3 9 3 + III 4— E 7 F3 "*** *•** 7 E 5 K daß wir nie ihre Beurteilung der Erstaufführungen von Faust und Tasso erfahren werden, auf jeden Fall benahmen sie sich, gleich allen übrigen, das wird oft hervorgehoben, musterhaft aufmerksam und still. Betraten die Fürstlichkeiten ihre Loge, wurden sie mit„Respektklatschen" begrüßt... Nach siebenundzwanzig Jahren trennte Karl Augusts Tod die illegitime, aber gewiß nicht unschöne Verbindung. Eine gemütliche lichkeit spricht aus ihren Briefen, sie nannten sich„mein Alter“ und„meine Alte“, er setzte Verständnis für seine Interessen voraus, schilderte ihr eingehend alles, das ihn auf seinen Reisen beschäftigt hatte. Sorgsam überwachte er die Erziehung der Kinder, hielt darauf, daß diese der Mutter die aufmerksamste Rücksicht entgegenbrächten. Diese Ehe, die keine war, ist mustergiltig verlaufen. Marie von Bunsen. Der Jungbrunnen einst und jetzt In der Verjüngungsbranche ist heutzutage scharfe Konkurrenz. Man kann sich heute auf rse Konkurrenz. Man kann sich heute auf die verschiedenste Weise verjüngen lassen, und die eine Methode ist immer einfacher als die andere. he Es ist noch gar nicht so lange her, daß Steinach durch seine Verjüngungsoperationen Sensationen erregte, doch wie veraltet scheint es heutzutage schon. Nach ihm kam Vornow in Paris, dem es gelang, einen zusammengebrochenen Greis in einen geschmeidigen Jüngling zu verwandeln. Eine Zeitlang hatte er glänzende Erfolge, bis es sich herausstellte, daß der Alte, der die lange entschwundene Jugend wieder erlangt hatte, nichts Besseres damit anzufangen wußte, als sich dem Trunke zu ergeben, so daß er im Delirium tremens verstard, ehe er noch zum zweiten Male alt werden konnte. Damit nahm er Vornow einen großen Teil seines Ruhmes, und viele ziehen es jetzt vor, doch lieber an Altersschwäche zu sterben, wie ihre Vorfahren es taten. Darauf glaubte man ein ausgezeichnetes Verjüngungsmittel in der Coué=Methode gefunden zu haben. Sie war so bequem und billig. Der einfache Apparat, den man brauchte, war ein Ende Tau mit zwanzig Knoten. Dieses ließ man durch die Hände laufen und bei jedem Knoten wiederholte man den Satz:„Ich werde jünger und jünger mit jedem Tage.“ Ehe sich jedoch die Cous=Methode richtig durchsetzen kann — es ist eine langsame Methode, die viel Zeit gebraucht, um zu wirhen— taucht eine neue Verjüngungsmethode auf, die jetzt ganz modern ist. Ein Professor in Chicago hat sie erfunden und man braucht nicht einmal einen Strick dazu. Man braucht nur vierzehn Tage zu fasten. Nach einer solchen Kur soll man um Jahre verjüngt wirken. Der Professor kann das Phänomen nicht erklären, er kann nur die Tatsache feststellen. Wenn man eine vierzehntägige Hungerkur durchmacht, so wird man mit jedem Tage um Jahre jünger. Die Kur ist billig und macht schlank. Es kommt nur darauf an, daß man nicht daran stirbt. Aber das ist wohl bei allen Kuren so. u Erinnerung nur zu schweben, Zie im Wind ein welkes Blatt, hüte dich! Nur das heißt leben, Venn dein Heut' ein Morgen hat! Der Bubikopf Mach dir einen Bubikopf, Denn wer trägt noch Hängezopf? Bubikopf ist jetzt modern, Bubikopf, ich hab' dich gern. Wie ist's doch so wunderschön, Wenn man auf die Fahrt will gehn, Fährt man mit der Hand durchs Haar, Und die Sache ist gleich klar. Einstens schon im Paradies War die Sach' mit Adam mies. Gierig bis er in den Apel, Und nun fällt man rein auf Schwabbel. Doch, wir Töchter Evas nun, Dachten, was ist da zu tun? Doch auf einmal wird's uns hell, Machen Schwabbelköpf’ uns schnell. O, wie ist das wunderbar, Frau'n mit schwarz und blondem Haar, Alle trag'n sie Bubikopf, Auch sogar die Großmama! Doch, die Herren, ei, der Daus, Sahen ganz verzaubert aus. Denken erst, wir sind verrückt, Doch dann sind sie hochentzückt. Dürfen jetzt ja nicht mehr stehn Von halb Sechse bis nach Zehn, Drehen rechts und links den Kopf: Kommt da nicht ein Schwabbelkopf? Jeder Mann jetzt, schau, o schau Jeder nur nach seiner Frau. Hoch lebe der Bubikopf! Wer nicht mittut, ist ein Tropf. G. S. Geibel. zeit vorüber ist— und die Preise noch nicht allzu hoch sind. Zur Aufbewahrung eignen sich jedoch, wie wenig bekannt ist, ohne Frage am besten die Septembereier. Sie haben dazu noch einen großen Vorzug, in dem man sie ohne weitere Vorsichtsmaßregel auf einem Eierbrett, das aus einem etwa 30 Zentimeter breiten Wandbrett mit eingebohrten Löchern von etwas mehr als halber Eigröße besteht, bei häufigem Wenden der Eier den Winter über in einem kalten Raume zu halten braucht. Dieses Verfahren hat den Vorteil, daß sich solche Eier auch als gekochte oder sogenannte Trinkeier verwenden lassen. Will man die Eier nicht etwa versenden, so legt man sie sauber vorbereitet und vorsichtig in große, gutgereinigte Steintöpfe und gießt soviel Wasserglaslösung in einem Mischungsverhältnis von einem Weinglas voll Wassergias auf ein Liter Wasser darüber, daß die Flüssigkeit über den Eiern steht. Dieses Verfahren hat noch kürzlich bei landwirtschaftlichen Versuchsanstalten eins der besten Ergebnisse geliefert und hat zugleich folgende Vorzüge: 1. die Eier verlieren nicht an Geschmack; 2. Eigelb und Eiweiß lassen sich gut trennen; 3. das Eiweiß läßt sich leicht schlagen; 4. die Schalen platzen beim Kochen nicht. Andere einfache Verfahren sind dann noch das Eintauchen in Frischerhaltungsflüssigkeiten oder das Einschichten in Salz. Asche, Kleie oder Sand, wobei man das Verpackungsmaterial vollkommen trocken wählen und im Winter einmal erneuern muß. Das so bekannte und früher so beliebte Einkalken der Eier hat sich überlebt, weil sie dabei stets an Wohlgeschmack verlieren und sich das Eiweiß nach einiger Zeit nicht mehr schlagen läßt. svon keiner Seite aus ein Druck auf die Gurken ausgeübt, so halten sie sich monatelang. Reinigen von Rohrstühlen. Rohrstühle reinigt man, indem man sie umstürzt und das Rohrgeflecht mit