Precd e. uu uch er cn re Gesicht,„Cdith, süße Edith. darf ich Tich küssen einmal nur, ein einziges Mal, bis ich wiederkehre?“ „Dummer Bub, daß Du fragst,“ sagte sie wandte sich um und ging davon. Ewald stand erschlogen und unglücklich.„Dummer Bub“ hatte sie ihn genannt, genau wie man einen angehenden Tertianer beleidigt. Aber daß sie ihr gern mag. hatte er gemerkt— ach ja, es schlen doch ein Geheimnis darum zu sein. Oh, Edith! Da leuchtete ihre helle Gestalt noch durch den dämmernden Wald, und er konnte nicht unterscheiden, ob in ihrem hastigen Ausschreiten etwas Belustigtes oder Enttäuschtes lag. Jahre sind vorbei. Ewald studiert im letzten Semester. Viel hatte er gelernk, auch— hinter das Geheimnis ist er gekommen. Nicht umsonst haben ihm Ediths Worte, noch Monate und Monate im Ohr gelegen.„Dummer Bub“, das hat ihn erst immer so beschämt. Aber auf einmal hatte er den Nebensatz verstanden.„Daf Du fragst.“— hier lag das Geheimnis, lag sein Fehler. Er hat sich dann von seiner Entdeckung überzeugt und ist jedesmal zum Ziel gekommen. Zugepackt, nur nicht gefragt und gebeten erst. Die Frau möchte dabei von jeder Selbstverantwortung frei bleiben. Sie muf sich hinausreden können auf die Rolle des gezagten, in die Enge getriebenen Wildes. So hat es die Welt verlangt, und schließlich hat sich die Frau im großen und ganzen als an ein Bedürfnis daran gewöhnt. Aber sollten denn alle Frauen, auch die klugen, selbständigen— — und sollten deshalb die Diebe und frechen Nascher bei allen Frauen so hoch im Kurs stehen und konkurrenzlos die guten Ernten halten können? Ewald ,war mit der Lösung nicht zufrieden. Sie gefiel ihm nicht, und er ahnte, daß er das Geheimnis anders ausbeuten würde. Und Edith? Auch die Edith ist erwachsen hat schon erlebt, erfahren und erkannt. Sie hat nicht alle Diebe und Räuber verscheucht die ihren Mund so begehrlich fanden. Aber es hat ihr so nicht lange gefallen. Ein Zwiespalt ging dabei durch sie hindurch und ließ sie oft denken: ob Ewald auch so geworden war wie die vielen anderen. Eines Tages kommt Ewald wieder und die Jugendfreunde treffen sich im dämmernden Park am Fluß. Es ist alles wie früher; aber aus den beiden Kindern sind reise Menscher geworden. Sie sehen es an ihren Augen und goren es aus ihren Worten. Just an der alten Stelle des damaligen Abschiedes bleibt Ewald stehen. „Edith,“ sagt er,„glaubst Du, daß ich draußen etwas gelernt habe?" Edith wußte gleich, worauf er anspielte; ein furchtbarer Schreck durchfuhr sie, und sie gestand sich in dem Moment, wie oft und sehnend sie an Ewald gedacht hatte. Sie wußte: jetzt entscheidet es sich, ob er so ist, daß ich ihn lieben kann. „Edith.“ wiederholte er, als sie nichts erwiderte, tief ausholend,„darf ich Dich küssen?“ Und da sagte sie„Ja!“ Hell und glücklich sagte sie das Ja. Und„Ich danke Dir!" Da wußte er, daß alles gut war; daß sie beide gereift waren zu der Höhe, wo das Glücklichsein nicht im Rauben und der Verantwortungslosigkeit, sondern im gegenseitigen Beschenken liegt. —□Die streitbare Wirtin Wladislawa besitzt eine kleine Wirtschaft in Bielsk Podlaski(im östlichen Polen). Sie ist eine Wirtin, die weit über Bierlek hinaus populär geworden ist. Wie das gekommen, ist einer Warschauer Korrespondenz der„Frkf. Ztg.“ zu entnehmen. Wladislawa Sawicka hatte den begreiflichen Ehrgeiz, ihre Schenke, in der die Gäste nach den Konzessionsbestimmungen nur Bier erhalten durften, in eine flotte Schnapsbude auszubessern, wogegen sich jedoch die einheimische Polizei mit Händen und Füßen wehrte. Sie hatte einige Erfahrungen mit der Schenke der ehrgeizigen Wladislawa. Es kam nämlich dort schon anläßlich des viel friedlicheren Getränkes zu unglaublichen Raufereien. Da die Polizei vermutete, daß Wladislawa die Stimmung ihrer Gäste, ganz im geheimen, dennoch mit etwas stärkerem Gebräu aufzuhelfen verstand, entsandte sie die beiden Schutzleute Sabatowski und Sobolewski in die Schenke zur Aufklärung der Angelegenheit. Das war der ursprüngliche Anlaß. um dessen Willen die Wladislawa heute vor dem Gericht in Bielsk stand. Als nämlich Sabatowski in die gastliche Hütte eingetreten war, zog ihn die Wladislawa über das Bett und schlug ihn mit einer Schnapsflasche!— so kräftig auf den Kopf. daß der Polizeibeamte in der weiteren Ausübung seiner Pflichten empfindlich gestörl war. Vor Sobolewski aber entfloh sie auf den Spelcher, was den Mut dieses Herrn gewaltig steigerte. Er nahm sofort die Verfolgung auf, mit dem unerwarteten Effekt, daß ihn die tapere Wladislawa die Treppe hinunterwarf, was hn ebenfalls, während einer Viertelstunde, seiner Kräfte beraubte. Nach und nach erholten sich aber beide in der frischen Luft, und sie stürmten dann gemeinschaftlich die Treppe zum Speicher, was nicht sehr vorsichtig war. Denn Wladislowa hieb dem zuerst ankommenden Herrn Sabatowski die brennende Lampe auf den Schädel, worauf es sowohl im Zimmer, wie im Kopf des genannten Herrn dunkel wurde. Hierauf sperrte sie beide Polizisten auf dem Speicher für längere Zeit ein, damit, wie sie sagte. sie auch einmal erfahren könnten, wie es im Gefängnis aussehe. Nach der Freilassung der beiden griffen die Gäste zur„Verteidigung der armen Wirtin“ ein, die ihren Tatendrang bei dieser Gelegenheit allerdings nochmals äußerte, indem sie ihrem Gegner Sabatowski einen kräftigen Hammerschlag auf den Kop versetzte. Die„arme Wirtin" wurde wegen Ueberschreitung der Notwehr zu zwei Monaten Kerker verurteilt. Billiger Weihnachtsbaumständer. Einen billigen und praktischen Weihnachtsbaumständer erhält man, wenn man dazu einen Behälter, etwa ein leeres Margarinefaß, wie man es beim Kaufmann für wenige Psennige erwerben kann, verwendet. Man füllt es mit Erde und setzt den Weihnachtsbaum hinein. Damit er fest steht, legt man womöglich