9 0 heimlich in den an die Landstraße grenzenden Garten, an dessen Pforte der Offizier bereits mit einem Wagen ihrer harrte. So flohen sie bei Nacht und Nebel nach Hameln, wurden hier getraut und setzten dann ihre Reise nach Frankreich fort, auf das Familiengut Sully bei Autun. Jetzt war es an dem alten Hurlebusch sich über den Verbleib seiner Nichte vergeblich den Kopf zu zerbrechen. Die romantische Entführungsgeschichte machte nicht wenig Aufsehen in Hannover. Der alte Medizinalrat verbot ein für allemal, den Namen der Entflohenen überhaupt noch zu nennen, und die unglückliche Mutter mußte schließlich jede Hoffnung aufgeben, den Aufenthaltsort der kleinen Benet in Erfahrung zu bringen, da alle Nachforschungen erfolglos blieben. Erst nach Jahresfrist traf ein Brief der Verschollenen ein, worin sie Mutter und Onkel um Vergebung bat, die Geburt ihres ersten Sohnes anzeigte und schrieb, daß ihr nichts an ihrem Glück fehle als die Verzeihung der Ihrigen. Der alte Medizinalrat Hurlebusch blieb zwar bis an sein Lebensende unversöhnlich, aber die Mutter verzieh und erteilte dem jungen Paare nachträglich ihren Segen. Der erste Sprößling dieser überaus glücklichen Ehe aber war niemand anderes als— Mac Mahon, Marschall von Frankreich! —1•.— Wie wir zum Spiegel kamen Zeit geSpiege! Kann man sich denken, daß es eine gegeben hat, wo die Menschen ohne tebten? Heute ist der Spiegel das unentbehrlichste Stück der Frauen. Der erste Spiegel, in dem sich ein schönes Mädchen beschaute, war wohl der klare Bach. In alten Chroniken findet man noch heute Aufzeichnungen, daß eitle Frauen zum nahen Bach gingen, um hier ihre Schönheit zu beschauen. Das war selbstverständlich unbequem und es lag nahe, nach einem Ersatz für diesen umständlichen Spiegel zu sinnen. Zuerst machte man künstliche Spiegel, die von Metall waren. Diese Spiegel wurden zuerst in der Stadt Brindisi in Unteritalien hergestellt. In der Mitte des 17. Jahrhunderts spielte der Spiegel aus Brindisi noch eine sehr große Rolle, er war aus Erz mit Zinn versetzt angesertigt und der beste seiner Art. Alle Versuche, diesen Spiegel zu ersetzen, mißlangen. Es war ein Kunstwerk, das erst durch den Blasspiegel ersetzt werden konnte. In Deutschland machte man Spiegel aus bloßem Zinn und unpoliertem Eisen. Später gab man den silbernen Spiegeln den Vorzug, die die Prachtliebe bald noch mehr verschönerte. Man verschwendete Gold, Silber eund Edelsteine an die Spiegel, die schließlich ein unentbehrliches Hausgerät wurden und überall einen großen Wert aufwiesen. Alles verschönerte man mit Spiegeln. Man schmückte damit die Wände der Wohnungen, man überzog mit Spiegeln die Schüsseln, die auf den Tafeln standen und die Becher und Trinkgeschirre. Dem Gast sollte es möglich sein, sich in der vor ihm stehenden Schüssel und in seinem Trinkbecher zu spiegeln. So wurde damals der Spott laut, daß ein„Volk von Bildern" lebe. Auch noch als das Glas längst erfunden war, spielte der Metallspiegel eine große Rolle, denn so bald kam man nicht auf den Gedanken, aus Glas Spiegel anzusertigen. Die Erfindung der Glasspiegel kommt aus Sidon in Syrien. Dort wurden in Fabriken erstklassige Glasarbeiten gemacht, und dort wurde auch der Spiegel erkunden. Zunächst erhielt er, wie der Metallspiegel, eine runde oder ooale Form. Er fand überall in der Welt sofort Eingang; denn jeder merkte sofort, daß hier eine Erfindung gemacht worden war, die die bisherigen Spiegel weit übertraf. Mrs. Stowe und hattest— es ist ein Kreuz mit deiner Schlamperei!— nicht einmal ein Halstuch um, wie es sich für einen Menschen deines Standes gehört. Schäme dich!“ Der Dichter aber, der so allerlei Erfahrungen im Laufe seiner Ehe gesammelt, tat das Klügste in diesem Fall; er schwieg und entwich behutsam aus der Nähe seiner kampflustigen Gefährtin ins angrenzende Schlafgemach, allwo er heftig zu rumoren begann. Mit spitzbübischem Lächeln — darauf verstand er sich, der größte Humorist Amerikas— kam er nach einer kleinen Weile herausspaziert und überreichte dem herbeigerufenen Mädchen des Hauses wortlos ein Paket. Die Maid lief fort damit. Frau Twain riß Mund und Augen auf. Nur mühsam bezwang sie ihre Neugierde. Doch Mark, der einsach würdevoll hinausging, wenn sie ihn gescholten, diesen Schlendrian fragen— nein, da hätte sie sich lieber ihre spitze Zunge abgebissen. So schwieg sie wütend. Auch aus dem Mädchen, das bald zurückkam, war nichts herauszupressen. Am nächsten Morgen lief Frau Twain hinaus. Richtung„Onkel Toms Hütte". Mrs. Stowe empfing sie freundlich und zeigte ihr ein Schreiben. Natürlich von Mark, dem Unverbesserlichen, diesem—— Oh, es war empörend! Er schrieb da: „Hochverehrte Mrs. Stowe! Soeben las mir meine teure Frau gehörig die Leviten, sintemal ich eine halbe Stunde mit Ihnen geplaudert hatte, ohne mein— Halstuch umgehabt zu haben. Seien Sie nun bitte so liebenswürdig und betrachten Sie den beigefügten Schlips(„O wie schlecht sind doch die Männer!, um mich zu täuschen, packte Mark den Schlips und Brief zu einem riesigen Paket!“ rief Frau Twain bei dieser Stelle verzweifelt aus)— er ist aus Seide— eine halbe Stunde lang als Notersatz für mein Halstuch, das ich nicht finden konnte. Sollte meine Frau morgen zu Ihnen kommen, händigen Sie ihn ihr aus Ich wette tausend gegen eins: sie kommt! Ich aber habe meine Schuld gesühnt. Denn „Was die Frau will, wünscht der liebe Gott“. Ihr ergebener Mark Twain.