2** *„** 1 35 2 41. 1•2 I. 18 S 855 I aS 85. S#nss F BSgSngg.. S:P SLSROATOE Aus meinem Notizbu#ch lben Spimrochen zur und von der Rochenstube Eiit Notizodenl tragen darf, ist in der Regel auch der nächtliche Besuch gestattet. Daher heißt in der Schweiz Von Max Kretzer. Es ist ein merkwürdiger Widerspruch in der „Natur des Weibes, daß seine Seele ganz von Musik erfüllt sein kann, ohne daß es imstande wäre, gute Musik zu machen. Als Komponistin versagt es immer. Den Weg zur Sünde findet auch die Blinde. Der Mann entdeckt am Weibe zuerst den Eigensinn, das Weib am Manne die Schwäche. Eitelkeit am Weibe ist Natur, am Manne Dummheit. Ein unverdorbenes Weib ist in den Händen eines klugen Mannes das, was der Ton in den Händen des Bildners ist: der Meister wird eine Göttin formen, der Stümper ein Zerrbild. Die Liebe ist der Anfang aller Leiden. Die reine Liebe schreitet mit nackten Füßen über Schlangen. Die stumme Schönheit gleicht einer unberührten Laute: ein schriller Klang kann alle Illusionen rauben. Jeder Mann verdient die Frau, die ihn unter den Pantoffel bringt. Von allen Bediensteten verdient der Ehelakei das meiste Mitleid. Wenn der stärkste Mann zusammenbricht, hat das schwächste Weib immer noch so viel Kraft ihn emporzurichten. Wenn der Mann erst Sprechstunden für seinen Hutmacher eingeführt hat, wird die Frau zur absoluten Herrschaft gelangt sein. sowohl dieser wie der Besuch in der Spinnstube der Kilt, das heißt Besuch zur Nachtzeit. Ursprünglich sind diese nächtlichen Besuche, ebenso wie die Spinnstubenbesuche, ganz harmloser Natur gewesen. Noch im 19. Jahrhundert verteidigte sich in der Schweiz das Volk mit Entschiedenheit gegen die Angriffe der Geistlichen und Lihrer, die diesem alten Brauch den Krieg erklärt hatten. Den Tadlern wurde erwidert:„Die Herren verstehen das nicht; sie halten den Kiltgang nur deshalb für böse, weil sie nicht imstande wären, auf ehrliche Weise bei einem Mädchen zu weilen.“ Auch heute noch sieht man darauf, daß in den Spinnstuben, wo sie noch bestehen, Zucht und Ordnung herrscht. Da aber das Spinnen in neuerer Zeit im allgemeinen aus der Mode gekommen ist, so ist die Spinnstube in vielen Gegenden verschwunden und mit ihr auch die alte anheimelnde und trauliche Spinnstubenpoesie verschollen. persönlicher Erfahrungen des Herrn Geschäftsführers.— Das sei aber nicht die Hauptsache. In erster Linie müßten die Damen das Gefühl der Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit erwecken. Seiner Ansicht nach sei dieses also durch schwarze Strümpfe zu erreichen. Natürlich rief die Meinung, der das bewußte martialische Dekret folgte, den allerheftigsten Widerspruch unter der davon betroffenen Damenwelt hervor. Aber was war dagegen zu tun? Ein Geschäftsführer ist fast so mächtig wie der liebe Herrgott; denn er hat Geld oder Entlassung in den Händen. Traurig zogen die Damen und Mädelchen ihre koketten, farbenfrohen Strümpfe aus und legten Bürotrauer an. Es blieb ihnen nichts anderes übrig. Eine Glückliche aber konnte rebellieren. Und sie tat es gründlich. Mit dem Schlachtruf:„Lieber ohne Stellung als mit schwarzen Strümpfen!" nahm sie mutig den Kampf gegen das putzfeindliche Edikt auf, eine echte Penthesilea, die da meint:„Staub lieber, als ein Weib sein, das nicht reizt.“ Sie fragt ganz richtig, ob sie als Strafe dafür, daß sie eine Büroangestellte ist, auf Eleganz in der Kleidung verzichten müsse. Dann verzichte sie eher auf die Ehre eines solchen Berufes. Da nun die schwarzen Strümpfe ihr nicht erlassen wurden, gab sie ihre Stellung auf. Eine erschreckend boshafte Möglichkeit taucht damit auf. Haben im Kampf um die Futterkippe bisher keine Mittel genügt, um die Konkurrenz der Frauen auszuschalten, eine rigorose Kleiderordnung würde in dieser Hinsicht radikal wirken. Hoffentlich sind nicht alle Herren der Schöpfung so unempfindlich gegen kohlrabenschwarze Strümpfe tagaus. tagein, wie jener Direktor des großen englischen Geschittehgusen Spinn Spinn! „Spinn! Spinn! Spinn! Tochter mein, morgen kommt der Freier dein!“ In dieser beliebten von Thomas Koschat komponierten Volksweise kommt die gemütvolle Poesie der alten Spinnstuben stimmungsvoll zum Ausdruck. Die Spinnstuben sind uralte germanische Einrichtungen, die schon den alten Römern auffielen. Einst bestanden sie überall, wo deutsche Geselligkeit und Freude an der Arbeit herrschten. In den Spinnstuben kommen Mädchen und Burschen zusammen. Erst sind die Mädchen allein; sie haben eine Spule abzuspinnen. Dann aber erscheinen die Burschen, und nun beginnen alle möglichen Neckerzien, wobei es allmählich ein bißchen frei und ausgelassen hergeht. Zuweilen werden Märchen und Sagen, und vor allem Gespenstergeschichten erzählt oder gemeinschaftlich Volkslieder gesungen. Gesellschaftsspiele, bei denen zur Einlösung der Pfänder der Kuß die Hauptsache ist, und Tänze beim Spiel der Ziehharmonika pflegen den Abend zu beenden, worauf der Bursche sein Mädchen nach Haus bringt. Diese Spinnabende finden an gewissen Tagen, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, statt und werden abwechselnd in den einzelnen Familien abgehalten. Spinnstube und Fensterln hängen aufs engste plättet ihn, wenn er noch feucht ist. ar gusammen. Dem Liebhaber, der dem Wädchen'linten Seite mit nicht zu heißem Eisen. Reinigen von Klaviertasten. Um gelbgewordenen Klaviertasten ihre blendendweiße Farbe wieder zu verleihen, taucht man ein wollenes Läppchen in Weingeist und reibt man damit die Tasten der Reihe nach tüchtig ab. Entfernung von Zuckerflechen. Zuckerflecke lassen sich aus leinenen, haumwollenen, wollenen und seidenen Gewehen leicht mit heißem Wasser entfernen. Verhalten bei Ohnmachtsanfällen. Große Hitze oder der Aufenthalt in überhitzten und überfüllten Räumen ruft nicht selten Ohnmachtsanfälle hervor. Meist wird dies dadurch, daß man den Betroffenen an einen kühlen und luftigen