2 * 9 *— E Gr, chmgEngggg,n 56n S 9.— # 5 B S 5S 55N T LASSPUDZEFE FFTRTOBTBESE TbaroT-TIILGobERSE S — einem die ganzen Kleider verbrannt werden. Glaubst du vielleicht, ich kann mir jeden Tag eine neue Garderobe anschaffen? Etwas mehr Rücksicht, mein Lieber! Wofür hast du deine Augen!“— Zerknirscht hörte ich zu und schwieg. Das stimmte sie milde. Sie lenkte wieder ein. „Na, vielleicht ist der Schaden nicht so schlimm; wir wollen mal sehen, ob es sich reparieren läßt.„Komm,“ sagte sie und nahm meine Hand in die ihrige,„lassen wir das jetzt! Die Liebe verzeist ja gern!"— Die Liode! Ich reiner Tor glaubte damals noch an ihre Liebe. Aber mehr als Mitleid war es nicht mehr. 35... 36 Grad höchstens hätte mir Gautier noch zugebilligt. Von Fieberhitze konnte jedenfalls schon längst keine Rede mehr sein. Vielleicht ging die Sache gar schon ins Lauwarme... Wie rasch und groß aber der Temperaturwechsel bei Frauen sein kann, erfuhr ich bald darauf, als mich ein Jugendfreund besuchte. Ich machte ihn mit ihr benannt. Darauf kam er jeden Tag zu uns. Als er einmal in meinem Schreibtisch ein Buch suchte, passierte ihm das Malheur, daß er das Tintenfaß umwarf. Der ganze schöne Inhalt ergoß sich auf das weiße Spitzenkleid meiner Schönen. Ich stand wie erstarrt. Jetzt mußte sich Fürchterliches zutragen. Aber lachend sagte sie, zu meinem Freund gewandt, der immer noch nicht wagte, eine Entschuldigung zu stammeln:„Ach, es ist nicht so schlimm, wirklich nicht! Im Grunde genommen ist es mir sogar angenehm. Ich dachte nämlich schon daran, das Kleid färben zu lassen. Schwarz wird es eleganter aussehen, glauben Sie nicht auch?“— Als ich das hörte, sah ich im Geist die Quecksilbersäule auf 42 hinaufschnellen. Leider war es nicht mehr meine Wärme, die dieses Wunder wirkte. " Lucio d'Ambra. (Deutsch von Alexander Ssemsonow. Teuer, aber schön. In der Erwartung liegt das Glück, nicht nur für die Jugend. Ein 60jähriger Kopenhagener Wachtmeister a. D. schloß Freundschaft mit einem jungen Mann, der im Besitz einer sehr hübschen Braut war. Angesichts dieses Idylls übermannte den alten Herrn ein neues menschliches Sehnen nach Evas Geschlecht. Hilfsbereit erbot sich der Jüngling, dem Einsamen so ein Wesen zu verschaffen,„das sich gern haben läßt". Er setzte eine Anzeige in die Zeitung u. flugs meldete sich eine Maid, deren Reize durch das Kontersei veranschaulicht wurden Die Schöne verfügte sogar über 49000 Kronen. Der alte Mann erglühte vor Freude, Liebe und Verlangen, und sandte der Dame, die ein freundliches Schicksal ihm in die Arme zu führen schien, einen feurigen Antrag. Magda Nielsen, so hieß die Schöne, gab postwendend Antwort. Ein Briefwechsel nach den besten Mustern wurde eingeleitet, und das Herz des alten Pilgrims brannte lichterloh. Eine spätere Epistel Magdas meldete, daß sie leider ein Krankenhaus habe aufsuchen müssen und durch reine Zufälligkeit in Geldverlegenheit gebracht sei. fehlten ihr nur einige hundertKronen. Konnte er so unritterlich sein, ihr das Geld nicht zu senden? Ihr, deren Bild er auf der Brust mit sich herumtrug, auf dem sie herrlich wie eine Göttin war, eine spanische obendrein. Die rassigen Nasenflüge!! Und wie graziös=kokett sie die Zigarette hielt! Sie war das Glück, war alles für den Wachtmeister a. D. Sie dankte ihm für das Geld durch Uebersendung einer Haarlocke und eines Ringes. Der alte geriet derob aus Rand und Band vor Seligkeit. Das Spiel ging weiter. Magda bedurfte noch einiger kleinen Beträge, einmal fehlten ihr tausend Kronen. Er schickte ihr alles... Eines Tages entdeckte er aber zu seinem Kummer, daß seine Ersparnisse— im ganzen 5000 Kronen— dahin waren. Das ernüchterte ihn ein wenig, er stellte Erkundigungen nach der Braut an, die er noch nie gesehen. Magda Nielsen war nicht aufzufinden, und er ging den Weg seiner Vorgänger auf diesem Gebiet, er begab sich zur Polizei. Seine Ekstase hatte etwas anderen Gefühlen Platz gemacht. Die weise Polizei nahm dem jungen Mann, den der Wachtmeister für seinen Freund hielt, die Maske ab und entlarvte ihn als vorbestraften Regisseur der tragikomischen Episode. Ein paar Jahre Gefängnis sind der Lohn für seine Menschenfreundlichkeit gegenüber dem liebeskranken Alten. Dieser aber wußte bei seiner Vernehmung auf die Frage, ob es ihm denn nicht merkwürdig vorgekommen sei, daß eine Dame mit 49000 Kronen ihn dauernd anpumpte, nur das eine zu erwidern, er sei so eingenommen von ihrem Bilde gewesen,(das, wie sich ergab, aus einer Wochenschrift ausgeschnitten und aufgeklebt war), daß er keine Betrachtungen darüber angeO diese Weiber „Der Teufel soll die Weiber holen!“ Rief jüngst ich wütenden Gesichts. „O, würden sie mir all' gestohlen! Sie alle, alle taugen nichts!“ Die Loni war ein Teufelsbraten, Die zum Hanswursten mich gemacht, Die Liese hat mich schnöd verraten, Die Mizzi hat mich ausgelacht! Und doch— ich kann euch nicht verfluchen, Das Haßlied wird zum Lobgedicht... Ich bin die Wespe, ihr die Kuchen, Und Kuchen ist mein Leibgericht! Ich bin der Esel, ihr die Treiber, Aufs neue fall' ich stets herein,“ Und holt der Teufel alle Weiber, Dann möchte ich— der Teufel sein! Karlchen in der Münchener„Jugend“. stellt habe. Teuer sei die Sache ja gewesen, aber auch schön. Gerichtshof und Zuhörer quittierten mit verständnisvoller Heiterkeit über diese Erklärung. Matschlse und Plnte. Gegen Schimmel. In Räumen mit feuchten Mauern setzt sich nicht selten in Schränken oder anderen Behältnissen Schimmel an Kleidern oder sonstigen Gegenständen an. Auch Bücher und Schriftstücke leiden darunter häufig so sehr, daß sie unleserlich werden. Außer fleißigem Lüften ist dagegen das beste Mittel, daß man ein Gefäß mit ungelöschtem Kalk aufstellt, der durch Aufsaugen der Feuchtigkeit die Luft trocknet. Man tut gut, den Kalk von Zeit zu Zeit zu erneuern. Tapeten zu reinigen. Will man Papiertapeten vom Staub reinigen, so umwickelt