Fe. B#gf. B S. S 33“e 8.0 * S35.58-B S8SssSesut S#SSASn e varen„mädchenhaft“, scheu, zurückhaltend, gingen sein, sittig, wenn sie über die Straße mußten. Junge Mädchen hatten keine Freunde, mit denen sie wanderten, radelten, ruderten oder gar eine Nachttour machten. Junge Mädchen hatten ihr Kränzchen, häkelten und stickten m.t den Freundinnen und lasen Bücher, die Mama erlaubt hatte. Junge Mädchen hatten keinen Hausschlüssel. Sie wurden vom Bruder, vom Papa oder vom Dienstmädchen abgeholt und heimgeleitet, wenn sie im Theater oder in einer Gesellschaft waren. Wenn sie auf dem See Schlittschuh liefen, spazierte Mama als Kükenmutter am Ufer getreulich auf und ab. Mama hielt während der Tanzstunde Rast an der Wand, wenn Trudchen und Lenchen die ersten Walzerschritte übten. Mit Mama kauften die Mädchen das erste Ballkleid und die Goldkäferschuhe zum Tanz. Mama überwachte ihre Bekanntschaften und sonderte und siebte jeden Jüngling, der sich mit Schmeicheleien nahte. Mama saß als Schutzmauer vor dem jungen Mädchen und hütete es vor den Unbilden der Welt. „Wie ein Gefängniswärter“, sagt das— Mädel und rümpft die Nase und schüttelt entrüstet den Bubikopf. Das Mädchen trug keinen Bubikopf. sondern Zöpfe. Je länger sie waren, je stolzer war es darauf. Die Kunst des Manikürens war seinen Händen ebenso fremd wie der Lippenstift seinem roten Mündchen. Das Mädchen war wie ein feines zartes Blümchen, das nur im wohlgehüteten Garten seinen Liebreiz und seine Holdseligkeit entfalten kann. Die Zeiten haben sich eben geändert. Das „Mädchen“ war gut, wie es war, und mußte wohl so sein. Aber das„Mädel“ wird auch nicht anders sein können, als es geworden ist. Es ist im Kampf mit dem Leben ein robuster kleiner Kerl geworden, der zugreifen muß, zugreifen will und zuzugreifen versteht. Man soll sich nicht darüber wundern, und es hat keinen Zweck, über die Entwicklung zu schelten. Man soll sich freuen, daß wir das tapfere, resolute Mädel haben, das mit hellem Blick und raschem Verstand das harte Leben unserer Zeit zu meistern sucht und oft auch sicher zu meistern weiß. S SuSg SSägg Gagöga m Sp g„5-AS . S# S.g SSsnn #nE s 55 5 T. 3 * S 38 „ S. F%E 2 F 92nn " 8 * # SBgDE 8 S.SESE! FCDEGBZS SBSnRSES 8 S2gg PSTTTSSE RSESSES T SyS"ERGE Gänseleberpastete In diesen Wochen, bis Weihnachten hin, ist die Gans ein sehr beliebter Vogel, von dem bekanntlich Fritz Reuter in seiner humorvollen Weise sagt, daß er für zwei nicht reicht und für einen zu viel ist, wobei er noch dazu die schwere pommersche Gans im Auge hat. Bei den heutigen Preisen können es sich leider nur noch wenige leisten eine Bratgans auf den Tisch zu dringen, geschweige denn die so beliebte Spickgans. Von jeher war auch die Gänseleberpastete ein erlesener Leckerbissen. Aber heute gehört sie für breite Schichten des Volkes bereits mehr oder weniger der Vergangenheit an, obgleich sie eine ruhmreiche Geschichte hat. Ihren Ursprung hat sie im Elsaß, und es gab eine Zeit, wo die Gänseleberpastete für Straßburg und das Elsaß einen großen Gewinn brachte; denn es hatte sich dort ein eigenes Gewerbe gebildet, das heute, nachdem das Elsaß für uns verloren ist, und wohl auch durch die Einwirkungen des Krieges völlig darniederliegt. Als ihr Erfinder ist der Koch des sprichwörtlich gewordenen Feinschmeckers und Genießers Marschall von Contades anzusehen, der im Jahre 1762„Commandant militaire" im Elsaß war. Dieser Koch, der aus der Normandie stammte und schon während des Aufenthaltes des Marschalls in Paris als Fachmann in dessen Küche waltete, hatte gerade einige Mastgänse zur Fettbereitung für seine Küche bekommen, als ihm der Wunsch seines Herrn mitgeteilt wurde, seinen Gästen einmal etwas ganz Erlesenes zu bieten. Beim Nachdenken, was er den Pariser Feinschmeckern, die in Straßburg zu Besuch weilten, vorsetzen könnte, fielen ihm die großen Lebern der Mastgänse auf. Er versuchte seine Kunst, um etwas ganz Seltenes zu schaffen, gab den Gänselebern die Form einer Pastete und umpanzerte die in eine Füllselschicht von gehacktem Kalofleisch gehüllte Gänseleber mit einer goldenen Kruste von Kuchenteig. So war das hübsche Gewand der Gänseleberpastete geschaffen. aber es fehlte noch die Seele: der aromatische Duft, der gewissermaßen zum Essen zwingt. Close grübelte nach und kam auf den bestrickenden Wohlgeruch der Trüffel. Damit war sein Werk vollbracht, und seine neue Erfindung kam auf den Tisch. Der Marschall und eine Gäste waren erstaunt und begeistert. Mit den Pariser Gästen kam der Ruhm der „Contadeschen Gänseleberpastete“ schnell nach Paris. Man versuchte, es dort dem Koch des Marschalls nachzumachen, aber niemand brachte Erfindung für sich allein. Sein Herr wurde bald darauf nach Paris berufen, und zwar so schnell, daß er seinen Koch nicht gleich mitnehmen konnte. Close blieb in Straßburg zurück, heiratete die Witwe eines Kuchenbäckers, eröffnete ein Geschäft in der Wiesengasse und fertigte nun zum Verkauf Gänseleberpasteten, die bisher nur als Leckerbissen auf den Tisch des Marschalls von Contades gekommen waren. Das Geschäft nahm bald einen großen Aufschwung. Close wurde mit Aufträgen von der Pariser Gesellschaft überhäuft. Als erfinderischer Kopf fand er bald auch eine Form, die Pastete in eine Form zu bringen, um sie für weiten Versand widerstandsfähig zu machen. Es dauerte nicht lange, so prangte auf jedem feinen Tische Frankreichs seine Pastete, die sich aber auch schnell Deutschland eroberte. Als Close, ein vielfacher Millionär, starb, hatte seine Erfindung die ganze Welt erobert. Während später überall Gänseleberpasteten gemacht wurden. hatte sich in Straßburg die erste Industrie entwickelt. Aber man konnte die Straßburger Pastete durch ihren eigentümlichen und besseren Geschmack von den nachgemachten stets