Ter Crzuhler. *„„ 0 —— 1901. Schuupfer waren, sind besonders Dosen in Form eines Hornes beliebt. Ein Urteil, mit dem die Frauenrechtlerinnen nicht zufrieden sein werden. In Newark(Newiersey) sand vor einiger Zeit ein Straßenbahn Zusammenstoß statt, bei dem zwei Per sonen, ein Herr Eastwood und Iräulein Verpupp, das Leben einbüßten. Die Väter der beiden jungen Leute strengten naturlich sofort gegen die Nord=Jerseyer Straßenbahngesellschaften einen Schadenersatzprozeß an, und das Gericht sprach Herrn Eastwood 60000 u. Herrn Verpupp 5000 Doll. zu Die Gesellschaft legte Berufung ein, und der Prozeß kam vor kurzem vor Richter Adams in Newark noch einmal zur Verhandlung. Das Urteil war aus einem besonderen Grunde bemerkenswert: er schätzte den Wert des Ledens zweier Menschenkinder von demselben Alter und derselben Lebensstellung, aber von verschiedenem Geschlecht, verschieden ab. Bei den 6000 Doll., die Herr Eastwood bekommen sollte, blieb es,„denn“, so bieß es in der„Nationalzta.“, in der Urteilsbegründung, 10000 Dollars sind nicht zu viel für das Leben eines ungen Mannes, der zu den schönsten Hoffnungen berechtige.“ Dagegen wurden die 5000 Dollars des Herrn Verpupp auf 3000 Dollars berabgesetzt,„weil die Hoffnungen, die auf einen jungen Mann gesetzt werden können, mindestens noch einmal so hoch zu tarieren sind, wie die Hoffnungen, die ein junges Mädchen eingibt.“— Dieses Urteil dürfte allen Frauenrechtlerinnen eine schmerzliche Ueberraschung und Enttäuschung bereiten. Wenn das am grunen amerikanischen Holz geschieht, was soll man da von dem dürren erwarten! Amerika gilt noch immer als das Zion der neuen Lehre von der vollständigen Gleichberechtigung der Geschlechter, aber wenn die Theorie in die Praxis übertragen werden soll, versagt auch das große Gleichheitsband, und die Gleichberechtigung bleibt ein leeres Blatt Papier. Neue Diamantfelder entdeckt. Eine bemerkenswerte Entdeckung von Diamanten im Ganggestein ist in Oatey Creek, zwanzig englische Meilen von Inverell in Neusudwales entdeckt worden. Sachverstän. dige behaupten, das Gestein ware von ähnlicher Bildung wie das südafrikanische Diamantenbett. Zum erstenmal bat man jetzt in Australien Diamanten entdeckt, aber man dat schon lange geglaubt, daß der Bezirk Inverell diamanthaltig ist. Es herrscht eine große Erregung infolge dieses Fundes. Meilenweit ist das Land abgesteckt; man setzt auf die neuen Felder große Hoffnungen. Die Entdeckung in von zwei Schürfern namens Pike und O'Donnell gemacht, die seit sechs Jahren in der Gegend arbeiten. esamts-Nachrichten. Zivilstand des Standeoamtes Bochum. Vom 13. Juni 1901. Geburten: Karl, Sohn des Fabrikers Karl Böhm, Lothringerstraße 3. Maria, Tochter des Lakkierers Albert Körschgen, Rottstraße 9. Hellmut, Sohn des Schlossers Friedrich Huckenbeck. Rechenerstraße 18. Paula, Tochter des Klempners Otto Hetzscholt, Rottstraße 7a. Emma, Tochter des Fabrikers Karl Joest, Adolfstraße 44. Aufgebote: Kaufmann Friedrich Oppermann und Maria Rose, beide Bochum. Bergmann Hermann Müller und Martha Mali, beide Bochum. Sterbefalle. Witwe Christiane Schmidtmann, geb. Löns, 69 Jahre, Baarestraße 6. Christine, 9 Tage, Tochter des Schneiders Heinrich Ortgies, Hermannshöhe 17. Dienstmagd Auguste Krok, 19 Jahre, Scharnhorststraße 6. Schlossergeselle August Wüllner, Wattenscheiderstraße 94. Tochter: Fabrikarbeiter Karl Schubert, Am Maarbach 16. Schlepper Adam Dominik, Untere Haidestraße 19. Klempner Rudolf Osthoff, Feldsieperstraße 16. Fabrikarbeiter Stanislaus Gorzynski, Gahlenschestraße 58. Hauer Ernst Klein, Hernerstraße 49. Platzarbeiter Hermann Springer, Gahlenschestraße 36a. Maschinenschreiner Friedrich Piskorski, Vollbruchsweg 4. Hauer Samuel Nowodworski, Schwarz= bachstraße 4. Hauer Johann Stang, Gahlenschestraße 143. Hauer Wilhelm Dahlbeck, Feldfieperstraße 6. Fabrikarbeiter Friedrich Krone, Wattenscheiderstraße 29. Reparaturhauer Johannes Deis. Am Maar= bach 20. Bureaugehilfe Heinrich Gausmann, Heinrichstraße 2. Eheschließungen. Lehrhauer Johann Tomaszewski, Mühlenstraße 14, und Näherin Johanna Ida, Eickel, Magdeburgerstraße 29. Hauer Wilhelm Schäfers und Lina Wolf, beide Gahlenschestraße 52a. Arbeiter August Breidenbach, Feldsieverstraße 2, und Naberin Franziska Spierzynski, Schulstraße 14 Hauer Johann Lewe, Wattenscheiderstraße 74, und Ferdinandine Bölte, Bochum„Kirchstraße 38. Fabrikarbeiter Franz Romanowski, Hernerstraße 38, und Anna Stolinski, Bochum, Hernerstraße 78. Hauer Anton Kieplowski und Haushälterin Bertha Malkowski, beide Mühlenstraße 126. Hauer Julius Butschkau, Pottstraße 18, und Anna Pfeifer, Bochum, Parkstraße 17. Zivilstand des Standesamtes Hamme. Vom 11. bis 20. Mai 1904. Geburten. Sohn: Lehrhauer Josef Paulus, Hernerstraße 3. Hauer Gustav Napierski, Schmechtingstraße 8. Hauer Franz Backhaus, Wegescheid 9. Hauer Adam Ehrhardt, Wattenscheiderstraße 104. Hauer Andreas Vinders. Am Maarbach 14. Hauer Josef Völkel, Augustastraße 6. Maurer Georg Wurmnest, Hosstederweg 5. Hauer Lorenz Mänz, Schulstraße 17. Fabrikarbeiter Karl Grupe, Südstraße 36. Sterbefälle: Fuhrknecht Josef Mengeringhausen, 24 Jahre, Wattenscheiderstraße 38. Witwe Auguste Schrepping, geb. Ulenbusch, 75 Jahre, Dorstenerstraße 75. Robert Burdack, 5 Jahre, Am Maar= bach 14. Karl Reschke, 4 Monate, Heinrichstraße 24. Ida Emma Mrotek, 3 Jahre, Untere Heidestraße 23. Tagesarbeiter Heturich Espei, 48 Jahre, Hernerstraße 5a. Johann Olschowski, 12 Jahre, Hernerstraße 8a. Berginvalide Johann Böcker, 67 Jahre, Gahlenschestraße 90. Industrie, Bandel und Kurse der Berliner Börse vom 16. Juni 1904. leide. 