*. 2 guuuo— 01 i# 8 Nr. 53 Der Erzähler. 1904 würdigkeiten. Wan zählt den 5. Ok Uhr zeigt bere; die dritte Stunde des Um 4 Uhr gen dus Schiff. Alie hinal des Mieeres! Da liegt zu che den v und kleinen Fan zeugen der Damofer nach Ostindistolzer Name waltigen Sch.. Augenblicke. Die ten sich nach der Wagen kommt in Kutscher hat Wi Juchsen zum Stei steigt der Wischof der Anima in A0 wür digste Herr a dem Bischof Dr. das Geleite(un abschiedeten sich steigt zu Schii ##r und die #achmittag ans Gestal elen große welcher un senn ge###ngen soll„Impertrix“ 1 nsiges Treiben herrsch: auf de c. Jett stockt die Arbeit auf Augen der Sch ssmannscha Landungsbrücke. Ein vor ahmer Schiff. Die aufs herzlichste. ##iden Prai Der u disch ten verBischof (Forlsetzung folgt.) Unpolitische Zeitläufe. (Nachdruck untersagt.) Berlin. 3. März. In London soll die wunderschöne Mode aufgekommen sein, daß die seinen Damen die Photographie ihres Auserwählten auf den#ngernagel tragen. Natürlich auf dem Nagel des Ringsingers der von alters her als der Vertreter der Liebe und Treue gilt. Diese Mode erscheint mir außerordentlich praktisch. wenn ich sie mit der anderen Unsitte vergleiche, von der vor einigen Jahren die Rede war. Da ließen sich nämlich Modedamen dar Bilonis oder den Namenszug ihres Geliebten auf den Arm oder sonst einen geeigneten Körperteil— tato wieren. Die Umständlichkett und Schmerzhafttgkeit des Tatonierens war selbstverständlich Nebensache; denn der Mode bringt man ohne Wimperzucken jedes Oofer. Ader das Tatowieren ist einfach desald nicht in Schwung gekommen, weil das Zeug sich nicht ausIn den E###nichungsraum gehen. Das war furchtbar nett" Das Fräulein erzöhlte dann weiter, daß sie sich auch noch Zinzeibilder von hrer werte##=sönlichkeit machen lassen.„ Jo denn?"—„Bei Jundorf. denn wir hatten noch von Weihnahten her einen Photographiebon von Jandorf, der in dre Monaten ablief; den habe ich nin schnel noch ausgenug"(Janvorf ist ein anderes einige1 Walrnhaus.) oon soll da der selbständige Photograph noch leden, wenn ihm die großen Warenhäuser mit all ihren Lockmitteln die Kunden abjangen? Also ist wohl die Mahnung am Plaze, daß die Leute, die sich abkonter####en lassen, den derusenn Meister der Lichtbildkunst aufsuchen mögen, um den photographischen Mitlel land zu unterstügen. Wenn sie sich einem tüchtigen, erpcodten Photographen anvertrauen, so werden sie besser fahren, als bei der Massenabsertigung nach dem Motto: „Billig und schlecht". Denn ein gutes Bild zu schaffen, ln eine Kunst, die nicht nur gelernt, sondern auch durch Ersadrun= und liebevolle Sorgfalt gepflegt sein will. Die Lichtbilder von Schauspielern sehen gewöhnlich viel schöner aus, als die Konterseis von gewöhnlichen Menschenkindern. Das erklärt sich aus der Gewandtheit des Schauspiele:s, im entscheidenden Augenblick die richtige Haltung und das vortetlhafteste Mienenspiel anzunehmen. Den anderen Leuten muß der gewissenhafte Photograph erst mühsam beibringen, wie sie iore Gliedmaßen halten und welches Gesicht sie schneiden sollen, um einen waralteristischen und zugleich hübschen Eindruck zu machen.„Bitte, recht freundlich!“ heißt die uralte Redewendung. Es ist schon schwer, die Kunden dahin zu bringen, daß sie nicht ein gar zu langweiliges, schläfriges oder gar verdrossenes Gesicht machen. Aber damit ist noch längst nicht alles getan. Der gewissenhafte muß auf alle Linien, alle Kleidersalten 2c. achten; er muß den kunstlerischen Geschmack eines Porträtmalers besitzen; er muß gleichsam ein lebendes Bild zu stellen wissen, das die Eigenart des Kunden in kunstlerisch befriedigender Weise wiedergibt. Darum in zwischen Photographie und Photographie ein himmelweiter Unterschied. Jeder kann ja leicht über dieses Kartte. Studien machen, wenn er sich seine SammLeschen kogi. Lont zu Lanse in das Enttoben og lung von Photogeoodien mal mit kritischen Augen an Scheiden beinahe ebenso haufig, wie das Verloben und tun? K. mnatannn anfu 8— olbessanhHeiraten. Der flotte Beasel bildet die Regel; deshald war die unauslechliche Hautmaierei(al fresco, d. b. auf verwundeter Haut.) durchaus nicht zeitgemäß. Dagegen ist das Lichtvild auf dem Fingernagel geradezu dem Bedül. fnis nach üdwechselung angepaßt. Es vergeht von selbst— bei dem Wachetum des Nagels. Auch die längsten Nctel mussen schließlich mal geschnitten werden; von der Sie#ung der Bildes hängt es ab, ob dem geliebten Wesen ern die Beine oder uerst der Kopf abgeschnitten werden wi d. früher dein: De Dern dleib: nur die engere Wahl, wie veder von unten nach oben oder von oben nach unten. In d.ei oder vier Monaten ist alles er oui en: das ist für ein modernes Verhältnis schon eine recht ansehn che Frist. Sollte die„ewige Liede und T#ue niet ganz ein Vierteljahr dauern, so ist das auch nicht sch.! m. wosern nur der Sicherbeit halder der Kopf nach der ziingerspitze zu gelegt ist. Tann schneidet man zur kritschen Trennungsstunde einsach den Kopf fort. und dem Res. kann dann niemand mehr ansehen, ob es der hug re Bräutigam Schulge oder der jezige Brautigam Müller sein soll. ehr oder die Aushänge=Kasten