Von Ookar Klein. Als Iben el Hamasi, der weis Derwisch von Bagdad, sich eines Tages in die Moschee begab. um dort, wie gewöhnlich, die Bläubigen durch seine Reden zu erbauen, da trat ihm Abdallah der Wasserträger, entgegen und sprach: „C du Brunnen der Wissenschaft du Muschel welche alle Weltweisheit enthält, wenn dueben so gütig bist wie weise, so hilf nur Siehe, als ich gestern in der Moschee deinen Worten lauschte, ist mir in der Zeit mein Efel, den ich vor der Tür draußen mit einem Strick angebunden hatte, entlaufen. Du weisester der Gläubigen, du Licht Allahs, so hilf mir, meinen Esel wieder zu erlangen. Flehe zu dem Propheten darum, und dein Gebet wird sicher Erhörung finden.“ Iben el Hamasi bedachte sich einen Augenblick, dann sprach er zu Abdallah:„Komm mit mir in die Moschee, dir soll ein Esel werden.“ Und beide begaben sich in das Heiligtum. Hier stieg Iben auf die Kanzel und redete zu den Gläubigen, die die Moschee bis zum letzten Platze füllten und seiner Rede mit Bewunderung lauschten. Als er aber geendet hatte und die Frommen sich zum Fortgehen wendeten, rief er sie noch einmal zurück und sprach: „Oh. ihr Moslim, noch eines ist es, was ich euch künden muß. Gebet der Wahrheit die Ehre! Ist einer unter euch, der in seinem Leden noch kein Weib geküßt hat, so erhebe er sich und komme her zu mir!“ Eine tiefe Stille herrschte in dem Raum, verlegen sahen sich die Andächtigen an.“ Da erhob sich Ibrahim, der geizigste Kaufmann von ganz Bagdad, und sprach mit Frohlocken: „Oh. du weiser Derwisch, siehe, ich bin der, den du suchest. Denn bei dem Barte des Propheten schwöre ich dir, daß ich rein bin, heute noch wie am Tage meiner Geburt. Nie in meinem Leben habe ich ein Weib geküßt oder gar am Herzen eines Weibes gelegen. Dies schwöre ich dir!“ Da wandte sich Iben el Hamasi an den in seiner Nähe stehenden Abdallah und sprach zu ihm: „Du hast deinen Esel verloren, o Freund! Nimm hier diesen, den Ibrahim, dafür, denn einen größeren zu finden, wäre selbst dem Propheten nicht möglich!" . e die hundert Taler für sich, zufrieden, daß sie den letzten Wunsch ihres Mannes so getreu erfüllt hatte. —1.— Eeleldeeeeelge die Wunden werden ausgewaschen, und die Zeugen des Kampfes halten ein großes Trinkgelage zu Ehren der beiden Helden ab. Selbstrerständlich heiratet nun der Sieger das Mädgen. —— Frauenlist Ein Bauer lag auf dem Krankenbette ohne Hoffnung auf Genesung. Als er merkte, seine letzte Stunde sei gekommen, sprach er zu seiner jungen Frau:„Liebe Luise, du siehst, daß ich sterben muß. Wir haben keine Kinder. Daher habe ich dir zum Lohn für deine treue Liebe alles vermacht. Das Testament ist auf dem Gericht hinterlegt und unansechtbar. Eines aber habe ich vergessen, weil man in gesunden Tagen nicht an alles denkt. was einem auf dem Sterbebette einfällt. Ich wünsche nämlich, daß du nach meiner Beerdigung unseren fettesten Ochsen verkaufst und den Erlös an die Armen verteilst, damit sie für mich beten und Gott Barmherzigkeit mit mir armen Sünder hat. Willst du mir das versprechen?" Die Frau tat es unter Tränen, und nun starb der Bauer ruhig. Gleich nach seiner Veerdigung erinnerte sie sich seines letzten Willens. Sie zog ihren fettesten Ochsen aus dem Stalle. Als sie ihn aber betrachtete und überlegte, wie viel sie dafür einnehmen würde, bedauerte sie ihr Versprechen. Aber ihr guter Mann hatte es so gewünscht und sie mußte seinen letzten Willen erfüllen. Ehe sie sich aber auf den Weg nach der Stadt machte, um den Ochsen zu verhabfen. fing sie einen Hahn ein. band Füße und Flügel zusammen und hing ihn an die Hörner des Ochsen. Auf dem Markte brauchte sie nicht lange zu warten. Einem Fleischer gefiel der schöne fette Ochse und er fragte nach dem Preise für dieses Staatsvieh.„Der Ochse ist sehr billig.“ sagte die Frau,„aber er wird nicht ohne den Hahn verlauft. Der Ochse kostet nicht mehr als zwei Taler. der Hahn aber hundert Taler und keinen Pfennig lasse ich ab.“ Der Fleischer zweifelte an dem gesunden Verstande der Frau, aber es war nichts zu ändern. Er mußte für den Hahn einhundert. für den Ochsen nur zwei Taler zahlen. Zufrieden mit dem Handel ging die Frau nach Hause, verteilte Ratschläge und Winke Raggnmdamer in Aumentosen. Regenwürmer in Blumentöpfen, die für das Gedeihen der Pflanzen außerordentlich schüdlich sind, entfernt man leicht, wenn man die Blumentopferde abends beleuchtet. Die Würmer kriechen dann hervor, und man kann sie einfach ablesen. Oder man klopft tüchtig mit einem Stück Holz an die Töpfe, dann kommen sie bestimmt an die Oberfläche. Stellt man die Töpfe in ein Geschirr mit warmem Wasser, so werden dadurch die Regenwürmer gleichfalls veranlaßt, hervorzukriechen. Auch das Begießen— aber nicht etwa der Blumen selber. sondern nur der in den Blumentöpfen besindlichen Erde— mit einer Lösung. die aus einem Löffel voll Senf und fünf Liter Wasser besteht lockt die lastigen Gesellen ans Tageslicht. Den Pflanzen wird dadurch keinerlei Schaden zugefügt. Behandlung von Mardersellen. Marder, sowohl der Baum= als auch der Edelmarder, dringen in der rauhen Jahreszeit zu nächtlicher Stunde gern in den Tauben= oder Hühnerstall ein. Gelingt es, einen der Raubgesellen, deren prächtiger Pelz sehr geschätzt ist mit einer Falle zu fangen, so ist es wichtig, daß man die Beute regelrecht„streift"— so lautet der Ausdruck in der Weidmannssprache. Dieses„Streifen" des Marderbalges findet nun statt, indem man ihn„an der Innenseite der Läufe von den Fußballen bis zu den Blättern beziehungsweise bis zum Weidloche aufschärft alsdann die Läufe aus dem Balge löst, den Marder an einem Hinterlauf aufhängt, durch Drehen der Rübe aus der Lunte löst und nun den Balg unter Zuhilsenahme des Nicksängers abstreift“. Pelzwerk zu waschen. Man kocht gute weiße Hausseise oder Sunlight=Seife auf, seiht die Brühe durch, läßt sie erkalten