“ Frau Twain ging recht versonnen bald nach Hause. Mit einem Mann, der Humorist war, sollte sich jemand auskennen! — Aus dem Engen und Welten Der Kardinal und die moderne Eva. Der Kampf der Kirche gegen die moderne Kleidung nimmt immer schärfere Formen an. Bei einem großen Festessen in einem Aristokratenhause in Rom war auch ein Kardinal zu Gast geladen, der neben einer Dame saß, die in moderner Abendkleidung— oben nichts und unten dafür etwas weniger— erschienen war. Nach einem scharfen mißbilligenden Blick wandte der Kardinal ihr ostentativ den Rücken zu und unterhielt sich nur mit seiner anderen Tischnachbarin. Erst beim Dessert wendet er ihr seine Aufmerksamkeit zu, indem er einen Apfel zur Hälfte schälte und die ungeschälte Hälfte ihr vorlegte. Auf ihre erstaunte Frage, was das bedeuten soll, erwiderte der Kardinal: „Essen Sie, denn als Eva von dem Apfel gegessen hatte, erkannte sie, daß sie nackt war und schämte sich.“ Mark Twains Halstuch Amerikanische Zeitungen berichteten kürzlich eine ergötzliche Geschichte über Mark Twain, den bedeutendsten Humoristen der Neuen Welt. Der Dichter legte wie manche seiner Berufsgenossen wenig Wert auf seine Kleidung. Eines Tages besuchte er in seiner Nachbarschaft eine Kollegin, und zwar die nicht weniger berühmte Mrs. Harriet Becher=Stowe, Verfasserin von„Onkel Toms Hütte". Als er später, ein Liedchen trällernd, von diesem Besuch nach Hause kehrte, empfing ihn seine bessere Hälfte entrüstet mit den Worten: „Du bist wohl ganz verrückt geworden! Nun warst du eine geschlagene halbe Stunde bei Ideale Frauenschönheit Viele haben sie gesucht; die lyrischen Dichter aller Zeiten haben sie im Geiste gesehen und in mehr oder weniger unsterblichen Versen besungen. Jetzt endlich hat der Pariser Maler van Dongen sie lebend und im Fleische entdeckt. Es kann kein Zweifel darüber bestehen; denn ein Maler muß doch so etwas kennen, und van Dongen hat dieses Urbild der Frauenschönheit auserwählten Freunden in seinem Atelier lebend vorgeführt und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit festgestellt, daß diese Frau in der Tat dem Idealbild des Malers vollkommen entspricht. Einer der Anwesenden wagte schüchtern auf die Venus von Milo hinzuweisen. „Die Milo?“, sagt van Dongen,„ja, ganz hübsch; aber abgesehen davon, daß sie tot ist, hat sie zuviel Feisch. Hat in ihrem Leben keinen Sport gemeben und würde jetzt, wenn man ihr auch alle ihre verlorenen Glieder wiedergeben wollte, nicht viel schöner sein als ein robustes Milchmädchen. Geht mir mit der Milo! Unsere Mädchen müssen schlank sein, wie diese Dame. Wenn sie nicht mit Grazie reiten, jagen, tanzen, autofahren und ein Flugzeug besteigen kann, sieht sie dumm aus. Stellt euch bloß die Milo zu Pferde oder im Ballsaal vor!“ Man sage ja nicht, daß van Dongen nicht objektiv oder von nationalen Vorurteilen befangen sei; denn die Auserwählte ist weder eine Französin noch eine Holländerin, sondern eine blauäugige Irländerin, die in Argentinien verheiratet ist und sich zu Besuch in Paris aufhält. Sie ist 26 Jahre alt, hat fehlerlose Zähne, ein Gesicht in Naturfarben und besonders schöne Hände mit zierlich zugespitzten Fingern. Ihre Größe ist 1,65 Meter, ihr Gewicht 117 Pfund. Sie mißt 85 Zentimeter um die Büste, und 60 um die Taille. Eine senkrechte Linie von ihrer Nasenspitze berührt den Boden 2½ Zentimeter vor den Zehenspitzen, und die Grenzen der Schultern und der Hüften liegen in derselben Ebene. Wir erfahren noch, daß sie jeden Abend drei Stunden lang tanzt, da sie dies für die beste Körperübung hält. Nach diesen Angaben werden sich nun alle men davon überzeugen können, wie nahe s em künstlerischen Ideal von Frauenschönheit stehen, und sie werde etwaigen Mängeln durch eifriges Tanzen bald nachhelfen können. Der Hosenrock. 908 die neue Frühjahrsmode. Ein Glückskind der Göttin Fortuna. Aus einem Wettbewerb um die Konfektionsmeisterschaft, der unter den Midinettes von Paris abgehalten wurde, ging das 25jährige Fräulein Marcelle Guillon als Siegerin hervor. Sie arbeitete in dem Schneideratelier einer Firma der Champs Elysees und war ohne große Hoffnungen in den Wettbewerb getreten. Die Aufgabe, die sie erhielt, bestand in der Anfeitigung eines ärmellosen seidenen Abendkleides. Von der Firma war der Preisträgerin eine Stellung mit einem Jahreseinkommen von 40 000 Franken zugesichert worden. Fräulein Guillon, die bisher in der Woche 135 Franken verdiente, ist begreiflicherweise über das Glück, das ihr in den Schoß gefallen ist, nicht wenig erfreut und gab den Berichterstattern gegenüber dieser Freude über den unerwarteten Erfolg überschwenglichen Ausdruck. 7 „Patschläge und Winke — Stoffblumen, die verdrückt und weich geworden sind, bekommen wieder ein besseres Aussehen und werden wieder steif, wenn man sie kurze Zeit in den Dampf über kochendes Wasser hält. Dann biegt man sie zurecht und glättet sie. Ein frischeres Aussehen kann man ihnen noch geben, wenn man die Ränder mit einer scharfen kleinen Schere beschneidet und die dunklen Stellen der Blütenblätter etwas nachtuscht. Man bedient sich dazu eines feinen Pinsels, kann aber die Farben eines gewöhnlichen Tuschkastens verwenden. Man taucht künstliche Blumen, die durch Staub und Schmutz gelitten haben, auch in Spiritus. Man muß sie langsam hin= und herdrehen. Hat man dies einigemale getan, so läßt man sie abtropfen und trocknen. Sind die Farben echt, so werden sie nach dieser Behandlung wie neu. Gegen Gicht soll sich folgendes Mittel stets bewährt haben: Grobes Kochsalz füllt man in Säckchen, erwärmt diese und legt sie auf die kranken Stellen und wiederholt dieses Verfahren so oft, als die Schmerzen vollständig uufgehört haben. Sind die Säckchen kalt, erwärme man sie wieder. Sie lassen sich mindestens zehnmal gebrauchen, bevor das darin befindliche Salz durch frisches ersetzt werden muß. Das gebrauchte Salz muß dann allerdings als unverwendbar fortgeworfen werden. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: B. A. Sanz, Altena. S9 S —S S 5 5 SSaS r 5 S: 1 c 8.9STT — S S 6.20 30 S S85SE SSaß 8—#ge 8 S8.880 SSv egas =SGGESSSSSG Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 14 Altena, den S. April 1927 Kritisches zur„Frauenfrage“ von heute Von Dr. Charlotte Lobero. „... eine Frau, die gewiß alle Kunst der Welt und allen ewigen Ruhm ohne Laut hingegeben hätte für zwei Augenblicke, die ihr unbekannt geblieben: Den einen, wo sie Liebe empfing, den andern, wo sie Liebe gebar...