7 * = 10. 2* S K„ 26 #RRRRRRRARAN = —— Nr. 130. Der Erzähler 1904. Koch doch schon einmal in Elberfeld oder Barmen ge] Wegen einer hofischen Intrigue nahm er 1887 den worfen, während er in einem zweiten Gange, nachdem Abschied und blieb bis 1891 außer Dienst. Eine der Koch aber bereits eine halbe Stunde mit einem an= ersten Regierungshandlungen Nikolaus II. war, den deren starken Gegner gerungen hatte, dem noch ganz] verdienten General in eine hohe Stellung zu bringen. frischen Eberle unterlag. Wir entsinnen uns, daß schon vor Jahren, als der bekannte Hamburger Abs noch auf der Höhe seines Ruhmes stand, ähnliche Mitteilungen über„Machenschaften" und„Unebrlich keiten“ beim Ringen laut wurden. Es kann natürlich nicht immer der dem Publikum sympathischste Ringer Sieger sein, sondern es kommt eben auch hier außer körperlicher Tüchtigkeit auf gewisse Zufälligkeiten an Deshalb sagt Lomberg, der Leiter der Ringspiele in Berlin, in einer Broschure, die er als Entgegnung auf die Anschuldigung gegen Koch und Eberle erscheinen ließ, u. a. ganz richtig:„Ein vernunftiger Mensch muß sich denn doch die Frage vorlegen, wie ein Ringkämpfer von bedeutendem Renommee dazu kommen sollte, irgendwelchen Schwindel auszunben. Tatsachlich liegen die Verhältnisse so, daß ein Ring kämpfer der durch die ihm innewohnende Naturkraft, durch jahrelangen Training und Uebungen sich einen Ruf. oft sogar einen Weltruf, erworden hat, immer bestrebt sein wird, der Erste in seinem Beruf zu sein Wenn es ihm beifallen sollte, durch eine unfaire Handlung sich einen augenblicklichen Gewinn zu verschaffen, so wurde er sich andererseits in seinem Erwerbe derartig schadigen, daß er in seinen Gagebezugen und Engagementsverhältnissen in letzter Linie doch bedeutend geschadigt wurde, ganz abgesehen davon, daß er beim Publikum jedes Vertrauen einbußen wurde und müßte. Der Ausgang des Entscheidungskampfes, der so vielfach besprochen wurde, hatte übrigens seinen guten Grund. Eberle war nicht besonders disponiert, er hatte bei dem Kampfe mit Omer de Bouillon einen außergewöhnlich starken Stoßz mit dem Ellenbogen in die Herzgrube erhalten. der seine Leistungsfähigkeit sehr stark beeinträchtigte. Einem Ringer darf natürlich niemals etwas fehlen, er muß in jedem Augenblick immer vollkommen leistungsfähig sein— wenn ein Rennpferd unterliegt, werden dagegen immer tausend Grunde für die Niederlage angefuhrt. Die körperlichen Schmerzen und seelischen Affektionen, die den Ringkämpfer betrefsen können, werden ganz außer Acht gelassen. Wenn nun auch ein Ringer, wie dies bei Eberle tatsächlich der Fall ist, sich in bester Form befindet, so kann ihn doch eine körperliche oder geistige Indisposition zwingen, in der Desensive zu bleiben, und kann es dann wohl passieren, daß er einem ebenfalls erstklassigen Ringer unterliegt." Jetzt wird nun wohl die Beborde die gewunschte Aufklärung in dieser Angelegenheit verschaffen, die um so wünschenswerter ist, als sonst die so beliebten Ringkämpfe völlig in Mißkredit kommen und als Schwindel angesehen wer. den dürften. Im Interesse der Sache läge es auch wenn den sogenannten Unternehmern schärfer auf Am 30. Mai, also 4 Tage nach der russischen Niederlage bei Kintschou, hat nördlich Port Adams ein an sich belangloses Gefecht zwischen den beiderseitigen die Zinger gesehen und bei jeder Ringkampstonkur; neueren Gerüchte von einem gevlanten Entsasver. such Port Artburs erscheint indessen dieses Gefecht renz möglichst vom Publikum gewählte Sachverständige und Unpartetische als Richter gewahlt würden General Graf Keller. Nachdem Alereiew das Oberkommando über die mandschurische Armee an Kuropatkin abgetreten nicht mehr so bedeutungslos. Wahrend die Armee des Generals Oku den zurückgehenden Russen auf Port Artbur gefolgt ist, haben neugelandete japanische Truppen von Pitszewo her einen starken Gürtel quer über die Liautong=Halbinsel— etwa von Pitszewo(rechter Flügel) bis Port Adams(linker keiversammlung war sehr stark besucht. Im ganzen waren i vert#eten. Der Vorsitzende, Herr Karl Zeitarl ans Berlin, batte außer seinen eigenen 6s Kuxen i r g r o ß e Z a h l z u r V e r t r e t u n g, s o d a ß b e i e i n e r e v e n Abstimmung die Freunde des jetzigen Vorstandes die Majorität gehabt haben wurden. Die Gegenpartei berief sich deshalb gleich zu Beginn der Sitzung auf§ 4 Abf. 11 des Statuts, welcher lautet:„Scheiden Mitglieder des Vorstandes durch Tod. Niederlegung oder Aufkündigung des Mandates oder aus anderen Grunden aus dem Gruben. vorstand aus, so bilden die übrigen Mitglieder bis zur nachsten ordentlichen Generalversammlung den Grubenvorstand." Da die ordentliche Generalversammlung bereits am 11. Mai stattgefunden habe, so habe— wie die Gegner des Grubenvorstandes ausführten— der Grubenvorstand gar nicht das Recht gehabt, die