Wollenes Unterzeug Daß baumwollenes und wollenes Unterzeug für viele Menschen durchaus notwendig, gesundheitlich zuträglich ist, steht außer jedem Zweifel. Die kältere Jahreszeit hat ihren Anfang genommen, und besonders die Uebergangszeit bringt häufig Erkältungen mit sich, sodaß man gut tut, sich wärmer zu kleiden. Aber das wollene und baumwollene Unterzeug jeder Gattung kann unter Umständen Anlaß zum Auftreten eigentümlicher Hautkrankheiten sein. Wenn nämlich wollenes und baumwollenes Unterzeug ungebraucht liegt, so scheinen sich in ihnen bestimmte, wahrscheinlich der Schimmelpilzgruppe angehörige Pilze zu entwickeln, die auf der Haut des Trägers binnen kurzer Zeit einen auffallenden Ausschlag bewirken. Diese Hauterkrankung pflegt den Patienten bei ihrem Auftreten meist einen erheblichen Schreck einzujagen, und nicht selten werden schwere und ernste Erkrankungen unter diesem Bild vermutet... Die Flecke, die fast immer kreisrund zwischen der Größe eines Pfennigstückes und eines Talers schwanken, zeigen einen geröteten, etwas gewülsteten äußeren Rand und eine rauhe, wie Löschpapier aussehende zentrale Fläche; indem der Ring peripher vorrückt, vergrößert sich der Fleck. Die Anfänge der Erkrankung sind ziemlich unmerklich, sodaß es meist des Zeitraumes von 14 Tagen bedarf, um die Erscheinungen so werden zu lassen, daß der Patient veranlaßt wird, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Affektion ist oft mit einem leichten Jucken verknüpft. Die Behandlung ist stets einem Arzt zu überlassen; um sich vor der Erkrankung zu schützen, beachte man ihre Entstehung. Man mache es sich zur Regel, niemals wollenes oder baumwollenes Unterzeug in Benutzung zu nehmen, wenn es direkt aus dem Laden vom Lager kommt oder monatelang aufgestapelt, in schlecht gelüfteten Behältern gelegen hat. Man lasse es vorher gründlich durchwaschen. Es ist interessant, zu beobachten, wie sich diese Fälle von Hautkrankheiten zu der Zeit häusen, wo die meisten Menschen ei Wachsel zu der Oegalst## Wo früher oft kahle Wände grüßten, zieren heute geschmackvolle Bilder die Wände. Sie machen die Büros anheimelnder, die staatlichen und behördlichen Versammlungsräume gefälliger und wirken beruhigend auf die Kranken im ärztlichen Wartezimmer. Von besonderer Wichtigkeit sind die Bilder im Kinderzimmer. Die straff gehaltenen Konturen mit ihren kräftigen Farbflächen rufen große Freude bei den Kleinen hervor. Dieser Wandschmuck bildet mit seinen charakteristischen drolligen Wiedergaben eine Welt für sich. Größteuteils stellen sie Szenen aus dem Märchen dar, welches die kindtiche Phantasie besonders anregt. 9s. Ratschläge und Winke Menschen einen weuhrer in der Qualität des Unterzeugs eintreten lassen, also im Herbst und im Frühjahr. Etwas bedenkliches hat diese Erbranbung keineswegs; sie muß beseitigt werden, weil man überhaupt jede Krankheit Unser Zimmerschmuck Bald sind die Tage der Farbenpracht in der Natur vorüber, und draußen wird es öde und bahl. Wir sind dann mehr an das Zimmer gedunden. Des Zimmers Einsamkeit umfängt Doch sieh, wie kebevoll und warm ein bton uns grüßt vom halten Stein! Ein Bild uns entgegen, nimmt unsere Seele gefangen, läht uns versinken in dankbares Betrachten. Was wir mit trunkenen Augen drauhen schauten, die herrliche Natur in ihrem Frieden und in ihrem Grimm, die Schicksale und Taten, die Freuden und Leiden der Menschen, die um uns sind und die einst waren, die große Kunst der Meister, welche die anmutigen Hütten und marmornen Paläste erbauten, erscheinen uns im Kleinsten lebenswahr, wenn sie ansere Wand schmücken. Diese Bilder erinnern uns daran, daß es draußen eine Welt von Formen und Farben gibt, deren Schänheit sie uns vor Augen führen. Das Land in seiner wunderbaren Mannigfaltigkeit, mit seiner Tier= und Pflanzenwelt, seinen Landschaften und seinem Volksleben, seiner Geschichte und seinen Helden, seinen Märchen und Liedem, bilden einen reichhaltigen Inhalt unserer Bilder. Wie mannigfaltig ist ihre Sprache! Zarteste Stimmungen vermag sie ebenso auszudrücken wie gesammelte Kraft. Mit den Kindern plaudert sie märchenhaft, und uns Erwachsene entzückt sie durch die Fülle sein abgestimmter Töne. Jedes Bildwerk bildet einen sprudelnden Lebensquell für Auge und Herz. Es erhöht die Feierabendstimmung und läßt uns in selige Träumereien versinken. Der gut gewählte Bildschmuck ist sogar imstande, einen veredelnden Einfluß auf unser Herz und Gemüt auszuüben. Und noch mehr als das. Wenn wir in der Betrachtung unserer Bilder versunken sind, so rufen sie Erinnerungen von Eindrücken, die wir draußen in der Natur und im menschlichen Leben gehabt haben, in unserer Seele wach. Ist das Bild von der Hand eines Künstlers, so werden dadurch auch unsere Sinne zu einer genaueren Beobachtung in der Natur geschärft. Solche Bilder schmücken vielfach die Wände unserer Schulen und Bildungsanstalten, die dadurch einen erzieEntfernung von Weinflecken. Rotweinflecke und Flecke von Obstwein lassen sich, wenn sie frisch sind, durch Kochen in heißem Wasser beseitigen. Man bestreut sie sofort mit Salz, hängt die fleckige Stelle in kochendes Wasser, und läßt sie solange kochen, bis die Flecke verschwunden sind. Man kann die Fleche auch mit Milch behandeln, indem man einige Tropfen ungerührter, abgestandener oder saurer Milch auf den frischen Fleck gießt. Damit läßt man den Stoff eine Weile liegen und wäscht ihn dann in lauwarmem Wasser. Letzteres empfiehlt sich besonders für farbige Stoffe. Aeltere Stoffe beträufelt man mit Zitronensaft und wäscht dann mit süßer Milch nach. Man kann die Flecke auch durch Einlegen in Rum beseitigen oder auch dadurch, daß man sie heiben Schweseldämpfen aussetzt. Keinigen von schwarzen Lacklederschuhen. Schuhe aus schwarzem Lackleder bürstet man, um sie zu reinigen, zunächst mit einer weichen Bürste ab und reibt mit einem