ein paar Mauer= oder Feldsteine an den Stamm. Will man das Faß nicht etwa mit Wasserfarbe grün anstreichen, so breitet man Tannenreisig und Moos rings herum aus. Dieser Weihnachtsbaumständer hat vor anderen noch den Vorzug daß der Baum den Eindruck eines lebenden Baumes macht und sich auch länger frisch erhält, wodurch die Gefahr des Brennens erheblich vermindert wird. Waschen von hellen wildledernen Handschuhen. Weiße oder helle wildlederne Handschuhe, wie sie jetzt viel getragen werden, wäscht man auf folgende Art: Weiße venezianische Seife wird in lauwarmem Wasser aufgelöst. In dem schaumigen Bade wäscht man die Handschuhe mit tüchtigem Reiben, nachdem mon die schmutzigen Stellen noch besonders mit Seife eingerieben hatte. Dabei erneuert man das Wasser einige Male. Sind die Handschuhe sauber, so drückt man sie in dem letzten Seifenwasser aus, spült sie aber nicht nach; sie werden dann umgedreht, sodaß die innere Seite nach außen kommt. und an der Luft zum Trocknen aufgehängt. Wenn sie trocken sind, dreht man sie wieder um und reibt sie tüchtig, damit sie wieder geschmeidig werden. Billiges und gutes Fleckenwasser. Ein gutes und billiges Fleckenwasser zum Reinigen schmutzig gewordener Herrenkleider von nicht zu zarter Farbe kann man leicht selbst herstellen. Für 20 Pfg. Seifenspiritus und für 20 Pfg. Salmiakgelst werden in eine Weinflasche gefüllt und so viel Wasser hinzugetan, bis die Flasche voll ist. Bei der Anwendung schüttelt man zunächst die Flüssigkeit tüchtig durch, taucht eine Bürste hinein, bürstet dann zuerst die Flecke, dann den ganzen Stoff strichweise ab und hängt das Kleidungsstück zum Trocknen auf. Anbrennen der Wäsche. Das der Wäsche so äußerst abträgliche Anbrennen beim Kochen, namentlich in einem Waschkessel aus Zink, rührt oft daher, daß sein Boden zu dünn ist. Besonders in diesem Falle tut man gut, darauf zu achten, daß stets reschlich Wasser auf der Wäsche ist und daß man sie häufig umrührt. In dem Kessel etwa vorhandene Seifenreste befördern das Anbrennen der Wäsche; daher muß man den Kessel vor dem Gebrauch mit kräftigen Putzmitteln ausscheuern. Ein Franentausch gegen Kasse. Die Londoner„Times“ berichtet aus Holland von einem höchst sonderbaren Frauentausch. In Terborg, einem Dorf in Ostholland, verkaufte kürzlich ein Mann seine vierundzwanzigjährige Frau an einen fünfundsiebzigjährigen Scherenschleifer für 70 Mark. Die beiden Männer setzten einen regelrechten Koufvertrag auf und beide Parteien unterzeichneten ihn. Der Scherenschleiser hatte jedoch mit seiner erkauften Frau Pech. Nach Tagen Frannte sie ihm durch und kehrte wieder zu ihrem gesezlichen Mann zurück. Nach diesem Streich verlangte der Scherenschleifer sein Geld wieder. Er hatte jedoch mit seinem Verlangen kein#### Erfolg. Um nun zu seinem Gelde zu komm:. trug er seinen Fall der Polizei vor. Aber aug bei der Polizei hatte der Geprellte kein Glür Denn die Polizei stellte Strafantrag gegen beide Männer. „Will Ehelösung, weil zu früh Vater geworden". so lesen wir als lakonischen Titel in einer amerikanischen Zeitung.„Erstaunliche Taisachen“ nannte Richter Dike die Angaben des Ehepaares John J. Gilmartin in dem auf Auflösung der Ehe lautenden Prozeß des Gatten. Frau Gilmartin hatte Antrag auf Alimente und Anwaltsgebühren gestellt, doch lehnte der Richter beides ab. Das Paar hat sich am 1. Mai verheiratet und am 6. Juni genaß die Frau im Hospital eines Kindes. Der Gatte sagte, es sei ihm nicht im Traume eingefallen, daß der Storch so rasch nach der Hochzeit erscheinen könnte und auch die Mutter seiner Gattin war dermaßen entsetzt, daß sie in Ohnmacht fiel. Nach der Geburt des Kindes stellte der Gatte eine Untersuchung über die Vergangenheit seiner Gattin an und ermittelte, daß ihre Mutterschaft die Folge eines Landausfluges war, den sie in Gesellschaft einer Freundin und zweier unger Männer unternommen hatte. Beide Paare verbrachten zwei Tage und zwei Nächte in einem Zelt in einem Camp, bis die Gesellschaft schließlich von der Mutter eines der jungen Männer„ausgelöst" wurde. Außerdem gibt der Gatte an, seine Gattin habe ihn gegen Zahlung von 20 000 Dollar von den Ehesesseln befreien wollen, was sie indessen in Abrede stellt. Ja, sie sagt, ihrem Gatten sei ihr Zustand vor der Eheschließung bekannt gewesen und er habe ihr versprochen, dem zu erwartenden Stammhalter einen Namen zu geben. Bücherlisda 7 Gustave Flaubert, Frau Bovary. Uebersetzt von Dr. Karl Pfannkuch. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser=Verlag G. m. b. H. Berlin. In diesem, zu den schönsten Romanen der Weltliteratur gehörenden Werke wird ein rührendes und schmerzliches Frauenschicksal mit der psychologischen Kunst eines großen Dichters in einer Weise zur Darstellung gebracht, die einer einfachen, fast alltäglich zu nennenden Geschichte eine Gültigkeit für alle Zeiten verleiht. Das Verlangen nach Liebe und Geliebtwerden, das diese junge Frau erfüllt, ist mit so seinem Einfühlungsvermögen. mit soviel Güte und Nachsicht zur Darstellung gebracht, daß auch der strengste Leser ihr sein Mitgefühl nicht versagen kann. Viele Mitglieder des Volksverbande der Bücherfreunde werden eine Herausgabe dieses Romanes der Weltliteratur bisher schmerzlich vermißt haben, denn er gehört nun einmal in eine gute, wertvoll: Hausbibliothek. Die neue von Dr. Karl Pfannkuch übersetzte und herausgegebene Ausgabe gleicht in ihrem äußeren Gewande den kunstlerisch fein abgestimmten alten französischen Original=Ausgaben. Der entzückend in Halbleder, nach Entwürfen Hans Steiners, gebundene Band kostet für die Mitglieder des V. d. B. 3.10 Reichsmark. Auch dieser Band zeugt von dem ausgesucht guten Geschmack, der allen V. d. B.