** Nr. 105. Der GTzaule.. Allerlei. 5 Tägliche Erinnerungen. 10. Mai. 1521: Seb. Brand, Satirier, f.(Straßburg). 1760: P. Oebel, Dialekidichter, geb.(Basel). 1770 L. R. Davout, frz. Marschall, ged.(Annoux). 1816: J. Gerstäcker, Reiseschriftsteller, geb.(Hamburg). 1871: Priede von Frankfurt.(Schluß des deutsch=franzo. chen Krieges). 1885: J. v. Hiller, Komponist, 1. Aus der Reichshauptstadt. Berlin, 6. Mai. Unwetter— Kunstausstetlung Kolonialvertrag. Der Wonnemonat Mai hat sich in der Reichshauptstadt schlecht eingefuhrt. Vom roten„Weltfeiertag, wollen wir nicht reden; man sah und horte nichts von ihm; nicht einmal rote Nelken und rote Kravat= ten waren hier zu erblicken; solche Veranstaltungen verschwinden vollig unbeachtet in dem Trubel einer Millionenstadt. Nur draußen auf der Hasenheide ammelten sich einige Tausend Menschen zu einer Art Volksfest zusammen. Sehr groß war dagegen die Zahl der Ausflugler; aber wehe ihnen. Gerade zur Zeit der Heimkehr brach ein entsetzliches Gewitter aus, das von 8—11 Uhr andauerte und riesige Regenmassen niedersandte. In den westlichen Vororten trat eine förmliche Ueberschwemmung der Keller ein deß den ganzen Montag über mit Pumpen das Wasser entsernt werden mußte. Der Blitzschlag hat auch an einigen Stellen gezundet und sonstigen möge Schaden angerichtet. Dem Gewitter folgte in dieser Boche eine sehr kuhle Temperatur, die gegen die warmen Apriltage doppelt unangenehm abstach. Jetzt ider in alles in saftiges Grun gekleidet; der Tiergar Hoffnung, die den Spreu von dem Weizen sondern werde; sei das Können der Seinigen zu leicht, gut, so tröste sie das Bewußtsein, das Gute gewollt zu haden und dem Werdenden in der Kunst zum Durch bruche verholsen zu haben. Der Oberburgermeister von Charlotienburg vielt die Parole hoch: Freie Bahn jedem Talente. Die Sezession sei im Kampfe erstarkt und das habe ihr Krast gegeben! Bereit die weitesten Kreise hätten deshalb Intersse für die Se zession, die aber wie jede Kunst nur im Frieden ge deihen könne, dessen Hort der Kaiser sei und mit dem Hoch auf denselben schloß die Eröffnungsfeier. Die Kolontalgesellschaft unter dem Vor sitze des Prinzen von Arenberg hat im verflossenen Winter eine Reihe von Vorträgen gehalten; der interessanteste war sicherlich der letzte vom Mittwoch von Schillings über seine neuesten Forschungen in Acquatorial=Südafrika mit den prächtigen Lichtbil dern. Man glaubte, man sei in Afrika, mit solcher Lebhaftigkeit stand die fremde Welt vor einem. Die Vogel waren vielsach im Fluge photographiert, an dere beim Sprung auf die Beute, mitten in der Nacht. So wird eine Lockspeise fur einen Löwen gelegt; er gcht auf diese, tritt hierbei auf die Verbindung zum elektrischen Apparate, sofort erstrahlt er und die Umge bung im hellsten Licht und die Aufnahme ist in einer Sekunde vollendet. Die linematographischen Ansich= ten geben u. a. Negertanze mit großer Lebhaftigkeit; Kameruner auf dem Marsche usw. Mau kann nur wunschen, daß die Kolonialgesellschaft in diesem Bestreben, über die Kolonien aufzuklaren, fortfahren Die Presse in China Welche Rolle China zu spielen gedenkt, falls der zieht taglich Tausende an, und im zoologischen Krieg zwischen Rußland und Japan weiter zu GunBarten tummeln sich Jung und Alt. Wer Berlin be=sten des letzteren Landes sich entwickelt, daruber uchen will, muß dies ansangs Mai unternehmen; das herrscht wohl in Europa nur eine Meinung. Trotz n sicher die lohnendste Zeit fur die Reichshauptstadt, seiner Neutralitatserklärungen ist es mit all seinen der Staub hält noch zurück und alles steht in neuer Eympathien auf Seiten des einstigen Feindes, denn es gehi je gegen die weißen Barbaren, die von den Auch eine Reibe von Kunstausstellungen neten ihre Schape: Der Kunstlerstreit hat leider auch er seine nachteiligen Folgen. Die„Große Berliner usstellung" beberbergt die„hofische Kunst drauim„Landesausstellungspark“, der erstmals seine geoffnet hat. Man muß es den Berliner lassen, daß sie mit viel Geld aus Sumpfen Teichen herrliche Anlagen herzustellen verstehen. u der Näbe des Lehrter Bahnhofes war jahrelang schmutziger Tumpel mit allerlei unschonen aulichkeiten; elegant, vornehm und großartig ist es geworden. Eine hübsche Gartenanlage nimmt von der Straße Alt=Moabit der auf, und auf kleinen Hügel thront das Ausstellungsgebäude lerdings ist das Innere des alten(plaspalastes fast unberührt geblieben, und dieses könnte eine uffrischung so gut vertragen. Kann dies überhaupt sein? Eine Ausstellung jagt formlich die andere; sollen da die Kunstler die Zeit gewinnen zu neuen Aabrücken, neuen Entwürsen, neuen Ausführungen! kur wer recht dick in Freilicht auszutragen versteht ind Halbfertiges als hochstes Kunstwerk ansieht, kann der noch mitkommen. Die Dusseldorfer haben die immer ihre zwei Säle; was sie bieten, ist an die ekannten Sterne Bergmann und Eugen Kampf geaupft. Munchen hat überhaupt nichts außerorentliches, wenn man die gesonderteLenbachausstellung icht hier mitrechnen will. Diese zeigt einige erstlassige Werke, insonderheit ein neues Porträt von zusch. Oskar Frenzel hat uns entschieden am besten efallen: er ist ein Kunstler von tiesem poetischem mpfinden und wahrhaft imponierendem Können mit ewaltiger Darstellungskraft. Das Ausland hat uns ichts eingesendet; die Ausstellung in St. Louis scheint Beste ausgenommen zu haben; immerhin hat das agarische Kabinett recht lebensfrohe und gelungene Stücke. Der Spanter Soretta n Bastida geißt sudiches Temperament und spanische Glut fast zu