninneres aus als zu Großmutters Zeiten, wieviel schneller wird gearbeitet, dank der kleinen Hilfsmaschinen und anderer technischer Küchenhelfer. Sie wird noch vereinfachter. praktischer werden... Hausfrau muß sich zu diesem fortschrittlichen Standpunkt ebenso umstellen, wie sie es zu dem„geistigen“ Standpunkt der Moderne.. oder dem Künstlerischen tun muß. Sie beweist ihre Tüchtigkeit nicht durch krampfhaftes Festhalten am Alten, sondern durch zeitgemaßes Angleichen an das Heute. Die „tüchtige“ Hausfrau wird mit offenem Blick jedes„Neue" auf seine praktische Verwendungsmöglichkeit prüfen, mit sicherem Blick Wertloses vom Wertigen unterscheiden. Zum eigenen Vorteil. Eine nach Nordamerika nachkrieglich verzogene Bekannte schreibt z. B. von einem„Wunderherd“, der selbsttätig kocht. Durch ein kompliziertes Innensystem ist es möglich„Fleisch, Gemüse, Kartoffeln.. alles je nach Sonderheit.. auf bestimmte Zeit und zu bestimmten Graden zu„kochen", wodurch sich ein„in der Küche bleiben" oder Anbrennen usw. erübrigt.“ „Was einer Amerikanerin genügt, ist nichts für uns...“ „Amerikanerin? Nein, die Dame ist eine praktische deutsche Hausfrau, die in der Küche selbst erfahren.. sich nicht bluffen läßt.“ „Wenn so etwas möglich ist.. bei den heutigen Dienstbotenverhältnissen.. wäre eine Junge Arbeiterfrau Im Morgennebel zu dem Werk geschritten, Duft einer frühen Rose mitgetragen, Die Tür des Arbeitssaales aufgeschlagen, Fabriksirenen, Fron des Tags erlitten. Am Webstuhl Fäden hin und her geschlungen, Vom Stampfen der Maschinen wild umrauschet, Und plötzlich träumend in mich selbst gelauschet, Als würde sacht ein Wiegenlied gesungen. Als sänken alle Lasten tausend Stufen, Ich taucht mit dir schon in des Abends Segen Erzählte dir von unsres Kindes Regen, Und wie es erstmals leis’ in mir gerufen.— Jella Lepmann. wirkliche Verbesserung zu begrüßen? Also dies alles rechnen Sie mit zur Küchenkultur?“ „Ja. Zeitkultur in der Küche heißt: den Haushalt dem Neuen.. angleichen.. modernisieren. Wie die neue Kultur überall zu Hause .. soll sie es auch in der Küche werden.. zu unserm eigenen Besten.“ „Jetzt verstehe ich, was Sie meinen,“ klingt es nachdenklich zu mir.„Sie haben recht, wir Hausfrauen sind in der Beziehung ein wenig schwerfällig, aber wir können uns bessern.“ „Ja, wir wollen Pflegerin und Hüterin der Küchenkultur werden.“ —1—.— Teetrinken und Teekultur Von Ilsevan Bergen. „Drei Dinge auf dieser Welt sind höchst beweinenswert: Das Verderben unserer besten Jugend durch falsche Erziehung, die Schändung unserer besten Bilder durch plattes Begaffen, die Verschwendung unseres besten Tees durch unsachliche Behandlung.“ Diese Worte wurden vor einigen Jahrhunderten von dem chinesischen Dichter Li Chihlai ausgesprochen. Es berührt uns zunächst merkwürdig, diese drei Mißstände auf eine gleiche Ebene gestellt zu sehen, und für unser westliches Empfinden läßt sich diese Zusammenstellung auch nur dann rechtfertigen und übernehmen, wenn wir uns etwas dem chinesischen Vorbild anpassen und im Tee nicht nur ein Getränk aus getrockneten Blättern sehen, sondern das Wort„Tee" viel weiter fassen. Wir dürfen das auch; nicht nur, weil es mit dem Tee am Ende ist wie mit Blumen und Vasen, die zum starken Ausdruck einer häuslichen Kultur werden können, sondern auch, weil der Tee, wie kaum irgend etwas sonst, geeignet ist, einen hohen Adel des Geschmacks zu zeigen. Aber bleiben wir zunächst ganz einfach beim Tee als Getränk, und gestehen wir uns, daß wir Menschen kennen, die nichts mit dem Tee anzufangen wissen. Unsere großen Teefirmen kämpfen einen verzweifelten Kampf gegen die metallene Teekanne und die— ach so ökonomischen!