Heiligtum ist ungefähr acht Zoll hoch und wiegt Pfund. Der Dalai=Lama, der zwar erst zwanzig ahre ist und recht gesund und kräftig, wird doch hr ermüdet, wenn er während des langen Gottes enstes das schwere Ding halten muß, und so hat ner der hohen Priester, die die Person des Kirchen verhauptes von Tibet umgeben, eine Reise unterommen, um einen Künstler ausfindig zu machen, # ein leichteres und dabei noch kostbareres„iseoum“ heruellen konnte. In Paris hat er solche Mei. er gesunden und auch die Ratschläge von Gelebrten der die ver.= Herstellung des heiligen Gegenstandes ingeholt. Die Schussel aus Aluminium machen zu isen, dazu konnte man ihn freilich nicht bewegen, enn er hatte einmal einen russischen Photographen twus Alumintumpulver verbrennen sehen und fürchete nun die Feuergefährlichkeit des Stoffes, obwohl nan ihm nachwies, daß das Metall gegen Feuer sehr eiderstandofabig sei. Deswegen ward der Untersatz ius vergoldetem Silber hergestellt und ebenso die zeiden greulichen Drachen, die als echte Königsdrachen mn fünf Klauen in vielfachen Windungen sich am Rande der Schufsel emporbaumen mussen. Das Vorhandensein dieser Tiere unter dem sonst dem reinen Buddbismus entnommenen Sombolen ist ein Zugesändaits an die chinesische Regierung, deren Vertreter manchmal bei den Gottesdiensten zugegen sind. Bei dem neuen„He=boum“ können die Schlangen nach Belieden abgenommen werden, so daß man sie nur aufzusetzen braucht, wenn ein angesehener Chinese sich unter der andachtig versammelten Gemeinde be findet. Die Base, deren sehr ausgebuchtete Form ein wenig gemäßigt ist, ist aus Korallenstucken von solcher Große geschnitten, daß man wohl sagen kann, sie seien die großten der ganzen Welt. Der Oberpriester begab sich nach Livorno, um sie auszusuchen. Das Bilduts des Amitabba, auch aus Korallen, ruht auf einer Lotusblume aus weißem Chalcedon. Um dies heilige„Gesicht schlingen sich Blätter, die aus Lapis lazuli auf das zierlichste ausgeführt sind, und sie bilden zusammen eine ovale Umrahmung, die mit einer Monstranz Aehnlichkeit hat. Darüber schwebt ein Mond aus weißem Chalcedon, eine Sonne aus gelbe. Steinen und eine Flamme aus Korallen, die den Strapl der Weisheit bedeutet. Das prächtige Werk, des nur 1¾ Pfund wiegt, ist von füns Pariser Kunstlern verfertigt und bleibt ein Meisterstuck französischer Kunstfertigkeit, obwohl es freilich den beurteilenden Augen Europas auf immer entruckt sein wird. Bevor es seine Reise nach dem fernen Tibet antrat, um die Rechte des heiligen Dalai=Lama zu zieren und verehrt zu werden. war es eine Woche im Museum Guimet ausgestellt. Allerlei. Die Garderobe des Lord Anglesey. 900 Kostame, die die Garderobe des Marquis von Anglesey ausmachten, werden in kurzer Zeit versteigert werden, und damit wird eine bunte Pracht erlesenster Farben und Stoffe durch den gefühllosen Hammer in alle Winde zerstreut werden. Aus diesen " reichgestickten Röcken, dem matten Glanz der seidenen Gesellscheftskleider und den vielfachen Farbenspielen der kostbaren Unterwäsche scheint eine vergangene Zeit heraufzusteigen. 200 Ueberröcke künden da von einer verschwenderischen Pracht: einer aus braunem Zobe! kostet allein 20000 Mark, und dann folgen in seinsten Uebergängen Röcke für alle Tageszeiten und für alle Variationen, die durch die Witterung und sonstige Ereignisse nur möglich erscheinen. Die Anzüge selbst ließ der Lord häufig alsbald zu Dutzenden anfertigen. Große Delikatesse und Sorgfalt ist auf seine Schlafanzüge und seidenen Unterkleider verwendet, die durch die Prachs der Stoffe und durch ihre koloristische Schönbei wirken. Einige der Gesellschaftsanzüge sind aus jenem blassen rosa Seidenmoiree, den Gainsborougbs„Knabe in Rose“ zeigt, mit stahlgrauem seidenen Kragen, Stulpen und Jabot; kühne Farbenzusammenstellungen liebte der Lord. So trug er schwarze Wüsche häufig zu einem Abendanzuge aus weißem Seidenbrokat. Ein ganzes Zimmer ist angefüllt mit künstlichen Blumen, die aufs seinste in ihrer Tönung zu den Färbungen der Kostüme abgestimmt und mit starken Parfums getränkt waren, da dem Lord natürliche Blumen wegen ihrer aufdringlich lebhaften Wirkung und ihres schnellen Welkens verhaßt sind * Das Tabakrauchen ist durchaus nicht ein„Ding an sich“, dessen Eigenschaften und Foigen immer die gleichen sein mussen. Es durfte schon heitel genug für einen urzt oder Hygieniker sein, sich auf den Standpunkt zu stellen:„Sage, ob Du rauchst, und ich sage Dir. ner Du vist. d. h. gesundheitlich best. Richtigei wurde es welleicht sein, neim man den Satz abänderte: Süge nir, wie Du nruchst... Nicht nur die Menge und dre Art des genossenen Tavals, sondern auch die Gewohnheiten denn Rauchen selbst sind für die Mögachkeit einer gesundheutnchen Giefahr ausschlaggebend. Ueber diesen Punkt hat Dr. J. Vomberger aus Kissingen in der„Munchener Medizinischen Wochnschrift" eine lehrreiche Auslassung veroffentlicht. Er unterscheidet darin in erster Linn zwei Arten des Rauchens, deren Vertreter er mit den Bezeichnungen Naßraucher und Trockenraucher belegt. Die B##d#mung dieser Begriffe versteht sich ziemlich von selbst. Die Trockenraucher sind smwere Leute, die ihre entur der aus der Spitze oder doch so rauchen, daß das in den Wund eingefuhrte Ende bis zuletzt trocken vleibt. Auch die Pseisenraucher rechnet Dr. Bamberger zu dieser Klasse. Die Naßnaucher dagegen fangen schon damit an, daß sie ihre Zigarren unt Speichel befeuchten und dann weiterhin nicht ausschließlich mit dem außeren Teil der Lippen halten, sondern tief in den Mund srecken undeinem förmlichen Kauakt unterwersen. Die Wirkung des Tabaks muß bei beiden Gruppen eine recht verschiedene sein. Die Trockenraucher konnen sich die im Tabak enthaltenen Gifte(Nikotin, Pyridinvasen, Ammoniak, Blausäure, Schwefelsäure, Methylamin usw.) nur auf zwei Wegen einverleiben: einerseits dadurch, daß der soeben eingezogene Rauch seine geftigen