möglichst heißem Wasser, dem man etwas Seife zugesetzt hat, mittels einer Bürste abwäscht und vor dem Trocknen mit Schwefelpulver bestreut. Darauf stellt man die Stühle ins Freie oder in Zugluft zum Trocknen. Den Schwefel entfernt man an dickeren Stellen mit einer Bürste. Dieses Verfahren hat zugleich den Vorzug, daß das Geflecht, wenn es nicht zerrissen ist, wieder fest und gespannt wird wie bei neuen Stühlen. Fettflecke in Marmor. Um Fettflecke aus Marmor zu entfernen, mischt man ½ Pfund Seifensiederlauge mit ¼ Pfund Terpentin und Rindsgalle und bereitet dann durch Zusatz von Tonerde einen Teig. Diesen trägt man auf die fettigen Stellen auf, nachdem man sie zuvor mit Benzin getränkt hat, und entfernt ihn nach 24 Stunden wieder. Der Fleck ist dann verschwunden. Aufbewahrung von Mehl. Gebäck zerät schlecht, wenn man feuchtes Mehl dazu verwendet. Daher ist es unbedingt notwendig, das im Hause gehaltene Mehl trocken aufzubewahren. Am besten geschieht das in gut schließenden, glatt gehobelten Holzkisten an einem trockenen, luftigen Ort. Sind größere Mehlmengen vorhanden, so muß das Mehl mindestens wöchentlich einmal gründlich durchgeschaufelt werden, sodaß das unterste zu oberst kommt. Vor dem Gebrauche tut man gut, es zu sieben. Will man neue Vorräte an Mehl in die Kiste bringen, so muß der Rest des früheren Inhalts vollständig entfernt werden. Beseitigung von üblen Gerüchen. Bei der Arbeit in der Küche ist es meist unvermeidlich, daß die Hände den Geruch der Stoffe annehmen, mit denen man umgeht. Um solche üblen (Gerüche zu beseitigen, reinigt man die Hände am besten mit gemahlenem Senf. Gerüche nach Oelen, Lebertran, Zwiebeln, Rauch, Ruß usw. verschwinden nach Anwendung dieses einfachen Mittels sofort. Auch Gerätschaften, wie Löffel, Quirle, Hornbestecke und dergleichen, die etwa von Fischen oder anderen scharf riechenden Speisen Geruch angenommen haben, lassen sich ebenfalls mit Seufmehl schnell säubern. Geschmeidige Gummiringe. Hart gewordene Gummiringe, wie sie jetzt zum Einmachen bei Gläsern viel verwandt werden, erhalten ihre Geschmeidigkeit wieder, wenn man sie in einer Lösung von einem Teil Ammoniak und zwei Teilen Wasser eine Stunde liegen läßt. Bücherfisd. Aufbewahren von Eiern Um Eier in größeren Mengen auf längere Zeit aufzubewahren, kann man verschiedene Mittel anwenden. Zum Gelingen eines jeden ist Vorbedingung, daß die Eier völlig frisch u. sauber sind. Um sich vor Schaden und Enttäuschungen zu bewahren, tut man gut, noch jedes einzelne Ei vor den Aufbewahren zu prüsen, ob es auch wirklich frisch ist. Ein einfaches Kennzeichen frischer Eier ist, daß sie beim Schütteln nicht schwappen. Ein Merkmal frischer Eier ist auch, daß sie, wenn man sie gegen das Licht hält, in der Mitte durchscheinend sind. Sicherer aber läßt sich die Größe des durch Verdunstung in dem Ei entstandenen Luftraumes zur Prüfung der Frische benutzen. Zu diesem Zweck löst man 120 Gramm Kochsalz in einem kiter Wasser in einem hohen Gefäß, etwa Liter Maß, auf. In dieser Lösung werden frische Eier langsam untersinken, wenige Tage alte etwa in der Mitte, acht Tage alte und darüber oder bebrütete und verdorbene obenauf schwimmen. Zur Aufbewahrung wählt man vielfach Augusteier, weil dann in der Regel die BrüteRatschläse und Winke M Frische Gurken aufbewahren. Um auch im Winter frische Gurken zu haben, werden sich gute Hausfrau zur Zeit der Gurkenernte einen größeren oder kleineren Vorrat beiseite bringen. Wollen sie diese, Gurken bis tief in den Januar hinein vollkommen frisch erhalten, so ist beim Einkauf darauf zu achten, daß sich an den Gurken noch kleine Stiele befinden. Gurken ohne Stiele sind für die nachfolgende Art der Aufbewahrung unverwendbar. Die Gurken werden in Wasser abgewaschen und darauf abgetrocknet. Dann taucht man einen seinen Haarpinsel in Eiweiß und bestreicht damit sorgfältig die ganze Gurke. Ist das geschehen, so werden die Gurken in leicht übertrocknetem Zustand mit ihren Stielen an einen Faden gebunden und in trockenem Raum an einer Schnur angebunden, sodaß sie freischwebend hängen. Dabei dürfen sie einander nicht berühren. Durch das Eiweiß bildet sich auf den Gurken eine undurchdringliche Schicht. die das Herantreten der Luft verhindert. Die Gartenlaube“ Hest 32. Verlag Ermst Keil's Nachfolger(August Scherl), G. m. b. H., Leipzig. Sie bietet ihren Lesern etwas, diese Zeitschrift mit der traditionsreichen Vergangenheit und dem erstaunlich jungen Elan! Der Roman von Walter I. Bloem„Das steinerne Feuer" und Thea von Harbous Novelle„Der Kampf mit dem Dritten"(beider Fortsetzungen in diesem Heft) sind beste Unterhaltungsliteratur! Die verschiedenen Beiträge wahren gleiches Niveau. Geistvoll ist ein Beitrag von Dr. Robert Roseeu„Der gemalte Traum“ mit 6 Tiefdruckabbildungen. Erwähnenswert ist ein Aufsatz„Schönheit ist keine Zauberei“ von A. Henkel mit 5 Tiefdruckillustrationen. Sehr hübsch liest sich der Aufsatz„Der Urwald von oben“ von Rud. J. Schmeisser mit 4 interessanten Flugzeugaufnahmen. Dazu noch eine witzige Anekdote„Wer ist noch ehrlich“ von Dr. K. E. Krack und die Beilagen„Bilderbogen der Zeit“, „Die Welt der Frau",„Die Kindergartenlaube“. Ein innerlich und äußerlich gut ausgestattetes Heft! Daheim, 62. Jahrgang, Nr. 46. Vielfarbig bunt tritt uns das vorliegende Heft des Daheim entgegen. Der Aussatz„Sommer im Wald" leuchtet mit seinen Bildern von der Hand des Tiermeisters Schütz; es leuchten auf dem Umschlag das Bild einer Indierin, innen ein Herrenporträt in sommerfrischen Farben und das märchenhafte Gemälde einer hohen Brücke, unter der kleine Menschlein wandeln. Ernst in dieser Farbfülle steht als Kunstbeilage eine Radierung Ostades. Um diesen Bildschmuck ranken sich die Aufsätze und Erzählungen: Der Arzt spricht von Atemnot und Asthma, der Literaturfreund von Grimmelshausen, der Naturschwärmer von schlesischen Heimatspielen, der Rechtsgelehrte vom Reigen des Diebesguts. Eingerahmt wird dieser reiche Inhalt von einer Romanfortsetzung aus dem neuesten Werke Diedrich Speckmanns und einer nachdenklichen Novelle Fritz Müllers, Partenkirchen. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Wird Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena sdönssug Sa S SSTTS SSMSR * 8 * a 5 SS8SSSS #Ss Kn 8 8 Fess SS5S 9 S 5 * S S 8 **** * S SE 81 8 25 993 5 T 7 25 9 S S 8 5 SnTg S 5T a523 S5 FN geug 2 92 ALe Setest r Se e e Praden Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung 1926 Ne. 18 Kiteng, den III. Auger Verlöbnisse im Rechtsbegriffe Alle Eheleute waren vordem Verlobte, aber nicht alle Verlobte werden auch Ehegatten. Das ist allgemein bekannt; nicht minder, daß die Ehescheidung einen gewöhnlich langwierigen Prozeß erfordert, während man vom Verlöbnis jederzeit einseitig und formlos zurücktreten kann. Eine bestehende Ehe ist ein Ehehindernis, das regelmäßig die Abschließung einer anderen Ehe nichtig macht, und schwere Strafe trifft den, der dies Ehehindernis durchbricht. Kein Standesbeamter darf kein Aufgebot oder Trauung versagen, weil von dritter Seite Einspruch dagegen wegen anderweitig bestehenden Verlöbnissen einer der Ehelustigen erhoben ist. Keine Straftat begeht, wer sich, obwohl bereits und noch Ehegatte ist, verlobt. Irrig wäre jedoch, hiernach anzunehmen, das Verlöbnis sei nur sittlich, nicht auch rechtlich von Bedeutung. Verlobte gelten strafrechtlich als Angehörige: Begünstigung eines Angehörigen aber, um ihn der Bestrafung zu entziehen, bleibt straflos. Diebstahl, Unterschlagungen, Betrug, wenn sie gegen einen Angehörigen verübt sind, werden nur auf dessen Antrag verfolgt. Im Zivil= wir im Strafprozeß darf ein Verlobter mit Rücksich. auf den anderen unter Umständen sein Zeugniverweigern. Das Bürgerliche Gesetzbuch knüpft einen im Prozeß erfolgbaren Anspruch auf Eheschließung an das Verlöbnis nicht. Ferner ist, wie das Bürgerliche Gesetzbuch hervorhebt, ein unter Verlobten verabredetes Versprechen einer Vermögensstrafe für den Fall, daß die Eingehung der Ehe unterbleiben sollte, nichtig. Die Erfüllung einer sittlichen Pflicht soll nicht durch Furcht vor drohenden materiellen Nachteilen erzwungen werden. Besser ist ein unbehinderter Rücktritt vor der Hochzeit als Zwang zur Eingehung einer voraussichtlich unglücklichen Ehe. Damit will jedoch das Gesetz keineswegs zi willkürlichem und leichtfertigem Verlöbnisbruck ermuntern: Das ergeben die in ihm festgesetzte: vermögensrechtlichen Folgen des Verlöbnis bruchs. Wer ohne wichtigen Grund von seinem Verlöbnis zurücktritt, hat dem anderen Verlobten in zweifacher Hinsicht Schadenersatz zu gewähren, einmal, insoweit der Schaden dadurch entstanden ist, daß der andere Teil in Erwartung der Ehe Aufwendungen gemacht hat oder Verbindlichkeiten eingegangen ist. Hierher gehören insbesondere die für das künftige eheliche Heim gemachten Anschaffungen, sodann insowett der andere Teil den Schaden dadurch erleidet, daß er in Erwartung der Ehe sonstige, sein Vermögen oder seine Erwerbsstellung berührende Maßnahmen getroffen, zum Beispiel die Stellung als Schauspielerin, Lehrerin, Verkäuferin aufgegeben oder mit Rücksicht auf die Verlovung ein Stellenangebot ausgeschlagen hat. Auch die Eltern des nicht zurücktretenden Veriebten sowie drittc, die an Stelle der Eitern gehande!t haben, wie Pflegeeltern, Verwandte, Freunde, dürfen verlangen, daß der ihnen erwachsene Schaden der erstgedachten Art ersetzt wird. Allen diesen Ansprüchen kann der zurücktretende Teil nur entgehen, wenn er beweist, daß für ihn ein wichtiger Grund zum Rücktritt vorag. Beweist er überdies, daß ihn der andere Verlobte durch ein Verschulden, das einen wichtigen Grund für den Rücktritt bildet, zum Rücktritt veranlaßt hat, so steht ihm und seiner Sippe ein Schadenersatz in obigem Umfange u. So wird das Gesetz verhindern, daß ein eil, um den mit dem ungerechtfertigten Rückitt verbundenen Nachteilen zu entgehen, es trauf anlegt, durch sein Verhalten den andeen Teil zum Rücktritt zu veranlassen. Der Schadensanspruch ist zwar übertragbar und vererblich, es sind ihm aber, um zu verhüten, daß ein Verlöbnisbruch zu unsauberen Machenschaften ausgenutzt wird, wie dies namentlich in England nicht selten geschieht, enge Grenzen gezogen. Einen etwaigen Schaden für das Fortkommen desjenigen, der der passive Teil!" bei Abbruch des Verlöhnisses gewesen ist, berücksichtigt das deutsche Gesetz daher nicht, ein Abfindungsanspruch ist ihm unbekannt, und es bestimmt ausdrücklich, daß der Schaden nur soweit zu ersetzen ist, als die Aufwendungen, die Eingehungen der Verbindlichkeiten und die sonstigen Maßnahmen den Umständen nach angemessen waren. Auch verjährt der Anspruch binnen zwei Jahren nach Auflösung des Verlöbnisses. Was Verlobte einander geschenkt oder — wie die Ringe— zum Zeichen des Verlöbnisses getan haben, kann nach Auflösung des Verlöbnisses nur der nicht zurückfordern, der wider Treu und Glauben die Eheschließung vereitelt hat. Dieser hat zurückzugeben, aber nicht zurückzufordern. Trennt der Tod die Verlobten, so ist die Rückforderung regelmäßig ausgeschlossen, es sei denn, daß ein anderer Wille bei der Zuwendung erkennbar gewesen. Eine letztwillige Verfügung, durch die ein Verlobter den anderen bedacht hat, ist unwirkGegen die„Schlankheitstyrannei der Frauenmode Die Gefahren der geraden Linie um jeden Preis Schlafe süßer Knabe Schlafe, süßer Knabe, Mir am Busen ein! Wohl mir, daß ich habe Dich, mein Bübelein! Unter diesem Herzen, Bübchen, trug ich dich! Hier an diesem Herzen Bübchen, säugt ich dich. Kühle Weste dringen In den Busch hinein. Kleine Vögel singen Ihre Jungen ein. Bübchen, es erschallet Mein Gesang für dich; Bübchen, es umwallet Meine Loche dich. In dem warmen Neste Liegt das Vöglein weich, In dem Schirm der Aeste, Unterm Blütenzweig. Sanfter Schlummer labe Dich in meinem Arm! Ruhe, süßer Knabe, Ruhe weich und warm! Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. 1784. sam, wenn das Verlöbnis vor dem Tod des Erblassers aufgelöst worden ist, es müßte denn anzunehmen sein, daß der Erblasser sie auch in diesem Falle getroffen haben würde. Da es nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch zur Verlobung keiner Form bedarf, so wird oft schwer erkennbar sein ob ein Verlöbnis vorliegt. Auch bei einem Paar, das vor aller Welt näher miteinander verkehrt, kann es sich sehr wohl nur um ein Flirten, eine Liebelei handeln. „Tut keinem Dieb nur nichts zu Lieb, als mit dem Ring am Finger“, heißt es im„Faust“. Läßt sich aber eine Braut dennoch zur Selbstvergessenheit hinreißen und wird das Verhältnis später gelöst, sei es von ihr wegen eines Verschuldens des andern Teils, das einen wichtigen Grund für den Rücktritt bildet, so kann sie auch wegen der erfahrenen Minderung ihrer Ehe und ihres Rufes eine billige Entschädigung in Geld verlangen, sosern sie bieher unbescholten war. —12— In einer norwegischen Zeitschrift beschäftigt sich die dänische Aerztin Dr. Britta Werner mit den Auswüchsen der Frauenmode der letzten Jahre, die„Schlankheit um jeden Preis“ vorschreibt, und den Folgen, die die künstliche Herbeifühung der„geraden Linie“ für das weibliche Geschlecht hat, bezw. haben hann. Die gerade Linie, so sagt die genannte Aerzti, wird sklavisch von allen Frauen und Mädchen angestrebt. Damen in jedem Alter „rollen“ jeden Morgen 20 Minuten und länger auf dem Fußboden, um dieses Ideal zu erreichen. Man glaube nun aber nicht, daß ich Propaganda für das„Schwergewicht" machen will, zumal ich täglich sehe, was eine vernünftige Ernährungsphysiologie ausrichten kann. Aber gerade darum rufe ich den Frauen und jungen Mädchen zu: Vorsicht vor einer Damenmode, die euch zwingt zu hungern! Wogegen ich ganz besonders bin. das ist die uniforme Schlankheitstyrannei, die fordert, daß alle— in jedem Falle alle modern gekleideten Frauen— gleich mager, gleich unnatürlich gerade sein sollen, ohne jedweden Ansatz zu einer Rundung. Man vergißt dabei vor allem, daß das Weib andere Lebensaufgaben hat, als schlank und modern zu sein. Es gibt noch immer viele Frauen, die Kindern das Leben geben sollen, und ständig wächst die Zahl verjenigen, die auf dem Arbeitsmarkte sowohl Muskel=, wie Nervenkraft brauchen! Diesen ihren Aufgaben können sie jedoch nur dann gerecht werden, wenn sie sich durch eine Ernährung, die nach der Ernährungsphysiologie als notwendig betrachtet werden muß und die für jeden einzelnen Menschen so individuell bestimmt ist, daß der Gedanke einer uniformen, alle Frauen in allen Himmelsrichtungen und Lebensverhältnissen umfassenden Schlankheit von vornherein uniöglich gemacht wird,„in Form halten“. Im folgenden führt die Verfasserin aus, daß sie in den letzten Jahren ganze Sammlungen von führenden Modezeitungen Deutschlands, Frankreichs, Englands und Amerikas und einen großen Teil der Literatur über Gesundheit, Schönheit und Schlankheit studiert und allenthalben die gleichen Forderungen gefunden habe: die gerade Linie. Sie habe die diesen Zeitungen und Büchern beigegebenen Bilder— vielfach Photographien bekannter Schauspielerinnen vom Theater und Film— einmal einem bekannten Wiener Frauenarzte gezeigt, der ihr u. a. gesagt habe: „Betrachten Sie einmal den sehnsüchtigen Ausdruck der Augen all dieser„Schönen“, diesen träumerischen Schimmer, der in der Tat das einzige Weibliche ist, das diese Modesklaven vom halbwüchsigen Burschentyp noch an sich haben: dieser sehnsüchtige Ausdruck, dieser träumerische Schimmer kommt vomHunger. Ich kenne dieses von den Zeiten der schweren ngersnot in Wien sehr genau. Diese Frauen die Kleider tragen, die ein Vermögen kosten. sind ständig hungrig; das Sehneninihren [Augen ist der Traum vom Essen!" Sie selbst habe leider dem Wiener Arzt recht geben müssen, um so mehr, als sie in den genannten Zeitschriften und Büchern auch gelesen habe, was die Schlankheitstyrannen dem modernen Weibe an täglicher Nahrung gönnen. 300 bis 500 Gramm Nahrungsmittel sei alles. was ein Weib danach zu sich nehmen dürfe, eine Menge, die sicher genüge, um in kurzer Zeit jschlank zu werden, jedoch auch absolut dazu führen müsse, daß dasselbe in kurzer Zeit auch abgezehrt aussieht!“ Wenn man wirklich, so sagt die dänische Aerztin zum Schluß, anfängt zu schwer oder zu dick zu werden, kann jeder Arzt leicht Abhilfe schaffen, sobald er durch Untersuchung einen Einblick in die allgemeine Körperkonstitution M A * r e ST S•gs ** SSäS5eS 0 BESun S%50 S S 85 S## ## S 8m E8 S S• Soseög„SSpSSBASOESESSTUSSSZPSSBS S. S WARUANANZUZLUOG 65N5 DANDASAUEZRGGRAESS Szu5S S1.9 895- S0S 88 S See S 5 S## SSEE u Eenzsn 5 22 Se E 8 5 a SPSInL. RTSSOPBLEESEEP" STOgMUTOPSEBVoSagggosnse BChhhn,-SOaSARD.S 5RR 2 9E 8.5 und die individuellen Forderungen, die sich aus dieser herleiten, erhalten hat. Nicht jede Körperkonstitution verträgt ein längeres Fasten oder gar Hungern, ja nicht einmal ein solches während einer bloß eingeschränkten Zeit. Richtet eine Frau sich aber nach den Anweisungen und Speisezetteln der Modepropheten, dann wird und muß sie sehr bald die Folgen spüren: Die Nerven leiden in jedem Falle, der Stoffwechsel wird gestört, Blutarmut und eine absolut verminderte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit sind unausbleiblich die weiteren Folgen. Die Frau, so schließt der Warnungsruf der dänischen Aerztin, die ihre Gesundheit wegen einer Modedummheit, einer Laune der Mode zerstört, wird vielleicht wirklich schlank, schön aber kann und wird sie unter keinen Umständen werden. —— Der Komfort des Krankenzimmers Der Komfort des Kranken ist kein überflüssiger Luxus, sondern eine Notwendigkeit: der Komfort umfaßt alle Maßnahmen, die dem Kranken während der