— Tee=Eier. Die Hausfrau freilich glaubt, wenn die Brühe nicht schmeckt, die Marke oder der Fabrikant habe schuld. Es kann aber sein, daß unter ihren Gästen solche sind, die anders denken und zu Hause einen wundervollen Tee bereiten. Es ist nämlich nichts leichter, als guten Tee zu kochen. Das Wasser muß heiß sein; das Wasser muß sauber sein und Teeblätter sowohl als Aufguß dürfen mit keinem Metall in Berührung kommen. Das ist das Ganze. Sollte es nicht möglich sein, daß alle Menschen die Empfindlichkeit edler Blätter und Blüten begreifen? In China gibt es einen ganzen Kult, der nach dem Tee„Teeismus“ genannt ist. Es ist eine Religion des Aesthetizismus, ein Kult des Schönen im alltäglichen Grau der seienden Dinge. Kazuko Okakura, der unendlich feinsinnige Dichter des Buches vom Tee nennt die Teeschale„die Schale der Menschheit". Ja dieser kleinen Schale ist für ihn alles Wesentliche enthalten. In den feinen Duftwolken, die aus ihr aufsteigen, sieht er den zärtlichen Schimmer der wahren Schönheit; in dem durchscheinenden Porzellan erkennt er die Klarheit der vollendeten Seele. Und für den chinesischen Sprachgebrauch gibt es ein sehr seines Bild, nach dem der wilde Aesther, der mit ungebändigten Gefühlsfluten die Welt überströmt,„zu viel Tee in sich“ hat. „Ohne Tee in sich“ aber ist der, dem es nicht gegeben ist, die Tragikomik persönlichen Erlebens zu spuren. Die Entwicklung des Tees in China umfaßt 3 Perioden: die des gekochten, des geschlagenen des gebrühten Tees. Jede Art der Zubereitung ist Ausdruck für scharf umrissene Gefühlsperioden der östlichen Kultur, und die Methode der Teebereitung bestimmte sehr wesentlich die Entwicklung der chinesischen Keramik. Der gekochte Tee sieht grün aus. In weißem Porzellan erscheint er blaßrot und abstoßend. Luh Yu bestimmt„blau“ als die Idealfarbe der Teetasse, da sie das Grün des Getränkes noch verstärkt. Die Sung=Periode brauchte schwere blauschwarze und dunkelbraune Schalen für ihren Tee. Das leichte weiße Porzellan gibt die Ergänzung zum gebrühten Tee der Ming. Und wie er der Keramik Form gab, so beeinflußt auch heute noch richtig verstandener Tee Form und Wesen des Menschen, der ihn bereitete. Er erzieht zur Hygiene im täglichen Leben. Die absolute Sauverkeit des Geschirrs, die peinliche Akkuratesse in der Wärmung der Behältnisse sind nicht so einfach durchzuführen. Wo sie gewahrt werden, kann unmöglich in anderen Sauberkeitsfragen grobe Nachlässigkeit herrschen. Der Teetrinker ist wirtschaftlich: Er sucht seine Freuden im einfachen Wertvollen. Die äußere Sauberkeit geht Hand in Hand mit einer inneren Sauberkeit, die das hochste Ergebnis, ja dasselbe ist wie Teekultur. Chaotische Charaktere sehen nicht den tausendfach variierten Duft des Tees aus hauchzarter Tasse andachtsvoll aufschweben. Schaffende Besinnlichkeit könnte man darum vielleicht auch das Ergebnis der Teekultur nennen. Nicht stillstehen, aber auch nicht hasten, in ruhigem Gleichmaß vorwärts schreiten zu edlen Höhen. Das ist das, was die chinesischen Historiker vom Teeismus als der Kunst des In=der=Weltseins gesagt haben und was auch wir brauchen können. —2.— Warum mein Sohn nicht heiraten will Von Horst Bendler, Berlin. Mein Sohn hat rund heraus erklärt, er würde „niemals“ heiraten! Welche Anlässe können einen jungen Mann von heute zu diesem für alle Mütter und ihre heiratsfähigen Töchter erschreckenden Ausruf treiben? Wenn es sich noch dazu um jemand handelt, der ehedem ein nicht nur heimlicher, sondern mehr unheimlicher(im Sinne von intensiv) Verehrer der holden Weiblichkeit war, dürfte dieser Umstand immerhin zu denken geben. Also zur Sache. Ganz früh schon hatte es bei ihm angesangen, bei meinem Sohn nämlich, und wir mußten uns damit abfinden, daß er ein ausgesprochenes Interesse(um nicht zu sagen Neigung) für das Ewig=Weibliche an den Tag legte. Als er noch im Wagen lag, zeigte es sich bereits: Wenn das Kindermädchen ihm die Flasche brachte, strahlte er sie mit einem Blick an, den man ohne weiteres verliebt nennen konnte. Daß dieser Blick nicht der Flasche, sondern dem V 12 15 •— Bansse S0 44325 * 781 Ue * Er S= 2 5ZSLRZE e aGkl S: OGMETS — 48% SLEREEE2U KS FSA-S SEpOBSEEg S BEUSRAS.BE. * SaE S SEE SERS MTT,POOSTLZEE B E8GESS SSLEUTEUDSEEE SRSSRREES5ES8 S5SGuggEEEEES SCBESSSS SS-ESAT HESALESOERUORRBUÄNO à 85S S 86.58 Das Cnabänderniene Skizze von Lisa Honroth-Loewe karie=Luise schob den grünen Holzladen von binaussah grdensenster hmweg. Noch ehe sie hargärichenelu se unten im Kies des Nachl sie liebts und schnellen, festen Schritt, den sie lieble und der gleichsam den beflügelten dem ihre Wochen hier verSarsst den. delle Bfif, abgeMöven, die dort silbern, flockengleich über vem Bodden kreuzten. „„Halloh!