unterscheiden. A. F. —2— Der Teeschmecker Der Teeschmecker? Wer kennt ihn auf dem europäischen Festland? Wohl wissen die meisten, daß es in den Weinbaugegenden— auch anderswo sollen sie gelegentlich vorkommen— Weinschmecker gibt, deren Zunge auf das Ausprobieren der neuen Weine geeicht ist. Jeder kennt mindestens Abbildungen, welche eine Tischrunde von Männern zeigen, die im kühlen Keller sitzen und„Wein studieren". An gewissen Orten gibt es Leute, welche wegen Hrer ausgezeichneten Zunge als Weinkoster rühmlichtt bekannt sind. Nichl viel anders steht es mit den Zigarrenschmeckern Auch auf diesem Gebiet gibt es Virtuosen, die den Zigarrenfabrikanten von großem Werte sind. Sie cauchen Probe, stellen fest, ob die verwandte Mischung der Tabake richtig zusammengestellt, prüfen den Brand, den Ausfall der Asche und anderes. In den eigentlichen Teeländern, Rußland und China, lebt als Gegenstück der Teeschmecker. Alljährlich, wenn in Nischni=Nowgorod und Kiachta die Teemessen abgehalten werden, mitt der Teeschmecker in Tätigkeit. Die großen Teehöuser in Peicrsburg und Moskau haben auf diesen Märkten ihre eigenen Teeschmecker, die für die Gute der Ware verantwortlich sind. Irren sie sich, so sind sie für den Schaden verantwortlich und haftbar. Dementsprechend erhalten sie sehr hohe Gehälter. Der Teeschmecker muß seine Zunge ständig trainieren. Er darf nicht rauchen und trinken. Jedes Cewürz, oft sogar das Salz, ist ihm verboten. Solch ein Künstler vermag die Güte jeder Teesorte sofort nach einer Prove zu bestimmen. Er kann angeben, ob der Tee von der ersten, zweiten, dritten oder vierten Lese stammt, ob und womi. er gefärbt worden ist. Ein russischer Teeschmecker leistet schon sehr viel. Er vermag etwa 150 Teesorten genau am Geschmack zu unterscheiden. Der Chinese aber soll es bis auf 500 Teesorten bringen. Bekanntlich hält ein Zigarrenschmecker sein Handwerk nicht lange aus. Eine heftige Nikotinvergiftung zwingt ihn meist dazu, seinen Beruf zu wechseln. Aehnlich ergeht es dem Teeschmecker. Er erwirbt sich in ein paar Jahren ein Vermögen und fängt etwas anderes an, um sein überreiztes Nervensystem nicht zum Zusammenbruch zu bringen. „Ratschläge und Winke Weiße Glacehandschuhe schwarz zu färben. Zu diesem Zwecke müssen die Handschuhe zunächst mit Benzin von allen Flecken gereinigt und mit Talkum nachgerieben werden. Dann reibt man sie mit derselben Mischung, die man auch zum Auffrischen abgetragener schwarzer Glacehandschuhe gebrauchen kann, nämlich einem Teelöffel voll guten Mandelöls und sechs bis acht Tropfen recht schwarzer Tinte, Strich für Strich ein. Man muß jedoch zum Färben bedeutend mehr Tinte verwenden. Auf einen Teelöffel Mandelöl rechnet mon etwa die dreibis vierfache Menge guter tie schwarzer Tinte. Man läßt die Handschuhe darauf an der Luft trocknen und trägt dann nochmals von der Lösung auf. Dabei achte man besonders darauf, daß die Nähte gut eingerieben werden und keine weißen Stellen bleiben. Um die Handschuhe glänzend und weich zu machen, reibt man sie zuletzt noch einmal durchweg mit Mandelöl ein. Hadantich ggest delechlet Heiserkeit beseitigt man mit Fliederlee, Lunzenkraut oder Bibernellenwurzel. Man brüht 10 Gramm Fliedertee mit 0,1 Liter Wasser auf und trinkt den Tee so heiß wie möglich. 10 Gr. Lungenkraut mit 0,2 Liter Wasser aufgebrüht und heiß getrunken, wirken gleichfalls vorzüglich. 20 Gramm Bibernellenwurzel, mit 0.2 Ltr. Wasser aufgebrüht, dienen als Gurgelwasser für anhaltende Heiserkeit. Zu dem gleichen Zwecke verwendet man auch Bibernelletinktur mit Zucker. Selbsthergestelltes Fleckenwasser. Ein sehr gutes und billiges, lange reichendes Fleckenwasser für dunkle Stoffe kann man sich leicht selbst herstellen. Man füllt in eine Weinflasche für 20 Pfennig Schwefeläther, für Pfennig Terpentinspiritus, für 20 Pfennig Salmiakgeist und für 20 Pfennig Benzin. Ein Löffel des Fleckenwassers wird dann nach Umschütteln für den Gebrauch mit vier Löffel Wasser verdünnt. Schimmlige Tapeten. Setzt sich an den Tapeten Schimmel an, so ist das auf Feuchtigkeit zurückzuführen. Um das zu verhindern, ist häufiges Lüften der Zimmer am Platze. Um an Tapeten nun einmal vorhandenen Schimmel zu entfernen, löst man einen Teil Salizylsäure in vier Teilen reinem Spiritus auf und bestreicht damit die Schimmelflecke. Nach einiger Zeit sind diese von der Tapete verschwunden. Aus dem Engen und Welen Das Neueste: der grüne, leuchtende Bubikopf. Während blau und lila gefärbtes Haar fast etwas Alltägliches in den Londoner Lällsälen geworden ist und ein weißer Kopf als geradezu altmodisch bezeichnet wird, brachte einer der letzten Abende eine wirklich überraschende Neuerung. Eine in der Gesellschaft gut bekannte junge Dame hatte ihrem kurzgeschnittenen Haar eine seltsam grünlich schimmernde phosphoreszierende Färbung verliehen. In heller Beleuchtung des Raumes war nichts Außergewöhnliches an dem Haar zu bemerken; wurde aber das Licht z. B. für einen Walzer abgedämpft, dann konnte man sie mit einem sie umgebenden regenbogenfarbig schillernden Heiligenschein durch den Saal dahingleiten sehen. Ob nun in der Dunkelheit leuchtendes Haar demnächst zur neuesten Modetracht erhoben werden wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls soll die dafür erforderliche Behandlung angeblich unschädlich sein. Schadenersatz für einen„gestohlenen“ Ehemann. Die Newyorker Jury hat, wie„Europapreß". berichtet, folgenden merkwürdigen Prozeß entschieden: Eine Frau Frey hatte von Miß Wilda Bennet. Star des Broadway=Theaters, die dort kürzlich in der Operette„Die Pompadour“ Triumphe feierte, die Kleinigkeit von 100 000(in Worten Hunderttausend) Dollar Schadenersatz gefordert, weil diese ihr ihren Ehemann, den reichen Charles Frey, mit dem bezeichnenden Beinamen„der