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Mein Weib, mein warum habe ich sie verlassen?— Warum?— Weil ein Bösewicht kam, der meine Gattin bethörte, ihr schmeichelte und mir ihre Liebe stahl.— That er dies wirklich?— O, fort ihr Augen, fort du vorwurfsvoller, entrüsteter Blick! Ich will es nicht mehr hören, dies„Paul. iar bin unschuldig!" und doch kann denn die Schuld so frei auftreten?— O Gotr! wenn ich mich damals geirrt hätte, wenn ich wegen eines Hirngespinnstes mein Leben lang einsam ge wesen wäre?— Und sie? War sie nicht auch einsam und verlassen? Nein, ihr blieb das Kind, mein Kind, meine süße, kleine Helene!— Nein, nein, sie war nicht einsam!“ rief er vlam## mit wilder Heftigkeit.„Hier in dieser Stadt habe ich ja deutlich ihre Schuld erkannt, sie hat sich ja ihres Buhlen wegen von dem Kinde getrennt, denn die### war damals nicht bei ihr. Und war sie dennoch unschuldig? Ich sah auch Hugo von Bergen nicht in ihrer Nähe. O Gott, reite mich vor Wahnsinn! War ich es damals, als ich sie verließ oder bin ich es jetzt?!"— Der Unglückliche wollte, mußte sich zerstreuen, nahm Hut und Stock und ente zu den weltberühmten Gallerien, in denen sich Meisterwerk an Meisterwerk reiht. Er bemühte sich die Statuen und Gemälde aufmerksam zu betrachten, doch was half es? musiziernden Englein auf diesem großen Bilde, welche den Tabernakel umschweben, hatten sie nicht alle dasselbe sanfte Gesichtchen und das blonde Lockenhaar seine: kleinen Helene?, Und dor: jenen Bild mit dem schönen Mädchenkopfe, waren es nicht Kathchens Augensterne, die ihn träumerisch, geheimnisvoll anschauten?— Sah er nicht überhaupt in jedem Bilde eine Aehnlichkeit mit seiner Gattin oder dem Töchterchen? Langsam wandelte er weiter; eine unaussprechliche Sehnsucht nach dem Glücke seiner Weib und Kind überkam den einsamen Mann= und hätte er Käthchen heute wieder hier gesehen, er würde die Gelegenheit besser benutzt und eine Annäherung versucht haben. Er sah sie im wallenden Kleide oben auf dem Felsgenein stehen, das goldblonde Haar wehre unter dem Sommerhme hervor im Abendwinde— eine hode, poetische Erscheinung, zog sie die Blicke des Wanderers an. Die Gallerien waren überfüllt und ein Menschenstrom drängte und wogte durch die Räume. Paul ließ sich ziemlich willenlos mit forttreiben und gelangte durch den Korrdor nach den an der anderen Erzählung von Clara Wilhelmi. Seite liegenden Sälen. Plötzlich zuckte sein Herz und wie festgebannk blieb sein Auge an dem äußersten Ende des Ganges hängen. Von den kopierenden Malern und Malerinnen etwas entfernt arbeitete eine Dame an einer Staffelei. Er konnte nicht das Gesicht der Malerin sehen, aber was er sah und ihn stutzend machte, waren die schlanke Gestalt und die goldig schimmernden Flechten. Ein Ausruf der Ueberraschung entfuhr seinen Lippen, und die Dame machte ihn auch vernommen haben, denn sie drehte sich um und wandte ihm ihr Antlitz zu. Nein, sie war es nicht, die Gattin,— wie konnte er auch nur in der Malerin seine Gattin wähnen? Noch wehmütiger gestimmt, verließ er die Gallerie. Am Nachmittag erging er sich in der Umgegend stadt. Sanne neigte sich bereits und be „ Paul verfolgte anfangs die breite prächtige Fahr straße, die sich in sanften Windungen aufwärts zieht. In den Villen reiften die Orangen, die Weinranken, mit Trauben beschwert, schlangen sich gleich Guirvon Baum zu Baum. Immergrüne Eichen, Lorbecren und Cypreisen gaben einen schönen Hinter grund für die mit brennendroten Blütendolden been Gebüsche. S#arzäugige ten graziösen Bewegungen spielten in den Anlagen. Mönche in braunen Kutten wandelten, ihr Brevier berend, einher. Und blickte er zurück, so