1904 6 — 95 PIi F 2 * Alleis — S 2 09 9 5 * 8 □0 Nr. 56. Der lerzähler das Thealer, milhdem es berens ein eau erreichte, nach und mich bedeutend zsteus soweit die Stus= in Flaue tom so der Stellung der Schauspieler das iu. Gleich wir dies auch einst in Eun dieselben mi großer Verachtung beerten sich daher fan ausschließlich aus Nuch und nau trat aber genau wie Umschnung in diesen Ansichten ein, hervortagenden Darsteller nicht nur tellung, sondern verdienen auch große gere Mugln es in Beurn elbt die au licht, namlich emporhes: Ha: sich ziemlich hohrs Nio verschiechten, wen unen. so in deiref Umgetehne der Fa tors gerresen, wal. handelt und lekrn. der Hese des Volk bei uns ein vollg und jetzt haben eine heugracie Summen und erhatten die kostbarnen Geschenle, tout come ihez nous! Ju, man geht in Japan in der Bewunderung derseiben soweit, daß der Tod bedemender Schauspieler als ein nationales Ungluck betkachtet wird. Noch jetzt bilden übrigens die Darsteller eine Kaute für sich, die sich aus einer Anzahl Jamilien zusammensetzt, in denen die Geheimnisse des Metiers vom Vatei auf den Sohn übergehen. Schauspielerinnen gad es bis noch vor kurgem in Japan nicht oder doch nur in Ausnahmefällen und dann treten sie nur auf speziellen Buhnen auf." Jetzt beginnen aber auch weibliche Buhnenmuglieder eine Rolle zu spielen und ein beruhmtes Sada Yacco int ja sogar vor weniger Zeit nach Europa gelangt und bat dort Bewunderung erregt. Bei den gewohnlichen Stücken indes werden die Frauenrollen noch immer von Männern gegeden, und die sich diesem Fache widmen nehmen die erste Stellung unter ihren Kollegen ein. Von Jugend auf werden sie übrigens auf dasselbe vorb rentet, indem man sie wie Frauen und unter solchen erziehl, und sie sters weinliche Kleidung tragen läßt, die sie auch spater, selbst im Privatleben, nicht ablegen. Wie erwähnt, ist der Verdienst der Schauspieler ein großer, und die berühmieren erhalten für eine Reihe von Darstellungen, die sich über zwei bis drei Wochen erstreckt, bis zu 3000 Den(12000 Mart ungefähr). Aber auch die zweiten und dritten Ranges werden, wenn natürlich auch nicht so hoch, doch noch sehr gut bezahlt. So darf Japan selbst in dieser Beziehung sich rühmen, den zivilisierten Nationen nicht nachzustehen. Gleich diesen bringt es den Bühnenkünstlern eine Verebrung, man könnte fast sagen, Anbetung entgegen, die vielleicht dort wir hier gar manchen als übertrieben erscheinen dürfte Die MNammuthöhle in Kentucky. Von Dr. Adolf Reichard. ruck verboten.) Zur Bildung von Höhlen größter Dimensionen war wohl keine Gegend der errde so geeignet, wie die weite Ebene, die der Lhio und seine Nebenflüsse in seinem letzten Viertel, vor der Einmundung in den Mississippi, durcheilt. Nach der Steinkohlenzeit aus dem Meere aufgetaucht und von da ab von größeren geologischen Störungen verschont geblieben, ist die Ebene von Kentucky ein glänzendes Beispiel für die phyfikalische und chemische Wirkung des Wassers auf die Erdrinde, als deren Resultat die ungeheuren Hohlen im Kentucky=Kohlenkalk zu betrachten und Etwa in der Mitte zwischen Louisville und Nashville führt eine Seitenbahn der Louisville=NashvilleLinie den Besucher in dreiviertel Stunden zu der berühmten„Mamothcave“, der Längenausdehnung nach die größte bis jetzt bekannte Hohle der Erde. Ein kleines Hotel, einige hundert Meter von dem Eingang der Höhle, bieter Wohnung und Verpflegung und tiefert zuverlässige Führer, unter deren Leitung täglich gemeinschaftliche Rundgänge veranstaltet werden. Man kann eine neunstündige oder dreistündige Tour machen. Will man jedoch, wie wir, die Höhle etwas genauer besichtigen, so mietet man sich am besten einen Führer für einen ganzen Tag. Wir steigen in der großten Sonnenhitze von dem Hotel hinab in ein kleines Tälchen zur Hohle. Früyer nur ein enges Loch, ist dank der energischen Aufcänmungsarbeiten der Eingang zur Hohle eine weile, 5—6 Meter hohe Halle, zu deren Boden eine eiwa 30stufige Treppe hinabführt. Ein starker, kühler Lurtzug blaft uns entgegen; wir steigen hinab, und sofort macht sich ein bedeutender Wechsel in dr Tem veratur bemerkbar: draußen, im Freien, eine Gluthitze, und hier eine angenehme Frühlingstemperatur. Wir wandern einige 50 Meter bis zu einem eiseruen Tor. Die mitgebruchten Lampen werden angezundet der Führer öffnet die Tür, die er hinter uns sorgfältig wieder verschließt, und hinein geht's nur in die Finsternis. Bald haben sich die Augen an das trüoselige Licht unserer Lämpchen gewohnt, und wir sehen, daß wir uns in einem zwei Meier breiten Gang von kaum Mannshöhe befinden. Zu beiden Seiten sind die Steine, die früher den Boden bedeckten und nur ein Vorwärtskriechen auf allen Vieren erlaubten, sein säuberlich zu Wällen aufgeschichtet. Es ist das eine Arbeit, die noch die alten Minenarbeiter verrichteten, die nach der Ent deckung der Höhle durch Hauchins im Jahre 180 die großen Kalksalpeterlager der Höhle ausbeuteten. Die sind aber nicht die einzigen Ueberreste ihrer Tätlgkeit; wir finden auch weiter im Innern der Höhle große Holzbottiche und ganze Holzröhrenleitungen; ja selbst die Spuren ihrer Wagen und der Ochsen, die sie zum Ziehen verwandten, sind an ein zelnen Stellen wohl zu erkennen. Während der Führer veim Weiterwandern uns er zählt, wie die alten Miner den Kalksalpeter ansbeuteten, indem sir ihn in Wasser lösten, die Lösung in ihre Bottiche leiteten und mit Holzasche kochten, um daraus den zur Pulverbereitung verwandten KaliSalpeter zu erhalten, weichen plötzlich die Wände auf beiden Seiten zurück; die Decke hebt sich, und wir stehen in einer großen Halle der„Rotunda“, deren Mächtigkeit uns erst das Magnestumlicht