hübsche Charlie", abspenstig gemacht habe. Da Miß Wilda Bennet nachzuweisen vermochte, daß die Klägerin die Liebe ihres Gatten schon lange Zeit vor diesem Liebesverhältnis mit der Operettendiva nicht mehr besessen habe, schien das Gericht die Moral des„schönen Charlie" bereits als etwas schadhaft und seinen Wert dadurch vermindert zu betrachten, denn es ermäßigte den Schadenersatz, den der Operettenstar zu zahlen haben wird, auf„nur“ 37.500 Dollar. Ihre Hoheit die Köchin antwortet. Die Hausfrau war entzückt über ihre neue Perle und war überrascht von dem Talent, die himmlischsten Kuchen und Pasteten zu backen, ihre Diners und Soupers waren Genüsse von Anfang bis zu Ende, Gedichte, Phantasien. Kurz, man begegnete der neuen Kochdonna mit der größten Achtung. Aber voller Kummer mußte die Hausfrau eines Tages feststellen, daß die Perle durchaus keinen Sinn für Reinlichkeit hatte. Die Speisekammer sah außerordentlich schmutzig und vernachlässigt aus. Voller Zittern und Beben wagte sie daher einen schwachen Angriff und fragte die Köchin mit dem nachgiebigsten Tone von der Welt:„Können Sie denn nicht sehen, wie schmutzig die Speisekammer ist?" Dafür aber heimste nur einen hoheitsvollen Blick und die erhabene Antwort ein:„Ich kümmere mich nicht um Schmutz, da ich ihn nicht liebe und mir daraus durchaus nichts mache.“ Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Gun ailaf uon uelo Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 48 Altena, den 24. November 1925 Eine Disputation über die Zulassung der Frauen zur Universität aus dem Jahre 1650 Mitgeteilt von Prof. Dr. Arnold Kowalewski, Königsberg Im siebzehnten Jahrhundert bestand an den Uniersitäten vielfach die Sitte, daß die Studenten zur Uebung öffentliche Disputationen veranstalteten, deren Texte ihnen der Professor zur Verfügung stellte. So besitzen wir noch von dem niederländischen Philosopyen Arnold Geulinex, der 1626—1669 lebte, eine stattliche Zahl akademischer Disputationstexte, die z. T. ein hohes kulturhistorisches Interesse besitzen Denn der zweifellos fortschrittlich gerichtete Professor wählte als Themata nicht entlegene gelehrte Probleme, sondern benutzte die Gelegenheit, schwierige Punkte aus dem Bereich der damaligen Tagesinteressen zu erörtern. Bemerkenswert ist, daß eine dieser Disputationen sich mit der Frage beschäftigt:„Ob Frauen zur akademischen Lehrtätigkeit zugelassen sind,“ und zwar wird hauptsächlich an die Lehrtätigkeit in der philosophischen Fakultät ge#acht. Ich möchte im folgenden in freiem Arschluß an das lateinische Original die Gründe und Gegengründe wiedergegeben, die Arn. Geulinex zu der intcressanten Frage ins Treffen führen läß: Das weibliche Geschlecht hat von Natur einen sanften Charakter. Es weiß sich mit seiner einschmeichelnden Art beliebt zu machen. Wenn diesem Geschlecht zum Lernen die Schulen und zum Lehren die Katheder offenstünden, würden die schönen Wissenschaften einen wertvollen Zuwachs erfahren. Man male sich einmal aus, wie in einem philosophischen Hörsaal am Magisterpult ein Mädchen steht und Vortrag hält, mir zarter Stimme die großen Lasten der Beweisgründe in Bewegung setzt und mit schönem zierlichen Munde die Welträtsel entwirrt: welches die Richtschnur des Guten, welches die Grenze des Schicklichen, was Gott sei, woher die Wolken, die Winde, das Feuer des Blitzes stammen, was die Ursache des Erdbebens sei und nach welchem Gesetz die Himmelskörper laufen. Welche Hörerschar möchte sich wohl zu solcher Dozentin drängen! Unter ihren zahlreichen Schülern würden die Bänke ächzen und sogar die Wände des Hörsaals müßten unter dem Druck der herumstehenden Menge leiden. Wie begierig hingen alle Ohren an den Worten der Vortragenden! Wie eifrig würde man nachschreiben! Dem ungeschickten Professor dagegen ginge es sehr schlecht. Seine Hörer würden abschwimmen. Er fände einen leeren Hörsaal, aus dem ihm zum Aerger nur das hohle Echo der eigenen Stimme entgegentönt. Im kleinen weiblichen Körper wohnt eben oft ein großer und aufrechter Geist, der auf unwürdige Weise sich am Spinnrocken abplagen muß und in niedriger, unpassender Beschäftigung ermattet. Wie kommen überhaupt die Männer dazu, sich die Herrschaft anzumaßen, mit welchem Recht unterdrücken sie das schwache Geschlecht? Sie haben die Frauen von den Altären, vom Kriegsdienst, von den Richterstühlen und Beamtenposten ferngehalten und endlich auch aus der Schule vertrieben, damit ihnen ja der Zugang zum Licht bliebe. Ein ganzes Geschlecht zur Unwissenheit zu verurteilen, n die Bücher zu entreißen und das wissenschaftliche Studium zu verbieten, dürfte doch wohl eine frevelhafte und unerhörte Grausamkeit sein. Und nicht genug damit, es gibt Leute, welche ihre Feinoschaft gegen den abwesenden; Gegner in den Schulen auslassen, den sanften, unterwürfigen Geist der Frauen bald als trotzig, bald als ehrgeizig schildern, und man hört die Feinde der Frauen gern. Schließlich besitzen die Frauen einen glänzenderen Geist als die Männer. Sie interessieren sich besonders die Feinheiten, welche die Männer in ihrer Grobzun####gkeit vernachlässigen. Gerade van solchen Feinheiten hängt aber der ganze Erfolg der Philosophie ab. Dagegen würde eine Zulassung der Frauen zu den Universitäten auch ihre Gefahren haben. Personen mit höherer Ausbildung könnte man nicht mehr vom Aufstieg zurückhalten. Etwaige Widerstände möchten Aufruhr erregen. Würden die Frauen aber wohl, wenn sie zu den Schulen und öffentlichen Aemtern Zutritt besitzen, männliche Kollegen dulden? Sollten sie nicht Rache nehmen für alles Unrecht, das ihnen vom männlichen Geschlecht zugefügt wurde? Mächten sie die Männer nicht in die Küche jagen, zu den Töpfen, zum Spinnrocken und zur Kinderwäsche? Inzwischen würden sie selbs. die höchsten Staatsgeschäfte