man zweckmäßig einen weichen Staubbesen mit einem leinenen Tuche und fährt damit, ohne eine Stelle zu übergehen, leicht und strichweise bei offenen Fenstern über die Wand. Bei durch Rauch geschwärzten Tapeten bläst man mit einem kleinen Blasebalg den Staub von den Tapeten herunter und reibt sie von oben herab mit altbackenem Brote ab, das man in Scheiben schneidet, indem man mehrmals den schmutzig gewordenen Teil des Brotes abschneidet. Immer frischgebrannten Kaffee. Kaffee, der schon längere Zeit gebrannt ist, verliert an Geschmack. Er wird wieder frisch und schmackhaft, wenn man kurz vor dem Aufbrühen die benötigte Menge in einer Blechdose kurze Zeit soweit erhitzt, daß die Kaffeebohnen zu knistern anfangen. Saubere Fingernägel. Um die Fingernägel auch bei schmutziger Hausarbeit sauber zu erhalten, kratze man, ehe man an die Arbeit geht, mit den Nägeln über recht weiche Seife hinweg. Die Seife füllt den Raum zwischen den Nägeln und den Fingerkuppen vollkommen aus, sodaß kein Schmutz darunter Platz findet. Nach vollendeter Arbeit werden die Hände sauber gewaschen und die Nägel gründlich ausgebürstet, wozu man am besten warmes Wasser verwendet. Die Seife löst sich leicht unter den Nägeln und der oben anhaftende Schmutz wird mit fortgenommen. Die Nägel bleiben bei diesem Verfahren vollkommen sauber. Sollte sich doch einmal schwer zu entfernender Schmutz unter den Nägeln festgesetzt haben, so kann man die Reinigung auf folgende Weise erfolgreich vornehmen: Man wickelt ein wenig Watte um die Spitze einer Nagelfeile, taucht die Watte in Kölnisches Wasser und schiebt ein Stückchen der Watte unter den unsauberen Nagel, wo man es etwa 10 Minuten lang liegen läßt. Die bleichende Eigenschaft des Kölnischen Wassers tut ihre Wirkung und nach gründlichem Bürsten wird alle Unsauberkeit unter den Nägeln verschwunden sein. Ansdcemrusen und Belcen Ein Feind der Bubiköpfe. In Maimö hat der Hilfsgeistliche der KaroliGemeinde eine vierzehnjährige Konfirmandin von der weiteren Teilnahme am Konfirmandenkunterricht ausgeschlossen und ihr die Konfirmation verweigert, wenn sie nicht während des Konfirmandenunterrichts das kurzgeschnittene Haar wachsen lasse. Bereits beim Beginn des Konfirmandenunterrichts hatte der Geistliche den Konfirmandinnen erklärt,„daß er nicht wünsche, Bubiköpfe unter seinen Konfirmandinnen zu haben und daß diejenigen, die das Haar früher geschnitten hatten, dieses während des Konfirmandenunterrichts in jedem Falle wachsen zu lassen haben.“ Den Eltern hätte sein klar ausgesprochener Wunsch höher stehen müssen als das Aussehen ihrer Tochter. Das Vorgehen des Geistlichen hat in Malmö und ganz Schweden großes Aufsehen erregt, zumal die Eltern den Nachweis erbracht haben, daß das Haar ihrer Tochter lange vor dem Konfirmandenunterrichte geschnitten worden u. währeno desselben nur in dem Umfange glattgeschnitten worden war, der zur Erhaltung der Frisur unbedingt erforderlich war. 50 000 Pfund für„verlorene Gattenliebe“. Der junge Londoner Bauunternehmer Fulton heiratete vor zwei Jahren die Tochter der Witwe des verstorbenen Millionärs Jamson. Leider wurde nach kurzer Zeit das Eheglück recht empfindlich gestört, als die Schwiegermutter sich entschloß, zu den Neuvermählten ins Haus zu ziehen. Frau Jamson tat alles mögliche, um das Ehepaar zu entzweien, und sie hatte Erfolg: die Eheleute trennten sich. Der Gatte aber gab seine Sache noch nicht verloren. erhob Klage gegen seine Schwiegermutter und verlangte 1 Miliion Schadenersatz für die„verlorene Liebe seiner Frau“. In der Klageschrift gab er an, daß es nicht verwunderlich wäre, wenn die Frau Achtung und Liebe verloren hätte, da die Schwiegermutter ihn in ihrer Gegenwart geschlagen hätte. Er als Gentleman wäre nicht in der Lage gewesen, sich zu verteidigen. Das Gericht entsprach dem Antrag Fultons, erkannte ihm aber nur den zwanzigsten Teil der gezorderten Summe als Schadenersatz zu, was imrierhin den achtbaren Betrag von 50 000 Pfund ausmacht. „So nimm denn meine Hände". gehört zu unseren beliebtesten Kirchenliedern. Am 7. März jährt sich zum 100. Male der Geburtstag der Dichterin dieses Liedes. Julie v. Hausmann. Sie wurde am 7. März 1826 in Riga geboren, war Lehrerin und später Vorsteherin der St. Annenschule in Petersburg. Ihre Gedichte verbarg sie in ihrer weltscheuen Art sorgsam vor den Augen der Menschen, bis Pastor Knak in Berlin sie entdeckte und mit Einwilligung der Dichterin in vier Bänden als „Maiblumen“ herausgab. Eins von den Liedern das in dem ersten Band der„Maiblumen“ veröffentlicht wurde, ist der beliebte Choral„So nimm denn meine Hände", der heute wohl in sämtlichen deutschen Gesangbüchern zu finden sein dürfte. Der ungalante Poiret. Eine Konferenz der Aerzte in Newyork, die sich mit dem Thema:„Sollen die Frauen ihr Gewicht verändern, und wie?“ beschäftigt, kam zu dem Schluß, daß es schädlich sei, wenn die Frau durch Gifte, Diät oder Korsett eine Gewichtsverminderung herbeiführen wollte. Nach Aussage des französischen Bekleidungskünstlers Poiret wären es auch nur die Amerikanerinnen, die wie ein Laternenpfahl umherlaufen möchten. Die Folgeerscheinung wäre die zunehmende Unfruchtbarkeit der Frauen. Die Amerikaner sollten endlich ihre Schönheitsbegriffe einer Korrektur unterziehen, und die Frauen sollen das Fett ruhig da lassen, wo die Natur es für nötig befunden hätte. —12.— Daheim, 62. Jahrg., Nr. 23. Ein reiches Heft liegt vor uns. In seiner Mitte steht ein Aufsatz des amerikanischen Architekten Bossom: „Vom Babelturm zum Wolkenkratzer“ mit sehr lehrreichen Bildern. Eine Novelle von Schellhaas„Der Ahnherr" interessiert, die Frau wird die beiden Aufsätze„Das Lettehaus" und„Der Beruf der Imkerin“ gern lesen, mehr für den Mann bestimmt ist die Arbeit C. Heuns„Wir Elsässer und die Franzosen“, die in die Politik hineinleuchtet. Der feingeschliffene Gesellschaftsroman der Baronin Fircks„Halligton“ findet seine Fortsetzung. Die Frauen= und Jugendbeilage, die Wochenchronik sind farbig und bilderreich. Besonders sei auf die wunderschöne Kunstbeilage nach einem Gemälde Meister Uhdes hingewiesen. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Esch * Se— 7—*— S S5TTg1S ** LEESEEETTSEE! L1•1 DCKSTADGEEEg, 5888888888 858 S 88 — Tader * Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 10 Altena, den 9. März 1926 Königin Luise (Zum Gedächtnis ihres 150. Geburtstages am 10. März.) Von Dr. W. Frey=Hannover. Bereits 150 Jahre trennen uns von der Geburtsstunde der Königin Luise von Preußen, ohne daß die Erinnerung an den Zauber ihrer liebreizenden Persönlichkeit irgendeine nennenswerte Trübung in deutschen Gemütern erfahren hat. Man ist angesichts der Gegenwart, die in Ermangelung überragender Führergestalten jedwedem historischen Persönlichkeitskultus reges Interesse entgegenbringt, vielmehr geneigt, in einer Vergrößerung von ihrer volkstümlichen Bedeutung zu sprechen. Daß dabei die Idealisierung dieser wahrhaft königlichen Frau Begleiterscheinungen zur Folge haben mußte, wie sie heute teilweise in maßloser Ueberschätzung und Beimischung ihr völlig fremder Wesenszüge zutage traten, nimmt nicht weiter Wunder. Gewiß,„Erinnerung vergoldet" und zwar um so stärker, je reiner und schlackenloser sich ein verehrungswürdiger Mensch der Nachwelt erweist, doch darf eine solche von Mentalität bestimmte Betrachtungsweise nicht dazu verleiten, bei einer kritischen Würdigung das Gebiet möglichst objektiver Forschungsergebnisse außer acht zu lassen. Das äußere Leben der Königin, von ihren Zeitgenossen sattsam als„schönste Frau des neuen Jahrhunderts“ gepriesen, verlief, abgesehen von den letzten qualvollen Jahren des Zusammenbruchs und französischer Fremdherrschaft, in herkömmlich geregelten Bahnen und darf als bekannt vorausgesetzt werden. Hannover— Darmstadt— Berlin— Memel — Tilsit— Hohenzieritz kennzeichnen seine einzelnen Etappen, die Luise im Zeitraum vom 10. März 1776 bis 19. Juli 1810 von der Wiege bis zur Bahre geleiteten. Zwei auf ihren Tod gemünzte zeitgenössische Urteile skizzieren scharf die wahre Bedeutung dieser edlen Frau. Napoleon erklärte seiner Umgebung:„Der König von Preußen hat seinen besten Minister verloren!“ und die Gräfin Sophie Dönhof, eine Vertraute der Königin: „Schönheit, Jugend, Glück und Hoheit sind so wenig wie irgendeine Erdengabe der ausschließliche Besitz eines Einzelnen. Dennoch gibt es vereinzelte Menschen, denen ihr Besitz in so hohem überfüllten Maß zuteil ward, daß sie uns als Repräsentanten aller Erdenherrlichkeit gelten. So war es auch, als die Königin Luise starb, als sei noch kein schönes und glückliches(?) Weib gestorben, als habe der Tod sich noch nie an Jugend und Hoheit vergriffen." Diese sachlich nüchternen Worte eines Kaisers und die etwas überschwenglichen einer Gräfin kommen zweifellos der historischen Wahrheit am nächsten, während wieder andere Stimmen die Persönlichkeit Luisens erheblich unter= und überschätzten. Erinnert sei hier nur an jene von Karoline v. Berg. geb. Gräfin von Häsler. verfaßte Biographie, die 1820 unter dem Titel „Die Königin Luise. Der Preußischen Nation gewidmet“ anonym herauskam und u. a. die schlichtgebildete Königin als„eine der besten Denkerinnen und Gelehrten des Jahrhunderts" fälschlich verherrlichte. Gutgemeinte aber haltlose Lobpreisungen Luises, die auch heute noch in bestimmten Frauenkreisen verbreitet sind, suchten sehr bald nach ihrem Tode aus einem „ganz weiblichen Weibe“ einen„Phönix ideeller Vollkommenheiten“ zu gestalten. Unterschreiben wir auch in diesem Punkt die verständige Ansicht der Gräfin Dönhoff:„Zu der Zahl berühmter Frauen konnte die Königin nur durch den einzigen Ruhm gerechnet werden. der echter Weiblichkeit keinen Abbruch tut, durch den ihrer Schönheit und Herzensgüte.“ Ja, sie war schön und gütig zugleich. eine liebevolle, zärtlich besorgte Gattin und Mutter. dabei jeder Zoll eine formvollendete Königin, so daß wirklich für diese seltene Frau nur der Thron einen würdigen Sockel ergab. Jene Zeit liegt übrigens noch nicht sehr weit zurück, da fast in jedem preußischen, ja deutschen Bürgerhause ein Bild der Königin hing auf dem sie, anzuschauen wie eine holde Lichtgestalt, in weißer mit silberbestickter Crepe, ein Perlendiadem im Blondhaar, anmutig und hoheitsvoll einige Stufen hinabschreitet. Und wer kennt nicht aus dem Mausoleum zu Charlottenburg Meister Rauch„Schlafendes Marmorbild“, der Königin, dessen klassische Strenge und Herbheit vornehmlich den Charakter der stillen Dulderin zum Ausdruck bringt. So erklärt es sich, daß im Volke sich sehr bald mit ihrem Namen die Vorstellung„der königlichen Frau“ schlechthin verband. M Wce Es raucht ein Herd Es raucht ein Herd nach Osten zu, Das Heimchen singt im stillen Haus, Dort ging ein' schön=stille Frau In alten Jahren ein und aus. Kein Bettler kam den Weg entlang, Er zog dann fort mit Gruß und Dank. Die Diele war so weiß gesegt So gastlich war der Tisch bestellt. Aus diesen blanken Fenstern sah Ich einst das erste Stückchen Welt. Da lag ich lang auf Mutters Tuch Und sprach mit meinem Bilderbuch. Und wenn's im Hause Mittag schlug, Und rasselnd fiel das Uhrgewicht, Nach unserm Vater sahn wir aus Und wichen nicht und wankten nicht; Mir ist, ich hing die ganze Zeit Wie eine Klette ihr am Kleid. Ich weiß nicht, ob der Herd noch raucht Ob noch am Herd das Heimchen singt, Ob heut noch jeder Bettler gern Wie sonst an unser Türlein klingt. Nur Sonntags mein' ich dann und wann, Ich träf' so alles wieder an. Die Mutter stände vor der Tür, Die Augen schattend mit der Hand— Wie wenn ich von der Reise käm' Und alles hätt' den alten Stand. Ich hör' das Zirpen durch den Raum— Seid still, es ist mein Sonntagstraum. Karl Busse. Wa Doch besaß sie nicht nur äußere Vorzüge, die ihr aller Herzen gewannen, sondern auch