des Führers annäyernd erkennen läßt. Durch das Zusammen treffen von zwei breiten Gängen gebildet, zeigt sich die„Rotunda“, als eine vollendete Kuppel von 20 Metern Höhe, mit einer wunderbaren, gewölbten Decke, ohne jegliche Stütze oder Säule. Plötzlich erlischt die Magnesiumfackel, und wir stehen wieder in Nucht und Dunkel. Wir wandern jetzt beim Schein unserer Lampen in der Haupthöhle einer breiten Halle von 6 bis 8 Mtr. Höhe, di sich, in Höhe und Breite ziemlich gleichbleibend, von der „Rotunda“ aus in vielen Windungen zwanzig Kilo meter weit erstreckt. Einige Schritte von der„Rotunde“ entfernt, auf der liuken Seite der Haupthöhle, zeigt uns der Führer eine schmale Spalte, durch die ein Mann kaum hindurchkriechen kann. Es ist dies der Zutritt zu den tiefer gelegenen Teilen der Höhle, auf den ich noch zurückkommen werde. Wir wenden uns nun zur rechten Hand der Höhle; plötzlich verschwindet unser Führer hinter einem riesigen Block: wir folgten ihm durch eine schmale Spalte, die er als„Dantes Gate" bezeichnet, und steigen einen engen, niedrigen Gang hinab zu einer kleinen Halle von der Form einer umgestülpten Bowle. Hier machten wir zum ersten mal nähere Bekanntschaft mit den Bewohnern der Höhle. Ein eigentümliches Volk von blinden Insekten, Spinnen, Krebsen, Tausendfüßen und Fischen hat Zuflucht in den feuchten Gängen gesucht und gefunden. Grillen, von weißer und gelber Farbe, mit Fuhlern von über doppelter Körpergröße, beleben an einigen Stellen zu Hunderten die Wände der Gänge. Kleine, braune Käfer finden sich häufig unter Steinen oder in Gesellschaft von bleichen, zarten Tausendfüßen und Spinnen auf feuchten Balken und Brettern. Ein weißer Krebs, eine verkleinerte Ausgabe unserer Flußtrebse mit langen Fühlern, ist häufig an den Ufern der Flüsse und größeren Pfützen zu sehen, während die etwa fingerlangen, blinden Fische, die früher in größerer Anzahl vorkamen, zi mlich selten geworden sind. Wir können nun auf drei verschiedenen Wege nach den Flüssen hinuntersteigen. Da wir glucklicherweise noch nicht für Karlsbad reif sind und uns daher nicht vor##### Man’s Miserr“ zu scheuen brauchen, entscheiden wir uns für diesen Weg. Durch einen engen Gang gelangen wir zu einer schlüpfrigen Brücke, deren Ee änder so mit feinen weißen Pilzmycelien bewachsen ist, daß man auf den ersten Blick glaubte, Schnee vor sich zu sehen. Auf der Mitte der Brücke stehend, schauen wir ern hinanf, so weit die Strahlen des Magnesiumlichtes nur zu dringen ve. mögen. Wie die Falten eines Mantels, so wallen in dem schwankenden Licht die mähhtigen Stalaktuten an den Wänden des ungeheuren Domes über uns hernieder, und beklemmt senkt sich der Blick, um sich in der gähnenden Finsternis zu Füßen zu verlieren, aus der das leise Rieseln des Wassers an den Wänden und das Fallen der Tropfen halb verloren herausdringt. Diesen unheimlichen Abgrund überquerte der eiste Entdeter, Stephen Bishop, im Jahre 1840 mit Hülfe einer schwanken Stange, und sein Mut wurde glänzend belohnt durch die sich anschließende Entdeckung des„Echoriver“ und des„Styrx". Doch wir wandern weiter; die Wande rücken immer nähr zusammen, und die Decke senkt sich herab: bald sind wir mitten drin in„Fat Man's Mrseri“. Man muß sich, auch wenn man nicht„fett“ ist, drehen und wenden und auch beträchtlich bücken. Wir atmen erleichtert auf, als wir auf ein paar Stufen in der „River Hall“ Flußhalle) hinabsteigen können, eine 6 Meter breite, bis zu 5 Meter hohe Höhle, die sich einige Kilometer weit erstreckt und eine Verbindung bildet zwischen den einzelnen unterirdischen Flüssen, deren Wasser sie beim Anschwellen in sich aufnimmt. Eine gute halbe Stunde hatten wir zu marschieren, ehe wir endlich an den„Echofluß" kamen, wo uns ein Vooi erwartete. Es ist ein eigentümliches Geuhl, 150 Meter unter der Oberfläche der Erde eine Bootjahrt auf einem Fluß zu machen. Wir treiben langsam durch geheimnisvolle Hallen, deren Wände uns das schmache Lampenlicht nur ahnen läßt, dann wieder durch enge Gänge, die das Boot taum durchjassen wollen. Während wir sanft dahingleiten, beginut unser Führer in geiragenen Tönen ein einfaches, wehmütiges Volkslied zu singen. Und wie klingt das hier! Wie Orgelklänge schwellen und schweben die Töne durch die Hallen, schwellen an und scheinen sich dann ganz zu verlieren, kommen wieder, um wieder zu verhallen, und dabei so rein und so klagvoll und doch auch wieder so zart. Ein großartiges Konzert 300 Fuß unter der Oberfläche der Erde! Nur ungern vermögen wir uns von den stillen, klaren Wassern des Echoflusses zu trennen. Aber es heißt weitereilen, der Führer ist hungrig und drängt zum Aufbruch. Wir steigen hinaus in „Sillimans Avenue", wo nahe einem kleinen Quell mit köstlich frischem Wasser ein mit kaltem Frühstück bedeckter Tisch, vom Hotel aus besorgt, uns erwartet. Wenn man hungrig ist, wie wir, schmeckt ein Sandwich oder ein Hühnerbeinchen auch im Stehen gut. Nach kurzer Rast erklimmen wir den steilen„Hin of Fatigue", der„Sillimans Avenue“ vom„Tal der Blumen“ scheidet. Den Führer mit der Magnesiumfackel voran, steigen wir nun in ein wahres Wintermärchen hinab. Größere und kleinere Gruppen von glänzend weißen Gipskristallen zeigen hier an der Decke und den Wänden der Höhle die bizarrsten Formen; weiße Rosen und Nelken, Mohnblumen und Chrysanthemen scheinen hier in unvergänglicher Pracht zu blühen; glitzernde Schlangen kriechen an der Decke entlang; mit feinem Knistern lösen sich kleine glänzende Kriställchen von der Decke ab und senken sich als seiner weißer Schnee auf den Boden hernieder. Und das alles blitzt und gleißt im weißen Magnesiumlicht wie ein mit Rauhreif bedeckter