„###5 G-K SES. SES 9 Kp;“### dünnen Drahk biegt man in der Mitte um und legt ihn zusammen. 4 cm von der Biegungsstelle dreht man ihn dreimal dicht um sich selbst herum, legt dann die beiden Enden unter der Verdickung um den Fluschenhals und zieht sie, indem man sie dabei zusammendreht, mit der Drahtzange kräftig an. Dann biegt man die gegenüberliegende Drahtöse dicht über den Pfropfen hinweg zu den beiden Drahtenden hin, steckt diese durch die Oese hindurch und biegt sie scharf nach unten in Form eines hakens um. Selbst bei großem Druck hält dieser einfache und sichere Verschluß, und es kann beim Kochen niemals ein Pfropfen herausknallen. Bei den Stachelbeeren entfernt man Stiel und Blüte und reibt sie dann mit einem sauberen, leinenen Tuch ab. Gehen die Früchte beim Gebrauch schwer aus den Flaschen, so hilft man sich auf folgende Art: Man macht den Ring eines Feuerhakens glühend und streift ihn bis zum Ansatz des Halses aus die Flasche. An der Stelle, wo der glühende Ring aufliegt, springt der Flaschenhals kreisrund ab, ohne den geringsten Splitter zu geben. Man hebt den Hals ab und kann bequem die Früchte aus der Flasche gleiten lassen Die Flaschen müssen aufrechtstehend an einem kühlen und trochenen Ort aufbewahrt werden. ——.— Bei Alkohol ist dies bereits seit längerer Zeit nachgewiesen. In die jüngste Zeit fällt der Nachweis, daß auch das beliebteste Genußmittel Kaffee sein Alkaloid, das Cofein, zum Teil an die Muttermilch abgibt: Ein schweizerisches Laboratorium hat Milch von Ammen, die Kaffee getrunken haben, untersucht und darin Coffein einwandfrei nachweisen können! Wenn diese Fremdkörper in der Muttermilch auch nur in geringerer Menge vorhanden sind, so sind sie bei der großen Empfindlichkeit des Säuglings sicher nicht ohne Bedeutung, und es ist Pflicht jeder stillenden Mutter, Alkohol, Kaffee und Tee zu meiden, ausgenommen Kaffee, der coffeinfrei ist und nicht mehr schadet. Dr. W. 1— Aim Wenn man zärtlich ist Zeit grillenhaft Die Pflege des Mundes. Sehr oft sind Magenerkrankungen, überhaupt Erkrankungen, deren Ursache fraglich ist, die Folge ungenügender Pflege des Mundes. Zu dieser Pflege gehört in erster Linie das Ausspülen des Mundes, das täglich mindestens zweimal vorgenommen werden soll. Am Morgen beim Aufstehen und am Abend vor dem Schlafengehen. Das Wasser muß lauwarm sein. Man unterlasse zu heiß oder zu kalt zu spülen, da dadurch die Zähne beschädigt werden. Das Wasser muß beim Spülen in kräftigem Strom durch die geschlossenen Zahnreihen hindurchgepreßt werden. Es werden dadurch die lose anhaftenden Speisereste fortgeschwemmt, durch deren Zurückbleiben im Munde und durch späteres Zersetzen der üble Geruch und Fäulnis hervorgerusen werden. Mindestens einmal am Tage, am besten vor dem Schlasengehen, müssen die Zähne mit einer Zahnbürste gründlich gereinigt werden. Die Bürste muß von oben nach unten bewegt werden. Muß nicht nur die Vorverzähne bearbeiten, sondern bis zu den Weisheitszähnen hintergeschoben werden und auch die Innenseite der Zähne treffen. Während des Bürstens behalte man ein wenig Wasser im Munde, da sich alle Unreinlichkeiten leichter lösen und nicht nur hin= und hergeschoben werden. Eine Bürste soll nicht zu hart und nicht zu weich sein. Nach dem Bürsten spüle man noch einmal den Mund mit Wasser aus und gurgele. Hat die betreffende Person gesunde Zähne, so genügt einfaches lauwarmes Leitungswasser zum Spülen, ist das Gebiß aber schadhaft, so wähle man antiseptisches Mundwasser, das man in das Spülwasser hineintut. Zir nührende Mütter. Es ist ein alter Erfahrungssatz, daß das Gedeihen eines Säuglings sehr wesentlich von dem Befinden, dem Gesundheits= und Ernährungszustande der stillenden Mutter, von der Beschafsenheit der Muttermilch abhängt. Die moderne Säuglingehygiene hat sich nebst vielen anderen Fragen auch mit der beschäftigt, ob durch die Aufnahme unzweckmäßiger Speisen oder Geaußmitte!(Gewürze, Alkohol u. dgl.) die Gesundheit des Säuglings gefährdet werden kann. Die Frage muß bejaht werden. Es ist nachgewiesen worden, daß mit der Milch viele Stoffe ausgeschieden werden, die die Mutter vorher zu sich genommen hat, die ihr Befinden verhältnismäßig wenig beeinträchtigt, durch den Uebergang auf den Säugling diesen aber geschädigt haben. Der einwandfreie Nachweis von dem Uebergang bestimmter Körper in die Milch ist dort erbracht worden, wo es sich um Medikamente handelte, die der Mutter zugeführt wurden, da diese einheitliche chemische Körper sind, die durch bestimmte chemische Reaktionen mit Sicherheit beweisen, daß Jod und Brom, Salicylsäure und Antipyrin, Arsen und Quecksilber, Morphin und Atropin in die Muttermilch übergehen. Haben diese Beobachtungen in erster Linie wissenschaftliches Interesse, so verdient aber ein anderer Hinweis allgemeine Beachtung.. Jese A.. Wank. Auch die wirksamen Bestandteile mancher Venußmittel gehen in die Muttermilch über. Ich finde daß meine Frau seit einiger nervös, mißgestimmt, eigensinnig, griller ist, und vertraue mich einem Freunde an. „Du bist sehr beschäftigt,“ sagt der,„du arbeitest zu viel, vernachlässigst deine Frau und zeigst ihr vielleicht nicht genug Liebe und Freundlichkeit. Lieber Freund, höre auf mich, sei ein wenig aufmerksamer, und du wirst sehen, sie wird es dir danken.“ Das nahm ich mir zu Herzen, und als ich heute zum Mittagessen nach Hause komme und meine Frau mir die Türe öffnet, da presse ich sie sogleich fest an mich, küsse und küsse sie immer wieder mit Leidenschaft. Sie aber erhebt die Schürze zu den Augen, beginnt zu weinen und schreit:„Das Wasserleitungsrohr ist gebrochen und in der Küche steht ein kleiner See, der Ofen zieht nicht, der Gasschlauch ist undicht... Die Magd hat mir eine Schüssel von Mamas Service zerbrochen..!! Und nun kommst du auch noch betrunken nach Hause...1!!