führen, allein die Wassen tragen, allesa Priester. Richter und gekehrte Schulhäupter sein. Keine Drohungen würden helfen. Die Männer möchten an Zahl unterliegen, da sie schon durch innere UneinigNimm zustreng nicht jedes Wort Nimm zu streng nicht jedes Wort, Kommt's aus Frauenmunde; Hat's dich auch verwundet, bald, Glaub mir, heilt die Wunde. Trag's als Dorn der Rosen mit, Die so oft dich laben: Können Rosen wohl dafür, Daß sie Dornen haben? Kajeton Cerri. keit geschwächt sind. Welch ein Strudel von neuen Ansichten würde mit jenen neuen Geistern in die Schule kommen! Die Neuerungen würden auf Sitte und Religion übergreisen und eine Sturmflut über das ganze Staatswesen ergießen. Wie hartnäckig würde gestritten werden, da das weibliche Geschlecht zu Streitigkeiten aufgelegt ist, wie seine ständige Keiferei mit Kindern und Dienstboten beweist! Und unterdessen steht zu befürchten, daß sie aus den verschlossenen Schreinen der Philosophie Anklagen herausholen und gegen die Männer den Vorwurf erheben, daß diese nicht für das Gemeinwohl gearbeitet haben, während sie schon soviele Jahrhunderte lang für das Staatswohl die Wahrheit verkauften, ohne einen größeren Gewinn davon zu haben. Auch werden vielleicht nicht solche fehlen, die mit geschwätziger Zunge dem Volk das männliche Drohnentum aufdecken und die leeren Schulkosen verraten. Jene sollen sorgen, daß die tenschheit nicht untergeht, die Männer, daß sie nicht entartet. Die Disputation hat bei diesen Für und Wider ihr Bewenden, ohne daß eine Entscheidung im Sinne der einen oder der anderen Seite fällt.— Vielleicht war Geulinex selbst über die Frage nicht ins reine gekommen. Der Muff Von Erna Meta Burse. Zu den wirklich unentbehrlichen Dingen, die bisher leider nicht erfunden sind, ebwohl sie ihren Erfinder zum reichen Mann machen könnten, gehört noch immer die Damenkleidertasche. In ihr Schicksal ergeben, haben die Frauen von jeher zu Ersatzmitteln gegriffen Das feine Batisttaschentuch, Handschuhe und Schildkrötenpormonnaie verlangen gebieterisch leinen Aufbewahrungsort. In der guten alten Zeit war es der gute alte Pompadour, in dessen unergründlichen Tiefen sogar das längst sagenhaft gewordene Strickzeug noch Platz fand. Heute ist es das elegante Täschchen aus feinem Leder oder vernickeltem Stahl, das tausendmal vergessen, verloren oder gestohlen wird und doch erst durch die ideale Damenkleidertasche endlich einmal entbehrlich gemacht werden kann. Nur im Winter kommen Kälte und Mode der bedrängten Frauenwelt zur Hilfe: der Muff oder„die Muffe“, wie man in niederdeutschen Gegenden sagt, vermag das Täschchen zu ersetzen. Der Muff— im Fränkischen und Elsässischen heißt er wohl auch„Schlupfen“ oder„Stoß“— ist ein merkwürdiger Bestandteil der weiblichen Wintergarderobe. Er hat so viel ausgezeichnete und liebenswürdige Eigenschaften, daß es kein Wunder ist, wenn die Frauen ihm treu bleiben. Ich möchte ihn fast mit jenen alten, vielseitigen Kachelösen vergleichen, in denen man heizen, Wasser kochen, Wethnachtsävfel braten, Holz aufstapeln kann, und die außerden die eindrucksvolle Zierde des Zimmers bedeuten sowie durch ihre Kachelbekleidung kostoaren Liebhaberwert besitzen. Und wenn der Muff wiederholt als veraltet abgelehnt wird, so ist er doch wieder, wie auch in diesem Jahre. zur Mode geworden. Mollig und warm, schirmt der Muff nicht nur die Hände, die selbst in pelzgefütterten Handschuhen oft nicht hinreichend gegen den Frost bewahrt sind. Er dien: auch, geräumig wie er ist, als Täschchen: Börse, Taschentuch, Veilchensträußchen, Briefe. Bonbonniere, Fahrschein und was nicht noch alles finden in ihm sicheren Unterschlupf Und dann weiß man vor allem auch, wo man auf der Straße die Hände lassen soll. Man braucht keinen Schirm, kein Buch, kein Pakeichen. Das vielen Frauen und Mädchen unbehagliche Gefühl,„nichts in der Hand zu haben", ist verschwunden. Die Hände sind samt ihrer Nervosität im Muff geborgen. Und der Muff kann nicht verloren gehen. Die elegante Kette, die sich um den Hals der Trägerin legt, hält ihn besser fest, als ihr Gedächtnis es vermag. Auch ist der Muff ein wesentliches Moment der geschmackvollen Wintertoilette. Er gibt ihr einen beweglichen, belebten und doch dauernden Mittelpunkt. Er schließt, passend gewählt, das Pelzkostüm anschaulich zusammen, rundet es ab, macht es„komplett“ und setzt so gleichsam das Siegel darunter. Eine Gebärde der Hand, die vom Muff umschlossen wird, kann unbeschreiblich graziös sein. Wie anmutig sieht es aus, wenn eine hübsche Frau aus dem Schlitten mit dem Muff winkt, wie bezaubernd, wenn ihre Hand auf der Eisbahn den Muff verläßt, um sich leicht und weich und warm in eine andere zu legen. Wenn ich vorhin den Muff einen Bestandteil der weiblichen Wintergarderobe nannte, so war das nicht ganz genau. Es darf leider nicht verschwiegen werden, daß auch die Männerwelt den Muff oft genug nicht verschmäht hat. Erfunden hat ihn eigentlich der frierende Junge, der zum erstenmal seine frostblauen Hände in die Aermel schob, um sie zu wärmen. Schon vor einem halben Jahrtausend geriet man, nicht in Grönland, sondern im Land, wo die Zitronen blühn, und zwar in Venedig, darauf, rund gewölbte Röhren aus allerlei Stoffen herzustellen, sie warm zu füttern und zum Schutze der Hände gegen die Kälte zu verwenden. Vielleicht kamen so praktische Gesichtspunkte sogar erst später zur Geltung. Vielleicht verdankt der Muff seine Entstehung einer vornehmen, tonangebenden Venezianerin, die, zu ihrem heimlichen Kummer, keine schönen Hände hatte und darum den Muff erfand. Stuartkragen, Schnabelschuhe und Vatermörder sind ja auf ähnliche Weise entstanden. Anfangs wurde ja der Muff auch im Hause, bei Gesellschaften und Festlichkeiten getragen und von Männern ebenso wie von Frauen benutzt. Jetzt gilt es höchstens auf der Jagd nicht für unmöglich, sich eines Muffes zu bedienen, und schon früher sind Männer um seinetwillen dem Vorwurf der 8 5— S 5296826 S S.