* 555 R3SaS Nr. 34 Der serzunler 1904 Vom jüngsten kritischen Tage an der Berliver Börse. tidor ohne wenerer rur Minirlum des Auswär tigen übertrug. Als Napoleon im Jahre 1793 nack der glücklichen Erovernna Egyrtens wieder nach Frankreich zurückkehrte, vervano sich Talleyrand mit dem ihm an Geist ebenbürtigen Publizisten und Staatsmann E. J. Stenes. um die Revolution vom 18. Brumaire 1799 gememam mit ihm in Szene zu setzen. Klug,#n immer, begungte sich Talleyrand damit, der Minister und der stein unfällige Ratgebe: des 1. Konsuls zu bleiven Nach der Krönung Napolons zum Kaiser von Frankreich wurde Talleyrand 1801 zum Kammer herrn ernannt. 1805 schloß er den Frieden mit Oesterreich und folgte ein Jahr später. nach seiner Ernennung zum Fürsten, dem Kaiser in den Feldzug gegen Rußland. Den allgemeinen Frieden durch ein Bündnis mit Oesterreich und England zu sichern, vermochte er Napoleon 1. nicht zu bewegen, da der Kaiser der Franzosen stark zu Rußland neigte. Durch diese Meinungsverschiedenheit sah sich Tallen rand nach dem Frieden zu Tilfit genötigt, am 8. August 1807 den Ministerposten niederzulegen, wurde aber dafür zum Reichspizegroßwahlherrn ernannt. Anno 1809 fiel er völlig in Ungnade und zog sich nunmehr au ein Landgut bei Valencay zurück. Als Napoleons Thron ins Wanken geriet, unter handelte er mit den Bourbons, ja er suchte sogar Kaiser Alerander I. von Rußland für jene Prätendenten zu inderessieren. Die übereilte Absetzung Napoleons, sowie die Proklamation der Bourbons erheischten eine provisorische Regierung, an deren Spitze Talleyrand, der gewiegte Staatsmann, trat, dessen Bemühungen es auch gelang, den Bourbonen das Haus Neapel wieder zu verschaffen. Am 5. Januar 1815 kam dank seiner Diplomatie ein ge heimes Bündnis zwischen Frankreich, Oesterreich und England gegen Rußland und Preußen zu Stande. jedoch verhinderte die Rückkehr Napoleons von Elba das Inkrafttreten desselben. Betrieb Napoleon die Konfiskation der Talleyrandschen Güter, so setzte der seines Grundbesitzes beraubte Gegner dieser Man nahme die Aechtung des Kaisers durch die verbündeten Mächte entgegen. Zugleich mit der Präsidentschaft des Ministeriums, die er nach der zweiten Restauration des Kaiserreiches übernahm, versuchte er die harten Be dingungen, unter welchen der Friede geschlossen wer zu mildern, trat jedoch 1815, wohl haupt sächlich auf Berreiben Kaiser Alexanders, aus dem Ministerium aus. Der König beider Sizilien verlieh dem Diplo maten eine reiche Dotation und den Titel eines Her zogs von Dino- wahrend man ihn in Frantreich zum erblichen Pair erhod. Talleyrand verriet stets den großen Herrn der alten Zeit. Nach den Lebensanschauungen der damaligen französischen Aristokraten arbeitete auch er so wenig wie möglich. Umsomehr besaß er das Geschick, andere für sich tätig sein zu lassen. Seine Diplomat## wird am besten durch das häufig von ihm zitierte Wort charatterisiert, daß der Mensch die Sprache nur dazu besitze, um seine Ge danken zu verbergen. Am 17. Mai 1838 schied er, mit den heiligen Sterbesakramenten versehen, zu Pa ris aus dem Leben. Zum 150. Geburtstag des bekannten französiscen Diplomaten Talleyrand sei an einige Vorkommnisse aus seinem Leben erinnert, die trefflich dazu ange tan sind, die unvergleichliche Ruhe und Schlagfertigkeit des Mannes zu illustrieren. Talleyrand verfügte schon als junger Abbe über einen eminenten Witz er verstand es immer und in jeder Lage sich die Schwä chen und Untugenden seiner Mümenschen nutzbar zu machen. Von Natur aus worttarg und durchaus nicht Meister der schwungvollen Rede, war er nichtsdestoweniger geschätzt und gesurchte# zugleich. legentlich eines enormen Verlustes, bei dem er nicht weniger als 100,000 Louisdor zusetzte, bewies er eine geradezu unerreicht dastehende Kaltblütigkeit. Als ihm die Mitteilung davon überbracht wurde, veranderte sich kein Zug in seinem Gesicht. Ein