“, so schreibt der Biograph von Annette v. DrosteHülshoff, jener einzigartigen Frau, in der neben tiefster, innerster Erdverbundenheit und Naturnähe, wie sie nur dem Weibe als Mutter eigen, auch die Verstandesschärfe und Produktivität des Mannes lebte. Sie haben einander ewig bekriegt, diese beiden Welten, mag dieser Kampf auch ein lautloser und verborgener gewesen sein, wie es der Natur dieser herbkeuschen und doch so weichen und kiebenden Frauenseele entsprach. Vieles ist anders geworden um die deutsche Frau, seit Annette von Droste=Hülshoff dahinging. In den letzten Jahrzehnten hat die deutsche Frauenbewegung einen großen Schritt vorwärts getan. Zwei Richtungen bekämpfen einander. Da stehen auf der einen Seite die, welche laut nach„gleichen Rechten“ schreien, der Persönlichkeitsentfaltung der Frau, losgelöst von der Bevormundung durch den Mann, unter Hintenansetzung alles Weiblichen, das Wort reden und auf der anderen Seite die Schar jener, die von Neuerung nichts wissen wollen, mit dem durch nichts zu erschütternden Grundsatz:„Die Frau gehört ins Haus, was darüber ist, ist vom Uebcl.“ Die Zahl der wirklich gerecht und folgerichtig Denkenden und danach Handelnden ist noch sehr gering. Unrecht geschieht hüben wie drüben. Nie wird das Weib als Mutter vom Manne zu lösen sein. Geschieht es, allen Naturgesetzen zum Trotz, doch, so wird die Frau zumeist verkümmern, muß verwelken, weil kein Geschöpf im All leben kann ohne die Befruchtung durch das andere. Die andern aber, die Ewig=Alten, Gestrigen, vergessen, daß die Frau von heute notgedrungen eine andere sein muß als die vor hundert Jahren. Diese Schicht und ihre Einwendungen sind also nicht allzu ernst zu nehmen, denn noch nie ist logische Entwicklung aufzuhalten gewesen von kleinlichem Nörglergeist. Was in der Frau von heute drängt und lebt und nach einer Gestaltung ihres Daseins ringt, mußte kommen. Denn sie steht als Mutter und Weib im Mittelpunkte alles tieferen Daseins. Und wo dieses selbst nach neuer Erfüllung, neuen Zielen und Verwirklichungen drängt, sollte sie allein unberührt bleiben? Viel ernsteres Augenmerk aber verlangt die Kehrseite des ganzen Problems, die Vermännlichung der Frau. Gewiß mögen die zum Teil recht haben, die meinen, daß alle die gegenwärtigen Auswüchse auf dem Gebiete der Frauenbewegung nur Ueberfluß einer allzu lange zurückgedrängten Energie seien, sich also von selbst verlieren, sobald erst alles in die rechte Bahn geleitet wird. Werden aber die Auswüchse gerade in der letzten Zeit nicht allzu viele? Liegt nicht die Gefahr nahe, daß die junge Frau und das junge Mädchen, noch ohne die Erfahrung des wirklichen Lebens, das für Leben und Ziel halten, was nur Zerrbild ist? Oder wie soll es anders auf ein junges Menschenkind wirken, das Neues und Erfüllung voverst nur dunkel ahnt, wenn ihm immer nur gesagt und geschrieben wird:„Treibt Sport und abermals Sport! Hinein in die Universität und Geistesgebiete. Schüttelt den Bann der Abhängigkeit und Unselbständigkeit ab. Lernt, damit ihr euch benauptet neben dem Mann! Erkämpft euch Freiheit eures Tuns und Handelns!" Gewiß, hier. soll keinem Muckertum und keiner muftigen Biederkeit das Wort geredet werFrühlingsanfang Nach vielen trüben Tagen Wie ist so hell das Feld! Zerriss'ne Wolken tragen Die Trauer aus der Welt. Und Keim und Knospe mühet Sich an das Licht hervor, Und manche Blume blühet Zum Himmel still empor. Ja, auch sogar die Eichen Und Reben werden grün! O Herz, dies sei dein Zeichen! Herz, werde froh und kühn! Hoffmann v. Fallersleben. den. Unter all den Erneuerungsbestrebungen der letzten Jahrzehnte ist wohl keine so sehr zu begrüßen wie die endliche Erkenntnis von der Wichtigkeit eines gesunden Körpers. Das Wort des Klassikers:„Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, hat nur bedingte Geltung. Es wird sich, wenn richtig angefaßt, nichts so segensreich auswirken für unser Volk und vor allem für die kommende Generation, wie die Befreiung und Erlösung der Frau von den Ketten längst überholter Anschauungen. Aber Sport, Körperkultur und Geistesschonung sollen für die Frau immer das bleiben, was sie sind und sein sollen: Möglichkeit und Mittel zur frohen Lebensgestaltung. Dann erst wirken sie und tragen reiche Frucht. Werden sie aber für den Menschen und vor allem für die Frau zum Selbstzweck, ohne die Erfüllung der eigensten Aufgabe die das Weib hat, dann sinken sie zum Zerrbild herab. Mögen Turniere, Wettkämpfe, Spitzenleistungen auf jedem Gebiete der Forschung und Wissenschaft dem Manne überlassen bleiben. Die Frau darf und kann, soll sie wirken, nie vergessen, daß ihrer noch eine andere Welt harrt, die der Mütterlichkeit. Mag vielen diese Erfüllung unerreichbar scheinen, weil wirtschaftliche Verhältnisse und alle die anderen unangenehmen Begleiterscheinungen unserer Zeit sie an einer Ehe hindern die wirkliche Frau bleibt immer Mutter, auch wenn sie kinder= und ehelos durch die Welt geht. In ihr wird die Sehnsucht nach diesen Dingen leben, und wo Sehnsucht lebt, da ist keine Starre und Härte. Und doch haben wir schon die Frau, die von allem diesem nichts wissen will, die nur an ihren Beruf denkt, die nur„Sportgirl“ ist und „Arbeitskraft". Die Erfüllung und Mutterglück beiseite schiebt, weil sie unbequem sind. Die auch außerhalb ihres Arbeitsgebiets keinen andern Ehrgeiz kennt als den, es dem Manne greich zu tun und ihm Ebenbürtiges zu leisten. Daß die berufstätige Frau, arbeite sie nun zwan gsläufig oder freiwillig, vielfach Tüchtiges leistet, verkennt niemand. Aber darf dieses Wirken zum Sinn und Endziel ihres Lebens werden? Und wenn sie schon, aus irgend einer