alter Portwein gegeden wurde. Dann folgte Zunge, Zunge mit Hummersauce und Trüffein, dazu Vordeaux. Nun kam der Triumph des Tages: Kapaunen du Mans Mireille, ein Gericht, das tagelanges Studium notwendig gemacht hatte und ungefähr folgendermaßen zubereitet wurde: Junge Hühner wurden langsam gebraten bis kurz vorm Weichwerden, dann einige Minuten lang mit Artischockenenden, grünen Erbsen, würfligen Karotten, weißen Ruden und kleinen Kartoffeln zusammengehraten, doch nur solange, bis das Fleisch das Aroma des Gemüses angenommen hatte. Darüber kam eine Sauce aus Whisky, Sherry]! und Portwein. Mit diesem Gericht glauben die französischen Köche das amerikanische Alkoholverbot wirksam bekämpfen zu können. Das nächste Gericht, Hammelrücken a la Pre Catelau sei ebenfalls ausführlicher beschrieben. Vielleicht verlockt es die eine oder die andere Hausfrau zu rühmlicher Nacheiferung. Das Fleisch muß leicht gespickt werden und zwei Tage lang in einer Lauge von Weinessig, Karotten, Zwiedeln und Rotwein gepökelt werden. Diese Lauge muß vorher eine Stunde lang gebrodelt werden. Am dritten Tage erst darf das Fleisch gebraten werden. Eine dazu passende, würzige Saure wird aus der Hälfte der Pökellauge hergestellt, zu der etwas Butter und Mehr zugefügt wird. Aus dem Rest der Lauge wird eine klare Gallerte bereitet. Erst dann geht es an das Anrichten des Bratens. Auf den Boden der Platte kommt eine Schuyt Sauce, die alsbald dick wird. Da hinein werden die Fleischscheiben gelegt und das ganze mit Rosinen= und Moosbeerengelee und Apfelsauce bedeckt. Dabei wurden Salat und Pasteten serviert, Pasteten nach neuester französischer Art mit Ei und Tomaten gefüllt, leicht mit zerriebenem Käse überstreut und geröstet. Als Nachtisch reicht man Vanille=Eis=Creme mit einer Sauce aus herbem Wein, Käse, frische Früchte, Pralinees, Kaffee und Liköre. Dann kamen die Tischreden. Monsieur Scotto erhielt einen Ehrenpreis und den Ehrentitel„Hoherpriester und Gesandter der französischen Küche in Amerika“. Mit diesem Titel, der zugleich eine Aufgabe in sich schließt, wird er nach Newyork zurückkehren, um dort für sein Vaterland zu wirken, eingedenk der Lehre, daß die Liebe stets durch den Magen geht. Frankreich aber hann jetzt Amerikas Liebe gut gebrauchen. 12Goethe und die Frauen Im Jahre 1801 hatte Franz Kirms, der treue Mitarbeiter Goethes in Theaterdingen, ein scherzhaftes Rundschreiben an die Jungmit der Aufvon einer ihnen drohenden Karikatur loszukaufen, auf der sie porträtähnlich als Mietsgäule dargestellt werden sollten, die in der Unterwelt von alten Jungfern regiert würden. Goethe sandte darauf folgenden Vierzeiler: „Ich wüßte nicht, daß ich ein Grauen spürte vor jenen Alten in der Unterwelt, wenn nur nicht jede, die mir wohlgefällt, hier oben mich nach ihrem Wunsch regierte.“ Welch nüchternen Standpunkt Goethe der Ehe gegenüber einnahm, ersieht man aus einem wenig bekannten Ausspruch. Als nämlich Zacharias Werner im Winter 1807=08 in Weimar weilte, sagte er einmal in Goethes Gesellschaft, er wolle nicht wieder heiraten, weil man im Anfang des Ehestandes miserable Suppen zu essen bekäme. Goethe erwiderte ihm, dies sei nur dann, wenn die Ehe kinderlos sei. Sobald sich Kinder einfänden, würden drei bis vier Pfund Fleisch gekocht. Für ein paar Leute koche man nur ein halbes Pfund Fleisch. Das könne dann freilich nur eine magere Suppe geben. Das beste Mittel zur Amelioration der Suppe bestehe darin, viel Kinder zu haben. In dem Maße wie Kinder auf Kinder kämen, würde auch die Suppe besser. — Ratschläge und Winke Eusternung vom Bossseben. Rostflecke entfernt man aus Wäschestücken, wenn man feingestoßenen Weinstein mit etwas Wasser befeuchtet und ihn auf die Flecke streut, worauf man das ganze Stück in lauwarmem Wasser auswäscht. Dabei verwende man keine Seife! Ein gutes Mittel ist auch heißer nensaft. Man stelle eine kleine mit dem nensaft gefüllte Flasche oder Tasse in kochendes Wasser, bis der Inhalt heiß geworden ist, und zwar so heiß, daß er den Siedepunkt erreicht. In den kochenden Saft taucht man die Flecke und wickelt den Stoff so fest wie möglich zudann mit lauwarmem Wasser aus. In ähnlicher Weise läßt sich Oxalsäure anwenden. Rostflecke aus seidenen Stoffen sind in der Rege! kaum zu beseitigen. Rostflecke aus Wäsche kann man auch entfernen, indem man sie über Dampf, etwa die Deckelöffnung am Teekessel, hält, nachdem man ein wenig gepulvertes Kleesalz darauf gestreut hat. Die Flecken verlschwinden sofort, worauf man die Wäschestücke i schnell in Seifenwasser ausspült. Tod den Schwaben! Das sicherste Mittel, die Schwaben, wohl richtiger Schaben genannt, die als Küchenschwaben die Schrecken der Hausfrau sind, weil sie in der Nacht vorzugsweise die Wirtschaftsräume aufsuchen, zu vertilgen, besteht darin, daß man alle Schlupfwinkel, wo sie sich aufhalten, mit einem Pulver, bestehend aus zwei Teilen Borax und einem Teil Salycilsäure, bestreut. Gleichzeitig stellt man aus gekochten Erbsen, Fett und Bier einen Brei her und mischt jenes Pulver hinein, indem auf drei Teile Brei immer ein Teil Pulver kommt. Aus einer solchen Masse formt man Kügelchen und streut sie überall dort aus, wo das Ungeziefer sein Unwesen treibt. Es frißt davon und geht sicher ein. Außerdem ist der Igel ein ganz vorzüglicher Vertilger dieser Plagegeister. Schone deine Augen! Beim Lefen, Schreiben, Nähen und ähnlichen Arbeiten sitze stets gerade und halte die Gegenstände etwa 25 Zentimeter, niemals näher vor die Augen! Verrichte diese und ähnliche Arbeiten niemals in der Dämmerung oder bei schwacher, flackernder Beleuchtung, aber auch nicht bei allzu grellem Lichtscheine! Blicke niemals mit bloßem Auge in die Sonne oder in eine andere starke Lichtquelle! Gebrauche niemals zum Scherz oder aus Eitelkeit eine Brille. Lies nicht beim