H Num mer 15 Sonntag, den 13. April 1941 10. Jahrgang Zwischen Licht und Finsternis Vom Sinn des auferstehenden Lebens erste" gegen Östern die Frühlingssonne mit en milden Strahlen auf den lichthungrigen eschen unserer Zone herniederscheint, ist es ihm, stute ein wärmender Feuerstrom durch seine een. Kräfte, die den Winter über brach gelegen, " in ihm stürmisch zur Entfaltung. Mut Latenwille entzünden sich an ihnen. „Sonne und Feuer erscheinen nicht von ungefähr er österlichen Symbolik. Ohne Feuer keine estal kein Licht und kein keimendes- sprießenseeben. Der altgermanische Bauer war sich g.e5 gleichnishaften Tuns bewußt, wenn er im 29 die Gründung eines Ehestandes und einer amilie mit dem Entfachen eines weithin sichton: Feuers begann. Er bekundete damit, daß gendreer. Feuerstelle er und die Seinen sich geborublen durften, daß ungute Gedanken an diedie. keine Bleibe hatten, weil das Feuer auch er Sepissen läuterte. Im Knistern und Rauschen ummen wußten sie sich den Göttern nahe, uebenerhaltenden, segenspendenden, und das der Wahrheit leuchtete ihnen. ar der Winter besiegt, so feierten unsere Alteern ein großes Opferfest. Es war, wie wir buns. mit dem Abbrennen mächtiger Feuer vereden, und Österfeuer wie brennende Österräder ern noch heute an die schöne Frühlingssitte germanischer Vorzeit. eingespannt in den ewigen Wechsel von Tag Nacht, Licht und Finsternis, frohlockte der anrge bundene Mensch jener Zeiten, wenn das Scher, das Prinzip des Vernichtenden und hacten, dem Hellen und Heldischen immer sicht.weichen mußte. Ueber die Polarität Tagges,aben bereits unsere Mystiker ernsthaft nachr Einem Jakob Böhme sind sie freilich mit Willen und Begierde geschieden. Wohl der Tag und Nacht zweierlei Freude in sich: dosag das hitzige, aufschließende und die Nacht talte, einschlafende. Und doch empfindet er sie et das. Endes als ein Feuer, da sich keines ohne andere offenbare. Er sieht in der Kälte die us.der Hitze, und in der Hitze die alleinige daß die Kälte von uns empfunden wird. de sind in stetem Kampf. Wären sie es nicht, tegu Alle Dinge ein Nichts und ständen still, angslos. nasfalt wie die Menschheit ist auch die Frage em Schöpfer von Licht und Finsternis, des Masens und Wachens, des ewigen Werdens von Mittag und Abend als Mahnrunen der dung aller Lebewesen zwischen Licht und steht::3. Aufgerichtet am Horizonte der Natur Neuse Siordano Bruno, den großen Denker, der Ex im Spannungsverhältnis dieser Polarität. zeit seines Daseins an der Grenze unden Ewigkeit und Zeitlichkeit, zwischen Urbild Nachschöpfung, zwischen Verstandes- und ugnwelt und füllt selbst damit gleichsam die aber sdischen den einander fliehenden Polen. Hier Ueben wir an den Kern alles Lebendigen. Das ie Gottes spiegelt sich im Menschen, und auf Aldlicher Gegenspannung beruht gerade das che aller hohen Menschenschöpfung. tetd Licht der Wahrheit und Erkenntnis leuchgeistige alle Finsternisse des Unglaubens und der neug: Trägheit und läßt uns immer wieder oarkt aus Grüften auferstehen. Denn es ist von;en Ursprungs. Und wie ein Gesicht, das oistsen her beseelt erscheint, uns schön anmutet, 5 auch die Welt, weil aus ihr das Göttliche Österfreude Lied der Freude überschwebt er Erde junges Angesicht. Und dr Es auf was im Dunkel still gelebt angt jubelnd sich ins helle Licht. präludiert der Frühlingswind und fließen rein und klar. seiner Orgel wunderbar. le Brunnen aller Liebe sind betreit wanderst durch den Morgenglanz s. hörst den Österklang der Zeit. hoffend Herz erfüllt sich ganz einer starken Fröhlichkeit. Franz Cingia. hervorscheint.