Notwendigkeit heraus, gezwungen ist, zu arbeiten, Geld zu verdienen, oder wenn sie sich einen Beruf aus der einfachen Erkenntnis heraus aneignet, mitzuarbeiten und zu schaffen, muß das gleichbedeutend sein mit ihrer Vermännlichung nach innen und außen? Liegt das im Sinn derer, die zuerst für die Frau eintraten? Gewiß nicht! Sie wollten Gleichberechtigung durch seelische Ergänzung, aber nicht durch einen im Grunde doch so ausichtsldsen Kampf. Sie schufen der Frau die Möglichkeit, dem Manne nicht nur Weib und Mutter seiner Kinder, sondern auch Kamerad zu sein, öffneten ihr die Universitäten und Hochschulen, daß sie den Mann und Lebensgenossen auch in seinem wissenschaftlichen Arbeiten und Wirken verstehen könne und sich selbst Erkenntnis und geistige Bereicherung hole, aber nicht. daß sie dem Manne in lächerlicher Weise den Platz streitig mache. Gewiß, es gab seither manche Frau, die auch wissenschaftlich Erstaunliches leistete. Aber das sind Ausnahmen und werden es immer bleiben. Das Tiefste der Frau wird immer in ihrer Gefühlswelt liegen, und die soll sie vertiefen und bereichern durch geistige Erkenntnis. Warum nur finden sich an den Hochschulen so wenig Frauen, die durch weibliche Anmut, Güte und Mütterlichkeit enizuchken? Gibt das nicht zu denken? Die. welche sich trotz Studium und Bücherwissen ihre Weiblichkeit erhielten, lernten, um es zu verstehen, sich innerlich ein Weltbild zu formen, aber nicht, um„etwas zu erreichen“. Sollen der Frau und damit der kommenden Generation wirkliche Werte aus den Erneuerungsbestrebungen erwachsen, dann muß sie erkennen lernen, wo es gilt, Maß zu halten und sich zu bescheiden. Es ist vieles anders geworden um die deutsche Frau, seit Annette von Droste=Hülsdorff dahinging... Viel Neues ist da, das kraftvoll und gesund ist, aber nur Frucht tragen kann, wenn es in die rechte Bahn geleitet wird. Man wende nicht ein, daß die Gegensätze immer nur vereinzelt auftreten. Sie sind schon viel häufiger da. als man glaubt. Aber sie werden zum Zerrbild ihres eigenen Selbst, die Frauen, die keinen andern Ehrgeiz haben, als den,„Sportgirl",„Turniertemperament“ usw. genannt zu werden. Mag auch ein Kreis, der zu allen Zeiten flach und seelenlos war, sie hinstellen als „die Frau der Zukunft“, den neuen Frauentyp. Sie sind es nicht! Denn auch die„Frau der Zukunft“ soll Mutter sein, Mutter ihres Kindes, Mutter ihres Volkes, das nur gesunden kann, wenn seine Mütter gesund sind! —2.— Neues Gemüse Von W. Berger. Neues Gemüse— vor einer Reihe von Jahren noch eine Seltenheit— eine Delikatesse, heute immer noch delikat, aber doch etwas alltägliches, etwas beinahe zum Notwendigen Gehörendes. Das ganze Jahr hindurch können wir es nach Gefallen auf unserer Tafel haben, im eisigen Winter prangen daruf die zartesten Gemüsekinder in buntester Folge. Während sich früher der bürgerliche Haushalt in der gemüsearmen Zeit auf den eingesauerten Kohl, auf Wirsing und die verschiedenen Rübenarten beschränkte und die teuren Konserven nur als Ausnahmedelikatessen betrachtete, steht der echte Feinschmecker heute auf dem Standpunkt, daß ihm Konserven gleichgültig sind. Wo sind die Zeiten hin, da man mit Andacht und Mühe nach den gemüselosen Wochen den ersten Spargel auf den Tisch des Hauses trug? Die Kinder bekamen je einen„zum Kosten“ mit der Versicherung, daß die anderen gerade so schmeckten, und beneideten die Eltern um das Vorrecht des köstlichen Genusses.) jedes neue Gemüse wurde mit Jubel beg. gt, wenn es endlich erschien— Spinat u. die ersten Schoten und Mohrrüben. Dem bürgerlichen Tisch waren Artischocken, Tomaten und so manches andere Gemüse, das uns heute als ganz alltäglich erscheint, eine unerschwingliche Delikatesse. Das ist in den letzten Jahren alles wieder anders geworden. Aus Algier, aus Frankreich, Italien und Holland werden uns frische Gemüse zugeführt. Das fremde Gemüse wird zu wenig höherem Preise auf den Markt gebracht als unsere einheimischen Erzeugnisse. Es ist sehr interessant, auf den Bahnhöfen der größeren Städte die Ankunft eines solchen Gemüsezuges zu beobachten. Die Zufuhr ist natürlich in Berlin am größten. Im Winter kommen. # E S 8 S S.90L1L 9 □ EPSS• 980 SG G 9 2 2 16 * 9 E 5 5 5 **„ 98 5 55g ES SS#ESS S" S S a FSLSSOSEE SSSOSRSSEESE S 58 80 S 5 8 ToSSE 9 4 A-EEE C LET S Sr gg FHEETTTE ##S JeEg. Sohspan OME•91 * 5 9 SUREALSE SOESSBUTUESS 8 5 10 SSu TouS e c-SEgE 308600 Su S•999 Sasen B S.— 0 5• *- S„ a 0*... —B•TPS ER S 55. B9 s.38 5 Frau Bonlys Pariam Eine Kulissentragödie von Karl Müller-Malberg Seitdem Gerd Petri in mein Ensemble eingetreten war, hatte der Teufel seine Hand im Spiele. Damals war ich Direktor einer kleinen „Schmiere", die kreuz und quer durch Deutschland zog, um die von der Kultur weniger beglückten Ortschaften mit Kunst zu versorgen. Ich darf getrost sagen: Kunst. Denn die Leute meiner Truppe waren tüchtige Schauspieler, die überall hätten mit Ehren bestehen können. Aber mache einer mal was gegen die Unrast des Wandertriebes! Ja, also der Petri! Ein hübscher, eleganter Kerl, auf dem der Frauen Auge mit Wohlgefallen ruhte. Ein prächtiger Römerkopf. Tadellose Manieren. Ein Mensch, der bestechen mußte. Und doch... Dieses„doch“ war auch der Grund für die Unruhe, die er in mein friedfertiges Völkchen trug. Dieses„doch“, das sich nicht erklären ließ. Dieses„doch“, das mich veranlaßte, ihn meistens nicht als jugendlichen Liebhaber— sein eigentliches Fach, für das ich ihn angestellt hatte— sondern als Intriganten zu verwenden— sicherlich eine recht seltene Maßnahme. So war er ein wundervoller Franz Moor, mit seinen schwarz brennenden, flackernden Augen, dem ewig hämischen Zug um den brutalen Mund. Und sonderbarerweise sträubte er sich gegen diese Art künstlerischer Vergewaltigung nicht im mindesten. Nach einiger Zeit machte ich die unliebsame Entdeckung, daß sein Interesse der Frau Grubers, meines ersten Helden, galt. Das war ein bildschönes Geschöpf. Mittelgroß, schlank und doch üppig. Ihr Haar war eine Kupferkrone, die in der Sonne in roten Flammen loderte. Dazu große, tiefblaue Augen und das entzückendste Mündchen, mit jener reizenden Herzlinie, die sich Kinodivas jetzt in der Vollendung malen. Aber dort war sie echt. Dolly Gruber war ihrem Mann die treueste und kiebevollste Gattin. Und gerade dieses Mannes wegen wurde mir bei meiner Entdekkung bang zumute. Denn Joseph Gruber war rosend eifersüchtig auf sein schönes Weib. Herzleidend, geriet er in die unbändigste Wut, wenn irgend jemand Frau Dolly mit begehrlichen Blicken betrachtete. Ja, wenn er das, wie leider nur zu oft, auch nur argwöhnte. Ich beschloß daher, Petri am nächsten Morgen ins Gebet zu nehmen. An diesem Morgen war Stellprobe von Jacobys„Eine Ehe!