5. 32—4 F. S * bgs ES•SS, an Sosgg B* 8 5 2 6n * 2 F * S 85-83e 2Srnk RS S SPGDSE 23889.57 Sa.„ 25 nSSAIER" F assssF## 883515g SR Sa 333%5 33öN 37 5n S Lesag 225 ie,#s, Se. 52-SAEEE-LEE REEEE — — ersten Jahren der Regierung Ludwigs 16. ein Friseur nach, der damals ebenso umwälzend wirkte wie heute Herr Antoine. Léonard, der Hoffriseur der Königin Marie Antoinette, trachte die hochgetürmten Frisuren auf, die, mit Drahtgeflecht und kleinen Kissen gestützt, schließlich von weißen Straußfedern gekrönt wurden, und die die Gestalt einer Dame tatsächlich um ein halbes Meter größer erscheinen lassen konnten. Er wurde der Abgott der Pariser Damenwelt, die nur von ihm frisiert sein wellte, und die Ehemänner verwünschten sein Andenken ebensosehr wie die Strauße, denn man rupfte ihnen zehn Jahre lang gehörig viele weiße Federn aus. Die Revolution machte diesem Unfug ein Ende; sie fegte die hohen Frisuren hinweg und nahm hierbei auch vielfach den ganzen Kopf mit, was dem Friseurgewerbe erheblichen Eintrag tat. □ Ist küssen gefährlich? Küssen ist immer gefährlich. Es können daraus die schwierigsten Folgen entstehen. Unter Umständen sogar eine Heirat. Die Frage ist also eigentlich überflüssig Dennoch ist sie von einer amerikanischen Filmzeitschrift gestellt worden. Der Zeitschrint war es in erster Linie darum zu tun, feststellen zu lassen, ob und in wie weit das Küssen gesundheitsschädlich sei— wegen der Bakterien u. a. Und so wandte sie sich an verschiedene weibliche Filmstars, in der Voraussetzung, daß diese in bezug auf das Küssen wohl über die größten praktischen Erfahrungen verfügen müßten. Das mag stimmen, denn aus den Antworten ging hervor, daß auch nicht eine der Filmdamen aus gesundheitlichen Gründen irgendwelchen Anstoß am Küssen genommen hatte. Sehr temperamentvoll antwortet Priscilla Dean: Ob Küsse gefährlich sind vom hygienischen Standpunkt aus? Das hängt ganz davon ab, wer küßt. Persönlich bin ich davon überzeugt, daß ein wirklich glühender Kuß, ein Kuß mit dem richtigen„Avec“, imstande sein müßte, alle Arten von Bakterien unschädlich zu machen, ausgenommen natürlich den Liebesbazillus, der an sich gefährlich genug sein kann. Vorsichtig und schalkhaft meint Viola Dana: Ich weiß nicht, od Küssen für die Gesundheit geführlich ist. Aber... ich bin auch nicht neugierig! Am besten findet sich Lilian Gish mit dem Problem ab. Sie sagt: Offen gestanden, ich habe noch niemals über die vielleicht gefährlichen Folgen eines Kusses nachgedacht. Aber, wäre das Küssen vom hygienischen Standpunkt aus noch so gefährlich, ich glaube doch, daß sich niemals zwei Menschenkinder davon abhalten lassen werden, einander zu küssen. Lilian hat recht. Man soll so delikaten Sachen, wie es das Küssen nun einmal ist, nicht mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zu Leibe gehen. Nie ist die Theorie so grau gewesen, wie beim Küssen, wo alles nur auf die Praxis ankommt. —.— Schonung des Wernzeuges. Bei dem heute so teueren Werkzeug, das im Haushalte Verwendung findet, ist Schonung und Pflege jetzt besonders am Platze. Für alle Werkzeuge, die aus Stahl hergestellt sind, wie Bohrer, Stemmeisen, Zangen usw. gilt, daß man sie nicht verrosten läßt. Wenn ein in den Gelenken bewegliches Werkzeug, wie zum Beispiel eine Schere, schwer geht, so beseitigt man den Uebelstand leicht mit einem Tropfen Oel. Eine gute Schere leidet sehr darunter, wenn man damit Pappe schneidet. Zweckmäßiger verwendet man meistens Messer und Lineal, wodurch man überdies gerade Schnittflächen erhalten kann. Soll ein widerspenstiger Korken mit einer Scherenspitze oder einem Gabelzinken herausgezogen werden, so bricht man dabei nur zu leicht die Spitze ab. Gute Tischmesser solkte man nie zum Spalten und Zerkleinern von Holz benutzen, weil sie zu leicht schartig werden und sich das Heft lockert. Reinigen von Kokosläufern. Schmutzig gewordene Kokosläufer klopft man zunächst tüchtig aus und besprengt sie mit einer Gießkanne. Hierauf breitet man die Läufer aus und läßt sie einige Minuten liegen. Dann säubert man sie völlig, indem man sie mit einer scharfen Bürste, die man in Sodawasser taucht, bearbeitet. „Streicht eure Küchen bien ant! ist der Rat, den ein englisches Blatt seinen Leserinnen gibt. Denn die blaue Farbe übt auf die Fliegen einen derartigen Eindruck aus, daß sie, wie Versuche ergaben, einen blauangestrichenen Raum mit allen Zeichen der Angst verließen. Zwei französische Insektenforscher hatten bei ihren Untersuchungen über die Zusammensetzung des Fliegenauges herausgefunden, daß dieses Auge nur die weiße Farbe aufzunehmen vermöge, daß dagegen die blaue Farbe die Fliegen aus unbekannten Gründen eine an Schrecken grenzende Abneigung hervorrief. Die beiden Forscher hatten dies dadurch festgestellt, daß sie in einen mit blauen Gläsern versehenen Raum durch einen Spalt in der Türe einen weißen Lichtstrahl fallen ließen. Dann wurden Fliegen in diesen Raum gelassen, die zunächst höchst unruhig und angstvoll umherflogen, bis sie sich schließlich auf das weiße Licht stürzten, um so den Ausgang zu gewinnen. So kamen die Gelehrten zu dem Schluß, daß die blaue farbe der beste Schutz alles dessen sei, was aus Reinlichkeitsgründen von Fliegen nicht beschmutzt werden solle. Die Küchen mancher Krankenhäuser in England sind bereits in blauer Farbe gehalten, und erst kürzlich hat Argentinien ein Gesetz verordnet, daß alle Molkereien und Räume, in denen Milch aufbewahrt wird, in blauer Farbe angestrichen werden sollen. Lampenuntersätze. Fast alle Petroleumlampen haben die unerfreuliche Angewohnheit, auf den Plätzen, wo sie regelmäßig stehen, Ränder, oder auf den Decken, die empfindlich sind, Druckstellen zu verursachen. Dem helfen Decken aus farbigem Tuche ab, die in Form großer Mohnblumen, Stiefmütterchen, Vergißmeinnicht usw. geschnitten und teils bemalt, teils bestickt werden können. Böntsseche Sind Blutfleche in Taschentüchern, Wäsche oder Wollsachen