Bestmndteile zum Teil in der feuchten Mundhöhle zurückläßt, von wo aus sie mit dem Speichel verschluckt werden können, und andererseits dadurch, daß der ausge. pustete Rauch mit der Luft wieder eingeatmet wird. Die Nußraucher befinden sich unter denselben Gefahren, aber in ungleich höherem Maße. Gerade am Stummelende der Zigarre sammelt sich das Nikotin an, das der Naßraucher nun ausfaugt, so daß es dem Magen zugeführt wird. Auch halt ein vollständig durchweichter Zigarrenstummel andere im Rauch befindliche Gifte natürlich viel leichter zurück als ein trockener. Ist ein solcher Raucher gleichzeitig noch ein Liedhaver des A.kohols, so wird die Gefahr noch bedeuten. der weil die im Alkobol löslichen Gifte in Verbindung mit diesem Stoff weit leichter vom Magen wirklich ausgenom. men werden. Dabei braucht der Naßraucher noch gar nicht ein eigentlicher Trinker zu sein, sondern nur überhaupt gelegentlich Alkohol zu genießen. Dr. Bamberger neigt zu der Ansicht, duß das Trockenrauchen nur geringe Gefahren fur die Gesundheit in sich schließt, und daß alle Fälle wirklicher Schädigungen im Gefolge des Rauchens auf Naßraucher zu veziehen sind. Die Zigarettenraucher sind allerdings auch gewöhnlich Trockenraucher. Bei ihnen vergrößert sich aber der schädliche Einfluß erstens durch das Hinunterschlucken des Rauchs und zweitens dadurch, daß gewöhnlich eine große Menge von Tavak, nämlich bis zu 60 Zigaretten täglich, verbrannt wird. Nach diesen Ausführungen müßte man das Tavakkauen, das bei der Arbeiterbevölkerung noch immer sehr verbreitet ist, für das Schlimmste halten. aber in dem Kautavak ist überhaupt nur sehr wenig Nikotin vorhanden. Auf das Nikotin scheint es jedoch nicht allein ader auch nur in erster Linie anzukommen; denn die nikotinarmen Havanna=Zigarren führen ebenso häufig zu chronischer Vergiftung wie etwa die nikotinreiche Virginia. ** Die Wassernot der Weichsel wird in der Danz. Ztg. folgendermaßen geschildert: Der Wasserstand sinkt immer weiter, freilich immer nur um einige Zentimeter; aver gerade dieses wenige hat schließlich hingereicht, den Verkehr ganz einzuschränken. Nur kleine, flachgehende Regierungsdampfer und Fischerkähne sind zu sehen. Wer jetzt den lungsam dahinschleichenden Strom kennen lernt, kann sich schwer eine Vorstellung von seiner Furchtbarkeit zur Zeit der Hochwasser und der Eisgange und von den gewaltigen Wassermassen machen, die zum Meere abfließen. Seit 1832, wo die Weichsel durch vielfache Stromspaltungen an manche Stellen die geringe Liese von 40 Zentimeter hatte, sind ähnliche Verhältnisse wie in diesem Jahre nicht vorgekommen. Schon seit Wochen wurde der Verkehr durch Sanddänke erschwert. Der Unterlauf des Flusses enthält alle Jahre Inseln und Kmmpen, der so zahlreich und umfangreich wie jetzt, sind sie noch nicht gewesen. Stellenweise bilden sie gane Sandfelder. Ihrr Lage ist sehr verschieden. Je nach der Strömung befinden sie sich bald auf der linken, bald auf der rechten Seite, manchmal sogar mitten im Strome. Bisweiten nähern sie sich dem einen Ufer so weit, daß eine nur einen Meter breite Rinne übrig bleibt. Sie ziehen sich entweder in der Längsrichtung des Stromes hin oder lagern quer in demselben in der halben, an einer Stelle sogar in fast zwei Drittel der Flußbreite und lassen für die Fahrzeuge nur eine schmale Straße übrig, die wegen der flachen Stellen nicht einmal in der ganzen Breite zu benupen ist. * Eine durch den Bergbau bedrohte Stadt. Wie man der Schles. Ztg aus Zwickau meldet, wird sich das dortige Landgericht demnächst mit einem interessanten Prozeß zu beschäftigen haben. Kläger ist die Stadt Zwickau, Beklagte sind zwei alte bergbauende Gesellschaften. Die Stadt behauptet, daß infolge der immer weiteren Ausdehnung der Kohlengewinnung sehr erhebliche und bedrohliche Erdsenkungen im Weichbilde der Stadt — bis zu rund zwei Meter— vorgekommen, Häuser beschädigt, Gas= und Wasserohre gebrochen seien, und man die öffentliche Sicherheit als gefahrdet ansehen müsse, da Ueberschwemmungen entstehen konnten; auch sei ein Son#en des Grundstücktertes unausbleiblich. Die Stadt hat die vetreffenden Gesellschaften aufgefordert, die entstandenen umfangreichen Höhlungen durch„Bergversatz" d. h. durch das neben den Kohlenadern lagernde Gestein auszufüllen, was dus Nachsinken des Erdreichs aufhalte. Die Gesellschiften erklurten sich im Hinblick auf die möglicherweise in die Millionen spielenden Kosten des Bergversatzes hierzu nur unter der Bedingung trreit, daß die Stadt eine Entschdigung gewähre. Die Stadt tehnte ab und beschritt den Instanzenweg des Verwaltungsstreitverfahrens, hatte aber kein Gück damit, da ein Ministerialentscheid ihr die Kosten allein aufvurdete und das Oberverwaltungsgericht sich als unzuständig erklärte. Der Streit wird nunmehr im Wege des Zwilprozesses ausgetragen werden. * Von Bienen überfallen wurde am Mittwoch nachmittag die Familie des Eisenbahnsekretärs B. aus der Müllerstraße in Berlin. Die Eheleute gingen mit ihren beiden schulpflichtigen Knaben nach der Saatwinkel und wurden, so erzählt die Berl. Ztg. in der Nähe der Sceßstände von einem Bienenschwarme überfallen. Vor Schmerz schreiend, rollten sich die Leute auf der Erde und machten auf sich nähernde Passanten zunächnt den Eindruck, als seien sie närrisch octvorden. Es vergingen wohl zehn Minuten, bis sich genügende Hülfsmannschaft beisammenfand, um den starken, immer wieder vordringenden Schwarm zu verscheuchen.