8% deutsche 3 1/% preug. Consol. 3P.„ Diskonto=Comm. Tredit-Act. =Brauerei Gedr. Müser Geuckan Braueret deck Annene Guß 71, 5 Aplerb. Margaretde=Act. 118.50 Arenderg 779,— Baroper Walzwerk 50.50 Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn=Act. 12.— Bochum. Bergm. I. C. 63.80 Bochumer Gußst. 189.50 Charlottendutte 56,50 Concordia 319.— Consoldation 419,— Dortmund Enscbede— Dortmunder Union I C. 83.— Eschweiler 248.25 Fadrzeugsad Eisenac—.— Friedr=Wildelms=Hutte 116.— Gelsenkirchener Gußst. 94,25 " S##rgwett 217,— Georgs=Marienh. St Act. 107,75 St. Pr. 126.75 Hagener Guß— Harpener 199,10 Privat=Diskont 2 1/2% 102.— 90.10 101.— 90.20 219.10 186.30 161,75 118.50 191.75 128.— 90.50 147,50 Neus, 16. Juni. Weizen, 1. Qualität, trockene Ware, 17.20, 2. Qual. 16.-0 S. Qual.—.— Ml. Roggen, 1.Qual 13, 0 2. Qual. 12,60 Mk. Haser, 1. Qual. 12,40, 2. Qual. 11.40 Mk.(Alles per 100 Kile.) Hen per 50 Kilo 2.50 bis 3,00 Mk. Luzernenden ver 50 Kilo 3.60 Mk. Maschinen= st.oo per 500 Kilo 13 Mk. Flegeldrusch per 500 Kilo 15 Mi artosseln per 5) Kilo 3,00—3.50 Mk. Kartoffeln 3—3,50 Rüdol per 100 Kklo in Partien von 100 Zentner(ohne Faß) 45,— Mk. Rüböl pex 100 Kilo faßweise(ohne Faß) 47,50 Mt. gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Mk. döder als Rüböl. Rübkuchen per 1000 Kilo 90 Mk. Rübkuchen in kleineren Partien 94 Mk. Kleie per 50 Kilo 4,80 Mk. Eter per Schock(100 Stuck.,00 Mr. Butter per Kilo 2.30 Mk. Raodl und Rachen und erändert. §. Vom Finanzmarkt. Auch diesmal bat an allen großeren Börsen die Reic ichleit der flussigen Mittel die ungünstige Wirkung der Geschäftsunlun erheblich abgeschwäct, indes war ihr Einfluß doch nicht so uroß um überall die letzthin zu erhalten. New=York allerdings kann letztere nicht als schlecht bezeichnet werden. Die dortige Börse neigte zwa. nach anfänglicher Leo#h#aftigkeit infolge der Steigerung der Getreidepreise und des den Erwartungen nicht ganz ent. sprechenden Bankausweises zur Schwache, doch brach zum Schluß eine bessere Stimmung durch, die vom Bahnen markte ausgehend sich den übrigen Gebieten mitteilte und schließlich eine Reihe von Deckungskäufen veranlaßte. Weniger angeregi. als vorder, verlief der Verkehr in London. Trotzdem Geid hier noch immer außerordent. lich flüssig ist, läßt sich von einer ernsthaften Beteiligung der Priatpublikums am Geschäft nichts verspüren. Dasselre verdält sich reservient, weil es ern die Wirkung einer Anzahl bevorstehender lokaler#mssionen auf den Geldmarkt abwerten will. Aus diesem Grunde gaben Konsols nach, ebenso konnten sich Minen nicht durchgängig behaupten, und auch fremde Renten, die sich im Anschluß an die Mel. dungen aus der französischen Hauptstadt zuerst besser hielten, zeigten schließlich ein etwas schwrankende Tendenz. Unvedeutender Verkehr, doch im allgemeinen stabile Haltung bildeten in Paris die Signatur des Marktes. Ab und zu griff zwar auf Grund der Meldungen vom Kriegsschauplatz eine pessim stische Stimmung Platz die indes die Grundtendenz nicht allzusehr beeinflußte. Die Prämienerklärung gab Anlaß zu ziemlich umfangreichen Rückkäufen, deren Wirkung sich in erster Linie bei fran. zösischen Renten bemerkbar machte. Minen begegneten auch hier nur sehr geringer Beachtung; für Devise herrschte nuarke Nachfrage zu steigenden Preisen, eine natürliche Folge der Flüssigkeit des Geldes, das im Lande selbst bei den niedrigsten Diskontsätzen keine lohnende Anlage finden kann. Wien zeigte wohl ab und zu das Bestreben, nach oben zu gehen, wozu ein zeiwweiser Rückgang der Getreidepreise und ferner Nachrichten über den Verlauf der Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland Anlaß gaben. Indes blieb die bescheidene Erholung nicht von langer Daver und Gewinnmitnahmen in einer Reihe von Lakalwerten, vornehmlich Alpine, riefen zum Schluß eine recht matte Stimmung hervor. Nach wie vor fehlte es in Perlen an jeder Anregung, um die Spekulation zu reger Beteiligung um Geschaft zu eranlassen, und selbst der außerordentlich billige Sat für lägliche Darlehen, der mit zirko 1¾ Prozent gewsser. maßen einen Retord darstellt, vermochte der Unterneh. mungslust keine Nahrung zuzufuhren. Gleichwohl war anfänglich die Tendenz leidlich fest, und erst gegen Ende machten sich die Folgen der bochsommerlchen Stille in einem langsamen Abbrockeln der Kurse benertbar. Daß deutsche Fonds eine ziemlich stabile Halaufwiesen, erscheimt aus obigem Grunde natürlich. Agegen tounten sich fremde Fonds nicht so gut behaupten, die Ereignisse in Ostasien blieben schließlich nicht ohne Eindruck, und Argentinier gaben auf Gerüchte über dortige Unruhen nach. Bahnen liten weniger unter den allgemeinen Verbältnissen, Amerita sandie bessere Einnahme. ausweise, so daß transatlantische Linien anzogen. Schifffahrtsaktien lagen sehr gedrückt in Hinsicht auf den erbitter. ten Konkurrenzkampf zwischen den deutschen Linien und der unardlinie. Banken fanden diesmal so gut wie gar keine Jeachtung, die