=Erscheinungen ein stark individuelles Gepräge verleiht. Ueber die mannigfache Vielseitigkeit der diesjährigen Weihnachtsneuerscheinungen unterrichtet der reich illustrierte 64seitige Weihnachtskatalog, den die Geschäftsstelle Berlin=Charlottenburg 2, Berliner Straße 42/43 jedem auf Wunsch kostenlos zustellt. Daheim. 62. Jahrgang. Nr. 10. Das Heft hebt mit einem neuen Roman von Ada Baronin Fircks„Hallington“ an, der in vornehmen gesellschaftlichen Rahmen spannend einitalienische humorvolle Skizze von Felix Buttersack„Er verzweifelt an der Welt“ führt den begabten jungen Autor an dieser Stelle erstmatig vor. Zum hundertsten Geburtstage der Marlitt bricht Fedor von Zobeltitz eine Lanze für die so oft verkannte Schriftstellerin, die viele schmähen ohne sie zu kennen. von schönen Rauhreifbildern begleitet spricht Dr. Carthaus über das Wunderwerk des Spinnennetzes, Dr. Oehlrich betritt in seiner Arbeit„Filme für Kinder“ Neuland im Reiche der Kinokunst, ernste Mahnworte richtet Dr. Eugen Schmahl im Aufsatz„Kulturkrisis und Nation“ an die Leser. Um diesen reichen Inhalt gruppiert sich wirkungsvoll der aktuelle Bilderteil und das Frauendaheim. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. 0 1912: pilunzsg ∆*—. 0.— B-S S S SSggs Sage S 2#Sg, Praden4 0 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 50 Pitena, den k. Oerender 1925 Das Wasser und die Waschvorgänge des Haushaltes Von Dr. J. Härting=Quasnitz. Das klare Wasser, das wir zum Trinken, Kochen und Waschen benutzen, ist nicht rein, sondern eine Lösung der verschiedensten Stoffe; denn reines Wasser ist seines faden Gescmackes wegen als Trinkwasser ungeeignet. Die meisten in der Natur vorkommenden Stoffe, sowohl feste Substanzen als auch Flüssigkeiten und Gase werden vom Wasser ausgenommen; daß Quellwässer, die größere Mengen bestimmter fester oder gasförmiger Stoffe gelöst enthalten, die sogen. Mineralwässer, dadurch eine besondere Heilwirkung erhalten, ist ja jedem bekannt. Die Gebrauchsfähigneit und der Geschmack des Wassers hängen in erster Linie von den darin gelösten Stoffen ab. An der Farbe der natürlichen Wässer kann man leicht die darin enthaltenen Bestandteile erkennen; so erscheint Wasser, das kalkhaltigen Untergrund durchläuft, grünlich, Eisensalze färben es gelb usw. Ein gutes Trinkwasser soll völlig klar und kühl sein, ferner Luft bezw. Sauerstoff gelöst enthalten; wohlschmeckend wird es durch kleine Mengen von Salzen, besonders Kochsalz und Bikarbonate. Daher ist das die Berge herabrieselnde Quellwasser, das reichlich mit Luft gemischt ist und durch Geröll und Gestein auf seinem Weg gesiebt und von schädlichen Bestandtellen befreit wird, das beste natürliche Trinkwasser. Die Güte des Regenwassers, das man ja in Gegenden, die keine künstlichen Leitungsanlagen besitzen, auch für Trinkzwecke verwendet, wird dadurch herabgemindert, daß es durch alles, was mit der Luft in Berührung kommt z. B. Ruß verunreinigt ist. Das Grundwasser. des Bodens eignet sich deshalb nicht ohne weiteres zum Trinken, weil es en: Menge gesundheitsschädliche Bestandteile enthält, wie Zersetzungsprodukte von Pflanzen und Tieren, Abwässer und vor allem Millionen von Bakterien, die Erreger von Epidemien und Seuchen. Zur Versorgung der Städte wird das Grundwasser daher einem gründlichen Reinigungsprozeß unterworfen, man läßt es durch eine Anzahl von Filterkammern sickern, wobei die Filter die verunreinigenden Bestandteile, namentlich Schlamm, Eisenoxyde und Bakterien zurückhalten. Das Auflösungsvermögen des Wassers vergrößert sich noch, wenn es viel Kohlensäure enthält. Es vermag dann auch die sonst unlöslichen Kalzium= und Magnesiumverbindungen des Bodens aufzunehmen. Ein Wasser, das besonders reich an Kalk= bezw. Magnesiumsalzen ist, bezeichnet man als„hart", im Gegenteil zu den„weichen“ Wässern, wie z. B. Regenwasser. Für Trinkzwecke ist hartes Wasser ebenso geeignet wie weiches, es ist lediglich ein kleiner, aber nicht sonderlich hervortretender Geschmacksunterschied festzustellen. Dagegen bringt es dem Haushalt eine Menge Erschwerungen, von denen die Kesselsteinbildung wohl am störendsten empfunden wird. Beim Kochen bemerkt man, daß das Wasser trübe wird, und daß sich auf dem Boden von Gefäßen, die dauernd zum Wasserkochen benutzt werden, ein steinharter Belag bildet. Der Stein erschwert die Erwärmung erheblich und erfordert bedeutend mehr Wärmezufuhr— also Gas oder Kohlen— zur Erhitzung des Wassers. Diese Ausscheidungen, die übrigens auch in offenen Waschflaschen zu beobachten sind. kommen folgendermaßen zustonde: Beim Erhitzen oder beim Stehen an der Luft gibt das Wasser die gelöste Kohlensäure wieder ab: dies muß naturgemäß die Ausscheidung der Kalhsalze, die ja nur durch den Kohlensäuregehalt des Wassers in Lösung gehalten werden, zur Folge haben. Diese Kalksalze bilden den sogen. Kesselstein.— Zur Verhütung der Kesselsteinbildung sollte man dem bochenden Wasser wenig Soda zufügen. Doch kommt diese Enthärtung für den Haushalt wohl weniger in Frage, weit wichtiger ist vielmehre die Entfernung des Steins, die bei nicht zu alten Kesseln durch öfteres Auskochen mit verdünnten Säuren zu erreichen ist. Doch darf hierbei nicht außer acht gelassen werden, daß gut mit Wasser nachgespült werden muß, da sonst die Gefäße von der Säure angegriffen werden. Für das Waschen ist ferner unangenehm, daß hartes Wasser die Schaumbildung der Seife hemmt. Zum Verständnis dieses Vorganges muß man sich ein wenig über die chemische Natur der Seifen und ihre Wirkung orientieren. Zur Herstellung von Seife geht man von tierischen oder pflanzlichen Fetten und ätzenden Alkalien, Aetznatron oder Aetzkali, Lieder im Volkston Von Otto Promber. I. So geh’, wir wollen scheiden; Dies sei das letzte Wort. Aus Lieben wurde Leiden; Das Röslein ist verdorrt. Ich hatt' in deinem Herzen Ein Nestchen eingebaut; Der Zwitschervöglein Scherzen Klang mir so lieb und traut. Nun ist die Sonn' umzogen Und ausgelöscht mein Licht. Die Vöglein sind entflogen— Wohin?