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Ich wendete mich an den Verleiher und forderte das Beste, was er habe. Er empfahl mir die Werke von Goeihe, Lessing und Schiller. Von erste'rem habe ich nicht gar zu viel gelesen; er spricht von allem, er kennt alles, er weiß alles; aber er spricht so vornehm, so dreist und so geschminkt über alles, daß ich ihn nicht lieben kann, Lessings Werke sind mir zu sein, glaube ich; aber ich denke, wer ihn ganz begreift, muß ihn schön finden. Nur Schillers Schauspiele und Gedichte— denn seine gelehrten Arbeiten verstehe ich nicht, wenn ich sie auch zehnmal lese— haben mich angesprochen, und das nicht allein sie haben mich entzückt und begeistert. Die Verschwörung von Fiesko, Wilhelm Tell, zwei Schauspiele rissen mich hin. Die darin entwickelten Grundsätze von den Rechten des Volkes und den beschränkenden Befugnissen der Fürsten machten einen so wirksamen Eindruck auf mich, als mein Hauptmann mich oft ermunterte, des Herrn von Schillers Werke aufmerksam zu lesen und zu beherzigen. Das habe ich getan, ich habe dadurch gehandelt Ich habe so gehandelt, wie ich dadurch glaubte zu müssen; und deswegen bin ich hier — fahnenflüchtig und eidbrüchig durch mißverstandene Lektüre... Vor einigen Wochen zeigte sich eine große Aufregung in Berlin. Wo sich Soldaten in Wirtshäusern sehen ließen, wurden sie von den Bürgern freundlich angesprochen, auch wohl traktiert. Man konnte wohl wahrnehmen, daß etwas im Werke sei; aber für mich und meines Bleichen lag das Verständnis zu fern. Am 17. März erfuhr ich, daß der König gedrängt werde, seine alten Räte zu entlassen und neue Minister zu wählen. Der evangelische Bischof Eylert war im Schlosse, ich war dort auf Wache. Es wurde erzählt, daß der König in großer Verlegenheit sei. Am 18. mußten wir mit Sack und Pack ausrücken. Die Offiziere hielten heftige Anreden; wir wurden ermuntert, drauf loszugehen auf alles, was uns in den Bog bime. (Schluß folgt.) Dut de Kummande Die Thronrede des Königs Lenz gur Eröffnung des Pfingstlandtages, des Festes er Freude, sie lautet wie folgt: Der letzte Putsch meines Erbseindes, des alten beaktionären Eisbären, von den Menschen „Winter“ genannt, der sich in die neue Zeit und die neue Ordnung der Dinge niemals gutSillig finden mag, ist, wenn auch mit schweren Berlmten, von meinen getreuen Truppen giedergeschlagen worden. Versprengte und Marodeurs, trübe Wolken, Regen und rauher Wind phanzten wohl noch hin und wieder die Fahne des Aufruhrs auf und störten den Frieden des Landes, aber sie hielten nicht Stand, wo die Sonne das Kanonenfeuer ihrer Strahben spielen ließ, wo die Auen das erste Aufgebot lieblicher Düfte und wo die Wälder ihre Freiwilligen— ihre Klänge und Lieder— ins Feld schickten. Hinaus aus den grauen Mauern der Städte drängt sich verjüngten Mutes der Mensch, um in Wald und Flur sich gesund zu baden, Auge und Herz zu erfrischen in sinniger Betrachtung Meines Reichs. Nicht mehr wandelt die Täuschung auf den Brettern, welche die Welt bedeuten; wahre Empfindung, Jugend und Naivität lustwandelt auf den Matten, welche die Welt sind. Möchte den Menschen doch in allen Verhältnissen diese gleiche unerschöpfliche Jugend und Naivität gewährt sein, die sich alljährlich an ihnen erprobe. Dieselben lauen Düfte waren meine Boten, dasselbe Grün, dieselben Blätter sind Mein Königsschmuck; meine