meisten Papiere dieser Gautung schließen #nter dem Eingangskurse, auch Kreditaktien, die zuerst oige der Beziehungen dieses Instituts zu der Petrolcum. industrie profitiert hatten, gaben weiterhin nach. Wenn noch in irgend einem Zweige des Verkehrs von Interesse gesprochen werden kann, so ist dies beim Monanmarkt der Fall. Gerade auf diesem Felde machte sich bien eilen ein ausgesprochener Optimisms geltend. der zwar den Umang des Geschafts nicht sonderlich hob, indes fur eine Reihe von Eisenwerten zu Besserungen führte. Die andauernd schlechten Berichte über die Lage des amerikanischen Eisenmarkts begegneten deswegen keiner entsprechenden Wür. digung, weil man dieselben einerseits in vielen Punkten für tendenziös hält, und andererseits in dem ziemlich lebhaften Inlandsbedarf ein Gegengewicht gegen das Nachlassen der Ausfuhr erblickt. In der Hauptsache indes bilden Nachrichten, daß die noch außen stehenden Oberschlesischen Werke in absehbarer Zeit dem Stahlwerksverbande beizutreten g.dächten, sowie daß eine Interessengemeinschaft zwischen Laurahütte und Friedenshütte so gut wie perfekt sei, die Ursache der zeitweisen günstigen Meinung für Eisenwerte. Schwächer als letzthin lagen Kohlen; auch der Kassamarkt zeigt für eine Reihe sonst bevorzugter Werte diesmal Rück. gange. Verantwortlicher Redakteur F. Z. Knappe in Bochum. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckeret. unn Gu.s anr Nr. 136. Gratisbeilage zur Westfälischen Volkszeitung.:] 17. Juni 1904. Furcht vor Strafe. Nachdruck verboten. Immer häufiger werden die Mitteilungen, die davon berichten, daß Schüler aus Furcht vor Strafe in Verzweiflung geraten und sich ein Leid antun, und noch vor kurzem lasen wir in den Zeitungen, daß sich ein 13jähriger Gymnasian aus demselben Grunde das Leben nahm. Dies drängt dazu, den Wert und die Bedeutung der Strafe für die Erziehung, sowie die Art der Anwendung derselben zum Zwecke einer heilsamen Einwirkung auf das Verhalten des Indi viduums näher ins Auge zu fassen. Es ist gewiß richtig, daß die Strafe an sich ein Erziehungs= und Besserungsmittel ist, das leider in der menschlichen Gesellschaft als unentbehrlich erscheint, aber es darf dabei durchaus nicht vergessen werden daß die Strafe, wo sie zur Anwendung kommt, auch so beschaffen sein muß, daß sie wirklich dem gewollten Zwecke dient und nicht schließlich ein noch größeres Uebel anrichtet, als wie es das Vergehen ist, welches durch die Verhängung und Ausführung derselben gesuhnt werden soll Eine Strafe, die nicht im richtigen Verhältnisse zu der zu ahndenden Tat steht und das zutrefesnde Maf übersteigt, ist kein wirkliches Erziehungsmittel. Im Gegenteil, ihre Anwendung in nur geeignet, bei den Bestraften das Gefühl zu erwecken, daß ihm Unrecht geschehen, und wo dies tatsächlich der Fall in, tritt Erbitterung, Trotz, und selbst Haß an die Stelle der Reue und des Vorsatzes zur Besserung. Bei besonders seinfühligen und empfindlichen Naturen bewirkt eine solche Ueberschreitung des gebotenen Strafmaßes aber auch noch etwas ganz anderes. Das ihnen— wenngleich wider Willen— zugefügt eUnrecht verletzt ihr Ehrgefühl, trankt sie und macht sie mitunter so schwermütig, daß, wenn ihnen nicht im rechten Augenblick lindernder Balsam in die schmerzende Wunde geträufelt wird, eine ernstliche Erkrankung und noch Schlimmeres zu befürchten ist. Daraus ergibt sich ganz von selbst, daß der Strafende sich vor allem vom Gerechtigkeitssinne leiten uno zugleich den Bestraften erkennen lassen muß, daß er nur ungern und mit einem gewissen Schmerzgefühl die Strafe anwendet. Des weiteren darf die Strafe nicht als eine Art Gewohnheitsrecht erscheinen, das nach der Schablone ausgeübt wird. Die Strafe muß vielmehr nicht nur der ungehörigen Handlung, sondern auch dem individuellen Charakter des Schuldigen angepaßt sein. Deshalb sagt ein bewährter Jugenderzieher:„Wo ein Wort genügt, da spare Rute und Zwangsmittel, uno wo ein Blick ausreicht, vermeide das harte, strasende Wort.“ Zur Befolgung dieser Mahnung gehört allerdings wahre Menschenkenntnis, echte Menschenliebe und— Selbstbeherrschung. Wo die drei wertvollen Eigenschaften fehlen, liegt die Gefahr nahe, daß die Bestrafung über das rechte Maß hinausgehl und damit ihren moralischen Wert vollständig verliert. Das verdient die größte Beachtung im Hinblick auf die Jugenderziehung, welche bekanntlich keine scha blonenhafte, mechanische Tätigkeit der damit betrauten Personen, sondern eine Kunst ist, die mit voller Hingebung und um ihres erhabenen Zweckes willen mit onnenheit, Klugheit und Umsicht ausgeübt werden muß. Die Jugend soll mit offenkundiger Liebe zur Erkenntnis des Guten und des Bösen erzogen und sich dadurch ihrer Pflicht, die sie im Leben gegen Gott und die Menschen zu erfüllen hat, bewußt werden. Wo hierauf Bedacht genommen wird, werden in den allermeisten Fällen schöne Erfolge erzielt, während die vorzugsweise mit Zwangsmitteln betriebene„Erziehung“ zu keinem sehr erfreulichen Resultate führt, auch wenn sie eine ständige Furcht vor Strafe in den empfindsamen jugendlichen Herzen erzeugt. Achtung, Zuneigung und Liebe den Erziehern gegenüber ist entschieden nützlicher zur Heranbildung von pflichtbewußten Charakteren und Persönlichteiten, als die Furcht, die nicht