enthalten, so unterlasse man es, sie sogleich mit Seife einzureiben. Sie werden durch dieses Verfahren fast untilgbar. Leinenzeug weicht man zuerst in Regenwasser ein und, wenn dieses nicht möglich ist, in leichtes Sodawasser. Mit Hilfe von Schmierseife lassen sich dann die Blutflecke leicht auswaschen. Bei Wollstoffen genügt ein kürzeres oder längeres Einweichen in Regenwasser, das mehrfach erneuert werden muß. Sind die Stoffe farbecht oder weiß, so läßt man ein Stückchen Jodkalium auf dem Fleck zerschmelzen und wäscht ihn dann mit lauwarmem Wasser aus. Bei gefärbten Stoffen benutzt man eine warme Kochsalzlösung, in die man den Fleck so lange einzaucht, bis sich das Blut löst. Eingedrückte Stuhlsitze. Das Geflecht der Stuhlsitze drückt sich im Laufe der Zeit ein, wodurch der Stuhl ein unschönes Aussehen erhält. Diesen Uebelstand kann man leicht beseitigen, indem man das Geflecht auf der unteren Stuhlseite mit Seife abwäscht und darauf den Stuhl, die untere Seite nach oben gekehrt, der prallen Sonne zum Trocknen aussetzt. Die eingedrückten Stellen verschwinden sehr bald, der Sitz wird wieder glatt und fest. Ein Bestreichen des Stuhlgeflechtes mit Rohrstuhllachk gibt ihm ein vollkomneues Aussehen. Stenungen eingeführt. Die eine mit Namen Jakowlewa wird mit dem Titel Kapitän die Führung eines Schiffes übernehmen—, der erste derartige Fall im Gebiet des Rätebundes. Die ändre mit Namen Korschigina hat die Schiffbauabteilung absolviert und erhält eine Anstellung auf einer staatlichen Werft. Hausarrest für 60 Bubiköpfe. Aus Calgary(Kanada) wird berichtet, daß letwa 60 junge Mädchen, die in einem Krankenhause einen Krankenpflegerinnenkursus durchmachten, sich entgegen den Vorschriften des Hauses einen Bubikopf schneiden ließen. Die Leitung des Krankenhauses hat jetzt verfügt, daß die jungen Mädchen drei Monate lang nicht ausgehen dürfen, solange, bis die Haare wieder lang sind. Kleiderluxus im Mittelalter. Im 15. Jahrhundert war der Luxus in Kleidern so groß, daß ein Verbot ausging, keine Dame sollte bei einem Turnier mehr als vier gestickte und mit Perlen und Edelsteinen besetzte Kleider tragen. Damals ging die Putzsucht der Damen so weit, daß sie noch die heutige Mode, die Hauskleider, Straßenkleider, Gesellschaftskleider, Morgen= und Abendkleider kennt, überbot. An bestimmten Tagen und bei bestimmten Festlichkeiten wechselten die Damen ihre Kleider währeno des Festes. Jede Stunde erschienen sie wieder mit einem anderen Kleide auf der Bildfläche. Und um aufzufallen und Variation zu haben, wurden die Landestrachten bevorzugt. Man erschien in spanischer. dann in deutscher, später in italienischer und ungarischer Tracht. Alle Verbote haben nichts genützt. Erst eine neue Mode schuf Wandel. Benehmen bei Krankenbesuchen. Dein Besuch sei kurz. Oft sucht sich der Kranke stärker zu zeigen, als er ist, oder er ist sich selbst im Augenblick nicht bewußt, daß ein Besuch ihn aufregt. Sprich mit dem Kranken nur von erfreulichen und erbaulichen Dingen. Sage ihm nicht, daß du ihn sehr schlecht aussehend findest und laß ihn vor allem nicht merken, daß du seine Krankheit für gefährlich hältst. Höre seine Klagen teilnehmend an, wenn er seine Krankheit umständlich erzählt. Sprich nicht geringschätzig von seinem Arzte und von dem von diesem eingeschlagenen Heilverfahren. Verabschiede dich herzlich aber kurz. Alte Anekdote. Zwei Männer begleiten eine trauernde Witwe zum Begräbnis ihres verstorbenen Mannes. Da sprach der eine:„Gebt Euch zufrieden, Ihr wisset, mein liebes Weib ist auch gestorben, wir könnten nun ein Paar werden.“„O!“ gab sie zur Antwort,„es ist viel zu spät, daß Ihr Euch angebet, denn ich habe mich schon einem anderen versprochen.. als mein Mann noch lebte.“ — Aus dem Engen und Weiten Zum Witwenproblem in Indien. Die letzte Volkszählung in Indien ergab bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 300 Millionen 28 420000 Witwen. Darunter befanden sich 335000 Kinder unter fünfzehn Jahren, 112000 unter zehn Jahren, 17.000 unter 5 Jahren und 1000 Kinder, die noch keine zwölf Monate alt waren. Aus religiösen Gründen darf keine von all diesen Frauen und Kindern sich wieder verheiraten. Auf einer Versammlung, die die Frauen von Bombay kürzlich als Protest gegen das selbst für tropische Verhältnisse laußerordentlich ausgedehnte Bordellwesen in dieser Stadt abhielten, wurde denn auch auf die Notwendigkeit einer Reform der indischen Sitten hingewiesen. Das Witwenproblem bedarf dringend der Lösung, wenn man zu gesunden Verhältnissen gelangen will. Viel mehr als die Verhinderung der früher üblichen Verbrennung der Witwen zugleich mit den gestorbenen Gatten haben die Engländer bisher nicht erreicht. Zulassung von Frauen zum Seewesen Räterußlands. Am 8. März, dem internationalen Feiertage der Arbeiterin, wurden zwei in der Technischen Seeschule in Odessa ausgebildete Frauen in feierlicher Weise auf Posten in der russischen Handelemarine ernannt und in ihre neuen Daheim, 62. Jahrg. Nr. 28. Der Roman„Weltenbrand“ von K. A. v. Laffert bringt in seiner ersten Fortsetzung, die z. T. im Aethermeer spielt, neue starke Spannungsmomente. Jugenderinnerungen hat Paul Oskar Höcker in einer Plauderei„Die Oper mit verteilten Kräften“ niedergelegt, er erzählt in seiner liebenswürdigen Art von seiner Berliner Musikstudentenzeit. Daß die Mode auch schon vor 100 Jahren Bocksprünge machte, beweist Paul Gey in einem hübschbebilderten Aufsatz„Revolution und Modetorheiten". Arthur Fürst schildert die Sicherungen im Eisenbahnverkehr in einem Artikel„Von Signalen, Weichen und Blocklapparaten". Hat man ihn gelesen, kann man. im D=Zug wirklich ruhig schlafen. Bruno Stroheim gibt eine Erzählung:„Das Hündchen", Dr. Stegemann einen Beitrag über den Reichsetat 1926, dazu Bilder aus der Zeit und ein reiches Frauendaheim mit Mode= und Hausratschlägen. Der Leser findet in diesem Heft alles, was er sucht. Die„Deutsche Elite"(Verlag Berlin W. 57), die jetzt bereits im 3. Jahrgang erscheint, hat ihren Verkaufspreis unter Berücksichtigung der Wirtschaftslage auf 1,50 M pro Exemplar ermäßigt. Was der Verlag bei Erscheinen der Zeitschrift versprochen hat— daß„Die deutsche Elite“ die schönste illustrierte Zeitschrift der Welt werden, und daß sie alle Blätter des Inund Auslandes, insbesondere„Harpers Bazar“, Vogue",„Femina“ und Vanity Fair“ an Ausstottung und Illustrationskunst übertreffen sollte—. hat er bis heute getreulich gehalten. Als Mode= und Gesellschaftszeitschrift ist„Die deutsche Elite“ heute maßgebend für Deutschland und auch vorbildlich für das Ausland Verantwortlich: H. Semmelmann. Alteno Druch und Verlag: R. A. Santz. Altena. 