„Es ist gar nicht möglich", schreibt Hebbel,„daß die Ideen von Gott und Unsterblichkeit Irrtümer sind! Wären sie das, so überwöge ja der Wahn real alle Wahrheit, und das ist eine Ungereimtheit. Wir können jene Idee nicht beweisen, weil wir uns selbst nicht beweisen können... wir könnten die Unsterblichkeit gewiß beweisen, wenn wir nicht selbst unsterblich wären.“ Unsterblichkeits= und Auferstehungsglaube sind nicht voneinander zu scheiden, denn der eine bedingt den anderen. Mit Findlingsblöcken und Erdwällen baute sich der Mensch der Frühzeit bedeutsame Anlagen umeinanderlaufender Gänge, welche die Vorgeschichtsforschung als Drehburgen bezeichnet. In ihnen bewegte sich der Mensch in vorund zurückführenden Windungen um einen kreuzförmigen innersten Bezirk. Und wir wissen heute, daß damals bestimmte Vorgänge des Gemeinschaftslebens an diese Anlage gebunden waren und im Zusammenhang mit ihrem Bewegungszwang standen. Der Mensch gab sich Zeichen und wirkte in Zeichen, und im Keimpunkt aller Zeichenwirksamkeit lag die uralte Auferstehungsforderung: Werde, der du bist! Es ist dies eine wahrhaft erhebende Vorstellung, wie der Mensch im ständigen Kampf zwischen Licht und Finsternis, zwischen gut und böse durch die Jahrtausende immer wieder die Fackel des Glaubens und der Erkenntnis entzündet, aus Grüften emporsteigt und, gewandelt, geläutert, sein Sinnen und Trachten sonnenwärts richtet. Ernst Hillebrand. Am Östermorgen Das erste zarte Grün haben Baum und Strauch angelegt, und durch die frühlingsfrohe Au plätschert munter das klare Bächlein.(Scherl-Wagenborg/ M.) Schweigender Gang zur Quelle Österskizze von Herbert Steinmann Grau lag die Morgendämmerung des Östermorgens über den roten Dächern des Dorfes. Dunkel reckte sich der Wald über den Höhen. Noch war die Sonne nicht aufgegangen. Regungslos stand Hannelore Schulz an der Gartenpforte in qualvoller Unschlüssigkeit. In der Morgenkühle fröstelnd, zog sie den leichten Mantel fester um die Schultern. Energisch klammerte sie die Hand um den Griff des hübschen alten Tonkruges, den sie drinnen in der Wohnküche vom Sims genommen hatte, um Österwasser zu holen. Da— irgendwo in der fahlen Dämmerung erklangen leichte Schritte. Helle Frauenkleider schimmerten auf, Mädchen, die gleichfalls gingen, um Österwasser zu holen. Ein stiller, schweigender Gang, denn schweigen mußte man dabei, das war alter Brauch— sonst war der Weg nutzlos. Immer noch zögert das Mädchen. Immer noch suchen die dunklen Augen aufmerksam den beiden Frauen nach, die da leise durch die Dämmerung schritten. Sie gingen zum Brunnen, der mitten im Dorf unter der alten Linde stand. Das war so üblich, und war auch näher——— Aber da waren die Burschen und neckten die Mädchen und suchten sie zum Sprechen zu bringen. Hannelore reckte sich. Ach, die fürchtete sie alle nicht. Die waren ihr gleichgültig. Bis auf den Einen, den Einen, der gestern wiedergekommen war, nachdem er ein Jahr nichts hatte von sich hören lassen. Braungebrannt und keck hatte er vor ihr gestanden, der Karl Zimmermann, noch immer mit dem verwegenen Lächeln um die Lippen, das sie einst so gern an ihm gehabt hatte. Aber warum hatte er nie geschrieben, warum hatte er nie ein Lebenszeichen