SagESSS SnTSMT D. SODSDSS-AS„FSA, “" MGSSSSgn S ##gg.S SST5Se SOagg STSfSSTSS35S 0 5 00 2 —— S 3 25 * S S 2 9 8 zu forgen hatte, aus zwei Gründen welt=Jede gehendste Sorgfalt der Zubereitung der Speisen widmete. Der eine: das materialistische Motiv, das durch tägliche Ernährung den instinktiven Trieb des Hungers befriedigen will. Das zweite: das Bedürfnis nach einer verfeinerten Kultur, das allen uns umgebenden Dingen und allen inneren und äußeren Bedürfnissen der Menschheit den Stempel der Sitte und Schönheit aufdrücken will, und das auch der Kochkunst eine idealistische Seite abzugewinnen trachtete. Goethe sagt ja ganz bezeichnend: „Der Mensch ist, was er ißt!“. Die Praxis lehrt auch, daß die Hausfrau, deren sinniges Gemüt alle Prosa des Lebens in Poesie verklären kann, die materialistische Seite der Kochkunst mit der idealistischen Seite wohl zu verbinden versteht... Die Kochkunst unserer Zeit gibt sich bescheiden. Wir lesen in der Geschichte von homerischen Schmäusen und Bacchanalien des klassischen Altertums, von den sprichwörtlich gewordenen Fleischtöpfen Aegyptens, von den tagelang dauernden Banketts der Patrizier des Mittelalters, von glänzenden Gastereien der Fürsten früherer Jahrhunderte— überall findet man den menschlichen Erfindungsgeist bestrebt, den instinktiven Naturtrieb zu einer Quelle des höchsten Genusses zu machen. Die weise Natur legte in den Menschen selbst neben anderen Sinnen den Geschmacksinn, der der höchsten Verfeinerung und Ausbildung fähig ist. Jede Hausfrau weiß, wie durch angenehme Befriedigung des Geschmacksinnes zu guter Laune verholfen wird, wie, wenn sich die Familie an der Mittagstafel versammelt,„aller Augen" begehrlich auf die Schüssel gerichtet sind, ob ein wohlbekanntes Leibgericht erscheint. Dieses „Leibgericht“ ist oft Zeuge und Beweis für die Individualität und höhere oder niedere Bildung. Und das Sprichwort von der Liebe, die durch den Magen geht, hat auch bei kritischster Betrachtung einen Wahrheitswert in sich. Aus der Neigung für Süßigkeit, Backwerk, Früchte, gewürzte Speisen„prickelnde Getränke läßt sich über die Geschmacksnerven hinaus auf das Innenwesen des Menschen oft ein sehr bedeutsamer Charkaterschluß ziehen. Nicht ohne Beziehung, wenn auch ohne genügenden Beweis, ist es, daß man ganz bedeutungsvoll dem an diplomatischen und politischen Gedanken und Intriguen so reichen Staatsmann Taylerand die Worte zuschreibt:„Der Kaffee muß so heiß sein wie die Hölle, so schwarz wie der Teufel, so rein wie ein Engel und so süß wie die Liebe!" Hier trifft sich neben der höchsten Ausbildung genialer Denkkraft zugespitzte Finesse der Geschmacksrichtung. Der bürgerliche Sinn der heutigen Welt ist im Grunde genommen den lukullischen Genüssen bei den Mahlzeiten fremd. Man verlangt heute zumeist nach einer Kost, die nach vernünftig geregelten Grundsätzen abwechselt, die zartere und kräftige Speisen abwechseln läßt, die das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. Pflanzenkost und Fleischkost in das richtige Verhältnis gestellt und gut zubereitet, bildet den Mittelpunkt der Ernährung, weil diese Ernährungsart die gesündeste und der Entwicklung und Erhaltung des Körpers am gedeihlichlichsten ist. Der Hunger, der nach dem Rezepte des Sängers Freidank(13. Jahrhundert) als der„beste Koch“ gepriesen wurde,— dieser dunkle Naturtrieb, der mit den körperlichen Bedingungen des menschlichen Daseins im innigsten Zusammenhang steht, hat von jeher den Menschen den richtigen Weg in der Auffindung und Beschaffung seiner Nahrungsmittel finden lassen. Aber erst die neue Zeit hat eine Reform der Kochkunst gebracht. Aus der Ursache, die innere Notwendigkeit der Ernährung zu erforschen, gewann man der Kochkunst eine neue Seite ab, die wissenschaftliche, zu der die Chemie und die Psychologie die Grundlagen gaben, und nach der sich jede rationelle Ernährung vollziehen muß. Der Hausfrau, der das leibliche Wohl und Wehe der Familie anvertraut ist, leistet der Wissenschaft der Kochkunst wertvolle Dienste, denn sie gibt Aufschluß über den Nährwert und die chemische Zusammensetzung der Speisen, über die Stoffe, aus denen der menschliche Körper zusammengesetzt ist und die man zur gedeihlichen Erhaltung dem Körper zuführen muß. Die Wissenschaft der Kochkunst gibt auch die relativen Verhältnisse an, in der die verschiedenen Substanzen in der Gesamimasse vertreten sind und prüft alle Nahrungsmittel auf ihren höheren oder niedrigeren Nährwert. Die wissenschaftliche Seite der Kochkunst unterrichtet auch noch von den chemischen Veränderungen, die die verschiedenen Nahrungsmittel durch Operationen des Bratens, Kochens, Einweckens, erfahren. Für jede Hausfrau, die dem verständnisvollen Eingehen der wissenschaftlichen Kochkunst abgeneigt ist, oder sich gleichgültig verhält, gilt das Dichterwort: -Was einer nicht hann, dem ist er nicht bold!“ Errungenschaften auf dem Gebiete der Kochkunst erstreben, nicht nur aus kluger Sparsamkeit und um durch einen guten Tisch Stimmung, Heiterkeit und Freude in die Familie zu bringen, sondern auch weil durch die rationelle Kochkunst das physische Wohl der Familie und im erweiterten Kreis das gesamte Volkswohl gehoben und gefördert wird. Diathermie— eine neue Verjüngungsmethode Von Dr. med. Mosbacher. Daß sich Amerika mit aller Macht auf die [Steinachschen Verjüngungsmethoden stürzen würde,— davon waren die Kundigen von vornherein überzeugt; auch daß man sich drüben mit den angegebenen Verfahren nicht begnügen, sondern nach neuen fahnden würde, auch darüber herrschte kein Zweifel; und tatsächlich kommt jetzt auch die Kunde zu uns übers Meer von einer neuen, angeblich sehr erfolgreichen Abart des Steinachschen Verjüngungsverfahrens, das in tagtäglicher Hitzebestrahlung der weiblichen Keimdrüsen besteht— in der Behandlung mit [Diathermie. Das Diathermieverfahren bedient sich