entrollte sich vor ihm das enrzückendste Bild. Die gelben Kluten Strahlen der Sonne ruhten leuchtend auf der Marmor=Facade der Kirche, um welche sich der große Gottesacker erstreckte. Rötliche Lichter webten einen magischen Schein um dieses große Totenfeld, um dieses Feld der Tränen. Die glänzenden, spiegelglatten Flächen der marmornen Steinplatten flimmerten im goldenen Schein der Abendsonne. Paul war geblendet, überwältigt von dem noch nie gehabten Anblick. Er wanderte zwischen den Grabsteinen und Monumenten hin, um diese oft wahren Kunstwerke zu besehen. Auf einer Marmorplatte stand ein Blumen(Nachdruck verboken.) topf aus Porzellan, auf dem mit goldenen Buchstaben„Cäcilia“ geschrieben war.„Morta a l’eta di X anni“ war auf dem Steine zu lesen., Lange betrachtete Paul dieses Grab. „Warum hat sie so früh sterben müssen, die kleine fröhliche Cäcilia“, sagte er.„#### grausam ist vom Sensenmann, Knospen zu brechen, während er welke Blumen, die langsam Blatt um Blatt verlieren, verschont? Wie viel Tränen mögen wohl des Kindes wegen geflossen sein? Wer wird um mich weinen, wenn ich nicht mehr bin? Nur die werden beweint, die viel geliebt worden sind, und ich, habe ich mir Liebe erworben? Ich habe sie von mir gestoßen.“ Noch einmal überschaute er das wundervolle Panorama und schlug sinnend den Heimweg ein. Langsam und u sich gekehrt, ging er„ar Stadt zurück. Inzwischen war d'e Sonne untergegangen und der Mond ging auf. Aber nicht der blasse, bleichsüchtige Mond, wie man ihn in Deutschland konm—, sondern die große volle Scheibe, ganz wie n Glut##etaucht, schwebte gleich einer feurigen Ingel am dunklen Nachtf“#el dahin. Aus einer der Villen. u der#n Aulagen heute Nachmittag die###mmmen Ank. aef drangen Musiktöne an des Thr 5e3 insamen WanDas Lichtder„ d eöffnen.. Valkonzimmer dur., die ennenen und Lorbeerkänme, die das Haus umganen Eine volle Altstimme begann drinnen zu singer und n Llie# einen Augenblick stehen, um zu borchen. 23 italienische Worte, des Lud on mit einer und einem Gefühl gesungen, den der nanm= drer ganz ergriffen wurde. Die Töne 1nd Paul wollte weiter gehen, als die Sun gerenn begann. Diesesmal aber waren. und eine der wehmütigen Melen n, der ir#ch Sag' mir das Wort, das mich einstens hat betört, Lang. lang ist's her, lang. lang i's her! Sing' mir das Lied, das Lang, lang ist's her. lang, lana Dich und mein Glück oll' Du weder mir giebstWeiß ja nicht mehr, wie so un Du#olichst, Weiß ja nur, daß Tu dereinst mich hast geliebt, Lang, lang ist's her, lang, lang ist's her! Panl zuterte am ganzen Körper, er hielt eine große bühende Myrthe umschlungen, um sich daran aufrecht zu halten. Er mußte weiter horchen, obwohl er fühlte, daß ihm das Blut zum Herzen drang. Nr. 64 Der Erzahler. 7991. 9*** " er terzahler. 1901 Dich und mein Glück all' Du wieder mir giebstWeiß ja nicht mehr, wie so lang Du ausbliebst, Weiß ja nur, daß Du dereinst mich hast geliebt, Lang. lang ist's her, lang, lang ist's her! wiederholte er leise. Er sank auf eine neben der Myrthe stehende Bank, bedeckte sein Angesicht mit den beiden Händen und ein qualvoller Seufzer entrang sich seiner Brust. „Ja wohl, lang ist's her,— damals mar ich jung, das ganze Leben lag vor mir in rosigem Scheine, und jetzt?— ein einsamer, gebrochener Mann—. schleppe ich trotz meines Reichtums mühsam das Leben dahin. Ob Kathchen mich wohl meder aufnehmen würde, wenn ich zu ihr käme? Würde sie wirklich vergessen. wie lange ich fortgewesen? Wie lange auch sie einsam und verlassen war?— Sie einsam? War sie es denn? War denn nian wuno von Bergen ihr zur Seitek“ lachte er bitter auf.