Nr. 26! 8588 95 U Der Egadle. 904 für den Spott aber brauchen die Obrenowatzer vorläusig nicht zu sorgen. Gogols Revisor hat in Serbien in veranderter und verbesserter Auflage seine Aufführung erlebt.— Der Pseudekronprinz und der Pseudoadjutant wurden zu je 25 Tagen Haft verurteilt. Der Kronprinz Georg, der für den Vorfall lebhaftes Interesse hagt, machte einen Aus flug nach Odrenowatz, um sich dort bekannt zu machen. Ueder„seltsame Küchen" plaudert eine englische Zeitschrift: Zu den am meisten bewunderten Taten Blondins gehört es, daß er einen Eierkuchen buk. wenn er in schwindelnder Höhe auf seinem Seil dalanzierte. Auch als er über den Niagara ging, diente ihm so das Seil als Küche, und er wiederholte sein kulinarisches Kunststück noch in vielen seltsamen Lagen, zum Beispiel, als er über die Themse ging. Im Jahre 1655 wurde, wie alte Chroniken ausführlich erzählen, die Kirchturmspitze von Salis bury als Küche benutzt. Ein Bleidecker namens Handley war die 400 Fuß pinaufgestiegen und machte sich dann mit dem größten Gleichmut daran, ein reichliches Mahl zu kochen zu dem auch ein Hammelrücken und Geflügel gebörte. Als im Jahre 1762 der Turm wieder ausgebessert werden mußte, kochte James Grist, der von dem Spaß seines Vorgängers gehört hatte, ein Gericht Bohnen mit Speck zum größten ErKaunen der unten stehenden Menge. Die Kirchtürme scheinen besondere Anziedungskraft für Abenteuerluseige zu haben. Einmal erkletterten fünf junge Burschen unter der Führung eines gewissen Pierre Roudaud den Kirchturm der Katbedrale von Bayeux. Als sie die riesige vergoldete Statue des hl. Michael, die den Turm damals krönte, erreicht hatten, zogen sie die mitgenommenen Kochgeräte heraus, beretteten sich ein Madl und verzehrten es mit gutem Appetit. Am Schkuß des Festes tranken sie auf das Wohl der Zuschauer, die ihren Svolutionen mit größter Spannung folgten. An einem warmen Julitage des Jah res 1900 glitt das amerikanische Unterseeboot„Argonaut“ langsam in eine Tiese von 35 Fuß unter der Oberfläche. An Bord befand sich eine Gesellschaft von Gästen, die Kavitän Lake eingeladen hatte, an einem unter Wasser gekochten Diner teilzunehmen. Das Diner war ein glänzender Erfolg, ebenso das Abendessen und das Fruhstuck, das sechs Monate später un ter ähnlichen Bedingungen an Bord des Hollandbootes Julton serviert wurde. Aebnlich wurde eine Taucherglocke vor einigen Jahren als Kuche benutzt um ein Mahl für sechs Personen unter dem Wasser zu kochen. Das eigenartige Bergungen ist sogar schon wiederholt ausgekostet worden. Im Jahre 1706 wet tete ein gewisser James Austin um 2000 Mark, daß er einen Plumpudding zehn Fuß unter dem Spiege. der Themse bei Rotherbite kochen wurde. Die Wette wurde angenommen. Die Leute nromten In Scharen an den bezeichneten Ort, der Pudding wurde in einen zinnernen Behalter inmitten eines Sackes voll Kalk in das Wasser hinabgelassen wo er 2½ Stunden blieb. Als er dann deraufgezogen war erklarten die Mitglieder der Prufungskommission Austin hatte seine Wette gewonnen, der Pudding ware übergar. Im Wipfel einer alten Ulme in Walton Hall bewirtete eines Tages der erzentrische Naturforscher Charles Waterton sechs Bekannte Das Mittagessen wurde auf einem anderen Baum in der Näbe gekocht. und mittels einer sinnreichen elleitung wurden die Speisen von einem Baum zum anderen befördert. Alle Teilnehmer warer entzuckt von dem gelungenen Fest. zumal da de“ und seine Gebilfen die mit Ketten herau'ge und berabgelassen wurden sich mit Ruhm bedem alten. Zur Krisio im russischen Geschäftsleben Die aus verschiedenen Teilen des Zarenreiches inlausenden Klagen über Sclechten eschallegung and sast zu einer sand nen Auorn in den Petersdurger Zeitungen gewerden. Gebi man diesen Klagen auf den Gr#### no wiro man finden, daß die Aeeitande im runschen ven in vielen Fallen durch den Krieg nicht hervorgerusen, sondern tur untgedeckt worden sind, und die große Frage ist *e nun,### sich das Werk der Reinigung, das sich un er der lanternden Einwirkung des#rieges angebich im gesellschaftlichen Leben des Zarentendes vollieben lo#l. auch auf das kaufmannische Gebiet-verragen lassen wird. Fur das Ausland. und###cz##ell ür Deutschland. in diese Frage um so wichtiger als nit tur ja der bedeutsame Punkt der Kreditgewabjung an Rußland— im engeren und weiteren Sinn — unmittelbar in Zusammenbang steht. Als Wurzel des Uebels kann der mangelnde Schutz bezeichner verden, den der kaufmannische Kredu von Seiten der russischen Gesetzgebung genießt. In vielen Fallen ist der Glaubiger bei seinen Vereinbarungen mu dem Schuldner lediglich auf Treu und Glauben angewiesen, und diese Anarchie in den Formen des geschaftlichen Verkehrs hat einen Tiesstand der kaufmannischen Moral herbeigeführt, der laum übertrofsen werden kann. Verpflichtungen werden nicht ein gehalten, Schulden nicht gezahlt, und selbst gute und zahlungsfähige Firmen lassen die ihnen prasentierten Wechsel ruhig zu Protest gehen, falls sie sich da von einen augenblicklichen Vorteil versprechen. Natürlich waren diese Praktiken auch vor dem Kriege üblich, haben aber unter dem gegenwärtigen wirtschaftlichen Druck eine bedeutende Verschärfung erfahren. Einer der ersten Schritte zur„Reinigung" mußte also eine gründliche, unter Hinzuziehung von Fachleuten aus der Praxis vorzunehmende Reform des russischen Handelsgesetzbuches sein, durch die den zahlreichen, im Trüben fischenden Extstenzen des Geschaftslebens in Rußland das Handwerk gelegt wurde. Wie jede Moral Entwickelungsprodukt ist, würde sich dann auch die Geschäftsmoral den neuen Bestimmungen bald anpassen. Ein zweiter Schritt zur Besserung ware der Ausbau der aus dem Kaufmannsstande heraus geschaffenen Organisationen, die bis jetzt im Zarenreiche ein ziemlich kümmer liches Dasein fristen. An die Stelle der„Börsenko mitees“, denen nach verschiedener Richtung hin die Hände gebunden sind, müßten allentbalben Handels kammern mit selbständiger autoritativer Wirksamkeit treten, deren Votum bei entsprechender Zusam mensetzung für die Regierung ausschlaggebend sein