viel in einen Werken aus; er hatte aber sicher gewonnen zenn nicht alles neben einander stehen würde; geode die übrige Langweiligkeit hätte durch eine VerAlung der spanischen Lebhaftigkeit eine angenehme Owechslung erhalten. In Charlottenburg aber troydem die Sezessionisten tit ihrer Ausstellung und mit ihren Reden. Professor lebermann sprach zwar bei der Eröffnungsfeier sehr sach die chinesischen Blätter nichts weiter bringen als Mitteilungen von Nachrichten. Die Reformpartei besaß in Schanghai ein Organ„Der chinesische Fortschritt“, dessen Begründer und dessen Seele ein junger Mann Kang=tou=wei war. Jetzt lebt derselbe in Tokio, da er eine Verschwörung gegen die alte Kaiserin zu Gunsten des jungen Herrschers, von dem er sich die Förderung seiner Ideen versprach angezettelt hatte. Die Sache wurde verraten Kang=ion wei konnte fliehen, sein Bruder aber und andere für Resormen begeisterte Journalisten wurden gesangen und enthauptet. „Der chinesische Fortschritt“ ging ein, an seine Stelle tnaten jedoch mehrere andere Zeitungen, so der „Sou=pao“ und der„Kno=ming=jeje=pao“, die alle für durchgreisende Reformen eintreten. Sie bekämpfen die jetzige Regierung d. h. die Kaiserin=Witwe. Ein Redakteur des„Sou=pao“ wurde denn auch wegen direkter Beleidigung der letzteren in Peking verhaftet gefoltert, zum Tode verurteilt und so lange u Bem. busrohren bearbeitet, bis er seinen Geist aufgab. Die anderen Mitarbeiter des Blattes waren ebenzelts, aber im Distrikt von Schanghai, wo sich die Redattion besand, eingezogen worden. Doch erlitten sie nicht dasselbe Schicksal, da die europäischen Konfuln bekanntlich für ne eintraten. Das Blatt Kuo=ming.je=je pao“ hat etwas eingelenkt, während der„Sou=pas“ z. B. den Kaiser statt„Sohn des Himmels" bei seinem Namen nennt, was als Majestätsverbrechen gilt. gibt erstere Zeitung dem Herrscher wieder die übriche Bezeichnung. Doch tritt sie fur die Begründung von Schulen, die Reform des Beamtentums, des Heeres erc. ein. Die fortschrittlichen Blätter stellen sich fast stets unter den Schutz einer fremden Nation, so der „Schen.pao“ in Schanghai unter den Amerikas, der „Ta=Kun=pao“ in Tientsin unter den Frankreichs erc. China besitzt auch weniger ernsthafte Blätter, wie das„Yu=shi.pao“ oder Komische Journal, das alle Jahre einmal Schonheitskonkurrenzen veranstaltet. Seit 1898 besteht eine Frauenzeitung, die ein Komitce chinesischer Damen ins Leben gerufen hat und die eine freiere Erziehung gelben Rassen in gleicher Weise gehaßt werden. Tassbejurwertet.41918 chinesische Volk macht aus seinen Gefuhlen auch keinen! Endlich gibt es eine Menge anderer Journale, wie Heyl, entgegen den Versicherungen der Machthaber die„Zeitschrift für Induurie und Handel“, die stellt es sich seindlicher denn 1c, und eben trifft wiederlsenschaftliche Revuc“, die„Medizinische Zeitschrife“ erdie Mitteilung ein, daß ein Brigadegeneral in Tschen=! Die chinesische Brese hastne zumg## Kenrde oune Aistanuer un aune Autct chntesogeg, Gaechen ben. eih n. e ae e ehr an Einfluß und Ausdehnung. Die Zeitungen sind billig und das Volt liest sehr gern. Bis jetzt beschäftigen sich aber nur die wenictten mit Politik; doch scheint die Zeit nicht mehr fern, wo diese auch im„Himmlischen Reiche“ den Hauptgegenstand bilden wird. Eine fremdenfreundliche durfte sie aber keinesfalls sein. hätte ermorden lassen, und dann die Flucht ergrissen habe. Er soll sich den Rebellen angeschlossen haben. Die Ansicht, die noch vielfach in Europa vorwaltet, daß die Chinesen sich durch den Willen der Behörden sast völlig lenken lassen, ist schon langst nicht mehr zutressend. Auch dort macht die Zivilisation nach un serem Sinne Fortschrite und damit die selbständigen Ideen und Entschlusse. Die Presse, obgleich sie sich nicht frei entwicteln kann i es vor aulem, die dafur sorgt, daß andere Bearisse Platz greisen, aber wenn sie auch die Kultur des chinesischen Volkes anstrebt so wunscht sie diese doch nicht durch die Europaer herbeigeführt zu sehen. Diese begünstige nur einige im Süden, durch Missionare herausgegebene Blatter, doch dürfen diese mit ihren Ansichten nicht frei hervortreten und berühren politische Suzets meistens wenig oder gar nicht. Im ganzen erscheinen jetzt in China etwa hundert Zeitungen in chinesischer Sprache von denen ein größerer Teil in Schanghai gedruckt wird. Eine Anzahl dieser Blätter wird im sogenannten lite rarischen Stil verdisentlicht und es gehört dann ein gewisser Grad ron Bildung dazu, sie zu verstehen. Die anderen sind in der Umgangssprache geschrieben und werden von der großen Masse des Volkes gelesen. Das älteste Blatt, nicht nur Chinas, sondern der ganzen Welt, i stdic tausend Jahre alte„Bekinger Zeitung“, die offiziell ist, taglich erscheint und die kaiserlichen Erlasse, die Berichte der Minister eic. veröfsentlicht. Sie ist von kleinem Format, wird mit der Hand und mit Holztypen gedruckt. In der Hauptstadt jeder Provinz bestehen Etablissements,, die ebenfalls mehr oder weniger offiziell sind und die die Pekinger Zeitung nachdrucken unter Beifügung eines Blattes, das die Maßnahmen der Vizekönige oder Gouverneure berichtet Am ähnlichsten den in Europa erscheinenden Blättern int das„Schen.pao“ oder„Journal von Schanghal", das im Jahre 1872 entstanden ist. Es erscheint täglich und hat eine Auflage von ca. 20000, was in China außerordentlich viel ist. Diese Zeitung verfolgt m Tones; er setzt auf die Zukunft seine eine gemäßigte reformatorische Politik, wahrend viel* Ein Kaiser vor Gericht„Jaaues I.