weichen Lappen nach. Dann wäscht man sie mit Milch ab und reibt sie mit einem Stück ungesalzener Butter ein. Oefteres Einreiben mit Vaseline oder Rizinusöl erhält das Leder glänzend, weich und geschmeidig. Auch durch das Einreiben mit leiner Zwiebel erreicht man, daß das Leder weich bleibt. Putzen von Ziun. Um Gegenständen aus Zinn wieder Metallglanz zu verleihen, kocht man sie in weichem asser, am besten Regenwasser, in das man seingeschnittene Zwiebelscheiben tut, wobei auf 1 Liter eine große Zwiebel kommt. Tod den Geflügelläusen. Läuse bei dem Geflügel des Hühnerhofes entfernt man dadurch, daß man die Tiere mit Terpentinöl bestreicht oder auch mit einer Lösung Wasser, in dem man Wermut oder Pfeffer gekocht hat. Dunkle Schlafzimmer. Bei Nacht soll das Schlafzimmer dunkel sein. Ist aus wichtigen Gründen, zum Beispiel bei Kranken und kleinen Kindern ein Nachtlicht nötig, so sei dies tiefbeschattet, sehr kleinbrennend und so angebracht, daß es nicht Bett und Wand des Schlafenden unmittelbar beleuchtet. Wendet man als Nachtlicht eine kleine Erdöllampe an, so muß sie so unterhalten werden, daß sie nicht raucht. Mond= und Straßenlaternenschein müssen durch Vorhänge abgehalten werden. Trinben während des Essens. Während des Essens soll man nicht zuviel trinken; doch ist ein Glas klares Wasser, Wein oder Bier nicht schädlich. Nur beim Genusse von Obst, Gurken und dergleichen hüte man sich davor. Gutes Hammelfleisch. Gutes Hammelfleisch darf keine hellblutrote Farbe haben und muß fest und trocken sein. Je weißer das Fett ist, desto besser ist es. Vom Mai bis Dezember ist das Hammelfleisch am besten. Einkauf von Hülsenfrüchten. Beim Einkauf von Hülsenfrüchten sehe man darauf, daß die Bohnen möglichst glatt, rein, weiß, nicht fleckig und wurmstichig, die Erbsen groß, glatt, nicht wurmstichig, und die Linsen hell, groß, glatt, platt, nicht rundzellig und rötlich sind. Schwer aufgehende Kommodenschubladen. Kommodenschubladen, die schwer aufgehen, reibt man an den Reibungsflächen mit einer dünnen Schicht harter Seife ein, wodurch der — Aus dem Engen und Weiten — Der Sieg der Männlichkeit. Frauen mögen sich selbständig machen, aber sie können kein Heu ohne männliche Hilse machen. Das ist die Schlußfolgerung eines Versuches, den Frauen in England unternommen haben, um eine Farm allein zu bewirtschaften. Nach sechsjährigem Kampf dürfen jetzt die Ehemänner zu ihren Gattinnen zurückkehren, und die Frauenkolonie in der Nähe von Lingfield ist jetzt kein adamloses Eden mehr. Die Kolonie umfaßt zweihundertfünfzig Morgen bebaubares Land. Sie wurde im Jahre 1920 von einer Anzahl junger Frauen begründet, die der ungläubigen Welt zeigen wollten, daß die Hand, die dazu berufen ist, eine Wiege zu schaukeln, auch den Spaten führen kann. Die frauen bekamen jede ein bis drei Morgen zur Bewirtschaftung und halsen einander bei der Arbeit. Einige spezialisierten sich in der Milchwirtschaft, einige züchteten Angora=Kaninchen, andere Gemüse oder Obst und noch andere wurden zu Bäckern und Köchen. Die Kolonie blühte, aber im Laufe von sechs Jahren wurde es klar, daß immer nur ein Teil des Bodens bewirtschaftet wurde. Die starken Rücken der Männer fehlten für das Bebauen der Felder, aber die Regeln der Kolonie verboten die Zulassung männlicher Wesen. So mußten die Gesetze geändert werden, und jetzt ist es denjenigen Mitgliedern der Kolonie, die verheiratet sind, gestattet worden, ihre Männer nachkommen zu lassen. Arbeitszwang für Ehemänner. Der Gouverneur von Konstantinopel, Soleiman Sami Bei, stellte auf einer Inspektionsreise durch sein Wilajet fest, daß in den Dörfern, in denen Tscherkessen und Bauern wohnen, die aus Lazistan stammen, die Ehefrauen auf den Feldern und auch sonst schwere Arbeit verrichten, während ihre Männer in den Kafseehäusern herumlungern. Darauf fertigte der Gouverneur Befehle aus, die diesem Zustand ein Ende machen und die Männer zwingen sollen, sich am Kampf ums Dasein energisch zu beteiligen. Leider wird nicht auch berichtet, welche Maßnahmen die Befehle enthalten, um die fauten Ehemänner zu zwingen. Unter den oeiginellen Neuheiten, mit denen die Mode in diesem Herbst aufwartet befindet sich auch eine stärkere Betonung des Strumpfbandes. Diese früher so unsichtbaren Befestigungsmittel wagen sich jetzt ungescheut: hervor. Es sind breite Bänder, die überall mit kleinen Juwelen besetzt sind und unter dem Knie angebracht werden. Da die neuen Röcke kaum so tief gehen, so funkelt und blitzt es lustig unter dem Rock hervor, und diese auffällige Wirkung ist es, die die Damen beabsichtigen. Der Kampf gegen das Korsett der Damen ist nicht ohne Erfolg geblieben. Der Erfolg ist aber ganz anders, als man sich je hätte träumen lassen. Die Miederfabrikanten in Paris könnten„die Bude zumachen“, wenn nicht die Herren der Schöpfung ihnen zu Hilfe kommen würden. Die Statistiker der Miederbranche stellen fest, daß die Hälfte aller in Paris hergestellten Mieder an Männer verkauft werden. In den Schaufenstern der vornehmen Einkaufsstraßen nehmen„Mieder männlichen Geschlechts“ einen immer breiteren Raum ein. Andere Länder, insbesondere Amerika, führen in wachsender Zahl französische Modelle ein, um der zunehmenden Nachfrage jünger oder äkterer Herren mit beginnendem oder stark vorgeschrittenem Fettansatz zu entsprechen. Verkäuferinnen, die auch in Paris nicht minder gesprächig sind als anderwärts, haben einiges über die schamhaften Männer ausgeplaudert, die ein Miedergeschäft betreten. Mit holdem Erröten vertrauen sie gewöhnlich der Verkäuserin an, daß ihr Hausarzt ihnen wegen dieses oder jenen Leidens eine„Stütze" verschrieben habe. Sie lassen sich dann ein weißes Mieder vorlegen und weisen ein Gebilde in zartem Rosa erst mit Entrüstung zurück, um es dann doch mit sichtbarem Widerstreben zu kaufen, angeblich, weil es„weniger schmutzt" als