Zwei alte Fachwerkhäuser in Wiedenbrück Bauern Ich sehe sie schreiten im Morge Jahresarbeit der Mädchenmittelschule Lippstadt von Regina Becker, Langenberg Wohl kaum eine andere Stadt meiner näheren e tai kann einen solchen Reichtum an Facherthäusern aufweisen, wie Wiedenbrück, das alte one Städtchen an der Ems. In den Hauptn owie in den engen winkligen Gäßchen solche Zeugen einer vergangenen Zeit zu finZumeist sind es Renaissance=Fachwerkbauten, e im 16. bis 18. Jahrhundert entstanden. Sesonders hervorzuheben sind das Haus Ottens strerkt und das Haus Otterpohl in der Mönchstans Während das erste im Jahre 1635 ent9 ist als Baujahr des letzteren bereits das hr 1576 zu nennen. „Das also 59 Jahre ältere Haus Otterpohl de§war an Große und Ausbreitung nicht mit Ottens'schen verglichen werden, dafür ist es darf der ältesten Häuser Wiedenbrücks und . sich mit seinen zahlreichen Schnitzereien wohl sehen lassen. och bevor die Schrecken des Dreißigjährigen n ges über die deutschen Lande hereinbrachen, n Konrad von Willen das Haus erbauen. der Anfangsbuchstaben seines Namens sind in Hausmarke über der Tür zu sehen. 8 sosdem das Haus Otterpohl zwischen weiteren den D...sern eingezwängt liegt, macht es auf etrachter einen kraftvollen, fast behäbigen durAu. Das kunstvoll geschitzte Gebälk wird 9 klare, ruhige Farben hervorgehoben. S. zwischen den Häusern, mindestens an einer „ho.. ein etwa 1 Meter breiter Gang für das undich Gemach"(Abort) frei bleiben mußte, u= man andererseits das Baugrundstück gut auswollte, steht jedes Stockwerk über dem dadieEliegenden um Balkenbreite vor, so daß oben bern aufenseiten des Hauses die Nachbarhäuser siche. Dadurch wurde der Seitengang regenaller. Haus besteht aus drei Stockwerken, die die Zess, sehr niedrig sind. Dem entsprechen auch breie die Hälfte der Vorderfront nehmen die sprnc geschnitzten Borden und Balken in AnDer übrige Teil besteht aus Mauerwerk. gebre“ unteren Teil verwandte man den hartwohn: Klinkerstein, während sonst der gewurderegelstein genügte. Die Ziegelsteine andeicht gleichmäßig neben- und übereinmengegee“t sondern zu hübschen Motiven zusamdie Fer.k. Ein besonders schönes Muster zeigt Stocch Wischen den zwei Fenstern im dritten die M die Fugen hell ausgefüllt sind, treten demde um so mehr hervor; auch verleiht es unzen einen frischen, sauberen Ausdruck. der 3. Gleiche bewirken auch die Fenster, besonrch ihre elfenbeingestrichenen Rahmen. größten Fenster des unteren Teiles sind die Läden Hauses. Sie werden durch grüne Stocsee. Die vier Fenster des nächsten Jedes 3: liegen senkrecht über den unteren. zu denaer vier Fenster besteht im Gegensatz haben sesen aus acht kleineren Scheiben. Auch ten keine Läden. Die zwei Fenster des dritwerkes es und das letzte des vierten Stockno Bodenfenster, vor denen meistens die geschlossen sind. werden. Fenstern soll die Tür beschrieben nannt oi ein dreiteiliges Deelentor, gestrahense enduer. Die Rahmen des sonnenchenngen Bogenfensters sind weiß gestriladen ari Tür sonst, gleich den Fensterzwei han..1st Jedes der drei Teile besteht aus von enJet ern. Umrahmt wird das Tor ten Bart reichen Bandornamenten verzierwo sie: Diese reichen fast bis auf den Sockel, der Du. eine Schneckenform aufrollen. Ueber 18.e der Querbalken, der die Jahreszahl Hausmarta Jakobi, einen Spruch und die trägt. Der kurze, eingeschnitzte Spruch (mit Handzeichnungen der Verfasserin) bringt klar und deutlich die Gesinnung des Erbauers zum Ausdruck. Er lautet: „WAN GODT NICHT BOWET- SO IS DE ARBEIT VERLOREN“ Auf den Kreuzungspunkten der beiden Längsbalken mit dem Querbalken prangen je ein Sternenmotiv. Das künstlerisch Wertvolle dieses Hauses sind zweifellos die umfangreichen Schnitzereien. Sie denbrücks zählt. Die Familie Tecklenborg benutzte den größten Teil des Hauses als Speicher. 