#####ser der Sahara", der telannirch###seinem gewohnichen Ra. men Jaccues Lebaudy heißt. sand dieser Tage vor dem Appel atonsgerichtshof. Es handelte sich um die Klage des Galbraith G. Groves der früher im Militärdienst der Königin von Madagaskar stand und behauptet, vom „Kaiser“ gegen ein Gehalt von 3333,32 Mark zum Oder. shaber der fanal#en Truppen ernannt worden sein. er konnte seinen So#d nicht bekommen und auch durchsetzen, daß der Kam#, als er im Londoner Savoy ##otel wohme, einer gerichtlichen Vorladung Folge leisiete. Der„Kaiser" verlien dann England. Aber der Vorladungsbefehl wurde dann einer engliichen Anwalts. ###ma zugestellt, die für den Betlagten tätig gewesen war. Tagegen appellierte nan Jaques I. Der„Kaiser" erklärte in einem Schreiven, daß er erst durch einen Brief der Anwälte an seine Bankiers von dem Prozeß gehört habe. Er leugnete, Groves jemals zum Orerbefehlshaber seiner Truppen ernannt zu haben, und sagte, dies ware nur einer der vielen unbegründeten Ansprüche, die man gegen ihn erhebe. In einem an„Seine„Majestät Jacques I.“ adressierten Brief bat Oberst Groves am 8. Februar„um die Ehre einer persönlichen Audienz mu Seiner Majestät". Die Antwort des kaiserlichen Sekretärs darauf lautere: bin von Sr. Majestät beauftragt, Sie zu ersuchen, dieser übel angebrachten Scherzen freundlichst ein Ende machen zu wollen. Sie haben nie in Sr. Majestat Dien, sten gestanden, und was eine Audienz mit Sr. Majestät betrifft, so bedauert sie, Ihnen keine gewahren zu können.“ Oberst Groves sagte dagegen in seinem Schreiben der ##— hätte ihn beauftragt, einige seiner alten Offiziere aus der Artillerie dazu zu bringen, im saharischen Heere zu dienen und auch Ueberschläge für die Lieferung von Blockdäusern, wie man sie in Transvaal gebraucht, aufzustellen. Der Richter Backnill blieb indessen dabei, daß der Vorladungsbesehl zu Reat bestanden hatte, und wies die Spellerion des„Hoders toßernessethzeg purns Der Schatz von Thorburns Von Frederick Boyle. Verdeutscht durch E. Deichmann. Nachdruck verboten. Vierzehntes Kapitel. Georg als Rekonvaleszent. Georg Genest gehörte zu den Männern, welche ihren Arzt unter allen Umständen zur Verzweiflung bringen. Aber die Art dieser Krankheit machte ihn noch ganz besonders widerwärtig. Als die Kopfschmerzen verschwunden und die Verbände abgenommen waren, bestand seiner Behauptung nach außer der Hartnackigkeit seines Arztes keine vernünftige Ursache, weshalb er noch langer in seinem Kranten. zimmer bleiben sollte. Zwei Männer oder auch zwei kräftige Frauen könnten ihn ja hinuntertragen, und ein Sopha im Erdgeschoß ware ebenso gesund, ebenso bequem wie eins im oberen Stockwert und jedenfalls sehr viel angenehmer; aber der Doktor wollte nicht zugeben, daß er einen Versuch damit machte. Das war schon Grund genug zur Unzufriedenheit, aber er hatte außerdem noch einen schlimmeren Aerger. Armstrong rasierte ihn täglich und kleidete ihn bis herab zur Taille so vollsändig an, als ob er einen Spaziergang machen sollte. Georg bestand entschieden darauf, da er stündlich hoffte, daß Hilda ihm einen Besuch machen würde, aber sie überschritt nie die Schwelle seines Zimmers. Eine höfliche Erkundigung nach seiuem Befinden morgens und abends durch die geschlosjene Tür war die ganze Aufmerksamkeit, welche sie dem Patienten erwies. Er verlangte darnach, ihr zuzurusen, daß er angekleidet, salonfätig und tötlich gelangweilt wäre, aber er hatte noch genug Erinnerung an ihre Begegnung nach dem Unfall, so daß er es schwierig fand, sich ihr gegenüber von der scherzhaften Seite zu zeigen. Außerdem war ihr die Tatsache, daß er vollig angekleidet und wohl genug war, völlig bekannt. In seiner ungeduldigen Wut ließ Georg Herrn Esking bitten, zu ihm zu kommen, aber als dieser Herr erschien, war seine Anwesenheit ihm lästig und seine Unterhaltung unerquicklich. Keiner von beiden berührte den Gegenstand, der ihnen am meisten am Herzen lag, und das wohlgebildete, gelassene Gesicht des Antiquars irritierte Georg aun das äußerste. Wie seine Liebe zu Hilda mit wachsender Stärke zurückkehrte, wuchs auch sein Haß gegen ihren Vater. Infolgedessen besuchte ihn Herr Esking nur wenige Male. Der junge Mann hätte in einem Paroxismus nervöser Wut rasen und brüllen können. Personen seines Charakters sind zu keiner Zeit dazu geneigt, bloß zu dem Zweck zu lesen, um Stunden der Muße und der langen Weile hinzubringen; nur ein bestimmter Zweck vermag ihre Aufmerksamkeit zu fesseln. Herr Esking hatte einige juristische Bücher, und Georg versuchte, darin zu studieren, aber seine Nerven waren in einem zu gereizten Zustande. Es würde beinahe möglich sein, eine Persönlichkeit von seinem Temperament zu Bahnsinn und Tobsucht zu bringen, wenn man sie lange genug unter solchem Zwange hielte, aber der würdige Doktor Bowring verstand sich nicht auf Psychologie und ließ auch nicht eine Stunde der ihm notwendig erscheinenden Haft nach. Endlich kam der Tag, an dem Georg nach unten getragen und auf das Sopha in Hildas Zimmer gelegt wurde. In fieberhafter Erwartung hatte er sich eine Szene der Bewillkommnung ausgemalt. Sie würde ihn unterhalten und vielleicht sogar ihn pflegen; seine Phantasie war nicht zu ausschweisend, und er stellte sich Hlda nicht gar zu sehr in der Rolle einer Krankenpflegerin vor. Aber sie würde doch zugegen sein, hin und her gehen im Zimmer, möglicher Weise ihm etwas vorlesen und sich mit ihm unterhalten. Wenigstens würde er sie sehen. Aber als Armstrong und der eine Gärtner ihn hinuntergetragen hatten,— wobei Georg mannhaft der Versuchung widerstand, ihre Tölpelhaftigkeit zu verfluchen— stand Herr Esking allein am Fuße der Treppe. Er sprach ihm mit verbindlicher Wärme seine Glückwünsche aus und führte, rückwärts gehend, seine Träger, denselben zugleich sorgliche Anweisungen erteilend. Das Frühstückszimmer war gleichfalls leer. Noch ehe die Dienstboten die Tür hinter sich geschlossen hatten, rief Georg entrüstet:„Wo ist Hilda?