Gaben eines tiefen und warmherzigen Gemütes. Ihr Wesen gefiel allgemein durch fröhliche Natürlichkeit. Geduldig und nachsichtig ertrug sie die häufigen Launen des Königs. Man erzählt, er sei zuweilen recht eigen in der Begutachtung ihrer Toilette gewesen, so daß sie einmal zwei Kleider übereinander anzog, weil das erste nicht saß. Wir lächeln heute über derartige kleine Wichtigkeiten! Ihre angeborene Güte und ein feinentwickeltes Taktgefühl wußten nicht selten allerlei unliebsame Gegensätze zwischen dem König und seinen Ministern zu überbrücken. Dabei fehlte es auch nicht an Lästerzungen, die jedes Wort, jede Miene Luises solange zu drehen und deuten (versuchten, bis irgendeine Boshaftigkeit dabei heraussprang. Man zieh sie wärmerer Gefühle für ihren feurigen Schwager, den Prinzen Louis Ferdinand, der mit ihrer jüngeren Schwester Friederike vermählt war, man bespöttelte ihre harmlosen„Kinderféten“ u. ihren mädchenhaften Tanzeifer. Am meisten litt sie selbst unter den mehr oder weniger versteckten Vorwürfen, die auf ihre politischen Einmengungen hinausliefen, und die Napoleon zur Verfolgung seiner Ziele sehr erwünscht kamen. Sie sollte Minister und Generäle verabschiedet und sogar Schill die verhängnisvolle Marschordre zum Losschlagen eigenhändig ausgefertigt haben. Erwiesen ist von diesen Behauptungen nichts, wenn es auch feststeht, daß sie in innerpolitische Geschehnisse stärker als vermutet verwickelt war. Schwer faßbar erscheint uns heute, welche Gründe die Königin zu der völlig unfruchtbaren Zusammenkunft in Tilsit bestimmten. Galt sie doch damals weder als geschickte Rednerin, noch hatte sie sich bis dahin ernstlich mit Wissenschaften und Staatsgeschäften befaßt. Und trondem bestand sie, wenn auch von Hardenberg sorgfältig instruiert, vor den Augen des Kaisers mit Glanz. Sie erfaßte ihre Rolle intuitiv mi: echtweiblicher Anpassungsfähigkeit, so daß sich selbst Napoleon in ihr täuschte und ihr zutraute, „seit 15 Jahren allein die Zügel der Regierung in Händen“ gehabt zu haben. Bekannt ist ferner sein schmeichelhafter Ausspruch:„Sie war eine ebenso geistreiche wie schöne, aber sehr unglückliche Frau.“ Der plötzliche Tod der Königin beraubte dann auf Jahre hinaus den preußischen Hof jedes Glanzes und jeder Freude. Er hatte, um eine Meinung der Gräfin anzuführen,„seinen Mittelpunkt verloren wie die Familie des gebeuoten Königs ihre Seele". So gewann sie allmählich über die schwarzweißen Grenzpfähle hinaus im ganzen Deutschland den Ruf einer tugendhaften Frau, einer glühenden Patriotin und einer wahrhaften Königin. Ihre menschliche Liebenswürdigkeit sicherte der Königin einen dauernden Ehrenplatz in der deutscher Geschichte. Wie soll man Kinder strafen? Von Frieda Freund. Ohne Strafe ist eine Erziehung nicht gut denkbar. Man soll aber nicht in jedem Fall sagen, daß die Strafe nicht nur der Lohn für ein begangenes Unrecht ist oder sein soll, wie man im Affekt unwillkürlich annimmt. Ungleich höher steht die bessernde und in gewissem Sinne vorbeugende Wirkung der Strafe. Nur wenn man sich dessen bewußt ist, wird man vernünftig, das heißt erfolgreich strafen. Ein allzu rasches, sich bei jeder Gelegenheit wiederholendes Strafen ist zu verwerfen. Es stumpft die natürliche Furcht und, was noch schlimmer ist, das Ehrgefühl des Kindes ab, macht es dickfällig oder gar verstockt oder ruft sogar Abneigung und Empörung im kindlichen Herzen hervor. Man soll zuerst mahnen, warnen, mit der Macht des lebenden Wortes wirken. Nur wenn all das nutzlos ist, soll man strafen. Natürlich besteht die Strafe nicht allein in körperlicher Züchtigung, es gibt auch eine Gefühlsstrafe, die sogar den ungleich breiteren Raum in dieser aktiven Abwehr des Bösen einzunehmen hat, eine Strafe, die das Ehrgefühl, das Zärtlichkeitsbedürfnis, den Freiheitsdrang, die Spiellust des Kindes mehr oder weniger emp findlich trifft. Nur im frühesten Kindesalter, in dem eeine Gefühlsstrafe rein illusorisch ist, bleibt die körperliche Züchtigung, natürlich mit minimaler Kraftaufwendung, die allein mögliche und richtige. Ist das Kind aber zu einer gewissen Verständigung herangreift, dann muß man unbedingt den Hauptwert auf die anderen Strafweisen zu legen suchen. Schon ein ein faches Nichtbeachten des Kindes, ein trauriger, schmerzlicher Blick der Eltern, Versagen von Zärtlichkeiten usw. können tief empfunden werden. Ebenso wird durch Ausschließen von gemeinsamen Spaziergängen das Selbstgefüh berührt. Hungerstrafen und Haft in dunklen, einsamen oder auch hellen Räumen sind aber durchaus unzulässig. Der Schaden, den das Kind in seiner Einsamheit#urch Erzegung, — S3 85E S2 55.8 zSgeSEg 60 * 6 5 * S SS 5 S# # S S E5EEES E G•T E8 n · La L SBESET S-BSHEGALEVSvoS POausge81 BEEin EOTEEEDL ESTSSEESSPSS9 u5#-S-B5E gTEE“SGAERES enPeFnGUR SE E38 S# Sg Gesso. sec 5 S 9— 99 22 S# S. 312.6 S-E 8 532 SSDESRS Furcht" wut ooer körperliche Verirrung un Leib und Seele nehmen kann, hebt alle beabsichtigte erzieherische Wirkung auf. Ein zweites Gebot lautet: die Strafe muß individuell bemessen werden. Feinfühlige, gutmütige Kinder sind anders zu behandeln, als dickfällige oder gar widerspenstige. Auch hat die Strafe in einem durchaus richtigen Verhältnis zu den Vergehen zu stehen. Gerade dieses feine Abwägen von seiten der Eltern erhält das Kind empfänglich für den beabsichtigten Effekt der Strafe. Ebenso muß jede angedrohte Strafe unbedingt erfolgen. Man drohe aber mit Ueberlegung und möglichst nicht in plötzlicher Aufwallung. Die Strafe muß dem Vergehen des Kindes sofort folgen, sonst vergißt es die Ursache, ist jedenfalls nicht mehr im Vollgefühl seines Schuldbewußtseins, so daß es in dem auch schon im Kinde allzu menschlichen Trieb, sich vor sich selber rein zu waschen, leicht dazu kommt, Ungerechtigkeit oder gar üble Laune in dem Verhalten der Eltern zu wittern. Eine Grausamkeit ist es, dem Kinde auf Stunden