hochfrequenter Wechselströme, die sich während sie durch den Körper des Kranken hindurchgeleitet werden, sofort in Wärme umsetzen; auf diese Weisekönnen im Körper an der Oberfläche, aber— und hierauf kommt es besonders an— ebenso auch in der Diefe heilsame Wärmewirkungen erzielt werden, die man— wie den elektrischen Strom— ganz genau abstufen kann; im Gegensatz zu der sonst üblichen Behandlung mit Licht=, Dampfund Heißluftbädern, bei denen die Wärmezufuhr nur unvollkommen zu regulieren ist. Dank der vollkommen ausgebauten Technik besitzen wir auch Apparate, mit deren Hilfe wir nicht nur dem ganzen Körper, sondern auch umschriebenen Stellen die Wärme zuführen können. Eine derartige lokale Wärmebehandlung kommt unter anderm für das Auge, Ohr und Nase in Betracht und wie uns eben jüngst aus Amerika gemeldet wird, auch für die Keimdrüsen von Frauen im Alter von 35—65 Jahren zu Zwecken der Verjüngung. Die Keimdrüsen werden 4—5 Wochen lang mit Diathermie behandelt; die damit verbundene ausgiebige Durchblutung, die Anregung der darniederliegenden Eierstocktätigkeit—noch gesteigert durch anschließende Röntgenbestrahlung— hat in ¾ der Fälle ausgezeichnete Ersolge mit sich gebracht; der bei Arterienverkalkung erhöhte Blutdruck begann zu sinken, das Gewicht so mancher abgemagerten Frau nahm deutlich zu; die— gerade für die in voller Blüte stehenden Frau— typischen Körpereigentümlichkeiten erlangten die frühere Frische wieder; auch die Störungen in den monatlichen Blutungen wurden behoben; ja selbst das Wachstum der Haare soll sich bei verschiedenen behandelten Frauen ganz wesentlich gebessert haben. Ganz besonders günstig aber wurden die eigentlichen Alterserscheinungen, wie Falten und Runzeln der Haut beeinflußt; die Haut wurde glatt wie in jungen Jahren. Auch die Klagen über Kopfschmerzen, Wallungen und Schweißausbrüche verstummten— kurzum die behandelten Frauen fühlten sich wieder frisch und jung.— Wie lange allerdings Ratschläge und Winke Behgntung vem Wgen. Pilze werden immer noch viel zu oft vor dem Kochen in ungeeigneter Weise behandelt. Nicht die Reinlichkeit allein erfordert gründliches Waschen mit kochendem Wasser. Wie oft noch hört man von Vergiftungsfällen nach dem Genusse von Pilzen— jedesmal die Folge einer Unterlassungsfünde. Feuchte Witterung, die gerade während des Sommers nicht selten eine Woche und noch länger anhält, begünstigt auf den Rinden der Schwämme das Wachstum kleiner Pilze, die, wenn auch nicht todbringend, jedenfalls gesundheitsschädlich sind. Bloßes Waschen mit kaltem Wasser genügt aber nicht zu ihrer Vernichtung. Die Schwämme müssen mit siedendem Wasser abgebrüht werden, denn nur so könen Vergiftungserscheinungen nach dem Pilzgenuß verschwinden. Insekten auf Zimmerpflanzen. Verzweifelte Vernichtungskämpfe werden gegen die lästige Insektenplage auf den Zimmerpflanzen geführt. Alles Spritzen, Waschen usw. ist vergebens. Nur Tabakwasser kann das Ungeziefer nicht vertragen. Man sammle daher alle Zigarrenabschnitte, Ueberreste und sonstige Tabaksabfälle, tue sie in ein verschließbares Gefäß und gieße abgekochtes Wasser darauf. Nach ein paar Tagen ist die Flüssigkeit zum Gebrauch fertig. Mit Hilfe eines Pinsels überstreiche man wiederholt die Blätter der Blumen und Pflanzen mit dem Tabakswasser, und das lästige Ungeziefer wird auf immer verschwinden. Frischhalten abgeschnittener Blumen. Abgeschnittene Blumen halten sich, wenn man sie in gewöhnliches Wasser bringt, leider nur seinige Tage, dann werden sie welk. Löst man aber in dem Wasser drei bis fünf Gramm Salmiak auf, so bleiben sie fast drei Wochen lang frisch. Ein gleich günstiges Ergebnis wird erzielt, wenn man das Wasser mit einer Kampferlösung mischt. Aus dem Engen und Frauen= und Männerkleidung. Die Frauen werden viel eher dazu kommen, Reformkleider tragen zu dürfen, so waren so weit in der Geschmacklosigkeit eigentlich nie heruntergekommen wie die Männer. Herzlich gönne ich— so sagt Hans Thoma in seinem Buche„Im Herbste des Lebens“— es ihnen, wenn sie sich von Zwang und Einzwängung freimachen. Ihr angeborener Sinn für Schmuck und Sichausputzen geht dabei jedenfalls nicht verloren, und es wird die Künstler gewiß freuen, wenn sie etwas dazu beitragen können, es den Frauen zu erleichtern, daß sie sich praktisch kleiden dürfen und dabei doch gerade so schön bleiben wie zu allen Zeiten, vielleicht sogar noch ein wenig schöner werden! Bei Männerkleidung ist nichts zu machen: wir sind zum steifen Kragen und Hemd, zur harten Handschelle verurteilt, wir stecken in Futteralen. Wir müssen das weiter so tragen. wir sind verurteilt und wollen uns gar nicht dagegen auflehnen; es ist eine Strafe, die über uns gekommen ist. Ein neuer Name für den Koch. Bis zum heutigen Tage war es den Menschen diese Erfolge anhalten, ist bei der Kürze dersnienmgsg ge Tage war es den Menschen Zeit schwer zu sagen; aus Amerika wird jeden=narsag; ausgefallen. einen welch kränkenden, falls über 2. bis 3=jährige Erfolge berichtet. zenden Namen sie dem Schöpfer ihrer nuliEs bleibt abzuwarten, weiche Ergebnisse mitsgarischen Genüsse gegeben hatten. Erst der freidieser Methode von den besonders kritischen und vorsichtigen deutschen Narzten erzielt# und vorsichtigen beutschen Aerzten erzielt werden. Immerhin ist diese operationslose und mit keinerlei Schädigungen verbundene Methode auch heute schon ein weiterer Fortschritt in der theoretischen Lösung des Verjüngungsproblems. 