Nr. 60 F 1 let 1901 Eine Schlittenfahrt über den Baikalsee. Die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die Russen beim Truppentransport über den Baikalsee über den jetzt ein Schenenweg gelegt ist) zu kampfen haben, läßt die Schilderungen eines eng lischen Korrespondenten erkennen, der fünf Tage nach der Kriegserklärung auf der Rückreise aus dem Osten am Baikalsee anlangte und die Ueberfahrt auf Schlitten machte:„Alles sturzte zu den Schl tien, die für uns bereit standen. Mit einiger Mühe sicherte ich mir einen Platz in einem derselben und begann die Fahrt, engehullt in alle die Bedeckungen, die mir nur zu Gedote standen. Als wir uns auf dem See selbst befanden. faßte uns der Wind. der alle meine Pelze zu durchdringen schien. Ich habe noch nie in meinem Leben so sehr unter der Kälte gelitten; und dabei war der gremmige Sturm mir nur rn Rücken, die Truppen hatten ihn im Gesicht. Dieses endlose Vorrücken der russischen Verstärkungstruppen über diesen arktischen See bot ein seltsalnes Schauspiel. Der Weg war durch Telegraphenpfosten bezeichnet, die in Entfernungen von etwa 180 Metern ausge richtet waren. Als wir einhersausten mit einer Geschwindigkeit von gut 1212 Kilimeter in der Stunde, wobei unser Kuticher dem Pferden einen seltsamen Gesang vorsunnte, schien die Reibe von vorrückenden Schlitten. Tausende zu zählen. Bei diesem Truppentransport wurden sechs Mann in einen Schlitten gepackt, der nur für drei gebaut war. Biswelen traf ich einen leeren Schlitten, neben dem die Soldaten einberstampften, um die ersiorenen Glieder zu erwärmen. Am Wegesrande fuhren die Schlitten mit Vorräten, die meisten mit fünf Pferden vor jeden. langsam in langen Linien vorrückend. Ich sah mehrere Schlitten, aus denen Schienen hervorragten, aber zu jener Zeit— am 15. Februar— war noch keine Spur irgend einer Bahnlinie über das Eis zu sehen. Wenn dies also geschehen ist. so muß es an späterem Datinn gewesen sein, als die russische Presse ankündigte. Die Oberfläche des Eises war sehr unregelmäßig und uneden. An einigen Stellen waren fußbreite Risse und Spalten, während bier und da das Eis sich zu Hun hatte, die mich fast aus meinem Schlitten warfen. Trotz des Windes war ein seltsamer Nebel um uns, der die Fernsicht verhüllte. Nach 2½ Stunden sahen wir die große Erholungsstation aus Holz. Filz und Ziegeln, die jedes Jahr in der Mitte des Sees erbaut wird. Den müden Reisenden schien sie ein wahrer Palast. Erst nach zwei Tellern Suppe und etwas dampfenden Kaffee fühlte ich weder meine Beine und Füße. Jedoch die armen Soldaten fuhren daran vorüber ohne Halt= auf ihrer Reise von einem Ufer zum anderen. Mit großem Bedauern verließ ich die gastliche Erbolungsstation und verschrand dann wieder in meinen Hüllen. Seas Stunden nach dem Aufbruch erreichte ich eine kleine Stadt. wo meine Eisenbahnreise aufs neue beginnen sollte. Immer mehr und mehr Truppenzüge trafen wir an als wir westlicher kamen. Nach meinem zweiten Tage veränderte sich der Typus der Soldaten. der darin fuhr. Es waren nicht mehr junge Rekruten sondern die Reserve— wohlgebaute Männer in mitt leren Jahren. Zum ersten Male bemerkte ich Ka nonyn; jeder Zug hatte zwei offene Güterwagen am Ende. die jeder eine Kanone enthielten. Wäh rend des ganzen Verlaufs meiner Reise sah ich nicht daß Pferde befördert wurden, obgleich ich erfuhr, daß mehrere Tausend erwartet wurden. Die Kriegspreise begannen sich an den Buffets fühlbar zumachen. Die Bauern hatten die Lieferung von neuen Lebens mitteln lange eingestellt, und der Preis für Lebens mittel stieg beständig. Das Brot verteuerte sich um das Dopvelte. Zucker und Kaffee um das Dre fache Gleichzeitig bemerkte ich auf den Nebengleisen die gewöhnlichen Warenzüge, halb vergraben in Schneewehen.“ 9 Eine Dioputation über Luther in Italien. fand am 3. Februar in Monza statt. Protestantische Blätter(wir folgen hier de:„Thüringer Ztg.“ Nr. 43) stellen die Disputation so dar, als habe sie mit einem glänzenden Sieg der Protestanten geendet. Der katholische Rechtsanwalt Serralunga habe den Satz aufgestellt:„Euer Luther testant geworden, um eine von ihm geraubte Nonne heiraten zu können.“ Er sei aber durch den waldensischen Pastor Buggelli widerlegt wordon„unter donnerndem Applaus der Versammlung".