Liegen oder schnellem Umhergehen! Wasche dir deine Augen täglich mit frischem, kaltem, aber reinem Wasser gut aus! Setze das erhitzte mit Schweiß bedeckte Gesicht nie dem kalten Luftzug aus! Sind deine Augen entzündet oder sonst irgendwie krank geworden, ziehe sofort einen Art zu Rate! Gegen die Geflügelläuse. Läuse und Milben können dem Geflügel recht lästig werden. Mittel dagegen sind gründliche Reinigung der Ställe, Ausbrühen der Holzteile, Neuweißen der Wände und Besprengen des Fußbodens mit Kalkwasser. Hühner müssen außerdem Gelegenheit haben, Sandbäder zu nehmen. Auch kann man die Geflügelställe mit einem feinen Pulver, das aus den trockenen, geriebenen und dann fein gesiebten Blättern des wildwachsenden Wermutkrautes hergestellt wird, wiederholt tüchtig bestreuen. Einziehen von Seidenbändern. Das oft mühsame Einziehen von Seidenbändern in Kissen, Decken, Blusen, Kleidern, Hemden usw. kann man sich dadurch sehr erleichtern, daß man vor der Wäsche an dem einen Ende des Seidenbandes ein schmales Leinenband lose befestigt, dann erst die Seidenbänder herauszieht und statt dessen das Leinenband in der Wäsche zurückläßt. Nach der Wäsche verfährt man entsprechend, indem man das Seidenband an dem Leinenband befestigt. Dieses Verfahren hat gegenüber dem Einziehen der Bänder mit einer Nadel noch den Vorzug, daß die Wäsche glatt bleibt. Kostenlose Abendtoiletten. Ein englisches Konfektionshaus verriet seinen Geschäftsfreunden, auf welche Weise es zu einem treuen, anhänglichen Kundenstamm gekommen sei. Es habe öfter einmal ein Auge zugedrückt, wenn Käufer zum Beispiel einmal eine Abendrobe erwarben, sie aber am nächsten Tage mit dem Bemerken zurückbrachten, daß die Toilette doch nicht gefiele und man den Kauf wieder rückgängig machen wolle. Die Firma sähe da ganz genau hinter die Kulissen und wüßte, da ßdie Kundin jene Robe am Abend vorher getragen habe, sie nun aber zurückbrächte, um sich auf diese Art billige und abwechslungsreiche Toiletten zu verschaffen. Doch, wie gesagt, das Geschäftshaus hat immer ein Auge zugedrückt und sich dadurch anhängliche und begeisterte Kunden geschaffen. Schließlich blieb doch einmal das eine oder andere Stück hängen, und das Verfahren sei für eine Firma auch nicht kostspieliger, als wenn sie große Summen für Reklame und Propaganda ausgäbe. Das schlechte Gewissen der Kunden aber sei ein ungeheuer ergiebiger Faktor. Man empfehle das Haus begeistert bei allen Gelegenheiten, tätige selbst so oft wie möglich ch zu= legenheiten. tätige selbst so oft wie„möglich kammen. Nach einiger Zeit wäscht man ihn effektive Einkäufe und sei dann glücklich und zufrieden, wenn wieder einmal das Kunstwerk eines neuen eleganten und dabei kostenlosen Abendkleides gelungen sei. Die Firma aber buche diesen kleinen Betrug, falls er Kosten für Aufarbeitung Reinigung erfordert, ohne jegliche Erregung unter„Spesen für Propagandazwecke". Was Frauenküsse wert sind. Ein amerikanisches Gericht hatte jüngst eine sehr schwierige Frage zu entscheiden. Eine junge Amerikanerin hatte gegen einen wohlhabenden Farmer Klage auf Zahlung von 20 000 Dollar erhoben, weil er ihr sieben Küsse mit Gewalt geraubt habe. Der Farmer bestritt ganz entschieden die Richtigkeit der näheren Umstände. Er behauptete vielmehr, daß die junge Dame ihm ihren Mund bereitwillig hingehalten und ihn durch Gesten zu dem„Verbrechen“ aufgefordert habe. Diesen Lockungen habe er natürlich nicht widerstehen können. Wer wäre dazu auch bei einer hübschen jungen Dame imstande gewesen! Nach der Aussage des Beklagten hat die Dame die Küsse zu Anfang anders beantwortet; denn sie war zunächst mit einem Schmerzensgeld von fünf Dollar zufrieden. Dann aber wurde sie anderer Meinung, vielleicht weil der Farmer öffentlich behauptet hatte, der Preis für den einzelnen Kuß sei noch viel zu hoch. Nach der Klageschrift schienen die Küsse etwas heftig gewesen zu sein; denn das Fräulein behauptete, durch sie nicht nur einen Nervenchok, sondern auch einige erhebliche Hautabschürfungen erlitten zu haben. Unter diesen Umständen war es natürlich selbst für ein amerikanisches Gericht schwer, ein salomonisches Urteil zu fällen, und es riet daher zu einem Vergleich, der dann auch zustande kam. Der schüchterne Liebhaber und das praktische Mädchen. Der junge Dichter Emil Rousseau aus Ansbach verliebte sich in der alten Musenstadt Heidelberg in ein sehr schönes Mädchen, die Tochter eines Handwerkers, hatte aber nicht den Mut, sich ihr zu nähern. Sie ging abends gewöhnlich, wie es dort Sitte war, mit ihren Freundinnen in der Hauptstraße spazieren, wobei ihr die Studenten natürlich mehr oder weniger verliebte Blicke zuwarfen. Eines Tages teilte Rousseau seinem Freunde Hebbel mit, er habe einen sehr guten Einfall. Er ein feines Taschentuch kaufen und es dem Mädchen überreichen, als ob er glaube, daß sie es verloren habe. Die Stunde kam heran, und der Zufall war günstig; denn das Mädchen war allein; Rousseau, von Hebbel begleitet, faßte Mut; er zog sein Taschentuch hervor und stotterte:„Mein Fräulein, gehört das Ihnen? Mir deucht, daß Sie es eben fallen ließen.“ Sie nahm das Tuch, nickte dankend und steckte es ein, indem sie ruhig weiterging. Die beiden Freunde schauten ihr verblüfft nach. Rousseau war glücklicherweise nicht bloß das Tuch, sondern auch— die Liebe los. Orientalische Frauen. Wie viel höher steht— sagt Heinrich Heine — die Frau bei Moses als bei den anderen Orientalen oder als noch bis auf den heutigen Tag bei den Mohammedanern! Diese sagen bestimmt, daß die Frau nicht einmal ins Paradies kommt; Mohammed hat sie davon ausgeschlossen. Glaubte er etwa, daß das Paradies kein Paradies mehr sei, worin jeder seine Frau dort wiederfinde? Die mildernden Umstände des weiblichen Geschlechts. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts in Magdeburg stand vor einiger Zeit eine Meineidssache zur Verhandlung. Beweisaufnahme und Zeugenvernehmung hatten ergeben, daß mildernde Umstände zuzubilligen waren. Also suchte der Vorsitzende, Landgerichtsrat Dr. Gutjahr, nach solchen, und er fand sie auch. In dem von ihm formulierten Urteil waren sie in den folgenden Sätzen enthalten:„Bei der beim weiblichen Geschlecht allgemeinen Oberflächlichkeit, bei der mangelhaften Fähigkeit, unmittelbar Wahrgenommenes von bloßen Schlußfolgerungen überhaupt oder doch in der erzählenden Wiedergabe zu unterscheiden...“ Für die Bemessung des Strafmaßes hätte es genügt, die geistigen Mängel in dem vorliegenden Einzelfall als mildernden Umstand anzuführen. Landgerichtsrat Dr. Gutjahr aber hielt es für nötig, die mildernden Umstände auf das ganze weibliche Geschlecht auszudehnen. Boshaft. Es klagte einst einer seinem Nachbarn, daß er im Garten einen stark unglückbringenden Baum habe, an welchem sich schon drei Frauen aufgehängt hatten. Da bat ihn dieser:„Ach, liebster Nachbar, gib mir doch ein Pfropfreis von diesem kostaren Baumek. Verantwortlich: H. Semmelmann. Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Ne. 9 Alieng den Bl. Sptenbe Das Kind Von G. A. Küppers=Sonnenberg. Den Kindern laßt ihre Jugend! Laßt sie sich tummeln wie Fohlen, übermütig, ausgelassen. Laßt sie gaukeln wie Schmetterlinge, buntschillernd, launenhaft. Haltet ihnen das Joch fern, das uns zu Boden drückt. Seht nicht scheel, seht nicht neidisch auf das Glück eurer Kleinen. Erlabet euch daran! Gerade weil ihr am Leben leidet, die ihr die Last des Alltags tragt, gerade darum bewahrt euch den Sonnenschein eures Lebens, die unbeschwerte Heiterkeit eurer Kinder. Ihr wißt es doch, daß eure Jugend eure schönsten Erinnerungen birgt. Was wäre euer Leben ohne die Torheiten und Streiche eurer Kinderjahre! Wie ein Garten Eden liegt das Land eurer Jugenderinnerungen in euch beschlossen. In eurer größten Verlassenheit steigt ihr hinein, euch Kraft zu holen— in Stunden eurer tiefsten Erniedrigung, größten Qual. Oder habt ihr noch nicht entdeckt, daß ihr dieses Paradies in euch tragt? Geht ihr arm durchs Leben, weil ihr den Reichtum nicht kennt, die Schätze nicht haben wollt, die in euch liegen? Laßt euch belehren von Kennern des Lebens: nichts kommt an Kraft und Reiz den Eindrücken der Jugend gleich. Das Kind erlebt unmittelbar. Es erlebt am intensivsten. Ein ganzes Leben lang hat der Mensch von den Eindrücken der Jugend zu zehren. Aus Jugenderlebnissen baut sich die Persönlichkeit eines Menschen auf. Darum kehrt in allen Werken der Dichtung und jeder Kunst immer das Motiv der Jugenderinnerungen wieder. Die Jugend des Künstlers schimmert letzten Endes durch all seine Werke hindurch. Offenen Blickes steht das Kind dem Leben gegenüber, erwartend, unvoreingenommen vertrauend. Wir, die wir die grausame Härte des Lebens kennen lernten und zu leicht geneigt sind, an seinem tieferen Sinn zu verzweifeln — ob wir nun unsere Zuflucht im Rausch des Selbstvergessens, der Sinnlichkeit oder in der sinnlichen Abtötung und Selbstpeinigung suchen — wir sind leicht gegen die Leichtlebigkeit des Kindes ungerecht. Das Kind sieht heiter in die Zukunft hinein. Ihm ist noch alles groß, noch alles schön, unbeschreiblich schön. Wie das Kind das Märchen liebt, so lebt es in einer Welt des Märchens. Und dieses Märchen heißt Wirklichkeit. Das Leben ist dem Kind Märchen. Das Kind legt die ganze Fülle seiner Erwartungen in das Leben hinein. Die Enttäuschung kommt dem Kinde früh genug. O, sucht sie nicht zu beschleunigen! Früh genug, zu früh erkennt das Kind, daß sein Vater kein Uebermensch, kein Halbgott ist, daß seine Mutter nicht unfehlbar und daß Erzieher und wen es sonst noch überschwenglich verehrt hat, daß sie allesamt nur unvollkommene Menschen sind. Daß kein Mensch seinem Ideal genügt. Früh genug, zu früh kommt diese Enttäuschung. Du aber, dem das Leben eines Kindes anvertraut ist, Vater oder Mutter, bist du dir deiner hohen Verantwortung bewußt deinem Kinde gegenüber: daß du deinem Kinde die Würde des Daseins zu verkörpern hast? Bist du dir der unsagbaren Bedeutung bewußt, der Aufgabe, zwischen den Geschlechtern zu stehen, den Kelch des Lebens, den Wein des Daseins weiterzureichen von Generation zu Generation? Gestalte die Erde so, daß der Mensch zum Gott darauf verden kann! Bist du dir bewußt, daß du all die Erwartungen zu erfüllen hast, die das Kind dem Dasein gegenüber hegen darf; daß du ihm den Trost und die Liebe zu spenden hast. die de mDasein erst Weihe und Würde und Inhalt verleihen? Bist du dir bewußt, daß du dir, deinem Kinde, daß du dem Leben gegenüber Aufgaben hast? Warum ist dein Leben so kalt und leer? Weil du keine Beziehung zu denUrkräften und Urquellen des Lebens mehr hast. nachdem deine berechtigten Zweifel deinen Glauben an Gott, den alten Mann, zerstörten. Du suchst Leben jetzt in irgend einer Form, in Wirtschaft oder Wissenschaft oder Kunst. Du siehst das Leben in der Opferung an die Form. Aber, weißt du nicht, daß es ein Leben, abgesehen von aller Form gibt, ein absolutes Leben? Und eben dieses Leben tritt dir unverfälscht verkörpert in der Heiterkeit deines Kindes entgegen. Aber — gibt es denn noch Kinder? Ist das nicht eben die Tragik unserer Zeit, daß wir keine Kinder mehr sein und keine Kinder mehr haben dürfen? Vorüber ist die Rosenzeit Vorüber ist die Rosenzeit, Und Lilien stehn im Feld; Doch drüber liegt so klar und weit Das blaue Himmelszelt. Fahr' hin, du qualenvolle Lust, Du rasches Liebesglück! Du lässest doch in meiner Brust Ein ruhig Licht zurück. Und nach dem Drang von Freud’ und Leid Deucht mir so schön die Welt; Vorüber ist die Rosenzeit, Und Lilien stehn im Feld. Emanuel Geidel. Scharlachbekämpfung Von Dr. med. Mosbacher. Wenn sich auch