“ Die Heirat nach Gewicht. Bei den Tuariks, einem nordafrikanischen Volksstamm, heiraten die Männer ihre Frauen neist nach Gewicht; je mehr sie wiegt, um so fher ist sie im nationalen Geschmack, und um so besser vermutlich auch die Partie, die sie machen kann. Eine Tuarikin von 400 Pfund ist eine Venus nach dortigen Begriffen. kanntlich sind aber im ganzen Morgenlande die Schlanken nicht sehr beliebt; in der Türkei pflegte man die Frauen oft geradezu zu mästen, wenn sie nicht von Natur aus dem landesüblichen Geschmack genugsam entsprachen. Weibliche und männliche Schönheit. Nach früheren sorgfältigen Beobachtungen will man festgestellt haben, daß es in Itlaien und besonders in Rom weit mehr Schönheiten unter dem weiblichen als unter dem männlichen Geschlecht gibt. In Frankreich dagegen gerade das umgekehrte der Fall sein. Dort ist das Verhältnis der hübschen Frauen zu hübschen Männern wie 4 zu 6 oder gar zu 8. In Rußland sollen ebenfalls die Männer sowohl von Angesicht wie an Gestalt viel hübscher sein als die Frauen. Als Mann gelebt, als Frau gestorben. Amerikanische Zeitungen erzählen eine Geschichte, die seltsam genug wirkt, aber dennoch wahr ist. Die Geschichte von einem Mädchen, das sich in Frauenkleidern nicht wohl fühlte und eines Tages einen Männeranzug antat. Als junger Mann erhielt die plötzlich Verwandelte auch Anstellung und war als Kaufmann in einem Geschäft tätig, das einer Frau gehörte und mit seemännischen Artikeln handelte. Man kannte nur den Namen und niemand kam auf den Gedanken, daß eine Frau so wacker Männerarbeit tat, ganz als Mann auftrat, rauchte, trank, spielte, männliche Eigenschaften aufwies und auch mit Mädchen schön tat. Jahre vergingen und der„hübsche Junge“ hätte gewiß seine Stellung nicht aufgegeben, wenn er nicht fürchten mußte, plötzlich doch entdeckt zu werden. Er fühlte eine Krankheit nahen, nahm deshalb Urlaub von seiner Prinzipalin und fuhr in eine unbekannte Stadt, kaufte hier Frauenkleidung, legte sie an und klopfte jetzt als Frau an die Tür eines Krankenhauses. Nach kurzer Krankheit starb der weibliche Charles und niemand wußte, woher er kam, bis man aus den Papieren auf das Leben dieser verstorbenen Frau kam und feststellte, daß sie ein Doppelleben geführt hatte. Daß sie nur als Frau geboren und gestorben war, aber als Mann gelebt und gearbeitet hatte. Fruchtsäfte jeder Art setzen sehr leicht an ihrer Oberfläche Schimmel an, der vor Gebrauch unbedingt heruntergenommen werden muß. Durch dieses Herunternehmen geht aber immer ein bestimmtes Quantum Saft mit verloren, was bei den Herstellungskosten des Saftes sehr bedauerlich ist. Will die Hausfrau diese Schimmelbildung verhüten, so wendet sie Paraffin an, sie als dünne Decke über den Saft gießt. Man läßt das nötige Quantum Paraffin auf dem Feuer zergehen, gießt darauf recht vorsichtig soviel über den erkalteten Saft, wie zu einer dünnen Decke notwendig ist und verschließt darauf die Gefäße mit Pergamentpapier. Das Paraffin erkaltet sehr schnell und bildet eine vollkommen luftdichte Abschlußdecke über dem Fruchtsaft. Auch Gelees, überhaupt jedes Eingemachte, kann man auf diese Weise luftdicht abschließen. Es wird niemals eine Spur von Schimmel vorhanden sein. Wird das Gefäß mit Saft in Gebrauch genommen, so wird der Paraffindeckel sorgfältig heruntergenommen und in einem anderen Gefäß gesammelt, denn man kann dasselbe Paraffin nach Umschmelzen abermals für andere Säfte oder Kompotte als Verschlußdeckel benutzen. Naß gewordene Samthüte dürfen nicht abgewischt werden. Man schüttele die Nässe möglichst heraus und lasse den Hut frei trocknen. Zum Rasensäen. Der Boden ist nach dem Säen mit Brettern festzutreten. Der Samen wird so enger mit der Erde verbunden, geht leichter auf und durch das Festtreten wird auch die Fläche gleichmäßiger, was beim Mähen des Rasens viel wert ist. Nach dem Festtreten ist es gut, wenn man die besäte Fläche noch dünn mit klarer Erde überzieht; man erreicht dadurch ein gutes Bedecken und reichliches Aufgehen des Samens. Die Tabakdosen der Herzogin. Die Herzogin von Portland war eine leidenschaftliche Sammlerin von Tabakdosen. Als sie starb, hinterließ sie 197 solcher Dosen, größtenteils von sehr hohem Werte. Rote Hände. werden am besten abends mit einer der im Handel befindlichen Hautkremen eingerieben. Auch Toilette-Borax ständig dem Waschwasser zugesetzt, wirkt bleichend auf die Haut. Schließlich wird noch empfohlen, die Hände öfters in Jasser zu baden dem etwas Benzoétinktur zugesetzt ist. Bezogene Kleiderbügel sind ebenso beliebt als praktisches, immer willkommenes Geschenk, wie für den eigenen Gebrauch. Ihre Herstellung ist sehr einfach. Das neue Daheim(63. Jahrg. Nr. 42) gibt dafür nachstehende Anweisung:„Aus allerlei Seidenresten fertigen geschickte Hände einfach gerüschte Bezüge, die mit Seidenblümchen oder ähnlichem verziert werden; der Haken wird dicht mit einem schmalen Band bewickelt. Auch zu umhäkelten Bügeln finden Reste— von buntem Wollgarn— Verwendung. Und zwar werden entweder zuerst weiße quer gehäkelte Stäbchen gearbeitet. Dann umhäkelt man den Bügel zum zweitenmal mit bunter Wolle, indem man stets in die liegengelassenen Glieder der unteren Reihe greift. Oder der Bügel wird mit Cordonnetseide dicht bewickelt; an beiden Enden bringt man gehäkelte Käppchen an; sie schützen das Kleid vor dem Heruntergleiten.— Auch mit tunesischem Stich kann der Bügel der Länge nach behäkelt werden. Auf der fertigen Stickerei wird ein leichtes Kreuzstichmuster in andersfarbiger Wolle angebracht. Immer haben die Bügel mit Wollgarn bewickelte Haken und eine kleine Verzierung in der Mitte die aus Luftmaschenschnüren mit Quästchen, aus zwei in festen Maschen gehäkelten runden Teilen, die aufgesetzt werden oder einer aus Schlingen gebildeten Rosette bestehen können.“ Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Tader1 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 29 Altena, den 18. Juli 25 Nervöse Frauen Von Ilse Steffens, Leipzig. Nicht von jenen Müttern sei hier die Rede,le die ein Drohnendasein führen und gewisser-d maßen vor lauter Nichtstun, vor lauter Unausgefülltsein—„Nerven" bekommen. Diese Art Nervosität ist eine rein eingebildete und darum so wenig ernst zu nehmen wie die Launen eines verwöhnten Kindes, leider nur muß sie oft genug als Freibrief für alle möglichen Unberechenbarkeiten gelten.— Anders ist es bei jenen Müttern, die, durch die Schwere der Zeit gezwungen, alle ihnen zu Gebote stehenden Kräfte anspannen zu müssen, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Mag auch der Vater als das Oberhaupt der Familie mancherlei Sorgen mit sich herumtragen, zweifellos ist das Los einer Mutter ein schwereres. Auf ihren Schultern ruhen unbedingt mehr Lasten als auf irgend einem anderen Menschen. Und nicht so sehr ist es die Menge der ihr obliegenden Pflichten, als vielmehr deren Verschiedenheit, die notwendigerweise ein dauerndes Sichumstellenmüssen bedingt und so in besonderem Maße die Nervenkräfte der Frau aufreibt. Unzählige Dinge treten im Laufe des Tages an sie heran, hier soll sie helsen dort entscheiden, da wieder gutmachen, für alles trägt sie die Verantwortung; das erfordert ein Uebermaß an Kraft, und aus einem plötzlichen Versagen eben dieser Kraft entwickelt sich dann jene Stimmung der Reizbarkeit, die von dritter Seite nicht verstanden, ja oft sogar verurteilt wird, da sie von jenen, die im Gleichmaß der Tage dahinleben, als ein unberechtigtes Sichgehenlassen aufgefaßt wird. Nur ein seiner Beobachter hat die Einsicht, jene Ueberempfindlichkeit als eine notwendige Folge der Ueberlastung körperlicher und vor allem seelischer Kräfte anzusehen und damit zugleich zu bedenken, daß nicht so sehr die Umgebung als vielmehr die betreffende Person selbst schwer unter ihr zu leiden hat. Handelt es sich um nervöse Frauen, so ist diese Tatsache bei weitem nicht von so schwerwiegender Bedeutung als bei nervösen Müttern. Der Frau obliegt nur die Verwaltung des Hauswesens, der Mutter daneben das schwerere und so verantwortungsreiche Amt der Erziehung. Niemals wird ein nervöser Mensch ein guter Erzieher sein, denn Erziehung erfordert ein unbedingtes Ausschalten aller Abhängigkeit von Stimmungen. Oft genug kommen besorgte Mütter ahnungslos zum Arzt mit der Frage: Was soll ich mit meinem nervösen Kind anfangen, und gerade dem Arzt als seinem Seelenkenner bleibt nur die eine Antwort übrig, die er oftmals umschrieben andeutet, deren direkter Inhalt aber ist:„Geben Sie Ihr Kind in andere Hände. Sie sind zu nervös zum Erziehen und machen Ihr Kind mit nervös.“ Eine überreizte Mutter schwankt bei der Behandlung ihres Lieblings meist und völlig unbewußt zwischen übermäßiaer Strenge und übertriebener Güte, und kommt ihr doch einmal diese Tatsache zum Bewußtsein, so wird sie aus dieser Erkenntnis heraus einer ungerecht harten Strafe wegen eines vielleicht geringfügigen Vergehens nun nur zu leicht ein ebenso unberechtigtes Uebermaß an Liebe folgen lassen. Das kleine Wesen aber, dem beides zuteil ward, ist schließlich doch ein denkender Mensch und, wie die meisten Kinder, ein vorzüglicher Beobachter, der durch solche Behandlungsweise, wie sie einer jeweiligen Stimmung entsprang, irre wird an der Art seiner Mutter und sich naturgemäß dieser Art mehr und mehr verschließt oder— aus seinem gesunden Empfinden heraus sich dagegen auflehnt. Das Sich=nicht=zurecht=finden=können raubt nun dem Kinde viel von seinem seelischen Gleichgewicht, es wird nervös, unberechenbar und gibt der ohnehin überlasteten Mutter einen Grund mehr zur Unruhe, zur Sorge. Wie kann da geholfen werden? Den Rat des Arztes zu befolgen, ist in den meisten Fällen schon aus pekunjären Rücksichten nicht durchführbar, zudem würde auch schwerlich das Bewußtsein: Du mußt dein Kind fremden Leuten anvertrauen, da du selbst nicht imstande bist, es zu leiten,— dahin wirken, die Unrast in der Seele der Mutter zu beseitigen. Andererseits wird aber die Verantwortung für das leibliche und seelische Gedeihen ihres Kindes einer gewissenhaften Mutter voll bewußt sein. Und so dürfte es hier nur einen Weg geben, der freilich der schwerste für eine Mutter ist: Mit allem Ernst und mit aller Kraft über seine Nerven Herr zu werden suchen; eine Mutter vermag viel, unsäglich viel; und was sie um ihrer selbst willen nicht tut, und was sie um anderer willen nicht vermöchte, das zu vollbringen wird sie ihrem Kinde zuliebe imstande sein. Nicht von heute auf morgen, nicht ohne Kampf, nicht ohne Geduld, aber— sie wird es vollbringen! Die andern aber, die irgend in der Lage sind, so oder so die Mutter zu entlasten, ihre schwere Aufgabe zu erleichtern, denen sollte dieses Ziel nicht nur Streben, sondern Gesetz werden. Mit dem Wohlbefinden der Mutter, mit ihrer seelischen Ausgeglichenheit steht und fällt die Harmonie des Familienlebens, darum lohnt es sich in der Tat, den Kampf aufzunehmen. —1— Freiheit von heute Von Kurt Engelbrecht. Das war vorgestern, als ich eine junge Dame in begeistert lauschender Gesellschaft die Freiheit des modernen Menschen, vorzüglich der modernen Frau, mit hell klingenden, triumphie=renden, freilich ein wenig konfusen Worten =spreisen hörte. Es war ein Wortschwall von so kataraktähnlicher Gewalt, daß jeder Widerstand in dem Wirbel elend untergegangen wäre; man mußte schweigend das Ungeheuerliche, Weltbewegende, Neuartige über sich ergehen lassen und durfte nur froh sein, wenigstens im stillen seine eigenen Betrachtungen anstellen zu können. „Was?“ klang es aufreizend von hochgeschürzten, kirschrot gefärbten Lippen:„Ist das etwa keine Freiheit, daß ich heute tun und lassen kann, was ich will? Daß keiner mir Vorschriften zu machen hat, wo ich abends hingehen darf, was ich den Tag über treibe; womit ich mein Geld verdiene, wie ich mich kleide, was ich rede?