——" 2.•---Jae.gg. **S Spuig A/ BairaUeöuer =S 83.8 5 6 * 2 # Eie„ *— . Sr: a E., a S2yTTOIS BOP. T E EE 99.24 g NE.SO—UI ÖPS-FÖPA He-So.UE: ## 5 :5 9 * 58 Verweichlichung nicht entgangen. So zogen s#o im siebzehnten Jahrhundert bei der Bein. rung von Rotterdam die hannoverschen Sr.: ten von den Holländern den Spottname. „Muffrikaner" zu, weil sie sich durch Muffe ge gen. die Kälte zu schützen suchten. Aber de: oldatenmuff gehörte auch zur alten preußi: schen Soldatenausrustung. und zwar im Biwan und auf Posten war er sicher nicht zu unterschätzen. Er war nicht klein, aber auch kaum jrößer als die winterlichen Damenmuffe.— Auch der Muff nämlich entgeht den Wanddngen durch die Mode nicht. Freilich sind ihm durch seine Bestimmung verhältnismäßig enge Grenzen gezogen, innerhalb welcher sich die Mode austoben kann. Nur das Material eriaubt gewisse größere Abwechslung. Als die Muffe aufkamen, versuchte man sie nicht nur in echten und nachgemachten Pelzen herzustellen, sondern auch aus samtnen und seidenen Stofsen zu verfertigen. Besonders waren auch Brokatgewebe beliebt, die ungefähr zu der gleichen Zeit Boden gewannen. Heute ist für den Muff die Alleinherrschaft des Pelzes und seine Imitationen entschieden. Dieser erfüllt nicht nur am vollkommensten die Aufgabe, die Hände gegen die Kälte zu schützen, sondern gestattet auch in Farbe, Tönung, Charakter und Feinheit so reiche Schattierung, daß für den Wandel in der Mode genügend gesorgt ist. Daneben bringen das Format und die Größe der Muffe zuweilen Abwechslung. Man hat sie klein und zierlich getragen Die übliche, etwa rechteckige Form verschiebt sich zu einem modernen, sattelartigen Format. Um den großen Muff weniger eintönig wirken zu lassen, verarbeitet man nicht nur Pelze, sondern auch Schwänze, Köpfchen udn Klauen der Tiere und läßt sie wie lose Fransen herabhängen. Das sieht originell aus, erinnert aber ein bißchen an den Indianer, der die Skalpe der besiegten Bleichgesichter, hütsch auf der Schnur gereiht, mit sich führt. Der Muffpelz selbst ist ein eigenes Kapitel. Die Mode macht da oft wunderliche Sprünge. Vor einigen Jahren trug alle Welt Feh, das graue winterliche Rückenfell des Eichhörnchens. Dann kam es aus der Mode wie alle Sachen die so viel getragen werden, daß sie schließlich niemand mehr tragen mag. Nur den kostbaren Pelzen kann der Wandei der Mode wenig anhaben. Sie bleiben modern, weil sie teuer sind. Sonst wird wohl jeder Pelz zu Muffen verarbeitet, und es ist Laune der Mode, wenn sie einmal Persianer, ein andermal Nerz bevorzugt. Entscheidend für die Wahl des breibt der Charakter des Winterkostüms. Wer Pelzjackett trägt, wird den Muff in der Regel vom gleichen gell wählen. Doch gibt es hübsche Zusammenstellungen, wenn sie mit Geschmack und Verständnis getrossen sind. —□2)— Der Herr des Hauses Einer indischen Sage nacherzählt von Gotthard Brodt. „Ich bin der Herr im Hause, und was meine Frau sagt, wird gemacht"; dieses Sprichwort kannten zwar die alten Inder noch nicht, aber sie wußten auch bereits, daß die Wünsche der Frau zu Hause meist mehr respektiert werden als die des Mannes. Die offizielle Herrschaft der Frau ist längst zerbrochen, aber ihre indirekte Herrschaft besteht fort. An ein Kind Von Richard Huch. Leg deine Kinderhand in meine Und geh' mit mir auf kurze Zeit; Den Weg. der gar so lang allein: Verkürz, dein liebliches Geleit. Aus deinem tiefen Augensterne Drängt forschend eine Frage sich: „Warum hättst du es gar so gerne; Hast du kein Bübchen so wie ich?“ Geh wieder heim nun, kleine Seele, Die Dämmerung bricht schnell herein; Der Engel, dem ich dich befehle, Wird liebreich schützend bei dir sein. Und ich, indem ich weiter schreite, Vergesse, daß der Traum schon schwand, Hör noch den Schritt an meiner Seite Und fühle noch die kleine Hand. Schon Schopenhauer hat das erkannt. und aus der Literatur aller Zeiten wissen wir, daß bei dem oft sehr drastisch geschilderten„Kampf um die Hosen" die Frau stets die Siegerin ist. In Indien erzählt man sich beispielsweise diese kleine charakteristische Geschichte: Einst wendete sich ein jungverheirateter Mann an einen Weisen und fragte ihn, wer eigentlich der Herr im Hause sei: der Mann oder die Der Weise lächelte und sagte:„Mein Sohn, hier sind hundert Hühner und ein Pferdegespann; lade die Hühner auf den Wagen und fahre, so weit du kommst, hinaus in die Welt. Kommst du an Häusern vorüber, in denen Eheleute wohnen, so ernundige dich, wer der Herr im Hause ist. Jit es der Mann, so gibt ihm eins deiner Pferde, ist es aber die Frau, so gid ih ein Huhn.“ Der junge Mann tat, wie ihm geheißen und hatte auf seiner Fahrt bereits neunundneunz.: Hühner verteilt, aber noch kein einziges Pferr. Da kam er nun an ein kleines Bauernhäuschen und stellte die übliche Frage, wer der Herr im Hause sei. „Ich bin der Herr im Hause," erwiderte ihm der Bauer stolz;„meine Frau wird es dir bestätigen.“.4gt 91725 Die Frau wird gerufen und bestatigt eifrig. daß ihr Mann der Herr des Hauses sei. „Nun, dann wähle dir eins meiner Pferde aus,“ sagte der junge Mann zufrieden. Der Bauer lächelte und entschied sich für ein braunes Pferd; seine Frau stimmte ihm auch zu, nahm ihn dann aber beiseite und flüsterte längere Zeit mit ihm. Als der Mann ihr eine Weile zugehört hatte, wandte er sich plötzlich an seinen Besucher, den jungen Mann, und sagte: „Ich glaube, ich möchte doch lieber den Schimmel haben.— Der Angeredete aber ward zornig und rief: „Nein, auch du bist nicht der Herr im Hause— du bekommst das Huhn, das letzte das ich besitze.