Regimentsmusik in Wald und Flur spielt dieselben alten Weisen. Der Kapellmeister Rabe führt mit Kukuk. Elster und Nachtigall dieselbe — von den Menschen nachkomponierte„Vogelkantate“ auf— und doch dünkt allen empfänglichen Menschenseelen, daß nie ein Frühling von so wunderbarer, herzerquickender Schönheit gewesen sei. Als söhen sie sie zum erstenmale, betrachten sie jede Blätterknospe am schwellenden Busen der jungen Muitter Erde und möchten ihre Entwicklung belauschen. Die Aussichten sind überall befried'gend: In den Alleen und auf den Rasenplätzen blühen lichte Farben und luftige Stoffe, es wimmelt von Equipagen und Lustwandelnden und nach Vergißmeinnicht, Lilien und Maikräutern ist die Nachfrage bedeutend lebhafter als nach Credit= und jungen Bahnaktien, denn in Jedem tönt der ewige Refrain der Lenzmarseillaise wieder: „Frühling, Frühling, die Feder wird zur Schminge. und jedes Elend eine Seligkeit!“ Die Pfade des Daseins sind bedeckt vom Schnee der Kirsch= und Apselblüte, die Maikäser summen und der Maiwein werlt— unter den günstigsten Auspicien erkläre ich den diesjährigen Pfingstlandtag, erkläre ich das Fest der Freude für eröffnet. Iserlohner Kreisblatt 1860. Unglaublich, aber wahr! Kohlenfuhrmann von Haßlinghausen in Elberfeld:„Ich fluche nicht, ich schwöre nicht, aber hol mich der..... die Kohlen sind gut, sie flackern die Pfeise herauf wie ein Gewitter.“ Afblitzet. Afblitzet— awer gründlich— seyd en paar ingebildete, naseweyse Refrendärkes in Arnsperg, wo se einnen Kanzleirot, sau ne rechten plattduitsken Surländer späih frogeren, brümme wile ummer met d’r Eysenbahn in d'r väirden Klasse föhrte.„Brümme?“ saggte de Root„weil: keine feyfte giet. Diärümme!“ GUrUrOTFGRZFOR Heimatblatt für den südlichen Tell der Grafschaft Mark Schriftleitung: Ferdinand Schmidt, Burg Altena i. Westf." Erscheinungsweise: Halbmonatl. als Beilage zum Altenaer Fernsprecher Nr. 476.— Druck und Verlag: P. A. Santz, Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung. Sonderbezug kann Altena i. Wests., Kirchstraße 26, Fernsprecher Nr. 68 und 96. durch die Post erfolgen.(Preis für! Jahrg. geh. 3 Goldmark) Nummer 7 Altena, Anfang April 1927 5. Jahrgang Frühlingslied Jauchzet, o jauchzet!— Auf grünenden Fluren Zeigen uns tausend entzückende Spuren, Daß sich von neuem die Erde verjüngt. Hört ihr im Walde begeistertes Singen? Hört ihr die Töne der Lerche erklingen, Die sich zum Dome des Ewigen schwingt? Eilet ins Freie mit fröhlichem Herzen! Fort mit den quälenden Sorgen und Schmerzen! Jetzt sind die Pfade mit Blumen bekränzt. Leeret im Glanze der strahlenden Sonne Jubelnd den schäumenden Becher der Wonne, Den euch die göttliche Mutter kredenzt! Das„Sonnenvogeljagen“, eine alte sauerländische Frühlingssitte Das Fest der Heiligen Fabian und Sebastian (20. Januar) galt früher als derjenige Tag, „der die erste Aussicht in den neuen Frühling eröffnet"(1). Daher sagt ein altes sauerländisches Sprichwort— in der Annahme, daß an diesem Tage auch schon der Saft in den Bäumen zu steigen anfange—: „Fabion und Sebastion, lot't den Saph int Holt gohn.“(2). Den eigentlichen Frühling aber eröffnete nach altem Volksglauben erst der 22. Februar, das Fest Petri Stuhlfeier, auch kurz„Peterstag“ oder„Sankt Peter“ genannt.„Sünte Peter fällt de Sne oppen heten Sten,“ behauptel der viksmund, und„Winter, leck mi im Aese!