“ rief sie hinter der schützenden olauen Fenstergardine.—„Guten Morgen", kam die Stimme des Freundes zurück.„Wie lange noch bis zum Frühstück?“—„Eine halbe Stunde", rief Marie=Luise und stieß, mit einer schnellen Bewegung zurücktretend, den Laden vollends auf. Herein flutete das Licht des! blauesten Spätsommerhimmels, die Weite des Meeres tat sich auf, jenseits ergrünter Wiesen, Duft von Thymian mischte sich mit Wassergeruch, und der Westwind wehte blaue Schatten ins helle Zimmer. „Leben", dachte Marie=Luise erschauernd, glücklich,„das ist Leben, die Weite hier, Himmel und Meer, Frischsein, Schaffenkönnen— und die Tage hier mit dem Freunde, der unten Kanne“, sagte Marie=Luise hastig, aber in ihrer Stimme schwang ein Schrecken, der nicht der Kanne galt. Gleich aber hatte sie sich gefaßt. Sie nahm das Messer und strich sich angelegentlich Honig auf ihr Brot. „Interessiert Sie augenblicklich wirklich das Frühstück so sehr?" fragte der Mann gereizt und unbeherrscht.„Sind Sie so materiell?“ „Alles zu seiner Zeit“, entgegnete Mariewartet.“ Nur dies bewahren, nur nichts zerstören, nur wissen, daß dies immer wieder sein kennte, die Wochen der Freiheit, fern der großen Stadt, hingegeben ans Schauen und Schaffen,— und die Verbundenheit von Herz zu Herz. Dies war Glück, und anderes konnte nicht mehr Glück geben, weil es nicht noch mehr geben durfte...„Genau dreißig Minuten", sogte der Mann, der inmitten der bunten Herosrstaudenblumen an dem kleinen Bauerntisch saß,„genau dreißig Minuten. Sie sind unheimlich zuverlässig, Marie=Luise, beinahe zu sehr für eine Frau.“ „Möchten Sie, daß ich anders wäre?“ fragte das Mädchen lachend.„Schelten Sie in Ihrer Malklasse nicht gerade genug über die phandastische Unpünktlichkeit Ihrer Schülerinnen?“ „Ja, aber Sie haben so wenig weibliche Untugenden, daß einem vor Ihrer Vollkommenheit fast bange werden könnte.“ „Seit wann sind Sie schreckhaft?“ fragte Marie=Luise sachend zurück,„reichen Sie mir lieber den Honig herüber, ja, auch die Butter, danke. Wer wie ich auf eigenen Füßen stehen muß, der muß notgedrungen etwas annehmen von den Tugenden, die Ihr Herren der Schöpfung gerne Euch allein vorbehalten möchtet. Aber damit Sie sehen, daß ich durchaus weiblich bin, zum Beispiel unbeständig,— wir wollten doch heute malen. Ich bin aber angesichts des göttlich schönen Morgens faul, richtig faul. Ich schlage I##en einen Weg nach dem Bessin vor, das Licht dort muß wundervoll sein, man hann dort bis zur Mittagsstunde bleiben, baden, träumen, schwatzen. Soll ich Sie zur Faulheit verführen?" „Ich wünschte, das wäre nicht das Einzige—“, sagte Rudolf mit einer jähen Heftigkeit und griff über das bunte Bauerntischtuch hinweg nach der draunen Mädchenhand.„Achtung, die Luise und sah dem Freunde mit einem halben Lächeln, in dem sich Ernst verbarg, ins Gesicht. „Jetzt ist es Zeit zum Frühstücken, denn sonst bekommen wir trotz der schönsten Natur draußen vor der Zeit einen richtigen Hunger. Ich halte es also durchaus nicht für materialistisch, wenn auch Sie sich jetzt Ihrem Ei und Ihrem Brote zuwenden. Frau Kröger kommt sicher bald abdecken und ist für den ganzen Tag gekränkt, wenn wir es nicht schaffen.“ „Und wann ist Zeit für das andere?" fragte #er Mann ungeduldig.„Sie wissen, daß wir schon längst hätten sprechen müssen.“ „Hätten wir wirklich? Muß man immer aussprechen, was man fühlt, auch wenn es dadurch— aber lassen wir es bis nachher.“ „Tann weichen Sie mir wieder aus“, sagte leidenschaftlich der Mann. „Ich weiche nicht aus, Rudolf, ich gehe nur. wie ich gehen muß. Wenn Sie glauben, sprechen zu müssen, der ganze Vormittag gehört Ihnen.