der mustert. Gewöhnlich schiebt man, wenn ein Lichtbild recht ledern, dumm und langweitig aussieht, die Schuld auf den Abgebildeten, indem man dessen Häßlichle oder Geistlosigkeit verantwortlich macht. Aber der tuchtige Photograph, der wirklich den Meistertitel verdient, weiß auch den häßlichen Kopf, den steifen Körper zu einem interessanten, ästheiisch befriedigenden Bilde zu verwerten. Nicht mit jalschender Retouche, sondern durch die Herbeiführung der geeignetsten Stellung und des besten Mienenspiels. Prüfet alle Photographieen und wählet den besten Lichtbildkünstler aus, auch wenn er etwas teurer sein sollte, als die weniger geschickten Wettbewerder. An der billi##en und schlechten Dutzendware haben weder die Abger###deten selbst noch die Beschennteneine rechte Freude. Und hat man einen tüchtigen Photographen, so füge man sich auch vertrauensvoll dessen Anordnungen und Vorschlägen, ohne eigensinnig auf die eigenen Einbildungen oder unberufene Ratschlage zu besieden. Die Seldstkenninis ist bekanntlich schwer, sowohl in Bezug auf das Aeußere, wie auf das Innere. Der geschulte Fachmann weiß es Die schnelle Vergänglichkeit der Nagelphorographie hat sicherer zu beurteilen, wie Du Dich aus dem Bilde am auch ihren großen Vortei für die Photographen, und besten ausnimmst. diesen„ichtmalern“ kann man wirklich etwas Verdienst! Uebrigens muß ich bei diesem Kapitel sagen: Tuet g3 non. Sie leiden nicht blos unter der übermäßigen nach meinen Worten und nicht nach meinen Werken! Ich Be neonn der photographichen Ateliers, sondern auch gehe nämlich garnicht gern zum Photographen: ob meine ganz deiedees unter dem erdrückenden Wettbewerd der Bequemlichkeit zu groß oder mein schauspielerisches Talent wr. Kur#lich hörte ich von einer„höheren Tocht r“, daß die I. Klasse der Schule sich vor dem großen I ennungsfeste zum Schlusse des Schuljahres au einem Gr openbild verewigen lasse.„Zu welchem Photogruphen seid ihr denn gegangen?“—„Zu Wertheim“, war die Antwort.(Wertheim ist bekanntlich das großte Warendaus von Berlin.)„Warum denn zu Wertheim?“ —„Ag. da wußten die meisten von uns schon recht gut Bes###eid. und dann konnten wir auch gleich alle zusammen zu schwach oder meine persönliche Eitelkeit zu klein ist, lasse ich dahing=stellt. Diese Idiespokrasie hindert mich aber nicht, den großen Wert guter Photographieen zu dekennen. So eine Sammlung von Abbildungen lieder Verwandter und guter Freunde ist wie ein Osen für das Gemut; daran kann man sich in stillen Stunden innerlich warmen, in Erinnerungen an die Vergangenheit schwelgen und Perzens den in der Gegennart spinnen. Von desonderem Interesse sind die Bilder aus der Jugendzeit, die das Wachsen und Werden des junzen Menschen in seinen charakteristischen Phasen verewigt haben Die Famklienchcenik bekomm: durch die Ph####ograrhieen ihre schönste Illunration. „ Verewigt“ ist eigentlich ein erwas schweres Wort für die leichte Ware des Augenblcks=Bildes. Aber die Kunst ist ja jezt so weit vorgeschritten, daß man auch schon wirklich dauerhafte Bilde, zu mätzigen Preisen haben kann, wenn man an die rechte Schmiede geht. Damit kommen wir wieder auf die alte Mahnung. nicht der Parole„Billig und schlecht" zu folgen sondern lieber das Geld für eine geringere Anzahl wirklich guter Bilder zu verwenden. Es giebt Leute, die förmlich mit ihren Konterseis um sich wersen und ihren Bekanntenkreis immer wieder mit Photograpbieen überschwemmen, als oo die Welt sich an diesem Näschen oder an dieser geistreichen Stirn garnicht satt sehen könnte, das ist äitelkeit und Aufdringlichkett, die nicht erbaulich wirke:. Darun halte ich es auch für geschmacklos, wenn sich Leute Postkarten mit ihrem werten Bildnis verzieren lassen. Wenn man Ansichtskarten verschicken will, so sucht man sich doch die schönsten Ansichten aus, die das Gefallen des Empfängers erregen sollen. Man muß nun schon ein rechter Geck sein, wenn man voraussetzt, daß das eigene Antlitz eine reizende Ansicht darstellt, die der Vervielfältigung auf der Postkarte wert lei. Was ist nun von den Kodaks und den sonstigen Apparaten zum„Selbstphotographieren“ zu halten? Ein hübsches Spielzeug und auch für Große sehr schön verwerten, um auf Spaziergängen oder Reisen interessante Ansichten festzuhalten. Aber bei der Abbildung von Personen machen die Liebhaver=Apparate den gechulten Photographen durchaus nicht entbehrlich. Ein gutes Personen=Bildnis bringt der Dilettani selten sertig. Man kann jedoch den Haus=Photographen sehr gut verwerten, wenn es mehr auf den Inbalt des Bildes. als auf die künstlerische Ausführung ankommt, wenn z. B. Gruppen, die sich bei einem lieben Besuch: oder bei einem Familienfeste bilden, verewigt werden sollen, so gut oder so schlecht es gerade geht. Eine Zeitlang war die„Knipserei“ mit dem tragbaren Apparat zu einer wahren Landplage geworden. Was interessant aussah, war keinen Augenblick sicher vor einer Abbildung ohne Willen oder gar ohne Wissen. Dieses Modefleber hat nun auch schon nachgelassen.