beutige Versammlung zu berufen, und alle erwa gefaßten Beschlusse seien ungultig. Die heutige Versammlung habe nur durch den zuständigen Nevierbeamten einberufen werden konnen. Der Vorstand bedauert, daß man ihn darauf nicht früher aufmerksam gemacht habe, gibt aber die Richtigkeit des Protestes zu und schließt obne Resultat die Versammlung. Eine neue Versammlung soll durch den Revierbeamten im Juli einbe. rufen werden. Paderdorner Bank, Paderborn. Wie zuverlässig verlautet, sind unter den Aktionären Bestrebungen im Gange, die Organe der Verwaltung bezw. den Aufsichtsrat für die entstandenen Verluste rearesoflichnig zu macher. Soweit sich die Sachlage bie jetzt übersehen läßt, ist diese Bestrebungen eine Aussicht auf Erfolg nicht abzusprechen. * * Kolner Pferdemarkt vom 9. Juni. Auftrieb vom S. und 9.: 950 Arbeitspferde, 527 Luruspferde, 3 Fohlen. 5 Esel. Geschäft ruhig und nur mäßig belebt. Für bessere Pferde wenig Nachfrage, da sich hierbei insbesondere das Fehlen der sonst gewohnten Aufkäufer für Industriezwecke bemerkbar machte. Köln. 9 Juni, Schlechtoiehmarkt. Aalicher Bericht.) Auftrieb: 947 Schweine, a. Vollfleischige d. feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1¼ Jahren Mk. 53, vorgezeichnete Mk. 54, d. Fleischige 51 2, p. Gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 45—49 die 50 Kil. Lebendgewicht mit 20—22 Prozent Tara. Flon und früh geräumt. Köln, 9. Juni. Rüböl(in Posten von 5000 Kg.) 49,00 B. Okt. 47,50 B. 47,00 G. Fruchtmarkt. Hafer 13,00, Heu 6,20—8,40, Maschinenstrob(Roggen) 3.10 Richtstrob(Flegeldrusch) 3,30, Krummstroh 2,50. * * Neuß. 9. Juni. Weizen, I. Qualität, trockene Ware, 17,20, 2. Onal. 16.20 3. Qual.—.— Ml. Roggen, 1.Qual 0 2. Qual. 12,60 Mk. Haser, 1. Qual. 12,40, 2. Qugl. 11.10 Mk.(Alles per 100 Kilo.) Heu per 50 Kilo 2,50 bis 3.00 Mk. Lizernenheu per 50 kilo 3,60 Mk. Maschinenstroh per 500 Kilo 13 Mk. Flegeldrusch per 500 Kilo 15 Mt Kartoffeln per 50 Kilo 3,00—50 Mk. Kartosfeln niedriger Rudol per 100 Kilo in Partien von 100 Zentner sohne Faß 45,75 Mk. Rüböl per 100 Kilo faßweise oone Faß) 47,25 Me. gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 dr döher als Rüböl. Ruhkuchen per 1000 Kilo 91 Mk. Rübluchen inkleinere: 90.—Mk. Kleie per 50 Kilo 5,— Mk. Eier per Schock(100 Stuck, 7.00 uuk Butte: per Kilo 2.30 Mk. Rus###l Kachen unverändert. 3. 2 deutsche Reichsanleihe. %% deutsche Reichsanl. 3½% preuß. Consol. 3% Deutiche Bank hatte, wurde auf den Wunsch des Letzteren der von gstesewo stcce. ei### zini, P#t#c“ Tistonto=Lomm. — Bananern nettants(Gamaa Flugel)— Front nach Norden gebildet, diese Trup=sEßse er Credit=Act. und iun sine Stelle Graf Keller zum Kommandeur kangnschen Armne angehören. Auf russischer Seite besteht naturlich das richtige Gluckau Brauerei Bestreben, den Weg nach Port Trthur so weit wie möglich, offen zu halten und die Belagerungsarmee,## wenn angangig, im Rücken zu beunruhigen.. Aplerb.Margaretbe=Act. 118.50 neral Oku hat für seine Armee Talienwan und Dalni Arenberg 776, zur Operationsbasis gemacht; es wird die Aufgabe der varoper Walzwerk 53, 10— 90.10 101.90 90,10 180.30 161.60 115.25 190,— 129.— 90.25 147,50 0.15 Armee sein, diese beiden Hasen von der Landseite zu schützen. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, wenn.##n. man annimmt, daß die russischen Truppen, welche bei Dochumer## Cburlottenhutte Sochum=Gelsenkirchener Straßenbahn=Act. 128,— Bochum. Bergm. L. C. 190,50 Wanfankou gekämpft haben, die Avantgarde eines K#ardig„ 320.— Entsatzkorps ist, welches ja unter General Stakelberg gohsoldation 418.25 bei Kaiping versammelt war. Dortmund Enschede— — Dortmunder Union L. C. 83.— * Rheinisch=Westfälischer Kuxenmarkt. Tagesbericht Eschweiler—.— des Bankhauses Hermann Schüler Benum. Jurm, den Fahrzeugsab Eisenach—.— 9. Juni 1904. Die Tendenz auf dem Koblenturenmarte Friedr=Wilhelms=Hütte 116,80 int fest. Schwere Werte bleiben zu unveränderten Kursen Gelsenkirchener Gußst. 96,— Dorstfeld 12 500 G., König Ludwi 25 100 G., und Mont Cenis 17 400 G. Mittlere Werte still; nur Friedlicher Nachbar 7850 G. zu steigenden Kursen gesragt. Leichte Werte ohne Interesse. Kaliwerte ab. bröckelnd. Erzkuxe still. Nur Bautenberg und Eiserner der II. Division ernannt. Graf Feodor Keller hat Union gefragt. sich im russisch=türkischen Krieg im Stabe Skobeleffs! Gewerkschaft Freie Vogel und Unverhofft in Hörde. als Administrator und Truppenches sehr hervorgetan. Die am Mittwoch stattgefundene außerordentliche Gewer. Bergwerk 217,80 Georgs=Marieny.## Act. 108.25 Sr. Pr. 128,— Hagener Guß— Harpener 199,90 Privat=Diskont 2.