Rr 186 Der Erzahler. 1904. nur am. wenn man weiß, wie es zu gebrauchen ist. Und so in John Rockeseller ein Milliardar geworden. Aber man darf nicht verschweigen, daß es auch andere Leute giot, die noch andere Geschichichen darüber zu erzaglen wissen. * Gold in Schafzähnen Aus London wird berichtet: Auf den weiten Gras flächen Australiens und Neu=Seclands sind die Weidegebiete der Schafe manchmal so goldreich, daß die Tiere in ihren Zähnen Spuren des den ganzen Boden durchziebenden, in offenen Schichten zutage tretenden Goldes zeigen. Diese uberraschende Entdeckung ward nicht etwa an Ort und Stelle gemacht, sondern ln einem östlichen Stadtteil Londons, in Betynal Green. Ein Arzt P. G. Stute war da zu Besuch bei einem Freunde und sab, wie dessen Hund den Kiesernochen eines Schafes im Maule trug. Ein matter bronzeartiger Glanz ging von den noch in der Kinnlade steckenden Zähnen aus, und als nun der Arzt die Zähne in sein Laboratorium nahm und die metallischen Bestandteile von ihnen absonderte, wurden diese Ueberbleibsel nach einer Prüfung mit Scheidewasser als reines Gold erkannt. Ein Juwelier bestätigte dies und erklarte das aus den Zähnen gewonnene Metall als zehnkarätiges Gold. Run ward die Herkunft des merkwürdigen Schafes verfolgt. Es war von einem Londoner Schlächter gekauft worden und war in gefrorenem Zustande mit vielen anderen aus Neu=Sceland oder Australien gekommen. Auch noch an Zähnc von anderen Schafen, die aus diesen Gegenden stammen, sand man Spuren von Gold, und zwar in den Zähnen selbst und nicht in den Lücken zwischen ihnen, so daß es aussah, als ob die Schafe von einem geschickten Zahnarzt plombiert seien. Die Tiere kommen— so allein läßt sich das merkwürdige Phänomen erklären—, wenn sie das Gras ganz kurz abfressen, mit dem kostbaren Metall, das hier wirklich auf der Straße liegt, in Berührung und scheuern ein wenig ab, bis sie eine kleine Menge Goldes in ihre Zähne ausgenommen haben. Man hält es sogar für möglich, daß durch diese Entdeckung große Goldselder ausgefunden werden können, wenn erst genau erforscht worden ist, woher die Schafe stam. men. Da in manchen Gegenden das Gold direkt in den Wurzeln des Grases sich findet, ist es schon mehrere Malc vorgekommen, daß durch weidende Schafe die Aufmerksamkeit auf goldreiche Gebiete gelenkt worden ist. Unter den Schlächtern Londons ist ob dieser unerwartet sich eröffnenden Goldquellen eine große Aufregung entstanden, und sie sehen sich jetzt sorgfältig die Zähne ihrer Tiere an. Industrie, Bandel und Verkehr. (2) Internationale Handelestattstik. Wenn auch der auswärtige Handel des Deutschen Reiches in der ersten Halfte des lausenden Jahres im Ver gleich mit 1903 keine befriedigende Steigerung zeigte, so ergidt doch eine internationule Uebersich; über den auswartigen Handel, die für das deutsche Wirtsanftsleben erfreuliche Tatsache, daß in anderen und zum Leil gerade in solchen Ländern, die mit Deutschland auf dem Weltmarkt konkurrieren, der auswartige Handel sich wahrend der ersten 6 Monate 1904 wesentlich ungun stiger gestaltet hat als in Deutschland. In den Vereinig ten Stoaten von Nordamerika hat die gewrbliche Krise sowie die relativ gute Ernte des Jahres 1903 in den eurmmschen Ländern den Gesamthandelsumsatz mit dem Austand nicht unerbeblich zurückgehen lassen. In Eng land war zwar in der Einfuhr die Steigerung des Um. sapes größer als in Deutschland, um so geringer war sie Aafur aver in der Ausfuhr. Frankreich zeigt im Gesamtumsatz eine Abnadrne. Oesterreich=Ungarn, Belgien, Spanun neisen Steigerungen auf. Zergludert man die Ge samthande!sumsätzr nach Einfuhr undd Ausfuhr, so ergibt sich für nachstebende Länder im Vergleich zum Vorjahr folgende wewegung der Einfuhr in der ersten ; d e s l a u f e n d e n I h r e s Die stärkste Steigerung der Einfuhr vergeicdt, abe sehen von der sprunggaften Bewegung der Zisser für Bulgutan, Oenerreich- Ungarn. Hier nar soiton Einfuhr von Rohlossen, wie von Fertigsnoritaten nelt großer als im Juhre 1903. Kolonamaten, Genluse, Tost, terische Produi#. Roblofft des Trgtilgeweides, ader auch Naschnen, ankarr, Instrumente, Ubten, Metallwaren wudden starter eingrfühlt uls 1903. eine intenswere Beals in Teutschand erfuhr der emsumtande. auch in B###en und Giegormnnten, Nerei undes jür Großdritannten zu eeuaranist, daß die Steigelungder Einfuhr sauptfanth auf Nahrungomittel entfallt, R.. stoffe und Jullourritate erst gerung part Iipn Ful auch u. Heiu#ct, daß ein gre dei bestinnnt iu. Kur F Fwrilleifger Bahlen. Zümmtu# der einsa,, auftle den werm. Staalen vo Rchiten zu Vergeichnen. Krun Nahrungsmitt, ais auf nUr eine Ao#cn stgen m. u di Industrue Gefanabnadn iter Niuie an der StelGische Einfuhr lommt en für den Tranzuhan. die Steigerung der noch ein geringe Fmnfrenn und in Wr amertia abfalnk al zeigt sonwol dei industrieten Roystoffen Abgesehen von der abnormen Steigerung der Ausfuhr in Bulgarten zeigt Spanien die stärkste Zunahme, namentlick auf die erhohte ausfuhr in Wein, Silber, Textilwaren, Quecksilber und Quecksilvererze zurückzufuhren in, während die Eisenerzausfuhr gegenüber dem Vor. jahre erhevlich nachließ. Die erhohte Ausfuhr Fran! reichs entfällt auf industrielle Rohstoffe noch etwas stär. ker als auf Fabrikate. Bedenklich gering in die Steigerung der Ausfuhr Großbritannien=, wo nament lich der Ervort von Erzeugnissen des Eisengewerdes gesun ken ist. Die Ausfuhr in unter anderem zurückgegangen bei Roheisen, Schienen, Dampfmaschinen, dann bei er Fugnissen des Textilgwerbes, so bei tuumwollenen Zeug waren, Nähzwirn, bei Nammgarnstoffen und Rleidern. Ge stiegen ist die Ausfuhr in nennenswerter Weise nur bei Spirituosen, Nähmaschinen, Textilmaschinen, Baumwoll garn, wollenen Geweven und leinenen Zeugwaren. Edirekte Abnahme der Ausfuhr ist nur für die Vereinigten Staaten von Nordamerita zu konstatieren. Hier st vor aluem die Ausfuhr von Rohstoffen zurückgegangen, während die Fabrikatsausfuhr