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Kaufe im ganzen, um billiger zu kaufen! —..— Was man alles auf dem Standesamt verliert Eine Mitteilung der Londoner Standesämter belehrt uns, daß man in diesen Büros, wo das gewagteste aller Lotteriespiele getrieben wird, auch noch etwas anderes verlieren kann als die Freiheit und Ungebundenheit des Junggesellenlebens. Amor, nicht befriedigt von dem reichen Fischzug, den er getan, will außer den Herzen seiner Opfer auch noch andere Dinge als Tribut empfangen. So kommt es, daß sich im Laufe der Zeit auf den Standesämtern eine bunte Reihe von Gegenständen anfinden, die verliebte, verwirrte Brautleute verloren haben. So zum Beispiel genügte es einem neugebackenen Ehemann nicht, bei dieser hochwichtigen Angelegenheit den Kopf zu verlieren, er ließ überflüssigerweise auch noch seinen Hut zurück und mußte so die erste Strecke Wegs in das neue Eheleben barhäuptig unternehmen. Was sich in Unmengen herrenlos auf den Standesämtern findet, das sind Füllfederhalter. Gewohnt, ohne fremde Federn auszukommen, ziehen die Herren ihren Füllfederhalter heraus, um die Eintragung in das Standesamtsregister vorzunehmen. Dabei vergessen sie aber, daß es alter Brauch ist, besonders gefährliche Pakte auch mit einem besonderen Saft zu unterzeichnen. Der Teufel erkennt Vertragsunterschriften nur an, wenn sie mit Blut geschrieben sind. Der Standesbeamte besteht darauf, daß mit der Bürotinte, die nie und nimmer verblaßt, die Unterschrift vollzogen wird. Eine Folge, freilich eine der geringsten Folgen dieser Bestimmung, sind die vielen vergessenen Füllfederhalter auf jedem Standesamte. Sehr verdächtig ist ein Fall, wo sich ein Trauring vergeblich nach seinem Besitzer umschaute und schließlich alle Hoffnungen und Erwartungen zunichte werden sah, als er, anstatt leuchtendes Aushängeschild am ehelich gefesselten Ringfinger zu werden, in ein düsteres Gefängnis wandern mußte. Er verschwand nicht in einer Westentasche, aber in einer Schublade und bekam vom Standesbeamten ein Täfelchen mit dem beschämenden Wort umgehängt: Fundsache. So schnell vergeht mitunter ein Traum von Glück und Glanz. Welche schmerzlichen Gefühle mögen jene schön geschmückte Braut bewegt haben, die, mit den zierlichsten, zartesten Atlasschuhen angetan, auf dem Standesamt erschien. Man erzählt verleumderischerweise von Heine, daß er jene Verse:„Anfangs wollt ich fast verzagen, und ich dacht, ich trüg es nie; und ich hab' es doch getragen, aber fragt mich nur nicht wie! gedichtet haben soll, als er auf einem Ball zu enge Schuhe angehabt habe. Aehnliches wird man auch von dieser Braut behaupten wollen. Als sie nämlich den Bund für das Leben besiegelt hatte, verließ sie es, ein neues Aschenbrödel, auf Strümpfen. Wer weiß, wo sie die Schuhe gedrückt hatten, und jenes zierliche Paar, das jetzt in den Londoner Amtsräumen verstaubt, kann vielleicht eine sehr traurige Geschichte erzählen, von Sorgen und Kümmernissen einer Braut auf dem Standesamt, selbst wenn„sie Schuhe aus seinstem, reichsten Atlas trägt. Ratschläge und Winke Zum Haseneinkauf. Gut erhaltene Augen deuten darauf hin, daß der Hase frisch geschossen zum Verkauf vorliegt. Sind die Augen jedoch eingefallen, so ist der Hase schon mehrere Tage tot. Sind die Nägel an den Zehen, vor allem aber an den Hinterläufen noch schwarz, etwas spitz und scharf, so hat man es mit einem diesjährigen Hasen zu tun; sind aber die Nägel abgelaufen und an den Hinterläufen grau, so hat man ein älteres Tier vor sich. Ein weiteres Kennzeichen eines jungen Hasen ist, daß sich die Löffel leicht durchreißen lassen. Weidwund geschossene Hasen sind stets„aufgeworfen“ aufzubewahren. Bei eintretendem Tauwetter müssen aufgeworfene Hasen sofort zubereitet werden. Fremdkörper im Ohr und Auge. Wenn in das Auge ein Fremdkörper gelangt ist, so vermeide man, ihn durch Reiben herauszuwischen, weil dadurch leicht Verletzungen des Auges entstehen können, welche die Sehkraft stören. Man suche vielmehr in solchen Fällen durch Bespülen des Auges mit Wasser den Fremdkörper herauszubringen, oder bemühe sich, ihn mit dem trockenen Zipfel eines Tuches, indem man das untere Augenlid stark herabzieht, zu entfernen. Gelingt dies nicht, so verhindere man durch jestes Anlegen einer Binde die Bewegung des Augenlides und gehe bald zum Arzt, ehe sich eine Augenentzündung einstellt— Liegt in dem Gehörgang ein fremder Körper, so ist es höchst gefährlich, mit einer Haarnadel oder dergleichen ihm hervorholen zu wollen. Dagegen halte man den Kopf ganz zur Seite, sodaß der Gehörgang nach unten gerichtet ist, und spritze wiederholt lauwarmes Wasser in den Gehörgang hinein. Dadurch fällt der Fremdkörper oft leicht heraus. In anderen Fällen ist ärztliche Hilfe nötig. Reinigen von Herrenhüten. Herrenhüte bürste man sehr sorgfältig aus und reibe sie dann mit einer aus halb Salmiak und halb Regenwasser bestehenden Lösung ab. Zuerst nehme man dabei den Hutrand vor. Für weiche Hüte verwende man ein Schwämmchen, das recht oft ausgedrückt werden muß. Ist das Wasser zu schmutzig geworden, so muß man es erneuern. Für steife Hüte bedient man sich besser einer Bürste, taucht diese in die Lösung und bearbeitet damit den oberen und unteren Rand des Hutes. zuletzt das Futterleder, das am fettigsten und schmutzigsten ist. Dann bereitet man eine neue Mischung von zwei Drittel Wasser und einem Drittel Salmiakgeist und wäscht mittels eines Schwammes den Hut gründlich ab, stets der Haarlage nach, damit der Filz nicht rauh wird. Dabei darf der Schwamm nicht zu naß sein. Weiche Hüte zieht man dann in die richtige Form und läßt sie auf einem Tuche langsam trocknen. Hausmittel gegen Frostbeulen. Frostbeulen beseitigt man am schmerzlosesten, indem man einen Teil spanischen Pfeffer mit sechs Teilen verdünnten Spiritus verrührt und mit einem Lappen auf die nicht offenen Frostbeulen auflegt. Reinigen grauer Wollstoffe. Graue Wollstoffe bei Herrenkleidern