%% Verantwortlicher Redakteur F. Z. Knappe in Bochum. Verlag und Rorationsdruck der Märkischen Vereinsdruckeret. — — Täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt Cräume find nicht Caten: Ohne Brbeit wird dir nichts geraten. Bei der Arbeit rechtt Beginnen, Belm Senlegen rechte: Schluß. Nr. 130. Gratisbeilage zur Westfälischen Volkszeitung.]s 10. Juni 1904. Der Schatz von Chorburns. .. Von Frederick Boyle. Verdeutscht durch E. Deichmann. (Nachdruck verboten.) „Folgt dem Ufer“, ries Eldred.„Laßt Euer auf das Wasser hiunterfallen!" Sie hatten einen Umweg zu machen, und die pech schwarze Dunkelheit umhüllte ihn nochmals. Obgleich völlig ungeubt im Rudern, trieb seine ungeheure Stärke dennoch das Boot schnell vorwarts. Als hoch oben ein kleiner Lichtpunkt wieder erschien und einen schwachen Strahl herabsandte, erblickte Eldied etwas ließ seine Ruder los und griff darnach Er unterschied die Kleidung eines Mannes und mit einem gewaltigen Ruck zog er ihn ins Boot — den leblosen Körper von Arthur Mendel. Aber das war das Aufkreischen eines Weibes gewesen, wel ches dem Schrei vorherging. Er ruderte weiter, fand jedoch nichts mehr. Die ganze Dienerschaft mit Ausnahme von Frau Godseff erwartete ihn am Fuße der Sturen. Sie trugen den Körper hinauf, während Pearson und andere die Nachforschungen im Wasser wieder aufnahmen. Mendel begann Anzeichen des zurücktehrenden Lebens von sich zu geben, und, auf dem Tisch der Halle ausgestreckt, öffnete er seine Augen. „Alle aus dem Zimmer hinaus!" riei Eldred. „Nun, was ist dies eigentlich? Waren sie allein?“ „Nein! er stieß uns zusammen hinunter! Ich schwöre vor Gott, daß sie unschuldig war! Wo ist sie?“ Eldred nahm sich nicht die Zeit, ihm zu antworten. Wieder die Stufen hinunterlausend und seine Leute leidenschaftlich herbeirufen, ergriff er die Stangen u. Haken, deren Anschaffung Kathe mit so seltsamer Vorahnung ihm geraten hatte. Das Boot schoß eilig heran— er sprang hinein und tauchte die Haken vorn ins Wasser. „Wir werden so wahrscheinlich mit den Haken in irgend ein Stuck Holz stoßen“, wagte Pearson zu bemerken.„Besser, Sie nehmen sie ins Boot und lassen sie erst wieder ins Wasser an der Stelle, wo Sie Herrn Mendel fanden.“ Eldred folgte diesem Rat und ließ, soweir er sich der Stelle erinnerte, die Haken ins Wasser nieder Schon der erste Versuch war erfolgreich. Käthes Körper wurde an die Oberfläche gezogen und sorgfältig ins Boot gehoben. Sie ruderten schnell ans Ufer, aber Eldred wutzte, daß keine Bemühungen die Ertrunkene wieder ins Leben zurückrufen würden. Er hatte gehofft, es eine Zeit lang geheim halten zu können, aber Artbur war aus dem Hause getaumelt und erwartete sie auf der Terrasse. Die nun folgende Szene läßt sich mit Worten nicht beschreiben. In seiner Seelenqual selbstanklagerischen Grams und fruchtloser Reue hätte Arthur sich beinahe wieder ins Wasser gesturzt, aber sie fuhrten ihn gewaltsam ius Haus zurück und ließen ihn dort unter der Obhut seines Dieners. Frau Godseff war ausgestanden und erwartete sie zitternd und blaß, aber entschlossen. Ihr wurde der Leichnam überantwortet. Dann ging Eldred den Gartenpfad hinunter. Wie er erwartet hatte, stand die Tur offen. Die Lampen des Dotumentenzimmers leuchteten mit mildem Schein durch die Gardinen, aber sein mehrfach wie derholtes Klopfen an die Scheiben blieb unbeantwor tet. Nachdem er das Signal mehrfach und immer lauter wiederholt hatte, begab er sich nach dem hinte ren Eingang des Hauses. Heir Esking war zweisels ohne zu Bett gegangen und hatte nur vergessen, seine Lampen auszulöschen. Das Bellen der Hunde war vielleicht wirksamer, die Dienerschaft auszuwecken, als sein vorsichtiges Klopfen, denn er fürchtetc, Hilda zu wecken. Endlich öffnete sich ein Fenster und Arm strong fragte zornig:„Nas int da los?“ Er ließ Eldred ins Haus, und sie gingen zusammen nach dem Dokumentenzimmer. Die Tür war von innen verschlossen, der Schlüssel steckte im Schlüsselloch— sie begennen ein Unglück zu furchten. Armstrong ging nach dem Schlaszimmer und fand es leer— blickte in den Salon und sand Frau Fanshawe in einem Lehnstuhl schlasend; die Haushalterin hatte sie übersehen und es vergessen, sie zu wecken. Leise die Tür wieder zumachend, stattete er Herrn Thorburn Bericht ab. Das Aufbrechen jener stahlgepanzerten Tür des Dokumentenzimmers würde, wie der Haushofmeister auseinandersetzte, sogar für geübte Arbeiter mit allen erforderlichen Werkzeugen eine getäuschvolle Aufgabe sein. Kein Zweisel bestand mehr, daß irgend ein Un glück geschehen war; Herr Esking war vermutlich durch irgend einen plötzlichen Krankheitsanfall be wußtlos geworden. Eldred ging wieder nach draußen in der Absicht eine Scheibe so leise wie möglich einzuschlagen und so in das Zimmer zu gelangen. Aber als er vor dem Fenster anlangte, war alles dunkel, und beim Schimmer der Sterne bemerkte er, daß der eine Fensterflügel offen stand. Jetzt erlannte er den wirklichen Sachverhalt. Er kletterte hinein und zündete ein Streichholz an. Alle Behältnisse waren geöffnet und ihr Inhalt methodisch aus dem Fußboden ausgebreitet worden. Eine größere Anzahl von augenfällig kostbaren Gegenstän den war auf einem Hausen zusammengetragen, als ob sie eingepackt werden sollten. Es lag alles so voll, daß Eldred anfangs außer diesen Mengen altertumlicher Schätze nichts sah. Er überzeugte sich schnell, daß kein Iremder im Jnnern anwesend war, und schloß die Tür. Armstrong trat mit einem brennenden Licht ein: „Bloßer Golt!