von sich gegeben? Sie waren sich doch beinahe schon einig gewesen, damals, als er von ihr fortging in die große Stadt, weil er es nicht aushielt in der Enge des Dorfes, wie er sagte. Und nun war er wieder da! Sie hatte geglaubt, das Herz müsse ihr aussetzen, als sie ihn vor sich sah. Er hatte sie begrüßt, als ob gar nicht geschehen wäre, aber da hatte sich ihr Stolz aufgerichtet— sie hatte ihn kühl und kalt behandelt. Es war ihr sehr schwer gefallen, aber Strafe muß sein. Da hatte er nur leise gelacht wie über die Unvernunft eines kleinen Kindes: „Na, denn nicht, Hannelore— wir sehen uns schon noch wieder. Du holst ja morgen früh Österwasser vom Dorfbrunnen, wie immer— da werden wir uns sicher treffen—“ In der Erinnerung an diese Worte wirft das Mädchen den Kopf trotzig in den Nacken: „Nun gerade nicht! Nun gerade nicht! Du sollst nicht denken, ich laufe dir nach— warte nur am Dorfbrunnen bis du schwarz wirst, magst die andern Mädchen dort necken— ich gehe drüben zur Quelle im Wald. An die denkst du sicher nicht mehr——“ Langsam schreitet das Mädchen jetzt seinem Ziele zu. Kurz ist der Weg, wenn man in tiefen Gedanken ist. Bald ist der Wald erreicht. Bergan geht der Weg, ein schmaler Pfad nur zwischen hohen, stillen Tannen. In den frühlingsgrünen Gräsern am Wegrand hängen frische Tautropfen. Lichter wird die Dämmerung. Irgendwo regt sich ein Vogel. Langsam bricht der Östermorgen an. Hannelore ist in tiefem Sinnen. Ist sie diesen Weg schon oft gegangen, den Weg zur murmelnden Quelle, allein, und dann mit ihm— damals, als er noch hier war. Da hat er ihr von seiner Unruhe gesprochen und daß er die Welt sehen müsse, und die großen Städte, und immer weniger sprach er von ihrer Liebe. Nein, an diesen Weg denkst du sicher nicht mehr, Karl Zimmermann...! Jetzt ist sie auf der Höhe. Frischer geht der Wind hier. Drüben im Osten schimmert es rosa und rot— der Sonnenaufgang ist nahe. Mahnend klingt das Murmeln der Quelle auf. Da beugt sie sich zu ihr nieder. Aber jäh fährt sie wieder auf. Ein Männerschritt hallt hinter ihr. Sie braucht sich nicht umzusehen. Sie kennt ihn. Und da taucht auch schon Karl Zimmermanns braunes Gesicht neben ihr auf. Aufschreien möchte sie, ihn empört anschreien. Aber sie muß ja schweigen. Es ist alter Brauch beim Holen des Österwassers. So muß sie es auch dulden, daß er ihr sanft den Krug aus der Hand nimmt und ihn an der Quelle füllt. Wie er sich aufrichtet, muß sie ihm in die Augen sehen. Kein Trotz, keine Wildheit ist in seinem Blick— jäh wendet sie sich ab. In diesem Augenblick aber steigt rot und freudig die Sonnenscheibe im Östen auf. Sonnenglast liegt auf allen Bäumen und Büschen. Von irgendwoher begrüßt ein kleiner Singvogel mit schmetterndem Jubel den Östermorgen. Schweigend gehen sie abwärts. Immer heller wird die Welt, immer lebendiger der Wald ringsherum vom Gesang der Vögel. Jetzt ist das Dorf mit seinen roten Dächern, seinem spitzen weißen Kirchturm, seinen grauen Gärten im ersten Morgenrot vor ihnen. Da setzt Karl Zimmermann den Krug mit dem OÖsterwasser behutsam zu Boden. Fast schüchtern zieht er das Mädchen langsam an sich und küßt es mitten auf den Mund. Hannelore preßt es das Herz zusammen. Der Mund öffnet sich. Aber ihr Begleiter weist nur stumm auf den Krug. Da schweigt sie. Endlich ist die Gartenpforte erreicht. Wieder setzt der Mann den Krug nieder. „Jetzt darf man wohl sprechen! Ich habe dir viel abzubitten, Hannelore. Ich habe das Heimweh kennengelernt und bin reifer und älter geworden da draußen— ich möchte mit dir und den Eltern sprechen. Darf ich kommen?" Sie sieht ihn lange an. Dann kommt es wie ein banges Flüstern.