9. den 16. Juni 1923. 1. Jahrgang Der Wächt er vom Kahlen Ast en Monatsbeilage zur Sauerländer Zeitung. Druck und Verlag von Hans Albrecht, Brilon. Deutsche Brüder laßt uns singen. (Melodie: Letzte Rose oder Deutschland über alles.) Brüder laßt uns wieder singen Unser altes deutsches Lied; In die Herzen muß es dringen Und erheben das Gemüt. Von der deutschen Kraft und Treue, Reckenstolz, der Wacht am Rhein, Mag der Welsche Feind auch knirschen Ohnmächtig beim deutschen Wein. Haß und Raubgier hat bewogen, Ihn in unser Land zu zieh'n, Und er dachte dort gefügig Volk zu finden, auf den Knie'n; Gründlich hat er sich getäuschet! Gründlich hat er uns verkannt! Und an unsern deutschen Kohlen Sich die Finger schon verbrannt. Trotz und Mut sind stärk're Waffen Als der Welschen Stahl und Blei, Und das deutsche Lied es dringet Weiter als des Hahnen Schrei.— Deutscher Trotz, er ist kein Märchen, Deutsche Treue ist kein Wahn, Haß, den hier die Welschen säen— Nur getrost, er reift heran. Deutsche Faust sie ist gewaltig Wenn sie dir im Nacken sitzt, Frankensohn du wirst erschrecken Wenn ein deutsches Auge blitzt.— In dem freien Land der Sachsen, In Westfalen und am Rhein, Wollen freie deutsche Mannen Niemals eure Sklaven sein. Welscher Hahn, du krähst nicht lange Mehr im Rhein= und Ruhrgebiet, Wenn der trotz'ge deutsche Michel, Dir die stolzen Federn zieht.— Warte nur, es wird schon kommen.— Wenn der große Morgen graut Hast zum letzten Mal gekrähet Und der deutsche Michel haut!— Ei, wie dann die Federn fliegen Wie im Herbst des Baumes Laub Ei, wie dann die Hähne stoben Machen schnell sich aus dem Staub. Wie sie krähen wie sie laufen, Und der Michel haut und haut;— Solche Panik hat der Franzmann, Nie im eignen Land geschaut! Maria Bornemann, Bigge. Arbeit an der Volksgemeinschaft. e„De. Zusammenbruch ist groß". Das Wort hört maallen Tonarten. Man sagt es mit sehnsüchtigem Rückid au deringene heite mit Zorn auf die, welche man für schuldig hält, mit Angst vor noch tieferem Sinken bder gar mit Verzweiflung, die das Ende unserer Kultur unabwendbar voraussieht. In keiner von diesen Tonarten darf man zu der gesunden sauerländischen Jugend sprechen. Der Zusammenbruch ist freilich groß. Wir übersehen noch gar nicht, was alles wankend geworden, was alles zerstört ist. Es gibt viel abzuräumen auf dem Trümmerfelde. Es wird schwer halten und lang dauern, ein neues Haus aufzubauen, an dem wir uns freuen können. Es wird schwer halten. Deshalb müssen die Kräfte alle angespannt und auf das eine Ziel gerichtet werden. Es wird lang dauern. Also wird unsere Jugend noch ein tüchtiges, vielleicht das größte Stück dieser Arbeit zu leisten haben. Wir werden bei der langen und schweren Arbeit nicht aushalten, wenn wir nicht mehr und mehr zu einer Volksgemeinschaft wieder zusammenwachsen, die das Wohl aller will und hierfür zu opfern bereit st. Den Sinn der Volksgemeinschaft zu verstehen und demsich zu betätigen, dazu scheint mir unser sauerländischer Menschenschlag durch besondere Umstände vorbereitet, und geshalb, so möchte ich glauben, werden an ihn in dieser Bein dem gleichen Aorone Ansprinen de ltel l.t. habiele de eemeinheit, und dann ee an, davon war man überzeugt, und der hätte lich benommen, der für die gemeinsamen Dinge keine Anteil nahme gezeigt hätte. So hat man es in unseren Dörfern jedenfalls dort, wo freie Bauern wohnten, lange Zeit gehalten; und so muß es der Jugend dieser Dörfer im Blut liegen, daß die öffentlichen Angelegenheiten jeden einzelnen angehen. Was aber einem im Blute liegt, das kann man leichter betätigen. Für unser Vaterland kommt nun viel darauf an, daß die Zahl derer, die wissen, daß die öffentlichen Angelegenheiten jeden einen angehen, groß ist, und daß sie immer mehr zunimmt. Hier muß das Beispiel unserer Jugend werbend, zündend wirken. Vjele denken nöch nicht daß die Dinge des Staates ihre eigenen Angelegenheiten sind. Früher mochte es genügen, daß man bloß zur Zeit der Wahl um Politik sich kümmerte. Man nannte den König ga Landesvater. Mochte er mit seiner Regierung also für das Land sorgen wie ein Vater für einen großen Haushalt. Das ist heute anders. Wenn in einem Volksstaate das Volk nicht als Gesamtheit für die öffentlichen Dinge sorgt, dann bleiben sie unbesorgt. Es geht nicht anders: Im Volksstaat liegt die Last der öffentlichen Dinge auf allen Schultern, und wer es ablehnt mitzutragen, der läßt andere für sich tragen. Ob ein solcher, der andere seine eigene Last tragen läßt, wohl das Recht hat zu tadeln, daß die Last schlecht getragen werde? Die Antwort erübrigt sich. Und doch gibt es im öffentlichen Leben gar manche, die nichts tuen und dabei viel tadeln. Ja, es scheint fast, als wenn der Tadel emmer umso lauter sei, je weniger man an der allgemeinen de Mitgetragen hat und je weniger man die Schwierigkeiten Fffentlichen Lebens selber auskostete. em esuß nun das Erste sein für jeden, der seinen Platz Willen chen Leben ausfüllen will: Er muß seinen guten Vermögenelfen dadurch zeigen, daß er nach seinem besten zu erkenner die öffentlichen Dinge sich unterrichtet und jeder siche Lrte“ Wo er helfen kann. Im Volksstaat muß leber sich tlarzuwerden suchen, welchen Weg sein Volk zu gehen hat. Er ist ja mitverantwortlich dafür, daß es den rechten Weg geht. Und wenn in dem Volke die Ansichten selbst verschieden sind, wenn die einen diesen, die anderen jenen Weg wollen, dann muß der Einzelne nach seinem besten Wissen Stellung zu nehmen suchen. Ein Wort Solons, des berühmten Gesetzgebers der Athener, müßte den Lauen heute oftmals zugerufen werden:„Unwert bürgerlicher Ehre ist, wer in den Kämpfen seines Volkes nicht klar seine Stellung erwählt.