Ort bringt, leicht behoben. Dabei ist es zweckmäßig, den Kranken auf den lebenen Boden zu legen, den Kopf nicht erhöht, sondern tief zu lagern und, falls das Bewußtsein nicht bald zurückkehrt, ihn an Salmiak riechen zu lassen. Ist der Kranke erwacht, reiche man ihm Wasser oder ein wenig Wein. Während bei der durch Ohnmacht hervorgerufenen Bewußtlosigkeit das Gesicht des Kranken blaß aussieht, erscheint bei jener, die durch einen Schlaganfall erzeugt wird, das Gesicht stark gerötet. In diesem Falle richte man den Kranken etwas auf, lege seinen Kopf hoch und wende kalte Umschläge oder eine Eisblase an. Blumenkohl für den Winter. Um noch im Winter aus eigenem Garten Blumenkohl haben zu können, kann man noch bis Mitte Juli auf gutes Land, das viel Sonne hat, selbst Blumenkohlsamen aussäen oder besser noch mit vom Gärtner gekauften Pflanzen Beete besetzen, um dieses beliebte Gemüse zu ziehen. Auf diese Weise erreicht man bei günstiger Witterung, daß die Pflanzen noch im Oktober und November schöne Köpfe ansetzen. Um diese Zeit nimmt man die Pflanzen mit etwas Erde heraus, bringt sie in den Keller und schlägt sie in Sand ein. Das Gemüse hält sich so bis in das Frühjahr hinein. Milbenvertilgung bei Zimmervögeln. Um die lästigen Plagegeister der Zimmervögel, die Milben, fernzuhalten oder zu vertilgen, hängt man an der Wand hinter dem Vogelbauer ein Stück filzigen Stoffes auf. Die Milben schlüpfen dann in den Stoff hinein und können ihr Schmarotzerleben auf den Vögeln nicht mehr weiter führen. Nach Verlauf von einigen Tagen nimmt man dann das Stück Stoff weg und verbrennt es am besten, um die Milben zu vertilgen. Glasstöpsel zu lösen. Will man Glasstöpsel, die auf Flaschen fest sitzen, lösen, so gießt man ein wenig Oel auf den Rand der Flasche und dreht dann den Stöpsel herum. Sollte dies auch dann noch nicht gelingen, so erwärmt man das Oel zunächst etwas. In vielen Fällen kann man den Stöpsel auch leicht lösen, wenn man das den Stöpsel umgebende Glas vorsichtig über einer Wachskerze erwärmt. Flanellstoffe zu waschen. Weiße Flanellstoffe wäscht man in lauwarmem, aber nicht heißem Seifenwasser, das man durch Aufkochen eines Stückes Gallseife bereitet hat, zweimal. Dann svült man in lauwarmem Wasser, dem man etwas Essig zugesetzt hat, hängt den Stoff sofort zum Trocknen auf und plättet ihn, wenn er noch, feucht ist, auf der Der schlaue Nebenbuhler. Ein Pariser Advokat machte einer jungen Dame sehr fleißig seine Aufwartung und war im Begriff, sie zu heiraten, als eines Tages ein Offizier auftrat und sich für seinen Nebenbuhler erklärte. Um den Advokaten abzuschrekken, verlangte er von ihm, entweder das Feld zu räumen oder sich ihm zum Zweikampf zu stellen. Der Advokat nahm die Forderung an und stellte sich wirklich zu der bestimmten Zeit und an dem bestimmten Ort zum Zweikampf. „Aber, mein Herr,“ sagte er zu dem Offizier. indem er ihm zwei Pistolen hinhielt,„ich kann nicht auf Degen fechten. Wählen Sie eine von diesen beiden! Ich lasse Ihnen sogar den ersten Schuß." Der Offizier entsprach dem Ersuchen seines Gegners, gab bei dem Duell den ersten Schuß ab und sein verhaßter Nebenbuhler sank tot zu Boden. Sogleich flüchtete er, aus Furcht vor gerichtlicher Strafe, und verbarg sich an einem kleinen Orte einer entlegenen Provinz. Nach einiger Zeit kam zufällig ein Freund dorthin, der die junge Pariser Dame sehr gut kannte und oft in Gesellschaft mit ihr zusammen war. Er staunte, seinen schon seit längerer Zeit vermißten Freund in dem kleinen Orte zu finden und fragte ihn, warum er denn so plötzlich aus Paris verschwunden wäre. „Wie," erwiderte der Offizier,„haben Sie denn nichts von jener Duellaffäre gehört?— Dem Tod des Advokaten.“—„Oh, mein Gott, der Advokat ist frisch und gesund; er hat vor kurzem seine Geliebte geheiratet." Jetzt erst erfuhr der Ueberlistete, daß der schlaue Advokat die Pistolen nur mit Pulver geladen und sich tot gestellt hatte, um sich von einem so gefährlichen Nebenbuhler zu befreien. Das Chaplin=Baby ist da. In Hollywood, den Filmgefilden Newyorks, herrscht große Freude. Der Sohn und Erbe Charlie Chaplins ist hochgewichtig, nämlich sechsdreiviertel Pfund schwer, zur Welt gekommen. Mag ihm und der jungen sechzehnjährigen Mutter dieser entscheidende Schritt auch nicht gerade leicht gefallen sein, für den werdenden Papa soll es viel schwerer gewesen ein. Denn seine gesamten Fingernägel und ein paar Schuhsohlen sind bei dieser Angelegenheit draufgegangen. Ein intimer Zuschauer verrie: es, der Gelegenheit hatte, den berühmten Filmkomiker in dieser Situati zi zu beobachten und bei seinen Worten entrollt sich uns das Biss eines rastlos herumlaufenden, singernägelknabbernden Charlie Chaplin. Parzenhaft stand er dann an der Wiege des neuen Hollywood=Bewohners und erkannte in ihm den Erben des alten Chaplingeistes; denn die ersten Worte, mit denen er seinen Sohn schicksalskündend begrüßte, lauteten:„Du siehst genau so aus wie lich.“ Nachdem ihm so der Lebensweg bezeichnet worden ist, wird Charles Spencer Chaplin junior seine Laufbahn beginnen. Ein Unterschied. Du hast keinen Begriff davon, wie es gerade die Weiber sind, die sich in der Not zusammenzudrücken wissen, wenn sie auch sonst noch so viele überflüssige Kisten. Kasten und Hutschachteln mit sich herumschleppen und die Räumlichkeiten auf dem Schiff, im Postwagen und auf der Eisenbahn beengen. Mit uns [Männervolk— sagt Wilhelm Raabe in „Alte Nester“— ist’s genau das Umgekehrte. Geht es uns gut, so haben wir in einem Winkel mit einer Zigarre genug, aber geht es uns schlimm, so brauchen wir in unserer Phantasie zum mindesten das halbe Weltall, um Ellenbogenraum für neue Dummheiten zu gewinnen. Erweiterter Mutterschutz in Frankreich. Der französischen Kammer ist ein Gesetz zugegangen, das den im Gesetz vom 15. Juli 1893 gewährten Mutterschutz erweitert. Danach bekommt jede unbemittelte Französin im Falle der Schwangerschaft von Kommune, Provinz oder Staat unentgeltliche Geburtshilfe, entweder zu Hause oder erforderlichenfalls in einem Krankenhaus. Bemerkenswert ist, daß Wünsche der Frauen, diskret zu entbinden, kraft dieses Gesetzes berücksichtigt werden müssen. Der Präfekt hat in jedem Departement die Anstalten auszuwählen, die zu diesem Zweck zur Verfügung stehen müssen.