hinaus die Gewißheit einer kommenden Strafe zu geben, sie durch die oft unerträgliche Angst der Erwartung zu verschärfen. Ganz besonders ist davor zu warnen, körperliche Strafen in blindem Zorne vorzunehmen. Einmal kann man das Kind zu hart anfassen, zweitens aber geht das Wertvollste verloren, der seelische Zusammenhang zwischen Erzieher und Kind. Dieses muß trotz allem das Mitleiden, den Schmerz des Strafenden, darüber. daß er züchtigen muß, empfinden. Natürlich müssen auch die anderen Strafweisen auf dem gleichen Prinzip bestehen. Wie schon gesagt sind körperliche Strafen nur im Notfalle, also selten auszuüben. Ganz besonders gilt das noch den Mädchen gegensolchen Exekution, besonders wenn es sich wiederholt, wirkt auch schädigend auf das Zartgefühl der kleinen Zuschauer und kann unter Umständen Roheit und Grausamkeit in ihnen entwickeln. Auch mit dem Schelten und Ermahnen sollte man vorsichtig verfahren. Wer immerfort zankt und nörgelt, macht die Kinder gleichgültig oder unlustig und setzt auch die elterliche Autorität herab.„Mutter redet ja doch immer!" Auch das auf Vorbeugung oder Abweisung berechnete Wort kann nur Eindruck erwecken, wenn es nicht in jedem Augenblick und ohne rechten Grund ertönt. Velelgleleleieicleneenge Aus der Frauen Rosenmunde Kommt, was tief im Herzensgrunde Jeden Mann erfreuen mag; Reiner Frauen süßes Lachen Kann uns fröhlicher noch machen Als der blütenreiche Hag. Wie auch süß ein Ton erklinget, Wie der Wald in Pracht auch steht, Wie die Heide Blumen bringet, Wie die Nachtigall auch singet, Frauenhuld doch drüber geht! Der Kanzler(um 1300). über. Weibliches Zart= und Schamgefühl ist unendlich leichter zu verletzen. Am besten ist es in diesem Falle, wenn die Mutter die nötige Züchtigung vornimmt. Wird aber durch Schläge gestraft, dann muß es eindringlich geschehen, damit diese auch gefühlt werden, aber man darf nie grausam werden. Das zaghafte, aber bei jeder Gelegenheit einsetzende Klapsen macht die Dem Kinde, dem Schläge in bezug auf das Ehrgefühl nicht das schlimmste bedeuten, gelten auch die edleren Mittel wenig oder nichts. Man schlage nie ins Gesicht oder auf den Kopf. Die Natur stellt andere Teile und auch breitere Flächen dazu zur Verfügung. Nach vollzogener Strafe aber sei man freundlich wie immer, nur ernster, bis auch dieses Nachzittern des Vorfalls sich verflüchtigt. Man hüte sich besonders vor allem Nachtragen, das entfremdet nur, und gerade der Wechsel von Sonnenschein und Finsternis, von Liebe und erzieherischem Zorn macht beides eindringlich wirksam. Ein grober Fehler und geradezu ein Unrecht wäre es ferner, wollte man das Kind wegen der erlittenen Strafe verspotten. Die Folgen sind klar. Auch die Umgebung, zum Beispiel die Geschwister, dürfen hier nicht höhnen oder necken. Deshalb sei es Gesetz für die Eltern, das Kind niemals in Gegenwart der Geschwister oder anderer zu züchtigen, schon um das Schamgefühl des Kindes zu schonen. Das Mitansehen einer Nach empfangener Strafe soll man nie eine Abbitte erzwingen wollen. Oft ist nicht oder Groll die Ursache des passiven Verhaltens, sondern nur Scheu, Scham, die das Kind zurückhalten und im Zaudern den Entschluß immer weiter hinausschieben lassen, bis er dem kleinen Herzen zu schwer wird. Kommt aber das Kind freiwillig, dann soll man dem kleinen Sünder unbedingt volle Verzeihung gewähren und über sein Tun ernste Freude zeigen. Man darf ihn ja nicht zurückstoßen:„Geh, ich mag dich nicht!" Das erfüllt das Gemüt des Kindes mit Weh und Bitterkeit und läßt im ersten Augenblick auch das Gefühl der Demütigung in ihm laut werden. Manche vertrauensvolle Kinderliebe ist durch ein solches sinnloses Verhalten unrettbar zerstört worden. Zum Schluß sei noch besonders darauf hingewiesen, daß die Eltern auch hinsichtlich der Strafe einig sein müssen. Es wirft alle Erziehungskunst um, wenn das Kind hört, wenn die Mutter bedauert, wo der Vater straft, und umgekehrt, oder wenn eins der Eltern gegen das andere wegen eines Straffalles Partei ergreift. Ist der eine Teil mit den Kindern unzufrieden und zu einem Vorgehen gegen sie genötigt, so zeige auch der andere gegen sie eine gewisse Zurückhaltung und nehme das Kind nicht noch Füzen zu stehen, zumal die Heiratsmöglichkeit sich verringert hat. Das Ereignis des verlorenen Krieges hat diese Entwicklung nicht erst herbeigeführt, sondern nut beschleunigt. Leider lassen sich aber viele Eltern bei Entscheidung der Frage, was die Tochter werden soll, von zwei nicht immer richtigen Beweggründen leiten: erstens die Ausbildung soll kurzfristig sein und möglichst wenig kosten, zweitens welcher Beruf im Augenblick„modern" oder aussichtsvoll ist. Es liegt zunächst ein großer Irrtum vor zu glauben, daß man in kurzer Zeit etwas Tüchtiges lernen konne. Das ist nie und nirgends der Fall. Nur der Tüchtige, d. h. derjenige, der etwas gelernt hat, und daneben natürlich auch fleißig ist, kommt vorwärts. Man sage nicht, beim jungen Mädchen brauche auf eine längere Ausbildung nicht geachtet zu werden, denn es werde doch heiraten. Ganz abgesehen von der Unsicherheit der Verehelichung ist, es auch eine Verkennung des Wesens guter Ausbildung, wenn man sie als belanglos oder unnütz für die Mutter und Hausfrau betrachtet. Jede gründliche Durchbildung erzeugt Charakterstärke und seelische Vertiefung, Eigenschaften, die gerade die Frau als Gattin und Mutter besonders nötig hat. Ebenso falsch ist es, sich bei der Wahl des Berufes von den augenblicklichen Aussichten leiten zu lassen. Niemand kann die zukünftige Entwicklung voraussehen. Was heute nicht aussichtsvoll erscheint, kann morgen sehr günstig sein und umgekehrt. Jeder soll den Beruf ergreifen, für den er nach seiner körperlichen und geistigen Anlage geeignet ist. Heute ist der kaufmännische Beruf z. B. nicht besonders verlockend, und man soll sich wohl überlegen, seine Tochter ihm zuzuführen. Die wirklich sachkundige seit 1889 bestehende und größte Berufsorganisation„Verband der weiblichen Handels= und Büroangestellten" unterläßt es daher, vor dem Ergreifen des kaufmännischen Berufes zu warnen. Wer Eignung und Neigung hat, soll sich ihm widmen. Aber Voraussetzung ist eine durchgreifende Ausbildung, also entweder mehrjährige praktische Lehre in einem guten Geschäftshause, in dem der Lehrling richtig angeleitet wird, oder Besuch einer vollwertigen Handelsschule mit mindestens anderthalbjährigem Kursus für Volksschülerinnen und einjährigem Kursus für Absolventinnen eines Lyzeums oder einer gleichartigen Anstalt. Sehr empfehlenswert ist es, vor endgültiger Entscheidung sich an die zuständige Berufsberatungsstelle zu wenden, wo man in der Regel sachkundige und sachgemäße Auskunft erhält. —2.