leises „Hm“ war alles, was er äußerte. Wohin hätte ihn das Schicksal auch führen sollen, wenn er bei den wechselreichen Ereignissen seines buntbewegten Le bens immer sogleich mutlos geworden wäre. Auch ohne die reiche Dotation, die ihm der König beider Sizilien verlieh, wäre der durch die Konfiskation seiner Güter verarmte Talleyrand ein ewig Heiterer bis an sein Ende geblieben. Als er durch den BanLarabene sene oben genannte Summe eingemachte er einfach mehrere Einschränknn seinem Haushalt und verlor niemals wieder ber die Angelegenheit. Sein geschiales ungieren während der Revolutions= und Kaiser##i, sein Liebäugeln mit jenen Kreisen, die ihm die merten Vorteile zu bieten schienen, haben ihn aber ang zu einem der bestgehaßten Männer seine: Zeit gemacht, obgleich ihn das bei seiner Veranlagung, sich al. Herr der Situation zu fühlen, kaum je gestört hat. Als er eines Nachmittags in seinem behaglichen Lehnstuhl vor dem Kamin eingeschlafen war, entgint den kraftlosen Händen eine Broschüre, in der er gelesen hatte, bis ihn die Müdigkeit überfiel. Einer der Kavaliere seines Dienstes, der sich von dem Inhalt jener Schrift überzeugen wollte, eilte auf den nspitzen herbei, nahm die Broschüre an sich und reichte sie den im Nebenzimmer versammelten Hermit den Worten:„Messieurs! Wissen Sie. was unsern großen Talleyrand in diesen sanften Schlummer gewiegt hat: Die infamste aller bisher gegen ihn gerichteten Schmähschriften!" Als Napoleon I. fast allein aus Rußland nach Frankreich zurückkehrte, , den gewiegten Staatsmann zu sich bescheiden: Wie stehts nun?" fragte er ihn.„Beim Anfang von Ende. Sire!"—„Wie soll ich das verstehen?" Beim Ende vom Anfang. Sire, denn unsere kapferen Heere befinden sich jenseits des Rheines, und dam fing vor 22 Jahren der Krieg an.“ Ein junger Pariser Lebemann, der eine Autographensammlung waß, hatte einst die Kühnheit, den Minister Talleyand um dessen Handschrift zu bitten. Nachdem der Diplomat lange mit der Antwort gezögert hatte, ernelt der junge Mann eines Tages ein Billet folgenden Inhalts:„Mein Herr! Haben Sie die Güre, norgen mittag mein Gast zu sein. Ich habe einige sehr witzige Freunde eingeladen und möchte nicht zern der einzige Dummkopf sein!“ Es bedarf wohl keiner Erwähnung, daß der junge Franzose es von diesem Tage an unterließ, nochmals jemanden um seine Handschrift zu bitten. Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckeret, Verantwortlicher Redakteur F. Z. Knappe in Bochum. Cräume Und nict Caten: Ohne Hrbeit tend ür nidhs geraten. Täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt 12. Februar 1904 Nr. 34. Nur eine Nachschrift. Novelle von C. Borges.(Nachdruck verboten. (Fortsetzung und Schluß.) Der Graf achtete nicht auf die Worte, er wunte, raß der Fremde ihn ure leiten wollte und schwieg beharrlich Bald brauste der Zug in Boston ein. Der Graf wartete, bis das Menschengewühl am dem Perron sich ein wenig gelichtet hatte, doch konnte er den Frem den nicht im Auge behalten, dersich unter die lar mende Volksmenge gemischt hatte und bald seinen Blicken entschwunden war. Dann erkundigte er sich nach einer Familie Pondfort, die ihm gleich bezeichnet wurde. Klopfenden Herzens betrat er die Wohnung. Der Ingenieur war nicht anwesend, doch eine stattliche Dame in mittlerem Alter mit geistvollen Zügen trat auf ihn zu. „Sind Sie die Gattin Edgar von Sienecks?“ fragte er ohne jegliche Vorvereitung. Die Tame läctnn „Kennen Sie mich?" versetzte sie sanft. Graf Hohentroß streckte ihr die Hand entgegen. Um Sie auszusuchen, bin ich nach Newyork gekommen," versetzte er lebhaft.„Lebten Sie früher in Maulford, dicht bei Newyork?“ Die überraschte Dame nickte bejahend. „Sie scheinen mich ja ganz genau zu kennen," lächelte sie fteundlich.„Wir waren dort so glücklich, ach! fast zu glücklich für diese arme Erde, bis das Unglück über uns kam. Warum sehen Sie mich so erstannt an?