(Wie das geschah, wird leider nicht gesagt.) Auffallend verschieden zeigte sich die Wirkung des Bienengiftes bei den Familien. mitgliedern. Während die Frau und der ältere Knabe gegen das Gift fast immun schienen, bildeten sich bei dem jungsten dicke Geschwülste, und der Familienvater war durch etwa zehn Stiche so mitgenommen, daß er sich niederegen mußte. Er klagte über Herzschwäche und schweres Unbehagen. Der Stiefel des Präsidenten. freien Amerika wird nich nur mit der Flagge Vergötterung getrieben, wie nachstehender Vorfall beweist. Auf der Mettausstellung sind die Stiefel des Präsidenten Rooserelt ausgestellt, die dieser als Comvoy in Norddatota trug. Es stellt sich jetzt heraus, daß von den Verehrern des Präsidenten sämtliche Nägel und Schrauben aus den Sohlen dieser Stiefdl als Andenken entfernt wurden. An. dere Leme haben ihner Begeisterung für den Präsidenten adurch Ausdruck gegeben, daß sie das Oberieder der Stiefel mt ihren Intialien beschnitzten. Vom Büchertisch. Das Recht und der Rechtsweg der Handlungsgehülfen. In Leinen gevunden 2,50 Mark. Porto 20 Pfg. Verlag von Rich. Lipinski, Leipzig. Die neu geschaffenen Kaufmannsgerichte stellen die Kaufleute und Handlungs. gebutsen vor neue ungewohnte Aufgaben, sie werden auch fördernd auf die Vermehrung der Streitfälle aus dem Dienstvertrage einwirten. Der Verfasser, der Mitglied der Reichstagskommission zur Veratung des Gesetzes über die Kaufmannsgerichte war, hat nun nicht bloß die Organisation und den Wirtungskreis der Kaufmannsgerichte eingebend erläutert, sondern auch das ganze Rechtsverhältnis der Handlungsgehülfen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Handelsgesetzvuch, den einschlägigen Nebengesetzen und den Entscheidungen der höchsten Gerichtshöfe dargelegt. zur die Handlungsgehülfen, die nicht den Kaufmannsgerichten unterstellt sind, ist das Verfabren vor den Amtsgerichten besprochen worden. Ein ausführliches Verzeichnis der Schlagworte erleichtert den Gebrauch des Werkes ungemein. * Benzigers Marienkalender für das Jahr 1905. Unter den ersten neuen Kalendern sehen wir Benzigers Marienkalender in seinem farbigen Gewande. Er widmet gleich anfangs einen größeren Artike! dem glorreichen Andenken des unvergeßlichen Papsies Leo XIII. und der Person des neuerwählten Vaters der Christenheit, Pius X. Diesem schließen sich mehrere reich illustrierte Erzählungen an, so „Der Chouan“, eine ergreifende Erzählung aus der Zeit der französischen Revolution,„Die bewegte Rubsitz=Alp= stubete“, eine Erzählung aus den Appenzellerbergen voll Kraft und Leden, voll Herzeleid und Herzensglück. Ein eigener Artikel gilt dem Jubiläum der Unbefleckten Empfängnis Marias, ein anderer dem deutschen Zentrum mit vielen Porträts).„Gesunder Magen— gesunder Mensch“ ist eine zeitgemäße, hauswirtschaftliche Plauderei.— Der Kulender zählt mehr als 100 Illustrationen. Und er enthält überdies zwei prachtvolle Chromobilder, einen Wandkalender, einen Preis=Revus und vollständige Märkteverzeichnisse. Verantwortlicher Redakteur Ed. Verhülsdonk in Bochum. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckeret. Bei der Arbeit recht Beginnen. Beim Senießen rechter Schluß ———. 9. SSaSgasas-SpaS Bgis* Sggps s LnEESSSESSSSOESgSSSSSSTSESS S STES *.—* 5:"— 9- S. G9 E. 1 65 —* .—.—• 06 *——-"——*"—½ *„*BSTT * 9.—2 5 ="— 2.*— 30 S—*. *—*— .. E —"* 5322 —.**** Täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt# Träume sind nicht Caten: Ohne Hrbeit wird dir nichts geraten. Nr. 192. Verschlungene Pfade. 23. August 1904. Roman von Carola v. Eynatten=Dirking. Die junge Dame zögerte zuerst, als aber die Gräfin ihr zuredete und Jane noch hinzusetzte, Mrs. Nelson und sie würden eine Zusage als einen besondern Dienst betrachten, erklärte sie sich bereit, als Verkäuferin an dem Bazar teilzunehmen. Jane verabschiedete sich, Bolevand einen Wink gebend, mit herzlichem Dank. Und Du, Gretchen, kommst Du nicht mit uns?“ fragte sie die Sängerin, die, bedrückt durch die Anwesenheit der Gräfin sich bisher schweigsam verhalten hatte. „Nein, ich bleibe noch eine Weile hier, zur Arbeit ist es für Regine doch wohl zu spät,“ erwiderte Margarete mit einem Blick auf die Gräfin, die sich ebenfalls zum Aufbruch rüstete. „Auf Wiedersehen, Fräulein Regina,“ sagte letztere, worauf sie sich gegen Jane wandte, mit ungewohnter Freundlichkeit fortfahrend:„Wir haben den gleichen, Weg, Miß Nelson, und sofern Sie oder Mr. Bolevand nichts versäumen, bitte ich um Ihre Begleitung.“ Jane stellte sich der Gräfin zur Verfügung, und Edgar hatte keine andere Wahl, als ihrem Beispiele zu folgen, wollte er nicht dem immer noch reger werdenden Verdachte seiner Stiefmutter neue Nahrung geben. Er tat es aber mit sehr unbehaglichen Empfindungen, denn er war der festen Ueberzeugung, daß ihre Aufforderung des Ergebnis eines bestimmten Planes sei. Und wie zutreffend diese Vermutung war, sollte er sehr bald sehen, denn die Gräfin lenkte die Unterhaltung allmählich auf Amerika und auf ihren verstorbenen Gatten, um sich nach längerer Zeit jählings zu unterbrechen. „Sie stammen ebenfalls von deutschen Eltern, Mr. Bolevand, Ihr Name ist ein echt deutscher und Ihre Erscheinung ebenfalls!" Er bejahte, ging aber nicht weiter aus die Frage ein, die ihn zwar nicht überraschte aber doch zu großer Vorsicht mahnte. „Und Sie haben jedenfalls noch Verwandte hier, Mr. Bolevand?“ forschte die Gräfin weiter. „Edgar zögerte eine Weile, dann sagte er leise: „Ich weiß es nicht.“— „O, das ist doch kaum denkbar.“ „Meine Unkenntnis erklärt sich aus dem frühzeitigen Verlust meiner Eltern, Erlaucht, ich habe sie nicht einmal gekannt," erwiderte Edgar, dem dieses Verhör und die Notwendigkeit, zu allerlei Unwahrheiten und Umschreibungen zu greifen, so peinlich war, daß er bereits daran dachte, sich unter einem Vorwande zu verabschieden. Die Gräfin blieb jedoch an einer Straßenecke stehen und sagte, Jane die Hand reichend: „Ich habe nur noch einige Schritte und darf Sie nicht von Ihrem Wege abbringen. Für Ihre liebenswürdige Begleitung sage ich Ihnen und Mr. Bolevand besten Dank; übermorgen sehe ich Sie im Bazar wieder."——— Bolevand und Jane setzten ihren Weg schweigend sort, bis sie plötzlich sagte: „Wenn mich nicht alles täuscht, ahnt die arme Frau den ganzen Sachverhalt!