selten nur das eine bewirkt, daß die Kinder zu Augendienern und berechnenden Heuchlern werden, die im späteren Leben nicht davor zurückschrecken, das Unerlaubte zu tun, wenn sie nur die Gewißheit zu haben glauben, straffrei auszugehen. Darum gilt es, in Haus und Schule die moralische Erziehung der Jugend durch Wort und Beispiel zu handhaben und dabei alles zu vermeiden, was geeignet ist, die jungen Zöglinge mit sich selbst in Zwiespalt zu bringen. Hierzu ist es besonders nötig, daß Haus und Schule sich in der Erfüllung ihrer großen Aufgabe gegenseitig unterstützen, und daß weder von der Schule das Anseyen der elterlichen Autorität, noch das moralische Gewicht der Schule seitens der Familie geschwächt und vermindert wird. Leider wird in dieser Beziehung in der Gegenwart oft gesündigt, indem die beiderseitigen Rechte nicht genügend respektiert werden. Den Schaden davon hat die Allgemeinheit, deren sittliche Kraft und Stärke von der wirklich guten Erziehung der Jugend abhängt, die durch Zwang und Drill durchaus nicht ersetzt werden kann. Möge man das, dort, wo es angezeigt ist, gebührend berücksichtigen und Fehler und Mängel in der heutigen Erziehungsmethode ohne Scheu beseitigen zum Wohle des Volkes und des Vaterlandes! Aus der Zeit. Nachdruck verboten. „Suche für meine Frau Stelle zur Erlernung der Küche und Haushaltung in bürgerlichem Hause. Vereinbarungen mündlich. Näheres unter...“ Diese Anzeige fanden wir kürzlich in einem weitverbreiteten und viel gelesenen Blatte und wurden dadurch zum Nachdenken über den Grund und die Ursache der Veröffentlichung dieses Inserats angeregt. Dabei kam uns natürlich mancherlei in den Sinn, und wir sagten uns, dort, wo ein Mann sich dazu gedrungen fühlt, mit Hilfe der Großmacht Presse eine Stelle zur Erlernung der Küche und Haushaltung in bürgerlichem Hause für seine Frau zu suchen, müssen eigenartige Verhältnisse obwalten; vor allem aber muß der Mann der Ueberzeugung sein, daß seine bessere Hälfte gewissermaßen noch ein Abe=Schütze ist in Bezug aus die edle Kochkunst und hinsichtlich der Fähigkeit, die Haushaltung zu führen. Und was folgt daraus? Nun, entweder hat der Mann eine Braut erkoren, die noch nicht auf ihren Beruf als Hausfrau vorbereitet war, oder aber er ist der glückliche Gatte einer Vertreterin der holden Weiblichkeit geworden, der bis dahin die für das eheliche Leben und das häusliche Glück so hochwichtige Kochkunst und die Kenntnisse zur Besorgung der Geschäfte des „Ministeriums des Innern“ überflüssig erschienen. Auf alle Fälle ist der„Herr und Gebieter“ der Frau der Ansicht, daß sie noch nicht imstande, die von ihr „stillschweigend“ übernommenen Pflichten zu seiner Zufriedenheit zu erfüllen. Und das will schon etwas heißen, da er bei seiner„Flucht in die Oefsentlichkeit“ zeigt, daß er recht bescheidene Ansprüche stellt; ihm genügt es, wenn seine Frau die Küche und Haushaltung in einem bürgerlichen Hause erlernt! Wirklich, der Mann verlangt gar nicht viel, aber auf gute, schmackhafte Hausmannskost glaubt er nicht verzichten zu können; er betrachtet es als sein wohlerworbenes Recht, daß die Gattin Tag für Tag das Erforderliche tut, um seinen„äußeren Menschen" zu restaurieren, und da er außerdem der Meinung ist, daß die Liebe durch den Magen geht, und er die Liebe zu seinem Frauche n nicht erkalten lassen möchte, hat er kühnen Mutes sich entschlossen, Mittel und Wege zu suchen, um dem drohenden Unheil vorzubeugen. Frau, lerne Kochen, lerne den Haushalt in einem bürgerlichen Hause und alles ist bei uns wohlbestellt sagte er zu seiner Fee, und dann ging er hin, und veröffentlichte das uns bekannt gewordene Inserat, unbekümmert darum, was die„Welt“ darüber denken werde. Uebrigens dürfte er manche Schicksalsgenossen unter den„Herren der Schöpfung“ haben; denn gar viele gibt es in unserer Zeit, die ein„holdes Weib errungen“, das sich um die Alltagsgeschäfte im Lelen wenig Sorgen machte und siets der Meinung ur die moderne Frau sei nur dazu da, um mit Anun und Grazie„die Wurde des Hauses“ in eleganter Weise zu reprasentieren. Zu dieser„poctischen“ Ausgabe werden in der Tat zahlreiche Vertreterinnen der holden Weiblichkeit von Jugend an„erzogen“. Die vorsorglichen Eltern, welche einer modern=ideglistischen Lebensanschauung buldigen, scheuen keine Kosten, um ihr Tochterlein in den„schönen Künsten“ ausbilden zu lassen, damnt sie imstande sind, sich geistreich über Tichter und Denler zu unterhalten, am Klavier zu phantasieren und reizend und entzucend ihrer Umgebung die Zeit zu verkurzen und die geist totende, die Nerven erschlafsende Langeweile zu vertreiden. Den Männern, die solche liebliche Wesen zu Lebensgefährtinnen erwahlen, sollen„Rosen auf den Weg“ gestreut werden, und wenn es schließlich anders kommt und die in die Liebesnetze Gesangenen nach Beendigung der Flitterwochen, während welchen es hieß:„Von Kochen findet noch nichts statt, bis heute kußt man sich noch satt“ erkennen, daß sie sich „verbeiratet" haben, dann tragt daran nur das „schrecklich prosaische Leben“ die Schuld, das ein „Schmetterlingsdasein" vorläufig noch keinem gewohnlichen! Sterblichen gestattet. Das„geheimnisvolle Walten des Schicksals" verwandelt den Kreu denhimmel der Ebe in eine öde, traurige Wüste, in der selbst die geistreichen