“ Der Graf fuhr sich mit der Hand nach der Stirn. „Erzählen Sie mir von Ihrem Leben. Sie ahnen nicht, wie viel von Ihren Worten abhängt.“ Die Witwe sah der erregten jungen Fremden teilnehmend an, dann fing sie zu erzählen an. „Wir lebten so glücklich, so zufrieden, bis mein armer. verblendeter Gatte die Bekanntschaft zweier Freunde machte, die sein Verderben werden sollten. Ich warnte ihn, denn ich durchschaute bald die unehrlichen Absichten der beiden Brüder Viktor und Ha rold Ulrich, die ihm nicht allein auf jede Weise Geld entlockten, sondern auch, wie wir leider erst später erkannten, ihm sogar nach dem Leben trachteten. Ach, es war zu spät, als meinem Mann die Augen aufgingen. Die beiden Schurken hatten es verstanden, sich das Vertrauen meines Gatten vollständig zu erwerben.. Er hatte ihnen anvertraut, daß er im fremden Lande ein großes Erbe antreten könne, wenn er nur wolle, da sein Großvater sein rechtmäßiges Erbe verlassen habe, aber daß es ihm hier in Amerika zu gut gefalle, um jemals seine Ansprüche geltend zu machen.— Da entdeckte er eines Tages die beiden Elenden, wie sie gerade im Begriffe waren, sich seiner Papiere zu bemächtigen, und es war ein glücklicher Zufall, daß er sie ihnen mit Hilfe des Dieners noch entreißen konnte. Von diesem Augenblick an war ihm der Aufenthalt in Maulford verleidet. Wir zogen nach Boston. Aber ach, auch hier verfolgten uns die Elenden, und nach kurzer Zeit stürzte mein Mann vom Pferde.— Gott allein weiß, ob ich mit Unrecht vermute, daß die beiden die Schuld an inem Falle waren, bestimmt ist aber, daß in derselen Nacht in unserem Hause eingebrochen und die Papiere geraubt wurden. Wenn mir auch die Beweize fehlen, so klage ich doch offen Viktor und Harold Ulrich der Schuld an!“ Die Sprecherin hielt inne. „Wissen Sie, was jetzt geschehen ist?“ fragte der Graf erregt.„Der Schurke hat mit Hilfe der geraubten Papiere das unrechtmäßige Erbe angetre und gibt sich selbst für den Baron Edgar von Steineck aus!“ „Unmöglich! Ha! lassen Sie uns beide nach Europa reisen und den Elenden entlarven. Ich sehe jetzt ganz klar, denn die beiden sind seit längere: Zeit von hier verschwunden. Lassen Sie uns so bald wie möglich abreisen.“ „Ich kann jetzt erst die wichtige Frage beantwor ten und Aurelias Mutter sagen, daß er nicht der rechtmäßige Erbe ist," dachte der Graf, als er heiterer wie seit längerer Zeit den Weg zu seinem Hotel ein schlug.„Ich will es nicht schreiben, denn ich möchte zu gern Zeuge ihres Glückes bei der überraschenden Nachricht sein.“ Nach wenigen Stunden wurde die Witwe besin nungslos in ihrem Garten aufgefunden. Ein Schlag, von unsichtbarer Hand geführt, hatte sie dahingestreckt; sie atmete noch aber so schwach, daß die Aerzte an der Erhaltung ihres Lebens zweifelten. Der Graf wartete noch drei Wochen, dann kehrte er allein nach Europa zurück, die Kranke war noch nicht genesen. 6. Kapitel. Mit einem Herzen voll freudiger Hoffnung betrat nach einer glücklichen Ueberfahrt Graf Hohentroß den heimatlichen Boden. Es fehlten ihm zwar die Beweise, daß der Mann auf Schloß Steineck ein Betrüger war, doch war er fest davon überzeugt, und dieser Versicherung vor die Mutter seiner konnte nu dieser Versicherung vor rie Mutter seiner, baran, wer der reuftmüßige Besitzer ihres villerti Geliebten hintreten. Was lag auch jetzt an dem Schlosses war! sie konnte sich doch niemals ihres Besitztum. Er selbst war reich begütert, frei und unabhängig in der Welt, konnte seiner Gemahlin, die er auf den Händen tragen wollte, jeden Lurus des Lebens gestatten, ja an Aurelias Seite, mit ihrer Liebe schien ihm das Leben glücklicher wie im Paradiese. Wo war Aurelia? Er wußte es nicht einmal, kannte nicht einmal den Namen des Badeortes, wo sie sich mit ihrer Mutter aufhielt. Die Briefe, wenn Graf Hohentroß schreiben wollte, sollten nach dem Schloß Steineck gerichtet und von dort aus weiter befördert werden, denn bei der so unerwarteten Rückreise nach Europa wußte Aurelia noch nicht, wo sie mit ihrer Mutter Aufenthalt nehmen sollte, denn unter keiner Bedingung wollte sie nach Schloß Steineck zurück. Es dunkelte bereits, als der Graf in der wohlbekannten Gegend des Schlosses ankam.