“ Sie nickte ihm mit warmem Lächeln zu aber dann stand sie ein wenig unvermittelt auf, ging schnell wie auf der Fiucht ins Haus schön und hoch stand ihre kräftige helle Gestatt im dämmerigen Hauseingang—— Sie wanderten schweigend, sparsam in Worter, wie immer, wenn sie draußen in der Natur zusammen waren. Der Boden unter ihren Füßen schwang weich, hin und wieder tauchte an einer Wegbiegung das Meer auf— groß. weitgeöffnet wie eine Schale, flach, gemischt aus Silber und Blau, und darüber lag der reife Frühherbsthimmel. „Man sollte zu keiner anderen Zeit hierher kommen“, sagte Marie=Luise nachdenklich,„zur Zeit des ersten Frühlings oder des ersten Herbstes, aber wenn er noch farbig ist. Nirgend ist die grenzenlose Weite so ohne Schwere wie hier „Aver auch den Kampf sollten Sie hier einmal erleben, den Herbst im Sturme, Nordwest Springflut, wenn die Erdmassen vom Nordufer her ins Meer hineingestürzt werden— es lohnt sich, das zu sehen. Sie würden ein anderes und tieferes Wissen um dieses Land hier bekommen.“ „Das mag sein. Aber was ich für mich hier suche, ist ja eben die Stille. Aufruhr, Kampf, kann ich überall finden.“ „Heißt das, daß Sie dem Kampf überhaupt ausweichen?" fragte der Mann zurück,„das würde mir auch erklären— nun, Marie=Luise, wie lange soll alles zwischen uns unausgesprochen bleiben, Sie wissen doch ganz genau—?“ „Ich weiß“, war die Antwort, indes MarieLuise das Gesicht dorthin wandte, wo die Hügel gelassen schwangen.„Nicht hinsehen', dachte sie in Angst„nicht sein Gesicht sehen, denn sonst tut man, was man nicht tun darf, aber tun möchte, mit allen Sinnen und Gedanken tun——' „Sie müssen nicht glauben“, fuhr sie laut fort, „duß ich dem Kampf auswich, wenn ich bis heute dies Gespräch hinausschob. Aber ich sehe nun selbst ein, wir kommen so nicht weiter und laufen Gefahr, uns die Ferientage, die wir beide so nötig brauchen, zu verderben.“ „Miissen wir es?“ fragte der Mann drängend zurück. Seine Hand griff nach der ihren, sie wich schnell der Berührung aus—„könnte nicht alles viel schöner sein, wenn Sie nur ein wenig Mut zu sich selber, ein wenig Bedenkenlosigkeit hätten?" „Was für Beweise doch die Wünsche brauchen“, sagte das Mädchen schmerzlich,„und wie wenig sie vor der Ueberlegung standhalten. Angenommen, wir täten, was wir wollten, was würde aus Gertrud?“ „Sie wissen, daß Gertrud keine engen, kleinbürgerlichen Empfindungen kennt, sie würde mich verstehen, wie sie mich schon manchmal verstanden hat.“ „Sie würde verstehen. Aber würde sie weniger leiden? Und wo bleibe ich, würde sie auch mich verstehen, die ich ihre einzige Freundin bis heute gewesen bin? Ach, Lieber, wir wollen uns doch nicht belügen. Das Menschenherz bleibt sich gleich, so sehr wir uns auch bemühen, sanders zu werden. Gertrud wird verstehen, vielleicht auch verzeihen. Aber nie, nie wird zwischen ihr, mir und Ihnen wieder das werden können, was uns feit Jahren so kostbar ist. Uns allen kostbar.“ „Und du und ich“, fragte der Mann— das Du war auf einmal selbstverständlich zwischen ihnen—„bin ich dir nichts, weißt du nicht, was du mir bist?“ „Ob ich das weiß", fragte Marie=Luise in einem Tone, in dem gleich stark Glück wie Schmerz schwang,„ich weiß es vielleicht besser als du. Denn wärest du mir nicht soviel, vielleicht könnte auch ich bedenkenlos sein, wie du es nennst. Aber ich weiß, dies alles ist für dich nur ein seelisches Zwischenspiel, dein Leben mit Gertrud ist das Bleibende. Ich werde nach keiner kurzen Spanne des angstvollen Glückes dich verlieren und die Freundin meiner Jugend dazu. Ich will aber nicht verlieren, denn ihr seid mir zu teuer. Und darum——“ „Ja, wenn du so kalt und vernünftig denken kannst, wenn du keinen Mut hast...— es ist wie mit dem, was du vorhin über das Land hier sagtest, du willst keinen Kampf.“ „Vielleicht ist mein Kampf schwerer", entgegnete die Frau leise. Auf einmal stand sie still, machte eine hilflose Bemerkung mit der Hand, Tränen strömten über ihr blaß gewordenes Gesicht, der Mann wollte sie an sich ziehen. Aber sie hob nur wieder mit dieser hilflos bittenden Bewegung den Arm.