die hartnäckige Natur so manches Geheimnis von dem unablässig forschenden Menschengeiste abringen läßt— in gewissen entscheidenden Punkten ist sie außerordentlich zurückhaltend. So wirksam unsere neuzeitlichen Mittel zur Bekämpfung und Verhütung zahlreicher Krankheiten sind— es sei nur daran erinnert, daß die früher so furchtbaren Seuchen größtenteils ihre Schrecken verloren haben— so machtlos stehen wir wiederum den ungeheuer verbreiteten Kinderkrankheiten Scharlach und Masern gegenüber. Noch nicht einmal die Erreger dieser ansteckenden Erkrankungen sind bisher mit Sicherheit entdeckt worden. Der Streit geht um die Frage, ob die sogenannten„hämolytischen (blutkörperchenauflösenden) Streptokokken“= Bakterien, die sich fast stets in dem Rachen Scharlachkranker finden— ob also diese Kokken die Ursache des Scharlachs bilden oder ob sie nur eine Begleiterscheinung sind, ohne ursächlichen Zusammenhang mit dieser Krankheit? Spritzten nun die amerikanischen Forscher einer scharlachunempfänglichen Person— zum Beispiel einem Scharlachgenesenden— ein wenig abfiltriertes Gift dieser Streptokokken ein, so hatte der Stich weiter keine Folgen; Personen dagegen, die scharlachempfänglich sind, weisen 18 bis 26 Stunden nach dem Einstich eine Rötung und Schwellung der Haut an der Stichstelle auf. Spritzte man gar diesen letztgenannten Personen größere Mengen des Bakteriengiftes in die Muskeln ein, so erkrankten sie nach kurzer Zeit an Kopfschmerzen, Erbrechen, Fieber und scharlachähnlichem Ausschlag. Sobald jedoch diese Erscheinungen abgeklungen sind, werden diese geimpften Personen— wie zum Beispiel die Scharlachgenesenden— unempfänglich, das heißt sie sind gegen Schar. lach geschutzt. Es ist also möglich, durch eine derartige Schutzimpfung— wie wir sie ähnlich von der Blatternimpfung her kennen — das Auftreten von Scharlach wirksam zu verhüten. Außerdem haben die amerikanischen Aerzte Pferde mit Scharlachstreptokokken geimpft; es bildeten sich im Serum der Tiere Gegengifte— entsprechend der Herstellung des Diphterieheilserums durch Einspritzen von Diphteriebaziiien in die Blutbahn eines Pferdes; und die Behandlung mit Injektionen dieses„ScharlachSerums" hatte selbst bei voll entwickeltem Scharlach ausgezeichnete Erfolge. Nach 8 bis 24 Stunden fiel die Temperatur ab, der Ausschlag verschwand, die den Scharlach begreitende Halsentzündung ging zurück— nach zwei Tagen fühlten sich die Kranken wieder fast völlig gesund. Es hat also nach allem den Anschein, als ob man in der Lösung des Scharlachproblemns auf dem richtigen Wege wäre. Auch die in anderen Ländern— in Frankreich, Tschechoslowake und Italien sprechen dafür, daß große Fort schritte in der Bekämpfung dieser bisher unz gänglichen Krankheit erzielt worden sind. Vor einiger Zeit nun gelangen Mitteilungen eines amerikanischen Arztes und seiner Frau an die Oeffentlichkeit, die zu beweisen scheinen, daß tatsächlich eine bechimmte Art hämolytischer Streptokokken die Erreger des Scharlachs seien. Die Forschungen der amerikanischen Aerzte basieren auf Einimpfen von hämolytischen Streptokokhen in den Rachen gesunder Menschen; es erkrankte jedoch bei diesen Versuchen nur ein Teil der Geimpften; die anderen, bei denen keine Scharlacherkrankung auftrat, hatten— wie sich später herausstellte— in der Kindheit einen Scharlach überstanden und waren demgemäß immun, das heißt unempfänglich gegen Scharlacherreger geworden— eine Beobachtung, die mit der uns bekannten Tatsache übereinstimmt, daß ein Mensch gewöhnlich nur einmal im Leben an Scharlach erkrankt. Frau und Wohnungskultur Von Agnes Meitner. Von den Schlupfwinkeln der Urzeit an, die den ersten Menschen als Wohnung dienten, bis zur luxuriösesten Villa der Neuzeit, immer haben die Frauen das Bestreben gehabt, angepaßt der Zeit und den Zeitsitten für die Wohnung Behaglichkeit zu schaffen. Nicht zufällig hat für dieses schwierige und verantwortungsvolle Amt die Zeit die Frau— und nicht den Mann!— auserkoren. Die Frau war als„Hausfrau“ schon in den frühesten Zeiten verpflichtet, den von der Jagd, vom Geschäft, von der Reise heimkehrenden Gatten an den mit Speisen besetzten Tisch zu führen, ihm ein Ruheplätzchen anzuweisen, ihm die häusliche Umgebung„gemütlich" zu gestalten,— mit einem Wort: die Frau hat immer schon mit der Wohnungskultur zu tun gehabt. Es gibt Grundregeln der Wohnungskultur, die keine Zeit und keine Zeitsitte umstoßen oder ändern könnte. Vor allem: mit Geld allein läßt sich keine Behaglichkeit, keine Wohnungskultur schaffen. Der Prachtsaal im Schlosse oder in der Villa kann uns trotz seines Spiegelparketts, seiner Seidentapeten, seiner Rokokomöbel und seines Glaslüsters kalt und fremd anmuten, während das einfachste Austragstübchen in einem Bauernhaus warm und behaglich anmuten kann. Das Geheimnis dieses Erfolges oder Mißerfolges der Wohnungskultur hat eine kluge Frau in einen einfachen Satz gekleidet:„Gib deiner Wohnung nichts, was deiner Seele fremd ist.“ Erfreulicherweise kommt die moderne Wohnungskultur der ehrlichsten Zweckerfüllung im weitesten Maße entgegen. Die moderne WohnnIkultur hat das Gräser=(Makart=sbukett, den jaranischen Fächer, die vielen„Nippes“ und den Kleindingskram abgeschafft, nicht nut, weil diese Richtung unzerem Zeitemp#nden widerspricht, sondern auch, weil die neue Wohnungskultur einen Fortschritt auf dem Gebiete der Hygiene, der Selbsterziehung und des künstlerischen Empfindens bedeutet. Es war ein böses Zeichen für die Frau als Bildnerin und Hüterin der Wohnungskultur, daß, in der Sucht historischer Nachahmung, Unehrlichkeit im Hause nach allen Richtungen sich breit machen konnte, daß man— so unglaublich es klingt! — ohne Rücksicht auf eigene Gewohnheit und Lebensart, nur den„Gästen zuliebe“ eine Wohnungsrepräsentation schuf, die an Unehrlichken sichts zu wünschen übrig ließ. Es ist ein Verienst der Frau, der Hausrfau, daß sie der Zeitnotwendigkeit folgend, rasch erkannt hat, daß die zeitgemäße Wohnungskultur in erster Linie eines erstrebt: Vereinfachung. Mit dem Ornamentstil des Pompes in der Häuslichkeit hat die moderne Wohnungskultur gehrochen und dafür im Sinne der Frau von Geschmack as behagliche Heim gestellt. Licht und Helligkeit! Keine sonnenfeindlichen Fensterdrapierungen! Freude am Schlichten! Farbenruhe! Zweckerfüllende Möbe!! Praktische Wirtschaftsgeräte!