“ mei er entsetzt.„Das ist hier Einbrecherarbeit!— Der Himmel vergebe mir, wenn ich den Geri salsch anklage, aber ich glaube, daß der alte Simmons das getau hat!“ er blieb an der Tur stehen, wahrend Eldred ihm das Licht abnahm. Sich zwischen den Haufen hinduichtauend, suchte er und sand binnen kurzem, auf einer der größeren Aisten ausgestreckt, Perrn Esking, mit seiner rechten Hand einen kleineren, eisenbeschlagenen. in der offenen Truhe befindlichen Kasten festhaltend. Er ist hier, Armstrong! Jetzt nehmen Sie sich zusammen, Mann! Sprechen Sie leise!" Der Diener war glücklicherweise ein energischer, lräftiger und zuverläßsiger Mann aus dem Norden. Einbruch entsetzte ihn durch die Empörung der Insinkte, welche seine Vertrauensstellung als Haushofmeiner im Laufe der Zeit in ihm entwickelt hatte, aber als Mensch an sich blieb er gelassen. Nicht ein Wort wurde über das notwendige Flüstern hinaus gesprochen, während sie den bewußtlosen Körper emporhoben. Auf dem Fußboden unter ihm erblickten sie einen großen, toten Pfuhl, durch das Blut gebildet, welches einer schrecklichen Wunde auf der rechten Seite seines Kopfes entströmte. „Ein Schlag von einem Knowlerry“, murmelte El. dred, einen ihm geläufigen, afrikanischen Ausdruck gebrauchend.„Der Schadel ist gebrochen, Armstrong, aber er ist noch am Leben Wir müssen ihn die Treppe hinausschaffen. Es hat keinen Zweck, es jetzt noch geheim halten zu wollen. Rufen Sie den Reitknecht, damit derselbe den Doktor hole.“ „Das ganze Haus ist wach, mit Ausnahme von Fräulein Hilda und Frau Fanshawe. Wir täten am besten, die alte Dame zu wecken.“ „Nein, nein! Sind die Dienstmädchen draußen? Dann lassen Sie eine von diesen Fräulein Esking wecken. Sie soll ihr sagen, ich wünschte sie zu sprechen — nichts.weiter, als das. Vergessen Sie das nicht. Lassen Sie das Madchen gar nicht hereinkommen, während Sie ihr den Auftrag geben! Und dann zünden Sie schnell alle Lampen im Hause an, damit Fräulein Esking, wenn sie aus ihrem Zimmer kommt, alles hell findet— diese Dunkelheit würde das Entsetzen eines jungen Mädchens noch steigern.“ „Das würde es, Herr. Wie Sie doch an alles denken!“ Armstrong beeilte sich, zündete die Lampen im Treppenhause und in der Halle an, so daß das Haus hell erleuchtet war, als Hilda in ihrem MorLicht —. — Nr. 130. genrock mit gelöstem Haar herauskam— und ihr haldes Entsetzen schwand sogleich. Eldred erwartete sie. Er umschlang sie zärtlich mit seinem Arm, und die zweite Halfte ihres Entsetzens schwand im Gefuhle seines starken Schutzes Ehe sie mehr als eine atemlose Frage tun konnte, hatte er ihr die Wahrheit mitgeteilt— wenigstens so viel davon, als vorläufig nötig war. „Ihr Vater hat sich verletzt, nicht lebensgefahrlich dessen bin ich sicher. Ich habe sofort den Doktor helen lassen. Verlieren Sie nicht Ihre Geistesgegenwart, Fräulein Esking.“ „Verletzt—! Weshalb sind Sie hier?“ „Armstrong und ich sanden ihn jetzt eben. Wir wollen ihn nach seinem Schlaszimmer hinauftragen. Wollen Sie sich nicht zurückziehen, während wir es tun?“ Ihr erster Argwohn war so schnell beschwichtigt als er entstanden war „Ich fürchte mich nicht. Lassen Sie mich Ihnen belfen.“ „Dann warten Sie einen Augenblick, mein tapferes Madchen!“. Das war die einzige Andeutung auf das neue Verhältnis, in dem sie zu einander standen welche Eldred jetzt und während vieler folgenden Tage sich erlaubte. Die Dienstmädchen hatten den Kopf ihres Herrn mit nassen Schwammen gereinigt und gekuhlt und seine Wunde verbunden. Als Hilda ihn gleich nach. her sah, hätte man glauben können, er schliefe fried. lich, abgesehen von der wachsbleichen Farblosigkeit sei. nes Gesichtes. Sie stellte keine Frage, sondern ver schob dieselbe auf eine passendere Gelegenheit. Ihrer tatkräftigen Seele und ihren starken Nerven war ee für den Augenblick genug, daß ihr Vater bewußtlos und verwundet vor ihr lag. Die Erklärung, wie dies gekommen, hatte Zeit für später. Eldred trug ihn nach oben„legte ihn aut sein Bett und wandte sich zum Geben.„Ich werde in einer halben Stunde zurückkommen“, sagte er und druckte Hildas Hand in zartlichstem Mitgesuhl.„Ihr: Tante schläft— wecken Sie sie nicht!