— Das erzbischöfliche Ordinariat Mailand erh elt über den Verlauf der Disputation folgenden Bericht, dar uns gütigst zur Verfügung gestellt wurde: In einer Privatversammlung am 6. Dezember 1903 wurde der der kathol schen Partei angehörige Advokat Serralunga=Longhi von dem protestantischen Pfarrer Buggelli aufgefordert, seine Behauptung, „Luther have das Ordenskleid abgelegt, um dann mit einer Ordensfrau ehelich zu leben“ in einer öffentlichen Osputation## beweisen. Serralunga sagte zu. Bald darauf lud Buggelli seinen Gegner ein, den Satz zu beweisen:„Luther habe das Ordenskleid abgelegt. um eine von ihr geraubte Nonne heiraten zu können". Diese Beyauptung hatte Serralunga nicht aufgestellt; einzal hatte er die Worte „von ihm geraubte“ nicht gebraucht und ferner hatte er nicht daran gedacht, dem Wörtchen„um“ eine kausale Bedeutung beizulegen, als wenn die beabsichtigte Herrat der Nonne der Grund gewesen sei, weshalb Luther das Ordenskleid ablegte. Serralunga wies daher die Disputation ab, und nun berief Buggelli auf eigene Faust eine Versammlung, wozu Serralunga dann doch erschien. Er stellte nun fest, daß seine Worte eigenmächtig durch Buggelli verändert wurden und ging dann in glänzender Rede auf das Leben Luthers und dessen Verhältnis zu Katharina von Bora über. Die Versammlung deren Teilnehmer der Wehrzahl nach zu den Geg nern Serralungas gehörten, endeten mit einer zwei □)) ge fellos günstigen Aufnahme der von ihm verteidigten E1 S Nach der Prüfung etwaiger Berufungen durch den Appelhof wird das Urteil am 25. April endgültig Rechtstraft erhalten. Welche Düngung, so fragt sich heute der Landwirt, gebe ich meinen Fruhjahrssaaten, um befriedigende Kornererträge zu ernten?— Kräftige Kornervildung wird st nur darum Pro= durch reichliche Phosphorsäuredüngung gefördert. Zur Bereicherung der Felder mit Phosphorsäure in dieses Jahr die gunstigste Gelegenheit, da das Thomasmehl im Preise so billig steht, wie seit Jahren nicht. Infolgedessen ist zur hei garantiert reines Thomasschlackenmehl auf allen Bodenarten rentabler, als jeder andere Phosphorsäurefinde: Pfeitfer& Diller““ echte und überall bekannte Kaffee- Essenz Gerichtlickes. * D o r t m u n d, 1 2. M ä r z. B a n k k e r W u l f f#### r d e n a c h mehrtägiger Strafkammerverhandlung von der Anklage der Untreue freigesprochen, dagegen wegen Bilanzverschieierung in drei Fällen für schuldig erklärt. Urteil lautet an acht Monate Zuchthauszusatzstrafe und 4500 Mark Tusseldorf, 12. März. Im Wiederaufnahmeverfahren sprach heute die hiesige Strafkammer den An Gespenster glaub io nicht, (9), sagt der Herr Oberforster am Stammtisch, aber vor sI einem Gespenst hab ich doch heillosen Reipekt: Vor en: der Iniluenza nämlich, zumal bei dieser Jahreszeit. Die 7.1. Jufluenza beschleicht einem heimtuckisch, man denkt, man hat nur einen simpeln Katarrh, dei alleine wieder vergebt und dann hat's plötzlich doch fst beim Krageg. — pas ist 8 eben, sagt der Ano beker, der Katarrh! Den lasen die Meisten unbeachtet und dann lassen sich die Folgen oft gar nicht abseden. Aber ich weiß aus der Praris, daß die Leute jezt mehr und mehr auf ein ganz prachtiges Mittel verfallen, um Katarrhe und die Insluenza zum Kuckuck zu jagen: Fay'e achte Sedener Mineralp stillen werden jetzt massenhast verlangt und wie oft ich auch nach dem Erfolge frage: Alle sind sie des Lobes voll und ich kann gar nicht g g e n g S t a c h t e l n a n s c h u f f e n D i e P a s t i l l e n e m p f e h l e i c h * 14° Iynen aufrichtig, Oberförster, Sie werden mir fur den (20 guen Rat noo dankbar sein.— Zu 85 P),, per Schach#el in allen Apotheken, Drogen= und Mineral= wasserhandlungen zu haben. Gaben für die dringend notwendige Errichtung einer 5 95 ∆ Notairche in Wambelerholz werden eg gengenommen on der Expelition der Weüf. Volkheitung. Schreinergesellen nrich Kutscher 0 Um Preuer weiche migen schmeren Enoruchetientagl zu ewe# es u. 26. 80 Jahren Zuchinmn- dezw. acht Monaten Gefangnis verurEin. teilt worden waren, unter Feststellung iorer völligen] Um das welt#ewegende Ringen um die Vorherrschaft losigleit frei. Die Verurteilten hatten in Ostasien, den Rslauu vei ur Greu be euuue Girgze russisch-japanischen Krieg * Petersburg, 12. März. Der—.„„„„„„„- 0„ □ der Anstifter des vom Studenten Balmaschew verübten Mordanschlags auf den Minister Ssipjagin wurde am 10 März mit seinen beiden Genossen. die Gerschun angegeben hatte, zum Tode durch den Strang verurteilt. Als da- d rteil verlesen wurde, warf Gerschun sich auf die Knze und bat den Gerichtshof flehentlich, ein Gnadengesuch für ihn beim Kaiser zu befürworten. er bitte um Gnade, als gemeiner Soldat in Ostasien sein Leven für das Vaterland einsetzen zu dürfen. Der Gerichtsbof beschloß, sein #nadengesuch dem Zaren zu unterbreiten.— Die Genossen Gerschuns sind bereits gestern in Schlüsselbura hingerichtet. * Kischinew, 12. März. Nach zweimöchenklicher Verhindlung des Prozesses gegen Renak und 53 gegen genau verfolgen zu können, und zum Verständnis der eichen Nau#en vom Kwegsschauplatz in eine gute arte unentbehrlich. Wir haben uns daber entschlossen, unseren Abonnenten für die geringe Vergütung von 10 Pfg. eine K* 14 Snazialkarto G 350 ind der angrenzenden Gebiete zu farbige des Krieg liefern. —* Bestell indere Angeklagte wegen der Ausschreitungen fällte das Gericht eklagte wurden des Mordes. die daran beschuldigt. Rußnak und 7 tordung des Ehepaares Fonarst ind zu 4 Jahren beziebungsweise eit verurteilt.