“ Diese Stellung, die man zu nehmen hat, muß eine klare und feste sein, vor allem wenn die Zeiten für das Volk unruhig sind. Nur die klar Schauenden, die entschieden Wollenden vermögen dem Gang der Dinge eine bestimmte Richtung zu geben oder den Gang in bestimmter Richtung „Der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend zu beeinflussen. gesinnt ist, der vermehret das Uebel und breitet es weiter und weiter. Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich."(Goethe). Unser Volk ist in Parteien geteilt und wird es wohl immer bleiben. Die Programme der Parteien sind die Wege, auf denen man unser Volk führen will. Es geht nicht anders, es muß heute jeder, der seine Pflicht im Volke erfüllen will, für ein Parteiprogramm sich entscheiden, für es wirken, soweit er sich dazu für berufen halten darf. Man sucht heute unserer Jugend Parteipolitik vielfach zu verekeln, sie als etwas Unwürdiges, als den Quell aller möglichen Mißstände hinzustellen. Das ist Weltfremdheit. Es wäre ja schön, wenn die Meinungsverschiedenheiten in unserem Volke über seinen Zukunftsweg nicht so zahlreich wären; Meinungsverschiedenheiten werden immer dasein, und die Gruppen, die für die einzelnen Richtungen eintreten, werden stets mehr oder weniger die Form der Partei haben. Das nur wäre verdorben und verderblich, wenn man die Ziele der Partei wollte der Partei wegen und nicht des Volkes wegen. Wir müssen in der Partei unseren Mann stehen des Volkes wegen, weil wir glauben, daß in der Zielrichtung dieser Partei die Zukunft des Volkes am besten geborgen sei. Die Liebe zum Volke müßte das einigende Band für die Angehörigen aller Parteien sein, müßte abhalten von gehässiger und unwahrhaftiger Befehdung, müßte der heilige Boden sein, auf dem man sich in einzelnen Fällen zusammenfinden könnte.— Müßte—. Leider ist es heute noch nicht so, und das ist das Häßliche an der heutigen Parteipolitik. Wenn in unserer sauerländischen Jugend die Ueberzeugung von der Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft eine Erbeigenschaft ist, dann wird sie vielleicht mitwirken, das einigende Band der Gemeinschaftsgesinnung und der Volksliebe zwischen den einzelnen Parteien zu befestigen. Grimme erzählt, wie einmal ein Geistlicher in einem Dorfe eine gar ergreifende Predigt hielt. Die Leute waren erschüttert; viele weinten. Eine Frau aber sah ganz ruhig und ungerührt den Prediger an. Das war ihrer Nachbarin geradezu ärgerlich, und sie machten ihr Vorhaltungen, wie sie bei solchen Worten so kalt bleiben könne. Da sagte die Frau:„Ik sey out ennem anderen Kiäspel.“ Das Stückchen paßt vielleicht auf einige unserer ganz in die schönen Berge eingekeilten Dörfer. Aber die Mehrheit der Sauerländer ist mehr als mancher andere bäuerliche Stamm über den Kirchturmsstandpunkt hinaufgeführt worden. Dazu hat vor allem der sauerländische Handel mitgeholfen. Seit Jahrhunderten haben aus zahlreichen Dörfern die wagemutigsten Männer das, was ihnen der steinige Boden der Heimat nicht bot, durch den Handel in fremden und oftmals fernen Gegenden zu gewinnen gesucht. In Polen und Rußland, in Riga und Lübeck, in Pommern und Brabant haben sie gehandelt. Viele hielt schließlich die Fremde fest. Aber sehr viele blieben in der Heimat ansässig. Das Reisen hatte ihr Verständnis erweitert. Sie ahnten, daß in einem Volke die einzelnen Schichten auf einander angewiesen sind. Sie mußten auch den im Dorfe Zurückgebliebenen über die Kirchtumspolitik hinweghelfen. Ich möchte nun meinen, daß die gesunden Söhne solcher Dörfer auch vorbereitet seien für eine tiefere Auffassung des Volksganzen, der Bedeutung der einzelnen Schichten, der Zusammenhänge, die zwischen ihnen bestehen, der Bedürfnisse, die sie für Leben und Entwicklung haben. Diese Einsichten müssen in unserem Volke wachsen, Besitz der Mehrheit werden, wenn wir zu einer wahren Volksgemeinschaft uns entwickeln sollen. Schwieriger als die Einsicht in die verwickelten Zusammenhänge des Volkskörpers und als die Anerkennung der Bedeutung der einzelnen Glieder für einander ist die Selbstbescheioung an der eigenen Stelle, die tatkräftige Bereitwilligkeit, den anderen zugestehen, was ihnen zukommt. Hieran besonders hat es vor dem Kriege gefehlt. Hieran fehlt es auch heute noch. Einzelne und ganze Berufsgruppen freuen sich, wenn sie den Lasten unserer Niederlage sich entziehen können. So berechnet man für sich selbst Goldpreise als etwas Selbstverständliches, wo andere nur mit schlechtem Papier ausgelohnt werden. So zeigt man sich entrustet, wenn einmal den Bedürftigen wegen wirkliche Opfer verlangt werden. Der Gedanke der Volksgemeinschaft fordert es, daß