Nummer 4 Sonntag, den 26. Januar 1941 10. Jahrgang Der illustrierte 0 Skuleos Von Professor Karl Ritter, Major der Lustwaffe Unter der Spielleitung Karl Ritters entsteht zurzeit der Ufa=Film„Stukas", der die unverbrüchliche Kameradschaft zwischen Offizier und Mann in einer StukaGruppe zeigt. In diesem Beitrag schildert Professor Ritter seine Eindrücke von einem Besuch bei den Sturzkampf=Fliegern. Die Schriftleitung. Eines Tages ging mein Wunsch in Erfüllung. Die gute alte Ju 52 brachte mich zu den Stukas. Bilder und Schilderungen von deren Einsatz im Westen hatten mich seltsam gepackt. Es zog mich zu diesen jungen Männern, deren Leistungen so schnell zu einem Weltbegriff geworden waren. Ich wollte und mußte einige Zeit unter ihnen weium ihre Gesichter zu sehen, ihre Sprache zu horen, ihr Leben zu teilen. Das Bild der kämpserischen deutschen Menschen ist es, was uns immer wieder ergreift und beglückt. Dieses Bild nachzugestalten und in seiner wundersamen Vielsalt festzuhalten, ist das oberste und schönste Gesetz unserer Zeit. Am Meer, hinter dessen blauem Horizont England lag, vertauschte ich die Ju 52 mit ihrer jüngeren Schwester Ju 87, die mich zu einem Feldflugplatz der Stukas bringen sollte. Da lernte ich sie gleich kennen, die„Jolante", wie sie ihre Leute liebevoll titulieren. Sie gefiel mir augenblicklich. Ein Gefühl von Kraft und schöner Zweckmäßigkeit ging von ihr aus. Man sieht ihr die Wunderleistung nicht ohne weiteres an. Aber wenn man von dem stämmigen dreiflügeligen Propeller mit ehernem Schmettern von der Erde losgerissen und steil zum Aether emporgetragen wird, dann ahnt man die Eigenschaften, die diesen einmaligen Konstruktionswurf zum schlachtentscheidenden Instrument gemacht hat. Die graue„Jolante“ senkt sich einem Teppichmuster von Stoppelfeldern, Waldstücken und Wiesenstreifen entgegen. Wo ist der Flugplatz? Bald befindet sich der Neuankömmling in einem Amei(enstaat der„schwarzen Männer", die hier das Feld beherrschen. Und dann entdeckt er plötzlich auch die„Jolanten", die von diesen Männern hier gehegt werden. Nun folgen die unvergeßlichen Tage bei Grupve und Staffel, nach denen es mich mit unwiderstehlicher Macht getrieben hatte. Man war gerade für einige Zeit herausgezogen, wohnte daher in einem romantischen Schloß.(Bei den grotzen Einsätzen der großen Offensive waren es keineswegs Schlösser gewesen. Waldlager mit Zelten und Strohschütten, zerschossene Ortsunterkünfte bildeten meist die Quartiere der kurzen Nächte.) Obgleich die Stukaleute in Ruhe lagen, zitterte die Luft vom Orgelton ihrer Motoren, Ketten, Staffeln, Gruppen hingen am blauen Himmel, sagten sich, kurbelten, stürzten, warfen ihre Bomden. Die anfängliche Enttäuschung über den Ruhezustand wich schnell dem Gefühl, daß es so sein sollte. Vielleicht wäre in der Hast und im Wirbel der Einsätze der Eindruck nur der gleiche geblieben, den wir alle aus dem vorzüglichen Material der Propaganda=Kompanien und in Bildern der Wochenschauen besitzen. So aber lernte ich die Stukamänner viel privater kennen, gewissermaßen durch die Lupe der Muße, die den Menschen anders offenbart als im hundertprozentigen Ergriffensein von Aufgabe, Not und Tod. Denn all das klingt viel spürbarer in den herzhaften Gesprächen auf den Parkliegestühlen oder am Kasinotisch und auf den Fahrten zum Flugplatz auf. Und nais sind das für Junen, unsere Stukaflieger, die im hundertfältigen Einsatz so blitzschnell berühmt und berüchtigt geworden sind? Sie sind der Prototyp des jungen deutschen kämpferischen Menschen, von einer bezwingenden Einfachheit und Unproblematik, aber leidenschaftlich erfüllt