“ Ebe er sich entfernte erzählte er noch Armstrong von dem schrecklicheren Ereignis und band ihm an die Seele, er sollte ja dafür sorgen, daß Frau Fan sbawe ungestört bliebe, sonst wurde sie sicherlich auch Katbe wecken wollen und so die Entbullung des zweiten grausigen Ereignisses dieser Nacht verbeifuhren. Dann lief Eldred in vollem Galopp nach Hause, befahl, daß der geschlossene Wagen angespannt wurde und wies Frau Godseff an, sich bereit zu machen Während der Fabri teilte er ihr mit, was gescheben war, und welchen Dienst er von ihr verlangte. Sie antwortete mit schwacher Stimme, aber uner: schütterter Seelenstarke:„Für eine Frau meines Alters ist es eine schwere Pflicht, die Sie mir auferlegen. Aber ich bin Ihnen dankbar, daß Sie zu mir kamen, Herr. Für den Mann Ihres Namens geziemte es sich, dieselbe von einer Frau meines Namens zu fordern.“ Aber ein Teil ihrer Aufgabe war bereits gegenstandolos geworden, noch ehe sie in Klein=Thorburns anlangten. Frau Fanshawe war von selber aufacwacht, und ihr erster, naturlicher Impuls war, laut aufzukreischen, als sie sich allein im Dunkeln sand, in dem Lehnstuhl, wo sie vorbin eingeschlafen war, als der Salon noch hell erleuchtet und ihre Schwiegertochter bei ihr war. Dieses Aufkreischen erweckte sozusagen ein allgemeines Echo in allen Räumen des Hauses. Alle Dienstmadchen folgten dem Beispiel, um ihren überreizten Nerven Erleichterung zu verschaffen. Binnen fünf weiteren Minuten war die Abwesendeit Katdens entdeckt, aber Armstrong hielt die alte Dame noch immer in eifriger, ängstlicher Unterhaltung im Salon zurück. Ihr die schreckliche Bahrheit in schonender Weise zu entbüllen, ohne Hilda gerade jetzt noch mehr See lengualen zu bereiten, war Frau Godseffs Aufgabe Sie entledigte sich derselben durch das bloße Uebergewicht eines starken Charakters über einen schwachen — sie zwang Frau Janshawe, still zu bleiben und Trost im Gebet zu suchen. Mendels Name kam nicht über ihre Lippen Eldred wartete, um noch den Bericht des Arztes zu bören, welcher bedenklich, aver nicht hoffnungslos ausfiel. Dann verschloß er das Dokumentenzimmer und legte seine Siegel an die Tur desselben, fuhr nach Rowlev und erstattete die Anzeige bei der Polizei— ihnen zugleich seinen Verdacht gegen Simmons mit teilend und sie auffordernd, denselben sofort zu verfolgen. Aber als er Kätbens Tod berichtete, hielt er es nicht für notwendig, jene bedeutsamen Worte ihres Begleiters zu wiederholen: er stieß uns zusammen Der Erzähler. hinunter! Ich schwöre vor Gott, daß sie unschuldig war!" Der Gatte welche: sich selber racht. verfall: der gesetzlichen Strafe, aber nach Eldreds Anschaunngen geziemte es sich nicht für einen Mann, ihn zu denunzieren. Als er am frühen Morgen nach seinem Hause zu rückkehrte, war Mendel, ohne ein Wort zurückzulassen abgereist. Fortsetzung folg:. Raidah. 19. Kavitel. Kaum war das junge Paar wieder in Venedig angelangt, so wurde auf Veranlassung Wundhams Naidahs Vater sofort nach dem Palazzo Pesaro gebracht. Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten hatte er die Erlaubnis hierzu erlangt. Er hatte es gewunscht, wen er glaubte, daß vielleicht der Anblick seines, jetzt im Besitze seiner Tochter befindlichen Palastes einen wohltuenden Einfluß auf den unglücklichen Geisteskranken ausuben konnte. Derselbe war einer niefen Melancholie verfallen, die auch seine körperlichen Krafte ganz zerruttete, und so bot er ein gar trauriges, ergreisendes Bild, als er mit trren Blicken und starrem Gesichtsausdruck die Treppe hinauf wankte, von Wundham und einem Irrenarzt begleitet. Ein Schimmer der Erinnerung schien in ihn auf zudämmern, als er in die bekannten Räume trat. In den oberen Gemachern erwartete ihn Naidah. die klopsenden Herzens langsam auf ihn zuging und seine Hand küßte. Mit abwehrender Gebarde und leiser Stimme sagte er jedoch:„Stille, o stille, sonst verstreichen sie wieder, diese schönen Gebilde, die ich festhalten mochte— ja festhalten," und dabei machte er ein: Bewegung mit den Armen„wie wenn er nach etwas greisen wollte, das ihm zu entweichen drohte. „Naidah,“ fragte ei dann plotzlich mit veranderter Stimme:„Sage mir, ist das Dein Mann? Ist er es der Dich wieder hierber in Dein Haus gebracht hat Dir all das Deine wiedergegeben?" und sein Blick gleitete dabei durch die herrlich eingerichtet: Zimmerslucht. Naidah konnte keine Antwort finden. Da sagte Wundham, ihn mit ruhigem, festem Blicke anschauend:„Ja, ich bin der Gatte Ihrer Tochter und Ihr Sohn.“ Ein Ausdruck freudigen Erstaunens glitt über die Züge des Unglücklichen, und als er immer noch fra gend um sich blickte, sagte Naidab:„Alles dies gehört wieder uns. Du brauchst Dich also um nichts mehr zu sorgen, es ist alles wieder gut gemacht, was Dir so viel Leid verursacht hat.“ Ueber die abgedärmten Züge des Kranken glitt ein Ausdruck böchner Befriedigung, und er nickte Wond ham freundlich zu. „Naidab, meine Tochter.