— Ich weiß es nicht. II. Mir fehlt ein Herz voll Liebe, So reich und übervoll. Daß hoch die Wogen schwellen, Wie heute mein Kummer schwoll Daß alles drin versinke: Bedrängnis und Gefahr, Daß alles drin ertrinke, Was herb und bitter war... Ob ich solch Herz noch finde Im Sand des Lebens— Kaum. Es bleibt wohl solch lieb Herze Mein allerschönster Traum. aus. Die Fette werden mit Alkalien gekocht, wodurch die sogen. Verseifung eintritt. Je nachdem ob mit Aetzkali oder Aetznatron verseift worden ist, erhält man Kali= oder Natronseifen, die sich beide erheblich voneinander unterscheiden. Die Kaliseifen sind nämlich die weichen oder Schmierseifen, sie enthalten neben fettsaurem Kali noch Glyzerin und Wasser, trocknen daher nie an der Luft und bleiben immer weich. Im Gegensatz dazu bestehen die Natronseifen fast nur aus fettsaurem Natron und sind als die harten oder Kernseifen bekannt. Enthält eine Kernseife 15—30 Prozent Wasser, so bezeichnet man sie als glatte oder geschliffene Seife, bei einem Wassergehalt von 30—70 Prozent dagegen als gefüllte Seife. Eine Prima=Kernseife soll ungefähr 60 Prozent Wasser enthalten. Trotz des hohen Wassergehaltes sind diese Seifen aber stets trocken. Beim Auflösen im Wasser erfahren die Seifen eine Svaltung, sie werden zerlegt in Alkalien. d. h. Natron= bezw. Kalilauge. saurem fettsaurem Alkali(der sogen. sauren Seife) und freier Fettsäure. Die Fettsäure verbindet sich weiter mit noch vorhandener ungespaltener Seife zu einer unlöslichen Verbindung. die mit dem Wasser den Schaum bildet. Die Verunreinigungen unserer Kleidungsstücke oder unserer Haut bestehen teils aus Fetten, teils aus Ruß, Eisenoxyd und dergl. Die fettigen Verunreinigungen werden durch die in der Seifenlösung enthaltene Alkalilauge in feine Tröpfchen aufgelöst, d. h. es entsteht eine Emulsion, die unter Mitwirkung des Schaumes mechanisch entfernt werden kann. Auf Ruß, Eisenoxyd usw., die besonders fest in die Gewebe pindringen, wirkt dagegen die beim Auflösen entstandene saure Seife, die diese Verunreinigungen einhüllt und fest umschließt. Das so gebildete Produkt haftet nicht mehr in den Geweben und läßt sich durch Reiben ebenfalls unter Mitwirkung des Schaumes leicht entfernen. Die Voraussetzung zur Erzielung einer guten und wirksamen Seifenlösung ist die Verwendung von weichem Wasser. Hartes Wasser liefert mit Seife weiße, flockige und wasserunlösliche Niederschläge von fettsaurem Kalk— d. h. Kalkseife—. während die so wichtige Schaumbildung erst dann eintritt, wenn sämtliches Kalksalz als Kalkseife ausgeschieden ist. Für den Reinigungsprozeß haben diese unlöslichen Kalkseifen keinen Wert, sie bedeuten daher praktisch einen beträchtlichen Verlust an Seife. An der Wäsche bleiben ste leicht haften, machen die Faser brüchig und fördern das Gelbwerden. Um diesen Nachteil des harten Wassers zu vermelden, ist demselben vor dem Waschen Soda zuzusetzen, durch die die Kalksalze als unlösliche kohlensaure Salze ausgeschieden werden, die nicht auf die Seife wirken. Wenn nunmehr mit Seife gewaschen wird, geht nichts von ihr in Form von Kalkseife verloren. —.2— Weihnachtsgerichte Von Lucie Hansen=Friedenau. „Fröhlich und guter Dinge sein, wohlleben. herrlich essen und trinken ist löblich, wenn's selten geschieht; wenn es aber täglich geschieht, so ist es sträflich. So halten wir denn Fastnacht. St. Burchard und St. Mortin, Pfingsten und Ostern für die Zeit, da man soll für andere Cezeiten im Jahre fröhlich sein und schlemmen; Burchards Abend um des neuen Mostes willen, St. Martin um des neuen Weins willen; da brät man eine feiste Gans und freut sich alle Welt. Zu Ostern bäckt man Fladen. Zu Pfingsten macht man Laubeshütten, und man trinkt Pfingstbier wohl acht Tage. Zu den Kirmessen- und Kirchweihen legen die Deutschen vier, fünf Ortschaften zusammen; es geschieht aber des Jahres nur einmal, darum st es löblich und ehrlich, sintemal die Leute dazu geschaffen sind, daß sie freundlich und ehrlich untereinander leben sollen“— so sagt im Anfang des 16. Jahrhunderts Johannes Agricola in seinen Sprichwörtern, und es ist nicht recht ersichtlich, warum er in diesem Zusammenhange nicht auch des Weihnachtsfestes Erwähnung tut. Wie an allen Tagen der Freude spielt auch in der Weihnachtszeit gut Essen und Trinken bei uns von jeher eine besondere Rolle. Wenn am Weihnachtsheiligabend die Bescherung vorüber ist. die Ueberraschungen ihre Schuldigkeit getan haben, der Jubel der Kinder seinen Höhepunkt überschritten hat und die Lichter des Tannenbaums heruntergebrannt sind, dann fallen die Kinder über die Berge von Kuchen und Süßigkeiten her und die Alten setzen sich zur Tarel, um das lecker bereitete Festmayl einzunehmen. Das paßt so gut zu der allgemeinen Festesstimmung und weckt vielfach die Erinnerung an alte Zeiten, wo es bei„Muttern“ so gut schmeckte. Uralt sind zum Teil die Festspeisen, vielleicht älter als das Geburtsfest Christi seibst Schon au die alten Opserschmäuse bei de.r Julieste der Germanen, das in die Zeit der Wintersonnenwende fiel, wenn sich aus der Iahs#nacht # richt wedn zum Jahresmarnen Aerdet, gehen die Weihnachtsschmäuse, zurück. finden sich wenigstens Anklänge daran. Schleswig=holsteinische Chroniken berichten daß in alten Zeiten vom ersten Weihnachtsfeiertag an bis auf den Tag der Heiligen Drei Könige jeder Tag mit Schmaus, Tanz und Spiel verbracht wurde, wie überhaupt in Norobeutsch= land auf dem Lande der Heiligabend vielfach die Bezeichnung„Vollbuksabend“(voller Bauchabend) trägt. Aber auch in den Städten wurde nach Berichten aus der Zeit um 1400 am Christabend stark gegessen und getrunken. An