“ Energisch verächtlich flog der Kopf zur Seite, wobei das herrenschnittige eigensinnige Blondhaar zum leise bewundernden Entsetzen der Umstehenden eine über-raschend starke Dosis Puder freigab, die sich da hineinverwirrt hatte und wohl einen Begriff von den bei der Weißfärbung des Gesichtes verwandten Pudermassen gab. „Pah!“ schürzten sich die Lippen noch höher und röter, während das Schwarz der Augenfrauen Zornwellen schlug,„früher sagte man: Gedanken sind zollfrei! Wie? Nennen Sie doch irgend etwas, das mir nicht freistünde, jeden Augenblick freistünde? Könnten Sie etwas dagegen haben, daß ich mich jetzt aus Ihrer Gesellschaft entferne, weil es mir gerade einfällt, lieber in irgend einer Diele mit irgend einem Herrn auf lichtstrahlenden Glasplatten Charleston zu tanzen? Wer würde was dabei finden? Niemand! Sehen Sie? Und früher? Ach du lieber Gott! Man war eben der Sklave der gensellschaftlichen Sitte, der philiströsen Beschränktheit und kleinbürgerlichen Verranntheit. Und heute ist man frei! Endlich frei! Und darauf muß ich mir noch eine Zigarette anstecken! Danke sehr! Sehn Sie? Wieder ein Beispiel!“ Und die Redegewalt der Wortmächtigen entzündete sich an dem Feuer der Zigarette aufs rlgeite. Ich wagte es, mich ein wenig aus dem Kreise der Rednerin zu entfernen— es wurde Gottlob fnicht bemerkt— und von einem nahen bequemen Sessel aus die Gesamterscheinung der Freiheitsbegeisterten zu betrachten. Sie war mir aus der Nähe zierlich und zart von Gestalt erschienen. Jetzt sah ich aus dem kniefreien, also wieder mal freien Röckchen ein Paar unschöner, ja geradezu plumper Beine auf hochstöckeligen schlangenbelederten Schuhen fortgesetzt nervöse Verrenkungsbewegungen vollführen. Es war ja das Wort Charleston gefallen. Freiheit! Ich dachte an das Rot der unschönen, etwas wulstigen Lippen, an das Schwarz der viel zu schmalen Augenbrauen, an das Kalk. weiß der mageren Wangen. Und nun gar: was hätte die Verhimmlerin der Freiheit von heute wohl darum gegeben, wenn es die Herrscherin Mode, die grausame Sklavenhalterin von heute, ihr vergönnt hätte, die Wulft= und Walzenform ihrer Beine zu verbergen! Unmöglich! Die Mode schwingt die Peitsche über den Menschen der modernen Zivilisation. Sie müssen gehorchen, ob sie wollen oder nicht wollen. Sie müssen sich kleiden, sich bemalen und frisieren, müssen tanzen und sich bewegen, müssen reden und— denhen, ganz wie sie es befiehlt. Und wehe, dreimal wehe über jeden, der sich ihren herrischen Befehlen, ihren tyrannischen Geboten zu widersetzen wagt! Er ist dem schrecklichen, nimmer zu verwindenden Fluch des mitleidigen Lächelns oder wohl gar des ganz offenen spöttischen Lachens der andern, des allgemeinen Sichlustigmachens und verstohlenen Fingerzeigens ausgeliefert! O Schrecken aller Schrecken! Nur das nicht! Lieber denn doch alle naturgewollten Häßlichkeiten nach den Gesetzen der Mode noch unterstreichen und auffällig sichtbor werden lassen! Und das ist dann die Freiheit von heute! Wer möchte in ihren Lobpreis nicht mit einstimmen?—— — Die Frau in der Blindenehe Uthoff und auch Strahl haben sich mit anderen um das Verdienst der Untersuchungen über das Schicksal der Kriegsblinden verdient gemacht, so auch mit dem wichtigen Problem der Blindenehe beschäftigt. Hinter dem Wort„Blindenehe" verbirgt sich ein gut Teil Lebenstragik. denn das Glück der Blindenehe hängt von viel mehr Umständen ab, als das der normalen Ehe. Wenn der im Wirtschaftsleben stehende und Werte schaffende Kriegsblinde eine Lebensgefährtin findet, die ihm um seiner selbst und nicht um seiner Rente willen helfend zur Seite stehen und ihn in vielen Fällen das Augenlicht ersetzen will, so kann, wie Strahl sagt, eine solche Ehe nur begrüßt werden. Unbedingt warnt er vor Eheschließungen, die den Blinden seinem früheren Milieu völlig entfremden und ihn in eine Gesellschaftsklasse bringen, die seinen ganzen Neigungen und Veranlagungen, seinem Werdegang, seiner früheren und jetzigen Beschäftigung fernliegen oder mit einem Mädchen. das ihn aus Mitleid und nicht aus Verständnis heiratet. Nichts ist schädlicher als Sentimentalität. Die körperliche und seelische Gesundheit des Mädchens ist Vorbedingung für die Ehe mit einem Blinden. Kranke Frauen können ihren Männern meist nicht die nötige Pflege angedeihen lassen. Als heiklen Punkt bezeichnet Uthoff die Wirtschaftlichkeit der Frau. Sparsamkeit und praktische Veranlagung in den einzelnen Heimarbeiten, wie auch Schneidern, Flicken usw.— also Mädchen mit tüchtigem und willigem Hausfrauentalent sind hier fast bedingte Voraussetzungen, um sich den doch meist bescheidenen Einnahmen anzupassen. Fürsorgeschwestern haben hier ein geeignetes Feld, diese Frouen, die oft Mitteilsamheit und wertvolle S 8 * # S. 2 5 8 8p. SIEE E U T9 ES 3•• SE PELE * SL GoßRS ½ 9 0 S 6 * 2E :3— 8% *85 S. 5 S 68— 3••3 *SE * 88 S 8 58. O* 9 * 2 a 6 E: □ 828055 S S# — 10n— 2 E 9 S SGETSS -A- SggEE EBSTDSE MAABESERSE S5ge 55 8 5%8 E 888 Sngen SESSEC e S.5 8 *— 2— . S *• 8 S.8 8 S „SEERE S E a50 P F 88.81 8 S8 Le 9 955 8 n m 39—9 8 SSSPSP EE 3S S B 65 *06 942 29 S 9#: 81 83 B 25 E 9 1— m E E— Se— □###E 82 S 9 5 58 Der Biß in die Bettstelle Skizze von Walter A.-Eichhorn-Leipzig. „Sei vorsichtig, mein Sohn, mit der Heiratnet. Er eilte auf Fräulein Mangold zu und Frauen sind unberechenbar. Ein Mann kannlbot ihr den Arm. in der Ehe nur glücklich werden, wenn die Bei Tisch beobachtete Studienrat Waldeck Frau ein richtiges Hausmütterchen ist. Sanft muß sie sein und sich leicht lenken lassen. Dem Manne alles von den Augen ablesen, nicht meutern, keine Szenen machen. Ist sie noch lieb und gütig von Gemüt, dann herrschen Ruhe und Friede im Haus.“ Der Sohn fiel hier ein:„Du kennst doch Fräulein Mangold, Vater. Eine liebevolle, ruhige Dame, frauenhaft, weich und zart.