1— Herausgeholfen Die Zarin Marie, die Gemahlin Alexander 2., erschien einst auf einem Ball in einer neuen Robe, einer maisfarbenen Sommertoilette, die ssärtschen Gentie, gegeven halten. Erst der steisheitliche, persönlichkeitsstolze Vertreter der Jetztzeit mußte kommen, ehe man die Ungebührlichkeit erkannte, ein derartig wertvolles Mitglied der Menschheit mit dem befehlshaberischen Imperativ: Koch— noch dazu in der Du=Anrede— zu benennen. Damit wird jetzt endgültig Schluß gemacht. Entsprechend der Metamorphose, welche das Dienstmädchen durchgemacht hat, bis sie zu dem Titel„Hausangestellte“ kam, soll auch der Koch in Zukunft: slüchenoberaufseher oder Küchen=Superintendent unter den Hofdamen wegen ihres reizendenizige uir Tlichen Suverintendenten den SuppenAussehens allgemeine Bewunderung erregte. genennen, ein Merkmal, das i Lewbunderggg, ellcte. Da kam die Grafin Feodorowna Ghika einherstolziert, eine sehr eitle Hofdame, und zwar trug diese zum Entsetzen der Ballgäste und zum sichtlichen Aerger der Kaiserin ein Kleid, das dem der Herrscherin aufs Haar glich. Sofort heißen, wobei vielleicht vorzuschlagen wäre, ihn zum Unterschied zwischen den Regierungsund kirchlichen Superintendenten den Suppeneilte die Zarin zum Kaiser, um sich über die Taktlosigkeit der Gräfin zu beschweren. Doch der Zar half sich mit einem Scherzworte über die peinliche Angelegenheit hinweg, indem er sagte:„Laß nur gut sein, ich und meine Leutnants tragen auch die gleiche Uniform.“ trotz seiner Geringfügigkeit doch sehr bezeichnend wäre. Auch auf die Kleinsten der Kleinen fällt ein Sonnenstrahl heutiger Menschenrechtlichkeit ab, die sich so bescheiden mit Namen begnügt. Sie werden fortan nicht mehr. Küchenmädchen heißen, sondern Küchenassistentinnen, was doch unbedingt viel vornehmer klingt. Dann erst darf man von einer wirklich hochherrschaftlichen Küche sprechen. Verantwortlich: H. Semmelmann Altena. Druck und Verlag: V. A. Santz, Altena * Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Ne 73 Altena, den 12. August 1905 Unser deutsches Haus und Heim Von Lucie Jensen. „Mein Haus ist meine Burg,“ sagt stolz der Engländer der selbstbewußt sein Ich groß schreibt. Dieses englische Sprichwort erinnert an die Zeit, wo auch bei uns die Burg der Ritter mit Mauer und Graben und auch das Haus des Bürgers und Bauern mit Wall und Verhau zum Schutze gegen plötzlich hereinbrechende Feinde umgeben war. Bis auf den heutigen Tag hat das Haus diesen Zweck, seine Bewohner zu schützen, behalten. „Mein Haus,“ sagt auch der Deutsche, zum Beispiel der Hausbesitzer, wenn er ausrechnet, wieviel es an Miete einbringt. Aber Mietskasernen entsprechen nicht dem Ideal eines deutschen Hauses, unseres Hauses. Trotzdem aber weist solche zunächst rein rechnerische Auffassung doch schon darauf hin, datz„unser Halis“ nicht nur dem Schutze dient, sondern daß es noch höhere Bestimmungen hat: die Grundlagen unserer Lebens= und Daseinsbedingungen zu schaffen, und zwar nicht nur des einzelnen. der Familie, sondern der Gesamtheit des Volkes.„Unser Haus“, sagt stolz der Kaufmann, wenn er beispielsweise von dem Umsatz oder dem Rufe seines Hauses spricht. Da ist schon das Haus der Inbegriff der Geschaftstätigkeit und der Geistesarbeit. „Unser Haus“, wie es in den Träumen und Wünschen des Deutschen vor ihm steht als Erbe der Väter, ist dies aber noch nicht. Es braucht nur klein, ein=, höchstens zweistöckig zu sein. Immer aber hat es einen Garten und einen Platz davor oder daneben, wo sich's unter einer alten Linde nach getaner Arbeit am Abend so traulich sitzen und plaudern läßt.„Unser Hus“ ist das Ideal des deutschen Familienlebens.„Unser Haus“, das sind Mann und Frau, die sich in Liebe und Treue zu des Hauses Stützen und Säulen verbunden haben. Ist dieses Haus gegründet, so hat der Beruf des Mannes den festen Boden und die reine Quelle immer neuer Kraft. Es schafft die unverrückbare Grundlage für die Tätigkeit des Mannes, von der Schiller in dem„Lied von der Glocke“ singt: „Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, muß wirken und streben und pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen, muß wetten und wagen, das Glück zu ekjagen.“ „Unser Haus“ läßt zwar die männliche Würde des Hausherrn fühlen, aber es legt auch die Bürde seiner Herrschaft auf die Schultern des Hausherrn und der Hausfrau, die nur in Liebe geführt werden darf und deren erste Bedingung Selbstbeherrschung und Selbstzucht ist. Darum iht runser Haus“ auch reich an Gütern und Pflichten. Es gibt viel, nämlich das, was wir mit dem so inhaltsreichen Wort„Häuslichkeit“ bezeichnen, aber es fordert auch viel an Fleiß, Pünktlichkeit, Sorgfalt und Treue im kleinen. „Die Räume wachsen; es dehnt sich das Haus und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder und herrschet weise im häuslichen Kreise und lehret die Mädchen und wehret den Knaben.. Des jungen Ehepaares Haus erweitert sich zum Familienheim.„Unser Haus“ wird dann eine Stätte der Zucht und Erziehung. Es wird darin laut von Lachen und Jubelgeschrei, aber auch vom Weinen, Liebkosungen, Mahnungen, Warnungen, auch Scheltworte tönen dazwischen; auch die Strenge wird zur Zeit nicht fehlen. Aber nach dem Grundtone des häuslichen Leder gestimmt.„Unser Haus" verbindet auch die Genossen des Spiels und der Arbeit trotz manchen Haders zu Freunden für das Leben. „Und reget ohn' Ende die fleißigen Hände und mehrt den Gewinn mit ordnendem Sinn...“ So ist nach den Worten Schillers Haus“ auch die Stätte fleißiger und gesegneter Arbeit. In seinen Kreis treten dienend und helfend auch die Hausgehilfen und Hausgenossen, nicht als Fremdlinge. Nicht das kalte Recht, das Vertrag und Gesetz fordern, sondern der Gei stder Zugehörigkeit verbindet alle in dem deutschen Hause. Auf diese Weise wird„unser Haus“ zu einem Abbild eines wohlgeordneten Staates im kleinen„unser Haus“ eine Welt, in dem sich die Welt im kleinen wiederspiegelt. So können wir denn„unser Haus“ auch„unsere Burg" nennen. Es sei und bleibe die Burg alter deutTrost In der Hagebuchenlaube an des Flusses grünem Rand aß ich bei der Vielgeliebten Herz an Herz und Hand in Hand. Da gelobten wir uns Treue ewge Treue bis ans Grab; einen Ring von rotem Golde sie als Unterpfand mir gab. In der Hagebuchenlaube sitzt ein anderer jetzt bei ihr. Von der Liebe und der Treue blieb das rote Ringlein mir. Und ich werf es in das Wasser, und ich seh. wie es versinkt. Meine Liebe mit dem Ringe in der tiefen Flut ertrinkt. Und das Wasser, das zieht Kreise. Und dann ist es wieder still. Gerne gönn ich einem anderen, was ich selber nicht mehr will. Löns. B7 scher Sitte und aller alten deutschen Tugenden! Dann ist es auch zugleich die Burg und die Bürgschaft aller Kraft und aller Tüchtigkeit, die von da hinausgehen in die Welt und den deutschen Namen wieder zu Ansehen und Ehren bringen wird.