vielen Orten sind es ganz bestimmte Gerichte, die namentlich am Weihnachtsheiligabend oder am ersten Festtag gegessen werden. Sie sind nach den einzelnen deutschen Gauen verschieden, aber Fisch, Schweinebraten und Backohst treten dabei fast überall besonders hervor. Namentlich in der Reichshauptstadt ist seit langen Jahren, wie auch in vielen anderen Städten, in der Weihnachtszeit der Karpfen der gesuchteste und beliebteste Fisch, nur schade, daß sich weite Kreise der Bevölkerung dieses Lieblingsgericht nicht einmal Weihnachter mehr leisten können. Der Berliner verlangt dazu als Weihnachtskarpfen unbedingt einen „Rogner", denn nach altem Volksglauben bedeutet der Rogen Gold, und je mehr der Karpsen Rogen hat, desto mehr Geld wird das kommende Jehr bringen, wie man aus derr, gleichen Grunde auch Schuppen von dem Weihnachtskarpfen in die Celdbörse tut. Aberglaube erinnert an die anderwärts noch erhaltene Sitte, daß man am Weihnachtsfeste Geldstücke unter die Speisen legt, weil man glaubt, daß sie sich vermehren werden, und auch daran, daß man den Geldbeutel geöffngt guf den Tisch legt, damit das Glück hineinschlüpsen kann. Die Zubereitung dieses Festfisches ist in den einzemnen Gegenden verschieden. Man ißt ihn in Berlin und namentlich auch in Schlesien, dem Hauptgebiete der Karpfenzucht entweder blau gekocht mit Meerrettichtunne oder aber nach polnischer Art mit einer braunen Pfefferkuchentunke. Der Nichtkenner wird vielleicht zunächst den Kopf etwas wenn in Schleswig=Holstein der Karpfen, der mit den Schuppen gekocht wird, mit brauner Butter und— Schlagsahne bevorzugt wird. Aber man versuche es nur einmal, dann wird man sich vielleicht über den guten Geschmack der Schleswig=Holsteiner, deren Küche auch fonst ausgezeichnet ist, nicht mehr so sehr wundern. Weher die Vorlie für Fische und besonders den Karpsen als Festgericht stammt. läß sich schwer feststellen. Anders verhält es sich mit der Bevorzugung des Schweinebratens als Lieblingsgericht am Weihnachtstage. An den Julfesten der alten Germanen opferte man den Göttern und beschenkte die Priester, und so erinnert der Schweinebraten an den Eber, der zu Ehren des Sonnengottes Froh von unseren Vorfahren geschlachtet wurde. Wer zu arm war, einen Eber zu opfern, formte wenigstens seine Opferkuchen aus Mehl in Gestalt eines Ebers oder gab ihm die Form eines Sonnenrades oder auch der Nuß, die den Keim des Wachsens und der Hoffnung in sich trägt, wodurch auch der allgemeine Weihnachtsbrauch, sich mit Nüssen zu beschenken und sie an den Tannenbaum zu hängen, seine Erklärung findet. Auch das neuzeitliche Marzipanschweinchen als Glücksschweinchen ist letzten Endes nichts anderes als der Sonneneber Frohs. Winterhacht Von Kälte ist die Luft erstarrt, Es kracht der Schnee von meinen Tritten, Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart; Nur fort, nur immer fortgeschritten! Wie feierlich die Gegend schweigt! Der Mond bescheint die alten Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt, Den Zweig zurück zur Erde richten. Frost! friere mir ins Herz hinein, Tief in das heißbewegte, wilde, Daß einmal Ruh' mag drinnen sein, Wie hier im nächtlichen Gefilde! Nikolaus Lenau. Wo man nicht diese bevorzugten Festgerichte auf den Tisch bringt, sind andere Leckerbissen beliebt. Der Bauer hat bereits den größten Teil seines Wintervorrates eingeschlachtet, sodaß es im Keller und in der Küche an nichts mangelt. Wie schon am Martinstage ist es vor allem die Gans, die zu Ehren kommt. Was Sebastian Franck am Anfang des 16. Jahrhunderts in seiner„Wahrhaftigen Beschreibung aller Teile der Welt“ von diesem St Martin heiligen Vogel hinsichtlich des Marüinstages sagt, gitt in genierzung#ett guck am Weihnachtstage.„St. briert diss volck wunder ehrlich: erstlich loeben sie Martin mit gutem wein, gänsen, biss sie voll werden, unselig ist doe We, gage ric,#ef diese nacht ein ganß zu essen deutung der Gans als Weihnachtsvogel erhellt auch daraus, daß in einzelnen deutschen Gauen noch vor einem Menschenalter am Nachmittage vor Weihnachten die Frauen der Hirten bei den Bauern herumgingen, zu Weihnachten Glück wünschten und dann als Geschenk neben einem Brot von zwölf Pfund eine Spickgans erhielten. In gleicher Weise ziert Wild, besonders der Hase. Weihnachten vielfach den Küchenzettel. Als Gemüse trägt man gern Grünkohl auf die Weihnachtstafel auf, auch ein Sinbild des Werdens und Wachsens. Ferner ist Backobst, besonders Schlesisches Himmelreich sehr beliebt. In einigen deutschen Gauen hat man eine Vorliebe für eine eigentümliche Speise,„Mohnvielen“ genannt, die aus geriebenem Mohn, Milch, Korinthen. Rosinen, Mandeln und aufgeweichtem Weißbrote zubereitet und nur am Heiligabend gegessen wird. Auch besonderes Gebäck muß am Christfest in der Familie genossen werden. In vielen Gegenden, namentlich im östlichen Mitteldeutschland und Norddeutschland ist es der Christstollen, in Schwaben das Hutzelbrot— Hutzel ist das Rad und erinnert wieder an den heidnischen Sonnengott—, bei den Bayern das Klozenbrot, das zu dieser Zeit in keiner Familie fehlen darf. Auch Honigkuchen gibt es an diesem Tage fast in jedem Hause. Die Sitte des Christstollenbackens ist alt und schon lange weit verbreitet gewesen. Nach einem zeitgenössischen Schriftsteller war der Stollen schon im Mittelalter ein großes, langgeformtes Weiß brot. Um das Jahr 1510 buken die Nonnen im Kloster Güntersthal in zwei Tagen hunderte große, mittlere und kleinere Lebkuchen als Christstollen.„Auf Weihnachten gefallen die Christstriezel und großen Wecken,“ sagt Georg Stripnitz in einer Neujahrspredigt vom Jahr 1593. und das„Papistenbuch“ erzählt: Zwischen Weihnachten und Neujahr becht man ein besonderes Brot.