reinigt man vorzüglich mit Pottasche, von der man einen halben Kaffeelöffel voll in lauwarmem Wasser löst. Mit der Lösung bürstet man die Sachen aus und spült mit klarem Wasser nach. Behandlnug vergoldeter Schmucksachen. Vergoldete Schmucksachen müssen beim Reinigen besonders vorsichtig behandelt werden damit der oft recht dünne Goldüberzug nicht leidet. Man säubert sie am besten mit einem Schwamm, den man in lauwarmes Wasser taucht, dem man etwas Borax zugesetzt hat. Färben von Ledergürteln. Bunte beschmutzte Ledergürtel kann man mit guter flüssiger Zeichentusche schwarz färben. Man streicht die Gürtel mit einem weichen Pinsel zwei= bis dreimal an und reibt sie mit einem weichen Tuche blank. Sie färben nicht ab und können als schwarze Gürtel noch lange in Gebrauch bleiben. Aus dem Engen und Weiten Kinderehen in den Vereinigten Staaten. Es dürfte wenig bekannt sein, daß in nicht weniger als vierzehn der Vereinigten Staaten, nämlich in Newyork, Neu=Jersey, Pensylvanien, Kentucky, Luisiana, Virginia, Florida, Maryland, Rhodesia, Island. Tempsee, Colorada, Idahoe, Maine u. Mississippi das ges. Heiratsalter vierzehn für den„Ehemann“ und zwölf für das Mädchen ist. Tatsächlich werden auch eine ganze Reihe von Kindern im Alter von zwölf, dreizehn, vierzehn Jahren ehelich verbunden. Eine wissenschaftliche Gesellschaft stellte kürzlich darüber eine Untersuchung an, deren Endergebnis in einem Bericht ausmündete, worin die Feststellung zu lesen war, daß in den Vereinigten Staaten 660000 Personen beiderlei Geschlechts wohnen, die sich im Kindesalter verheiraten. Es ist also das Ungeheuerliche möglich, daß ein Mädchen früher sich verheiraten kann, als sie das Recht hat, in der Industrie zu arbeiten und obendrein zu einer Zeit, da sie noch schulpflichtig ist. In dem erwähnten Bericht wird nun gefordert, daß das geringste Alter für die Eingehung der Ehe bei Frauen auf 16 Jahre festgesetzt wird. In Deutschland regelt die Ehemündigkeit der§ 1303 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach ein Mann nicht vor dem Eintritt der Volljährigkeit eine Frau nicht vor Vollendung des 16. Lebensjahres eine Ehe eingehen darf; der Frau kann allerdings in Ausnahmefällen Befreiung von dieser Vorschrift durch die zuständigen Behö den bewilligt werden. Schönheitspflege vor 3000 Jahren. Man wird über die Bemühungen des schwachen Geschlechts, sich durch alle nur erdenklichen Mittel jung und schön zu erhalten, milder denken, wenn man erfährt, daß sich unter den Gebrauchsgegenständen, die Mr. Howard Carte: in Tut=anch=amons Grab fand, auch eine Vai befand, die ein Hautpflegemittel enthält. Die Salbe ist noch gut erhalten, und wenn sie ers: chemisch analysiert ist, wird die„Tut=anch=amon= Creme" sieghaft auferstehen und alles andere in den Schatten stellen. Denn wenn eine Hautpaste sich selbst dreitausend Jahre lang frisch erhalten kann, welche konservierende Wirkung wird sie erst auf andere ausüben. Eheanbahnung auf dem Scheidungsgericht. Auf einem englischen Ehescheidungsgericht ereignete sich kürzlich folgende niedliche Begebenheit: Ein noch ziemlich jung verheiratetes Paar riß und zerrle an den chesesseln, verlangle in leidenschaftlichem Tone Scheidung, Scheidung für immer und ewig. Nachdem sich die Wogen der Erregung etwas gelegt hatten, konnten die Unparteiischen Einblick in diesen vielleicht ersten, aber darum gerade sehr heftigen Ehesturm gewinnen, und sie mußten mit vorwurfsvollen Mienen feststellen, daß da tatsächlich ein Stein des Anstoßes in diese junge Ehe gefallen war und daß der Herr Gemahl als schuldig zu verurteilen sei. Ihm wurde die Zahlung von Alimenten an die so früh geschiedene Gattin auferlegt und außerdem die Begleichung der Prozeßkosten, die im übrigen sofort zu zahlen waren. Der Verurteilte zog seine Brieftasche, warf einen tiefen Blick hinein und wandte sich dann zaghaft, bittend. lächelnd, nach der gegenüberliegenden Seite des Anwalttisches, wo seine ehemalige Frau stand und fragte sie:„Hast du etwas Geld bei dir?“ Ein Blick in die Handtasche, ein rascher Griff und mit leise schelmischem Lächeln überreicht sie ihrem Gegner eine Pfundnote. Die Zahlung wurde erledigt. und das geschiedene Paar verschwand hinter der Tür. Belustigt sahen ihm die Richter nach, und einer von ihnen meinte, gewiß nicht mit Unrecht:„Die beiden hätten uns auch die Prozeßarbeit sparen können!“... Gegen die Gebote des Propheten. Die Kaiserin Katharina von Rußland empfing einst ein Schreiben des Schahs von Persien, das folgende merkwürdige Stelle enthielt:„Ich hoffe, meine vielgeliebte Schwester, Gott wird dich vor der Liebe zu starken Getränken bewahren. Ich, der ich dir schreibe, habe Augen wie Rubinen, meine Nase gleicht einem Karfunkel und die Wangen glühen mir wie vom Feuer. weil ich mich jener unglücklichen Neigung hingab Auch muß ich nun meine Tage und Nächte auf dem Bette des Jammers verbringen. So rächt es sich weil ich gegen die Gebote des Propheten handelte. Beklage mich vielgeliebte Schwester. und sende mir deinen Leibarzt, daß er mich heile; der meinige ist nicht anders, wie ich selbst.