Nr. 14 Montag, den 24. Dezember 1923 1. Jahrgang Wächter vom Kahlen Ast Monatsbeilage zur Sauerländer Zeitung. Druck und Verlag von Hans Albrecht, Brilon. Altenbrilon. (Schluß.) Bevor wir nun mancherlei andere Fragen in Bezug auf diese Kirche beantworten, namentlich die Frage, wann sie untergegangen ist, wollen wir kurz ihre Bezeichnung als einer Pfarrkirche besprechen. Daß die fragliche Kirche Pfarrrechte gehabt haben muß, läßt sich schon aus einer Urkunde vom 9. April des Jahres 1360 15) folgern. Hier überträgt Johannes de Castro, der Dechant des Kollegiatstifts in Soest, welcher eigentlicher Pfarrer von Brilon war und die Pfarrstelle von Brilon zu besetzen hatte, einem gewissen Brilonen Heistlichen, namens Arnold Wessel, die erledigte Stelle an besagter Kirche in Aldenbrilon, die Capella genannt wird, ein Ausdruck, der im Mittelalter oft von Nebenkirchen gebraucht wird. Das Recht zu dieser Vergebung beruht, wie er selbst hervorhebt, auf seinem Verhältnis zur Briloner Pfarrirche, die er zu besetzen hatte. Diesen Grund konnte er nicht anführen, wenn die Kirche in Altenbrilon nicht zu betrachten war als eine Filiale der alten Pfarrkirche ad St. Petrum, und der angestellte Geistliche nicht auch als sein mit Pfarrrechten ausgestatteter Vertreter, da er sonst einen anderen Grund hätte angeben müssen. Aehnlich verhält es sich mit der Pfarrstelle in Altenbüren. Altenbüren gehörte in alten Zeiten zur Pfarrkirche Brilon. Erst seit dem Jahre 1652 hat dort beständig als Pfarrer gewohnt Jakob Elias, gebürtig aus Brilon. Der echant in Soest besetzte daher auch die Pfarrstelle in Altenbüren, weil dieses früher zu Brilon gehört hatte. 16) Das Gesagte wird noch mehr bestätigt durch eine Urkunde, welche 7 Jahre später am 20. Dezember 1367 ausgestellt ist. 17) Es wird darin mitgeteilt, daß Gottfried Bornemann, ein Priester zu Brilon, eine geistliche Stelle für den St. Katharinenaltar in der Pfarrkirche zu Brilon stiftet. Als Zeugen dieser Verhandlung, die in Brilon in dem bei der Nikolaikapelle gelegenen Hause des Stifters vor sich geht, werden angeführt der Pfarrer von Bubenkerken(Bonttirchen), Hottepe(Hoppecke) und der Pfarrer von Altenbrilon, er vorgenannte und vor sieben Jahren in Altenbrilon angestellte Arnold Wessels. Der durch das ganze Mittelalter hindurch und auch noch auf dem Trienter Konzil gebräuchliche lateinische Ausdruck für Pfarrer ist plebanus, der allen dreien beigelegt wird, auch dem in Altenbrilon angestellten Geistlichen. In Hoppecke und Bontkirchen waren damals Pfarrer. Darauf werden noch angeführt die beiden Kapläne in Brilon, Gerhard Munzern und Johannes Hummert. Dazu kommt, daß noch jetzt die Kapelle in Altenbrilon mit einem Totenhof umgeben ist, wo in alten Zeiten Leichen bestattet wurden. Wenn wir hiermit die bereits angeführte Mitteilung des Gelenius verbinden, dann steht das wenigstens fest, daß die fragliche Kirche, die er ausdrücklich als eine vetus ecclesia parochialis— als eine alte Pfarrkirche— bezeichnet, und welche nur in Altenbrilon zu suchen ist, Pfarrechte geHabt hat. Wir können uns jetzt zu der Frage wenden: Wann sind diese Pfarrechte mit der Kirche in Altenbrilon verbunden? Soviel steht fest, daß es nicht geschehen sei vor der Mitte des 12. Jahrhunderts, weil erst durch den Erzbischof Reinald 11159—1167) die Briloner Pfarrkirche dem Kanonikatsstifte in Soest übergeben wurde, auch damals noch die größten Städte in der Regel eine Pfarrei bildeten. So war damals in Erfurt, trotz seiner vielen Kirchen, nur eine Pfarrkirche, 18) ebenso in Soest. Gegen 1280 errichtete der Erzbischof Philipp von Köln, genötigt dazu durch die wachsende Bevölkerung, in Soest 6 Pfarreien. 19) Höchstwahrscheinlich hat derselbe Erzbischof auch unserer Pfarrkirche alle Pfarrrechte mit gewissen Beschränkungen verliehen, so daß sie keine Pfarrkirche im vollständigen Sinne des Wortes war, was in alten Zeiten häufig vorkam. Wenn wir von dieser Annahme ausgehen, dann läßt sich alles auf eine leichta und ungezwungene Weise erklären. Ueber das Alter der Kirche können, da uns alle Urkunden und sonstige Nachrichten fehlen, nur Vermutungen angestellt werden. Der Patron derselben war der hl. Georgius und dieser Umstand berechtigt zu gewissen wahrscheinlichen Annahmen. Das Christentum wurde in Brilon und in der nächsten Umgegend schon verbreitet vor Karl dem Großen durch fränkische Missionare, welche von den Bischöfen in Köln ausgesandt und begünstigt, in den stillen Tälern des alten Sigambrerlandes, welches später das Sauerland 20) hieß, gewiß manches für die Annahme des Christentums bereitwillige Herz gefunden haben. Namentlich war es der bl. Suibertus, der in dieser Gegend für die Ausbreitung des Christentums viel gewirkt hat und als der eigentliche Apostel des Sauerlandes betrachtet wird. 21) Zu den äußersten Punkten im