(l) 15 andere 9 freiheitsstrafen von 4 Monaten bis teilt, 36 wurden freigesprochen. Den von den Juden eingereichten Zivikforderungen wurde keine Folge gegeben. Juden begangenen schränkten An ente das Urteil. 18 An= möglichst sofor: Auch in ordian wurden der Erfür schuldie befunden 8 Monaten ZwangsarAngeklagte wurden zu zu 9 Jahren verurngen auf die Karten, die nur in einer bezahl vorhanden sind, bitten wir bei unseren Agenten und Boten zu machen. Auch in unserer Geschäftsstelle sind die Karte erhältlich. Westfalische Voltszeitung. Verantwortlicher Redatteur F. Z. Knappe in Bochum. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckerei. „Was trägst Du in dem Kasten?“ „Ach, ein Meerschweinchen!“ „O, ein allerliebstes Tierchen, zeige es uns dock schallten die Stimmen durcheinander, und dicht drängten sich die Kinder zu dem Kleinen. „Wenn das Terchen in dem Kasten bleibt, können wir Alle es nicht sehen, laß es auf den Rasen laufen, es ist doch zahm,“ sagten einige der Kinder. Der Savoyarde erfüllte die Bitte, und nun konnten Alle das schöne, schneeweiße Tierchen bewundern. „Husch, husch, huschl!“ jagte emes derselben dieses und scheu lief es weiter; andere liefen hinzu Erzählung von Clara Wilhelmi. baren Gegensatz zu dem schwarzen ihrer Begleiterinnen. Sie war in der letzten Reihe und ging neben einem aus dem Garten kommenden Nönnchen, mit dem sie einige Worte wechselte. Die Mädchen verchwanden eins nach dem andern in dem hohen Portal, nur das von Paul so lange beobachtete nicht. Sie reichte der Schwester die Hand und wandte sich dem gepflasterten Wege zu, welcher in gerade: Richtung vom Portal des Klosters zu der Kirche führt. „Warum sucht sie noch allein die Kirche auf?" dachte der Einsame auf seinem Lauscherplatze.„Gees Weiler, Unldere lesen Heso„ 0„ um es einzufangen, dadurch wurde es aver erschreue######u sie irgenz ein Anliegen, vielleicht gar einen noch mehr geängstigt und es floh immer weiter, kreuz und quer üder Rasen und Wege. Der Krabe lockte, aver es kam nicht. Da lief auch er hinterdrein, um das Tierchen einzufangen; jetzt war es ganz in seiner Nähe, die Hand nach iym ausstreckend, beugte er sich nieder, strauchelte und fiel mit dem Kopf auf einen spitzen Stein. Das Meerschweinchen in der Hand erhob er sich wieder, aber dicke Tropfen Blut rannen seine Schläfe hernieder und fielen wie dunkelrote Perlen auf das weiße Fell des Tieres. Erschreckt liefen die Kinder ausemander und der irme verwundete Knabe stand allein und ratlos da. Das blonde Mädchen aber trat zu ihm hin, reichte ihm die Hand und führte den Savoyarden nach dem uuf dem Platze befindlichen Brunnen, wusch und re#nigte ihn von Schmutz und Blut und verband die Wunde mit ihrem Taschentuch. Paul beobachtete dieses Alles von seinem durch Buschwerk verdeckten Platze aus.„Sieh', die Kleine hat doch ein gutes, edles Herz und einen praktischen Sinn,“ sagte er zu sich, wie schade, daß ich nicht hören kann, was sie zu ihm spricht, o. ihre Worte müssen Nusik sein. Doch an wen erinnert sie? Habe ich sie m Traume gesehen? Jetzt hatte die Blondine ihren Samariterdienst sollendet, der Knabe wollte den Klosterhof verlassen, a kamen die vorhin zurückgetretenen Mädchen wie er hervor und reichten ihm einige Silbermünzen, belches der arme Savoyarde mit einem dankbaren Blick lohrtte. Nun wurde es stiller: die Aufseherinnen riefen ie fröhliche Schaar ins Kloster zurück. Sehnsüchtig slickte Paul dieser nach und spähte noch einmal nach em Goldkövfchen. Er brauchte nicht lange zu uchen, die Abendsonne beleuchtete hell die schlanke bestalt und ihr blondes Haar bildeten einen wundergeheimen Kummner, den sie dem lieben Gott klagen will. Schien es mir doch vorhin schon, daß irgend etwas iyr junges Herz bedrückt. O, glückliche Zeit, ###man noch vertrauensvoll die Hände im brünftigen Gebei zu Gott empor heben kann! Aber wer solche Erfahrungen gemacht hat, wie ich, wo bleibt da der Glaube, wo das Vertrauen?“ sagte er dumpf.„Noch einmal muß ich die Kleine sehen und dann weiter ziehen, einsam und allein, wie ich gekommen bin;— zieht es mch doch mächtig hin zu dem Mädchen,— ich möchte sie ewig bei mir haben.