weiß. Diese jungfräuliche Schamhaftigkeit findet sich allerdings nur bei Ausländern, insbesondere Amerikanern, man hält aber die Zeit nicht mehr für fern, wo auch diese beim Kauf von Miedern sich nicht mehr auf den Hausarzt berufen und ohne Umschweife gleich ein Herrenkorsett in zartem Rosa oder gar Lila verlangen werden. aft die Tögiger gieihen Lobeltang beigsat un Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: B. A. Santz, Alteng. * — Praden Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 39 Altena, den 28. September 1926 Der Weg ins Freie Von Sofy Fuchs=Stermose. Es scheint wahrhaftig, als sei uns die Entwicklung über den Kopf gewachsen; jedenfalls hat sie uns Frauen schier überrumpelt. Welch ein Gedränge von immer neuen Forderungen und Problemen, denen man gar nicht Zeit läßt, sich auszureifen und harmonisch zu gestalten, denn was heute gilt, ist morgen schon unmodern— und was fürchtet wohl die Frau von heute mehr als die Gefahr, nicht Schritt zu halten mit den Tyrannen Zeit und Mode. Nun, ich will nicht etwa in die Jeremiade über die Entartung unseres Geschlechtes einstimmen, die aus Bubikopf und kurzen Röcken einen moralischen Fall konstruiert und den Untergang der Frau prophezeit— kurzes Haar und kurzer Rock mögen praktisch und für manchen Frauentyp gewiß auch hübsch sein,— der Zopf ist nun einmal wie der Schnurrbart überwunden— je nun, wozu der Lärm? Jede Zeit hat ihre Moral und ihre Sitte, und ich kann nicht finden, daß unsere Zeit gerade die schlechteste hätte, wenn auch manches faul ist im Amazonenstaat. Aber sollte nicht gerade in der Ueberspannung der neuen Ziele der Keim zum Guten liegen? Jede Entartung ist doch schließlich nur die Reaktion auf vorangegangene ungerechte Unterdrückung. Schließlich ist auch die„Sitte" mehr oder minder Sache der Koneontion, u. sie war wohl auch in den guten alten Zeiten oft recht eigenartig. Wer weiß, wie man in etlichen Jahren schon über die unsrige urteilen wird? Also: eifern wir nicht über die Mode, und wenn auch durch die kurzen Haare der Verstand nicht länger wird, so liegt es doch an uns, Auswüchse verständig zu vermeiden und den Sinn der heutigen Frauensitte als einen Ausdruck unserer Persönlichkeit und unserer Kultur zu erfassen. Was will die Frau von heute? Frei sein! Unabhängig vom Mann, vom Haushalt, von der Liebe! Ja, man staune: auch die Liebe, bisher der einzige große Inhalt ihres Lebens, gilt als überwunden! Wenigstens tut man so. Der holde Mädchentraum von dem Einen, Herrlichsten von allen ist aus dem Herzen gewiesen, und man darf sich diese Sehnsucht und den großen Glauben an eine lebenfüllende Liebe höchstens noch im stillen Kämmerlein schamhaft eingestehen. Warum? Je nun, weil es lächerlich wäre, als freie Frau sich einem Einzigen hinzugeben statt das Leben ungehemmt zu genießen. Heiraten? Gewiß, aber mit der Scheidungsurkunde als ultima ratio in der Tasche. Wie altmodisch, auf Lebenszeit auf einen einzigen Mann sich zu konzentrieren — der„Weg ins Freie“ muß jedenfalls offen alten werden! So will es die moderne Zugegeben: es gibt jammervolle Ehen. Ehen, die einfach unsittlich sind; die allen Schein des Glücks besitzen und in Wirklichkeit zwei arme Teufel in der selbstgeschaffenen Hölle gefangn halten. Ehen, die ein Hohn auf Liebe und Gemeinschaft sind. Ehen, in denen es zwar keine Katastrophen, ja kaum Konflikte gibt, deren Zärtlichkeiten aber schal schmecken wie abgestandenes Zuckerwasser und die in ihrer trostlosen Oede und Langeweile fast noch schlimmer sind wie die reibungsvollsten Kampfgenossenschaften. Ist da die Scheidung nicht Erlösung? Der„Weg ins Freie“ nicht die einzige Losung? frau. Will sie es wirklich? Das ist die Frage, die unerbittlich an ihrem Herzen rüttelt, wenn in der Hast betäubender„Beschäftigungen“, denen ja die neue Frau so sehr erliegt— und sie ist so klug, auch aus dieser Niederlage einen Sieg zu machen— wenn also trotz der atemraubenden Fülle von Pflichten und Verpflichtungen, die das moderne Leben fordert, dennoch mal eine einsame Stunde unausweichlich ihr ins Auge schaut: Quo vadis? Wo gehst du hin? Wo liegt dein Glück, dein Recht, deine Freiheit? Die Ehe ist kein Paradies. Ganz gewiß nicht. Wer das von ihr erwartet, hat ihren Sinn nicht erfaßt und erschwert sich und dem Gefährten das Leben nur mit falschen Idealen, die wie alles Falsche in sich zusammen fallen müssen und Bitterkeit und Enttäuschung zurücklassen, bis Liebe schließlich sich in Haß verwandelt. In den heiligsten Gefühlen gekränkt und sich verraten wähnend, schreit man dann nach „freier Liebe“, nach einer„Ehe auf Zeit“ auf Probe sozusagen, nach... jaj wonach? Nach dem Wege ine Freie jegenfalle! Weiß nicht, was noch kommen mag Ein Rößlein hört' ich traben, Da bin ich vom Schlafe erwacht. Ich lauschte den fliehenden Hufen, mir war's, als hörte ich rufen meinen Namen bang durch die Nacht. Im Frühlicht flogen zwei Raber. an meinem Fenster vorbei. Sie hoben krächzend die Schwingen. Noch lange hörte ich klingen den mauhen, heiseren Schrei. Nun ist es Mittag geworden. Ein grauer, lichtloser Tag. Vom Turme schallen die Glocken, Ich stehe blaß und erschrocken, weiß nicht, was noch kommen mag. Anna Ritter. Strom der Kraft, der stärker ist als alle raffinierte Lebens technik“, mit der sich das Leben wohl meistern, aber nimmermehr glücklich gestalten läßt. Ich weiß, auch das„Glück“ wird als altmodisches Requisit verworfen— Mode, Jazzband, Scheckbuch sind herrliche Dinge, die ein leeres Herz schon ausfüllen können— aber schließlich fällt doch einmal die Maske, und hinter dem lockeren Spiel ihrer Capricen enthüllt sich in einem entscheidenden Moment, in einer Wallung, einem Wort die Wahrheit, die sie als ihr Geheimnis schamhaft hinter prahlerischen Lügen verbarg. Und sie fühlt und weiß plötzlich, daß die Liebe— daß der Mann— daß Kinder— geträumtes Glück .. ach, daß