„Du— liebst mich noch, du willst mich noch—?“ Er nickt lächelnd.„Hätte ich sonst an den Weg zur Quelle gedacht?" Hell liegt das Licht des Östermorgens auf ihren Gesichtern.„Wir warten auf dich——“ sagt sie nur. Nummer 15 Der illustrierte Sonntag Erinnerungen an Mailand An der Ecke der Merkurstraße lag eine Inmitten der Lombardia, jener weiten und leuchtenden“ norditalienischen Landschaft, liegt Milano, das gallische Mediolanum, dessen Name schon die glückliche Lage dieser Stadt wiederspiegelt, in der alles Leben in Oberitalien zusammenströmte und von der es zu allen Zeiten noch glänzender wieder ausstrahlte. Mailand, das aus jeder Epoche seiner reichen, bewegten Geschichte bis in unsere Zeit Erinnerungen und Denkmäler bewahrte, überrascht trotzdem heute den Besucher zunächst durch die Aehnlichkeit mit irgendeiner anderen modernen mitteleuropäischen Stadt; es trägt gewiß am wenigsten typisch italienische Züge. Doch klingt dieses häufig von Deutschen gefällte Urteil nicht gerade wie ein Lob in den Ohren der Mailänder, bestimmt nicht in denen der„echten“ alten Stadtbewohner, die, zum Unterschied von den eingewanderten Neuansiedlern im weiten Stadtumkreis, den Gebrauch des Dialektes bewahrt haben, die alten Ueberlieferungen, den Stolz auf ihre besondere Art. Zu ihnen gehören auch die Besitzer der alten städtischen Patrizierhäuser und der palastartigen Renaissancegebäude; vor den Toren der Stadt sind sie die Eigentümer der fruchtbaren, malerisch irkenden Reisfelder mit ihren schnurgeraden eihen von Maulbeerbäumen ringsum. Dies alte Mailand erhebt auch den Anspruch, „moralische Hauptstadt“ der italienischen Halbinsel zu sein, ein Anspruch, der durch die Fortschrittsfreudigkeit der kommerziell und geistig regsamen Matkänder, deren Stadt auch die Wiege des Faschismus war, gerechtfertigt erscheint. Wer daher im heutigen Mailand noch die geruhsamen Sitten, das gemächliche und üppige Stadtleben mit seiner künstlerischen und kulturellen Betriebsamkeit wiederfinden will, wie es etwa Manzoni in einem Roman aus dem 17. Jahrhundert beschreibt, der ist schwer enttäuscht. Der hastende Verkehr besonders in den hindernisreichen Straßen im Stadtinnern ist nicht einmal mit dem Berlins zu vergleichen, wo das pulsierende Großstadtleben allmählich in den über weite Flächen sich ausdehnenden Vororten— die in Mailand fast ganz fehlen— verebbt. Und doch haben dauernde bauliche Aenderungen zur Schaffung großer Straßendurchbrüche nicht einen Winkel der Stadt ganz unberührt gelassen. Aber in Mailand besteht wie in keiner andern Stadt Italiens die Notwendigkeit, moderner Lebens= und Denkungsart im Straßenbild Ausdruck zu geben und ihm gleichzeitig seine kostbaren Bauwerke und Denkmäler zu erhalten. Seltsamerweise stellte sich heraus, daß nach dem Zerstören des mittelalterlichen Straßennetzes(und leider auch vieler weiter Gärten und geräumiger, schattiger Innenhöfe) und bei der Wiederherstellung neuer Verkehrsadern, diese häufig den altrömischen Straßenlinien entsprechen. Ein Symbol für den Kampf zwischen römischer Urbanität und mittelalterlicher Aristokratenherrschaft in Mailand, in dem endgültig jene den Sieg errang!