Konversationen und die entzudendsten Klaviervorträge nicht ansreichen, um das „Gluck“ zu erhalten. Der Kochlossel soll das Zevter der so poetisch unz schwarmerisch veranlagten Kie werden, die sich nur dazu berusen süblte, himmlische Rosen ins irdische Leben zu slechten und zu weben., und da stehr sie nun rat und halslos da, und weiß nicht, wie sie mit diesem Bepter umgeben soll! uch. das Leben in doch schwer, und es könnte so schön sein, wenn nur die bösen Manner nicht einen so verwohnten Gaumen und einen so anspruchsvollen Ma gen hätten! Und dazu noch das unselige Verlangen. daß die Frau eine geschickte, umsichtige, sparsame Lei terin des Haushalts sein soll! Da muß das beuc Einvernehmen ja schließlich in die Bruche gehen und der Friede zum Wanderstabe greisen! Wenn doch die Männer es nur einseben wollten, daß die Frauen zu Hoberem bestimmt sind, als Arbeiten zu rerrich ten und Pflichten zu erfullen, fur die dienende Wesen für Geld bei Zusicherung liebevoller Behandlung zu haben sind! Aber trotz allem Fortschritt sind die Manner noch immer eingefleischte Egoisten, Selbstsuchtlinge, die die Frauen noch immer am Herde sehen wollen, die ihnen bunderte von Verrichtungen auf die schwachen Schultern legen! Selbst die gefügig sten unter ihnen, die sonst so lenksamen„Panteifel belden“, welche ihren besseren Halsten zahlreiche Wün sche, die sich auf elegante Roben, moderne Hute usw. beziehen, an den schonen Augen absehen, leiden an Anwandlungen bochn prosaischer Art! Das könnie die ideal veranlagten modernen Tamen veraulassen, es mit einem Streik zu versuchen, um die Manner zur Vernunft zu bringen. Allein der Streik ist ein zweischneidiges Schwert, das großes Unheil anridh ten kann. Unz wenn gar die Manner sich solidarisch erklärten und sich auf Untervandlungen nicht ein ließen! Das gibt den klugen Jungfrauen zu denken, und sie halten dafur, daß es das Beste ist, wenn sie nachgeben und ihr Studium so einrichten, daß sie das Examen in der Kochkunst und in der Führung des Hausbaltes bestehen konnen. Unz daran tun sie wool! Hoch die einsichtigen Vertreterinnen der hol den Weiblichkeit, die sich die Fähigkeit erwerben wahre Minister des Innern zu sein und darnach trachten, den Männern, die sie heimfuhren, den bit teren Entschluß zu ersparen, ihnen durch össentliche Zeitungsinserate eine Stelle zur Erlernung der Kuche und der Haushaltung in bürgerlichem Hause zu suchen! Schreckliche Schiffskatastrophe. Ueber die Newyorker Schiffskatastrephe schreibt die „Frks. Ztg.“ folgende Einzelbeiten: Nach Ausbruch des Feuers an Bord des„General Slocum“ ereigneten sich erschutternde Szenen. aber nur an einem Ende des Schiffes, da bis zum anderen Ende des großen Dampfers die Kunde vom Brande noch nicht gedrungen war, so daß dort die Kinder noch spielten als sich vorne schon alles in Verzweiflung befand. Den an Bord befindlichen schienen nur zwei Wege offen, entweder in den Flammen umzukommen. der ins Wasser zu soringen. Es verging einige Zeit, bevor die erste Hulfe kam, da Hellgate einer der Teile des Newyorker Hafens ist, wo weniger Verkehr ist. als anderswo. Dann aber benahmen sich die Schiffer beldenhaft; sie fuhren bis dicht an den brennenden Dampfer heran und begannen das Rettungswerk. Weniger heldenhaft waren die Männer an Bord des „Slocum“, denn diese sollen rücksichtslos Frauen und Kinder beiseite gestoßen haben, um selbst gerettet zu werden. Auch die Mannschaft des„Slocum“ scheint nicht sehr um die Passagiere bemüht gewesen zu sein, denn nur wenige derselben sinz umgekommen. Die Mutter an Bord des Dampfers stürzten sich mit ihren Kindern im Arme ins Wasser, andere warfen ihre Kinder über Bord, in der Hoffnung, daß die heranfahrenden Retter sie aussischen würden. Wieder andere liefen wie wahnsinnig auf dem Dampfer umher, unfähig, irgend etwas zu ihrer Rettung oder der ihrer Kinder zu tun. Vom User aus wurden Frauen und Kinder gesehen, wie sie sich an den Seiten des Bootes sestklammerten. Der Kapitäu ließ den Dampfer auf den Strand von North Brother Island fahren, als er sah, daß der Brand unmöglich zu löschen sei. Dort brennt das Schiff jetzt noch. Der gerettete Pastor George C. Fv. Haas sagte solgendes: Der Brand kam im vorderen Teile des Schifses, in der Kuche, zum Ausbruch, als wir auf der Höhe der 144. Straße waren. Soviel ich in Erfahrung gebracht habe, wurde das Feuer durch überkochendes Fett verursacht, und das Küchenpersonal rannte, statt das verhältnismäßig unbedeutende Feuer zu loschen, davon. Zu dieser Zeit waren die meisten Frauen und Kinder im rückwärtigen Teile des Schif ses, da dort die Musik spielte. Warum bei Ausbruch des Feuers der Kapitan nicht sofort das Land aufsuchte, ist unverständlich, namentlich da ein frischer Winz dem Schiffe entgegenblies und das Feuer gerade in den Dampfer hineintrieb. Binnen wenigen Minuten war der Brand deraut angewachsen, daß er nicht mehr bewaltigt hätte werden können. Ich war am ruckwärtigen Teile des Fahrzeuges mit meiner Frau und Tochter. Die Frauen jammerten ihre Kinder im Arme an die Brust gepreßt. Manche Mutter hatten drei oder ver kleine Kinder bei sich. Unser Schicksal schien hoffnungslos, denn der Tod durch Feuer oder durch Wasser schienen die einzigen Aus sichten. Plotzlich brach der Brand durch aufs