— Er trat in da. Dorf. Die meisten Häuser waren festlich geschmückt, bunte Fahnen spielten im Winde, Blumen und Kränze zierten die wenigen Häuser, ja, sogar vom nahen Kirchturm ertönte Festgeläute. Was sollte das bedeuten?„Hat sich der unrechtmäßige Fremde eine Gattin erwählt und sie als Herrin in das Schloß eingeführt?" dachte der Graf und schauderte. Er näherte sich dem Schlosse und klingelte. Der wohlbekannte Diener öffnete und gab ihm gern die gewünschte Auskunft.— Nein. Gott Dank, der Elende war noch nicht verheiratet.— Aber seit einigen Tagen war Aurelia Harlep seine Braut, und aus Freude über dieses frohe Ereignis prangte das ganze Dorf in Festesschmuck— so lautete der Bericht. „Ist der neue Schloßherr immer hier gewesen, oder war er verreist?“ fragte er plötzlich. „O. nein, er ist erst vor zwei Wochen zurückgekehrt; es war ganz einsam hier im Schlosse," berichtete der Diener. „Er ist doch ein Betrüger,“ murmelte er, als er allein durch den Schloßpark zurückschritt. Aurelia Harlep verbrachte traurige Tage.— Die unausgesprochene Liebe zu dem Grafen hatte in ihrem Herzen zu tiefe Wurzeln gefaßt, um leicht wieder vergessen zu werden. Der unglückliche Brief, den sie bald nach ihrer Rückkehr erhalten hatte, hatte ihrem liebevollen Herzen den Todesstoß gegeben, und stille Verzweiflung hatte sich ihrer bemächtigt. Sollte sie ihn nie wiedersehen? Was lag nun daran, wer der rechtmäßige Besitzer ihres väterlichen -Is ihres Le Nr. 34 — E 8 85 . 301• S 3• 5 5 8 Der Erzähler. 1904. Nr. 31. Der Er,ähler. 1904. bens mehr freuen, da sie ihr Dasein allein vertrauern sollte. Ihre stille Verzweiflung parte sich mit dem dumpfen Trübsinn ihrer Mutter, die alle Lust am Leben verloren hatte, wenn sie ihre Tage nicht auf Schloß Steineck verbringen durfte. „Was liegt mir am Leben.“ hatte sie oft geklagt, „wenn ich nicht auf meinem Schlosse sterben kann, ich werde nur dort glücklich sein.“ Da war unerwartet der neue Besitzer gekommen, hatte sein ganzes Erbe, sein Herz zu Autelias Füßen gelegt— und sie?— ihr werz gehörte einem an eren, aber um der geliebten Mutter willen wollte sie an der Seite des Mannes, den sie verachtete, ihr Dasein fristen. Graf Hohentroß durchschrint ruhelos den Park. Er wollte wenigstens noch kurze Zeit in der Nähe des Schlosses bleiben, denn vor Mitternacht ging kein Zug nach dem Badcorte ab wo Aurelia mit ihrer Mutter Aufenthalt genommen hatte. Da sah er plötzlich Licht durch das geöffnete Fenster des Speisezimmers dringen. Schnell und lautlos trat er hinzu. nur mit Mühe konnte er einen lauten Schreckensruf unterdrücken, denn zu seinem Entsetzen sah er in die stechenden, schwarzen Augen des Spaniers, der ihn so unheimlich am der ganzen Reise verfolgt hatte Ja, es konnte kein Irrtum sein, es war derselbe Mann, wiewohl er jetzt in gänzlich andere: Kleidung vor ihm stand. er war derselbe Yankee, der noch dicht vor Boston versucht hatte, ihn von der richtigen Spur abzulenken. Wie Schuvpen fiel es plötzlich von seinen Augen. Dieser Mann selbst war einer der beiden Brüder Ulrich: er hatte vor drei Jahren drüben in Amerika den rechtmäßigen Erben getötet, hatte def sen Papiere geraubt und mit Hilfe derselben dieses Erde angetreten. Ho“ er und kein anderer war es auch gewesen, der den Mordversuch in Boston auf die Witwe seines Opfers gemacht hatte! Der Graf hielt fast den Atem an, drückte sich tief in den Schatten und eobachtet: jede Bewegung des elenden Betrügers. san wie er mit dem Lichte in der Hand ganz vorsichtig und geräuschlos die Nische im Speisezimmer betastete, dann stampfte er mit dem Fuße und murmelte weug „Ich hatte doch das Versteck gesunden, warum kann ich es heute nicht wiederfinden! Tor. der ich war warum verbarg ich meine eigenen Papiere dort? warum nahm ich### nicht mit auf die Reise? Ha! hätte ich doch wenigstens die gefundenen Papiere vernichtet, anstatt sie liegen zu lassen! Morgen will ich weiter suchen.