„Unser Haus“ ist dann die Burg unseres Volkes und Vaterlandes, die Wiege und Pflegestätte seiner Macht und Wohlfahrt. Trotz aller Fährnisse und Stürme, die uns umdrohen, kann es so mit Schiller heißen: Fest wie der Erde Grund gegen des Unglücks Macht steht mir des Hauses Pracht!“ Hausfrauen und Sparsamkeit Wie oft hört man heute die Meinung, daß Spartätigkeit jetzt zur Unmöglichkeit geworden Spartätigkeit jetzt zur Unmöglichkeit geworden sei; in der Inflationszeit hätte es nicht gelohnt, Geld anzusammeln und heute sei keines übrig. Oberflächlich betrachtet scheinen solche Aeußerungen zutreffend und doch erweisen sie sich bei näherem Zuschauen als gefährlich und falsch. Die Hausfrau weiß es ja am besten, nicht sonderlich schwer, aber in einer Zeit, wo jeder Pfennig seinen Wert darstellt, ist Selbstgenügsamkeit und Einschränkung der Lebenshaltung ein Opfer, das guten Lohn bringt. Am Verhalten unseres Volkes zur Pfennigrechnung gemessen, müßte freilich Deutschland heute ein sorglos reiches Land sein, denn wo„unser hin man schaut, überall kann man leider feststellen, daß einzelne Pfennige im täglichen Leben kaum Beachtung finden. Kurzerhand wird immer nach oben abgerundet und keiner macht sich darüber Gedanken, daß durch diese leichtfertigen Zahlungsbräuche der deutschen Wirtschaft jährlich Millionenbeträge verloren gehen. Wie häufig sieht man selbst kleine Leute auf die Herausgabe von Pfennigbeträgen großmütig verzichten, wenn sie nicht gerade zur Hand sind. Wir nehmen keine zu hohe Zahl an, wenn wir behaupten, daß von 40 Millionen mit Geld wirtschaftenden Deutschen täglich jeder durchschnittlich nur 2 Pfennige„abrundet". das macht im Jahre 40 Millionen mal 730 Pfennige oder ganze 292 Millionen Mark. Ein wahrhaft niederschmetterndes Resultat für unsere Leichtfertigkeit in Geldsachen. Und wie viele Male hat jede Hausfrau tagsüber Gelegenheit, bei diesem oder jenem Einkauf. ja, in fast jedem Augenblick, wo sie Geld zur Wirtschaftsführung oder persönlichen Verausgabung in die Hand nimmt, zwei, wirklich nur ganze zwei Pfennige, zu sparen. Eine jede deutsche Hausfrau kann sich nach diesem Beispiel nun selbst ausrechnen, welch eine Verantwortung auf ihr lastet, wenn sie in einer Zeit ungeheurer Verarmung, wie Deutschland sie jetzt durchzumachen hat, nicht jede Gelegenheit zur Sparsamkeit auch im häuslichen Verkehr auf das sorgfältigste wahrnimmt. Neben dieser Bedeutung der Sparsamkeit für das ganze Volksleben steht auch noch ihre Wichtigkeit für das Privatleben der einzelnen. Wer spart, bannt künftige Sorgen und rüstet sich am sichersten zu Aufstieg und Wohlhabenheit. Aber nicht in den Sparstrumpf gehören die gesammelten Beträge, sondern in die Sparkassen, die sie dem lebenden Organismus der Volkswirtschaft zuführen. So können sie dem Sparer Zinsen bringen und für das gesamte Voln Nuben und Segen stiften. Die deutschen Sparkassen sind seit altersher die Verwalter des deutschen Sparvermögens und auch jetzt zeigt das stete Anwachsen der Einlagenbestände, daß ihnen das Vertrauen der Bevölkerung erhalten geblieben ist. Wer sich heute ein Konto bei einer kommunalen Sparoder Girokasse einrichtet, hat aber nicht nur die Möglichkeit, seine Sparkapitalien mit hohem Zinsgenuß anwachsen zu lassen, sondern kann auch jede Art des Geldverkehrs über dieses Konto ausführen lassen, wie Steuer, Miete, Licht und Schulgeld. Die kluge Hausfrau kann somit nicht mehr säumen, sich schleunigst ein Konto einrichten zu lassen, denn sie spart hierdurch Sorgen, Arbeit Zeit und zweimal Geld. —1.— daß Sparsamkeit die Tugend ist, die man gerade dann üben muß, wenn es knapp zugeht; dann erst gewinnt sie ihren echten Wert. In Die Frau an der Orgel Von Artur Iger. Wir haben zwar in Deutschland in einzelnen Landesteilen, wie z. B. in Baden, Organistenstellen, die mit einer Frau besetzt sind, auch widmen sich eine ganze Anzahl weiblicher Wesen der Orgelkunst im Nebenberuf oder aus besonderer Liebhaberei, indessen sind diese Fälle im Verhältnis zur Gesamtheit der deutschen Organisten beinahe verschwindend. In Amenimmt ja das Orgelspiel überhaupt eine ganz andere Stellung ein, als bei uns. In den Vereinigten Staaten gibt es Orgel=Virtuosen, die, wie große Sänger, Geiger oder Bühnenkünstler sich ihrer„Manager“ halten, durch die Kande ziehen und mie sder Hallei goldene Lorbeeren „Manager“ halten, durch die fr ihrer Kunst grüne und einheimsen. In DeutschKonzerte— Wi.: m zzeie Oranistegn., sesor Konkerte— wie 3. B. der verstorbene Prorenes 2 8 8%. fn Sg Sggag gg S•TggPa Pgr#-#g„##ig 2.GNTSSDRESSBRSABESEISRSEHOEGOESGFDg“ Te.nBön. 1. Aer O.A.On-S.AS.#P##e S. c S FSsgse## #mäßs Sn SAnSön.. enr 9.6.58 S S 9. # 8 O s S 98S ATSSSBSSS SA RANSS. O.SSIS PHANSSES,— Diehnel, Professor Irrgang u. a.