“ Sprachs. warf das Huhn vom Gefährt, und fuhr mit leerem Wagen nach Hause. Das Haus ist also im wahrsten Sinne des Wortes:„das Reich der Frau“. —.2— Das Bild der Mutter Von F. Schrönghamer=Heimdal. Es war mir eine Lust, durch die kühle, sternenstille Herbstnacht zu wandern. Denn es ging ja heim zu, nach langem Fernsein in der Fremde, heim zu Vater und Mutter, zu Bruder und Schwester, zu allem lieben Gewese, seit Kindestagen gewohnt und vertraut. Was mag sich alles gewandelt haben in der langen Weile, die ich wieder in der Welt drauben war?. Wighersek Ein Lied vom Wandern und Mieversehen sang mir durch die Seele, ein Lied ohne Worte wie alles Herzerhebende, aber dafür um so tiefer und tönender. Denn die ganze Schöpfung, die einem zur Nacht so wundersam nahe ist und ans Herz greift, sang die Weise mit: Sie silberte aus den Sternen, die da droben von Ewigkeit her auf Reisen waren, sie schauerte aus den Wäldern, die sich im hochgemuten Wuchse am Himmelsrande reckten, sie tropfte aus den Gräsern, die mir mit ihren Tauperlen die Wanderschuhe wie mit Freudenzähren des Wiedersehens netzten. Dann stand ich auf dem Hügel, der mir die Heimat zeigte. Wieder emmal... Wie zwei Mädchen durch ein Ballkleid zu Männern kamen Von Käthe Erdmuthe Michel. Mädchen sind für eine Witwe entschieden bequemer, sie sind leichter zu erziehen und kosten auch weniger.— Den Fall ausgenommen, daß die Mädel zum Ball eingeladen sind und neue Kleider brauchen, weil die alten aufgetragen sind. Eine einfache Sache, wenn Geld genug da ist; dann ist das Kopfzerbrechen darüber sogar allerliebst und gehört zu den angenehmsten Tätigkeiten einer Mutter. Aber, aber, wenn—— Frau Forstmeister Breitenscheidt zählte zum zweiten Male das Geld durch, das in der Toilettenkasse war, aber es wurde nicht mehr— es reichte nicht für zwei Kleider. Wenn ihr Schleierstoff nehmen wolltet, der Bert sobreit* „Aber Mutter!" die blonde, reohafte Lili sprang entrüstet auf,„wo alle Seide tragen— ausgeschlossen! Ganz unmöglich!" „Wir gingen immer in weißem Mull.“ „Ja, Ihr!“— Eine Welt von Verachtung lag in dem Ton,„lieber gehe ich gar nicht, als daß ich mich von den Gänsen auslachen lassen soll!“ Die Mutter seufzte:„Aber die Herren sehen doch gar nicht auf die Kleider, und irr mit enren hübschen Gesichtern—“ Ein Hohngelächter unterbrach sie.„Das mag wohl zu euren Zeiten so gewesen sein. Wer tanzt denn jetzt am meisten? Wer einen Bubikopf hat. keine Aermel und das eleganteste Kleid! Nach dem Gesicht wird gar nicht mehr gefragt, höchstens nach den Beinen!" „Da hat Lili schon recht,“ bestätigte die sanfte Leni, dann aber unterbrach sie das nun folgende, drückende Schweigen:„Mir kommt plötzlich ein Gedanke—“ Zwei Augenpaare sahen sie gespannt an. „Wir haben doch Einladungen für zwei große Bälle, wenn wir nun nur ein elegantes Kleid anschafften, vielleicht weiß, das kann jede mit etwas anderer Garnitur tragen, und jede von uns geht auf einen Ball. Dazu reicht das seh woh e etue „Ja, ja!“ Lili fiei der stillen Schwester um den Hals.„Du bist mal wieder der rettende tnoe g „Und passen wird es ju aach bei den Sacken, die Ihr jetzt tragt,“ fügte die Mutter etwas geringschatzig hinzu,„bei uns wäre es nicht möglich gewesen, wir arbeiteten auf Figur.“ „Figur ist unmodern, Murter- und dann reicht es noch zu Florstrümpfen und neuen Schuhen— hurrah!" Lili wirbelte die Schwester jubelnd in der Stube herum. „Nun einigt euch noch, auf welchen Ball jede gehen will.“ Leni sah errötend auf. „Du willst natürlich auf den Ball, auf dem Doktor Gehrich ist, Leni— ach, du Butterlamm, mir ist es egal, mein Herz ist frei!"—Zwei Wochen später saß der junge Doktor mit seinem Freund, dem Doktor von Sanden. zusammen, der ihn auf der Durchreise besuchte. „Höre, Karl, wenn du heute abend mit mir zusammen sein willst, mußt du mich auf einen Ball begleiten.“ „Aber Mensch, sag' doch ab, oder bist du ein so leidenschaftlicher Tänzer geworden?“ „Das nicht, aber——“ „Aha, da steckt„sie" dahinter?“ „Stimmt, Karl, und du sollst dir das Mädel ansehen und, wenn es möglich ist, sie aussorschen 682 „Kannst ou das selhst nicht besser: „Ja, ja— aber sie ist etwas still— ich oin ja auch eigentlich ganz sicher,— aber lieb wäre es mir doch, man holt sich nicht gern einen Korb. was, das tust du doch für deinen alten Leibsuchs....... J, uch fräher i.h „Aber sicher, ich habe ja auch früher jede Dummheit mitgemacht.“ „Warum heiratest du denn nicht? Stattliche Erscheinung, auf dem besten Wege zum Bankgewaltigen, sabelhaftes Einkommen—“ „Das braucht die Frau allein auf, wenn ich die richtige greife. Ne, ne, uns Berlinern vergeht die Lust zur Ehe, oder kannst du dir ein Mädel mit Bubikopf, das jeden Tag in Seidenstrümpfen und Lackschuhen herumtrippelt, als Hausfrau und Mutter denken?“ Meine Zukünftige hat herrliche blonde Flechten.:..„ ginz hacht unh k. „Na, ihr in der Prooinz haol noch solch ein Unikum. Ich werde dich zuerst unter das Ehejoch bringen und seh'n, wie das Trauerspiel bei dir ausläuft. Wann steigt denn die Kiste?" „Um acht Uhr, ich kann erst gegen zehn da sein, habe gerade einen schweren Fall.“ „Um so besser habe ich Zeit für meine diplomatische Aufgabe. Warte, Leibfuchs, ich diene mir einen Kuppelpelz.“—— Zur selben Zeit stand Leni vor der Schwester. „Also, du mußt heut gehen, beste Lili, er kommt bestimmt nicht, Anna sagte mir, er hat einen ganz schweren Kranken.“ „Aber Mutter hat doch für dich zugesagt?“ „Dann hat sie sich eben verschrieben, Leni und Lili sehen sich so ähnlich, Du willst mich doch nicht unglücklich machen? Morgen ist er bestimmt da.“ „Na, denn Mut!— Nähe das rosa Band an. Auf in den Kampf, Torero!