“ „Das glaube ich selber, nur dürfte sie sich meine Beziehungen zur Familie doch noch etwas anders den. ken, als sie tatsächlich sind. „Das mag sein, es macht aber keinen großen Unterschied— Edgar, Sie müssen reden!" „Ich kann es nicht, es widerstrebt mir zu sehr, immer mehr, je länger ich die Sache bedenke. Diese Menschen leben glücklich, ich mag am wenigsten der Störenfried sein, der Kummer über die Familie bringen wird.“ Das haben Sie bereits getan, Edgar, wenn auch unabsichtlich, und es wird allen leichter werden, wenn es zur Aussprache gekommen ist.— Ah, Mama mit der Verdol!"— Vierundzwanzigstes Kapitel. Der Bazar versprach, die Hoffnungen zu verwirklichen, die Frau Mary auf ihn gesetzt hatte. Seit den ersten Nachmittagsstunden flutete eine vielköpfige Menschenmenge durch die Verkaufsräume, und wenn im allgemeinen auch die Schaulust die Kauflust überwog, so bereitete dies der Dame des Hauses doch keinen besonders schweren Kummer, denn sie durfte wenigstens gewiß sein, daß man in der allernächsten Zeit viel, sogar sehr viel von ihr reden würde. Und was die Hauptsache war, es hatten sich bereits mehrere der höchstgestellten Persönlichkeiten der Stadt und der Umgegend eingesunden, darunter auch solche, die bisher die äußerste Zurückhaltung beobachtet hatten. Mrs. Nelson strahlte denn auch in selbstbewußter Siegesfreude und beglückwünschte sich zu dem glücklichen Einfall, den aus Dr. Jenkins„Atelier" hervorgegangenen Stammbaum den Augen der Baronin Verdol zu unterbreiten. Dem Eifer der barmherzigen Seele verdankte sie wenigstens einen Teil ihres heutigen Erfolges, nämlich die Zähmung der Widerspenstigen, die allen Lockungen widerstehend sich kühl in ihre vornehme Unnahbarkeit eingehüllt hatten. Was dem Zauber der Millionen nicht gelungen war, hatte die Neugier vollbracht, wie sie triumphierend sagte. Sie glaubte zu bemerlen, daß man sie mit anderen Blicken betrachtete, daß der Marquishut unsichtbar, wie der Stab einer gütigen Fee über ihrem Haupte schwebte. Was immer James Nelson sagen und tun mochte, er konnte daran nichts ändern, höchstens sich lächerlich machen; sie hatte ihn wieder einmal übertrumpft! In dem mit verschwenderischem Luxus ausgestatteten Teesalon, von pelchem aus man über eine teppichbelegte Treppe in den Wintergarten gelangte, stand für die Freunde und Bekannten des Hauses ein mit allen nur erdenklichen Erfrischungen reich besetztes Buffet. Zur Zeit besanden sich in diesem Salon nur die Baronin Verdol und Herr Dönning, erstere mit einer Schale eingemachter Früchte versehen, letzterer mit einem Glas Champagner, in den er kleine Bisquits tauchte. „Was wahr ist, ist wahr, Nelsons vergessen nie des Tieres im Menschen, wären sie nur so angenehm im Umgange, wie sie gastfrei find, so könnte man sie in ihrer Art vollkommen nennen, flüsterte der frühere Amtsrichter. „Das ist nur Großtnerei, man will zeigen, daß mans hat!— Uebrigens blamiert sich die Nelson wieder gründlich— geberdet sich wie eine Königin, die Kur hält? Passen Sie aus, Herr Amtsrichter, abends geht die Komödie erst los!“ sagte die Baronin. „Es läßt eben kein Mensch von seinen Gewohnheiten, deshalb sühlt sich Mrs. Nelson auch nie so wohl, als wenn sie Stoff zum Lachen bietet. Ich möchte nun wissen, ob an ihrem Adel wirklich etwas wahres ist? Gnädige Baronin werden zugeben müssen, daß unser Krösus sehr wenig von einem Aristokraten an sich hat!“ „Das kann sich im Lause der Zeit verwischt haben. Uebrigens fenne ich Aristokraten geuug, die durchaus keinen aristotratischen Eindruck machen.“ „Allerdings— aber die Bemerkungen, die Mr. Nelson vorhin machte, Sie waren ja zugegen—“ „Beweisen einzig, daß er in seiner Art ebenso verrückt ist, wie seine Frau in der ihrigen.“ Der Amtsrichter Dönning schüttelte den Kopf, wo, bei er sagte: „Ich weiß nicht, ich weiß nicht, wir fehlt immer der rechte Glaube—“ „Und ich kann nicht daran zweifeln!“ versetzte die Dame mit solchem Nachdruck, daß dem armen Dönning die Erinnerung an die boshaften Witzeleien, in deren Begleitung er das so bestimmt auftretende Gerücht bisher weiter verbreitet hatte, ihm darart schwer auf die Seele siel, wie die Erinnernug an irgend eine böse Tak. Nu. 10“ T er(= rzahler. 1904. Nr. 192. Der Grzähler. 1Dor — Arm, tieber Dönntng,“ unterbrach Frau von Verdol aufstehend seine Betrachtungen,„hier ist es nichts weniger als amüsant, und hält man sich zu lang. auf, sieht es aus, als wäre man nur des Esfens und Trintens wegen gekommen.“ Mit einem wehmütigen Blick aus sein noch halb volles Glas bei der Amtsrichter den Arm dar, um die Dame wieder nad, dem Bazar zu geleiten. „Dürfte ich mir die Frage erlauben, ob Frau Ba ronin durch die Familie Nelson selber in dieses interessante Geheimnis eingeweiht wurden?" „Rein.— Versprechen Sie mir, meinen Namen aus dem Spiele zu lassen?" Ich gelobe unbedingte Diskretion, Gnadigste!" versicherte Döuning. „Also— durch Zufall fiel der Stammbaum der Familie de la Bigne=Neison in meine Hände und auf Stammbäume verstehe ich mich wie ein richtiger Oenenlgge: Ich weiß demnach ganz genau, woran ich bin, hale es mit meinen eigenen Augen gelesen, und wenn mir Mr. Nelson den Better Bierbrauer aus Plymouth leibhaftig vorführte, es würde mich nicht im geringsten beirren. Sagen Sie, ist es Ihnen denn nicht ausgeallen, daß er vorhin so ganz unvermittelt von diesem Better zu erzählen ansing?" Aervinus, auerdings, Gnädigste— aber wozu #es Versteckenspiel— sollte am Ende eine ruchlose Lut die Beranlassung bieten—?“ „Kusian, Dönning Sie wittern allenthalben Verbrechen und schwarze Taten!" „Wir sind von der Justiz, Gnädigste—“ „Ihr Herren von der Justiz könnt eben Euer vandwerk niemals vergessen, vorausgesetzt, dan alle so sind wie Sie, was ich aber noch bezweisle.— Ma rotte ist es, nichts weiter! Der Ameritaner ist halb verrückt und die schone Miß das Ebenbild ihres Va ters. Uebrigens finde ich die Jane nicht einmal schön.