solchen Industriezweigen. die angesichts der ungünstigen Marttlage in den Vereinigten Staaten solbst ungenügenden Avsatz haten, eine Stei gerung gebracht bat. Diese Steigerung wurde aber um deswillen für Deutschland und Großoritannten nicht onders länig weil das amerskanische Eisengewerbe danin: verzchtete, den erport zu forcieren, vielmehr die Erzengung dem gesunlenen Inlandsbedarf entsprechend möglich: herabsetzte. Vertaufsverein Rheinnn Mestialischer Zementwerte in Bochum. Nachdem erst anfangs H#ernar dieses Jahres zwischen dem obengenannten Vertauftverein und der Vereinigung belgischer Zementwerke ein lieber einkommen getroffen worden ist, wonach keiner der beiden Verbände in das Getriet des andren vertaufen darf, scheint Freur jetzt dieses Ablommen gefährdet. So verlautet, daß ein Neubeckumer Wert eine Lieserung nach Belgien mernoman dat und zwar zu erwa 120 Mart pro Dop. #ign ab Wert ohne Säck, also zu einem Preis, der in #edem Fall verlustbringend in.(Wie uns von vompetenter Seite untgeteilt wird, bleibt den Werken bei einem Aettopreis von 165 Mark exl. Emballage ao Wer: pro 10 000 Milogramm nur die nackte Abschreibung. Die Rod.) Andererseits sollen belgische Werke zu 214 Mark franko achen offeriert und gleichzeitig angeboten haben, falls der Verkaufsverein für die goige seine Preise erhohe, nur Hlfte dieser Steigirung ihren Preven zuzuschlagen. Naturlich versucht jeder berden Kontrahenten die Schuld auf den anderen zu schiehen. Der####inisch=Westfälisal Verkaufsveren, hut inzwischen den Belgiern nochmals den Abschluß eines Kortellvertrages vorgeschlagen, und diese haben ihre prinzwpielle Bereitschaft hierzu ausgesproden, mit dem Vubehalt aber, daß die Zviner Abmachun. gen(Respektierung der gegenseitigen Absatzgebiete) die der eineenmn umt. un einem zeminen Gen ungte: Grundlage eines derartigen Vertrages vilden mußten. Der wieder, so guz die Bewegung der Ausfuhr die Bochume Ven. haut, ohne im Erfolge der einzelnen Industrieländer, mit denen ne sich # Echar. von Fertigsabritalen r A o n a h m e d e r E i n f u h r v o n R o h n o f f e n ###d betrachtet nock größer als die der Einior umaupt. In den Vereinigten Starten in bemertenewerter Weise die Einjuyr zoupfliatiger Maren ernon gefallen, waorend die zoltfreur Wuren noch g#e#stgen m. Spiegen sia#schen in den Zitfern der Einsner die wirtdaftiiche Konzunnu an dem Bortbewerr aus dem Weitmarkt Ateiligen. Für solche Länder aber die bei dieser Konkurrenz nicht oder nur nenig m Betrackt kommen, geben die Vergleiche zmijdnn 1903 und 1904 an, in welchem Grade ne sich an der Versorgung der Industrieländer mit Nahrungsmitteln und industriek Rohstoffen beteiligten Es betrug die Ausfuhr im ersten Halbjahr in 1000 Wark: 1909 aufzulosen, falls bis dahin die noch außen. stegenden Werte nicht beigetreten sind. Ist dieser Antrag ernst gemeint, dann hat der Verkaufsverein trotz seiner gegenteiligen Behauptungen seinen Zweck bisher nicht er. fullt, soll er aber nur ein Schrecschuß sein, so durfte kaum viel damit erreiat werden. Durch Maßhalten dürfte eher als durch Drotungen die so wunschenswerte Einigung zu erzielen sein. à Vom rheinisch=westfalischen Kohlenmarkt. Wenn auch die große Hite nachgelassen hat, bleiben doch alle anderen Mamente, die das Rohlengeschaft ungun. tig veeinflüssen, besrehen, die sehr geringen Entnahmen r Enen. und auch einzelner anderer Gewerbe. der chreckte Wassernand les num, den die niedergeg#ngenen Regengusse taum Kranett h#ren, die Bemuhungen Engand und Belgiens, toren Arsatz in Deutschland zu vermehren. So hielt sich der Umatz wieder in engen Grenzen, man sab sich genei#t, muder Feierschicten einzulegen, je me Zah. demen in der letzten Berichtszeit noch groner geworden. Der Arand geht even nicht nur per hami, sonrern nuch auf der Ehsendahn wesentlich zurück, und wenn man ian mn um des vorigen Jahres um diese Zeit vergleicht, so finket man eine blemende Differenz Tefriedigenden wirtVerhante aus in anderen Ländern haben ###en auch die Ausfuhr nachtein beeinflußt. Holland und Lemten haben einen geringen Verbrauch, während Engands Wettewero dort sem gewachsen ist. In Großnien hat eeen dus Enemanlerte den erhofften Auf awung nuc mieri genommen und es sind mehr Brennloffe Leun f. dor: jur In Ausfuhr disponidel. So wachIn die Anstrengungen, um diese zu heren. Die Hoffnung uf große Bezuge in ningszwege###t sich auch nicht erullt. Zwar sind in letzter Jeu seitens Rußland Bestel. ungen gemacht woren. Kreutend ins Gewicht fallen sie doch nicht.— Das jundentsche Avsatzgebiet hat sich in etz.er Zeit aufnahmaniner erwiesen. Zwar in Industriekohen halten die Entnahmen sich noch in ganz engen reng n. in Hautorandionlen auer sind die Bezüge wert hafte: geworden. Toch mich sich ded. Englands Konurrenz stark fuhllar. Sonn in der Umsatz in Hausbrandohlen immer noch undefriedigend. In Gastohlen bessert . die Gasanstalten machen schon Versorgungsanungen. Etwas reger gehen Gasflammtohlen, ganz Aino Eder ist die####frage für Fettforderkohlen. Der Kotsmarkt bit noch keine Besserung aufzuweisen. nn auch in Knabbel= und Kleintots die Entnahmen e#nar zunehmen, so sind sie dafür in Hochofenkots eber noch weiter zurückgigungen, da der Bedarf der Werke vei der eingeschränkten erzeugung von Roheisen gänzlich unünglich ist. So kaufen inn die Vorräte, was um so vellagensnerter ist, als das Material durch die Lagerung ringnertiger wird. Die Produttionseinschräntung wird miht nur voll innegehalten, sondern üverschritten, aver die Leistungsfähiglen int eben eine zu große geworden und so dürfte seltn im Herbst keine Herabsetzung der Erzeugungsverminderung moglich werden. des Kartellven###es sich ausimpreurn, den Belgiern dessen Abschluß in A.ssicht gestellt, mit dem Hinzufügen, daß er hoffe, in kurzener Frist die samtlichen Rheinisch=Westfälischen Werke(30) zum Veitritt zu bewegen. Daß diese Hoffnung sich erfülen wird, muß sehr bezwrifelt werden: einzelne Werke sind überhaupt nichkt zu haben, andere wie der lehnen es ab, einen Kartelln##trag abzuschließen, der sie in der geforderten Weise binden würde. Bemerkenswert erscheint jedenfalls, daß gerade in diesem Augenblick in Verantwortlicher Redakteur Ed. Verhülsdonk in Bochum. Antrag vorhegt, denVerkaufsverein per Eude Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckerei. * Rheinisch=Westfälischer Kuxenmarkt.