— sich eines großen Zulaufes erfreuten, von einer großen Organistin hat man aber noch nie etwas gehört. Anders im Dollarlande. Dort hat sich die Frau längst eine selbständige und angesehene Stellung als Kirchen= oder Konzert= Organistin erobert. Die Kostlerin am Orgelspteltisch ist überm großen Teich beinahe zur alltäglichen Erscheinung geworden. Es fällt weder dem Konzertpublikum auf, noch wirkt es irgendwie ablenkend, im Gotteshaus, wenn die Orgel durch eine Dame bedient wird. Und, was besonders bemerkenswert ist, einzelne Künstlerinnen haben es geradezu zu einer Virtuosität des Orgelspiels gebracht. Sie sind vielfach weit über den Kreis ihrer Gemeinde hinaus bekannt und Anhänger einer guten Orgelmusik scheuen häusig eine Autofahrt von hunderten von Kilometern nicht, um dem Kirchenkonzert einer gefeierten Organistin beizuwohnen. Eine solche gefeierte Orgelvirtuosin ist, um nur ein Beispiel von vielen anzuführen, Miß Carbonne, die New=Yorker Künstlerin. Das erste Konzert dieser Saison, in der dreitausend Menschen fassenden Aeolian=Hall in New=York wurde von ihr allein beherrscht, und zwar spielte die Künstlerin unter dem jubelnden Beifall der riesigen Menge unter anderm eine Bach'sche Fuge und die Introduktion zum dritten Akte von Lohengrin. Die bedeutendste Orgelkünstlerin, die Amerika wohl überhaupt aufzuweisen hat, ist Mrs. Kate Elizabeth Fox, deren Laufbahn der eines Sängers oder einer Operndiva von Weltruf gleicht. Ihr Name ist gegenwärtig wieder in Amerika besonders in aller Munde, weil sie ihren bisherigen Wirkungskreis, die Erlöserkirche in Morristown im Staate New=York, an der sie vierzehn Jahre lang als Organist und Chordirektor wirkte, aufgibt, um einem ehrenvolleren Rufe an die Presbyter= Kirche in Watertown, im gleichen Stoate gelegen, zu folgen. Mro. Fox hatte in der Erlöser=Kirche ein herrliches viermanualiges Werk zur Verfügung. außerdem unterstand ihr ein Chor von 45 Stimmen und ein Soloquartett, mit dem sie alle Jahre ein großes Konzert veranstaltete und in jedem Monat einmal die Insassen der Hospitäler erfreute. Wie groß die Wertschätzung für diese seltene Frau ist, mag man daran erkennen, daß ihr zu Chren in ihrem neuen Wirkungskreis ein neues Gemeindehaus mit einem Aufwand von 150 000 Dollar errichtet wird, daß ihr natürlich auch ein glänzendes Orgelwerk zur Entfaltung ihrer Kunst zur Verfügung gestellt wird und daß überhaupt die Gemeindemitglieder von Watertown alles nur denkbare tun, um der berühmten Organistin das Leben angenehm zu machen. Mrs. Fox ist eine geborene Engländerin, kam aber schon als ganz kleines Mädchen nach Amerika und war bereits vom breizehnten Lebensjahre an als Kirchenorganistin tätig. In Clevland, wo sie ihre musikalischen Studien beendete, war sie Organistin der St. Marienkirche, wo sie durch ihr herrliches Spiel die Gläubigen gewaltig anzog; bald wurde sie für die Matthias=Kirche in New=York verpflichtet, die, wenn Mrs. Fox spielte, stets überfüllt war. Die Leute von Morristown, die sich jetzt nach vierzehnjähriger Gemeinschaft von der Künstlerin trennen müssen, tragen ihr den Schritt nicht nach. Sie haben der Scheidenden zu Ehren ein glänzendes Abschiedsessen veranstaltet und der Virtuosin zum Andenken einen Korb schönster Rosen und ein prächtiges Reisenecessaire verehrt. Außerdem haben sie öffentlich verkünden lassen, wie ungern sie ihre Organistin scheiden sehen. Komm, süßer Schlaf Komm, süßer Schlaf, du Trost der Nacht Deck' sanft mein Auge zu! Ich hab' vergangner Zeit gedacht: Mein Herz verlangt nach Ruh'. Einst stilltest du nach Kuß und Scherz Verborgner Liebe Glück Und lehntest an sein warmes Herz Mein trunknes Haupt zurück. Nun ist er längst zu Grab' gebracht, Und Lieb' und Glück dazu. Komm, süßer Schlaf, du Trost der Nacht! Mein Herz verlangt nach Ruh' Diese seltene Künstlerin ist trotz ihrer jahrelangen intensiven Berufsarbeit auch heute noch in ihrem Aeußeren eine Frau von interessanter Schönheit. Ein in amerikanischen Blättern veröffentlichtes neues Bild zeigt sie in weißem Obergewand am Spieltisch sitzend. Die scharf geschnittene Nase, die edle Mund= und Kinnpartie, sowie das üppige dunkle Haar und die seelenvollen Augen sind deutlich erkennbar. Ganz besonders reizvoll sind die seinen Hände, von denen die eine auf dem ersten, die andere auf dem dritten Manuale des Orgelspieltisches ruht. Vielleicht kommt auch noch einmal in Deutschland die Zeit, wo sich die künstlerisch befähigte Frau in der Orgelkunst eine, wenn auch nicht gleiche, so doch ähnliche Stellung zu erringen in der Lage ist. Kruppenalsoige Der bekannte Sozialhygientker und Stuadtarzt Dr. Fischer=Defoy, Frankfurt a. M., hat vor kurzem im Verlag„Gesundheitswacht=München" einen außerordentlich instruktiven„Leitfaden durch die soziale Gesundheitsfürsorge und ihre Einrichtungen“ herausgegeben. Wir bringen an dieser Stelle mit Genehmigung des Verlages und des Verfassers das Kapitel über die Krüppelfürsorge. Der Unterschied zwischen Kranken und Siechen ist der, daß das Leiden jener durch sachgemäße Behandlung beeinflußbar ist, während es bei diesen bereits zu einem Dauerzustand gekommen ist, der ihre Gesundheit wesentlich beeinträchtigt und nicht mehr zu bessern ist. Diese Begrenzung des Siechtums paßte früher ganz allgemein auch für die Krüppel, jetzt hat sie für sie nur noch eine bedingte Gültigkeit, denn eine große Anzahl von ihnen kann noch gebessert werden. Das preußische Krüppelfürsorgegesetz sagt: Eine Verkrüppelung liegt vor, wenn eine Person infolge eines angeborenen oder erworbenen Knochen=, Gelenk=, Muskel= oder Nervenleidens oder Fehlens eines wichtigen Gliedes oder von Teilen eines solchen in dem Gebrauch ihres Rumpfes oder ihrer Gliedmaßen nicht nur vorübergehend derart behindert ist, daß ihre Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt voraussichtlich wesentlich beeinträchtigt wird.