wir nach unseren Kräften an den allgememnen Lasten tragen, je stärker wir sind, umso mehr. Der Gedante Volksgemeinschaft fordert es, daß wir gefährdete Ghlieeiten maht ser 5 schützen, auch wenn es uns Schwierigmacht. Für den Gemeinschaftsgeist ist es etwas Selbstverständliches, daß ein Stand auf Vorteile verzichtet, wenn es sich darum handelt, einem anderen das Leben erträglich zu gestalten. Der Gemeinschaftsgeist will, damit der Brüder menschenwuroig le en een, gern auf bloße Annehmlihkeiten leben wollen, dazu drängt uns schon die sinnliche Natur. Der Gemeinschaftsgeist fordert, daß wir alsen, ja, anderen leben helfen, soweit wir dazu imstande sind. Daß wir aber anderen das Ihrige geben und uns selbst bescheiden, dazu ist Selbstüberwindung nötig. Nur wer sich selbst überwindet, wer für die Lebensnotwendigkeiten anderer Opfer zu bringen vermag, kann ein rechter Staatsbürger sein. Ist zu diesen Opfern wohl der fähig, der nur an ein Diesseitsleben glaubt? Kann im allgemeinen die nüchterne Erwägung, daß das eigene Interesse solches erfordere, den Menschen dazu veranlassen, gegen sich selbst streng oder gar hart zu sein? Wer das Ziel seines Lebens im Jenseirs sieht, der kann das Erdenleben leicht der höheren Zwecke wegen belasten oder gar hingeben.Dem Christen ist das Opfer erst recht verständlich. Er glaubt, daß im Opfer ein unermeßlicher Segen liegt. Er wächst, indem er abnimmt. Er gewinnt, indem er preisgibt. In unseren sauerländischen Häusern hängt das Kreuz, das Bild des Opfers. Es steht an unseren Wegen, es ragt auf manchem unserer Berge. Ein Geschlecht, das unter dem Zeichen des Kreuzes großwächst. muß Opfergesinnung haben und betätigen, oder es versteht den Geist der Vorfahren, die die Kreuze aufrichteten, nicht mehr. Das aber ist das Größte, was wir unserer Volksgemeinschaft geben, daß wir für sie Opfer bringen und dadurch sowohl selbst im Geiste der Gemeinschaft befestigt werden als auch andere für diesen Geist gewinnen. Im Menschenleben gibt es Stunden, die entscheidend sind für den ganzen Weg, für die ganze Lebensleistung des Menschen. Solche Stunden gibt es auch im Leben größerer Gemeinschaften. Die gläubigen Christen Deutschlands erleben heute eine solche Stunde. Die stärksten Kräfte arbeiten an der Zersplitterung unseres Volkes. Die wirtschaftliche Selbstsucht verfeindet die Erzeuger und Verbraucher; der Klassenhaß steht zwischen den einzelnen Volksgruppen; nationalistische Gesinnung gefährdet den christlichen Willen zur Verständigung in den Völkerfragen. Die gläubigen Christen haben Kräfte in sich zur Bekämpfung dieser Gefahren. Diese Kräfte müssen sie jetzt wirksam werden lassen. Sie müssen sich als der feste Mittelpunkt des Volkes bewähren. Sie müssen durch ihre ganze Lebensführung versöhnend wirken und so die anderen: an sich ziehen, um sich gruppieren. So müssen sie die Volkseinheit hinüberretten in ruhigere Zeiten. Unser christliches Sauerland hat an dieser Aufgabe seinen Anteil. Das was uns fähig macht für eine Aufgabe, das ist zugleich Verantwortlichkeit für uns, Was uns befähigt, für die Volksgemeinschaft zu wirken, daß müssen wir ausnützen aus Verantwortlichkeit gegenüber unserem Herrgott und unserem lieben deutschen Volke. Von Blumen, insbesondere von Heimatblumen. Von A. Schauerte, Dorsten. Blumen, Sterne und Kinderaugen sind nach dem Ausspruche eines klugen Mannes von allen Dingen auf Erden die drei einzigen, die noch aus dem Paradiese stammen. Fast ohne Besinnen ist man versucht, diesem schönen Wortrecht zu geben. Denn aus allen dreien spricht jene herrliche Dreizahl von menschlichen Tugenden, die, wenn sie zusammen auf Erden in voller Schönheit Gestalt gewinnen würden, der Menschheit das Paradies zurückgeben könnten: Reinheit, Frieden, Güte! Ist nicht das Auge eines Kindes das Urbild der Reinheit und das Sternenheer der Nacht, wie es seit Ewigkeiten unerschüttert seine Kreise zieht, das Vorbild ewiger Eintracht, ewigen Friedens? Und die Blumen! Sind sie nicht die Liebeszeichen der Erde, mit denen sie alljährlich in unveränderter Güte aus dem unerschöpflichen Borne ihrer Fruchtbarkeit ihre Gaben verspricht? Die Naturwissenschaft weiß natürlich nichts von solchen Gedanken. Mit trockenen Worten klärt sie uns auf, daß die Blüten die Bildungsstätten des Samens seien mit einem zumeist notwendigen Zubehör von Farbe und Duft, damit diese Bildung auch wirklich, nämlich unter der Mithilfe der Insekten, zustandekommen. Die Naturwissenschaft hat ohne Zweifel recht, und wir können ihr nicht genug dankbar sein, daß sie in die verwickelten Verhältnisse der Insektenbestäubung und Samenbildung, ebenso wie in manches andere lehrreiche GGeheimnis des Pflanzenlebens Licht gebracht hat; aber was sie uns da in der Sprache ihrer reinen Sachlichkeit erzählt, kann doch nicht alles sein, was an Werten für den Menschen in der Blumenwelt steckt. Wie wäre denn sonst die große Bedeutung zu erklären, den der Blütenflor der Natur von jeher für die Menschheit gehabt hat? Und diese Bedeutung ist doch gar nicht zu bezweifeln. Htes wohl jemals auf Erden einen Dichter gegeben, dessen Lieblinge die Blumen nicht gewesen wären? Des Dichters feines, ahnungsvolles Empfinden ist dem geheimen Walten und Weben in der Natur stets näher gekommen als das des Alltagsmenschen, und so hat er in der Blume eine Sprache entdeckt, der er mit Inbrunst gelauscht und in immer neuen Weisen in den Lauten menschlicher Sprache Widerhall zu geben versucht hat. Selbst ein Zyniker wie Heinrich Heine hat sich ihrem Zauber nicht entziehen können. Unter seine schönsten Gedichte sind unstreitig jene zu zählen, in denen er von Blumen und Blüten spricht. Man denke nur an das schöne Lied:„Du bist wie eine Blume, so schön, so rein, so hold.