— so einfach ist die moderne Wohnungskultur, daß ein paar Schlagworte sie beherrschen! Die neue Wohnungskultur ist keine Kultur nur für Reiche und Bevorzugte. Niemand ist zu beneiden, der einen Innenarchitekten braucht, um im eigenen Heim zufrieden zu erscheinen. Glücklich, wer mit eigenem Geschmack seine Wohnung zweckschön zu gestalten verseht! Den Zeind der Behaglichkeit weiß die htige Hausfrau rasch zu fassen: hinaus allem Ueberflüssigen aus der Wohnung! Die tüchtige Hausfrau hat keine Angst vor leeren Räumen. Wenigen, mit Geschmack und Liebe gewählten Gegenständen, die dem Zimmer Behaglichkeit schaffen, kann die Frau den Stempel der Persönlichkeit viel leichter aufdrücken als der Ueberladenheit. Dazu gehört nicht, wie man so oft sagen hört, viel Geld. In unserer industrialisierten Zeit ist ein seidener Lampenschirm kaum teuerer als ein Lampenschirm aus Porzellan mit metallperligen Fransen, ein jebendiger, immergrüner Blumentopf ist billiger als ein imprägniertes Ripsgrasbukett, eine moderne Steinzeichnung im einfach=schlichten Rahmen kostet die Hälfte eines Oeldrucks im verschnörkelten Goldgipsrahmen. Mit einem biltig aus vorhandenen Restchen herzustellenden Deckchen lassen sich dieselben Effekte erzielen wie früher mit den staubfängerischen Auflegegarnituren. Natürlich wird keine gesunde Wohnungskultur gegen die Verwendung von Erbstücken, die sich in der Famile befinden und aus Gründen des Gefühls weiter verwendet werden, etwas einzuwenden haben, denn gerade das Gefühlsmoment spielt in der Wohnungskultur eine maßgebende Rolle. Die moderne Wohnung will das erweiterte Ich der Hausfrau zur Geltung bringen. Diese „Individualität“ darf nicht hindernd wirken, sondern soll jedem Stück des Hausrats seinen Wert lassen oder geben. Es ist absolut nicht notwendig, daß immer„alles genau zu einander passe", im Gegenteil: Kontrastlosigkeit be20 Stromab! Stromab! Stromab! Ich steh' am Rand Des Ufers mit verhaltnem Weinen, Und eine liebe, liebe Hand Ruht abschiednehmend in der meinen. Stromab! Stromab! Nun ist's geschehn; Die Welle rauscht, die Segel wallen. Ein weißes Tüchlein seh' ich wehn, Hör' einer Stimme Ruf verhallen. Stroamb! Stromab! Zwei Furchen nur Verraten, wo das Schiff gezogen; Schon überspülen ihre Spur Die fremden, teilnahmlosen Wogen. O letzter Blick! O letztes Wort! Die heiße Träne rinnt hernieder; So ziehet Glück und Jugend fort Stromab, stromab, und kehrt nicht wieder. Ludwig Fulda. deutet für Wohnungskultur: Schwächlichkeit. Die kluge Hausfrau kann zur Künstlerin werden, wenn sie bedächtig und mit persönlichem Geschmack an die Aufgabe geht, an die Stelle der seelenlosen Prunkräume im Hause die Würde der Einfachheit zu setzen, sie wird dann Erzieherin für eine hochstehende Wohnungskultur, weil sie das Leben im Hause nicht „auf Repräsentation“, sondern nach Eigenwert als behagliches Heim einzurichten versteht. Von Lucie Hansen=Friedenau. Das Gesetz der Beharrlichkeit zeigt sich sehr deutlich oft im Haushalt, in der Familie, und das ist nicht selten eine durchaus erfreuliche Erscheinung. Aber das Kleben an dem Ueberkommenen, Althergebrachten kann auch seine großen Schattenseiten haben und zur ausgesprochenen Rückständigkeit werden. Deshalb muß sich jede Hausfrau, die oft in ihrem Wirkungskreis über Ueberlastung klagen zu sen glaubt, aller Mittel bedienen, die ihr Los erleichtern können. Damit soll nun nicht gerade Bestrebungen das Wort geredet werden, die sich au fder letzten Deutschen Ostmesse in Königsberg und im Anschluß daran in einer Dauerausstellung unter dem Kennwort„Haushalt und Technik“ zeigen und die die Küche der Zukunft völlig im Zeichen der Elektrizität sehen wollen. Aber es gibt Entdeckungen und Erfindungen sehr einfacher Art, die wenig kosten. aber trotzdem einen erheblichen Gewinn an Zeit und Geld verbürgen, sodaß man sich nur wundern muß, warum sie sich nicht mehr und schneller einbürgern. Dazu gehört die Kochkiste. Der Gedanke, welcher der Kochkiste zugrunde liegt, ist eigentlich uralt. Der Grundgedanke ihrer Einrichtung hängt zusammen mit der allgemein bekannten Tatsache, daß Speisen längere Zeit warm gehalten werden können, wenn man die Gefäße, in denen die Speisen gekocht sind, mit einem schlechten Wärmeleiter umgibt. Schon zu Zeiten unserer Urgroßeltern stellte man deshalb für diejenigen Familienangehörigen, die nicht rechtzeitig zu den Mahlzeiten kommen konnten, die Gerichte in die Betten, die in den damaligen„Himmelbetten“ meist von einer so großen Dicke und Schwere waren, daß sie den Schläfer fast hätten erdrücken können. Aber sie waren deswegen um so schlechtere Wärmeleiter. Ebenso findet man in vielen Häusern seit langem zum Warmhalten des Kaffees für diejenigen, die„nachtrinken“ müssen,„Kaffeemützen“, die man über die Kaffeekanne stülpt. Jede Bauersfrau, die das Mittagessen oder den Kaffee in Gefäßen oder Krügen aufs Feld schickt, nachdem sie mit wollenen Tüchern umgeben worden sind, kennt schon seit langem die Wirkung der schlechten Wärmeleiter. Weniger bekannt ist aber die Tatsache, daß Speisen durch Benutzung schlechter Wärmeleiter nicht allein warm gehalten werden können, sondern daß, wenn man sie nur kurze Zeit Der Vortritt Skizze von Otto Anthes. Wilhelmine Schröder, die spätere SchröderDevrient, die