„O. mein ganzes Vermögen gäbe ich um die Gewißheit, ob sie schuldig ist oder nicht.“ Kennst Du den süßen, den heimlichen Ort. Lang. lang ist's her. lang. lang ist's her. Wo wir einander gegeben das Wort! Lang. lang ist's her. lang, lang ist's her. tönte es vom Klavier zu Paul herüber. „O. o!“ stöhnte er. Wie eine Fata Morgana erstand plötzlich in dem liauen Neleldunst das alte verfallene Kloster mit seinem dunklen Waldeshintergrund vor seinen Augen. Er hörte das Rauschen der Bäume. hörte die Worte Käthchens:„Ich liebe Dich in alle Ewigkeit.“ Mondlicht und Orangenduft haben gewöhnlich eine sonderbar aufregend eWirkung und wie viel mehr nicht, wenn sich solche Musik, solcher Gesang mit diesen vereinigt. Auch Paul gab sich diesem süßen Zauber hin. Er versenkte sich ganz in den Traum des Märchen„Aus der Jugendseit aus der Jugendzeit" und vergaß darüber, wie lange schon dies vorbei sei. „Kehrr, o kehre zu mir doch zurück Du meine Welt. Du mein einziges Glück. Weiß ja nur, daß Du dereinst mich hast geliebt, Lang, lang ist's her, lang, lang ist's her.“ sang die Stimme weiter. „Ja- lang, lang ist's her,“ stöhnte Paul. Er hielt es aber jetzt nicht langer aus, das Nebelbild zerrann, und wie von Furien gejagt, eilte er von dannen, immer mit der Mahnung im Obr: „Kehre, o kehrc, zu mir doch zurück!“ „O, wie gerne kehrte ich zurück,“ klagte er, aber wünscht sie es auch? Bin ich ihr willkommen?— Was in denn heute mit mir? So weich, so wehmütigbin ich seit langer Zeit nicht mehr gewesen. Warum mußte ich auch wieder hierhin zurückkehren? Hier, wvo alles schwärmt, wird auch der nüchternste, prosaischte Mensch von der Schwärmerei angesteckt. Warum mußte ich wieder nach Italien reisen, ist doch die Welt groß genug. Ich hate mir so fest vorgenommen dieses Land nicht wieder zu betreten und doch bin ich wieder hier.— Ja, konnte ich denn anders? War es nicht, als würde ich von unsichtbarer, geheimnisvoller Macht dazu getrieben.— Aber borch! Ein Hülferuf? unterbrach er sein Selbstgespräch, und eilte dorthin. von woher er den Ruf vernomnen zu haben meinte. Dieser wiederholte sich und nun dünkte ihm die Stimme bekannt. Als er in die Nähe eines dichten Taxusstrauches kam, entsernten sich schnellen Laufes einige Männer von diesem. Dies kam ihm verdächtig vor. er ging um den Busch und fand an der anderen Seite desselben jemand liegen. Er beugte sich über ihn und berührte seine Schulter. „Wo fehlt's? Kann ich helfen, sind Sie verwundet?“ fragte Paul. „Verwundet nicht.“ entgegnete der andere.„aber so tüchtig geprügelt haben die Schurken mich, daß ich znich nicht aufrichten kann.“ Was war das nur wieder? Trieb die Phantasie ihr Spiel heutr Abend mit Paul, daß er glaubte, diese Stimme zu kennen? Das Gesicht des vor ihm Liegenden konnte er nicht erkennen, weil er im Schatte lag. Er mußte diese Stimme noch einmal hören. „Wie kommen Sie in diese unangenehme Lage?“ fragte er,„was wollten die Strolche von Ihnen?“ „Ich hatte mich heute Nachmittag ermüdet hinter diesen Busch gelegt und schlief ein. Als ich vor kurzem erwache, hörte ich Stimmen in meiner Nähe. Dieser umfangreiche Tarusstrauch trennte mich von den Männern, welche sich verabredeten, in dieser Nacht einen Einbruch zu begehen. Sie besprachen noch die Einzelheiten desselben. Ich verhielt mich ganz ruhig, damit sie mich nicht bemerkten. Allein, plötzlich mußte ich nießen, und dz durch wurde den Männern meine Gegenwart verreren. Mit einem Sprunge waren sie an meiner Seite und würden mich unfehlbar totgeschlagen haben, hätte Ihre Ankunft sie nicht davongejagt.“ „Versuchen Sie nur, sich aufzurichten, ich will Ihnen helfen,“ sagte Paul, den es drängte, das Gesicht des Sprechenden zu sehen, denn seinen Ohren mochte er nicht trauen. „O. meine Schultern, meine Arme. der Kopf.