— In gewissen Illustrierten Bluttern giebt es freilich noch mechanische Nachbildungen von Augenblicksbildern, die bei Festlichkeiten, Begegnungen 2c. vom Reporter aufgenommen worden sind. Man kann beim besten Willen nicht behaupten, daß das Kunst#erke seien: Die schnellfertigen Leitungen können höchstens als Siljsmittel für die Phantasie des Lesers durchgehen. Hoffentlich entwitelt sich dieser Zweig der Tages= und Wochenpresse dahin, daß die Zahl dieser Photogramme beschränkt und dafür die Güte derselben etwas nachgepflegt wird. Weniger ist mehr!— Soll ich schließlich noch Zukunftsmusik machen? Nach etlichen Jahrzehnten wird man vielleicht unsere heutigen Photographieen mit demselben mitteidigen Lächeln betrachten, wie wir die schwarzen Schattenrisse unserer Großeltern. Dann macht man nur noch lebende Photographieen, und bei jedem Album ist ein Apparat, der die Tätigkeitsbilder auf die Wand wirft. Dann wird z. B. mein Nachfolger der„Unpolitischen Zeitläufe“ ein Bildwerk beifügen, woraus jeder Leser ersehen kann, wie der Verfasser die Feder geführt, die Stien gesurcht, das Brot gelaut und die Zigarre gehalten hat, während er den Artikel zu Papier warf. Auch den aufatmenden Blick beim Schlußpunkte. Uff! Frankenhausen echnikum erkmeister. Kyffhäuser. u. Tasebisen-Jngenleare Voders eingerichteten aberetorium Staatstemmt der Verantwortlicher Redakteur F. Z. Knappe in Bochum. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckerei. Jean Pyra's Handelslehranstalt, Bochum, Friedrichstrasse 36, Mitglied des Verbandes deutscher Handelsschullehrer und kaufmännisch gebildeter Bücherrevisoren. Gründliche Ausbildung vor Damen und Herren für die kaufmünnische Praxis. Für Damen Unterrichtssaal separat. Die feinsten Referenzen stehen zu Diensten. Bevor Sie einen Kursus beginnen, erkundigen Sie„ 1. Prospekte gratis. Vorbereitungskurse für Bergschüler. Anmeldungen werden zu jeder Zeit entgegengenommen. P Vonde-uog Jsch Jgou 1. P ue 1 1 M u t. Mn Wn gun ubung aamim Nmm 9 gnzv zunß 21 212 Lebenswege. Da brach in einem benachbarten Orte Feuer aus, welches so um sich griff, daß einige hundert Menschen dadurch obdachlos wurden. In der Kreisstadt veranstaltete man sogleich Konzerte und theatralische Vorstellungen zum Besten der Abgebrannten unt Emma ergriff mit Freuden die Gelegenheit, dem sie ermüdenden Einerlei zu entrinnen. Sie übernahm eine der Hauptollen bei der Dilettanten=Vorstellung und führte sie so glänzend, so meisterhaft durch, daf ihr allgemeine Bewunderung gezollt wurde. Jetzt erfolgte Einladung auf Einladung, die junge Frau wurde plötzlich zu einer Berühmtheit der Stadt und sie stürzte sich in den vollen Strudel des Vergnügens. Man wußte, daß der Kreisrichter stets viel beschat tigt war und seine Gattin deshalb nicht begleiten konnte, daher fand jeder es in der Ordnung, wenn die schöne junge Frau allein die Gesellschaft besuchte. Die Sonne war untergegangen, das Lachen und Jauchzen der Kinder verstummt. „Papa, Papa, soll ich zu Dir kommen?" fragte ein feines Stimmchen vom Fenster her.„Du kannst nicht mehr schreiben, kommn, spiele mit uns. Papa.“ Curt erwachte aus seinen Träumereien, ging zum Fenster und hob die Kleinen herein. „Mich auch, Papa, bitte, mich auch,“ bat die kleine Betn „Nun, so komm her mein Kind.“ sagte er und hob sie ebenfalls durchs Fenster. Dies war ein Judel für die Kleinen, welche den Papa umringten und auf dessen Knieen und Rücken kletterten. Als nach einer Weile Anni in den Garten kam, um die Kinder zu holen, sah sie diese durch das noch immer offene Fenster in den Armen ihres Herrn. „Leise, Anni, leise,“ sagte dieser, als sie näher trat,„die Kinder schlafen beide.“ Behutsam nahm Anni sie von den Vaters Schooß und trug sie in ihre Bettchen. Am folgenden Mittag sah Curt die Gartin beim Mittagstische wieder; als er morgens zum Gericht ging, schlief sie noch, denn sie war spät heimgekommen. „Hast Du die Neuigkeit schon gehört?" fragte Emma.„Es wurde gestern Abend erzählt, daß in hiesiger Gegend einige Erkrankungen an der Cho lera vorgekommen seten.“ „Davor wolle Gott uns behüten,“ entgegnete Curt.„Die Cholera ist ein sehr böser Gast.“ Pah, was haben wir denn zu befürchten?" verErzählung von Clara Wilhelmi. setzte die Gattin.„Die Chorela ist eine Pöbelkrankheit, durch Unreinlichkeit und Mangel an frischer Luft hervorgerufen; an die besseren Kreise wagt sie sich nicht heran.“ „Dies ist, gelinde gesagt, eine leichtfertige Be auptung, die Du da aufstellst. Emma,“ sagte Curt verweisend.„Allerdings tritt diese schreckliche Krankheit vorherrschend in den niederen Hütten der Armut und in den Häusern, wo viele Menschen in engen Räumen dicht gedrängt beisammen wohnen, auf. Aber wenn sie erst epidemisch geworden, verschnäht sie auch nicht, aus den Palästen der Reichen ihre Opfer zu holen. Zudem bist Du im Irrtum wenn Du glaubst, daß Schmutz und Unreinlichkeit allein die Ursache der Cholera sind; eine unregelmäßige Lebensweise kann sie eben so leicht herbei führen.“ „Du denkst gewiß, mich dadurch einschüchtern zu wollen. Du gönnst mir das Vergnügen nicht, welches ich im gesellschaftlichen Verkehr finde.“ „Wie kannst Du dies nur denken,“ entgegnete Turt mit leisem Vorwurf.