— etwa in Schutz. Welchen Beruf soll das junge Mädchen ergreifen? Auch viele junge Mädchen, die früher bis zu ihrer Verheiratung im Haushalt der Eltern geblieben sind, sehen sich heute durch die Wirtschaftslage gezwungen, einen Beruf zu ergreifen, der ihnen die Möglichkeit gibt, auf eigenen Märchen „Wenn die Tage beginnen zu langen, kommt der Sommer gegangen.“ Mit dem Sommer hat es freilich noch gute Weile, ober die Tage haben jetzt schon morgens und abends merklich zugenommen, und die Dämmerung macht sich im Gegensatz zum Winter stärker und länger geltend. Die Dämmerstunde war und ist noch heute vielfach auf dem Lande eine trauliche Plauderstunde. Ehe Licht angezündet wird, sitzt man im Familienkreise um den warmen Ofen herum, und die Kinder bestürmen ungeduldig die Erwachsenen mit vielen Fragen. Ihr frischer * Der Freier Stizze von Franz Friedrich Oberhauser. Jakob Fennerle bereitete sich für den versprochenen Sonntagsbesuch bei der Färbermeisterwitwe Mathilde Stubbs vor. Er überlegte nochmals alles Für und Wider dieses Besuches, er konnte für sein Junggesellenleben von der größten Bedeutung sein. Er war eine Art Freiung, denn die stattliche Frau Stubbs hatte ihn seit langem in ihr Herz geschlossen. Er sah sich schon als behäbigen Ehemann im warmen Nest. Eine solche Heirat hatte einen gewissen Wert, das wußte er. Alles schien in Ordnung zu sein. Aber im Hausslur kam ihm unerwartet das Fräulein Eva entgegen, eine Nichte seines Meisters. Eva war sehr hübsch, sie trug eine weiße Bluse, einen Sommerrock und kle braune Schuhe an den schönen Füßchen. Und Eva lud den Jakob Fennerle kurzerhand zu einem Dominospielchen ein. Natürlich nahm Jakob an. Beide gingen die Straße hinauf, da erinnerte sich Jakob plötzlich an den versprochenen Besuch; er nahm Abschied und stand bald vor dem grüngestrichenen Zaun des Gartens, ging in das Haus, Frau Mathilde Stubbs kam ihm entgegen, und nun saß er in der alten behaglichen Stube, mit den lichtgebeizten Möbeln, der woher Zerbingen de uet bischer Wtiche! dufteten, und mit kleinen Röslein verziert Annn, die ältere Tochter der Frau Stubbs, schwang sich auf sein Knie und sagte:„Schaukeln Sie mich, Herr Fennerle!“. Er schaukelte sie und meinte: „Du hast die schönsten Haare, die ich je ge„Die hab ich von der Mutter!“ erwiderte sie Karoline, die jüngere, ward nun eisersüchtig, drängte die Anna fort und sagte:„Meine Zahn, sehn Sie bloß mal meine weißen Zähn an und meine Nase! Da!“ Daraufhin sah sich Jakob die weißen Zähne mal an und die Nase und lobte sie. „Aber die hab ich vom Vater!“ rief die Karoline. Es wurde still. Es war jene Stille, die vor großen Ereignissen einzutreten pflegt; deshalb ging die Frau Mathilde Stubbs in die Küche, den Kaffee und den Kuchen zu holen. Anna sagte unterdessen mit einer klaren Offenheit: „So spitze Knie, wie Sie, Herr Fennerle, hat mein Vater nicht gehabt!"... Jakob gab darauf keine Antwort. Er fühlte plötzlich den milden Duft von Thymian und Lavendel. Er bemerkte plötzlich, wie die vielen alten Pfeifenköpfe auf dem Pfeifenständer lan grinien anhnden. Er sahz einen Kanartenvogel im Bauer schlafen mit verstecktem Köpflein. Er wurde ein wenig müde. Vielleich: machte dies der Duft der bürgerlichen Stube. Es lag die Luft behaglichen Lebens hier, eines Lebens, das langsam stille wird und in ruhige, behäbige Bahnen kommt. Es wirkte auf den jungen Freier sanft ein, und Jakob bekam eine Lust, auf dem alten, etwas eingedrückten Diwan ein Nachmittagsschläfchen zu machen. Von irgendwo herüber kam die heisere Stimme eines Grammophons. Frau Stubbs brachte nun den Kaffee und das Backhwerh.„„..an Tekah anf. Wenn die Frau Stuvos den Junoo ansah. dann bewegte sich sein Adamsapfel heftig auf und nieder. Eigentümlich, Kaffee und Backwerk schmeckten ihm nicht, obwohl er sich darauf gefreut hatte. Nun wurden die Mädchen in den Garten geschickt, die Spatzen von den Salatbeeten zu jagen. Frau Stubbs wollte Sicherheit haben. Die Uhr tickte laut, und Jakob dachte sich, wenn bloß der Kuckuck herausspringen und rufen würde. Aber nichts rührte sich; nur die Pfeifenköpfe grinsten unverschämt weiter. Wie unbeholsen man sein konnte! Frau Mathilde begann langsam vom Geschäft zu sprechen, das einen neuen Herrn dringend brauche. Sie sprach von der Wäsche, die schön lin Ordnung war, von den Zimmern und lebhafter Geist ist hungrig nach allerlei Wissen, und dieser Hunger will gestillt sein.„Großmutter, erzähl' uns ein Märchen...