Krankheit sein Dasein erleichtern und ihm seine Lage so angenehm wie möglich gestalten. In erster Linie gehört dazu ein behoglich und freundlich ingerichtetes Krankenzimmer. Zum Aufenthaltsraum für den Kranken bestimmt man, wenn man in der glücklichen Lage ist, zwischen mehreren Zimmern wählen zu können, am besten ein helles, luftiges, geräumiges und ruhig gelegenes Zimmer und stattet es im Rahmen der gegebenen Verhältnisse mit allem aus, was das Gemüt des Kranken zu erheitern und seine niederdrückende Gedanken zu bannen vermag. Auch unter bescheidenen Verhältnissen kann die liebende Fürsorge der Umgebung die einfachste Stube zu einem behaglichen Aufenthaltsort für den Kranken umgestalten. Da bekanntlich die äußere Umgebung von dem allergrößten Einfluß auf die Stimmung eines jeden, ganz besonders aber eines Kranken ist, so müssen die Farben, die an den Wänden und in der Zimmereinrichtung vorherrschen, Beachtung erfordern, dunkle Farben stimmen trübe, allzu grelle oder übermäßig bunte machen reizbar und nervös; am geeignetsten sind die zarten, blassen Farbentöne rosa, hellblau und grünlich. Sogar die Muster der Tapeten sind nicht gleichgültig, einfache kleine Darstellungen sind großen, komplizierten oder gar fratzenhaften Darstellungen vorzuziehen, da diese den Kranken ängstigen und ihm besonders im Halbdunkel Schreckbilder vortäuschen. Das gleiche gilt auch von den Gardinen, Fenster= u. Türvorhängen, soweit man diese überhaupt im Zimmer behält; denn Vorhänge, Teppiche, überhaupt alles, was Schmutz und Staub in sich aufnimmt, gehört nicht ins Krankenzimmer. Glaube, Hoffnung, Liebe Glücklich, der auf dieser Pilgerreise Lebt im wahren Glauben durch die Tat, Allen nützend, fromm, gerecht und weise Und den Blick nach ihm gerichtet hat; Bleibt er so getreu, dann ist beschieder. Einst auch dort wie hier ihm Glück und Frieden. Hin nach oben richte deine Blicke, Oben ist allein dein letztes Ziel— Fest vertraue, ob auch das Geschicke Feindlich treibt mit dir gar arges Spiel; Nicht erzitt're ob der Stürme toben, Unverzagt und mutig schau' nach oben. Nimmer wanke, wenn dein Vater sprich. Gutes Kind, nein, ich verlaß dich nicht! Leichter ist's, die Sonne zu berauben Ihres Lichts, als nicht zu lieben und Einst beglückt zu werden; denn die Liebe Bindet mit der Hoffnung, mit dem Glauben Ewig fest den schönsten Friedensbund. Der Kranke, der zu tagelangem, beständigem Hinblicken auf ein und dieselbe Stelle der Wand verurteilt ist, muß im Zimmer Gegenstände finden, die einigermaßen seine Aufmerksamkeit erwecken. Wenn daher der Zustand des Kranken es irgend. gestattet, soll man Bil der an die Wand hängen. Diese müssen deutlich erkennbare Zeichnungen haben und so hängen, daß sie vom Bett aus bequem gesehen werden können. Dann darf man im Krankenzimmer niemals die Blumen vergessen. Nach dem Wort eines berühmten Arztes gehören sie ebenso zur Behandlung wie die Arznei. Die Befürchtung, starke Blumendüfte könnten dem Kranken schaden, läßt sich durch die Verwendung nicht stark duftender Blumen vermeiden. Wo abgeschnittene Blumen, Blumensträuße und Buketts im Krankenzimmer aufgestellt werden, ist darauf zu achten, daß sie nur kurze Zeit im Zimmer bleiben und daß das Wasser, in dem sie stehen, mehrere Male erneuert wird; denn bekanntlich verbreiten angeschnittene Blumen nach einiger Zeit einen lästigen und unangenehmen Geruch, und in dem Wasser, in dem sie aufbewahrt werden, entwickeln sich schnell niedere Organismen. Zum ständigen Aufenthalt sind die grünen Topfgewächse und Schlingpflanzen am meisten zu empfehlen, da sie, ganz abgesehen von ihrem erfreuenden Anblick, die Zimmerluft verbessern. für den Kranken nicht eine Quelle der Unruhe bilden. Ferner muß man mit dem Kranken natürlich und deutlich sprechen und das Dämpfen und Verstellen der Stimme unterlassen; alles, was im Krankenzimmer vorgeht, muß offen u. vor den Augen des Patienten vor sich gehen; strenge zu vermeiden ist das Flüstern und Tuscheln, da der Kranke stets meint, es sei von ihm und seinem Zustand die Rede. Zum Komfort des Krankenzimmers gehört auch die peinlichste Reinlichkeit und Sauberneit. und zwar muß die Reinigung des Zimmers nicht durch Abklopfen mit einem trockenen Tuch oder durch Abstauben mit einem Besen. sondern durch Abwischen mit einem feuchten Lappen geschehen; auch der Fußboden muß feucht aufgenommen, nicht etwa nur ausgekehrt werden. Große Sorgfalt ist auch auf die Lufterneuerung, die durch häufiges Oeffnen der oberen Fensterflügel zu geschehen hat, zu verwenden; eine gule Krankenzimmerluft ist immer daran zu erkennen, daß sie niemals riecht. Auch die Temperatur des Krankenzimmers verdient sorgsäitige Beachtung; im Zimmer von Erwachjenen sou sie durchschnittlich 15 bis 17 Grad Celsius, von Kinder 12 bis 14 Grad betragen, bei fiedernden Kranken kann sie geringer sein. Sie kann des Nachts etwas kühler sein, doch ist es wünschenswert, daß sie im ganzen wenig schwankt. Im Krankenzimmer muß Ruhe herrschen, u. besonders darf das Verhalten der Umgebung Der Durchbruch der Milchzähne In normalem Zustand besitzt der Mensch in den ersten Monaten seines Daseins keinen Zahn. Im fünften bis achten Monat erscheinen die ersten Zähne, und zwar die mittleren oder großen Schneidezähne. Ihnen folgen im achten bis zwölften Monat die seitlichen oder kleinen Schneidezähne. Im zwölften bis sechzehnten Monat erscheinen die ersten Bakkenzähne, Mahlzähne genannt. Am spätesten, und zwar im sechzehnten bis zwanzigsten Monat, kommen zwischen den letztgenannten Mahlzähnen und den seitlichen Schneidezähnen die Eckzähne vor. Nicht selten geschieht dieser Durchbruch der Milchzähne mit erheblichen Störungen im Allgemeinbefinden des betreffenden Kindes. Manche Mutter wird sicher von durchwachten Nächten erzählen können, die ihr der erste Zahn ihres Lieblings verschuldet hat. Eine leichte Entzündung ist