von der Größe der Aufgabe, die ihnen ein glückliches Schicksal gestellt hat. Offizier und Mann ist es höchste Lust, das Beste zu leisten und damit der Gemeinschaft zu helfen. Alle sind so sehr Teil ihrer Maschine geworden, daß sie immer sachlich, beinahe trocken bleiben. Vieles halten sie in ihren Berichten für so selbstverständlich, daß der neue Zuhörer erst um Erklärungen bitten muß, um alles zu verstehen. Wenn sie von den eigenen Verlusten sprechen, merkt man, daß sie das eigene Sein nicht so wichtig nehmen. Das Opfer ist ihnen genau so selbstverständlich wie die Handgriffe vor dem Sturzflug. Der Blick dieser jungen Augen ist vorwärts gerichtet. Befehle und Worte sind kaum mehr nötig. Es genügt der Druck auf den Knopf. Dann schwingen sich die Männer vom Steuer mit ihren wakkeren rückwärtigen Beschützern, den Bordfunkern, in die Maschinen, die bis ins letzte durchgesehen, getankt, mit Munition versehen und warmgelaufen sind. Die Männer unter der Glaskuppel wissen, wie blind sie sich auf die Kameraden in der schwarzen Kluft verlassen können. So rollt im Handumdrehen die lange Reihe der Knickflügel mit den dicken Brocken zwischen den starken Beinen über die Stoppeln, einer dicht hinter dem anderen, zum staubverhangenen Startplatz, und während die letzten noch anwackeln, stürzen sich die ersten schon kettenweise mit aufschmetternden Motoren steil in die Luft. Wunderbar ist der Blick aus den zuerst gestarteten Maschinen zurück. Auf das, was da in exakten Abständen aus den grauen Staubwolken herausstürzt und vom Boden springt, paßt der Name„Jolante“ nicht mehr. Das sind gefährliche, wilde Dämonen geworden, urzeitliche Drachen, starr und verbissen zusammengeschlossen zum apokalyptischen Todesflug. An der Spitze der Glückliche, der diese eiserne Schar führt, dahinter die Glücklichen, die ihm folgen dürfen, so schrauben sie sich schnell in die Höhe, bis sie— ein unaufhaltsamer Schwarm gigantischer Heuschrecken— schnurstracks das Ziel anfliegen und wie eine Kaskade aus dem Himmel hintereinander steil zur Erde hinabstürzen. Das Erlebnis dieser Stürze ins Ziel ist das Erlebnis„Stukamann" schlechthin. Wie diese Männer mit eiserner Ruhe die Maschinen auf den Kopf stellen und fast sentkrecht dem heraufstoßenden Bodenmosaik entgegenstürzen, im Visier unverrückt das mit Sekundenschnelle heranwachsende Ziel, die Faust am Steuer, den Finger am Auslöseknopf für die schweren Bomben, wie ruhig dabei trotz rasender Sturzgeschwindigkeit der stählerne Vogel die brausende Luft durchschneidet, den Propeller mitten in die enagegenjagenden Felder und Wälder hineingerichtet, all das ist wahrhaft atemraubend. Ehe das Herz zum zwanzigsten Schlage ausholt, ist der Sturz aus Tausenden von Metern zu Ende. Ein Riese preßt dich mit breiter Faust tief in den Sitz und dann wild gegen die Seitenwand. Und unten quillt ein brauner Rauchpilz nach dem andern hoch, und von hoch oben stürzen wie Steine die kleinen, schnell anwachsenden Eisenvögel in weiter Perlenkette zur Tiefe, bis sich die großen Eier von ihnen lösen und wie ein Strich im Ziel zerbersten, einer hinter dem andern, wie ein wahres Höllenspiel. Die Freunde draußen werden über meine wortund bilderreiche Schilderung lachen. Für sie bedeutet der Sturzflug— täglich mehrere Male geubt, vor dem Feind oder in der Ruhe— kein Erlebnis mehr. Sie richten ihre treue„Jolante" aufs Ziel wie der Infanterist sein Gewehr und dere Artillerist sein Geschütz. Sie plaudern danach vielleicht ganz kurz über Visiereinstellung, Luftkampf über England Während die Geschwader unbeirrt ihren Weg weiterziehen, nehmen die Jäger den Kampf mit den feindlichen Maschinen auf. Zwei feindliche Maschinen stürzen hier gleichzeitig ins Verderben.