1774 ging es in andere Hände über. Der Seiltänzer Johannes Lauterbach kaufte es.(Das lateingeschriebene Hausverkaufsdokument ist mit dem Siegel des Seiltänzers versehen und noch heute vorhanden.) 1797, also nach 23 Jahren, kaufte der Goldarbeiter Ernst Elverfeld das Haus. In dieser Familie blieb es nun bis 1909. 1910 kam es in den Besitz des Fahrradhändlers Ottens aus Haus Otterpohl in der Mönchstraße Hausmarke des Otterpohl’schen Hauses lassen sich in drei Teile zerlegen; in den unteren tragenden Balken, in die Streifenmuster und in das eigentliche Schnitzwerk. Die tragenden Balken werden von Konsolen gestützt. Ein Stückchen über diesen zieht sich ein ähnliches Bandmuster wie auf dem Balken an der Tür hin. Darauf folgt eine breite, geschnitzte Borde. In gleichem Abstand voneinander sind halbkreisförmige Blattrosetten angebracht. Zwischen diesen sieht man entweder wieder kleinere Rosetten oder grobgeschnitzte Köpfe. Einige dieser Köpfe erinnern sehr an die von Tieren. Sie haben große, abstehende Ohren und strecken die lange Zunge heraus. Augen und die Stirn dagegen sind sehr klein. Zeichen, die man an vielen alten Häusern entdecken kann, sind Sonne, Mond und Sterne. Auch an diesem Haus hat man sie nicht vergessen. Sehr gut heben sie sich von dem zartblauen Untergrund auf der Giebelwand ab. Da die Balken und Schnitzereien zum Teil schon etwas verwittert und undeutlich waren, hat man versucht, durch einen Anstrich die Formen wieder klar hervorzuheben. Dieses ist sehr gut geglückt. Heute steht das 365 Jahre alte Haus wieder schmuck und stattlich in der Reihe der anderen Fachwerkhäuser, als habe es erst vor einigen Jahren den Richtbaum und die Krone getragen. * Das Haus Ottens am Markt wurde 1635 von dem Kaufmann Eberhard Tecklenborg erbaut, Trotzdem dieser 1626 bei dem Einfall der Dänen fast sein ganzes Vermögen verloren hatte, war es ihm neun Jahre später möglich, das stattliche Haus zu bauen, das heute noch mit seinen reichen Balkenschnitzereien zu den schönsten Häusern WieHerzebrock, der es von dem Häusermakler Stertkamp aus Gütersloh kaufte. Zum erstenmal wurde das Haus nun umgebaut. Aus der Deele machte Der Siegel des Seiltänzers auf dem Hausverkaufsdokument man einen Laden. An Stelle des Einfahrttores setzte man ein großes Schaufenster ein. Leider hat man auch die Butzenscheiben entfernt und statt dessen gewöhnliche Fensterscheiben eingesetzt. Im übrigen ist das Haus geblieben, wie es war. Das Haus Ottens ist ein vierstöckiger Bau, dessen Stockwerke nur wenig vorstehen. Außerdem mußten zwei Häuserfronten gestaltet werden, eine zum Markt und die andere zur Langestraße. Die Marktseite ist besonders wegen ihrer sinnigen Inschriften sehenswert. Diese sind in die Balken eingeritzt. Damit sie deutlicher hervortraten, hat man den Hintergrund hellblau gestrichen und die Schrift in Gold gesetzt. Die erste