“ Garderobenstreik. Zu einem originellen Streik kam es in einem Londoner Theater. Eine junge, hübsche Schauspielerin weigerte sich, in einer Rolle aufzutreten, in der sie ein bis dahin unbekanntes Bekleidungsstück——— ein Korsett tragen muß. Auch gegen den bis zur Erde herabreichenden Rock, der ihre schlanken Beine vollständig bedeckte, hatte sie heftigste Einwendungen zu machen. Das Stück spielt zu Anfang unseres Jahrhunderts. Die Mode schrieb damals Rock und Bluse mit starker Hüftbetonung, hochgeschlossene Stehkragen, große Keulenärmel, lange Röcke vor— alles Kleidungsstücke, die die junge Schauspielerin energisch ablehnte. Da ihre Einwendungen nicht berücksichtigt worden waren, stellte sie kurz vor der Vorstellung ein Ultimatum, entweder in anderem Kostüm oder gar nicht auf der Bühne zu erscheinen. Dem Theaterdirektor blieb nichts übrig, als sämtliche Punkte des Ultimatums anzunehmen. Eine Ehelotterie. „Die Stadtverwaltung von Madrid hat den Beschluß gefaßt, im Anschluß an die diesjährigen Herbstfeierlichkeiten eine Lotterie zu welcher sich nur Unverheiratete Der Hauptgewinn von einer Behntg ader i den glücklichen GeVerheitatung. Srmz, zu einer baldigen Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Praden 4 0 Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 45 Altena, den 10. November 1925 Selig in Stürmen und Ruh Von Margarete Hodt. „Selig in Stürmen und Ruh!". Dieses das Leben bejahende Wort von Anna Ritter, das bedeutet, daß der Mensch—„stürme, was stürinen mag“— niemals aus dem inneren Gleichgewicht kommen soll, ist wohl berechtigt. Voll und ganz verstehen wird es aber nur der reife Mensch, der bereits den Schwerpunkt in seinem eigenen Leben gefunden, der sich gleichsam durch Gethsemane und Golgatha zur Auferstehungssenne hindurchgerungen hat. Der junge, noch unbefestigte Mensch kann unmöglich„selig sein in Stürmen und Ruh'". Nein, je mehr er nach Vollmenschentum und der großen inneren Harmonie seines Wesens strebt, desto mehr müssen in seiner Jugend starke innere Erregungen stattfinden. Das Erdreich muß gleichsam gepflügt durchfurcht und gelockert werden, damit der Same darin Aufnahme finden und Frucht tragen kann. Mit dem Erdreich ist die Seele des Menschen zu vergleichen und mit dem Samen alles Edle und Gute, vor allem die Liebe zum Nächsten, die ja der große Nazarener neben der Liebe zu Gott als das vornehmste Gebot hingestellt hat. Man spricht ja oft von dem weichen, aufnahmefähigen Herzen des Kindes. Bei dem Kinde sind Seele und Herz nur darum weich, weil das Kind noch jung ist. Man kann aber auch gerade bei Kindern viele harte, ja sogar grausame Züge beobachten, daß vielleicht der Zweifel berechtigt ist, ob jedes Kinderherz wirklich weich und gut ist. Meistens ist der junge Mensch ein mehr oder weniger gedankenloser Egoist bis zu dem Augenblick, wo er zum ersten Male die Hand seines Gottes segnend fühlt, wo das Erdreich seiner Seele zum ersten Male durchpflügt wird, wo der erste wirkliche seelische Schmerz ihn bis in alle Tiefen seines Seins erschüttert. Die Seele leistet eine unendlich mühselige Arbeit, um den Schmerz zu überwinden, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Solche seelischen Arbeiten dürfen nicht allzufrüh an den Menschen herantreten; denn er möchte dann leicht einem jungen Baum gleichen, der vom Sturme entwurzelt wird. Es ist daher so weise eingerichtet, daß ein Kind einen großen Schmerz, der Erwachsene zu Boden reißt, noch nicht zu fassen vermag; es ist durch seine Unreife geschützt. Anders schon ist es, wenn seelische Arbeiten von Sechzehn= bis Siebzehnjährigen gefordert werden. Welcher Art nun diese seelischen Arbeiten sind, bleibt im Grunde einerlei. Es mögen Familienverhältnisse sein, die sie hervorrufen, etwa der Tod der geliebten Mutter oder des Vaters, ein jugendliches Verbrechen oder auch ein erschüttern. es Erlebnis mit einem Freund. Immer steht in solchen Tagen der Jugendliche vor dem Sein oder Nichtsein. Kein Mensch vermag ihm zu helfen, ihn zu trösten. Er muß sich selbst hindurchringen zu neuem Frieden. Der junge Mensch von sechzehn oder siebzehn Jahren segnet noch nicht den Schmerz. Es genügt, wenn er ihn überwindet und nicht daran zugrunde geht. Die Zeit der Stürme und der starken seelischen Erschütterungen ist das Alter zwischen zwanzig und dreißig Jahren. Es sind da die Schwierigkeiten im Verkehr mit der Welt, eine gewisse innere und auch äußere Unsicherheit dem Leben gegenüber, berufliche Widrigkeiten, geschlechtliche Nöte, der Kampf um die eigene religiöse und politische Einstellung, das Ringen um die eigene, festgefügte Meinung und sie frei und furchtlos der Welt gegenüber zu vertreten. Nicht zum wenigsten kämpft der junge Mensch außerdem mit pekuniären Sorgen, wenn er auf sich allein gestellt oder noch, wie es heute vielfach vorkommt, noch Familienmitglieder unterstützen muß. Treten zu diesen Kämpfen und Lasten noch besondere hinzu, hervorgerufen etwa durch Krankheit, Liebeskummer oder, was das Schwerste ist, durch Schuld und Sünde, so brausen ungebeure Erschütterungen über den jungen Menschen hin, und das Sichwiederzurechtfinden ersordert eine furchtbar schwere, mühselige und anstrengende seelische Arbeit. Der junge Mensch ist todesmatt davon und fühlt sich auch körperlich müde zum Zusammenbrechen.„Sein oder Nichtsein, das ist die Frage.“ Der starke Mensch ringt sich durch, der Schwache geht zugrunde, körperlich oder moralisch. Daneben gibt es noch eine dritte Art von jungen Menschen, die in der Halbheit und Unfertigkeit ihres Wesens stecken bleiben und sich ihr Leben lang unbefriedigt fühlen. Wer sich wirklich zum Frieden und zu seinem besseren Selbst hindurchfechten will, muß den Kampf mit allem Ernst und mit aller Hingabe auf sich nehmen:„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ In solchen Tagen kann es vorkommen, daß der junge Mensch im Beruf entgleist und seine Vor dem Einschlafen Nun knie ich in Andacht wieder Vor deinem dunklen Gesicht. Mein Mund ist voll heimlicher Lieder Und singt doch nicht. Mein Mund kann nur noch schweigen Und atmen im dunklen Grund, Sich selig nur niederneigen Zu deinem träumenden Mund. O immer nur möcht' ich trinken Den nachtleisen Atem dein, Immer nur tiefer sinken In dich hinein. Wilhelm Luetjens. Stelle verliert. Ja, je wertvoller und tiefer veranlagt er ist, desto näher liegt gerade diese Gefahr. Ich möchte daher allen jungen Menschen raten, starke seelische Erschütterungen wie Krankheiten aufzufassen, sich im Beruf entschuldigen zu lassen und zu versuchen, sich möglichst ruhig zu verhalten, wenn das Temperament es zuläßt. Sie richten im Beruf unter solchen Umständen oft Unheil an, und Klippen bieten sich ihnen dar, an denen sie naturgemäß scheitern müssen. Je reifer der Mensch wird, desto ruhiger wird er und desto mehr lernt er den Schmerz segnen. Mit ganzer Seele vertraut er seinem Gott und erkennt, daß ihm der Schmerz gesandt wird, um ihn zu läutern und zu bessern, damit er zu höherem, glücklicherem Sein gelangen kann. Die Wandlung zu höherem Sein vollzieht sich langsam, nach und nach. Jeder Schmerz, jede bittere Enttäuschung führt ihn höher empor. Ist er vom Schmerz genesen, so bringt die Saat Früchte. Er nimmt sich vor, liebevoll und geduldig zu seinen Mitmenschen zu sein und lernt das vornehmste aller Gebote erfüllen: „Liebe deinen Nächsten als dich selbst.