5 SgSS a8 8593S —*—"— 9 3 S S SSIRSTNDTAS 8 — Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 15 Altena, den 13. April 1926 Schicksal der Ehe Eine Betrachtung von Alexander v. Gleichen= Rußwurm Ungezählte Zeiten hindurch war die Ehe gar nicht problematisch sondern eine durchaus gegebene, unentrinnbare Angelegenheit wie Geburt und Tod. Wenn auch hie und da Kritik einfloß, einseitige Kritik, denn sie richtete sich stets gegen das Benehmen der Frau in der Ehe, kaum jemals gegen das Benehmen des Mannes, wenn auch der Prediger von der Kanzel herab Kritik der Ehesitten donnerte, und der Satiriker bitter über„die fünfzehn Freuden der Ehe“ schrieb: als Institution, als notwendige Institution fand die Ehe keinerlei Zweifel. Rabelais' niederschmetterndes Lachen über den Ehekandidaten erschütterte nicht im geringsten den Glauben an ihre Notwendigkeit. Problematisch als Institution wurde sie erst unter den Wehen der französischen Revolution und zwar logischerweise, denn es handelt sich schließlich beim Eheproblem nicht nur um ein mögliches Verhältnis von Mann und Frau, um den durch Brauch, staatlichen Stempel und religiöse Weihe geordneten Geschlechtsverkehr, sondern— was meistens übersehen oder gar nicht erfaßt wird— um die Familie und deren Stellung im Staat. Einbegriffen in das Eheproblem sind nicht nur Kinder und Enkel; sondern Eltern, Großeltern, Verwandte, kurz die ganze Sippe, Erwerben von Geld und Guk und gutem Namen, feierliches Erbberechtigtsein. In diesem Sinne geht die Familie weit über die Nestgemeinschaft hinaus, obwohl die menschliche Ehe, was Monogamie und treue Liebe anbetrifft, in den allerseltensten Fällen das Ideal gewisser Tierarten erreichen mag; in erinnere nur an die grünen Sittiche(inséparables). Der Fortschritt menschlicher Ehe besteht im sozialen Fortschritt, den die Errichtung von Familie und erbberechtigtem Familienbesitz mit sich bringt, im Bewußtsein gefestigten Vermögens und dem stolzen Hervorragen einzelner besonders tüchtiger Geschlechter. Eben deshalb ist jede revolutionäre Bewegung der Familie an sich notwendig feindlich, und die Familie als solche jedem Revolutionär feindlich, ja sogar allgemein jeder Neuerung, und sie muß streng traditionell sein, solange sie Wert und Wesen bewahrt. Den kühnen Neuerer muß sie als abtrünnig ansehen; er ist es ja auch wirklich und aus dem Zwiespalt zwischen ihm und der Familie entspinnen sich zahllose tragische Konflikte. Naturtriebhaft suchte stets der Hang zur Polygamie und Polyandrie dort, wo sich wie in Europa die Ehe der Familie zu lieb vollkommen monogam einstellte, deren Wesen zu untergraben; und nur um den Damm zu halten, wurde wenigstens dem Manne manches Recht eingeräumt. Lange Zeit wurde ihm zum Beispiel stillschweigend nachgesehen, Neben= oder Kebsweiber zu haben. Der Ausdruck Kind und Kegel faßte in diesem Sinne die ehelichen und unehelichen Kinder zusammen(Kegel=Bastard). Oft errang sich der Bastard in großen Familien eine hervorragende Stellung. Am treuesten spiegeln sich Sitten und Anschauungen in der unbewußten Philosophie jeweiliger Mode. Solange die Polygamie stillschweigend als Vorrecht des Mannes in der monogamen Ehe galt, erhielt sich die weibliche Tracht in ehrbarer Art ohne große Schwankungen und war nur sehr langsam nachhaltigen Veränderungen ausgesetzt. Im Gegensatz zur männlichen Kleidung war sie weder herausfordernd noch auffallend. Er stolzierte wie ein Hahn, sie ging bescheiden, wo sie sich öffentlich zeigte; lange blieb die Dame in der Oeffentlichkeit maskiert. Die französische Revolution, die laut die„Tugend“ im Munde führte, brachte zwar keine Tugend hervor, aber eine neuartige Heuchelei, indem der Mann auf seine bunten Federn verzichtete. Die Revolution versuchte eine mächtige Auf der Schwelle Von Anna Ritter. Wie erregt des Abends Verliebter Hauch, So sanft die Wellen Und Busch und Strauch. Drückt weiche Falten In mein Gewand Und hebt mir schmeichelnd Das Gürtelband. Ein Gruß... ein Seufzer"... Ein heimlich Wehn— Ward nichts gesprochen, Ist nichts geschehn; Und dennoch weiß ich Zu dieser Frist, Daß meine Stunde Gekommen ist... Durch meine Seele ein Ahnen geht, Daß auf der Schwelle die Liebe steht! Bresche in den Familiensinn zu schlagen, und die Biedermeierzeit füllte diese Bresche geduldig aber nicht sehr solide mit Tugendsteinchen. Der außerordentliche Wechsel, das groteske Auf und Ab der Mode im 19. Jahrhundert und bis in das zwanzigste deutet nicht nur auf die Macht der Schneiderspekulation und snobistischer Eitelkeit, sie ist der Spiegel einer unsicher fluktuierenden Weltanschauung, eines Zustandes, der anfing, Liebe, Ehe und Familie problematisch zu behandeln. Dadurch wurde das Weib dem leidenschaftlichen, obwohl verkappten und ihm selbst nicht minder bewußten Wunsch untertan, durch fortwährende Veränderung dem Manne stets neu und begehrenswert zu erscheinen und ihm die seinem polygamen Instinkt entsprechende Abwechslung zu bieten. Auch die Wirkung der jüngsten Revolution läßt sich gut an Hand der Mode studieren. Sie schreibt dem weiblichen Wesen Vermännlichung vor nicht nur aus praktisch. Gründen der Arbeit wegen, die beide Geschlechter gleichmäßig leisten müssen, noch mehr wegen der stetig zunehmenden