“— Schön wäre vielleicht etwas zu viel gesagt, jedenfalls besitzt sie aber einen pitanten Retz—“ „Den ihre schlechten Manieren und ihr freies, rucksichtsloses Wesen auf Euch Herren ausüben.— Ah, schauen Sie mal dortbin. Herr Amtsrichter,“ und erau von Verdol wies mit dem Facher nach der Blumenbude an der anderen Seite des Saales. Des Amtsrichters Augen folgten dem Wink, und die Wirkung dessen, was er sah, war eine so neigehende, daß er wie angewurzelt stehen blieb. „Ihre Erlaucht und der Hochwurdige!— Wahrhaftig, es geschehen Zeichen und Wunder,“ flusterte er endlich. „Das dätte ich allerdings nicht für möglich gehalten, die Lerchenfeld vier, obwohl sie doch wissen muß, wie es mit ihrem Max und der Jane steht— das sieht gerade wie eine Sanktion aus,“ nickte die Verdol. „Und wird es auch wohl sein.— Lieber Himmel, die alleinige Erbin eines solchen Vermögens— da kann man wodl ein Auge zudrucken.“ „Sagen Sie getrost beide Augen:— Geben Sie acht, Herr Amtsrichter, die Grafin wird sich die Rolle der selbstlosen, hingebenden Mama zulegen, die kein Opfer scheut, wenn es sich um des Sohnes Glück handelt,“ bemerkte die Baronin Verdol spöttelnd. „Mag sein, mag sein. Baronin,“ nickte der vorsichtige Dönning. Gräftn Lerchenfeld und Frau von Verdol kannten sich von früber der, standen aber in keinem Verkehr, und selbst bei Begegnungen an dritten Orden mieden sie einander so gut es ging, ohne dadurch aufzufallen. Daß es so stand. lag indessen nicht an der Baronin, im Gegenteil, sie hatte sich lange Zeit aule Mube gegeben, um in den Kreis der Lerchensteiner Intimen bineinzuschlüpsen, doch diese Mühe war eine vergebliche gewesen, denn sie stand im Ruf einer außerst lebenslustigen, selbst ziemlich frivolen Dame, und dies gennate, die Gräfin zu strenger Zuruckhaltung zu be stimmen. Auch jetzt war ihr Gruß sehr steif, als sie an Richardd Arm an der Baronin und ihrem Begleiter vorüber ging. „Widerwärtige Menschen, diese Verdol und der Amtsrichter Dönning, vor ihren bösen Zungen ware wohl ein Eugel nicht sicher,“ sagte die Grafin im Wettergehen. „Leute, die nichts zu tun haben, und sich nicht nützlich zu beschäftigen wissen, plaudern eben, und in der Regel über Dinge, die sie eigentlich wenig be kümmern; es ist allerdings kein lobenswerter Zeit vertreib, indessen halte ich dafür, daß sie seltener, als man denkt. von wirklich böser Absicht geleitet werden,“ erwiderte der stets milde urteilende Sohn. „Du glaubn eben stets das Beste, mein guter Richard,“ versetzte die Grafin achselzuckend. „Und ich befinde mich wohl dabei, Mama.— Nun werden wir aber doch wohl Miß Nelson begrüßen müssen, ich sah sie vorhin nebenan—“ „Ich auch, Mar stand wieder bei ihr,“ unterbrach die Mutter mit eigentümlicher Belonung. „Er hilft ih. beim Verkauf der Lose.“ „Was ich sehr unpassend finde.“ „Es handelt sich ja um einen wohltätigen Zweck," sagte Richard. „Einerlei. Nach all den Vermutungen, zu denen er bereits Anlaß gegeben, wäre er es der jungen Dame wie sich selber schuldig, die größte Vorsicht zu bewahren, denn heiraten kann er sie unn einmal nicht,“ sagte die Gräfin flüsternd, doch mit einer großen Entschiedenheit. „Du denkst über diesen Punkt doch wohl ein wenig zu strenge, liebste Mama.“ „Nein, mein Kind, ich habe alles wohl bedacht, Du weißt, ich trete Eurem Glück nicht gerne in den Weg. Wärest Du nicht Geistlicher, so ließe sich eher davon reden, denn dann könnten erst Deine Kinder dem Max im Majorate folgen, unter den bestehenden Verhältnissen aber ware eine derartige Heirat ein geradezu ein unverzeihlicher Streich. Sage ihm das, denn ich merke, daß Du bei mir als Vermittler und Fürsprecher tätig sein sollst.“ „Allerdings soll ich das, aber Du wirst mir glauben, wenn ich versichere, daß ich jede Einmischung entschieden abgelehnt hätte, wäre ich nicht von der Tiese seiner Neigung für Miß Jane überzeugt, hielte ich eine Verbindung mit ihr nicht für ein großes Rück, offen gesagt, für das größte, welches ihm widerfahren. Sie ist in jeder Hinsicht das Weib, das für ihn paßt, sie besitzt alle jene Eigenschaften, die ihm abgehen, sie ist durchaus edel gesinnt und würde aus ihm machen, was er sein soll,“ entgegnete Richard fest. Die Gräfin erwiderte nichts, sie wurde noch schweigsamer als sie vorber gewesen, und der Geistliche störte ihr Nachdenken nicht. Am liebsten hatte er den Bazar verlassen, um dabeim in seinem Zimmer ungestört seinen Gedanken nachzuhängen, die Mutter aber machte immer wieder die Runde durch die Verkaufsräume, aufmerksam umherschauend, wie wenn sie jemand suchte. Und das war auch der Fall, sie suchte Bolevand und fühlte sich enttäuscht, als sie keine Spur von ihm zu entdecken vermochte. Sie wollte um jeden Preis Gewißheit haben, wie schlimm sie auch sein mochte; diesem Schweben und Schwanken zwischen allen nur möglichen Vermutungen war sie immer vorzuziehen. „Ich bin müde und abgespannt, wir wollen einen Augenblick ausruhen,“ sagte sie, als sie wieder einmal am Teesalon vorüberkam, in welchem eine Stunde zuvor Frau von Verdol und der Amtsrichter ihre Gedanken ausgetanscht hatten. Der Gräfin erster Blick ftiel auf Max, der hinter Jane Nelsons Stuhl stand und sich lebhaft mit zwei jungen Damen unterhielt, die am gleichen Tische saßen. „Ich bin mit dem Gang der Geschäfte zufrieden, fünfzig Lose habe ich bereits verkauft, und die anderen fünszig werde ich hoffentlich wohl auch bald an den Mann bringen,“ sagte Paar lächelnd. „Wenn Sie vierzig für sich selbst behalten, dieses Kunststück, lachte eine der Damen. . as denke ich auch,“ siimmte die andere bei.