“ Vorsichtig, um kein Geräusch zu verursachen, schlich er auf dem Pfade weiter, welcher neben der Kirche sich mit einigen Steinwegen vereinigte. Sollte er durch die Türe in die Kirche eintreten? Er befürchtetedadurch ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, sie u erschrecken und ihre Andacht zu stören. Der äußerste Baum des Gebüsches, welcher zunächst der Kirche stand, war stark genug, um ihn zu tragen, und boch genug, um durch das hohe Bogenfenster, welches auf einer Stelle etwas geöffnet war, hindurch spähen zu können. Mit einer gewandten Bewegung schwenkte er sich auf einen Ast des Baumes und stieg so hoch, wie nötig war, um seine Absicht zu erfüllen. Und wirklich, es gelang. Von der durch das Fenster fallenden Abendsonne we mit einem Glorienschein umflutet, kniete sie an den Stufen des Altars, die tränenschimmernden Augen zum Bilde der schmerzhaften Mutter erhoben. Eine tiefrührende Andacht prägte sich in ihren Zügen aus. Paul sah, wie Träne auf Träne über ihre Wangen perlten, wie eine Perle des Rosenkranzes nach der andern zwischen ihren Fingern hindurch glitt, er konnte aber nicht die Worte hören, welche von ihren Lippen zitterten:„O, führe die Eltern wieder zusammen!" (Nachdruck verboten.) Einen Augenblick schien es ihm Unrecht, die geheimsten heiligsten Gefühle eines ihm unbekannten jungen Mädchens zu belauschen; er wollte sich entfernen, allein er vermochte nicht, sich loszureien von dem märchenhaften schönen, rührenden Bilde vor ihm. Deshalb blieb er an seinem Platze, und nachdem die fromme Beterin sich entfernt und die Türe des Klosters sich hinter ihr geschossen, stieg Paml vom Baume herunter, ging in die Kirche und knieete an derselben Stelle nieder, wo vor einigen Minnten noch seine Tochter geknieet und um die Vereinigung der Eltern gebeten hatte. Nach langen Jahren faltete er zum ersten Matte wieder die Hände zum Gebet; was er beteter er wußte es selbst nicht, aber Paul verließ die Kirchund den Klosterhof leichteren und friedvolleren Herzens als er ihn betreten. Epheu und ein zärtlich Gemüt Heftet sich an und grünt und blüht, Kann es weder Stamm noch Mauer finden, Es muß verdorren, es muß verschwinden. Ggeihe. Es war in den letzten Tagen des Monat Maiin einem Jahre, wo dieser Monat wirklich zu Wonnemonat geworden. Fast ohne Unterbrechung stieg Tag um Tag die goldene Sonne am klarblauen Himmel auf, die kein sengendes Feuer, nur segenspendende Wärme niedersandte und eine Fülle des Werdens, Schaffens und Blühens erzeugte. Der Flieder und der Jasmin hingen überall in schweren Dolden hernieder und strömten alles durchdringende Düfte aus. Es war noch in früher Morgersstunde, als zwei Damen durch das frische Grün, zwischen jungbelaubten Bäunen und über blunenreichen Wiesen dahinschritten. Die eine der Damen stand noch in sehr jugendlichem Alter und doch lag über ihrem friedlichen, von blonden Flechten umrahmten Antlitz, welches, da sie den braunen runden Hut am Arne hängend trug, deutlich zu sehen war, ein Schatten von Melancholie. Ihre Begleiterin dugegen, obwohl viel älter, eine zwar zarte, auch jugendliche Erscheinung, trug den Stenwel der Glückes auf der hohen, weißen Stirn. Es zuud Martha und Helene. Mehrere Jahre hatte Helene in dem Penfionate unter der Leitung der Ordensschwester verlebt; HerrFranke, dessen Liebling sie war, dünkte eine längerTrennung von ihr unmöglich, und da er seit erniger Zeit angefangen zu kränkeln, beschloß Martha, seinen Wunsch zu erfüllen und Helene wieder hein zu hol Nr. 60 S S• 6192 252331=3. * S917 E Sü 2"— 9 PSE 5x E 2 * a— L#EE9 20*ARLe 97"" 545— 58 Thh„E B55EEE . 0fTMERTTSCDMESNDE he Ar san 25 SS8. SISS S PS S S%8E ,“„5E2 = 5u.„en5ßS Der Erzähler. 1901. Die wunderschöne Frühlingsluft, wie der Reiz der herrlichen Gegend verleitete die Tamen, auf ihrer Rückreise einen Abstecher, eine Fußtour zu machen. Elastischen Schrittes gingen sie die Landstraße dahin, durch liebliche Täler bewaldete Höhen, an malerisch gelegenen Gehöften vorbei. Auch soeben gingen sie an einem solchen vorüber, die Hunde verfolgten sie noch mit ihrem Gekläff und Helene warf ihnen, um sie zu beruhigen, den Rest ihres Frühstücks zu. Da kam plötzlich ein großer Hund an sie zugelaufen. Verlangte ihm nach mehr Brod, oder wollte er das Besitztum seines Herrn nicht von Fremden betreten sehen,— genug. der Hund sprang mit einem großen Satze auf Helene ein, welche erschreckt einen lauten Schrei ausstieß. Zu gleicher Zeit kam aus einem Seitenpfadt des Gebüsches ein Reisender. Mit erhodenem Stock wehrte dieser den Hund ab. welcher auch bald kelit machte. Bei Helenes Angsta: dre war auch Martha stehen geblieben und betrachtete nun den Fremden, welcher, artig grüßend. mit wohlklingender Stinnne sagte:„Gestatten nuir die Domen. Sie zu begleiten, da, wie es scheint. Ihr Weg auch der meinige ist?“ Es war eine jugendlich schlanke Gestalt, die den Kopf mit besonders freier Haltung trug. Bevor er den Hut auf das dunkle Haor drückte, fuhr er mit einer raschen Bewegung leicht über die hohe Stirn und sagte: „Der Hund hat Sie erschreckt und da in dieser Gegend sich mehrere Gehöfte befinden, kann Ihnen dieses heute noch wohl öfter passieren..