“—In einer Ecke des Ballsaals saß Doktor von Sanden mit der blonden Lili. Er bereute schon SS5ES # HOSGE *.E E S S 5 S e2 SGGE" 8 S S65.S8 Ss. SDn SESEISA S TE m BoSED S Ch S Wie oft bin ich schon auf der nämlichen Stelle gestanden, das Herz voll leisem Jubel. enn es heimwärts ging, oder voll unsäglicher Lehmut, wenn der umflorte Scheideblick noch das Bild der Heimat suchte. ist, die Tchen dieses uralten Vaterhauses gei=jda sie„mutterscelenallein“ ihre stern um mich her und segnen auf die stille Be=lSorge ossenbarte. terin am Herd aus Ueberwelten nieder. Wandern und Wiedersehen! Eratmend halte ich auf der Höhe vor der Heimat. Da lugt das Dorf schon unbestimmt aus Schatlengründen und ein Licht bahnt sich den Weg durch Nebeischwaden und Dämmerungen zu meinem Heimwehhügel her. Es ist ein Licht aus meinem Vaterhause und wandert von der Kammer in die Stube, wo es am Herde stille hält. Und ich weiß: Das ist eine gute Mutter, deren Serge um ihre Lieben schon wach ist und am Herde werkt. Als Erste im Dorfe entfacht sie dis Licht und den Herdbrand, noch bevor die Hähne den kommenden Tag beschreien Das Lied vom Wandern und Wiedersehen schwingt mir freudvoll durchs Herz: Mutter!. Schon stehe ich vor dem Hoftor und will mit dem Wanderstecken daranpochen. Da fällt mein Blick durch einen Vorhangspalt im Stubenfenster auf das Bild der Mutter: Wie sie, im Scheine der Lampe auf dem Herdgesims, vor dem Ofentürlein kniet und Feuer macht. Ich sehe nichts als ihr gütiges Angesicht, vom milden Licht der Ampel umflossen, so daß es selbst wie ein Licht leuchtet. Licht in der Finsternis. Ich halte inne und schaue und schaue. Die dunkle Stube da drinnen wächst mir zur Welt, und in das Lied vom Wandern und Wiedersehen, das mir im Herzen beim Anblick der Mutter schon stille war, mischt sich ein neuer Ton voll Süße und Hoheit: Das Leuchten eines Mutterantlitzes, das stille Schaffen verhärmter Hände einer Mutter. Meiner Mutter. Wie ein Dieb stehe ich am Tor und kann mir nicht helsen: Ich muß das Bild der Mutter in mich aufnehmen, so wie sie jetzt ist, da sie sich von niemand beobachtet wähnt und sich so gibt, wie es ihr Mutterwesen will. Voll schlagen die Herdflammen auf. Das Feuer ist entfacht und prasselt lustig oh, ich höre es deutlich in der Stille zwischen Nacht und Morgen.. Ich lehne mich an den Torpfosten und schaue und schaue Vom Flammenschein ganz übergossen, kniet, Mutter immer noch regungslos am Herde. Nur ihre verarbeiteten Finger gleiten jetzt über Stirne, Mund und Brust. Dann ruhen die Hände gefaltet im Schoße und ihre Lippen bewegen sich leise: Heilige Gebete rinnen an mein Ohr: „Für alle, die aus diesem Hause gestorben, in Kriegen gefallen, in der Fremde verdorben oder verschollen sind: Vater unser, der Du bist...“ Kühle Schatten huschen mich an. Heimliche Schauer rieseln mir durch Herz und Hirn. Mir O Lied vom Wie wahr bist du mir im Morgengebete der Mutter! Wieder lispeln ihre Lippen:„Für alle, die in diesem Hause leben und noch geboren werden. Daß Du sie behüten mögest, Herr der Welten, hier und dort: Vater unser, der Du bist...“ Du standst am Meer. In deiner hohlen Hand Fingst du, ein stummes Spiel, der Welle Blinken Und sahst den Perlenregen sprühn und sinken Und hast dich leise zu mir umgewandt, Der, deinem Spiel zuschauend, bei dir stand. Und wie im Traum sah ich dich lächelnd winken: Du bist so still, Geliebter. Willst du trinken? Dann kniet' ich neben dir im weißen Sand. Gleichnis Erst mit der steigenden Svune verrat ich das Vaterhaus Und als ich wieder in die Ferne zog. nahm ich das Bild der Mutter mit, das mir eine seltsame Fügung ins Herz gebrannt hatte: Die Heilige, vom Glorienschein der Herdglut umstossen, von selbstloser Hingabe, Ur= und Sinnbild alles Mutterseins. In allem Wechsel und Wandel das Bleibende ist und währt mir dieses Bild: Sonnen kreisen darum, Sterne lustwandeln in seinem Bannkreis, Tage und Nächte, Wunden und Wonnen umhegen seinen Rahmen. In allem Werden und Vergehen steht es als Ewiges und Einmaliges in mir, unveränderlich und wesenhaft im Wanderschritt der Zeiten. Und leise sprach dein Mund: Dies ist der Trank, Der nie versiegt, wenn alle Quellen dürsten: Tränen, geweint von Bettlern und von Fürsten, Tränen' der Liebe, die ins Dunkel sank. Den sollst du trinken und an seinem Brennen Der Liebe letztes Wesen tief erkennen. Wilhelm Luetjens. Das„Mädel“ und das„Mädchen“ Die Flammen im Herde weben einen Heiligenschein um das Antlitz der Mutter. Ja, eine Heilige bist Du, Mutter, jetzt weiß ich's gewiß Eine hübsche, launige Betrachtung über das Mädchen von heute stellt V. G. im„Berl Lokalanzeiger“ an: Das Mädchen stirbt aus. *** Ja— machen Sie nur ruhig drei Frage. zeichen und noch mehr. Es ist trotzdem richtig. Das Mädchen stirbt aus. Wir haben keine Mäd chen mehr oder doch nur sehr wenige. Wir haben„Mädels“. Ob das nicht dasselbe ist? Hm ja! Auf den ersten Blick sieht es ja fast so aus. Schaut man aber genauer zu, merkt man doch, daß zwischen beiden Unterschiede bestehen, daß beinahe Abgründe klaffen. Das Mädel und das Mädchen repräsentieren zwei scharf getrennte Frauentypen. Sie haben so gut wie nichts miteinander gemein. Ist es nicht auffallend, daß man heute nie mehr von Mädchen spricht, sondern immer nur von Mädels?