“ stöhnte der Geschlagene, während Paul ihn aus dem Schatten des Busches entfernte. Aber nun er im vollen Schein des Mondes das Antlitz sah. prallte er entsetzt zurück. „Hugo von Bergen!“ rief er, also täuschte mich mein Ohr nicht. „Werner, Paul. Du hier? Du mein Retter?" fragte dieser erstaunt. „Ich Dein Retter? Nein! Aber fallen sollst Du von meiner Hand. Du Mörder meines Glücks!“ rief voll wilder Erregung Paul.„Es ist gut, daß die andern es nicht vollbracht, daß ich mein verlorenes Glück. mein Weib und men Kind wenigstens rächen kann.“ Mit einem haftigen Griff nach dem Halse Hugos warz er diesen wieder zu Boden: seine Erregung war aber so groß, daß er denam Boden Liegenden nicht festhalten konnte, und dieser sich mit Anstrengung all' seiner Kraft wieder frei machte. (Schluß folgt.) mir erklären über welche Du klagst: sie muß es tun, sie sollte es, weil außerdem kein Grund vorhanden ist, keiner, für den— Widerwillen, den ich jetzt gegen Dich cmpnde.“ Sie hat dies schnell in nervöser Hast gesprochen, mit dem dringenden Wunsche, ihn zu überzeugs, und als sie nun schweigt, scheint sie einer Ohnmacht nahe. Delaney, der sie beobachtet hat, während er hr zuhörte, tritt ein wenig zurück, als ob er gehen wollte. „Ich muß Deine Erklärung natürlich annehmen; mir bleibt nichts weiter übrig. Lebe wohl denn.“ „Du gehst heute Abend also nicht mit ins Theater?" fragte sie, augenscheinlich einen Versuch zu gewöhnlicher Unterhaltung machend. „Nein, ich gehe zu nichts Angenehmem— nicht einmal zum Teufel,“ sagte er mit kurzem Lachen. „Ein anderer in meiner Lage möchte wohl einen traurigen Trost darin finden, den Weg zu gehen; aber mir ist selbst dieser armselige Weg versagt. Willst Du ins Haus zurückkommen oder die anderen weeder aufsuchen?" „Keines von beiden. Ich möchte hier allein bleiben,“ erwiderte sie, sich etwas ungeduldig von ihm abwendend. Es ist ihr jedoch ncht beschieden, allein zu sein. Noch sind Delanens Fußtritte nicht verhallt, als Nora. welche sich nach rechts gewandt hat, Fräulein Cazalet von dem oberen Weg her auf sich zukommen sieht.— Zwanzigstes Kapitel. „Wie glücklich sich das trifft!" ruft Katharine, welche schon von weitem Noras Wunsch, ihr zu entgeben, bemerkt und ihr so die Flucht abschneidet. „Ich hatte keine Ahnung, daß Sie hier wären, und ich wünschte doch so dringend. Ihnen etwas zu sagen.“ fragt Prinzeßchen kleinlaut, in der Voraussicht, daß ihre Stunde gekommen sei. „Wenn Sie wieder," beginnt Fräulein Cazalet mit ihrer klaren, schneidigen Stimme, dem Mädchen gerade gegenüberstehend, und ihre hellen, unbarm herzigen Augen unverwandt auf sich heftend,„wenn Sie weder einen jungen Mann lüssen wollen, so wäh len Sie nicht die Waldchen zum Schauplatz der Sene und— wählen Sie nicht Denis.“ Prinzeßchen wird leichenblaß und ringt nach Atemn; sie zittert an allen Gliedern. „Sie wissen nicht— Sie können nicht wissen, was Sie da sagen.“ stottert sie endlich. „Ich weiß es vollkommen. Ich weiß immer, was ch sage," versichert Fräulein Cazalet ruhig.„Ich sah Sie gestern Abend mit Denis; ich sah ihn sie hält inne und wirft einen Blick tiefen Hasses auf das vor ihr zurückbedende Mädchen.„Wollen Sie, daß ich es wiederholen soll?“ sagt sie dann verächtlich.— „Sprechen Sie nicht so zu mir.; entgegnet Prinzeßchen fast unhörbar.„Wenn— wenn Sie wirklich gestern zugegen waren, so müssen Sie wissen, daß ich nicht— daß es nicht meine Schuld wa:— daß ich nicht das that, dessen Sie mich so grausam beschuldigen. Ich— ich könnte das nicht.