“ „Prüfe sie erst, mein Sohn! Das kannst du nicht bei Tischgesprächen oder beim Tennisspiel. Unerwartet muß etwas an sie herantreten, wo die gute Erziehung, das angelernte Beherrschen nicht ausreicht und somit versagt. Ist sie dann immer noch sanft und gütig, ruhig und gemütvoll, so ist sie eine ideale Ehegefährtin.“ „Sei versichert, Vater, Fräulein Mangold ist ein Engel—“ „Engel sind vor der Ehe alle. Sobald sie den Mann fest haben, entpuppen sie sich meist als Teufel. Denke immer daran: Der Arm einer guten, sanften Frau, um den Hals des Mannes geschlungen, ist wie ein Rettungsring vom Himmel geworsen. Ist die Frau aber zänkisch, herrschsüchtig, hart und böse, dann ist ihr Arm ein Mühlstein, der den Mann hinabzieht in die Hölle. Glaube nicht, daß Sokrates den Giftdecher freiwillig genommen, wenn ihm nicht seine Xantippe daheim die Hölle auf Erden bereitet hätte. Aufmerksam hörte der Sohn zu. Er mußte seinem Vater recht geben, und er nahm sich vor, Fräulein Mangold aufmerksam zu beobachten. Er erhob sich:„Ich muß jetzt gehen. Es ist höchste Zeit.“— Frau Professor Schranden empfing ihn mit drohend erhobenem Zeigesinger:„Etwas spät, Herr Studienrat. Ich hatte beinahe die HoffEs geht gleich zu Tisch.“ amirmelte eine Entschuldigung.„Fräulein Mangold ist Ihre Tischdame", rief ihm Fnur Prasesfor Schranden noch zu und eilte daErs#mt zu der versammelten Gesellschaft. Viel Zeit zur Begrüßung hatte er nicht, denn die für gm Speiezmmmer geöste seine Dame kritisch. Wie sie ihn anlächelte mit dem runden, etwas vollen Gesicht. Welch ein weicher Zug um den Mund, dachte er. Das runde Kinn deutet auf einen sanften, gemütvollen Charakter, sagt die Phrenologie. Sie wird nie heftig sein können, nie aufbrausen, nie herrschen wollen.— Doch nun kamen ihm die Worte seines Vaters in Erinnerung:„Vor der Ehe sind sie alle Engel——.“ Die Frau des Hauses stand auf:„Den Mokka trinken wir in dem Wintergarten“, sagte sie. Alle erhoben sich, und Waldeck konnte jetzt das aparte Kleid Fräulein Mangolds aufmerksam betrachten. Ein duftiges Chiffonkleid, mit prächtiger, geschmackvoller Stickerei. Er gab seiner Bewunderung hierüber Ausdruck. „Ich habe es selbst gestickt, wochenlang habe ich daran gearbeitet. Es war eine mühselige Arbeit, und es freut mich, daß es Ihnen gefällt.“ Sie suchten sich im Wintergarten ein stilles Plätzchen aus, unter einem großen Farn. Als sie sich setzte, blieb Waldeck vor ihr stehen:„In Ihrem herrlichen Stilkleid mit der prächtigen Stickerei, unter diesem Farn, sehen Sie wie eine indische Rajahtochter aus", vief er bewundernd. „Setzen Sie sich, Sie Schmeichler“, sagte sie kurz. Waldeck mußte sich sehr beherrschen, um nicht von ihrem Liebreiz in Fesseln geschlagen zu werden. Aber er erinnerte sich der warnenden Worte seines Vaters:„Prüfe sie erst, mein Sohn.“ Das Mädchen brachte den Mokka auf einem Tablett. Waldeck wollte die Tasse ergreifen. Da!— eine ungeschickte Bewegung des Mädchens. Die Kanne fiel um und die schwarzbraune Brühe ergoß sich über das wunderbare Stilkleid. Fräulein Mangold sprang auf, ebenso Waldeck, und er fuhr das erschrockene Mädchen an. Besänftigend legte Fräulein Mangold ihre Hand auf seinen Arm:„Aber Herr Waldeck, das Mädchen konnte wirklich nichts dafür. Es war nicht ihre Schuld. Es war ein unglücklicher Zufall. Sehen Sie doch, wie blaß sie geworden ist.“ Zu dem Mädchen gewendet, sagte sie:„Es ist gut, gehen Sie.“ Studienrat Waldeck konnte nicht fassen, daß Fräulein Mangold so ruhig blieb. Das wundervolle Kleid war verdorben; ebenso die in wochenlanger Arbeit hergestellte Stickerei. Plötzlich kam es wie eine Erleuchtung über ihn: Das war die Feuerprobe. Sie hat sie wunderbar bestanden! So gütig und sanft; entschuldigt sogar die Ungeschicklichkeit des Mädchens!— Ehe er noch weiter denken konnte, hatte er ihre Hand ergriffen und sagte mit bewegter Stimme: „Werden Sie meine Frau, Fräulein Mangold.“ —— Einige Monate später.— Herr und Frau Studienrat Waldeck waren von der Hochzeitsreise zurückgekehrt und verlebten den ersten Tag im eigenen Heim. „Lieb! Wollen wir ausgehen und den Kaffee im Rennbahn=Restaurant trinken?" fragte Waldeck seine junge Gattin. „Ja, Herzblatt. Das ist ein seiner Gedanke. Ich will mich gleich umziehen.“ Bald war sie wieder zurück. Welch prachtvolles Kleid hatte sie an, duftig und herrlich gestickt.„Du siehst entzückend aus, mein Lieb", rief er und küßte sie.„Oh! Das Kleid ist dem so ähnlich, das du am Abend bei Professor Schranden trugst, wo ich um deine Hand anhielt und du mich zum glücklichsten aller Menschen machtest.“ Eine Falte des Unmutes legte sich auf ihre stirn, und heftig stieß sie hervor:„Erinnere mich nicht daran! Die dumme Gans! Mir das wundervolle Kleid zu verderben. Ich hätte sie sohrfeigen können! Ich hatte eine Wut in mir, eine furchtbare Wut, aber ich habe mich beherrscht. Als ich nach Hause kam, da war es aus, da habe ich—— komm ich will es dir zeigen.“ Sie zog ihn ins Fremdenzimmer, wo das Bett ihrer Mädchenzeit aufgestellt war. — da habe ich mich auf das Bett geworfen. geweint, geschrien, und sieh hier, vor Wut in die Bettstelle gebissen. Die Eindrücke kannst du noch sehen!“ Waldeck war blaß geworden und beugte sich gehorsam über das Bett. Wirklich! Es waren zwei Reihen Zähne in das Holz eingegraben. Ein kalter Schauer ging über seinen Rücken... ig wchltend empfinden, öfters aufzu##chen, um ihre erprobte Hilfe zu spenden. Die Kriegeblinden heiraten sehr gerne. Wenn eine nichtige Gattin für den Blinden gefunden ist. so soll die Ehe umbedingt gutgeheißen werden. Der Büinde gewinnt, wie zahlreiche Fälle beweisen, durch sie seine Arbeitslust wieder. Eine energische, bluge, arbeitswillige Frau hat es hier in der Hand, auf scheinbar unglücklichem Gumde das Glück einer Familie zu begründen. Bei den meisten Blindenehen hat der Mann seine Frau erst nach dem Zeitpunkt seiner Erblindung geheiratet. Uthoff kommt auch auf die Ehen zu sprechen, die bereits vor der Erblindung geschlossen worden sind, und auf ihren Verlauf. Er muß aus seinen Beobachtungen densun:.... g; an: Schluß ziehen, daß im Durchschnitt die vor der##aserschoß zu Schonbrum vei Wien. Srblindung geschlossenen Ehen schlechter verlausen als die nach der Erblindung eingegangenen. Man sollte eigentlich annehmen, daß ein Eheglück, das sich bereits jahrelang bewährt hat, durch einen Unglückefall nicht so leicht erschütdert werden könnte. Aber die Sache liegt wohl so: Die Frau, die die Ehe mit einem Erblindeten eingeht, mimmt freiwillig ihr schweres Los auf sich. Aber eine Frau, die gewissermaßen ohne ihren Willen auf einmal ein so schweres Ehelos zu tragen hat, wird sich oft nur sehr schwer in die veränderte Lage hiweinfinden. 