„War es doch stets mein bestreben, Dir Glück zu bereiten, ich wollte Dich nur zur Vorsicht mahnen.“ „Denkst Du auch daran, daß der Jahrestag un serer Hochzeit herannahet?“ fragte er nach einer kleinen Pause. „Ach ja, im nächsten Monat; wie alt man wird schon sechs Jahre verheiratet. Ich möchte ewig jung bleiben,“ seufzte Emma. „Nun. Dir sieht man die sechsjährige Ehe nicht an, Du bist noch so blühend wie damals, als wir uns kennen lernten. Bei mir ist dies nicht der Fall; sieh nur, wie mein Haar gelichtet ist,“ sagte Curt lächelnd. „Ja, ich habe es in letzter Zeit auch bemerkt, Du hast schrecklich gealtert, und wenn es so fort geht, wird bei Dir bald der Mondschein zu Tage kommen.“ antwortete sie mit erzwungenem Lächeln, in dem der Spott nicht zu verkennen war. „Ich wünsche sehr, daß wir den Jahrestag unserer Hochzeit ein wenig festlich begehen. Ich werde mich Abends zeitig frei zu machen suchen, dann bleibst Du hier und schenkst mir einige Stunden. Wir wollen dann zusammen lesen und musizieren wie vor Jahren.“ „Wie langweilig,“ gähnte sie. „Früher dachtest Du nicht so. Willst Du mir ver(Nachdras sprechen, den. Abend mir zu widmen? Ich bitte Dich darum,“ sagte Curt. „Nun ja, meinethalben,- erwiterie sie ungeduldig, indem sie sich erhob. „Ich danke Dir, Emma," erwiderte der Gatte, sich gleichfalls erhebend,„und ich rechne sicher darauf, daß Du Wort hältst.“ Das Gerücht von dem Auftreten der Cholera wa: kein Schreckbild, sondern fürchterliche Wahrheit gewesen. Die Kunde davon verbreitete sich schnell und erregte Angst und Schrecken überall. Auch die Kreisstadt blieb nicht von dem unheilvollen Gaste verschont, und viele, die früher kaum an den Tod gedacht, sorgten jetzt, ihren Haushalt zu bestellen. Der Richter wurde bald hier, bald dorthin gerusen, um ein Testament aufzunehmen, was seine Arbeiten bedeutend vermehrte. Still und schweigsan gingen die Menschen durch die Straßen und sah man nur einige beisammenstehen, so konnte man gewiß sein, daß ihre Unterhaltung die schreckliche Cholera war. Emma allein schien von der allgemein herrschenden Besorgnis und Trauer nicht berührt zu werden, sie lebte nach wie vor unbekümmert in den Tag hinein und jagte dem Vergnügen nach. Für sie eristierte die Krankheit nicht, sie war für sie nur Pöbelkrank heit „Der heutige Abend gehört also mir, Emma,“ sagte Curt, als er Mirtags den Hut nahm, um zu Gerichte zu gehen.„Ich bin früh wieder da: ein angenehm verlebter Abend wird mir nach den An strengungen und Strapazen der letzten Zeit wohl tuend sein.“ „Wie. Du wolltest heute Abend auch in Gesell schaft zubringen?" fragte Emma erstaunt, sich mit dem Tuche Kühlung zufächelnd, denn die Hitze war kaum erträglich. „Jawohl, meine Liebe, in Deiner Gesellschaft,“ erwiderte der Gatte lächelnd,„hast Du vergessen daß heute der Jahrestag unserer Hochzeit ist? Der heutigen Abend hast Du mir ja versprochen.“ „Heute?“ fragte die junge Frau gedehnt.„I### dachte nicht daran, daß heute der Tag ist. Ich habeine Einladung bei Kommerzienrats angenommen erst zum Sommertheater und nachher zu einer Bowle. „Nun, dann lasse absagen, mein Kind,“ erwidert Curt vergnügt.„Ich kann Dir nicht sagen, wie sch ich diese Stunden herbeigewünscht habe.“ 95 555 1 —. 15 5 9 □ FSSEE S E S 2 125513 S SXES. 2 5 S S SüEsuSS-SxSSSgESSNTE E S S 5 5 5 am E S —— 5 SE E 55 2 5 E SASSEEE Nr. 53 Der Erzahler. 1901. Nr. 53. Der Erzähler. 1904 u gesagt, bereits angenommen habe,“ entgegnete entschieden. „Sei vorsichtig. Emma, iß keine Plaumen mehr. sie könnten Dir schädlich sein,“ warnte Curt, als er bemerkte, daß seine Gattin nach den schönsten Früchten im Körbchen suchte.„Wann hast Du zugesagt?“ „Heute Morgen.“ „Und ich habe Deine Zusage schon seit einigen Wochen. Du siehst, meine Rechte sind älter.“ „Es würde doch zu albern erscheinen, wollte ich bei Kommerzienrats absagen lassen.“ sagte sie schnip. visch. eine schöne, saftige Pflaume zwichen die Zähne schiebend. „Durchaus nicht, wenn Du den Grund angiebst.“ erwiderte Curt ernst,„ich habe Dein Wort und beanspruche mein Recht.“ Curt hatte noch niemals so energisch seinen Willen behauptet, wie heute: Emma fühlte, daß ihr Gatte im Rechte sei, wollte und vermochte aber nicht, sich das erwartete Vergnügen zu versagen. Grollend zog sie sich auf ihr Zimmer zurück, um zu überlegen, wo sie den Abend zubringen wollte. Auch in ihrem Herzen lebte noch die Ernnerung an die schöne Zeit ihre: jungen Liebe, wo ein von Curt gespendetes Lob sie boch beglückte. „Ich glaube, er fängt an, mich zu tyraunisieren." sagte sie, aus ihrem Sinnen erwachend.„Das lasse ich mir jedoch nicht gefallen, und gebe ich für heute nach, bin ich für immer die Besiegte.“ Sie erhob sich und begann ihre Tiolette für den nd Curt war inzwischen nach Hause gekommen und harrte im Wohnzimmer der Gattin. Als sie nach langem Warten noch immer nicht erschien, fragte er Anni. ob die Herrin sich nicht wohl befinde. Die Antwort lautete, daß sie bereits längere Zeit bei der Toilette verweile. Curt schicke Anni herauf, um Emma zu sagen, daß er sie in seinem Zimmer erwarte „Die Frau Kreisrichter sagt, sie werde diesen Abend bei Kommerzienrats zubringen, wie sie Ihnen heute Mittag schon gesagt habe,“ meldete Anni zurück Er ging nun selbst herauf und klopfte an Emmas Zimmer. Sie öffnete. „Gelten die großen Vorbereitungen unserem gemütlichen Abend?" fragte er. „Das wäre denn doch überflüssig, mich deshalb zu schmücken,“ entgegnete sie herbe.