— Da beugte er sich und küßte dankbar ihre Hand. Mädchen galt, sei hier betont, denn wenn er sie beispielsweise von mir prase ntiert bekam, wies er sie entweder zurück oder setzte wenigstens eine eisige Miene auf. Als aus„Baby" dann „Bubi“ geworden war, also einige Jahre später, nahm diese Frauenverehrung greifbarere Formen an, indem er mit einer Entschieden, heit, die eines Mannes würdig gewesen wäre, den Grundsatz vertrat, nur mit„Mädels“ spielen zu wollen. Seinem eigenen Geschlecht gegenüber erwies er sich als garstig, gegen die Damenwelt von einer bezaubernden Liebenswürdigkeit und zugleich von einer Nachgiebigkeit, die bei seinem Wesen überraschen mußte. Großen Wert legte er auf das Aeußere seiner diversen Freundinnen. Eine hübsche Haarschleife konnte sein helles Entzücken wachrufen während ein nichtssagender Farbenton bei einem Kleide gewissermaßen einen Protest bei ihm auslöste. Als bei einer Geburtstagsfeier Ingrid(Ingrid war seine erste Liebe) in einem eleganten, aber reizlosen Fähnchen erschien, wirkte dieser Umstand so enttäuschend auf sein Gemüt, daß ihn alle männliche Selbstbeherrschung verließ und er sich zu einer nicht mißzuverstehenden Kritik hinreißen ließ, sodaß ein fünf Jahre älterer Junge sich genötigt sah, Ingrids tränenfeuchtes Gesichtchen an seinem blonden Knabenhaupt zu bergen. Diese zweite Enttäuschung und das instinktive Ahnen des Rivalen waren zuviel und Bubi— stolz wie ein Spanier— zog die Konsequenzen, d. h. er ur gater burrch Ermohmmgen noch durrch! Drohungen zur Versöhnung zu bewegen, was, ihm zwar seitens einer Tante den hehren Ruhm einbrachte„Er ist ein ganzer Mann, er weiß was er will“, von väterlicher Seite dagegen ein paar wohlgezielte Klapse. Jeden= falls: Ingrid war seit jener Stunde für ihn erledigt! Sein nach Liebe und weiblichem Verständnis schreiendes Herz mußte naturgemäß einen neuen Born haben und so wandte er sich diesmal(an einen Freund dachte er offenbar nicht) der freilich um vier Jahre älteren Liane zu, die ihrerseits entzückt über den Gang der Geschicke war. Als ich ihn einst in einer Stunde, wo wir als„Mann zum Manne“ sprachen, fragte, ob er nicht lieber mit kleineren Mädchen spielen wollte, Liane sei doch zu alt für ihn, äußerte er mit feierlichem Augenaufschlag:„Aber Liane hat doch so schöne Zöpfe, Papa.“ Trotzdem sollte auch dieses zweite Abenteuer ein unerwartet schnelles Ende finden. Als Liane eines Tages Bubi mit dem jubelnden aber unbedachten Ausruf begrüßte: „Da ist ja mein kleines Kerlchen!“ hatte sein edles Männerherz den zweiten Riß bekommen. „Klei—nes Kerlchen!“. Und das ihm! Dieser zweite Schmerz seines jungen Lebens schien von nachhaltigerer Wirkung. Es vergingen Tage, ja Wochen, ehe er den Glauben an die Frauen zurückgewann. Gitta, seine nächste Vertraute(es ist hier immer nur die Rede von der anerkannten Favoritin) war ein süßes Ding mit Wuschelköpschen und Sonnenaugen— ohne Zweisel, der Junge bewies Geschmack! Zwei Monate ungetrübten Glücks waren vergangen. Als Gitta gelegentlich eines Besuches ihm in einer unbewachten Viertelstunde einen ganzen Karvon mit wunderbaren Pralinen weggefuttert hatte, ohne ein Wort der Klage(die Klagen kamen erst etwas später bei ihr) brach sich sein gerechter Zorn in dem Ausruf Bahn:„Niemals heirate ich dich, daß du's weißt!“ Ich konnte ihn diesmal nicht einmal schelten, da sich hier eine bis dahin noch nie gezeigte entschiedene wirtschaftliche Veranlagung verriet, die — zumal in unserer Zeit— kein Fehler für einen Mann ist, wenn er noch dazu ans Heiraten denkt. Zweifellos hatte Bubis Weitblick die Unzulänglichkeit Gittas als Hausfrau erkannt. Es war dies das erste Mal, daß er vom Nichtheiraten sprach, bisher hatte er stets nur vom Heiratenwollen geredet. Dieser Umschwung seiner Anschauung setzte sich indessen fort, je älter er wurde. Mit sechs Jahren erklärte er mir, er würde nur eine Frau heiraten, die gut kochen könne; tags zuvor hatte ich zu unserer Marie wegen eines mißratenen Puddings geäußert, sie könne unter diesen Umständen nicht heiraten.... Heute ist mein Sohn mit seinen acht Jahren ein erklärter Feind der Ehe. Den letzten und entscheidensten Anstoß hierzu gab folgendes Ereignis: Seine vierzehnjährige Kusine Ulla überraschte er eines Tages vor dem Spiegel dabei. wie sie sich die Lippen färbte. Das war für sein gesundempfindendes Gemüt zuviel! Alle Kommentare Ullas prallten eindrucksvoll von ihm ab.