(Tagesbericht des Banthaufes Hermann Santer, Bockumm. Bochum den 15. August 1904. Die Tendenz auf dem Koblenturen markte in zurückhi#tend. Lorhringen 21 600 B., Mont Cenis 18 800 B. Mittelwerte still. Auguste Victorio 9050 G., Graf Schuerin 9100 B., Eintrackt Tiefbau 8650 B., Hertules sehr fest(9450 G.) Von leichten Werten Borussia 2450 G., Dahlbauser Tiefvau 2800 G., Tremonia 3275 G. Kaliture sehr fest Von schweren Werten Hedwigsturg 11 000 G., Wilhelmshall 12 200 G. Von Mittehverten Hohenzollern 7150 G., Burbach 9400 G. Alerandershall 6550 G., Carlsfund 6625 G., Johannesball 5375 G., Hansa 990 G. Erzkuxe still. Verschlungene: pfade. Roman von Carola v. Eynatten=Dirking. „Ich kenne Dich nicht mehr, Edgar, früher wärst Du keine Stunde in einem Hause geblieben, wenn Dich nur ein Familienmitglied mit etwas unfreundlichen Blicken betrachtet hatte,“ sagte Margarete. „In einem anderen Hause würde ich dies auch heute noch tun, Liebste, bei Nelsons aber ist es anders, in dieser Hinsicht bestanden bei ihnen stets eigentümliche Verhättnisse, Mri James und Jane hatten ihre besonderen Freunde. Frau Mary ebenfalls. Sieh, ich möchte meine alten Freunde nicht tränken, und dies würde unfehlbar geschehen, wenn wir sie Hals über Kopf verließen.“ „Nein, kränken möchte ich sie auch nicht, aber sie könnten sich nicht verletzt fühlen, wenn wir uns von hier geradenwegs nach Amerika begeben," beharrte Margarete. „„Das ist aber unmöglich, Greichen, Du weißt doch, was der Arzt sagt.“ „O, Horst mag ein sehr gelehrter Herr sein, aber was mich betrifft, irrt er. Ich fühle mich wieder vollkommen wohl und kräftig, und die Seeluft würde mir dienlicher sein als jede andere,“ sagte die junge Dame lebhaft. „Venn Du sie in Ruhe genießen könntest, doch die Ueberfahrt ist mit mancherlei Beschwerden verbunden, besonders zu dieser Jahreszeit.“ Sie werden mir weit weniger schaden, als die beständige Aufregung, in der ich hier lebe, wo Lerchen felds sind, wo ich Dich jeden Augenblick einer Begegnung mit ihnen ausgesetzt weiß.“ „Darüber brauchs Du Dir keine Gedanken zu machen, ich scheue solche Begegnungen durchaus nicht, ich wünsche sie eher, denn es würde mich interessieren, meine Brüder kennen zu lernen," erwiderte Bolevand flüsternd. Bei dieser Erklärun malte sich in Margaretens Gesicht so bittere Enttäuschung, daß ihr Verlobter hastig hinzusetzte: „An eine Annäherung dente ich selbstverständlich nicht, mein Kind, darüber darfst Du beruhigt sein; nach der Haltung, die ich meinem Vater gegenüber beobachtet habe, und die ich nicht bereue, obwohl ich mir um Deinetwillen ein größeres Vermögen wünschte, wäre es ja mehr als charakterlos, wollte ich jetzt hintreten und den Schleier lüften. Aber sehen, sprechen, beobachten möchte ich die beiden, denn Richard machte auf mich den günstigsten Eindruck, und dann glaube ich vermuten zu dürfen, Jane könnte meine Schwägerin werden.“ „Glaubst Du?“ sagte Margarete unangenehm überrascht. „Wenigstens bin ich sehr geneigt, es zu glauben, umsomehr, als ihr gestern das Blut ins Gesicht schoß, als man den Majoratsherrn meldete, was bei diesem selbständigen, weltgewandten Mädchen, jedenfalls eine höchst verdächtige Erscheinung ist.“ Wir werden also bleiben?“ fragte die junge Dame jetzt kleinlaut. „Wir müssen es; vor Ablauf von zehn bis vierzehn Tagen können wir nicht an die Abreise denken, Liebe, es sähe wie' Flucht aus und wäre für meine alten Freunde sehr beleidigend.— Aber was hast Du, Du bist plötzlich so bleich— fühlst Du Dich angegriffen- willst Du umkehren?" rief Bolevand erschrocken, indem er besorgt in das blasse Gesicht seiner Braut schaute. „Es ist nichts— ein jäher Schmerz im Knie. Dort, dort kommen Lerchenfelds, der Geistliche!“ stammelte Margarete, sich fester auf ihres Verlobten Arm stützend. „Ah!“ Die Sängerin hatte recht gesehen, es war wirklich Richard Lerchenfeld, der ihnen, von der Mutter geführt, langsamen Schrittes entgegenkam, mit Mar plaudernd, der sich an seiner Seite befand. Der junge Geistliche schaute mit Entzücken um sich, und seine Miene war so heiter, daß die Gräfin neue Hoffnung saßte. Seine Gemütsverfassung war nämlich eine recht unbefriedigende. Von jener kräftigen Freude am Leben, welche gewöhnlich diejenigen beseelt, die aus schwerer Krankheit erstanden sind, ließ sich bei ihm nichts wahrnehmen. Er war auffallend zerstreut und schweigsam, und oft genügte ein Alleinsein von wenigen Minuten, ihn in düsteres Schweigen versinten zu lassen. Selbst in Gegenwart dritter, mitten im Gespräch kam es vor, daß sich sein Gesicht jählings verfinsterte und er die Haltung eines Mannes annahm, der von quälenden edanken bedrückt wird. Je länger die Gräfin und Babette ihn beobachteten, umsomehr befestigte sich in beiden die Ueberzeugung, daß Richard Träger irgend eines unheilvollen Geheimnisses sei, wie auch die, daß es dies gewesen, welches ihn aufs Krankenlager geworfen hatte.— Uno was die Mutter betraf, so zweifelte sie durchaus ni.: mehr, daß Max zu diesem Geheimnis in Beziehung stehe, der auch er Bar in seinem Wesen verändert und jähen Stimmungsübergängen unterworfen. er zeig; sich ungewöhnlich reizbar, unruhig, und jede Klei: keit konnte ihn in Aufregung bringen, Ersche ngen, die er mit geschäftlichen Widerwärtigkeiten zu erklären versuchte. Die Gräfin blieb überrascht, beinahe erschrocken stehen, als Richard mit einem Male, ohne ein Wort zu sagen, ihren Arm losließ, um einem jungen Paare entgegen zu eilen, welches sie wohl bemerkt, doch nicht beobachtet hatte. „Ich freue mich herzlich, Sie wiederzusehen, hier wiederzusehen, Herr Bolevand, und auch Sie, mein Fräulein!