Deutschlands größte Sängerin war, hatte bekanntlich auch ein Herz vom größten Zuschnitt. Der Unbeständigkeit ihrer Neigungen zum Trotz, oder vielmehr, weil sie ihrer ungebärdigen Natur selbst einen Züge! anlegen wollte, verlobte sie sich während sie am Leipziger Stadttheater angestellt war, mit einem dortigen reichen Buchhändler namens Frischkorn. Der Bräutigam, ein gescheiter und musikverständiger Mann, war jedoch auch Bürger genug, um seiner genialischen Braut scharf auf die Finger zu passen. Er verlangte von ihr, daß sie sich in später Abndstunde, sobald er unten von der Straße aus dreimal ihre Glocke zog, wenn auch nur für einen Augenblick zwischen den Vorhängen am Fenster zeigte zum Beweis, daß sie daheim wäre. Und er lag ihr hart an, den Verkehr mit ihren alten Freunden gänzlich abzubrechen, unter denen ihm die bedenklichsten die Offiziere von den Grünen Reitern waren, die in dem nahen Borna in Garnison lagen und wöchentlich zwei= oder dreimal herüberzukommen pflegten. Die Wilhelmine ließ diese Erziehungsmaßnahmen mit guter Laune übersich ergehen; richtete aber zugleich ihr Kammerkätzchen ab, daß es in ihrer Abwesenheit, wenn das verabredete Glockenzeichen erscholl, mit ihrem Häubchen angetan, an ihrer Stelle zwischen den Vorhängen hindurch winkte, gleich als ob sie es selber wäre. Und wenn er behauptete, daß die Bornaer Grünen allesamt böse Lebemänner wären, dann bestand sie darauf, sie habe sie immer nur als reizende, anständige Leute kennen gelernt; und das seien sie auch. Einmal war der Bräutigam zu einer Herrengesellschaft geladen. Und es fügte sich, daß am selben Abend der Rittmeister von Reitzenstein aus Borna im Theater war, der Wilhelmine ein Sträußchen in die Garderobe schickte und sie am Schluß der Vorstellung am Bühnenausgang erwartete. Da kam es von ganz allein, daß sie gemeinsam zm Aberessen gingen. Sie saten vergrügt in einem Hinterzimmer von Auerbachs Keller, bis alle Gäste gegangen waren, und der Wirt auch sie ein wenig ängstlich zum Aufbruch mahnte, weil der Rat der Stadt neuerdings so streng auf die Bürgerstunde hielte. Sie standen schon hinter der Tür, als von draußen heftig gepocht wurde. Der Wirt ließ sie noch einmal zurücktreten und er wolle zuvor nachsehen, ob es etwa die Stadtwächter wären. Er kam zurück und meldete, sie könnten ruhig hinausgehen; es seien nur zwei ihm bekannte Herren, die noch einen Schlußtrunk nehmen wollten, er werde sie aber nicht hereinlassen. So trat die Wilhelmine neben ihrem Offizier unter die Tür, indes der Wirt von hinten vorsichtig nachleuchtete, und sah im ungewissen Schein der Laterne ihren Bräutigam, Herrn Frischkorn, vor sich mit noch einem Kumpan von seiner Gesellschaft Per. Sise schurrte vor Schreck in dem Arm ihres Begeerters zusammen und taumelte wider ihn, verbarg auch unwillkürlich ihr Gesicht an seiner Brust, so gut es gehen wollte, wobei ihr der Hut waghalsig nach hinten rutschte. So kam sie zwar nicht in sehr würdiger Haltung, aber doch unerkannt vorbei; der Offizier, der nichts verstecken konnte, suchte durch einen strammen Gruß gegen die Herren zu retten, was zu retAm nächsten Nachmittag stellte sich der Bräutigam zur gewohnten Stunde überaus aufgeräumt bei seiner Braut ein. „Du hast mir immer gesagt,“ fing er an und rieb sich sacht die Hände,„daß der Reitzenstein ein anständiger Mensch wäre.“ „Ja, das ist er auch.“ „Und ich sage dir, ich habe ihn gestern abend aus Auerbachs Keller kommen sehen mit einer so üblen alten Ziege, daß ich mich geschämt hätte, so von ihm gesehen zu werden.“ „Die Wilhelmine machte große runde Augen. —„Womit hast du ihn gesehen?“ fragte sie noch einmol. Atan Gises“ Wiche „Mit einer üblen allen Fiege, wiederholte er.., 4. u un Mumet. Die Wilhelmine schluckte erst ein paarmal, ehe sie weiter fragen konnte:„Wer war es denn?“ „Das wr“. s doch nicht" entgegnete er fast gekränkt.„Ich habe sie nicht erkannt. Und hätte sie auch gar nicht erkennen können, denn so etwas kenne ich nicht.“ „Wie sah sie denn aus?“ forschte die Wilhelmine, während ein spitzbübisches Leuchten in ihren Augen aufglomm. „Ach, klein und fett. Betrunken schien sie auch zu sein, denn sie torkelte richtig am Arm ihres Kavaliers vorüber. Und was ich von ihrem Gesicht gesehen habe, das war dementsprechend... 4 1. Wilhelmir: nicht Nun aber nonnte sich die Wilhelmine nicht mehr halten. Sie lachte so laut und überwältigt, daß sie schier blau im Gesicht wurde. „Ja, was hast du denn?“ fragte er betreten: und ärgerlich. P. zal. est. Si. Sie rang nach Luft.—„Die Wdle allte Jiege,“ schrie sie,„war ich.". „Nach doch keine unzeitigen Scherze!“„„ „Nein! Ich war's. Ich war's wahrhaftig. „Du warst ja zu Hause.“ Ich hatte doch unmittelbar vorher bei dir geschellt?“ Sie, noch immer von Fröhlichkeit geschüttelt, und weil sie einmal ihr Gewissen entladen wollte, gestand ihm nun auch die List mit dem Kammerkätzchen. Und fragte zuletzt, als sie ganz erschöpft war vom Lachen:„Gibst du nun zu, daß er ein anständiger Mensch ist, der Reitzenstein?“ Er aber wurde sehr förmlich, erhob sich, küßte ihr leicht die Hand und wollte sich entfernen. Da hielt sie ihn mit einem Zuruf noch einmal an der Tür fest. „Frischkorn“, sagte sie, nun plötzlich ganz ernst,„du willst jetzt nach Hause gehen und mir den Abschiedsbrief schreiben. Wenn es nur das wäre, daß du mir die zwei kleinen Betrügereien nicht verzeihen kannst, dann müßte ich dir den Vortritt lassen. Weil du aber ein so trauriger Geselle bist, daß du über den wundervollen Witz, der uns widerfahren ist, nicht einmal lachen kannst, darum nehme ich mir das Recht, dir zuvorzukommen. Ich löse hiermit unsere Verlobung auf. Mit einem solchen Menschen könnte ich nicht leben.