der Weg ins Freie in diesem Hafen mündet! Daß seelenhaft=mütterliche Kultur die einzige, natürliche Machtbasis ihres Frauentums ist, die sie jetzt mit verschärfter Geisteskraft behaupten muß, um aus den tiefsten Gründen des Lebens heraus mit ganzer Liebe und mit ganzem Wissen Herrscherin zu sein, die der armseligen Pose der Vermännlichung nicht mehr bedarf. Und aus diesem Glauben heraus liebe ich die moderne Frau, weil ich gerade als Frau den Sinn ihres trotzigen Kampfes ahne— sie so gut verstehe in ihren Freuden und Leiden u. Widersprüchen. Und ich meine, man hann ihr. etrost vertrauen, daß sie den rechten Weg ins freie finden wird durch all das sonderbare und irreführende Gestrüpp hindurch, das sie selbst davor aufrichtet. Und doch scheuen die meisten Frauen diesen Weg— warum? Warum klammern sie sich mit so zäher Vertissenheit an ihren Trauschem? Wie erktärt sich dieser Widerspruch? Ist es wirklich nur Feigheit, die Angst um d.e Dürftigkeit und Ungewißheit eines getrennten Lebens? Zum größten Teil gewiß. Aber schaut in die Gesichter der„geschiedenen" Frauen, die die Konsequenzen einer Scheidung auf sich nahmen— sind sie glücklich in der wiedergewonnenen Freiheit? Viele werden es vielleicht bejahen, denn das Leid ist schamhaft und verbirgt sich vor den Augen der Welt— aber wir lesen die Wahrheit dennoch in jedem Zuge des Gesichtes. So soll man also die Sklavenketten der Gewohnheit weiterschleppen, langsam dabei„eingehen", wie eine Zimmerpflanze aus Mangel an Licht und Luft? Oder sich zynisch„mit den Tatsachen abfinden" und sich in außereheliche Zerstreuungen oder, je nach Temperament, in Beruf und Arbeit stürzen? Ist das der Sinn der Ehe, daß man gleichgültig aneinander vorbeigeht— eine witrschaftliche Interessengemeinschaft also ohne Liebe, ohne Glück— und möglichst ohne Kinder! Denn Kinder sind„Hemmungen" im Lebensgenuß— und darum unmodern. Der„Schrei nach dem Kinde“ ist längst abgelöst von der„Angst vor dem Kinde" Und doch, ich will es Euch verraten, schreit auch in der modernsten Frau, ob sie es wahr haben will oder nicht, die verborgene, unausrottbare, nur aus ihrem Bewußtsein vertriebene Sehnsucht nach Mutterschaft— und sie wird nicht eher wieder wahrhaft frei atmen und glücklich sein, bis sie mit Stolz und Wonne wieder zum Mutterglück als seligste Erfüllung ihres Frauendaseins sich bekennen kann— bis sie wieder glauben, besinnungslos glauben darf an das allmächtige Gefühl, diesen schönferischen Deutsches Frauentumen Was uns heute als selbstverständlich erscheint, daß nämlich auch die Frau Leibesübungen treiben müsse, um sich gefund, frisch und spannkräftig zu erhalten, war noch vor kurzem durchaus nicht so feststehend, als man das manchmal annehmen möchte. Wohl haben auch früher Frauen in dieser oder jener Form Leibevühumgen getrieben, aber erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Gedanke der Notwendigkeit körperlicher Ausarbeitung mit Nachdruck in die Tat umgesetzt. Man wird bei der Beantwortung der Frage, welcher Verband sich zuerst der Körpererziehung des weiblichen Geschlechts gewidmet habe, vor allem die Deutsche Turnerschaft nennen müssen, die schon in den 70er Jahren Frauen= und Mädchenabteitungen in größerem Umfange eröffnete. Diese sind Wegweiser geworden und haben den heutigen machtvollen Aufschwung der Frauenturnbewegung eingeleitet. Nicht immer leicht war es in den ersten Jahren, die Ziele des Frauenturnens genau festzusetzen und Wege zu finden, um ein Frauenturnen erstehen zu lassen, das eigenartig weiblich war. Vorbilder hatte man nur im Männerturnen, und die ersten Lehrer und Leiter der Frauenabteilungen mußten Männer sein, da es an turntechnisch vorgebildeten Frauen gänzlich fehlte. Auch die Bekleidungsfrage bot anfänglich erhebliche Schwierigkeiten, da der lange Rock die Ausführung vieler Uebungen unmöglich machte oder aber doch ganz erheblich behinderte. Und endlich galt es, zahlreiche Vorurteile in der Oeffentlichkeit und auch bei den Frauen selbst zu überwinden, ehe es gelang, das Frauenturnen volkstümlich zu machen und ihm eine große Anhängerschar zuzuführen. In unermüdlicher, zäher und treuer Arbeit haben die deutschen Turnvereine dafür gewirkt, daß das Frauenturnen sich immer mehr ausgestaltete, daß die Frau selbst Einfluß auf die Leitung erhielt und in die Lage versetzt wurde, die Uebungen ihrem Geschmack, ihren Bedürfnissen und ihrem Können entsprechend zu formen und festzulegen. Heute turnen Hunderttausende von Frauen, Jungmädchen und Schülerinnen mit Eifer und Begeisterung in der Deutschen Turnerschaft, und mit Hingabe stehen sie zuv Turnsache, und jeder der 12000 Vereine der schen Turnerschaft der zu * 8 5 S 5— SogSSESE * 65 2 o: E 1 588-——6 E SEEESNL es erAnne SoSHgent E P*T.— S 2 1— hungsarbeit betreibt, hat sich eine meist blühende Frauen= und Schülerinnen=Abteilung angegliedert, vom größten Stadtverein bis zum kleinen Landverein. Was verstehen wir unter dem Begriff Frauenturnen? Die Betriebsformen eines auf der Höhe der Zeit stehenden Frauenturnens sind so vielgestaltig und so abwechslungsreich, daß diese Frage nicht mit einem Worte abgetan werden kann. Frauenturnen, wie es in den zeitgemäß geleiteten Turnvereinen betrieben wird, birgt den Begriff großer Vielseitigkeit in sich, die bedingt, daß allen Geschmacksrichtungen und allen körperlichen Voraussetzungen Rechnung getragen werden kann. Im Sommer geht es auf den grünen Wiesenplan hinaus zu fröhlichem Spiel, zur Pflege des Volkstanzes, zu Lauf, Sprung und Wurf; das Schwimmen wird betrieben und das Wandern, das die Lungen weitet und nach der Arbeit Last und Mühen den Menschen wieder fröhlich und heimatstolz stimmt. Hauptsächlich im Winter betrieben und im Sommer nicht vergessen wird das Geräteturnen, das entsprechend dem Können einer jeden alle zu erfassen vermag, die körperlich besonders Veranlagten ebenso wie die ungewandte Anfängerin. Vom Gesundheitsturnen bis zum Wettkampf ist ein weiter Weg, der aber doch im Rahmen des turnerischen Betriedes gegangen werden kann. Neuerdings ist auch die Pflege des sogenannten rhythmischen Turnens in den Vordergrund getreten. In den deutschen Turnvereinen sucht man das Beste vom Besten zu nehmen. Man vermeidet es, sich sblavisch an eins der vielen meist einseitigen „Systeme" zu klammern und betreibt Rhythmik zu allen Formen von der einfachen Schrittbewebis zur schwierigen Bewegungszusammenung, von der einfachen Grundform bis zum druckstanz. Die turnerischen Musterschulen — es seien hier nur die Leipziger von Direktor Groh und die Hannoversche unter Leitung von Loges genannt!