— O nein, nein,“ während sie die Augen mit den Händen be deckt,„den verlobten Bräutigam einer anderen— ich würde nicht ich sein, wenn ich so etwas thun könnte. Sie müssen das wissen.“ All ihr natürlicher Mut hat sie verlassen; sie atmet schwer und aus ihren Augen, welche jetzt mit wildem Ausdruck Katharinen anstarren, brechen zwei heiße, bittere Tränen.„Sie müssen es wissen,“ sagt sie wieder in beschwörendem Tone. „Ich weiß nur. was ich sehe und höre.“ entgegnete Fräulein Cazalet ungerührt.„Und— ich sah Sie in seinen Armen. Ihr später angenommener Zorn täuschte mich nicht im geringsten; er war nur ein wohlüberlegter Bestandteil der ganzen, höchst geschickt arrangirten Szene. Es liegt jedoch.“ fährt sie leichthin fort,„für mich kein Grund vor zu weiterer Erörterung dieses, milde ausgedrückt, etwas unschicklichen Vorkommnisses; ich sprach nur überhaupt davon. um Sie zu warnen— verstehen Sie wohl, um Sie zu nirnen—. daß Sie m Zukunft Denis nicht eima wieder zu derartigen Thorheiten verlocken.“ „Mich zu warnen!“ ruft Prinzeßchen, bei dieser Beschimpfung ihren Mut wiedergewinnend. „Jawohl,“ ist die ruhige Entgegnung.„Wenn sie sich noch einmal zwischen mich und Denis drängen, so werde ich jedermann hier bekannt machen mit dem, was ich gestern Abend sah, das erkläre ich Ihnen hierdurch mit aller Bestimmtheit.“ „Niemand hier würde Ihre Darstellung der Sache glauben— niemand!“ sagt Nora leidenschaftlich. „Dennoch schaden solche Geschichten,“ meint Frähilein Cazalet mit börem Lächeln.„Und ich glaube kaum, daß es Ihnen lieb sein würde, wenn ich das Erperiment anstellte.“ Prinzeßchen macht eine leichte Bewegung mt ihrer kleinen, zitternden Hand; sie kann nicht sprechen. O. daß sie von diesem schrecklichen Weibe hinweg könnte, gleichviel wohin, nur fort! „Sie verstehen also.“ beginnt Fräulein Cazalot wieder. „Sie haben keinen Grund, so zu mir zu reden.“ unterbricht Prinzeßchen sie mut der höchsten Anstrengung. ruhig zu erscheinen.„Denis ist mir nichts— nichts— und ich bedeute ihm noch weniger. Sie mißverstehen die Dinge.“ „Und gestern Abend? Mißverstand ich da auch?“ „Denis war zu tadeln, das gebe ich zu. Ich sagte ihm das soeben.“ Ihr thörichter, großmütiger Wunsch, ihn ein wenig zu entschuldigen, läßt sie nach kurzem Zögern hinzufügen:„Aber Sie sollten eingedenk sein, daß es nur die Thorheit eines Augenblicks, eine momentane Versuchung war, der er nachgab" (Fortsetzung folgt.) Prinzeßchen. Erzählung von Mrs. Hungerford. Autorisierte Uebertragung von P Wollmann. Nachorun berooten „Ich wüßte wirklich nicht, daß ich mich je besser amüsiert hätte.“ sagte Lady Glandore in ihrer matten Weise mit Bezug auf das Vergnügen des vorhergehenden Abends. Einige Gäste des Hauses schlen dern zellos den Fußpfad hinunter nach dem Wäld cen und verhandeln daber über die Vorteile und Nochteile des Tanzens „Ich bin gewiß, daß ich es nicht tat.“ versicherte Herr Greene. der wie gewöhnlich, Noras Schatten ist. „Aber Fräulein Delanen ist unheilvoll schweigsam. Welche Wolke bedrückt Sie. Fräulein Delancv?“ „Nora. Unsinn!“ sagt Lady Glandore, dem Mädchen gutmürta zu Hilfe kommend.„Glauben Se ihr nicht, wenn Sie vorgiebt melancholisch zu sein. Wi. ich ganz bestimmt weiß. tanzt sie Löcher in die Strümpfe. und was könnte ein Mädchen mehr per songen.“ „Ich wüßte nichts weiter, als etma für Löcher unzugängliche Strümpfe.“ antwortete Herr Greenc bescheiden „O. man wünscht viellecht mehr als das!" sog: Fräulein Cazalet mit unterdrücktem Löcheln „Was Nancy Blake anbelangt—; bemerkte Lady Glandore, als die beiden Vordersten gleichzeitig„st!