— Was der Stadt an Altem blieb, ist wenig im Vergleich zu dem Kunstreichtum der übrigen italienischen Städte, doch lohnt es sich, dies aufzusuchen. Man muß die Kostbarkeiten der Stadt erst entdecken, nur wenige liegen für alle Augen sichtbar an den großen Corsos, wie z. B. das Kastell der Sforzas an dem Foro Bonaparte oder der weltberühmte Mailänder Dom am Corso Vittorio Emanuele. Um diesen beherrschenden Mittelpunkt der Stadt brandet das Leben zu jeder Tagesstunde. Gewaltig bei aller Feingliedrigkeit und Aufteilung der Mauern in eine Unzahl von Fialen und Statuen, ein Festspiel für die Augen— besonders wenn der weiße Marmor rosa in der Abendsonne erstrahlt, wirkt er doch fremd auf italienischem Boden und bleibt ein Streitobjekt für alle Kunstfreunde, dieses„Weihegeschenk der Renaissance an die sterbende Gotik“. Das eigentliche Wahrzeichen für Mailand aber ist— für jeden, der es lieb gewonnen hat— Sant' Ambrogio. Unvergeßlich großartig bleibt für ihn der Eindruck, wenn er zum ersten Male VON DR. GRETE LAUMANNS aus der lärmenden heißen Stadt in das Atrium vor die romanische Basilika tritt. Noch unter den schlanken, geschwungenen Bogen der von Bramante errichteten Vorhalle verweilend, durch den plötzlichen Wechsel von der Sonne draußen zur Kühle drinnen erschauernd, gleitet der Blick weiter über den Vorhof zur Kirche hin, der Bischof Ambrosius den Namen gab; das Auge erwärmt sich wieder am feurigen Rot des Steins. Hoch und eckig erhebt sich der Turm gegen den tiefblauen Himmel. Unendliche Harmonie von Form, Farbe und tiefstem Ausdruck! Kaum etwas blieb der Stadt an Kunstwerken aus jener romanischen Frühzeit. Der Brand von 1162 verschonte außer dieser ältesten Kirche nur wenig. Allein unter südlichem Himmel, südliche Vegetation umschließend, sind jene kühlen und doch so lieblichen Bauwerke aus dem Rinascimento denkS. Maria delle Grazie- II Chiostro Gaststätten im alten Po VON PROFESSOR DR. WALTER BOMBE Das klassische Altertum kannte schon Gasthöfe, Aufenthaltsgelegenheiten, die denen unserer ähnlich waren. Es gab auch damals Gelegenheiten zum Pferdewechsel mit und ohne„Sattelschoppen“ wie heutzutage, ebenso Garküchen und Schenken aller Art. In Pompeji, der vom Vesuv im Jahre 79 n. Chr. verschütteten Stadt, waren die Garküchen und Schenken leicht kenntlich. An der Straße stand ein großer steinerner, oft mit buntem Marmor belegter Tisch, der sich auch an einer Seite nach der Wand fortsetzte. Große Töpfe, zum Teil mit Feuerlöchern zum Warmhalten, waren in den Tisch eingelassen, und ein treppenartiger Aufbau auf dem Tische diente zur Auslage der Spezialitäten wie der berühmten Pompejaner Fischsauce und anderer Gerichte, und Wein von den Abhängen des Vesuvs, aus den gesegneten Gauen Süditaliens und Griechenlands gab es in reicher Fülle. In einer draußen am Stabianer Tor gelegenen Kneipe preist der Wirt die Weinlauben und sonstigen Vorzüge seiner Gaststätte in einem artigen Verschen an: „Garten, rohrgeflocht'ne Laube, Becher find'st du hier und Rosen, Saitenspiel und Flötenklang bar, wie es in Mailand der Klosterhof von„Santa Maria della Grazie“ ist. Nachdem man im Refektorium dieses ursprünglichen Dominikanerklosters Leonarde Abendmahl geschaut hat, drängt es einen, allein zu sein, man geht einige Schritte und findet sich unter den schattigen, schwingenden Wandelgängen des ehemaligen Klosters geborgen. Durch die