“ Damit streifte sie den Ring von ihrem Finger und legte ihn still auf die Ecke des Tischchens. das neben der Tür stand, machte ihm eine kleine Verbeugung und rauschte aus dem Zimmer. Woher das Weib? Es stammt das Weib nicht aus des Mannes Haupie. Daß sie nicht herrsche: * Stammt nicht aus seinem Fuße, Um nicht zu dienen; Sie kam aus seiner Seite, Auf daß sie ihn begleite. J. Britzlmayr. Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur. Sie macht den Rohen mild, und der Gebildetste hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Unauflöslich muß sie sein, denn sie bringt so pieles Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen nicht zu rechnen ist. Goethe. nahrh einer größeren Hitze ausgesetzt, also nur angekocht hat und die Kochgefäße dann vor einer schnellen Abkühlung bewahrt, das auch unter dem Einfluß der langsam allmählich abnehmenden Wärme erfolgt, wenn diese nur längere Zeit einzuwirken imstande ist. Die Kenntnis des Naturgesetzes, daß höhere Wärmegrade von kürzerer Dauer durch niedrige Wärmegrade von längerer Dauer in ihrer Wirkung bei dem Vorgange des Garkochens der Speisen ersetzt werden können und daß solche Dauerwärme ohne Unterhaltung von Feuer unter alleiniger Anwendung schlechter Wärmeleiter möglich ist, hat schon vor Jahren zur Erfindung der Kochkiste geführt. Obgleich der Zwang des Krieges viele Hausfrauen geiehrt hat, daß man in den Haushaltungen große Ersparnisse an Zeit, Mühe und Feuerung machen kann, hat sich doch die Kochhiste bisher nicht in dem Maße eingebürgert, wie man es hätte erwarten dürfen. Der Gruno hierfür ist nicht etwa in hohen Anschaffungskosten zu suchen, sondern vielmehr darin, daß die Erkenntnis der Vorzüge einer Kochkiste und vor allem ihrer Verwendung noch nicht in die weitesten Kreise der Bevölkerung eingedrungen sind, namentlich nicht in solche, für welche sie sich besonders eignen. Die Kochkiste ist eine einfache Kiste aus Holz, mit ein, zwei oder mehreren Abteilungen, deren Deckel gut verschließbar sind. Rein äußerlich ist also nichts von der gehimnisvollen Tätigkeit, durch welche die angekochten Speisen in 3 bis 4 Stunden ohne Feuer fix und fertiggestellt werden, zu bemerken. Oeffnet man den Verschluß und hebt den Deckel, so findet man unter einem mit Holzwolle gefüllten Kissen saubere Emailletöpfe, die an eisernen Ringen und starken Papierzylindern herausgehoben werden können. Unter dem Topf liegt wieder ein solches Kissen und der Raum zwischen Außenwand und Zylinder ist ebenfalls mit Füllstoff gut ausgestopft. die Aetithte ach für Leute, die als Wald=, Eisenbahn=, Fabrikarbeiter usw. das Essen zur Arbeitsstelle mitnehmen müssen. Die Kochkiste ermöglicht es ihnen, die Speisen morgens anzukochen, um sie auf dem Wege zur Arbeitsstelle und auf dieser selbst ohne Mühe garkochen zu lassen. Das gleiche gilt auch für alleinstehende weibliche Arbeitskräfte, wie Ladenfräulein. Kontoristin usw. Aus Mangel an Zeit zum Kochen begnügen sich viele dieser Personen zum Mittagessen mit kalten Speisen, meistens Butterbroten, ziehen sich durch diese einseitige Kost eine Unterernährung zu und verfallen nicht selten allmählich einer Krankheit. Durch das einfache Mittel der Anschaffung einer kleinen Kochkiste, die in bequem tragbaren Formen in del gebracht wird, sind gerade sie in der Lage, sich morgens zugleich mit der Bereitung des Frühstücks auch ein nahkhaftes Mittagessen anzukochen, es in einer Kochkiste mitzunehmen und es darin bis zum Mittag stehen zu lassen, um es dann fertig zu genießen. Billig und nuhrhaft! Im Wald Schattende Hallen, von Kühle durchwoben, Friedlich grünende Einsamkeit; Tiefblauer Himmel lächelt von oben, Goldenes Dämmern umflutet mich weit! „Kuckuck!“ so ruft es versteckt aus dem Grunde Ferne herüber und ungesehn: Hier will ich lauschen der lieblichen Kunde, Was mir leise die Wipfel wehn. Kaum schallt ein Klang in dies zaubrische linde, Duftige Reich, das von außen mich schied; Schauernd beben die Wipfel im Winde, Gleich wie ein altes, vertrautes Lied! Sacht wie es flüstert durch Buchen und Tannen, Wird es im Herzen mir leicht und weit; Frohsinn und Freude trag' ich von dannen Aus der stillen Waldeinsamkeit! Ernst Planck. Wer die geringen Kosten der Anschaffung einer Kochkiste scheut, kann sich eine solche leicht selbst herstellen. Man braucht dazu nur eine gut verschließbare Holzkiste, deren Innenseiten mit Flanell oder Filz ausgeschlagen werden. Auf dem Boden läßt man eine 3 bis 10 Zentimeter hohe Schicht von Holzwolle oder Heu, stellt darauf die Kochgeschirre und stopft Holzwolle oder Heu zwischen diese so hoch, wie die Töpfe sind. Auf diese und so unter den Deckel der Kochkiste legt man ein Kissen, das mit denselben Stoffen gefüllt ist und genau in die Kiste hineinpaßt. Um die Wärme zu halten, ist es auf jeden Fall notwendig, daß die fest Polsterung die Kochgeschirre nach allen Seiten mindestens 6 Zentimeter umgibt. Die Anschaffung oder Herstellung einer Kochkiste empfiehlt sich für jede Familie, ebensowohl wie für die feine als auch für die gewöhnliche Küche, für den kinderreichen Haushalt wie für alleinstehende Personen, für die Gutsherrin ebensowohl wie für die Tagelöhnersfrau. Denn die meisten Speisen behalten bei der Zubereitung in der Kochkiste ihren ganzen Nährwert und sind zum Teil schmackhafter und bekömmlicher als solche, die am offenen Feuer zubereiJet werden. Dazu kommt noch die große Bezuemlichkeit und Ersparnis an Zeit und Feuerung und damit an Geld. Den größten Norteil bietet die Kochkiste natürlich für solche Hausfrauen, die häufig vom frühen Morgen an außer dem Hause tätig sein müssen und sich um den Kochherd nicht kümmern können. Hat eine solche Hausfrau aber eine Kochkiste, so kann sie schon morgens für die mittags aus der Schule kommenden Kinder ankochen und berühigt darf sie ihre Arbeit leisten da durch das Kochen den Kindern kein Unglück durch Feuer plließen bann. R Ein Mahwort an Schwiegereltern