Ober deck, und jetzt ereignete sich die surchtbarste Szenc; denn nun wurden durch die gräßliche Hitze aue noch nicht umgetommenen Menschen in einen Teil des Boo tes zusammengedrangt. Manche wurden unter die Juße getrampelt. Ein Teil des schweren Gelanders gab unter dem Drucke nach, und virle fielen dann ins Waßser, wahrend Dutzende freiwillig hinabsprangen. Jetzt konnten wir Boote die sich nahten, sehen, und eine schwache Hoffnung lam. Meine Frau, Tochter und ich wurden in diesem Augenblicke über Bord ge drangt. und als ich wieder auftauchte, sah ich Hun derte im Wasser, die versuchten, sich oben zu halten. Das graßliche Jammergeschrei werde ich nie verdas ich da hörte. Ich konnte mich kaum über Wasser halten, sab mich aber nach meinen Angehöri gen um, ohne sie finden zu konnen. Meine Kraft verließ mich bald, ich wurde ohnmächtig und erwachte erst wieder als ich in einem Boctr war General Slocum“ war einer der größten Exkursionsdampfer im liesigen Hasen und stets in Anspruch genommen. Die Mannschaft bestand aus 23 Köpfen, außer den Bediensteten im Restaurant. Der Dampfer war vor 18 Jahren in Broctton gebaut, batte 1281 Tonnen und war 263 Fuß lang. Einr Stunde nach Ausbruch des Brandes trieben die ersen Leichen auf North Brother Island an. Manche der kieinen Umgekommenen hielten sich noch im Tode umarmt, sie waren augenscheinlich zusammen über Bord gesprun gen. Nur wenige Kinder waren mit Rettungsgur teln versehen. aber diese hatten in den Sirudeln von Hellgate, welche Untiesen als gefährlich bekannt sind, nicht genutzt. Viele Personen sprangen erst ins Wasser, als ihre Kleidung schon Feuer gesangen hatte. Manche sind im Krankenwagen oder im Hospital gestorden. Das Ungluck wurde am User zuern bekannt, als die Damrspfeise des„Slocum“ ohne Aufhören erionte. Im ganzen oberen Teil der Stadt konnte man das kreischende Gerausch vernehmen. Ungeheuere Menschenmassen sammelten sich am Fuße der 13 Straße an. Die Polizei hatte 600 Uniformierte sowic 80 Detektivs ausgeboten sserner wurden 200 Polizei= und Schularzte an Ort und Stelle gesandt, sowie auf den Fluß alle Polizeiboote, die Ilotille der Saniatsbeborde und sonstige der Stadt zur Versugung stebende Fahrzeuge. Die Polizei verhaftete den Kapitän van Schaick vom„General Slocum“ sowie den zweiten Loisen Weaver. Der Kapitän wurde sehr getadelt, weil er das Schiff nicht an der 134. Straße oder in der Nachbarschaft derselben an Land trieb, anstatt auf das eine Viertelmeile entfernte North Brother Island. Der Kapitän sagt, er habe dies zuerst tun wollen, indessen seien in jener Gegend viele Oelniederlagen und Holzhöse ,und einige Leute seiner Mannschaft hätten ihn gewarnt, da dort die Wahrscheinlichkeit des Menschenverlustes noch viel größer würde, als wenn er das Schiff nach der Insel brächte. Der Kapitän ertlärt, die Rettungsboote seien verbrannt, bevor die Mannschaft Gelegenheit gehabt hätte, sie ins Wasser zu lassen. Kurz vor 1 Uhr sank das Wrack des„Slocum“, und bevor die Wellen über das Fahrzeug zusammenschlugen, sah man etwa hundert halbverkohlte Leichen von Frauen und Kindern auf demselbea. Die Passagiere des Schiffes waren fast ohne Ausnahme Deutsche, da die Kirche gerade im Herzen des alten deutschen Distrikts auf der Ostseite liegt. Die Bundesbehörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Das Gemeindemitglied Emil Berger erklärte, er habe versucht, die Rettungsboote loszumachen, als der Brand ausbrach, indessen war dies unmöglich, weil dieselben mit starken Stricken festgebunden waren und außerdem der Anstrich derselben als eine Art Kitt wirkte, so daß sie nicht zu bewegen waren. Polizeiinspektor Albertson erklärte, die Zahl der Toten schwanke zwischen 400 und 500. Es waren im ganzen 966 Zulaßtarten zur Erkursion verkauft worden, indessen waren sehr viele kleine Kinder an Bord, für welche Karten nicht nötig waren. Drei Pollget boote sind damit beschäftigt die Leichen aus dem Dampfer zu bergen. Indessen werden wohl Taucher herangezogen werden müssen, da nur ein kleiner Teit des Wracks über die Wasserfläche hinausragt. Nachmittags waren etwa funfzig Boote auf der Suche nach Leichen; fast durchweg wurden solche kleiner Kinder geborgen. Es ergab sich, daß manche Leichen unzweiselhaft gesunken sind, die erst nach Tagen an die Oberfläche kommen dürften. Ein Polizin ertrank, nachdem er zwölf Personen gerettet hatte. Die Polizeistationen und Leichenhäuser in der Nachbarschaft der Unglücksstatte sind umlagert von Tausenden, da don die Toten vorläufig ausgebahrt werden. Immer neue Vermißte werden im Zentralburcau gemeldet, so daß die Liste derselben auf 500 angeschwollen ist, abgesehen von den schon identifizierten Leichen. Eine große Anzahl Verletzter wurde nach Pisers Islanz gebracht, indessen starben dort 53 unter den Handen der Aerzte. Ein Gang durch den demschen Tistrikt an der unteren Ostseite zeigte mir allenthalben tiesste Trauer. Fast alle Geschäfte sind geschlossen. In der Nähe der Markuskirche harrt eine große Menschenmenge, welche begietig den letzten Nachrichten über die Katastrophe lauscht. Die gegenwäntige Zahl der Opfer in den Hospitälern betrat 300. Meh rere Ueberlebende versichern, die Schnüre an den Renungsgürteln seien versault gewesen. 