“ sagte der Geistliche, vor Edgar und seiner Braut stehen bleibend, mit bebender, schwer verständlicher Stimme. ä Er war sehr bleich geworden, und sein Herz klopste ungestüm, als er sich seinem Bruder gegenüber sah, zum ersten Male mit dem Bewußtsein, daß es sein Bruder sei, und daß auch dieser die nahen Bande kenne, die sie beide verknüpften. Doch nicht allein ihn, auch Bolevand regte diese Begegnung mächtig auf, mächtiger selbst, als er noch vorhin für möglich gehalten hätte, und er vermochte nicht zu verhüten, daß seine Hand leise zitterte, als er sie in diejenige Richards legte, daß seine Stimme auch ein wenig unsicher und heiser klang, als er entgegnete: „Hochwürden sind sehr gütig, haben mir und meiner Braut überhaupt so große Teilnahme bewiesen, daß es mir recht schwer ward, Frankfurt zu verlassen, ohne meinen innigsten Dank auszusprechen. Miß Jane Nelson sagte mir jedoch, Herr Graf wären noch zu schwach, um schon wieder Besuche zu empfangen. „Ja, ich war recht krank, und es kam so plötzlich über mich, daß ich leider mein Wort nicht halten und über Fräulein Feldmanns Befinden Ihnen berichten tonnte,“ sagte Richard Lerchenfeld, der noch immer nicht die volle Herrschaft über sich gewonnen hatte.— Inzwischen waren auch die Gräfin und Max herangekommen, und als sie vorübergingen, ließ erstere einen scharsen Blict über die Gestalt Bolevands hingleiten. Dem Geistlichen kehrte die Fassung nach und nach zurück, und nun erkundigte er sich mit der ihm eige nen Herzlichteit, ob Margarete wieder hergestellt sei und wie lange sie und Bolevand sich in Wiesbaden aufzuhalten gedachten. Nur so lange, als Herr Geheimrat Horst für unbedingt nötig hält, zwei Wochen etwa, denle ich,“ erwiderte Edgar. „Und Sie gedenken sogleich nach Amerika zurückzukehren?" „Ja, denn es ist hohe Zeit, daß nod meine Berufstätigkeit wieder aufnehme.“ „Und Sie gehen, um für immer drüben zu bleiben?“ fragte Richard neugierig. „Gewiß, ich bin geSrener Amerikaner.“ „Doch der Sohn deutscher Eltern,“ versetzte der Nr. 186 Der Erzähler. Geistliche, unwillkürlich etwas Beziehungsreiches in die Betonung legend. Bolevand entging dies so wenig wie Margaretens hestiges Erschrecken, und mit einemmale ersaßte ihn eine seltsame Beklemmung „Meine Eltern waren allerdings Deutsche, aber ich wurde druben geboren und erzogen und bin ge wohnt, Amerika als meine Heimat zu betrachten, entgegnete er etwas kurz. Als Richard umschauend gewahrte, daß die Seinigen umgekehrt waren und den Baumgang wieder heraustamer, bot er Bolevand die Hand und sagte: „Ich darf meine Mutter nicht länger warten laf sen, verabschiede mich aber in der Hoffnung, Sie baldigst bei mir zu sehen.“ „Das wird in den nächsten Tagen geschehen.“ Richard schaute den Bruder einen Augenblick an, dann fuhr er, wie einer plötzlichen Eingebung folgend, fort: „Wollen Sie mir eine recht große Freude berei ten, Mr. Bolevand, so frühstücken Sie morgen früh um elf Uhr bei mir.“ Bolevand fühlte, wie Murgaretens Hand, gleichsam wie zur Warnung, stärker auf seinen Arm drückte, wie ihr Blick in ängstlicher Spannung an seiner Lippen hing, ihm selber erschien diese Einladung seltsam, und dennoch trieb ihn ein unerklärliches Etwas, sie anzunehmen. „Ich werde kommen,“ sagte er, über seine Stimme erschreckend, so verandert war ihr Ton. „Ich danke Ihnen herzlichst, Mr. Bolevand. Sie machen mir eine große Frende. Auf Wiedersehen!" entgegnete Richard in muhsam beherrschter Erregung, indem er den zut abnahm und sich gegen Margarete leicht verbeugte. *** Fürs erste hatte Richard keine Zeit, über die Begegnung mit dem Halbbruder nachzudenten, es galt nämlich, sich eine Entschuldigung zurecht zu legen, daß er sich ohne ein erklärendes Wort von der Mitter Arm losgemacht und sie so lange hatte warten lassen. Zwischen der Gräfin und ihren Söhnen bestanden zwar die berzlichtten Beziehungen, sie bing mit der innigsten Zärtlichkeit an ihnen, doch hielt sie auch auf die strenge Beovachtung der äußeren Form, und auf eine respektvolle Haltung der Männer. „Ich bitte vielmals um Vergebung, liebe Mama, daß ich Dich vor###n eeinsach stehen ließ aber Du weißt, ich bin noch nicht wieder ganz in der gewohnten Versassung, und ich habe mit Mr. Bolevand eine Sache von hoher Wichtigkeit zu besprechen,“ sagte Richard, als er an die Seite der Mutter gelangt war. „Schon recht, mein Kind, jetzt nehme ich es mit Dir nicht so genau,“ erwiderte die Gräfin gütig, warf aber gleichzeitig einen sorschenden Blick in des Sohnes Gesicht. Vorhin noch so bleich, war es jetzt stark gerötet. und die Augen zeigten einen sieberhaften Glanz. „In Deinen Schuhen möchte ich nicht stehen. Du hast jahraus, jebrein mit anderer Leute wichtigen Angelegenheiten zu schaffen!" ries Max lachend. „Von Dir wird das niemand verlangen, bei mir ist es anders, mein Amt bringt es mit sich,“ erwiderte Richard. „Schauderhaft!— Uebrigens scheinst Du von Herrn Bolevand nicht minder entzuckt ale Mr. Nelson und Miß Jane,“ sagte Max,„ich bin wirklich ven gierig, ihn näber keunen zu lernen, denn bisber habe ich nur einige Worte mit ihm gewechselt und dabei die Entdeckung gemacht, daß er uns beiden merkwurdig ahnlich siebt, besonders mir." „Das ist mir auch ausgefallen.“ setzte die Grafin hinzu, dem Geistlichen seit ins Gesicht schauend. „Diese Rebnlichkeit int allerdings sehr groß.“ nickte dieser.„Hattest Du etwas dagegen, wenn wir jetzt umkehrten, ich glaube, es stell: sich einige Mudigkeit ein.