und leg: das Pelzwerk hinein. Dann nimmt man es wieder heraus, drückt es tüchtig zwischen den Händen aus, nimmt reines Seisenwasser und wiederholt das Verfahren mehrere Male. In erwärmtem Fluß= oder Regenwasser wird nachgespült. Kaltes Wasser macht den Lederstreisen hart. Dann trocknet man die Pelzsachen zwischen Tüchern und kämmt sie zum Schluß. Reinigen von Möbeln. Möbel, Fußböden oder Linoleum, die Flecken aufweisen, frischt man dadurch auf, daß man sie mit einem wollenen oder leinenen Tuche abreibt, das man in einer Lösung von Leinöl und Terpentin zu gleichen Teilen eingetaucht hat. Helle Stellen von Möbeln verschwinden, wenn man dieser Lösung etwas Farbpulver in der vorhandenen Schattierung beimengt. — is dem Engen und Weiten Zu allen Zeiten hat es Männer von ungewöhnlicher Körperkraft gegeben. Selbst Fürsten tragen vielfach den Beinamen„der Starke“. Aber die Geschichte weiß nicht nur von starken Männern zu berichten. Am berühmtesten unter den starken Frauen ist wohl die bekannte Schauspielerin Madame Gautier von der Comédie Francaise, die sich erbot, sich mit dem Kurfürsten von Sachsen Moritz v. Sachsen, der von 1541 bis 1553 regierte und als einer der stärksten Männer seiner Zeit galt, im Ringkampf zu messen, da niemand sonst mit ihm zu kämpfen wagte. Die Herausforderung wurde angenommen, aber dem starken Manne gelang es nur mit äußerster Anstrengung seiner letzten Kräfte. die gewaltige Dame zu besiegen. Ihre Hände waren zwar sehr klein, nichtsdestoweniger aber stark genug, um einen silbernen Teller zusammenzubiegen, als wäre er ein Papierblatt, oder eine goldene Münze glatt entzweizubrechen. Niemand vermochte ihrem Händedruck standzuhalten.— Wie wäre es, bei dem Bestreben eines großen Teiles der heutigen Frauenwelt. es den Männern auf allen Gebieten gleich zu tun, wenn die Frau künftig nicht nur— wie es bereits geschieht— als Ringkämpferin und Boxkämpferin in den Ring träte, sondern auch im Kampfe mit Männern den Ruf eines„Champions" oder der„Weltmeisterschaft" im Ringen und Boxen erwerbe!„Ein großes Muster weckt Nacheiferung", sagt Schiller, und das große Muster ist ja in Madame Gautier vorhanden. Aber! Was nicht ist, kann ja noch werden! Dabei ist dann auch ein blaues Auge oder eine rote Lippe vielleicht schneller und dauerhafter zu haben als mit Stift und Schminke. O. K. Das unerschrockene Mädchen. Ein kleines amerikanisches Mädchen in Kansas hat mit zehn Jahren ihren Beruf entdeckt. Sie hat einen Einbrecher im elterlichen Hause beobachtet, eingeschlossen und dann die Erwachsenen alarmiert. Ueber ihre Erlebnisse von den Reportern befragt, äußerte sie:„Ich hatte gar keine Furcht. Es war sehr interessant, genau so interessant wie Indianerspiel. Und ich will späterhin Detektivin werden.“ Es ist recht gut daß man für die Frau noch einen neuen Beruf entdeckt hat: denn die alten sind wirklich nicht mehr interessant. Ob aber alle Frauen so unerschrocken sein werden wie dieses kleine Mädchen, ist eine Frage... Blücher und die Schauspielerin. Fürst Blücher von Walstatt schrieb in das Stammbuch der schönen Schauspielerin am Berliner Theater. Henriette Hendel, die dann. nachdem sie die Gattin des Hallenser Professors Schütz geworden war, unter dem Namen Frau Henriette Hendel=Schütz als Darstellerin kunstvoller Mimoplastik berühmt und gefeiert wurde folgende Zeilen: „Sie ist so sanft, so anmutsvoll, so schön! Wer seine Ruhe liebt, der darf sie selten sehn.“ So konnte Frauenschönheit und Frauenreiz den alten Haudegen, der bekanntlich ein Feind aller„Federfuchserei" war und auch mit der Rechtschreibung arg auf dem Kriegsfuß stand selbst zum Pegasusreiter und Versenschmied begeistern S. P. Weihnachtsheft der Deutschen Frauenkleidung und Frauenkultur. Das vom Verband Deutsche Frauenkleidung und Frauenkultur herausgege bene 10. Heft der gleichnamigen Zeitschrift (Verlag Otto Beyer, Leipzig) bringt rechte Weinachtsstimmung ins Haus. Dr, Leo Weismantels mit Krippenbildern reich illustrierter Aufsatz„Die Weihnachtskrippe“ erzählt wie eine Legende von der Entstehung. dem Sinn und Brauch der Krippen bis in unsere Gegenwart. Emmy Zweybrück=Prochaska ersetzt uns mit Abbildungen der Schätze, die man zum Herstellen weihnachtsicher Dinge brauchen kann und mit ihrem Auisatz„Vorweihnachtliche Beschäftigung“ in eine Vorfreude festlicher Gefühle. Eugenie von Garvens lehrt uns das„Talent des Schenkens“. Beschäftigungsspiele für Kinder, Hinwer#e für Stickereien in Elisabeth Merkels Beitrag „Mein Sticktuch“ und viele andere Nachrichten dienen dem Gedanken der Weihnachtsarbeit. Außerdem enthält das Heft wie gewöhnlich sehr viele Kleiderabbildungen neost Beschreibungen, Grundsätzliches zur Schnittmusterfrage von Melanie Heide=Herwig und sehr viele Abbildungen von schönen Näh= und Klöppelspitzen, die ein Aufsatz von Sabine Brinkmann erläutert. Das Heft sollte jeder deutschen Frau in die Haro gegeben werden, es kann damit viel Weihnachtsfreude in allen Häusein aufleuchten. Ernst Stemmann, Das bunte Jahr. Ein Gang durch die Jahreszeiten. KM. 6—10. Kleinoktav. Halbleinwand. Etwa 160 S. Mit 12 Tondruckvignetten von Fritz Kredel. RM. 4.50 K. [Thienemanns Verlag, Stuttjart. Mit dem neuen Büchlein„Das bunte Jahr" bebeschert Ernst Stemman den Kleinen, die dem Vilderbuch entwachsen sind, etwas sehr Rerzvolles, einen bunten Reigen von kurzen Gedichten, Geschichten, Märchen und launigen Versen, die, zu Gruppen vereinigt, das charakteristische Gepräge eines jeden Monats dem Kinde von 6—9 Jahren beinahe bringen. Alles ist gleich treffend u. auf das jugendliche Gemut eingestellt, dabei handelt es sich aber nicht etwa um eine Zusammenstellung von mehr oder weniger bekannten Dingen, sondern um völlig Eigenes dieses Märchenerzählers, der seine Berufung hierzu bereits in früheren feinen Jugendbüchern hinreichend bewiesen hat. Alle diejenigen, die