“ Die schönste Bezeichnung, die der Dichter einem Menschen geben kann, ist der Ausdrud Menschenblüte. Auch im Märchen und Volkslied spielt die Blume eine sehr große Rolle, von der bildenden Kunst ganz zu schweigen. Und wie ist es im Leben des Alltags? Geht da der Mensch achtlos an den Blumen vorüber und vernachlässigt sie, als wären sie nicht vorhanden? Mit nichten! Gibt es etwas in der ganzen Welt, von dem der Mensch bei nur möglichen Gelegenheiten und Anlässen mehr Gebrauch macht als gerade von Blumen? Mit Blumen wird der Mensch bei semnem Eintritt in diese Welt begrüßt, mit Blumen wird er zu Grabe getragen; Blumen sind die Genossinnen unser schonsten Feste, Blumen setzen wir auf die Gräber unserer Lieben. Blumen werden dem Sieger entgegengetragen, mit Blumen wird die Geliebte geschmückt. Wenn wir einen Glückwunsch aussprechen, wenn wir Liebe, Dankbarkeit und Verehrung ausdrücken wollen, immer sind die Blumen das treffendste Symbol, immer geben sie sinniges Zeugnis von dem, was uns das Herz bewegt, und immer sprechen sie in zarter Sprache deutlich, wo das belegte Herz vielleicht nur stammeln würde. Und wo eine Blume, auch steht, stets verbreitet sie Licht und Wärme, Freude und Leben um sich mag sie nun wachsen im vornehmen Park, im ärmlichen Hausgärtchen, mag sie prunken im Wintergarten der Villa oder bescheiden blühen auf dem Fensterbrett des Hinterhauses Der ärmste Verlassene fühlt sich nicht mehr so einsam, wenn er ein Blümchen hat, das für ihn knospt und blüht, dessen Duft vielleicht das Einzige ist, das ihm von den Gütern und Freuden des Lebens geblieben ist. Leg einem Kranken ein paar Blumen auf die Decke seines Lagers, und er wird dir mit einer Träne im Auge danken für den Sonnenstrahl, den du damit in sein Zimmer gebracht hast. Bedarf es noch mehr Beweise dafür, daß in den Blumen ein geheimnisvolles Etwas wohnen muß, das diese innigen Beziehungen zwischen Blume und Mensch hergestellt hat und lebendig erhält, eine sympathische Kraft, wie sie bei keinem andern Naturdinge zu finden ist? Untersuchen wir nach dieser geheimnisvollen Kraft einmal die Blumen der Heimat. Warum macht der Winter das Herz so öde uno waruw legt sich an Wintertagen so leicht Trauriakeit aur unser Wiewäte Dder Winter ist blumenleer und darum freudenler. Selbst das leicht befriedigte Kinderherz findet an den EisAmgedes, Fenster nur ummerlichen Erlatz, und die Bitte des Liedes:„Lieber Frühling komm doch wieder“ ist nicht Frühlingme dem Herzen gesprochen. Und wenn der Fruhling n escheint um seine sieghafte Macht über die Win ers zu zeigen, welches ist sein Pfand für Menschenherz, daß ihm die Niederwerfung seines harten Gegners auch gelingen wird? Das erste Frühlingsblumchen, das aus Eis und Schnee seinen Kopf hervorstreckt und mit einem Tropfen geschmolzenen Schnee in seiner Blü tenkrone gleichsam unter Tränen dem neuen Leben entgegenlacht. Mit Jubel ergreift der Mensch dieses Pfand und saugt in vollen Zügen neue Lebenshoffnung in sich hinein. Es mußte doch Frühling werden; und jetzt ist er wirklich gekommen, das erste Frühlingsblümchen verkündet es ja so laut und weit vernehmlich. Frühlingsblumen, ihr Erstlinge der Natur! Von allen Blumen des Jahres verbreitet ihr die reinste und höchste Freude. Und besonders ihr Frühlingsblumen der Heimat, ihr Schneeglöckchen und Marienblümchen, ihr Anemonen und Himmelsschlüssel, wer kennt euch nicht und wird nicht durch euren neuen Anblich beglückt? Zu keiner Zeit des Jahres ist ein Gang ins Freie so reizvoll wie im Frühling, natürlich nur unter der Voraussetzung, daß man die Augen offen hält und Sinn besitzt für das Keimen und Sprießen ringsumher — und zu keiner Zeit kommt der Naturfreund mit schöneren Gefühlen heim als dann, wenn er an verborgenen Plätzen und Stellen ein Frühjahrsblümchen hat begrüßen können, das er vor längerer Zeit zum ersten Male dort gefunden hat. Ich kenne in meiner heimatlichen Flur eine einzige Stelle, es ist unter einem Haselbusche im Waldwiesentale, auf der schon zu Anfang des Monats März der Lerchensporn (Coridalis cava) blüht; ebenso kenne ich eine Stelle, auf der als einziger in ganz Westfalen um Östern herum, die Alpenkresse(Arabis alpina) ihre kleinen weißen Blütenkreuze zeigt. Und so oft mich mein Weg in die Heimat führt, so oft besuche ich auch an diesen Stellen die beiden Frühlingsfinder. Sie sind mir zum Stück Heimat geworden, und ich müßte um sie trauern, wenn irgend ein Grund sie einmal hindern sollte, im Frühling wieder zu kommen. An anderen orten sind es andere Pflanzen, die weniger häufiger vorlommen, aber trotzdem ihren festen