Östen, wohin diese Glaubensboten von Köln her vor Karl dem Großen mit dem Kreuzesbanner vorgerückt waren, gehörten ohne Zweifel Soest, Brilon und Medebach. Alle drei verehren als ihren ältesten Patron den hl. Petrus, den Schutzpatron des Kölner Bistums. Alle drei bildeten östliche Grenzpunkte der Kölner Kirche. Und so wie bei der Errichtung des Bistums Paderborn unter Karl dem Großen die Würzburger Bischöfe die untere Diemel als Grenze ihres Bistums festhielten, weil sie soweit schon ihre Bekehrungsversuche ausgedehnt hatten, 22) ebenso würden auch die Erzbischöfe von Köln auf so entlegene Punkte, als Medebach und Brilon sind, keine Ansprüche haben geltend machen können, wenn sie nicht hier schon festen Fuß vorher gefaßt hätten. Wenn auch durch den Einfall der Sachsen in unsere Gegend die Verbreitung des Christentums erschwert wurde, so ist es ihnen doch wahrscheinlich nicht gelungen dasselbe da, wo es vorher schon verbreitet war, wieder dänzlich zu vertilgen, zumal da sich mit ihm Stammesabneigung und Haß gegen die Eroberer verband. Die Sachsen als erobernder Stamm nahmen vielleicht, wie das auch bei den andern deutschen Volksstämmen auf ihren Eroberungszügen der Fall war, einen Teil des Ackerlandes für sich in Anspruch und gewiß den besten. Dieser befindet sich bei Brilon; gerade in der Gegend der genannten Kapelle, so daß wir Haselbst eine sächsische Kurtis(Haupthof) und dazu gehörige Ländereien antreffen und uns so erklären können, wie die Ottonen als Nachfolger sächsischer Heerführer hier so reich Legütert waren. Während die sächsischen Einwanderer an ihrem Heidentume festhielten, blieben gewiß die alten BeWohner dem Christengotte treu, den sie in ihrem von Holz Erbauten, dem hl. Petrus geweihten Kirchlein verehrten. Als endlich die Sachsen infolge der Siege Karls des Großen Das Christentum annahmen, und dieses nun aus dem Zuslande der Unterdrückung oder einer sehr kümmerlichen Duldung in unserer Gegend in den Zustand siegreicher Freiheit Aberging, da mögen die alten Bewohner Brilons, gehoben ermutigt durch Karl den Großen, dessen Siege sie in der Nähe gesehen hatten, statt ihres hölzernen Petrikirchleins sich eine steinerne Kirche erbaut haben, von der vielleicht das Südportal an der Pfarrkirche mit seinem einfachen Rundbogen übrig ist, und auf der Nordseite, wo um die sächsische Kurtis her sich vielleicht manche Sachsen angesiedelt hatten, wurde jetzt erst eine Kirche erbaut. Diese wurde vielleicht gegen das Ende des 13. Jahrhunderts, wo in Brilon eine ungemeine Bautätigkeit geherrscht hat, neu gebaut oder doch mit einem gotischen Chore versehen und erweitert, wodurch sich dann der große Spitzbogen auf der Westseite erklären läßt. Auch wird um diese Zeit der hl. Georgius, der Patron der Ritter, zu ihrem Patron ernannt und fortan als solcher verehrt sein durch die Bemühung der hier wohnenden Ritterfamilie von Brilon, sodaß der ursprüngliche Patron, welcher der hl. Evangelist Markus gewesen zu sein scheint, allmählich verschwand und vollends in Vergessenheit geriet. Die Kirche hatte noch ihren eigentlichen Geistlichen gegen das Ende des 15. Jahrhunderts. In den städtischen Ausgaben(Uthgifften) vom Jahre 1497 wird er genannt„der Regent tho olden Brilon“, dem die Stadt jedes Jahr„seventeyn Schillinge“ bezahlen muß. 23) Er scheint zuletzt auch in die Stadt gezogen zu sein, so daß die Kirche allein stand. Um diese Zeit, wo er in Altenbrilon wegen des Verschwindens der Häuser wenig Gottesdienst mehr zu verrichten hatte, scheint auch die Georgius=Kommende entstanden zu sein, um die Einkünfte dieser geistlichen Stelle zu verbessern. Die Georgius=Kommende bildeten Ländereien und Wiesen neben dem Gutenhagen. Diese hatten vor dem 14. Jahrhundert dem Hofe Hechlar gehört und wurden jetzt mit der Stelle des Geistlichen zu Altenbrilon verbunden, dem dafür die Verpflichtung auferlegt war, an Sonn= und Festtagen des Morgens früh, im Sommer um 4 Uhr, die hl. Messe für Reisende und Hirten zu lesen. Die geringen Einkünfte der Stelle reichten zuletzt nicht mehr hin, den Inhaber zu ernähren, und so wurden dieselben dann mit der jetzigen Pfarrkaplanei vereinigt. Dieses muß geschehen sein unter dem Erzbischof Salentin zwischen 1567 und 1577, denn von da an verschwindet ein Geistlicher für Altenbrilon, und die GeorgsKommende 24)— der jetzige Petersborn— sowie die genannte Geldsumme, welche früher die Stadt an den„Regenten tho. Aldenbrilon“ jährlich zahlte, steht unter den Einkünften des Pfarrkaplans. Verfolgen wir jetzt noch mit einigen Worten das Schicksal der Kirche in Altenbrilon. Gegen das Jahr 1520 war sie nach der Mitteilung des Gelenius noch vorhanden, diese alte Pfarrkirche— vetus ecclesia parochialis. Indes die Stürme und Verheerungen, die unsäglichen Greuel und Verwüstungen, welche der dreißigjährige Krieg auch über Brilon