dieser Inschriften lautet: VHOIT DICH VOR DE KATZEN, DE VOR LICKEN UND ACHTER KRATZEN. Den Sinn dieses Spruches findet man an verschiedenen anderen Häusern Wiedenbrücks bildlich Ich sehe sie schreiten im Morgenlicht Mit ernstem, wettergebräuntem Gesicht Und goldenen Samen werfen. Ich höre sie abends vorm Scheuertor,— Der Mond lugt über die Giebel empor,— Die singenden Sensen schärfen. Was zwischen Säen und Dengeln lag? Ein arbeitsvoller, hartmutiger Tag Mit tausend dumpfen Sorgen. Ein rauhes Mahl, ein Vesperbrot Und stumm ein Kampf mit steter Not, So gestern, so heute, so morgen. Was würzt ihm das Mahl, was beut ihm der Tag? Die heimliche Sorge vor Schloßenschlag, Vor Blitz und währendem Regen, Der Sturm, der ihm das Dach bedroht, Das harte Leben, der hämische Tod Stehn immer an seinen Wegen. Drum schreiten sie ernster im Morgenlicht. Und wettergebräunter im Angesicht Und streuen von neuem den Samen. Sie wissen, was Leben und Arbeit will, Sie schauen nach oben und schaffen still, Ergeben— in Gottes Namen. F. Schrönghamer=Heimdal, PassauHaidenhof. dargestellt, und zwar durch einen Doppelkopf, der an der einen Seite lächelt und an der anderen Seite die Zähne zeigt. Die folgende Inschrift ist etwas länger und heißt: WANN DU WILT RICHTEN MICH UND DE MEINE, SO GEHE VORHIN UND BESEHE DICH UND DE DEINE— FINSTU KEINEN MANGEL AN DICH UND DE DEINE— SO KUM, STRAFF MICH UND DE MEINE. Im dritten Spruch bittet der Besitzer den Höchsten um den Schutz des Hauses und seiner Bewohner mit den Worten: — ACH HERR, LASS DIR BEVALEN SEIN— DIS HAUS UNDT ALLES WAS DAREIN,— ERHALTE ES DORCH DINE VERDERLICHE HAND,— BEWAHRE AUCH VOR RAUB UNDT BRANDT.— Die nur wenig vorstehenden Balken, die diese Inschriften tragen, werden von wuchtigen, etwa meterhohen Konsolen gestützt. Auf den letzteren sind ebenfalls einige Schnitzereien angebracht. Der untere Teil des Hauses besteht nicht wie der obere aus Ziegel=, sondern aus Quadersteinen, die grün gestrichen sind. Die Flächen zwischen den Fenstern im zweiten und dritten Stockperk weisen verschiedene Muster auf. An der rechten Seite, im unteren Teil, sind zwei kleinere Schaufenster angebracht worden. Desgleichen stammt auch das Geschäftszeichen an der rechten Hausecke aus jüngeren Jahren. Die Kunstschmiedearbeit paßt sich gleich den Schaufenstern sehr gut dem Fachwerkbau an. Und nun die Seite zur Langestraße. Von hier fällt einem fast noch mehr die Größe und Behäbigkeit des Hauses auf. Im Gegensatz zur anGeschäftszeichen zur Langestraße hin deren Seite stehen nur das zweite, dritte und vierte Stockwerk vor. Außerdem tragen die Querbalken keine Inschriften, auch sind die Ziegelsteine nicht (Schluß auf der letzten Seite.) Der ilustrierte Aumm 10. Jahrgang er 8 Sonntag, den 23. Februar 1941 Der illustrierte Sonntag Nummer 8 10. Jahrgang alte Fachwerkhäuser in Wiedenbrück (Schluß von der ersten Seite) zu Mustern zusammengesetzt. Dafür ist aber an dieser Seite der alte Eingang, das ehemalige Deelentor, geblieben. Besonders auf den Eingang hat der Erbauer viel Wert gelegt. Gleich dem Otterpohl'schen Torbogen weist auch dieser Bandornamente auf. Daneben sind zwei Menschengestalten eingeschnitzt, deren Beine in einen BaumEine Geschichte von Berend de Vries des, der dich gebissen hat. Selbst aber trank er keinen Tropfen. Zu seiner Entschuldigung sagte er mit seiner hohen, piepsenden Stimme zu dem ihn verwundert anstierenden Maler:„Ich bin Makler und Verkäufer deiner Kunst, Jan Soukens. Starke Getränke darf ich heute morgen nicht zu mir nehmen; denn das würden die Käufer merken, und ich würde kein Bild loswerden. Du aber, Freundschaft— bediene dich! Es ist dir von Herzen gegönnt.