„Keine Nachfrage nach dem Unterstützungswohnsitz oder zur Kontrolle der Bedürftigkeit darf angestellt werden. wenn die Frau versichert, nicht zahlen zu können.“ Die Ausgaben tragen Provinz und Staat. Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena. Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena. Prader Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung Nr. 29 S Altena, den 17. Juli 1925 Frauentum und Natur Von Agnes Meitner. Unser nervöses, hastendes, beständig nach Neuem und Außergewöhnlichem fahndendes ahrhundert, das in seinem rastlosen, gigantichen Vorwärtsstürmen das Pendel des Lebens wischen Gegenwart und Zukunft schwingen äßt, hat den Lebenshorizont der Frau bedeutend erweitert. Aber innerlich verlor die Frau nichts von ihrer seelischen Bildung, die das Weib zu allen Zeiten zur Nährmutter der Poesie machte. In jeder Frau,— auch in der modernen Frau, die das Problematische zur Norm erhoben hat,— lebt die Sehnsucht nach der Natur. Seelische Bildung ist ein von Natur aus gegebenes Merkmal des weiblichen Wesens. Sie bezeichnet nicht nur die vollkommene Harmonie zwischen Körper und Geist, das Aufgehen in der allgemeinen Menschlichkeit, das innere Bewußtsein von der Gesetzmäßigkeit und einheit der Welt— die seelische Bildung als Natursinn der Frau wirkt wie eine Sehnsucht nach Sonne, Freiheit und Frieden, wie eine alte, ewig junge Sehnsucht nach einem Gottesdienst, nach einem Horchen und Lauschen auf feine, ferne Stimmen der Gotteswelt, die man im Getriebe des alltäglichen Lebens nicht vernimmt. Die Frau ist fester und enger in der Symbolik des Sprachgebrauchs und im Dichterwort kommt dies in überzeugender Weise zum Ausdruck. Der Vergleich zwischen Mädchen und Blume oder Blüte findet sich bei fast allen Völkern der Welt. Man spricht immer nur von einer Mädchenknospe, nie aber von einer Knabenknopse. Halb unbewußt hält man dabei die Symbolik fest, daß das Mädchen etwas Vegetatives ist. Und Wissen und Glauben weisen: Blüte wird Frucht, Mädchen wird Frau und Mutter. Nicht nur der naheliegende Vergleich zwischen Mädchen und Blume ist uralt, sondern auch zwischen der frühlingsprangenden Erde und der„erblühten Jungfrau". Bei allen Völkern wird die Erde weiblich gedacht.„Mutter Erde“, sagen wir, dasselbe bedeutete zum Beispiel bei den Griechen der heilige Name„Demeter". Die Parallele ergibt sich von selbst durch die Fruchtbarkeit, durch die Empfängnis. Der„Schoß der Erde“ empfängt nicht nur Samenkörner, um neues Leben aus ihnen zu schaffen, das tiefsinnige Bibelwort schafft den „Erdensohn“ aus der Erde selbst, und läßt ihn wieder zur Erde zurückkehren. Humus, der Boden und homo, der Mensch, sind im Lateinischen Worte eines Stammes. Herzog Hauser sagt auch sehr richtig, daß jedes weibliche Wesen die Parallele zwischen seinem Leben und der Natur fühlt, solange es sich nicht gegen alle bessere Erkenntnis dagegen verschließt. Ganz „natürlich“ erscheint es uns daß sich dieses Empfinden auch äußerlich dokumentiert. Kleine Mädchen und junge Mädchen tragen in ihren Kleidern die Farben der Blüten. Es gibt bei Festen, Prozessionen usw. nur„weiße Mädchen“, die Braut trägt nach uralter Sitte auch heute noch ein weißes Festgewand. Entspricht nicht Jugend und Brautzeit dem Frühling, der mit frischem Grün, zartem Rosa und lichtem Weiß, den Farben der Hoffnung, der Liebe und der Unschuld die Natur schmückt? Die junge Frau wieder liebt gleich der sommerlichen, blumenreichen Wiese leuchtende Farben. Der Sommer entspricht mit seiner Sonnenglut und Farbenpracht dem besten Alter der Frau in ihrer Kraft, Anmut und Schönheit. Es ist kein Zufall, daß auf den Gemälden die Künstler Maria als Himmelsbraut fast immer im fleckenlosen, weißen Gewande, als göttliche Mutter aber in Gewändern von herrlicher leuchtender Farbenpracht darstellen. Den Herbst in seinen gesättigten Farben, seiner wehmütig wilden Pracht, die so recht zum vorgeschrittenen, reifen Jahresalter paßt, nimmt gern die Frau, die altert, zum Vorbild. Die Reife des Herbstes bringt eine Stimmung, die selbst über das leuchtende Wesen vollendeten Reiz noch jenen milden zarten Hauch gesellt, der ahnen läßt, daß es mit Pracht und Herrlichkeit bald zu Ende geht. Blau und violett, die Grundtöne der winterlichen Natur, wählt in ihrer seelischen Bildung als Naturtrieb die Greisin; hinter Grau, der Frau des Winterhimmels, läßt sie heitere Farben verschwinden. Auf dieser Vergleichsbasis entwickeln sich weitere Beziehungen zwischen der Frau und der Natur. Vergleicht man die echte, das heißt die natürliche Frau in ihrer schönen Reife mit der sommerlichen Wiese oder dem goldenen Getreidefelde, so gleicht die gekünstelte Zierpuppe, die Modedame, einem künstlich zurechtgestutzten Garten mit verschnittenen Bäumen und Hecken, die kokette Frau einer Theaterdekoration, die nur im Rampenlicht täuschend wirkt und das Mannweib einem dürren, brach liegenden Ackerboden. Leider neigt unsere Frauenwelt sehr dazu, das künstlich Schöne zu überschätzen, das natürlich Schöne zu unterschätzen. Sonst würde der frische Waldbaum vor dem verschnittenen Zierstrauch, das taufrische, schlichte Heidenröschen vor der kunstvoll veredelten Treibhausrose unbedenklich den Vorzug haben. Denn das muß dem Naturtum der Frau klar sein: Die Natur unterdrücken, vergeVerbotene Liebe Weißt du wohl, als wie wir sind, wie das Kornfeld und der Wind, wie der Sturm und das wilde Meer, das da wallet hin und her. Aug zu Auge zärtlich spricht, aber uns lieben, das