“ Großmutter oder Großvater oder die Mutter diesem Verlangen nachkommt, hängen die Kleinen an dem Munde der Erzähler und sitzen mäuschenstill. Das Märchenerzählen hat sich als ein wundervolles Mittel erwiesen, Kinderseelen zu bannen. Märchen aber wollen er zählt, nicht etwa vorgelesen sein. In Märchen ist die Grundlage meistens das Wunder, das scheinbar Unmögliche und Unglaubhafte, das in enge Beziehungen zur Menschenwelt gesetzt wird, wie der Zauber, den das Wunder bewirkt. Dieser Zauber geht fast immer von Göttern, Geistern, Elfen, Feen, Riesen, gen, Kobolden, Hexen oder Zauberern aus. Das Ursprungsland des Märchens ist nicht bloß, wie man vielfach meint, das Morgenland, sondern auch das Abendland. Freilich ist als die Quelle vieler Märchenstoffe Indien anzusehen, von wo aus sie zunächst nach Arabien und von hier aus in den Kreuzzügen nach Europa wanderten. Im Orient gibt es sehr alte Märchensammlungen, und mehrere Stoffe daraus gingen auch über in das älteste Märchen= und Legendenbuch des christlichen Europas, die im mittelalterlichen Latein geschriebenen„Gesta Romanorum“. Deutschland haben im Jahre 1812 die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm mit ihren„Kinder= und Hausmärchen“, ein für alle Zeiten mustergültiges Märchenboch geschenkt, indem sie mit ebenso großem Geschicke wie richtigem Gefühle viele im Volksmunde noch verbreiteten Märchenstoffe sammelten und wiedergaben, wie die Herzen der Kinder sie in ihrer Reinheit und Einjachheit aufzunehmen vermögen. In solchen Dämmerstunden, wo den Kindern Märchen erzählt werden, kernen sie manchmal von vergangenen Zeiten, Sitten, Bräuchen und Zuständen mehr als durch dicke Bücher, und manches Kind möchte an Tagen, an denen Großvater und Großmutter zum Erzählen recht aufgelegt sind, die Dämmerstunde hinausgeschoben wissen. Mit Recht hat der Künstler, der das Denkmal für den dänischen Dichter und Märchenerzähler Andersen schuf, ihn auf einem schönen Kinderspielplatz und mit erzählender Gebärde so dargestellt, daß man beim Betrachten meint, die Geschichten des Märchenerzählers hörten niemals auf. —42— Das Heiratsgesuch durch die Zeitung Man hält das Heiratsgesuch durch die Zeitung gewöhnlich für eine Errungenschaft der neueren Zeit. Dieser heute nicht mehr ungewöhnliche Weg, in den Hafen der Ehe zu gelangen, erfreut sich indessen schon eines recht achtungswerten Alters und dürfte gegenwärtig ungefähr sein zweihundertjähriges Jubiläum feiern. Die ersten derartigen Inserate, die aber ihren Schritt selbst als„nicht gewöhnlich" bezeichneten, begegnen uns nachweisbar in Verliner und Frankfurter Blättern. So las man ein Heiratsgesuch schon im Juli 1738 in den „Frankfurter Frag= und Anzeigsnachrichten“ und später eröffneten die„Görlitzer Nachrichten und Anzeigen“ sogar ihr Blatt mit einer einjzigen Anzeige, die ebenfalls ein Heiratsgesuch war.„Zum Heiraten wird ein Weibsbild gesucht" stand in einer uns heute nicht sehr geschmackvoll klingenden Weise anno 1797 in einer Berliner Zeitung zu lesen. Durch Kürze zeichnete sich dieses wie ähnliche Inserate keineswegs aus, denn es umfaßt 20 Zeilen, die den Bewerber eingehend schilderten. Der Inhalt solcher Gesuche, die es in erster Linie auf Geldheiraten absahen und denen das Geschäft über die Liebe ging, war so ziemlich immer der gleiche. Der Heiratslustige lobte sich selbst über den Schellenkönig, in der Hoffnung, ein Eileillenlelellfeillelialfel lselielleliehilerl Gel Kurz Lachen, langes Weinen, Das ist der Liebe Brauch. Und doch, wiewohl sie Leiden Allzeit zum Lohne gibt, Nie mag von Liebe scheiden, Wer einmal recht geliebt. Er trägt die heißen Schmerzen Viel lieber in der Brust, Als daß er nie im Herzen Von solchem Glück gewußt. Emanuel Geibel. Ne Goldfischlein werde auf solche verlockende Angel anbeißen. Und wie lange solche Gesuche nachwirkten, beweist der Umstand, daß im Gothaer Reichsanzeiger um 1800, drei Jahre nachdem er ein Heiratsgesuch gebracht hatte, noch öffentlich angefragt wurde, ob der Suchende schon gewählt habe oder noch Vorschtäge annähme. Als besonders merkwürdig muß erwähnt werden, daß die Heiratslustigen jener Zeit sich keineswegs in die heute allgemein übliche Anonymität hüllten. Sie nannten gewöhnlich ihren vollen Namen, zum mindesten aber die Wohnung, wohin sie etwaige Bewerberinnen einluden; in allen Ehren und Züchten natürlich, denn der spätere Nebenzweck, in solcher Weise Liebesbekanntschaften anzuknüpfen, war damals noch ganz unbekannt. Außerdem waren es in alter Zeit ausschließlich Männer, die die Hilfe der Zeitung in Anspruch nahmen, um eine Lebensgefährtin zu finden, denn für das schöne Geschlecht hätte ein solches Vorgehen zweifellos als unerhört und geschmacklos gegolten. Das blieb so bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts, so daß die immer selten erscheinenden Gesuche damals stets außerordentliches Aufsehen erregten und sicher waren, Beachtung zu finden. Als dann aber allmählich die Frauen ihre frühere Scheu überwanden und nunmehr auch ihrerseits ängstlich gehütete Wünsche der Männerwelt zu offenbaren begannen, wurde das Heiratsgesuch bald zu einer gewöhnlichen Erscheinung des täglichen Lebens. Den Mut zu diesem kühnen Schritt hatte den Damen zweifellos der Schleier der Anonymität verliehen, der von jetzt ab zur allgemeinen Voraussetzung wurde. Aber sie hatten auch Poesie in die nüchterne Sache gebracht, denn das rein Geschäftliche wurde jetzt mehr in den Hintergrund geldrängt und an seine Stelle traten das Christgeschenk, die Ostersonne, das Maienglück und andere schöne Bezeichnungen, mit denen die Ehelustigen ihre Liebessehnsucht ausputzten. ——.— Das Liebesthermometer Theophile Gautier— sagte gestern einer meiner Freunde zu mir— hatte vollkommen recht, als er den weisen Ausspruch tat. das beste Mittel, den Grad der Liebe einer Frau zu messen. sei, darauf zu achten, wie sie auf eine Beschädigung ihres elegantesten Kleides durch den Mann bei einer Umarmung oder bei einem kleinen Mißgeschick reagiert.— Ich habe zwei Jahre lang eine Frau geliebt, die mich sechs Monate lang angebetet hat. Zwei einzige Male (ich bin Frauen gegenüber im allgemeinen sehr vorsichtig und huvsch achtsam) verstieß ich gegen die heiligen Gesetze, die für eine neue, elegante Damentoilette gelten. Das eine war ein leichter, das andere ein schwerer Fall. Sie genügten. mich davon zu überzeugen, daß es kein präziser arbeitendes Thermometer gibt als das von Gautier bezeichnete. Sie hatte gerade ihre große Abendtoilette beendet. Wir wollten ins Theater, hernach noch auf einen Ball. Sie trug ein herrliches Dekolleté, das während der vierzehn Tage seines Entstehens ihre größte und tiefste Lebenssorge gebildet hatte. Wir waren beide in glänzender Stimmung und jagten durch alle Zimmer der Wohnung. Als es mir endlich gelang, die zierliche, behende Gestalt zu fangen, schloß ich sie in meine Arme, hob sie auf und wollte sie unter stürmischen Küssen wegtragen. Da— ratsch..! „Die Türklinke!