— haben wertvolle Pionier= arbeit geleistet und den Gedanken vielseitiger turnerischer Frauenkultur in die Massen getragen. Heute sieht man nichts mehr von Einseitigheit, und jedem bleibt ein weites Feld der ma offen, die ihm das Wunderland erdas er sich ersehnt und erträumt. Die u, selbst die alte Frau, bann sich durch such des Frauenturnens mit gebenso sehr Betätigungsmöglichheit und Freude, Lebenolust, Kraft und Nervenfrische schaffen und erhalten, wie die auf der Höhe hörperlicher Leistungsfähigkeit befindliche Wettkämpferin, die nach Kränzen strebt(warum soll nicht auch die Frau ihre Kraft messen und sich im Wettkampfe erproben?). Und wer wandert oder schwimmt, der kann sich so ausgiebig tummeln, wie die Freundin risch=frohlichen Kompfspiels, und dies alles iischer Leitung, wobei das weibhlecht in immer verstärktem Maße führend in Tätigkeit tritt. So kann man nicht mit Unrecht behaupten, daß heute das Turnen in seiner pielseitigen Gestalt auch für Deutschlands Frauen und Mädchen ein Quell dauernder Freude und Kraft geworden ist und sich zum Segen der Erhaltung und Wiedererweckung der deutschen Volkskraft auswirkt, die heute mehr denn je der Stütze und Förderung bedarf. Ein deutsches Frauengeschlecht, das die Zukunft unseres Volkes in seinem Schoß trägt, wird, wenn es selbst Leibesübungen treibt und getrieben hat und turnt, der Notwendigkeit vernünftiger Leidesübungen volles Verständnis entgegenoringen und dafür Sorge tragen, daß dereinst unser ganzes deutsches Volk im Zeichen des Weisheitssatzes steht: „Leibesübungen sind not!“ spw. 5 Liebe Du suchst umsonst auf irrem Pfade Die Liebe dir im Drang der Welt; Denn Lieb' ist Wunder, Lieb’ ist Gnade, Die wie der Tau vom Himmel fällt. Sie kommt, wie Nelkenduft im Winde, Sie kommt, wie durch die Nacht gelinde Aus Wolken fließt des Mondes Schein; Da gilt kein Ringen, kein Verlangen, In Demut magst du sie empfangen, Als kehrt ein Engel bei dir ein. K. Der Krankenbesuch Von Dr. med. G. Zickgraf=Bremerhaven. Wenn im folgenden von Krankenbesuchen die Rede ist, so ist damit nicht der Besuch eines vorübergehend Kranken oder bei einem Kranken, der wegen einer Verletzung das Bett oder das Haus huten muß, gemeint. Aeußerliche Verletzungen oder leichte vorübergehende Krankheitserscheinungen verändern die Seele eines Menschen nicht oder nur in seltenen Fällen und so leicht, daß sich der Arzt über die Art seines Besuches keine Gedanken zu machen braucht. Solche Kranke sind im allgemeinen bei einem Besuch wie Gesunde zu behandeln. Anders aber verhält es sich, wenn Menschen eine schwere Krankheit durchmachen, oder wenn sie schon lange krank sind. Die Krankheit verändert hier nicht nur die körperliche Beschaffenheit, sondern noch mehr die seelische. So wie der Körper verfallen und voller Gebrechen ist, wird die Seele solcher Kranken wund und bloß und ist im höchsten Grade verletzbar. Das tägliche Getriebe schallt nicht mehr in das Krankenzimmer, das Hasten und Jagen nach Erwerb und Genuß hat aufgehört und damit die Betäubung der Seele. Der Kranke horcht in sich hinein, und mit dem Leiden des Körpers ist ein Aufblühen seelischer Regungen und Gefühle verbunden, die bieher in ihm geschlummert haben, aber im Lärm des Alltags sich nicht entfalten konnten. Mit anderen Worten, der Kranke ist eine andere seelische Persönlichkeit als der Gesunde. Und von diesem Gesichtspunkte aus soll man sich anschicken, einen Krankenbesuch zu machen. Leider sind nur wenige Menschen befähigt. sich in die Seele ihres Nächsten hineinzufühlen; meist allerdings handelt es sich weniger um die Fähigkeit als um den guten Willen. Es gehört eine gewisse geistige Umstellung dazu. Alle egoistischen Momente müssen dabei wegfallen. Der Krankenbesuch darf nicht Neugierde zum Motiv haben. Man muß beim Krankenbesuch gewissermaßen geistige Toilette machen. Beileibe aber keine Schauspielerei! Für nichts ist der Kranke empfindlicher, seine wunde Seele verletzlicher als für platte Liebenswürdigkeiten und für hohle Worte. Ueber die innere Leere eines solchen Besuches täuscht auch das Mitbringen der kostbarsten Blumen durch den Besucher nicht hinweg. Wenn irgend einmal im Leben, heißt es hier vom Menschen zum Menschen zu sprechen, ihm seelisch etwas zu geben. Das Empfangen wird dann nicht ausbleiben. Auch seine Mienen habe man im Zügel, wenn man einen Kranken aufsucht. Mancher Kranke hat schon sein Todesurteil aus der bestürzten Miene eines Freundes herausgelesen, der unvorsichtig genug war, sich nicht schon vorher klar zu machen, daß er hier einem Schwerkranken, körperlich Elenden gegenübertritt. Was soll man mit einem Kranken sprechen? Das läßt sich nicht in Worte fassen. Das kommt ganz auf die Art der Krankheit und auf den Charakter des Kranken an. Den Ueberängstlichen wird man aufzurichten, den Mutlosen seelisch zu kräftigen versuchen. Gespräche über Krankheiten vermeide man. Wenn sich der Kranke über sein Leiden ausspricht, höre man geduldig zu, vermeide aber alles, was die Behandlung betrifft. Besonders erzähle man nichts von Krankheiten, weder von solchen, die man selbst durchgemacht hat, noch von solchen, über