und die ganze Umgegend brachte, gingen an unserem Gotteshause nicht ohne tiefe Spuren vorüber. Nach Beendigung des wilden Krieges waren nur noch Trümmer übrig. Die Bürger der Stadt hatten ihre letzten Kräfte aufgeboten, um die alte Nikolaikirche, die auch zerfallen war, wieder herzustellen 25) uno zu sehr aller Mittel entblößt, um die Kirche des hl. Georg in Altenbrilon wieder aufzubauen, wollten sie doch den Ort, welcher für sie so reich an alten Erinnerungen war, nicht ohne ein religiöses Denkmal lassen. Darum erbauten sie auf den Ruinen der alten Kirche den erwähnten Spitzbogen samt seiner Umgebung in das Mauerwerk der Kapelle. Wir wissen dieses aus einer Inschrift an dem östlichen Querbalken des Dachviergespanns, von der man im Jahre 1842 noch die Worte lesen konnte:„Anno 1665 in die seti Marci Ev ad gloriam Dei et sct Georgii M... consule Gabriels Dünnan“ Wir sehen aus dieser Inschrift, deren unleserliche Worte mit Punkten angedeutet sind, daß die jetzige Kapelle 1665 erbaut ist. Der damalige Bürgermeister von Brilon hieß Gabriel Düppen, ein sehr ausgezeichneter Mann, der noch in demselben Jahre starb. Ferner beweist uns die Inschrift, daß der ursprüngliche Patron der Kirche der hl. Georg war. Ungefähr hundert Jahre später war die Kapelle wieder in großen Verfall geraten; der siebenjährige Krieg hatte auch unserer Gegend harte Wunden geschlagen. Sie wurde wieder in baulichen Zustand versetzt unter dem Pfarrer Mittermeyer, vorzüglich durch die milden Gaben der Brilones Jäger, die sich als die rechtmäßigen Nachfolger der alten Briloner Ritter betrachten mochten und es darum als Ehrensache ansahen, eine in der Nähe des alten Wohnsitzes derselben erbaute Kapelle nicht verfallen zu lassen. Es geschah dieses im Jahre 1766. Aus dieser Zeit stammt der jetzige Altär mit der Darstellung des hl. Hubertus. Auf beiden Seiten desselben stehen die Statuen des hl. Georgius und der hl. Lucia, welcher auch die im Altare befindlichen Reliquien angehören. Die hl. Lucia ist die Patronin gegen das Stürzen vom Pferde. Infolge der am Altare befindlichen Darstellung der bekannten Bekehrungsgeschichte des hl. Hubertus, des Patrons der Jäger, scheint dann das Andenken an den ursprünglichen Patron, den hl. Georgius, allmählich in den Hintergrund gedrängt zu sein. Das Andenken an diese Wiederherstellung ist der Nachwelt überliefert durch eine lateinische Inschrift am Altare. Sie ist jedenfalls verfaßt von dem damaligen Pfarrer Mittermeyer, von dem unsere Stadt noch manche andere besitzt. Ich setze sie bei, da sie hoffentlich manchem Leser erwünscht sein wird. Sie lautet: Luce nova radius divisque Deoque refulgens Ara nitet, votis nunc renovata piis spectatissimi Collegii venatorii Briloniensis anna post bellum quarto, QVo Mars eXVL erat paClsqVe reDlsset oLIVa GreXqVe atroX nostris non graVIs esset agris. Sie heißt zu deutsch: Strahlend in neuem Glanze, Gott und den Heil'gen geweiht, Prangt verjüngt der Altar, frommer Gelübde Geschenk von Seiten des hochansehnlichen Jägerchors zu Brilon im vierten Jahre nach dem Kriege, 26) Asdie Fackel des Kiee erloschen, der Oelzweig des Friedens Grünte, und feindliche Schar ferner nicht sengte die Flur. Die Darstellung der Bekehrungsgeschichte des hl. Hubertus am Altare ist in Holz mit hervortretenden Figuren und einer Landschaft mit baumbedeckten Bergen und Felsen nicht ohne Kunst geschnitzt. Darunter befindet sich ein Gebet in dem Deutsch des vorigen Jaahrhunderts, daß der hl. Hubertus durch seine Fürbitte Menschen und Vieh vor der Tollseuche bewahren möge. Als wiederum die Winter und Winterstürme beinahe eines Jahrhunderts an der Kapelle vorbeigezogen waren, und sie ihrem Verfall sichtlich entgegenging, wurde sie gründlich wiederhergestellt im Jahre 1842 durch die eifrige Bemühung des damaligen Pfarrkaplans Th. Menke und die bereitwilligen Opfergaben der Briloner Bürger, die mit Recht an diesem Heiligtum ihrer Väter mit großer Liebe hingen. So lange die Kapelle von Altenbrilon noch steht, umrauscht von alten Linden, wird es dem stillen Beschauer derselben an den Vorabenden hoher Feste, wenn von dem Turme der alten Petrikirche festliches Geläut ertönt, noch immer vorkommen, als wenn auch aus der Tiefe des nahen Glockenborns Glockentöne emporstiegen und die Brust mit Gefühlen der Andacht und süßer Wehmut erfüllten, als wenn die Kapelle und die Linden erzählen wollten von den andächtigen Liedern und Gesängen, die hier einstens von den Lippen frommer Väter erschallten. Zum Schlusse noch die Bemerkung, daß jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Feste des hl. Evangelisten Markus (25. April) seit uralten Zeiten eine große Prozession aus der Pfarrkirche hierher geführt wird. Nach abgehaltenem Gottesdienste nimmt sie ihren Zug von da um die Stadt und dient auf diese Weise auch zur Erinnerung daran, daß der Ort, wo die Kapelle steht, samt ihrer Umgebung einst zur Stadt gehörte. 