“ sagte er nach einer Pause, „mrge Dir dies Gluck nie entrissen werden, sei gut und bleide ihm treu, sonst wirst Du es verlieren— denke— ach, dense daran,— daß Dir dies Dein ar mer Vater gesagt.“ Damit schien der lichte Moment wieder zu schwinden, sein Geist umnachtete sich wieder. Wankenden Schrittes ging er auf ein offenes Klavier zu und fing an, traurige Melodien zu spielen, die erst sanft und schon klangen, dann aber immer ausgeregter und wil der wurden, bis plotzlich schrillen Tones eine Saite sprang. „Nun ist es hin, nun ist es wieder hin,“ rief er: „ich wußte ja, daß es ein Trugbild war, und daß ich aus diesem schönen, bekannten Heim wieder sort müsse in die finstere Nacht, die hier in meiner Brust ist." Im nächsten Augenblicke sprang er wild auf und wollte sich durch ein ossenes Fenster nurzen, doch ersaßte ihn der Irrenarzt gerade noch zur rechten Zeit mit fester Hand. Die Tobsucht war auss neue aus. gebrochen, und es blieb nichts übrig, als den Irrsinnigen wieder sortzuführen. Tief besorgt und voll Mitleid hals Wondham den armen Kranken sortbringen, während Naidab schluchzend auf einen Stubl sank. Tante Pia, die bis dahin nicht gewagt hatte, sich zu zeigen, eilte nun herbei, um Naidab zu trosten. „So wie ich niemals mehr jung und schön werden kann,“ sagte sie zu ihr,„so wird auch mein armer Bruder niemals mehr gesund werden. Warum willst Du Dich uber diese unabanderliche Tatsache gramen, da Du jetzt doch endlich glucklich sein kannst!" Die Schwester hatte den unglucklichen Bruder nie geliebt, sie zieh ihn der Schuld an ihrem verfehlten Leben, hatte er doch auch ihr Vermögen verloren. Sie ärgerte sich über Wondhams Teilnahme und sein Be1904. streben, alles zu versuchen, was vielleicht eine Heilung befördern oder ermöglichen konnte. 20. Kavitel. Wenn es„wahr ist, daß die erste cchte Liebe ein Lichtstrahl ist, der unser Leben verklärt und all die Leiden zerstreut, welche in der Jugend die Menschen oft so schwer bedrucken, so ist andererseits gerade die Täuschung dieser ersten Liebe der bitterste Trank, der vom Schicksal dargereicht wird Auch Wundham hatte die Seelenkämpfe der Ju gend bestanden, sich durch Rätsel und Widerspruche zur Klarhen emporgerungen, bis die vlötzlich erwachende Liebe für Naidah sein Dasein im schonnten Glanze verklärte. Diesen Glanz sah er nun schwinden, düstere, graue Wirklichkeit umgab ihn wieder. Er kämpfte einen schweren inneren Kampf, ohne daß es seine Umgebung bemerkte. Naidah konnte sein schein bar ruhiges Wesen nicht verstehen; hätte sie die tiese Traurigkeit, die Wundham erfullte, geahnt sie wurde vielleicht alles aufgeboten haben ihn mit Liebe zu umgeben, so aber dachte sie, daß er überhaupt an nichts anderes denke, als an seine Studien. Zudem hatte er bald nach seiner Rückkehr nach Venedig begonnen, ernstlich an einem Werke über die venezianischen alten Meister zu arbeiten, was ihn zwang, sich die meine Zeit des Tages in seinem Studierzimmer aufzuhalten. Hatte sie fruher Interesse an seinen kunstgeschichtlichen Studien gezeigt, so verleugnete sie jetzt mit Absicht jedes detartige Interesse. Sie redete sich ein Wundyams Liebe verloren zu haben, und sie war zu stolz, darum zu werben. Statt Reue fühlte sie nur Enttauschung. Sie versiel wieder ihrem alten Fehler, die Huldigung, die ihr in der Gesellschaft zu teil wurde, zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen und alles andere hintanzusetzen. Vieie der Familien, die sonst den Winter in Rom zugebracht hatten, zogen es in diesem Jahre wegen dort derrschender Krankheiten vor, in Benedig zu bleiben und dies trug viel zu einem regeren gesellschaft lichen Leben bei. Die Hotels waren mit Fremden überfüllt. Ein russischer Prinz machte viel von sich reden; er ließ es sich angelegen sein, der schönen Venezianerin den Hof zu machen, und er hatte sich auch Naidah voruellen lassen, der es nicht wenig schmeicheite, von ihm ganz besonders ausgezeichnet zu werden. Ihm zu Ehren veranstaltete sie auch ihr erstes Fest. Mu gespannter Erwartung kamen die zahlreichen Gäste zum ernen Male in den Polazzo Pesaro, von dessen eleganter und kunnvoller Einrichtung alle schon so viel gehort hatten. Man war neugierig, den reichen Engländer, der, wie man sich erzahlte, für Italien und altitalienische Kunst so schwarmte, ja dieselbe zu seinem Studium machte, kennen zu lernen. Diese Schwarmerei schien zwar den meisten dieser Herren und Damen eine Verrucktheut zu sein, schätzten und verstanden sie doch selbst ihre Kunst so wenig. Wund ham wurde fur einen überspannten Englander gehalten, hatte er doch einen alten, baufalligen Palazzo gekauft und große Summen darauf verwendet, nur um denselben im alten Stile wieder herzurichten, anstatt ihm einen neuen Anstrich zu geben, oder einen neuen zu bauen, was ihn nicht viel mehr gekostet hatte. Erzahlte man sich nicht, daß