die man gehört hat. In der Seele des Kranken arbeiten alle gewonnenen Eindrücke und Erzählungen weiter, wenn der Besucher schon längst wieder fort ist und sein Gespräch längst schon vergessen hat. In der Ruhe des Krankenzimmers geht aber die Saat der Erzählunin und Reden eines Krankenbesuchers auf. saren die Erzählungen düster, handelten sie von Krankheit und Tod, so ist ganz selbstverständlich, daß die ruhelosen Gedanken des Kranken um diese Punkte kreisen und eine für ihn sehr ungünstige Stimmung erzeugen. Daß die seelische Grundstimmung eines Kranken aber ausschlaggebend für den Heilerfolg sein kann, darüber muß sich heute auch der Laie klar sein. Wie oft aber hat man am Krankenbett Gelegenheit zu sehen, wie die vom Arzt und von den Pflegern mühselig erzeugte optimistische Stimmung eines Kranken nach unvorsichtigen Aeußerungen von Krankenbesuchern ins Gegenteil umschlägt. Nicht nur darin wird gesünSein letzter Wille Skizze von E. Brandt. Er war ein großer Mann gewesen, ihr Mann. Eines von den Sonntagskindern, über die das Glück das reiche Füllhorn seiner Gunst in verschwenderischem Maße ausgegossen. Und jetzt war er tot. Auch hierin ein Bevorzugter. Sein guter Stern hatte ihn vor langem Siechtum und vor den Mühsalen des Alters bewahrt. Mit 45 Jahren hatte er auf der Höhe seines Erfolges gestanden. Von vielen bewundert, von einigen geliebt und von allen beneidet.. und damals hatte er sie geheiratet. Er... sie!... Als sei es heute, steht's noch vor ihrer Seele, das Glück der Eltern, die Eifersucht der Freundinnen, ja, der Haß der nächsten Anverwandten, daß er sie, gerade sie, das unbedeutende, damals zwanzigjährige Mädchen ohne Mitgift und ohne besondere Reize, erwählt hatte. Ein Rätsel für die Fernerstehenden, er, der Mann auf der Höhe des Glückes und des Ansehens, der viele Zehntausende im Jahre spielend verdiente. Zehntausende, in die sich sonst andere nach harter, aufreibender, den ganzen Tag währender Arbeit kümmerlich zu teilen hatten. Er hatte sie gewählt! * Freilich, der Eingeweihte wußte, daß ihn Jahrelange Freundschaft an ihren Vater band, daß er wie ein Bruder im Hause ihrer Eltern verkehrt hatte und daß man schon für sie ein Auge auf ihn geworfen, als sie noch ein Backsischchen mit der Mappe unterm Arm und dem über dem Rüchen in die Schulelfern ging. Er hätte ihr Vater sein können, denn er war 25 Jahre älter als sie. Zehn Jahre hatte sie an seiner Seite gelebt, und er hatte sie auf den Händen getragen. Jeden Wunsch hatte er ihr an den Augen abgelesen. Aus einem verwöhnte kinde war sie eine verwöhnte, launige, kleine Frau geworden. Und das Glück, das ihm immer hold gewesen, hatte den beiden auch in der Ehe gelächelt. Einen braunlockigen Knaben und ein blondköpfiges Mädchen hatte sie ihm, dem großen Manne. geboren. Ein einziges Fest war diese Ehe gewesen. An seiner Seite hatte sie die Mittelmeerländer durchflogen. in den ersten Hotels gewohnt, die schönsten Kleider getragen und nur von dem Kostbarsten genippt, was Küche und Keller boten. Beneidet und bewundert hatte sie sich dann in seiner Villa als die Herrin des Hauses inmitten der prunkvollsten Einrichtung gesehen. Alles beugte sich vor ihr, machte ihr den Hof, weil sie die Frau eins großen Mannes war. Und selbst sein Todestag und der Tag seiner Beerdigung waren noch einmal Tage des Triumphes gewesen. Ihr war es, als hätte die ganze Stadt um seinetwillen Trauergewandung angelegt, als müßten alle Glocken zusammen läuten, da man ihn zu Grabe trug. Ein wahrer Menschenstrom hatte sich damals von der Villa in dem platanenbeschatteten Parke, wo die gelben Blätter des Herbstes in der Sonne schimmerten, nach dem Friedhof in Bewegung gesetzt. Und ein langer, weiter Weg durch die ganze Stadt war es gewesen, denn er wohnte vom Friedhof, ale ein Kind des Glücks Alle Fenster standen offen, überall sah man Köpfe, die seinem Leichenzuge nachschauten, und die Vorübergehenden entblößten das Haupt und grüßten ihn noch einmal ehrerbietig im Tode. Ein einziger Tag des Triumphes war so ihr, war sein Leben gewesen, seit sie ihn gekannt hatte... Und nun war es mit einem Male still in seiner Villa, still in dem Hause, in dem sie so oft an seiner Seite das Fest ihrer Jugend und seiner Erfolge gefeiert hatte.—— Ein Herbstabend... wenige Wochen nach seinem Tode. Die Sonne ist untergegangen. die an seinem Sterbetage noch so warm und golden geschienen, die die letzten Georginen und Chrysanthemen seines Parkes damals noch im hellen Glanze verschönte. Die Dämmerung steigt empor. Seit einigen Tagen hat sich die Sonne hinter Wolken verkrochen, und ein seiner, kalter Regen beginnt zu fallen, der Regen des Herbstes. Die Wärterin hat die Kinder zu Bett gebracht. Das elektrische Licht ist angelassen und flutet ruhig und hell durch den mollig geheizten Raum, durch sein Arbeitszimmer, in dem sie sich in einer leisen und wehmütigen Erinnerung mit Vorliebe aufzuhalten pflegt. Sie denkt an den Friedhof und an den feinen, kalten Regen. Ein leiser Schauer läuft durch ihre Glieder. Sie schaudert und fester drückt sie sich in das reiche Kleid aus schwarzem Kreppstoff. Ihr Blick fällt in den hohen, in die Wand eingelassenen Spiegel. Das schwarze Kleid steht ihr gar nicht übel. Und wieder lächelt sie ein wenig, denn sie ist ja kaum dreißig und schon Witwe. Sie klingelt nach einer Tasse Tee. Sein * 8 * 6 S S„OE 2* S 9 9• 38 B bGg’Eg *— * E "* S 2 * 85 S88LLMSE 36 ## 2 E# ue = · 6 Kr—*„-„-be 61 0• * gEES FH1• *. S Sgggr Päs. SSeh digt, häufig wird sogar das Vertrauen zum dehandelnden Arzt offen oder versteckt untergraben, es werden manchmal in gutem Glauben oder in guter Absicht Behandlungsratsschläge gegeben, die den eingeschlagenen Behandlungsweg brüsk durchkreuzen und eine innere spältigkeit in der Seele des Kranken erzeugen. Wenn es in manchen Krankheitsfällen dem Arzte auch erwünscht erscheinen