15) S. Urk. II. Nr. 757.— 16) Aus den Papieren des Pfarr=Archivs in Altenbüren.— 17.) Seibertz Urk. II. Nr. 788.— 18) Zeitschrift für westfäl. Geschichte und Altertum. Bd. 20 S. 99.— 19) Barthold Geschichte der Stadt Soest. S. 77. Seib. Urk. I. Nr. 97.— 20) Sauerland ist eine verkürzte Form von Sugerland, Sugambrer= oder Sigambrerland und bezeichnet das Land, worin die alten Sigambrer wohnten. Die Bezeichnung Sauerlandia kommt schon im 11. Jahrhundert vor. Vergl. Seibertz Urkunden III. Nr. 1063. Anm. Wir sollten das Suer nicht in Sauer übergehen lassen, sondern einfach auch im Hochdeutschen sagenSuerland.— 21) Vergl. Schaten bistoria Westtaliae Tom I pag 223 ff. Vergl. Seibertz L. u. R. G. I. Seite 75 ff. Bender „das Kölnische Westfalen“ in der Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Westf. vom Jahre 1858. Er äußert in diesem Aufsatze die Ansicht, daß Karl in der Gegend von Brilon und von da weiter westwärts zum Rheine hin, also in dem eigentlichen Herzogtum Westfalen für die Verbreitung des Christentums nichts getan habe, weil nichts mehr zu tun nötig gewesen wäre. Im ganzen stimme ich seiner Ansicht entschieden bei. Diese Ueberzeugung lebte auf noch in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in Brilon in frischem Andenken. In einem kleinen Schauspiele, welches im Jahre 1747 die Schüler des hiesigen Minoritengymnasiums aufführten, wird im ersten Akte erzählt, wie durch die apostolische Bemühung des hl. Suibertus, des Apostels Westfalens, der Götzendienst in Brilon ausgerottet, die beglückende Lehre Christi eingeführt und Brilon zu einer hohen Stufe des Glückes erhoben sei. Später aber sei der Götzendienst durch die Sachsen wieder eingeführt und nun sei Karolus Magnus gekommen, um„mit der christlichen Religion die Stadt wieder glücklich zu machen“. Es ist gedruckt zu Paderborn bei Ferdinand Joseph Schirmer und gewidmet dem damaligen Pastor zu Brilon, Anton Ferdinand Mittermaier. Er war gebürtig aus dem einige Stunden von Brilon entfernten Hischberg, hatte in seiner Jugend am Briloner Minoritengymnasium studiert, war durch seine gründlichen Kenntnisse hoch angesehen, war Kommissarus des Sauerlandes und feierte als Pastor von Brilon 1777 das tausendjährige Jubiläum der Briloner Pfarrkirche. Und wir haben keinen Grund anzunehmen, daß er bei dieser Feier im Unklaren gewesen sei. Ich fühle mich hierbei gedrungen, darauf aufmerksam zu machen, daß wir mitunter für den guten Ruf Karls der Großen schlecht sorgen, wenn wir ihn überall zum Schwertapostel stempeln wollen, auch da, wo er es entschieden ablehnen würde. Auch sind wir oft gedankenlos genug, sogleich einem hochgestellten, mächtigen Manne, wie hier Karl dem Großen, ohne weiteres das beizulegen, was arme, schlichte Glaubensboten mit dem Kreuze in der Hand unter den größten Mühen und Beschwerden zustande gebracht haben. Sie wirkten in der Stille und Verborgenheit und die Welt hat ihrNamen längst vergessen.— 22) Vergl.„Aelteste Kirchen im Sprengel Paderborn“ von F. A. Koch in der Zeitschr. für Gesch. u. Altert. Westfalen B. 20 S. 95.— 23) Seib. Quellen II. S. 74.— 24) Die Georgs=Kommende brachte vor 200 Jahren ungefähr 12 Thaler an Pacht ein, und noch in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts stand sie auf gleicher Höhe.— 25) Wir sehen dieses aus dem Reiseberichte des Paderborner Weihbischofs Bernhard Frick vom Jahre 1645—1649. Derselbe hielt sich am 27., 28. und 29. November des Jahres 1645 in Brilon auf, bei welcher Gelegenheit er auch die„durch den Eifer der Einwohner“ wiedes hergestellte Nikolaikirche einweihte und 272 Personen darin das Sakrament der Firmung spendete. Vergl. Evelt Weihbischöfe von Paderborn. S. 113.— 26) Es ist der siebenjährige Krieg gemeint, der eigentlich am 15. Februar 1763 beendigt war. Dat Weltenrad. Et gäiht nit mehr, et gäiht nit mehr, Sau schrigget alle Welt, Dat Preyse dreywen is te bunt, Dat Weltenrad gäiht nit mehr rund, Me kritt nir mehr füärt Geld! Dat Weltenrad? Jäwual, jäwual! Bai mäket dat wier fir? Van Westen kam ne Grawschmied hiär Dai harr en ganz besonder Schmiär Doch halp et nix, nix, nix! Un mancher Feynmechanikus Versochte seynen Witz:— y mag en andrer Mester seyn Dai Mechanismus is te feyn Dat kreyge ik nit spitz!