“„Mein Mitmensch hat vielleicht heute oder morgen denselben harten Schmerz durchzufechten wie ich,“ sagt er sich,„ich will ihm deshalb nach Kräften das Leben erleichtern.“ Oder er begegnet rohen, unvernünftigen Menschen und sagt sich: „Wie fern sind die dem Glück! Ich will gut zu ihnen sein, denn sie entbehren Wärme und Liebe.“ „Suchet, so werdet ihr finden!“, verheißt die Bibel. Wer mit allem Ernst den Frieden sucht, der findet ihn auch. Voll edlen Gleichmutes sieht er eines Tages zu, wie das Leben braust und stürmt. Aber er selbst steht fest, an der Hand seines Gottes, wie ein Fels im Meer. Gott selbst steuert sein Lebensschiff, es kann ihm alles nur zum Besten dienen. So ist er „selig in Stürmen und Ruh“. —2— Toilettengeheimnisse aus alter Zeit Von W. Damm. Nicht erst seit heute treibt die Frau Schönheits= und Körperpflege. Sie hat nicht erst auf die Erfindung des Radios gewartet, um sich unter Musikbegleitung und Turnkommandos einen gelenkigen und straffen Körper zu erziehen. Sie hat auch nicht erst auf die modernen Reklameangebote raffiniert zusammengestellter Schönheitsmittel und Toilettenpräparate gewartet, um das zu erfüllen, was bewußt oder unbewußt in jeder Frau liegt, sich zu schmünken, sich schön zu machen für den Mann. Wir sehen schon die Griechin und die Römerin eine ausgedehnte und sorgfältige Körperpflege treiben. Durch gymnastische Spiele und Tänze, durch luxuriöse Bäder und Oele erhielt sie sich elastisch und schön. Wir sehen später die „s#öne“ Frau an den europäischen Fürstenhösen mit Putz und schweren Stoffen behangen, den Körper zum Gerüst für eine stilvolle Erscheinung degradierend, wobei die Schönheit in der Ausstaffierung— den gepuderten, riesenhohen Coiffuren, den panzerhaften, einengenden Gewändern, dem Behang und Schmuck— zu suchen ist. Wir kommen schließlich zur modernen Frau und stellen fest, daß sie sich wieder dem Schönheitsideal der Antike nähert, insofern wenigstens, als auch für sie der Körper das Gefäß in, das von allem unnötigen Ballast befreit sein muß, um in klarer natürlicher Schönheit seinen geheimnisvollen Inhalt durchschimmern zu laisen. Wie einfach erscheint dies, und doch lehr: uns die Erfahrung daß gerade das einfache in jeder Kunst sehr schwer ist. Etwas zu übernehmen. zu drapieren, zu verdecken ist leichter, als die Wirkung der Schönheit durch natürliche Reize zu erzielen, die, wie so oft, erst von Schlacken und Staub befreit werden müssen. Gegen jedes Unglück jedoch ist ein Kraut gewachsen: lange Erfahrungen, alte Getränke haben einen Schatz von einfachen und dabei wirkungsvollen Hilfsmitteln zusammengetragen, mit denen all dieser Alltagsstaub von der natü.ichen Schänheit einer Frau abgewaschen werden kann. Viele, heute noch angewandte Behandlungsmethoden reichen Jahrhunderte und Jahrtausende weit zurück, wie zum Beispiel die Anwendung der Schlammbäder, die schon zu Cäsars Zeiten bei den römischen Damen als Verschönerungsmittel sehr geschätzt waren. Die Griechinnen kannten bereits den Wert der Milch für die Körperpflege. Viele derartige Rezepte, die uns von ihnen überkommen sind, verweisen auf den Gebrauch von Milch. Die ägyptische Königin Schesh, welche vor Tutanchamen lebte, deren Weisheit also ungefähr aus der Zeit 1400 vor Christus stammt, gebrauchte für ihre Toilette eine Pomade, die aus dem gekochten Huf eines Esels, einem Hundefuß. aus Dattelkernen und Oel bestand. Als Mittel gegen Haarausfall soll sie eine mystische Salbe aus sechs verschiedenen Arten Fett benutzt haben, und zwar wurde das Fett der Katze, des Krokodils, des Steinbocks, des Nilpferds, des Löwen und des Tigers nach genauem Rezept zusammengemischt. Derartige kostbare Salben könnten wir uns heutzutage freilich nicht leisten. Eher ist es uns möglich, die Toilettenmittel der berühmten Madame Pompadour zu versuchen, über die uns der Chronist folgendermaßen berichtet: Jeden Morgen nahm sie ein weiches Tuch, tauchte es in den Saft einer Gurke und benetzte sich damit das Gesicht, wodurch sie ihren wundervollen Teint erzielte.“ Auch die unglückliche Königin Marie Antoinette hat der Nachwelt außer all den spannenden, unterhaltenden und traurigen Geschichten ihres Lehens dor Toilettengeheimnie hinterlat EEßvEs 8.8•P S 2x 10E S„ 2 5 Sugs, Gapage. B-58 S 55m SS ESEELE S g•5-n FIPEE P7447 P ## 1.3 Bppg * c5 5 S9—EgEg Sm SöSpHaS S! SOERTNS 1.-" ST9 55S995 sen, wie man eine glatte, weiche Haut bekommen kann:„Die Schalen der Quitte werden in Wasser gelegt und müssen darin mehrere Tage lang auslaugen. Dann drückt man die Flüssigkeit durch ein Tuch und fügt etwas Rosenwasser hinzu.“ Die so entstandene Mischung hat einen überraschenden und wundervollen Erfolg wenn man sich damit regelmäßig Gesicht und Hände wäscht. Die deutsche Frau kramt aus ihrem Erfahrungsschatz ebenfalls alte. gutbewährte Hausmittel hervor, die schon Großmutter und Urgroßmutter glücklich gemacht haben; sie erzählt dir, wie man durch Kamillentee und Buttermilch schön werden kann. Ein Requisit, das man zu allen Zeiten auf dem Toilettentisch einer Schönen finden konnte, sei es zur Zeit der orientalischen Kultur, sei es im Mittelatter, sei es in der Neuzeit, das ist die Schminke. Wenn ein bitterböser Moralist im Hinblick auf die kräftig geschminkte Dame von heute Zeter und Mordio über die Verdorbenheit der Welt schreit und die guten, alten Zeiten beschwört, als sich die Frauen noch nicht „bemalten“, dann soll er dazu verurteilt werden, eine solche gesittete Zeit, die keine Schminke kannte, anzuführen; denn eine solche Zeit gibt es gar nicht. Schon die Aegypterin besaß ihre verschiedenen Schminktöpfchen, die Römerin bemalte sich, und die Florentinerinnen waren im 14. Jahrhundert geradezu berühmt als die„bestgeschminkten Frauen der Welt“. Der Chronist schreibt von ihnen:„Sie trugen Seidenkleider und falsche Haare und haben sich cote Farbe auf die Wangen gestrichen.