(PK.-Zeichnung-Sommer-Scherl.) Windberücksichtigung, Trefferergebnis. Dann aber liegen sie in ihren Liegestühlen. hören nette Musik am Radio und schreiben ihre Briefe an blonde ver dunkle Mädchen und Frauen daheim. Denn sie lieben das Leben, die Stukamänner, wie jeder kämpferische Mensch es liebt, wenn er kein Heuchler ist. Um so wunderbarer ist darum diese selbstverständliche Nichtachtung all der Dinge, die sonst so liebenswert sind, wenn eine Stimme i. aus dem Fernsprecher oder ein beschriebenes Blatt Papier es verlangt. Das einfache, kristallklare„Jawohl", mit dem der plötzliche Wechsel von Ruhe und Träumen in den Höllensturz des Einsatzes quittiert wird, wird mir unvergeßlich und beispielhaft für den Rest meines Lebens bleiben. Künftige Heimkehr Von Walter Bauer Ich werde wiederkehren, die Stunde weiß ich nicht. Die alten Wege kehr ich heim ins Freudenlicht. Dann sollst du nicht erschrecken, weil ich nicht fröhlich bin. Zuviele Tote liegen schwer in meinem Sinn. Ich kann es nicht vergessen: die bittere Macht, den Sterberuf von vielen, die ich kannte, die Gott mit mir zum Sein erschuf. Fras nicht, ich kann nichts sagen, laß mich in meinem Schweigen sein und tritt mit mir ganz leise in eine neue dunkle Liebe ein. Meldefahrer unterwegs (PK.-Elle-Weltbild-M.) Nummer 4 Der illustrierte Sonntag 10. Jahrgang Zwischen Kemmel und Douaumont Eine Frontfahrt alter Weltkriegskämpfer Regenschwer hängen die Wolken über dem flandrischen Land. Von der Küste her weht ein eiskalter Wind. In der fahlen Dämmerung des grauen Wintermorgens verschwimmen die Konturen der einsamen Gehöfte, der stillen Denkmäler am Wegesrand. Das Heute scheint gewichen; mächtig drängt sich die Erinnerung an das Geschehen von Einst in die Gedanken. In den Augen der alten Flandernkämpfer steht ein großes Besinnen. Ist es nicht, als beginne in der Ferne eine Glocke zu tönen, leise zunächst und dann immer mächtiger anschwellend in feierlichem Gedröhn?— Glocke von Flandern... Manch einer, der einst hier draußen lag, glaubte dich schon für immer verstummt. Nun aber läutest du wieder in metallener Klarheit, den toten Kameraden zur Ehre, uns Lebenden zu ernster Verpflichtung. Immer wird dieser blutgetränkte Boden an bestes deutsches Soldatentum gemahnen, das hier in jahrelangem Ringen sein Blut verströmte. Der stolze Sieg von 1940 hat auch diesen Opfern Sinn und Erfüllung gegeben. Ypern Rast in Ypern. Wieder spricht ein bewährter Truppenführer zu den Gästen des Oberbefehlshaber des Heeres, grüßt die Kameraden aus dem Weltkrieg und berichtet von den erfolgreichen Kämpfen seiner Regimenter in der Frühjahrsoffensive des Jahres 1940. Dieses Mal haben die Engländer keine Zeit mehr gehabt, sich im berüchtigten Ypernbogen festzusetzen. Nach erbitterten Kämpfen am südlichen Ortsausgang, deren Spuren so rasch nicht gänzlich getilgt sein werden, Tiefverschneit ist der Kiefernwald, und seine Zweige neigen sich unter der Last der weißen Winterpracht zur Erde. Selten nur unterbricht ein Laut das feierliche, bedrückende Schweigen. Ab und zu zirpt das winzige Goldhähnchen, hin und wieder hört man das Plurren zarter Meisenschwingen. Da naht im Wellenlinienflug eine Schar bunter, mittelgroßer Vögel. Alle tragen ein lebhaft rot gefärbtes Federkleid. Zwar mischen sich auch andere Farben in die Purpurpracht, aber das Rot herrscht vor, selbst bei den Weibchen, die zum roten Mäntelchen grünliches Unterzeug traoen. Und wie munter und fröhlich ist die bunte Schar!