dürfen wir nicht. Wenn die Sonne geht zur Ruh denk ich dein und mein denkst du, und bei Mond und Sternenschein denk ich dein und du denkst mein. Herz zu Herzen zärtlich spricht, aber uns lieben, das dürfen wir nicht. Gestern um die Mitternacht bin ich weinend aufgewacht, denn mein allerschönster Traum war dahin wie Wellenschaum. Mund zu Mund im Traume spricht, aber uns lieben, das dürfen wir nicht. Hermann Löns. waltigen— das geht immer auf Kosten des Menschentums. Wir leben in einer Zeit, die soviel zerstört, soviel edelste Werte verliert, die so angefüllt ist mit der ringenden Not des Tages. Der höchste Stolz der Frau war es aber immer: dort, wo der Menschheit Segen erwächst, Gefühl walten zu lassen, siegreich harten Zeitwiderstand zu überwinden. Und die Seele der Frau ist auch heute reich, überreich an vibrierendem Naturempfinden: jeder Stein am Wege wird der Frau zum Zeugen längst vergangener Naturarbeit, bei der Bewegung des Meeres, des Stroms, des Weihers und des Baches verschlingen sich die Gedanken und erweitern sich, jede Einzelheit der Pflanze: Wurzel, Stamm, Geäst, Blatt, Blüte und Frucht erweckt Freude und Familiensinn, das Betrachten der Landschaft erfüllt die Seele mit Deutlichem und Rätselhaften,— und der Himmel, das erhabenste Stück der Natur, der Himmel mit seinem blauen Aethermeer, seinen Gestirnen, seinen Wolken und Blitzen, seinem reichen, wechselnden Farbenzauber gibt dem Naturtum und der Seele der Frau die Vorstellung überweltlicher Gefühle, neuer Wunder, neuer Weltgeheimnisse. Das Naturtum der Frau, ihre Liebe zur Natur ist der Quell für Eroberung auf allen Gebieten der Kultur. Denn keine ernsthaft ringende und blühende Sittlichkeit kann der erhabenen Seelenstimmung entbehren, die die Natur der sehnenden Seele als höchste Augenblicke im Dasein schenkt... Seine Majestät das Kind Von Dr. phil. et rer. pol. Franz Thierfelder. Mit Stillschewigen ist in der deutschen Presse eine Aktion des Völkerbundes übergangen worden, die in ihrer praktischen Bedeutung gering genug, in ihrer symptomatischen dagegen höchst bezeichnend ist. Vor einigen Wochen sind in Genf die„Kinderrechte" verkündigt und in 37 Sprachen der Welt ans Herz gelegt worden. Männer und Frauen aller Nationen, heißt es in der Einleitung zu den fünf Grundartikeln, nehmen in der Erkenntnis, daß die Menschheit dem Kinde das Wertvollste schulde, folgende Verpflichtungen dem Kinde gegenüber ohne Unterschied der Rasse, der Nationalität oder des Glaubens auf sich: 1. Jedes Kind muß sich regelrecht körperlich und geistig entwickeln können. 2. Ein hungriges Kind muß gespeist werden, einem kranken muß die Heilung ermöglicht werden. Ein zurückgebliebenes Kind ist aktiv zu fördern. Ein vom rechten Wege abgeirrtes Kind muß wieder auf die gerade Bahn zurückgeführt werden. Verwaisten und verwahrlosten Kindern ist Obdach und Hilfe zu gewähren. 3. In Notfällen gebührt die erste Hilfe dem Kinde. 4. Jedes Kind muß so erzogen werden, daß es sich später im Leben selbst erhalten kann. Jedes Kind ist vor Ausbeutung zu schützen. 5. Das Kind muß in dem Bewußtsein erzogen werden, daß es sich verpflichtet fuhlt, seine besten Veranlagungen zum Wohle seines Nächsten zu verwenden. So begrüßenswert an sich der Gedanke ist, das Kind als schutzbedürftiges Wesen schlechthin unter internationale Obhut zu stellen, so eigensartige Empfindungen beschleichen bei dieser Proklamation gerade uns Deutsche. Auf der einen Seite ist das, was hier mit Pathos als neuer Fortschritt der Kultur verkündet wird. bei Lichte besehen nichts anderes, als was wir „Barbaren“ in der Reichsverfassung und den einschlägigen Wohlfahrtsgesetzen schon längst als bindendes Recht in Deutschland anerkannt haben, auf der anderen Seite aber muß man sich fragen, ob wohl der Völkerbund von sich aus alles getan hat, um die Durchführung der von Humanität erfüllten Grundsätze in der Praxis zu ermöglichen. Schon bei Punkt 1 stockt man: Ist es nicht der Völkerbund, der künftig in seinen Kontrollkommissionen darüber wachen will, daß dem deutschen Jungen die beste körperliche Erziehung der Welt, die Militärdienstpflicht, vorenthalten bleibt! Ist es nicht der Völkerbund, unter dessen Verantwortung die Kinder der Grenzlanddeutschen mit den raffiniertesten Mitteln in ihrer geistigen Entwicklung gehemmt werden, indem ihnen das natürlichste Recht der Welt, die Erziehung in deutschem Geiste und deutscher Sprache, geraubt wird?„Ein hungriges Kind muß gespeist werden“,— wo blieb die wirksame Hilfe des Völkerbundes, als Deutschland am Verhungern war und unsere Kinder unter der Geisel der Inflation zu Tausenden hinsanken? Hatte man in Genf nicht die Mittel, die Quellen unseres Elends zu verstopfen— wenn man nur gewollt hätte? Die deutsche Jugend war schwer erkrankt, blieb geistig und körperlich zurück und verwilderte sittlich, der Völkerbund aber sah untätig zu und kam über eine akademische Erörterung der Hilfeleistung nicht hinaus. In Zeiten der Not blieb das deutsche Kind sast von der ganzen Welt verlassen, und die wirksamste Hilfe kam von dem Lande, das nicht Mitglied des Völkerbundes war, das es vorzog, tatkräftig zu helfen, statt scheinheilig sich mit Phrasen dringlichster Pflicht zu entziehen. Was tut der Völkerbund, daß seine vierte These auch für das deutsche Kind Geltung hat? Hat er dafür Sorge getragen, daß der kommenden Generation die Möglichkeit gewährt werden kann, sich im Leben der Völker selbst zu erhalten; sind die Kolonien, deren unsere Jugend zur Entfaltung ihrer Kräfte bedarf: Wo bleibt der 8 0 S 58— B 6 ** 38 2 930 SEE 85 S. S S E S S 8 85 8 6 S * 8 S 3 5 2 So □ e a □ 0— E * E * S 20 S 3.9 S 9 5 8 82 9 5.58 S 9. 2 8 S 00 Gn E E 9* * 5 S 55•— * 9 1—— —* 1 22 ** DERS E H 9S S#n S58.2 n 2 5 S 5 * 6 5# + 80 19 422 5 * S* 8 SS S.S BSE SSEET SSSEE SS a 40 D* S 2 * S 5 S 8•2 — U•n 9t.*% " 8 eT*• * 8** * 3 2 Bge PES 9 E S o— 26 5 0 * S—.