Es ist eine alte Erfahrung, daß nur in wenigen Fällen ein Zusammenwohnen von Eltern und verheirateten Kindern beiden Teilen zum Glück gereicht und nicht mit Unrecht ist die „böse“ Schwiegermutter sprichwörtlich geworden, wenn damit auch noch nicht bewiesen ist, daß sie in jedem Falle die Schuld an unerwünschten und unleidlichen Familienverhältnissen trägt. Wie oft aber entsteht nicht bei einem gemeinsamen Haushalt nach und nach gegenseitige Abneigung, ja, jahrelange Feindschaft unter den nächsten Verwandten! Es ist von vornherein auf die Dauer ein Unding, wenn sich eine alte, noch rüstige und tatkräftige Frau, die womöglich eine große Kinderschar zu tüchtigen Menschen erzogen und ein Leben voll reicher Arbeit und unermüdlichem Fleiß hinter sich hat, nun in ihren alten Tagen dem Willen einer jungen Schwiegertochter unterordnen soll. Selbst wenn die junge Schwiegertochter auch aufrichtige Neigung und womöglich kindliche Verehrung gegenüber der Mutter ihres Mannes hat u. sich soviel wie möglich nach ihren Wünschen oder gar Befehlen richtet, so kann man doch nicht verlangen, daß die junge Frau, die soft anders erzogen ist, denkt und fühlt, ihre ganze Selbständigkeit aufgibt und sich bewußt oder unbewußt dem Regiment der Schwiegermutter beugt. Das gleiche gilt auch entsprechend von Mutter und Tochter nach der Verheiratung der letzteren. In Wirklichkeit sind beide Frauen zu bedauern, die eine, daß sie noch im Alter lernen soll, sich geschmeidig und taktvoll in den Haushalt ihrer Kinder zu fügen, und die jüngere, daß von ihr ein Aufgeben eines Teils ihrer Persönlichkeit noch als Hausfrau verlangt wird. Es gehört in der Tat unendlich viel Takt, Liebe und Selbstüberwindung von beiden Seiten dazu, wenn in einem solchen gemeinsamen Haushalt Friede und Eintracht wirklich dauernd erhalten bleiben sollen und nicht vielleicht bloß nach außen hin erscheinen. Zuweilen sind Kinder das vermittelnde Bindeglied und in der gemeinsamen Liebe zu ihnen findet sich manchmal Mutter= und Großmutterherz wieder. Im allgemeinen aber soliten Eltern, dePeichmssnecetese statten, niemals die eigene Häuslichkeit äuf(geben. um mit verheirateten Kindern dauernd zusammen zu wohnen. Sie mögen jährlich Woschen, Monate bei ihren Kindern verbringen, sie werden dann stets hochwillkommene Gäste bei Sohn und Tochter sein und besonders von den Enkelkindern immer mit Jubel empfangen werden, um gemeinsam eine für alle herzerquickende Zeit zu verleben. Aber ein dauerndes Zusammenleben zwischen Eltern und verheirateten Kindern ist in der Regel nicht am Platze. Letzten Endes wird es auch für die atten Eltern eine Wohltat sein, in der stillen Beschaulichkeit einer eigenen Behausung in Ruhe zu wirken und das Leben ganz nach eigenem Wunsch und Behagen einzurichten. —5—* Was sollen wir unsere Töchter lehren? Ein amerikanisches Blatt beantwortete jüngst die wichtige Frage: Was sollen wir unsere Töchter lehren? in folgender beherzigenswerter Weise: Gebt ihnen eine ordentliche Schulbildung! Lehrt sie ein nahrhaftes Essen kochen! Lehrt sie waschen, bügeln, Strümpfe stopfen, Knöpfe annähen, ihre eigenen Kleider machen und ein ordentliches Hemd! Lehrt sie Brot backen, und daß eine gute Küche viel an Arzt und Apothehe spärt! Lehrt sie, daß eine Mark hundert Pfennig ist und daß nur derjenige spart, der weniger ausgibt, als er einnimmt, daß aber alle, die mehr ausgeben, verarmen müssen! Lehrt sie, daß ein bezahltes Kattunkleid besser kleidet als ein seidenes, wenn man Schulden hat! Lehrt sie, daß ein rundes, volles Gesicht mehr wert ist als fünf schwindsüchtige Schönheiten! Lehrt sie gute, starke Schuhe tragen! Lehrt sie Einkäufe machen und nachrechnen, ob die Rechnung auch stimmt! Lehrt sie, daß sie Gottes Ebenbild mit starken Schnüren nur verderben können! Lehrt sie Selbstvertrauen. Selbsthilfe und Arbeitsamkeit! Lehrt sie, daß ein rechtschaffener Handwerker in Hemdsärmeln und mit der Schürze auch sohne einen Pfennig Vermögen mehr wert ist als ein Dutzend reichgekleideter und vornehmer Tagediebe! Lehrt sie Gartenarbeit und die Freude an der freien Natur! Lehr: sie, wenn ihr Geld dazu habt, auch Musik, Malerei, Künste; bedenkt aber immer, daß es Nebensachen sind! Lehrt sie, daß Spaziergänge besser..d als Spazierfahrten und daß die wilden Blumen gar schön sind für diejenigen, die sie betrachten! Lehrt sie, daß das Glück in der Ehe weder von dem äußeren Aufwande, noch von dem Gelde des Mannes abhängt, sondern allein von seinen guten Eigenschaften! Habt ihr sie das alles gelehrt und haben sie es verstanden, dann laßt sie, wenn die Zeit gekommen ist, getrost heiraten; sie werden dann ihren Weg mit Gott schon selbst finden. 2— Was die Köche selber speisen Es gibt ein altes scherzhaftes Volkslied, das von einem Koch erzählt, der seine Küche verließ, um in der nächsten Wirtschaft zu Mittag zu speisen. Etwas ähnliches ereignete sich kürzlich auch in Paris; als 150 der berühmtesten„Cuisiniers“ den eigenen Herd verließen und bei ihrem Kollegen M. Scotto speisten, der als gebürtiger Franzose den Ruhm seiner heimatlichen Küche in Amerika verbreitet und dort die hochangesehene Stellung des Oberkochs im Gesandtschaftshotel bekleidet und außerdem Vorsitzender des Vereins der tausend französischen Köche in den Vereinigten Staaten ist. Ihm zu Ehren nahmen die Pariser Cuisiniers ein Essen, das der Meister der kulinarischen Kunst M. Scotto selbst zubereitet hatte. Für gewöhnliche Sterbliche ist es vielleicht ein platonischer Genuß, zu erfahren, wie Könige unter sich leben, wie die Köche selbst essen, und darum sei im folgenden versucht, mit dürren Worten das zu beschreiben, was ein kulinarisches Genie in seiner Zauberküche unter wallenden, siedenden Dämpfen zusammendichtete. Der Auftakt setzte ein mit gefrorener Relone, zu der höstlicher