Wald bei klarem onnenschein. Bei jeder neuen Bewegung der Fackel kommt Leben in das wunderbare Bild; die Steinblumen beugen sich wie vom Winde bewegt, und nicken uns zu, und lautlos kriechen dte Schlangen an der Decke in langsamen Windungen hin und her und lassen dabei ihren glitzernden Schuppenpanzer aufblitzen. Der Weg wird jetzt sehr rauh und uneben. Wir haben die„Rocky Mountains“ zu erklettern, von deren Gipfel wir einen Blick in„Calls Rotunda" verfen, die zweitgrößte Halle der Hohle. Zur Linken führt uns ein Gang zur„Croghans Hall". Wundervolle Stalaktiten schmücklen einst diese Halle; doch Barbarenhände haben alle diese Pracht zer kört. „Croghans Hall“ ist das Ende unserer Höhlentour. Wir werfen schnell noch einen Blick in den„Maelstrom“, einen gahnenden Abgrund auf der rechten Seite der Hoyle, der noch nicht völlig erforcht werden konnte, und eilen dann zurück. Bis zum„Echoriver“ müssen wir zurück. Wir genießen die Bootjahrt auf dem Hohleufluß ein zweites mal, ehe wir„Riverhau“ hinaufsteigen, Von hier fuhrt der Weg zur„Bandithall“ und endet bei einer Leiter, die den Zugang zu inem kleinen Loch hoch oben in der Wand bildet. Berw indert bleiben wir stehen; was sollen wir dort ben? Da ist an kein Durch ommen zu denken. Doch der Führer belehrt uns eines Besseren; er kleitert voran und verschwindet in der Felswand; nun, wo er durchkam, werden wir es auch können; und wirklich es geht. Es ist kein leichtes Stück Arbeit, bei dieser erbärmlichen Beleuchtung yier seinen Wog zu finden. Als ein schmaler Kanal und oft kaum einen Meter hoch, windet sich der„Korkzieher" bald rechts, bald links, bald hinauf, bald herunter, um große Felsblöcke herum, unter ihnen durch, dann wieder über Geröll nach oben. Felsmassen, die von der Decke eines hohen Domes herabgestürzt sind, haben diesen allmählich ausgehöhlt und dabei nur den Raum freigelassen, durch den wir nun mühsam durchkriechen. Erleichtert atmen wir auf, als wir endlich aus einer schmalen Spalte in die Haupthöhle hinaustreten und die gekrümmten Glieder wieder gerade strecken können. Bald steyen wir wieder am Eingang. Der Führer öffnet das Tor und wir treten in die Halle, die zur Oberfläche der Erde führt. Heller Sonnenschein herrschte hier, als wir vor mehr als 12 Stunden in die Höhle hinabstiegen; nun sind die Strahlen der Sonne dem sanften Lichte des Mondes gewichen. Lang#am steigen wir durch die nach der reinen kühlen Höhlenluft doppelt erschlaffende Schwüle einer Keniucky= Augustnacht hinauf nach dem Hotel. Leise tönen mir im Ohr die wundervollen Klänge vom Echofluß und im Traume sehe ich die Herrlichkeiten des„Tals der Blumen“ mich umschweben. Verantwortlicher Redakteur F. Z. Knappe in Bochum. Verlag und Rotationsdruck der Märtischen Vereinsdruckerei. 9. Mlärz 1904 Lebenswege. „So pflegen Sie noch der Ruhe, es treibi Sie hie: Niemand hinaus,“ sagte die Hausfrau liebreich O liebe Frau von Feldheim, wer von uns hätte daran gedacht, als Sie zuletzt bei Hochfelds waren, daß ich bei Ihnen Schutz suchen wurde. Der Himmel lohne Ihnen," flüsterte sie unter Tränen.„ie unterstützen eine Unglückliche, die. von Verzweiflung getrieben, durch die Welt irrt.“ „Aber mein Gott was ist denn vorgefallen?" fragte die Gutsherrin,„sind Sie aus freien Stücken dort fortgegangen, oder hat man Sie gehen heißen?“ „Gestern Abend in Sturm und Regen wurde ich entlassen.“ „Frau von Hochfeld muß doch einen Grund zu dieser Handlungsweise haben,“ forschte sie weiter. „Halten Sie es nicht für Mangel an Vertrauen, wenn ich diese Frage nicht sogleich beantworte; ich weiß für den Augenblick nicht, was ich tun soll.— Aber soviel kann ich versichern, daß ich ehrlich und makellos bin, daß kein Schmach an meinem Namen haftet, und daß Sie kein Unrecht begehen, wenn Sie sich meiner annehmen.“ „Haben Sie denn keine Familie?“ fragte sie. Käthchen schüttelte traurig den Kop## „Ich kann wohl sagen, daß ich gan, verlassen bin. „Sie sollen nicht verlassen sein." tröstete die Hausfrau sie; aber jetzt regen Sie sich nichtweiter auf, es könnte Ihnen schaden. Später, wenn Sie sich geträftigt fühlen und Sie Vertrauen zu mir haben, erzählen Sie nr von Ihren Erlebnissen, damit ich beurteilen kann, wie Ihnen zu helfen sei.“ Am andern Morgen fühlte sich Käthchen soweit gestärkt, das Bett verlassen zu können. Im behaglich erwärmten Wohnzimmer saß Frau von Feldheim mit ihrem Töchterchen am Kaffeetisch. Als die Genesende eintrat, erhob sie sich von ihrem Platze, ging ihr entgegen, reichte ihr die Hand und hieß sie herzlich willkommen. „Sehen Sie, Frau Werner, wie schön die Sonne heute scheint nach dem Sturm und Regen der letzten Tage! So wird auch Ihnen aus Ihrem Unglück noch einmal neues Glück erblühen,“ sagte sie. „Glück?" fragte Käthchen mit ungläubigem Lächeln:„mein Glück ist zu Grabe gegangen, von dem Glücke habe ich nichts mehr zu erwarten.“ „Nur nicht verzagt, meine Liebe, der liebe Gott schlägt Wunden, er heilt sie aber auch.“ Nachdem die Damen den Kaffee eingenommen, schlug die Gutsherrin eine Promenade durch den Garten vor. Käthchen willigte ein, und nach einer Erzählung von Clara Wilhelmi. Weile sah man die kleine Gesellschaft in den breiten Wegen des Gartens sich ergehen. Die kleine Elli hupfte von einem Beete zum andern, nahm die vom Sturm und Regen abgeschlagenen Köpfe der Georginen und Astern, zerpflückte sie und streute die bunten Blättchen umher. „Es wäre mir lieb, wenn Sie mir nun Ihre Erlebnisse mitteilen wollten, liebe Frau Werner," begann Frau von Feldheim;„seien Sie indeß versichert, daß nicht die Neugier aus mir spricht. Ich tue niemals etwas halb, und da ich mich nun einmal Ihrer angenommen, so will ich auch weiter für Sie sorgen. Um dieses aber zu können, muß ich in etwa wenigstens Ihre Verhältnisse kennen.