müßte, daß der Kranke zu seiner Ablenkung und zu seiner Abwechstung Besuch bekommt, so wird er oft genug auf diese Annehmlichkeit für den Patienten verzichten und lieber Besuche abwehren, als den Kranken der Gefahr aussetzen, seinen Zustand durch unvorsichtige Besuche zu verschlechtern. Der Verfasser hatte früher eine Lungenheilstätte für Schwererkrankte zu leiten. Angehörige durften alle 14 Tage aus der nahen Großstadt für einen Nachmittag zum Besuche kommen. Die Folge war regelmäßig, daß am Abend des Besuchstages verschiedene Patienten Bluthusten und Fieber bekamen. Alles nur eine Folge von Krankenbesuchen, bei denen die Besucher in ihren Aeußerungen unvorsichtig waren, die Ehefrauen, indem sie ihre wirtschaftliche Notlage oder Familienzwistigkeiten dem kranken Manne vorstöhnten, die Freunde, indem sie den Kranken gegen sein Schichsal aufhetzten, das ihn zu einer solchen freiheitoberaubenden Kur zwang. Solche Fälle sind besonders drastisch; sie zeigen, daß nicht nur Mißstimmungen nach seelische Verstimmungen, b Krankenbesuchen kommen können, sondern auch objektive körperliche Verschlechterungen. Es gehört nicht die langläufige sogenannte Bildung dazu, einen richtigen Krankenbesuch zu machen. Es gehörrs Herzensbildung, Takt und Veherrschtheit dazu und der Wille, dem Kranken etwas zu sein. Dann wird der Kranke mit seiner seinfühlig gewordenen Seele das Richtige heraushören, und ganz von selbst wird der Grundton der Unterhaltung einen heiteren Ernst annehmen. Und sollte gegebenenfalls von dem Kranden, der sich an der Pforte der Ewigkeit fühlt, auf das Jenseits hingewiesen werden, so weiche man dem Thema nicht aus. Für Viele bringt es eine wunderbare Ruhe, die günstig auf Seele und Körper einwirkt. Wie in jedem Geben schon ein Empfangen sich vorbereitet, so wird auch der Besucher von solch einem Krankenbett etwas sehr Wertvolles mitnehmen. Der Gedanke, mit dem Leidenden einen Augenblick aus dem Leben heraus einen Ruhepunkt gefunden zu haben, ist ein seekischer Gewinn, der die Mühe wohl sohnt, sich auf einen Krandenbesuch vorbereitet zu haben. Mutter und Kind Glückliche Stunden wird stets derjenige verleben, der sich den gesunden Sinn erhalten hat, mit kleinen Kindern stundenlang spielen und sich mit ihnen freuen zu können. Er wird Richt müde werden, dem scheinbar so törichten Plap=ldie pern der Kleinen geduldig zuzuhören und auf die schwierigsten Fragen der Wissensdurstigen eine Antwort zu geben.„Onkel, wo wohnt das Tanzen?“ fragt die kleine Nichte, als die Eltern zu einem Vergnügen mit Tanz gegangen sind, und da ist es denn oft mit dem Latein des Onkels zu Ende. Schier unergründlich aber ist der Sprachschatz einer Mutter, die mit ihrem Kinde plaudert und kost, und kein Wörterbuch kennt so viele Wörter mit„chen" und„lein“ als das Muttergefühl und das in Liebe überquellende Mutterherz. Mit ihrem Kinde wird sie zum Kinde, sie denkt, kallt und jubelt mit ihm in seiner Sprache. Wie die Mutter am besten das unklare Geplapper des Kindes, anderen unverständlich, zu deuten weiß, so versteht dieses am besten die K Denk daran Denk an das Aug', das überwacht Noch eine Freude dir bereitet, Denk an die Hand, die manche Nacht Dein Schmerzenslager dir gebreitet, Des Herzens denk, das einzig wund Und einzig selig deinetwegen, Und dann knie nieder auf den Grund Und fleh um deiner Mutter Segen. Annete v. Droste=Hülshoff. Mutter. Wie lieblich und drollig ist das erste Kindergestammel mit dem Suchen nach Ausdruck, dem. Stolpern über einzelne Laute oder Wörter, dem Verdrehen des Satzes, aber stets mit dem Willen, sich verständlich zu machen. Jeder muß seine Freude daran haben und oft lachen, ob er will oder nicht. Ob er es aber auch nachmachen muß?... Die Kinder werden größer, und puppenhafte Drolligkeit im Sprechen und sonstigen Angewohnheiten werden später zu Lächerlichkeiten, schwer ausrottbaren Fehlern und Ungezogenheiten. Darum ist es besser, beizeiten den Kleinen nicht mehr die kindlichen Sprachdummheiten nachzumachen oder sie mit Wohlgefallen hinzunehmen, sondern ihnen immer wieder, nicht mit schulmetsterlicher Pedanterie, sondern gelegentlich richtig vorzusprechen, was ihnen Schwierigkeiten macht. Dann lernt ein Kind nicht nur gut und richtig sprechen, sondern es werden die für das Kind später sehr unangenehmen und schwer zu bekämpfenden Fehler beim Sprechen, das Stottern, Stammeln, Lispeln meist von vornherein vermieden. Das schließt für die Erziehung des Kindes zugleich den Vorteil in sich der daß es auf sich achten lernt und sich nicht erst kleine Eitelbeit angewöhnt, seine eigenen Fehler beachtenswert und drollig zu finden. Auch schon für die Erziehung des sprechenlernenden Kindes gelte: Nicht für die Kinderstube, sondern fürs Leben! Die Frau als Juristin Vor kurzem hielt der„Deutsche JuristinnenVerein“ in Berlin seine Generalversammlung ab und aus dem Referat, das die Vorsitzende erstattete, gewann man ein klares Bild darüber, daß zäher Wille sich auch hier durchzusetzen vermag. Zunächst darf jedoch nicht übersehen werden, daß wir hier vor Neuland stehen. Denn es sind kaum zwei Jahre verflossen, seit die ersten Frauen das Assessorexamen bestanden haben. Sie sind heute noch ohne Anstellung. Tarin liegt aber keine Unbilligkeit, muß doch auch der Jurist nach zurückgelegter zweiter Staatsprüfung noch geraume Zeit warten, bis er in ein Richteramt berufen wird. Das neue Daheim(62. Jahrg. Nr. 52) behandelt jetzt in ausführlicher Darstellung die Lage der Juristin in Deutschland und schreibt u. a.