er sogar mut der großten Mude alte Stoffe und Mobel ausgetrieben, die in demselben Palazzo vor einem Jahrhundert für Spott. preise verkauft worden waren. Ja er batte sogar hohe Summen für alte, verdorbene Bilder gegeben, weil sie moglicherweise aus demselben Palazzo Pesaro stammten. In prächtigen Toiletten, mit Perlen und Brillanten geschmuckt, strömte um elf Uhr die venezianische Damenwelt herbei, begleitet von eleganten Kavalieren. Naidab selbst erschien in einem Kleid von lichtgelbem Brotat, um den Hals trun ne ein konberes Perlenhalsband, und empfing ihre Gaste an der Mittelture des weitgeoffneten Tievolo=Saales in liebens. wurdiger Weise, wahrend Wundbam bemuht war, den Damen bequeme Sitze anzuweisen. Die Musterung der Toiletten durch die bei den italienischen Marchesen und Komtessen so sehr beliebten Lorgnons, die sogar den Fächer manchmal verdrängen, fullte die erne halbe Stunde des Abends aus. Die perren scharten sich in einer isolierten Ecke des Saales zusammen, um die Gastc zu mustern und behaupteten auch für den größten Teil des Abends standhaft ihren Posten. Einzelne der jungeren Herren, welche in den Salons von Paris und London sich freier zu bewegen gelernt hatten, lösten sich allmählich aus dem schwarzen Durcheinander, um den jungeren Damen Gesellschaft zu leisten, und bald beherrschte der seichte Sa*.— Nr. 130 Der erzähler. 904. lenklatsch die ganze Runde, bis die ernen Klange des Kiaviers ertonten und das Signal gaben, daß die musikalischen Genüsse des Abends ihren Anfang nehmen sollten. Es waren meist tuchtige Dilettanten, die sich hören ließen, doch auch Naidah glänzte durch ihren Gesang. Der russische Prinz begleitete sie nach dem Klavier; er hatte sich als besondere Gunst ein Lied von Rubinstein erbeten. „Sie hat eine schone Stimme,“ meinte die musikverstandige Komtesse Jorzi zu einer neben ihr sitzenden Marchese, doch singt sie nicht zum Herzen, sic ergotzt, aber sie ergreift nicht.“ Wundham stand an einer Säule gelehnt und blickte traurig zu Naiday hinuber, denn den ganzen Abend hatte sie kein Wort, keinen Blick für ihn, während sie sich mit allen und jedem aufs lebhaftete zu unterhalten wußte. Der russische Prinz wich kaum von ihter Seite und überhäufte sie mit galanten Schmeicheleten, die sie, wohlgefallig lächelnd, entgegennahm. Wundham unterhielt sich hauptsächlich mit einigen kunstverständigen Englanderinnen, die von ihm allerhand Auskunft erbaten. Nach 12 Uhr eröffnete Natdah mit dem Prinzen den Ball, und bald folgten unzahlige Paare der Aussorderung zum Tanze. Es war das erstemal nach vielen vielen Jahren, daß fröhliche Tanzmusik in diesen hohen Raumen ertonte. Tante Pia, die in einer reichen Atlastoilette mit einem alten Herrn in einer Fensternische saß und die glanzende lustige Gesellschaft mit großem Interesse beobachtete, zählte die settdem verflossenen Jahre. Sie erinnerte sich, daß sie noch ein junges 18jahriges Madchen war, als ihre Eltern den letzten Ball gaben Naidahs Mutter, eine schone Engländerin, tanzte damals zum erstenmal mit dem jungen Conte Pesaro, der sie bald darauf zum Altar führen sollte. Die Ehe war keine gluckliche gewesen. Die Ver. haltnisse sahen den jetzigen insosern ahnlich, als auch Conte Pesaro zu ernst, zu misanthropisch angelegt war für seine junge schone Frau. Dieselbe stard als sie ihrem Gatten das erste Kind geschenkt hatte, und damals schon erfaßte eine dumpfe Melancholte den Conte Pesaro. Dies waren die Erinnerungen, die in Tante Pia auftauchten. Auch der alte, neben ihr sitzende Graf Lorango. schien an längstvergangene Zeiten zu denken, denn er unterbrach Tante Pia in ihrem Gedankengang mit der Frage:„Finden Sie nicht, daß unsere reizende Wirtin sehr ihrer schöne nMutter gleicht? Vor zwanzig Jahren da tanzte sie ebenso leidenschaftlich wie jetzt ihre Tochter; erinnern Sie sich noch?— Schade daß sie so jung hat sterben mussen.“ „Ja,“ seufzte die Tante,„so viel Jahre sind nun auch verstrichen,seit mein armer Bruder in vollem Besitze seines Geisteskrafte war.“ „Könnte er doch das Glück seiner schönen Techter jetzt mit genießen,“ bemerkte der alte Herr.„Welch vornehmen, reichen und liebenswurdigen Gemahl hat die Vorsehung Ihrer Nichte bescheert!“ „Sie scheint auch sehr glucklich zu sein, nicht wahr?" fuhr er nach einer kurzen Pause fort. „Gewiß, gewiß,“ versicherte Tante Pia. Unwillkürlich suchten Beider Blicke Wondham, der hin und wieder mit einer Dame sprach, doch ern und gleichgiltig zu sein schien. Seine Augen suchter wiederholt Naidab. Hatte sie denn an diesem Abene kein einziges freundliches Wort zur ihn? War es nicht sein Verdienn, daß der Palazzo Pesaro gleich sam aus Schutt und Trummern wieder erstander war, und prangte er nicht jetzt in einer Pracht, die der fruherer Zeiten kam nachnand? Hatte er nicht auch darin Naidahs Herzenswunsch erfüllt, daß er al ihre Freunde und Bekannten in diese stolzen Räume geladen hatte, um Zeuge ihres Reichtums und Gluckes zu sein. Welch große Opser an Geld und Zeit hatte ihn die Eriullung dieser Wunsche Naidahs gekostet Sie aber belohnte ihn diesen Abend nicht einmal mit einem dankbaren Lacheln, wahrend sic doch mit ihrer anmunden Liebenswurdigkeit auch ihr ofsenbar gleich gulngen Personen gegenuber nicht karate.