“ Dann verließ er, so leise wie er gekommen, das Gemach. „Morgen. morgen!" frohlockte der Graf. so will ich heute suchen. Welche Papiere auch immerhin dort verborgen sind sie geheren Aurelia oder ihrer Mutter— nicht diesem Betrüger.— Um Aurelias willen will ich selbst versuchen dar Versteck aufzufinden.“ Leise. keine Gefahr fürchtend, von den Dienern entdeckt zu werden, schwang er sich durch das offene niter, zündete ein Licht an und betastete noch vor sichtiger und langsamer mie der Betrüger die Wänd. der breiten Nische. Er vergaß für den Augenblick seinen eigenen Schmerz, dachte nur an die Freude, die das Gelingen seines Planes nach sich ziehen mußte. Lange suchte er, es schien vergevens, doch gab er die Hoffnung nicht so leicht auf. Da plötzlich, er wußte selbst nicht, wie es gekommen war, gab ein Fleckchen in der getäfelten Wand nach; eine ganz kleine Oeffnung, kaum eine Hand breit, ward sicht bar- und darin lag ein Päckchen zusammengelegter Papiere, die er schnell in seine Tasche steckte. Dann leuchtete er vorsichtig in die Oeffnung. Richtig, dort lagen noch einige sorgfältig zusammengebundene Pa piere, die schon sehr vergilbt und vom Zahn der Zeit vielsach zernagt waren. Schnell wie der Blitz erfaßte er sie, sprang durch das Fenster und eilte mit seiner Beute der nahe gelegenen Bahnstation zu. Aurelia hatte eine sorgenvolle, schlaflose Nacht verbracht. Unruhig wälzte sie sich in ihren weichen Kissen, ihre Wangen glühten, ihre Augen brannten ihr Kopf schmerzte. Um ihre Mutter zu beruhigen. hatte sie eingewilligt, die Hand des Verhaßten anzunehmen, aber ihr gantes Herz gehörte dem Grafen. Zwar hatte er sie verlassen, aber sie wollte ihm treu bleiben durchs ganze Leben, wenn sie es auch an der Seite eines andern einsam vertrauern müßte. Sie konnte das Sinnen und Grübeln nicht länger ertragen; sie stand auf, kleidete sich eilig an und ging ins Freie. Sie sah nicht die Gestalt des Mannes, der plötzlich an ihrer Seite stand. Aurelia!“ Sie erschrak und wandte sich erbleichend um. Im nächsten Augenblick war alles, die ganze Welt. nur nicht die Gegenwart vergessen; er breitete seine Arme aus und drückte die Geliebte an sein Herz. „Aurelia!“ rief er leidenschaftlich,„Geliebte mei nes Herzens, warum hast Du mir das getan? Weißt Du nicht, daß ich ohne Dich nicht leben kann? Wuß test Du denn nicht, wie heiß und glühend ich Dich liebte? Und jetzt finde ich Dich als Braut eines Be trügers, ja. eines Mörders, möchte ich wohl sagen! O. Aurelia, warum hast Du mir das getan! Jetzt kann ich Dir die Frage beantworten. er ist nicht der rechte Erbe!“ Aurelia hatte in maßlosem Staunen den Worten gelauscht, ihre Wangen waren aschfahl geworden, um ihre Lippen zuckte es bedenklich, langsam war ihr Haupt auf seine Brust gesunken. Aber der Brief", stöhnte sie,„wie konnte ich ahnen, daß Du wiederkehren würdest, da Du eine reiche Amerikanerin heiraten wolltest! Du sagtest uns doch, daß er der rechtmäßige Erbe sei! O, Ulrich, mir war das Herz gebrochen.“ „Der Schurke.“ dachte der Graf,„auch das hat er getan.