fast stets Begleiterin einer Zahnung. Es wird dadurch in dem Kinde der Hang wachgerufen, irgend einen festen Gegenstand in den Mund zu stecken, gleichsam um durch einen Druck mit ihm auf das entzündete Zahnfleisch dem Hervordrängen eines Zahnes Widerstand zu leisten. Zur Erleichterung dessen sind Zahnringe, Lutschpfropfen im Handel, die leider in den meisten Familien in Benutzung sind. Daß diese Gegenstande den Kindern zum größten Verhängnis werden können, ahnen die wenigDie Heimkehr Skizze aus dem Mittelalter von Franzisha Frankel. Luisa, die vom Markte gekommen, wo sie einen großen, si tagsmahlzeit ers Diele ging, laus Aus der Tischl ilberglänzenden Fisch zur Mitrstanden, blieb, als sie über die schend stehen. lerwerkstatt, in der ihr Verlobter Barthold arbeitete, erklang ein Lachen, das sie kannte. Keine der Frauen im Städtchen lachte auf eine so kecke, aufreizende Weise. Dieses Lachen, das trällernd bis in die dünnste Höhe stieg, hatte nur Myrrha, die Fremde, die aus fernen südlichen Landen bis in die kleine nordische Stadt verschlagen war. Luisa wurde sehr blaß, als sie da stand und der Lachstimme lauschte. Ihr längliches, ernstes Gesicht erschien plötzlich um Jahre gealtert, als sich ein Zug des Grams um ihren Mund legte. Wieviel hatte ihr Herz schweigend gelitten und getragen, seit dieser dunkle Lockenkopf mit den flachernden, heißen Augen hier aufgetaucht u. mit girrendem Geplapper ihrem Bräutigam, dem Barthold, Herz und Sinn verdreht. Sie hatte schweigend zugesehen, wie es zwischen ihnen mit Scherzen, mit Neckerei und Balgerei und Albernheit begonnen. Sie hatte ahnend das Aufzüngeln der kommenden Flammen gespürt. Sie wußte, es war die schmale, knabenhafte Gestalt Myrrha's mit dem kühnen, braunen Gesicht, die Barthold in seinen Träumen sah. Sie wußte, wenn er aus dem Fenster schaute, blickte er nach Myrrha aus, wenn er auf einen Schritt draußen lauschte, war es der Schritt! Fremden, nach dem er sich sehnte. Luise s#uszte.— Sie stand so kalt und blaß da im Sonnenlicht, und aus dem Dielenboden lag ihr Schatten, schwarz und traurig. Fünf Jahre waren es nun schon, seit sie Barthold liebte. Vor fünf Jahren war er durchs Stadttor gel. men und in ihres Vaters Tischler=Werk eir reten. Er hatte sich bald als so geschickt im undwerk erwiesen, daß der Meister ihn sorglos selbst die Aufträge der hohen Herren vom Rat, die er sonst stets selbst bediente, ausführen ließ. In diesen Jahren in denen in der Werkstatt der Geselle hobelte und polierte, hatte die ernste Luisa im Hause das Singen gelernt und das Lächeln. Nicht das Lächeln, wie es Myrrha um die blühend roten Mundwinkel hatte, sondern das Lächeln, das wie ein Schein von Abendsonne über ein Gesicht gehen kann. Nach zwei Jahren war der Barthold fortgewandert, auswärts sein Meisterstück zu machen, einen wunderbaren Schrank. dessen Türen in Fächer eingeteilt waren, von denen jedes ein anderes Schnitzwerk darste! e, aus Szenen. die der biblischen Geschichte ennommen. Nach zweijähriger Abwesenheit war der Barthold zurückgekehrt und hatte wieder Dienst getan in des Vaters großer Werkstatt. Und da endlich hatte sich Luisas langes Lieben und Harren mit Erfolg gekrönt. Barthold warb um ihre Hand. Und Luisa war eine stille und glückliche Braut bis zu dem Tage, da das böse Schicksal die Fremde bis an die Schwelle trieb. Der Fisch in Luisas Korb machte eine zuckende Bewegung und krümmte sich zusammen. Mitleidig sah Luisa auf ihn hinab und schickte sich an, in die Küche zu eilen, um ihm den Gnadenstoß zu geben. Aber als sie schon den Fuß auf die erste Treppenstufe gesetzt, zog sie etwas zurück, zog sie wie an einem unsichtbaren, aber starken Band zur Tür der Werkstatt, die im oberen Teil ein kleines Guckfensterchen hatte. Und als sie so stand und hineinschaute, begann ihr Herz auf eigentümliche Weise zu hämmern und zu klopfen. Der Boden schien unter ihren Füßen zu wanken, sich zu öffnen und sie hinabzuschlingen. Drinnen hielt der Barthold in den Armen die braune Myrrha und küßte sich sat: an ihrem Munde. Und auch als er am Fenster das Gesicht der Braut erblickte, konnte er nicht lassen von den lockenden Lippen. Als oben in der Küche die Luisa den großen Fisch schuppte und dessen Silberschuppen aufflogen und niedersanhen, sah es aus, als wären es blanke, erstarrte Tränen. Der Barthold fand am Abend in seiner Kammer auf dem Tisch den goldnen Ring, mit dem sich die Luisa ihm anverlobt und das köstliche. gewebte Tüchlein, daß er der Tochter seines Meisters an dem Tage geschenkt, da er nach zweijähriger Abwesenheit ins Haus zurückgekehrt und im klaren Auge der Luisa gelesen daß ihr Herz Liebe für ihn bewahrte. Jahre waren dahingegangen. Draußen brandete der Krieg und seine Wellen schugen dicht an die kleine Stadt. Im Hause des Tischlers und Bildschnitzers schaltete, noch immer unvermählt, die Luisa als Hausherrin. Ihr Bräutigam Barthold war damals, als sie ihm Ring und Tuch in die Kammer gelegt, ohne Wort und Abschiedsgruß noch in derselben Nacht entwichen. Mit ihm zugleich war die Myrrha verschwunden. Es war ein trüber Sommermorgen, als in die Küche der Luisa eine Nachbarin trat und sagte:„Jungfer, komme Sie mit. Draußen auf dem Galgenberge haben sie eine Richtstatt aufgeschlagen, und der Stadtrichter wird unter dem Galgen den Stab über einen Verurteilten brechen.