“ Darauf verzog sich der kleine Schelm mit einem großen Sack voll Bilder, und der Maler, in der Hoffnung auf eine gute Ernte, blieb zurück in dem verräucherten Bau und vertrieb sich die Zeit mit Rauchen und Trinken. Inzwischen lief Malebrant alle Straßen und Stege ab und versuchte, die Bilder an den Mann zu bringen. Und er verkaufte auch welche zu einem geringen Preis. Er verstand sein Geschäft ausgezeichnet. Zu ausgezeichnet, um die Wahrheit zu sagen. Er hatte zwei Geldbeutel. Den dritten Teil des empfangenen Geldbetrags tat er in den zweiten Beutel, und diesen würde der vertrauensselige Jan Soukens niemals zu sehen bekommen. Als es ihn für heute genug dünkte, trippelte Jantje vergnügt wieder nach Hause. Jan Soukens, eingehüllt in eine Wolke aus Tabakrauch und Bierdunst, saß noch an der gleichen Stelle; der Zinnkrug vor ihm auf dem Tisch glomm mausgrau aus dem Qualm. Sein Geist aber schien irgendwo über dem nördlichen Eismeer zu schweben. „Nun“ rief er mit rollendem Baß und in einer Anspielung auf das Zeitalter der Entdeckungen und des Walfischfangs dem Kerlchen entgegen, „wie stehen die Sachen in Nowaja Semlja? Ist der große Fang gelungen, oder ist es nur ein halbes Fischlein?“ Dabei sandte er dem Zwerg ein paar verdrehte Blicke zu. „Es scheint, Bruder, daß kein Korn mehr in Aegypten oder kein Geld mehr unter den Bilderkäufern ist,“ erwiderte der durchtriebene kleine Betrüger mit trefflich geglücktem, betrübtem Augenaufschlag.„Die Heiligen haben um ein Drittel weniger gewogen als im vorigen Jahr, und trotzdem können die Menschen keine Achtung davor kriegen.“ „Zum Teufel, Jantje=Bruder, es ist aber doch solch herrliche Kunst!“ schrie der Maler wütend und warf seine Tonpfeife in Stücke, daß die Funken stoben. Da keckerte Malebrantjes spitzes Lachen dazwischen, und er gab seinem hohen Organ etwas wie Würde, als er erklärte:„Das ist wahr, Bruder, und darum habe ich die Bilder vertauscht gegen Dordrechtsche Silberlinge und goldene Füchse.“ Damit überreichte er Soukens zwei Teile und verschwieg den dritten. Der Maler aber, froh, eine Handvoll Silbergeld und einige Goldstücke zu sehen, war begeistert wie ein Kind um St. Nikolaus.„Herrlich hast du deine Sachen ausgeführt, Jantje aus dem Wunderland,“ rief er aus.„Los, laß uns die beste Gaststätte aufsuchen, die in dieser guten Stadt zu finden ist. Ich will dich freihalten wie einen König." Dann kreuzten sie davon, abgerissen und zerlumpt, ein kleiner Rundlicher und ein dürrer Zwerg. In Jan Soukens Seele sang es wie Domglocken am Rhein, dem schönen Strom, an dessen Ufern er einst seine besten Bilder gemalt hatte. Aber es klang, als seien die Glocken geborsten. Arm. Warum war sie so schwer? Eine Last wird wohl immer schwerer, je länger man sie trägt und je müder man wird. Ja, wenn es Leinwand wäre, aber er malte stets auf Holz. Dafür mußte er jetzt büßen. Er blieb stehen, stellte die Last an den Wegrand und atmete erleichtert auf. Dann setzte er sich auf die Kiste nieder, wischte mit dem Aermel den Schweiß