Auflösung des Heims. Wahrscheinlich spielen auch sexuelle Motive mit, wenn nicht nur Mädchen, sondern auch Frauen durchaus wie Knaben aussehen wollen, und zu dieser Erscheinung stimmt es, daß Knabenliebe und lesbische Liebe heute ebenso allgemein verbreitet sind, als zu anderen Zeiten Polygamie und Polyandrie sich in Sitten und Unsitten bemerkbar machten. Von allen Seiten ist die Familie gefährdet oder vielmehr für so wenig bedeutungsvoll erachtet, so lose im Zusammenhang mit der Ehe, daß sie in vielen Büchern, die sich heute mit der Ehe auseinandersetzen, kaum als Faktor erscheint. Und doch haben es unzählige Frauen von jeher in der Ehe nur ausgehalten der Familie zu lieb und um dessentwillen, was sie an sittlicher Forderung bedeutet. Der Mann aber gab der Familie zu lieb die ihm stets so teure Freiheit und Sorglosigkeit preis. Während sich im westlichen und zentralen Europa der Vernichtungsprozeß des Familienbegriffs nur langsam vollzieht, ja die Notwendigkeit der Ehe noch allgemein anerkannt wird, während die katholische Kirche sie als Sakrament so heilig hält, daß nicht einmal Irrsinn des einen Gatten eine Scheidung ermöglicht, während philosophische Betrachtung sich mit dem Problem als Lebensproblem beschäftigt, ist der Osten, das heißt der Sowjetstaat, bestrebt, das Problem kurzerhand zu töten, indem er die Ehe überhaupt abschaffen will. Wenn die sanatische Partei, die unter Trotzk eine so radikale Maßnahme vertritt, ihren Witlen durchsetzt, wäre dies noch unerhörter ale alles, was sich bisher in Rußland zugetragen aber doch nur eine logische Folge bisheriger Entwicklung, ein Schlußstein und auch ein Grabstein. Die Sowjets halten die Abschaffung der Ehe für ein Fundament. Die Vernichtung der Familie, die ja seit der Revolution in Rußland zermürbt und brüchig ist, wird dadurch endgültig gutgeheißen, ein Zustand, der unbedingt zu den Auswirkungen sozialer Schwarmgeisterei gehört. Alle phantastischen Sekten, wie sie im Mittelalter Europa durchsetzten, in Rußland bis zum heutigen Tage verbreitet blieben und nun im Bolschewismus münden, verlangten Weibergemeinschaft in Verbindung mit Gütergemeinschaft und schwelgten schamlos in der Lastern, die zwar unter bürgerlichem Systen auch da und dort auftauchten, aber sich verkrie. chen und verstecken mußten, weil sie Schande brachten. Wo Scham und Ehrfurcht ausgeschaltet sind, endet alles in der schmutzigen Promiskuität. die heute für Sowjetrußland bezeichnend ist. Metkwürdig genug, ein Teil der Bauern ist zwar einverstanden und nutzt die Lage naiv aus, inden der Bauer sich„Sommerweiber“ nimmt zur Erntearbeit und sie dann entläßt. Aber ein großer Teil der Landbevölkerung ist doch über die Neuerung empört, versteht nur nicht, daß die Vernichtung der Ehe zur Botschaft des sonderbaren Apostels Lenin gehört, der seine Botschaft wiederum der sonderbaren Bibel von Marx entnahm. Deren Behauptungen auf sozialem Gebiet entsprechen ungefähr manchen Behauptungen auf naturhistorischem Gebiet im alten Testament. „Was würde geschehen“, frogte der Richter jüngst in einem berühmten amerikanischen Prozeß einen vioelfesten Zeugen, der die poetische Beschreibung von Josuas Erfolg wortgetret nahm,„stellen Sie sich vor, was würde geschehen, wenn die Sonne auf Geheiß einee Menschen wirklich still stände?“ Was geschieyt, wenn die Bibel von Marx wörtlich genommen wird, zeigt Sowjetrußland. Die sittliche Ver tierung macht solche Fortschritte, daß verlassene, elternlose Kinder in Rudeln gleich Wölfen durchs Land ziehen, raubend, betteind, brand stiftend, von allen Lastern zerfressen. Das Schauerlichste an Verwahrlosung und Elend was die Welt vielleicht gesehen, diese Rude. familienloser Kinder, die gleich den herrenlosen Hunden des Orients die Straßen unsicher machten. Das Schicksal der Ehe ist das Schicksal des Kindes. Von guten und schlechten Erziehern Von Dr. Franz Werneke=Hamburg. In der Nähe meiner Wohnung liegt ein Park; in ihm sind große Sandkästen. Da krabbelt an schönen Tagen eine bunte kleine Gesellschaft herum mit Schaufeln, Eimern und Kuchenformen. Auf den Bänken um die Spielkisten sitzen die Mütter und Väter. Ich schaue zu und mache mir meine Gedanken über die Art, in der sie mit ihren Kindern umgehen. Da gibt es Mütter, die mit unruhigen Augen jede Bewegung der Kleinen verfolgen und in kurzen Pausen ängstliche Verbote herüberrufen. Sie wittern überall Gefahr für das Kind, dar Kleid oder das Spielgerät. Sie meinen## herzlich gut in ihrer Liebe, aber sie schaden unlendlich. Sie unterbrechen ständig die Gedanken des Spielenden, sie hindern das kleine Gehirn, sich selbständig Vorstellungen zu erwerben, neue Verknüpfungen zu finden, Erfindungen zu machen, überhaupt selbständig denken zu lernen. Da sie jede Handlung überwachen und verbieten, wenn sie vielleicht kleinen Scha. den bringen könnte, nehmen sie dem Kind die Möglichkeit. eigene Erfahrungen zu erwerhen Und nur diese bringen ein Kind weiter und tehren es, sich im Leben zurecht zu finden. Das Kind will selbständig erleben. Hindert man es daran, so fühlt es sich eingeengt und wird unfroh und verdrossen. Es verläßt sich schließlich ganz auf den Erwachsenen, schielt bei jeder Handlung er stnach ihm hin und steht dann später im Leben völlig hilflos und vach seinen Aufgaben gegenüber, ein armes L##ser der übereifrigen Liebe der Eltern. Das Gegenspiel zu dieser Art Erzieher die Uebergleichgültigen. Sie haben schon er: richtigen Grundsatz, daß Kindsein eine Lebensspanne von selbständigem Wert ist, in die man nicht hemmend eingreifen dari. Aber sie vergessen, daß Hemmung und Verhütung zweierlei Dinge sind. Das Kind ist körperlich und seelisch widerstandsloser als der Erwachsene. Daher ist es Pflicht der Erzieher, es vor Erlebnissen zu bewahren, die zerstörend auf Leib und Geist wirken können. Hierzu gehört in erster Linie eine gewisse Ueberwachung des Umgangs. Das Kind kann noch nicht zwischen guten und bösen