“ Der Arzt zeigte die undurchdringliche Miene eines Mannes, der viel Geheimnisse in seiner Brust verschließt, aber er bewahrte diesen Ausbruch desso sorgfältiger in seinem Gedächtnis. „Ich dachte, sie wärc zu Hause," erwiderte Esking, „bis man mir meldete, daß Jennings bei Ihrem Herunterbringen nicht behilflich sein könnte, weil er abwesend wäre.“ „Das soll vermutlich eine euphemistische Form der Mitteilung sein, daß Fräulein Esking ausgeritten ist?— Der Teufel soll es holen, Doktor, mein Bein war schmerzlos genug, bis Sie sich damit zu schaffen machten! Jetzt spüre ich schon wieder das ewige Feuer) welches durch gute Vorsätze genährt werden soll!“ „Glücklicherweise nicht ewig, mein lieber Junge! Schicken Sie ihn wieder zu Bett, Herr Esking, spätestens bei Anbruch der Dämmerung. Es hängt no ein gut Teil Fieber über meinem Patienten.“ Tamit nahm der Arzt Abschied. „Hilda ritt aus, um mir aus dem Wege zu gehen. Sie hat jede Begegnnne mit mir vermieden. teit ich in Iho Haus gekommen.“ „Das ist nicht nerart Arerinchens, Georg. Wie ich hörte, war Ihr Benenmen gegen Sie beinahe eben. so seltsam, wie das, welches Sie nach Ihrem Unfal gegen mich zeigten.“ „Ty. Sie und ich verstehen einander, Herr Esting. Ich wunsche nur zu hören, ob Hildas Verhalten auf einem Wink von Ihrer Seite beruht.“ „Die Frage würde beleidigend sein, wenn ich nich sähe, daß der Arzt recht hat. Sie sind noch sieberisch.“ „Lassen Sie sich das nicht kümmern. Antworten Sie mir!“ „Die einzig erforderliche Antwort ist eine Frage. Hörten Sie je, daß ich mein Wort gebrochen hätte, oder auch nur um Buchstabenbreite von demselben abgewichen ware? Man würde Ihnen in Shuttleton sagen, daß schriftliche Urkunden im geschäftlichen Verkehr mit mir stets eine überflüssige Formalität waren „Hier handelt es sich nicht um geschäftliche Transaktionen in Baumwolle! Ich wünsche zu erfahren, weshalb Hilda sich in dieser außerordentlichen Weise benimmt, nachdem sie doch eben erst versprochen hat, meine Gattin zu werden?“ „Und ich sage, daß Sie den Grund besser als irgend sonst jemand wissen sollten. Sie können das Empfindungsleben meiner Tochter nicht einmal verstehen. Sie beleidigten sie gröblich, und sie hat das übel genommen. Sehen Sie sich vor, daß Sie die Beleidigung nicht wiederholen, oder Sie werden einen endgültigen Bruch herbeiführen.“ Der feste Blick und die drohende Entschlossenheit des Tones versehlten nicht, ihren Eindruck auf Georg hervorzubringen. Halb und halb hatte er die Seite in Herrn Eskings Charatier wieder vergessen, die ihm in jener verhängnisvollen Nacht so überraschend entgegengetreten war. Jetzt empfand er wiederum dieselbe Ueberzeugung, daß dies ein Mann von Eisen war, unzugänglich jeder Beeinflussung durch Drohungen oder Befürchtungen oder Bitten, ein Mann, der seinen Weg tlar vor sich sah und unbeirrt demselben folgte, ob auch menschliche und göttliche Gesetze ihm entgegenstanden. Es gibt nichts, was das nervöse Temperament mehr niederdrückte und beherrschte ##lals diese Form eines willensstarten Charakters. epcorg erwiderte noch immer gereizt, aber bereits in seiner Schwache dem stärkeren Willen sich fügend: „Wenn Sie mir sagen, daß i chUnrecht habe, werde ich versuchen, Verzeihung zu gewinnen. Ich dars dabei noch auf Ihren guten Willen und Ihren Beistand rechnen?" „Ich habe mein Wort gegeren; es nochmals zu wiederholen, ist zwecklos. Hilda ist mein Kind. Wenn Sie sie dazu bringen können, Ihr törichtes und beleidigendes Benehmen zu vergeben, so wird sie von der Verlobung nicht zurücktreten Ich sage aber nicht, daß sie Ihnen vergeben wird! Dann haben Sie noch eine langwierigere und schwierigere Ausgabe vor sich. Ich vergesse nie, Georg!— Aber unsere Vereinbarung war geschlossen, Ihren Teil hatten Sie erfüllt, und nie würde ich mich durch ein derartig gesprochenes törichtes Wort von solch' einer Verpflichtung, wie ich sie Ihnen gegenüber habe, entbunden erachten.“ Dieses kaltblutige Argumentieren erfüllte ihn mit not tieferem Widerwillen, aber er wagte es nicht, demselben Ausdruck zu geben:„Wie soll ich Hildas Vergebung gewinnen?" fragte er mürrisch. „Nicht durch Erklarungen oder Auseinandersetzun gen. Wenden Sie sich rückhaltlos an ihre gnädige Großmut, bitten Sie sie um Vergebung, und bitten Sie sie immer wieder um Vergebung, bis sie Ihrem demütigen Klehen nicht mehr widerstehen kann. Unterdrücken Sie Ihre weibische Reizbarkeit, und lassen Sic Ihr Gehirn und Ihren Verstand tätig sein! Glauben Sie mir, Georg, Gehirn und Verstand in Tätigkeit zu setzen, ist der einzige Weg zum Gluck oder zum Erfolg in den kleinen Dingen des Lebens. Leidenschaft und Unbedacht spare man sich lieber für große Gelegenheiten auf. Die Oeffentlichkeit ver gißt und die Geschichte vergibt, aber die eigene Gattin übersicht nie auch nur das geringste Zeichen von Schwache. Aengstlich besorgt oder demütig zu sein, wenn man sie beleidigt hat, erscheint einem Mädchen niemals schwächlich, aber ihr in hysterischer Aufregung Borwürse zu machen, ob man nun recht oder unrecht hat, das wird ihr stets als Schwäche erschei. nen. Jetzt werde ich Sie allein lassen, Hilda wird zweiselsohne zum zweiten Frühstück zurückkehren.