„Ich gehe zu Kommerzienrats.“ „Du hast mir diesen Abend zugesagt,“ sagte Curt ernst.„Gilt Dir denn mein Wunsch garnichts.“ „Ich kann nicht dafür, daß ich nicht daran dachte, Dir zuvor mein Wort gegeben zu haben.“ „Reize mich nicht, Emma,“ entgegnete Curt Wenn mein Wunsch Dir gleichgültig ist, werde ich Deinen Wünschen meinen Befehl entgegen setzen.“ Hoch aufgerichtet, mit blitzenden Augen und geschwollener Stirnade: stand der Gatte vor ihr. Dieses ungewohnte, energische Auftreten schien auf Emma seine Wirkung nicht zu verfehlen, sie beugte sich unter den strengen Worten Curts. Aber plötzlich erwachte ihr Trotz. „Befehlen? Bin ich denn eine Sklavin, der man befehlen kann?“ fuhr sie auf.„Ich will Dir zeigen, wer sich befehlen läßt. Und nun gehe fort, damit ich meinen Antzug vollenden kann.“ Sie schob den Gatten zur Tür hinaus und schloß dieselbe hinter ihm zu. Einen Augenblick stand Curt wie versteinert, doch faßte er sich, ging auf sein Zimmer und wartete mit fiederhafter Unrude auf ihr Herabkommnen. Er hielt es nicht für möglich, daß sie seinem ausgesprochenem Befehle Trotz biete und hoffte, sie würde nachgeben. Da wurden draußen einige Stimmen laut: Emmma erteilte Anni einige Aufträge, leichte Schritte und das Rauschen eines Gewandes näherten sich. Es schien, als zögere sie vor der Tür seines Zimmers; sein Herz pochte hörbar. Hatte sie ihren Sinn geändert und kam sie zu ihm? Dann wollte Curt ihr entgegen gehen, um sie freundlich zu empfangen. Rasch öffnete er die Tür und Emma stand vor ihm. Wie gebannt hafteten seine Augen an der schönen Frau. Nie war die Gattin ihm reizender erschienen als wie sie jetzt in dem duftigen weißen Kleide, nurt der Perlenschnur im Haare vor ihm stand. Sie glich einer Braut und das erinnerte ihn an eine längst entschwundene schönere Zeit. War es dies, was ihm den sanften, liebevollen Ton entlockte, als er ihren Namen rief? (Fortsetzung folgt.) 5) Erzählung von Mr „Sprich, sprich!“ ruft sie endlich;„ich kann nicht immerfort lachen, ohne einen Grund dazu, das ist ein langweiliges Vergnügen.“ „Ich dachte daran, was für ein Bild es geben würde, wenn meine Kleider wrklich platzten. Stelle Dir nur sein Gesicht und Deines vor. Welch' ein Ausbruch! Und Dein armer alter Papa an der Spitze der Tafel mit Offenberzigkeiten an seiner Bekleidungund— ha, ha! O je!“ Und helle Tränen der Fröhlichkeit laufen ihm über die Backen, als er sich de Szene ausmalt die ihn einen Augenblick vorher fast zur Verzweiflung getriben hat. Nora lacht von ganzem Herzen mit; da steckt Denis den Kopf durch die Tür. „Es tut einen gut. Euch zu hören; darf ich wissen, worüber Ihr lacht?“ „Nein, es ist nicht gut genug." versichert Prinzeßchen schnell.„Der Spaß ist ganz abgenutzt, schon ganz fadenscheinig.“ „Nun. der Gegenstand desselben ist allerdings altertümlich genug und—“ „Laß nur. Papa.— Du bist gekommen, uns etwas mitzuteilen.“ wendet sich Nora an ihren Vetter, um seine Aufmerksamkeit von dem Onkel abzulenken. der in einer geradezu gefährlichen Laune ist.„Der Brief in Deiner Hand „Ist von meiner Mutter, die mich fragt. wann ich wiederkommen werde.“ „Mein lieber Junge. Du bist ja eben erst angekommen!" „Sie kann nicht ohne mich fertig werden, Onkel; das Haus ist ganz voll Besuch, und es fällt ihr schwer, alle ihre Gäste zu amüsieren. Sie möchte auch wissen, Nora, ob Du mich begleiten wirst." „Dich nach dem Schloß begleiten? O nein, gewiß nicht!“ sagt Prinzeßchen erschrocken. Unwillkürlich weicht sie zurück bis an die Wand. als ob sie sich so weit wie möglich von dem fraglichen Schloß fern halten möchte; nichts konnte beredter sein, als diese Bewegung. „Aber warum nicht?“ fragt der junge Mann vorwurfsvoll.„Meine Mutter wünscht so sehr. Deine Bekanntschaft zu machen, daß Deine Weigerung sie verletzen wird. Wie Du siebst, kann sie diesen Augenblick nicht gut zu Dir kommen, aber wenn Du zu ihr gebst—“ „Ich wußte ja gar nicht—“ Aber ich sagte es doch Deinem Vater? Erzäbltest Du ihr denn nicht—“ O. ich erinnere mich jetzt; ich glaube. Du erwähntest, daß Madame sie gern sehen möchte.“ erwidert sein Oufel mut eingem Schuldbewußtsein, denn Prinzeßchen. ). Hungerford. Autorisierte Uebertragung tatsächlich hatte er gleich von vornerein bei sich entschieden, daß weder Nora ohne ihn noch er ohne sie sein könnte, und damit die Sache ruhen lassen. „Ich tat mehr: ich bestellte Dir Mamas dringende Einladung, und ich hoffe, daß Du, Nora, sie annehmen wirst. Du wirst meine Mutter lieb gewinnen, davon din ich überzeugt, und da jetzt so viele Leute bei uns sind, wirst Du es nicht langweilig finden.“ „O. das ist es ja gerade! All diese Leute!