Platz im Naturbilde der betreffenden Gegend inne haben, Seidelbast(Daphne megereum), Leberblümchen und noch so manche andere kommen in unserer Sauerländer Heimat vor; nur wollen sie gefunden werden, aber sie lohnen die Mühe des Suchens reichlich durch die Art, mit der sie uns von neuem in der Heimat heimisch machen. Was hier beispielsweise von den Frühlingsblumen gesagt ist, gilt selbstverständlich auch von den übrigen Blumen des Jahres. Wer es nicht glauben will, der probiere es aus. Er lerne die Blumen der Heimat kennen und verstehen, er zuche sie an ihren oft verborgenen Standorten auf und stelle dann an sich selber den sanften Zwang fest, mit den sie ihn immer mehr an die Heimat fesseln. Es sind sicher nicht die schlechtesten Söhne der Heimaterde gewesen, die alten Geschlechter von Aerzten, Apothekern und Lehrern, denen kein Pflänzlein ihrer heimatlichen Umgebung fremd war. Sie waren ihrer Heimat treu mit allen Fasern ihres ehrlichen Herzens. Oder sollen wir glauben, daß das bloße Zählen von Staubgefäßen und Stengeln es diesen Leuten angetan hätte? Nein die große Kraft, die aus diesem lebendigen Heimategute spricht, hat sie angezogen und nicht mehr losgelassen, und es wäre ein großer Verlust für das junge Geschlecht, wollte es empfindungslos werden für diesen allgewaltigen Zauber der großen Mutter Natur. Die vermeintliche Liebe der Natur veranlaßt nun manche Leute zu einer besonderen Art von Naturverehrung. Kaum gucken die ersten Weidenkätzchen oder Schneeglöckchen und Himmelsschlüssel aus ihren Knospen, und schon werden Hände voll— man möchte fast sagen Körbe voll— der armen Venzeskinder abgerissen und in die Dörfer, in die Städte geschleppt. Barbaren! sollte man rufen. Die Blumen der Heimat sind ein Naturdenkmal, ein Naturdenkmal von vielleicht größerer und wichtigerer Bedeutung als manche Seltenheit, die heute unter diesem Namen geht und den Schutz der Behörde genießt. Und ein Naturdenkmal sollt ihr schützen eine oder andere Stücklein mit nach Hause nehmen— die Natur hat reichlich und gibt auch gern—. aber muß es denn gleich in solchen Mengen geschehen, daß der Fortbestand der Naturdinge in Frage gestellt wird? Es mag sicherlich genügen, daß es der Mensch mit vielen, vielen Tierarten fertig gebracht hat, sie mit Stumpf und Stiel auszurotten oder doch nahe an den Rand des Aussterbens zu bringen. Muß es mit der Pflanzenwelt nun in gleicher Art so werden? Es ist jammerschade, daß Bodenveränderungen, die durch die wirtschaftliche Not des Vaterlandes notwendig geworden sind, wie Trockenlegung von Sümpfen und Urbarmachen von Oedländereien, mancher Pfanzenart die Lebensbedingungen rauben. So kannte ich jahrelang eine einzige Stelle, auf der um Pfingsten der reizende europäische Siebenstern(Trientalis europaea) zur Blüte kam; heute ist die Stelle gerodet und urbar gemacht und das scheue, in unseren Bergen seltene Blümlein vertrieben. Solche Schicksalsschläge, die manchmal aus höheren Gründen. der Pfanzenwelt zugefügt werden müssen, sollten wir durch unsere Unvernunft nicht durch neue mutwillig vermehren. Mit Liebe zur Natur hat jenes Massenabreißen doch nichts zu tun. Wahre Liebe zur Natur und wahre Freude an der Natur zeigt sich doch nicht in dem, was man abreißt, sondern in dem, was man stehen läßt. Sieh dir das erste Frühlingsblümchen an, wie es jubelnd neues Leben verkündet und mit strahlender Krone der Sonne entgegenlacht, du bist ein herz= und gemütloser Gesell, wenn du es in seiner Pracht nicht stehen lässest, sondern wenn du es abreißest und so vorzeitigem traurigem Verwelken preisgibst. Ich wollte, alle Blumen machten es so wie der Hagedorn. Erst wehrt er sich prächtig mit seinen Stacheln gegen jede räuberische Hand, die ihm seinen Blütenschmuck nehmen will; und dann, wenn diese Hand trotzdem ein Röslein abgeknickt hat, dann läßt das Röslein wie aus Trotz— eins, zwei, drei— seine Blütenblättchen fallen, und die Mühe des Brechens war vergebens. Lernt vom Hagedori—— und unterlaßt das unnütze Blütenbrechen! Drei schöne doldige Himmelsschlüsselchen oder liebliche Schneeglöckchen, in kleiner Vase auf meinem Schreibtisch gestellt, geben mir mehr Begriff von Blumenschönheit und Frühlingsherrlichkeit als ganze Hände voll davon, engzusammengebunden. Also lernt die Blumen der Heimat kennen; aber achtet sie und gewährt ihnen Schutz. Dann wird euch auch immer mehr Verständnis aufgehen für das Wunderwerk des Lebens, das in ihnen spielt, jenes Wunderwerk, das nach den oben angeführten Worte des Dichter im Paradiese seine Heimat gehabt hat. Das neue Zeitbild von Paula Gura=Ewald(München). Grete brauchte unbedingt neue Hemden; denn die aus den besseren Stücken der schadhaften Bettücher verfertigten sind nun auch schon durchgescheuert. Schweren Herzens entnimmt die Mutter, eine Rentnerswitwe, ihrer kleinen eisernen Geldkasette einen Pack Scheine. Auf ihrer italienischen Reise damals, als sie ein ganz junges Ehepaar waren, haben sie kaum den dritten Teil von dem gebraucht, was sie jetzt für so ein einziges Hemdchen für Grete ausgeben soll. Ach ja, das Leben ist schwer! Für Grete freilich nicht.