Kameraden unterscheiden, ja, die bösen locken es mehr, weil im Verkehr mit ihnen der Erfahrungskreis sich erweitert. Und danach strebt die Natur in ihrer Selbstausbildung vor allem. Hier hat die Erziehung behutsam vorbeugend zu wirken, nicht durch einfache Verbote, sondern indem sie ein Gefühl für die innerliche Zugehörigkeit oder Fremdheit der verschiedenen Menschen zu wecken sucht, ohne dabei Hochmut zu erzeugen. Läßt sie das Kind aufwachsen im Vertrauen auf„den guten Kern“, so läuft sie Gefahr, daß der ganz zerstört wird, oder sich unter großen Umwegen erst spät wieder aus dem Schmutz emporarbeiten kann. Die große Freiheit der Jugend erweist sich so als größte Hemmung, deren Wirkungen weit in das Erwachsenenleben hineinreichen. Manche meiner Mütter an der Sandkiste springen alle Augenblicke auf und laufen erregt zu ihren Kindern, um ihnen unter heftigen Worten Klapse zu geben oder sie wie Bündel am Arm hochzureißen und zu schütteln für irgend ein kleines Versehen. Ich nenne sie die harten Erzieher. Das sind zumeist Menschen, die innerlich sehr unsicher und schwach sind. Aber kein Mensch kann leben, ohne ein gewisses Nachtgefühl zu haben. Dies notwendige Machtgefühl verschaffen sie sich im Verkehr mit ihren Kindern, indem sie wie Tyrannen mit ihnen umgehen. Sie sollten es verschmähen, den Wehrlosen gegenüber ihre Macht zeigen zu wollen, denn der Schaden, den sie anrichten, ist groß und nie wieder gut zu machen. Sie zerstören durch ihr Vorbild alles feinere Empfinden im Kind. Es muß sich seelisch ein„dickes Fell“ anschaffen, um nicht immer aufs tiefste verwundet zu werden durch jedes harte und Ganz still zuweilen... Von Cäsar Flaischlen. Ganz still zuweilen wie ein Traum Klingt in dir auf ein fernes Lied... Du weißt nicht, wie es plötzlich kam, Du weißt nicht, was es von dir will.. Und wie ein Traum ganz leis und still Verklingt es wieder, wie es kam... Wie plötzlich mitten im Gewühl Der Straße, mitten oft im Winter Hauch von Rosen dich umweht, esoder dann und wann ein Bild Aus längst vergessenen Kindertagen Mit fragenden Augen vor dir steht.. Ganz still und leise wie ein Traum.. Du weißt nicht, wie es plötzlich kam, Du weißt nicht, was es von dir will, Und wie ein Traum ganz leis und still Verblaßt es wieder, wie es kam. ungerechte Wort. Bei dem starken Nachahmungstrieb der Kinder nimmt es die Formen des Umgangs der Eltern mit ihm an und wird selbst ein gereizter und bissiger Mensch, der, ständig gedemutigt, nun andere, noch Schwächere, tyrannisiert, um seinerseits Machtgefühle zu haben. Daß dabei auch die Liebe zu den Eltern zerstört wird, die seiner Jugend allen Glanz und alle Freude geraubt haben, folgt von selbst und ist die Strafe der Natur an den unbedachten Erziehern, die ihre Liebe in Härte ersticken. Das Gegenspiel dieser harten sind die zu weichen Eltern. Sie betrachten das Kind als Kosewesen und als Schatz zum Verhätscheln. Das Kind will das gar nicht. Man sehe nur, wie sich ein gesunder Junge gegen Tantenküsse sträubt und selbst die Mutter nicht gern in Gegenwart anderer küßt. Denn alle tiefe Liebe ist eine Sache unter vier Augen. Man zerstört das gesunde Schamgefühl, wenn man sie in die Oeffentlichkeit zerrt. Aber man nimmt dem Kind auch alles Rückgrat durch Weichlichkeit. Es verlangt nach Halt, nach einem festen Wegweiser, der die noch schwankende Seele in eine sichere Bahn einspannt. Es verlangt nach Buße, wenn es etwas Unrechtes getau hat. die Eltern nun alles„goldig und entzückend", so verfallen sie der Verachtung der Kinder, denen ein festes Bestehen auf Gesetz und Regel unbewußt viel mehr Eindruck macht, weil ihre Natur nach Gesetz und Regel yinstrebt. Diese Verachtung ist noch die beste Folge einer Verzärteiung. Weit schlimmer wirkt sie auf an sich schwache Naturen. Hier führt sie zu einer völlig falschen Einstellung zum Leben. Das Kind erwartet später immer dieselbe Rücksicht und betonte Herzlichkeit zu finden, wie im Elternhaus. Es glaubt, die Welt mit seinen Launen regieren zu können, und ist tief enttäuscht und beleidigt, wenn das nicht geht. Die Schwachen zerbrechen daran. Die Starken müssen von sich aus all das nachholen, was die Eltern versäumt haben, und ihre eigentliche Erziehung beginnen, wenn sie schon vollendet sein sollte. Der Erzieher muß seine Aufgabe ungeheuer ernst nehmen. Er muß sich darüber klar sein, daß jede seiner Handlungen und Worte ein ganzes Leben lang nachwirken wird, und darüber hinaus noch weiter in das Leben der Enkelkinder hinein. Unter dieser Einstellung auf die Ewigkeit muß er alle Maßnahmen prüfen. Er ist verantwortlicher Diener am Ganzen des Volkes. Das bedeutet, daß er nie in der Erregung handeln darf. Denn nicht aus dem Zorn und nicht aus der Leidenschaft, sondern nur aus der ruhig wägenden Liebe entspringt der Segen für ihn und alle kommenden Geschlechter. —..— Die erste Frauenrechtlerin Der Kampf der Frauen um die Gleichberechtigung hat nicht, wie vielfach angenommen wird, in England seinen Ursprung, sondern vielmehr in Frankreich. Als erste Frauenrechtlerin ist dort eine seltsame Frau, Olympede Gouges, deren Leben eine Fülle von Ungereimtheiten, Schwächen, Stärke und Eigenart ausweist, anzusehen. Schon allein der Werdegang dieser ersten Frauenrechtlerin ist originell. Am 7. Mai 1748 zu Montauban als Tochter des Schlächters Gouges geboren, erbte sie von ihrer Mutter den Vornamen Olympia und zugleich den verhängnisvollen Hand zur Romantik. Ihre vagabundierende Phantasie war so groß, daß sie sich schon in jungen Jahren selbständig zur Tochter eines Marquis machte, der anscheinend zu ihrer Mutter in zarten Beziehungen gestanden haben muß. So empfand sie ihre Ehe mit einem Koch, namens Aubry, als Mesalliance. Sie verließ ihren Gatten, tauchte in Paris auf und nannte sich hier de Gouge und wurde dank ihrer reizvollen Erscheinung bald der Mittelpunkt der Pariser Liebesfeste. Als sich jedoch, etwas früh, die ersten Runzeln bei ihr