„Ich heirate nie!“ das war alles, was er sagte. Ein halbes Jahr ist seither vergangen; nichts hat sich geändert; alles, was weiblich ist, quittiert er mit einem Gemisch von Mißtrauen und Verachtung. Und es scheint fast, als versuche er jetzt erst mal, sich dem anderen Geschlecht zuzuwenden, um sich zu überzeugen, daß er hier weniger Enttäuschungen erleben wird. Jedenfalls dürfte dieser sein unumstößlicher Entschluß vom Nie=Heiratenwollen ein Wegweiser für heiratsfähige Töchter fein, und ich glaube, aus dieser Erkenntnis heraus keine Indiskretion zu begehen, wenn ich ohne Wissen meines Sohnes diese Erfahrungen der Oeffentlichkeit übergebe —1•— „Die Dame“ In Berlin ist jemand kürzlich auf den Gedanken gekommen, gespritzte Goldkleider aus — sage, schreibe und brülle— 18 karätigem Gold herzustellen. Auch ohne Sozialist zu sein, kann man es wohl verstehen, wenn Menschen, die in schwerer Arbeit gerade genug verdienen, um ihr Leben fristen zu können, in helle Empörung geraten, wenn sie einem Trupp derartig „goldiger“ Mädchen begegnen. Und man wird es dem Reparationsagenten auch nicht allzu sehr verdenken können, wenn er aus einem solchen Goldverbrauch die entsprechenden Rückschlüsse zieht. Kurz und bündig gesagt: Es ist in der heutigen Zeit bei der jetzt herrschenden Notlage in der sich weiteste Kreise unseres Volkes befinden, eine Provokation sondergleichen, wenn„Damen“ mit ihrem Geld nichts Besseres zu tun wissen, als sich goldene Kleider dafür anzuschaffen. Von derselben Skrupellosigkeit zeugt der Versuch, Mäntel aus Rehkitzenfell als neueste Wiatermode einzuführen. Glücklicherweise ist es bei dem Versuch geblieben, da ein Kreis maßgebender Frauen keinen Zweifel daran gelassen hat, daß alle Damen der Gesellschaft, die in einem solchen Mantel erscheinen, boykottiert werden würden. Madder Es ist nichts dein, wenn du es recht bedenkst, Nicht einmal dein, was du geboren einst, Das Kind, mit dem du lachst, um das du weinst Und dessen erste Schritte stolz du lenkst. Was du zu halten wähnst, entgleitet dir— Und doch ist alles dein, bist du bereit Nichts zu begehren— um für alle Zeit Zu Liebe werden, Liebe für und für! Frieda Callier. ihr einen Wunsch freistellen würde, so brauchte sie wohl nicht lange zu überlegen, wie dieser lauten würde. Wego. Vom Strafen der Kinder Es ist anzuerkennen, daß sich die große ModeAusstellung„Die Dame“, die jetzt in Berlin am Kaiserdamm gezeigt wird, von solchen Auswüchsen freigehalten hat. Was geboten wird, ist fast durchweg gut und solide. So vielseitig auch die Modeschöpfungen in diesem Winter sind, hat sich doch eine klare Linie herausgearbeitet. Man sieht zum größten Teil Stilkleider und das bedeutet automatisch, daß der längere Rock wieder modern geworden ist, da ein Stilkleid natürlich nicht nur bis zum Knie gehen kann. Ueberhaupt geht die ganze Tendenz unverkennbar dahin, wieder halblange Röcke einzuführen. Zunächst ist man allerdings auf halbem Wege stehen geblieben und hat sich mit einseitigen Ueberwürfen begnügt. Von Farben beherrschen Schwarz und Dunkelblau das Bild. Aber auch grelle Gesellschaftskleider werden getragen werden. Die Mäntel zeigen fast durchweg Pelzbesatz. Schmale Hermelinkragen um den Ausschnitt und Manschetten sind sehr beliebt. Wenn die eigentliche Modeausstellung wie gesagt im allgemeinen guten, aber nicht übertrieben luxuriösen Genre zeigt, so kann dies von der Sonderschau, in der„das Leben der Frau von morgens bis Mitternacht“ dargestellt wird, leider nicht gesagt werden. Man ist hier in den alten Fehler verfallen, zuviel zeigen zu wollen, und hat dadurch nur erreicht, daß jede Beschauerin, die nicht gerade zu den„oberen Fünfhundert“ gehört, sich sofort sagt:„das kommt für mich ja garnicht in Frage!