zum Vorlesen für ihre Kinder und Enkel oder aber zu deren eigener Lektüre nach etwas Neuem und zugleich literarisch Wertvollen und leise Belehrenden suchen, mögen daher dieses prächtige, von Fritz Kredel mit launigen Vignetten geschmückte Büchlein, wählen. Sie werden auch selbst sich noch ergötzen an manchen dieser kleinen köstlichen Kabinettstücke. Druch und Verlag: B a Sanß. Alten Verantwortlich: H. Semmelmann. Alt* — 13 e uumou bung gun u26: 2oc 130 11 ssp ui SSaS SSES 9—— 5 2.0 g SanS#g ag aS Sggeg Bngeus S 85g S 5m Sgisggg S 2. S 5 2 5 — Praden 4 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. r. 51 Altena, den 15. Dezember 192 Dichtung und Wahrheit über die Frauen Von Gustav Beyer. Die Urteile großer Männer, namentlich der Dichter und Philosophen über die Frauen erscheinen uns immer interessant, weil die allgemeine Annahme dahin geht, daß die Helden des Geistes und der Feder im allgemeinen grönere Menschenkenntnis als die gewöhnlichen Sterblichen besitzen und daher berufen erscheien, die Geheimnisse und Tiefen der Fraueneele in höherem Maße zu ergründen. In der Literatur aller Zeiten und Völker spielt die Frau eine große, wenn nicht die Hauptrolle, und zwar in gutem wie in bösem Sinne. Homer, der sich gelegentlich recht ungalant über die Frauen äußert, hat andererseits eine der liebreizendsten Frauengestalten in der Nausikaa geschaffen. Shakespeare verteilt in dieser Hinsicht ebenfalls in wirksamster Weise Licht und Schatten. Wie grausige Nacht und himmtischer Tag stehen gegenüber die Gestalten der Lady Macbeth, die ihren Gatten zum Königsnord anstachelt, und der Julia, die wie eine Verkörperung des hohen Liedes der Liebe erscheint. Goethe. der als einer der feinsinnigsten Kenner der Frauenseele gilt, sagt im Faust:„Und geht es zu des Bösen Haus, das Weib hat tausend Schritte voraus.“ Der Schluß des großen Werkes aber klingt aus in den Worten:„Das ewig Weibliche zieht uns hinan.“ Und in der Leonore im„Tasso“ und der Iphigenie hat er die idealsten Frauengestalten der Weltliteratur geschaffen. Goethe sieht in dem Umgang mit Frauen das Element guter Sitten. Er schreibt ferner:„Es ist keine Frage, daß bei allen gebildeten Nationen die Frauen im ganzen das Uebergewicht gewinnen müssen; denn bei einem wechselseitigen Einfluß muß der Mann weiblicher werden. und dann verliert er; denn sein Vorzug besteht nicht in gemäßigter, sondern in gebändigter Kraft. Nimmt dagegen das Weib von dem Manne etwas an, so gewinnt sie; denn wenn sie ihre übrigen Vorzüge durch Energie erheben kann, so entsteht ein Wesen, das sich nicht vollkommener denken läßt.“ Nach Lessing„rüstete die Natur das weibliche Geschlecht zur Liebe, nicht zu Gewaltsamkeiten aus, es soll Zärtlichkeit, nicht Furcht erwecken, nur seine Reize sollen es mächtig machen; nur durch Liebkosungen soll es herrschen und soll nicht mehr beherrschen wollen, als es genießen kann.“ In ähnlich liebenswürdiger Weise äußert sich über die Frauen der große Königsberger Weise Kant, der zeitlebens unbeweibt geblieben nur den Antrieb sieht, Annehmlichkeit und guten Anstand zu wahren. Ganz im Gegensatz zu Kant urteilt Schopenhauer, der dessen Lebenswerk ausgebaut und vollendet hat, über die Frauen. Er war ebenso wie sein Vorgänger unvermählt und behauptet unter anderem, daß die Mutterliebe nur bis zum vierten Jahre des Kindes währe und daß die Frauen weder einer großen Tat noch eines hervorragenden Talents fähig seien. Zwar ist er der Ansicht, daß der Mann den Geist.„den Adelsbrief de rNatur“, auf den er selbst so stolz war, von der Mutter erbt, aber wie ein roter Faden zieht sich durch seine WeltWeihnachtstraum Still verglommen sind die Kerzen. Die den Tannenbaum erhellt; Frohbeglückte Kinderherzen Pochen noch— sonst ruht die Welt. Wie das Echo stiller Lieder Schwebt ein Traum vom Himmel nieder, Der das Hoffen neu entfacht In der heil'gen Weihenacht. Sel'ger Traum von ew'gem Frieden, Der die ganze Welt umsaßt. Von der Gleichheit, die hienieden Alle eint, die sich gehaßt. Der die Tatkraft froh erweitert Und in Lieb' die Herzen läutert. Bis Erkenntnis Raum gewinnt, Daß wir alle Brüder sind. Aber ach, es folgt den Träumen Ein Erwachen allzubald! Truggebilde, sie verschäumen, Und die Wahrheit grüßt uns kalt. In dem rauhen Alltagsleben Muß der Weihnachtsgeist entschweben. Ein Erinnern bleibt uns kaum An den holden Weihnachtstraum. Jacques Burg. sagt er.„wenn es gleic eine Frau weit darin bringen sollte, vertilgt die Vorzüge, die ihrem Geschlechte eigentümlich sind, und können dasselbe wohl zum Gegenstand der allgemeinen Bewunderung machen, aber sie werden zugleich die Reize schwächen, wodurch sie ihre große Gewalt über das andere Geschlecht ausübt.“ Gegen diesen letzten Satz werden wahrscheinlich die meisten unserer vielen gelehrten Frauen gewichtige Bedenken erheben. Wenn aber der große Philosoph weiter meint, die Frau werde von dem Weltgebäude nichts mehr zu kennen nötig haben, als nötig ist, den Anblick des Himmels an einem schönen Abend ihnen rührend zu machen, so werden sicherlich viele von unseren heutigen lieben Frauen, auch diejenigen, die nicht Physik und Astronomie studiert haben, diese Ansicht des großen Königsbergers ein bißchen veraltet finden. Die Verwunderung indessen über die heute nicht mehr ganz moderne Auffassung Kants in diesem Punkte dürfte sich aber in mildes Verzeihen wandeln bei der Feststellung, daß der Philosoph in seiner Galanterie gegen die Frauen so weit geht, daß er sogar die ihnen vorgeworfene Eitelkeit entschuldigt und darin anschauung der Gedanke:„Im Herzen stockt der Mensch, nicht im Kopf; der Sinn und Zweck des Lebens ist kein intellektueller, sondern ein moralischer. Wie Fackeln und Feuerwerk vor der Sonne unscheinbar werden, so wird Geist ja Genie überstrahlt von der Güte des Herzens, die einer über dieses Leben hinausreichenden Ordnung der Dinge angehört und die mit jeder anderen Vollkommenheit unvergleichbar ist.