“ Martha erteilte ihen die Erlaubis dazu und so setzten denn die drei den Weg weiter fort. Der Fremde wußte recht anregend zu unterhalten, vermochte ihnen die Gegend, jeden Berg, jede Ruine zu nennzen und die sich daran knüpfenden Sagen aus altersgrauer Vorzen zu erzählen. Gegen Mittag kamen sie an ein freundliches Häuschen mt schönen Gartenanlagen; man beschloß, hier auszuruhem und die kleine Reisegesellschaft kehrte ein. Während die Wirtin ihnen ein frugales Mittagessen bereitete, ließen sich die Damen auf der steinernen Bank unter einer nicken Linde niede:. Der Fremde, welcher sich Martha und Helene vorhin schon unter dem Namen „Ernst“ vorgestellt hatte. legte neven seinem Plaid ein Buch auf seinen Tisch. Martha langte nach demselben; es war ein Stizzenbuch. Auch Helene betrachtete es aufmerksam und Ernst lieferte zu jedem Bilde den Kommentar. „Sie sind wohl ein Künstler, wie es scheint?“ fragte Martha, ihm das Buch zurückgebend. „Ein Künstler wohl gerade nicht," erwiderte er, lächelnd,„wenigstens keiner vom Fach. Ich habe aber seit der Zeit, wo ich das Gymnnasium besuchtte, mit Voliebe gezeichnet, mich auch darn geübt. nach der Natur zu zeichnen. Ich führe deshalb auf der Reise stets ein Skizzenbuch mit, um in späteren Tagen die Ermnerung an alles Schöne, was ich gesehen, wieder aufzufrischen.“ Ermüdet legte Martha den Kopf an den Stamm der Linde und schloß die Augen. Helene und Ernst setzten die Unterhaltung fort, er sprach von seinen Reisen, von den Kunstsammlungen, die er gesehen, sogar von seinen Studienjahren; er sprach von allem Möglchen, nur nicht von seinen persönlichen Verhältnissen. Nachdem das Essen verzehrt und die Müden sich hinlänglich ausgeruht machten sich die drei wieder auf die Wanderung, damit die Damen noch vor Sonnenuntergang das nächIste Städtchen erreichen konnten, von welchem aus sie morgen mit der Eisenbahn ihre Reise fortietzen wollten. Helene war still und schweigsam; sie pflückte hier und da eine am Wege steyende Blume und war den anderen beiden um einige Schritte Nachgeblieben. Da bog an einer Stelle ein Seitenweg ab, Eri##t verabschiedete sich hier von Mactha. Letztere blickte nach Helene zurück, winkte ihr und setzte langsam ihren Weg fort. Mit einem Schritt war Ernst an Helenens Seite. „Leben Sie wohl, mein Fräulein,“ sagte er zogernd.„mein Wea führt hier ab. Ich habe versprochen, mit eingen Freunden zusammentreffei zu wollen, welche mich in dem Orte, wohin zener Weg führt, erwarten.“ Sie antwortete nichts und sah auf die verdümmernden Berge, welche allmählich im Abendschatten verloschen. „Wollen Sie mir nicht eine Blume schenken, Fräulein?“ sagte er dann plötzlich. Sie gab ihm eine der schönsten Blumen, welche sie heute gepflückt hatte. „Wenn Wünsche sich erfüllen, wenn es wahr ist. was diese Blume spricht, dann, Fräulein, sehe##h Sie wieder,“ sagte er langsam. Noch einmal zog er grüßend seinen Hut und verschwand schnellen Schrit tes um die nächste Biegung des Weges. Helene eilte der langsam voranschreitenden Cousine nach; in kur zer Zeit hatten sie das Ziel ihrer heutigen Wanderung erreicht, und, durch einen erquickenden Schlaf neu ge stärkt, setzten sie am folgenden Morgen ihre Reise fort. (Fortsetzung folgt.) Prinzeßchen. 12) Erzählung von Mrs. Hungerford. Autorisierte Uebertragung von P Wollmann. Nachdruck verboten. „Den Ball denke ich" antwortete Nora mit lieblicher Schüchternheit so anmutig, daß der junge Mann. Herr Greene, sofort zu ihren Füßen liegt — natürlich nur in Gedanken. „Dus könnten Sie Prinzeßchen glauben!" versichert Kilgarriff mit einem freundlichen Blick auf auf seine alte Freundin und Speelgenossin. „Prinzeßchen?" wiederholt Fräulein Cazalat „Ist das der Name mii dem man Sie bezeichnet?“ „Papa tut es; entgegnet Nora leise, fast schmerzlich errötend. „Prinzeßchen“— ein etwas— hm— bochgegrif sener Spitzname meinen Sie nicht? Aber natürlich ein sehr angemessener.“ sagt Fräulein Cazalet höflich lächelnd. aber in einem Tone der deutlich ausdrückt. daß die in Rede stehende Prirpessin nur von sehr untergeordneter Art sei. „Und gewiß ein ganzes Prinzeßchen!“ entgegenet Kilgarriff, ärgerlich über dieren Ton „Ohne Zweifel"“ sagt das Fräulein wieder. be ständeg lächelnd. Haben Ihro Gnaden irgend eine erledigte Stel lung zu vergeben an einen verdienstvollen Unter tanen?“ fragt Herr Greene demütig.