„Ich finde das Publikum abschenlich, ich habe noch keine hundert Mark in der Kasse, es ist eine Schande!" Ihre Mama, Graf Max,“ flüsterte Jane aufstebend, dem Majoratsherrn gerade in dem Augenblick zu, wo de Gräfin sich wieder zurückzuziehen gedachte. Tadurch ward sie an der Ausführung idres Vorhabens verhindert und mußte sich wohl oder übel ent, schließen, vollends in den Salon zu treten. Fortsetzung folgt. Der symbolische und der heraldische Adler. Der als König der Vögel bezeichnete Adler spielt im. Leben der Volker seit alten Zeiten eine große und zwar als Sinnbild. als Feldzeichen, als Wappen und Auszeichnung(Orden). Sinnbilder dieser und gonncer Art reichen bis zum Anfang der Geschic##inauf, wie denn z. B. schon den Kindern Isracls im vierten Buch Mosis geboten wird, daß ein jeder sich unter seinem Panier im Lager sammeln solle. In der Mythologie(der Götterlehre) ist der Adler meist gleichbedeutend mit der Sonne. Der mächtige mythische Adler der Inder, Gurada mit Namen, ist das Roß des Gottes Wischun, das Sonnenroß, welches durch seinen Glanz alle Ungeheuer besiegt und über sie triumphiert. In der skandinavischen und deutschen Mythologie wird die Gestalt des Adlers mit Vorliebe von finsteren Dämonen oder von dem Gott Odin, der in der finsteren Nacht bezwder Sturmwolke verboigen ist, angenommen, und der Sturmriese Hräswelgr sitzt in Adlergestalt am Ende des Himmels und bläst den Wind über alle Bölker. Den Griechen war der Adler der Vogel des Zeus. Als dieser oberste der griechischen Götter sich zum Kampfe gegen die Titanen, welche den Himmel stürmen wollten, rüstete, brachte ihm der Adler seinen Pfeil, weshalb Zeus ihn zu seinem Feld. zeichen nahm. Er hält des Guttes Donnerkeil in seinen Klauen und verkündet den Helden bald den Sieg, bald die höchste Macht. Nach Fenophon war der Adler bereits die Zierde des Schildes der alten medischen Könige, und als Attribut des Königtums wurde er einst von den alten Etruskern, dem ältesten Kulturvolke Italieus, den Römern geschenkt, die ihn als Feld= und Wappenzeichen in den von ihnen eroberten und unterjochten Ländern verbreiteten. Der römische Adler, der in der Republik aus Silber war, aber goldene Blitzbündel in den Krallen trug, und in der Kaiserzeit ganz aus Gold bestand, hatte auf dem Marsche seinen Platz an der Spitze der Legion, in der Schlacht hinter der ersten Cohorte und im Lager in einem kleinen Tempel neben dem Prätorium. Sein Verlust bedeutete die Auflösung der Legion. Als der Bote des Zeus verkündete der Adler den Willen Gottes, und als Sinnbild der Götter ward er das Symbol der Unsterblichkeit und der menschlichen Seele, die sich nach dem bTode aus dem Erdenstaube emporschwingt zu ewigen Höhen. Zugleich wurde er das Sinnbild der irdischen Macht. Bei der Apotheose Vergötterung) der römischen Cäsaren deutete ein vom Scheiterhausen emporsteigender Adler die Aufnahme des verstorbenen Kaisers unter die Götter an, und für die Auguren, welche aus dem Vogelflug die Zukunft weissagten, war das Erscheinen des Adlers ein Zeichen erfreulicher Ereignisse. Auch in der christlichen Symbolik sand er Verwendung, wie das u. a. daraus hervorgeht, daß er als Attribut des Evangelisten Johannes göttliche Begeisterung verkündet. Im Mittelalter rühmte man bei dem Könige der Bögel eine Reihe vorzüglicher Eigenschaften: Verjungungskraft, Freigebigkeit und Mut, und deshalb wurde er von Fürsten und Landesherren zum Wappen gewählt; so von den Kaisern, den Herzögen von Bayern, Böhmen, Schlesien und Oesterreich, den Königen von Polen, den Markgrafen von Brandenburg, den Dynasten von Sizilien, Sardinien, Spanien und manchem anderen Fürstenhause und Lande. Selbst die Nordamerikaner nahmen ihn nach Erlangung ihrer Freiheit an, worüber der berühmte Franklin recht ungehalten war, denn er schrieb:„Ich für meinen Teil wünschte, man hätte den Adler nicht zum Sinnbilde unseres Landes gewählt; er ist ein Vogel von schlechtem sittlichen Charakter und erwirbt sich seinen Unterhalt nicht auf ehrliche Weise. Dazu ist er ein seiger Schelm; der kleine Vogel, den wir Königsvogel nennen, der nicht größer ist als ein Sperling, greift ihn dreist an und vertreibt ihn aus seinem Umkreise.“ Der deutsche Reichsadler war ursprünglich einköpfig und soll von Karl dem Großen nach seiner Krönung in Rom zum Symbol des Reiches erhoben worden sein, jedoch läßt er sich erst unter Otto II. auf der Reichsfahne bestimmt nachweisen. Im 14. Jahrbundert wurde derselbe mit zwei Köpsen ausgestattet, wahrscheinlich infolge der Annahme, daß das „heilige rümische Reich deutscher Nation“ eine Fortsetzung des alten römischen Weltreiches sei, und weil schon die griechischen Kaiser zum Zeichen ihrer Herrschaft über die beiden Teile des— ost= und weströmischen— Reiches einen doppelten Adler führten. Den so gearteten Reichsadler findet man zuerst 1325 auf einer unter Ludwig dem Baver geprägten Munze, jedoch führte der Kaiser den einfachen Adler schwarz in Gold noch bis ins 15. Jahrhundert, da erst unter Siegesmund, von 1433 an, der Doppeladler bestandiges Wappenzeichen der deutschen Kaiser wurde. Der römische König behielt aber auch später noch den einfachen Adler bei. Rußland üvernahm 1472 den Toppeladler von bu. zantinischen Kaiterreich, während der Kaiser von Oe sterreich denselben im Jahre 1806 nach Auflösung des „heiligen romischen Reiches deutscher Nation fur frine —.— * Monarchien heranzog. Der Adler des 1871 neuerstandenen deutschen Reiches ist wieder einköpfig und ohne Zepter und Reichsapfel, jedoch trägt er auf der Brust den preußischen Wappenschild mit dem Stammwappen der Hohenzollern, um den sich die Kette des Schwarzen Adlerordens schlingt, und uver dem Kopfe des Reichsadlers, den auch der Kaiser in seinem Wappen in goldenem Schilde führt, schwebt die deutsche Kaiserkrone. Bemerkt sei hierbei noch, daß der preußische Adler der von Kaiser Friedrich II. den deutschen Rittern verliehen wurde und ihnen auch verblieb, als Siegesmund den Doppeladler verlieh, ursprünglich Reichsadler gewesen. Dieser Adler besiegte densenigen, welchen Napoleon l. zum Symbol des französischen Kaiserreiches erhoben hatte, und der von Navoleon III. wieder eingeführt worden war, als er zum Kaiserthrone emporgestiegen. Fahne und Die Fahne oder Flagge ist, wie bekannt, ein Stück Zeug von einer