“ Geist und Genie, die von der Mutter ererbt werden, geiten ihm also als minderwertig gegenüber Charakter und Willen, die er als väterliches Erbteil betrachtet und aus denen die moralischen Werte entspringen. In seinem berühmten Buch„Die Welt als Wille und Vorstellung" hat Schopenhauer diese Ideen dargelegt. Karl Ludwig Michelet, ebenfalls Philosoph und Zeitgenosse Schopenhauers, der aber nicht dessen pessimistischer Weltanschauung huldigte urteilt mit väterlicher Güte über die Frauen So sagt er unter anderem:„Nur dadurch, daß du die Frau von den Erbärmlichkeiten der Facharbeit, in weichen sich deine Kräfte, lieber Arbeiter, aufreiben, befreiest, ist#s mögsich, sie jo edel und vornehm, wie es nur die Frauen und Kinder, diese liebenswürdige Aristokratic des Menschengeschlechts sind, zu erhalten. In ihr findest du. was dich wieder an deinen Ade“ erinnert.“„Für dich“, ruft er dem Manne zu, „die harte Arbeit und die rauhe Berührung mit der Welt, für sie den Frieden und die Liebe, die Mutterschaft, die Kunst, die friedliche Beschäftigung in der Häuslichkeit.“ Der moralphilosophische Schriftsteller Bogumil Goltz erörtert mit vielem Humor, aber auch sarkastisch das Für und Wider und kommt zu dem Schlusse:„Man kann gewisse Frauen nur mit ihren Augen vergleichen. In diesen Augen spiegeln sich alle Wahlverwandtschaften und dann wieder die Selbstsucht, die Wetterwendigkeit und die Treulosigkeit, die Unbarmherzigkeit der Natur gegen das Individuum". Schließlich aber wird das harte Urteil wieder ausgehoben, indem es heißt:„Das Weib trachtet unendlich mehr danach, glücklich zu machen, als glücklich zu sein.“ Er ist ein Feind der gelehrten Frauen und will nur anspruchslose, rein weibliche, gefühlvolle Wesen" anerkennen. „Nur des Weibes Herz geht ganz in seiner Liebe auf; diese Liebe ist sein Leben, seine Liebenswürdigkeit, sein Gewissen, sein Genie.“ Nach Voltaire wiegen alle Gründe der Männer nicht ein richtiges Gefühl der Frauen auf. Der bekannte Pädagoge und Jugendschriftsteller Joachim Heinrich Campe, der Lehrer der beiden berühmten Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, widmete vor ungefähr hundert Jahren den Frauen eine Apotheose, aus der hervorzugehen scheint, daß er bereits eine Vorahnung von der heutigen Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne hatte, indem er pathetisch ausruft:„Allgewaltiges, obgleich schwaches Geschlecht, was vermag nicht alles dein zwar unmerklicher, aber sicherer Einfluß auf den Mann und durch den Mann auf jede öffentliche Angelegenheit, auf den gesamten Flor und das Wohlergehen der bürgerlichen Gesellschaft.“ Ueber die Frauen wird von jeher viel geschrieben und gesungen: in Liedern, in Dramen, in epischen Dichtungen. Das Preislied aber hat gesungen Adalbert von Chamisso, der in seinem Liederzyklus:„Frauenliebe und Leben“ der deutschen Frauenliebe ein unvergängliches Denkmal errichtet hat. —12— Die Abwechslung in der Küche Von Dr. L. Schmock. Jedesmal, wenn Menschen gezwungen sind, längere Zeit hindurch Tag für Tag ein und dieselbe Nahrung zu sich zu nehmen, wäre sie auch wirklich zuträglich, zeigt es sich, daß schließlich ein allgemeiner Widerwille dagegen entsteht, der auf die Dauer unbesiegbar ist. Auf See, im Kriege usw. wiederholt sich diese Erscheinung trotz aller Verbesserungen in der Massenkochkunst und der sorgfältigsten Auswahl unter den vorhandenen beschränkten Nahrungsmitteln stets von neuem und deutet auf eine phy siologische Eigenschaft unseres Körpers hin. Es gibt in der Tat keine Speise, die man sich ohne Rücksicht auf ihren Wohlgeschmack und Nährwert nicht bald„überäße". Wird dagegen öfter zwischen einer einfachen, aus einem derben Gericht bestehenden Küche und einem Speisezettel von mehreren Gängen gewechselt, so weiß jeder, wie viel mehr er ohne Beschwerden zu sich nehmen kann, da der Organismus, der ersten Speise überdrüssig, zur zweiten und dann zur dritten greifen kann. Mon hüte sich daher, Abwechslung in den Gerichten für eine leckere Angewohnheit zu halten; es ist vielmehr eine große Wahrheit, daß nicht allein unser Geist, sondern auch unser Körper nach Abwechslung lechzt und letzterer sich schwer rächt, sobald sein Bedürfnis unberüchtigt bleibt. Die Gründe hierfür liegen nicht fern. Die Aufnahme der Nahrungssäfte aus Magen und Darm in die Blutkanäle geschieht durch den geheimnisvollen Vorgang der Osmose, das heißt der Aufsaugung einer Flüssigkeit durch eine scheinbar dichte Zwischenwand hindurch von leiten einer anderen Flüssigkeit, die aber notwendigerweise eine andere Beschaffenheit Zweries SOGDTER: 9 gage * 5 5. 2 5 85S„EATSSSESSS * F“se„-SIFFE 95 haben muß als die erste. Zwischen zwei Säften von gleicher Art oder großer Verwandtschaft ist die Osmose unmöglich. Ebenso ist es unmöglich, daß die Nährflüssigkeit, die im Magen und Darm aus der Nahrung entsteht, von den umgebenden Gefäßen aufgesogen wird, sobald diese bereits von den gleichen Bestandteilen erfüllt sind. Dann kann es vorkommen, daß wir unfähig sind, weiter zu essen, obwohl wir noch nicht gesättigt sind und wenige Stunden später wieder Hunger haben. Würde uns aber rechtzeitig ein anderes Gericht vorgesetzt worden sein, so hätten wir zweifellos, ohne ein Gefühl von Uebersättigung, noch weiter essen können. Wer auf die Dauer gezwungen ist, einförmige Kost zu genießen, wird ihren üblen Folgen nur dann entgehen, wenn durch starke körperliche Arbeit die Verdauungstätigkeit derart angeregt wird, daß er nach dem Sprichwort:„In der Not frißt der Teufel Fliegen“ mit allem Möglichen vorlieb nimmt. Stärkere Eßlust, rascherer Blutumlauf und ein kräftiger Magen tun dann das Ihrige, um die Aussaugung der Nährflüssigkeit in das Gefäßsystem trotz Eintönigkeit der Nahrung zu sichern. Wer aber einförmige Ernährung