“ Allerdings tat sie das, aber nicht pünktlich, und das Ablegen ihres Reitkleides erforden#e mehr Zeit als gewöhnlich. Georg hatte unterdessen Herrn Es kings seltsame Anschauungen erwogen und sich an geeignet, denn seine Intelligenz war schar“ und ker, weit über das Mittelmaß selbst von klugen Männern hinaus. So zur Tätigkeit aufgerusen, zeigte sie sich der Aufgabe, die er ihr stellte, durchaus gewachsen und Frachte ihn zu dem Entschluß, daß, wenn sämmerliche, demütigste Unterwerfung ihm sein früheres Verhältnis zu Hilda wiedergewinnen könnte, es an derselben nicht sehlen sollte Hilda kam endlich in das Speisezimmer, so maje stätisch in ihrer Jugendschöne, daß Georg fühlte, die Aufgabe, sie demutig um Verzeihung zu bitten, würde ihm sehr leicht werden. Sie beglückwünschte ihn ohne Verlegenheit genau ebenso herzlich, wie sie es in den Tagen ihrer freundschaftlichen Bekann schaft getan haben würde,— nicht mehr und nicht we. niger, nahm einen Stuhl und begann ihr Frühstück mit unverhohlenem„gesunden Appetit. „Ich hofse, Sie hatten einen angenehmen Ritt?“ begann Georg. Herrn Eskings Tochter war ebenso wenig zu vielem Sprechen geneigt, als ihr Vater. „Sehr angenehm. Herr Thorburn schloß sich mir auf seinem neuen Pferde an. Es ist eine Schönheit, iber ziemlich boshaft, fürchte ich. Wie kommt es, Herr Genest, daß die Pferde Ihres Vaters alle so außergewöhnlich wild sind?“ „Das ist eine ungeheuer schwer zu beantwortende Frage. Ich kann nur sagen, daß wir ihnen ein musterhaftes Beispiel sanftmütiger Geduld und philosophischen Gleichmuts unter den schwersten Prüfungen geben. Herr Thorburn kaufte sein neues Pferd vom Warrenhose?“ „Ja. Weißt Du, Vater, er will Thorburns nach den Bildern, die Du ihm geliehen, wieder erbauen, den Hof mit seiner zinnengekrönten Umfassungs. maner, die Bankettballe und alles Uebrige wiederherstellen; und Frau. Godseff win er zu seiner Haus. hälterin machen.“ „Sie ist wenigstens eine echte Antiquität. Die übrigen Projekte sind von zweiselhaftem Geschmack. Beabsichtigt er, die Mauer zu vollenden, wie sie ursprünglich war, mit Ecktürmen, denen am Torwege entsprechend?“ „So habe ich ihn verstanden.“ Herr Esking verfolgte den Gegenstand nicht weiter. Jetzt sagte Georg:„War nicht Herr Thorburn in seiner Heimat ein Flibustier?" „Nein,“ antwortete Hilda, aber ohne allen Nach druck,„er kaufte nur ein Stück Land von einem Flibustier und lebte auf demselben.“ „Ich fürchte, diese seine Unterscheidung würde in einem Gerichtshofe nicht angenommen werden. Jemand erzählte mir auch, daß er als gemeiner Soldat gedient hätte?“ „Freiwillige nannte man sie, glaube ich.“ Hildas Ton naturlicher Gelassenheit konnte keine Eisersucht erwecken, aber Georg empfand denselben als etwas gar zu gleichgültig. Er fihlte einen unbestimmten Verdacht, daß ne ihn vielleicht gar nicht dessen würdig nielte, die Laufbahn und den Charakter von Herrn Thorburn mit ihm zu erörtern Jedenfalls ist er nach allem, was ich gehört habe, ein sehr schöner Mann.“ „Ein sehr großer Mann, mein lieber Georg, und wenn sich irgend etwas Gutes in der Zusammensetz ung seiner Persönlichteit befindet, muß er bei der Länge und Große seines Körpers viele Kubikzoll davon haben. Ich wurde ohne Bedenken mein Urteil dahin abgeben, daß Tvorburn eine große Zahl von Eigenschaften besitzt, welche Jemandem, der in einem seindlichen Gebiete Land kauft und darauf lebt, au verordentlich nützlich sein müssen. Ich weiß nicht, wie weit sie ihm bei seinem Leben als Landedelmann in unserer friedlichen Gegend dienlich sein werden.“ „Ich sollte meinen,“ entgegnete Hilda gelassen, „daß es schon an sich ein gutes Ding wäre, tapfer und stark und allen Gefahren gewachsen zu sein, wie auch immer die äußeren Verhältnisse eines Mannes im übrigen beschaffen sein mögen.“ „Zweiselsohne, über diese Tugenden ohne ihr milderndes Gegengewicht machen ihren Besitzer leicht zu einem Rausbold", entgegnete Georg. „Dann entspricht seine Seele nicht seinem Körper, und er ist nicht tapfer in dem Sinne, den ich meinte.“ „Herr Thorburn ist vermutlich vollkommene Har. monie— Körper, Seele und Geist?“ Hilda blickte ihn erstaunt an.„Weshalb meinen Sie das?“ So direkt herausgefordert, lachte er etwas gezwungen.„Es war nur eine dumme Art der Fragestellung von meiner Seite. Sie wissen, Fräulein Esking, je der Angehörige der Gesellschaft unserer Grafschaft, welcher mit dem neuen Ankommting noch nicht bekannt ist, muß naturgemaß einige Neugierde seinetwegen empfinden, ich wünschte nur Informationen zu erhalten.“ „Wir befinden uns alle in Ihrem Falle,“ sagte Herr Esking,„aber er ist ein Mann, den man nicht so leicht versteht. Meinst Du nicht auch so, mein liebes Kind?" „Ich habe noch nicht darüber nachgedacht,“ antwor tete Hilda kurz.„Aber es scheint mir, daß man nicht leicht einen einfacheren Charakter finden könnte.“ „Dann gib uns eine Schilderung und Erklärung desselben, mein liebes Kind.“ „Ich meinte, daß er leicht zu lesen, aber nicht leicht zu definieren wäre." Beide Herren kamen stillschweigend überein, diesen Gesprächsstoff fallen zu lassen. „Ich hofse, ich werde Sie jetzt gelegentlich sehen, Fräulein Esking", begann Georg von neuem.„So gar der belebende Einfluß Ihrer Stimme geht bei der Uebermittelung durch ein Schlüsselloch verloren.“ „Ich gedenke heute Nachmittag zu Hause zu bleiben. Wenn der Doktor Ihnen erlaubt, auf der Beranda zu liegen, werde ich Sie so gut unterhatten wie ich kann.