“ Es war die Zeit der Sentimentalität, die Trägendrüsen entwässerte, und der Tragik, die den Rücken mit Eiswasser übergoß. Jacobys„Ehe“! war vom Eiswasser=Genre. Ich komme auf den Inhalt später kurz zurück. Leider kam ich infolge eines telefonischen Anrufes von auswärts zehn Minuten zu spät. Zu spät auch in anderer Beziehung. Auf der Bühne herrschte ein unbeschreiblicher Tumult. Gruber stand, umgeben von einigen Herren des Ensembles, die ihn offenbar zu beruhigen suchten, in der Mitte. Blauroten, wutverzerrten Gesichtes schien er sich von ihren Händen befreien zu wollen, um sich auf Gerd Petri zu stürzen, der rechts an einer Kulisse lehnte. Sehr blaß zwar, aber mit dem stereotypen hämischen Zug um den Mund, ließ er wahre Wolkenbrüche von Schmähungen auf sich herniederprasseln. Links im Hintergrund umringten Damen die laut weinende Dolly. Allmählich trat Ruhe ein. Was war geschehen? Petri, den ich ins Büro beorderte, sagte es mir. Und, das sei gleich erwähnt, wahrheitsgetreu. Er habe Frau Gruber nach dem Namen ihres wunderbar duftenden Parfüms gefragt. Er sei nämlich selbst ein leidenschaftlicher Verehrer derartiger Wohlgerüche. Wahrscheinlich habe er sich dabei sehr nahe zu ihr gebeugt. In diesem Augenblick habe Gruber die Bühne betreten, die völlig harmlose Situation falsch aufgefaßt und die skandalöse Szene heraufbeschworen. Dieses verwünschte Parfüm, das ich Dolly einst zu ihrem Geburtstage geschenkt hatte! Es gelang mir, die Gemüter zu besänftigen. Ja, Petri versprach mir nach der Probe, sich in Zukunft von Frau Gruber so fern wie möglich zu halten. Er war doch ein anständiger Kerl. Joseph Gruber aber konnte und konnte sich nicht wieder zurechtfinden. Ganz im Gegensatz zu früheren Fällen. Mürrisch und wortkarg schlich er herum wie ein böses Tier, das auf Beute lauert. Dolly hatte den häßlichen Auftritt bald wieder vergessen und war scharmant und bestrickend wie nur je. Daß ihr Mann sie und Petri mit Argusaugen überwachte, schien sie im Gefühl ihrer Schuldlosigkeit nicht zu bemerken. Es war jene unheimliche Stille vor dem Gewitter, die nach dem vernichtenden Blitzstrahl lechzt. An einem spielfreien Abend hatte ich Generalprobe angesetzt. Kurz vorher besuchte Petri mich aus einem nebensächlichen Anlaß in meiner Behausung: Empfangszimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer in einem. Da entdeckte er auf meinem Waschtisch einen Karton, der ein unangebrochenes Fläschchen desselben Parfüms enthielt, das ich Dolly geschenkt hatte. Ich mußte lachen, als er mit seiner Römernase in der Luft herumschnüffelte, obgleich es gar nichts zu riechen gab. Na, ich kannte ja die Schwäche meines Pappenheimers und schenkte ihm das Fläschchen, als er ging, in großmütiger Geberlaune.—— Generalprobe. Schlußszene des Stückes, der Tragödie einer Frau und eines betrogenen Ehemanns, Abrechnung mit dem Verführer, dem Schwager des Ehemannes. Gruber spielte den Ehemann Wladislaus Moulis, Petri den Schwager, Alexander Koc. Zwei Szenen zuvor hatte sich Wladislaus' Frau im Nebenzimmer die Kehle durchschnitten. Jetzt, da Wladislaus, der Ehemann, Koc, dem Verführer und moralischen Mörder seiner Frau, begegnet, ist also dramatische Hochspannung. Lircks vorn steht Gruber=Wladislaus, rechts hinten Petri=Alexander. Beider Augen brennen sengend ineinander. Gruber=Wladislaus spricht nach dem Text mit tierisch=gurgelnden Tönen:„... sieh mich nicht so an, du..., sieh mich nicht so an, du..“ Nun nähert er sich mit gebogenen Armen, krollenden Fingern Petri=Alexander, und aus stoßender Brust keucht es wie vorhin:„... sieh mich nicht so an, du..., sieh mich nicht so an, du...“ Ist jetzt dicht vor ihm. Seine gekrümmten Finger gieren nach dem Hals Petri=Alexanders. Plötzlich ein wahnsinniger Aufschrei, der nicht zum Stück gehört, ein Aufschrei wie gellender Schuß aus menschlicher Kehle, und Worte, die nicht zum Stück gehören, gleichsam extemporiert von jäher Erkenntnis:„.. das Parfüm ... das Parfüm. Seine Hände umschließen mit eisernem Griff den keuchenden Hals Petris. Wir rennen auf die Bühne, entreißen dem Wi'tenden sein Opfer. Da stürzt Dolly aus der linken Kulisse vorn auf ihren Mann zu. Schreit in besinnungsloser Angst:„Joseph... um Gottes Willen... Joseph!“ Der fährt herum, wirft die Arme wie beschwörend empor. Seine Lippen im blaugedunsenen Gesicht zerren an lautlosen Worten, bis sie wie kreischende Fetzen herausfliegen: „Er... hat... dein... Parfüm Dolly.“ Und dann— wie unsichtbarer Keulenhieb—. Juseph Gruber schlägt krachend zu Boden. „Es war ja meins“, rufe ich, dalb wahnsinnig vor Verzweiflung.„Meins, das ich Petri gab.