„Mutti, ich hab' eine großartige Idee! Wozu brauchen wir eigentlich diese feinen Servjetten da? Schau.“ „Die mit den Rosenkränzchen?“ „Ja die! Sie sind ganz reizend, aber nie werden sie benützt.“ „Nun, dann schonen wir sie höchstens für dich, wenn du mal..." „Ach was, Mutti, das ist unpraktisch und unzeitgemäß. Denn bis dahin habe ich entweder ein Ministergehalt und skauf' mir neue oder ich bin ärmer wie eine Kirchenmaus und dann brauch' ich überhaupt keine Servietten. Jetzt aber brauch' ich Hemden.“ „Freilich, aber was hat das mit den Servietten zu tun?“ „Sehr viel! Schau, Mutti, was ist denn heute zutage so ein Hemle? Vorn ein glattes Stück, hinten ein glattes Stück, über den Schultern ein hübsches Bändle oder ein Stickereistreifen— und alles ist fertig und deine Grete darf nur hineinschlüpfen.“ „Kind, Kind, solche Hemden willst du tragen?" „Aber Mutti, warum denn nicht? Man sieht sie ia gar nicht!“ „Aber... das ist es ja eben! Daß man sie nicht sieht!“ Bei euch weiß man jetzt nie: Habt ihr ein Hemd an oder habt ihr keins an“ „Na, Mütterle, hat man denn das bei euch früher gesehen?“ „Aber ganz genau!“ „Aber, Mütterle, wieso denn?“ Mütterle wurde rot wie als junges Mädchen. Jaso... wieso denn?"„Nun ja, geseyen hat man's früher wohl anch nicht, aber man wußte doch... daß jede... nun ja.. es geyorte zum eisernen Wäschebestand und dann... man trug sich eben oben und unten nicht so knapp mit dem Stoff...“ „ach, Mütterle, du bist mein großes Kind, das von einem modernen, jungen, Mädchen absolut nichts versteht. Macht auch nichts. Wenn du mir nur deine feinen Sachen alle kochst. Das andere besorge ich schon allein. Also, komm, gib mir einen Kuß... ach, weißt du, so kann halt doch keiner küs..." „Greta!!“ „Was denn, Mutti! Och. die erschrockenen Augen! Was dann? Komm, nimm die Servietten und wir machen denn die Hemden so, wie ich dir's gesagt habe. Die kosten dann rein nix...“ Und sie trällert mit einem niedlichen Stimmchen Susannens berühmte Arie aus Figaros Hochzeit:„Daß ich mit Rosen kränze dein Haupt..., während sie die feinen Damastservietten mit den Rosenmustern durch schmale Seidenbänder zusammenfügt. Können Eisberge die Ursache der gegenwärtigen Kälte sein? Von W. Lammert, Münster i.W. Die seit Wochen herrschende ungewöhnliche Kälte bildes den Grund mancher Erörterungen. Vielfach ist man der Ansicht, daß die Eisverhältnisse im nordatlantischen Ozean die Ursache der unfreundlichen Witterung seien. Man geyr von dem Standpunkt aus, daß das Meer durch die schmelzenden Eismassen abgekühlt würde und dieses sich auf die Luft überträgt. Diese abgekühlten Luftmassen würden unserer Gegent durch nordwestliche Winde zugeführt. Dieser Grunderscheint jedoch sehr unwahrscheinlich. Denn trotz der zeitweise gewaltigen Ausdehnung der Eisfelder können diese unmöglich eine so ungeheure Fläche wie den nordatlantischen Ozean und außerdem noch die Luftmassen derart abkühlen, daß sich dieses in so weiten Gebieten Europas wie gegenwärtig bemerkbar machen würde. Dafür ist schon jene Tatsache ein Beweis, daß in diesen Degenden, die als Ausgangspunkt der Kälte bezeichnet werden, zeitweilig eine bedeutend höhere Temperatur herrschte als bei uns, in diesem Falle wehten dort südwestliche Winde. Ferner ereignete es sich noch in den letzten Tagen, daß dorf die Temperatur plötzlich mehrere Grade unter Null sank, als nördliche Winde auftraten. Die Ursache dafür, daß wie ständig nördliche Winde haben, ist ein Hochdruckgebiet über dem östlichen atlantischen Ozean. Dieses Hochdruckgebiet has dadurch entstehen können, weil im Mat zur Zeit der Eisheiligen die Luftmassen des atlantischen Ozeans durch einen überaus starken Kälteeinbruch von Norden her abgekühlt wurden. Daß es aber fast unbeweglich über diesem Gebiete verharrt und nicht wie gewöhnlich und seit langem erwartet östlich aufs Festland zieht, verhindern Depressionen über Östeuropa. Ersmit dem Uebertritt des Hochdrucks zum Festland wird eine Besserung des Wetters eintreten. Dazu ist aber erforderlich daß sich auf dem westlichen Teile des atlantischen OzeanDepressionen von östlicher Zugrichtung und derartiger Stärke bilden, daß das Hochdruckgebiet sich nicht mehr behaupten kann, sich daher östlich aufs Festland bewegt und heißen Luftmassen in Südeuropa Gelegenheit gibt, in unser Gebiet einzudringen. Derartige starke Depressionen bilden sich erfreulicherweise den neuesten Schiffsnachrichten zufolges hoffentlich können sie den Einfluß auf das Hochdruckgebiet, wie er sich augenblicklich bemerkbar macht, fortsetzen, in diesem Falle ist mit einem Witterungsumschlag in günstiger Hinsicht für die nächsten Tage bestimmt zu rechnen. Insgesamt: Nicht die Eisberge sind die Ursachen der Kälte, sondern eine durch unglückliche Zufälle bewirkte Luftdruckverteilung, die uns Luftmassen aus einer Gegend herbeiführt, wo zurzeit die normale Temperatur des Tages nur 2—4 Grad Celsius beträgt. Der westfälische König von Corsika. Nach alten Aufzeichnungen bearbeitet 5 von Peter Werland. Da ich seit meyreren Jahren von der Familie in Brandenburg nicht einen einzigen Brief erhalten habe, halte ich es für gut, ihnen das obige mitzuteilen mit der inständigen Bitte, diesen Brief durch einen