“ „Der Loktor mußte verzweifelt dumm sein, wenn er nicht einfahe, daß Ihre Gesellschaft mir mehr helsen wird, als ein trovischer Sturm und eine arktische Kälte mir schaden könnte. Lassen Sie Ihre Murmidonen kommen, Herr Esking, bitte. Ich möchte eine Promenade auf meinem Sopha machen.“ Aber er war doch nicht zufrieden. Es würde unmöglich sein, unter den Augen der vorüberkommenden Gärtner und in Hörweite eines vielleicht neugierigen Dienstmädchens so mit Hilda zu sprechen, wie er es wünschte. Fortsetzung folgt. Güavas, der Bergmann. Roman aus dem 10 Jahrhundert von Baring Gould. Deutsch von L. von Dambrowsky. (Nachdruck verboten.) „##as verlung ich nicht von Euch. Soviel steht fest: der Schatz liegt im Romerbergwerk, Gut: Ihr seid zu feige, ihn zu beben, so soll er also dem Guavas gehoren?“ „Nein, bei meiner Seele!" „Nun, so bindert ihn doch daran! Noch ist er nicht unten gewesen, wird es aber sicher tun, sobald er alles eingeschmolzen hat. Gehr jetzt, und racht Euch an ihm; er ist jetzt in der Schmelzbutte, wird aber bald den Heimweg antreten. Sorzt dafur, daß er die Schwelle nicht lebend überschreite!" Noch immer zauderte Rawle „Ich erwarte Euch hier,“ suh: Isolt sort;„habt Ihr ein Messer, oder wollt Ihr meines? Muß ich Eurem Mannesmut auf die Sp. na. bei . In diesem Augenblick tönte#Lange Sumerzens. schrei eines Tieres an ior En zug ich zuckte ein Blitz nieder. in dessen flackerndem n#n sie den Wolf vorbeibuschen sahen. Unheimlich leuchteten sein Gebiß und seine Augen. Rawle wich zuruck, das Roß pursicte und stampfte „Die Bestie luust immer noch frei umher,“ sagte Rawte ihr Anblick macht mir das Blut gefrieren.“ „So tamt es wieder auf— nehmt das Messer, rasch und gebt! Und bringt Ihr mirs wieder, roi vom ###u des Guavas, so will ich endlich glauben, daß Ihr ein Mann seid.“ Als Rawle die Schmelzhutte vor sich liegen sah, lich er mit unborbaren Schritten näher und horchte an der Ture. Eldad schien nicht drinnen zu sein. In damaliger Zeit war es nicht üblich, zum wenigsten nicht in Dartmoor, die Türen zu verschließen; #te man###was in Sicherheit zu bringen, so machte ma.: sich Verstacke i. den Felsen oder in der Erde— dergleichen sich heute noch vielfach finden Nachden: Rawle sid überzrugt, daß Guavas nicht anwesend sei stieß e. die Türe auf und trut ein. In der Stubrs unkel und heiß; er entzundete ein Endchen das er bei sie, hatte und leuchtete um. her. Das eingeschmolzene Zinn gutze##n ium entgeen, und er betrachte#e es imt lüsternen Blicken, dann sab er sich nac rorem Erz um, wovon ein Hause in der einen Ecke lag. Sein geübtes Auge erkannte sofort, daß er es mit sont keinem Zinn zu tun habe eine Entdeckung, die seine Habgier machtig reizte. Nach einer Weile verließ er die Hütte und machte sich langsam auf den Weg zu den Fords— dort klopfte er an die Haustür und trat ein. Mutter und Tochter fuhren bei seinem Anblick erschrocken aus, doch er winkte mit der Hand, sic zu beruhigen. Habt keine Furcht!“ sagte er und nahm an einem Tische Platz,„ich hege keine böse Absicht und trage Euch nichts näch— ja, ich gesteh es frei, daß ich mich dazumal ungebührlich betragen. Bedenkt aber, Frau Ford, wie ich gereizt worden, und daß mich meine Wunde schmerzte; ich hätte wohl ein gutes Recht, diesen Fremdling Guavas zu verfolgen. Seht her"— er wies auf die Narben an seinem Halse—„so bin ich gezeichnet fürs ganze Leben. Weshalb gabi Ihr iym Obdach? er war dessen nicht wert. Heut aber bin ich gekommen, meine Gewalttat zu fühnen; sprecht, wie boch schart Ihr den Schaden? Ich will ihn gut machen und wir wollen Freundschaft schließen." Joan Ford schwieg und blickte ins Feuer. „Ich habe Euch nicht angeklagt, Richard Rawle.“ jegte ne nach einigem Nechdenken. „Ich weiß es, und aus freien Stucken komme ich — 5 SETTSEUS-S# TSER%SET E SSSSSE, Sbes. und biete Euch Genugtuung. Ich suche mit niemand Streit, am allerwenigsten mit Euch!“ „Warum am wenigsten mit mir?“ „Weil Ihr eine Witwe seid und es nicht von mir heißen soll, ich sei frech wie ein Dieb und Einbrecher bei Euch vorgedrungen. Ich tai es, weil ich schwer gereizt worden— doch Euch kränken zu wollen, lag mir fern.“ Er zog einen Geldbeutel aus seinem Gurt und zugleich eine schwere Pistole, die er vor sich auf den Tisch legte „Was habt Ihr da?“ fragte die Witwe. „Eine Pistole,“ gab Dickon zur Antwort. „Zu welchem Zweck tragt Ihr die bei Euch?“ „Dazu habe ich wohl Ursache, wenn ein Wolf frei in der Heide herumstreift, noch dazu der, von dessen Bissen ich die Narben trage. Noch vor einer Weile sah ich ihn, doch hatte ich nicht Zeit zum Schießen.“ Die Witwe, der die Jeuerwasse etwas neues war, betrachtete dieselbe eingehend und achtete nicht auf seine Worte. „Seht Euch vor,“ warnte Rawle,„sie is geladen und zwar mit einer silbernen Kugel. Ich mein, ge gen so ein Höllentier richtet eine Bleikugel nichts aus, drum hab ich mir eine aus Silber gegossen. Hätt ich den Guavas nicht mit seinem Wolf gesehen, ich wurde denken, er sei ein Verwolf und könnte sich verwandeln, wies ihm beliebt. Aber das sag ich Euch: kommt mir einer von beiden vor den Lauf, ich schieß ihn nieder.“ „Geht Eurer Wege, Ihr Wuüterich!, rief Frau Joan erregt,„zum zweiten Mal drängt Ihr Euch hier ein und führt Böses im Schilde. Seid Ihr denn ganz von Gott verlassen, daß Ihr daherrennt wie ein toller Hund, der nach Blut lechzt? Geht und laßt uns ungeschoren,— wer auf Mord sinnt, mit dem hab ich nichts zu schaffen.