“ Dann erzählte er seine Erlebnisse in Amerika die Entdeckung des Spaniers, der mit Ha told Ulrich oder mit dessen Bruder identisch sei, sich hier als Erbe eingedrängt und schließlich den verhäng nisvollen Brief selbst geschrieben habe. Nun prüften die Liebenden gemeinschaftlich die aufgefundenen Pa viere. Es waren die Geburts und Todesscheine des Barons Edgar von Steineck, seines Vaters und Großvaters, die der Elende geraubt und aus Furcht vor iner Entdeckung in dem geheimen Fach verborgen hatte. Außerdem enthielt es ein Schreiben mit dem Namen„Harold Ulrich“ unterzeichnet, worin dieser ch verpflichtete, gegen eine lebenslängliche jährliche Rente mit nach Europa zu reisen, um dort die Identität seines Bruders„Viktor“ mit dem Baron von Steineck fälschlich zu bestätigen. „Hier ist der Beweis", rief der Graf hocherfreut, nun wissen wir bestimmt, daß er ein Betrüger ist, etzt laß uns die anderen Papiere durchsehen. Dies war nicht so leicht geschehen. Die Schrift war sc verwischt, das Papier so vergilbt, daß sie nur mit Mühe die Zeilen entziffern konnten. Das erste Schriftstück war ein Geständnis von Elise Koßler, die auf ihrem Sterbelager im Armen hause offen gestand. vor wenigen Jahren während eines heitigen Sturmes ihr eigenes lebendes Kind in den Wagen des Barons von Steineck gelegt zu haben, un es vor Hunger und Not zu schützen. Si war Zeuge gewesen, daß die Wärterin mit dem Kindlein vom Blitz erschlagen wurde, und auf diese Weise war der Umtausch ermöglicht. Das andere Geständnis war von Irmgard von Steineck im Jahre 1784 gemacht. Sie ernannte darin ihren Neffen Waldemar Harlep zum einzigen rechtmäßigen Erben ihres ganzen Nachlasses. Erst wenige Jahre vor ihrem Ende hatte sie durch die Erklärung der Elise Koßler den Umtausch der Kinder erfahren und diese plötzliche Enthüllung hatte ihr Levensende beschleunigt. Als dayer ihr vermeintliche. Sohn nach Amerika auswandern wollte, hatte sie ihm keine Hindernisse in den Weg gelegt, aber aus Liede zu ihm war es ihr nicht möglich gewesen, ihn in das traurige Geheimnis. welches seine frühesten Wochen einhüllte einzuweihen. So war es nun möglich gewesen, daß er und seine Nachkommen in Amerika unter dem Namen„Steineck“ fortgelebt hatten. Wochen waren vergangen; der Verbrecher Viktor Ulrich war entlarvt und der Gerechtigkeit übergeben und empfing mit seinem Bruder Harold den wohl verdienten Lohn. Wieder war das Dörschen und Schloß Steineck festlich geschmückt, wieder ertonte das Festgeläui, und der Pfarrer legte an beiliger Stätte segnend seine Hand auf das neu vermählte, glückliche Paar. Erich, der bei der unerwarteten Nachricht schnell Indien verlassen hatte, erzählte beim frohen Hochzeitsmahle in launiger Weise von dem Brief, den er schlafend im Omnidus fallen ließ und wie es dem Grafen ge lungen war, sich auf Schloß Steineck einzuführen: Nur durch eine Nachschrift! Lebenswege. Erzählung von Clara Wilhelmi.(Nack druck verboten.) „Du verweigerst mir also die paar Taler. Paul.“ riei sie aufspringend. „Rennst Du eine wold Summe ein paar Taler: Ich kann und darf Dir diese nicht geven. Wohin soll Ich' ein Lurus und solche Verschwendung führen? Du darfst Deine Wünsche und Bedürfnisse nicht so hoch schrauben. Erinnerst Du Dich noch der Worte. welche ich bei unserer ersten Begegnung Dir sagte? Höhe, sondern meist ein Sturz in die Tiefe." Des„Nicht immer gibt es einen Rückweg von so steiler halb wollen wir mit unseren Ansprüchen ruhig hie: unten bleiben, damit wir keinen Sturz erleben.“ „Erinnerst Du mich an jene Zeit," erwiderte sie schneidend.,„dann wird Dir auch von damals her bekannt sein, daß ich einen einmal gefaßten Plat nicht aufgede." „Was soll das beißen?" „Was anders, als daß ich mein Ziel doch erreiche, daß mein Wunsch doch erfüllt wird, wenngleich Du mir das Geld zur Bestreitung desselben verweigerst.“ „Du wirfst mir also den Fehdehandschu hin? Forderst mich zum Kampfe wieder Dich auf?“ Wenn Du mir nicht gibst, was ich verlange, ja; denn ich gebe Dir die Versicherung, daß ich meinen Willen durchsetze." Und ich gebe Dir das verlangte Geld nicht; wie willst Du es denn anfangen, um Dein Verlangen zu befriedigen? Erwa Schulden machen? Ich sage Di: vorher, daß ich diese nicht bezahlen werde.