“ Jut aller Welt dai Heerens dann, Van Klauk- und Weishait witt Dai het beredet breit un lank; Dat Weltenrad genk seynen Gank, Dost firer genk et nit. Ey klauken Heerens alltemol! Dai Ey füär Weisheit schwett, Ik segge ug als gurrer Christ, Et feht am duitsken Maschinist An duitsken Tappenfett—— Aug. Beule, Ramsbedk. Druckfehler Eine kleine Liebesgeschichte von Wilhelm Herbert. Er war ein überreifer Hagestolz, bei dem der Krugder„so lange zum Brunnen geht“, just in dem Augenblicke brach, als er die Zeitungsanzeige las, wonach„ein bescheieneen. habliches Maonen“ emen oleichelnmen Bescheiden glaubte er auch zu sein. Von häßlicher GeInnung hielt er sich zwar nicht. Es machte aber einen gewaltigen Eindruck auf ihn, wenn ein Weib sich aller Eitelkeit wo weit entäußerte, daß sie ihre Häßlichkeit vor fünfzig oder lechzig oder noch mehr Täusend Lesern offen bekannte. In diesem Wesen mußte etwas sein. Es zog tyn an. Er schrieb unter den angegebenen Buchstaben und lud die häßliche Unbekannte ein, wenn sie Neigung hätte, mit ihm am kommenden Mittwoch nachmittags Punkt zwei Uhr an der Elisenbrücke zusammenzutreffen. Von der Häßlichkeit erwähnte er natürlich in dem Schreiben nichts. Punkt zwei Uhr an der Elisenbrücke fand er ein sehr sauber gekleidetes, schlichtes Fräulein, das seinen Gruß errötend erwiderte und gestand, zu sein, wen er suche. Sie zeigte dabei anmutige Bewegungen. Ihr Gesicht bedeckte ein breitrandiger Strohhut. Ihr Körper hatte zierliche Formen. Ihre Sprache war melodisch und gebildet. So gingen sie den Fluß entlang und führten eine ansänglich etwas unbeholfene Unterhaltung, die lebhafter und wärmer wurde, als sie sich bei einer über den Weg laufenden Katze anvertrauten, daß sie beide Katzenfreunde seien. Tierfreunde überhaupt. Aber auch Menschenfreunde. Besonders Freunde von Menschen, die es nicht mit der Masse hielten, sondern ihren Weg mehr abseits gingen in einem ruhigen, arbeitssamen Sichselbstgenügen, eine Blume am Fenster, ein gutes Buch auf dem Tisch, zu seltener Gelegenheit eine Theatervorstellung, von der man etwas für sich mit wegtrug. Wackere Arbeitsmenschen mit klingenden Feiertagsstunden. Er lud sie schüchtern zu einer Tasse Kaffee in einem Gartengasthaus ein. Die Einladung wurde ohne Ziererei angenommen. Sie gesiel ihm außerordentlich, und auch er schien ihr nicht zu mißfallen. Es ließ sich zwischen Beiden so hübsch und warm an, als ob es gar nicht mit einer Zeitungsanzeige degonnen hätte— wieder ein Beweis, daß nicht alles alltäglich enden muß, was mit einer Zeitungsanzeige beginnt. Immer mehr aber— je stärker sie ihm gefiel— bangte ihm vor dem Strohhut, vor dem Augenblick, da er abgekommen werden würde und ihre Häßlichkeit enthüllte. Allerdings machte er an diese Häßlichkeit von Minute z Minute lebhaftere Zugeständnisse. Seinetwegen sollte sie eine unschöne Nase, einen schiefen Mund, vorstehende Backenknochen haben— sonst noch allerhand— nur die Augen, die Augen bedang er sich aus: Die Augen mußten schön und warm und sprechend sein, wie sie zu allem sonst paßten, was er von ihr sah und hörte. Plötzlich, als ob sie seine Qual nicht länger hätte mit ansehen können, nahm sie den Hut ab. Er saß mit offenem Munde und starrte sie an— so unbeholfen und unbehilflich, daß sie lächeln mußte. Sie war bildhübsch. Nichts von allem, was er zugestehen wollte, zeigte sich. „Aber“... stammelte er. „Was ist Ihnen denn? murmelte sie verlegen. „Aber“— kollerte es ihm heraus—„Sie sind ja gar nicht häßlich.“ Sie sah ihn erstaunt an.„Warum soll ich denn häßlich sein?“ „Es ist doch in ihrer Anzeige gestanden:„ein bescheidenes, häßliches Mädchen...“ Dalachte sie unter Erröten, daß ihr Tränen in die tiefen braunen Augen kamen.„....ein bescheidenes, häusliches Mädchen...“ habe ich doch geschrieben!“ Dann aber wurde sie plötzlich sehr ernst und starrte ihn ängstlich an.„Sie wollten wohl eine Häßliche, eine ganz Häßliche? Es gibt ja Wünsche, die...“ „Nein!“ stammelte er und wurde nun selbst sehr, sehr tot.„Nern! Es ist mir doch schon lieber so!“ Darauf lachten sie beide und ließen den Druckfehler leben, der sie einander zugeführt hatte und— was noch mehr wert war— nun zueinander führte. Die armen Millionäre. Wenn einer heut' zwei Semmeln hat, Dann ist er Millionär; Und wenn er eine Bettstatt hat, Dann ist er Milliardär; Und hat er noch ein Bett dazu, Dann ist er Billionär; Und hat ein Haus er in der Stadt, Dann ist er Trillionär; Wer drei Stück Vieh im Stalle hat, Der ist Quadrillionär; Und wer im Auto fahren kann, Der ist Quintillionär. Sagt, wo kommt dieser Segen her? Und noch wird's alle Tage mehr, Und doch ist jeder, wer er wär, Ob Millio=, Billio=, Trillionär, Viel ärmer als vorher. Mägdlein mit dem goldenen Haarl. In dem Augenblicke, als Bengele zu sterben glaubte, trat das Mägdlein mit dem goldenen Haar ans Fenster. Es hatte Mitteid bekommen mit dem armen Hampelchen, das vom Winde gefaßt am Strick hin und her schaukelte. Zierlich klatschte das holde Kind dreimal in die Hände. Auf dies Zeichen entstand sogleich ein Flügelrauschen; ein großer Falke kam und setzte sich auf den Fenstersims. „Was befiehlt mir meine schöne Fee?"— fragte der Falke und setzte den Schnabel zwischen die Füße als Zeichen der Ehrfurcht. Das Mägdlein mit dem goldenen Haar war nämlich eine herzensgute Fee und wohnte schon über Ausend Jahre lang im Häuschen am Walde. „Siehst du das Hampelchen dort an der Großen Eiche hängen?" „Jawohl, gnädige Fee!" Gut!