“ Die Voraussetzung einer Verkrüppelung im Sinne des Gesetzes ist also sowohl der Dauerzustand als auch die wesentliche Erwerbsbeschränkung. Es gab 1906 98000 Krüppel unter 15 Jahren im deutschen Reiche, darunter 56000 Heimbedürftige. Der Verkrüpplung lag zugrunde bei 16,6% ein angeborenes Leiden, bei 16.5% eine Lähmung, bei 16.7% Knochen= oder Gelenktuberkulose, bei 13,2% eine Wirbelsäulenerkrankung, bei 7,9% Rachitis. Die Krüppel wurden in den früheren Jahrhunderten völlig vernachlässigt, ja sie waren als Hofnarren Gegenstand des Svottes. Erst mit den Anfängen der Orthopädie im 18. Jahrhundert beginnt sich auch ihr Los zu verssern. Die erste Anstalt zu ihrer Hilfe gründete Nepomuk von Kurz 1832 zu München in Gestalt, eines Heimes. in dem Einarmige berufsmäßig ausgebildet wurden. Aber er fand ; wonig Nachahmer. Erst in den achtziger Jahren nahmen sich zwei Geistliche, HoppeNowawes und Pseiffer=Krakau der Krürvelfürsorge an, indem sie großangelegte Anstalten gründeten. In der Folgezeit blieb das Gebiet Gegenstand der freien Liebestätigkeit; die Gesetzaebung vergaß die Krüppel, und das preuhische Dotationsgesetz vom 11. Juli 1891, das sich der Geisteskranken, Schwachsinnigen, EpiGotteswunder Novelle von Martha Granow. Frau Hedwig kniete am Boden neben den Scherben. Draußen fiel die Tür krachend ins Schloß. Oskar war gegangen... Noch war sie wie betäubt. Die Schläge brannten auf der Wange— den Schultern— den Armen! Geschlagen! Wieder! Von ihm, dem Liebsten, ihrem Mann! Dort stand der Kaffeetisch, die blumigen Tassen, die Kanne. Das Milchtöpschen lag zerbrochen auf den Dielen. In blinder Wut hatte er zugehauen! Warum?— Ja, wie war es doch gewesen? Am Mittag kam er angetrunken nach Hause. Sie ekelte sich: der widerliche Geruch nach Schnaps um ihn, wie bei Vater! Aber sie hatte sich zusammengenommen.„Man muß lachen, die Männer auslachen, wie man ein Kind auslacht!“ hatte Frau Schuster geraten. Sich überwinden! O. das wollte sie schon!— Aber wie zerstört er wieder aussah! Wie ihn das Trinken angriff bei seiner schwachen Lunge. Seine hübschen, lustigen Augen waren ganz verschwommen, die Wangen schlaff, die Nase stach weiß und spitz aus dem Gesicht. Die ganze hohe Gestalt schien“e! gut! haltlos und müde... Sie nötigte ihn freundlich zum Essen. Dann legte er sich zu Bett. Mit ihrer Hähelarbeit hatte sie sich in die Küche gesetzt. Aber da hatte die Bitterkeit sie übermannt. Sie sah das Unglück näherkommen, genau wie bei den andren: bei den Eltern, den Nachbarn, überall. Der Mann ein Trinker, und dann Unfriede, Zank und bittere Not allerwegen. Grade als sei einer des andern Teufel, und hatten sich wohl meist aus Liebe geheiratet, wie sie beide... Als junges Ding war sie einmal bei guten Leuten in Stellung gewesen. Wie im Himme! war es da.„Kommen Sie her, Hedwig, schauen Sie, wie dort die Sonne aus den grauen Woldelt, ganz in Gold getaucht! Kind, das ist ein Gotteswunder, und das haben wir alle, ob arm oder reich! Machen Sie nur die Augen und das Herz auf!“. Oft hatte die Frau Doktor sie gerufen, wenn der Schnee wie eine köstliche Decke über der ganzen Erde lag, wenn ein Blütenbäumlein wie ein einziger großer Strauß, ganz betäubt von eigener Schönheit, dagestanden, wenn im Herbst die zackigen Ahornblätter wie Schaumgold die mächtigen Baumkronen umhüllten. Arm waren sie gewesen, Doktors, und mußten sparen— und doch waren alle glücklich, waren wie Könige in lauter Schönheit und Frieden. Herr Doktor neckte seine so liebe Frau manchmal:„Na, preisest du die Natur mal wieder aus, als soll sie verkauft werden?" Dann lachte die Frau.—„Verschenken will ich sie! All das Gotteswunder verschenken! Und die Kinder und Hedwig sollen es mitnehmen für später! Man weiß nie, wie es ihnen Trost und Stütze wird.“ Trost und Stütze, das konnte sie wahrhaftig jetzt gebrauchen... Als Oskar am späten Nachmittag aufgestanden, tranken sie Kaffee.„Na. nur nicht schmolien. Kleine! Ein Likörchen schmeckt doch nun „Aber du kannst es doch nicht vertragen, Oskar! Nun hustest du wieder. Den ganzen schönen Sonntag hast du dir verdorben.“ „Na, wenn schon! Es kommen ja noch mehr Sonntage.“ Er gähnte.„Der Schädel will mir fast springen. Der verdammte Fuse!! Brr! Gib mir Kaffee! Hättest auch ein paar Bohnen mehr nehmen können,“ nörgelte er.„Und Kuchen! Wozu verdient man's denn!" „Der Kaffee ist stark. Ich habe schon dabei an dich gedacht!" Nun hätte sie schelmisch sein sollen— lächeln, aber dazu war ihre Natur zu schwer. „Natürlich an mich gedacht! Was für ein Kerl der Mann ist, daß er sich mal erlaubt, den hervorbricht. Die Welt ist ganz verwan=allein auszugehen. Ich henne dichl Schimpfe ziergänge doch los. Zetere doch. Alle Weiber zetern. Und flennen hinterdrein.“ Er redete und redete sich immer tiefer in Groll und Aerger. „Sei doch endlich gut, Oskar! Ich mache dir keinen Vorwurf.“ „Haha! Ach ja. du bist ja die Gute! Bist von Marzipan! Wie war's doch?... Niemals wieder schlagen..“ Er äffte weinerlich die Stimme nach.„Weißt du. Weib, daß es mich kribbelt, wenn ich dich da sitzen sehe mit deiner wehleidigen Fratze... die Hand juckt einem!“ Sie war tödlich erschrocken.„Nicht, Oskar! Einen Hund schlägt man, aber..“ „Hu, du triefst ja von Moral!“ „Ach komm, wir wollen ein bißchen an die Luft. Trink noch eine Tasse.“ „Ach. trink deine Plärre alleine!“— Da hätte sie vielleicht hinausgehen müssen. Aber sie versuchte es mit guten Worten— und machte ihn nur wilder— bis er schlug— darauf los schlug— ganz sinnlos— mehrmals! Und lief fort... Frau Hedwig erhob sich weinend und brachte das Zimmer in Ordnung.— Ach, wie glücklich waren sie gewesen, fast zwei Jahre lang. Hatten auch eine Wohnung gefunden, gradeüber von Mutter: Stube und Küche! Wie nett sah alles aus: die Blumen am Fenster, die Bilder, die Decken und Korbsessel. Oskar verdiente gut als Monteur.