mit einer sitzenden Lebensweise verbindet, hat fast immer unter den Folgen davon, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, ja chronische Leiden und vielleicht Entkräftigung zu leiden, da die wirklich aufgenommene Nahrung größtenteils verschwendet wird, das heißt, gar nicht in den Organismus übergeht. Schließlich stellt sich wohl gar eine Störung des ganzen menschlichen Verhaltens ein. Er wird träge, gleichgültig unlustig, und weiß oft selbst nicht, ebensowenig wi: seine Umgebung, was ihm fehlt. Daher ist die Abwechslung die erste Aufgabe jeder Küche, die ihren Zweck ganz erreichen will. Wer den täglichen Speisezettei nicht vergrößern kann, begnüge sich damit, die Speisen im Laufe der Woche recht fleißig zu wechseln, ändere auch einmal die Kochart, wechsele seinen Bäcker und dergleichen Kunstgriffe mehr. Vor allem lasse man auch die Jahreszeiten zu ihrem Recht kommen und setze seinen Stolz nicht darin, jedes Gemüse zu jeder Zeit zu bringen, sondern jede Jahreszeit gehörig auszunutzen. Besonders für Geistigarbeitende kommt eine gründliche Aenderung der Diät häufig einer wahren Neugeburt gleich. Mütter und Väter müssen— das kann nicht eindringlich genug betont werden stinktive Auswählen der Kinder hinsichtlich ihrer Nahrung mehr berücksichtigen, als es nicht selten geschieht. Wie haben nicht diese kindlichen Sympathien und Antipathien oft unendlich mehr Berechtigung als alle Erziehungsweisheit! Gerade„Ich mag das nicht" des Kindes hat oft mehr Berechtigung, freilich nicht immer, den Wert einer echten Naturstimme, die man nicht bekämpfen. sondern fleißig studieren sollte. Doppelt am Platze ist dann bei ihnen die Abwechslung im Essen. Das scheinbare launenhafte Hin= und Herspringen zwischen den„Lieblingsspeisen" bei geistesgeweckten Kindern, deren Nerven und Gehirn ebenso nach Wechsel und Ergänzung drängen, als bei weniger begabten, entspringt nur dem Bedürfnis des Leibesmechanismus. So wahr es ist, daß wir das sind, was wir essen, so wichtig ist es auch, daß wir das richtige essen, um zu werden, was wir sein wollen, damit wir nicht eine Maschine von eherner Beständigkeit im Laufen und Wirken, sondern ein Auf und Nieder der verschiedenen allseitigen Tätigkeiten und Gedanken, ein wechselndes Spiel, nicht eine starre Form des Lebens sind. Mama bleibt immer schön Durchs grünumrankte Fenster blickt die Sonne ins Gemach; Grotzmutter sitzt und nickt und strickt, sie nickt den ganzen Tag. Ihr Haar ward weiß; es grub die Zeit viel tiefe Furchen ein. Zu ihren Füßen tändelnd kniet ihr jüngstes Enkelein.— „Was nickst du denn so immerzu?“ die kleine Unschuld spricht, „Großmutter! Gar nicht schön bist du! dein Haar gefällt mir nicht— und überm Auge auf der Stirn die große Falte da! Es ist Mama viel schöner doch! Wie schön ist doch Mama!“ Großzmutter sieht den Liebling an: „Schönheit vergehet bald! Das Alter hat's mir angetan, und auch Mama wird alt!“ „Mama?“— Des Kindes Aug" umzieht ein Hauch von Kümmernis— „O nein! Mama bleibt immer schön! Das weiß ich ganz gewiß!“ Karl Siebel. Das Alter der Wannenbäder Es gibt Leute, die der Auffassung sind, vieles von dem, was wir heute zu den Lebensbedürfnissen rechnen, sei überflüssiger Luxus und wenn man heute verlangt, daß jede gekunde Wohnung eine Badeeinrichtung haben sollte, so weisen sie wohl darauf hin, früher hätten die meisten Menschen auch keine Bäder gekannt und wären doch gesund geblieben u. alt geworden, wobei sie jedoch vergessen, daß sich das Leben früher mehr in frischer und gesunder Luft abwickelte und gesundheitliche Vorkehrungen, wie sie heute bei den Städtern notwendig sind, überflüssig waren. Aber dieses „Früher“ liegt unter Umständen auch weit zuruck. Das Bedürfnis nach Bädern und Sauberkeit ist namentlich in den südlichen Gegenden vorhanden, und wurde auch befriedigt, sobald sich die Kultur entwickelte. Schon aus der Bibel ist allgemein bekannt, daß man dem Ankömmling Gelegenheit gab, die Füße zu waschen, ja man rechnete es sich zu hoher Ehre an, dem Gaste selbst die Füße zu waschen, wie dies in dem Gleichnis von Maria und Martha verewigt ist. Wären über Einrichtungen aus grauer Vorzeit noch Aufzeichnungen vorhanden, so würden sie uns jedenfalls auch Kunde davon geben, daß damals Badewannen und Wannenbäder bereits bekannt und sogar verbreitet waren. Aber auch ohne solche Aufzeichnungen haben die Ausgrabungen bewiesen, daß schon die alten Assyrer ebensolche Freunde des Wannenbades waren, wie dies die zum Teil luxuriös ausgestatteten Badezimmer der Griechen und Römer beweisen; denn in dem Palast des assyrischen Königs Assarhadon, der von 681 bis 668 vor Christus regierte, wurden unlängst in seiner Residenz in Nordsyrien drei Badezimmer freigelegt, die einen vorzüglichen Einblick in die damaligen Kulturverhältnisse gewähren. Die Badewannen, die unseren heutigen recht ähnlich sehen, waren aus Bronze hergestellt und mit gebranntem Ton verziert. Das Badewasser wurde in Hohlräumen unter den Wannen durch Feuer erwärmt. Auch in Memphis in Oberägypten wurden aus der Zeit der ältesten Pharaonen Badeeinrichtungen ausgegraben. Hier bestanden die Wannen aus einfachen Steintrögen mit Metalleinsätzen. An dem Boden der Wannen befanden sich Abflußrohre, die durch konische Bleiventile geschlossen wurden und. genau wie heute, an einer Kette hingen. Man badete damals, wie Gelehrte feststellen konnten, oft viel leidenschaftlicher als heute, und gegen jene Zeiten haben wir seitdem hinsichtlich der Badekultur keine besonderen Fortschritte gemacht. H. St. •.