— Fliege sogleich hin, beiße mit deinem scharfen Schnabel den Strick durch, mit dem es aufgehängt ist, und bette den Kleinen vorsichtig im Grase." Rasch wie der Wind flog der Falke davon und war schon nach zwei Minuten zurück mit der Meldung: „Ich habe getan, wie Ihr mir befohlen!" „In welchem Zustand hast du das Hampelchen gefunden?— Lebt es noch?“ „Es war wie tot; aber es muß doch nicht ganz tot sein. Als ich den Knoten durchgebissen hatte, tat es einen kleinen Seufzer und lispelte:„Jetzt geht es besser“— Da schlug die Fee wieder in die Hände. Alsbald erschien ein Wir emtnehmen diese literarische Genußprobe der abentenergespickten „Geschichte vom hölzernen Bengele, lustig und lehrreich für lleie und großze Kinder" von E. Collodi(Herder, Freiburg i. Br. 3.30 bereits im 45. Tausend vorliegt. Zbiger Abschnitt setzt nach de. Begebnis ein, da das„Bengele" von Kerl in seinen gee gerettet wild. Was der kleine Bengalese henfrichr un Sonfahrten haben dem Werichen mit seinem Eine Nordpoltragödke. Ein Eskimo sah einst voll Freud' 'ne hübsche dralle Eskimaid. Sogleich entbrennt sein frost'ger Sinn In siedendheißer Eskiminn'. Sie singt am Meere sehnsuchtsvoll Ein Liebeslied in Eskimoll. Im Hintergrunde hört es an Der liebestolle Eskimann. Ach, gerne küßte er zur Stund' Den tranigsüßen Eskimund. Doch für'nen andern schwärmet sie, Ihm gilt die Eskimelodie. Drum wendet sie den Rücken zu Dem unglücksel'gen Eskimu. Er ruft enttäuscht und kläglich aus: Hab' doch Erbarmen, Eskimaus! Schenk' mir dein Herz und sei mir gut, Dann krieg' ich wieder Eskimut. Setz' grausam dieses Spiel nicht fort Sonst treibst du mich zum Eskimord! Doch darauf sagte schnippisch sie: „Gib dir nur keine Eskimüh; Ich geb' für deinen ganzen Quark Nicht mal'ne lumpige Eskimark!“ Drauf wütend er zum Tranwirt geht, Versäuft sein Geld in Eskimet; Und dann, von Geld und Liebe leer, Springt er ins kalte Eskimeer. Von Naß und Fern. = Nachahmenswerte Versorgung mit Milch. Aus Meisenheim wird berichtet, daß achtundfünfzig Landwirte dieser Gemeinde der Stadt Lahr bis zum nächsten Mai je eine Kuh zur Verfügung stellen, damit die Bevölkerung ausreichend mit Milch versorgt werden könne. Das Futter für die Tiere besorgt die Stadt Lahr. — Der Pfennig kommt wieder zu Ehren. In den Grenzgebieten, wie in den Orten des Schwarzwaldes kursieren seit kurzem wieder unsere alten 5=, 10=, 1= und 2=Pfennigstücke wie in Friedenszeiten. Noch im Laufe der letzten Jahre wanderten diese Kleinmünzen zum Altmetallankäufer, heute sucht man Kisten und Truhen durch, um Ausschau nach ihnen zu halten, und sie wieder ihrem Zwecke dienen zu lassen. Fast durchgängig werden sie im Geschäftsleben glatt in Zahlung genommen. = Geplanter Ueberfall auf einen Zug. Am Samstag versuchten Banditen auf der Strecke Kandrzin—Oderberg bei Kilometer 14.3 zwischen den Stationen Dziergowitz und Ratiborhammer einen Zug zur Entgleisung zu bringen, anscheinend, um ihn zu berauben. Sie lösten von einem Schienenstrang Laschen sowie die Hakenschrauben der Schwellen und legten unter die Schienen einige Klemmplatten, so daß die Schienen hochstanden. Ein vorbeifahrender Lokomotivführer bemerkte und meldete die Gleisstörung. Auf einer Lokomotive zum Tatort entsandte Beamte setzten einen Polizeihund auf die Spur der Täter, der diese Spur bis Solarnia verfolgte. Die nachfolgenden Züge wurden umgeleitet. = Von der Dreschmaschine getötet. Die 15jährige Anna Grote bei der Hofbesitzerin Meyer zu Mecklendorf in Sudendorf ist dadurch tödlich verunglückt, daß sie von der Antriebswelle der im Betrieb befindlichen Dreschmaschine erfaßt und von dieser herumgeschleudert wurde. Der Tod ist sofort eingetreten. — Die Einführung des metrischen Systems in Rußland ist bekanntlich schon seit längerer Zeit in Aussicht genommen und grundsätzlich beschlossen worden, scheiterte aber bisher noch immer an der Möglichkeit, die benötigte Zahl von Gewichten und Mazen rechtzeitig im Lande selbst herzustellen und überall zu verteilen. Nach einer neuerlichen Verordnung des Rates für Arbeit und Landesverteidigung soll das metrische System nunmehr bis zum Ablauf des Jahres 1926 überall durchgeführt sein. Mit dem l. Januar 1926 müssen endgültig die alten Maße verschwinden. Die größten Fortschritte hat die Einführung des metrischen Sytems bisher in der Ukraine gemacht. Auf den Eisenbahnen des südlichen Bezirks macht die Verbreitung des metrischen Systems schon etwa 70 Prozent aus. An einigen Orten werden die Frachlen bereits nur nach dem metrischen System angenommen und berechnet. Ab 1. März n. Is. wird dies für alle Stationen in er Ukraine geregelt sein. = Das Siedlungswerk Schwante. Im Frühjahr dieses Jahres wurde in Berlin der Verein für Gärtnersiedlung gegründet, aus dem die Gärtner=Wirtschafts=Genossenschaft Schwante hervorging. 