„Göpp jöpp, jipp jipp, zock zock"" tönt es bald hier, bald dort Weshalb sollen sie auch traurig sein? Ihr Tisch ist, wo Fichtenzapfen hängen, reich gedeckt, und was braucht ein Kreuzschnabel noch mehr? Nichts braucht er wie den Samen der braunen Zapfen, die er mit den Gabeln seines an der Spitze überkreuz gestellten, starken Schnabels aufklaubt und ihrer winzigen Samenkörner beraubt. Was scheren ihn Frost und Kälte? Sein dichtes Gefieder schützt ihn, und die ölhaltigen Samenkörner spenden warmes Blut und frohen Sinn. Auch Langeweile gibt es nicht. Wie sich der Zigeuner nur wohlfühlt, wenn einige seiner braunen Sippe ihm das Geleit geben, so findet auch der Kreuzschnabel das Leben nur angenehm, wenn er in Gesellschaft seiner Artgenossen die weiten Fichtenwälder durchstreifen kann. Und weshalb soll er da die Zigeunergeigen nicht stimmen und lustig fideln vom Morgen bis zum Abend, immer mit „Göpp göpp, jipp jipp und jock gock"? Und weshalab soll es bei diesem lustigen Leben in seinem Herzen nicht warm werden, so warm wie Finken und Ammern im holden Lenz? Ja, lustig ist das Zigeunerleben, doch ein holdes Weibchen gehört dazu, ein Weibchen, das mitgeigt und mitsingt vom Dämmern des Morgens bis zum Beginn der Nacht? Hoch über die Gipfel schwingt sich einer der Zigeurnerbarone, setzt sich dann auf fiel Flanderns altberühmte Stadt, um die während des Weltkrieges Ströme von Blut geflossen sind, in deutsche Hand. Fast unversehrt stehen die Kathedrale von St. Martin und die Tuchhalle, die beide in den Jahren nach dem Weltkriege getreu den alten Plänen neu errichtet worden sind. Drei Jahre lang trotzte Ypern im größten Völkerringen aller Zeiten den mit ungestümer Wucht vorgetragenen deutschen Angriffen. Im vierten Jahr kam der Kemmel, der weithin das Gelände um Ypern beherrscht, in deutsche Hand; Ypern selbst aber, das dergestalt schon im Rücken umfaßt war, sah im Weltkrieg keinen deutschen Kämpfer in seinen Mauern. Furchtbare Blutopfer hat der Gegner damals auf diesem Schlachtfeld lassen müssen. In den gewaltigen Quadern der„porte de menin“ sind allein die Namen von über 50000 englischen Vermißten eingemeißelt... Der britische Löwe krönt, breit hingelagert, den mächtigen Torbogen. Vor 25 Jahren erzählte man sich, die Deutschen würden Ypern so lange nicht in ihren Besitz bekommen, wie die steinernen Löwen auf dem Stadttore Wache hielten Heute marschieren deutsche Soldaten durch Yperns Straßen. Die Jungen vom Reichsarbeitsdienst singen ihre frischen Liedere, und die Flamen sind froh darüber, daß ihrer schönen Stadt diesmal das vom Engländer erneut zugedachte Schicksal erspart blieb, in Schutt und Asche gelegt zu werden. Kemmel Vom Kemmel, dem Schicksalsberg der Flandernfront, geht der Blick weit über das Land. Die die Spitze, dreht sich wie ein spielendes Kätzchen um sich selbst und lockt„Girr, girr!“ und singt „Hizäri— zäri zins däng, histihist, jipp jipp jipp, hoi di di, hoi ja ja!" Und wenn das Weibchen dieser Aufforderung zum Tanz noch keine Folge leistet, huscht er hinein in die dämmernde Krone und treibt die kichernde Geliebte vor sich her von einem Baume zum andern. Dann singen und geigen sie beide — Zigeunerhochzeit im schneeumhüllten Winterwalde. Die Wiege ist bald gebaut. Dürre Reiser bilden das Gerüst, Moos und Flechten die weichen Kissen. Und wenn das erste Ei gelegt ist, verläßt das Weibchen das Nest nicht mehr. Bei der oft grimmigen Kälte würde das Ei ja gefrieren und verderben, und das wäre schade, jammerschade, den Zigeuner wollen Kinder haben, je mehr, je lieber. Und die Jungen brauchen zum Leben nichts als das, was die Alten gebrauchen: Fichtensamen und nochmals Fichtensamen; anfangs im Kropf der