“ rufen und stehen bleiben, die Augen auf einen kleinen freien Raum in der Lorbcerbecke gerichtet, durch den man deutlich einen Rücken sieht. Sicherlich gehört e: Nancy Blake und ebenso ist gewß der dich; daneben Lord Kilgarrifis. Das wär: nun weiter nicht von Bedeutung. Aber was umschlingt die zarte Kundung von Fräulein Blakes Taille? Einmüt g man; die heranrückende Armee Kelrt wendet sich und flieht, wahrend Ladn Glandorc ganz besonders erfreut durch diesen kleinen Einblick in ihrer Frrundin Nebenbeschungungen unbaltend und Höchst übermüt g lacht Prinzeßchen ist vielleicht ein wenig erstaunt. Es ist für ein junges Mädchen siets sehr überraschend, wenn sie entdeckt, daß ein Mann der ihr gehuldigt hat gleiche Reize nun auch in einer anderen sieht. „Ist Nancy nicht köstlich?“ fragt Lady Gandore, „e außero:dentlich unbefangen, finde ich.“ „Ich finde das auch“ meint Herr Greene mit absichtlichem Mißverstehen.„Ich habe immer gesagt, daß er der beste und mbefangenste Bursche ist, den ich kenne.“ „Das meinte ich nicht“ versetzte Ladn Glandore etwas erregt.„Ich m.nnte—“ „Daß Nancy köstlich ist,“ fiel Baron Philipp ein, „und wer kann dem widersprechen? Sie ist eine ron den wenigen reizenden Erscheinungen, die es noch auf Erden giebt „Ist sie wirklich so entzückend?" fragt Fräulein Cazalet, die Augenbrauen in die Höhe ziehend.„Es muß wohl so sein: aber ich gestehe, daß ich immer nicht recht begreifen kann, was sie alle an ihr finden.“ „Jedenfallé ist es zetzt sehr begreiflich,“ sagt Herr Greene bescheiden.„Sie saben es ja selbst.“ „Wos?“ fragt sie scharf. „Nun. Kilgarriffs Arm. Der war doch an ihr — oder um sie— nicht wahr? Während Fräulein Cazalet ihre sehr natürliche erngschätzung über diesen unseinen Scherz zu erkennen giebt. tritt Delaney zu Nora und berührt leicht ihren Arm. „Komm diesen Weg: ich mochte— ich muß mit Di: sprechen.“ Etwas in seinem Wesen bestimmt sie, seinem Verlangen nachzugeben, und sich umwendend. beiritt sie mit ihm den schattigen, einsamen Z####pfad den er ihr bezeichnete „Nun?“ fragt sie kalt, indem sie kurz stehen bleibt und ihn ansieht. Er sieht blaß elend imo niederge schlagen aus und dunkle Schatten unter seinen Augen erzählen von einer schlaflosen Nacht. Nora empfin det Herzweh bei diesem Anblick. „Vergieb mir!" bittet er dringend, indem er ihre Hand zu ergreifen versucht„Ist meine Sünde so unverzeihlich, daß ich nicht um Verzeihung bitten darf? Hade Mutleid unt mir. Für Dich, die Du so gleichgültig bist, ist dies alles nichts, aber für mich für mich, der ich Dich so wahnsinnig liebe, ist Dein Zorn schrecklich wie der Tod. Nora- sage, daß Du mir vergiebst.“ „Nein; es ist unmöglich,“ sagte Prinzeßchen langsam. Die Farbe ist aus ihren Wangen gewichen und sie hält ihre Augen auf die Erde gerichtet, weil sie es nicht ertragen kann, ion anzusehen. Und doch ist es wahr; Vergebung kann sie ihm nicht gewähren. „Sage das nicht. Du solltest Deine Worte woll erwägen, ehe Du so grausam sprichst. Sieb, ich gehe heute fort und werde morgen erst zurückkommen; schicke mich nicht von Dir unt dieser Last auf meiner Seele. Ich beschwöre Dich, tue es nicht. Ich habe so viele Stunden, so vielr schlaflose Stunden über das Geschehene gegrübelt, daß—“ und er seufzt schwer—„daß ich Dich bitten wollte, nir ein freundliches Wort zu gönnen, und mir dadurch meine Reue ein wenig zu erleichtern.“ „Ein Wort— was kann ich sagen?“ Daß Du mir verzeibst. Ich weiß, daß das viel verlangt ist aber—“ „Ich will nicht; ic kann nicht!“ ruft sie bastig, immer noch starr zu Boden blickend. „Nun dann nicht,“ sagt er matt. Er geht von ihr. kehr: aber plötzlich zurück und, ihr Gesicht mit iner Hand emporbebend, zwingt er sie, ihn anzusehen. „Weich' ein Gesicht! Ganz Liebe, Zärtlichkeit. Freundlichkeit; und doch, wie hart, wie unversöhnlich kannst Du sein. Bist Du Fleisch und Blut, daß Du mich so kalt zurückweisest? Vor einem Augenblick sagte ich, daß Dir dies alles nichts bedeute, weil es Dich nicht rührt: aber ich sprach gegen meine bessere Ueberzeugung!