“ fährt es mir durch alle Glieder. Mit dem wunderbaren Seidenkleid, dem Traum zweier Wochen, war es zu Ende. Von den Hüften an bis unten— mitten entzwei! „Entweder es trifft sie der Schlag oder sie erschießt mich!" war mein einziger Gedanke. Statt dessen fiel sie mir um den Hals und tröstete mich(tröstete mich):„Nimm es nicht tragisch, Liebster. So schlimm ist es gar nicht Im Gegenteil: jetzt gehen wir weder ins Theater noch auf den Ball, sondern verbringen zusammen einen herrlichen Abend!". Dann setzte sie sich auf meine Knie, lehnte den Kopf an meine Schulter und— na ja—. 42 Grad, hätte Gautier gesagt. Ein Jahr später saßen wir eines Nachmittags in einem Café. Sie müde und gelangweilt, ohne zu wissen warum; ich müde und verärgert, weil ich sie so nicht sehen mochte. Eine Jazzband spielte; man tanzte. Wir beide saßen in unserer Ecke und tranken Tee! Ich rauchte. sehens mußte, ohne mein Verschulden, ein Funke von meiner Zigarette auf den Rock meiner Freundin gefallen sein, denn ich bemerkte plötzlich, daß ein kleines Loch in das Tuch gebrannt war: eine winzige Beschädigung, leicht wieder gutzumachen; außerdem war das Kleid längst nicht mehr neu. Ich fand die Sache also nicht so furchtbar, um mir sehr viele Gedanken darüber zu machen.— Als wir nachher im Wagen saßen, um nach Hause zu fahren, verdüsterte sich das Gesicht meiner Kleinen wie draußen der Abendhimmel, an dem sich Wetterwolken zusammenballten.„Du könntest wahrhaftig ein klein wenig achtgeben, wenn du rauchst,“ sagte sie gereizt.„Es ist nicht sehr angenehm, wenn ßlich vom Sparkassenbuch. Dann ließ sie ein Wörtlein von der Einsamkeit fallen und davon, daß es nicht klug sei, lange allein zu sein. Aber an dem Freier glitten diese Worte alle ab; es tat ihm ein wenig wohl, aber es weckte nichts in ihm; keinen Eifer, keinen Beifall, kein herzliches Gefühl, keinen Wunsch, keinen Traum. Es fehlte etwas. Er sah sie an; aber er fragte nicht, wieviel diese Frau über Vierzig hinaus war. Er versuchte die Lage zu überblicken; aber immer wieder kam der Gedanke vom Verschenken seiner Jugend. Oh, diese höhnischen, verflixten Pfeifenköpfe! Er sah den Kanarienvogel, der noch immer schlief, den Glanz der alten Möbel und die behäbige Behaglichkeit. Da fiel ihm das Wörtlein„altern“ ein. Alt! Das Wort blieb. Seine Jugend lockte beständig. Er faßte sich, und begann zu reden; aber seine Stimme hatte keinen Klang!..., 9 Reitem Aind mitarschaf „Ach, natürlich! Die Zeiten sind miserabel, ich bin jung, unerfahren, das Knopfdrechseln, tja, das geht aus dem ff. Frau Stubbs, aber ob ich zu einer ernsten Sache tauge...“ „Sie sind doch ein mutiger, starker, junger Mann, Herr Fennerle! Ich schätze Sie sehr, das wissen Sie. Sie sind ein rechtschaffener, Arbeiter, und wenn ich Sie so ansehe, dann muß ich mir denken... was hat schon ein Junggeselle heutzutage für ein Leben, nee!“ Jakob aber überhörte ihre Rede. Er sad.. ihre flanellene Bluse und da fiel ihm ganz merkwürdigerweise die weiße Bluse des Fräulein Evchens ein. Von der Bluse kam er auf den Rock, auf die gelben Schuhe, die kleinen Füßchen, und wieder empor zu den lachenden Augen und den roten Lippen, ja, den vollen jungen roten Lippen! Heut abends das Dominospiel, und die kleine Hand unter dem Tisch! Ach, du Gütiger! Wenn er schon fort wäre; er sah verstohlen auf die Uhr. Er begann zu reden, aber die Frau Stubbs erwiderte ihm kraftvoll. Die Uhr tickte lauter, und der Kuckuck rief noch immer nicht. Aber das Grammophon hörte er wieder. Da kam der Augenblick der Entscheidung. Frau Stubbs sah den Jakob Fennerle mit einem großen, langen Blick an. Sie ließ ihm Zeit. Aber der Freier brauchte keine Zeit; er wußte selbst, woher er jetzt den Mut nahm, und was er redete: „Sehen Sie, Frau Stubbs, mit meinen einundzwanzig Jahren, gelt, jung... ungeschickt, sonst hab' ich nichts, auch nichts erspart: „Und?“ fragte sie laut. „Also... wie kann man da auf eine Zukunft, ich meine, wenn Sie ein wenig zuwarten wollten, wenn Sie... ja, Frau Stubbs, ich will sagen... lassen Sie sich durch mich nicht aufhalten. Schauen Sie...“ In diesem Augenblick, er wird es nie vergessen, da stand die riegelsame Frau Stubbs plötzlich auf und hieb mit der wohlgenährten Hand auf den Tisch, daß die Kaffeeschalen ein klirrendes Duett sangen, der Kanarienvogel aus seinem Schlummer emporfuhr und die Pfeisen. jköpfe zu grinsen aufhörten. Selbst der Kuckuck sprang jetzt aus der Schwarzwälder, um zu sehen, was da los war in dieser ruhigen, behaglichen, bürgerlichen Stube der Frau Mathilde Stubbs... „Nein... Herr, Herr Fennerle, aufhalten lasse ich mich nicht! Ich bin eine Geschäftsfrau, verstehen Sie, und von Ihnen lasse ich mich schon gar nicht aushalten, entschuldigen Sie, Herr Fennerle! Und nun... kommen Sie gut nach Hause!" Dem Freier tanzte der Adamsapfel wieder heftig auf und nieder. Sieh an, die alten, dummen Pfeifenköpfe grinsten nicht mehr, und der Kanarie sah mit schiefem Köpflein auf ihn herab. Flüchtig roch Jakob noch den Färberstoff, warf einen Blick in die alte Stube mit den sanftglänzenden Möbeln, reichte der Frau Mathilde Stubbs die Hand und war auf der Straße. Wie ein der Freiheit Wiedergegebener rannte er dahin. Ein fröhliches Lied auf den Lippen, seine Jugend in Sicherheit wissend, lief er dem Hause seines Meisters zu, mit frohlockendem Herzen, mit beschwingten Sinnen und einer seligen Erwartung voll in die Arme der kleinen, hübschen Snauchew rate