“ „Nein. Schulden machen will ich nicht, jedoch ist es meine Sache, wie ich es anfange; genug. ich werde als Siegerin aus diesem Kampfe hervorgeben“, sagte sie, trotzig den Kopf zurückwersend. Paul erhob sich, und schritt dem Ausgange zu. An der Tür wendete er sich noch einmal um. Käthchen, gib nach“, bat er in sanftem Tone. Ich will nicht!., erwiderte sie herbe. „Und ich kann es nicht,“ sagte er emschieden. Die Tür fiel ins Schloß und die junge Frau war allein. Gegen Abend kamen einige befreundete Damen, um Kathchen zu besuchen. Sie war sehr erfreut darüber und lud sie ein, am Abendbrod Teil zu nehmen. Wurde ihr hierdurch doch über das erste peinliche Zusammensein mit ihrem Gatten nach dem! tigen Amtritt hinweggeholfen. Der Abend war wunderschon, der weiß gedeckt: Tisch stand einladend in der Jasminlaube, und Köthchen im helldlauen Sommerkleide schickte sich an die liebenswürdige Wienin zu machen. Ihren Unmut suchte sie geschickt den Gäiten gegenuber zu verbergen, dendiese durften sa den ebelichen Zwist nicht merken. und deshalb rief sie Paul, welcher sinnend zwischer den Blumenbeeten einber schritt, freundlich zu:„Lieder Mann, das Abendessen int bereit. Dieser kam und man setzte sich zu Tisch. Pau war höflich und zuvorkommend, wie immer, gegen die Fremden, wie gegen Käthchen, nur etwas ernne und Kätdchens Herz begann rascher und heinger zu schlagen, wie sie in das Gesicht ihres Gatten sah Sie wollte aber unbefangen und vergmügt scheinen und sprach darum icherzend und neckend zu den Da men und Paul. Sie wagte aber nicht, ihn dabe anzusehen. Endlich stimmte er in denselben Ton mi ein und so gelang es dem jungen Paare, seine wahr Stimmung zu verbergen. Als es zu dunkein begann und die Damen sich verabschiedeten, sagte Paul seiner Gattin gute Nacht, er wollte die Gäste nach Hanse begleiten. Nachdem Käthchen den Tisch abgeräunt, saß sie noch eine Weile in der Lauhe. Die überreifen Birnen fielen raschelnd durch das Laub der Bäume zur Erde. Die Einsamkeit und Lieblichkeit des Abends stimmten sie weich und zur Versöhnung bereit. Wäre Paul setzt vor sie getreten und hätte gebeten:„Gib nach, Käthchen,“ sie würde in seine Arme gesunken sein und unter Tränen ihr Unrecht eingestanden haben. Sie beschloß zu warten, bis Paul zurückkehre, und wollte sich dann gegen ihn aussprechen.„Er wird gewiß auch erfreut darüber sein,“ sagte sie,„doch nein. er wünscht nicht, mich heute Abend noch zu sprechen," setzte sie hinzu, und Tränen traten in ihre Augen, „sonst würde er mir nicht vorhin„Gute Nackn“ ge sagt haben. Eine geraume Weile starrte sie noch in Sinnen versunken und sah, wie ein Stern nach dem anderen am dunklen Nachthimmel sichtbar wurde. Endlich burde sie ungeduldig:„er mußte doch wissen", zürnte lie,„daß ich seiner warie, er will mia den unan. genehmen Auftritt von heute Nachmittag entgelten lassen. Aber das lasse ich mir nicht gefallen.“ Allgiuten Vorsätze und die versöhnliche Stimmung waren verraucht und der Groll behauptete wieder seinen Platz in ihrem Herzen. Sir begab sich in ihr Schlafzimmer. Hier fiel ihr plötzlich der Spruch ein:„Du sollst die Sonne nicht untergehen lassen über deinen Zorn", aber“. die Sonne ist bereits nicht mehr am Himmel, und weshalt läßt er mich so lange warten?: Tamn suchte sie di anten Gedanken niederzuschlagen. Noch lange kämpft. der gute Engel mit dem bösen in ihr bis sie allmah lich in Schlaf versank. Der Mensch ist nie so schön, als wenn er um Verzeihung bittet oder selbst verzeiht. Jean Paul. Es gibt einem schimmernden Weg. der zur Tunkelheit, und eine mit Gold belegte Straße, die zur Armut führt; der Verschwen der wandelt sie. Nach unruhigen Träumen erwachte Käthchen am anderen Morgen später wie gewöhnlich. Al sie sich erhoben und angekleidet hatte, war Paul schom zum Komptoir gegangen, ohne ihr den Morgengruß ge bracht zu haben. Ueber diese„Rücksichtslosigkeit", wie sie es nannte, wuchs ihr Groll, und sie nahm sich fest vor. jetzt kein Haar breit nachzugeben, und dieses ihren Gatten fühlen zu lassen. Diese: hatte keine Ahnung davon. welchen Kamzi von Gedant und Gefühlen Käthchen durchlebt und trat ihr