— Ach ja, aber nun trank er und schlug sie. Er würde wieder und wieder trinken und so schlapp werden wie Vater! Und sie würde sein wie Mutter, ein armes, verheultes. zeterndes Weib— alt und gebückt... Nein, dahin durfte es nicht kommen! Dann lieber Schluß! Aber wohin? Neulich, als sie mit Mutter davon sprach, hatte die so bitter den Mund verzogen. Man geht nicht aus dem Eigenen heraus, wie von einer Herrschaft... Man kann nicht! Sie sah sich rundum: das liebe Nest! Ach, und es sollte vorbei sein? Alles vorbei? Die Abende! Die Sonntagsspa1 bepülbern, Büinden, Taubstummen annammt, läßzt die Fürsorge für sie ganz außer acht. Trotzdem wurden an vielen Orten Heime gegründet; während 1890 nur sechs Anstalten mit 350 Betten in Deutschland bestanden stiegen die Zahlen 1914 auf 64 und 7200. Während die ersten Anstalten rein fürsorgerisch geleitet wurden, traten später entsprechend der Entwicklung der orthopädischen Chirurgie die Aerzte an maßgebende Stelle. Das Ziel war jetzt nicht nur, die Krüppel zu schützen, sondern auch ihren Zustand derartig zu verbessern, daß sie arbeitsfähig wurden. Man nimmt an, daß bei 55% der Krüppel eine Entkrüpplungsmöglichkeit besteht. Außerdem können aber noch recht viele durch eine Sonderausbildung erwerbsfähig werden. Seit dem 6. Mai 1920 hat Preußen sein Krüppelfürsorgegesetz, das die Fürsorge für alle bildungsfähigen Krüppel unter 18 Jahren regelt und die Kosten den Landarmenverbänden auferlegt. Eine Meldepflicht wird allen auferlegt, die beruflich mit Kindern zusammenkommen, also Aerzten, Lehrern, Hebammen, sowie allen in der Fürsorge Stehenden. Die Meldungen, deren Unterlassen strafbar ist, laufen zum Jugendamt, das sie dem Landeshauptmann weitergibt, dem zur Seite der Landeskrüppelarzt steht. Jeder Stadt= und Landkreis soll mindestens eine Krüppelfürsorgestelle errichten. In ihr werden die gemeldeten Krüppel untersucht und beraten. Es wird die ambulante Behandlung eingeleitet, für die im Falle der Zahlungsunfähigkeit der Eltern die Versicherung oder der Bezirksfürsorgeverband eintritt, es werden aber auch Dauermaßnahmen, für die der Landesfürsorgeverband(Landarmenverband) kostenpflichtig ist, beim Landeshauptmann beantragt. Jedenfalls findet auch dort die Beurteilung statt, ob der Krüppel heimbedürftig ist. Es muß mit den Eltern verhandelt werden, ein Behandlungszwang kann nicht ausgeübt werden, da es sich nicht um gemeingefährliche Erkrankungen handelt, wohl aber ein Ausbildungszwang. Eine weitere Aufgabe der Fürsorgestellen ist die Berufsberatung, für die entweder besonders geeignete Meister oder Anstalten in Betracht kommen. Die Berufsausbildung nimmt längere Zeit als bei normalen Kindern in Anspruch. Sie beginnt deshalb zweckmäßig schon in der Schulzeit. Man hat Krüppelschulen gegründet; ein Sonderunterricht ist auch deshalb zu empfehlen, weil die Krüppel leicht verbittert und mißtrauisch sind und daher seelisch beeinflußt werden müssen, ferner, weil der geschwächte Körper besondere Rücksichten erfordert. Da 97%5 der schulpflichtigen Krüppel geistig normal sind, ist es möglich, das normale Schulziel auch in den Krüppelschulen zu erreichen. Diese eignen sich besonders für solche Krüppel, deren Behandlung abgeschlossen ober zu einem Stillstand gekommen ist. In den Kruppelheimen findet außer der Schul= und Berufsausbildung auch noch die orthopädische Behandlung statt, die sich meist über Jahre hinzieht und viele lange Pausen benötigt, die zum Unterricht sehr gut ausgenutzt werden können; in den deutschen Krüppelheimen ist Gelegenheit zur Ausbildung in 81 Erwerbsmöglichkeiten geboten. Die Organisation der Vereinstätigkeit ruht in den Händen der Vereinigung für Krüppelfürsorge, die eine Zeitschrift herausgibt, ein Museum unterhält, Lehr= und Fortbildungskurse für Aerzte und Helfer sowie Vorträge zur Aufblärung weiterer Kreise veranstaltet. und als zwektes Geber: „Ich bin noch tlein, Mein Herz ist rein, Soll niemand drin wohnen. Als Sesus allein!“ Schon fallen die müden Augenüder zu. Bald lächelt Erchen seelig im kindlichen Traum, er ist als durchflöge ein Engel den Raum.... Still ist es in der Stube. Die Mutter sitzt an dem Tisch und näht, stopft und flicht, lauscht von Zeit zu Zett ob ihr Kind auch schläft, ob die Tür nicht klappt und der Gatte von dem Spätdienst kommt. Langsam rückt der Zeiger an der Uhr. Eschlägt zehn... schlägt halb eis... schlägt elf. Eine Stunde noch, dann kommt er heim. sind ihre Augenüder, müde ist ihr Stille Sicherheit Horch, wie still es wird im dunkeln Hain! Mädchen, wir sind sicher und allein. Still versäufelt hier am Wiesenhang Schon der Abendgloche müder Klang. Auf den Blumen, die sich dir verneigt, Schlief das letzte Lüftchen ein und schweigt. Sagen darf ich dir, wir sind allein, Daß mein Herz ist ewig, ewig dein! Bihsotons Len Gute Nacht „Verweile doch einen Augenblick, du bist so schön!“ „Klein=Eochen muß nun aber endlich schlasen geh'n!" Die Mutter spricht's, das Kind will's nicht. Evchen zieht ein kleines schmollendes Mäulchen, macht sich schnell hier und da noch etwas zu tun, gibt dem Püppchen Abendbrot, zieht es aus und bringt's zu Bett.„Schaf, Kindchen schaf!“ singt der kleine Kindermund. „Eva!— Ausziehen!“ Evchen weint, spricht unter Tränen:„Mama, noch'ne Tulle und dann ind Bett!". Nur ein kleines Weilchen möchte sie noch in dem Stübchen sein. Nur ein kleines Weilchen, und der Sandmann stellt sich ein. Dann poltern die Schühchen, rauscht das Kleidchen. Eine angebissene Stulle liegt auf dem Nachtschränkchen. Evchen sitzt als Hemdenmatz im Bettchen, faltet die zarten kleinen Hände: „Lieber Dott! Mach mich fromm Das ich in den Himmel tomm!“ Es hat zwölf geschlagen. Tritte hallen auf der Treppe, Schkusfel kämpern, drehen sich im und die Korridortür#marrt. Leise tritt der Gatte in das Zimmer. Abgespannt sind seine Züge, Fakten in der Stir. Arbeit! Sie macht müde. Nur ein paar Worte, ein kurzer Rückblick auf den verflossenen Tag, dann gehen sie zu Bett, still und heimlich, damtt KleinEvchen nicht erwacht, flüstern seis ihr:„Dute Nacht!