einstellten, Verlassenheit und Armut drohten, gründete sie einen Salon, besuchte einen revolutionären Frauenklub, verfaßte Pamrhlete, Streitschriften für und gegen die führenden Männer, wie Robespierre. Sie schrieb Abend und Morgen Skizze von Hans Waldau. Als am Ende des schmalen Gartenweges die hagere Gestalt Lorenz Wigges auftauchte, sah Frau Edith hastig nach der Uhr. Lange hatte sie an dem kleinen Fenster des Siedlungshauses gesessen und sich die Worte überlegt, die sie ihrem Manne sagen wollte, wenn er heimkehrte, und hatte immer wieder an das gedacht, was für sie beide harte Wirklichkeit war. Keine Arbeit, Not, Schulden, eine bittere Passionszeit nach einer sorglosen, glänzenden. Aber gerade dieses unablässige Denken machte es vielleicht, daß sie sich selbst nicht hörte—„sei still, Edith, es ist töricht, jetzt an Feste und Tanz zu denken“— und daß immer mehr Bilder vor ihr auftauchten, die nicht nur Erinnerung für sie waren, sondern ihr einmal die Erfüllung aller Jugendwünsche bedeuteten. Damals im ersten Jahr ihrer Ehe, als der Garten vor dem kleinen Hause wie von Blumen überschüttet wurde, kannte man sie, feierte man sie auf allen Festen, bewunderte man ihre Kleider und ihre Gastfreundschaft— und jetzt hungerte man aus aller Trübsal heraus nach einem Schatten des Erledens von einst— Da war nachmittags die Freundin gekommen. wollte sich einen Rat holen für das Maskenkostüm, an dem sie arbeitete. Und hatte gesagt:„Komm doch mit. Edith. wenn ich will, bekomme ich noch eine Karte für dich.“ Tanz, Musik, Masken— das war ein Ueberstürzen der Gedanken, ein jubelndes„Ja“— und dann, als die Tür sich hinter dem freundlichen Mädchen wieder geschlossen hatte, das lange Warwr an Bert Wigge, der sich mude in einen Stuhl gesetzt hatte, fühlte bald die Unsicherheit in der Frau und hörte ihr still zu, als sie von ihrem Bunsch erzählte..... J. Aen 34 Gr kostet ja nichts. Die Greie schenkt wir die Karte. Und man kommt doch wieder unter Menschen, sieht etwas— komm du doch auch mit...“ Und, als er immer noch nicht antwortete, bittend, aber schon etwas im Trotz: „Die billige Freude kannst du mir doch gönnen!“ „Gewiß,“ sagte er, ohne von der Erde aufzublicken,„ich selbst kann dir ja keine Freude geben. Geh nur, du entbehrst es sicher arg genug. Aber ich bin müde und meine Gedanken kommen da nicht mit.“ Und im stillen dachte er: Sechs Stunden war ich unterwegs zu Fuß, Arbeit zu finden, sechs Stunden voll Sorge und Not, und sah noch mehr Not als die eigene. Da kann man nicht an Tanz und Musik denken, sondern möchte sich ganz im Dunkeln irgendwo verkriechen. —— Der Tanz riß die beiden Freundinnen bald auseinander. Wie ein angenehmes Bad, in das sie untertauchte, fühlte Edith das Treiven um sich her. Für alles hatte sie Augen, mit jedem, der darum bat, tanzte sie, jede Melodie nahm sie in sich auf, um sie nicht zu vergessen. Kecke Worte drangen wie sprühendes Feuerwerk an ihre Ohren, ein toller Reigen riß sie mit— gab es noch Stunden zu zählen? Gab es noch ein Denken und Grübeln? In einem Strudel bunter Papierschlangen versing sie sich, wankte, zwei starke Arme fingen sie auf und trugen sie fort, an einen Tisch, auf dem Blumen und Gläser standen. Worte umschmeischelten sie, die sie lange nicht gehört, lange entbehrt hatte. Wenn nur nicht die Musik so sehnsüchtig svielte! Und die Stimme des Fremden, der bei ihr saß, war ganz nahe: „Ich will nicht wissen, wie du heißt, und du sollst mich nicht fragen. Wir wollen heute nur glücklich sein, endlos glücklich— denn morgen ist alles wieder vorbei und vergessen—“ Ihre Hand, die das Glas hielt, zitterte. Wortlos schritt sie an dem Mann vorbei, der ihr verwundert nachschaute. Als sie auf die Straße trat, war es schon Morgen.„.. alles vorbei und vergessen...“— das hatte sie wach gemacht. Sie fror auf der langen Fahrt nach dem Weichbild der Stadt, fühlte wie Nadelstiche die Blicke der Männer und Mädchen, die zu ihrer Arbeitsstelle fuhren. Hastig durchschritt sie die regenfeuchten Wege der Siedlung, sah schon das Dach ihres Hauses. Und hielt pötzlich inne.— Im Garten stand ihr Mann, eine alte Jacke fest zugeknöpft, und arbeitete, wühlte den Boden um, zog Linien und steckte Pfähle, und nein, sie täuschte sich nicht— und pfiff dabei ein Lied. Als er sie kommen hörte, richtete er sich aus seiner gebückten Stellung auf und sagte freundlich: „Guten Morgen, Edith." Sie reichte ihm die Hand.„Was machst du hier so früh?“ Er lächelte ein wenig verlegen:„Du mußt nicht böse sein wegen der Blumenbeete, aber mir kam der Gedanke, daß Gemüse und Obst auch etwas sehr Notwendiges ist. und daß man, wenn man sich recht darum kümmert, sogar verkaufen kann— der Boden ist nicht schlecht — und Zeit habe ich ja—“ Edith stand ganz still und fand kein Wort, hielt immer noch die Hand des Mannes fest. „Geh schlafen, Kind, du wirst müde sein.“ sagte er.„Heute ist doch kein guter Tag für dich. Da denkst du gewiß immer nur an all das Schöne, das du in der Nacht erlebt hast.“ Aber Frau Edith verstand auch, was er nicht sagte und nur in seinen Augen zu lesen war: Du hast erlebt und gewannst nur einen grauen Aschermittwoch, ich aber gewann den Blick und die Hoffnung in ein neues Werden und Erleben — ich entsann mich, daß wieder Frühling kommt—— Mit geschlossenen Augen streifte sie in ihrem Zimmer das bunte Gewand von den Schultern. Und im Einschlafen hörte sie noch das Knirschen des Spatens im Sande— und das eines Vogels vor dem Fenster.