„In verschiedenen Oberlandesgerichtsbezirken, wie Köln, Düsseldorf, Magdeburg sind Assessorinnen kommissarisch tätig. In Sachsen, das seine Assessoren anfänglich im Privatdienstvertrag beschäftigt, amtiert eine Juristin augenblicklich als Richter. Weiter hat man eine Assessorin als Hilfsarbeiterin in das preußische Jusnizministerium und eine Regierungsassessorin in das Berliner Polizeipräsidium derufen. Diese trifft bei der genannten Behörde bereits eine Berufskollegin an. Denn seit längerer Zeit bearbeitet dort in der Theaterabteilung eine Juristin den Kinder= und Jugendlichenschutz. Manche studierende Frau lockt es, das erworbene Wissen im freien Spiel der Kräfte zu messen und auf eine staatliche Anstellung zu verzichten. So finden wir in einigen deutschen Großstädten die ersten weiblichen Rechtsanwälte. Nach den neuesten Ermittlungen ist die Zahl der in den juristischen Fakultäten eingeschriebenen weiblichen Studenten ständig im Steigen begriffen. Sie beträgt in Berlin augenblicklich 120. Viele dieser jungen Juristinnen verzichten auf das Ablegen der zweiten Staatsprüfung. Sie begnügen sich mit dem Referendarexamen und erwerben noch Vorliebe das Doktordiplom, um dann in Rechtsauskunfts= und Rechtsschutzstellen, bei Banken und Versicherungsgesellschaften, in der Industrie und in wirtschaftlichen Verbänden, in Gewerkschaften, Syndikaten und auch bei Berufsvormundschaften eine Anstellung zu finden.“ Der weitere Inhalt der genannten Doheimnummer bietet eine Fülle von Anregung, Wissenswertem und Unterhaltendem: Roman, Novelle, Aufsätze über„Die Große Deutsche Funkausstellung".„Das Kind als Künstler",„Deraubte deutsche Burgen",„Stoffe und Kleider Dagr banum he Bildschmu und viele interessante Abbildungen zu den jüngsten Zeitereignissen. Diener bringt sie. immer so ängstlich als wolle er den Schatten seines Herrn noch in dem Zimmer entdecken. Der Diener ist wieder gegangen. Die kostbare Uhr auf dem Kamin schlägt mit hellem Ton halb sieben. Wie die Stunden rinnen, wieder ein Tag fast zu Ende, der sie von seinem Tode, der sie von ihm trennt. Für sie und die Kinder ist gesorgt, zeitlebens sorgt, denkt sie dann.— Da blopft der Diener an die Tür. Sie ruft: Herein! „Die Entwürfe für das Grabdenkmal des gnädigen Herrn sind beim Portier soeben abgegeben worden, wenn die gnädige Frau Einsicht nehmen wollten Sie erhält die Kartons aus der Hand des Dieners und ist wieder allein. Da fällt es ihr ein. Schon die ganze Woche hat sie gesucht und nichts gefunden, in seinem Schreibtisch muß es doch stecken. Sie nimmt den Schlüssel aus der Mittelschublade und öffnet die eine der Türen. Eine Andeutung von einer schriftlichen Hinterlassenschaft seines letzten Willens hatte er ihr doch gemacht. Freilich beinahe schon in der Agonie. Nur noch die Worte„Schreibtisch“ und „Gefach“ hatte sie deutlich verstanden. Sie hatte gesucht und nichts gefunden. Und auf einmal, wie sie die Kartons in den Händen hält, kommt ihr der Gedanke, er könne eine Bestimmung über sein Grabdenkmal getroffen haben. Sie mußte noch einmal suchen. In dem Schränkchen ist nichts, sie hat es vor drei..., ausgeräumt und nichts gefunden. Der alte Mann schaut sich dem Aufsatz, richtig, da war ein Geheimfach, in dem Arbeitszimmer um, hatte er ihr einmal gesagt. Das fiel ihr erst heute mit einem Male wieder ein. Das kam ihr wie eine Eingebung. Sie öffnet das kleine Türchen in der Mitte des Aufsatzes. Ein silberner Knopf wird sichtbar, auf den sie drückt. Und da fallen ihr auch schon einige Blätter in die Hände... nur wenige Seiten... sein„letzter Wille“, nach dem sie seit Wochen vergeblich gesucht hat. Daß sie sich auch so spät erst an dieses Geheimfach im Schreibtisch ihres Mannes erinnert hat! Sie liest und traut ihren Augen nicht. Was war das! Da stand von seiner Hand geschrieben ein Gedicht auf der ersten Seite des Testaments. Als einen Dichter, als einen Schwärmer hatte sie ihn doch nie gekannt, ihn, den großen Mann mit dem nüchternen Verstande, dem alljährlich die Millionen in Banknoten u. Goldmünzen durch die Finger geglitten waren. Sie liest die Verse, und darunter stand in seiner klaren, deutlichen, nüchternen Handschrift: „Bis zu der Zeit, da meine beiden Kinder großjährig geworden sind, steht meiner Frau als Universalerbin die Nutznießung meines Vermögens zu. Von da ab treten die gesetzlichen Bestimmungen in Kraft. Im Sinne des obigen Liedes soll sie mein gedenken und den letzten Vers auf die Rückseite meines Grabsteins ein= war meißeln lassen... Alles, was mein gewesen ist, sei ihr, mit Ausnahme eines kleinen Legats. Die Zinsen von 75000 zu 4 Prozent, machen Tagen aus=13000 pro anno, hat sie an Fräulein Elisabeth auein oben in Hammer, wohnhaft hier in der Eihnerstraße Pr.ittlogenden Lu#t. 25, 2. Stock, jährlich auszuzahlen... Die hat mich geliebt, als ich noch ein armer Kommis gewesen bin, als ich 25 Jahre zählte, und ist meinetwegen eine alte Jungfer geworden.„Ich habe sie zeitlebens unterhalten, und diese p###ch geht nun auf meine Frau über.“ Das Blatt entfällt ihren Händen. Tränen steigen empor, zum ersten Male nach dem Tode ihres Mannes, heiße, nicht zurückzuhaltende Tränen. Mit einem Male fühlt sie ihre ganze Leere. Ein Winkel seines Herzens hat ihr nicht gehört, ach, kein Winkel, sein ganzes Herz. Sie hatte ihn ja zeitlebens für einen nüchternen Verstandesmenschen gehalten, wie sie selber einer war, und nun von jenseits des Grabes gab er ihr Kunde, daß tief in seinem Herzen die Dichtung geschlummert und daß auch er wußte, was Liebe sei. Unendlich leer und hohl erscheint sie sich. Sie ist in den Sessel zurückgesunken. Und eben in diesem Moment ist er ihr gestorben, denn jetzt erst weiß sie, was er gewesen ist. Arm kommt sie sich mit einem Male in der Villa des reichen Mannes vor. In der Villa, die ihr und ihren Kindern gehört. Laut und lauter weint sie jetzt auf. Sie hatte sich keine Mühe gegeben, ihn zu verstehen, und nun, nachdem sie ihn verstanden, nachdem sie zum erstenmal as Heiligtum seines Herzens betreten, zu spät. Sie geht ans Fenster. Der Herbstwind schüttelt die Kronen der Platanen und weht den seinen Regen wider die Scheiben, und leise tönt es ihr von draußen aus dem Seufzen der