Arkadenreihen und über den alten Klosterhof hinaus sieht man Bramantes Renaissancekuppel malerisch und sonnenüberstrahlt sich über der gotischen Kirche erheben; das ganze Bild in seiner Geschlossenheit ein Meisterwerk italienischer Architektur! Sehr viel bliebe noch zu sagen, um Mailand das Lob zu spenden, das es verdient, dieser so oft von enttäuschten Reisenden geschmähten Stadt; von Fremden, die von jenseits der Alpen kamen und sich nicht die Zeit nahmen, die Eigenart dieser Stadt zu ergründen. Werden lieblich dich umkosen. Komm' und ruh' nach heißem Wege, Unter Reben, dicht belaubt, Und mit Rosen, frisch und duftig, Kränze froh das müde Haupt!“ Einer der Gäste dieser Kneipe machte seinem Aerger über den gewässerten Wein mit einem anderen Verschen Luft: „Kneipwirt, möchten solche Lügen Auch einmal dich selbst betrügen! Du trinkst ungemischten Wein, Andern schenkst du Wasser ein!“ Es sei hier vermerkt, daß alle schweren Weine meist mit Wasser vermischt wurden, wozu ein Mischkrug diente. Man konnte den Wein warm trinken, wofür glühende Holzkohlen bereit lagen; wer es aber liebte, den Wein kalt zu trinken, kühlte ihn mit Schnee. Als Schöpfgefäße dienten langstielige Löffel. Man trank aus Schalen, Bechern oder aus Trinkhörnern, den Rhythien, aus deren Spitze man sich den Weinstrahl in den Mund laufen ließ, indem man das Horn möglichst hoch hielt, wie das noch heute in spanischen Schenken üblich ist. Da Wein, Weib und Würfelspiel die Gemüter erhitzten, so waren in diesen Kneipen Zank und Streit an der Tagesordnung. Aber wenn die Gäste aneinander gerieten, so wußte der Wirt sein Hausrecht zu wahren:„Ite foras, rixsatis!"„Hinaus mit euch, ihr fangt ja Streit an!“ In den, Wirtshäusern, Kutscherkneipen und Schenken für die behäbigen Bürger sind solche Inschriften oft der Text zu Bildern. So wird einmal ein Gast dargestellt, der den Wirt um einen frischen Trank bitter:„Da fridum pusillum!“ Ein anderer Gast spricht zum Wirt:„Tu' noch einen Becher Setinerwein hinzu!" Während jemand in der Basilika gesteht:„Suavis hat einen schrecklichen Durst auf volle Krüge!“ dene, bei dem Volke beliebte Kneipe. Ein buntem Marmor bekleideter Schenktisch, Küchenherd zur Bereitung warmer Speisen ein Treppchen zur Aufstellung von Weintrug waren die Ausstattung. Andere Waren mogen a den Wänden gehangen oder, wie das Gemuse, der Tür neben dem Eingang ausgelegen haben Nach hinten gab es noch zwei Kammern und er behaglichen größeren Raum für die Stammrn schaft. Hier laufen um die Wände schlecht er tene Bilder und Inschriften mit der gemar Wiedergabe des Wirtshauslebens: Männer" Frauen, an Tischen sitzend und trinkend,“ denen Würste, Zwiebeln und große Käselgibe einer Stange hängen. Es sind auch sonst noch Wandbilder erhalten auf denen dargestellt ist, wie die Gäste es ff haglich machen, von der Kellnerin frischen fordern, ihr Spielchen machen, sich dabei erhes und zanken und schließlich an die Luft gesetzt den. Bei den letzten Grabungen fanden sich reiche an die Wand gelehnte Weinkrüge in en, der Garküchen. Hier konnte man offenbar dar was man eingekauft hatte, in einem Hinterzin behaglich verzehren und seinen Wein dazu trinden und häufig wird man hier auch Gelegenheil habt haben, zu übernachten.„Hier schlief Restitutus ganz allein und gedachte in Sehnser seiner Urbana“— so meldet eine Inschrift. sonders häufig sind Worte der Liebe:„Eestirs Königin von Pompeji, süße Seele, laß dich 9e ßen!"