— 5 5 SSS3E Sk 5 8. geöE S5S3SG9 S GISELSHHOESDSLSE E 18 H WGhOÄESLREFPDEEE“ F amgALSpgT OERÄEOLS S E SL ** außerdem eine Anzahl unbrauchbarer Tragödien und setzte bei dieser Tätigkeit den Rest ihres Vermögens zu. Immer mehr wagte sie sich als Streiterin hervor, forderte recht zeitgemäß eine patriotische Kasse, in der eine Luxussteuer eingezahlt werden sollte, verlangte Theatersteuern, um die Schuldenlasten der Nation zu vermindern und wandte sich gegen den damals verderblichen Luxus der Großen. Als Frauenrechtlerin trat sie zum ersten Male mi tihrer rBoschüre„Ueber die Rechte der Frau und Bürgerin" hervor. Sie führte aus, wenn die Frau ein Anrecht auf das Schafott hätte, so besäße sie auch das Anrecht auf die Tribüne. Sie verlangte, daß sie die Verteidigung Ludwigs 16. erhielt. Dadurch wurde sie verdächtigt, die man bisher belächelt hatte. Hinzu kam ihr geradezu tollkühner Haß gegen Robespierre, den sie durch Schmähpiakate an allen Straßenecken angriff. Als sie dann auch Mäßigung, statt der wilden Blutgier verlangte, wurde sie verhaftet und in Einzelhaft gesperrt. Mehrere Male wurde sie vor das Tribunalgericht gestellt, verteidigte sich aber mit solchem Geschick, daß man ihr in grausam gerechter Beurteilung ihrer geistigen Fähigkeiten bei der letzten Verhandlung einen eigenen Anwalt verweigerte. Ihr Mut verließ sie keinen Augenblick. Sie wies herrisch jedes Mitleid mit ihrem Geschlecht zurück, war aber bis zum letzten Augenblick Weib, denn selbst vor den Richtern machte sie aus ihrem Alter von eigentlich 45 Jahren 38 Jahre. Fünf Monate nach ihrer Verhaftung, am 3. November 1793, wurde sie zum Schafott geschleift, wo sie, aufrecht stehend, ausrief: „Kinder des Vaterlandes, ihr werdet mich rächen!" Das war die erste Frauenrechtlerin, eine Närrin zwar, aber die erste Frau, die aufstand und den Mut fand, für die Gleichberechtigung der Frau zu streiten. M. —.— Grimms Märchenquelle Von M. Struve. Gedanken über Mann und Weib Von Ilse Franke. Die in der Brautzeit am eifrigsten seelisch und geistig Toilette machen, pflegen in der Ehe am ungeniertesten das lästige Festkleid abzuwerfen. * Wenn man von einem Menschen sagt:„Er hat sein Leben genossen“, so heißt es oft genug: „Er hat sein Leben verdorben.“ * Der Mann ist gewöhnt, die Frau ein Rätsel zu nennen, weil er ihr Anderssein nicht versteht. Ein ebenso großes oder noch größeres Rätsel ist der Mann für die Frau, denn seine Natur birgt Untiefen und Gegensätze des schöpferischen Chaos, die der Durchschnittsfrau fremd sind. Sie kann den Mann durch Liebe und Hingabe, durch intuitives Einfühlen und Mitschwingen mit seinem Gefühlsrhythmus ahnungsvoll erfassen, aber ganz begreifen wird sie ihn niemals. Darum ist die Liebe der unverdorbenen Frau eine Dornenkrone. * Die Lebensmelodie der Frau ist die Mittellage. Der Mann greift eine Oktave höher ins Geistige und eine Oktave tiefer ins Materielle. Sein Lebenslied umspannt größere Weite, ohne seine Harmonie zu verlieren. * Wenn Eheleute anfangen, ihre„Rechte" gegeneinander abzuwägen u. auszuspielen, dann sind die Flitterwochen unwiderruflich und für immer vorüber. hundertjährigen Geburtsis im Jahre 1896 wurde an Gelegentlich des tages Jakob Grimms im Juhi dem von den Gebrüdern Grimm bewohnten Hause Wildemannsgasse in Kassel eine Gedenktafel angebracht, in deren Mitte sich ein freundliches Frauenbild mit der Unterschrift„Dorothea Viehmann aus Niederzwehren" befindet. So ist die Niederzwehrener Märchenfrau für die Nachwelt festgehalten, der sie jedoch auch bereits durch die Brüder Grimm überliefert wurde. Im zweiten Bande der Hausmärchen gab Wilhelm Grimm als Vorrede über die seltene Frau näheren Aufschluß, und der spätere Professor an der Kasseler Kunstakademie Ludwig Grimm zeichnete die Märchenerzählerin in ihrer Landestracht als Brustbild zum Schmuck des zweiten Teiles der dreibändigen Märchenausgabe. Tatsächlich verdient diese Frau, neben den beiden Brüdern Grimm genannt zu werden; denn ihr fällt kein kleiner Teil an dem Weltruhm der beiden Märchen-Grimms zu. Ihrem staunenswerten Gedächtnis und ihrer Gabe, in der Jugend von herumziehendem Volke gehörte Märchen in Urgestalt wiedererzählen zu können, verdanken wir heute viele Perlen deutscher Volkspoesie. Sie lebte in der Zeit und in einem Kreise, wo es viel zu sehen und zu hören gab. Bei Rengershausen besaß ihr Vater, Monsieur Johann Isaac Pierson, ein ausgewanderter französischer Hugenott, auf dem„Birkenbaum“, der jetzigen Knallhütte, eine Gastwirtschaft. Am 8. November 1755 wurde ihm hier als älteste Tochter Katharina Dorothea geboren. An den Augen dieses Mädchens zog in seiner frühesten Jugend der Siebenjährige Krieg vorüber. Das Gasthaus des Vaters lag an der Heerstraße, so berührten lange Scharen des Kriegsvolkes Katharinas Heimathaus und ungezählt waren die Landfrachtschiffe, die täglich an dem Mädchen vorüber ins weite Land geführt wurden. In der kleinen Gaststube aber entwickelte sich tagtäglich ein buntes Treiben, und beim Licht der brennenden Kerze an den langen Winterabenden saß Katharina unter den Fremden und lauschte ihren Erzählungen. Das Kind schwärmte für Märchen, und gerne erzählten die fremden Männer und Frauen, was ihnen Mütter und Großmütter in Kindestagen als geheimnisvolle Mär offenbart hatten. Das kleine Mädchen lauschte bei diesen Erzählungen stundenlang. Es verlor kein Wort und ein gutes Gedächtnis half ihm, all das Fremde und Wundersame Jahre hindurch wörtlich aufzubewahren. Mit 22 Jahren heiratete Katharina den nach dort und erlebte eine 38jährige unglückliche Ehe. Die ewigen Unruhen verschlangen das kleine Vermögen, und oft klopfte Frau Sorge an die Tür. Sie hatte schließlich nur für ihre sechs Kinder, sondern, da die Eltern früh starben, auch noch für ihre sechs jüngeren Geschwister zu schaffen und zu arbeiten. Trotzdem fand sie aber Zeit, den Kindern des Ortes an den langen Herbst= und Winterabenden die Schätze zu erzählen, die ihr in Kindestagen aus allen deutschen Landen zugetragen worden waren. Bald galt sie in Niederzwehren als die Märchenfrau. So wurden die beiden Grimms, als sie nach Kassel kamen, auf sie aufmerksam, wanderten zu ihr nach dem nahen Niederzwehren hinaus und lauschten unter den Kindern, was sie Wundersames zu berichten hatte. Immer und immer wieder fand man die beiden Sprachforscher bei ihr, und es kam auch vor, daß die„Viehmännin", wie Grimms sie nannten, nach Kassel hineinkam, um den beiden Gelehrten ihre Schätze auszukramen. Die schlichte Frau aus dem Volke wurde der Brüder lebender Märchenquell. Sie zeichneten sich das, was sie von Katharina Viehmann hörten, auf und gaben die Märchen dem deutschen Volke. Unverfälscht, ohne ein Wort zu ändern, just wie sie es als Kind gehört hatte, gab sie den Märchenbrüdern die köstlichen Perlen, die in den weiten deutschen Landen die Volksphantasie hervorgebracht. Von ihr finden wir durch Grimms Vermittelung in den Grimmschen Märchenbüchern:„Der treue Johannes“,„Die zwölf Brüder",„Die drei Männlein im Walde", „Aschenputtel",„Rätsel".