“ Weist Ihr mich hinaus, bei solchem Unwetter? Seht, wie es blitzt, horcht aus den Regen! Draußen ist rabenfinstere Nacht, und ich fände mich schwerlich zurecht." „Was kummerts mich? Sucht Euch ein Unterkom. men, wo Ihr mögt, aber hier sollt Ihr nicht verweilen.“ Während die Mutter sprach, hatte Lemonday heim. lich die Pistole vom Tisch genommen und dem Hüte sungen gereicht, daß er sie hinaustrage. Dickon bemerkte es und sprang auf.„Gebt mir meine Wasse!" rief er,„seid Ihr Diebe hier im Hause?" „Ich kann sie Euch nicht lassen, wenn Ihr so Arges damit vorhabt,“ entgegnete das Mädchen. „Gebt sie mir wieder,“ schrie Rawle und zog sein Messer. „Rührt sie nur an, und ich schieße Euch mit Eurer eigenen Waffe tot!“ rief der Junge—„vielleicht daß die silberne Kugel Eure schwarze Seele befreit!“ Durch den Larm aufmerisam gemacht, erschien jetzt Guavas auf der Schwelle seines Zimmers, wo er nach der Arbeit seinen Anzug gewechselt hatte; ihn erblikken und mut gezucktem Messer und einem Wutschrei auf ihn losstürzen, war eins bei Dickon; der Junge, der mu der Schießwasse nicht Bescheid wußte, bemuhte sich vergeblich, abzudrucken, da der Hahn nicht gespannt war. Dickon packte ihn am Arme und hatte ihm die Pistole entrissen, ware nicht Guavas ihm zuvorgekommen, der jetzt selbst auf Rawle zielte. „Rasch,“ rief er,„bringt Stricke, ihn zu binden; er ist von Sinnen und könnte mit seinem Messer Schaden anrichten.“ Als der Junge die Stricke brachte„befahl Eldad: „Lege das Messer hin!" und Dickon war so verblüfft, daß er gehorchte; angesichts der Pistole wagte er keinen Widerstand. „Lemonday,“ sprach Guavas,„habt Ihr den Mut ihm die Pistole vor den Kopf zu halten, während ich ihn binde? Nur„wenn er Widerstand leistet, druckt Ihr los— hier an dieser Stelle.“ „Ich will es tun,“ sprach das Madchen. „Ich bitt Euch, vergißt sein Blut nicht hier! Ohnehin hab ich schon genug zu leiden——“ Frau Joan hielt mitten im Satze inne. „Seid unbesorgt,“ erwiderte Eldad,(wenn Blut vergossen wird, so in es seine Schuld. Ich will ihn sett und sicher binden und dann hinausfuhren." Rawle bebte wie Espenlaub— denn so roh und gewalttätig er war, so feige war er auch; Lemonday aber bezwang sich tapfer und hielt die Pistole, wie ihr geheißen, wenn sie auch ein leises Zittern nicht ganz zu überwinden vermochte— währenddem Guavas Rawle die Hände so sen auf den Rucken band, daß er sich numoglich selber befreien konnte „Ih beisgräre Ens“, sammerte er,„wein mich nicht hinaus bei der Nacht! Even noch sah ich den Wolf voruberlausen, und wenn er jetzt kame, wo mir die Hande gebunden sind——“ „Dann braucht Eure Beine; ich wette, sie sind flink genug.“ Damit saßte ihn Eldad bei den Schultern und brachteihn zum Hose hinaus, wo er ihn seinem Schicksal überließ. Es war so finster, daß man die Hand nicht vor den Augen sah— die Wolken hingen tief, und es regnete in Strömen, ab und zu erhellte ein Blitz die Gegend. In das Haus zurückgekehrt hatte Eldad sich an den Tisch gesetzt und betrachtete das Messer, welches Rawle weggelegt hatte.„Rude und Hündin jagen gemeinsam,“ sagte er mit einem bitteren Lächeln. An den Zaun geleynt, stand Rawle in dem Un. wetter und wußte nicht, wohin sich wenden; jeden Augenblick fürchtete er, der Wolf mochte ihn anfallen. Wenn der Wind i nden schilfartigen Grasern raschelte, oder das Wasser aus einer Dachrinnc aus die Steine aufschlug, glaubte er die Schritte seines Feindes zu hören. Steil siel der Abhang nach dem Flusse zu— wie sollte er es anstellen, um mit gebundenen Hän. den letzteren zu durchwaten? Wie leicht konnze er auf den schlupfrigen Steinen ausgleiten, fallen, und Arm oder Bein brechen! Bleiche Todessurcht lahmte ihn völlig, und sein bischen Mut war ganz dahin, so daß er laut um Hilfe schrie, in der Hoffnung, Isolt möge ihn hören— doch bei dem strömenden Regen hatte sie gewiß langst den Heimweg angetreten! In allem, was er bisher gegen Guavas unternommen, war er klaglich zu Schanden geworden; dies steigerte aber nur seine Wut und seinen Haß, und er schwor, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, wo er sich an ihm rachen konne. Für den Augenblick aber mußte dieser Gedanke in den Hintergrund treten. denn jetzt galt es sein eigenes Leben.— Bald wai es ihm, als glotzten ihn zwei feurige Augen aus dem Duntel an— es waren aber nur ein paar Flocken blumen, die der Blitz grell aufleuchten ließ; bald litzelte ihn etwas im Nacken, daß er aufschrie— ein nasses Erikapflanzchen, das auf der Mauer wuchs hatte ihn gestreift. Ein paar Schritte wagte er sich nach dem Flusse zu, kehrte aber bald zurück; vom Hause her drang ein schwacher Lichtschimmer, und dieser Anblick war ihm tröstlich. Die Fords wurden sein Rusen wohl hören und ihm zu Hilfe kommen. sie wurden nicht dulden, daß er schutzlos den Angrifsen des Wolfes ausgesetzt blieb. In dem Bannkreise dieses Lichtscheines wußte er sich in der Nähe menschlicher Wesen— mochten diese ihm auch wenig freundlich gesinnt sein, es war immer besser, als völlige Einsamkeit. Entfernte er sich, so konnte er in den Sumpf geraten und dort sämmerlich zu Grunde gehen, falls er glücklich dem Wolf ent rann; denn mit zusammengebundenen Händen war keine Rettung denkbar— eine solche war nur möglich. wenn man die Arme ausbreitete und so eine Stutze aus dem Moose und den Sumpspflanzen sand. Rawle überlief es eiskalt bei dem Gedanken. Gleich darauf hörte er unverkennbar Schritte sich nähern und erschraf heftig. „Habi keine Angst, ich bins, Joan Ford!“ sprach eine Stimme. „Nehmt mich herein— versteckt mich, wo es auch sei, bis es Tag wird!