125 zum groößten Teil erwerbslose Berliner Arbeiter, Gärtner, Metallarbeiter, Tischler vereinigt sich zum Aufbau einer Siedlung, die als eine der wenigen erfolgreichen Siedlungsunternehmungen auf genossenschaftlichet Grundlage am 8. Dezember dieses Jahres ihren Abschluß gefunden hat. Die Genossenschaft kaufte durch Vermittlung der Provinzial=Landgesellschaft„Eigene Scholle“, Frankfurt a. O., das 1666 Morgen große Rittergut Schwante an der Kremmener Bahn, daß nach Ausscheidung eines Restgntes an 125 Siedlerfamilien in Flächen von 5—10 Morgen Größe aufgeteilt wurde, von denen 85 bereits in eigenen Landhausbauten untergebracht sind. Die Besiedlung vollzog sich ohne Störung des fortgeführten landwirtschaftlichen Betriebes, dessen teilweise Umgestaltung zu Gartenland und Baumschulen sich planmäßig abspielte. In einer am 8. Dezember stattgefundenen Sitzung der gesamten Siedlungslungsgenossenschaft, die zur Vollziehung des Hauptprozesses einberufen war und unter Vorsitz des Kulturamtsvorstehers für Havelland=Ruppin Regierungsrat d. Edelheim tagte, konnte der eschäftsführer Gärtner Walter Tschenks darauf hinweisen, mit welch großen Opfern, mit welcher Einsicht und Arbeitsfreudigkeit die Siedler gearbeitet hatten. In Holzbaracken durch die der eisige Wind pfiff, wurde von 5 Jahren das Werk begonnen. Hier hauste der größte Teil der Siedler in diesen primitiven Unterkünften mit Frau und Kindern, um sofort mit der Landbearbeitung und dem Hausbau zu beginnen. Dazu traten innerSchwierigkeiten und äußere Kenmpfe mit den Geldgebern. Aber sehr reiche und wertvolle Erfahrungen wurden gesammelt, die sich hoffentlich zum Nutzen des ganzen deutschen Volkes auswirken werden. Gelingt es, solche Siedelungen in größerem Maßstbe, in eine direkte Verbindung mit industriellen Betrieben zu bringen, so daß die Industriearbeiter gleichzeitig Landarbeiter und Gärtner sein können, und aus den Großstädten herauskommen, dann wird ein neuer Entwickelungsabschnitt geschaffen werden der freie Männer auf eigener Scholle schafft, die ihren Lebensabend ohne Sorge entgegensehen können. — Festnahme einer Diebesbande. Besondere Vorliebe für Hafer scheinen einige Personen gehabt zu haben, die in der letzten Zeit die Borgloher Gegend unsicher machten. Dem Neubauer Menke in Allendorf wurden etliche Zentner Hafer gestohlen. Am Mittwoch morgen, noch in der Dämmerung. sah Schachtmeister H., wie unweit der Straße nach Holsterhausen=Mündrup in einem Walde vier Personen emsig damit beschäftigt waren, Laub zusammen zu scharren. Art und Zweck ihrer Beschäftigung wurde dem Schachtmeister bald klar. Ein Bestechungsversuch mit einigen Zentnern Hafer war ohne Erfolg, vielmehr zwang der Schachtmeister die Diebe, mit zu dem Neubauer Menke zu geben, namdem sie eingestanden hatten, daß die sechs Zentner Hafer und ein Zentner Svörgelsamen bei M. gestohlen und bis zur gelegentlichen Abfuhr im Walde vergraben werden sollten. Außerdem hatten die Diebe noch 12 leere Säcke, zwei Pferdedecken, eine Deichsel usw. gestohlen. Die Diebe gestanden, daß noch weitere acht Zentner Hafer in einem Tannenwäldchen in der Nähe des Steinigerturms vergraben seien. Richtig fand sich dieser Hafer an der bezeichneten Stelle vor. Dem Bestohlenen konnten 14 Zentner Hafer zurückgegeben werden. Die Täter wurden nach Osnabrück überführt. — Ein Konjunkturschwindler neuer Art. Eines Tagesherrschte auf dem Arbeitsnachweis in Pankow große Erregung. Ueberall rief man sich zu:„Mister Kompott ist da!“ Wer etwa Zweifel über seine Persönlichkeit zu äußern wagte, wurde beschimpft. Erst mit Mühe erfuhr er von Kennern, daß es sich um den Sohn des berühmten englischen Großindustriellen handele der für London eine Anzahl von Erwerbslosen suche.„Hundert Pfund in der Woche!“ riefen seine begeister en Verehrer. Mister Kompott schloß zunächst noch nicht ab, sondern schrieb sich die Adressen der zehn Besten ab. Bei jedem von ihnen erschien er nach einiger Zeit, erklärte, daß er es endlich satt habe, in den teuren Hotels zu wohnen und fragte den Bewerber jedesmal, ob er nicht bei seinen Angehörigen ein Zimmer zu vermieten habe. Jeder besorgte dem Mister Kompott die gewünschte Stube weil er überzeugt war, daß er nun auch die meisten Anssichten hätte, mit nach England genommen zu werden. Mister Kompott nahm auch am gleichen Abend die Wirtsfamilie in ein Theater mit. Er verschwand im ersten Akt unauffällig, eilte nach Hause öffnete die unbewachte Wohnung mit seinen Schlüsseln und raubte, was er bekommen konnte. Jetzt endlich hat die Berliner Kriminalpolizei Mister Kompott verhaftet und als einen stellungslosen Weichensteller bei einer sächsischen Straßenbahn entlarvt. — Verurteilung zweier Landesverräter. Der Kellner Philipp Flecken in Aachen war infolge Arbeitslosiakeit in bittere Not g raten. Er fiel einem belaischen Spion in die Hände. dem er Material über Schupohundertschaften verschaffen sollte. Das Reichsgericht verurteilte ihn zu sechs Jahren Zuchthaus.