“ Die Gräsin bog sofort in einen der Dauptwege ein, um so schnell als möglich den harrenden Wagen zu erreichen, und von Bolevand wai weiter keine Rede medr 19. Kapitel. Die Abenddämmerung hatte begonnen, und durch die bleigesaßzten Fensterscheiben in Jane Relsons al kertumlich eingerichteten Salon fiel nur noch ein truder Lichtschimmer, in welchem die im Hintergrunde befindlichen Mobel sich in verschwimmenden Formen zeigten. In dem behagliche Wärme ausstrablenden Kamine lohte ein delles Feuer, von Zeit zu Zeit glübendrote Streiflichter aus Edgar Bolevands Gesicht werfend, det, die Füße auf das ziemlich hohe Bronzegitter stutend, davor saß. Er war wieder einmal, wie jetzt so oft, sehr schweigsam, und achtete weder auf seine Braut, die dicht an das eine Fenster herangetreten war, um sich einige Augenblicke länger mit ihrer Häfelarbeit beschäftigen zu können, noch auf Jane, die nahe dem Kamin in einem steiflehnigen Armstuhl saß.— Sie spielte mit ihrem riesigen Neusundlander Polly, der seine gewaltigen Vorderpfoten auf ihren Schoß stützte, sie mit klugen Augen anstarrend, und ab und zu leise bellend, wenn sie es gar zu arg trieb und es ihm nicht gelingen wollte, ihre zarte Hand zu erhaschen. Nachdem Jane diese Neckereien noch eine Weile fortgesetzt hatte, sagte sie plötzlich, zu der Freundin gewendet: „Muß der Streisen, oder was das Ding in Deinen Händen ist, unbedingt heute noch sertig werden?" „Das ware ja unmöglich,“ entgegnete die junge Dame. „Nun, dann bist Du wohl so gut, Dein Kunstwerk bis aus weiteres bei Seite zu legen. Ich kann es nicht sehen, wenn man sich mutwillig die Augen verdirbt.“ „Damit hat es keine Gefahr, liebe Jane, ich wein das Muster auswendig,“ entgegnete Margarete, legte die Häfelarbeit aber doch in das vor dem Fenster stehende Körbchen. „Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, heute ist Dein Arbeitseiser ja ein ganz begreiflicher, denn Mr. Edgar beweist sich wieder einmal als ein äußerst lie benswürdiger und amüsanter Gesellschafter.— Geh, Pollv, kusch Dich, Du bist mir zu schwer als Schoßhund.“ Bolevand erwies sich jedoch als völlig unempfindlich gegen diesen Wink. „Mr. Edgar, haben Sie gehört, was ich sagte?“ begann Jane nach einigen Augenblicken von neuem. Jetzt endlich wurde er aufmerksam. „Wie beliebt, Miß Jane?“ „Ich möchte wissen, ob Sie gehört haben, was ich vorhin sagte!“ „Verzeibung, ich war so in Gedanken „Ich erlaubte mir die Bemerkung, daß Sie ein äußerst liebenswürdiger und amüsanter Gesellschafter wären," erwiderte Jane trocken. Bolevand stand auf und sagte: „Dieser Vorwurf ist ein verdienter.“ „Wann hätte ich Ihnen je einen unverdienten gemacht, lieber Freund?" „Allerdings—“ „Man kennt Sie nicht mehr, Edgar. Sie machen den Eindruck eines Menschen, der sich mit großartigen Plänen oder großartigen Geheimnissen trägt, die ihm keine Ruhe lassen.“ Margarete, erschreckt durch die Wendung, welche das Geplander nahm, setzte sich ans Piano und Otlockte ihm einige rauschende Akkorde, die zur Einleitung eines Liedes dienten, dem ihre klangvolle und biegsame Stimme einen Zauber verlieh.— Dieses Mittel wirkte, Jane hatte verstanden und schwieg; für diesmal hatte sie genug gesagt, wenigstens genug, um den Freund zum Nachdenken anzuregen. Sie erriet,was in ihm vorging, und sand es an der Zeit, diesem für alle peinlichen Zustande ein Ende zu machen Nach einer Weile erhob sich Jane, zündete die Lampe des Kronleuchters an und verließ dann unbemerkt den Salon. nachdem sie noch einen Blick auf Volerand geworten hatte, der wieder in Gedanken versunken auf und ab ging. Wie schwer er es sich machte, er und Richard. Der Majoratsberr lam sicherlich weit leichter darüber hinweg. ob infolge uroßsinniger Denkart oder eines gewissen Leichtsinns, wagte ne allerdings nicht zu entscheiden; vielleicht brachten die unvermeidlichen Enthüllungen Gewißheit hieruber Wie aber weiter, wenn sich in dieser bedeutsamen Stunde berausstellen sollte, daß Mar wirflich nichts anderes sei als ein schimmernder Schmetterling, den sie ansänglich in ihm geseben, den der Vater noch immer in ihm sab!— Nun, dann war eben a.3 zu Ende zwischen ihnen— alles. Ein langer Seufzer entstieg Janes Brust, sie fühltso deutlich, wie nic zuvor, wie bart es fur sie wärc, sich sagen zu mussen: Es ist alles aus!“— Und doch konnte es so sehr leicht dazu kommen; wenn er wirklich seine vornehme Kusine heiratete, welche die Mutter ihm bestinm—. enn er in der Tat der junge Mann wäre, der" Jest Ott in zärtlichen Bernrungen gestande,, wie er der Amtsrichter boshaft angedeuter###. Die Bedeutung der Einnahme von Thassa. Die englische Expedition uner dm Oberst Younghus. band hat Lhassa erreicht, die den Europäern so lange wie ein Buch mit sieben Siegeln verschlossen gewesene Hauptstadt des TalaiLama ist gefallen. VonEngland aus in dieser Erfolg als ein welterschutterndes Eremns bingestellt worden, und diese Auffassung hat einen starken Widerhall auch un Urteil der menten anderen Stimmen der Oeffentlichteit gefunden. Man preint die Geschicklichleit, mit der die Englander die russische Verlegenheu ausgenutzt haben, um sich dieses Vorlandes von Indien zu bemachtigen oder dort sich einen nicht mehr zu verdrängenden Einfluß auf seine Verwaltung und auf seinen Handel zu sichern. Man spricht ferner von der immensen historischen Bedeutung der Tats#chr, daß die Unabhangigkeit und Abgeschlossenheit des Dalai Lama— die chinesische Oberhoheit war doch nur mehr ein Schein— nach jahrhundertelangem Bestand gebrochen ist. Ein wahrer Kern steckt selbstverständlich in diesen schauungen, aber der Geograph findet doch noch einiges daran auszusetzen und einiges hinzuzufügen, was die Bedeutung der Einnahme von Lyassa, selbst wenn sie als gleichwertig mit einer Eroverung von Tivet durch die Engländer zu betrachten wäre, in einem etwas anderen Licht erscheinen laßt. Wenn man sich die Verhaltnisse des Landes und seiner Bevölterung vergegenwärtigt, so muß es doch wohl übertrieben ersckeinen, daß diesen Ereignissen der jungsten Zeit eine große politische Tragweite beigemessen wird. Eine solche mußte man doch in erster Linie darin suchen, daß die Englander durch diesen Erfoig entweder einen bedrohten Teil der Grenze Indiens gesichert oder ihrer wirtschaftlichen und kommerziellen Betatigung in Asien ein neues Geviet erschlossen