“ Auch sonst finden sich noch mannigfache Bezeichnungen für Wechnachtsgebäck, wie Pförtchen, Krapfen, Mohngebäck usw. Mit solchem Gebäck sucht man auch die Armen zu erfreuen. Mögen auch manche Weihnachtsgerichte, wie auch sonst viele Festgebräuche, heidnischen Ursprungs sein— wir brauchen uns Weihnachten nicht dadurch verkümmern zu lassen, sondern dürfen es als ein echtes und wahres Familienfest feiern, getreu den Sitten und Ueberlieferungen unserer Vorväter, dann wird am Christfeste nicht nur Auge und Magen gesättigt, sondern wir erhalten auch Nahrung für Gemüt und Seele, mit der Losung im Herzen: Friede auf Erden! —.— Wir suchen das Christkind Stizze von Hannamaria Batschewski. Die heilige Zeit der Weihnacht war nahe. In hellen Klängen läuteten Adventsglocken das Fest der vergebenden Liebe ein. Aber sie fanden keinen Widerhall im Herzen des einsamen Mannes am Fenster des Helmstedter Doktorhauses. Seines Lebens Freude, des Hauser Sonne schl'cf auf dem Friedhof am Walde unter weichem, eißen Schnee. Nun kam das erste Christfest nach ihrem Scheiden mit der todtraurigen Erinnerung an vergangenes Glück. Doktor Willmann sah trübe den wirbelnden Flocken zu und ließ die Gedanken in die trübe Zukunft wandern. Er mußte Harry und Friedel eine neue Mutter geben. Doch welches Weib war berusen, an Reckas Stelle zu treten? Er sann im Geist den Frauen nach, die er kannte; in sein Haus paßzten sie nicht. Eine vielleicht: Charlotte Heßler, des alten Oberförsters einzige Tochter Seit ihre Verlobung mit dem adligen Rittmeister aufgelöst war, hatte er sie nicht gesehen. Seine Gedanken spannen sich zu dem grünen Haus im Walde. Konntei: Charlotte heut am Heiligabend nicht aufsuchen in ihrer Einsamkeit? Sie bitten, sich am Festtage um ihrer Freundin Recka willen mit den Kleinen zu beschästigen?..., Scistemsfant Vor dem Hause klang Schulrengelaut. Hans Willmann fuhr aus seinen Träumen auf. Der Kutscher von Siebesseide! Zwei Stunden über Land zu einer jungen Tagelöhnerfrau. Phtysis im letzten Stadium. Am Ende war der Tod schon eingekehrt, bevor Willmann kam. Der Doktor trat auf den Flur und zog den Pelz über. Aus der Küche klang halblautes Murm: Da saß Friedel mit gefalteten HänHarry und ließ sich von der alter : Mär von Bethlehem erzählen. Zlauaugen wandten sich mit bangem Minn, bringt dae Christbrbi die Mame bei endssch mi:?" Ten Lauscher dichzuch t Frage mit herbem Schmerz. er schloß rasch die Tür und ging hinaus. in der Küche bettelte weiter.„Minn, wo wohnt zun groten Bald, heitrn lichten witten Mantel üm un'n golden Kron up den Kopp. Aber nu lauft und spielt, Minn hett Arbeit.“— Gehorsam trollten die Buben ab. Nach einer Weile schgute Friedels, Blogdkopf durch den Spalt der Wohnzimmerrur. Als er die Minna in der Küche hörte, zog er Harrr leise auf den Flur.„Sei, ganz still, wir gehn nu in den Wald zum ahristnino, aber du muß ganz still sein.“— Er schleppte einen Stuhl herbei und hob mühsam ihre beiden Mäntelchen und die weißen Wintermützen vom Riegel. Erst zog er Harry und dann sich selbst an. Sorgsam, wie ein Wanderer, der weite Wege vor sich hat. Harry knusperte stillvergnügt an einem Restchen Chokolade, derweil Friede! lauschte, ob Minn nichts gemerkt hatte. Aber die sang ruhig„O du fröhliche" und hlapperte mit Tellern und Schüsseln. Mit seinem kleinen Körper hing sich Friede! Willmann an den Haustürgriff. Er sprang auf und— husch— standen beide Ausreißer au der Dorfstraße und pilgerten ungesehen dem sind wir da, tröstete Friedel,, Wiedeg trigrer vorwärts; bis sie endlich im oammernoen Dunkel des Hochwaldes standen. Da fing der Kleine zu weinen an.„Harry friert. Harry will nach Hause.“—„Bloß noch ein hißchen, dann sindw ir da.“ tröstete Friedel. Wieder rrippelten die müden Füßchen weiter. Die Dämmerung des Dezembertages brach im Walde früh herein. Gespenstische Schatten hohen Stämmen, und tur Wege abgekommen waren und wie nahe ihnen die Hilfe winkte. Charlotte Heßler wanderte, von Helle und Nero, ihres Vaters Jagdhunden, begleitet, die Schneise entlang, die hinter dem Forsthause in den Wald führte. Plötzlich hielten die Hunde im Tollen inne, hoben die Nase in die Luit und schnupperten. Dann schossen sie mit weiten Sprüngen in den Wald. Eine Minute später kündete ihr langgezogenes Geheul, daß sie ein hilfloses Wesen fanden. verunglückte Menschen oder krankes Wild. Charlotte eilte hastig dem Ort zu. Dann unterschied sie die beiden Hunde vor einem Holzstapel. an dessen Fuß im Zwielicht etwas Kleines, Dunkles kauerte. Sie erkannte in jähem Schrech die beiden Doktorbuben. Harry war schon eingeschlasen während Friedel leise noch murmelte:„Mama, komm doch bald.“ Charlotte rüttelte ihn.„Herzenskind, wo kommst du her mit dem Brüderchen?" In wunderlichem Schreck sah Friedel sie und die großen Hunde an.„Wir suchen das Thristkind und die Mama. Nu haben wir dich gefunden, nu wollen wir nach Hause, es ist so katt.“ Charlotte Heßler nahm Harry auf den Arm und ließ Friedel in Neros und Helles Halsband assen. Mit neuer Kraft trottete er zwischen den beiden treuen Wächtern hin. bis die Oberden Mir huschten zwischen den hohen, Sitgngge, ur seltsame, nie gehörte Laute der Saldesna## füllten die kleinen Seelen mit Schrecken. Wieder begann Harry zu weinen.„Tom.n: Mama bald? Harry so müd, Harry tann nic mehr alusen.“ Mit angstvoll gefalteten Hän den sah Friedel zu den hohen Kieferkronen envor„Lieber Gott, laß bald Thristkild und Mami kommen, sonst gehen Harrn und ich:97; Sie sch':„ beide in die beainnende? sternis, 1. eine Uhnung, wie nr: sie vom försterei in Sicht kam und ein Jägerbursche ihn auf seine starken Arme hob.— Vor der Wohnzimmertür erkannte Chariotte Doktor Willmanns Stimme bei ihrem Vater. Schnell brachte sie die Kinder in ihre Schlafstube, zog die Kleider von den halberstarrten Körperchen und holte warme Milch. In heißer Gier tranken Friedels Lippen, während Harry nicht aufzuwecen war. „Mama,“ klang Friedels Stimmchen.