könnte. Vorläufig hat es mit derlei Reformen freilich noch seine guten Wege. Vielleicht wird das Reich noch eine stärkere Krisis als bisher durchmachen mus sen, bevor man an maßgebenden Stellen zur Ein sicht gelangt, daß auch hier„etwas faul im Staate Dänemark sei“. Die Pariser Mückenschlacht Einige Stadtteile von Paris sind derart mit Mukken heimgesucht, daß der dortige Gesundheitsrat eine Reibe von Berordnungen zur Bekämpfung det Insekten erlassen hat. An erster Stelle sollen alle stebenden Gewässer, in denen die Mücken ihre Eier niederlegen, und solche Oertlichkeiten, wo sich die Insekten ansammeln, wie Keller, Kloaken und dunkle Räume, unter besonderer Aufsicht gehalten werden. Die Entwässerungs= und Abzugskanale aller Art und die Oeffnungen der Nöhren, die in den Straßen Wasser geben, sollen regelmäßig nachgesehen werden, um die Ansammlung von stehendem Wasser zu verhindern. Mücken, die sich in großer Zahl angehauft haben, sind entweder mit brennenden Fackeln oder durch Waschung mit Kalk zu vernichten. Dachtraufen und Rinnsteine mussen geprüft werden, damit das Wasser in ihnen nicht stagniert. Vor den Fenstern durfen sich keine Gelasse oder sonstige Einrichtungen befinden, die zur Ansammlung von Wasser dienen. Raumlichteiten, die von den Mücken bevorzugt werden, sind stets gur zu lusten. Insbesondere ist da rauf zu achten, daß sich in Garten und Hösen keine Pfützen ansammeln. Die Springbrunnen und Basuns auf öffentlichen Plätzen sind wenigstens einmal in der Woche zu leeren und zu reinigen. In größeren Wasserflachen ist für die Besetzung mit Fischen sorge zu tragen, die sich von den Muckeneiern nahren. In Bassins und Tonnen, die auf Privatgxundstucken stehen, muß das Wasser mit einer Schicht von Petroleum, etwa ein Gramm auf das Quadratmeter, bedeckt sein, oder mit einer Schicht von Salatol, falls das Wasser Fische enthält. Den Einwohnern von Paris wird angeraten. Netze gegen die Mückenplage anzuwenden. Zur Behandlung der Mückenstiche wird die Benutzung eines Tropfens von Jodtinktur ooe von einer Guajacol=Lösung empfohlen. Die Salzindustrie an den Kuiten deo Kaspischen Meeres hat sich in letzter Zeit bedeutend entwickelt. Seit dem August dieses Jahres hat die„Salzproduktions=Gesellschaft von Kuli“ ihre Tängken eröffnet. An der Kuste des Kaspischen Meeres, etwa 40 Wers von Krasnowodok ennerm. befindet sich der Salzsee Kuli. Im Jahre 1899 wurde dieser See von der Krone auf zehn Jahre verpachtet und damn der Anfang zur Ausdeutung der ganz bedeutenden Salzreichtumer gemacht Man erwartet im lausenden Jahre eine Ausbeute von etwa einer Million Pud Salz aus diesem See In letzter Zeit sind am Salzsee Kuli von der oben genannten Atnengesellschaft Arbeiterkasernen und von stige Wohnbauser Iw errichtet worden Die Pacht des Salzsees in auf weitere 15 Jahre verlängert worden Als Arbeiter vermendet die Gesellschait Araisen, zum Teil auch Perser. Die Salzausbeute der ache im Gouvernement Baku belegenen Salzdurikte hat nach den Batuer Nachrichten in der letzten schon eine Menge von 500 000 Pud erreicht. Gegenwarnig verbreitet sich die Salzausfuhr von dem lokalen Markt bis nach Aiflis und nach den Gegenden an der Bladikaukas=Eisenbahn " Gott ist mein Zeuge!“ Aus Wien berichtet das dortige Extrablat: Vor dem Strafrichter des Bezirksgerichts Leopoldsadt stand vor einigen Tagen eine„Dame von Stand“ unter der Anklage, ihren Hund ohne Maulkord gelassen zu haben. Richter (rasch):„Also nicht wahr, Sie geben ja den Tatbestand zu“.— Aegekl.:„Ich? O nein.(Lachend:) Herr kaiserlicher Rat, i hab ju gar kan Hund.“— Richter: „So. Ja, aber(er verliest die Anzeige): Kleiner, schwarzer Rattler mit weigen Flecken".— Angekl.: „Ja, ja, so schaut er aus“.— Richter:„Wer, woher wissen denn Sie das?"— Angekl.:„No, weils der Kubicka ihrer Is“.— Richter:„Ab so. Na, wir werden ja sehen“.— Angekl.:„Herr kaiserlicher Rat, Sie können mir glauben, daß i kan Hund hab. Gott is mein Zeuge!“— Richter:„Ja, liebe Frau, wenn Sie leugnen, muß ich die Verhandlung vertagen“.— Angekl.:„J bitt, Herr Richter, da muß i ja wiederkommen. Könnten's net heut Schluß machen? Da zahl i lieber do zwa Kroaln".— Richter:„Rein, liebe Frau, das geht nicht".— Augekl.:„Aber Gott ist mein Zeuge!"— Richter(lächelnd):„Ja, diesen Zeugen, liebe Frau, kann ich nicht einvernehmen“. Schriffführer und Staatsanwalt lachen.)— Angeklagte(erstannt):„Ja, warum denn nicht? Draußen steht er ja!“— Richter:„W—a—3?“— Angekl.:„No ja, der verlangt von mir vielleicht noch a Leugengebühr, wann er noch amol kommen muß".— Richter:„Herr God“.— Der erstannte Richter läßt unter Hciterkeit des Publikums den Zeugen durch den Jutizwachmann aufrufen. Der Wachmann öffnet die Tür und schreit militärisch:„Herr God!“. Sogleich schiebt sich ein kleiner, runder, asthmatischer Derr herein.— Richter:„Sie heißen?“— Zeuge(sanst): „I haß God, Jakob God, i bin a Fleischhauer... Bahrscheinlich wegen dem Hunderl... Der gehört gar nit dieser Frau da!“ Wann wird mit dem Bau des Panama=Kanals begonnen? Nach einer Meldung der großen Londoner Wochenschrift Engineer ist nicht darauf zu rechnen, daß mit dem Bau des Panama=Kanals vor dem Jahre 1906 ernstlich begonnen werden wird. Die Rouren des Kanals und seine Umgebung müssen jetzt endlich mit aller möglichen Genauigkeit ausgenommen werden, weil man auf das Zentimeter wissen muß, in welchem Niveau der Kanal verlaufen wird, erst dann kann auch seine Richtung genau festgelegt werden. Diese Arbeiten werden den Rest dieses Jahres und das ganze nächste Jahr in Anspruch nehmen. Dann werden bis zur Vollendung des Kanals weitere acht Jahre gerechnet. Die von der französischen Gesellschaft bereits vorgezeichnete Linie wird ziemlich genau berücksichtigt werden, nur mit noch stärkerer Vermeidung vor Kurven Die Kosten der vollstandigen Herstellung des Kanals sind auf 600 Millionen veranschlagt worden dazu kommen 100 Millionen, die der Republik Panama für die Abtretung von Land gezahlt worden sind, so daß die Bereinigten Staaten für dieses Unternehmen von freilich ungeheurer Tragweite eine Gesamtsumme von 800 Millionen Mark auszugeben haben werden. * Vom Otto=Heinrichs=Bau. In der Bürgerausschußsitzung zu Heidelberg teilte der Oberbürgermeister Dr. Wilckens mit, er habe vom Großherzog erfahren, daß er bereit sei. eine nochmalige Prüfung in der Richtung vorzunehmen, ob der Bau nicht als Ruine erhalten werden könnte, und daß er zunochst der Vorlage des neuen Eggertschen Gutachtens dure den Schloßverein entgegensehe. Humoristisches. Schuhmachermeister:„Na, warum flennst Du denn wieder. Du Dämlack?“— Lehriunge: „Ach ich sammerte bloß über den armen Ochsen der wegen so einem kleinen Stückchen Fleisch geschlachtet werden mußte." * Sie:„Die Zetten ändern sich! Jetzt zankst Du immerwährend mit mir, und einstmals sagtest Du: Du wolltest lieber mit mir in der Hölle als ohne mich im Paradiese sein.“— Er:„Ja leider! und der Wunsch ging in Erfüllung!" * Dame:„Ich habe es doch mit einem Edrenmann zu tun?"— Heiratsvermittler: „Selbstverständlich!“— Dame:„Ist er belldlond wie ich?"— Heiratsvermittler:„Rein, ein dunkler Ehrenmann!" * Haben Sie denn auch ein Wartezimmer Herr Doktor?"—„Zwei sogar. Eines, in dem meine Panenten auf mich und eins, in dem ich auf meine Patienten warte.“ Verantwortlicher Redakteur Ed. Verhülsdonk in Bochum. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckerei, 2 □∆) 01 □ □ Der Erzähler Täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt Nr 262. er Teuselskopf Roman von Fitzgerald Molloy, deutsch von E. Ebeling. Nachdruck verboten. Der Baron, der sie fast unbewußt während der ganzen Zeit ihrer Unterhaltung angestarrt hatte, war nicht sehr angenehm beruhrt von dem Interesse, das sie für seinen Vetter zeigte. Und jetzt unterbrach er seinen Wirt mitten im Satze und ging auf Oriana zu „Worüber sprecht Ihr?" fragte er gereizt. „Ueber fremde Länder," antwortete Rigel und erhob sich, um seinem Vetter Platz zu machen Philipp fühlte, daß er von ihrer Unterhaltung ausgeschlossen nar, wahrend Oriana sich bewußt wurde daß sie und Rigel etwas gemeinsam hatten, das Philipp nicht teilte. Der Major forderte Rigel mit unterdrucktem Gähnen aus, eine Partie Schach zu spielen, die ihr Interesse bald in Anspruch nahm, während der Baron mt Oriana sprach. Kurz vor elf Uhr verabschiedeten sich die Gäste und als Rigel Oriana zum Abschied die Hand reichte, ließ sie sie eine Sekunde lang in der seinen ruher; evereere Augen waren gesenkt. ks war hm we eine Erlescherung. ihrer magischen Gegenwart zu entfliehen. Sie hatren deschlessen, nach Hause zu Fuß zu geben. Philinp, der sein gewohntes, gelassenes Wesen wieder angenommen hatte, zundete sich eine Zigarre an, Rigel eine Zigarette. Es war heller Mondschein, leichter Frost in der Luft, und die Erde hart und trocken. Sie gingen schweigend neben einander her, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, die sich an dieselbe Person knürften Nach einiger Zeit sagte Philipp: „Wenn es Dir recht ist und Du einen steilen Aufstieg nicht scheust, wollen wir diesen Pfad hier gehen, der über den Teuselskopf führ:." „Mir ist's recht,“ antwortet: Rigel. Sie bogen links ab und begannen den Aufstieg. Der schmale Weg führte über rauben Kiesboden der ar beiden Seiten dicht mit Untervolz bewachen war und nach zwanzig Minuten scharfen Steigens kamen sie auf ein Plateau auf dem Gipfel einer massiven Steinwand, die sich schroff und hoch über dem Mawddachtal erbebr Hier standen sie einige Augenblicke stumm neden einander und sahen auf die herrliche Bergkette, die sich in schweigender Größe gegen den Sternenhimmel abhob auf die dichten Wälder und düsteren Täler, die sich zwischen ihnen und jenen Höhen hinstreckten. Kein Laut war zu hören, kein lebendes Wesen zu sehen; ein Hauch der Einsamkeit lag über dem Ganzen. „Son, nicht wahr?" fragte Philipp plötzlich. „Herrlich!— Warum heißt dieser Stein der Teuselskopf?“ „Ich weiß es nicht,“ war die Antwort.„Bielleicht, weil er so schwarz und düster ist." „Ich lann bei diesem Licht nicht erkennen, wie hoch er über dem Tal sieht,“ sogte Rigel und sah in die undurchdringliche Finnternis hinunter. „Dies gibt Dir vielleicht eine Idee davon,“ antwortete Philipp, indem er einen Stein über den Abhang warf. Der Schrei eines ausgescheuchten Vogels und das Schlagen seiner Flugel klang an ihr lauschendes Ohr dann nach einigen Setungen horten sie das dumpfe Aufschlagen des Steines, dessen Echo unten in der Tiese weiter rollte. „Welch ein Abgrund!“ ries Rigel aus, indem er vom Rande zurucktrat Ohne weitere Unterhaltung setzten sie ihren Weg fort, überstiegen einen Zaun und durchschritten ein Bosket, bis schließlich die Frontseite des Schlosses vor ihnen aufstieg, dessen Turme in grauen Umrissen gerade noch zu erkennen waren. Da wandte sich Philipp an seinen Begleiter und sagte plötzlich: „Ich bin schon seit einiger Zeit mit Fraulein Claupole verlobt; wir hielten es aber geheim, so lange mein Bater levte." „Verlobt?“ rief Rigel und sein Ton verriet deutlich sein Erstaunen.„Wollte Dein Bater Deine Berbindung mit ihr nicht zugeben?“ „Nein,“ antwortete Phitipp kurz.„Er wollte. ich sollte nach Geld heiraten, und Ortann hat nichts." „Sie ist wunderbar schon" bemerkte Rigel. „Nicht wahr?" erwiderte Philipp, angenehm beruhrt.„Du hast mir aber noch nicht gratuliert,“ fügte er hinzu. „Ich hoffe, daß Ihr sehr glücklich werdet,“ antwortete Rigel darauf und Philipp war enttauscht, daß sein Better nicht eine größere Freude äußerte. „Wir werden sicherlich glücklich werden, denn sie ist fütr mich die einzig passende Frau in der Welt." bemerkte er mit entschiedener Miene „Od er aber wohll der einzig passende Mann für sie ist?“ fragte sich Rigel, als sie ins Schloß gingen. 5. Kapitel Orianas Auftrag. Am Morgen nach seiner Begegnung mit Oriana schweifte Rigel von der Terrasse des Schloffes in die Garten hinaus und kam an ein breites Plateau, wo er sich plötzlich einer wunderbar schonen Aussicht gegenüber defand. Vor und unter ihm erstreckten sich weite Täler ant ihren Dörsern, die im Hintergrunde mit Waldland eingefaßt waren; das ganze Bild aber 14. November 1904. war umrahmt durch den Robell, den Enowdon und die Coder Idris=Berge, die hoch in den sernen blauen Hortzont hineinregten. Er blickte prusend umher. So weit er sehen konnte, gehörte alles Pheltpp. Jeder der in diesen Tälern lebte und den Erdboden umplügte, mußte### eine Rente zahlen, welche dazu wriirug, sein Einkommen bis auf 600 000 Mart jährlich zu erheben. In diesem Augenblicke gerade ging Philipp, der in allen Sachen pratttsch und ordentlich war, seine Bereihnungen mnt dem Gehet##estitner durch denn die Morgenstunden uidmete er immer ausschließlich Gechäften. Der Verwalter kam regelmaßig wie ein Uhrierk an beseimmten Tagen zu Besrrechungen auf das Schloß zu dem neuen Baron den er ebenso scharfsituig sand, wie seinen Vorgunger, und Rigel konnte deshalb die Stunden zwischen oem ersten und weiten Fruhnuck verbringen, wie er Lust hatte. Mahrend der ernen Tage seines Aufenthaltes war er mit großem Bergnugen in dem alten Seoß umhergewandert und hatte alles untersucht. Kreuz und auer hatte er die alten Hallen durchnreift, deren teppichbehangene Wande verdorgene Türen enthielten. Durch diese gelangte er in eine Flucht zierlich ausgestatteter Wohnzimmer mit seltsam geschnitzten Möbeln, Spinets die vor Alter tonlos waren. Kartentische mit pindeldunnen Beinen, an denen Vermogen verloren und gewonnen waren und fleckige Spiegel, die einstmals die Schonheit der Damen des Hauses zurückgestrahlt hatten. Der Raum, der Rigel am meisten interessierte, war die Bildergalerie, die sich durch die ganze Westsette des Schlosses vindurchzog und eigentlich nur Jamilienportrats entbielt. Hier waren Staatsmanner und Soldaten, Hoflinge, die Gunsttinge eines Konies gewesen waren, Admirale, die berühmte Siege erfochten hatten. Und daneben hingen die Bilder ihrer Frauen in den verschiedenartigsten Gemachern, die allen möglichen Epochen angehorten. Das waren seine Ahnen, ihr Blut floß in seinen Adern. Er konnte einen gewissen Stolz aus seine Abstammung nicht unterbrücken, ließ sich doch durch eine lange Reihe ausgezeichneter Manner die Spur seiner Fomilie bis in die vorgeschichtlichen Zeiten verfolgen. Zum ersten Mole hatte er eine der herrlichen alten Woynstätten betreten, durch die Großbritannten berühmt ist. Er hatte die mannigsachen Bequemlichketten kennen gelernt und seine Liebe zum Luxus wurde befriedigt durch die stattlichen Zimmer, die er bewohnte, das massive Silber des Taselservis, durch die ganze Umgebung, die überall den Stempel altermimlichen Glanzes trug. Die Diensttreue derer, die schon seit Generationen Diener seines Geschlechtes wiren, freute ihn. Der Stall mit seinen Pferden stand ihm zur Verfugung, ebenso die schöne, alte Bibliothek. Alle ihm Nr. 262 904. 2 S 5 s * Der Crzadker begegnenden Lebudmänner bedandelten idn mit freundlicher Achtung; denn für sie war ei ein Sprutz einer Famitte derrn Autorität sie seit Jahrbunderten anerkannt hatten. Alles dien wai so verschieden von dem was er noct vor einem Monate erfadre. hatte und was in wenigen Wochen wieder sein Dos sein wurde Ullerdings brauchte er nicht mehr iuns tagliche Brot zu kämpfen, denn dir 6000 Mark Rente, die er geerbt lmtte. würden ihm erlauben, sich Ardert nach seinem Gefallen zu wohlen. Abri mas waren Mark im Verhaltnis zu 600000 und einem Heim wie Schloß Redosisse? Mut einem mitletdigen Lächetn erinnerte er sich wir sein armer, torichter Varer seinem jungen Gemut dan als den Gedanken eingeprugt datte. er Rigel, wurde eines Tages seines Outels Titel und Besitz erden und mit verzeiblichem Stolz sublie er dde Ueberzeugung, daß er die Stellung wohl nusgefullt hatte Philipp sah saum darnach aus; er hatte nichts Wurdevolles und achtete das nicht an das er sein lebetang gewöhn war. Welch ein Mißgeschack es deeh nur wai daß Sir Damd zum zweiten Mal gebeiratet datte! Wir anders— anders dätte es sein können! Ach es war ein Traum ein gefährlicher Traum, den er besser ganz aus dem Sinne verbannte. Aber heute morgen hattr er so fest von ihm Besitz erartffen, daß er, ohne auf seinen Weg zu achten, aus dem Garten himmter ins Tal gewandert war. Wah rend er imnner noch mechanisch einen schmalen Pfad entlang schritt tuntr ein schriller Ruf an sein Ohr, und in dem er such nach rechts umwandte, von wo nach seiner Meinung der Don gekommen war, fand er sich dicht neden der großen überragenden Steinwand, die er ganz ruhng für den Teufelskops hielt. Als er in dir Hobe sod erdlickte er eine weibliche Gestalt, die ctwas in der Hand schuuenktr und sich in einer Stellung defand die von ihm aus gefohrlich erschien. Im selben Augenblick erkannte er Oriana Clanpole und blieb uderra### s#hen. Wieder rief sie ihn, und jetzt begann # sogat derunter zu fangen. Dirs erschreckte ihmn, denn es war augenschiinlich Gefahr, der pfadlose Abhaug war offendar gefährlichd. Er rief und winkte mtt der Hand, um sie zur Ruckkehr zu verantassen, aber sie nahm keine Notiz vor ihm, sondern setzte ihren Wes fort: jetzt lief sie ein paar Schritte, als stolpere sie vorwrts, jetzt macdtr sie Halt, um einen Busch zu fassen, und dabei ging sie im großen Bogen als verfolge sie einen Prad Rigel etttre ihr entgegen und kaum hatte er sie erreicht da sturzte sie, unfadig sich länger zu halten, atemlos und erregt in seine Armee. D. bitte, entschuldigen Sie,“ stammelte sie in siatlicher Vericenheit.„Ilh glaubte, es sei Philipp. ie sede erst in diesem Augenblick, daß Sie es sind.“ „Wir haben ungeführ dieselbe Figur,“ antwortete er demühr ihr über ihre Verwirrnug hinweg zu beisen—„und von weitem——“ „Da. ta. so ist es: ich hätte genauer hinsehen sollen, aber ich magtr nicht, meinen Blick vom Weg abzuwenden sagte Oriana. „War es nicht gefährlich, den Abbang herunter zu lausen?" fragte er, um dem Gespräch eine andere Bendung zu geben. „Rlicht so sehr, wie man denkt; da ist ein Pfad, den ich ganz gut kenne, ich bin schon oft den Teufelskopf berunter gekaufen," erwiderte sie lachend. Sie hatte jetzt ihr Gleichgewicht wiedergefunden und ging in derselben graziüsen Weise neben ihm der, die er am vorigen Abend so an ihr bemundert datte als sic ins Wahnzimmer trat. Die Anstrengung datte ihre Farbe erdöht. Sie trug einen Pelzkragen und eine Zobelkappe unter der das tief rotc paar in eineuf vollen Knoten aufgesteckt war „Der Teuselskopf ist einer meiner Lieblingspläpze“ sogte fie.„An Sonntagen sitze ich da oft stundenlang.“ Lesend? „Träumend." Wovon?“ fragte Rigel. „Von Unmöglichem,“ war die Antwort „Für Sic sollte alles mbglich sein," bemerfze er Dabei lag keiue Spur von Schmeichelei in seinem Ton „Wie meinen Sie das?“ „Weil Ste, wenn ich mich nicht sehr irre, einen ##sten und beharrlichen Willen haben, und ich glaube daß ein solcher Wille unweigerlich seine Wünsche durchsetzen kann.“ „Wenn das nur ware!“ sagte sie leise in einem Tone der voll schmerzlicher Sehnsucht klang. „Ich glaube sest, daß kein Mann jemals Stellung, Reichtum oder Ehre erringt, wenn er nicht beharrlich und brennend darnach verlangt hat. Schon vor der Erfullung beherrscht sein Wunsch sein Leben.“ „Wenn das so ware, würde jeder Mensch seinen Wunsch ersult sehen.“ „Durchaus nicht. Nicht jeder hat genugende Willenpkrast oder crduld, bei seinem Wunsche auszuharren. Die Mepczahl der Menschen gibt ihre Wunsche ald nuplos auf, wenn sie nicht sofort erzüllt wer den; tunsend neue Wilusche tauchen nach einander auf und verdrungen die eine vorherrschende Schusucht. Cines Tages aber wird die Menschheit erkennen, daß der Gedenke ebenso machtig ist, wie die Tat" Emn eigentümliches Licht leuchtete aus Orianas Augen, als ste sich jetzt an ihn wandte und fragte: „Siud Ihre Wunsche ersüllt worden?“ Diefe unerwartet FFrage verwirrte ihn im ersten Augenblid dann antwortete er: och nicht „Und trüumen Ste noch von ihnen?“ „Ihr Raf schreckte mich gerade aus einem Traume auf. Aber erzähten Sie mir,“ fuhr Itigel schneil fort, um das Thema zu weihseln,„warum der Teufetskupf Fr Lieblingsplatz ist? Wegen der Aussicht auf die Berge und Taler?“ „Rein, nein, die hasse ich" antwortete sie.„Lvunen Sie wohl verstehen, daß ein Meusch ein Gefutt des Hasses gegen leblose Dinge empfindet? Sehn Sie. ich verabscheue die Täle, wetl ihr friedtecher Aublick ein ewiger Vorwurf für meine eigene Rattlosiskeit ist und ich hasse jene Bergkette dort, weil sie mich von der Welt absperrt. Und doch ist in dieser Aussicht etwas, was mich anzieht, Sie werden aber schwerlich raten können, was es ist.“ „Dann sagen Sire es mir," erwiderte Rigel, der ihr mit gespanntem Interesse zuhörte. „Der Blick auf die Wege.“ „Auf die Wege?“ „Ja, die bannen mich. Dort oben kann man sie meilenweit verfolgen, wie sie sich durch die Täler und über die Höhen winden, weit weit fort zu den Städten, in denen man weiß, was Leden heißt. Ich sitzc und betrachte sie stundenlang; ich reise in Gedanken auf ihnen enttang und sie fuhren mich durch merkwürdige Verschlingungen in die wogende Welt, die dabinter liegt, wo die Freiheit des Geistes und des Herzens herrscht, wo das Leben in vollen Zügen genossen wird.“ Ihre Worte waren schneller und schneller, ihr Wesen immer lebhafter geworde „Ihnen sehlt die Erfahrung, um zu sehen, daß große Städte der Mittelpunkt schrecklichen Elends sind, daß für unzählige Menschen das Leben in ihren Manern ein fortlaufendes Trauerspiel ist. Ihnen wurde der Friede, der Ihnen unerträglich ist, wie der Himmel erscheinen.“ „Aber sie haben gelebt,“ versetzte sie leidenschaftlich,„sie haben doch das Leben kennen gelernt „Und diese Erkenntnis ist ihre schwerste Last“" Oriana seuszte tief auf; Rigel schwieg. Ihre Worte hatten ihn traurig gemacht, denn er erkannte in ihrer Rastlosigkeit und dem Sehnen dem sie soeben Worte verliehen hatte, das gefährliche Temperament, das entweder einem Genie die Bahn eröffnet, oder das Leben zu Grunde richtet. Er hatte zwei ähnliche Frauen gekannt. Eine lebte im Ruhmesglanze der großen Welt; die andere starb in einem Krankenhause, einsam und verlassen; aber Elend war doch das Los beider gewesen, sowohl der, die beneidet, als der, die verachtet war. Fortsetzung folgt. Aus der Reichshauptstadt. (Nachdruck verboten.) M. Berlin, 11. November. Stadtbahnfragen.— Lotterievereine.— Wohnungen. Ein Unsall auf der Stadtbahn hat die Gemuter in Bewegung gesetzt; man fuhr seither so ruhig und gemütlich sicher auf der Stadtbahn und dachte nie an ein Eisenbahnunglück. Nun hat es sich auf dem Charlouenburger Bahnhof ereignet, und man erinnert sich, daß man auch auf der Stadtbahn dem wechselreichen Schicksale des Verkehrs nicht entgangen ist. Allerdings darf man sich wundern, daß nicht mehr solcher Unfälle geschehen. Taglich werden von Berlin 772 Vororzüge abgelassen, so daß in den Betricbsstunden durchschnittlich alle 50 Sekunden ein Vorortszug einen der Bahnhöfe verläßt oder einfährt. Die 1544 Züge, die täglich nach beiden Richtungen fahren, füh ren 13896 Wagen, und legen 24893 Zugkilometer zurück. Der gesamte Wagenpark bewältigt somit pro Tag 224043 Wagenkilometer gleich 29873 deutsche Meilen. Den am stärtsten entwickelten sen die westlichen Vororte auf. und an deren Spipe marschiert Groß=Lichterfelde. Nicht weniger u. Züge verlassen täglich die korresvondierenden Bahnhöse. Die Kolonie Grunewald bet 332 Zügc abzuser tigen, während Schlachtenser„nur“ einen Bekehr von 200 Zügen aufzuweisen hat. 130 Züge fahren auf 2 Strecken nach resp. von Waunsee, und 130 Züge auf 3 Strecken nach oder von Potsdam. Rund 100 Jüge fahren täglich nach Johannistal, 63 nach Grunau und 46 nach Königpwusterhausen usw. Die Stadtbahn hat das Emporkommen der einzelnen Stadtgegenden wie Vororte riefig beeinflußt. Während vorher die Stadt Berlin dort aufhörte, wo jetzt die Stadtbahn die Karlstraße überschreitet, entstanden nunmehr weiter hinaus rechts und links von Jahr zu Jahr dichter sich bevölkernde neue Wohnquartiere. So muchs Moabit zu einem der größten Stadtteile; aus den Wiesengeländen am Bahnhof Bellevue entstand das Hansaviertel, der Bahnhof Tiergarten bildete einen neuen Zugang zu Charlotten= burg, der Bahnhof Zoologischer Garten entwickelte sich allmählich zum Verkehrsmittelpunkt von BerlinWesten An den Bahnhof Charlettenburg, der an fänglich den Ausgangspunkt einer Wüstenwanderung nach der Schloßstraße und den älteren Stadtteilen bildete, schloß sich Straße auf Straße an, bis schließlich der Bahnhof Savignyplatz errichtet werden mußte, der dann wiederum den Angangspunkt dicht bebauter, nach allen Seiten strahlenförmig verlaufender Straßen bildete. Aehnlich war die Entwickelung auf der östlichen Seite, nur mit dem Unterschied, daß die dort entstandenen Stadtteile sich zu Industrie= und billigeren Wohnvierteln ausgestaltet haben. Das Anmachsen ist vielleicht zu ungesund in jenen Gegenden, die sich der Nähe der Stadtbahn erfreuen; aber es läßt sich nicht mehr ändern. Ein neuer erster Großstadtschwindel ist aufgedeckt worden; wir teilten schon früher eingehender über die Wettbureaus mit. Jetzt hebi die Polizei die Lotterievereine aus. Man konnte immer in den Zeitungen lesen, daß an diesen oder jenen Lotterien sich noch Mitglieder beteiligen könnten, mit riesigen Gewinnaussichten, und die Leute meldeten sich zahlreich. Jetzt sind die beiden„Direktoren“ Mecklenburg und Sonnenrein verhaftet worden. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie von 40 vom Verein gemeinschaftlich gespielten Losabschnitten bei Einhundertstel=Beteiligung nicht 100, sondern etwa 1000 Anteile ausgegeben haben. Die Mitglieder, die sich größtenteils nicht kennen, hatten von diesem Gebahren keine Ahnung, glaubten vielmehr, daß nie nach Zahlung von 5 Mark für jede Klasse von 40 Viertellosen der preußischen Lotterie zu Einbundertstel=Anteil richtig beteiligt seien. Erst eine von der Kriminalpolizei vorgenommene Revision der Geschäftsbücher förderte den Schwindel zu Tage. Die Sache war sehr lohnend. Dircktor“ Mecklenburg gab gar bald nach Gründung des Vereins seine bescheidene Wohnung in der Wilhelm Stolzestraße auf, mietete sich für den eigenen Bedars und Frau und Kind in der Tilsiter Straße Nro. 32 ein ganzes Stockwerk, gründete den Lotterieverein„Germania" und nannte sich Direktor. Nun kam er bald in die Lage, herrlich und in Freuden zu leben und als„Direktor Mecklenburg“ mit seiner Familie die„Villi Erna“ in Ahlbeck zu beziehen. Sein Sozius H. der erst mitarbeitete, zog sich bald vieder auf den Gesundheitstee zurück. Zum zweiten Vereinsleiter gewann Mecklenburg jetzt den Tischler Sonnenrein, der auch nicht gern arbeitete, aber um so lieber gut lebte. Das Geschäft brachte ihner jährlich mindestens 50000 Mark ein. Ein Verbot die ser Lotterien war sehr angezeigt. Von den Berliner Wohnungspreisen erfährt man jetzt näheres; so kostete eine Küche ohne Zimmer im Jahre 1901 100 M, 1904 173 M; 1 Zimmer mit Küche 1901 178+. 1904 220 M; 2 Zimmer 352 4 und 423 A; 3 Zimmer 1901 728+ und 1904 707 M; für 4 Zimmer 1122 und 1041 M: 5 Zimmer 1455 und 1408 M., 6 Zimmer 1795 und 1830 M; 7 Zimmer 2576 und 2377 M; 10 Zimmer 4576 und 3953 A. Der Durchschnitt der Wohnungsmiete betrug 1901 für die tcerstehenden Wohnungen 1149 und 1904 95.. Mietpreis fur das Zimmer 297 und 308 A Der Mieteausfall der anfangs Januar 1904 seit mindestens einem Monat unvermieteten Wohnungen betrug 1 906 336 KA; 157 dieser Wohnungen standen schon 1 bis 2, 58 2 bis 3. 32 3 bis 4, 14 4 bis 5 und 63 noch länger leer. Anfangs Januar 1904 fiel die größte Zahl der leerstehenden Wohnungen ohne Nebenräume(1473° auf solche mit 2 Zimmern, dann folgen die ein= und dreizimmerigen mit 1239 und 10•9. Von vier= und fünfzimmerigen Wohnungen waren 928, von mehr. zimmerigen 596 unvermietet; zu 20 Wohnungen ge hörten keine Zimmer, sondern nur Küchen. 1713 oder 31½ v. H. der leerstehenden Wohnungen lagen in Hinterhäusern und 281 davon im Keller. Am stärksten war unter den unvermieteten Wohnungen der erste Stock vertreten(1268); dann folgten der zweite Nr. 262. Der Erzahler. und dritte mit 1119 und 1012 Wohnungen. Auf 1 Haus kommen durchschnittlich 77 Personen; im Osten natürlich fehr, im Westen weniger. Mit diesen fürchterlich hohen Behaufungsziffern, welche die ungeheuren Nachteile des bei uns durchgeführten Systems der Mietskasernen klar erweisen, steht Berlin weitaus an der Spitze aller deutschen Großstädte. Es folgen in weitem Abstand Breslau mit 52,8; München mit 36,6; Vagdeburg mit 86,3; Hamburg mit 35,6; Leipzig mit 35,3; Dresden mit 35; Stuttgart mit 23,2; Mannheim mit 21,9; Frankfurt mit 20,5; Straßburg mit 18; Köln a. Rh. mit 16,1; Lübeck mit 10,1. Die Tavellen über die Gebäude nach der Stockwerkzahl zeigen, daß die den Typus der Mietstasernen vertretenden Wohngebäude mit 5 und mehr Stockwerken, die in Berlin leider die Regel bilden, ihr Maximum mit 84 Prozent sämtlicher Wohngebäude im Stralauer Ostviertel erreichten; nur wenig blieben hinter diesem Anteilsatze zurück, die östliche Tempelhofer, die nördliche Rosentaler Vorstadt, sowie der Westen von Moahit. Von 1000 Wohngebäuden auf bewohnten Grundstücken hatten 1900 nicht weniger als 857 vier und mehr Stockwerke. Die Vorderwohnungen dienten 985 177 Einwohnern oder 53,91 Prozent der Bevölkerung, die Hinterwohnungen 84273 oder 46,04 Prozent der Bevölkerung als Haufung. Die Schäden der Berliner Mietskasernen zeigt auch die Tatfache, daß in Essen, Stuttgart und Görlitz auf 1000 benutzte Wohnurgen noch nicht 100 Hinterwohnungen, in Barmen, N#iel, Hannover, Altona, Lübeck, Karlsrunr Munchen und Halle a. S. noch nicht 200, in Posen 316, in Magdeburg 356. in Charlottenburg 420 und in Berlin, wie oben gezeigt, 477 Hinterwohnungen entfallen. Berlin hat die höchsten Mietpreise von ganz Deutschland. Ein heizbares Zimmer kostet im Durchschnitt 236 M. So kostet in Dresden ein heizbares Zimmer einer Mietwohnung durchschnittlich 204 K, in Königsberg i. Pr. 185 M. in Hamburg 181 M, in Breslau 164 M. in Leipzig 136 M. in Altona 158 M. in Mainz 150 M. in Chemnitz, Lübeck, Düffeldorf und Straßburg zwischen 145 und 110 M Warum mülsen wir inserieren? Ein Kapitel für die Geschuttswell von P. Gr.=Berlin. Es gibt einen großen Teil Leute, die Inserieren für ebenso unwirtschaftlich und unrationell halten, als etwa Spielen und Svelulieren vom volkswirtschaftlichen Standpunkt berrachtet. Wird ihnen vorgehalten, dieses oder jenes Geschäft sei durch zweckmäriges und zielbewußtes Inserieren groß geworden, nave einen umfangreichen Kundentreis erworben, so lächeln sie überlegen und meinen,„das komme so selten vor, als wie erwa jemand das große Los gewinne!" Diese Klaffe von Geschäftsleuten stehr auf dem Standpunkte, ihr Geschäft, ihre Firma, ihr Renomme sei so bekannt, daß sie die Annonce entbehren könne. Andere Geschäftsinhabor inserieren zwar, sind aber von dem Wert der Annonce keineswegs überzeugt. Sie inferieren, weil es andere auch tun, halten Inserieren fur ein notwendiges Uebel, weil, wenn man es lassen würde, doch schaden könnte und betrachten die Beträge, die sie für Inserate aufwenden, als allgemeine Geschäftsunkosten, wie etwa Beleuchtung des Schaufensters oder Heizung des Geschäftslokals. Am törichtsten aber handeln endlich jene, die, nachdem sie eine Anzahl Inserate haben erscheinen lassen, erwarten, daß der Geschäftsumsatz sich in der Weise hebe, daß der ausgegebene Betrag sich vervieroder versechsfacht wieder in der Ladenkasse eininden müsse. Wärc dies der Fall, so brauchte der inserierende Kaufmann nur seine Insertionsbeträge verdoppeln, um den doppelten Umsatz, vervierfachen, um den vierfachen Umsatz zu erzielen u. s. f. Zum besseren Verständnis ein kleines Beispiel: Ein Großkaufmann sendet einen Reisenden am die Tour. Nach drei Monaten kehrt derselbe zurück und bringt für 4800 Mark Aufträge mit, während die Reisespesen, Gehalt usw. 1200 Mark betragen. Mancher Großkaufmann rechnet nun folgendermaßen: „1200 Mark sind 25 Prozent der erzielten Aufträge; da ich aber an der Ware nur 20 Prozent verdiene, so hat der Reisende ein ichlechtes Geschäft gemacht". Dieses ist aber keineswegs der Fall, denn unter den gewonnenen Kunden befinden sich zweifellos eine große Menge, die Nachbestellungen machen und so jahrelang treue Geschäftsfreunde werden. Ist der angebotene Artikel zudem noch neu, so hütet sich wohlweislich jeder Detaillist, größere Bestellungen zu machen und begungt sich mit einer kleinen Probe. Findet diese bei seinen Abnehmern Beifall, so erfolgt naturgemäß eine größere Bestellung. Ganz genau so verhält es sich mit d##### Inserat. Ist das Geschäft neu am Platze, und der Käufer, durch das Inserat aufmerksam gemacht, stellt sich darauf ein, so wird er doch nur eine Kleinigkeit kaufen. Erst dann, wenn er zur Zufriedenheit bedient wurde, dürfte er sich zu größeren Einkäusen entschließen, zugleich aber auch in seinen Bekanntenkreisen davon sprechen. Kommen nun diese Bekannten ebenfalls, so geschieht dies augenscheinlich zwar auf Grund der Empfehlung, in Wirklichkeeit aber doch als eine Folge des Inserates. Der erste Käufer wird auch wieder erscheinen, sobald er Bedarf hat, sofern er die Firma oder das Geschäft bis dahin nicht wieder vergessen hat. Ein Inserat in der Zeitung wird ihn zweifellos erneut darauf aufmerksam machen. Ebenso, wie man das neue Geschäft, wo man gut eingekauft hat, vergißt, so geschieht es auch mit alteingeführten. Wie oft steht man vor einem Schaufenster in einem entlegenen Stadtteil und sagt zu sich:„Hier hast Du doch auch schon einmal eingekauft!“ Und nun schlägt man weiter in seinem Gedächtnis nach, wie man wohl hierhergekommen, de man doch so weit entfernt davon wohne, so kommt man in der Regel darauf zurück, daß damals ein großes Inserat in der Zeitung stand, das den Wegweiser abgab. Man war auch zur Zufriedenheit bedient worden, und würde wieder eine Annonce erschienen sein, wer weiß, ob wir nicht wieder den Weg dahin genommen hätten. In unserer schnelllebenden und schnellvergessenden Zeit ist öfteres Erinnern mehr als notwendig. Man vergißt nicht nur das Geschäft, man vergißt auch die Gegenstände, die dasselbe führt. Gar mancher ist schon eine halbe Stunde und weiter gelaufen, einen in der Zeitung angezeigten Spezialartikel zu kaufen und mußte dann von dem benachbarten mschäftsmann hören, daß derselbe den gekauften Artikel ebenfalls führt. Derjenige, der den Artikel merierte, hat ihn verkauft, und da der Verkäufer auch schon einen Bekannten darauf aufmerksam gemacht, doppelten Erfolg von dem Inserat gehabt. Ueberhaupt ist es notwendig, damit zu rechnen, daß bei einem Inserat die neue Kundschaft, die zum ersten Male kauft, das Geschäft empfiehlt, sobald die gekaufte Ware zur Zufriedenheit ausgefallen ist. Schreiber dieser Zeilen hatte in einem größeren Blatt für etwa 80 Mark Inserate erscheinen lassen. Da es sich um einen Spezialartikel handelte, so konnten die Aufträge genau kontrolliert werden. Im ersten Quartal brachten die Inserate nichts, im zweiten einen Auftrag über rund 100 Mark. Das genügte aber nicht, und die Insertion wurde ein Quartal ausgesetzt. Nun machte ein Oberförster einen großen Auftrag und es stellte sich heraus, daß er von dem Besteller des 100 Mark=Auftrages zu der Bestellung veranlaßt worden war. Die 80 Mark Inserate hatten sich glänzend gelohnt, und es wurde sofort mit der Insertion wieder begonnen. Allerlei. Westfalens bemerkenswerte Bäume. Unter diesem Titel ist im Verlage von Belhagen u. Klasing, Verlagsbuchhandlung in Bielefeld und Leipzig, ein trefflich ausgestattetes Buch erschienen, das einen Nachweis hervorragender Bäume und Waldbestände nebst Darstellung der Standortverhältnisse, des Verhaltens der einzelnen Baumarten und deren historischer Bedeutung in der Provinz Westfalen enthält. Das Werk ist auf Grund amtlicher und sonstiger Nachweise und Mitteilungen zusammengestellt und bearbeitet von E. Schlieckmann, Oberforstmeister a. D. in Arnsberg, und kostet elegant gebunden 3 Mark. Das Werk verdankt seine Entstehung Sr. Exzellenz dem Oberpräsidenten Staatsminister Freiherrn von der Recke von der Horst, welcher den Verfasser zur Bearbeitung eines für die Provinz Westfalen bestimmten fortbotanischen Merkbüchleins veranlaßte, nachdem der frühere Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Frhr. v. Hammerstein=Loxten, infolge einer Anregung des Professors Dr. Conwentz zu Danzig, des Verfassers des Forstbotanischen Merkbuches für die Provinz Westpreußen, die Herstellung solcher