408 Leichen sind nach der letzten Angabe gevorgen. Es werden immer noch Leichen gesunden. Die letzte Schatzung der Umaekommenen beziffert sich auf 600. Der japanische Beutezug gegen die russischen Robbenbrutplätze, Zu den am eisersuchtigsten bewachten Schätzen der russischen Krone gebören die großen Robben= und Sceotterbrutplätze auf den Inseln im Ochotskischen Meer und an der Küste von Kamtschatka. Als in den Jahren 1854 bis 1855 während des Krimkrieges die russischen Kriegsschisse, die diese wertvollen Brutplätze bewachen, zurückgezogen werden mußten, beutete eine Flotte unternehmender Schifse, meist amerilanische Walftschränger, sie aus. Viele brachten kostbare Pelzladungen mit; so erlangte eine kleine amerikanische Bark 55000 Robbenfelle, die alle zu ungewöhnlich hoben Preisen auf den Londoner Markt gebracht wurden; denn der Krieg hatte die regelmäßigen russischen Lieferungen abgeschnitten. Die Brutplatze waren für einige Zeit tatsächlich zerstört; es dauerte Jahre, ehe die russische Regierung wieder Pelztiere, die sonst so reichlich auf den Inseln zu sein pflegten, toten konnte. Allmählich wurden jedoch die Brutplätze durch sorgfältige Bewirtschaftung wieder hergestellt; aber erst 1875 konnten die Bevörden wieder Tiere in geringer Anzahl töten lassen, Von dieser Zeit an zeigte die Robbenberde ein ständiges und gesundes Wachstum wenn die russische Regierung auch bei der großen Kühnheit der Robbenwilderer, die sich in Japan ausrüsteten u. unter amerikanischer, britischer, bolländischer, deutscher schwedischer usw. Flagge segelten, sehr wachsam sein und wahrend der Brutzeit vier bis acht Kriegsschiffe dort halNr. 136 Der wrzasler. 1901. ten mußte. In den letzten Jahren hat die„Kami schatka=Gesellschaft für Industrie und Handel“ nach den Angaben eines englischen Korrespondenten, durchschnittlich jährlich etwa 25000 Robbenselle im Werte von 3000000 Mk. und 200 bis 300 Seeotterselle, die se 5000 Mk. durchschnittlich wert sind, erhalten. D besten Otterfelle sind dabei nie auf den Markt ge kommen; sie sind immer für die russische Kaisersamill eingefordert und abgeliefert worden. Seit Jahren schon haben die japanischen Seeschiffer verlangend an die reichen Schätze der russischen Inseln geblickt, abe sie mußten sich mit der mageren Beute begnügen die außerhalb der Grenze von dreißig Meilen vir der Küste für sie absiel. Gelegentlich wagten sich wol kühnere Gesellschaften in das verbotene Gebiet; aber sast immer erschien, wenn sich ein Schoner den Brut plätzen genahert hatte, eine Rauchsäule hinter der nächsten Landspitze, ein Kreuzer kam mit sechzehn Knoten Geschwindigkeit herbei, es fiel ein Schuß, u wenige Tager später befand sich die Mannschaft an Bord eines Dampfers nach Wladiwostok. Es dauerte viele Jahre, ehe die Leute zu ihren Freunden in Japan zurückkehrren, und dann erzählten sie Schreckensgeschichten von der Behandlung, die ihnen widerfahren war. Jetzt ist Rußland wieder in einer ähnlichen Lage wie vor fünfzig Jahren, seine Be sitzungen in Sachalin, im Ochotstischen Meer, auf Kamtschatka, der Kupfer= und Bering=Insel sind ungeschützt. Kein Kriegsschisf wird in diesen die zahlreichen javanischen Schisse bedrohen oder kapern, die sich jetzt ausrünten um der russischen Krone dieses kosbare Juwel zu nehmen. Rußland kennt diese Gefahr, ist aber hilflos. Es verfügt über kein Schiff, um die Eingeborenen auf den verschiedenen Inseln in dem Kampfe zu helfen. Zudem werden zwei große tapanische Kreuzer die Robbenfischerflotete zum Schutze begleiten. Ueber 200 Schiffe werden an diesem Zuge beteiligt sein, und der Wert der Pelze und Fische wird sicherlich über 30000000 Mark betragen. Unberechenbar ist der Schaden, der den Brutplatzen zugefügt werden wird. Viele Eigentümer dieser Schiffe haben mitRußland noch eine alte Rechnung zu begleichen; in diesem Jahre werden sie die gunstige Gelegenheit wahrnehmen. Vor einigen Jahren erließ die russische Regierung neue und strenge Gesetze über den Lachsang in den Flussen Sachalins und Kamisch##las. Dieses Gewerbe war von den Japauern begründet worden; aber nach den neuen Ge seyzen dürfen nur Russen fischen, und Lachse durfe nur 2 Meilen außerhalb der Flutzmundungen ge sangen werden. Die japanischen Schisse dursten nachdem sie eine Lizenz erhalten hatten, zu den ver schiedenen Flufsen fahren und den Jang der Russer kaufen; aber sie durften nicht selbst sischen. Da jedoch die Russen die Fische sast immer verstümmelten un beim Räuchern auch anderweit beschädigten, konnten die Schiffe tatsächlich keine Ladung erhalten. Da kan ein Russe aus Charbarowst nach Japan, und bald flüsterte man sich zu, er ware ein intimer Freund der Verwaltungsbeamten in Charbarowsk. und man könne ihn besuchem Naturlich„besuchte“ ihn fast jeder, der mit der Lachsfischerei zu tun hatte, und für eine Summe von 4000 bis 6000 Mk. bekamen die Schiffe besondere Erlaubnis, in den Flüfsen zu sischen und tatsachlich alles zu tun, was sie wollten. Befriedigt fuhren die japanischen Schisse ab, da sie sich vollkommen sicher fühlten. Das Fischen ging lustig vor sich, die Schisfe waren mit ihrer Saison fast fertig, da kam plötzlich das Kanonenboot„Mand schur“ und bemächtigte sich der 57 Fischschoner, weil sie die Fischereigesetze übertreten hatten. Die Schisse wurden mit einem Tau festgebunden, die