“ Weniger wäre hier entschieden mehr gewesen. Man möchte mal den Gatten sehen, der seiner Frau einen solchen Geburtstagstisch aufbauen kann! So ist es kein Wunder, daß man vor diesen einzelnen Kojen manchmal die erbaulichsten Gespräche hören kann, in der der Ehemann nicht immer mit Komplimenten bedacht wird.„Die Frau dürfte Dich auch nicht zum Mann haben!“ und„der Mann wird wohl etwas freigebiger sein als Du!“ sind die stereotypen Redensarten. Die Männer haben es aber leicht.„Wenn Du so aussiehst wie die Frau, kannst Du Dich auch so anziehen!“ heißt es schlagfertig. Bis man sich schließlich wieder verträgt und durch den „Verschönerungssalon“, in dem eine Eau de Cologne=Fontäne plätschert, in die Konditorei zieht, wo man die dringend notwendige Stärkung zu sich nehmen kann. Und wenn man dann erquickt die Ausstellung verläßt und den heimischen Penaten zueilt, wird die junge Frau gewiß noch lange Zeit von dem Boudoir und dem Frühstückszimmer, dem Nerzpelz und dem Samtkleid träumen, und wenn eine gütige Fee Von A. Stegemann. Ohne Strafe geht es nun einmal bei Kindern nicht ab, und wenn es Mütter gibt, die behaupten, ihre Kinder niemals gezüchtigt zu haben, so kann es sich nur entweder um kranke Kinder gehandelt haben, oder— die Zeit hat die Erinnerung hieran ausgelöscht. Ein normales Kind kommt weder a.3 Engel auf die Welt, noch lassen sich die ererbren Fehler immer nur durch gute Worte aus treiben, es heißt also: Strafen. Von der Anlage des Kindes wird es abhängen, in welcher Form sich diese Strafe vollzieht; bei dem einen Kinde geht es nicht ohne Rute ab, die die moderne Erziehung gern ganz zurückweist— allerdings genau genommen vorerst mehr in der Theorie als in der Praxis— ein anderes wird vielleicht wirklich schon durch Ankündigung eines Strafmittels gehorchen. Wer aber die Strafe vollzieht, sollte nie vergessen, daß er dem Kinde gegenüber Ruhe und Würde bewahrea muß, ins Praktische übersetzt heißt das, er soll sich nie durch etwa angerichteten Schaden (wenn das der Grund war) zu einem Uebermaß oder zu einer unbedachten Art des Strafens hinreißen lassen. Er verliert nicht nur an Autorität, sondern das Kind wird hierdurch irritiert und scheu. Bekannt ist jener Witz, als ein Vater seinen fünfjährigen Jungen nach einer verabreichten Tracht Prüger fragt:„Weißt du auch, warum ich dich geschlagen habe?“ und jener prompt antwortet:„Weil du stärker bist als ich!“ Dieser Scherz birgt doch ein Stück Tragik. Wenn wir uns ehrlich prüfen, werden wir beobachten, daß wir in den meisten Fällen das Strafmaß mehr nach der Größe des entstandenen Schadens, als danach bemessen, aus welchem Beweggrund heraus das Kind gefehlt hat. Das ist natürlich maßlos ungerecht und beweist, daß wir uns des Sinnes der Strafe gar nicht bewußt wurden. Wir strafen ja nicht, um unserem Aerger etwa Luft zu machen, sondern um das Kind zu erziehen. Dieses Bewußtsein soll mit der Strafe im Kinde lebendig werden, sonst kommt es zur Abwehr, zum offenen Trotz,(und damit wäre wenig erreicht) oder zu jener vorher illustrierten Auffassung: Die Eltern sind die Mächtigeren, also— muß ich stillhalten. Es hieße, Altbekanntes wiederholen, wollte man betonen, daß sogleich gestraft werden soll. Ohne Strafe— geht es nicht. Wo Eltern nicht gestraft haben, da straft jener große harte Erzieher: Das Leben, und das tut doppelt weh. —.— Die nicht gesehene Mode Von Munkepunke. Ich komme von der Berliner Funkhalle, von der„Mode der Dame“ zurück. Ich bin erschlagen. Ich weiß jetzt, daß ich im Winter gänzlich unmodern sein werde. Ich habe keinen Frack auf drei Knopfpaare gearbeitet; und meine Frackweste ist nicht zweireihig und auf zwei Knopfpaare geschlossen. Dafür sind die von mir längst ausrangierten höheren Kragen mit entsprechend großen Ecken wieder modern geworden. Man soll eben nichts voreilig wegschmeißen, weil's mal wieder, wenn man nur lange genug lebt, hochmodern werden könnte. So stückle ich mich vielleicht auch sonst aus ollen Klamotten einigermaßen auf den„letzten Schrei" zusammen. Es wird schon gehen. In meiner Verzweiflung greife ich daheim zu alten Zeitschriften, mich zu trösten. Ich verfalle auf den„Wieland,“ jene während des Krieges im Einverständnis