“ Er hört es nicht mehr... Er ist tot. aus Italien und Algier ganze Blumenkohlzüge an, denen zeitig im Frühjahr solche aus Holland folgen. Ausländischer Blumenkohl ist daher das ganze Jahr nicht viel teurer, als unser einheimischer. Sehr zeitig im Frühjahr, schon Ende Februar, folgen dann Spargel in ganzen Waggonladungen. Körbe und Kistchen mit Artischocken, mit Aubergines, Broccoli und Endivie werden einem solchen Zuge entladen, lauter Dinge, die man vor Jahren kaum dem Namen nach kannte. Tomaten kamen in ungehruren Massen aus dem Tomatenland Itatien. Die spanische Artischocke oder Karde, ist ebensalls eine schätzenswerte Bereicherung unseres Küchenzettels. In Frankreich ist sie besonders beliebt und wird in großen Mengen angebaut. Nach der Ernte wird sie in Stroh eingebunden und im Keller einige Wochen dunkel gehalten. Diese Prozedur bleicht die Blätter und Rippen und macht das Gemüse sehr zart und wohlschmeckend. Einer ebensolchen Birichprozedur muß sich auch die Endivie unterziehen, deren krause Sorte mehr als Salat, die breitblätterige jedoch als sehr wohlschmekkendes Gemüse in Frankreich sehr geschätzt wird. Ein ganz eigenartiges neues Gemüse ist die Erd= oder Jerusalemer=Artischocke, Erdbirne oder Topinambur. Sie hat einen eigenariig süßlichen Geschmack und ist besonders leicht verdaulich. In Deutschland zur Zeit noch wenig bekannt sind zwei in England beliebte Gemüse: das Pflanzenmark einer Kürbisart und der Seekohl. Die jungen weißen Sprossen des Seekohls schmecken wie Spargel und sind dabei im Winter ebenso willkommen wie die Schwarzwurzel. Neuerdings haben sich auch bei uns der blaue italienische Blumenkohl und der in Frankreich seit langem beliebte Sauerampfer eingebürgert, ebenso der grüne italienische Spargel. Die Tomate ist das beste Beispiel, wie schnell sich einz fremde Erscheinung einbürgert, wenn sie wertvoll ist. Unsere eigene Tomatenzucht vergrößert sich von Jahr zur Jahr; aber schon im Januar kommen die ersten ausländischen Tomaten, zuerst als Delikatesse, sehr bald aber in größeren Mengen. Und was kann man nicht alles aus der Tomate machen! Roh mit etwas Pfeffer gegessen, erscheint sie zwar dem echten Tomatenesser am delikatesten. Aber auch als Salat mit Essig, Oel und Petersilie oder auch mit einer Mayonnaise ist sie nicht zu verachten, ebenso wenig aber auch eine schöne Tomatensuppe, eine Tomatensauce, ein Tomatenpüree. 1.— Winke für die Frühjahrsputzerei GK. Wenn die Herrschaft des Winters so langsam ihrem Ende entgegengeht, rüstet sich die Natur zum großen Frühjahrsreinemachen, wobei ihr die Menschen in Wald, Feld und Garten hilfreich zur Hand gehen. Aber nicht nur die Natur hält das beginnende Frühjahr für die geeignetste Zeit des Großreinemachens, auch die Hausfrau ist gleichen Sinnes und waltet mit Emsigkeit und Eifer mit Schrubber und Besen in ihrem Bereich. Das ganze Haus wird sozusagen umgedreht, die verborgensten Winkel und Ecken werden in dieser Zeit ihrer beschaulichen Ruhe entrissen und die Frau des Hauses ruht nicht eher, bis das Heim innen und außen blitzblank ist. Viel Mühe und Plage verursacht diese umfangreiche Arbeit, die manchen Schweißtropfen kostet. Es wird ja nicht nur gescheuert, geschrubbt und der Staub von den Möbeln, Wänden usw. entfernt, auch manche Ausbesserung, die dem einen oder andern Stück nottut, wie man dabei feststellt, muß vorgenommen werden. Wie man sich bei diesem Frühjahrsreinemachen die Arbeit etwas erleichtert, dazu ein paar Winke. In den Küchen glänzt jetzt wieder mehr als vor ein paar Jahren das Kupfergeschirr. Diese jetzt so modernen polierten Kupfersachen werden mit Petroleum abgerieben, um wieder wie neu zu glänzen. Flecke auf diesen werden leicht beseitigt mit einer Lösung von fünf Teilen Ammoniak und 25 Teilen lauwarmem Wasser, die mit einem wollenen Lappen aufgetragen wird. Darauf muß das Geschirr sofort mit Petroleum nachgerieben werden. Ausgefranste Teppiche sind keine Zierde für das Zimmer, auch wenn man sie umnäht oder einaßt. Werden dagegen die Fransen an der Innenseite angeleimt, so ist der Schaden behoben, ohne daß der Schönheit der Teppiche Abbruch getan wird. Das Auffrischen der Teppichfarben geschieht am besten durch Abbürsten der Teppiche mit Teeblättern, Sauerkohl oder Salmiakwasser. Das Reinigen des Linoleum darf niemals mit Soda geschehen. Diese„Wäsche“ muß mit lauwarmem Seifenwasser erfolgen, während mit klarem Wasser nachgespült wird. Weich gewordene Borsten von Haar= und Kleiderbürsten erhalten ihre Steife wieder, wenn sie einige Male in eine starke Alaunlösung getaucht werden. Fliegenschmutz, wo er sich findet, ist der Aerger der Hausfrau. Auf Möbeln wird er durch Abreiben mit Petroleum entfernt. Auf seidenen Lampenschirmen müssen diese Schönheitsfehler durch Abreiben mit Spiritus beseitigt werden. Die Bilderrahmen lassen sich am raschesten durch den Saft oder die frische Schnittfläche einer rohen Zwiebel von Fliegenflecken säubern. Spiegel werden mit Waschblau, das in ein Beutelchen gefüllt und das mit Spiritus angefeuchtet wird, in ganz kurzer Zeit schön blank geputzt. Kesselstein in Wasserkesseln wird mit Hilfe von Salzsäure am besten und gründlichsten leicht daraus entfernt. Der Kessel ist mit einer starken Lösung— ein Eßlöffel Salzsäure auf ein halbes Liter Wasser— auszukzechen und damit zu scheuern Die Geburt in Volksglauben, Sitte und Brauch Gegen den Aberglauben kämpft die Wissenschaft vergebens. Obwohl wir alle wissen, daß es nichts Uebersinnliches außer der Religion im Menschenleben gibt, läßt man sich doch nicht davon abbringen, daß eine„Spinne am Morgen Kummer und Sorgen bringt". Wenn wir allen Aberglauben kennen würden, müßten wir erschauern vor dem großen Unglück und Glück, das uns erst bevorstehen würde, wenn wir den Zeichen in der Natur und den Dinegn, die uns umgeben, die entsprechende abergläubische Deutung zu geben verständen. Der Mensch hat noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt, so werden ihm schon Eigenschaften angedichtet, die auf bestimmte Einflüsse, die auf die Mutter wirken, zurückgeführt werden. So heißt es zum Beispiel, daß, wenn die schwangere Mutter erschrickt und sich dabei irgend wohin faßt, das Kind an seinem