Mutter geweicht, dann so, wie ihn der Wald erzeugt und bietet. Selbst während des Brutgeschäftes hält das Zigeunervölkchen zusammen. Zwar bildet das Pärchen dann eine engere Gemeinschaft, aber die Gemeinschaft der großen Zigeunerfamilie bleibt nach wie vor bestehen. Doch in einem unterscheiden sich die Zigeunervögel wesentlich von ihren menschlichen„Verwandten". Während diese in der Gefangenschaft trauernd dahinsiechen und Tag und Nacht auf Freiheit sinnen, ergeben sich die Vögel recht bald in ihr Los. Sie fühlen sich auch im Käfig heimisch, singen und schreiten sogar zur Fortpflanzung. Ihrem Pfleger aber danken sie durch rührende Anhänglichkeit und lassen sich von ihm mit Vorliebe herumtragen, streicheln und krauen. „Freund, ich bin zufrieden: Geh' es, wie es will! Unter meinem Dache Leb' ich froh und still.“ F. K. mächtigen Wolkenbänke sind der Sonne gewichen, deren heller Schein das packende Panorama in kristallener Klarheit zeigt. Bewegten Herzens schauen die alten Weltkriegssoldaten von der beherrschenden Höhe auf den Schauplatz der mit einer Erbitterung und mit einem Materialaufwand sondergleichen geführten Flandernkämpfe, und in ihrer Erinnerung ersteht von neuem das grausige Bild der Schlachten von 1917 und 1918, die zu den blutigsten gehören, die je die Weltgeschichte erlebte. Kein Ort, um den hier nicht Ströme von Blut geflossen sind. Drüben Wytschaete, der Schauplatz der riesigen Minensprengung, bei der die Briten am 7. Juni 1917 neunzehn schwere Ladungen von insgesamt 500 000 Kilogramm Dynamit hochgehen ließen. In der Ferne Bixschoote, Rollebeke, Poelcapelle, Paschendaele, der Houthulster Wald... Wer denkt da nicht an das Geschehen von einst, an die Millionen von Granaten, die hier in höllischem Inferno inerhalb weniger Tage und Wochen auf schmalster Frontbreite verschossen wurden, an Gasangriffe, Gelbkreuzmunition und all die anderen mörderischen Kampfmittel, die hier auf beiden Seiten zum ersten Mal in Anwendung kamen?— Unvergessen die Stunde, da die Truppen der 4. Armee am 25. April 1918 den Gegner vom Kemmel verdrängten und vier Tage später das Dorf Loore, westlich des Höhenzuges, erreichten. Fast den ganzen Sommer über konnten damals die wichtigen Positionen erhalten werden. Schweren Herzens räumten am 31. August 1916 unsere Infanteristen den Kemmelberg. Wer von ihnen konnte ahnen, daß 22 Jahre später ihr Angriff fortgesetzt und zum Siege geführt werden würde! Nie werden wir diese Stunden auf dem im hellen Sonnenglanz liegenden, von eisigem Wind umtobten Kemmel vergessen, in der die Kameraden aus dem Großen Krieg den fesselnden Bericht über die Flandernkämpfe des Jahres 1940 vernahmen, deren erste Etappe nach hartem Kampf mit der Einkesselung und der Kapitulation des belgischen Heeres ihr Ende fand. „Daß ich das noch miterleben durfte...“ Leise spricht einer der alten Generale, den die seltene Auszeichnung des Pour le mérite mit dem Eichenlaub schmückt, das aus, was alle seine Kameraden in diesem Augenblick empfinden, in dieser Stunde, die ganz der Erinnerung, dem Stolz und der Dankbarkeit gehört. Verdun Es ist ein trüber, eiskalter Wintermorgen, der die alten Frontsoldaten bei ihrem Besuch in Verdun umfängt. Langsam nur weicht der milchige Dunst, der über dem Maastal liegt. Ein Gräberfeld liegt rechts am Wege. Schattenhaften Schemen gleich ragen die Kreuze aus den Nebelschwaden.„Hier liegen Verdunkämpfer des Jahres 1940.