Eilboten nach Pungelscheid zu schicken und mir Nach richt zu geben, ob mein Oheim noch am Leben ist und was mein Vettern auf Ranschenburg machen. Veranlassen Sie doch, daß meir Onkel auf Pungelscheid, wo er auch sein mag, diesen Brief liest, an dernfalls lassen Sie ihn meine Vettern auf Rauschenburg lesen Denn mein Brief ist für die ganze Familie bestimmt. Geben Simir, bitte, Nachricht, und senden Sie mir einige Verwandte und Freunde. Die Reisekosten werde ich zurückerstatten. In drei oder vier Monaten oder aber später muß ich doch jemanden in IhrGegend schicken, um die für drei Regimenter nötigen Waffen zu kaufen. Ich werde Ihnen dann gleichzeitig Ihre Auslagen erstatten und außerdem auch das bezahlen, was ich seit meiner Jugen noch schuldig bin." Der andere Brief Theodors, datiert vom 18. März 1736, hat sum großen Teile denselben Wortlaut und ist abgedruckt in der „Histoire des révolutions de l’ile de Corse, et de l’lélévation de Théodore I. sur le trone de cet Etat, tirée des Mémoires tant secrets que publiques. à la Haie 1738, ein Werkchen, dessen Einleilung bezeichnender Weise mit derk Worten beginnt:„Alle Well Pricht heute fast nur von Corsika und seinem Könige Theodor I.“ Man darf— wohl nicht mit Unrecht— dem Werkchen die Obsertivität absprechen, wenn man Neuhoff auf dem Titelbilde, das ihn in dem phantastischen Aufzuge bei seiner ersten Ankunft auf Corsika zeigt, bezeichnet sieht als„Le Baron de Niewhoff, soidisant Grand d'Espagne, Lord d'Angleterre, Pair de France, Baron du St. Empire et Prince du Trone Romain.....“ Der hierin mitjeteilte Brief ist gerichtet an den Baron von Droste. Der Verfasser der Histoire, der zwar manche sehr interessante Aktenstücke mitteilt, em aber hie und da Irrtümer unterlaufen, bezeichnet in einer gußnote den Wohnort des Droste„in der Grafschaft Mark, gegenBerdea einer mächtigen Burg an der Lenne oberhalh die Genueser dem Neuhoff mit ihrer Macht entgegen Tuten, gingen sie daran, seinen guten Ruf zu untergraben und ihr wdieder zu Ehren zu bringen, indem sie das des Königlezudelten. In dieser Absicht erließen sie eine öffentliche Erklärung anfang bis zum Ende mit Unwahrheiten gespickt war Sie zogen darin über Neuhoffs persönliche Verhältnisse los und ließer unversucht, um ihn hassenswert und verächtlich zu machen Verleumdungen waren von so dreisten Behauptungen unterstützt, daß sie bei den leichtgläubigen und unwissenden Corser Glauben fanden. Die Verleumdungen erschütterten die Treue geger ihren bis dahin so verehrten Herrscher und verblendete sie so sehr, daß sie mehr auf die von ihren Feinden aufgetischten Lügen gaben als auf noch so viele offensichtliche Beweise der Tugend ihres Königs, deren Augenzeugen sie selbst waren. Theodor bemerkte bald die Wirkung, die diese Verleumdungen auf den Geist seiner Untertanen gemacht hatten. Er wollte, wie sein Sohn mitteilt, auf die Erklärung antworten, um sie zu entkräften; aber durch das Aufsehen, das diese Antwort gemacht hätte, wäre die Sache nur noch schlimmer geworden. Dagegen berichtet Varnhagen, daß Theodor ein würdig gefaßtes Manifest erlassen habe, durch das er sich und die Corsen in allem Vergangenem zu rechtfertigen suchte, was um so leichter war, als die Genueser überall die öffentliche Meinung gegen sich hatten. Denn es hatte sich mittlerweile auch die Ansicht der Höfe zu Wien, Paris, Madrid und London geändert. Zwischendurch kam es an verschiedenen Orten des Landes, namentlich an der Küste, zu heftigen Zusammenstößen, die teils zu Gunsten der Corsen, teils ihrer Feinde ausliefen. Wenn auch Ende Juni ein Schiff anlegte, das den Corsen vier achtpfündige Kanonen mit allem Schießbedarf, 500 Flinten und viele andere Gegenstände überbrachte, so rüttelte das die Corsen nur vorübergehend zuf. Alles kam eben auf die Einnahme von Bastia an. Und als hiese nicht zu erreichen war, griff eine allgemeine tiefe Verstimmung Blatz. Die Corsen beobachteten von jetzt ab mit weniger Schonung jas, was ihren König betraf, und stellten mehr Anforderungen an eine Geduld, als an seine Weisheit. Die Verzögerung des Einseeffens der Hilfsmittel, die er ihnen seit langem in Aussich estellt hatte, das Gerücht von furchtbaren Kriegsrüstungen, die nan gegen sie vorbereitete, seine freien Reden über die Religion und tine Beziehungen zu den Türken, die. in den schwärzesten Farben zu malen, die Geistlichteit nicht unterließ, trügen viel zur Aotrünnigkeit des Volkes bei. Theodor verwies ihnen das in väter lichem Tone; als er aber dann sah, daß sie hartnäckig dabei blieben. seine Milde zu mißbrauchen, sah er sich gezwungen, sie als König nachdrücklich zu bestrafen. Und das um so mehr, als sie ihm nach dem Leben trachteten Eine gegen ihn angezettelte Verschwörung wurde entdeckt; die drei Hauptschuldigen wurden zum Tode durch den Strang verurteilt. Da sie aber den vornehmsten corsischen Familien nahe standen, vermehrte ihre Hinrichtung nur noch die Zahl der Unzufriedenen. Ihnen war dieser Akt der Gerechtigkeit ein unauflößlicher Beweis für die Gransamkeit Theodors; sie hielten ihn für einen noch schlimmeren Tyrannen, als sie die Genueser betrachleten, über die sie sich stets mit Recht so