“ ruft er leidenschaftlich;„ich glaube dennoch, daß es Dich bewegt! Du warst einmal meine Freundin, Du kannst nicht so ganz und gar umge wandelt sein.“ Und doch bin ich es. Ich kenne mich selbst kaum. seit ich bier bin. Nenne mich launenhaft— was Du illst, aver glaube nur versichert sie dringend;„daß das Müdchen, welches Du in Ballybinch kanniest, nicht das Mädchen ist, welches Du jetzt kennst. Meine Neigungen haben sich vollkommen geändert. Was ich damals gern hatte, scheint mir nun wertlos; was mich damals befriedigte, schätze ich jetzt nicht mehr. Viellecht mag diese Wandlung diese Veränderung in # Allerlei. Zur Ermordung des Grafen Pückler in Kamerun berichte die Nordd. Allg. Ztg. Dem jetzt eingegangenen Berichte des Gouverneurs von Kamerun zufolge ging die erste Nachricht über den am 22. Januar erfolgten Tod des Stationsle ters Grafen Püaler am 3. Februar in Duala ein. Es wurde sofort eine Straf= und Entsatzexpedition zusammengestellt, die am nächsten Morgen an Bord des Regierungsdampfers Nachtigal Duala verließ, um in Viktoria wei tere Verfnrkungen aufzunehmen und am 5. Februar in Rio del Rev und erwa am 14. Februar in Ossidinge einzutreffen. Die Erpedition wrd befehligt von Leutnant Nitschmann. Tazu treten Leutnant v. Paulitz und 37 Mann der Stammkompagnie. Mit der gleichen Gelegenhei i#t als Nachtolger des Grafen Pückler der Stationsleiter Kummer mit 20 Mann Polizei nach Ossidinge gesandt worden. Bis zur Herstellug geordneter Verhältnisse ist für den Bezirk der Kriegszustand erklärt worden. Nitschmann hat Besehl, zunacht das nördliche Croßufer vom Feinde zu säubern und die dort bedrohten Punkte zu sichern. Gleichzeitig erh elt der Stat onschef und Kompagnieführer v. Knobloch in Bomcreda. das nur drei bis vier Tagereisen vom Schauplatze der Ereignesse entfernt ist, den Befehl, mit einem größeren Teile der Kompagnie in das Aufstands##ebiet an zumaricheren und sich sobald als möglich mit der Kolonne Nitschmann zu vereinigen. Reide Erve dir onen sollen dann unter dem Befehle Knoblochs nach Norden marschieren, in Bosho ein#vempel statuieren und das ganze Geviet nördlich des Croß an der engl schen Grenze entlang von Revellen saudern und ei nfür allemal unterwersen. Der Gouverneur bemeet weiter, van netummgung und begleitet von zwei Vertretern der Gesellschaft Nordwest=Kamernn unternommen habe. um vor dem Antritt seines Urlaubes dem Handel m Norden des Bezirks die Wege zu öffnen. Diesem friedlichen Zweck entsprechend hatte Pückler nur eine Begleitmannschaft von 30 Polize soldaten bei sich. Da er bei seinen früberen Reisen in dem Bezirke nie in krieger'sche Verwickelungen mit den Eingebore nen geraten war den Stamm der Arjangs von seinem vorjährigen Besuche kannte und für durchaus harmlos hielt, so glaubte er auch diesmal friedlich durchzukommen. Leider hat Pückler sich in dem Charakt## der Bevölkerung und in dem Vertrauen auf seinen Einfluß au dieselbe getäuscht. So geriet er in eine Falle und wurde mit dem größten Teile der Erpedition ausgerieben. Auch die ihn begleitenden Angestellten der Gesellschaft Nordwest=Kamerun, Küster und Schoof, sind gefallen. Eine authentische Darstellung der Ereignisse wird daher schwerlich zu erhalten sein. Der„Fortschritt“ in Monte Carlo. Monte Carlo geht mit der Zeit mit. Nirgendo auf Erden ist die Fähigkeit, demn Publikum den letzten Pfennig auszupressen, so entwickelt wie in Monte Carlo: die neuesten Fortschritte