— So mußte sich Wondham immer wieder die Frage auf werten, ob Raidab ihn gcliebt habe, und wenn ja, wie sollte er sich ihr jetziges Benehmen erklaren? Aber auch Naidah subltc sich trop ihrer Triumpbe nicht recht glücklich, denn sie wußte wohl, daß die Harmonie zwischen ihr und ihrem Gatten getrubt war, und zwar einzig und allein durch ihre Schuld Statt aber ihr Unrecht einzugestehen, bullte sie sich in stolzes Schweigen. Ja, es ist traurig, wenn zwei Menschen, die sich Liebe und Treue geschworen, um Hand in Hand auf ihrer Lebensbahn zu wandeln, zum Bewußtsein kommen, daß sie vielleicht einen Irrtum begangen haben!——— Das nachste Kampfesseld. Die bis heute noch für unmöglich geltenden Gerüchte von einem Entsatzversuch großen Suls scheinen sich nach den neuesten Depeschen nun doch bewahrheiten zu sollen. as wird eine allgemeine Sudwalis= Bewegung der russischen Armee als„Vereits im Gauge“ gemeldet. Die größten Strategen der Gegenwart werden darauf gespannt sein, wie General Kuropattin diese schier unmöglich scheinende Ausgabe zu losen gedenkt. Ein Blick auf die Rarte wird selbn Jernstehenden genugen, um die Gefahrlichten dieses Beginnens zu wurdigen. Wenn das russische peer wenigstens noch von einer starten Flonte zu beiden Seiten begleitet ware! Aber nicht nur sehlt diese, sondern die seindlichen Schisse werden ihm in den Ilanken viel zu schaffen machen. Die gesamten japanischen Streitkrafte stehen zu einem solchen Marsch in der linten Ilanke, und bei weiterem Vordringen gen Suden im Rucken. Die unbedingt notwendige Sicherung der ruckwärtigen Verbindung zwingt zu ganz wesentlichen Detachierungen aus einer Strecke von zirke 350 Kilometern, so daß das Endziel, der Entsatz der Fenung, dadurch in Frage gestellt wird. Vielleicht konnen wir noch einc zweite Schlacht bei Aintschon erleben, diesmal mit gewechselten Rollen. Die japautsche Armee in der Landenge verschanzt, aber in beiden Ilanten von ihrer Flotie unternutzt, die Russen die Angreiser. Pori Arthur selbn scheint schon eng eingeschlossen zu sein; es wird ja taglich schwerer anhaltender Kanonendonner daselbst gehort. Sollten sapanische Belagerungsgeschuge derens ihr Zerstörungswerk begonnen haben? Die Gesellschaft hatte sich schon längnt entsernt, als Wondham noch an einem schwach glimmenden Feuer saß, den Kopf nachdenklich in die Hand gestutzt. Er wartete, obwodl er es sich selbst nicht gestehen wollte, ob Naidah noch zu ihm kommen wurde. Naidah saß in ihrem Bondoir vor einem großen Spiegel, dabei unwillkurlich der Bewunderung ae denkend, die ihr an dem Festabend gczollt worden war.„Nur Wyndham war kalt und verschlossen,“ sagte sie sich mit einem Seufzer,„und auch jetzt laßt er mich allein.“ Fortsetzung folgt. Allerlei. Die Ringkampfangelegenheit Koch=Eberle Bei dem lebhaften Interesse, das die Berliner Ring kampfe um die Weltmeisterschaft uberall, namentlich oder im Rheinland fanden, mußte die Nachricht, daß es sich bei diesen Kämpfen um eine abgekartete Sache handeln sollte, außerordentlich überraschen. Jetzt wird bekanntlich mitgeteilt, daß sich die Staatsanwaltschaft der Sache angenommen und ein Ermittelungsverfahren gegen die beiden Ringer und einige andere Personen eingeleitet bat Sowohl Jakob Koch aus Neutz, der Weltmeiner, als auch Heinrich Eberle, sind im gangen Rheinland, wie nuch in den großen Stadten Wensalens wohl bekannt und sehr beliebt. Mon weiß auch hier sehr genau, was den Berlinern unbekannt sein dursie, dau beide Ringer sich fruher durchaus nicht freundschaftlich gegenüberstanden und in Zeutungsanzeigen einander besehdeten. Koch machte demn Everle den anscheinend nicht ganz unbegrundeten Borwurs, er wiche ihm absichtlich aus und sorderte ihn um eine größere Summe heraus. Eberte antwortete auf diese Anzapsung ebenso deutlich. Umso mehr war man verblufft, jetzt von einer so„freundschaftlichen Abmachung" zu horen. Eberle pflegte sonn auf seinen Ruhm sehr eifrig bedacht zu sein; er zog sich doch in Hamburg, als er sich eines Unwehlseins wegen dem beruhmten Hackenschmidt gegenüber, ohne geworsen zu sein, fur besiegt erklarte, den lebhaften Unwillen der Zuschauer zu. Jetzt soll nun Eberle ohne weiteres und noch dazu in Berlin, wo er so geschätzt wird, sich einem Abkommen gefugt und auf den Weltmeistertitel verzichtet haben! Im Rheinland kam Eberles Niederlage durchaus nicht so unerwartet, hat thn