“ „O, wie gütig, wie edel Sie sind, gnädige Frau,“ sagte Käthchen gerührt;„wie gern vertrau ich Ihnen. Habe ich mich doch vom ersten Augenblick an, als ich Sie sah, zu Ihnen hingezogen gefühlt. Ich glaubte eine liebe Bekannte aus längst entschwundenen Zeiten wieder gefunden zu haben, und konnte mich doch nicht erinnern, wo ich Sie gesehen habe.“ Und nun erzählte sie von ihrer glücklichen Jugend im Hause der Schwester, von der Begegnung mit dem Geliebten, von ihrer Verlobung und der so unglücklichen Ehe. die sie geführt; erzählte, daß der Gatte sie in Not und Elend verlassen, und wie Hugo von Bergen ihr nachgestellt habe; wie sie, um diesem zu entgehen, ich von ihrem Kinde getrennt habe und in die Welt gegangen sei. Wie sie zu Frau von Hochfeld gekommen sei und dort vor einigen Tagen deren Bruder angekommen wäre, welcher Niemand anders als Hugo von Bergen sei. „Gewiß hat er, um sich zu rächen, mich bei seiner Schwester verleumdet, denn sie kündigte mir am selbigen Abend meine Stelle und befahl mir, das Haus ofort zu verlassen. So irrte ich obdach= und heimat los durch Sturm und Regen. bis der Zufall, oder ichtiger, der liebe Gott mich zu Ihrer Besitzung führte, wo Sie mich gastlich aufnahmen," schloß die ückliche Frau ihre Erzählung. „Sagten Sie nicht vorhin, Ihr Mädchenname wäre Käthchen Bruns?“ fragte Frau von Feldheim. „So nannte man mich früher.“ „Und ist..... Ihr Geburtsort?“ „Es ist, wie Sie sagen, gnädige Frau, aber warum fragen Sie danach?“ „Dann sind Sie die Pensionsfreundin meiner verstorbenen Schwester; ich habe früher oft von dem immer vergnügten, übermütigen Käthchen Bruns reden hören,“ erklärte die Gutsherrin. (Nachdruck verboten.) „Die Freundin Ihrer Schwester? Und wie heißt iese denn?“ fragte nun ihrerseits erstaunt Käthchen. „Lina S.,“ war die Antwort. „Dann habe ich ja im Hause Ihrer Eltern eine ganze Ferienzeit verlebt und bei meinem Aufenthalte dort hat die erste Begegnung mit meinem Gatten stattgefunden,“ rief sie mit steigendem Erstaunen. „Ja. nun finde ich in Ihrem Angesicht auch die Züge meiner lieben Lina wieder. Also das war es, was mich so magnetisch nach Ihnen hinzog! Das war das Bekannte, welches ich doch nicht zu ergründen vermochte.— Sie sprachen von Ihrer verstorbenen Schwester?" „Lina ist schon seit einigen Jahren todt. Ein Brustleiden raffte sie in der Blüte der Jahre dahin,“ sagte Frau von Feldheim. „Wo waren Sie denn damals? Ich habe Sie nicht im Hause Ihrer Eltern gesehen?" „Ich war zu der Zeit schon verheiratet,“ erwiderte langsam die Gefragte. „Sie sagen dies mit einem recht traurigen Tone,“ warf Käthchen ein. „Weil ich damals nicht glücklich war.“ entgegnete Frau von Feldheim.„Auch ich habe das Leben nicht von der lachenden Seite kennen gelernt, auch in meinem Leben hats an Stürmen nicht gefehlt. Vertrauen gegen Vertrauen, Käthchen; erlauben Sie, daß ich Sie so nenne, und mich nennen Sie Amalie. Die Freundschaft, die Sie früher mit meiner Schwester verband, wollen wir beide weiter fortpflanzen. Lassen Sie uns jedoch lieber zum Hause zurückkehren, der Boden ist noch feucht vom Regen. „Mein Vater war, obgleich nur bürgerlicher Abkunft, ein reicher Gutsbesitzer," begann Amalie ihre Erzählung, als die Damen im Zimmer Platz genommen und ihre Handarbeiten hervorgeholt hatten. Meine Schwester Lina und ich waren die einzigen Kinder. Der Vater hatte noch eine Schwester; diese war in ihrer Jugend mit einem blühendschönen jungen Mann, Sohn eines Bergwerksbesitzers, verlobt. Eines Tages wollte dieser in den Schacht hinabfahren, ich weiß nicht mehr was geschah. genug, er verunglückte und wurde als gräßlich verstümmelte Leiche wieder herausbefördert. Die grenzenlose Trauer der Tante können Sie sich denken, sie gelobte, ihrem Bräutigam bis über das Grab hinaus treu zu bleiben, und hat Wort gehalten, sie blieb unvermählt. Einige### darauf gewann sie eine ganz bedeutende Summe der Lotterie. Die Tante wohnte nicht bei uns im Hause, sondern lebte allein für sich in der Stadt nahe bei unserem Gute. Als ich erwachsen war, brachte ich oft Wochen lang bei der Tante, welche meine Patin war und mich zu ihrer Erbin eingesetzt, zu. Dort lerme ich einen liebenswürdigen bescheidenen jungen Herrn kennen, welcher bald mein ganzes Interesse gewann. Auch die Tante gewann ihn herzlich lieb. und da auf verschiedene eingezogene Erkundigungen nur gute Nachrichten einliefen, schenkte ich ihm mein Herz und verlobte mich mit ihm. Die Hochzeit folgte bald darauf und ich zog mit meinem Gatten auf dieses Gut, sein väterliches Erbteil. Hier zeigte er sich aber bald von einer ganz anderen Seite, als ich ihn bislang kennen gelernt. Ganze Tage und Nächte brachte er außer dem Hause zu: kam er dann heim, waren stets einige seiner Kumpane in seiner Begleitung und das Zechgelage begann hier von neuem. Ich wagte= ihm sanfte Vorstellungen darüber zu machen, wurde aber mit Hohn abgewiesen.„Aus versteht eine bürgerliche Creatur davon, welches Leben der Adel führt. Deine Kapitalien sind mir lieb und sie kann ich gebrauchen, Deinen Rat und Deine Predigten behalte nur für Dich.