bestimmten Farbe oder mit einem bestimmten Bild versehen und dient als Symbol. Schon im Altertume waren Fahnen als Heerzeichen vorhanden. Nach Diodor ließen die Aegypter Tierbilder auf Spießen vor den Kriegern hertragen, und auch die Römer führten anfangs als Feldzeichen Tierbilder: die Wölfin, den Eber und dann den Adler, hatten daneben aber auch Fahnen. Seit Konstantin dem Großen schmückte der griechische Anfangsbuchstabe des Namens Christi die römischen Fahnen. Später führten auch die Kirche, die Gewerbe und die Vereine Fahnen ein, die in hohen Ehren gehalten wurden und deren verschuldeter Verlust den Vereinen zur Schande gereichte. Bei den Fahnen wurde geschworen Fahneneid) und sie dienten zum Ausdruck der wich tigsten Entschlüsse und zur Ermunterung, an denselben festzuhalten. Dadurch erhielten die Fahnen eine große Bedeutung, die namentlich im Kriege zu rGel tung kam. Im Laufe der Zeit bildete sich dann ein besonderes Fahnenrecht aus, das im Mittelalter u. a. bei den sogenannten Fahnenlehen eine Rolle spielte. Letzterc waren die vornehmeren, die eigentlichen reichsfürst lichen Lehen, bei welchen der Kaiser außer dem kai serlichen Gerichtsbann oder dem Grafenrechte auch die kaiserliche Heerbanns, oder herzogliche Gewalt in einem Reichslande einem Herzog oder Reichsfürsten verlieh und eine Fahne als das Symbol der Beleh nung dem Belehnten überreicht wurde. Das Hifsen der Fahne oder Flagge eines Herrschers oder eines Volkes bedeutete die Besitzergreifung in dem Ge biete, in welchem dieser Akt stattfand, und die Ver letzung des so öffentlich sestgestellten Rechtes auf das betreffende Land gab Anlaß zu Fehde und Krieg, was auch heute noch der Fall, wenn für die Verletzung keine ausreichende Genugtuung geleistet wird. Die Bezeichnung der Fahn als Flagge ist haupt sächlich im Schiffahrtsverkehr üblich. Die Flagge, meist eine viereckig=längliche Fahne von leichtem Wollzeuge, dient als Erkennungszeichen der Nationalitat der Schiffe und weht an einem Flaggenstocke am Heck des Fahrzeuges oder an der Soitze der Gafse! des Hintermastes desselben. Man unterscheidet zwi schen Kriegs, und Handelsflagge, jedoch sind beide Flaggen bei mancgen Nationen gleich. Der Admiral führt eine viereckige Flagge am Großmast, der Vizeadmiral am Fockmast, der Kontreadmiral am Besan mast und der Kommodore eine dreieckige am Großmast. Den speziellen Titel„Flaggschiff" tragt bei einem Geschwader dasjenige Kriegsschiff, an dessen Bord ein Flaggoffizier, d. h. der zur Führung einer seinen Rang bezeichnenden Flagge berechtigter Marineofftzier seine Flagge gehißt hat. Bei Begräbnissen, die an Bord von Kriegsschiffen stattfinden, dient die Flag ge als Bahrtuch. Unter falscher Flagge segeln heißt zum Zwecke der Täuschung die Flagge einer fremden Nation oder statt der Kriegs= die Handelsflagge fuh ren. Das Niederlassen,„Streichen" der Flagge ist im Kampfe das Zeichen der Ergebung, sonst aber das jenige der Begrüßung. Das Beschmutzen oder He runterreißen einer offiziellen Fahne oder Flagge gilt allgemein als eine schwere Beschimpfung der Nation, deren Farben sie trägt, und kann unter Umstanden Krieg im Gefolge haben. * Russische Stimmungen. Eine rnsische Persönlichkeit von Rang, die vor Kurzem in Berlin auf der Durchreise weilte, empfing einen Mitarbeiter der D. Warte und unterhielt sich mit demselben im wesentlichen über die Anschauungen derjenigen russischen Kreise, die bei aller Anerken nung des Zarentums eine durcharetsende Re formarbeit im Innern unseres Nachbarreiches unde dingt für notwendig halten. Das Gesprach entwickelte sich etwa folgendermaßen: „Glaubt man bei Ihnen an einen schließlichen Sieg der russischen Armee?“ „Man erhofft es seitens der Regierungskreise mit Hilse der Massen, die dem Reich zur Verfugung stehen, aber man ist unsicher geworden nach den Fehlschlägen der russischen Führung, die bisber gan versagt hat. Die große Masse des Volkes steht unter dem Druck des setzigen Systems und hat gar kein Interesse an den Vorgängen in Ostasien. Natürlich gibt es auch, wie überall, noch genug Untertanen, die Hurra schreien und noch Patriotismus markieren. „Ist eigentlich die Vorgeschichte des Krieges, soweit sie sich aus Einflusse am Zarenhofe bezieht, im allgemeinen in den Zeitungen richtig dargestellt worden?" „Teilweise ja. Auf der einen Seite stand der Admiral Alexejew mit Besobrasofs, der damals dem Stab der Admiralitat angehörte, und auf der anderen Seite der Zar und Kuropatkin. Erstere drängten zum Kriege, um Karriere zu machen, während der Kaiser friedliebend war. Auch die Kaiserin Mutter stand auf Seiten der Kriegspartet. Als Kuropatkin merkte, daß seine Gegner die Oberhand gewannen, drängte er auf Vermehrung der russischen Streitkrafte im Osten. Er fiel aber dennoch kurz vor seiner Ernennung in Ungnade beim Zaren, und nur die Stimmung der Armee und des Volkes, die dringend eine Führerschaft verlangte, hat zur Besetzung der Stellung als Generalissimus durch ihn gefuhrt.“ „Halten Sie ihn für besonders befähigt?“ „Als Organisator und für die Berwaltung. Ein Feldherr, ein Stratege, ein bedeutender Taktiker ist er meines Erachtens nicht. Ich glaube mich zu diesem Urteile deswegen für befugt zu halten, weil ich seiner Zeit unter ihm gesient habe. Persönlich hatte er von der Hofklique viel zu leiden, da er als nichtadliger Eindringling ungern gesehen wurde, und man seinen Einfluß auf jede Weise zu brechen suchte.“ „Wie verhielt sich denn der Hof im Allgemeinen zur Kriegsfrage?“ weiß nur, daß man vielfach von der Tätigkeit des auten Großfürsten Wladimir fur einen Feldzug erzählte. Es sollen angeblich dabei weitgehende Pläne mitgespielt haben. Den beiden Söhnen des Großfürsten, Kyrill und Boris, sollte Gelegenheit gegeben werden, sich auszuzeichnen, um dadurch popular zu werden. Die Ansicht, daß sogar noch andere Pläne hierbei mitgespielt haten, war auch verbreitet, ist aber wohl etwas phantastisch. Man meinte nämlich, daß einer dieser jungen Furnen, wenn er ruhmbedeckt aus dem fernen Osten zurückkehren wurde, eventuell die Anwartschaft aus den Thron erringen konnte. Nun, jeder weiß, wie es den beiden Sohnen Wiadimirs erging. Boris fuhrte sich wenig ruhmvoll auf. Kyrill ist bereits wieder daheim, und jetzt ist ein Thronfolger geboren.