“ „Sie weiß, Mechthild, ich liebe solche Schauplätze nicht. Ich mag nicht unter den Gaffern stehen, wenn ein aumer Mensch, sei ee auch sten Mütter. Abgesehen von der leichten Empfänglichkeit jener Gegenstände für Schmutz haften gerade an den Gummipfropfen oft zahlreiche Bakterien. Kommen nun diese stark infizierten Ringe, Pfropfen usw. mit den nach Durchbruch des Zahnes entstandenen Verletzungen des entzundeten Zahnfleisches zusammen, so ist eine Uebertragung des an den betreffenden Gegenständen haftenden Krankheitskeimes auf das zarte Gewebe des kindlichen Organismus leicht möglich, nicht allzu selten sind die einer Zahnung folgenden Infektionskrankheiten auf das Kauen an jenen Ringen und Pfropfen zurückzuführen; derartige Gegenstände ihrem Kinde zu reichen, möge daher für jede Mutter eine Warnung sein. Ein Abreiben der Kieferbogen mit einem weichen, in Rotwein getauchten Tuch, Watte oder Schwamm werden dem Kind eine gleiche Milderung verschaffen, wie das Beißen auf einen harten Gegenstand. Die Waschungen können dreimal täglich vorgenommen werden, ohne daß bei einer milden Anwendung eine Verletzung des Zahnfleisches zu befürchten wäre. Ebenso vermag ein mehrfach zusammengefaltetes, in kühles Wasser getauchtes Leinwandläppchen, das oft erneuert werden muß, dem Kind Entzündungen und Schmerz des Zahnfleisches zu mildern. Eine andere nicht seltene Begleiterscheinung einer Zahnung ist der starke Blutandrang zum Kopf; infolgedessen hat das Kind stark gerötete Wangen, zumal auf der Seite, auf der der Zahn durchbricht. Kalte Fußpackungen— jedoch nicht unter 18 Grad— dienen zur Ableitung des Blutandranges. Ferner können Krämpfe, Diarrhöen, heftiges Fieber u. andere für die Erhaltung des Kindes oft bedenkliche Funktionsstörungen Begleiterscheinungen beim Durchbruch der Milchzahne sein. Es ist daher ratsam, bei stärkerem Hervortreten genannter Symptome das Kind in ärztliche oder zahnärztliche Behandlung zu geben, da der zarte kindliche Organismus zur schnellen Verbreitung einer Krankheit vorzüglich geeignet ist. Worte an Dich Nimm doch dein Dasein nicht so schwer Und grüble nicht in stetem Harm. Bald kennst du keine Freude mehr Und machst dich selber krank und arm. Und wenn dich grüßt ein Sonnenstrahl, Dir froh ein Lied entgegenschwingt,— Dann stimmt in dir vor lauter Qual Kein Ton mit ein, der freudig klingt. Krankes Kind Von Lubwig Bäte. Die Luft ist so stickig in dem engen Schlafzimmer. Ich drehe die Nachtlampe an: beinahe zweiundzwanzig Grad. Vorsichtig öffne ich das Fenster. Die Gardine regt sich kaum. Ich ziehe sie zur Seite. So, nun kann wenigstens etwas Luft herein! Der Kleine stöhnt wieder. Wir stehen auf. Das Fieber hält noch an. Die langen, hellen Haare kleben am Kopf, die geballte rechte Hand sucht. immer wieder Bilderbuch und Peitsche, die auch gestern mit ins Bett mußten. Ob wir zum Arzt schicken? Es ist eins, und Gefahr besteht wohl kaum. Die Hitze der letzten Tage, ein wenig Zugluft gestern abend im Wenn dann die Macht dich überrausch:, Dann weißt du nicht, was werden soll. Dein Herz nur dunkler Ahnung lauscht, Und alles ist dir schreckensvoll. Daß dir ein Leid nicht allzusehr Die bange Seele stets bedrückt,— Blick' auf zum gold'nen Sternenmeer, Das immer neu die Welt beglückt. Franz Cingia. Erker, als wir die neueingepflanzten Bethunien begossen. Wohl nicht mehr. Du weißt ja, wie rasch Krankheiten bei den Kleinen kommen und gehen! O diese Glut! Ich öffne die Tür mit schmalem Spalt. Die Gardine kräuselt, ein scharfer, kühlender Hauch streift über die Betten. Die Lampe brennt ruhig mit stillem, grünem Licht fort. Gewiß, das gibt Zug! Ja, sicher! Draußen strömt der Wino aus den blühenden, endlos gestreckten Gärten. Die Wipfel der breiten, gekuppelten Bäume schauern. Manchmal fallen zerrissene Nachtigallenstrophen ins dumpfe, tiefe Brausen. Ein Stern kommt durch. Die Hauswand nebenan leuchtet grell auf. Das schwarze Balkenwerk verlockt zu gewagten geometrischen Konstruktionen. Der halbverbluhte Rotdorn schwellt. Wie schwül mit einem Male der Jasmin an der Gartenhecke duftet! Ein Stöhnen treibt mich auf. Laß nur, ihm war das Bilderbuch von der Decke geglitten. Ich schiebe es wieder unter seine Hand. Sieh, er schläft schon wieder! Ob wir ihm einmal zu trinken geben? Jetzt nicht, laß ihn erst wach werden! Trockne nur ruhig seinen Kopf ab! Erst halb drei? Sicher wird er bald wieder besser werden! Das letzte Mal war's freilich nicht so schlimm, aber da hatten wir auch die strengsten Februartage, die die Glut dämpften. Sicher wird er bald besser! Was sollen wir auch ohne ihn anfangen! Ja, was—k Plötzlich durchzuckt mich der Sinn der belanglosen, tröstend hingesprochenen Redensart! Was ohne ihn beginnen! Zweieinhalb Jahre blitzend blanker Alltag. Lachen in jedem Winkel, freudiger Schein selbst in den finstersten Falten des unentwegt Unzufriedenen. der sich morgens, wenn er mich einige munter stapfende Schritte begleitet, zur Arbeit quält. Mehr noch: Hand, die den goldenen Eimer weiter gibt, Leben aus Tod. Du bist der Wachsende und hast recht. Wir beugen uns vor dir und em Kommenden, das über deinen Jahren nacht. Wir grüßen, was wir nicht sehen verden! Er spricht im Schlaf. Sein Pferd, die Blumen auf der Bleiche, die Post, die er jeden Morgen dem Briefträger abnimmt. Die Backen brennen. So, nun feuchte nur die Lippen an! Der Wind weht kühler. Der Stern erblaßt zusehends. Schon läuft fernes Frühmorgenrot in die weißen, überschneiten Wipfel. Ein Hahn kräht, der Dreiuhrszug schütterte über die Schienen, der Hund nevenan bellt. Schärfer rauscht das Wasser in den Brunnentrog, der Atem der nassen Gartenerde dringt durch den Duft der Bäume. Die Bilder lösen sich bestimmt aus dem farbigen Gerank der Tapete. Der Abguß der Rimini=Madonna neben dem Schrank schimmert opalfarben. Er schläft ruhiger. Der Kopf scheint nicht mehr so heiß. Da zuckt das erste Morgenfeuer auf. Wachsfarben drängen die Schnitzereien an seinem Bett, die Ornamente, der zierliche Engelskopf. vor. Die Geranien im Fensterkasten lodern, die jungen Weinranken um das weiße Gegitter flattern, Wimpel bei frischer Brise. Heilige Morgenfrühe! Tief trinke ich den reinen Tag in mich ein. Aber liegt nicht das Kind krank nebenan? Ich beuge mich mit angehaltenem Atem zu ihm herüber. Die Hände gefaltet sitzt es mit glänzenden, fieberfreien Augen im Bett: „Ob Dossel bald singt?" Glocken läuten. — ein Sünder, vom Richtplatz aus zum letztenmal hinschaut über die Welt.