„Die Bremer Stadtmusikanten",„Der Teufel mit den drei goldenen Haaren",„Das Mädchen ohne Hände".„Die kluge Else",„Der Hund und der Sperling", „Der Frieder und das Watherlieschen".„Die zwei Brüder",„Das Gänsemädchen“,„Die kluge Bauerntochter",„Doktor Allwissend",„Des Teufels rüstiger Bruder",„Der Zaunkönig und der Bär",„Der Müller mit dem Kätzchen", „Hans mit dem Igel",„Der gelernte Jäger“ „Die Sonne bringt es an den Tag“.„Die drei Feldscheren",„Die lange Nase",„Der Teufel und seine Großmutter",„Die faule Spinnerin“ und„Eisenofen". Nachdem die Märchenerzählerin lange krank gelegen hatte, starb sie arm und vergessen am 17. November 1815, 60 Jahre alt. Auf dem Friedhof in Niederzwehren, der die Kirche umgibt, liegt sie begraben. Mag sie im Leben wenig Bedeutung gehabt haben, ihre Märchenschätze sind unvergänglich. Und immer, wenn einmal Grimms Märchen besprochen werden, wird man die Niederzwehrener Märchenfrau nennen hören und nennen müssen, da sie der 7 war, aus dem so viel Unvergängliches öpft wurde. Der Hochzeitstag im Volksaberglauben Dem Volksaberglauben entzieht sich wohl kaum etwas; alles bannt er in seinen Kreis und sucht es auf seine Art zu deuten und auch umzumodeln. Besondere Gebräuche sind ihm lieb und wert, die bei Festen und sonstigen häuslichen Feierlichkeiten hervortreten. So beschäftigt ihn natürlich auch der Tag der Hochzeit. Da der Sonntag der Tag der Sonne ist und von ihr Licht und Wärme und damit auch Leben ausgeht, so wird er besonders bei solchen Völkerstämmen gewählt, bei denen Ackerbar und Viehzucht die Grundlage des Lebens bilden. Weil der Montag nach englischer Auffassung rauh macht, und nach anderer Meinung dem Vollmond die Kraft zugesprochen wird, in günstiger Weise auf die Heiratenden zu wir ken, damit sie später alles im Vollen haben, wurde die Hochzeitsfeier auf diesen Tag in denjenigen Gegenden verlegt, in denen der Mond der Menschen Geschicke leitet. In England gilt der Dienstag als für die Hochzeit glückbringend, denn dort sagt man:„Dienstag macht gesund". Auch in Bayern wird der Dienstag vielfach als der am wenigsten Sorge bringende Hochzeitstag gepriesen, weil dieser Tag dem Zio geweiht und deshalb gegen Zauberei und böse Wünsche gefeit ist. Der Mittwoch, der dem Wotan, dem Wütenden gehört, der als Sturmgott und Todesgott angesehen wird, gilt als Hochzeitstag nicht günstig. Der Italiener spricht sich darüber aus:„Mittwochsbraut bringt den Mann ins Unglück.“ Mit dem Donnerstag hat es eine ähnliche Bewandtnis Nach dem Gewittergott Donar ist er benannt; deswegen sagen auch die Märker:„Wenn man am Donnerstag freit, so donnerts in der Ehe.“ Wenn er aber trotzdem zum Hochzeitstage gewählt wird, so geschieht es wohl in der Anschauung, daß das Gewitter Fruchtbarkeit erzeugt und als Gott des Feuers Beschützer der häuslichen Herdes und der Famile ist. Ist auch der Freitag der Göttin der Liebe gewidmet, so sucht man ihn doch oft nicht zum Hochzeitstage aus. Aber in Mecklenburg kommt er fast ausschließlich als Hochzeitstag in Betracht. Vielleicht hängt dieses Vorurteil mit der Scheu vor dem„Stillen Freitag" zusammen. Auch in Italien gilt der Freitag als Unglückstag. Aehnlich verhält es sich mit dem letzten Wochentage, dem Sonnabend, der als schlechtes Vorzeichen für den zu erwartenden Wohlstand angesehen wird. Auch er wird selten als Hochzeilstag gewählt, weil der Volksmund annimmt, daß derjenige, der einen entscheidenden Schritt an ihm unternimmt, wunschlos und unentschlossen weiterwandern und, sowohl was Stellung und Besitz anbelangt, stets unten bleiben werde. R. M. —— Zwei Friseure In dem hübschen Tanzlokal des Berliner Westens, der Barbarina, die ihre buntleuchtende Fassade in die Hardenbergstraße hinausstreckt, erschien in diesen Tagen Herr Antoine, der große Frisierkünstle von Paris, dem ein bedeutender Ruf vorc, eht und dem Frau Fama sogar die Erfin ing des Bubikopfes zuschreibt, der allerdings schon einige Zeit zurückliegt. Kein Wunder, daß dieser bedeutende Mann; der noch leidlich jung ist, der schlank und elegant ist, sich sofort der allgemeinen Aufmerksamkeit, besonders des weiblichen Berlins, erfreute. Die Barbarina war gedrängt voll, als Herr Antoine im Rahmen des künstlerischen Programms ein Schaufrisieren zum besten gab, bei dem er das lange Haar einer Dame in eine kunstgerechte Bubikopf=Frisur verwandelte. Diese Künste hat dann der Meister des Frisierens noch in andern Modehäusern gezeigt. Nachdem die Frauen heute doch einmal für die Leute schwärmen, die ihnen die Haare abschneiden— früher war es anders— und kein Anzeichen dafür spricht, daß die Herrschaft des Bubikopfs wirklich erschüttert ist, war es von Interesse, den kennenzulernen, der die Mode in die Welt gesetzt hat. Herr Antoine behauptete, schon vor dem Kriege, etwa um 1910 herum, an der Schauspielerin Eva Lavail= lére das erste Objekt seiner wetlbewegenden Neuerung gefunden zu haben. Der Name dieser Künstlerin, die zugleich als eine sehr elegante Frau galt, ist denen, die damals in Paris lebten, bekannt. Eva Lavaillére hatte den dringenden Wunsch, sich zu verjüngen, und dieser Aberglaube, daß der Bubikopf verjünge, haftet seitdem allen seinen Bewunderinnen an. Wie aber, wenn die Frauen, von der ihnen nach ihrer Ansicht mangelnden, Statur bedrücht, vor altem verlangen, oaßz oie 9 caur“ frisur sie vergrö Jehrhunger: