Strafexpedition an Bord zu nehmen. Ale Samstags der stellvertretende(onverneur Knate von Neu Duinen zurausam, wurde sofort der Kriegozustand für die ganze Gazellenhalbinsel ertlart. Genern, Mittwoch(24. August, brachtt der Dampfer Seeutern den Herrn Gouverneur Dr. Hahl nach wervertshohe zuruck. Nach Aussage der Bewohner von St. Paul, wel sich vier befinden und wovon einige die Greuel tat gesehen, kann ich folgende Einzelbeiten über die Mörder mitteilen: To Maria int der Anfuhrer gewe sen, er erschoß Pater Rascher und Schwester Anna und verletzte den Bruder Bley. Mit einer Steinteule und einem Messer tötete To Kangal die Schwester Sophia, mit einer Art totete Tanga, auch To Dutduk genannt. den Bruder Plaoschaert, To Gonakon den Bruder Schellekens. To Kavilia die Schwester Aga tda, To Langur die Schwester Angela. To Palos die Schwester Agne. Pater Rutten soll durch To Mekmek ermordet worden sein. To Maria ist der Sohn des To Valilikai, Hauptling in der Nähe von Nacha runep, der mit seinen Leuten am Mord von St. Paul beteiligt war: der Mörder To Kavilia ist der Vater des Morders Tangan: To Kangal ist der Sohn des Häuptlings To Kapi von Putlas, in der Näbe von #t. Paul der auch mit seinen Leuten am Mord teil genommen hat. Außerdem sind aus dem Karagebirge die Leute des Hauptlings To Mos am Morde be teiligt gewesen. Von den Mordern waren auf der Station St. Paul wodnhaft To Maria und To Palos. Der erstere wurde vor einigen Jahren durch die Mission, der letztere durch die Regierung befreit. Die ubrigen sind alle Buschbewohner. Kurz vor dem Ueberfall soll Anis, ein Bewohner des Sklavendorfes, einen ande ren Bewohner des Sklavendorfes mit Namen To Hermann gebeten haben, den Pater Rascher zu war nen. Dieser erwiderte:„Die Leute lugen, wie sie schon oft gelogen haben.“ Auf das Wort des To Hermann:„Die wollen Dich erschießen,“ hatte Pater Rascher gesagt:„Laß sie nur schießen.“ Die unmenschliche Greueltat ist auf eine Verschwö rung zurückzufuhren, an der zwei dochnens drei be freite Sklaven von St. Paul beteiligt waren: alle übrigen sind Buschleute, die teilweise garnicht, teilweise nur wenig unter dem Einfluß der Mission stan den. Die Verschwörung war nicht direkt gegen die Mission, sondern gegen die Weißen überhaupt gerich tet. Wenn nur Angehörige der Mission gefallen sind, so liegt es daran, daß die Missionare am nächsten waren. Der Grund der Verschwörung liegt in der Abneigung der Eingevorenen gegen die Arbeit: „Seitdem die Weißen im Lande sind, müssen wir ar beiten, wir wollen wie früber ungestort in unseren Wäldern leben.“ Das in turz zusammengesaßt das bisberige Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung. Ueber die Arbeiten auf der Missionsstation selbst in keine Klage erhoben worden. Ware dies der Fall, so wurde jedermann diese Klage als unbegründet zuruckweisen. Es wurde in St. Paul nur an fünf Tagen der Woche acht bis neun Stunden gearbeitet. Der Sonntag selbstverstandlich und auch der Donnerstag waren frei. Von den fünf Tagen arbeiteten die be ireiten Sklaven zwei Tage in ihren eigenen Pflanzungen und drei fur gemeinnützige Zwecke der Station und des Landes, wofür sie reichlich bezahlt wurden. Es in denn auch keinem Bewohner des Sklavenheims, seiner fruheren Verhaltnisse eingedenk, eingefallen, sich über seine jetzige Lage zu beschweren. Ich habe dagegen die Userleute die Bewobner von St. Paul oft daruber beneiden hören, daß diese bessere Wohnungen, Nahrung und Kleidung hätten, als sie selbst. Der Rädelsführer der Verschwörung ist To Maria, ein durch die Mistion losgekauster Sklave, dem die Mission in drei gefahrlichen Krankheiten das Leben gerettet hat. Gescheiter Kopf und verdorbenes Herz, wollte er immer mehr Land— das er in Ueberfluß haben konnte— ohne dasjenige, welches er hatte, bestellen zu wollen. Aber das war nur der Vorwand seiner Unzufriedenheit, der Grund lag in seiner verdorbenen Natur. Verbeiratet, flüchtete er nit einem anderen verbheirateten Weib. Zurückgeführt u seiner Frau, schwor er allen Weißen, die ihn nicht seinen Leidenschaften fröhnen ließen, den Tod. Zwei Tage vor der Ermordung wurde er wieder einer pelten Ehebruches überführt und von Pater Rascher zur Rede gestellt. Da war bei ihm das Maß voll: Die Verschwörung kam zum Ausbruch und mit der eigenen Flinte seines Wohltäters, die er sich unter dem Vorwand, ihm einige Tauben zu besorgen, lieh, durchschoß er das Herz, das während fünf Jahren, leider ohne Erfolg, bemuht gewesen war, aus ihm einen ordentlichen Menschen zu machen. Ohue Zweisel werden, nach allem, was ich schon hier gehört habe, manche verleumderische Gerüchte als Ursache der Greneltat verbreitet. Daß mancher sich freut, seine Antipathie gegen die katholische Mis sion bei dieser Gelegenheit kund geben In konnen, wird bei jedem ehrlichen Menschen die wohlverdiente Verurteilung finden. Ich werde nicht verfehlen, wenn einige mir mitgeteilte beleidigende Aeußerun gen in die Oessentlichkeit kommen, die gerichtliche Verfolgung zu veranlassen. Die Station St. Panl hat auch bei denjenigen, die am wenigsten Sumpathie für unsere Missionstätigkeit haben, stets als eine Musterstation gegolten. Ich verweise dafür nur auf die von mir vor der Verschwörung geschriebenen Zeilen über die Sklavenfrage am Neu=Pommern und werde nötigenfalls andere Belege der Oefsentlichteit übergeben. Uebrigens wird das Urteil kurzsichtiger Menschen uns nicht erschuttern. Der Schlag, von dem wir be troffen sind, ist recht schmerzlich, aber wir erblicken dariv eine Prufung von oben und wissen, daß die Hand, die schlägt, auch wieder aufrichtet. So mischt sich denn in unsere Tränen um die teuren Dahinge schiedenen, die wir um ihre Kronen beneiden, ein Ge subl zuversichtlichen Vertrauens, daß auf dem durch das Blut der Glaubensgenossen befruchteten Boden eine reiche Ernte ersprießen wird, eingedent des so oft bewahrheiteten Spruches: Sanguis Martyrum seinen Christianorum. Aus der Reichshauptsiadt. Ms. Berlin, 1. Oktover 1908. Das Domtandidatenstift.— Kaiser Friedrich=Dentmal.— Hedwigkranten haus.— Straßenhändler. ein Edo aus alter tntholischer Zeit— denn aud Berlin war einmal ganz katholisch klang es herüber, als in dieser Woche das Domkandidatenstift ein Jubiläum seiert.; 50 Jahre sind verflossen, seitdem es ume#taltet wurde; aber es hatte in dem„Domlandidaten—Alumnen Institut" bereits einen Vorläufer aus dem Jahre 1814, das vom ersten preußischen nonige gegründet worden war evangelisch=reformierten Kirchen und Religionen eine gewisse Anzahl veformierte Kandidaten Thrologiä allhier in gesehen wober—. lediglich auf die merita der Personen im Jahr: 1822; es sollte nunmehr allen Predigerlandida ten dienen, die sitt zur neugeschaffenen Union bekannten. Doch büßte es jetzt immer mehr an Anziehungskraft ein, bis es König Wiltelm II. im Jahre 1854 neu aussattet: und umbildete; es wurde zur Aufnahme von 25 Kandiduten bestimmt und eine strenge, beinahe klösterliche nung eingeführt. Gemeinsames Leben, gemeinsame Manl zeiten, gemeinsame Arbeit traten an die Stelle des bis dahin freien Lovens. 555 Prediger sind bis heute aus dem Stifte hervorgegangen und wirken in den verschiedensten Gegenden Preußens. Voll#etzt war das Stift nu; das Klonerleben behagt eben nicht allen Leuten! Hart beim Dominikmernift am Monhijon Park wird in diesen Tagen mit Anspannung aller Kräfte gearbeitet; die letzten Arbeiten am Kaiser Friedrich=Denkmal werden vollzogen. Am kommenden Dienstag soll die Hülle in aller Feierlichkeit fallen. In der mit Gemälden geschmuckten Basilika des Kaiser Friedrich=Museums, wo die glanzvolle Eröffnungsfeter vor sich geben wird, in man eben dabei, die empore für das Kaiserpaar mit Baldachin herzurichten. Im lichtdurchfluteten Kauptkuppelraum grüßt das imposante Reiterstandbild des Gro pen Kurfürsten, welcher den Bli auf das durch die boden Türme sichtbare Kaiser Z##drick=Denkmal richtet. Am binteren Eingang des Museums, wo die Stadtbahn vorbei fährt, befindet sich unter dem Medaillonporträt des verewigten Kaners die Widmung:„Kaiser Wilbelm II. dem Andenken Kaiser Friedrichs." Mit der Emtbüllung des Denkmals und der Eröfnung des Museums geschieht aver auch ein bedeutungsne“ arur für die ermngung Verkahrs in diesem Stadtteil. Vom Kunsergraben aus übrt nämlich die neue Museumbrücke an dem em Haupt eingang des Ruseums gegenüber aufgestellten Reiternand. bild Kauer Friedrichs voruder in eine neuangelegte Stra nriche in die Tranienburgerstraße einmündet diese Straße, weiche eine äußerst zequeme Verbindung des Nordens der Stadt mit den Linden herstellt, und gar bald eine Versehrsader par ercellenee bilden wird, mündet aud die durchgebrochene Zun###lstraße, sodaß auch nach dieser Seite ein bequemer Zugang geschaffen ist. Früher mußte man, um vom Norden Berlins nach den Linden zu gelangen, den weiten Umweg über die Prasidenten, und Burgstraß., sowie über die Raiser Wilhelmsbrucke machen, oder die Friedrich= bezw. Artilleriesteaße Leuntzen, wäb reno man künftig auf deutend türzerem Wecke neue Museumsbrücke zum Ziele komm.. Die schöne Doppelbrücke, welde aus schlesischem Sandstein erbaut ist, hat einen Fahrdamm von 8 Meter Breite und, rn auf jeden Fußgängersteig drei Meter entfallen, eine Gesamtbreite von 11 Meter. Zehn mächtige Randelaver werden die Bruce euchten. u. Dedwags=Krankenhaus virgt ein wah. res Schmuckläsichen i seiner zierlichen Kirce, deren Aus malung nun vollendet ist Zahlreiche figütlich Tarstel. lungen in freundlichen, heiteten Farven zieren Wändund Decke und helfen den Eindruck einer freudigen, fest lchen Stimmuna verstärken. Die Mutter Gottes in der Mandorla uner der Mondsichel thront über dem Altar, jeven ihr. in andtender Haltung, stehen unter gotischen Balduchinen die heilige pedung und der beiige Kar. Aus der Hole d.9 Chores biad wintt eine große Himmelfahrt Martä, und die benachbarten Gewölbestichtappen behe bergen schlanke Engelgestalten, die mit neitgebreiteten Flügein die Himmelskönigin auf korem Fluge geleiten. ##r linken Seitenwand thront in figurenreicher Gruppe abermals Maria. Hier sitzt sie inmitten ihres himmliscken Hofstaates festlich geschmückter Engel, die dem kleinen Chri nusbild auf ihrem Scoße mit Psaltern und Lobgesängen anmutig buldigen.“ Die lebensgroßen, trefflich charatte. nisierten Figuren der zwölf Apostel schmücken die Seiten der Feuster: zu ihren Hauptern zieht sill ein frötzliche Zug leichtbeschwingter, musizierender Engel auf Wolter hin, die in ihter schlanken Aumut on übnliche Vorbild## aus der Frührenaissance(Fra Angelico) erinnern. Die lotranenhandler können nun erleichten aufatmen. Die gestrige Stadterordnetenvers#ammlun dat sich wieder innan mir denselben befaßt. 2 lentlich sind Klagen darüber laut geworden, 5 den Straßenbandel, der einen immer größeren Umfan annehme, die Geschuftsindaber arg geschädigt und die Pas A##mim werden. Eine Polizeiverordnung will tech den Straßennan= iranten. er soll in 54 Straßen ganz untersagt, in 182 nur unter gewissen Voraussetzungen geduldet werden. Ausschließung von Fuhr. werken oder großen Behältnissen.) Der Ausschuß hat sich im großen und ganzen mit dem revidierten polizeiluten Entwurf einverstanden erklärt. In der genrigen itzung brachten nun die Stadtgrordneten Ullstein sozialfort= schrittlich und Bürger(Soz.) Anträge ein, welche die lehnung des polizeilichen Entwurfs befürworteten. Mit 61 gegen 45 Stimmen wurde die neue Verordnung abge undern, daß raten so sehr zu Gunsten der Straf nachdem doch der Genosse Antrick dieselben vor ungefahr einem halben Jahr des Betruges angeklagt hatte. Aber es handelt sich hier um fast nur Genossen, auf die man Rücksicht nehmen muß. Was die„Weiber der Halle" in Paris sind, stellen die Straßenhändler in Berlin dar. Allerlei. Die vier höchsten Berggipsel Deutschlands sind die Zugspitze in den Nordtiroler Kaltalpen(2968 Meter hoch), der Watzmann in den Salzburger Kaltalpen(2714 Meter), der Herzogenstand in den altbaye rischen Alpen(1757 Meter) und die Schneekoppe iu Riesengebirge 11605 Meter). Denkt man sich diese vier über 1500 Meter hinaus ragenden Bergkolosse auf einander geturmt, so würden sie ungefähr die Hohe des höchsten Berggipfels in Asien, des Gaurisankar /8840 Meter), ausmachen. — Aus dem katholischen Leben in der Reichshaupt stadt. Seitdem das Zentralwahlkomitee der Zen trumspartei besteht, herrscht unter den Katholiler Berlins ein eifriges und reges politisches Leben; der Voltsverein gewinnt namentlich sehr an Ausdeh nung; er hat im Jahre 1903 eine Zunahme von übe 3500 Mitglieder erfahren. In jeder Pfarrei müsser jährlich mindestens zwei Versammlungen abgehalter werden; daneben lausen dann noch die großen Natho likentage der Reichshauptstadt, die jeweils einmal## Jahre stattfinden. Eine große Zahl von Vertrauenmannern ist eifrig tätig. In dieser Woche sanden in zwei Pfarreien größere Versammlungen statt; in de Bonisaziuspfarrei sprach der Reichstagsabgeordnet Erzberger über Zwecke und Ziele des Volksver eins und wünschte eine große Vermehrung der Volts vereinsmitglieder auch zu dem Zwecke, um endlie einen Einfluß und eine Vertretung aus dem„Rotel Hause“ zu erhalten. Obwohl die Katboliken der 8. Teil der Berliner Bevölkerung zählen, haben si nicht einen einzigen Vertreter im Stadtparlament Die Toleranz des hier allmächtigen Liberalismus und Freisinns gibt ihnen kein einziges Mandat; bier auf müsse der Volksverein besonders achten, damit di Katholiken zu der ihr gebührenden Stellung auf den Berliner Rathause tommen. In dem Vororte Stea litz fand gleichfalls eine sehr gut besuchte Volksver sammlung statt. Verantwortlicher Redakteur Ed. Verhülsdonk in Bochum Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckere: * Mit Feuer und Schwert. Roman aus dem großen Bauernkriege von Felix Nabor. Nachdruck verboten. Schluß.) 11. Kapitel. Der junge Maienmorgen stieg über die Berge und erfüllt das Tal mit eitel Glanz und Schimmer. Ein Meer von grünen Wipfeln, die im Morgenwinde rauschten und wogend und flüsternd sich neigten, als schritte der liebeHerrgott über sie hin, legte sich um die hohen königlichen Stirnen der Berge, welche das Kloster Lichtennern wie einen töstlich gesatzten Edel stein umschlossen. Turch die grünen Maiten des Tal grundes eilten geschwätzig die tlaren Waldbäche, aus deren kühlen Fluten ein paar Reye tramen. Auf allen Hügeln ringsum grüßten schimmernde Blütenbäume hernieder ins Tal, streckten die bräutlich ge schmückten Häupter jauchzend zum tiefblauen Himmel empor, drängten sich bis tief an das Kloster herau und schütteten ihren zarten Blütenschnee in dustenden Wolken über die altersgrauen Mauern aus, welch vor einigen Wochen noch heiße Kämpfe, Blut und Leichen geschaut hatten. Aber die böse Zeit war jetzt vorbei und der sonnige Frieden des Frühlings webte und lebte über all: im knospenden Laub der Bäume, in dem die Vögel Jubellieder sangen, in den sprossenden Saaten und dem tausendfachen Blühen der verjüngten Erde, im leisen Quellengemurmel, im lockenden Sonnen schein und zumeist im Menschenherzen, das nach schweren Schicksalsschlägen neuen Frühling erwar tete, neuen Frühling voll Sonnenschein und goldener Hoffnung, einen Frühling voll Frieden! Im Chore der Kirche lagen die Nonnen vor dem Gnadenbilde auf den Knieen; die Kerzen flammten von den geschmückten Altären, der Weihrauch zog in suß dustenden Wolken durch den heiligen Raum und im Chore brannte die ewige Lampe! Wie eine rosenrote Kugel schwebte sie inmitten silberweißer Weihrauchwolken, wie eine schöne strahlende Sonne leuch tete sie herab auf die Knieenden, wie ein heiliges Symbol der ewigen Liebe Gottes, der hier hinter den goldenen Pforten des Tabernatels in stiller Mejestät thronte. Aus den Herzen der Nonnen ergoß sich der heiße Jubel ihrer Seelen und der Dank für ihre Rettung in freudigem Gesange. Wohl waren die Räume des Klosters verwüstet und geleert, die bunten Heiligenbilder zerstört, die Fenster der Kirche zertrümmert, aber sie alle waren gerettet worden und das Gotteshaus war wenigstens vor Brand und ganzlicher Zersorung verschont geblieben. Nun waren sie wieder in ihrem tranten, stillen Heim, das ihre Herzen liebgewenuen hatten, und dafür sagten sie der gebenedeiten Mutter und den Heiligen Dant in einem freudigen Liede: „Lobt den Herrn, er ist die Liebe, Er verläßt die Seinen nicht. Lobt den Herrn, ihr Menschen alle, Lob ihn, gold nes Sonnenlicht!.. Traußen vor den zertrümmerten Fenstern lachte die Welt im Frühlingsglanze; aus dem Turme begann leise die Klosterglocke zu läuten und schickte im Verein mit den Nonnen ihr Dankgebet zum blauen Himmel empor. Und hinauf zu hinterst an der Kirchenwand stand Angla, ein bleiches Mägdlein, und die hellen Tränen liesen ihr über das liebe Engelsgesicht. In ihrer jungen Seele hatte sich etwas gewandelt und sie wußte nicht was. Seit eines Mannes Mund ihre Lippen berührt hatte, war eine Unruhe und Unrast in ihr, daß sie sich vorkam, als laste ein Fluch über ihrem Haupte. Die Süßigkeit der Liebe hatte sich ihr in Vitternis verwandelt und es war ihr, als hätte sie eine Sünde begangen, die sie nun durch ihr ganes Leben büßen mußte. Lange trug sie das Bild still in ihrer Brust, aber endlich, als sie einmal auf dem Schoße ihres Vaters aß, ihr zitterndes Gesicht an seine bärtige Wange geschmiegt, brach es hervor aus ihrer Brust. In tindlichem Stammeln gestand sie ihm ihre Liebe zu dem Innker und wie er sie beim Ritt durch den caar auf den Mund geküßt habe. Seitdem sei ihre Ruhe dahin und sie könne nur mit nesem Schmerz dieser Stunde gedenken. Manchmal sei es ihr, als hasse sie den Junker, als müßte sie ihn von sich stoßen, weil er ihre keuschen Lippen entweiht habe. Und nun ziehe es sie zu dem stillen Frieden des Klosters hin; dort möchte sie die Sünde büßen und ihr Leben ganz dem Dienste Gottes weihen. Es graue ihr vor der Welt, wo sie so viel Blut und Zsammer gesehen und wenn der Vater nicht böse wäre, so möchte sie am liebsten zu den frommen Nonnen nach Lichtenstern. Ob sie wohl würdig ware, in ihren frommen Kreis ausgenommen zu werden? Der Vater hatte sie darauf an seine Brust gezogen und ihr gesagt:„Nichts ist mir lieber als das, Angla! Du bist zu zart für die rauhe Welt und ihre Stürme würden Dich knicken, wie der Wettersturm die schlanke Lilie! Hinter den Klostermauern bist Du geborgen, da bist Du an Deinem Platze. Und dann können wir da auch immer zusammen sein, Angla, denn weißt Du— die gnädige Frau Aebtissin hat mir die Stelle eines Klostermeiers angeboten und ich— ich habe mit Dank angenommen. Das Kloster wird mir von nun an doppelt teuer sein, weil mein Liebstes auf Erden hinter seinen Mauern weilt.“ Da hatte sich Angla ihrem Vater voll Freude in die Arme geworsen. Ihr Entschluß, ins Kloster zu gehen, stand selsenfest. So waren sie unter Hans Diethers Schutz nach Lichtenstern gereist. Und als Angla vom Schiff der Kirche den Kreis der Nonnen erblickte, wie sie Gott lobsangen und ihre Seelen in stillem Jubel zum Himmel schwollen, da konnte sie nicht anders, da mußte sie weinen. Das Weh ihres Herzens löste sich in einem Tränenstrome und es war ihr, als würde ihre Scele in diesen Tränen gebadet und gewaschen, daß sie ganz rein und matellos daraus hervorging. Als sie nach dem Gottesdienste in den Kreuzgang hinaustrat, war sie ganz ruhig, ihr Lächeln war so hell und rein wie das eines Kindes oder eines En gels! Die irdische Liebe, die sie eine zeitlang be unruhigt hatte, war wie eine fliegende Wolle an ihrer Seele vorübergezogen, oyne deren klaren Spie gel zu trüben. In breiten, lachenden Wellen ergoß sich der Sonnenschein in den Klosterhof, vergold#et# die grauen Mauern und legte sich wie eine funtelnde Krone um Anglas Haupt. „Uebers Jahr,“ sagte sie zu ihrem Vater,„da werd' ich, so Gott will, den Schleier tragen und mein Glück nird ohne Grenzen sein.“ Der Weiger legte ihr wie sequend die Hand auf den Schei#el und sagte mit tiefer Bewegung:„Augle, mein sußes Kind: Du hast den allerbeiten Teil erwihlt, den vermag Dir die Welt nicht zu rauben! übers Jahr bist Du eine Gottcsbraut und lebst Kein Leben long im heiligen Gottesfrieden.“ Das Glöcklein zitterte in hellen Schlägen vom Turm herab und in hellem Jubel tönte das Lied der Klesterfrauen von der Kirche her: „Veni sponsa Christi, Accipe coronam. Quam tibi Dominus Praeparavit in aeternum!“*) Hans Diether und Renate saßen in der Fürstenstube des Klosters, um Abschied zu nehmen von der gnädigen Aebtissin Agnes von Liebenstein. Renates Augen glänzten vor Freude und auf ihren Wangen lag das frische Rot des Glückes. „Du kannst Dich freuen,“ sagte die Aebtissin, „denn Ihr beide seid unversehrt aus dem grausigen Kampfe hervorgegangen. Und Ihr seid jung und möget nach manches erleben. Es werden andere Zeiten lommen, die wir Alten nicht mehr verstehen. Aber ob aus der blutgetränkten Erde nicht eine hoff* Komm, Braut Christi, empfange die Krane, welche Dir der perr bereitet hat ewiglich! nungsvolle Saat aussprießt— wer vermag das zu sagen!“ Renate ergriff die Hand ihrer gnädigen Base, drückte einen Kuß darauf und sagte:„Uns in nicht bange um die Zukunft. Meine füßesten und stol zesten Hoffnungen auf eine sonnenhelle Zukunft ha ben sich bewährt: ich werde an Haus Diethevs Seite das Glück meines Lebens finden. Auf Burg Hohen Neussen, da möget Ihr zu uns zu Gaste kommen, sobald wir uns das warme Nest gebaut.“ Die Aebtissin lächelte und drohte ihrer Nichte mit dem Finger.„Nur nicht so gar siegesgewiß, Renate: das Glück ist wandelbar! Ihr werdet gut tun, es in Demut festzuhalten. Will's Gott, so seh ich Euch im Herbst am Hohen Neussen. Da wird wohl Ritter Hans stattlich und stolz einherschreiten in der neuen Würde als Obervogt eines gesegneten Gaues.“ „Er wird Euch, gnädige Aebtissin, in Dankbarkeit ergeben bleiben!" erwiderte Hans Diether.„Die harten blutigen Tage des Krieges haben den leichten Sinn der Jugend von mir hinweggenommen und ich werde dem Volke ein gerechter und wohlgesinnter Herr und Richter sein. Das ganze Land blutet un ter den Wunden, die ihm die Bauern geschlagen. Sie zu heilen, ist unsere Pflicht, und da wird mir Renate treu zur Seite stehen. Das weiß ich!“ Die Aebtissin untte das graue Haupt sorgenvoll in ihre Hand und sagte:„Der Weiger vom Rappenhof, unser neuer Klostermeier, hat mir's erzählt, wie es ausfieht im Lande draußen. Es ist ein wahrer Jammer! Hunderte von Schlossern, Burgen und Klöstern liegen in Asche; die Dörfer sind verbrannt, die Felder umgebant, die fahrende Habe und die Geräte zum Acerbau geraubt und(zerstört, das Vieh weggeführt oder niedergemacht, die Witwen und Waisen der Erschlagenen im tieinen Elend. Ein Stein müßte sich erbarmen über soviel Elend und Jammer. Die geglaubt haben, es würde besser werden durch den Aufruhr, und nicht zufrieden waren mit ihrem Stand, mit Steuern, Zinsen und Diensten, die sind nun übler daran als vorber und müssen der Strafe ihrer rechtmäßigen Herren gewärtig sein. Schon sängt der gemeine Mann zu jammern und zu klagen an, wie übel es ihm ergehe, und macht sich in angstvollen Schmerzensschreien Luft. Da hat mir der Weiger ein Zettelein gegeben, welches jetzt schon die Not des kleinen Mannes kundet.“ Sie nahm von dem nächsten Tische einen Bogen roben Papiers, auf welchem mit groben, eckigen Zügen eine Reihe von Versen geschrieben standen. Die Aebiissin las: „Man hatt' ein antes Leben Geführet lange Zeit * Da wollt man nichts mehr geben, Vergaß all Pflicht und Eid. Man brannt' und raubt wie Türken Ging wutiglich voran, Al Obern sollten mirken.. " Die Gwalt des g'meinen Mann. Der wollt' die Guter teilen, Wollk' Herr und Meister sein, in Doch kam die Straf mit Eilen *“ Ach. Herrgott, sieh itzt drein! Mit Strafen itzt sie wüten Verschweren alle Last, " Riemand sich mag behnten, Er wird erdrucket fast. So ist das End' vom Liede Ein grause Tyrannei, Ach. Herrgott, gib uns Friede Und bring' die Straf' vorbei!" „Und wer,“ fuhr die Aebtissin fort,„wer soll soviel Schlosser, Kloster, Kirchen, Stifte und Dörser wiederum aufbauen, welche in so kurzer Zeit verwustet, zerstört und verbrannt wurden? Es ist ein Jammer! Das Land wird bundert Jahre bluten unter der Geißel, welche die Bauern über ihm geschwungen haben. Gott wend' es zum Guten!" „Es wird immer Unheil entsteben, wenn sich die rohen Massen wider Ordnung und Gesetz auflehnen." sagte Hans Dietver.„Das Volk int noch nicht reif zur Freibeit, die es sich ertraumt. Und ein Gutes hat dieser Aufruhr wenigstens gebracht: Die große Masse des Volkes ist zur Einsicht gekommen, daß es mit der evangelischen Freiheit und mit der neuen Lehre nicht so glanzend bestellt ist, wie es gemeint bat. Das Volk erwartete von der neuen Lehre goldene Berge und hat statt dessen nur Blut geseben und Armnt, Elend und Jammer zu kosten bekommen Beder die erhoffte Besserung der wirtschaftlichen Lage. noch die erwartete Aenderung der zu Recht bestebenden Ordnung ist eingetreten. Darum wird die allernächste Folge des Aufstandes eine Abkehr des Volkes von der neuen Lehre und eine Rückkehr zur elten wahren Kirche sein, die ihren Kindern zu allen Zeiten eine liebevolle, treue Mutter war. Sie wird auch diesmal die Verirrten und Irregeleiteten mitleidig und erbarmend wieder in ihren Schoß auf nehmen und ihnen verzeihen.“ Die Aebtissin erhob sich.„Dant für dieses Wort," sagte sie.„Renate, Du darsst stolz sein auf einen Ritter, der sonder Furcht und Tadel zur alten Kirche halt und ihr in truer iLebe ergeben ist. Gottes Se gen mit Euch und des Himmels Glück zu Eurem Bunde. Fahret wohl!" Nach warmem Gruße schieden Hans Diether und Renate aus dem gastlichen Kloster, mit hellen Augen in die Zukunft blickend. Froh und heiter ritten sie ihres Weges inmitten der prangenden Frühlingspracht, welche über das Land ausgestreut lag. Gegen Abend erreichten sie das Lager des Truch seß, der ihnen freudig entgegenkam.„Lasset Pauken und Trompeten aufblasen,“ befahl er,„denn es nahet ein stattlich Hochzeitspaar!“ Unter dem Dröhnen der Panken und dem Ge schmetter der Trompeten ritten Hans Diether und Renate durch die Lagergasse. Herr Jörg Truchseß drückte ihnen warmer, als es sonst seine Art war, die Hände und ein helles Leuchten ging über sein verwittertes Gesicht.„Wir wollen fröhlich und guter Dinge sein,“ sagte er,„denn wir haben den Sieg allenthalben. Die hochgetragene Fahne des Bund schuhs liegt im Staube! Die gefährliche Rebellion der Bauern ist niedergeschlagen! In Schwaben und Franken haben wir ihnen mit Ernst gezeigt, daß annoch der Adel Herr im Lande ist; da haben sie sich verloren und verlassen als wie die Füchse im Bau. Aus Thüringen schicken mir die Sachsenherzöge gute Kunde: bei Frankenhausen sind sie unter das aufruhrische Volk gefahren, haben es besiegt und aus einandergetrieben. Den Thomas Münzer, den Ab trünnigen, haben sie gefangen und gerichtet. Und desgleichen hat der hochwürdige Fürabt zu Salz burg wider die Seinen getan. Ebe der Mond um ist, steht die alte Ordnung wieder aufrecht vom Thüringer Land bis Tirol. Der Bundschuh ist für immer abgetan und begraben. Darum soll mein Kriegsvolk guter Dinge sein und sich des Sieges freuen. Und wir wollen den Herrn loben, der uns seinen Beistand geschenkt hat.“ Panken und Trompeten schmetterten, die Schwertes klirrten und lauter Jubel scholl durch das Lager. Als der Jubel verklungen war, sagte Herr Jörg Truchseß, indem er das bräutliche Paar in sein Zelt geleitete:„Und nächste Woche gebt's zum Neufsen. Da setzen wir den Obervogt Hans Diether ein. Das soll ein Freudentag werden.“ Dann, unter dem Zelt vorhang stehen bleibend, sagte er:„So Gott will kommen nun ruhigere Zeiten, in denen Adel und Bauersmann sich besser vertragen als ehedem, Zeiten des Glücks und der Rube. Hört“ fuhr er fort, und deutete in die Ferne,„da klingen von allen Dörsern ringsum die Glocken. Das sind die Hochzeitsglocken, die Euch ihren Gruß entbieten.“ Hans Diether entblößte das Haupt und saßte Re nates Hand. So traten beide hinaus in den schei denden Tag, vom Abendrot umglänzt, das Gold der Sonne auf den hellen, jugendfroben Gesichtern und im Herzen das hohe Glück ireuer Liebe bergend.„Der Glockenschall,“ sagte Hans Dietber feierlich,„klingt wic ein lieber Gruß aus der Heimat. Drum wollen wir allzeit fröhlich sein und uns an ihrem hellen Klange erfreuen. Eh' daß der Frühling zu Ende geht, klingen uns die Hochzeitsglocken. Nach Sturm und Kampf haben wir den Hasen gefunden, in dem wir uns bergen wollen. Nicht mehr Feuer und Schwert möge die neue Zeit hervorkehren, sondern den Frieden. Und immerfort, wenn die Glocken durch Berg und Tal klingen, soll man sprechen können: sie läuten Frieden!" — Ende.— Ueber die Riedermetzelung der Milionare in Neu-Pommern. ist uns in liebenswürdiger Weise von einem Abonnenten ein Brief zur Verjügung gestellt worden. der nähere Angaben über die schreckliche Tai enthält. Der Inbalt deckt sich jedoch mit den folgenden Ausfubrungen, die der Germ. von dem in der Näbe des Schauplatzes weilenden Provinzial der Mission, Pater H. Linckens in Buna=Pope auf der GazellenHalbinsel zugegangen sind. Die bochinteressanten Schilderungen, die wir bier folgen lassen, waren schon niedergeschrieben und abgeschickt, ebe noch ein telegraphischer Bericht über das Massakre in Europa eingetrossen war. Bei der ungeheuren Entsernung der Südseeinseln brauchte der Brief sieben Wochen, ehe er hier eintraf. Die unter dem frischen Eindruck der surchtbaren Greneltat gegebene Darstellung wird sicher von neuem das innigste Mitgefühl für die Opfer des Massakres wecken. Gleichzeitig aber entbält sie auch eine schlagende Widerlegung der schändlichen Verdächtigungen und Verleumdungen, welche eine christen= und deshalb auch missionsfeindliche Presse aus Anlaß des Massakres auf die diesem zum Opfer gefallenen sowohl wie aus die Missionare überhaupt häusen zu können glaubte. Der Bericht also lautet: Vuna=Pope, den 25. August 1904. Wie schon telegraphisch gemeldet, wurden am 13. August die Missionsstationen St. Paul, Nacharunep und Marienhöhe in Baining(Gazallen=Halbinsel, Neu=Pommern) von einer Mörderbande überfallen. Auf eine grausame Weise wurden ermordet: zwei Pa tres, drei Brüder und fünf Schwestern, deren Namen bereits bekannt sind. Wie ich vernommen, gehen Mitteilungen über diese Greueltat nach allen Rich tungen, es wurde hier selbst schon manches erzählt das mit der Wahrheit nicht im Einklang steht. Des halb erlaube ich mir, Ihnen eine ganz objektive Dar stellung der Bluttat, die unsere Mission so schnell und unerwartet schwer getroffen hat, zur Verfügung zu stellen, mit der Bitte, als nicht erwiesen zu be trachtend, was andererseits dagegen veröffentlicht werden mag. Westlich vom Weberhasen an der Nordküste NeuPommers liegen die von einem Sklavenstamme bewohnten Baininger Berge. Am Fuße dieser Berge, der kleinen Insel Massava gegenüber befindet sich die Missionsstation Bunamarita, zur Zeit unter der Leitung des Herrn Pater Heinrich van der Aa und des Bruders Ignatius Stevens. Anderthalb Stunden landeinwärts zwischen den Bergen lag die Station St. Paul, unter der Leitung des Herrn Pater M Rascher und des Bruders I. Plasschaert,— und der Missionsschwestern Anna. Sophia und Dorothea. Noch zwei Stunden weiter landeinwärts hat der Herr Pater H. Rutten mit dem Bruder J. Schelle lens vor zwei Jahren die Station Nacharunep eröffnet. Zwischen diesen beiden letzten Stationen ungefähr zwei Stunden westlich hatten die Trappistenbrüder Mathias Folger und Josef Blen das verige Jahr eine provisorische Niederlassung„Marienhöhe“ gegrundet. Am 26. August sollte in St. Paul die neue Kirche eingeweiht werden. Deshalb waren die Brüder C Schellekens von Nacharunep und Josef Bley ren Marienhöhe seit Anfang August dort anwesend, um zu helsen, die letzten Arbeiten zu vollenden. Auch be fanden sich seit einigen Tagen die Schwestern Agnes, Anna, Angela. Agatba und Brigitta bei den Schwe stern von Sr. Paul. Einige Tage später sollten diese wieder nach ihrem Arbeitsfeld Buna Pope zurück kehren. Nichts ahnend von dem, was ihnen bevorstand, begaben sich die Bewohner von Er. Paul Samstag, 13. August, nach dem Frühstück, gegen 7 Uhr, an ihre gewöhnlichen Arbeiten. Unter Leitung der zwei Schwestern Brigitta und Dorothea gingen die meisten Mädchen und Knaben zum Ufer nach Bunamarita, um dort die per Booi angekommenen Sachen zu holen. Wie gewöhnlich Samstags, kommt To Maria, ein Bewohner des Sklavendorfes, die Jagdflinte von Pater Rascher holen, um wilde Tauben zu schießen Pater Rascher selbst war unwohl und legte sich angekleidet auf sein Bett; da erscheint gegen 8 Uhr To Maria auf der Veranda des Hauses und schießt ihm durch das Fenster eine Ladung Schrot in die Brust; Pater Rascher steht auf und begibt sich zur Türe. Schwster Anna(Katharina Utsch), im Nebenzimmer beschäftigt, eilt auf den Verwundeten zu, die ser stürzt tot zusammen. Seine Leiche sand man auf dem Rücken vor der Tür seines Zimmers liegen. Schwester Anna. vom Mörder verfolgt, flüchtete in ein Nebenzimmer und verschloß die Türe. Mit einigen Arthieben sprengte der Mörder die Türe und schoß die Schwester in die Stirne. Sie verblutete unter dem Tisch mit dem Haupte auf einer Kiste rubend. So fand man ihre Leiche mit ihrem gewöhnlichen Lächeln auf dem Gesichte und mit offenen Augen. Etwa 10 Schritte vom Hause zur Kirche kam die Schwester Sophia(Anna Schmittl vom Sklavendorfe zurück, wo sie die Wunden verbunden hatte. Sie muß sich gegen ihren Mörder verteidigt haben, den: ihre Kleider von starkem Tuch waren vielfach zerrissen. Sie soll nicht sogleich tot gewesen sein, und der Auführer To Maria soll dem Mörder zugerufen haben:„Warum tbtest Du sie nicht sogleich?" Darau hat der Mörder sie mit den Füßen getreten, sodaß die Eingeweide aus einer Seitenwunden heraustraten. 8= 2—5•.. D„ S 52 S Frseg: □ SOETER ** E Nr. 239. Der Erzähler Man fand ihre Leiche auf der rechten Seite liegend, sie hatte auch klassende Wunden im Hinterkopf und im Nacken. In der Nähe des Hauses rechts sand man auch die Leiche des Bruders Josef Bley, sie hatte Axthiebe im Hinterkopf und Nacken. Bruder Josef Bley arbeitete unterhalb des Hauses. Als er die Gewehrschusse hörte, soll er mit Tande, einem jungen Manne. der mit ihm arbeitete, hervorgetreten sein, und dem To Maria zugerufen haben:„Was hast Du zu schießen? Da legte To Maria auf ihn an. Tande stellte sich in den Weg. To Maria schrie, er solle sich entfernen. Tande erwiderte:„Du kannst uns beide erschießen.“ To Maria schoß, traf aber trotzdem nur den Bruder, der sich mit einem Brett, das er in der Hand hatte, schützte. Der Bruder kam durch den Schuß zu Falle und wurde dann von dem Mörder vollends niedergemetzelt. In der Nähe der Kirche arbeiteie Bruder Schellekens an einer Zementtreppe. Bei der Arbeit hat ein Mörder ihm den Schädel gespalten und zu beiden Seiten des Halses tiese Wunden beigebracht. Der Bruder lag auf dem Gesicht und das Werkzeug, die Kelle, neben ihm. Bruder Plasschaert arbeitete an der Kirche und war mit dem Abmessen von Brettern beschäftigt. Man sand seine Leiche auf den Brettern liegend mit Bleistift und Metermaß in der Hand. Sie hatte tiefe Wunden am Hinterkopf und zu beiden Seiten des Halses. Schwester Agatha(Elisabeth Rath) verband an der linken Seite des Schwesternhauses die Wunden der Eingeborenen. Da wurde ihr von hinten das Haupt ganz und gar zertrümmert. Das Verbandzeug fand man neben der Leiche. Schwester Angela(Wilhelmina Balla) war in der provisorischen Kapelle unter dem Schwesternhaus au Altare beschäftigt. Da wurde ihr ebenfalls von hin ten der Kopf ganz und gar zertrummert. Sie lag aus den Stusen des Altars. neben ihr auf dem Bo den lag das Tabernakel mit dem Allerheiligsten. Schwester Agnes(Katbarina Holler) nähte auf der Veranda, dort fand man ihre Leiche mit tiesen Scha delwunden. Sie hatte das Gesicht mit dem Schleier bedeckt. Die Ermordung in St. Paul ist in ein paar Mi nuten ausgeführt worden. Die Mörder besanden sich bei den von ihnen angewiesenen Opsern und si len über sie ber in dem Augenblicke, wo To Maria den ersten Schuß abfeuerte. Um dieselbe Zeit oder kurz nachher sand die Er mordung des Pater Rutten in Nacharunep statt. Au der Veranda seines Hauses sand man einen Klapp stuhl ganz mit Blut bedeckt. Auf dem Boden war ebenfalls eine große Blutlache, daneben das Brevier und ein ausgeschlagenes Buch über die Märtorer der Natakomben. Die Leiche sand man vor der Stelle der Ermordung kaum einen Fuß unter der Erde, in Ba nanenblätter eingewickelt, begraben. Der Kopf war oberhalb des Mundes vollstandig abgehackt. Einige Stücke vom Schädel wurden in der tleinen Pflan zung der Siation gesunden. Den farbigen Bewoy nern von St. Paul haben die Mörder nichts zuleide getan. mit Ausnahme des oben genannten Tandes, der einen Keulenschlag erhielt. Des weiteren wurde To Hermann, der Pater Rascher gewarnt hatte, von den Mördern vergebens zum Tode gesucht. Beim Ueberfall flohen die meisten der noch anwesenden Knaben, Jünglinge, Mädchen und Frauen teilweise nach Bunamarita, teilweise in den Urwald. Nur einige blieben bis gegen Abend auf der Station, um sich dann auch nach Bunamarita zu begeben. Die ersten Flüchtlinge trafen in Vunamarita ungefahr gleichzeitig mit den beiden Schwestern und ihrer kleinen Truppe ein. Um dieselbe Zeit kam auch Herr Miesterseldt, der Vorsteher der Massava=Pflanzung der Neu=GuineaKompagnie, nach Bunamarita, um nach Uebereinkunft mit Pater Rascher zu sprechen, erfuhr aber, daß Pater Rascher wegen Unwohlseins sich entschuldigen ließ. Da Pater van der Aa, wegen des angemeldeten Unwohlseins des Paters Rascher aus dem Gerede der Flüchtlinge nicht klug wurde, aber doch das Schlimmste sürchtete, bestieg er sogleich das Pserd des Herrn Miesterfeldt und eilte hinauf nach Si. Paul. Unterwegs begegnete er einigen bewaiineten Bainingern, die bei seinem Erscheinen in den Urwald fluck icten, ferner begegnete er weinenden Knaben. Frauen und Männern, die ihn immer mehr von einem Uebertall überzeugten. Das Sklavendorf vor i. Paul findet er leer, er erreicht die Wohnung des Pater Rascher, wo er sich von dessen Tod und dem der Schwester Anna überzeugte. Da er durch das Haus auf die andere Seite geht, nem er die Leiche einer anderen Schwester und eine Truppe Baininger, welche geraubte Sachen einpackten. Kaum haben diese ihn bemerkt, so erheben sie in wildem Ge##rer ihre Beile; unbewaifnet wie er war. konnte er nichte an deres tun, als eiligst nach Vunamarita zurückehren, um Hülfe zu holen. Herr Miesterfeldt schrieb sofort nach Herbertshöhe an das taiserliche Gonvernement. und Pater van der Aa nach Vuna-pope. Um die selbe Stunde, wo die Mordtat in St. Paul verndt wurde traten auch drei Baininger in die Wohnung des Herrn Miesterfeldt und boten zwei Kasuareier zum Verkauf an. Da Herr Miesterseldt nach Buna marita war kaufte sein sarbiger Haussunge die Fier, und so mißglückte dort der Mordanschlag. Nachmit tags gingen einige Baininger und Bewohner von Vunamarita mit den Arbeitern des Herrn Miesterseldt unter der Leitung des Herrn Tom(onab, der in der Nähe von Bunamarita eine Händlerstation hat, nach St. Paul, um die Leichen zu holen. Es ge lang ihnen nur, die Leiche des Paters Rascher auf eine Tragbahre zu nehmen, da der Abend anbrach und es stark regnete. Während dieser Zeit schickte Pater van der Aa ein Boot, um die Trappistenbruder in Marienhütte von dem schrecklichen Ercianis zu be nachrichtigen. Die starte See machte es unmönlich, da. Ziel zu erreichen. Glucklicherweise hatte Br. Mathias Folger sich selbst entschlossen, trotz des schlech ten Wetters, nach Vunamarita zu gehen, um am sol genden Tag der Messe beizuwohnen; er traf gegen 5 Uhr dort ein. Wegen der schlechten Verbindungen mit Herberts höhe war die Lage in Vunamartta sehr bedenklich; die dort Versammelten waren auf Selbstverteidigung angewiesen, denn daß Bunamariia angegrissen wurde, war außer Zweisel. Die Buka=Arbeiter der NeuGuinca Kompagnie wurden von Herrn Miesterfeldt mit Keulen und Speeren bewaffurt, und die Weißen mit geladener Flinte hielten Wache. Die Nacht ging ohne Angriff vorüber, Morgens gegen halb fünf Uhr samen die Baininger zahlreich heran. Da sic auf die Bukaleute stießen, zogen sie sich in der Finsternis zu rück. Als es Tag wurde, beerdigte man Pater Ra scher am Eingang der Kirche von Vunamarita, wal rend Herr Miesterfeldt mit seinen Leuten die Wache sortsetzte. Raum war die Wandlung der hl. Messe vorbei, da wiederholten die Baininger ihren Angriff, sodaß die heilige Messe sofort beendet werden mußte. Als alles aus der Kirche sturmte, zogen sich die Angreiser zurück. Im Laufe des Tages gingen einige Bewohner von St. Paul, die sich nach Vunamarita gefluchtet hatten, nach der Station zurück und brachten die Nachricht, daß nicht allein die zwei Schwestern, deren Leichen Pater van der Aa gesehen, ermordet seien, sondern auch die drei Brüder und die anderen Schwestern. To Maria ließ melden er wurde die Polizeisoldaten in St. Paul erw. den Gouverneur Herrn Dr. Hahl und Herrn Bischof L. Couppé, toten. Zur größeren Sicherheit beschloß Pater von der Aa. die beiden Schwestern Brigitta und Dorothea. Fraulein Tadie Macdonald, die Braut des Herrn Miesterfeldt, die Mädchen, Frau und Knaben nach der in der Nahe liegenden In Massikonapuka zu bringen und sie dort einem katholischen Häuptling anzuvertrauen Das Schreiben des Herrn Miesterseldt an die gierung war am vorigen Tage mit einem Boot bis zu einer Handelsstation an der Nordtuste zu Herrn Hildebrandt gekommen. Dieser schickte sofort einen Arbeiter nach Herbershöhe, der dort am Sonntag Morgen gegen 7 Uhr ankam. Das Ungluck wollte es noch, daß der Gouverneur nach den Karolinen gereist war, sein Stellvertreter, Herr Knale, nach Neuguinca, der kaiserliche Richter Dr. Kornmajer nach der Nordlüste und sich somit bloß 20 Polizeisoldaten in Herbertshöhe befanden. Auch waren fast alle Schiffe abwesend, nur die Dampfpinasse der Neuguinca=Kompagnie war anwesend. In fieberhafter Etle wurde alles zur Abfahrt vorbereitet. Der Eingeborenenvogt. Herr Sigwanz, der Arzt Dr. Wendland, Herr Pater Kleintitschen, einige andere Weiße und die 20 Polizeisoldaten verließen bald Herbertshöhe und un ter vollem Dampf ging es auf Bunamarita zu, wo sie gegen 126 Uhr Abends eintrafen. Am Strande wurden sie von den Ueberlebenden empfangen. Da es zu spät war, um noch nach St. Paul vorzurücken, wurden die Polizeisoldaten auf Posten ausgenellt, und die Weißen übernahmen abwechselnd die Wache bis zum folgenden Morgen. Dann blieb eine kleine Abteilung zur Bewachung von Vunamarita zurück, und eine andere, wohlgeordnete Abteilung, bestehend aus bewaffneten Buka=Arbeitern, Polizeisoldaten. Herrn Sigwanz. Herrn Dr. Wendland, Pater Kleintitschen und einigen anderen Herren, ging hinauf nach St. Paul, wo sic ohne Zwischenfall eintraf. Die Räubervande war nicht zu sehen, wohl aber das jurchtbarite man sich vorstellen kann: die wegen der mer berrschenden Hitzc schon in Verwesung übergegangenen Leichen in der Lage wie oben angegeden Aus dem Hause des Pater Rascher und dem der Schwestern waren Wasche Kleider, Fletschkonserven, Messer, Meßkleider(mit Ausnahme der Stolen, Manipel und Pallens, Altortucker verschwunden. Alles übrige, das fur die Rauber keinen Wert hatte, las bunt durcheinander: Relche, Lampen. Bucher, Stühle, Schuliaseln usw. Von den Feldbetten und Klappstuhlen war das Segeltuch abgeschninen. Die Wohnunsen der treu gebliebenen Baininger waren ebenfalls vollständig ausgeplundert. An den Oäusern selbst und an der Kirche war nichte beschadigt als die Türe, welche gesprengt worden war. um die Schwener Anna zu töten. Nachdem die Station durchsucht war wurden zwei lbteilungen gebildet: die erne blieb aus der Station, um die Toten zu beerdigen. Auf dem Kirchhof wurde in dem seiten Lehmboden ein einziges großes Grab gemacht. Die treu gebliebenen Baininger Junglinge trugen die Leichen zum Kirchhof. Ein schauerlicher Leichenzug: Welcher Anblick, als die acht Leichen neben einander im Grabe lagen, die bewaffneten Bukaarbeiter den Kirchhos, die Polizeisoldaten mit geladenem Gewehr das Grab umsanden und der Priester, Pater Kleintitschen, die geladene Flinte an seine Füße legte, um die Begrabnisgebete zu sprechen! Nach der Beerdigung ließ der Arzt das Wohnhaus des Pater Rascher von den Blutlachen reinigen, damit man die Nacht darin zubringen konnte Die andere Abteilung hatte inzwischen einen Streifzug durch die umliegenden Geböste gemacht, die aber von den Bewohnern verlassen waren. Am Abend war die Abteilung wieder in St. Peul. Die Nachtwache, bestehend aus vier Soldaten— einem an jeder Ecke des Hauses— und einem Weihen, wurde alle zwei Stunden abgelost. Am folgenden Tag, Dienstag, ging die ganze kleine Truppe hinauf nach Nacharnnep. Nach einer halben Stunde bemerkte die Vorhut einige Van=inger. Die Soldaten gaben sofort Feuer, verwundeten einen, aber es war im Urwald nicht möglich, den Blutspuren lange zu folgen. Bei den zurückgelassenen Gegenständen sand man auch eine Mutze, welche dir treu gebliebenen Baininger als die des To Maria bezeichneten. Etwa halbwegs teilte sich die kleine Truppe: eine Abteilung begab sich direkt nach der Missionsstation Nacharunep, die andere zog durch das Tal nach dem Gehöfte des Hauptlingo Valilikai, den sie aber nicht sand. Ueber die Siation Nachalunev war die Truppe in Ungewißheit. Sobald Pater van der Aa die Bluttat von St. Paul erfahren schickte er Enlboten zu Pater kutten, um ihn zu warnen, aber ein. Antwort war nun Die erse emerste sie bald, daß die Rauber dort furchtbar gehaus hatten. Erst nach langem Suchen wurde die Leiche des Pater Rutten gesunden, da man bemertte, daß der Boden an der Stelle, wo sie lag umgegraben schien. In Nacharunen wai mit Aufnahme der Bucher und Papiere. die überall zernreut lagen, alles was nicht nagelsest war, gestohlen, die Zenster größtenteils zerschlagen, die Kapelle vollstandig ausgeplündert; das Tavernatel mu dem Allerheiligsten, Kelche, Metgcwander usw., alles verschwunden; der Altar ganz verstort Nichts war mehr zu finden, ausgenommen der Metzwein. Inzwischen traf noch ein anderer Zug unter Führung des kaiserlichen Richters Dr. Kornmaser mit funf anderen Weißen in Nacharunep ein. Dieser Zug war über die Trappistenniederlassung Marienhöhe heraufgekommen und hatte dieselbe vollstandig ausgeplündert gefunden. Der Ueberfall muß dort kurz nach Mittag, als Bruder Mathias nach Bunamarite gegangen war, stattgesunden haben. In Nacharunep wurde nun in Begleitung von ca. 20 bis 30 Junglingen und Männern von St. Paul eine Straferpedition unternommen. Bis heute sind ctwa 15 Baininger erschossen worden. Während dieser Zeit befanden sich der Missionsbischof L. Couppe mit meiner Wenigkeit(Pater Lindens) am Tortu am äußersten Ende der Gazellenhalbinsel. Die Nachricht von der Greueltat traf erst am Freitag dort ein. Am Samstag Abend brachte der kleine Missionsdampfer Gabriel uns nach Bunamarita. Die beiden geretteten Schwestern mit den Madchen und Frauen waren schon nach Vuna Pope abgerein. Die Dampfpinasse Warongot der Neu=GuineaLompagnie brachte mich am folgenden Tage mn Sklaveninaben nach Vuna=Pope. Der bochw. Herr Bischof an Bord des Gabriel sollte einige Scemeilen westlich von Vunamarita treuzen, um die Truppe der *