“ Wie oft schreibt auch die Liselotte von der Pfalz, die deutsche Prinzessin am Hofe Ludwigs 14., daß sich die Hofdamen und Mätressen des„rouge“ in ausgiebigem Maße bedienten. Deshalb ware also die Dame von heute nicht verdammenswerter als ihre Schwestern aus der guten alten Zeit, und sie wird auch weiterhin zur Schminke greifen, wenn sie nicht von Natur aus jenes Kolorit hat, für das die Engländer den poetischen Ausdruck gefunden haben:„Das Gesicht meiner Liebsten ist ein Garten, in dem Lilien und Rosen auf mich warten.“ Oft genügt ja schon der Saft von zwei kleinen roten Geranienblütenblättern, um auf das Gesicht einer Frau jenen unmerklichen Schein von Frische und Gesundheit zu zaubern, der den Mann anzieht. Die Frau tut schließlich nur das, was der Mann wünscht; sie verwirklicht sein Schönheitsideal; denn ihre Bemühungen haben nur dann einen Zweck, wenn sie dadurch dem Manne gefällt. So ist es überall und zu allen Zeiten gewesen. Wenn so die Frau einmal in ihrem Drange, sich schön zu machen, auf falsche Wege gerät, dann ist immer nur der Mann schuld daran. —— Sind sie wirklich so? Lord Chesterfield an seinen Sohn. Lieber Sohn! Für heute muß ich dir gewisse Geheimnisse eröffnen, deren Kenntnis dir sehr nützlich sein wird, die du aber mit äußerster Sorgfalt verbergen mußt, so daß du niemals dich stellst, als wüßtest du sie. Die einen beziehen sich auf die Frauen und Damen, die anderen auf Vergnügungen und Zeitvertreib. Frauen können im großen und ganzen den guten Ruf eines jeden Mannes festsetzen oder zugrunde richten. Du mußt sie daher gleichsam mit Höflichkeiten überhäufen. Sie sind es gewohnt, erwarten es und, um ihnen GerechtigMeine Nächte umkreisen mit dunklen Fragen ewige Rätsel, geboren aus einsamen Tagen. Meine Nächte, die haben so heiße Augen, wollen das Leben aus fiebernden Poren saugen. Meine Nächte, die kennen das dunkle Weinen, knieen voll zehrender Sehnsucht vor heiligen Schreinen. Meine Nächte, die taumeln durch Dunkelheiten, hören rauschen die Ströme der Ewigkeiten. Meine Nächte, die strecken so flehend die Hände: Herr— einen Stern in der Seele Wirrnis mir sende. Henriette Brey. keit zu erweisen, vergelten es insgemein. Deine Gespräche mit Damen sollen ehrerbietig sein, zugleich aber munter und stets an die Eitelkeit gerichtet. Alles, was du nur sagst oder tust, sollte von der Achtung zeigen, die du für ihre Schönheit, ihren Witz, ihr Verdienst hegst. Du magst sie nun wirklich hegen oder nicht. Frauen sind nichts als großgewachsene Kinder. Sie haben ein unterhaltendes Geplauder und zuweilen Witz. Was aber gründlichen, guten, mit Urteilskraft begleiteten Verstand anlangt, so habe ich nie in meinem Leben eine Dame gekannt, die ihn gehabt oder die vierundzwanzig Stunden nacheinander die Urteilskraft gebraucht, oder ihr gemäß gehandelt hätte. Eine kleine Leidenschaft der Laune unterbricht ihre besten Entschlüsse. Ihre geringgeschätzte oder in Zweifel gezogene Schönheit, die Zunahme ihres Alters, die Verachtung ihres Verstandes, entzünden sogleich ihre Leidenschaften und stürzen jedes Lehrgebäude zusammenhangenden Verhaltens um, das sie etwa in vernünftigen Stunden hätte aufführen können. Keine Schmeichelei ist für sie zu hoch oder zu niedrig. Sie werden die höchste begierig verschlucken und dankbar die niedrigste annehmen. Du kannst ganz sicher einer jeden von ihrem Verstande an bis herunter auf den auserlesenen Geschmam ihres Fächers schmeicheln. Unstreitig Schönen oder unstreitig Häßlichen schmeichelt man am besten wegen ihres Verstandes. Den Durchschnittlichen schmeichelt man mit größtem Erfolg wegen ihrer Schönheit oder wenigstens wegen ihrer Anmut, denn jede, die nicht schlechterdings häßlich ist, hält sich für schön. Da sie es aber selten zu hören bekommt, ist sie jenen um so dankbarer, die es ihr sagen. Hingegen betrachtet eine entschiedene, selbstbewußte Schönheit jeden ihrer Gestalt entrichteten Zoll bloß als eine Gebühr, möchte aber gern durch Verstand glänzen und geachtet werden. Ist eine so häßlich, daß sie es weiß und sieht sie es ein, daß ihr nichts übrig gelassen ist, als ihr Verstand, dann mußt du diesem schmeicheln. Der ist dann wahrscheinlich in mehr als einer Hinsicht ihre schwache Seite. Doch das sind Geheimnisse, die du, mein lieber Sohn, unverletzlich bei dir verwahren mußt. willst du nicht, wie Orpheus, vom ganzen Geschlecht in Stücke gerissen werden. Sie gelten jedenfalls für unsere Tage und unsere Frauen. Ob sie in hundert oder zweihundert Jahren und in anderen Ländern gelten werden, vermag ich nicht zu entscheiden. Was meine Vergnügungen und meinen Zeitvertreib betrifft, so will ich dir hierüber auf Grund meiner Erfahrungen meiner letzten dreißig Jahre ebenso offen meine Ansichten schreiben. Denke nicht, ich wollte darüber spotten, wie ein Stoiker oder dagegen predigen wie ein Pfarrer, das liegt mir fern. Allerdings bin ich nicht abgeneigt, zu bekennen, daß ich in meiner Jugend sowohl im Trinken wie im Spielen mir schwere Ausschreitungen zu Schulden kommen ließ. Sollte ich noch einmal mit den Erfahrungen, die ich jetzt habe, in der Welt aufzutreten haben. so würde ich ein Leben voll wahren Vergnügens führen. Ich würde das Vergnügen der Tafel und des Weins genießen, aber damit innehalten und abbrechen, noch ehe die mit Ausschweifungen unzertrennlich verknüpften Schmerzen eintreten. Ich wollte im Alter von 20 Jahren nicht ein Prediger der Enthaltsamkeit und Nüchternheit sein, sondern andere nach ihrem Gefallen leben lassen, ohne sie altklug und spruchreich darum auszuschelten. Sodann wollte ich zum Vergnügen, nicht aber zum Verdruß spielen, das ist, um Kleinigkeiten in der Gesellschaft. um der Gewohnheit zu folgen. Dafür aber würde ich sorgen, daß ich keine Summen wagte, die Die Brotsuppe der FrauAssessor Humoreske von C. H. Hoermann. „Bitte, Dolphi, laß uns doch lieber zwei Zimner mit Küchenbenutzng nehmen: Erstens koche ich gern und zweitens...