— schrecklich! Papa, warum sprichst Du nicht, warum sagst Du ihm nicht, daß ich ohne Dich mich elend fuhlen werde?" ruft Prinzeßchen unwillig. Ihr Vater ermannt sich zu einer entusiastischen Bestät gung:„Ich versichere Dir, mein lieber Denis, sie wäre das unglücklichste aller lebenden Wesen, wenn sie auch nur einen Tag meine Gesellschaft entbehren müßte.“ Er sagt das mit so tiefen Ernst und Nachdruck, daß sogar Nora lacht. „Und doch ist es wahr,“ wendet er sich ein wenig trotzig zu Denis.„Wir sind nie getrennt gewesen, niemals! Sogar während der drei Jahre- als ich in Frankreich die Schule besuchte, kam er mit mir hinüder.“ „Dann wollte ich, Onkel. Du entschlössest Dich, mit nach Ventry zu kommen.“ „Ich möchte es wohl, aber gerade jetzt bin ich sehr gebunden. Du weißt, was für Unruhe mir die Pächter machen.“ Von der Erwähnung des Gesellschaftsanzuges, sowie der absoluten Unmöglichkeit, einen neuen anzuschaffen. nimmt er Alstand. „Nora,“ sagt ihr Vetter plötzlich,„komm hinaus und laß uns die Sache dort besprechen.“ Siebentes Kapitel. Die Welt Fraußen erscheint so schön, so frisch. daß es nicht zu verwundern ist, wenn Denis auf ihren Einfluß gehofft hat. Wer könnte unfreundlich und hart bleiben, unter dem warmen. Sonnenschein, der sein goldiges Licht über all die reichen Schätze breitet, welche die Natur mit verschwenderischer Hand ausgeschütter hat? Aber als er seine Cousine anschaut, findet er sich getäuscht— sie ist noch eben so hartherzig wie zuvor.— „Nun?“, fragt sie ein wenig ärgerlich lachend. „was erwartest Du? Ich din mit Dir gekommen. weil Du Dir einzubilden schienst, das müßte von guter Wirkung sein, aber Du irrst Dich.“ „Ich kann nicht begreisen, warum Du so entschieden dagegen bist, zu uns zu konnnen,“ erwidert er etwas beleidigt. von P. Wollmann. Nachdruck verboten. „Das bin ich nicht! Das muß: Du nicht denken!" giebt sie hastig zurück.„Wenn nur Du und Deine Mutter waren; aber, aber der Grund ist"— setzt sie zögernd und tief errötend hinzu—„daß ich mich fürchte! „Dich fürchtest? Wovor?“ fragt er ungläubig. „Vor all jenen Fremden. Wenn ich mir vorstelle daß ich allein, da sein soll, unter so vielen mir undekannten Leuten— ohne Papa!— dann wird mir, o. ganz schrecklich bange!“ „Aber Du würdest nicht allein sein; ich wäre doch da."— „Allerdings, ja,“ sagt sie langsam, als ob sie dieser bisher vergessenen Tatsache eingedenk werde;„ich dachte nicht daran. Aber Du bist doch nicht Papa!“ Das ist richtig. Sie hat in der Tat eine unargreifbare Stellung gewählt; mit Gründen läßt sich dagegen nichts weiter ausrichten. Ihr Vetter versucht es daher auf andere Weise. Ich will nichts mehr von Einwendungen hören! ruft er fröhlich.„Ich bestehe darauf, Dich zu entführen, mit oder gegen Deinen Willen. Wie! Meinst Du, ich soll ohne Weiteres den Triumph ausgebenDich ihnen Allen vorzuführen, meine Gefangene zu zeigen? Noch dazu meine höchst eigene Entdeckung?" Er denkt an das Aufsehen, welches ihre Schonheit selbst unter den schönen jungen Damen, welche seine Mutter bei ihrem Landaufenthalt einzuladen pflegt, machen wird— daß nicht Eine in der fröhlichen. Menge wagen könnte, sich mit ihr auch nur zu vergleichen. Aber für Prinzeßchens Ohren haben seine Worte eine ganz andere Bedeutung. „Mich vorführen? Mich zeigen?“ wiederholt sie mit einer Stimme, welche den unglücklichen Denis geradezu wie ein Schlag trifft.„Bin ich denn eine Südsee-Insulanerin? Willst Dü mir etwa vorwersen. daß ich mich wirklich so ganz und gar von Deinen übrigen Bekannten unterscheide?" „Wie das Licht von der Finsternis", erwidert er schnell. obgleich nicht wanig durch ihren Ton erschreckt. „Ol“ ruft Prinzeßchen mit Bitterkeit. und ihr Vetter sieht, daß große Tränen in ihren Augen stehen. „Nora, was hast Du?“ fragt er stehen bleibend. „Wenn ich gedacht hatte, daß dieser Besuch bei meiner Mutter Dich wirklich so unglücklich—“ „Das ist es nicht, und Du weißt es recht wohl!“ entgegnet sie zornig und erbedt die Augen zu ihm, in denen noch große glänzende Tropfen zuttern.„Aber wenn Einem gesagt wird, daß man so ganz, ganz anders ist Natürlich weiß ich, daß ich nicht so bin, wie Deinvornehmen Damen, die überall gewesen sind und Alles gesehen und gehört haben, was es zu sehen und zu hören giebt, und“— mit tränenvoller, vorächtlicher Stimme—„vielleicht auch noch ein gut Teil mehr! Ich weiß, ich din nicht so wie sie, und— ich mll auch nicht so sein. Aber wenn man auch anders ist, so mag man es sich doch nicht geradezu sagen lassen, wie lächerlich und altmodisch man erscheint!“ Diese schnelle, schreckliche Rede überwältigt den arnen Denis beinahe, besonders durch ihren zornigen Nachdruck; aber er nimmt sich zusammen und ruft errötend:„Notal ist es möglich, daß Du mich so falsch beurteilst? Meine gelieb— hm— mein liebes Mädchen, begreifst Du denn wirklich nicht, was ich eigentlich meinte, worin der wahre Unterschied liegt? Daß Du das Licht b'st, die Uebrigen Schatten! O Nora, sieh mich an! Sage, daß Du mir glaubst!" „Ich will nicht! Ich tue es nicht!