“ sagt etwas derb der Altenaer auf Sankt Peter (1). Siehe Dr. F. W. Grimme, Das SauerLand und feine Bewohner, 2. Auflage S. 158; rnster und Paderborn, 1886. [2). Siehe J. S. Seibertz,„Alte Gewohnund Gebräuche“ in der Zeitschrift für oaterländische Geschichte und Altertumskunde, ## Band, S. 205 fl.; Mänster 1854. und wirft die Handschuhe weg.(3). In der von den Städten und der Ritterschaft des Herzogtums Westfalen festgesetzten Gesindeordnung vom Jahre 1423 heißt es ausdrücklich:„De Sommer sall angahn an sunte Petersdage un sall utgahn an sunte Michaelsdage.“(4). Auch war das Fest Petri Stuhlfeier früher der gewöhnliche Zahl= oder Kündigungstermin des Frühjahres Pachtverhältnisse.(5). Hieran erinnert noch die Drohung der Bauernknechte: „Lammerste mi, denn petre ik di,“ d. h. behandelst du mich schlecht vom Lambertstage an, dann verlasse ich auf Sankt Peter deinen Dienst.(6). An diesem Tage gab auch der Knecht seinem Herrn die Laterne zurück, die er auf Michael oder Lamberti von ihm erhalten hatte; dies bedeutete, daß von nun an die Arbeit bei Licht aufhören würde.(7). Zwei Tage nach Petri Stuhlfeier ist„Sinte Tigges“. das Fest des heiligen Matthias. Dieser ist nach dem Volksglauben ein starker Wundermann, der die Erde zu neuer Herrlichkeit erweckt, der einen heißen Stein in alle Gewässer wirft, um ihre Fluten zu erwärmen. An seinem Tage beginnt das Federvieh, nach der Ansicht der Bauersfrau, Eier zu legen.(8). Im Sauerland und auch anderwärts war es früher an manchen Orten mutwilliger Brauch, in der dem Matthiastag vorangehenden Nacht alle Ackerwagen und Karren auseinanderzunehmen und auf den Kopf zu stellen oder seitwärts auf die Räder umzukippen, so daß die Besitzer am nächsten Morgen Mühe hatten, dieselben wieder aufzurichten und zusammenzufügen. In Brilon ist es— wie mir erzählt wurde— vor längeren Jahren sogar einmal vorgekommen, (3). Siehe J. F. L. Woeste, Volkoüberlieferungn in der Grafschaft Mark, S. 24; Iserlohn 1884. (4). Siehe Peter Sömer, Hageröschen aus dem Herzogtum Westfalen, 2. Auflage, S. 112; Paderborn, 1909. (5). Siehe Seibertz a. a. O. (6). Siehe Woeste a. a. O. (7). Siehe Sömer a. a. O. (8). Siehe Sonntagsblumen, 30. Jahrg., 84. Arnsberg=Werl, 1914. 811# 0 p e „Snvg in. un 18 u nt iic hocel uvm i n uquem W Wn Wne Pintoch Wt uon ssg Buning Wn ii cc W M p a 1 50 u U Mu un e„u se Mu 1 Wn u u M (56)„nuic M Mit i Munuhc usbuni M n u e un on e ie W uhut Sig W uhn bi Wuiczson Au u i W„Miucie S M in W u Mpincpiln uh uug uui M u M Wu u ubia u# u Wisic un uh lc Wue n tolpl hn ic us 110 W Mt M ne hihee S Nun u ue u W Wune uh zzm 13 su ununf Wit i us uzzuunn i u## W e u Aun Me ncuung zn ui i utng m Lru tr ct (Untuhlue oco vg) c iai un S nig un Wu Mun cu un n wale 1c ccmt u W he Buntic u unchguc un scpzu M u d uct u igm u fan quaß Mc c N ung un cl Wnng 100 u S n ahln u u ii W W u M ud Junitun cio ud ur— dund 130— Muunn n u M W uch Sue uue buc un Wdn unc Wmc u e 188) u c sog ud sig Gu Mn Wa din sppnane 1 K Jumsvunuhg ebunet enc#uc c n( m om(05 uuge u Wn aiis in Wiueing(67) it i a fahun an ing og udg— n gun alchen Ml guc Bo Mun aun g u ub Muee uune S Me doa gun 1g, fug sub zon soo mg noa gbs jisdan gun zn dai M bun ehnlug Mhu u M bor un c ucg hu ut mus ind dnii hnch u i ie in i Wu Sct— Muning dalpi Wln u— M# Su W M t sin va) une u u e u Me u n ueg Bienll h aun uebunt uoa 12 M ie ui cin Mt e