„Wenn dem so ist, hier steht e.. Jeder auch noch so niedrige Platz wünde dankend angenommen werd r. sei es als Küchenjunge. Bratenwender alles. um Ihnen zu dienen „Kur muß der Rang niedrig genug sein, um den Gedanken, daß Sie sick gech zhlen sollten völlig auszuschließen“ sagt Fräulein Cazalet. indem ihr kalter, spöttischer Blick des Mädchens furchtsames Auge sucht. Se meidet sich an der Schüchternheit der armen kleinen Prinzessin welche sich so plötzlich zum Mittelpunkt dieses fremden Kreises gemacht sieht „„Wissen Sie“ beginnt Fräulein Cazalet eben wieder, eine neue Bosheit auf den Lipven. als Denis blaß und streng hinzutritt. Er sieht nur Nora an. „Meine Mutter wünscht Die“ tagt er kurz und ihre Hand in seinen Arm legend. führt er sie binweg. Fünfzehntes Kapitel. Das Ende emer Woche bringt indessen auch das Ende von Noras Schüchternheit: verschiedene Dinge delfen ihr dazu, diese sehr natürliche Blödigkeit zu befiegen, die sie anfangs überwältigte, als sie sich auf einmal mit so vielen fremden Personen in Verkehr gebracht sah: Fräulein Cazalets heimliche aber nicht mißzuverstebende Feindseligkeit einerseits, und dann Dens augenscheinliches Bestreben, sie davor zu schnitzen. Dies Letztore verwundete ihren Stolz. Sie wollte seinen Schutz nicht, sie wollte keinerlei Hilfe von ihm annahmen; darum mußte sie sich aufraffen. und sich selbst zu helfen wissen. Ihr stand Geist ge nug zu Gebote, und ein tapferes kleines Herz. und bald hatte sie sich Freundinnen erworden in Lady Glandore und Fräulein Blake, welche Nora auf richtig liebten. Diese beiden Freundschaften unterstützten sie wesentlich, besonders Nancys, die nur zu geneigt war. überall da. wo es Katbarine Cazalet be traf, sogleich eine kampfbereite Haltung einzunehmen. „Ein Wort mit Ihnen.“ sagt die junge Damein die tiese Fensternesche tretend. wo Nora einen Brief an ihren Papa kritzelt.„Sie und ich haben einander Freundschaft geschworen, und wenn ich nichts mter bin. so bin ich wenigstens treu meinen Ge lubden.— Nun frage ich zuförderst, sind Sie ganz mit Kilgarriff fertig?" „Wie?“ und sie err eftig.„Ich glaube, ich habe nicht verstanden „Aber warum werden Sie denn so schrecklich rot?“ fragt Fräulein Blate.„Wenn Sie jedoch eine Erklärung wünschen.—“ „Nein. nein“ unterbricht Prinzeßchen“ nell. Aber. woher wissen Sie dennk“ „Nun. er erzählte es mir im Sommer. vor ein bis zwei Monaten. Wenn Sie wüßten, wie ich damals Ihren Namen verwünichte!“ sagt sie lachend; er pfleate in meinen gequälten Ohren Morgens. Abends und Nachts zu tönen. Junge Leute in dem Zustande sollten eingesperrt werden bis der Parorismus vorüber ist, oder man sollte sie den Folterern überliefern. Ich tat mein bischen Bestes in dieser Rolle.— Aber— na— wenn Sie sicher sind, daß Sie mit der kleinen Affaire abgeschlossen haben—“ „Es war garnichts derart— niemals. Ich habe ihn mein Leben lang gekannt; ich habe ihn gern wie e Schwester—“ „Ich weiß. Dies schwesterliche Gefühl ist immer gefährlich. Für seine Hoffnungen, nicht für die meinen. Nun= ich fange an, ihn gern zu haben.“ Sie lehnt sich in ihren=Stuhl zurück und lacht leise aber berzlich.„Was für ein Kind er ist. in allem, nur nicht den Jahren nach. Gab es je einen so alberner# Jungen? Es ist ohne Zweifel ein Mangel in meine: Natur, aber ich weiß, ich könnte keinen Herrn und Gebieter ertragen. Man sagt, daß die Frauen eine wirkliche Glücksel gkeit darin finden sollen, sich vor einem Geist, der stärker ist als ihr eigener, beherrschen zu lassen. Wenn dem so ist, so erblicken Sie in mir die glorreiche Ausnahme von dieser Regel. „Ja. Aber wegen Otho? Was denten Sie mit ihm zu tun?" fragt Nora etwas beunruhigt. „Ihn zu berraten,“ sagt sie schnell.„Und nur beeilen Sie sich, mein gutes Mädchen. Haben Sie vergessen, daß be Madans Gamengesellschaft in und daß die Gäue aus der ganzen Grafschaft bereite ankommen. Kommen Sie. ich werde Ihnen bei der Toilette belien.“ Etwa eine halbe Stunde später tritt Prinzeschen sehr lieblich in weißer, weicher, indischer Seide, eins von Madames Geschenken= ins Gesellschaftszimmer und da sie sogleich bemerkt, daß einige Fremde zugegen sind, so wird sie# wenig rot und zogert, die Madame sie in liebevollem Tone zu sich ruft. „Komm hierber. Herzchen. nur für einen Augen blick. Die anderen sind fast alle draußen: a#l ich mome Dich einer Freundin Deines Vaters vor stellen.“ Neben ihr sitzt eine alte starke Dame mit steife: gedrehten Locken und einem vollen, wohlwollender Gesicht. Sie scheint die Gutmütigkeit selbst zu sein und als Priuzeßchen näher kommt, steht sic am und küßt sie herzlich= indem sie ihr dabei beide Hände au die Schultern legt. „Sie nitd also die kleine Nichte? Eine wahre und rerzende Erinnerung an vergangene Tage. Sie iin wie Ihre Mutter, meine Liebe, und die war einliebliche Frau: aber Ihre Augen, Jor Mund! Ach!“ sich zu Madame wendend.„hast Du es bemerkt? Sie ist Deinem seligen Gatten so äbnicch!“ „Ja, ich sehe es,“ sagt Madame leise und gezwurgen.„Selbst nach all diesen langen Jahren dulde der eine große Scnerz keine Berührung.“ „Ich glaube, Ihr Vater, Niel Delaney erzählr „ihnen nie von mm.