— Wie Luther zu seiner Frau kam Die Erinnerung an Frauen, wie Anna Reinhardt, die Frau Zwinglis, und Kathar'na von Bora, die Frau Luthers, ist uns meist nur durch den Ruhm ihrer Männer erhalten. Sicher aber ist, daß viele Frauen, die an der Seite hervorragender Persönlichkeiten lebten und deren Wirksamkeit günstig beeinflußten, nicht ohne Geist gewesen sein können; ohne Geist Weihnachten eines Junggesellen Von K. Jrnssen. Ale Notar Appelgren in seinem Stockholmer Junggesellenheim an einem trüben Wintertage sehr spät— es war schon fast 12 Uhr, denn er hatte an einer Abschiedsseier für den Stadtkämmerer teilgenommen— erwachte, ging ihm der Gedanke durch den Kopf, aus welchem Grunde er denn eigentlich aufstehen sollte. Gestern war der 23. Dezember gewesen, und in wenigen Stunden war der Weihnachtsheiligabend herangerückt. Für einen Junggesellen aber ist der Heiligabendoder unangenehmste Tag im ganzen Jahre. Dabei fiel ihm der alte Serooge in Dickens Weihnachtsgeschichte ein, und auch andere Erinnerungen tauchten vor ihm auf. Er sah auf einmal seine jüngste Schwester als Kind vor sich wie sie sich die kleine Tanne für ihre Puppen ausschmückte. Das Bäumchen stand auf einem Tische im Kinderzimmer. In dem Nebenzimmer aber war der richtige große Weihnachtsbaum mit seinen fast bis an die Decke reichenden Zweigen und den zahlreichen Lichtern aufgebaut. Eeine Gedanken schweiften noch wei ter in die Ferne. Jetzt war seine Schwester seit mehreren Jahren verheiratet und wohnte in Oslo. Einmal hatte er Weihnachten seinen Schwager in der norwegischen Hauptstadt besucht. und es war ihm ein wenig wunderlich vorgekommen, als ihn mit seinen dreißig Jahren zum ersten Male rotbackige kleine Geschöpfe„Onkel“ genannt hatten. Dabei fielen ihm die schönen norwegischen Weihnachtsgebräuche ein. Dort steckten die Bauern Heiligabend eine Getreidegarbe auf eine Stange und stellten sie für die hungernden und frierenden Vögel auf. Auch pflanzte man eine kleine Korngarbe auf das Grab der Entschlafenen. Er hatte damals die Schwester zu dem kleinen Erdhügel begleitet, unter dem ihr erstes Kind schlummerte. Als er sah, wie von all den kahlen Bäumen die Spatzen zwitschernd auf den Hügel mit der Garbe herabflogen, da waren ihm die Tränen in die Augen getreten. Hastig suchte sich der Notar von dieser Erinnerung loszumachen; denn heute wollte er sich nicht weich stimmen lassen, heute wollte er seine Ueberlegenheit bewahren. Flüchtig entsann er sich noch des hübschen Anblickes, der sich ihm auf dem Heimweg vom Friedhof nach der Stadt dargetan hatte: ein Fischer mit einer Tanne ruderte über den Fjord und am Ufer standen drei Kinderchen und erwarteten ihren Vater, der ihnen den Weihnachtsbaum bringen sollte. Doch dann begannen die Gedanken des Notars ein prosaischeres Thema zu umkreisen: das Weihnachtsessen. Er bekam inzwischen Hunger, und der Magen half dem Gehirn phantasieren. Bei dem Besuche in Norwegen hatte er Reisbrei und Rippenbraten mit Sauerkohl bekommen und dann— Bratwurst! Hier in Schweden hatte er Reisbrei, Stockfisch und Schinken zu erwarten. In Dänemark, wo er einmal als Kind Weihnachten verlebt hatte, aß man Reisbrei mit Gänsebraten, ebenso wie in England. Ein Weihnachtsgericht war den drei nordischen Ländern gemeinsam: der Reisbrei. Dazu legte man in allen drei Reichen eine Mandel in den Brei, und derjenige, der sie auf seinem Teller fand,— heiratete bald Wie konnten— so philosophierte er— erwachsene Menschen zur Weihnachtszeit nur so närrisch sein. Dann- mit einem kräftigen Ruck richtete sich Appe gren in seinem Bette auf. Alle diese kulinarischen Erinnerungen hatten einen fürchterlichen Gedanken in ihm wachgerufen, der sein Bewußtsein wie eine Bombe traf. In seinem lieben Stockholm schlossen Heiligabend alle Wirte um vier Uhr! Fünf... sechs.... die Junggesellen konnten sehen, wo sie blieben! Mit einem Sprunge war der Notar aus dem Bette heraus Ein richtiges Weihnachtsdiner wollte er sich wenigstens gönnen. Allerdings hatte auch ihn wie alle die anderen Junggesellen ein verheirateter Kollege eingeladen; aber das kam einem so verflucht gnädig und barmherzig vor, als wäre man die unverheiratete Tante des Hauses. Als Appelgren in den Hausflur kam, sah er einen alten, braven Dienstmann vor sich stehen. Natürlich hatte er einen Tannenbaum über der Schulter. Die obersten Zweige kitzelten dem Notar unter der Nase. Er hatte schon einen Fluch auf der Lippe; aber in diesem Augenblick öffnete sich die Tür vor dem Dienstmann und er hörte den Alten freundlich sagen:„Hier bring' ich den Weihnachtsbaum. Die Jungfer von drüben hatte geöffnet. In ihrem schwarzen Kleide mit der weißen Schurze sah die Kleine wirklich sehr hübsch und appetitlich aus. Ohne es zu wollen, murmelte der Einsame im Vorübergehen so etwas wie„Vergnügte Weihnachten“ vor sich hin. Auf den Straßen war es zu toll! Alle freien Plätze hatten sich in Tannenwälder verwandelt. Daß die Polizei so etwas duldete! Es war trübes, aber mildes Wetter und über den losen Schnee fuhren die Schlitten dicht hintereinander. Die Schellen läuteten, daß einem die Ohren wehtaten; alle Menschen trugen Pakete und Tannenbäume. Die Läden waren hell erleuchtet wie am Abend, und in den Schaufer stern brannten Armleuchter und Rampenlic ter. Durch die Wände hindurch roch es nau, E# s ## K#5S5E5 tbaren sie gewiß nicht. Dafür lassen sich aus der Geschichte viel Belege beibringen. Anna Reinhardt hat dies bewiesen, indem sie an der Seite ihres Gatten in Zürich eine unermüdliche Fflegerin der Armen wurde, und bei Katharina von Bora müssen wir die Aus prüche Luthers als vollgültige Zeugnisse dafür auffassen. Er schätzte sie höher„denn das Königreich von Frankreich und der Venetier Herrschaft“.(Johannes, der hiensten des HerzogNicht selten knüpfen sich an die Frauen be=[Albrecht von Preußen 1575 in Konigsberg staro rühmter Männer Legenden. Schon die Art, wielwo sich sein Grab am Fuße des Schlosses befinLuther seine Frau gewonnen haben soll, könnte det, Martin, der Theologe war und 1565 starb, Gott aber stößet viele in den Ehestand, ohne ih de ren Rat, ehe sie es recht bedenken, und tut wohl daran. Käthe, du hast einen frommen Mann, der dich lieb hat, du bist eine Kaiserin.