bitter beklagt hatten. Die innere Unruhe wurde allgemein. Die Corsen empörten sich öffentlich gegen ihren Befreier, und nichts konnte sie in den Grenzen der Achtung halten, die sie ihm schuldig waren. Sie erklärten ihm offer, er habe alle ihre Hoffnungen getäuscht; er habe es nur unternommen, sie von der Gewaltherrschaft der Genueser zu befreien, um ihnen ein umso grausameres Joch seiner Herrschaft aufzuerlegen. Theodor sah sich sowohl, von dem größten Teile seiner Untertanen, als auch seiner Soldaten verlassen. Es blieven nur noch diejenigen, denen er Amt und Brot gegeben hatte. Er befand sich also in großer Gefahr. Aber unbekümmert darum, ließ er die schmerzlichen Aufwiegelungen über sich ergehen, tat, als wenn er nichts bemerkte, und trua den Corsen gegenüber das + Sauerland= Führer und Wanderbuch. Verlag von Wilh. Stollfuß in Bonn.— Für alle Freunde des Sauerlandes wird es interessant sein zu erfabren, daß dieser neue Führer soeben erschienen ist. Wie alle Führer dieses Verlages ist auch der neue Sauerland Führer in dem bekannten grünen Kleide mit einer geschmackvollen Umschlaaszeichnung des Landschaftsmalers C. Nonn berausgekommen. Alles was dem Wanderer und den Freunden des Sauerlandes Interesse bietet, bringt dieser neue Führer. Gediegene Aufsätze über die Grenzen, das Bergland sowie die Gewässer und Täler des SauerAbhandlungen über die Bodenschätze sowie über Geschichtliches des Sauerlandes und über 40 der prächtigsten Landschaftsaufnahmen aus dem Sauerlande sind aufgenommen worden. Der Führer enthält außerdem die genaue Beschreibung von über 170 der schönsten Sauerlandwanderungen und bringt von den aufgeführten Plätzen und Sommerfrischen alles das was der Sauerlandbesucher wissen muß. Es ist eine Ausgabe mit nur einfacher Uebersichtskarte und eine weitere Ausgabe B. mit einer der vorzüglichen farbige Karten des Sauerlandes erschienen. Es handelt sich um 2 große 4farbige Sauerlandkarten mit dem eingezeichneten Wegenetz des Sauerländischen Gebirgs=Vereins, der Karte des West sowie des Ost-Sauerlandes. Beide Karten werden vom Verlag in Umschlag gebeftet, auch ohne Führer ausgegeben. Wir sind gewiß, daß uch dieser neue und zeitgemäße Sauerlandführer bald viele Freunde erworben haben wird. Gefühl der Sicherheit zur Schau, was oft besser nutzt, als wirkliche Kraft. Er hatte den Charakter der Corsen soweit kennen gelernt, daß er hoffen durfte, durch Verleihung von Titeln und Würden ihre Anhänglichkeit noch einige Zeit fesseln zu können. Begleitel von einer 400 Mann starken Leibwache— ohne sie wagte er schon ticht mehr, zu erscheinen— begab er sich nach Sartene und stiftete vort den Orden der Befreiung.***) euns, das die Ritter des Ordens der Befreiung trugen, mußte von himmelblauer sein. Der Ord n, an einem grünen Bande getragen, und imschlossen von e nem siebenspitzigen Stern in schwarzer und Goldmaile, zeigte auf kreisrundem grünen Grunde die allegorische Ge Gerechtigkeit, bealeitet von finnbildlichen Figuren und die wappen des königlichen Hauses. Wenn ein Ritter aufgenommen lniete er vor dem Könige nieder, und dieser sprach zu ihm: „Ich mache Euch zum Ritter des hohen Ordens der Befreiung. Ihr musset leiden, von uns allein, daß wir Euch dreimal mit dem sloßen Degen berühren, und ihr werdet gehorsam sein in allen Dingen bis zum Tode. Die Ritter mußten stets den Degen tragen, ihn während der Messe aus der Scheide ziehen und, wenn der Priester das Evangelium las, ihn erhoben halten.(Revue numismatique 1842.) Aber nichts desto weniger sank Theodors Ansehen und Sicherheit immer mehr, zumal sich unter Giacinto Paoli und Raffaeli eine Gegenpartei gebildet hatte, die weder von den Genuesern, noch Theodor etwas wissen wollte. An der Spitze der ihm gebliebenen Truppen zog Theodor gezen die Empörer zu Felde, wurde aber völlig geschlagen und elbst nur durch Giafferi gerettet. Flüchtig mit wenigen Getreuen datte er nun neben den genuesischen Dolchen auch die korfischen zu fürchten. Theodor tröstete sich damit, dapn uge blick 6000 Soldaten, die ihm unter dem Befehle des berüchtigten Karufa aus Albanien versprochen worden waren, eintreffen konnten; durch hätte er die Corsen leicht zu ihrer Pflicht zurückführen können vie groß war seine Enttäuschung, als er erfuhr, daß der Sultan voll und ganz in Anspruch genommen war durch einen Krieg gegen die Russen und Kriegsvorbereitungen gegen den Kaiser traf, daß er anter diesen Umständen an die Eroberung Italiens garnicht denken könne, ohne sich dadurch Frankreich, Spanien und die venezianische Repu lik zu Feinden zu machen. Zu der gleichen Zeit erhielt es zenderes Glücna, gelockt durch die Hoffnung auf unter Theodor harrte, mit einem die für Theodor bestimmt waren, in des Lienst des Königs beider Sizilien getrete war. (Fortsetzung folgt.) Corse" von 1738eiatdde des révolutions de l'ile de Er war selbst derden rechts eine Abbildung dieses Ordens er var elbst der Großmester, dem die Comture und Ritter der den. Viele Orden. Auch Ausländer konnten Mitglieder wer e Ordensritter, deren jeder 1000 Scudi zu erlegen hatt Ritter, erhielten zugleich den Titel npet h Narchefen, die sich zum Teil noch lange nachher be