“ und jetzt lösen sich endlich die beiden, großen Tränen von ihren Wimpern und gleiten langsam über ihre Wangen. „Ich weiß, daß Du das Alles nur sagst, um mich zu trösten,“ schluchzt sie leise. Nur durch einen harten Kampf bezwingt Delaney sein heißes Verlangen, sie in die Arme zu schließen und das traurige, schmerzerfüllte Gesichtchen an seine Brust zu drücken. Konnte es in der ganzen weiten Welt etwas Schöneres geden as dieses Kind? O, daß er frei wäre und um sie werben— sie gewinnen könnte! O, daß er sie nie gesehen hätte! Nie gesehen? nein, das konnte er doch nicht wünschen.— Warum war sie so plötzlich, nun es doch vier zu spät war in sein Leden getreten, ihm die heitere Ruhe, in welcher er leben und sterdem zu können gehofft hatte, zerstörend, ihm, der bis dahin nichts wußte von dem höchsten Gut, der noch nichts gekostet hatte von der Liebe bittersüßem Trank!— Nun ist seine Heiterkeit dahin, sein Friede entflohen; dort bindet ihn fest eine verbaßte Fessel, und hier steht die Liebe ungekrönt wartend— wäre es möglich, daß sie auch sie seiner harre— noch sorglos, mit Liedern aus den Lippen und Lächeln im Blick und unbekannt mit jenem grausam fieberischen Schmerz, den die Menschen Leidenschaft nennen? Solche Gedanken bewegen ihn, während er ihr Tränen fließen sieht, aber als er spricht, ist seine Stimme zwar leise, doch vollkommen ruhig. „Gewiß nicht. Ich kann es Dir zuschwören, wenn Du willst. Du liedes, einfältiges Ding, wenn ich wirk lich solcher Meinung wäre, hätte ich dann wohl die Stirn haben können, sie vor Dir auszusprechen?" Dies erweist sich als ein vortreffliches und über zeugendes Raisonnement. Prinzeßchen lachelt und der Himmel wird wieder hell. Sie kommt sogar erwas näher zu ihm heran, als ob sie reden wollte, und dann, doch zu schüchtern, steht sie kurz still, faßt einen seiner Rockknöpfe mu Finger und Daumen und dreyt ihn rund herum und hin und her. „Nun?“, fragt Denis, einen Seufzer Interdrückend. Wie schwer, die Erwählte seines Herzens so nahe zu haben und dabei zu fühlen, daß er sie nicht ermuthe gen darf, noch näher zu kommen.„Nun?“ „Denis, sage mir eines, bitte, aber ehrlich hörst Du? Hältst Du mich für hübsch?“ so fragt sie unter liedlchem Erröthen. „Das ist en viel zu arlnes Wort!“ erwidert Denis, indem er die kleinen schlanken Finger von dem still duldenden Knopf nimmt und sie an seine Lippen drückt.„Wenn Du fragst: hältst Du mich für reizend entzückend. so kann ich Dir eher antworten.“ „O nein“, lächelt sie, angenehm überrascht.„das ist zu viel gesagt. Meine Mutter war schön, aber die Leute sagen, daß ich ihr nicht besonders ähnlich bin daß ich mehr Papa's Familie gleiche, das heißt auch Deiner: Dir vielleicht? Wie seltsam das wäre, wenn ich Dir gliche! Tue ich das?“ „Ich kann wohl sagen, daß ich mir oft geschmeiche habe, das tun wir Alle, aber, das darfst Du mir glauben, nie bis zu dem Grade!" versetzt Denis lochend. „Nun“, behauptet Prinzeßchen mit Entschiedenheit. „jetzt fällt es mir wieder ein, daß ich heute Morgen, ale ich mein Haar vor dem Spiegel machte, eine Aehnlichkeit dei mir entdeckte, und zwar muß es die mit Dir gewesen sein. Komm doch hierder," und ihn bei der Hand socund. führt sie ihn an einen nahen tiesen Teich, der zwischen Farrenkraut und Moosen sich schläfrig im Soutienschein wannt. Hier beugt sie sich vor, um das schmache und unvollkommene Abbild ihrer Reize prüsend zu betrachten. Denis. neden in stehend und über ihre Schullter blickend, kann das zitternde Vild sehen, welchee ihre reine und vollkon mene Schönheit höchst mangelhaft zurückgiebt, und er wendet sich ungeduldig wieder zu dem lebenden Original. Da kommt ihm plötzlich ein unwiderstehliches Verlangen— ir ist eine Erinnerung an seine Scuilknadenzeit— auch wird er dadurch ihre Gedanken ablenten— und sie von hinten um die Taille fassend, hebi er sie üder den Rand des Wassers, hält sie einen Augenblick so und ziebt sie dann aus die feste Erde zurück. „Da wäre ich nicht gewesen, so lägest Du dein!" „O Dems!“ ruft sie wirklich erschrocken; dann lacht sie und schmut zurückgewendet ihn leuchtenden Auges an. ihr Kopschen dicht an seiner Schulter. So nahe war sie seinem Herzen noch nie; seine Pulse fangen an zu vochen, seine Augen glühten. Er beugt sich über sie, näher, dichter, und dann löst er seine Arme von ihrer Gestatt und trut zurück, stirnrunzelnd und mit bleichem Gesicht. „Bist Du erschrochen?“ fragt sie leichsbrn.„Dochtest Du wirklich, ich würde hineinfallen? Ab. das war dann gerechte Strafe Aber Du magst wissen, daß i so leichtfüßig bin wie eine Gemse" In diesem Augendlick wird ihrer Beider Aufmerklamkeit aus eine Frau gelenkt, die den Weg der anderen Seite herkommt (Fortsetzung solgt.) Allerlei. Tägliche Erinnerungen 6. März. 1459: Jakob Fugger, Kaufherr und Finanzmann. 1475: Michel Angelo, berühmter Bidhauer, geb. (Caprese). 1621: Entdeckung der Marianen durch Nagelhaen. 1787: Fraunhofer, Physiker, geb. straubing). 1851: v. Bodelschwingh, Begründer der Wohltätigkeitsanstalten bei Bielefeld, ged. 1867: P. von Cornelius. Maler, f.(Berlin). * 7. März. 1714: Friede zu Rastatt. 1715: E. von Kleist, Dichter, geb.(Zeblin). 1785: Manzoni, ital. Schriftsteller„ged.(Mailand). 1792: Herschel, Astronom, ged.(Slough). 1802: Landseer, engl. Maler, ged. (London). 