8.Sch. teile der damaligen Zeit als rechtmäßige Gattin des Erzherzogs anerkannt. Wer aber das Leben und Wirken dieser bedeutenden Frau, die durch Schönheit und Bildung ausgezeichnet war, im Geiste an sich vorüberziehen lassen will, der muß Schloß Ambras, eine knappe Wegstunde von Innsbruck, am Fuß der Berge, aufsuchen. Das prunkvolle, jetzt wieder völlig hergestellte Schloß, eine Schatzkammer von Sehenswürdigkeiten und ein Born anregender Erinnerungen, ist Philippinens Wohnsitz gewesen. Dort hängt ihr Bildnis: aus der steifen Spitzenkrause ragt ein klassisch schönes Haupt, die Augen schweifen mit unverkennbarer Sehnsucht ins Weite. Ein ähnliches, aber doch nicht so sprechendes Bildnis befindet sich im alten „□ Philippine Welser, das Lebensbild einer deutschen Frau Zu ihrem 400. Geburtstage. Von Oberst a. D. Immanuel. In der„Silbernen Kapelle“ unter der HofKirche zu Innsbruck, in der oben das Standbild des Freiheitskämpfers Andreas Hofer steht, ruht der Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, Statthalter von Tirol, Sohn des nachmaligen Kaisers Ferdinand I., ihm zur Seite seine Gemahlin Philippine, geborene Welser, als Freifrau von Zinneburg in den Adelsstand erhoben und nach schwerem Ringen gegen die VorurPhilippine, damals zweiundzwanzigjährig. lernte zu Augsburg 1547 den Erzherzog kennen. Die Stadt war um jene Zeit der Sitz des Weltkapitals, das von den beiden alten Patrizierfamilien der Fugger und Welser geführt wurde. Sie beherrschten den Handel Deutschlands mit Genua und Venedig, wußten sich aber nach der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Ostindien geschickt umzustellen. Sie standen im Wettbewerb mit Lissabon und den niederländischen Seeplätzen. Ihre Handelsmacht reichte nach dem Norden und Osten Europas, große Kolonialpläne für Südamerika wurden entworfen. Kaiser Karl V., der spanische Habsburger, in dessen Weltreich„die Sonne nicht unterging.“ brauchte sehr viel Geld im Kampfe en Franzosen und Türken. Bartholomaus lser, der Oheim Philippines, lieh dem Kaier, zusammen mit dem Hause Fugger, die für die damalige Zeit ungeheure Summe von zwölf Tonnen Goldes. Die Familie Welser rüstete im besonderen mehrmals Flotten für den Kaiser aus und erwarb dafür bedeutende Rechte im Geld= und Handelswesen des Reiches. Allein die Grenze war trotzdem gezogen. Als Erzherzog Ferdinand, Kaiser Karls V. Neffe, in heißer Liebe zu Philippine Welser entbrannte und das Fräulein diese Leidenschaft erwiderte, erkannte der erzürnte Vater das Verhältnis nicht an und verbannte den Sohn auf ein einsames Schloß nach Böhmen, bis er ihn zum Statthalter zu Prag ernannte. Der Erzherzog aber ließ nicht von Philippine und sie nicht von ihm. Ein Kapuzinermönch hatte ihre Ehe insgeheim eingesegnet. Zwei Söhne wurden geboren. Der stolzen Patrizierstochter blieben Demütigungen und Kränkungen von seiten des kaiserlichen Hofes nicht erspart, die sie standhaft und mit ungebrochenem Stolze ertrug. Erst 1561 versöhnte sich der Kaiser Ferdinand I. mit dem Sohne und erkannte dessen Ehe an, soweit es die Anschauungen der damaligen Zeit zuließen. Das erzherzogliche Paar ging nach Tirol, wo Ferdinand die Statthalterschaft übernahm und, mit Philippine zusammen, im Innsbrucker Schloß wohnte. Bald darauf erbaute er für seine Gattin das Schloß Ambras, das, kürzlich wieder hergestellt, in seiner vornehmen Pracht bis auf die Gegenwart erhalten geblieben ist. Philippine wuchs in die Würde als Landesmutter hinein und hat als Wohltäterin und großzügige Herrin viel für Tirol getan und dadurch allgemeine Liebe und Achtung erworben. Im Schlosse zu Ambras wurden Kunst und Wissenschaft eifrig gepflegt. Ein ausgedehnter Waldpark umgibt noch heute diesen Herrensitz; die alten Bäume haben schon auf Philippine und die Ihren herabgeschaut. So hat sich der Lebensabend der schönen Welserin verklärt, die sich durch die Beharrlichkeit ihrer Liebe durchsetzte. Noch 19 Jahre durfte sie in Innsbruck und Ambras als Herrin walten. Im April 1580 ist sie zu Ambras, erst 53jährig, gestorben, mit den Worten:„Die Liebe höret nimmer auf.“ —7.— Strandleben auf Norderney Lachendes, fröhliches Leben am Strand, Silberschäumende Welle, Stolze Burgen aus gleißendem Sand Sonnenfunkelnde Helle! Kinder jubeln, Wimpeln wehen, Flirt tanzt bunten Reigen— Bis zum Strandkorb fangen sich Klänge ferner Geigen! *— O er gn g. S•5— ! 5 5 S E.5.908: * 8 S g S#c 6— *B— PAEAASS 88 8 8 — G. 5 SSSES 59858 8386. Sese 85eE EF. S##B. SR-RRESEE Se EEESTESE 5860 S 8588, SB à„ 2o EGOTEETEFT 2FbSe- Fose S Ze **953 2 52— * — 2 — * JSESSSESRESS3 8 S S 5SSEES Js. 8825 3 Sonnenoläue, Wellenwiegen— Amoretten fliegen... Wer kennt nicht das Idyll des Strandlebens? Die Freuden hochsommerlichen Badelebens am Meer? Hat nicht mancher selbst erlebt, daß schon Wochen vor der beabsichtigten Badereise sich die Reihe bunter Bilderbogen, die Meer und Meeresstrand versprechen, in die alltäglichen Gedanken— etwa am grauen Schreibtisch— einzuschleichen wußte? Die Vorfreude auf Wochen am Meer spiegelte sich in farbenfroher Phantasie. Bgreifen kann man da kaum, daß es Menschen gibt, denen das Meer nichts sagen kann, Menschen, die jene wiederum nicht verstehen, welche eine unbezwingbare Sehnsucht immer wieder an das Meer, an die Nordsee