“ Irgend jemand sagt es leise. Grüßend fährt die Hand an die Mütze. Und wieder gehen die Gedanken zurück in jene Tage, Wochen und Monate, die plötzlich in diesem alten Kampfgelände gar nicht mehr so fern zu liegen scheinen. Zum Douaumont führt die Fahrt— jener vom Mythus ewigen deutschen Kämpfertums umwobenen Stätte, die den alten Verdunkämpfer immer wieder mit magischer Gewalt anlockt. Einsam ragt zur Rechten das Denkmal auf, das an das von Tausenden von Granaten in den Boden gehämmerte Dorf Fleury erinnert. Auch von der alten Thiaumont=Ferme ist nichts mehr zu sehen. An ihrer Stelle errichteten die Franzosen das mächtige Erinnerungsmal, das mit seinem hohen Turm weithin die Kampfstätten und den unmittelbar zu seinen Füßen gelegenen Friedhof überragt. Noch halten wir hier nicht an, zum Douaumont selbst geht die Fahrt. Es mag für den Frontkämpfer des Weltkrieges auf dieseer Reise über die alten und neuen Schlachtfelder manchen Augenblick gegeben haben, da ihn die Erinnerung an das Einst und der Vergleich mit dem Heute schier überwältigen wollte. An diesem stillen Wintersonntag wurde uns allen aber wohl das größte Erlebnis dieser an tiefen Eindrücken so reichen Fahrt zuteil: Zu uns spricht der Kommandeur der tapferen Division, die diesmal, auf dem Östufer der Maas vorrückend, in überraschendem Vorstoß entschlossener kleiner Verbände die Fortlinie von Verdun bezwang und, dann auf der Zitadelle der Festung die Hakenkreuzflagge hißte. Er, der einst selbst als junger Leutnant hier vor Verdun gekämpft hat, durfte mit seinen Regimentern zusammen mit den auf esnie! Vergeßt es nie daheim: daß wir so fern von allen, die unserm Herzen nah, und daß wir wissen, wie es schmerzt die Lieben, wenn wir fallen... Daß wir oft einsam sind und uns nach manchem sehnen, worüber niemand spricht. Vergeßt es nie, und laßt nicht nach mit diesem und mit jenem, Was neue Kräfte bringt: mit einem frohen Lachen, mit Liebe ohne End'. Ihr seid daheim, wenn schweigend wir an fernen Grenzen wachen. Unteroffizier Walter Rispeter dem Westufer der Maas vorgehenden Divisionen das vollenden, was zweieinhalb Jahrzehnte zuvor in Strömen von Blut erstickt und gescheitert war. Wir sind alle sehr still geworden in dieser unvergeßlichen Stunde dort oben auf dem Douaumont, als uns der General vom Kampf und Sieg seiner Truppen berichtete und dabei den tiefsten und letzten Sinn ihres Einsatzes im Westen deudete, die sich uns fest in Herzen und Gehirne prägten. Als wir dann aus dem Dunkel der alten Kasematte heraustraten, knattert über uns im Morgenwind die Kriegsflagge des neuen Reiches — schönstes, stolzestes Symbol sieghafter Vollendung. Kriegsberichter Dr. Werner Lahne. Freigegeben vom Reichspropagandaministerium. Humor ich gehe jetzt raus als Freiwilliger!“ (Söndagsn.) X „Ich möchte einen Trinknapf für meinen Hund.“ „Jawohl, gnädige Frau. Vielleicht diesen hier? Steht sogar drauf: Für den Hund.“ „Das ist ganz überflüssig. Mein Mann trinkt nie Wasser und der Hund kann doch nicht lesen.“ X „Was hat er gesagt?“ „Er will wissen, wer gewonnen hat.“(Strix! Der illustrierte Sonntag Verlag: C. Jos. Laumanns, Verlagsleiter: Friedr. Karl Laumanns. Hauptschriftleiter:(Emil Reuber. z. Zt. abwesend) i. V. Dr. Anton Hans Mever. Anzeigenleiter: Herm. Schlepphorst. alle in Lippstadt.— Anzeigenpreis: 8 Pfg. pro 46 mm breite Anzeigenspalte. Anzeigenpreisliste Nr. 3. Ohrenleiden Bel Schwerhörigkelt, Ohrensausen u. manchen anderen Erschelnungen haben sich d. Gehörstäbchen„Auridal“ oft genug bewährt. Schacht. RM. 1.50. In veraltet. Fällen wird„Gehöröl“ mitverw. Fl. RM. 2.50. Echt nur direkt von O. Blocherer, Augsburg Reiben S Ihren Schinken ein und zwar mit Witkop’s Bamenit, dem gesetzlich geschützten Schinkenschutz, dann bleiben die Würmer und Maden fern. 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