— Mädels gibt es in den verschiedensten Sorten: Wandermädels, Sportmädels. Geschäftsmädels, fesche Mädels, moderne Mädels. Anders, als von Mädels, spricht man überhaupt kaum mehr, wenn von unserer jungen Weiblichkeit die Rede ist. Und dieses Mädel ist etwas anderes als das Mädchen. Das Mädel steht mit beiden FüUnd zum drittenmal heben ihre Lippen zusßen fest und sicher im Leben. Das Mädel hat #ten an:„Für meinen Sohn in der Fremde, helle Augen und hellen Verstand, hat Hände, die Leih###der#arbeiten können und zupacken wollen, um sich bete 50 daß er keinen Schaben nimmt an Leio oder Seeie, daß er brav bleibe und bald heimkehre: Vater unser, der Du bist Beschämt und beseligt zugleich senke ich den Blick, das heilige Bild der Mutter noch einmal voll umfassend, um es mir auf immer einzuprägen: Die Beterin am Herd zwischen Nach: und Morgen. Und wie ein Diev schleiche ich mich vanon, vors Dorf hinaus auf die Heide. Denn jetzt kann und kann ich der Mutter nicht vor die Augen treten. Sie darf nicht wissen, daß ich sie beobachtet habe in ihrer heiligsten Stunde, Leben und Schicksal aus eigener Kraft zu gestalten. Das Mädel hat etwas von der naiven Burschikosität des Backfisches; aber es ist nicht naiv. Die Naivität hat ihm das rauhe Leben unserer Tage genommen. Das weiß Bescheid. auch in Dingen, von denen es noch nichts wissen sollte. Es sagt und tut Sachen. über die alle Mütter und Tanten die Köpfe schütteln und die Hände zusammenschlagen:„Das hätten wir nie getan!" Nein, sie hätten es auch nie getan. Sie waren ja auch keine Mädels, sie waren— Mädchen. etzt nicht mehr, auf den Ball gegangen zu sein. das war ja ein ganz famoses Mädel, nur still konnte er die Erwählte seines Freundes nicht finden. Viel auszuforschen blieb ihm auch nicht, denn sie hatte den Freund nach der ersten tastenden Frage mit soviel offener Herzlichkeit gelobt, daß er fast verblüfft war. Sonst zieren sich doch die Mädel in solchen Fällen mehr. Aber sie war wohl auch in diesem Punkt eine angenehme Ausnahme. Wie nubefangen man übrigens mit einer plaudern konnte, die man in festen Händen wußte, er hatte sich lange nicht so gut unterhalten. Wie reizend und natürlich sie aber auch erzählte, er konnte sich gut ein Bild von der gemütlichen Häuslichkeit der drei Frauen machen. Er wich nicht von ihrer Seite, er fühlte ja auch ein gutes Recht dazu, mehr als das, er hatte die Pflicht, sie keinem andern zu überlassen. Fast tat es ihm leid, sie so bald an den Freund abgeben zu müssen— ja, man traf die rechte Art immer, wenn es zu spät war. „Noch einen Tanz, mein gnädiges Fräulein.“ — Ah, wie sie tanzte, so leicht und warm hatte ihm noch nie eine Dame im Arm gelegen, nun lachte sie— das klang wie ferne Silberglokken— das Blut stieg ihm zu Kopf— Herrgott, es wäre gut, wenn der Freund bald kame. Der stand seit geraumer Zeit mit trostlosem Gesicht am Eingang. Seine Leni war nicht gekommen, trotzdem sie es ihm zuletzt noch mit einem vielsagenden Blick versprochen hatte— das war so gut wie ein Korb. Lerne einer die Frauen auskennen! Was sollte er dann hier mit seinem wehen Herzen nach der Geliebten fragen, um sich mit einer mitleidigen Lüge abspeisen zu lassen. Besser er ging gleich fort, die beiden schienen sich ja sehr gut zu unterhalten. Gerade als er sich zum Gehen wendete, sah er eine Anzahl Paare sich um den Freund und seine Dame scharen. Unwillkürlich trat er näher, was war da geschehen? Ja, was war geschehen? Als sich die beiden Fröhlichen wieder in ihre lauschige Ecke zurückziehen wollten, hatte ein vorbeitanzendes Paar dem Doktor an die Hand gestoßen, die ein gefülltes Rotweinglas trug— ein Schrei! und der dunkle Wein floß in breitem Bogen über Lilis Kleid. Ein roter Streifen zierte die Vorderbahn, sogar die Strümpfe hatten ihre Flecke. „Herrgott, Verzeihung— es tut uns unendlich leid!“— Eine Flut von Entschuldigungen prasselten auf das arme Mädel nieder, das fast so weiß wie die Seide ihres Kleides wurde. Das schuldige Paar entfernte sich schnell, und der Doktor zog seine fassungslose Dame in die Ecke hinein. Es war die höchste Zeit, denn schon kullerten ihr die dicken Tränen über die Wangen, und der Mund zuckte in verhaltenem Schluchzen. Ganz verblüfft sah er sie, es war ja gewiß sehr unangenehm, aber meist sagten doch die imen in solchem Fall, wenn auch mit etwas verzerrtem Lächeln:„ach, lassen Sie nur, es hat nichts zu sagen.“ Aber das sonst so samose Mädel wurde immer fassungsloser und jammerte:„Ach Gott, das Kleid! Das Kleid!" Er wurde etwas steif:„Mein gnädiges Fräulein, so etwas läßt sich doch reinigen, selbstverständlich werde ich—“ „Aber nicht bis morgen, o Gott, was wird meine Schwester—“ Da blickte sie mit tränenden Augen auf und sah Doktor Gehrich, der sich zu ihnen durchgeschlängelt hatte. Bei seinem Anblick schien sie den letzten Rest von Fassung zu verlieren:„Sie sind hier? Auf diesem Ball? O Gott, was wind Leni nun sagen?!“ Der Doktor strahlte plötzlich wie die aufzehende Sonne:„Warum ist Fräulein Leni nicht e K E Damit ruckte er einen Stuhl neven Ein und fragte sie, wie er es mit seinen Kranken tat, so freundlich und leise:„Nun erzählen warum Sie so unglücklich sind, das Kleid ist doch zu reinigen.“ Und Lili erzählte alles, die ganze Geschichte von dem unglücklichen Kleid, und daß Leni nun morgen nicht auf den Ball könne, wo sie ihn zu treffen hoffe. Als sie, von ihrer eigenen Aufrichtigheit erschreckt, aufblickte, soh sie in vier strahlende Männeraugen und wurde rot— fast so rot wie der unglückliche Fleck auf dem Kleid. „Wissen Sie was, Fräulein Lili, wir bringen Sie beide nach Hause und erzählen Ihrer Frau Mutter Ihre Unschuld, dann bekommen Sie sicher keine Vorwürfe. In dem Kleid können Sie doch nicht mehr tanzen.“ So zogen die drei nach der Garderobe, und als die beiden Herren einen Augenblick allein waren, faßte Sanden des Freundes Hand: „Herrgott, sowas gibt es noch, zwei Mädel und ein Kleid! Sonst gibt es nur ein Mädel und zehn Kleider! Der glückliche Mann, der die zur Frau bekommt!“ „Nun, ich könnte einen netten Schwager recht gut brauchen.“ Leni brauchte nicht mehr zu dem zweiten Ball zu gehen, denn der Doktor fand noch am selben Abend das erlösende Wort. Und als die Hochzeit nach einem halben Jahr gefeiert wurde, trat auch die blonde Lik mit ihrem Ballherrn vor den Altar. Sie hat sich später nach Herzenslust Kleider kaufen können, aber voll Freude dachten beide Paare daran, wie zwei Mädel nur durch ein KLleid zu Mönnern gehammer gonn