Mtun ue (Mu (03)„ug u ssc gnn un (6 W u t dc i oe W l ase u e teee M ic uioc P un uun 109 un 1 uuc un o u dun u long um n 110 ui ic u utun W Mu un n n 1 (iik (8 t uunc nn Wee Wcheen i An Wen W Win u W i M M e gun dce im Wrsn un Si ni u u uafune M u u n 30 #as jan:: nolpi dick euho#i w Nncc Mu“ Juc h it„c u i uo hun Him in Hiar m 1/10 nax tungun n ahamt icpju gun 0, W ui M ue un 1 W lt— W M ind u Ml We M h Hi“. t ganat gun 13„i uu ucu o— Wh ig wbock ui An t M Hc nd uie teclunc Wuen##oh#### tuig uub ps hog sHomab env e, uue Svat Wne ick i p##gl g“ 1110 ug 120 ahn„hlt s pL“. uc h Mpzu uh S ich Mpnit cc „ ic i gin# g* u u d Mutue fi n hn U e tel Du uc #10 gun 1101 19 ahn!„jsval nC 191393— Sat u nc sg gun mick gun shzagun(im(p; uudal W u utuund iunc Wc W. i W n ung Mn u W tu uue uhntaghs ne „ Mcck e uhl lll A Wi zimt s###pjelt gun uu sat snd inn„nc“ S ric uula u—„andi i M„u W. u. 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Dieser eigenartige Brauch soll den Landmann daran erinnern, daß es Zeit ist, sein Wirtschaftsgerät instand zu setzen und die Feldarbeiten zu beginnen. Man kann es verstehen, daß der Peters= und Matthiastag, die nach trüber unwirtlicher Winterzeit den Anfang des Frühlings bezeichneten, im Herzen des sauerländischen Volkes neuen Lebensmut und Frohsinn weckten. Wie andere bedeutungsvolle Tage und Zeitabschnitte durch symbolische Handlungen und Bräuche gefeiert wurden, so hat auch den beiden genannten Tagen die ganz eigenartige Sitte des„Sonnenvogeljagens“ eine besondere Weihe verliehen. Wenn St. Peterstag herannaht, verfertigten sich die Knaben aus einem großen Stück dikken Papiers den sogenannten„Sonnenvogel"; sie bemalten ihn mit bunten Farben und befestigten ihn auf einer Bohnenstange oder einem Besenstiel. Der Sonnenvogel hatte einen krausen Kamm und einen langen gekräuselten Schwanz. Seine Form„wurde durch eine eigene Zusammenfaltung des Papiers hervorgebracht, die ebenso typisch war, als heutzutage die Prosile von Eisele und Beisele, und die allerdings einem Vogel ähnlicher sahen als einem Heuschober, aber doch eigentlich der Anerkennung durch ten###berjährte Gewohnheit bedurfte, um sich als Vogel geltendmachen zu dürfen.“— Ferner mußte sich jeder Knabe einen kleinen, zierlichen Holzhammer verschaffen. Am Vorabende oder am Morgen des Peterslages zog dann die ganze Kinderschar durch den Ort, um den Sonnenvogel zu„jagen“. Sie gingen von von Haus zu Haus, klopften mit dem hölzernen Hammer im Takte an Haustüren und Wände und sagen dabei ohne Aufhören das „Sonnenvogellied". Das Abklopfen der Hauswände mußte in ununterbrochener Reihenfolge geschehen so daß alle am Hause stehenden Holzvorräte und ähnliche Hindernisse überklettert werden mußten. Auch wirkte der vermeintliche Zauber dieses Brauches nur dann, wenn er durch Kinderhand ausgeübt wurde; deshalb sicherten sich kinderlose Haushaltungen schon geraume Zeit vor dem Peterstage die Ausübung dieses Brauches für ihr Haus durch Nachbarkinder.(10). Als Zweck des Brauches gab man an,„de Hucken un Slangen un Feh=Mollen(d. i. bunte Molche)" oder das Ungezieser, Ratten und Mäuse vertreiben zu wollen. Man glaubt, demjenigen, der es unterlasse, würde (101. Siehe Sonntagsblumen. 1914. S. 84. * 50— das Vieh erkranken.(11). Als Lohn für ihre Dienste erhielten die Kinder von den Hausbesitzern Aepsel, Nüsse, Eier, Geldmünzen und sonstige Gaben. Ein hierauf bezüglicher alter Bittreim lautet: „Heer Sünte Peiter, blos in din Hörentken: Alle gurren Luie giät us en Körentken!“(12). Der Wortlaut des Sonnenvogelliedes wich — namentlich in den letzten Versen— in einzelnen Gegenden des Sauerlandes etwes voneinander ab: „Riut, riut, Sunnenvugel! Sünte Päiter is niu kummen, Sente Tigges folget noh, Is för allen Düähren do.“(13). (Assinghausen.) ober: „Riut, riut, Sunnenvuge!! Sünte Peiter is'e kumen, Sünte Tigges will auk kumen. Klaine Mius, graute Mius, All te Haupe dem Hiuse riut!(14 (Brilon.) oder: „Riut, riut, Sunnenviuel! Senten Peiter is do, Senten Tigges kümmet derno. Klaine Mius, graute Mius, All et Unglück tem Hiuse riut! Glücke drin, Glücke drin!“(15). ober:. Wak, wak Sunnenviuel! Sinte Päiter is hey, Sinte Tigges kümet dernoh. Gräote Mius, kleine Mius, All Unglück riut iut düesem Hius: In der Stäinkiulen, Do saste inne verfiulen, In der Stäinklinken, Do saste inne versinken!“(16). oder: „Riut, riut, Sunnenvuge!! Sünte Peiter is all kumen, Sünte Tigges will auk kumen. Kleine Mius, gräute Mius, All Unglück lut tem Hius. In der stäinernen Krippen Sast diu inne sitten; In der stäinernen Kiulen Ec.st diu inne versiulen, tint Johr ümme düse Teit, Dar die de lange Hals afgeit.“ (Tundern, Stempel, Hachen). (17). (11). (12). (13). (14). (15). (16). (17). Siehe Woeste a. a. O. Siehe Sömer a. a. O., S. 113. Siehe Grimme a. a. O., S. 159. Siehe Seibertz a. a. O. Siehe Sömer a. a. O., S. 112. Siehe Sonntagoblumen, 1914, S. 84. Siehe Sauerländischer Gebirgsbote, 22. Jahrg, S. 18. Essen 1914 schmettert, tot und begraben wäre? Es ist ganz abscheulich von Dir, ganz nichtsnutzig, hörst Du! so zu reden!" Der junge Mann war plötzlich aufgestanden und zog das sträubende Mädchen an seine breite Brust:„O, wenn Du mich liebst, süßer Engel! dann kann noch alles gut gehen. Siehl ich habe zwar kein Geld, wie Du— und der Himmel ist mein Zeuge, daß Dein Wohlstand mich nicht reizt— aber ich kann arbeiten, trotz Zweien und wenn Du auch keinen Psennig hättest, Du solltest es doch besser haben als erste Bäuerin in der Hoppecke. Liebst Du mich also, Lucie! Liebst Du mich?“ Das Mädchen antwortete nicht. Sie schlang ihre kleinen runden Arme um seinen kräftigen sehnigen Nacken, und sah ihn, sanft weinend, durch Tränen lächelnd an. Da beugte er sich herab und küßte ihren rosigen Mund... Der Vater trat stille herein und soh einen Augenouck auf die in sich verlorene Gruppe. Dann sagte er freundlich:„Jetzt wollen wir essen, Kinder!" Als er am zweiten Tage Bernhard bis an die Stelle begleitet, wo dieser seine Tochter mit Gefahr seines Lebens gerettet, blickte er erst nach der Grube, dann in des jungen Mannes feuchte Augen und drückte seine Hand. „Bleib brav, Bernhard!“ sagte er,„komm so brav zurück, wie Du gehst, dann sollst Du mein Sohn werden! Dies Tuch nimm mit zum Andenken, Lucie hat es diese Nacht gesäumt... und das dumme Mädchen hat dabei geweint!“ Dann ging er. Bernhard blieb stehen und schaute ihm nach, und ein paar feuchte Tränen rieselten auf das feuchte Tuch in seiner Hand. 7. Eulenspiegel lachte, wenn es bergauf ging.— Wie mancher hält ihn deswegen für einen Narren, ohne zu wissen, daß er selbst häufig viel närrischer handelt. Denn trösten wir uns nicht im Unglück mit der oft so zweifelhaften Hoffnung, daß es besser werde in der Zukunft?