„Bist du böse, daß wir dich gesucht haben? Wo ist nun das Christbubi?“—„Alles kommt noch, mein süßer Bub', schlaf nur erst, bis der Vater komm:.“ Gehorsam drehte er das Köpfchen und schloß die Augen. Charlotte faltete inbrünstig die Hände.„Gott, Dank dir für solch dristgeschen),„u u tigte amm 2. Dann ging sie hinuoer u. begrußle den DosVom Gehorchen Das erste, was einem Kinde vergebracht werden muß, ist das Gehorchen. Ganz kleine Kinder wollen es oft keineswegs begreifen, daß sie das tun sollen, was die Eltern wünschen. da ihnen der Zweck des elterlichen Willens noch sehr wenig einleuchtet. Und genug schulpflichtige Kinder gibts, die sich ebenfalls recht wenig um die Wünsche und Befehle ihrer Eltern kümmern... Sizsaur iin 2. Sicher ist das eine: je zeitiger ein Kind gehorchen lernt, um so besser für beide Teile, Kind und Erzieher. Denn das Kind lebt sich dann selbst zum Wohle und erspart auch der Mutter tausendfachen Aerger. Zeit und Nervenkraft. Das ganze Maß von Anstrengungen und Mühe das dadurch entsteht, daß der kindlich aufbegehrende Eigenwille gebrochen wird, wird selten in seiner vollen Schwere erfaßt. Die Mutter denkt vielleicht bequem: es ist ja schwer ein solches Kind zu haben, aber der Verstand wird wohl mit den Jahren selber kommen! Dieser Glaube mancher Mutter ist sehr bedauerlich und rächt sich später oft sehr bitter. Denn ist der Eigenwille eines Fünfjährigen von Holz so kann der durchsetzerische Wille eines Zehnjährigen schon von Eisen sein, und die schwache. immer nachgiebiger gewordene Mutter wird betteln müssen, um einen Wunsch erfüllt zu bekommen. Ein trauriges Schauspiel! In solchem Falle heißt es dann sehr richtig:„Die Sorgen wachsen mit den Kindern," oder, wie der Holländer sagt:„Kinder treten jung der Mutter auf den Schoß und alt aufs Herz.“ Wir gehen viel zu ernsten, schweren Zeiten entgegen, als daß wir uns den Luxus eines ungehorsamen Kindes gestatten dürften. Schon ein kaum dem Steckkissen entwachsenes Kind muß die mütterliche, elterliche Autorität durchaus achten, muß als erste Lebenskunst unbedingt gehorchen gelernt haben! Jede Gehorsamsverweigerung ist eine Achtungsverletzung die ein schlechtes Licht auf das Kind, ein noch viel schlechteres auf die Mutter wirft. —0— Christkind Von Maria Stona. Einem armen Kinde im Dorf hab' ich zur Weihnachtszeit eine Puppe geschenkt. Schüchtern nahm die zweieinhalbjährige Anninka das Päckchen, das ich ihr längst versprochen, und sagte leise, zur Mutter aufblickend:„Das ist eine Puppe. Ganz langsam entknüllte sie das weiße Seidenpapier an den Enden, damit es nicht zerreiße. Jetzt sah sie vor sich das kleine Persönchen mit steifen Händen und Füßen im blauen, Kleide liegen, die runden Porzellanaugen geöffnet. Laute des Entzückens entschlüpften Anninkas Lippen. Schon hielt sie das Puppchen im Arm, bog zart die Stirn zu ihm und legte die Ffreie Hand, ein ki ines Rosenblatt, mit sorgender Gebärde um den winzigen Kopf, als schmeichle sie ihn an ihr Herz. Eine wunderbare Innigkeit und Schönheit lag in den wenigen Regungen. Etwas Heiliges schien Anninka die Puppe und doch etwas, das ihr allein gehörte. Ihre Lippen neigten sich langsam, fast scheu drückten sie einen Kuß auf das wächserne Haupt. Der Gast Das Kind ist krank um Sterben. Die Lampe gib: trägen Schein, Die Mutter spricht: Mir ist es. Als wären wir nicht allein. Der Vater sucht zu lächeln, Doch im Herzen pocht's ihm bang. Stiller wird's und stiller— Die Nacht ist gar zu lang. Nun scheint der Tag ins Fenster, Die Vögel singen so klar; Die beiden wußten es lange, Wer der Gast gewesen war. K. F. Meyer. tor, der ihr ungewohnt herzlich entgegenkam „Liebes Fräulein Heßler, Sie waren Reckas Freundin. Darf ich ihre Kinder zum Fest zu Ihnen bringen und mitkommen, wenn die Praxis mich freigibt?“ So viel hatte er nicht bitten wollen, aber Charlottes Augen leuchteten in so eigenem Glanz, daß ihm die Worte unbewußt entflohen. Sie sagte nur:„Bitte, kommen Sie mit, Herr Doktor!“, ging voran und öffnete die Tür ihres Schlafgemachs. Verwundert trat er ein. Als sie aber die Lampe gegen das Bett hob, entglitt ihm ein Ruf der Ueberraschung. „Haben Sie die Kinder schon geholt?“ Sie lächelte.„Nein, danken Sie einem höheren Willen, der Helle und Nero zu Werkzeugen ausersah, Ihnen die Buben lebend zum Christgeschenk zu machen.“ „Um Gott, was reden Sie?“ „Ja, Doktor, Friedel und Harry sind heimlick gegangen, das Christkind und ihre Mama zu suchen. Ich fand sie verirrt und erschöpft im Wilde." Des Mannes Körper durchfuhr ein Beben wie wenn der Blitz die starke Eiche trifft, und ein trockenes Schluchzen rang sich aus seiner Brust empor. Mit langem Blick umsaßte er die zwei Blondköpse, dann nahm er des Mädchens Hände.. 41, S dur m „Charlotte, Sie geren mir die Kinder wieder. Lassen Sie mich sprechen unter der Macht der Stunde. Sie wissen, wie ich Recka geliebt habe Aber am Fenster meines Zimmers hab' ick heute Mitteg gestanden und mir gesagt: We: soll den Kindern Mutter werden? Ich fand nur eine: Charlotte Heß'er. Deshalb machte ich den Umweg von Siebesselde und bat um Fürsorge für die Buben. Ich werde Ihr Leid ehren. Aber wir wollen darüber hinaus an die Zukunft glauben um der kleinen Schläser willen?" Einen Augenblick schwankte sie. Dann tra' ihr Blick sein bittendes Auge, sie fühlte selner Händedruck und sagte schlicht:„Ja!