“ „Ja, kannst du denn überhaupt kochen, Schatzi? Hast du Talent dazu? Hast du es gelernt?“ unterbrach der Assessor seine, ihm seit gestern angetraute junge Frau. „Gelernt? Talent? Seit wann gehört zum Kochen Talent? Das Kochen ist eine der Frau angeborene Gabe und liegt gleichsam in der Natur der Sache,“ antwortet sie ihm herablassend und drehte ihm den Rücken zu. Die Gelegenheit wahrnehmend, drückte er ihr erst einen Kuß auf den entzückenden Haaransatz, dann sagte er„Also ich bin überzeugt, du kannst kochen. Aber ich will nicht, daß du kochst. Du sollst dich für mich nur schmücken und schön sein, darum essen wir im Restaurant.“ Und dabei blieb es. Aber Frau Annis praktischer Sinn und wirtschaftlicher Tatendrang rebellierten jedesmal, wenn ihr Mann die Rechnung bezahlte.„Das hätte man doch zu Hause alles viel billiger haben können. Und vor allem könnte man die Reste verwenden. Was sollte zum Beispiel aus den vielen trockenen otchen werden, die bereits in ihrer Brotdose lagen. Wenn das ihr Mann wüßte. Als sie diesem eines Abends wieder ihr Leid über die trockenen Brötchen klagte, sagte er:„Weißt du, meine Mutter machte aus trockenen Semmeln für uns Jungens immer eine Brotsuppe, die vorzüglich schmeckte.“—„Brotsuppe", jubelte Frau Anni,„morgen abend bekommst du Brotuppe, Schatz!“ Glücklich, daß ein Ausweg für die alten Brötchen gesunden war, machte der Herr Assessor es sich bequem, nahm seine Zeitung zur Hand und fing an zu lesen: Die gestrigen Szenen in der #r P 8.7 anzösischen Kammer einen Topf kaufen,“ unterbrach ihn seine junge Frau. Sofort legte er seine Zeitung zusammen, wechselte den Rock und stieg, von seinem Einfall nicht mehr so ganz begeistert, mit seiner Frau die vier Treppen hinunter. Im dritten Geschäft fand sie bereits das Richtige; stolz klemmte sie ihrem Mann die neue Errungenschaft nebst einem Spirituskocher unter den rechten Arm und hing sich freudestrahlend an seine linke Seite. Zu Hause angekommen, steckte er sich eine neue Zigarre an und setzte die unterbrochene Lektüre fort: Die gestrigen Szenen in der fran——— „Sag mal, Liebling, was machte denn deine Mutter noch alles in die Brotsuppe?“ „Ich glaube, Eier, Milch und Butter,“ antwortete er nachdenklich und fing noch einmal an: Die gestrigen Szenen——— „Dolphi!“ „Was denn?" „Glaubst du, daß alle zweiundzwanzig Brötchen in den Topf gehen?“ „Aber ja, die werden doch weich und fallen zusammen, und seine Zeitung zusammenlegend, fragte er:„Also, was willst du nun noch wissen?“ „Ich? Nichts Schatz! Von mir aus kannst du ruhig weiter lesen. Ich störe dich doch nicht!“ Aber er hütete sich. Das Wort„Szenen" tanzte bereits wie ein rotes Tuch vor seinen Augen. Als der Assessor am anderen Morgen um acht Uhr das Haus verlassen hatte, setzte Frau Anni den Topf mit Milch auf die Spiritusflamme und legte, vielmehr baute die zweiundzwanzig Brötchen darin auf, daß sie pyramidenartig über den Rand ragten. Um zwei Uhr rührte sie ein Pfund Mehl an die Suppe und bat ihren Mann telephonisch, alleine zu Tisch zu gehen. Gegen vier Uhr quirlte sie fünf Eier an ihr Gericht u. warf eine Hand voll Sultaninen hinein; Dolphi aß so gerne Sultaninen. „Schon fertig,“ iubelte sie ihm entgegen, als ischen Kammer....„„„„ 70 Loiphl, weigt du was? Wir gehen gleicher um sechs Uhr nach Hause kam. ertwas mintrauisch betrachtete er erst die zähe, graue Masse mit den dunklen Punkten, dann rief er aus: „Sieh doch. Schatz, wie klug du bist! Speck! Natürlich, Speck gehört ja auch hinein!“ „Speck? Wieso Speck? Das sind doch Sultaninen!“ „Sultaninen? Wieso Sultaninen?" entgegnete er ganz entgeistert. „Nun ja, du ißt doch gern Sultaninen, und da wollte ich dich überraschen.“ „Na!— ran an die Sultaninen!“ lachte er. indem er den Löffel in die Schüssel stieß, der sich mühsam auf den Grund bohrte. Als er seinen Teller geleert hatte, beschlich ihn ein Gesühl, als seien in seinem Innern sämtliche Weichteile zusammengekleistert. Frau Anni las die Enttäuschung in seinen Mienen und kämpfte mit den Tranen; aber er tröstete sie mit dem Hinweis:„Siehst du, Schatz, hättest du nun wirklich Speck genommen, könntest du aus dem übriggebliebenen Teig— Verzeihung der übriggebliebenen Suppe— gebackene Speckklöße machen.“ Aber für Frau Annis Kochkunst gab es keine Hindernisse. Als ihr Mann sich am anderen Abend zu Tisch setzte, fragte er ganz beklommen:„Potztausend Anni, gibt es heute etwa gebackene Sultaninenklöße?“ „Sultaninen? Nicht eine ist mehr drin. Ich habe sie alle fein säuberlich mit der Pinzette wieder herausgefischt. Das ist nun wirklich Speck, Schatz!“ versicherte sie ihm zärtlich. Er aß, mit Todesverachtung und dem Vorsatz, künftig mit den alten Brötchen lieber Fensterscheiben einzuwerfen, gebackene Lehmklöße, wie er innerlich feststellte. Frau Anni frohlockte über ihre Kochkunst, segnete den Appetit ihres Mannes und freute sich, daß ihr Vorrat noch nicht zu Ende war. Sie wollte ihm schon beweisen, um wieviel billiger und besser man zu Hause lebte. Und als der Assessor am dritten Abend ahnungslos sein Heim betrat, überreichte sie ihm auf einer runden Schüssel ihre dritte Uebet" Sggg-ga 3.52.8. S5 S###snggkg ar ggSsäa gs GEGESOOOEG SOOSSELSEROAMOOEZSSGESUSEE BSSS5SSBE SEEPGHESSES FP EGTSPTSDS9 OStEEE LSTENGGLOTSSOSTNE 2 S 5E E10 E. EEEPSn ES mir beim Gewinn nichts helfen, beim Verlust er schwer fallen und nach der Bezahlung mic, zu Einschränkungen nötigten. Ein Teil meiner Zeit wollte ich mit Lesen, die übrige in Gesellschaft verständiger