* 8—*" E S FSESECTG„ESR ErgszERegs* * GSTBoP SSUMEHSSPSESUEE, 8P gESSESSSSSGSEPASS **• TöEE"„ P„taugs* 9 OS5S TSU"OE SOSLBESE SS 66 5 S 97.— SoS 2 9255 S O 5 — — — 780— 8.— 2 =* 2.— o 86 Schutz gegen die Audbentung durch die Siegerstaaten, unter der unsere Kinder nach dem Willen unserer Gegner nicht weniger jeiden sollen als die gegenwärtige Veneration? Oferjungfrauen Nein— wie immer, liegt auch in dieser hochiönenden Proklamation internationaler Solidarie##t ein schneidender Widerspruch zur Wirklichheit, wie immer bisher, so soll Deutschland auch hier— das tausendmal enttäuschte und doch immer wieder gläubige Deutschland! Steine statt Brot erhalten. Doch die Zahl derer, bei denen die Phrase nicht mehr verfängt, wächst täglich mehr. Bleibt uns mit Kundgebungen vom Halse— Taten wollen wir sehen, nichts ale Taten! 2— Kleider für den sommerlichen Landaufenthalt Modeplauderei von Else Robatzek=Vorsdorff. „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, sagt ein Sprichwort. Wenn jemand eine Reise tut, so muß er sich für den jeweiligen Aufenthalt aber auch einrichten. Und da wir jetzt in der schönen Reisezeit leben, da Männlein und Weiblein den Staub des Alltags von sich schütteln und hinausfahren aus Städten, Büros, Geschäften, hinaus in die schöne nähere oder weitere Golteswelt, an diesen oder jenen Kurort, ins Gebirge oder an den Strand eines Sees oder des Meeres, hinaus aufs Land, ist für jeden die Zeit der Reisevorbereitungen gekommen. Die Dame, der Herr von Welt, welche die großen internationalen Luxusbäder aufsuchen, werden mit Schrankkoffern, Hutschachteln und anderem eleganten Gepäck natürlich reisen, die anderen Sterblichen, die Mehrzahl. tut's bescheidener. An Reisevorbereitungen aber muß ein jeder gehen. Nur wird die Komplettierung verschieden sein. Und zweckentsprechende Kleidung ist die Hruptsache. Das elegante Spitzenkomplet zum Beispiel wäre für einen Landaufenthalt völlig ungeeignet— nein einfache, wenn auch fesche, moderne Kleidung ist am Platze. Anmut und Schönheit zu berücksichtigen, sollte die Frau nie vergessen, sie kommt damit auch dem Wunsche des Mannes entgegen und gefallen im guten Sinne soll ja ihr Bestreben sein. Es gibt in diesem Jahr wirklich hübsche Dinge, im besonderen für den sommerlichen Landaufenthalt. Wie reizend wirkt das Dirndtkleid in ländlicher Umgebung! Wie wohl kann man sich drin fühlen bei Spaziergängen und Wanderungen durch Feld, Park, Wald! Und es gibt heuer die reizendsten AusfühBangen. Nur ein Beispiel: Lustig karierter Trachtenstoff mit einfarbiger Umrandung, mit und ohne weißes Batistschürzchen zu tragen. Allerliebst wirken die modern=gemusterten Sommerkleider aus Wollmusselin. Dieser Stoff wird niemals knüllig, er ist darum für unsere Zwecke einfach ideal. Eleganter sind Kleider, Kasaks, Komplets aus Roh= und Waschseide. Aber auch sie passen gut in ländlichen Rahmen. Reizend war ein Kleid, besonders geeignet als Ruder= und Segelanzug, aus blauem Leinen mit weißem Kragen und schwarzer Samtschleife. Für einfarbige Sommerkleider ist als Ergänzung ein fescher Mantel aus buntem Strickstoff zu empsehlen, ebenso eines der modernen beliebten Konnptees aus Wollstoff in gedeckter Farbe. Neben den Luxusschühchen den derberen Stiefel nicht vergessen! So ausgerüstet muß der Ferienaufenthalt auf dem Lande einfach herrlich werden! Von A. Halbert=Hamburg. Ich will von einer besonderen Art sprechen, liebe Freundin. Ich will sie nur charakterisieren, kennzeichnen, einschätzen. Sie würden sie einfach berufslose Frauen nennen. Das sind sie aber gar nicht; sind höchstens berufsfremd. Aber im Grunde haben sie einen Beruf, sogar einen sehr schweren und verant wortlichen: zu winken, anzuziehen und, was das schwerste ist: zu halten. Sehen sie, Freundin, ich habe schon gesehen, daß eine Mutter ihrer Tochter Vorwürfe macht, daß sie leichtsinnig sei; habe schon gehört, daß eine Mutter sich um ihre Tochter gar nicht kümmert; habe schon erlebt, daß eine Mutter mit ihrer Tochter Nebenbuhlerin spielt. Aber nichts kam mir trostloser und erschreckender vor als die Szene, die ich Ihnen knapp und kühl wiedergeben will, um das zu beweisen, was ich unter einem schweren Beruf verstehe. Szene: Hotel eines Badeortes. Neben meinem Zimmer rechts ist eine Wasserleitung. Mir gegenüber ein badewütiges, jungverheiratetes Ehepaar. Die plantschen morgens, duschen abends. Kurzum: es ist ein Vergnügen. Links wohnt Frau Sanitätsrat P... mit Tochter. Eigentlich waren da ursprünglich zwei Töchter: aber die jüngere— ein frecher Backfisch mit Ahnung Es geht ein Klang durch die Nacht Von singenden Sternen, Ein Licht ist brausend erwacht In flammenden Fernen. Zwei Träumer haben aufgelauscht Herztief erschrocken, Zwei Herzen haben wild gerauscht Wie Sturm und Glocken. Heinzludwig Raymann. einem Soubrettennäschen— wurde nach Hause geschickt(zur verheirateten Schwester, hieß es). weil sie der älteren den Rang streitig machte. Wie es halt so geht: man machte der Schwester den Hof, bis man sie sah... Die Schwester ist ein sympathischer, nur etwas bläßlicher Mensch. Ueberschlank. Sie hat etwas Kuhles, Damenhaftes, Englisches. Die Handlungsgehiljen nennen das: Tempr amentslosigkeit. Gestern morgen war es. Ich erwachte von der Dusche um fünf Uhr, las die Zeitung und wartete auf den Wecker im Zimmer links. Denn seit acht Tagen war's eine stabile Einrichtung: Der Wecker surrte(mörderisch laut) Mama weckte das Kind:„Lilly, du hast dich doch mit dem Doktor verabredet...“ Lilly reckte sich, brummte, stand aber sofort auf. Denn sie hatte die Aufgabe(Sehen Sie, Freundin: den Beruf!), aufzustehen, recht weiß angezogen und lächelnden Antlitzes hinauszugehen, vom Doktor(der eigentlich erst im nächsten Jahr Doktor wird) zu einem Morgenspaziergang abgeholt zu werden. Ich wußte das genau. Denn die modernen Hotels sind von zynischen Baumeistern errichtet, so daß kein Familiengeheimnis unbelauscht bleibt.. Ich wartete immer schon auf die Weckszene. Denn Ihre lieben, nach einer halben Stunde flatterte das weiße Mädchen hinaus— und ich kannte noch eine halbe Stunde schlafen. Richtig, der Wecker rasselte auch heute, nur etwas heiserer, schien es mir.