von der Stirn und schaute umher. Wie schön der Tag war! Lerchen sangen im Blau; flaumige Weidenkätzchen hockten auf rötlichen Zweigen, die im Frühjahrswind hin und her schwankten; wie wie helle Kirmesfahnen schwebten die Wolken über Hertogenbosch. Der alte Landschaftsmaler liebte diese ersten Anzeichen des Frühlings. Nun nahte die Zeit, in der er sein zweites Haus, das weiträumige, ohne Dach, zu beziehen pflegte. Seine verfallene Kate in Bommel beherbergte ihn im Frühling und Sommer nicht oft. Ach, wie durstig er war! Mit einemmal glaubte Jan Soukens, einen schäumenden Krug kühlen Bieres vor sich zu sehen. Aufgescheucht von dieser Vision, sprang er auf von seiner Bilderkiste, hob sie mit kräftigem Schwung auf den Kopf und ging auf die nahe Stadt zu. Jantje Malebrant empfing ihn mit offenen Armen. Kaum waren die Bilder ausgepackt und begutachtet, da setzten sich die beiden zum Trinken hin. Wie schmeckte es Jan Soukens doch herrlich, das alte Luyksbier von Hertogenbosch, gemildert von einem Gläschen frischen Genevers! Jantje Malebrant war eine Sehenswürdigkeit. Es war ein Wunder, daß er noch nicht auf den Gedanken gekommen war, sich auf der Kirmes für Geld sehen zu lassen. Aber soweit war es noch nicht mit ihm. Noch hatte er einen Beruf, der ihm etwas einbrachte. Er tat Maklerdienste für jene gestrandeten und halbwracken Künstler, wie der durstige Jan Soukens einer war. Jantje hatte Beziehungen zu den Kunstliebhabern der Stadt. Er steckte voller Schelmenstücke und Gaunerstreiche. Doch das gehörte zu seinem Beruf, und schließlich war er im Vergleich zu den großen Galgenvögeln, an denen in der Welt ja kein Mangel ist, nur ein frecher Spatz. Wenn man es recht bedachte, war er auch nicht viel größer als ein Spatz. Er war so erstaunlich kurz von Wuchs, daß er wahrhaftig noch kleiner war als jener sagenhafte Klaasje Molenbaay, der als erwachsener Mann kaum über den Tisch gucken konnte. Sie becherten fleißig und prahlten einander an, bis sie nicht mehr konnten und voll wie die Strandkanonen in ihre Schlafnester sanken. Am anderen Morgen ernüchterte Malebraut den noch ziemlich beduselten Maler mit einigen Gläsern: Nimm ein Haar vom Schwanz des HunVor langen Jahren, an einem schönen Tag im Frühjahr. als die Sonne für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm schien, zog ein älterer rundlicher Mann auf der Straße von Bommel nach Hertogenbosch dahin. Er trug eine Kiste; nach morgenländischer Weise balanzierte sie frei auf seinem Kopf. Diese Art, eine Last zu tragen, verlieh seinem Gang etwas Rhythmisches, seiner Behäbigkeit eine gewisse Geradheit. Aber der Mann war keiner aus dem Morgenlande, es war der holländische Maler Jan Soukens, und er war im Begriff, eine Anzahl Bilder, die er während der Wintermonate gemalt und heute morgen in die Kiste gepackt hatte, in der Stadt zu verkaufen. Mit seiner Geradheit war es im Augenblick nicht weit her. Zuweilen warf er einen schielenden Blick nach oben, ob nicht etwa die Bilderkiste heruntergesegelt käme, wenn sein Schritt einmal etwas unsicher wurde. Dann war es ihm ein tröstliches Gefühl, sein Wanderziel nahe zu wissen. Die Stadt lag vor ihm; er sah ihre Türme aus dem knospenbraunen Baumkranz, der sie umgab, herausragen; weiße Wolken zogen darüber hin. Lange würde es nicht mehr dauern, dann konnte er sich bei Jantje Malebrant