und hier besonders wieder nach der schönsten Insel Norderney zieht, selbst, wenn sie nicht an der Wasserkante geboren sind. Ein edler Wettstreit entsteht zwischen den Freunden des Wassers und den leidenschaftlichen Anhängern der Berge, wobei letztere gern betonen, welche Vielseitigkeit„ihre Höhenwelt" gegenüber der Monotonie des Meeres aufzuweisen habe. Monotonie des Meeres! Ein Fremdwort allen, die das Meer lieben. Gleichklang des Wellenspiels ist uns beschwingter Rhythmus ewiger Harmonien des Weltalls. Und die Stimmung an der See— wie veränderlich ist sie! Sonnenüberglänzte Fläche am friedlichen Mittag läßt uns vom Urelement sturmgepeitschter Wogen nichts ahnen, die wenige Stunden darauf den kleinen Menschen vor unendlicher Naturgewalt wie ein Nichts erzittern lassen. Musik des Meeres im Wellenrauschen — Farbenreichtum im Wolkenspiegel des schimmernden Wassers— einsames Schifflein am dämmernden Horizont: Meer, du reiches Meer! Das ist der Hymnus aller Seefreunde. Die aber auch den Strand nicht verachten, im Gegenteil, sich dort nur zu Hause fühlen, wenn sie im Badeort weilen. Ihre Tage gleiten im Sande dahin, das gehört zur Selbstverständlichkeitt des Ferienlebens, das sie mit unzähligen Strandmitbewohnern gern teilen. So bilden sich Stranddörfer am Meer, deren eigentümliche Bewohner wir einmal auch den Unkundigen, die seltener oder niemals„stranden", veranschaulichen möchten. Da ist zunächst ein Tierchen, das zu Dutzenden am Meeresstrand zu finden ist und sich Seekrabbe nennt. Zierlich, doch rank gewachsen, scheint die Seekrabbe von einer übermütigen Welle an den Sttrand geworfen. Der Charme ihrer lachenden Augen und die harmlose Fröhlichkeit zieht alle in ihren Bann. Jeder bemerkt sie und selbst Frauen haben ein Lächeln für ihre frechdrollige Art. Ueberall und zahlreich taucht die Seekrabbe auf, wo etwas los ist. Die Burgen liebt sie nicht allzu sehr. Wenn man auf sie Jagd macht, nimmt sie Zuflucht zum nassen Element. Haust in Sandlöchern und nährt sich von Konfekt und leichter Lektüre.„„ i t. 2il Der See=Saloniowe. er in tu, weil er da sein muß. Mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe, wächst seine Burg täglich um einige Zentimeter, wobei sein grellfarbenes Badefell mit den exotischsten Arabesken Gelegenheit hat, voll zur Geltung zu kommen. Vor Wasser hat er Abscheu, betrachtet dagegen mit seinem Einauge vom Strandkorbe aus das Gewimmel der Seekrabben. Meistens jedoch ist er damit beschäftigt, das Einauge im Sande zu suchen. Tagsüber in heißer Sonnenglut, liegt er, ein faules, träges Etwas, im Sand, um abends seiner eigentlichen Beschäftigung auf der Kurpromenade nachzugehen. Hier fühlt er sich als Alleinherrscher. Im Nebenberuf ist er Kinostar oder aus der Konfektion. Er lebt von— schwer zu sagen—— jedenfalls er lebt. Der See=Elefant. Weibliches Geschlecht. Gewöhnlich als unabwendbares Anhängsel niedlicher Seekrabben bemerkbar. Ueberall da anwesend, wo die Anwesenheit unerwünscht ist, erfreut er sich harmonischer Rundungen, die einen Zweisitzerstrandkorb ausfüllen. Entzückt sichtet er wandelnde Badehosen. In neuerer Zeit nimmt der See=Elefant auch schlankere Dimensionen an und ist nicht so gefährlich wie er aussieht. Die Seesirene. Stets verheiratet, ist sie stolz auf ihren Sprößling, der von jedermann, am seltensten von ihr selbst aber bewundert wird, da sie keine Zeit hat Sechs Tage ist ihre Burg ständigen Belagerungen ausgesetzt. Weekend jedoch ist der Tag des Herrn. Sie hält Modeschau im Wasser wie zu Lande, manchmal steigert sich diese zur Revue. Die Preise der Tanztourniere und Reunions fallen ihr automatisch in den Schoß. Zu jedermann freundlich, steht sie jedoch mit ihren Konkurrentinnen auf Kriegsfuß. Nach ihrer Abreise ist die Kurdirektion verzweifelt. Das Badelexikon. Trägt Glatze und Narben in Versen Von Börries, Freiherr von Münchhausen. War nicht einmal alles dieser Mund Sinnlich=rot, wortgläubig, wild=gesund? Und doch kam für alles eine Stunde, Wo es Wunde wurde, brennendheiße Wunde. Wunden harschen bis zu kühlen Narben, Wenn die heißen Schmerzen stöhnend starben. Ach, wie viel Vergessenheiten träumen Zwischen narbenschmaler Verse weißen Säumen Säumen, die einst Lippen einem Munde, Die einst blutige Ränder einer Wunde! format: ziemlich umfangreich. Es weiß alles. Wetterprognose, Ankunfts= und Abfahrtszeiten sind seine Spezialität. Wenn seine Dienste nicht in Anspruch genommen werden, ist es traurig. Die Verwandtschaft scheint unbegrenzt, es heißt „Onkelchen“. Die Badezeitung führt es als Ehrenkurgast seit undenklichen Zeiten. Das sind nur einige der eigenartigen Lebewesen, die den Strand im Hochsommer bevölkern. Vielleicht aber sind sie doppelt wichtig. Wichtia, um neben den Erquickungen und Schönheiten des Ferienlebens am Meer Sonne— Wasser— Licht und Luft— das Körnchen Humor zu spenden, das für die gewünschte Erholung nötig ist. wäre ein trauriges Zeichen der Zeit! Wenn derartiges gang und gäbe würde, wenn Putzesucht, Eitelkeit und äußerer Tand schon auf der Schulbank geduldet und somit gefördert werden, so eröffnet das nette Zukunftsaussichten. Da kann die nächste Generation ja gut werden! Wir hoffen, daß recht viele Eltern das Vorgehen des alten wackeren Oberlehrers billigen. Aber nicht nur das, wir hoffen auch, daß viele Eltern jetzt recht häufig die Schulmappen ihrer Lieblinge revidieren werden. Wenn sie dann allerlei Ueberraschendes und Unangebrachtes, nicht nur Lippenstifte und Schminktöpfe, sondern auch eigenartige Lektüre entdecken, so mögen sie zu den früheren und immer noch bewährten„Ermahnungen“ greifen; diese helfen am besten und sie haben noch das Gute, daß dem Lehrer Ungelegenheiten erspart bleiben. Lippenstift und Schminktopf in der Schule Wir haben es doch hewvlich weit gebracht! Der Fortschritt auf allen Gebieten ist unverkennvar, namentlich in unserer geliebten Reichshauptstadt. Kirchliche Trauungen im Flugzeug mit Grammophonmusik in luftiger Höhe, 800 Meter über der Kirche(wofür allerdings der amtierende Geistliche an die Luft gesetzt wurde) —, erstaunliche Rekordleistungen unserer Damenwelt im Auto= und Motorrad=Wettfahren, — Kleider, die 20 Gramm wiegen—, das sind so allerlei Errungenschaften der Neuzeit, die freilich bei manchen„Veralteten“ recht energisches Kopfschütteln hervorrufen. Auch auf dem Gebiete der Körperkultur und Schönheitspflege gibt es da neuerdings bei jungen und älteren Damen—(„alte“ gibts doch überhaupt nicht mehr!)