„Lilly“, sagte die Mama,„du hast dich doch mit dem Doktor verabredet...“ Aber da hörten meine Ohren anstatt desverschlafenen„Ja— richtig":„Mama ... wir haben uns gezankt...“ Eine Weile schien die Mama sprachios. Aber sie gewann die Macht dann um so doppelter: „Schon wieder... ich weiß nicht mehr, was ich von dir denken soll, Lilly.. Du scheinst partout einen grauen Zopf bekommen zu wollen...(Da Lilly etwas einwenden zu wollen schien, nahm die Mama einen Brustton.) Ich möchte nur wissen, was du dir denkst... siebenundzwanzig Jahre bist du... Im September achtundzwanzig... jawohl... Wie lange soll das so weitergehen... Kaum lernst du einen Menschen kennen... ich denke, ihr vertragt euch ganz gut...„Ich mag nimmer“ oder„wir haben uns gezankt...“ Schließlich ist Papa nicht reich, weißt du doch, nicht wahr? Daß wir diese weite Reise machen— Gott, dein bißchen Bleichsucht!— das hat doch einen Zweck.. Draußen, wenn man neue Menschen kennen lernt... wenn man freundlich zu ihnen ist... Herrgott...!“ Die Pause, die bei Mama Atemnot bewirkte. benützte Lilly geschickt, ihre Motivierung anzubringen:„Er war frech zu mir...“ Durch die Wand konnte ich ordentlich Mamas rotes Gesicht leuchten und drohen sehen: Frech ... du bist doch kein Kind mehr..“ Er hat dich küssen wollen... kann ich mir schon denken... schließlich...“ Weinerlich kams zurück:„Wenn ich ihn aber nicht mag...“ „Mag... So ein Unsinn. Du kennst ihn ja noch gar nicht. Aus gutem Hause ist er.. bald fertig... gute Verbindungen. Ich möchte bloß wissen, auf was für Prinzen du wartest, Mädel, überleg' doch.. Eine Weile war's still. Nur ein leises Flüstern hörte ich... ein Zureden. Dann hörte ich ein Aufschluchzen:„Er hat gesagt... wir wären Uferjungfrauen... wir modernen Mädels aus guter Familie... Im Waisse gibt's Nixen, die die Männer locken... am Ufer gibt's Uferjungfrauen, die auch... das ist doch frech.“ „Das ist doch sehr klug gesagt.... deshalb brauchst du ihm doch nicht böse zu sein..“. Ein Scherz... und ein so netter...“ Was dann geschah, kann ich nicht genau schildern. Ich hörte nur nach einer Weile Lilly aufstehen, sich waschen und mit ihrer Mutte über das lila Kleid beratschlagen. Dann sagte die Mutter:„Nimm nur ein Buch mit... setz' dich ruhig hin... wie ich meinen Doktor kenne, geht er auch zufällig vorbei... du schaust gar nicht hin... weißt sehen Sie, Freundin, als ich dann Lilly mit dem jungen Doktor sah, zwei Tage darau glaube ich, Arm in Arm, war ich so fidel. Ich sand, daß Mütter soviel Psychologie haben, wenn's das Wohl ihrer Töchter betrifft. Lilly wird Frau Doktor werden, einen Musiksalon haben, wenn's gut geht, ein Boudoir... wird andere Uferjungfrauen erziehen... die den Beruf haben, den schwierigen, verantwortlichen .. Sie wissen schon. Verzeihen Sie, wenn mein Brief lang wurde. aber es ist eine Erscheinung, die mich lebhaft interessiert und fesselt. Im Badeleben des modernen Europäers ist die Uferjungfrau die bekannteste Persönlichkeit, Mama, Papa. Liebe. Flirt— alles nur Staffage für dieses Pflänz= chen... Leben Sie wohl und denken Sie über blassen Mitschwestern nach. Ihr Alex. Der grüne Schleier Historische Skizze(1525) von A. von Gleichen=Rußwurm. Am User des Mains, wo sich der Fluß den Spessartbergen nähert, ritt auf einer kräftigen, niederdeutschen Stute frohgemut der Junker Heinz von Erlach, ein schöner, schlanker Bursch, so recht gemacht, Herzen zu erobern und zu drechen. Er gehörte im Heer des Kurfürsten von der Pfalz zu dessen näherer Umgebung und war jetzt ausgeschickt, eine Stelle zu finden, die geeignet war, den Fluß möglichst ungesehen zu aberschreiten. Der Bauernkrieg zuckte damals in seinen letzten Flammen auf, und der Kurfürst war auf dem Weg, sein empörtes Land wieder zu unterwerfen. Junker Heinz verfolgte aber außer seinem Auftrag noch ein Liebesabenteuer, das sich im Lager angesponnen hatte, denn dorthin waren verschiedene Ritterfrauen und=fräulein geflüchMänner und Väter notgedrungen mit den Bauernhaufen paktieren mußten. Darunter war auch ein Fräulein Dorothea von Sendlingen gewesen, dessen hellgrüne Schärpe den Aermel des Junkers zierte. An der nächsten Biegung des Flusses mußte das Schlößchen zu sehen sein. Da machte die Stute einen Sprung, sie war leicht bodenscheu, und warf sich mit einer Heftigkeit zur Seite, daß der Junker Mühe hatte, im Sattel zu bleiben.„Nora! Nora!“ beruhigte er das Tier, das jetzt nur noch prustete und die Ohren spitzte. Der Reiter soh nach dem Grund der Aufregung und erblickte zu seinen Füßen— einen hellgrunen Schleier genau von der Farbe, die Dorothea besonders liebte und die er mit dem Stolz des minnefrohen Jünglings am Aermel trug. Er wußte, daß nicht weit vom Städtchen Lohr, dessen Türme und Zinnen er zwischen den Bäumen bereits von weitem sah, Dorotheas Heimat sich befinde, und spähte nun, ob er das Schlößchen, aufragend in den Waldbergen, erblicken könne. Heftig schlug sein Herz, als er vom Pferde sprang, den Fund aufzuheben, und mit Inbruns: drückte er den Schleier an die Lippen. Da glaubte er aus dem Walde ein leises Kichern zu hören. Er sah sich um. Das Lachen war verklungen, weich und warm bewegte nur westliche Juniluft die Blätter. Er führte die Stute ein schmales Pfädchen hinunter zum Fluß. Buschwerk drängte sich heran, vorwitzige Zweige schlugen ihm ins Gesicht. Da war es ihm plötzlich, als leuchte aus dem düsteren Unterholz eine Erscheinung. Wäre er Priester oder Mönch gewesen, er hätte das sonnenumglitzerte Blondhaar für den Heiligenschein einer Muttergottes gehalten und das wunderliebliche Wesen, das inmitten einer kleinen Lichtung saß und ein Kränzchen aus Waldblumen band, für eine der seligen Frauen. Fast hätte er sich bekreuzigt, doch als sie, vom näherkommenden Tritt des Pferdes gelockt, das Köpfchen umdrehte, erkannte er die Herrin des grünen Schleiers, Dorothea, die Dame seines Herzens. Unter dem Pantoffel Man schilt mich hölzern, was weiter nicht zu verwundern ist, denn gar oft habe ich es deutlich genug flüstern horen— ich sei nur ein Fußschemel. Auf einem Fußschemel stützt man seine müden Füße, zuweilen tritt man auch auf ihn— aus Eigensinn. Und so treten und stoßen mich die niedlichsten Füßchen von der Welt, ohne daß ich dabei gerade jene Empfindung hätte, die Goethes„Veilchen“ hat, wenn es getreten wird. „Und sterb' ich denn, so sterb' ich doch durch sie.