—„Ich muß eilen, leb wohl, geliebte Liebe mich!“ Oft sind die Inschriften im Lupanar, in demt vielen anstößigen Malereien keinen Zweifel die ursprüngliche Bestimmung des Hauses lat Aber schon draußen lesen wir als Beischrifl zwei großen, rotgemalten Schlangen, den bildern der am häuslichen Herde verehrten (Schutzgötter), die Worte:„Otiosis locus hic de est, discede, morator!", durch welche mupe Gaffer zum Weitergehen aufgefordert wel etwa im Sinne einer heutigen polizeilichen nung:„Nicht stehen bleiben! Weitergehen““ In derselben Straße, ebenfalls im Bereiche neuen Grabungen, sieht man im oberen Stout die nach der Straße zu geöffneten Speiseraube zwischen deren Pfeiler man nur Spiegelschenn, einzusetzen braucht, um eine elegante wie so viele Speisehäuser in Neapel zu erhat Aber auch ohne damals noch unbekannten des der Spiegelscheiben können hier equestria cula(kavaliermäßige Speisesäle), wie sie in Werbeinschrift angepriesen werden, vorhanden wesen sein. Die Pompejaner waren Zechre, wie wir schon gesehen haben. Src, Freunde eines guten Trunkes waren es, die. gende boshafte Wahlempfehlung unterzeichne „Den Vatia erbitten als Aedilen(Polizeidire sämtliche Spättrinker(seribibi universi). empfehlen ihn auch alle Schläfer und Spitzbur Viele dieser Schenken hatten auch Zimm Uebernachten, aber Plinius, der zur Zei Unterganges von Pompeji schrieb, weiß zu de ten, daß es in diesen Herbergen„aestiva hen malia"(sommerliche Tierchen) gab. rzuch besser eingerichteten Gasthäusern finden sich steinerne Betten, die aber zum Liegen dienten, während die einfachen Leute auf S saßen. zu Anekdote Es war lange Zeit vor dem Weltkriege. zes mals stand in Augsburg als Kommandenn. dortigen Chevaulegerregiments Adolf von Weunh der seines scharfen Witzes wegen gefürchte berühmt war. An einem Morgen hatte er dem Exerzterei ner Eskadronen zugesehen. Sah er nun an Tage alles schärfer an als sonst oder waren Leistungen der Soldaten tatsächlich gewöhnlich— Muffel geriet in eine immer ter werdende Stimmung, und seine Stirn ließ die Offiziere Böses ahnen. Nicht mit Unrecht. Nach Schluß der und rief er die Offiziere zur Kritik zusammen putzte sie gehörig herunter. Düster blich Offiziere vor sich hin und atmeten auf, als zypen Chef endlich in übelster Laune und mit Gruß verabschiedete und hinwegritt.ere Er mochte erraten, was sich seine von dachten, denn kaum war er etliche Schr. ihnen enntfernt, als er sein Pferd anhe noch einmal umdrehte und zurückrief: „Sie mich auch, meine Herren!!“ Worauf er endgültig abtrabte. Verla Karl Laumanns, Haupts AnHeiratswünsche Im JII. Sonntag finden stets Beschtung La Canonica di Sant’ Ambrogio del Bramante Verlag: C. Jos. Laumanns, Friedrich ter: Emil Reuber, Anzeigenleiter: Schlepphorst. alle in Lippstadtelzeigenpreis: 8 Rpf. pro 46 mm genspalte.— Anzeigenpreisliste Große Zuchivieh-Versteiger" in Münster(Westtalen) IIalle bei der Halle Münsterland) am 23. und 24. April 1941. Zur Verstelgerung gelangen: Mittwoch. den 23. April 12 Uhr 150 hochtrag. Färsen und Erstlingskühe Donnerstag den 24. April, 11 Uhr 200 gekörte Bullen des rotbunten l'iellandschlages Alle Tiere stammen aus seuchentreien Beständen, sind gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimP Bazillue Bang uutersucht. Westtälisches Rindersiammbuch der RolbunMünster(Westl.), Engelstraße 40, Fernruf 205 23.