Fische beschlagnahmt und die Mannschaft nach Wladiwostok zur Verhandlung gebracht. Auf die Klagen gegen den Rufsen, der die Erlaubnisscheine an die Japaner per kauft hatte, wurde dieser verhaftet; aber nach einer Woche wurde er wieder freigelassen und die Sache wegen Mangel an Beweisen abgewiesen. Die ubrigen Schiffe der japanischen Ilotte, etwa fünfzig, werden Robben oder Secottern jagen. Die SecotterBrutplätze am Nordende der Kupferinsel sind die reichsten der Welt. Hier finden sich wenigstens 1000 bis 8000 Seeottern; es gilt als fast sicher, daß die Japaner drei Viertel davon erhalten werden und dazu 80 000 bis 100000 Robbenfelle von den verschiedenen Brutplätzen. Zum erstenmal seit fünfzig Jahren werden also auch die bis jetzt nur für die russische kaiserliche Jamilie ausgewählten konbaren Felle auf den Markt kommen. Angesichts des tobenden Kampfes, welcher nun bald acht Tage im Gange ist, interessiert die Frage ungemein: wie in Port Arthur besestigt und welchen sert mogen die Werke gegenüber den modernen Wassen des Gegners besitzen? Die Stadt liegt tie und besitzt keine Umwallung; dagegen wird sie von allen Seiten von bedeutenden Höhen umschlossen, auf welchen die Hauptwerke angelegt sind. Da i zuern im Süden der Stadt gegen die See vorgelagert der ca. 400 Meter hohe goldene Berg. welcher sehr stark befestigt in. Am User vorgelagert liegt die Batterte: Goldene Klivpe“, an diese reihen sich ostwarts noch 1—5 in Felsen eingehauene Batterien an. Gegenüber der Haseneinfahrt streckt sich die Tigerhalbinsel hin, ebenfalls von schweren Batterien gekrönt. In dieser Sudfront liegt die Hauptverteidigung gegen die See und sind bei allen Angrissen der japanischen Flotte in Tatigkeit getreten. Den Schwerpunkt der Verteidigung nach der Landseite bildet der Kilungschan=Rucken, im Norden und Osten der Stadt; diese Besestigungsgruppe wird von den Russen die Drokonowstposition genannt. Die Frontlange beträgt etwa 4 Kilometer und bildet eine heste mit zwei großen nas nenn kleineren Werken. Im Norden anschließenz nach Wenen liegt der Joschan, welcher von sunf sarken Jorts gekront in. Die Westseite der Stadt iu bedeutend niedriger; die verhältnismaßig schwachen Werke, liegen auf dem Sunschanrucken und sollen nur vor einer Umgehung schutzen. Soweit bekannt ist, sind dir aroßeren Werke auf der Tigetschwanzhalbinsel betoniert und stellenweise auch nevanzert, armlett mit ca. Geschugen schwersten Kalibers. Die Ostfront ist mi ca.### Geschuren besetzt, welche zum gröberen Teil aus Mintmalscharten wirten und zum Teil in kasemartierten, betonterten Mauerwerken ausgestellt sind. Der bei weitem nroßte Teil der Jettungsartillerie steht in offenen ECrdwerken und schietzt über Bank; wenn auch die Jahl der Posttionsgeschutze auf rund A angegeben wird. zu denen voraus#chtlich auch noch die schwere Artillerie der Panzerschitfe hinzutrin, so leidet trotzdem die Wehrtraft der Fesung an dem Uebelstande, daß die Geschutze dem indtrekten Jeuer der modernen sapanischen Antillerte schutzlos preisgegeben sind. Allerlei. 40 000 Mark für eine Schuupstadaldose. Wie aus London berichtet wird, erzielten im Verlauf einer Versteigerung der Sammlung des Herzogs von Cambridge am Freitag besonders eine Anzah Schnupftabaksdose ganz außerordentliche Preise. Meit großem Beifall wurde es von dem zahlreich erschienenen Publikum ausgenommen, als eine goldene Schnupftabaksdose im Stil Louis XV. mit Soielszenen in volychromer Emaillierung für 40000 Mt verkauft wurde. Einc ovale Schnupitabatdose. emailliert und getrieben, brachte 32 1000 Ml., andere. sehr schöne Exemplare, aus der Zeit Ludwigs XV. und XVI. wurden für 14 00 Mr., 13 100 Mf., 10000 Mt. und 920 Mk. verkauft. Etwa") Dosen brachten es über 20/0 D. das Stuck. Gerade in der letzten Zeit war öfter von so hohen Preisen fur Schnupftabatdosen zu berichten, die sich jetz: einer besonderen Gunst der Liebhaber erfreuen. Ihren Hauptwert verdanken diese Dosen oft auch den geschichtlichen oder romantischen Erinnerungen. In den Tagen, da die Schnupftabakdosen noch zu den unentbehrlichen Bedürfninen der eleganten Welt gehörten, wurde die abrilation dieser zietlichen kleinen Zauchen mit noßter Sorgfalt betrieben, und die Versertiger wa. ren äußers findig immer neue Motive für die Dekoration zu octwenden oder sie sonst originell zu machen, sodaß auch der wahlerischste Schnupfer unter den oft sehr merkwürdigen Dosen eine seinen Wünschen#prechende finden konnte. To gab es neben den ann, bei denen die höchst kunftvolle Arbeit die anschnleen Preise rechtfertigt, auch manderlei Kuriotitaten. Leute, die eine besondere Vorliebe für das Schauerliche hatten, konnten sogar Tabaftdosen aus dem Holze des Schafsots dem Stuhle, auf dem ein Morder gesessen, oder aus einem Gegensand seines Hauses bekommen. Fur Sportsleute fertigte man Tosen, an denen Jagdszenen im kleinen dargestellt wurden. Secleute ließen sich Doven ans den Valken geschichtlich bekannter Schiife anfertigen; das Holz des„Royal George“ mußte mehr als einwal dazu herhalten. Ganz besondere Kunstferngkeit und Aufmerksamkeit bis ins kleinste wurde aber auf die Wiedergabe von Schlachtszenen verwandt, um diesen bei den Soidaten 15#cliebten Dosta einen beionderen Reiz zu verleiten. Bei den Schotten, die gro##e