“ „Luisa, es ist einer, den ihr wohl gehannt gehabt in jungen Tagen. Luisa sah fragend auf. „Ich habe den Verurteilten gesehen,“ sagte die Witib.„Es ist wahrhaftig der Barthold, obwohl er kaum wiederzuerkennen ist mit dem grauen Bart und den Augen, vor denen man das Fürchten bekommen kann. „Der Barthold?" flüsterte Luisa und hielt sich zittternd an einem schweren Eichenstuhl fest. „Ich weiß Genaueres,, sagte Mechthild. „Mein Schwager, der mit der Tochter des Stadtvogtes verlobt ist, hat es mir berichtet. Sie haben den Barthold und ein braunes Weib in einer Herberge aufgegriffen. Im Schlafraum hat man am Morgen neven ihnen einen Soldaten tot aufgefunden, erstickt. Der Lederbeutel mit Geld, den man in der Gaststube wohl gefüllt noch am Abend bei ihm gesehen, war verschwunden. Die Myrrha sagte aus, der Barthold, der, wie sie zugab, ihr nicht ehelich verbunden sei, habe den Mord begangen. Der Barthold habe, den Mund zusammengepreßt u. geschwiegen. Man habe beide ins Gefängnis gebracht. Die Myrrha mit ihrer Schlauheit und wildkatzenartigen Behendigkeit sei zur Nacht entwichen. Ihre Spur sei verweht. Der Barthold aber habe weiter geschwiegen und werde, hartnäckig wie er sei, wohl auch unter dem Galgen noch nicht sprechen.“ Mechthild und Luisa eilten durch die Gassen, an der Torwache vorbei, über die Wiesen den sanft ansteigenden Höhen zu. Als sie auf die Richtstätte kamen, war sie dicht umdrängt von Stadtvolk und Bauern, die auf dem Markt u. in den Schenken von der Hinrichtung gehört. Als aber die Luisa den Barthold ansah und in seinen gramdurchfurchten Zügen nach dem jungen Barthold suchte, dem ihre Mädchenträume gehört, wachte die Liebe wieder in ihr auf. Ja— sie war noch um vieles größer und heiliger geworden als zu der Zeit, da sich dem Barthold noch das Haar hellbraun und mutwillig an den Schläfen gekraust. Sie erfüllte das Weib mit so sieghafter Kraft, daß ihr Ruf laut genug war, das Wirbeln der Trommeln zu übertönen Und als Stille geworden auf der Richtstätte, da erklärte die Luisa fest und klar vor allem Volk, daß sie von dem Recht Gebrauch mache, das einer Jungfrau gestatte, den Sünder unter dem Galgen, wenn er auch schon vom Stricke umschlungen, für sich zum Manne zu begehren. Dem Barthold war es wie ein Traum. Er stand nur und starrte die Luisa an, die dicht vor ihn getreten. Und sie soh ihn wieder an. Und die Augen des einen konnten nicht lassen von dem anderen, so daß die beiden Versunkenen gar nicht merkten, wie alles Volk zurückdrängte und nach den vier Windrichtungen zu entweichen begann. „Ich bin kein Mörder, Luisa,“ sagte der Barthold.„Das schändliche Weib hat, während ich schlief, den Soldaten mit ihrem Mantel erstickt. Sein Beutel mit Geld weckte ihre Gier.“ „Glaubst du, Barthold, ich kenne dich nicht? Glaubst du, du mußt dich verteidigen vor mir? Nicht erst an dieser Richtstätte— im Herzen habe ich mich immer dein Weib genannt.“ Um den leidverzogenen Mund des Mannes zuckte es. Er ergriff ihre Hand und hielt sie so fest, wie nur Liebe halten kann. „Es ist wohl Schicksal, Luisa, daß ein Mensch in die Irre getrieben wird. Er kann seinem Der Stab war gebrochen über den unglückseli=Schöpfer danken, wenn es in den Sternen gegen Mann und die Trommeln begannen zutschrieben steht, daß er noch einmal heimfinden darf wie ich zu dir.“ Die Geliebte der Herzogin Eine blutarme, bildhübsche junge Sängerin it es zu frühem Ruhm gebracht, wegen ihrer en, auch wegen ihres makellosen Rufes wird sie in der vornehmen Welt verzogen. Da fallen auf sie die Augen des regierenden Fürsten, sie verehrt ihn. sie bewundert ihn, aber sie hält ihm stand. Jahraus, jahrein, obwohl er(und auch andere) seinen beängstigenden Gesundheitsverfall ihrer Härte zur Last legen, obwohl er damit droht, seine segensreiche Regierung niederzulegen. Kriegsdienste in Rußland anzunehmen, sein Land allen Nachteilen einer Regentschaft auszusetzen. Zeitweise verläßt sie die Residenz, er schreibt ihr bewegte Briefe, sie schickt sie zuruck. Endlich erzwingt er eine Aussprache, sie kann sich seiner Leidenschaft nicht länger versagen, die stille halte Herzogin, die in Scheinehe neben dem genialen Gatten lebt, gibt nicht nur ihre Zustimmung, sie fördert das Verhältnis, und die tugendhafte junge Künstlerin sinkt in die fürstlichen Arme.— In einem Roman wäre dies füßlichster, veraltetster Kitsch; selbst unsere beliebteste und belächelte Romanschreiberin würde sich kaum auf dergleichen einlassen. Anders jedoch, handelt er sich um wirkliche Schicksale, um geschichtliche Gestaiten, und tatsächliche Erlebnisse schildern die erst jetzt aufgefundenen Erinnerungen der Karoline Jagemann, der späteren Frau von Heygendorf, der Geliebten des Herzogs Karl August von Sachsen=Weimar.(Herausg. von Prof. E. Bamberg, Sibyllen=Verlag, Dresden, 1926). Die romantische rührselige Geschichte ist durchaus verbürgt. Aeußerungen der verschiedensten bekannten Zeitgenossen bestätigen die Darstellung der Karoline; daran ändert nichts der leichte Anflug von Puder und Schminke. Den meisten von uns war nur ihr Name, waren nur ihre Goethe manchen Aerger bereitenden„Bühnenintriguen" bekannt. Dieses landläufige Urteil wird durch dieses neue Memoirenwerk in verschiedenen Punkten berichtigt, das Wesen und die Wirksamkeit der Karoline erscheinen in einem günstigeren Licht. Allerdings hat sie den Großen nicht im geringsten verstanden, allerdings ging sie ihm auf die Nerven; unbewußt stand wohl, eifersuchterregend, Karl August zwischen den beiden. Trotzdem ein gepflegter Umgangston.„Schöne und teuere Freundin“ lautete die Anrede der Goetheschen Briefe. Unterhaltende Streiflichter fallen auf das damalige Weimar. Im Theater saßen auf dem Balkon die Adligen links, rechts die bürgerlichen Honoratioren, die Hälfte der Galerie muude den Diensthoten zugewiesen.