“ Ich soh es bald genug ein, daß Feldheim es nur auf mein bedeutendes Vermögen abgesehen hatte, um seine eigenen, arg zerrütteten Vermögensverhältnisse wieder aufzufrischen und ein lockeres Leben führen zu können. Ich will schweigen, über die nun folgenden trüden Jahre. Eines Abends. es war furchtbar stürmisches Wetter, ähnlich wie an jenem Abend, wo Sie umher irrten, wurde heftig an das Tor gepocht. Eine seltsame Unruhe und Angst beengte mir die Brust. Ich war längst gewohnt, Tage lang meinen Gatten nicht zu sehen, ohne mich deswegen zu beunruhigen; um so unerklärlicher war mir dieses Gefühl, welches mich beschlich. Als Fritz das Tor geöffnet, traten einige Männer mit einer Tragbahre in den Hof. Ich ging hinzu und sah, daß sie einen Menschen trugen. Von gräßlicher Ahnung erfüllt, griff ich nach dem Tuche, welches den größten Teil der Bahre bedeckte, lüftete es und sah in das furchtbar ontstellte Antlitz meines Gatten. Halb bewußtlos sank ich an seine Seite.— Hatze ich auch nicht das Glück bei ihm gefunden, welches zu erwarten ich berechtigt war, so hatte ich ihn doch geliebt, war aus reiner Neigung seine Gattin geworden, ohne jeden Hintergedanken an eine bevorzugte Stellung als adelige Dame. Mein Gatte war den ganzen Tag über von Hause fort gewesen; ob sein Pferd gescheut und ihn abgeworfen hat? Es ist niemand zugegen gewesen, aber doch anzunehmen, denn die Männer fanden ihn bei dem Stumpf eines abgehauenen Baumes, dessen äußerer Rand sehr scharf war, in seinem Blute. Einige Stunden später kam auch das Pferd, mit Schaum bedeckt, zurück. So wurde ich zur Witwe und meine drei Kinder zu vaterlosen Waisen.“ „Ihre drei Kinder?" fragte Küthchen nach einer Pause.„Wo sind denn die beiden andern?“ „Meine beiden Söhne, Ernst und Karl, besuchen in der Stadt das Gymnasium,“ entgegnete Amalie, „für meine Elli werde ich mich wohl nach einer Gouvernante umsehen müssen, ich kann mich nicht von dem Kinde trennen und ich selbst bin so an den Landaufenthalt gewöhnt, daß ich ihn nur höchst ungern verlasse.“ Nach einigen Tagen fühlte Käthchen sich wieder vollkommen gekräftigt und sie erklärte ihrer gastfreundlichen Wirtin, daß sie nuu weiter ziehen müsse, um sich einen Broterwerb zu suchen. „Eilt dies denn so sehr, meine Liebe?" fragte Frau von Feldheim.„Ich denke, im Winter ist dies sehr beschwerlich, auch könnten Sie leicht einen Rückfall bekommen. Nein, diesen Winter bleiben Sie hier auf Feldheim, Sie sind mir ein lieber Besucheine angenehme Gesellschafterin. Und wenn es Ihnen bei mir gefällt, so bleiben Sie ganz hier und leiten den Unterricht meiner Elli.“ „O. wie gut, wie mildherzig Sie sind!" rief Käthchen erregt.„Aber ich kann doch Ihr Anerbieten nicht annehmen. Hier in der Nähe des Landgutes der Frau von Hochfeld könnte ich gar leicht mit der Dame oder ihrem Bruder, Herrn von Bergen, in Berührung kommen und dieses möchte ich um jeden Preis zu vermeiden suchen. Dann muß ich auch allen Ernstes darauf bedacht sein, meine und meines Kin des Zukunft zu sichern. Ich muß nicht allein für meine alten Tage sorgen, sondern auch für mein Tochterchen etwas erübrigen. Und von Ihnen Be lohnung für geleistete Dienste annehmen, vermöchte ich doch nicht.“ (Fortsetzung folgt.) rinzeßchen. Erzählung von Mrs. Hungerford. Autorisierte Uebertragung von P. Wollmann. Nachdruck verboten. „Sie hat einen Antrag gehabt; denke nur! ein bloßes Kind wie sie noch ist.“ „Nun?“, fragte Denis, indem er sich vorbereitet, den tötlichen Streich hinzunehmen, ohne sich zu verraten. Er fühlt, wie er erbleicht, und mit so viel Fassung als er erringen kann, steht er auf und geht ans Fenster, am ihren Garten blickend, ohne etwas zu sehen.„Wer ist es?“ „Lord Kilgariff! Kein Geringerer. Sie sind „Warum?“— und er tut gelassen ein paar Züge aus seiner frischen Pfeise—„warum sie überreden. daß sie einen Mann heiratet, aus demn sie sich nichts macht? Nein, nein, mein Junge, das hat stets böse Folgen. Ich din noch jung genug, um an den Segen der Liebe zu glauben und auch alt genug dazu, denn mit dem Alter kommt Weisheit— oder sollte wenigstens kommen. Mein Prinzeßchen soll nach ihrem Gefallen den heiraten, den sie liebt, vorstets viel zusammen gewesen. und augenscheinlich ausgesetzt, daß er ein Edelmann im vollsten Sinne hielt er es für wünschenswert, Prinzeßchen ganz und für immer an sich zu sesseln. Mich wundert das nicht; er konnte nichts Vernünftigeres tun.“ „Eine vortreffliche Partie,“ äußert Delaney gepreßt. „Das sage ich auch: die beste, die er machen konnte des Wortes ist." „Aber solch eine Chance," beharrt Denis, jetzt begierig, des andern Ansicht gründlich kennen zu lernen. „Hat man je so etwas gehört? Was fehlt Dir, Junge?“ sagt sein Onkel gut gelaunt und ihn etwas verwundert ansehend.„Wo in aller Welt steckt der „Nun. für sie ebenfolls eine gute, vom weltlichen Segen von selbst vierzigtausend, wenn Du mit dem Standpunkte aus.“ „Gewiß, ja— es wäre wohl eine gewesen,“ versetzt ihr Vater, nachdenklich seinen Bart streichelnd. Besitzer derselben nicht zusammen zu leben vermagst? Meinst Du, ich möchte das freundliche Licht ihrer Se ftrechernv. Augen erlöschen, ihr Lächeln schwinden sehen, nur „Wäre?"— Denis wendet sich schnell um.„Was um sie zu einer hohen Dame zu machen? Ich sage heißt das? Willst Du damit sagen, daß sie—“.(Dir nein. Mann, nicht für alles Geld dieser Welt! „Ihn ausgeschlagen hat,“ ergänzt sein Onkel ge Was würde es mneinem sützen Vögelchen nützen? lassen.„Als Freund war er ihr wert, aber darußer Soll ich es Dn sagens Es würde sie töten, und das hinaus* Nein. Sie gad ihre Erklärung in der wat# mein Tod! Doch genug davon; was für Tor liebens wüirdiast.n Weis= Ich din gewiß, selbst ihren dei ist das alles?“ unterbricht er sich selbst, lehnt sick verächtlich in seinen Stuhl zurück und führt die Pfeise wieder zum Munde. Denis tritt vom Fenster zu ihm und legt seine Hand leise auf des Onkels Schulter. Es liegt eine tiefempfundene Herzlichkeit in dieser leichten B liebenswürdigsten Weise. Todseind konnte sie nicht rauh behandeln— wenn sie einen hätte, das gute Kind—: und somit ist die Angelegenheit erledigt. Mir tat der arme Junge von Herzen leid: indessen er gehört zu den Naturen, die dergleichen nicht allzuschwer nehmen. So, das n—.