Mit tags ruhig und ernst gegenüber, sie aber hatte amf seine an sie zerichtete Fragen keine Antwort, ging stumm und schweigsam an ihm vorüber. I Unglfahr ac Tage waren vertlossen, aber nicht so angenehm wie ehedem. Käthchen beliebte noch zu schmollen und eecht worttarg in ein uu. wir: jeder tteundliche Entgegenkommen Pauls zurück. Diesen verletzte das Benehmen seiner Gattin tier er sate iber doch das frühere Einvernehmen mieder herzuschte auch in ihm der Trotz; um keinen Preis durfte und wollt er nachgeben.e= fübttr iich in seinem Rechte und wollt. dieses auch enticieden geltend machen. so brachten sie die Stunden stumm nebeneinander zu, jeder grollte im Herzen am den anderen, und beide litten darunter. Panl fühlte sich unbenaglich in seiner ihm bis dahin gemütlichen Hansticteit, ergrift den Hm und ging, sich im Wirtshause zu entschädigen. Ruthchen wurde dadurch noch aufgebrachter und hielt ster un ihrem Vorhaber Es war um die Mittagszeit, al Paul seine Wohnung betrat; er fand Käthchen nicht im Zimmer anwesend und ging in die Küche, sie auszusnchen. Die Küche war leer, kein Feuer brannte imzerde. es waren überhaupt keine Vorkehrungen für den Mittagstichzu vernehmen. Jetzt erst siel es ihm auf. daß er auch im Wohnzimmer den Tisch nian gedeck jesunden habe, wie es doch sonnt imme der Fall war. Da hörte er, nie eine Tür zugezogen und verschlossen wurde; es war Kathchen welch in: dem besten Zimmer kam. Er ging zu ihr. (Fortsetzung folgt.) Allerlei. Tägliche Erinnerungen. 13. Februar. 1571: Benvenuto Cellini, italienischer Bildhauerf. 1653: R. Weckherlin, Dichter, 1.(London). 1754: Talleyrand, geb.(Paris). 1790: Aufhebung der geistlichen Orden in Frankreich. 1811: Bazaine, französischer Marschall, geb. 1852: Graf v. Hülsen=Hä seler, geb. Berlin. 1880: Richard Wagner. Kom vonist, f.(Venedig). 1892 W. Junker, Afrikarei sender, t.(St. Petersburg). Admital Saito, Chejkommandant der japanischen Flotte. Talleyrand. (Nachdruck verboten.) Hur 150. Wiererkehr seiner Geburtstages. Zu jenen europäischen Diplomaten, die das Schick sal durch die verschiedensten Berufsarten geführt hat dürfte der französische Staatemann Charles Maurice von Talleyrand-Perigord, der unter Napoleon zum Fürsten von Benevent erhoben wurde, zu rechnen sein. Als erster Sohn Daniels von Talleyrand, des Stammvaters jenes bekannten Fürstengeschlechtes wurde er am 13. Februar 1754 zu Paris gedoren und widinete sich, da ihn ein Sturz in seiner Kind heit für die militärische Karriere untauglich machte, auf Wunsch seines Vaters dem Priesterstande, in leich er schon als blutjunger Abbe durch vorragende geistige Veranlagung aufiiel. Nachdern 1788 zum Bischof vor Autun ernannt worden war, trat er als Mitglied der franzosischen Generalstaaten für die Vereinigung der Stände ein und lenkte in der Nationalversammlung als Woxtführer der Reformpartei die Aufmerksamken am sich. Er war es auch, dem man gelegentlich der Feier des Bundesiestes auf dem Marsfelde am 14. Juli 1790 die Weihe der Fahnen übertrug, und der dem Klerus die geforderte bürgerliche Verfassung durchsetzen halt. Nachdem er eigenmächtig die ersten konstitutionellen Bischöfe geweiht hatte, belegte ihn Pius VI. am 1. Mai 1801 mt dem Bann, wodurch er gezwungen Verwaitung seines Bistums aufzugeben. Uinter dem Verdachte stehend, sich mit dem Hose und Herzog von Orleans verschworen zu haben, ver###chte ihn nur eine diplomatische Sendung nach enuno vor drobenden Gefahren zu retten. Aber ich in England war seines Bleivens nicht, denn chon kurze Zeit nach seiner Landung wurde er von dort ausgewiesen. Von England aus wendele er sich nach Nordamsrika. um sich daselbst geschäftlichen Unternehmungen mridmen. Nachdem r. 1796 vom Konvent die Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich erhalten hatte. griff er so geschickt in die Revolution ein, daß man ihm nach dem bekannten Staatsstreiche vom 18. Frur*