auf diesem Gebiete schildert Aler Keneoly in einem englischen Blatte. Monte Carlo hat sich in zehn Jahren mehrfach vergrotzert. Der jahrliche Ertrag beträgt etwa 20 000100 Mark. Es st ein großer Spieltrust geworden, de- allem Wettbewerb trotzt. Die große Geschäftstüchtigkeit hat Monsieur Blanc zu der Entdeckung geführt, daß einige glückliche Spieler Geld von Mant: Carlo mitgenommen haben. Das ist ein Fehler in seinem System, dem er abzuhelfen gedentt: denn nach seiner Mennung braucht die Kasinogesellschaft das care Geld viel mehr als sonst jemand. ##zontalls hat Monsieur Blanc es so eingerichtet, daß so wenig Geld als möglich aus seinem Fürstentum ausgefuhrt werden soll. Eiwa zweihundert Spione sind in Monte Carlo beschäftigt. Sie drängen sick in den Spielzinnnern, sammeln Mater al über di Spieler, sangen Taschendiebe und verzagen sie, spü xen rsonen aus, die falsches Geld setzen, und mach n in Iu hren 711 n nützlich. r auch, statistisches el die großen Gewinner ns mas sio damnt inn. Diere Leute haben entdeckt, daß ei Spieler, wenn er ein ge Zehntausend beim Roulette oder trent###et-quarante gewannen hat. dieses Spiels überdrüssig ist. Er will eine neue Welt erobern, geht fort und verliert seinen ganzen Gewnn in Nizza oder Cannes am Baccarattisch. Das ist die fiskalische Frage für Monte Carlo. und Monsieur Blanc hat Schritte getan, um de veroerbliche Ausfuhr von Gold, das sehr ant dort bleiben könnte, zu verhindern. Man kann jetzt also auch Baccarst. Bridge oder Poker in Monte Carlo spielen. Nicht im Kasino, dort ist kein Platz. Ein eleganter Rlud ist gegründet worden, und Gewinne aus den Kassen der Kafinogesellschaft gehen über den Klub wieder in dieselben Kassen zurück. Außerdem sind jetzt die Spieltische bis 1 Uhr nachts geöffnet, und man kann im Gebäude sogar ein Schinkenbrot erhalten, damit man seinen inneren Menschen erfrischt und die nötige Kraft hat um weiter Geld zu verlieren. Monte Carlo ist ein Paradies für Selbstmorde. Wenn man sich die Kehle durchschneiden oder den Verdauungskanal durch Karbolsäure ausbrennen und nachher das nötige gesetzliche Zeugnis haben will, daß man an Altersschwöche stard, braucht man nur sein Rasiermesser oder seine Karbolsäure nach Monte Carlo zu bringen, wo kein Zeugnis eines Selbstmordes je beigebracht wird. Vor kurzem erschoß sich ein Mensch gerade dor der Motorfahrschule gegenüber Ciros Gallerie. Nach wemigen Sekunden sprangen zwei einfach gekleidete Männer— es waren Spione— heraus und zogen die Leiche in einen Laden, von wo sie verschwand; denn das System arbeitet pünktlich wie eine Uhr. Vorübergehenden, die fragten, was los wäre, wurde versichert, es hätte sich nur um einen Kampf zwischen Hunden gehandelt, und als mand auf einen Selbstmord anspielte, bezeichnete man ihn als Träumer, der Dinge sah. die nicht vorhanden waren. Jedenfalls muß der Leichenbeschauer aundsätzlich an einen natürlichen Tod glauben.— nur daß er nicht sicher wäre, ob es Gicht oder Schlagluß war, wenn einmal ein Mann von einem Damof. hammer zu Brei zerdrückt wurde. Einen Schat fanden, wie aus Brüssel berichtet wird, zwei Arbeiter, als sie n Mons einen Baum Uten. der in einem Garten in der Mitte der Stadt stand. Der Schatz, der unter den Wurzeln des Baumes lag, besteht aus 1500 Goldstücken. Louisdor, Silberkronen und halben Kronen. Einige Goldstücke steckten in einer seidenen Börse. Die Münzen zeigen die Bildnisse Ludwas Xd., Ludwigs XVI. und Maria Theresias, die neueste stammt aus dem Jahre 1785. Der eigentliche Wert des Schates beträgt 8000 Mark. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckerei. Verantwortlicher Redakteur F. Z. Knappe in Bochum.