1820: Graben=Hoffmann. Komponist, geb.(Bnin i. Posen). 1902: Casati, Afrikaforscher, f.(Como). Nach Ostindien. Einige Reise=Erinnerungen von Pater U. 8. (Nachdruck verboten.) 1. Von Triest nach Port=Said. Es ist ein schöner Septembermorgen. Nach herzlichem Abschied von teuren Freunden, drunten auf niederländischer Erde gehi es über die deutsche Grenze nach dem„frommen“ Aachen und dem„heiligen" Köln. Schon wartet unser dort ern schwädischen Landsmann und lieder Zr#und aus den Tüdinger Studienjahren her. Herr Dr. X. aus St., der die lange Zeit der weiten Fahrt mit wissenschaftlichen Gesprächen zu kürzen und humorvollen Scherzen zu wurzen versteht. Glücklich einen solchen fidus Achates gefunden zu haben, fahren wir nach Frankfurt. Doch es wär' zu schon gewesen.... In Frankfurt tauchen Meinungsverschiedenheiten auf— nicht zwar zwischen den südwärts steuernden Freunden, wohl aber zwischen dem einen der Freunde auf der einen und dem Nachtschnellzug auf der anderen Seite. Bei diesem Konflikte gab der Schnellzug nach; nur zu. rasch gab er nach und hat den Freund grausam vor des Freundes Seite gerissen. Indessen, in der schwäbischen Residenz gab es ein baldiges, fröhlicht Wiedersehen. Ein stattlicher„Maierhof“ öffnet seine Pforten von krystallhellem„Glas“, erquickt die Pil grime vom Norden unt stärkendem Mahle und sanf ter Ruhe in„dunklem“ Studchen. Am Nesenbag trug es sich zu, daß ein liebenswürdiger Herr une den Vorschlag machte, von Indien heraus eine kurze Beschreibung der Fahrt ins Morgen#and an dee „Westfälische Volkszeitung“ einzusenden. Wenn der verehrte Leser unt der Ausfuhrung dieses Provositmns nicht einverstanden ist, so möge er wenigstens einen kleinen Teil der Schuld jenem verehrten Herrn aufs Konto setzen. Mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten, und an Eilzug schreitet schnell, hat man in. Frankfurt uns bewersen. Darum beizeiten aus die Strümpfe! Ohne Widerstreben führt uns das Dampfroß binauf in den Schwarzwald mu seinen dufrenden Tannen und heruder zum trautesten Fleckchen der Erde. dem schwäbischen Oderland, über den Arlberg und Brenner, an dem die Eisendahn kühn sich emporrankt, und von da hinab durch die dlauen Redgelände des Eisack= und Etschtalet nach Bozen und der italienischen Feste Verona mit den weiß. schammernden Billen im Rucken und den frechen Taschendieden in seiner Mitte, vorbei an Padua. der Stadt des vopulärsten Heiligen der Jeztzeit, 7— dem einzigarngen Venedig, das uns seine Schly schauen läßt und dann uns weitergidt nach Triest. Hier machen wir wreder Halt und schauen uns um Triest ist malerisch schön am Meere gelegen. Die zirka 180000 Einwohner zählende Stadt ist Stutzgart nicht unahnlich: nur fehlt letzterem Triefts dochragende Festung und sein blaues Meer mit den Dutzenden von Schffen, mit dem Wald von Masten, mit den Hunderten von Seaeln. Flaaaen und Wimpeln. Heute herrscht reges Leben hinter den Mazern der Triester Festung. Salutschusse drohnen hinab über die Stadt und den großen Seehafen. Es lieger nämlich sechs Kriegsschiffe ver Anker. Wie angewurzelt stehen diese sochs eisengepanzerten Kolosse im Meere. Bei dem Anprall der Wogen zucken sie mit keiner Wimper und habem kein dankdaret Lacheln für die krausen Wellen welche diese Ungeheuer kosend umspülen. Nur schwarze Rauchwolken stoßen diese Seeungetüme pustend aus ihrem Innern durch die hohen Kamine hinaus in den blauen Aetber: von Zeit zu Zeit bligt es auf aus den kleinen, runden Löchern in den eisernen Flanken; ein weißes Dampfwollchen steigt auf: einige Augenblicke, und es folgt ein Donnerschlag. Eines der Kriegsschiffe dat seinen Mund aufgetan und in seiner Weise die Grüße erwidert, die ihm hoch obenvon der Festung zugesandt wurden. Diese kampflustigen Mecreszungetume sind in diesen Tagen angeschoommen gekommen, um einen jungen Kameraden abzuholen, der drüden auf der Werfte ruht und ungeduldig des morgenden Taaes harrt. Da ist Stapellauf des neuen Kriegsschifses. Da darf dieser junge Riese zum erstenmal seiur sarten Gliedet rechen und den Sprung ins Wasser wagen und under seinen sechs gigantischen Brudern sich tummeln. Diese Festlichkeit lockt viele Neugierige in die Stadt Tricht. Die Stadt bietet ein eigentümliche Straßenbild. Vornehme Herren und naturwuchsige Küstendewohner, elegante Damen in Sam und Seide dahinrauschend und arme Fischerweiber in dürftiger Toilette. Lohnkutscher mit mageren Rößlein vorne und einem Engländer im Schotze des Wagens seine langen Beine kreuzend. und prächtige Karossen mit feurigen Pferden bespannt und einer Exzellenz auf des Wagens schwellenden Polstern. Eselstreider und elekrische Straßendadnwagen alles das mischt sich in= und durchemander in den Straßen von Tuest. In diesem Gewoge von Menschen tauchen nicht selten schöne Gestalten auf: klassische Köpfe auf proportioniertem Körper. Die blasse Gesichtsfarde. die großen, schwarzen leuchtenden Augen, die glänzend schwarzen Haare, die in weichen Locken auf die Schultern niederfallen, machen diese südländischen Menschen noch um etliche Grade interessanter. Bir müssen und treunen von Vergeites Sehers