erfrischen. Erfrischen— ah! Wie sehnte er sich nach einem kühlen Trunk alten Luykbiers! Wahrlich, das sollte ihn wieder jung machen. Ja, ja, der Durst. Dieser verteufelte Drang, zu trinken, trinken! Damals, als er jung war und nach den Lehrjahren bei Johannes Vorstermans seinen Ruf als Künstler mit trefflich gezeichneten und wohlkolorierten Rheinansichten begründete, machte es ihm nichts aus, wenn er einen über den Durst genommen hatte. Aber jetzt merkte er es von Mal zu Mal mehr und mehr. Er wurde alt. Unmerklich war das Gefühl der Unsicherheit über ihn gekommen. Die Kiste wackelte bedenklich. Schnell griff Jan Soukens mit der rechten Hand zu und balancierte sie wieder aus. Ja, das unsichere Gefühl war da. Es half nichts, sich selbst etwas vorzumachen. Wie war es denn mit ihm? Er hatte angefangen zu„schrobben“, wie es die Antwerpener Maler nannten; man verstand unter dieser Bezeichnung einen Künstler, der dazu übergangen war, an einem einzigen Tag ein Dutzend und mehr Bilder hinzuhauen, wie wenn eine Magd den Bürgersteig schrubbt. Wohin das führte? Nun,schließlich konnte man die Hand des Künstlers in seinen eigenen Werken nicht mehr erkennen. Oh, Jan Soukens wußte das! Aber ließ er es sich den Leuten gegenüber merken? Bewahre. Noch war er der allzeit fröhliche Jan Soukens— vor den Menschen wenigstens. Er ahnte nicht, daß man ihn längst durchschaut und abgetan hatte. Oder wollte er das vor sich selbst nicht Wort haben? Er nahm die Kiste vom Kopf und trug sie eine zeitlang unterm Hausmarke von Haus Ottens stumpf übergehen. In der Mitte des Torbogenbefindet sich die Hausmarke. Sie ist gleichzeitig das Geschäftszeichen des Kaufhauses Tecklenborg das 1930 sein 300jähriges Bestehen feiern konnte, und das auf Eherhard Tecklenborg, den Erbaue dieses Hauses, zurückgeht. Ueber dem Schaufenster ist ein zweites Geschäftszeichen angebracht. Von ihm ist das gleiche zu sagen wie von dem ersten. Auch dieses pah sich der Hausform gut an. Wie sehr viele Fachwerkhäuser Wiedenbrück, so hat auch das Haus Ottens einen neuen Anstrich erhalten. Die Fugen der braunroten Ziegelstein Geschäftszeichen an der Marktseite wurden hell ausgefugt und die Balken dunkelbraun gestrichen. Davon heben sich die weißen rahmen und die grünen Läden gut ab. Die Farben, die man zu diesem Haus wahlte, sind zwar nicht so ruhig und warm, wie die Otterpohl'schen Hauses, aber darum sind sie weitem nicht knallig. Somit steht auch dieses Haus wieder und prächtig vor uns. Es wird nicht wieder de nachlässigt werden, wie das leider nach dem krieg mit vielen schönen Fachwerkhäusern geschehen ist. Dafür sorgt heute der Heimatschutz Heimatpflege. Diese aber gehören nach dem Willen des Führers mit zu den lebenswichtigen des heutigen nationalsozialistischen DeutschlandsDer illustrierte Sonntag Verlag: C. Jos. Laumanns, Verlagsleiter: Fri. Karl Laumanns. Hauptschriftleiter:(Emil Re ber, z. Zt. abwesend) i. V. Dr. Anton Hans Me) Anzeigenleiter: Herm. Schlepphorst. alle Lippstadt.— Anzeigenpreis: 8 Pfg. pro 46 mm br Anzeigenspalte Anzeigenpreisliste Nr. 3. Pflanzen-Neuheiten Wer jetzt bestellt wir drechtzeitig bellele, Edelbuschrosen, I. Qual. 10 Stck.65 Polyantharosen dto. 10 Stck, Holländ. Hochstammrosen Stcs. 10 schönste Edelstauden Begonienknollenneuheiten 10 Stck. 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