—.„ 5 ist die Geschichte.— Uebrigens, wieviel meinst Du rührung und einen Augenblick lang sehen sich die daß ich für das Hengstfüllen bekam? Ich verkaufte###iden Manner sen an. Noras Vater mit leichter ee an— Verwunderung aber großer Freundlichkeit in seinen „Aber mein lieder Onkel, weiß: Du auch, was onen Augen. n ausgeschlagen hat?“ unterbrach ihn Denis, dem] Dann sagte Denis einsach:„Ich bin sehr stolz das unter diesen Umständen leicht wird, auf den Ge. Dein Neffe zu sein.“ zenstand zurückzukonnmnen.„Viertausend Pfund jährlich und eine Grafenkrone! Bei den Reprä= Elstes Kapitel. sentationspflichten, die Lord Kilgarriffs Rang ihm] Der Tag neigt sich dem Abend zu, und obgleich auferlegt, ist dies Einkommen ja nicht so sehr bedeu= die Sonne noch über dem Horizont steht, breiten sich tend. aber trotzdem— viertausend jährlich sind doch doch bereits hier und dort Schatten aus und die Ang......(Vogelstimmen verstumnen znehr und mehr. Ein Freilich ja. Eigentlich schade, nicht?“ entgegnet leichter Wind hat sich erhoben und säuselt leise in sein Onkel, behutsam die Asche aus seiner Pfeife klop= dem Laub der Bäume. Die Stille ringsum und di send.„Aber wenn sie ihn doch nicht mochte!" „Tatest Du denn gar nichts, um sie zu beeinflussen— sie zu veranlassen, daß sie sich die Sache überlegte?", fragt Telanev, seinen Onkel studierend wie eine ganz neue Art von Menschen, die er wohl auch in Wirklichkeit sein mag. die tiefe Ruhe in der Natur teilt sich den beiden Wesen mit. die Seite an Seite aber schweigend durch den duftenden Wald wandeln. Jetzt traten sie hinaus auf eine Lichtung, über welcher noch die Strablen der scheidenden Sonne nttern; da erwacht in Prinzeschen wieder das Verlangen nach Mitteilung, ein Wunsch, der ihr niemals fern liegt. „Wie mir wohl morgen um diese Zeit zu Mute sein mag,“ sagte sie etwas erregt;„wir werden dann auf dem Schloß anlangen, nicht wahr?“ „Ja, um fünf Uhr oder ein Viertelstündcher später. Du erhieltest doch den letzten Brief meine Mutter?“ „Heute Morgen bekam ich ihn; so einen lieber Brivf und mit so vielen freundlichen Bestellungen ar Paba, daß es mir das Horz bewegte. Und Papa denk jetzt mit Freude daran, mich recht lange bei Euch zu lassen; weißt Du, daß er von Monaten spricht? Und weißt Du, was er tut, statt sein Schicksal zu beklagen?“ „Wie kann ich es wissen?“ sagt er. belufrigt durch den Ausdruck scheinbaren Verdrusses in ihren hüb chen, pikanten Zügen. „Er fühlt sich entzückt bei der Aussicht, bis Weih nachten ganz vereinsamt zu sein. Glaubst Du ihm? Ich nicht. Er erklärt, daß das alles zu meinem Be sten geschieht, und daß ich nun wahrscheinlich„eingute Partie“ machen werde, wie er es nennt.“ „Das könntest Du vielleicht aust tun, ohne vor hier fortzugeben," versetzt Delanen langsam. Hat sie den Antrag ganz vergessen? Denkt si gar nicht an das Elend des unglücklichen junger Mannes? Denn natürlich ist er überaus elend.— Jedenfalls trägt sie selbst die Schuld an seinem Ver derben. Seiner Delaneys, Ueberzeugung nach rührt alles daher, daß sie Strobalme in sein Haar steckte bis er so wahnsinnig wurde wie Ophelia. Prinzeßchen hat wirklich für den Augenblick, ir dem Bemühen, ihres Vaters Beweggründe zu unter suchen, Lord Kilgarriff völlig vergessen. „Man könnte meinen, er wolle mich los sein Mich, denke nur! Aber sollte er sich der seltsamen Hoffnung hingeben, mich abschütteln zu können. so kann ich ihm versichern, daß er sich gewaltig täuscht Wenn ich je heirate, so werde ich ihn mit mir nehmen wohin ich auch gehe, sei es nach den Sandwichinsel: oder in das Innere von Zentralafrika.“ „Laß uns um Deines Papas willen hoffen, das Dein zukünftiger Gatte in keinem dieser entzückenden Länder etwas zu suchen hat. In Ventry wirst Di vielleicht, wie Du sagst, oder vielmehr wie Dein Vater sagt, jemanden finden, der—“ „In Venkry,“ unterbricht sie ihn grollend, wirst Du mich gar nicht wiedererkennen. Ich werde geminicht anziehend sein.“ „Aber warum nicht?“ fragt er ungeduldig. —„„ Fortsetzung folgt.) Aller Tägliche Erinnerungen. 10. März. 1510: J. Geiler v. Kaisersberg. Kanzelredner, f. (Straßburg. 1606: Generalfeldmarschall von Derfflinger geb.(Neuhofen). 1772: F. von ged.(Hannover). 1776: Königin Luise von Preuzen, geb.(Hannover). 1788: Freiherr von Eichendorff Dichter, geb.(Lusowitz). 1813: des Ordens vom Eisernen Kreuz. 1832: M. Clementi, Komponist, f.(Eversham). 1844: Pablo de Sarasate, Violinist, geb.(Pamplona). 1864: König Maximilian von Beyern, f.(München). Nach östindien. Einige Reise=Erinnerungen von Pater U. Z. (Nachdruck verboten.) 2. Von Port=Said nach Bombay. Vom Schiff ans Ufer von Port=Said zu kommen, hat etliche Schwierigkeit. Zuerst kommt der Türhüter des Orients, ein englischer Doktor, und fühlt der„Imperatrix“ den Puls. Er findet ihn normal. Jetzt den Fuß ans Land gesetzt! Aber wie das machen? Alle Turn- und Voltigierkunst aus früheren Zeiten läßt den armen Sterblichen im Stich. Doch schon sendet, das Morgenland uns Hilfe. Nachen kommen pfeilschnell herangeschossen zu dem großen Dampfer. Diese tintenschwarzen Ruderer verführen einen wahren Heidenlärm. Lebhaft gestikulieren sie mit den dürren Armen, zeigen das starke Gehege ihrer elfenbeinernen Zähne und suchen auf die Passagiere unseres Schiffes willensbestimmend einzuwirken. In manchen Herzen spielt sich ein Kampf ab zwischen Furcht und Verlangen. Die ägyptische Stadt da drüben in ihrem magischen Lichtglanze weckt das Verlangen, zu gehen und zu sehen; aber die dunklen Gestalten da di###en auf den schaukelnden Nachen sehen gar nicht