“ Alles kegt in tiefer Ruh. Freundlich tchelnd bückt der Mond durch's Fenster, veriekärt mit seinem Silberlicht die arbettsreichen Eiternhände, spiekt in Eochens blonden Lochen. KMaterialistische u. Beatistische Ziele der Kochkunst . Ai e P Von Ahnes Nettner. Bei allen Völkern und zu allen Zeiten ist 4# niederm und höherem Grade der Wert und die Bedeutung der Kochkunst, desser gesagt: die Kunst des Kochens, anerhannt und beachtet worden. An der Hand der Kulturgeschichte rückwärts gehend, findet man selbst in grauester Vorzeit Spuren von der Zubereitung der Speisen Ueberall erkannte man die Kraft des Feuers als die, durch welche die rohe Materie Wchnr gemtt und. Seich der oche dunne legte betanntlich das Fleisch unter dem Sattel seines perden zurecht, um er des Rittes durch Wärme und Druch saftig zu machen. Nur auf der Stufe geistiger Entwicklung stehengebliebene sogenannte„wilde Volksstämme“ genießen Fleisch und Früchte in rohem Zustande. Die Geschichte der Kochkunst lehrt, daß die Frau, die von jeher für das detbliche Wohl der Familie Es war dunkel geworden. Sie saß mit schlaffen Händen am Fenster. So verzweifelt, so unsäglich unglücklich hatten sie alle einmal dagesessen, die Frauen— und waren doch geblieben. Es war dann weiter gegangen: gute Tage, böse Tage; schließlich mehr böse wie gute. Und dann sah man vor Dumpfheit die Sonne nicht mehr— nicht die blühenden Bäume— nicht die feierlich stillen Schneefelder.. Man war blöde vor Angst und Ekel und— duckte sich feige... Vorsichtig ging die Tür. Oskar kam herein. „Guten Abend! Na, hast ausgetückscht, Hete?" Es war ihm doch bange geworden um sein hübsches Weib. Sie war anders als andere Mädels, das hatte ihm so gefallen.— Nun hatte er sie doch geschlagen, trotz ihrer weinenden Bitten... Dumm! „Ja, ich bin ein grober Kerl! Hm. Sei schon wieder gut. Hetchen. Der Fusel muß eben austoben.“ Er schlang den Arm um sie. Leise befreite sie sich.„Oskar, so geht es nicht weiter! Lieber, höre mich einmal an; jetzt habe ich noch die Kraft, von dir zu gehen. Wir haben keine Kinder. Du achtest mich noch.— Hinterher bin ich so entwürdigt, so ein verschlamptes Tier, das mit Füßen getreten wird, wie die anderen alle. Nein!“ „Na, na! Sorg', daß du es nicht wirst.“ „Wie soll ich das, wenn man immer geschlagen wird? Laß mich fort. Wir wollen ruhig überlegen. Nicht im Haß, denn ich war so glücklich.“ „Na also. Und du wirst es wieder sein.“ Er küßte sie.„Lieb habe ich dich, punktum. Ich hab' manchmal den Rappel, du hast ihn jetzt. Mach' nicht solch' Frätzchen, wenn man mal über die Stränge haut; da rutscht die Hand 6118: „Mal über die Stränge haut! Vater sing auch erst ein bißchen an. Und den Friese kannte ich noch als netten Menschen. Laß mich fort, „Zum Kuckuck! Jetzt hör' auf! Fortgehen? Wohin denn?— Pah, dann besauf' ich mich alle Tage und gehe noch schneller vor die Hunde. Die Flinte ins Korn wersen, wie ein schlechter Soldat. Pah! Erwürgen würde ich dich, daß du es weißt.“ Er rannte im Zimmer auf und ab.„Ah, pah, besorg' das Abendbrot.“ Mühsam erhob sie sich und ging in die Küche. — Nein, fortgehen konnte sie nicht, dann verlöre er allen Halt. Also immer so weiter. Ach Gott! Nicht einmal um Verzeihung hatte er heute gebeten.— Brrr, wie sie sich graute! Tja, wenn sie es hei Doktors nicht anders gesehen hätte. Aber so? Mit gebundenen Händen zusehen, wie er langsam sank und sie mit sich riß? Ach, gütiger Gott! War's nicht besser: ein Sprung in die Tiefe und— alles vorbei?— Sie lächelte bitter und riß das Küchenfenster auf. Unregelmäßig leuchteten die Fenster der vielen kleinen Wohnungen in den Hofraum. Dort hausten Gerickes, wo die Frau neulich schreiend davongelaufen, drüben ein Säufer und alle Tage Radau! Hinten einer, der eigentlich ein Mörder war; letztens war er aus dem Gefängnis entlassen. Bei Mutter Zank und Trunk. Und jetzt hier auch schon! Haha! Als könnte sie Besseres vom Leben erwarten! Ehestand— Wehestand! Also lieber beizeiten ein Sprung— ein Schrei— vorüber... Schon setzte sie an... Pah, dann würden all die blinzelnden Fenster aufspringen, und Neugierige schauten auf das blutige Etwas, das sie einmal gewesen... Nein! Sie rang die Hände und blickte zu dem Stückchen Nachthimmel auf, das feierlich herniederschaute. Dort oben standen stumm in hehrer Andacht die goldenen Sterne am dunklen Nachthimmel— wie selige Verheißungen einer schöneren Welt.— „Das kann Ihnen niemand nehmen, Hedwig! Halten Sie sich die Augen offen!“ Sie hörte die liebe Stimme der guten Frau Doktor, und nicht das Leben wegwersen! * Haltlosigkeit— eine derbe Ruhe ham über über köm pten mit Osgars Halliehget— und sich aufrichten an dem Gotteswunder draußen, das in die elendesten Kammern schaut... Ookar kam herein. Er erschrak und schloß das Fenster.„Komm schon essen!" Sie nahm alle Festigkeit zusammen.„Ja, essen muß ich wohl, aber....“ „Zum Kuchuck, Weib, was ist denn in dich gefahren! Spiel“ doch nicht die Moralische. Jetzt wieder! Ist dir die Krone runtergefallen?“ „Ja, du hast sie mir heruntergeschlagen! Und deine fiel auch herab.“ „Insames Weib! Mir das zu sagen!“ In loderndem Jähzorn sprang er auf. Sie aber war plötzlich ganz gefaßt und ruhig. Die Hände um die Stuhllehne gekrampfst, sah sie ihn ruhig an.„Du rührst mich nie wieder an, Oskar. Nie wieder! Du hast mich am offenen Fenster getroffen. Ich wollte mein Leben hinwerfen vor Ekel.— Also höre: Sobald du mich anrührst, mache ich ein Ende! Das Trinken, das kann ich dir nicht verwehren. Aber schlagen lasse ich mich nicht. Niemals wieder! Er wurde rot und blaß vor Wut. Er krampfte die Finger und öffnete sie. Aber sie sah ihn furchtlos an. Lange standen sie sich gegenüber. — Auge in Auge. Er wollte lossprudeln: „Was fällt dir ein...!“— Aber sie unterbrach ihn ruhig:„Kein Wort mehr darüber! Du kennst meine Meinung. Und nun komm essen.“— „Sage bloß, Hete, wie hast du er fertig gebracht mit Oskark. Das ist ja ein reines Gotteswunder! Er trinkt nicht mehr, er...“ fragte Mutter einmal. „Ja, ein Gotteswunder! Man muß mit sich selber fertig sein. Kein Glück wollen! Wenn man sich selber hinschmeißen könnte, dann wird man auch mit dem Mann fertig.— Man muß nur etwas haben, woran man sich aufrichtet, und wäre es ein Himmel voller Sterne.“ ersachelpd. S. 8