“ Häufig stößt mich dann Frau Frieda von Friedlieb, so heißt meine schöne Herrin, noch verächtlich bei Seite. Frau Frieda von Friedlieb ist eine zarte Blondine von lauterem Charakter und entschiedenen Bewegungen. Sie hat die Rhetorenschule von Rhodos besucht und deshalb tut mir ihr Gatte leid, sehr leid. Mit diesem Gatten könnte ich Sympathie haben, wir haben viel Gemeinsames, kennen uns sehr Lage des Dienstboten ist eine völlig andere geworden. Schon der Name„Dienstbote“ ist dem viel feiner klingenden Worte„Hausangestellte“ gewichen. Aufgeputzt, oft mehr als die„gnädige Frau", erscheint die neue Hausgenossin und geruht, graziös auf einem Stuhl plaziert, ihrer Arbeitgeberin die Bedingungen zu unterbreiten, unter denen sie gewillt ist, ihre unschätzbare Kraft dem Hausstande zu widmen. Dreimal wöchentlichen Ausgang, jeden zweiten Sonntag völlig frei, Empfang von Besuchen zu jeder Tages= und Nachtzeit, Benutzung der Vordertreppe, eigenes Zimmer, eigene Radiohörer, Mitbenutzung des Telephons und was noch alles vorgehracht wird. Eine Hausordnung aus dem Jahre 1665 zeigt uns, wie wenig menschlich die Dienstboten damals behandelt wurden. Es finden sich unter anderem folgende interessante Paragraphen: „Wer nichts aus der Predigt behält, der soll wie ein Hund liegend auf der Erde sein Mittagbrot fressen. Wer flucht, soll eine Stunde lang mit bloßen Knien auf einem scharfgehobelten Märchen genau und fühlen für einander. So zum Bei= Brette knien. Wer das Abendmahl, wenn es spiel gestern nachmittag, als ein fader, alberner Geck Frau Frieda so entzückte, daß sie für die übrigen Gegenstände ihres Boudoirs, ihren Gemahl und ihren Fußschemel, nur eine bedrohliche Gebärde hatte. In Konzerte und Trauerspiele werde ich mitgenommen, Frau Frieda hat mich nötig. Niemals aber hatte ich bei derartigen Vorstellungen eine andere Freude. als die des Dienens und Getretenwerdens. Sie durfte selbst Tränen, vergießen, so ergreifend konnte gespielt werden, ich wurde nur noch„krampfhafter" behandelt. Weibliche Rührung hebt weibliche Tränen nie auf. und da die Männer sich nur noch tiefer beugen, wenn ein mildes Naß den Augen ihres schönen Gegenübers entfällt, so fühle ich mich so regelmäßig wie meine Herrin sich erhoben fühlt,— zermalmt. Ab und zu gibt meine Herrin„five o'clock teas“. Es erscheinen zu denselben Musikantinnen und sonstige höhere Naturen. Ihnen wird das Dasein sehr leicht, denn sie haben nur zuzuhören und da ihre edle Kuchensvenderin vor einer Viertelstunde niemals eine Idee oder einen Satz endigt, so ist die Verwüstung im Gebäck wahrhaft unermeßlich. Meine Wenigkeit wird dabei nicht viel beachtet, sie wird kaum gesehen— zur Seite geschoben— je nachdem sich die Erregung steigert— immer. So befinde ich mich in dem entzückendsten Raum, ohne selbst entzückt zu sein, inmitten eines Ozeans von Geist. Punschtorten und nicht mehr ganz neuen Witzen, ohne daß ich eben etwas Anderes empfinde— als daß ich eben getreten werde.— Wie man sieht, kann es Tag oder Nacht, mittags oder Kaffeeklatsch sein, die Götterlaune meiner Herrin mag donnern oder lächeln, sie mag in Tränen schwimmen oder in Aesthetik ertrinken— mir wird immer dieselbe Behandsung zuteil. ich werde eben getreten. Ich. der Fußschemel der Frau Frieda von Friedlieb der Leidensgenosse hock deren Gemahl. Anton Tugendreich. ihm angesagt, versäumt, soll mit schwerem GeMahnung Herz, was zagst du— warum weinst du? Deine Nacht wird einmal enden—— Lächelnd, Rosen in den Händen Wird der neue Morgen tagen;— Lh, empfang' ihn nicht mit Klagen! Sage nicht: So spät erscheinst du—!—— Dankbar nimm, was er dir spendet, Seine Rosen— ohne Fragen, Seibst auch, wenn sie Dornen tragen;— Denn des Glückes karge Stunden Lahlt der Mensch mit tausend Wunden—— Lebe— eh' dein Tag noch endet!—— Charlotte Malt Von Senta Schettler. Meine Tage und Nächte waren ein Warten auf dich, aber du kamst nicht. Da ging meine Seele die deine suchen in allen Nähen und in allen Fernen. Und sie fand im Lande der Sehnsucht einen Garten, von hohen Mauern umschlossen. Die Leute aber sahen nur die Mauer und lachten über meine Seele, die von Wundern träumte, die dahinter schliefen. Doch sie achtete nicht des Spottens, sondern wartete, daß sich das Wunder ihr erschließen möchte—— wartete Jahr um Jahr. Und als zum siebenten Male der Lenz ins Land zog, da hielt sie eines Morgens einen kleinen, seltsam geformten, goldenen Schlüssel in den blassen Händen; und eine Pforte war in der Mauer vor ihr, zu der der Schlüssel paßte. Wie im Traume ging sie durch den Tag voll seligen Erwartens. Doch als der Abend kam, da schritt sie durch das Tor, und vor ihr lag— in nie geahnter Schönheit— der Garten deiner Liebe. Da erschauerte meine Seele ob der Größe dieses Wunders, und sie weinte. Dann ging sie still zurück, und die Pforte schloß sich hinter ihr für immer. Nun ist meine Seele heimgekehrt. Sie sucht nie mehr die deine in allen Nähen und in allen Fernen. Nur manchmal, wenn ihr Blich auf einen kleinen, seltsam geformten, goldenen Schlüssel fällt, träumt sie von Wundern eines fernen Gartens. Meine Tage und Nächte sind ein Warten