vertrauenerweckend aus. Der Affekt des Verlangens wird Meister. Fortes fortung adiuvat! Schnell ist ein Verein gegründet, so eine Art Schutz= und Trutzbund, bestehend aus einer gelehrten Dame aus Berlin, einem Professor der Universität Innsbruck= einem jugendlichen Ingenieur aus Wien, einem noch in der Knospe steckenden Kaufmann unbetannter Herkunft und einem schwabischen Missionar. Jetzt schnell die schwankende Stiege hinuntergekleitert in ein geräumiges Boot. Zuerst wird mit dem Fährmann um den Obolus gemarktet. Gleich ist der Fahrpreis um die Hälfte gefallen. Eine Drohung mit Polizei und Knütteln verleiht dem Kontrakt die nötige Kraft. Ländlich finlich! Ein Vertreter der agyptischen Polizei steht schon bereit, uns am Gestade in Empfang zu nehmen und gegen Erpressungsversuche zu schützen. Schwarz, rabenschwarz mi dieser Mann der Ordnung, aber gebaut wie ein preußischer Leutnant. Unsere fünfkopfige Truppe dringt ein in die Stadt. Der Professor der Pflanzenkunde und der Herr Ingenieur, mit Knutteln bewaffnet, bilden die Stützen der Gesellschaft. Im nu sind wir umringt von dürftig gekleideten Burschen mit Mohrenköpfen auf den schmalen Schultern und dem dünnen Halse sitzend. Auf arabisch, französisch, italienisch, englisch, und last nor least, auf deutsch bieten sie ihre Führerdienste an. In einem dieser schwarzgefärbten Mo hammedanerschädel schien der Altreichskanzler geisten zu gehen. Sein zweites Won war imme:„Bismarck". Wenn dieser„Sohn des Provbeten" einmal im Stadtrat von Port Said sitzt, wird es daselbst bald wimmneln von Bismarck=Hotels. Bismarck=Straßen, Bismarck=Moscheen, Bismarck Heringen, BismarckEseln" usw. Der Herr Professor der Botanik und der junge Ingenieur erhielten, offenbar in Anbetrocht des Vertreters der Abteilung für Kultus, ein über das anderemal den Titel— risum teneatis!— „fromm' Herr, fromm' Herr!" Der euroväische Teil Port=Saids macht auf den Fremden keinen ungünstigen Eindruck. Schnurgrade zieht sich die Hauptstraße durch die würfelähn lichen Häuser hin. Große Schaufenster mit elektrischem Lichte blenden das Auge. Alles mögliche ist zu haben: gewirkte Teppiche und lottrige Taschenmesser, gelehrte Bücher und reife Backsteinkäse. kurze und sange Waren, Eß= undUngenießbares. Untrennbares und Hames- und solches, das man hauen, schneiden und stechen kann. Mit einem Wort: rein gar alles ist in der Hauptstraße von Port=Said zu haben. Mark und Gulden, Frank und Lira, Piaster und Rubel, Schilling und Rupie, Pfundnoten und württembergische Staatspapiere werden angenommen je mehr desto lieber. Fein geschniegelte Kommis steigen aus den Läden zu den Fremden auf die Straße, ihre Güter zum Kaufe anpreisend. Wir biegen ein in die sogenonnte„arabische Stadt". Die Häuser zeigen ein behäbiges Aeußere. Familien sitzen vor den Wohnungen und plaudern zusammen. Viele der Herren Mohammedaner tun sich gütlich in den Restaurants und Kaffeehäusern. Es geht sehr ruhig dabei zu. Nur hie und da schlägt ein„Sohn des Propheten“ eine Karte, offenbar einen fetten Trumpf, kräftig auf den Tisch. Ueber der Pforte eines Hauses lockt die Inschrift: Deutsche Bierhalle. Wir treten ein. Der Kellner holt eine Flasche Pilsener Bier= wie er sagte, aus einem Schrank herunter, ähnlich, wie es bei uns die Apotheker machen bei der Zubereitung der Arznei. Es war danach Port=Said wird von erfahrenen Reisenden als ein Sammelort internationaler Gaunerei und Lasterhaftigkeit bezeichnet. In diese: Wüstenei ist eine Oase des Friedens, das klösterliche Institut„du bon pasteur". Eine schwäbische Landsmännin führt darin als Oberin das Regiment. Die offizielle Besuchszeit ist zwar vorbei, aber„jetzt oder nie“! heißt es. Unsere kleine Karawane zielt dahin. Vierfünftel von derselben postiert sich als Sicherheitswache vor das Haus, das ein Aegypter uns als das Institut „du bon pasteur" bezeichnet hatte. Die geistliche Abteilung tritt in die lichtstrahlende Vorhalle dieses Hauses. Da ist eine Glocke. Ein mäßiger Zug— noch einer, etwas kräftiger, aber niemand reagiert. Steigen wir also eine Treppe hinauf zum ersten Stock! Ein Lichtschimmer dringt durch eine haldgeöffnete, hohe Doppeltur auf den blankgefegten Gang Flüchtige Tritte im hohen, hellen Gemach, aber niemand läßt sich blicken. Bis jetzt sieht das Ganze einen Frauenkloster noch gar nicht ahnlich. Steigen wir also eine Treppe höher! Vielleicht schaut es dort klösterlicher drein. Gedacht getan! Da steht das letzte Fünftel des Schutz= und Trutzbundes auf dem flachen Dache eines orientalischen Hauses, oben den schönen Sternenhimmel, die Stadt zu den Füßen— mutterseelenallein. Es wird ungemütlich auf des Daches Zinnen. Also wiede: einen Stock tiefer! Ein Geräusch— und ein kräftig gebauter Mann mit forschenden Augen erscheint. Einige Augenblicke peinliche Stille. Wir schauen uns gegenseitig an, jeder den andern Fr#iend, o9 er von ihn etwas zu hoften oder zu fürchten habe. Die Stille wird unterbrochen durch die Frage, ob hie: das Institut„du von pasteur" sei. Wiederum Schweigen. Der Mann unter der Tür verschwinder. Eine halbe Minute= und er ist wieder da, an der Hand einen halbwüchsigen Jungen führend. Auf diesen deutend, tut er endlich seinen Mund auf. Ein einziges Wort entfloh dem Gehege seiner Zähne. Und dieses Wort hieß: french. Jetzt war einige Klarheit geschaffen. Der Junge sollte zwischen uns beiden dolmetschen. Bald war es heraus, daß hier meit nichten katholische Schwestern wohnen. Ein Wort der Entschuldigung, ein Knix, eine dito Reaktion des Gegenüber, und die Audienz war zu Ende. Sämtliche drei Beteilaten schienen froh zu sein über diesen unblutigen Ausgang der Sache. Unten wartete in Unruhe die vierte