“ Katharina überlebte den Reformator um mehr als sechs Jahre und starb am 20. Dezemder 1552 zu Torgau. Von den sechs Kindern, die sie Luther geschenkt hatte, überlebten ihn vier: Johannes, der als Rat in Diensten des Herzogs als ein willkommener Stoff für eine reizende Idylle benutzt werden: Da kommen mehrere Novizen zur Aufnahme in das Nonnenkloster Nimbschen bei Grimma in Sachsen. Sie sollen nach Ablauf der Probezeit den Schleier nehmen und spüren in sich doch die heißeste Sehnsucht nach Welt und Leben. Unter ihnen ist auch Katharina von Bora. Was tun?— Auch in das Kloster sind die Lehren und der Ruf Luthers gedrungen. Die angehenden Nonnen verschwören sich; ein Brief wird geschrieben, sie flehen den gelehrten Mann um Rettung an, und er kann der Verlockung, sich als Ritter zu zeigen, nicht widerstehen. Er veranlaßt die Entführung und fühlt sich bald von den Reizen der holden und mutigen Katharina gefangen. Sie wird sein Weib. Natürlich erregt die Sache starkes Aufsehen. Die Feinde Luthers sehen in der Entführung einen unerhörten Frevel, umsomehr, als gerade die Nacht des Karfreitags dazu gedient hatte. Ob sich der Vorgang nun gerade so zugetragen oder ob nicht die Legende Wahrheit und Dichtung stark vermengt hat, steht nicht fest. Sicher aber ist, daß Katharina von Bora, die am 29. Januar 1499 in Lippendorf in Sachsen geboren wurde, ta.###ch Nonne im Kloster Nimbschen war, aus dem sie jedoch mit Hilfe des Torgauers Leonhard Konn= am 4. April 1523 entwich. Ob Luther dabei seine Hand im Spiel gehabt hat, ist geschichtlich e##enfalls nicht erwiesen; jedenfalls aber heiratete sie Luther am 13. Juni 1525. Es wird berichtet, daß den 42jährigen Mann in erster Linie nicht die Liebe wohl aber neben dem Wunsche seines Vaters die Absicht geleitet habe, von der Heiligkeit des damals ziemlich zerrütteten christlichen Ehestandes Zeugnis abzulegen durch sein eigenes Beispiel. Ueber zwanzig Jahre lang ist Katharina dann dem Reformator eine verständige, fromme und sparsame Hausfrau sowie eine treue Pflegerin gewesen, die er in seinen Briefen nicht genug rühmen kann. Für das häusliche Glück das er an ihrer Seite genoß. sprechen vor aliem die von Aurifaber gesammelten Tischreden Luthers, die überhaupt die gesellige Gabe des Reformators, seinen sinnigen, oft auch etwas derben Humor in hellem Lichte zeigen. Luther sagt einmal voll Liebe von seiner Käthe:„Tihöchste Gnade Gottes ist es, ein fromm, freundlich gottesfürchtig und häuslich Gemahl zu haben. mit der du freidlich lebst, der du darfst all dein Gut, ja dein Leib und Leben vertrauen. Paul, der 1593 als Kurfürstlicher Leibarzt in Leipzig starb, und eine Tochter Margarethe, die 1570 in Mülhausen starb. Die männlichen Nachkommen Luthers starben bereits im Jahre 1759 aus. Abendlied Tag, nun ist dein Werk getan. Streuten Frieden deine Hände Neige, Abend, still die Bahn. Segne leis die goldne Spende. Winde, zünde deinen Kranz Nacht voll Glanz.— Herz, nun geh auch du zur Ruh— Laß uns halten stilles Rasten. Legen ab in Gottes-Truh Unsre Würden, unsre Lasten. Will die Sehnsucht auch vergehn— Still verwehn—! Ströme, ströme Seligkeit In mir ein von goldnen Sternen. Rausche, Strom der Ewigkeit Mir dein Auferstehn der Fernen— Nimm mich wieder, rein und bloß, Mutterschoß.— G. Henkel. Olivenöl als Schönheitsmittel Die zahlreichen Reisenden, die in den letzten Jahren dem schönen Italien einen Besuch abges.##t haben, waren meistens einigermaßen überrascht, als sie in das jugendlich frische Aussehen der italienischen Frauen mit weicher. ofirsichähnlicher Gesichtsfarbe und Haut sahen zumal bekannt ist, daß die Südländerin schneller verblüht als ihre Schwester aus nördlicheren Gegenden. Kundige Thebaner wollen den Schlüssel dazu darin gefunden haben, daß sia die Italienerin viel Bewegung in frischer Luft macht und eine gesteigerte geistige Tätigkeit entfaltet, vor allem aber reichlich Olivenöl, oas Speisen besgrmischt wird, gensetzt. Die Ital enerinnen zonn auch besonderes Vertrauen auf eine Einreibung mit Olivenöl setzen, wobei allabendlich Gesicht. Hals und Urme demit eingesettet und leicht massiert werden Au diese Weise erhalte sich die Reinheit und Geschmeidigkeit der Haut und die Frauen behielten ihre jugendliche Rundung. Daher nähmen alle Klassen, reich wie arm, eine ziemiich große Menge dieses Allerheilmittels, besonders in Salaten und Gemüsen zu sich, wobei selbstverständlich nur reines Olivenöl benutzt wird. Mon sagt, daß für eine geistig überarbeitete Frau eine Olivenölkur die beste Medizin sei. Nach und nach gewöhne sich der Körper an die Aufnahmefähigkeit eines großen Feitgehaltes. so hst. ldaß schließlich täglich bis zu einem Viertel Liter Olivenöl in allen möglichen Speisen beigemischt, eingenommen werden könne. Aber, trotz aller Verschönerungs= und Verjüngungsmittel— gegen den Tod ist auch in Italien noch kein Kraut gewachsen. 6. 8. 1— Die Macht der Liebe Wenn sich in der Landschaft Kordofen in Sudan zwei junge Männer zu gleicher Zeit um ein und dasselbe Mädchen bewerben, so greifen sie zu einer eigentümlichen und sehr empfind. lichen Art des Zweikampfes, die jedenfalls einen hohen Grad von Leidenschaft für die Königin ihres Herzens voraussetzt. Nachdem die Freunde vergeblich alles aufgeboten haben, um eine Versöhnung zwischen den Nebenbuhlern herbeizuführen fordern diese sich zum Kampfe heraus. Das Duell findet auf freiem Platze statt und alle Freunde und Verwandte der Gegner wohnen ihm bei. Die Vorbereitungen sind sehr einfach. Auf den Kampsplatz wird ein drei bis vier Fuß breites Gestell gebracht, und die beiden Gegner stellen sich zu beiden Seiten einander gegenüber auf. Dann gibt man jedem eine große Peitsche, die aus einem Riemen aus Flußpferdhaut besteht, und versucht zum letzten Mal, eine gütliche Einigung herbeizufüh