auf dich... I n. „Hausangestellte“ vor 200 Jahren Der Lauf der Jahrhunderte hat uns auf den meisten Gebieten eine völlige Umwälzung zum Besseren oder Schlechteren gebracht. Auch die wicht belastet auf dem Esel reiten oder auch die Peitsche erhalten. Wer in Briefe guckt, wenn sie auch offen daliegen, soll drei Tage nacheinander die Bastonade erhalten und fortgejagt werden. Wer die Zeit verschläft, der soll sechs Hiebe bekommen. Die Speisen sind in guter Ordnung, ohne etwas zu verschütten, aufzutragen, die Schüsseln mit Reverenz wieder abzunehmen. Wer aber nascht und Nase, Maul und Finger in allen Schüsseln hat, soll gezwungen werden, zur Vertreibung seines Appetits heiße und brennende Speisen zu fressen. Jeder ist schuldig, auf erhaltenen Befehl hervorzutreten und deutlich und laut das Tischgebet zu sprechen. Wer stockt, empfängt sechs spanische Nasenstüber. So einer mit ungewaschenen Händen aufwartet, soll sich gebarden, als wenn er sich wasche, während einer ihm Wasser auf die Hände gießt, ein anderer aber sie ihm mit zwei scharfen Ruten so lange abtrocknet, bis sie bluten. Wer ungekämmt aufwartet, soll im Stall mit dem Pferdestriegel gestriegelt werden. Wer ein Glas übervoll einschenkt und es dann mit dem eigenen Maul abtrinkt, erhält zwanzig Hiebe nach der Peitschenordnung. Wer unreine Gläser präsentiert, kann wählen zwischen vier Ohrfeigen und sechs italienischen Nasenstübern. Dieweil es ein unleidentliches Werk ist, wo die Bedienten langsam essen, soll denen, die länger als eine Viertelstunde damit zubringen, das Essen vor dem Maul weggenommen werden. Wer die vorgesetzte Speise nicht essen will, fastet die folgenden vierundzwanzig Stunden ganz und gar. Wer mit schmierigen, zerrissenen Kleidern auswartet, wird Spießruten gejagt. Haben sich zwei geprügelt, so sollen sie ihre Sache noch einmal mit dem Stecken ausmachen in Gegenwart des Hofmeisters, und wer den anderen schont, Prügel erhalten.“ Tempora mutantur— die Zeiten ändern sich! Heute legen die Hausangestellten der Herrschaft die Hausordnung vor, nach welcher sie sich zu richten hat und auf deren Befolgung sie ebenso genau achten, wie früher die Herrschaft Hardenberg, aus deren Hausordnung die vorstehende kleine Probe stammt. Die anstößigen Strümpfe Ein großes engkisches Geschäftehaus hat seinen angestellten Damen verboten, andere als schwarze Strümpfe während der Dienstzeit zu tragen. Begreiflicherweise hat sich an diese Verordnung eine höchst erregte Debatte geknüpft, die das Verhältnis zwischen Damenstrümpfen und Geschäftseignung festzustellen suchte. Der gestrenge, farbenfeindliche Herr Geschäftsführer begrundete seinen Standpunkt dumit, daß die jungen Damen immer an die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit erinnert werden müßten und andererseits auch das Verhältnis zwischen ihnen und der Geschäftskundschaft auf ein anderes Niveau zu stellen wäre. Eine elegante und modern gekleidete Bürodame übe freilich auf die Besucher einen großen Reiz aus, sicherlich eine Feststellung auf Grund allerhöchst Er verneigte sich tief nach Ritterart und ließ dann triumphierend das grüne Gewebe in grungedämpften Waldsonnenschein wehen. „Euch suchte ich, Fräulein.“ Sie lachte.„Am falschen Ufer, Junker.“ Durch die Lichtung schimmerte der Mond herauf, und er sah einen Kahn am Weidengestrüpp festgebunden.“ „Bei meiner Seele, Euch suchte ich, seit Ihr das Lager verlassen habt.“ Da neigte sie das Köpfchen und lehnte sich an die Schulter Noras, die friedlich graste: „Und ich erwartete Euch, seit wir uns trennten.“ „So hat uns der Himmel vereint, und Euer Schleier wies mir den Weg.“ „Gebt mir den Schleier, Ihr müßt ihn Euch drüben holen im Schloß.“ Und sie lachte, hell wie der Frühling lacht, und lief zum Kahn. „Dazu brauche ich eine Furt. Mit der Rüstung können wir nicht schwimmen, und Nora geht nicht in den Nachen.“ „Die zeig' ich Euch, Junker. Nicht viel über die Bügel geht Euch der Fluß.“ Sie mnderten ein wenig stromaufwärts, und wo ein wilder Birnbaum hoch aufragte, zeigte sie ihm die seichte Stelle im Main. Dann ging sie zu ihrem Kahn, und leise begleiteten ihre Ruderschläge den Weg, den Junker Heinz durchs Wasser nahm. Bald standen beide am anderen Ufer, wo der Ritter von Sendlingen den Gast mit Freuden empfing. Wenn er auch eine Zeitlang der Gegenpartei hatte angehören müssen, er fühlte sich froh und endgültig befreit durch den Anmarsch des Pfälzer Heeres, das sich nun— wie er gehört hatte— mit dem Truchseß von Waldburg vereinen wollte. Junker Heinz fand Gnade mit seiner Jünglingsminne im Hause der Braut. Als er am nachsten Tage zurück ins Lager ritt, fand er zwischen den Zelten bei heiterem Mahl den Kurfürsten, von seinen Rittern umgeben, in Gesellschaft des alten Haudegens, des Truchseß von Waldburg. Dieser sah um den Hals des Jünglings den grünen Schleier. „Jugend, Jugend! Unverbesserliche Jugend!“ rief er mit seinem dröhnenden Baß.„Immer noch vergißt sie, daß wir in ernstem Kriege sind und läuft den Schürzen der Weiber nach.“ Junker Heinz schoß zwar das Blut in den Kopf, doch er tat, als höre er den Alten nicht und fragte unvermittelt den Kurfürsten:„Herr, wann gehen wir über den Main?“ „Sobald wir können, Junker. Ihr werdet gesehen haben, daß eine Brücke geschlagen werden muß.“ „Brücke? Das hält auf. Wir nehmen doch die Furt.“ „Der Truchseß hat uns schon gesagt, es gäbe keine.“ „Wißt Ihr vielleicht eine, Junker Naseweis?“ rief ihm der Alte über den Tisch zu. „In den Falten meines Schleiers, Feldoberst,“ antwortete der Jüngling rasch. Erstaunt sahen ihn die Herren der Tafelrunde an, dann erklärte er, wie er seinen Auftrag erfüllt hatte, und der Kurfürst trank ihm den mächtigen Silberhumpen zu. Zwei Tage später ging das Heer am Birnbaum über den Fluß, und kurz darauf schlug der Kurfürst die letzten Reste der Aufständigen bei Pfeddersheim, womit der Bauernkrieg sein Ende fand.