mit dem Zentralskomitee der Deutschen Vereine" vom Roten Kreuz von Bruno Paul herausgegebene Zeitschrift, an deren Redaktion auch Dr. Wilhelm von Bode, Dr. Cäsar Flaischlen, Lotte von Mendelssohn=Bartholdy, Emil Orlik mitwirkten und deren Redaktion zuletzt Hans Leifhelm innehatte, der dann sehr viel später ein großer Dichter wurde. Ach, was war das doch für eine schöne Zeitschrift, wie wir heute keine haben und auch nie wieder für so billiges Geld haben werden! Die schönen Modeblätter von Ludwig Kainer, von Otto Ledecke, der nun auch schon lange tot ist, von dem Mädchen Offterdinger und immer wieder von Otto Lendecke, dessen einziges Album„An die Schönheit“ der Münchener Verlag Abert Langen herausgebracht hat und dem dafür nicht genug zu danken ist. Die Mode von 1915 bis 1918 — wie schön, wie schön!— Und doch habe ich sie gar nicht gesehen! Weil ich nicht daheim war. Und in den paar Urlaubstagen in jenen Jahren hatte man auch keine Augen dafür. Weil dem Herzen und all den anderen Sinnen viel prosaischere, profanere, aber auch wichtigere, erhabenere Dinge näher lagen. Diese Mode, die ma damals ausließ und die doch irgendwie, wie sie mir nun die Künstler noch einmal vorzaubern, da gewesen sein muß, entzückt mich und hebt mich über alle Gegenwart hinweg. Das kuschelte sich zusammen aus Empiere, Biedermeier, Kaiserin Eugenie und war deutsch. Als sich nach dem Krieg der Verband der deutschen Modenindustrie auftat, versprach er, nur deutsche Qualitätsarbeit fördern zu wollen. Es blieb bei dem holden Versprechen. Längst schwimmen wir wieder im Pariser Modegewässer, sklavisch abhängiger denn je. Dieser Otto Lendecke, diese ganze Zeitschrift„Wieland", deren innerste Seele vielleicht Frau Lotte von Mendelssohn=Bartholdy war— das alles soll nun ein Traum von gestern sein und bleiben, der den anderen, schwereren, niederdrückenderen etwas ausgleicht? Ach, liebe Frau von Mendelssohn=Bartholdy, lassen Sie doch ihre schöne Zeitschrift wieder aufleben und beeinflussen Sie also wieder die Mode! Lendecke freilich ist tot; aber Kainer und die Offterdinger leben und andere Jüngere sind hinzugekommen, die gewiß auch gern mitmachten. Aus dieser Wieland=Vergangenheit könnte so herrlich eine Wieland=Gegenwart erstehen, die uns das ganze Leben so leicht erscheinen lassen könnte. Wir würden wieder dichten können— wie vor dem Kriege und auf alle neue„Sachlichkeit pfeifen! Gotisch und barock, in Renaissance und in Rokoko kämen wir wieder daher, ganz unmodisch und dennoch eine neue Mode erschaffend. Ich will mir jetzt in jeder Woche einen kangen Abend die schöne Zeitschrift„Wieland“ ansehen und ich empfehle das allen Freunden eines guten Geschmacks. Freilich man muß erst einmal durch seinen Buchhändler ein vollständiges Exemplar dieser vergriffenen Kostbarkeit auftreiben lassen. Man treibe im, auf daß man selbst wieder angetrieben seil Zehn Gebote für die Ehe Amerika, das Land der„unbegrenzten Möglichkeiten“, ist auch das Land der Cchescheidung. Allein der Richter Sobat hatte in sieben Jahren nicht weniger als 25000 Prozesse dieser Art zu entscheiden. Auf Grund seiner Erfahrungen hat er nun die folgenden zehn Gebote aufgestellt, deren Befolgung besonders jungen Paaren, denen am Eheglück gelegen ist, anzuraten ist. 1. Ertragen und sich unterstützen. 2. Vereint arbeiten, vereint genießen, vereint alt werden. 3. Geh jedem Streite aus dem Wege. 4. Unterdrücke jede Meinungsverschiedenheit und verhindere, daß sich kleine Differenzen zu Bergen anhäufen. 5. Sprich immer offen, denn nur so ist es möglich, sich zu verständigen. 6. Die Grundpfeiler der Ehe sind Zuneigung. gute Laune und gegenseitiges Verständnis. 7. Ein freudiger Gruß am Morgen und ein noch freudigeres Gutenacht vor dem Schlafengehen können nicht schaden. 8. Verantwortung und Vergnügen verteile gleichmäßig. 9. Lebe ruhig in Deinem Hause, ohne Dich mit dem Gedanken zu quälen, daß es einfach oder nicht Dein Eigentum ist. 10. Ehe Du einschläfst, laß noch einmal vor Deinem Geiste die Ereignisse des Tages vorüberziehen und prüse Dein Gewissen, damit