hätten. Diese Voraussetzungen lassen sich nicht rechtsertigen. Was den erste, ren Punkt betrifft, so wäre es— das muß einmal rund heraus gesagt werden— für keine Maci der erde moglich gewesen, von Tibet aus einen Angriff gegen Indien zu lenken, weder für die Russen noch gar für die Chinesen. Die Grenze Indiens gegen Tioet war tatsächlich vor 100 Jahren ebensowenig bedroht wie heute. Tibet ist ein ungeheures Gebiet von uder 2 Millionen Quadratkilometern, auf dem nur etwa 2 Millionen Einwohner leben also im Durchschnitt nur ein Mensch auf je 1 Quadratkilometer. sund die Schätzungen der Bevolterung begreiflicherweise ganz unzuverlässig, aber man tut das Gefuhl, daß auf diesem trostlosesten Strich der Erde die Menschen nicht aner gesät sein konnen als enva in der Mongolei, wo nach genaueren Angaben erst auf 2 Quadrattikometer 1 Bewohner zu rechnen ist. Ueber das Klima und die Wegeverhältnisse in Tibet wissen wir durch die Reisen von Bower, Bonvalct, Hedin, Dutreuil de Rhuns u. a. so viel, daß auch den in seinem beh#lichen Zimmer sitzenden Bucherwrm ein Schauder ergreift, wenn er von den Strapazen eines Forschers in Tibet liest. Mit einem Heereszug enna vom russischen Gebret erst durch das wüste Turke. stan und dann durch die ganze Breite von Tibet zu dringen, ware inmer ein wahnninniger und von vornderein hoffnungsloser Bersuch gerresen. Die Tivetaner selon aber wären, wie ja auch die Erfahrungen der jetzigen englischen Expedition gelehrt haben, nie dazu imstunde gewesen einen ernstlichen Angriff auf Indien zu wagen. Einmal ha#te das ebemewemo in ihrem Interesse wie in ihrem Charatter gelegen, zweitens wäre der Vornoß aufs leichteste al.u. wehren gewoesen, und deittens satte vei der geringen Bol ihre Mackn daiu gat nicht ausgreicht. Aus diesem Gesichtspuntte d trachtet, mun, abo dee##n sche Ledeutung der Niederzwingung von Tioer durch die Englander richt gering erscheinen. Daß sie auch für ihrer. Handel wenig gewinnen worden, geht schon aus dem Wenigen hervor, was üver die Natur des Laidder gesagt worden ist. Die armlichen Tibetaner können von Indien nich viel kaufen und dorthin auch daum envas abgeven, mit Ausnahme dochtent von den Fellen der Tiere die sie auf der Jagd erlegen. Sind also die Folgen der Einnahme von Lhassa nach dieser Rittung ian en###eden mitaus zu voch veranschlagt worden, so bat auf der anderen Seite die bistorische Tragweite in ihrem ganzen Umfang keine genugende Wurdigung gefunden. Allerdings läßt sie sick noch nicht über. sehen. Der Dalai Luma ist geflohen, und man kann noch icht einmel vermutungsweise sagen, in welches Verhältnis er durch die neugeschaffene Sachlage zu Anene#ändern tleten wird. Es warr nicht undenkvar, daß er Tivet ganz verließe und sich in ein noch engeres Schutverhaltms zum chinesischen Reich begabe, vielleicht sogar seinen Sitz an einer neuen und sichererr. Stelle aufschluge. Vielleicht aber wird er unt den Engländern einen Vertrag schließen und seine reitiöse Herrschaft weiterhin in Lhassa unter einer dann wodl freilich###was strengeren englischen Oderhobeit statt unter der bisderigen chinesischen auszuuden suchen. Noch wichl#r als diese Frage: die andere, wie weit die Englander die Erschließung von Ldassa zur Erorschung des Lamaiemus, seiner von den Europdern noch ganz underuhrten Gehemnisse, seiner Schape an Kunst und Wissen Gau ausnupen werden. Dr. Georg Wegener dat sich ein Verdienst darum dadurch erworden, daß er schon vor Monaten auf die Gefahr der Vergendung dieser unschapbaren Gelegenheit mt allem Nachdruck zewiesen dat. Leider sind bei den letzten chinesischen Wirten in dieter Hi cht von den Europhern in Pelina ungeheure, nie meder gut zu machmde Unterlassung=sunden begangen u. Der Palast des koreann#en##atsers in Soul ist ein Raub der Flamnen geworden, und man wird nie er. fahren, was für Schätze von unersetzlichem kulturbistorischem Wert seine Trummer unter sich begraven haben. Wenn jetzt in den Tempeln von Tioet ähn kur Vervirchen der Tat oder Vernachtässigung geschehen, so drohen der Wissenschaft neue unwiederbringliche Verluste. Die Engländer haben es zunächst in der Hand, die Einnehun von Lhassa und die Erschließung von Tivet durch Einleitung einer gründlichen Erforschung, zu einem wirklich welthistorischen Ereignis zu machen. Dr. E. Tiessen in der Germania, Berlin Aus dem Leben für das Leben. Ein vernünftiger Mensch! Das ist wahr, ein sehr vernünftiger Mensch! Warum machen's nicht alle so?! Diese und noch eine Anzahl ähnlicher Lobspruche hörten wir vor einigen Tagen aus bered tem Munde, und als wir unsere Aufmerksamkeit dem so Gepriesenen zuwendeten, sahen wir einen„Herrn der Schöpfung", der in einem hellen Leinenanzuge einherging und, entgegen der Mode keinen hohen steisen„Gypsverband"— gewöhnlich„chiler Kra gen“ genannt— um den Hals und auch sonst keine Stärtewäsche, sondern ein leichtes seines Battisttuch trug, das„genial“ in einen Knoten geschlungen, sehr hübsch und kleidsam den Kragen usw. ersetzte. Na türlich stimmten wir dem Urteile, daß der perr ein „vernünftiger Mensch“ sei, inbedingt zu, wunderten uns aber im Stillen darüber, daß die Damen solche waren es—, die das erwahnte Votum abgege ben, die allermodernnen„Zwangsjacken“ angelegt hatten und bei mehr als 28 Grad Celsius im Schatten mit wahrem Heldenmute die Tortur des„Ghiten“ und„Feinen“ ertrugen. Der Herr im Leinenanzuge ohne Kragen, Kravatte und Manschetten fand ihren ungeteilten Beifall, allein sie selbst... Warum machens nicht alle so? Diese inhaltschwere Frage bietet Stoff zu philosophischen Studien. Ja, warum begibt sich die weitaus großte Mehrzahl der Kulturmenschen der Freiheit, eine bequeme und den Witterungsverhältnissen volltommen angepaßte Kleidung zu wählen? Es ist doch keine absolute Norwendigkeit, eine Tracht anzulegen die als lästig und das Wohlbefinden hindernd erscheinen muß. Kann man irgend einen vernünftigen und stichhaltigen Grund dasur finden, daß