— so allerlei Gewohnheiten, die nicht nach jedermanns Geschmack sind, wie ein Vorfall beweist, der kürzlich durch die Zeitungen ging. Ein Oberlehrer an einem Berliner Lyceum, wahrscheinlich einer„von altem Schrot und Korn", bemerkte mit Mißfallen, daß manche seiner Schülerinnen, pardon, seiner 14= und 15jährigen„jungen Damen“, während des Unterrichts reichlich farbig angestrichen waren: die Lippen knallrot, die Wangen rosarot, während Hals und Nase, wohl infolge der Hitze, die verschiedenartigsten Nüanzierungen der Puderquaste aufwiesen. Der gute alte Herr war der Meinung, daß diese Art Schönheitspflege nicht gerade zum Unterricht gehöre, und als er durch eine Untersuchung der Schulmappen feststellte, daß die Hälfte seiner Schülerinnen mit allen erforderlichen Requisiten der Gesichtsverschönerung ausgerüstet waren, die sie in der Pause und auch wohl während des Unterrichts ausgiebig benutzten, ging ihm die Geschichte doch über die Hutschnur, und er verbot das Mitbringen dieses seiner Ansicht nach unnötigen Krimskrams. Doch da kam er schön an! Der Vater einer Schülerin beschwerte sich heftig über das rigorose Vorgehen des Oberlehrers an höherer Stelle, und diese stellte sich auf Seite des Beschwerdeführers, indem sie dem Oberlehrer nahelegte, derartige Durchzuchungen der Schulmappen künftig zu unterlassen; nur wenn die Anwendung der Verschönerungsmittel bei den jungen Damen so arg würde, daß sie zu besonderen Auswüchsen führte, sei eine Durchsuchung der Schulmappen zu rechtfertigen. Na also! Herr Doktor, nun wissen Sie's! Sie werden sich an den Anblick der bemalten Gesichter dieser jungen Dinger gewöhnen müssen; die Mädels werden weiterhin ihre Lippenstifte, Marke„Kußfest“, ihre Schminke nach französischer Art und ihre Puderdosen im Schut ranzen mit sich führen,— Deutschlands zukünftige Mütter brauchen das von frühester Jugend Trägt Glatze und an!—.— Wir fragen: Gibt es wohl wirklich Strohhut und erscheint außerdem im Lexikon=viele Eltern, die diese Zustände billigen: Das Das Einmachen von Dunstobst in Flaschen Von Gertrud Kristeller, Berlin. Die Herstellung von Dunstobst in Flaschen wird verhältnismäßig wenig angewendet, und doch verdient dieses Verfahren von seiten der Hausfrauen volle Beachtung. Die oft im Keller als altes Gerümpel herumliegenden Flaschen können so eine nützliche Verwendung finden.— Die Flaschen werden mut Sodawasser von außen und innen gründlich gereinigt und mit Schrotkörnern ausgeschwenkt, damit sie von innen tadellos klar sind. Dann bringt man sie in kaltes Wasser, das man allmählich bis zum Kochgrad erhitzt, läßt sie einige Stunden darin ziehen und in demselben Wasser erkalten. Unmittelbar vor dem Einfüllen der Früchte schwefelt man die Flaschen, und zwar auf folgende Weise: Man legt auf einen Blechdeckel ein Stückchen Schwefelfaden, zündet ihn an, stülpt einen kleinen Blumentopf darüber und hält über das Loch des Topfes die Flaschenöffnung. Die Schwefeldämpfe ziehen nun in vie Flasche hinein und töten die Fäulniserreger in der Flasche ab. Die sauber vorbereiteten Fruchte oder Fruchtstücke tut man möglichst schnell, damit der Schwefeldampf wirkt, mit der Hand in die Flaschen, stößt diese öfter während des Füllens leicht auf einem mehrmals zusammengelegten dicken Tuche auf, um möglichst viele Früchte in die Flasche zu bekommen und lufterfüllte Hohlräume zu vermeiden. Man kann lagenweise etwas geriebenen Hutzucker zwischen die Früchte schichten, notwendig ist es jedoch nicht, da sich die Früchte jahrelang ohne jeden Zuckerzusatz halten und erst bei ihrer Verwendung gesüßt werden können. Die Flaschen füllt man nur bis vor den Hals an, da der Inhalt sich beim Kochen ausdehnt und dafür Spielraum bleiben muß, sonst würden sie platzen. Die gefüllten Flaschen korkt man nun, am besten mit einer kleinen Korkmaschine, recht fest zu und überdrahtet sie mit dünnem, biegsamem Draht oder überbindet sie mit Bindfaden, indem man einen sogenannten Apothekerknoten macht. Der Kork kann, auf diese Weise versichert, beim Kochen nicht herausfliegen. Sobald die Flaschen gefüllt, verkorkt und überdrahtet sind, stellt man sie in einen großen Topf— man kann auch den Waschkessel benutzen— und gießt so viel kaltes Wasser hinein, daß es über die Pfropfen reicht, legt vorher auf den Boden des Topfes oder Kessels eine Lage Stroh oder auch einen aus Latten gefertigten Holzrost und füllt die Zwischenräume der Flaschen mit Holzwolle oder sauberen alten Lappen aus. Man verhütet so das Springen und Aufeinanderschlagen der Flaschen beim Kochen. Dann setzt man den Topf oder Kessel aufs Feuer und läßt das Wasser darin vom Beginn des Aufwallens an 15 Minuten kochen. Nach dieser Zeit zieht man ihn zurück uno läßt die Flaschen in dem Kochwasser erkalten. Für Johannisbeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Stachelbeeren eignet sich das Einkochen in Flaschen besonders gut, letztere werden in unreifem Zustande verwendet, die anderen Früchte müssen vollständig reif sein. Ein Waschen der Früchte ist zu vermeiden. Die zu verwendenden Korken müssen von oben bis unten gleichmäßig dick sein, möglichst wenig Poren haben und stärker sein als die Flaschenöffnung. Damit sie geschmeidig sind und auch der Korkgeschmack sich verliert, legt man sie eine halbe Stunde in kochendes Salzwasser. Den Drahtverschluß stellt man auf folgende