— Der 19jährige Schütze Paul Kurras vom 6. Reichswehr=Infanterie=Regiment war in Lübeck mit einem Regimentskameraden flüchtig geworden. Beide wollten nach der Türkei auswander wurdaber in Oesterreich angehalten und nach Bavern abgeschohen. 1 heiden Flüchtigen wanderten mit zwei anderen Genossen nach Westen und fanden in Wiesbaden Arbeit bei den Franzosen. Ein französischer Agent setzte eine bohe Belohnung für die Beschaffung von Regimentsbefehlen aus. Kurras wandte sich wieder nach Lübeck. wo er infolge seiner früberen Beziehungen Material zu bekommen hoffte. Den ersten besten Soldaten suchte er auszufragen. Dieser erstattete aber Anzeige. Kurras wurde festgenommen . nunmenr om Reichsgericht zu 10 Jahren 9 Monaten Zuchtartiger Pudelhund. Er lief auf den Hinterbeinen, gerade wie ein Mensch und trug die Livree eines fürstlichen Kutschers. Ein goldbordiertes Hütchen bedeckte den Kopf, um den in zarten Wellen die Locken der blonden Perücke spielten. Das schockoladefarbige Samtröckchen war mit Knöpfen von Edelsteinen besetzt und hatte zwei tiefe Taschen.— Da steckte der treue Pudel die Knochen yinein, welche er von der Herren beim Mittagessen erhielt.— Rote Samthosen, grünseidene Strümpfe und ein Paar spiegelblanke, gelbe Lederstiefel kleideten ihn allerliebst. Zwischen den Rockflügeln hatte ihm die Herrin eine Art blauseidenes Schirmfutteral angebracht, damit er den Schwanz hineinstecken konnte bei Regenwetter oder wann er sonst wollte. „Flugs, Mäusel!" sagte die Fee,„spanne den schönsten Wagen ein und fahre zum Wäldchen. Unter der Großen Eiche liegt ein halbtotes Hampelchen im Gras. Hebe es sorgfältig in die Polster des Wagens und führe es hierher. Verstanden?" Der Pudel drehte dreimal das blauseidene Schirmfutteral, ein daß er alles begriffen hatte, und lief, was er laufen konnte. ich darauf fuhr eine glänzendweiße Droschke aus dem Hause. Ihre Polster waren mit Schlagsahne gefüllt und der Überzug bestand aus Fellen von Kanarienvögeln. Dreihundert Paare weißer Mäuslein zogen sie, und der Pudel saß auf dem Bocke. Er knallte hin und her mit der Peitsche wie ein wirklicher Kutscher, wenn er Eile hat. Keine Viertelstunde verging, da war die Droschke schon zurück. Die Fee wartete am Hauptportale, nahm den armen Hampel gleich in die Arme, trug ihn hinauf in ein Zimmer, das ganz mit Perlmutter tapeziert war, und ließ alsbald die berühmtesten Arzte des Landes rufen. Sogleich erschienen sie, einer nach dem andern: ein Rabe, eine Eule und ein Lispel=Heimchen. Die Fee empfing alle drei am Bette des Hampelchens und sagte:„Wollen Sie gütigst entscheiden, ob das arme Hampelmännchen hier tot ist oder noch lebt.“ Zuerst trat hierauf der Rabe vor, fühlte Bengele den Puls betastete die Nase und die beiden kleinsten Zehen. Dann stellte er sich geheimnisvoll vor die andern und sagte ernst und feierlich: „Nach gewissenhafter Untersuchung meinerseits ist der Hampel tot. Sollte er allenfalls nicht tot sein, dann hätten wir den interessanten Fall, daß er noch lebt." „Ich bedaure unendlich", sagte da die Eule,„meinem vernei Freunde und Kollegen, dem Herrn Raben, mit meiner Ansicht entgegentreten zu müssen. Nach meiner Auffassung befindet sich der Hampelmann immer noch am Leben. Fände sich aber gegebenenfalls kein Lebenszeichen mehr vor, dann hätten wir zweifelsohne mit sichern Anzeichen des Todes zu rechnen.“ „Wollen Sie uns nicht auch Ihre Ansicht mitteilen?" fragte die Fee das Lispel=Heimchen. „Ich meine, wenn ein vernünftiger Arzt nichts zu sagen weiß dann sollte er schweigen.— Übrigens ist der Hampel da fur mich teine Neuerscheinung; ich kenne ihn schon ziemlich lange"— Bengele war bisher unbeweglich wie ein richtiges Stück Holz legen geblieben; jetzt aber bekam er plötzlich eine Art Krampse und das ganze Bett fing an zu wackeln. p pe fuhr Lispel-weinchen fort,„ist ein ria, Bengele sah das Heimchen an, schloß aber rasch wieder diAugen. „Er ist ein Nichtsnutz, ein eigensinniger Tunichtgut, ein Durcbrenner.“ Bengele versteckte sich unter der Bettdecke „Dieser Hampel ist ein ungezogener Bube, der seinen Vater vor Leid noch unter den Boden bringt.“ Da hörte man im Zimmer ein leises Schluchzen und Weinen. Fee zog Bengele die Bettdecke vom Gesicht, und siehe da, dem Hampelmann flossen Tränen über die holzernen Wangen „Wenn ein Toter weint, ist es ein sicheres Zeichen, wieder gesund wird!“ verkündete feierlich der „Bedaure sehr, meinem verehrten Freund und Kollegen nochmals widersprechen zu müssen", sagte die Eule.„Wenn ein Totet weint, so folgt daraus, daß er nicht gern sterben möchte."