Tausende, Hunderttausende Millionen sich der Mode zu Liebe in einen„Panzer“ stecken, in dem sie„wahre Höllenqualen“ auszustehen haben? Nein, einen solchen Grund gibt es nicht, aber es existiert der Despotismus des„Feinen“ und sei nem kategorischen Imperative wagi man keinen Widerstand entgegenzusetzen. Was immer den Stempel des„Feinen" trägt, ist maßgebend, und wenn es auch maßlos unbequem usw. genannt wird. Dabei sind selbstverständlich alle darin einig, daß es eigentlich Unsinn ist, sich so wyrannisieren zu lassen und die Rolle willenloser Sklaven zu übernehmen. Allein, wo ist der Mut, das schwere Joch des Despotismus en rgisch abzuschütteln und von dem Rechte der Selbst. bestimmung ausgiebigen Gebrauch zu machen? Dieser Mut fehlt der Gesellschaft gegenuber, die die individuelle Freiheit in Bezug ant die Dekreie des„Chi ken“ nicht gelten läßt. Man will nicht die„Kritik" heraussordern, nicht den Vorwurf auf sich laden, als ob man nicht wisse, was zu einem seinen Auftreten gehöre, und als ob man es nicht verstche oder es sich nicht leinten könne, den Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Deshalb fügt man sich— wenn auch mit innerem Widerstreben— in Alles, was dazu erforderlich ist.„unte: Menschen Mensch zu sein" und nimmt die Last der sogenannte gesellschaftlichen Pflichten auf sich, so teuer einem das Tragen derselben auch wis und soviel Geld man aus diesem Grunde allsgeben muß, das man zu anderen nützlicheren Zwecken dringend notwendig hat. Und die Furcht vor der Kritt, vor dem Urteile der Ge sellschaft wirkt ansteckend. sie übertragt sich von dem einen auf den anderen. Jeder scheut davor zurück, eine„Ausnahme zu machen“, und sogar der Gedanke, daß es vernunnig ware, wenn man nach eigenem Gutdunken und nach eigenem Willen handelte, wird unterdrückt, um nur ja nicht in die Lage zu kommen, „Aufsehen“ zu erregen. Darum werden zahlreiche und große persönliche und finanzielle Opfer gebracht des halb erduldet man alle erdentliche Unbequemlichkeit und belauet sein Budget mit Schulden, die abzutragen, recht schwer wird und manche rein überflussige Sorge verursacht. Es ist kaum zu glauben, was alles geschieht, um mit Würde der Sklave der Gesellschaft zu sein! Tausende und Abertausende schleppen lächelnd die Fel seln des Despotismus und des Jeinen sch herum und geben sich den Anschein, als ob sieuirch„glück lich" waren. Chik und elegani treten ne auf, wenn auch Herr Schmalhans ipr Kammerdiener und der Pump ihr Haushofmeister ist. Um des äußeren An sehens wegen entbehren, sich Sorgen machen, o, wie schön, v, wie füß! Es ware ja entsetzlich, wenn man sich diese Wonne versagen wollte, um dafür Anspruch darauf zu haben, ein bloß vernunftiger Mensch zu sein! Wir tennen Familien, deren weibliche Mit glieder in jeder Saison, zwei, drei der modernsten Kostüme mit den dazu passenden Huten usw. als etwas Unentbehrliches anschaffen bezw. auf Rechnung neh men und auch die mannlichen Genossen mit Erfolg anspornen, sich das„zuzulegen", was zur„Eleganz“ gehört, obgleich die„Hauskasse“ gar nicht darnach beschaffen ist, so Großes zu leisten. Aber, du lieber Himmel! man kann sich doch nicht— blamieren und der Welt zeigen, daß man vernünftigerweise haus hälterisch und sparsam verfahren müßte! Da ist es notwendig, daß man bald hier, bald dort Kredit in Anspruch nimmt und sich so gut es eben gehen will, „durchschlängelt“. Und das„noble" Beispiel reizt zur Nachahmung. Was diese und jene sich leisten, das dürsen auch wir uns nicht versagen, heißt es und nach diesem„Kaltul“ macht man mit, was nur mitzumachen ist. Selbstverständlich auch Vergnügungs= und „Erholungs“=reisen; denn was würden Freunde und Betannte dazu sagen, wenn man ruhig zu Hause bliebe und sich dort klug und weise nach der Dedte streckte! Nein, man ist es seinem„Renommee“ schuldig, daß man auf„Tour“ und in die Sommerfrische gebt, um nachher in der Gesellschaft mit darüber reden zu können, wie wohltuend eine solche kleine Ausspan nung und Erholung ist. Ja, wenn alle so vernünftig wären, nur das zu tun, was gut und nützlich erscheint, dann würden auch diejenigen, welche ihres „Renomee“ wegen über ihr Können hinausgehen Geschmack am vernunftgemäßen Handeln finden, aber so beugen sie sich vor dem gesellschaftlichen Despotismus, dessen Macht in der modernen Welt immer unheimlicher wird und den Wohlstand weiter K-eis auf ein immer tiefer sinkendes Niveau herabdrückt. Der Herr im Leinenanzuge, dem Damen das Zeugnis ausstellten, daß er ein vernünftiger, ein sehr vernunftiger Mensch sei, hat uns die Veranlassung zu diesen kurzen Ausführungen gegeben, und wir fuhlen uns gedrungen, dieselben mit dem Wunsche zu schließen, daß sein Beispiel der Betatigung des eigenen Willens recht viele zur Nachahmung anspornen moge, damit die lächerliche Furcht vor der Vertretung der individuellen Freiheit gegenüber dem„herrschenden Geschmad“ mehr und mehr verschwinde. Im russischen Hauptquartier der Mandschurei. Der Kriegsberichterstatter des Rußtn Invaltd des Or. ans der rufssichen Kriegsverwaltung Overs Krosinow, childert in einer seiner letzten nortespondenzen vom Kriegsschauplatz in levhaften Farden des Leven und Deien im rufsischen Hauptquartier. Kroffnow schreibt unter anderem:„Seit Ankunft ds Kommandierenden der Armee und des Feldnares in Tatichitschiao hat sich dieser Ort mit fr###ndländischen Militäragenten, Korrespondenten und ver. ciedenen Personlichteiten gefullt, die darauf rechnen, irend etwas Semationelles zu erfahren. Ganz wie in Liaujang dient auch hier der Bahnhof als Hauptursprungs. ort aller Geruchte und Klatschereten. Auf dem Perron wird Tee an kleinen Tischen getrunken, auch Limonade und Bier, und is finden sich sogar t##d#mutige Leute, wel1e Shanghaler sercs, Portwein und Claret trinzen. Die dem Bahndof aus den Abteilungen eintreifenden Offivondenten ausgefragt. Der Blick nach Westen ist kein er. renlicher. Eine Ctene von rotgrune: Erde. die