ren. Scheitert dieser Versuch, so wird das Zeichen zum Kampf gegeben, und der, dem das Los den Vorteil zugesprochen hat, den ersten Hieb zu führen, schlägt mit aller Kraft auf seinen Gegner ein, der diesem ersten Angriff mit steigendem Gleichmut gegenübersteht und ihn so gut wie möglich erwidert. So geht es abwechselnd fort. Das bietet einen gräßlichen Anblick, da sehr bald die Haut in Fetzen zerfleischt wird. Wie schmerzhaft aber die Wunden auch sein mögen, die Kampfhähne geben keinen Klagelaut von sich. Auch die Zuschauer bleiben vollkommen ruhig, und der Kompf wird so lange fortgesetzt, bis einer von beiden die Waffe sinken läßt. Dan wirft auch der Sieger sofort seine Peitsche fort, beide reichen sich die Hände und erklären sich mit dem Urteil zufrieden. Die Freunde wünschen ihnen Glück, Siegellack und Wachs, und aus dem Obstladen an der Ecke drang der Duft von Aepfeln und Weintrauben. Alle Wirtschaften waren gefüllt, und drinnen in den Sälen standen prächtige Weihnachtsbäume, die mit Silber und Gold behängt waren und an denen zahlreiche Lichter brannten. Alle Restauranteure hatten große Weihnachtstische decken lassen mit dem riesigen Schweinskopf, der einen Apfel im Maule trägt. Da waren die leckersten, mit Zucker verzierten Schinken und allerlei eingemachte Früchte und Weihnachtswürste. All dies bekamen die Stammgäste heute umsonst, und sie saßen und tranken Weihnachtsbier und Weihnachtsglühwein und unterhielten sich mit dem Notar Appelgren und stießen mit ihm an, als kannten sie ihn schon seit hundert Jahren. Nach einer halben Stunde war er in mindestens einem Dutzend Familien für den Abend eingeladen. Es war skandalös! Der heiße Wein mit den Gewürzen und Mandeln darin übte seine Wirkung auf den Notar aus. Ein warmer Nebel legte sich um seinen Kopf, sein Blick wurde müder, sein Herz weicher. Als er wieder auf die Straße hinaustrat, kam ihm alles freundlicher und rosiger vor; und es machte nichts, wenn man von mit Weihnachtsgeschenken beladenen Männern und Frauen, gar hie und da einen kleinen Puffer erhielt. Wie es zuging, wußte der Notar selbst nicht. Aber auf einmal stand er mitten in einem Spielwarenladen. Aus reiner Zerstreuung kaufte er einen Dragonerhelm mit weißer Feder und eine Puppe. Er konnte die Sachen ja zum Notar Berggren schicken lassen, der hatte zwei Kinder. einen Jungen und ein Mädchen, und hatte ihn für den Abend eingeladen. Er selbst aber wollte unter keinen Umständen hingehen Vorige Weihnachten war er dagewesen, und er hatte sich in dem Kreis auch wirklich wohlgefühlt. Die alte Dame, die Mutter des Notars hatte selbst den Baum angezündet. und die Kinder hatten am Klavier das alte Weihnachtslied: „Stille Nacht, heilige Nacht.... gesungen. Auch Berggrens Schwester hatte er dort getroffen. Uebrigens eine niedliche Kleine! Aber beim Reisbrei hatte er die Mandel auf seinem Teller gefunden— das hatte man natürlich absichtlich so eingerichtet. Darüber hatten denn alle so herzlich gelacht, und applaudiert hatten sie, die unverschämten Menschen! Das hatte ihn geärgert, und darum wollte er nun nicht wieder hingehen.. Appelgren schlenderte noch eine Weile in den dämmerigen Straßen umher. Es fing an zu schneien, der Schnee fiel dichter und immer dichter. Jetzt geh ich nach Hause. beschloß er und nehme mir eine Flasche Glühwein mit.. Im Hausflur sah er einen Tannenzweig liegen der abgebrochen war, als der Dienstmann die große Tanne hineingetragen hatte. Notar Appelgren hob den Zweig auf und nahm ihn mit. Aber der Glühwein mundete nicht in der Einsamkeit; er war kalt und mußte doch heiß getrunken werden. Auch die Pfeise, seine alte Studentenpfeise, schmeckte ihm nicht. Er ließ das Glas stehen und in den Flaschenhals steckte er den armseligen Tannenzweig, den er aufgehoben hatte. Als es sieben Uhr schlug, erhob sich der Notar. Sein Entschluß war gefaßt: mochte man auch noch soviel lachen, er ging unter allen Umständen zu Berggrens!— Und ohne zu zögern, nahm er seinen schwarzen Gesellschaftsanzug aus dem Schrank. Wahrhaftig. es te ein Knopf an der Hose, und die alte Aufwärterin war nicht zu Hause: sie batte natürlich Weihnachteurlaub! Also mußte er sich am Heiligen Abend wohl oder übel selbst hnsetzen und einen Knopf annähen. Es war beinahe zuviel! Aber es glückte! Bald stand Appelgren. ein wenig verlegen, im Zimmer des Notars Berggren. Es duftete nach Tannenreisern. Siegellack und Reisbrei; natürlich: alle Menschen lachten und er hörte Fräulein Berggrens Stimme ganz deutlich heraus. Man spielte, sang. tanzte um den Tannenbaum. an dem auch sein Helm und seine Puppe hingen. Appelgren hatte selten solchen Jubel und solche Freude mit angesehen: und das merkwürdigste an alledem war, daß der Notar Verggren nicht viel mehr Einkommen hatte als er selbst. Beim Abendessen aber fand er wieder eine Mandel im Reisbrei. Das hätte ihm beinabe aus der Fassung gebracht. Doch der gute, selbstbereitete Glühwein stellte die Lage wieder her; es war ein ganz prächtiger Glühwein! Je mehr er davon trank, desto wunderbarer erschien ihm seine ganze Umgebung, und schließlich sah er Fräulein Berggrens Augen wie zwei Sterne funkeln. Als er spät in der Nacht heimging, hatte er aufgehört zu schneien. Alle Straßen und Plätze waren weiß, und der Himmel war hoch, klar, kalt und ganz und gar mit Sternen besät. Echte nordische Weihnacht! Auf dem Heimwege erschienen ihm die beiden äußersten großen Sterne des großen Bären als Fräulein Berggrens Augenpaar. Da aber der Glühwein seine Wirkung getan hatte, war das Schlimmste für ihn, daß er nicht mehr genau wußte, ob er schon um sie angehalten hatte. Das sollte er jedoch sehr bald, nämlich ersten Feiertag, erfahren. Weihnachten ist somit ein nicht ungefährliches Fest für einsame Junggesellen, die an dieser schönsten Feier im zanzen Jahr es nicht allein in ihver stillen Klause aushalten