Wache. Es ist nachts 10 Uhr und etwas darüber. Die Luken werden geschlossen. In der Morgenfrühe, hieß es, geht es in den Kanal. Vor der Abfahrt wird noch eine Komödie aufgeführt. Ein grabischer Gaukler kommt an Bord. Der kupferfarbene Geselle mit seinem nie ersterbenden Lächeln auf dem ehrlich dreinschauenden Angesicht versteht seine Kunst aus dem Fundament Ebenso tadellos machen ihre Soche zwei kleine, schwarze Taucher, die mit Meisterschaft Münzen aus dem Meer heraufholen. Im Hafen von Aden hat vor ein paar Jahren diese Kunst einem armen Jungen einen Fuß gekostet. Ein Haifisch hat ihn aufgeschnappt. Eine Schiffswache kommt beran. Jetzt heißt es: Ihr Leut", geht nach Haus, das Theater ist aus! Der Dampfer fängt an, tiesen Atem zu schöpfen. Es gebt in den Suezkanal. In sehr gemäßigtem Tempo müssen große Dampfer diese ca. 160 Kilometer machen. Bei raichem Fahren würfen sie zu große Wellen nach den sandigen Ufern des Kanals und zerstörten bald das große Werk des Franzosen Ferdinand Lesseps, der in Bronze gegossen, am Hafen von Pori=Said sein Meisterstück bemacht Neue Landschaftsbilder hält der Ortent uns jett entgegen. Zu beiden Seiten des Konals zieht sich lang hingestreckt die Aradische Wüste hin. Stunde um Stunde verrint: das Auge gewahrt nur geldti#r Sandflächen, durch Felsen erwar gegliedert. Graue Nevelmassen lagern sich üder diesem Völkerfriedvofe Das ganze Volk Irael, das ausgezogen ist, aus dern Lande Pharaos, ist im Sande dieser Wuste begraden Dieses Sandmeer, an denn wir dadinfuhren, hat gierig seinen glutheißen Rachen aufgetan und die Hunderttausende von Leichen der Kinder verzehrt. Diese selbige Wüste, in die wir stundenlang suchend hineinschauen, hatte noch eine andere, freudigere Aufgabe am Volke Israel zu erfüllen. Sie war an die vierzig Jahre der große Speisesaal des gan zen Volkes. Auf diesen breiten. langen Tafeln hat der Her: dem Volke Tag für Tag den Tisch gedeckt und frisches, honigsußesManna den Söhnen und Töchtern Israels aufgetragen. Ueber zwanzig Stunden lang kriecht„Impera trix" den Kanal entlang. Außer einem Kameelre. ter, der hinauf, und ein paar Haifischen, die hinadziehen. ist niches von Belang zu sehen. Endlit kommt der Endpunkt in Sicht, die Doppelstadt SurSchmucke Villen unsaumen den Meerdusen von Euez. Hohe Palmen mit weiten Kronen und dichtbe. laubte Bananen geben dem flach daliegenden Gestade ein orientalisches Gepräge. Der Golf von Suez mit seinen hellblauen Wassern hat seinen Rücken gefestigt mit hohen scharfgezackten Bergen. (Fortsetzung folgt.) Vom Theater mn Japan. Von allen überseeischen Landern ist es nachst den Vereinigten Staaten sicherlich Japan, dem in Europa die großie Aufnerksamten geschenkt wird, nicht nur augen blicklich, infolge der jetzigen politischen Verwicklungen, kendern schon seit längerer Zeit, seit Japan, durch eine konstitutionelle Verfassung durch das Bildungsstkeben seiner Bewohner gezeigt hat, daß es hohr Beachtung verdient Trotzdem ist man in Europa noch geneigt, den Japanern als etwas minderwertig zu betrachten und meinl, daß er sich eine hohere Kultur erst in den letzten Jahrzehnten erworden habe, seit er mit den Europäern in Komakt getreten. In Wahrheit wohnte ihm aber schon vor Jahr hunderten eine gewisse Zwilisation inne, die allerdings dün ig teilweise wieder so sehr in den Schatten tral, daß sie vollständig verloren schien. So bat sich z 12., das Theater dort in der umgekehrren Weise en bei uns und nachdem es zuerst in verfeiner! wandelte, nach und nach sich aufs schrecklichste ver Als es nämlich im 17. Jahrhundert eine Form gewann, waren es vor allem die oderen sich für dasselbe interessierten. Die Autoren se daher genöngt. ihren Stükken eine gewisse Elegang zu der. leihen, und sie dem gebildeten Geschmak ihres Fohttkonanzupassen, wodurch sie nach und nach ein hohes Riveau erreichten. Eine Anorbstung, von der man ketnerlei Ein fluß auf dieselben hätte erwarten sollen, brachte dartn eine vollständige Genderung hervor. Dieser zufolge, mar es nämlich den Zuschauern untersagt, das Theater serner mnu dem Sadel an der Seite zu betreten, wahrschamlich mei öfter blutige Zwistigkeiten entflanden waren. Diesen wrfehl berrachtete die Aristokratie als unausfuhrder für sie, sich der Waffen zu entledigen, galt idnen als ehr##rühng und sie verzichteten ener auf ihr Vergnügen So wurde denn das Theater eine Versreuuge für de unteren Klassen und die dort vorgeführden S sich dem Geschmack derselben anpassen. Es lich Dramen oder vielmehr was wir jegz: nennen wurden, dargestellt, in denen Gift und der und Mörder eine Rolle spielzen. Und da dies fand, so suchte ein Audor den anderen immer nach an übertrumpfen, so daß schließlich nur die schecklichen Szenen zur Vorführung ramen. Und dabei## sich, möglichst realistisch zu sein. Zuerst wurde Wunden fließende Blm z. B. durch 2.—..ober Wolle versinnbilbigt, später bediente man sich sigkeit, die in Papiersächchen eingeschlossen verriß diese und wirkliches Blut schien herahenfließen Zugleich bemühren sich die Schauspieler ionen Gesichtern durch Bemalung ein recht entsetzliches Aussehen zu geben, und dazu die gräßlichten Germassen zu schreiden Sie nadmen Unterricht in der Kunst der Sliedervertenkng und des Boxens, lernten gefährliche Luftsprünge zu machen und je schaudererregender sie sich geberdeten, desto mahr waren sie des Beifalls der Menge, sicher Natürlich spielen auch Tiere auf der javanischen Bühne eine Rolle, Löwen, Tiger, Bären. Pferde, Füchle###s#. fuud da zu seben, aber selbstverständlich in einer, meist nich sehgelungenen Imitation. Der Nörper des Tieres ist in Heiausgeführt und mit einem Stoff oder Fell bedest. Jin