“ „Hat denn die Kaiserin ihren Einsluß auf den Zaren geltend gemacht?" „Man hört wenig von ihr. Sie ist eigentlich weder beliebt noch unbeliebt, und man weiß nur, daß sie das Englische liebt und mit ihrem Gemahl sich in der Unterhaltung dieser Sprache bedient. Dae wirkt auf das Volk naturlich nicht sonderlich sompathisch, aber man erkennt sonst ihre Korrektheit und Zurückgezogenheit von politischen Dingen an.“ „Ist dem Volke nicht eine große Freude zutei geworden, als der Großfürst=Thronfolger geboren wurde?" „Ganz ossen gesagt, kann dem denkenden und fühlenden Teile des russischen Volkes eine wirkliche Freude nur durch Einführung durchareisender Resormen gemacht werden—“ „Da wäre ja anlaßlich der Geburt die beste Gelegenheit dazu, denn an Vorschlagen sehlt es doch jedenfalls nicht. Erhofst man denn vom Zaren Nitolaus nicht Reformen?" „So weit ich orientiert bin, werden nur wenige Menschen in Rußland vom jetzigen Kaiser etwas in dieser Hinsicht erwarten. Gewiß— man bereitet setzt ein Maniiest vor mit einigen Erleichterungen Man wird in demselben Verbrecher begnadigen. Paß gebühren, Schulden erlassen usw. Aber etwas wirklich reformatorisches, das dem Erbübel der russischen Verlassung und der ganzen Verwaltung die Axt an die Wurzel legt, das wird nicht kommen! Die Zustände im Innern und Aeußern sind ja sattsam bekannt. Sie sind vielleicht noch schlimmer, als sie gemalt werden. Um hier reinigend zu wirken, um nur erträgliche Zustande zu schatten,— dazu gebört ein außerordentku begabter und energieerfüllter Mann“ „Man meint vielfach, daß der Zar den besten##l. len habe, den Wunschen seines Volkes nach Möglichkeit entgegen zu kommen—“ „Das kann möglich sein. Aber man sede nur die Leute an, die Einsluß auf ihn besitzen. Da stand zunachst der ermordete Plehwe in besonders boher Gunst bei ihm. Der Zar nannte ihn persönlich seinen Frcund. Ferner rechnet man den beruchtigten Hobedonoszew und den Gouverneur von Warschau Tscherrkoff zu seinen ersten Ratgebern außer den Danistern, die gleichfalls ihren Einsluß geltend — natürlich nicht im reformfreundlichen Sinne. 5# glaude deshalb nicht, daß unter dem jetzigen Regime ernsthafte Verdesserungen in der Versatsung und Verwaltung dem Volk zuteil werden.“ „Wer hat denn angeblich die besten Chaucen, Nach. olger Plehwes zu werden?" Man sagt in Rußland ziemlich einstimmig, daß der jevzige Justizminister Murawiew die meiste Aussicht hat, Minister des Innern zu werden. So viel ich von ihm weiß, gilt er als nicht besonders besahigt und stark reaktionär.“ „Die inneren, durch den Krieg dervorgerufenen Zustände in Rußland werden auch vielfach sehr duster geschildert.“ „Das ist auch ganz richtig. In Lode sind etwa 50000 Arbeitslose, und in der Altstadt, im sumschen Viertel, hat man neuerdings sogar Häuser: niedergebrannt. Das alles wird natt rlich von der ruffischen Zensur unterdrückt. Die Leute, die keine Arbett in Rufftsch=Polen haben, überschretzen: massenhaft die Grenze ohne Pässe. Auch in anderen: Stadten, wie Moskau, gärt es bedenklich infolge der herrschenden Beschaftigungslosigkeit. Nur in Si Getersburg lebt man weiter wie vorder, da dort Reiche genug wohnen, die das Geld unter die Leute bringen.“ „Glauden Sie denn, daß diese Zustände eimmal zu Gewalttätigkeiten in größerem Matzstabe führen. lönnen?“ „Ich halte das sogar sax wahrscheinlich Es in: zuviel Elend und Knechtschaft im ganzen Reiche und es muß angenommen werden, daß sich diese Be vält= nisse während des Krieges eher verschlechtern als verbessern. Dazu kommt die Starrheit des ganzen Systems, das jedenfalls im Sinne Plebwes fortgefuhrt wird. Aus allen diesen Grunden kann ich mir sehr wohl vorstellen, daß über kurz oder lang die Massen durch ihre unerträgliche gedruckte Lage gezwungen: werden vielsoch in ihrer Verzweiflung den Tod ihren. werden vielfach in ihrer Verzzweiflung den Too ihrem bisberigen Leben vorzieben, und dann wird man de.“ waltsam vielleicht das erreichen, was ein zu schwo. cher Wille ihnen versagt“ Das„Cse-boum“ des DalaiLama. Noch ede die Engländer zu der„verdotenen Stadt“: Lhassa vorgedrungen waren, hatte der Dalai=Lama F vor wenigen Monaten eine Verbindung mnt der abendlandischen Kultur gesucht. Es in gewiß sehr“: merkwurdig, daß er sich eins seiner geheiligten Attri. bute, ein M###voum“ bei— einem Partfer Juwelter: hat machen lassen. Dieses Embiem erhebt er an den u großen Jesttagen in setner rechten Hand, wenn er— den Segen über die Pilger spricht, die aus allen Teilen der buddhistischen Welt herbeigestromt sind. Dieser heilige Gegenstand zeigt das Bildnis des Gottes Amttabha, des arenzenlosen Lichtes“, der die Emanation und Ausstrahlung des Adbi=Buddha tu. von dem wieder in der budehistisch=lamasttschen Religion alles Lebendige und alles Fleisch geworden in der Person des Panch'en Rim=pocho, der eine Art Oberpriener oder Dalat=Lama tkt und zu Tashi=Lumpo im Süden von Tidet wohnt. Ami=tabha hat aus seinem Geiste wieder einen Sohn geboren, und dieser hat: irdische Gestalt angenommen in dem eigentlichen Dalat. Lama. Nun mußte folgerichtigerweise der Dalai=Lama nict die Heiligkeit und Bedeutung des Par em=voae haben, aver in Wirklichkeit in sein Anjeden viel: Küber. Das Bildnis des Amttabha das aus Kupfer ge 5 trieben ist und in einem nesen Not, der dem Gott„ heiligen Farbe, erglüht, wird getragen von einer „boumbe“ oder Vase, auch aus rotgetöntem Kupfer, und dieses Posiament ruht wieder in einer Silber= I schussel, die mit zwei Drachen geschmückt ist. Der Name„tse=boum“ bedeutet„Gesätz des Ledens". Die