durch junten Graswuchs bedeckt in; kleine Hugel, zwei bis drei von parten umg dene Porser. Hier siehen im Staube der nievergetretenen Felder endlose Tramreiben und das Zeltager der So.daten. Um die Mittagegen wird die Hitze inerträglich, und alles, was ruhen kann, givi sich der ude hin. Nur in dem langen Zuge mit den großen Pulmann. wugen, deren Dach mit nassen Matten bedeckt in vort die Irbeit auch mittags nicht auf. Am Ende es Juges ist in zwei Güterwagen die tantlei des Jeldsades untergevracht; nedenbe: or ten die Crdonanzen, weiterhin die Stabler und der commandierende. Die Feder wird allmählich zusammen. jedruckt denn rinas umber gehzt der Angriff vor sich. Uner Armeekorps, die anfangs#er eine weito Front vertreut waren hatten sich einander genähert— die Armee sammelte sich. Ang##nem Guterwagn hängt eine riesige wrie der Mandschurei im Maßna#e von zwei Werst. An benimmten Stellen sind Nadeln mit kleinen Fähnchen in ro##r, geiber und gruner garve in sie hineingeneckt. Sie Thn die S#e##ngen dbuter na den neuenen Telegrammen und Relo noszierungen an. Ein junger Oberst. arsan des wenernges, dessen Gr###—i von den vielen ## oen Nächten blaß„ fuhrt die Aussicht über die wid.. tig Karte. Von hier wardert das Material nach dem en Wagen erster Klasse, wo sich der ages des Stabet befindet. In dem bequemen Wagen atbeiten in diesen heißen Tagen der Verstard und die Nerven der Armee. Hier levt sener, der dazu lerufen ist, sich in den einander oft widersprechenden Nachrichten zurechtzufinden und feine Entscheidungen danach zu treffen. Rngland erwaltet Siege von ihm. Sehnsuchtig nurtet es auf gute Nach. richten und glaubt nicht, daß die Japaner noch schlimmer als idre Lehrmeister, die Deutschen, sind, denn auch die Deutschen besitzen trotz all torer Tapferten Nerven und Todesfurcht, die Japaner aber kennen üverdaupt keine Nerven und verlachen den Tod. Man muß die Nuhr und die Nerven des Kommandierenden bewundern. In Augenblicken, wo alles in Auf#nung war und danach lechzte ir. geno etwas in seinen Blenen zu eesen, vergaß er nicht einmal, die kleinsten Beamten seines Stades zu grußen und jedem die nötige Beachtung zu schenken Allerlei. 16. August. 1532: Kurfürst Johann der Beständige von Sach. sen, f. 1795: Marschner, Komponist, geb. Zittau. 194 0: Stiftung der Untversität Berlin. 1870: Schlache bei Vionville und Mars=la-Tour. 1899: R. W. Bulle: Chemiter, f., Oeidelberg. * Wie Rodeseller reich wurde. Es ist immer eine merkwurdige Geschichte, wenn einer der amerikanischen Dollarkönige der staunenden Welt erzahlt, wie er seinen(eldsockthron erklommen hat. Schlichter und einfacher kann kaum eines an deren Menschen Leben sich gestaltet haben als daeines solchen Mannes, der vielleicht mit einem Dol lar in der Tasche anfing und jetzt nur noch mit acht stelligen Zahlen rechnet. So hat auch die Geschichte „Wie ich reich wurde“, die John D. Rockeseller, der Petroleummagnat jüngst im Newyork American ver offentlichte, etwas von der stillen Einsalt der Legen den; man lient sie wie jene, mit einem gewissen de fuhl der Rührung. Die Hauptsache ist, nach Rockg sellers Meinung, daß man mit der Fuhrung eines kleinen Hauptbuches fur seine persönlichen Einnahmen und Ausgaben beginnt.„Um im ersten Kampfe einen Stupzpunkt zu finden," erzählt er,„schrieb ich meine Ausgaben und Einnahmen in ein Hauptbuch und auch Anmerkungen über kleine Ereignisse, die mir wichtig erschienen. Nach Jahren sand ich das Buch und bracht es nach Newyork. Mehr als 42 Jahre sind vergan gen, seitdem ich dieses Buch schrieb. Ich nenne es Hauptbuch A, und es hat jetzt für mich den größten Wert. Denen, die reich werden wollen, wird es sicher lich nützlich sein, wenn ich einige Auszüge daraus veröffentliche. Ich halte es für eine sittliche Pflicht soviel Geld zusammenzubringen, wie man es auf gute und ehrliche Weise kann, nach Moglichkeit sparsen zu sein, aber auch nach Moglichkeit für gute Zwede davon zu verausgaben. Die Lettüre dieses Buches macht mir immer das größte Vergnugen. Jedermann kann ich es freilich nicht zum Lesen geben, da meine kinder, die es studiert haben, mir erklärten, ich hatte das Wort Zahnburste falsch geschrieben. Fast steigen mir die Tränen in die Augen, wenn ich darin lese und mein Herz ist erfullt von Dankbarkeit. Das Buch zeigt, was ich in den ersten Geschaftsjahren verdien: und ausgegeben habe. Vom 26. September 1855 bie zum 1. Januar 1856 verdiente ich danach 200 Mark Davon bezahlte ich die Waschfrau und Pension und sparte etwas Geld. Unter anderem finde ich, daß ich jeden Sonntag vier Pfennige für die Sonntagsichulc gab. Das ist keine sehr große Summe, aber cs wai alles, was ich fur diesen Zweck übrig datte. Ich gab auch regelmaßig, soweit es in meinen Ktäften stand, für andere religtöse Zwecke, and das war mir mne ganzes Leben lang eine Wohltat. Im nächsten Jahi# vermehrte sich mein Einkommen sehr, ich stien sch. auf 100 Mark monatlich. Ich sing an, Kapitalis zu sein, und hatte ich mich selbst so angesehen, wie ina jetzt die Kapitalisten ansieht, so hatte ich mach ale kleinen Verbrecher fühlen müssen, weil ich soviel tneihatte. Aber dankals hatten wir noch keine Truste oder Monovole. Ich bezahlte meine eigenen Nenungen, hatte immer etwas zum Fortgeben und das Gluck, etwas zu sparen. Tatsächlich bin ich setzt nicht so unabhängig wie damals. Naturlich konnte ich nicht elegant gearbeitete Kleider tragen. Ich kaufte sie von einem billigen Tuchhandler, meinen Verhaltnissen ent sprechend. Ich ging keine Verpflichtungen ein, denen ich nicht nachkommen konnte. Jene ganze Zeit habe ich Geld gespart, so daß ich nach wenigen Jahren 400 Mark zurückgelegt hatte. Ein Posten für Kleidung. der vom November 1855 bis April 1850 sast 40 Mark berrägt, einscheint mir hoch... Was bedeutet Geld? Meiner Meinung nach in der Mann der armie in de: Welt, der nur Geld hat. nichts anderes, dem er seinen Ehrgeiz und seine Gedanken widmen kann. Geld ist