“ flehte Dickon. „Nicht doch,“ entgegnete sie, aber befreien will ich Euch. Laßt mich den Knoten durchschneiden." Als es geschehen, fuhr sie fort:„Da, nehmt Euren Geldbeute! und Eure Pistole, und nun geht heim: dort ist der Weg, immer dem Wind entgegen, Ihr konnt nicht irren. Die Wolken teilen sich, es wird heller, und die Scherben werden Euch die Richtung zeigen. Aber kommt nicht wieder in mein Haus.“ Dickon wartete, bis sie sich entfernt, dann mur melte er:„Heim gehe ich nicht bei dem Wetter, aber in die Schmelzhutte,— da ists warm und geschutzt Dort warte ich bis zum Morgen und lauere ihm auf und erschieße ihn mit der silbernen Kugel!" 23. Andern Tages in aller Frühe erkundigte sich vas, nach welcher Richtung Chaw Gully läge; er fragte aber nicht Frau Ford danach, obwobl er ihr lachelnd mitteilte, er werde nicht ruhen, bis er entdeckt, wo ihr Mann das Erz gefunden. Sie schten indes sein Vorhaben zu ahnen und sich darüber zu beunruhigen, denn sie ergriff seine Hand und führte ihn vor das Haus, wo sie nicht belauscht werden konnten. „Eldad!“ sprach sie bewegt,„ich muß mit Euch reden bevor Ihr Weiteres unternehmt. Entfinnt Ihr Euch jeuer Nacht, da Ihr das erste Mal hier waret?“ „Sehr genau. Mutter." „Mein guter Mann sollte gerade bestattet den— ich aber sorgte mich und betrubte mich darum, daß er mit allen seinen Sunden beladen ins Grab sollte. Da kamt Ihr wie von ungefahr, und es ward Euch der Scelenkuchen zu essen gegeben, womit Ihr die Sünden meines Elias auf Euch nahmt.“ „Das ist ein torichter Glaube," wandte Cldad in scherzendem Tone ein. „Mit nichten, und es ziemt Euch nicht, darüber zu spotten. Sagt selbst: sind nicht die Folgen seiner Sunden auf Euch gekommen?" „Welche Folgen?“ „Habt Ihr nicht seit jener Nacht unausgesetzt die Feindschaft des Richard Rawle erfahren mussen? her kommt das?“ „Wir hatten Streit miteinander in Crockern Has, dann auch hielt er mich für reicher, als ich bin, und weil er von niedriger Gesinnung ist, „Und Ihr hetzte iden Wolf aus ihn!“ „Ich berief mich auf ein Gottesurtetl.“ „Zweimal schon hat Dickon Euch nach dem Leben gestanden, und beide Mal seid Ihr errettet worden! Doch wißt, daß hinter dem vermeintlichen Uurecht ein wirkliches steckt. Ich muß Euch die Wahrhett sagen, denn seid Ihr einmal so weit gegangen, so lonnt Ihr nicht mehr zurück. Dickon muß Euch per folgen und nach dem Leben trachten, weil sein Bruder Roger ums Leben kam und noch nicht gerochen ist.“ „Damit aber hatte ich nichts zu schaffen.“ „Ihr nicht, aber mein Gemahl Elias; und die Schuld ruht nun auf Euch, der Ihr den Seelenkuchen aßt und seine Sünden auf Euch nahmt.“ Eldad war sichtlich betrossen. „Mutter Joan,“ sprach er, ein jeder Mensch muß elbst die Last seiner Sünden tragen. Wie einer sich bettet, so liegt er.“ „Kommt Ihr mir mit der heiligen Schrift, so kann ich dasselbe run: Einer wird säen, der andere wird ernten. Mein Mann tat wider Gottes Gebot, indem er Roger Nawie tötete, damit dieser nicht sehen sollte wo das Erz her kam.“ „So war es also wirklich im Römerbergwerk?“ triumphierte Eldad. „Weiter weiß ich nichts, als daß Elias des Rogers Tod verursacht hat, das hat schwer aus seiner Seele jelastet, und ich meine nicht anders, als das Bewußt ein seiner Sünde hab eihm auch das Leben verkurzt. Er hat den Kopf nicht wieder frei erhoben wie vordem. Zu mir allein hat er davon geredet, und auch das erst in der Todesstunde. Da sagte er mir, er könne nicht zur himmitschen Ruhe eingehen, wenn ihm seine Sünde nicht abgenommen werde. Ich aber suchte einen, dem ich sie auflegen könnte, und durch Jugung Gottes kamt Ihr in jener Nacht zu uns. Deswegen ist es, daß Rawles Zorn und Rache wider Euch ent brannt ist; zwar weiß er nicht, daß sein Bruder von eines Menschen Hand fiel, doch seines Bruders Blut, das in seinen Adern rollt, schreit wider den, aus welchem die Sunde liegt.“ Eldads Geist war seiner Zeit vorausgeeilt— die Sitte des Sundenessens erschten ihm als ein krasser Aberglaube; den noch konnte er sich nicht verhehlen, Rawles unversohnlicher Groll etwas von der den Nemesis habe, die sich an seine Fersen heftete seit jener Nacht „Und nun,“ fuhr Frau Joan sort,„beschwöre ich Euch, hört auf meinen Rat. Zwar verbieten kann ich Euch nicht, den Schatz zu suchen, Ihr mußt tun, wozu Euch ein unwiderstehlicher Drang treibt, aber seid auf Eurer Hut! Die Sünde, welche dort begangen wurde, ist nicht ausgeloscht, und ihr Fluch konnte Euch an derselben Stelle tretten“ „Mutter,“ erwiderte Guavas,„Ihr witt wenig Bescheid in der heiligen Schrift und in der öristlichen Religion, wenn Ihr vermeint, daß Sunden von einem Menschen auf den anderen ubertragen werden können durch den Genuß eines Kuchens. Es ist nur einer, der uns die Sünde abnehmen kann, und der die Missetat der Menschen tragt; an den wendet Euch und bittet ihn, daß er die Sunden Eures Maunes auf sich nehme. Ich aber will mich Curen und Lemondans Biten auschlieben, wie geschrieven sieht: Wo zwei oder drei miteinander eins werden, etwas zu bitten, das soll ihnen widerfahren. Alles andere in tbrichter, fleischlicher Wahn und streitet wider Gottes Gesetz und die heilige Kirche. Mich reuts jetzt, dat ich Euch an jenem Abend zu Willen war— nicht ald furchtete ich mich vor den Folgen, bewahre! über weil ich Euch damit in heidutichen Anschanungen Gestarkte. Nun aber gehabt Euch wohl— mich zieht# unwiderstehlich dahin, wo der Schatz liegt und müß ich alle Kraft daran setzen. Redet mir nicht##on ab es ware vergeblich.“(Vortf.)lgt