“ Er zog sie in die Arme und küßte leise ihre Stirn. Run heben wir alle das und gesunden. Chr. stkind gestc Jetzt erst blickte zur Mutter Anninka auf. „Da— da—“ rief sie und zeigte ihr Glück. Sie griff nach den gelben fremden Härlein und lachte verklärt. Nun wiegte sie die Puppe im Arm, kroch aufs Fensterbrett, setzte sich dort nieder und begann leise zu summen:„psch sch— psch—psch—“ wie man dem Brüderchen summte, wenn es schlafen sollte. Sie sah jetzt sehr ernst aus und war erfüllt von Pflichtgefühlen. Und mir offenbarte sich in Anninka das Geheimnis der Frau, ihre Urnatur. Sie ist ganz Sehnsucht nach der Möglichkeit, schützen zu können. Ihr Glück ist vollendet, wenn sie das Geschöpf im Arme hält, das ihrer Mühen bedarf; dann findet sie Bewegungen, Laute, eine wiegende Anmut, wie nichts auf der Welt sie in ähnlicher Vollkommenheit bietet. So ist die Rose versunken in den Sonnenstrahl, wie das Weib in das Wesen, das seine Zärtlichkeit zur höchsten Vollendung weckt. Gelehrsamkeit wird dem Manne wie dem Weibe anerzogen. Aber kein Wissen sollte bei der Frau das schönste Erbteil überwuchern: den Willen zur Zärtichkeit, der dem Weibe im gleichen Maße angeboren ist wie dem Mane der Wille zur Tat. Als ich fortgegangen war und mich umblickte, sah ich Anninka in ihrem jungen Mutterglück vor der Haustür stehen, von Kindern umringt, denen sie ihren kleinen Schatz zeigte uund die staunend sich verneigten— wie die Hirten in Bethlehem. Vom Küssen von Gräfin Brockdorff. „Wie man es nur erreicht, daß man eine Frau küssen darf?" Cwald überlegte es sich nur schon so lange. Gewiß hatte er sich sehr dumm angestellt, als es ihm bieher wiederholt mißglückt war. Aber inwiefern, wußte er nicht. Er hatte recht lieb und ordentlich drum gefrag ind gebelen; aber da haben sie auf einmal immer gelacht und sich's verbeten, auch wenn sic erst ganz ernst gewesen waren und ihn mi: warmen Augen angeschen hatten. Es schien hm fast, als sei ein Gehelmnis um die Sache Seine Klassenkameraden von der Prima mußten, soweit sie sich dafür interessierten, das Geheimnis kennen. Das ging aus ihren Erzähgungen hervor. Aber fragen konnte er sie nicht, denn da hätte er sich geschämt und sie hätten gelacht. Und so träumte er denn, fern vom Zleie, wie schön es sein müsse, einem lieden Mädel mitten auf den roten, jungen Mund zu küssen. Seine Freundin Edith zum Beispiel mit der er zusammen ausgewachsen war und die jetzt so lieblich heranwuchs, gar nicht schüchterr etwa oder besonders zart, im Gegenteil rassig jast zu kohett für seinen Geschmack und— seine Träume. Oft und gern dachte er an Edithe roten Mund. Ob der Mund mehr wußte als seiner? Ja gewiß, abgesehen von der Tatsache daß Mädels in solchen Sochen begabter warer als Primaner seiner Art, hatte er es von Edith Das Spatzenlied“) Tschill„ Wir sind die Herren Spatzen. Tschüp......... tschilpll Wir schnarren und wir kraßen In jedem Mist. Wie das bei Spatzen üblich ist. Schmutzfinken sind wir zubenannt. Das ist ein ehrenwerter Siand. Wir sind eine dreckige Brut: Aber's geht uns gut! Tschup, tschilpl Tschr.„: virrrrn Wir sinv vie Herren Spazen! Ihhr Wir schreien und wir schwatzen, Wir schimpfen und wir schelten, Und lassen niemand gelten. Wir schmeißen jeden aus sein'm Nest, Der uns nicht darin wohnen lägt. Wir sind eine freche Brut... Aber— herzensgut. Tschirr, pirrrr Tschly Wir sino die Herren Spazen! Tschilo„...... tschilp!! Wir schmausen und wir schmatzen Die Kirschen so gern. Im Kirschbaum sind wir Herrn. Die Vogelscheuche scheucht uns nicht, Wir setzen uns auf ihr Gesicht. Der Popanz stört uns nicht beim Schmau# Wir gucken ihm zum Aermel raus. Wir sind ein gefräßiges Pack— Aber haben Geschmack. Tschilp, tschilp! Tschl.„......: tschill=— Im Winner geyrs uns ärmlich Tschill tschill— Da betteln wir ervarmuch: „O gönnt uns armen Vögelein Ein Krumelein, ein Bröselein, Daß wir, um Gotteswillen! Den Hu=hu=hunger stillen"... Dann rufen wir— ist das ein Spaß!— Nicht„Gottvergelt's!“ Ei, pfeif dir was! Wir zahlen statt mit Danke Mit Kreischen und Gezanke. Tschirr, tschirr!.. tschilp! Wir sind ein räudiges Corps Aber— haben Humor! Tschilp... tschilp... Tschitscheritsch, tschi tschi tschi tschilp. Tschitscheritsch, tschi tschi tschi tschilp. *) Wir entnehmen dieses prächtige Spatzen. lied dem soeben erschienenen Buch Ernst Stemmann, Das bunte Jahr(K. Thienemanns Verlag. Stuttgart), das eine ganz köstliche Zusammenstellung von Gedichten, Geschichten und Märchen für das jüngste Lesealter bringt und mit 12 ebenso launigen Tondruckvignetten Fritz Kredels geschmückt ist. Dieies Buch bringt endlich wieder einmal etwas Herzerfrischendes und Neues für unsere Kleinen, die dem Bilderbuch entwachsen sind, und die den Märchenvorrat der Großmutter bereits ebense schön erzählen könnten, wie diese selbst. elbst erfahren. Eigentlich war es ja sonder bar, aber er hatte es ganz richtig gefunden, daß sie den— allerdings einzigen— Kuß ihres Tanzstundenherrn ihm gebeichtet hatte, gerade. als könne von ihm das erleichternde„absolvo te“ abhängen.— Nun kam die Zeit wo die Schule ihn entließ, und Ewald sich für die Abreise zur Universitat richtete. Er girg mit Edith ein letztes Mal durch den schon dämmernden Park am Fluß entlang. Wenn sie allein war mit ihm, so war das Mädchen sehr verwandelt. Eigentlich gefiel sie ihm dann viel besser ohne die allzugroße Neck= und Spottlrst, ohne Mädchengezier und Koketterie; zug'eich quälte ihn jedoch der Gedanke, sie enthielte ihm dadurch etwas vor, irgendeinen Reiz. ein Entgegenkommen, das sie den anderen allzugern schenkte. Ruhig und herzlich floß das Gespräch zwischen ihnen. Warme Zuneigung fühlte Cwald aus Edlihs Worten. Oder lag noch etwa mehr darin? Er wollte es glauben; es war so schön. das zu glauben. Die Stunde des Abschieds war de Ein überströmendes Cefühl drängte von ih zu der Freundin. Sie schie davon berührt.9 ergriffen, trat ganz nahe an ihn heran. ob den Korf zu ihm auf und den Mund, ach, den wonnigen Mund, der so klug und innig reden konnte, Jetzt oder nle, empfand Ewald, und der Abschied würde zudem alles rechtiertigen und heiligen.