“ sagt die alte Dame. immer noch Noras Hand haltend.„Es ist natürlich viel Jahre her: da kann man wohl vergessen werder. Er sprach wohl nicht von Frau O Shanghnessy?“ SIT S.# 55 S+ Pöxecg 5 W R E S G, V E I 5 5 1 8 4E Nr. 60. F.. I J à 01T O ja! Ja, gewiß; oft!“ entgegnet Prinzeßchen eifrig.„Ich denke.“— und sie errötet lieblich „er pflegte Se immer Bessie zu nennen.“ „Das tat er,“ sagt Frau O'Shaughnesin. offen bar entzückt über dieie Bemertung. erinnert er sich meiner noch? Das ist hubsch unter alten Freunden- und Sie müssen ihm sagen,— wenn=: schreiden—. daß ich mich seiner auch noch evensognt erinnere wie damals, als ich noch Bessie Mac Gilli cuddn war. Gol seane Sie, meine Liebe. Sie sind ein sehr liebliches Kind. Ich würde Sie auch längst aufgesucht haben. aber ich bin erst sent genern auItalien zurück und In diesem Augenblick legt zemand von hinten seine Hände über ihre augen und drückt einen herz lichen Kuß auf ihre dicke Wange. „Nun, Derks, das bist Du natürlich! Kein anderer würde so etwas wagen!" ruft Frau O'Shaughnessy. sich vergnügt losmachend.„Schade, daß der Oberst nicht hier ist, um das zu sehen! Komm, e alles; es scheint eine Ewigkeit zu sein, seit ich Euch uletzt sah. Wann soll die Hochzeit sein, nun? Ich in noch jung genzig zum Tanzen, und ich verrate keine Geheimnisse. Sie wissen doch natürlich von Ihres Vetters Verlobung? ich wen nach dem Fenste: gewendet. Was für Abreckliche Dinge wird diese freundliche alte Dame zunech vorbringen, die lieber ihre Zunge abgebissen als irgend etwas gesagt hätte— hätte sie nur eine Ahnung ge habt?— Wir werden ganz ungeduldig nach einer wonnen; hatten keine einzige in unierer ganzen Gegend seit zwei Jahren. Du solltest die Sehnsucht befriedigenDenis. Komm, sage, wann wird die Trauung stattfinden?“ „Ist denn die Zeit danach angetan,“ erwidert er mit wunderbarem Gleichmut,„von Heirat zu reden, und Hochzeit zu machen, wenn Krieg und Kriegsgeschrei im Lande sind? Die ganze Luft ist voll vom Sturme der Emvörung. Nie zuvor befand sich Kerry in einem so kranken Iunande. „Kerry? Sage lieber,nn ganz Irland entgegnet Frau O'Shaughnessy und schuttelt traung ihre Locken.„Ein ernster Gedanke. aber ihn zu der folgen. ist der Taa zu heiß. Laßt uns hinau##een und sehen, was undre Freunoe im Freien machen Sechszehntes Kapitel Nicht sehr viel. denn es ist wirklich außerordent lich warm. Man spielt Tennis, schlendert ein wenig zwischen den Spätrosen umher, widmet sich bei lichem Nichtstun und mant dabei einande: nach Ge fallen tändelnd den Hof. Oberst O'Shaughnessy. ein großer, frischer, gut aussebender Mann, mit diktatorischem Wesen und dem freundlichsten Herzen von der Welt, erzählt eier auserleienen Gesellschaft eine uralte rurchteriiche Jagdgeschichte aus der Zeit, die er in Hyderabad in Indien verlebte.— Seine Frau, welche nich: weit davon sitzt, berichtet alle Lokalereignisse, die se seit ihrer genrigen Rückkehr gesammelt hat, wodurch besonders eine kleine blasse Dame sehr aufgeregt zu werden neint. Einige unserer anderen Freunde sind hier und dahin zerstreut- und Her: Greene, der kein Geheimnis aus seiner Vergötterung macht, liegt— oder sitzt wenigstens auf einem niedrigen Sessel— Prinzeßchen im vollsten Sinne des Wortes zu Füßen. Der Oberst, nelcher seine Geschichte zu einer Höhe hinaufgeschraubt hat, die geradezu entsetzlich ist, bringt sie plötzlich mit der Gewandtheit eines geschickten Erzählers zum Abschluß und sieht sich durch ein atemloses, ennetzlich Schweigen des weiblichen Teiles seiner Zuhörerschaft reich belohnt.— Seine Gutherzigkeit hält übrigens schon eine allerliebste lustige Anckdote bereit, um sofort wieder eine allgmeine Heiterkeit in der Gesellschaft zu erwecken, und eben ertönt fröhiches Lachen und Scherzen, als Fräulein Cazalet sich langsam nähert. Da aber jede Irt von Lustigkeit in ihrer Gegenwart sofort zu ero mit unverzuglich wieder geziemende Ruhe an ihre Stelle. #ding, der Schriftstelle. in des Fräuleins und uneernart ne mit Brichstucken aus ###ngen Geistesproduft, während die Autmerkamkent der Dame fern ab weilt und sie Innits der Rasenplatzes sicht ur Telaney in Unterhaltung mit einer Dame in en beinear er sich ein menig, und ihre Pulse werden ruhmer, als sie sieht, daß die Damio in Weiß nicht Nora ist. Zugleich saat eine Stimme hinter ihr:„Haben irgendwelch Besehle fur urch. Prinzenrn?" Stimmem Lord Kilgarriss's. und als Fräulein eazalet sich ichmell ummndet, findet ne Nora gerade hinter sich. fragt Prinzeßchen mit zegtrenter Miene. Es in tlar. daß nur der Ton. nicht die Worte ihr Ohr erreicht haben. Fräulein Delaney, warum so Geistesabwresent?“ ran Herr Greene mit mildem Vorwurf. Sind wr Alle Ihren nichts, daß Se so mn Rrich der Phantasie leben? Kommen Sie zurück— ich beschwöre Sie— auf die feste Erde und zu uns, und hören Sie auf. in wesenlosen Räumen einherzuwandeln.