forstbotanischen Merkbücher für alle Provinzen Preußens für wünschenswert erklärt hatte. Die einzelnen Bausteine für das Merkbuch sind auf Veranlassung des Herrn Oberpräsidenten durch Fragebogen durch Vermittelung der Königlichen Regierung zu Arnsberg, Minden und Münster von den untergeordneten Behörden, den größeren Waldbesitzern und sonstigen sich für diesen Gegenstand interessierenden Personen beschafft worden, erganzt durch die eigene Kenntnis des Verfassers, durch Nachfragen bei unsicher erscheinenden Angaben, Nachprüfungen der aus anderen früheren Schriften entnommenen Nachrichten, sowie durch Beifügung allgemeiner Erörterungen über Boden= und klimatische Verhältnisse und Verhalten der einzelnen Holzarten. Bezüglich des letzteren Gegenstandes wird zur Ergänzung der Angaben des Verfassers auf den besonders erschienenen Abdruck einer Abhandlung aus dem 31. Jahresbericht des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst zu Münster(Jahrgang 1902/03),„Die forstlichen Verhältnisse Westfalens und speziell des Münsterlandes in ihrer Entstehung und Entwickelung bis zur Geenwart“ vom Oberförster Renne zu Haus Meerfeld ei Dülmen, hingewiesen. Es war nicht möglich, alle Angaben der Fragebogen in dem Buche zu verwerten, damit das Werk nicht einen die Kosten der Herstellung beeinflussenden zu großen Umfang erhielte. Doch ist bei der Aufnahme einzelner zurzeit vielleicht weniger bemerkenswert erscheinender Baume darauf Rücksicht genommen worden, daß auch solche größere Aufmerksamkeit verdienen und mithin von deren Eigentümern geschont und für die Ankunft erhalten werden möchten. Im Vorworte wird den Beteiligten, namentlich Herrn Gey. Reg.=Rat Friedrich v. Droste-Hülshoff zu Munster, für die Beschaffung der Unterlagen besonderer Dank ausgesprochen. Der Verfasser hat der vorliegenden Bearbeitun abweichend von dem Conwetzschen Merkbuch eine veränderte Anordnung des Stoffes gegeden. Durch alphabetische Aufführung nach Regierungsbezirken, den einzelnen Baumarten und Kreisen soll die Uebersicht und die Auffindung der einzelnen Bäume erleichtert werden; ferner sind neben den Angaben über Umang, Höhe, Länge, Kronendurchmesser bezw. wahrcheinliches Alter und die gegenwärtigen Eigentumer der Bäume historische Bemerkungen eingesügt worden, welche letztere geeignet erscheinen, das Interesse in weiteren Kreisen anzuregen und aufrecht zu erhalten. Eine kurze, physiographische Skizze ist jedem Regierungsbezirk vorangeschickt, da solche fün. die Beurtilung des allgemeinen Verhaltens und der Bedeutung der einzelnen Holzarten zweckmäig erschien. Auch ist im ersten Abschnitt— Regierungsbezirk Arnsberg— bei jeder hier angegebenen Holzart eine kurze forstliche Charakteristik gegeben, die auch für nichtforstliche Kreise erwünscht sein möchte. Die Unterschiede in den beiden anderen Bezirken sind, durch Boden und Standort nur unwesentlich beeinflußt, nicht so erheblich, um eine derartige Wiederholung für diese zu rechtfertigen. Ausgezeichnet ist das Werk durch 53 Abbildungen, die in außerordentlich deutlichem und schönem Druck sich darbieten, wie überhaupt die ganze Ausstattung des empfehlenswerten Buches dem Berleger zur Ehre gereicht. Der Psende=Kronprinz in Serdien. Im serbischen Heere gibt es auch Spaßvogel. In der Unteroffizierschule zu Belgrad werden die Zöglinge gar streng gehalten, was Wunder, daß sie üben die Stränge schlagen, wenn sie sich frei fühlen. Zwei Busenfreunde in dieser Schule, die erst kürzlich die erste Stufe auf der Leiter zum Generalrang erreicht hatten und das Kasernenleben gern einmal mit dem freiern Dasein in der übrigen Gotteswelt vertauschen wollten, verabredeten sich, den letzten Samstag, zu einem Ausflug nach dem Städtchen Obrenowatz zu benutzen. Die Arreststrafe, die ihrer hierfür harrte, schien ihnen nicht schlimm und nur eine erwünschte Abwechslung im ewigen Einerlei des Dienstes. Sie zogen also los. Schon im nächsten Dorfe, wo sie beim Gastwirt einkehrten, begannen die Abenteuer. Der Kellner brachte ihnen nicht nur den bestellten türktschen Kaffee, sondern auch mit größter Dienstfertigkeit und unter tiefen Verbeugungen das nationale „Slatko". Man hielt dort den einen der beiden schneidigen Korporale für den Kronprinzen Georg, dem er tatsächlich zum Verwechseln ähnelt. Insgeheim befragt, beteuerte allerdings der andere, daß sein Kamerad nicht der Kronprinz sei, fand aber damit keinen Glauben. In Obrenowatz wurden unsere Kriegsknechte alsbald ebenfalls der Gegenstand ehrerbietigster Aufmerksamkeit. Ihre Anspruchslosigkeit hinsichtlich des Mittagsmahles und ihr freies Benehmen im Gasthause wurden von den Neugierigen des Ortes als demokratische, echt serbische Charaktereigenschaften des Kronprinzen aufgefaßt, der nach einer Zuflüsterung des übermütigen„Adjutanten“ im strengsten Inkognito zu reisen beliebte. Als die beiden hohen Gäste nachmittags von einem kurzen Spaztergange in das Gasthaus zurückkehrten, stellte sich ihnen bereits der Bezirkshauptmann zur Verfügung und erbat sich die hohe Ehre, Se. Königl. Hoheit zu einem üppigen Mahle einzuladen. Dabei gtug es so hoch und feierlich her, wie es eben in dem glücklich überraschten Obrenowitz möglich war. Erst als in der Dämmerung den beiden das Gewissen schlug und sie an den Heimweg dachten, nahte das Verhängnis. Der Bezirkshauptmann glaubte nicht zugeben zu dürfen, daß sein hoher Gast durch das seiner Fürsorge anvertraute Gebiet, das nicht ganz frei von Räubern ist, unbeschützt in die Residenz heimkehre. Auf eine telephonische Bitte um eine entsprechende Anordnung bei der Belgrader Präksektur erfuhr er aber zu seinem nicht geringen Schrecken, daß es sich bei dem vermeintlichen hohen Gaste nicht um des serbischen Thrones Erben, sondern um einen gewöhnlichen Sterblichen handle. Seine frühere Höflichkeit verwandelte sich nun in ebenso große Rücksichtslosigkeit; ohne Seitengewehr wurden der Pseudokronprinz und sein Adjutant schleunigst in die Belgrader Feste abgeschoben. Wer die Zeche in Obrenowatz zu zahlen hat, darüber mag der Bezirkshauptmann sich den Kopf zerbrechen;