Körper an derselben Stelle ein Muttermal erhält. Erschrickt die Mutter vor Feuer, so erhält das Kind ein Feuermal; erschrickt sie vor einem aufspringenden Hasen, erhält der Sprößling eine Hasenscharte oder einen Hasenkopf. Kann die schwangere Frau den Hunger auf das, worauf sie Appetit hat, nicht stillen, so erhält nach dem betreffenden Genußmittel das Kind eine Pflaume, Brombeere etc. am Arm oder den Lippen, zuweilen auch eine Kirsche auf der Stirn. In den Gegenden, wo noch Flachs gebaut wird, soll die werdende Mutter nicht in den Backofen kriechen, weil sonst das Kind rote Haare bekommt. Vor allem soll man aber kein Holz über den Knien knacken, weil sonst auch die Füße des Kindes knacken werden. Ißt die Schwangere„Vielliebchen", d. h. zusammengewachsene Pflaumen oder andere Früchte, so wird sie Zwillinge bekommen. Ist ein Kind mondsüchtig, so schiebt man nicht selten der Mutter die Schuld in die Schuhe, weil sie sich während der Zeit ihrer Schwangerschaft zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang im Freien aufgehalten hat. In früheren Zeiten weissagten kluge Frauen aus den Anzeichen des Himmels die Zukunft und das Schicksal des Kindes. Sonntagskinder gelten noch heute als Glückskinder. Nebenbei gesagt, ist der Verfasser dieser kleinen Abhandlung nicht nur ein Sonntagskind, sondern ein Palmsonntagskind, hat aber bis zur Stunde das Glück in keiner Weise kennen gelernt, sondern ist stets vom Pech verfolgt gewesen, bis auf den heutigen Tag. Desgleichen ist mir auch kein Geist zu Gesicht gekommen, wie ihn ja Sonntagskinder sehen sollen, obwohl ich mich schon einmal, der Wissenschaft halber, um die Mittemachtsstunde in die Nähe eines Fridhofes begeben habe, sogar in der Johannisnacht, wo sich ja die Geister in Mengen herumtreiben sollen. Ich habe nichts gesehen, nur einen gewaltigen Schnupfen habe ich mit nach Hause genommen. Doch auch die Kinder, die an Donnerstagen geboren und Sonntags getauft sind, sollen alle möglichen Gespenster sehen können. Den Helm, die Kinderkrone, Glückshaube, soll man aufheben. Dagegen soll man die Nabelschnur zerreiben oder verbrennen und dann die Asche an den ersten drei Feiertagen der ersten sechs Wochen dem Kinde gegen Krankheit und Krämpfe eingeben. Bei einem Neugeborenen soll die Mutter verweilen, bis zur Taufe sonst kommen die Teufelsweiber, die Unnärdschen, stehlen das Kind, oder vertauschen es gegen einen Wechselbalg. Wenn die Wöchnerin fortgeht, so soll sie stets ein Gesangbuch in die Wiege legen, beten und das Kind segnen. Auch soll man fremde Menschen nicht an die Wiege lassen weil diese das Kind leicht„beschreien oder berufen". Zur Taufe lud früher die Wickelmutter mündlich ein, jetzt sind die sogenannten Gevatterbriefe üblich. Jedes Kind muß soviel Paten haben, als es Sinne hat, also fünf an der Zahl. Das Mädchen hält eine Frau, den Knaben ein Mann über das Taufbecken. Bei einem Knaben stecken die Taufgäste ein Korn, Hafer oder Gerste in das Taufkissen, bei Mädchen Leinensamen und Hirse. Gibt man einem Kinde ein Stückchen Brot vom Hochzeitstisch eines unbescholtenen Brautpaares, so bekommt es früh Zähne und nie Zahnschmerzen. Kleine Kinder, die gern mit Blumen spielen, sehr klug und nicht eigensinnig sind, werden nicht alt; ungetaufte Kinder werden nach dem Tode Irrlichter. Finger von nichtgeborenen Kindern leuchten nachts den Spitzbuben über den Weg. Kinder unter 1 Jahr dürfen nicht in den Spiegel sehen, nicht Regen bekommen wegen Sommersprossen; auch dürfen ihnen die Hare nicht verschnitten werden, erst später bei zunehmendem Monde. Wenn ein Zind auf bloßen Kopf Mairegen beHeimliche Liebe Es geht ein flüsterndes Rauschen geheimnisvoll durch den Hain; du brauchst nicht so ängstlich zu lauschen, wir beide sind ganz allein. Der Bäume leises Geflüster, das silberne Mondeslicht, die Quelle im Waldesdüster— sie alle verraten uns nicht, Komm, laß die Lippen dir küssen— die Stunden flieh'n pfeilgeschwind— es darf es ja niemand wissen wie gut wir uns sind. das Kind oder dessen Vormund und die Mutter des Kindes darin einwilligt. In diesem Falle bedarf es nicht einmal einer besonderen behördlichen Erlaubnis zu der Namenänderung, vielmehr beginnt das Recht des Kindes, den Namen des Stiefvaters zu führen, in dem Augenblick, in dem der Stiefvater der zuständigen Behörde gegenüber in öffentlich beglaubigter Form die Erklärung der Namensverleihung eingereicht hat. Im übrigen ist der Name einer Person vurch§ 12 des Bürgerlichen Gesetzbuches vor Mißbrauch besonders geschützt. #. D. kommt, so wächst es. Niemand soll über Kinder wegspringen oder wegschreiten, sonst bleiben sie klein. R. G. Vor- und Familiennamen Bekanntlich legen sich Leute, die etwas auf dem Kerbholz haben, gerne einen falschen Namen bei und machen sich dadurch strafbar. Nach den gesetzlichen Bestimmungen hat in Deutschland heutzutage jeder Mann einen bestimmten Vornamen und einen Familiennamen zu führen, die nicht willkürlich abgeändert werden dürfen. Zur Aenderung des Namens bedarf es der Genehmigung des Staates. Nicht allgemein dürfte es bekannt sein, daß die vom Vater auf den Sohn übergehenden festen Familiennamen in Deutschland erst seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts aufgekommen sind, während die christlichen Vornamen bereits etwas früher Eingang gefunden haben. In einigen Gegenden Deutschlands, zum Beispiel in Schleswig=Holstein, besteht in den Dörfern noch heute vielfach der Brauch, daß man die Personen nur mit ihrem Vornamen nennt. Die Juden sind sogar in Kulturstaaten wie Frankreich, Oesterreich und Preußen erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Annahme fester Familiennamen verpflichtet worden. Dabei wurden bestimmte Richtlinien für die Auswahl der Namen festgelegt, und daraus erklärt sich die Gleichartigkeit der jüdischen Familiennamen. Der Vorname