— Wer verbürgt denn diese Hoffnungen?— Der Narr Eulenspiegel nützte seine Fröhlichkeit aus der aus der Erfahrung gewonnenen Gewißheit, daß das Steigen nicht ewig währe und daß es jenseits des Hügels bergab gehe. Auch Vernhard war törichter noch als Eulenspiegel. Er sah nicht auf die drei Jahre des Militärdienstes, auf diese rege Tätigkeit ohne Arbeit, dieses frohe, lustige Soldatenleben; er sah darüber hinaus und immer malte er sich die Stunde aus, wo er nach treuer dreijähriger Dienstzeit für seinen Beruf wieder heimkehren werde! Aber in Berlin änderte sich das gewaltig. Mit der bildenden Disziplin, die im preußischen Friedensheere so unerbittlich gehandhabt wird, wurde ihm der Gedanke klar gemacht, daß seine Zeit durchaus nicht mehr ihm, sondern seinen Dienstpflichten gehöre. Die Tage schwanden ihm langsam dahin, und die Jahre, in denen 55 er zweierlei Tuch tragen sollte kamen ihm jetzt ebenso endlos vor, wie er sie sich auf dem Wege kurz gedacht hatte.„. Er schrieb fleißig nach dem Hoppechetule, das er seine Heimat nannte;— hatte denn der arme Junge eine andere?— Lucie nahm stets diese Briefe, die an den Vater adressiert und geschrieben waren, in Empfang und brach sie ohne Gewissensbisse auf, denn sie kannte gar zu gus die wirkliche Adresse. Sie antwortete ihm immer unverzüglich und. liebevoll; die Korrespondenz war naiv und einfach, und keiner von Beiden brauchte Campe'o gemeinnützigen Bviefsteller, oder ein anderes derartiges Produkt eines Bücherfabrikanten. Immer waren die Tage, an denen sie einen Brief mit dem Poststempel„Berlin" empfing, Tage des Glücks und der Seligkeit für die kleine Lucie gewesen. Da, im Frühling 1848, — sie hatte schon durch das Gerücht von schweren Ereignissen in Berlin Kunde— brachte der Bote mit dem orangefarbenen Band an der Mütze einen schlecht gesiegelten Brief mit dem Postzeichen„Potsdam". Sie war erschrocken und verwirrt, wurde ängstlich und wußte nicht warum. Sie faltete fromm die Hände, betete, daß der Brief nichts Böses enthalten möge. Aber er mochte doch Böses enthalten, denn sie. wurde leichenblaß, als sie die flüchtig geschriebenen Zeilen las. Dann ließ sie ihn fallen, und unaufhaltsam liesen die Tränen über die plötzlich erblaßten Wangen.3 Der Leser möge selbst urteilen. Wir geben den Brief mit wenigen schlichten Abänderungen: Bernhard schrieb, indem er sich zum erstenmale direkt an seine Braut wandte: 8. „Als Dein Vater vor drittehalb Jahren an der Stelle von mir schied, wo ich das Glück hatte, Dein junges Leben zu retten, meine süße Lucie, da sagte er zu mir, freundlich wie ein Vater: „Bleib brav und komm bald zurück, dann solist Du mein Sohn werden.“ Ich bin brav geblieben, meine Lucie, aber ich kann nicht zurückkommen und ich sehe mit Schrecken, daß die von Deinem lieben Vater crregte Hoffnung sich vielleicht niemals erfüllen wird.„ G—4 Erschrick nicht und lies meinen Brief zu Ende. Ich wurde schon vor einem halben Jahre Unteroffizier und bin seit zwei Monaten ViceFeldwebel. Du weißt, daß ich sparsam bin und daß ich mein Traktement als Gemeiner nicht mit Trinken durchbrachte, sondern es gebrauchte, um mir etwas Nützliches anzuschaffen und wohl mal Vergnügen zu bereiten. Als Unter offizier konnte ich schon einen Groschen mehr ausgeben; aber ich brachte doch nicht alles i. die Kneipen, wie Viele. Ich lieh mir auch B#, cher für Geld, um daraus zu lernen. 1—