“ Ich dack## den, daß ich gern eine Partie Tennis spielen mochte,; antwortete Nora lächelnd. Mit mir?“ rur er entzückt ausspringend.„Betrochten Se es als geschehen. Nun gut es. noch zwei Andere zu finden mit Neigung zum kräfteverzehrenden Spiel.“ Ich habe auch gerade den Wunsch,“ sagt Fräulein Cazalet liebenswrdig.„Was meinen Sie? Sie und Fräulein Delaney gegen Herrn Wylding, und much?“ Iich würde so entzückt sein, so hoch beglückt.“ versetzte Wulding.„wenn nicht ein kleines Hindernis dem entgegen stände. Ich verstehe das Spiel nicht" (Fortsetzung folgt.) I Allerlei. us der Reicishanptsta)t. Berlin, 11 Marz. C neue Zeilung. rhältnisse hinaus. Die Auihevung des Artikels etzes hat einen Witzbold veranlaf e nten akist in großer Eile in son atlnun land zurüggertucher und hat den deutschen Stam von d No Schuben t. Eydtkuhnen: 9. Marz. 9 Uhr. Soeben haben 30000 russische Jeiuiten die Grenze überschritten; eine kleine Abtellung bleibt auf dem hiesigen Siationsgrbaude, um den bereits angemeldeten Böthlingk das Ehrengeleit in das Innere des Landes zu geben. Saarbrücken. 9. März. 12 Uhr 100 Jeiuiten haben soeden das hiesige Bismarckdenkmal von seiner Umhüllung befreit, Kaplan Dasbach in als Ehrenvosten vor dasselbe gestellt, um jede Verunreinigung durch Jungliberale zu verhüten. März. 12 Uhr. Superintendent ckau ist socben hier durchgereist; die ven w## seine Wohmg ersurmt rtvollen Ann inntenwerke ihrem General übersendet; dabei soll auch ein Verscharoe 1 5 einen politischen Ohnrlut obeser Erscheinun nochtsanfell. 4 Ul 10000 belgische Jeinnen die Grenzc überchritter ind marschieren. um Kolm zu. Breg.nz. 9. März. 4.30 Uhr. Die groh Bodenieeflotte der 5 anstoßenden Staaten lieat bereit urAusfahrt, um ein Armeekorps österreichiche Fes: ten aufzunehmen und in Frieorichshafen zu lond ##irm aegen Tudingen5 ortigen protestanzichen T##onoo verei am die Burg Hobenzoulern geflücht München, 9. März. 4 50. ProiessoGe. Noulei, der von den Strapazen der letzten Antizesuitenrede sich noch nicht vonlnandin im seme Entlassung eingekommen und gey: ohm Pension in den wohlverdienten Rubestand. Karlsrube, 9. März, 5 Uhr. Professor Alla. Zei verflossen. eingetret: ige 291..: krankt un „Uhn ich ba 9 Uhr. Win„Rordd. de ernen 24 Smmden seit des Jeinitengesetzes sind dliche Natu erscheinungen der Cholera seinineg ertattachlichen Unterlage; chent der neuen Jeiung bieg reiv. übertrieben hersolche Bedeutung zugemenen hat. tragen die Unternehmer Blatt wochentlich erscheinen zu lasBeitrage für dasselbe können nicht unmittelbar an die Redaktion gesandt werden, sondern an die Zentralstelle des evangelischen Bundes, der das Naterial sichtet und es der Redaktion üverfendet. Zun noer ein nites Stück: Die„Familientragödien“ sind bald an der Tagesordnung; in der letzten Woche werden gleich zwei derselben gemeldet. Iin dem einen Fall hat sich eine Familie von fünf Köpfen das Leben genommen, in dem anderen eine solche von drei Kopfen; beide Familien gehörten den sogenannten-beiseren Kreisen" an. Fragt man nach der Urfache dieser entsetzlchen Taten. so lautet die Antwort übereinstimmend zerrüttete Vermögensverhaltnisse". Aber es ist nicht so, als hätte die Not des Lebens an die Tine gepocht, weit entfernt; beide Familien hatten ihr gutes Auskommen; ober sie konnten nicht Haushalten; ne lebten über ihre Ver#ltnsse hinaus. Es sind nicht die rein persönlichen Verhältnisse allein, welche diese Familien zu Grunde richictent sie warrn sogar persönlich ziemlich anspruchslos. Aber die Sucht, zu repräsenteren, etwas zu gelten, mas arm nicht ist, stets mehr zu scheinenals arm ist, führte diese Leute in den Sumps. Wenn wir von dem ganzlichen Mangel an Religon ibsehen, so sind es meist Optimisten, welche die pessimisnischen Reaktionen hres Genissens durch allerhand Redensarten zu beschwichttgen suchen. Da sagt man ch. daß der Kredit des Geschaftes zu zu halten seiwenn man den Leuten die„Augen aussticht", dort st ein Freier nur zu ergattern, wenn man möglicht reprasentiert und das Tochterlein recht chir aussieht. vier de: Freier dor: das Geschäft, werden schon als wieder ins Geleise bringen, wenn—— Ja. an diesern klenen Wortchen sind schol so viele geschritert. Und doch dient es nicht als War#signal! Gewiß, hie und da zeigt sich ein kleiner Umsag: unsere höhere Beamtenwelt, die die weiten pflichten auch nicht mehr ertragen ereits aus dem Gebemm atsviertel hinaus in die Vororte, wo sie der Repräsentaron so #nich enthoben ist und für sich selber und die Failie leben kann. Dieses Beispiel muß mi der Zeit wirken, denn die Modekrankbet der weitesten reise, oben und unten, st: Ueber die Verhälmishinaus leben!