ist dem Standesbeamten bei der Anzeige der Geburt oder, wenn er da noch nicht feststeht, spätestens zwei Monate nach der Geburt anzuzeigen. Die Wahl des Vornamens steht in erster Linie dem ehelichen Vater, in zweiter der Mutter, in letzter dem Vormund zu. Anstößige, Staat und Religion beleidigende Vornamen kann der Standesbeamte zurückweisen. Jedoch besteht im übrigen große Freiheit auch für die Wahl ungewöhnlicher Vornamen, zum Beispiel„Benzion“ für den Sohn eines Benzinfabrikanten. Auch Vornamen wie „Sedan“, sogar„Landsturmina“ kommen vor, wenn auch wohl Auswüchse, wie sie die Revolution in Rußland gezeitigt hat, zum Beispiel „Lenin" oder gar die Umkehrung„Ninel" seltener sind. Eine Aenderung erfährt der Familienname infolge gewisser privatrechtlicher Akte. Bei der Eheschließung ist die Frau verpflichtet, den Namen ihres Mannes anzunehmen, und diese Pflicht dauert auch an, wenn sie Witwe wird. die geschiedene Frau dagegen hat die Wahl, ob sie den Familiennamen des Mannes beibehalten oder wieder ihren Mäochennamen führen will. Der bei einer Scheidung für allein schuldig erklärten Frau kann der Mann die Weiterführung seines Namens untersagen. Ferner tritt eine Aenderung des Familiennamens auch durch Adoption für den an Kindesstatt angenommenen ein. Er erhält den Familiennamen des Adoptierenden, ist jedoch berechtigt, seinen ursprünglichen Familiennamen daneben an zweiter Stelle weiter zu führen. Ein uneheliches Kind führt den Namen seiner Mutter, auch wenn diese es als Witwe oder als geschiedene Frau geboren haben sollte. Den Namen des Vaters erlangt ein uneheliches Kind dann, wenn es zu ihm in die Rechtsstellung eines ehelichen Kindes tritt, sei es, daß sich der Vater mit der Mutter des Kindes verheiratet oder— wenn Heirat der Mutter— eine Verfügung der Staatsgewalt erwirkt, durch die das Kind für ehelich erklärt wird, oder dadurch, daß er selbst das Kind adoptiert. Auch der Stiefvater eines unehelichen Kindes kann diesen seinen Familiennamen erteilen, wenn Eine romantische Geschichte Von Fred Ottow=Greifswald. In Hannovers Franzosenzeit fällt eine romantische Geschichte, über die eine alte Familien=Chronik der Enkelin eines Ratsherrn der Stadt Hameln und Nichte eines Hofmusikus und Organisten der Schloßkirche zu Hannover berichtet. Die Heldin dieser Geschichte war eine Mitschülerin der Chronistin, die mit dieser in den Jahren 1804 bis 1805 die Hofschule zu Hannover besuchte— die damals etwa siebzehnjährige, bildhübsche Emilie Benet. Sie war die Tochter eines früh verstorbenen englisch=hannoverschen Offiziers, dessen Witwe in kümmerlichen Verhältnissen in Hannover lebte. Die kleine anmutige Benet war der Liebling ihres alten Onkels, des im damaligen Hannover allgemein bekannten Medizinalrates Hurledusch, in dessen Hause sie auch wohnte. Der alte Hurlebusch, der ein aufrechter Patriot war, haßte die französischen Eindringlinge so sehr, daß er, als in seinem Hause ein junger französischer Offizier einquartiert wurde, jede Begegnung der Hausbewohner mit dem Feinde des Vaterlandes auf das strengste verbot. Jeder Gruß und jede Unterhaltung mit dem Fran= zosen die sich nicht auf das unumgänglich notwendige Maß beschränkten, hätten des Alten grenzenlosen Zorn hervorgerufen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wurde die Neugier der kleinen, hübschen und abenteuerlustigen Benet um so mehr erregt, als ihr das Gefallen, das der Franzose an ihr gefunden hatte, nicht entgangen sein mochte. Da der alte Hurlebusch fast den ganzen Tag von Hause abweiend war, fand sich für den Franzosen, obgleich die kleine Benet von einer alten Magd streng bewacht wurde, mehr als eine Gelegenheit für Begegnungen mit dem Wesen seiner Liebe. Und je öfter er die kleine Benet sehen oder sprechen konnte um so schneller gelang es ihm, ihr leicht erregbares Herz dr, sein elegantes Aeußere, seinen seingebildete.. Geist und durch bestrickende Liebenswürdigkeit zu erobern. In kurzer Zeit waren die beiden einig, und die kleine Benet zerbrach sich den Kopf darüber, wie sie den Franzosenhaß des alten Hurlebusch besänftigen und den Onkel für sich gewinnen könnte. Hundert Pläne wurden geschmiedet und wieder verworfen. Doch wöhrend noch das junge Liebespaar nach einem Ausweg suchte, wurde es von der alten M.1# an den Onkel verraten, der eines Tages unvermutet in das Stübchen seiner Nichte eindrang und den verhaßten Franzosen bei ihr überraschte. Der Alte war außer sich vor Zorn, als die kleine Benet ihm mutig erklärte, daß sie diesen Franzosen liebe, und um Erlaubnis bat, ihn heiraten zu dürsen. Noch in derselben Nacht wurde sie gezwungen, in einer geschlossenen Kutsche, von zuverlässigen Leuten bewacht, nach Rinteln abzureisen, der Hauptstadt der kurhessischen Grafschaft Schaumburg. Hier wurde sie in ein Töcherpensionat gesteckt und der besonderen Obhut der Oberin empfohlen. Die Reise war so Hals über Kopf in Szene gesetzt worden daß niemand, und am wenigsten der Franzose. den geheimen Aufenthaltsort der so plötzlich spurlos Verschwundenen in Erfahrung bringen konnte. Nun war guter Rat teuer; aber die kleine Benet war weit davon entfernt, den Kopf hängen zu lassen. Ein Brief zeigte dem Franzosen nach einigen Tagen ihren Verbannungsort an. und schon war ihr getreuer Anbeter in Zivil auf dem Wege nach Rinteln, wo er sich der Oberin als ein treuer Freund der Familie Benet melden ließ. Er habe einen Brief für ihre junge Schutzbefohlene und bäte, da er in einer Stunde wieder abreisen müsse, um sofortige Antwort. Die Oberin. gleichfalls gefangen von dem liebenswürdigen Wesen des Fremden, ließ die kleine Benet rufen, die das Manöver sofort durchschaute und auf ihr Zimmer eilte, um den Brief zu beantworten. Der Fremde empfing das Schreiben und empfahl sich In der Dämmerstunde desselben Tages entwich die bleiue enerische Venet in Reksanzug