und gekehrter Leute zubringen, vornehmlich solcher. die mir voraus waren. Ich wollte Gesellschaften von Damen und auch Herren nach der Mode besuchen, die zwar oft unbedeutend, jedoch, wenn sie Ruhe und Erholung verschaffen, nicht unnütz sind, weil sie ganz gewiß die Siten mildern und verfeinern. Das wären meine ergnügungen und mein Zeitvertreib, wenn ich e letzten dreißig Jahre noch einmal durchen sollte. Sie sind vernünftige und, wie ich erdies sagen kann, wahre Vergnügungen derner Menschen. Ich hoffe, daß du meine sichten teilst. Gehah dich wohl Das Haus ohne Dienstmädchen Er ist ein energischer Herr, der Herr Theodor Klapproth, der mit dem Dienstbotenproblem aufräumt, indem er die Dienstboten abschafft und der Hausfrau alle Arbeit aufbürdet. Er sagt im Heft 2 des„Daheim“:„Das einzige Richtige ist: das Haus ohne Dienstmädchen. Wir fühlen es alle schon heute. Niemals ist der Hausfrau behaglicher zumute, als wenn das Mädchen Ausgang hat und kein Fremder im Hause ist. Aber um diesen behaglichen Zustand auf die Dauer zu erzielen, müssen wir freilich wesentliche Gewohnheiten ändern. Es geht iicht einfach so, daß wir am nächsten 15. dem Nädchen kündigen und allein wirtschaften. Das vürde in manchen Fällen unmöglich sein und n vielen zu einer unerträglichen Ueberlastung der Hausfrau führen. Sondern wir müssen unser Leben vereinfachen, unsere Ansprüche verabsetzen und vor allem einen gehörigen Packen Gefühlsduseleien über Bord werfen.“ Was versteht Klapproth unter Gefühlsduseleien? Im Grunde alle Staubfänger: die unnötigen Vorhänge, Decken, Kissen, die Vasen und Nippes, das„Seestück über dem Schreibtisch, das Vater zu seinem Jubiläum bekam u. das schon er nicht hat leiden können,“ die vielen Photos beliebter und unbeliebter Verwandter, die Bücher, in die nie mehr einer hineinsieht— kurz, alle Sentimalitäten, die sich in Generationen aufspeicherten. Fort damit, denn sie machen nur Arbeit. Amerikanisiert euch euren Haushalt. Er sagt weiter:„Die Hauptsache ist, sich nichts vorzumachen. Amerika ist grißlich, und es ist albern, es schön zu finden. weil man dort viel Geld verdient und sehr viel arbeitet. Aber lernen können und müssen wir von drüben, und je williger wir uns in die Lehri begeben, um so leichter wird sie uns fallen. Auch Amerika hat ein Dienstbotenproraschung. Im Begriff, sich die zart lila schimmernde Kugel näher zu betrachten, fiel sie herunter und rollte unter das Sofa. Als er mit einem Regenschirm bewaffnet gleichfalls unter das Möbel kroch, um ihrer wieder habhaft zu werden, hörte er seine Frau:„Aber Dolphi, was machst du denn da?“—„Ich suche deine Ueberraschung! Sag mal, Anni, was stellt denn das Ding eigentlich vor?“ „Meinen Semmelpudding,“ schrie sie auf und ließ dabei die Sauciere fallen, so daß ihr Inhalt trübselig zu seiner ursprünglichen Bestimmung ebenfalls unter das Sofa floß. Aber Anni, das hättest du mir doch gleich sagen sollen. Weine doch nicht. Ich hab ihn ja schon! Damit rutschte er dem Pudding in die Ofenecke nach, wo er ihn auch glücklich zu fassen bekam. „Nun können wir ihn nicht mehr essen.“ All die schönen Zutaten! Die Sultaninen sind auch wieder drin,“ schluchzte sie auf. „Ja, schade um deine Kunst,“ stimmte er ihr betrübt bei; dann packte er schnell entschlossen das gebatikte Ungetüm in ein Zeitungspapier und warf es in den Müllkasten. Als er wieder ins Zimmer trat, schluchzte Frau Anni auf:„Aber du mußt mir doch zujeben, Dolphi, daß man zu Hause bedeutend illiger lebt. Ich habe zu den zweiundzwanzig Brötchen nur noch ein Pfund Mehl, fünf Eier, dreiviertel Pfund Speck, ein halbes Pfund Butter, ein Viertel Sultaninen und drei Liter Milch gebraucht und daraus drei Gerichte gemacht. Dafür hätten wir im Restaurant mindestens zehn Mark ausgegeben.“ Der Assessor rechnete insgeheim noch sechs Liter Spiritus und den Schadenersatz, den die irtin für die ruinierte Tischplatte in Höhe Von elf Mark achtzig verlangte, dazu. Aber as verschwieg er wohlweislich seiner kleinen Frau, ebenso die vielen Mittel, die er zu sich nahm, um die beiden Mahlzeiten, die ihm wie Bleikugeln im Magen lagen, daraus zu vertreiben. biem. das heißt: es gibt dort drüben überhauntsind, zeine Dienncoten. wenigstens nic in dem Kreisen, die unserm gebilderen Mittelstand 2.1 sprechen. Der Unterschied ist nur, daß sich der Amerikaner nicht in Klagen über diese Unde quemlichkeit ergeht, sondern lieber sein Leber. so eingerichtet hat, daß er keinen Dienstboten braucht. Wie macht er das? Er wirft aus dem Hause, was ihm überflüssige Mühe bereiten würde, und er geht seiner Frau auch bei Arheiten zur Hand, die bei uns als unmännlich gelten würden.“ Klapproty ist Revolutionär im Haushalt. Es sei bezweifelt, ob er verheiratet ist, und wenn, ob er diesen Aufsatz mit Einverständnis seiner Gattin schrieb. Leider kann hier nur ein Auszug gegeben werden, es lohnt sich aber, die ganze Plauderei in der Nr. 2 des„Daheim“ zu lesen, die auch sonst viel G. s bringt. Der Säemann säet den Samen. Die Erd' empfängt ihn und über ein kleines Wächset die Blume herauf. Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein dir geachtet Und sie entschlummerte dir. Was weinest du neben dem Grabe Und hebest die Hände zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor? Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, wie Bläter, nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher. Der Adler besuchet die Erde, Doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub und Kehret zur Sonne zurück. Matthias Claudius. WO Wie sich die Wilden schmücken Die meisten uns bekannten wilden Stämme beschränken sich zumeist nicht nur auf ihre oft sehr einfache Bekleidung, sondern sie bemühen sich alle nach Kräften, ihren Körper irgendwie zu verschönen und zu schmücken. Die Australier und Hottentotten färben sich mit Ocker, Kalkerde oder Kohle. Die Monbuttu bereiten sich aus gepulvertem Rotholz eine sehr beliebte rote Schminke. Bei vielen südamerikanischen Indiane###ämmen, die heute in ihren Schutzgebieten leben, ist die Sitte des Bemalens außerordentlich verbreitet, und nie wird es dort eine Schönheit unterlassen, ihr Gesicht rot zu bemalen ssobald ihr ein Besuch bevorsteht. Mit schwarzem Gardeniasaft verzieren die Monbuttufrauen ihren Körper und tragen eine Musterkarte der verschiedensten Figuren: Blumen und Fliegen neben schachbrettartigen Karierungen und buntscheckigen Streifen zur Schau. Diese Verzierungen sind oft mit großem Kunstsinn, immer aber mit viel Mühe erzeugt. Bei vielen asiatischen Völkern halten es die Frauen für unumganglich nötig, beim Ausgehen Schminke als eine Art Maske aufzulegen, und es gilt für geboten, die Farbe stark aufzutragen. Die Bewohner der Kurilen färben ihre Lippen schwarz, die Beduinenfrauen dagegen blau, um auf diese Weise das wunderbare Elfenbeinweiß ihrer Zähne mehr zur Geltung zu bringen. Während sich die indianischen Frauen einen brennend roten oder blauen Kreis um die Augen zeichnen und so deren schönes Aussehen zu heben wähnen, schwärzen sich die Mongolinnen die Wimpern und Augenlidränder, und die maurischen Frauen färben sich nicht nur die Augenbrauen, sondern selbst die innere Seite der Augenlider mit Antimon, so daß oberhalb und unterhalb des Auges zwei dünne schwarze Linien entstehen, die das Weiße des Auges umso glänzender hervortreten lassen. Manche Afrikanerinnen und auch gewisse Insulanerinnen im Stillen Ozean finden einen großen roten Klecks auf der Nasenspitze schön. Auch Tätowieren, das sich vom Bemalen insofern unterscheidet, als die Farben nicht aufgetragen, sondern in die Haut eingestochen und so unverwischbar gemacht werden, ist bei den verschiedensten wilden Völkern aller Erdteile im Schwange, und zwar sind die Frauen meist mehr tätowiert als die Männer. Merkwürdig ist es immerhin, daß sich das schwächere Geschlecht den Operationen, die sehr schmerzhaft oberflächliche Bemaien vorzieht. Die einzige Erklärung ist, daß die Eitelkeit, die nicht nur in Europa, sondern auch auf den anderen Erdteilen eine große Rolle spielt, die Schmerzen der froglichen Verschönerungsmethode überwinden läßt. Allerlei Gegenstände werden in die verschiedenen Körperteile eingeschnitten und mit den verschiedensten Farben dargestellt. wobei man oft die Sorgfalt und Schönheit der Zeichnungen geradezu bewundern muß. Sch. —— Männerwünsche amerikanischer Studentinnen Die amerikanischen Behörden fragen ihre Studentinnen, wie sie sich den Mann wünschen, mit dem sie zusammenleben möchten, das heißt also, man versucht, Mädchenträume prozentual zu erfassen. Wozu eigentlich? Glaubt man, daß sich die Männerwelt jenen Wünschen anpassen wird? Bezweckt man dadurch erzieherische Einwirkungen? Denn was sich die amerikanischen, vernünftigen Studentinnen als Ideal vorstellen, hat wenig mit Träumereien unter einem Nußbaum zu tun und ist vorzüglich geeignel, den Staat bei seinen pädagogischen Aufgaben zu unterstützen. Der„ideale Gatte“ muß natürlich körperlich und geistig normal sein; besondere, hervorragende, geniale Eigenschaften sind aber durchaus nicht notwendig; vielmehr wird allgemein ein zuverlässiger Durchschnittsmensch gewiischt. In Amerika hat man eben mit eindrucksvoller Deutlichkeit die Segnungen der Normalisierung, der Standardisierung vor Augen und so etwas färbt auch auf die Vorstellungswelt eines Jungmädchens ab. Der schwärmerische, phantastische Typ ist dieser Studentinnenstatistik nach auf das ganz minimale Maß von 7 vom Hundert zurückgegangen. Bei diesen 7 vom Hundert freilich kreisen um das Idealbild des Zukünftigen Vorstellungen von unerhörter Großzügigkeit, Kinobelden, indische Prinzen. Abenteurer; es kann für die wagemutigen Amerikanerinnen, denen beruhigend die einfachen Ehescheidungsförmlichkeiten sofortige Hilfe in ernsten Fällen versprechen, nichts exzentrisch genug sein. Doch, wie gesagt, das sind nur 7 vom Hundert. Das soldige Element ist mit 85 vom Hundert vertreten; denn 85 vom Hundert wünichen, daß ihre zukünftigen Levensgefährten strengstens das Prohibitionsgesetz einhalten und dem Alkohol auf ewig Lebewohl sagen. Eine ganze Anzahl Mädchen will diese Enthaltsamkeit auch auf das Rauchen ausgedehnt wissen. Was die finanziellen Wünsche anbetrifft, so preist die amerikanische Oeffentlichkeit die Vescheidenheit ihrer Eheaspirantinnen; denn mehr als die Hälfte wäre für den Anfang mit einem Jahreseinkommen von 2250 Dollar, das sind also etwa 10000 deutsche Rentenmark, zufrieden. Das finden die Amerikaner außerordentich anspruchslos! Was würden sie wohl erst sagen, wenn sie die Wünsche unserer deutschen Mädchen hörten; denn die machen es doch im all gemeinen ganz bedeutend billiger. D. W. —12— Wie spart die Hausfrau? Lege glatte Strohsohlen in die Schuhe! Sie halten den Fuß warm, erleichtern das Gehen und— schonen die Strümpfe! Hülsenfrüchte lasse einen Tag lang weichen und gib etwas Natron hinzu. Abends in die Kochkiste! Kochst du auf Gas, so stelle den erston Topf auf den anderen und koche stets zugedeckt. Halte beim Kochen Fenster und Türen zu. Zum Kakao gib etwas Mehl(Hafermehl). Lust du gemahlenen Kaffee ins kochende Wasser, so rühre um und lasse den Kaffee zugedeckt eine Weile stehen. Zum Kaffeekochen möglichst frisches Wasser nehmen! Margarine, Butter, Fett müssen bei Nichtgebrauch stets zugedeckt sein u. kühl stehen, damit sie nicht an Reinheit und Geschmack verlieren. So viel Töpfe, so viel verschiedenes Kochen. Nimm möglichst den Topf. der am schnellsten kocht, doch koche dann nicht mit halber Flamme. Zerschlage die Knochen! Gekocht geben sie eine Suppenbrühe für den nächsten Tag.„ Kaufe nicht zu viel Gemüse, dessen Reste dann in einem Winkel des Speiseschranks welk werden oder faulen. Fische geben verhältnismäßig billigen Fleisch= erjatz. Darum: viel Fischspeise! Seife muß trocken liegen. Sie langt dann viel länger und schäumt vesser. Es ist verkehrt, das Seifenstück beim Waschen ins Wasser zu faucen.