Nr. 28 Per Erzanler. 1394. die. inn zum Teis erheblich größerer Emwohnerzaht als u 1122 709 Einwohner", Dresden 452 797 einwohner), Hamburg(705 738 Einwohner), 176 712 Einwohner vergleicht. Da ergivi sich * un, daß Hamburg trov der fast noc einmal so großen C.mobnerzabl als Koln 25 Millionen Zeitungonummer. K niger al. Koln abgesetzt hat, während Breslau 150 000 Einwohner mehr als Koln um 10½ Millionen, Dresden 00 Einmoyner mehr als Koln um 23½ Millionen ud Leipzig(100 000 Emwohner mehr als Köln) um istionen Stück abgesetzte Zeitungsnummern hinter #ruckbleidt. Einen numerisch wesentlich geringeren gsverkehr haben die Postamter 1 in Westfalen aufen, wenngleich auch bier die interessante Tatsache zu in int, daß eine nicht unbedeuende Zahl von ihnen, blich geringern einwohnerzahl, einen fast mozen, teilweise sogar größern Verlagsverkehr han als Breslau, Dresden, Hamburg und Leipzig. So n2 Essen a. d. Ruhr mit 182 100 Einwohnern 16¼ Zeitungsnummern abgesetzt, d. i. 2 Millionen ale das fast zwei und einhalbmal so große Dresden ran 4 Millionen mehr als das an Einwohnerzahl mehr mal so große Hamburg. Noch mehr tritt Münster mu seinem Verlagsverkehr hervor: ulit 63 754 Einin. hat es 14 Millionen Stück Zeitungsnummern abK, also ebensoiel als das an Einwohnerzahl siebentoßen Dresden und 1½ Millionen mehr als— m1a Von sonstigen Orten verdient noch Padervorn dere Beachtung wegen seines Millionen=Zeitungsabder die nattliar Höhe von über 8 Millionen 208 000 Sruck Zeitungsnummern erreicht hat. Dus ror hat fan 7 Miulionen(6848 155) Stück abgesetzt; es rigen Trier mit 4971 480 Stück, Dortmund mit 612 005 Stuck. Rachen mit 3 467 705 Stück, Bielefeld 109 303 Stück. Koblena unt 3225 887 Stück. El 9 mit 2930 106 Stück. Siegen mit 2837 796 Stück, chum mit 2688 852 Stück. Krefeld mit 2588479 ick. Hamm mit 2192877 Stück. Hagen i. W. mit 1 224 Stuck abgesetzter Zeitungsnummern. Einen ii von 1 bis 2 Millionen haben aufzuweisen: Saarken 1.565 835 Stück, Kreuznach 1 551 135 Stück, uß 1477 983 Stuck, St. Johann 1270647 Stück, nsburg 1 270 158 Stück. Minden i. W. 1 136 416 Stück, Wejel 1073 796 Stück. In noch größerm Maße als aus diesen Ziffern, die sich r auf den Verlagsverkehr der Postämter beziehen, läßt u. dur Bedeutung der rheinisch=westfäilschen Zeitungsver tehrs an der Hand der Reichspoststanstik nachweisen, wenn der gesamte Zeitungsbeförderungsdienst(aufgegebene und eingegangene Zeitungen) der in Betracht tommenden Oberpondirektionen berücksichtigt wird. Im ganzen Reichspostgebiet sind im Javer 1902 über 2¼ Milliarden Zeitungsnummern befördert worden. An diesem Milliärden=Zeitungsverkehr haben teil die Oberpostdirektionsbezirke Nachen, Kodlenz, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Minden, ünster und Trier insgesamt mit rund 354½ Millionen Im einzelnen kommen hiervon auf. Bezirk Düsseldorf 83½ Millionen Zeitungsnummern(45¼ Pllionen eingegangene und 38¼ Millionen aufgegebene, kan 64 Millionen 21 und 43), Dortmund 55¼ Millionen(36½ und 18 ¾ Munster 44½ Millionen(25 und 19½)) Minden 43 Millionen(24½ und 18½), Trier 26 Millionen (16 und 10), Koblenz 22¾ Millionen(15¾ und 7), Saachen 15½ Millionen(11 und 4½). Aus den vorstebenden Ziffern geht die erfreuliche Entwickelung und die Bedeutung des Zeitungsweens in Rbeinland und Westjalen klar hervor. Zum Schluß moge noch auf die interessanteste Tatsache hingewiesen werden, daß der dem Flächeninhalt nach kleinste Oberpostdirektionsbezirk des Reichspostgebiets— er beträgt nur 631,03 Quadrat= meter— dennoch hinsichtlich seines Zeitungsverkehrs an erster Stelle steht. Des Rarsels Lösung ist einfach: es ist der meairk Berlin mir 31½ Millionen eingegangenen und 349½ Millionen aufgegebenen Zeitungsnummern. * Kurz und gut vom verstorbenen Herzog Friedrich von Anhal: aln die„Tägl. Rundschau": Herzog Friedrich der Erste ar kein Freund von langen Reden; bis zu seinem fildernen Regiernugsjubiläum wugten die Dessaher nur von zwei öffentlichen Ansprachen, die er gehalten hat; beide sehr kurz und beide im Hoftbeater, das ihm besonder um Herzen tag. Da hatte bei einem unbedeuenden kleinen geuer aimer der Szeue eine Schauspielerin auf der Bühne #ulos und erschrocken den Ruf:„Feuer, Neuer!“ ausgestoßen. Sofort klang es aus der vorderen Hofloge links un ersten Rang zunächst der Bühne, wo die herzogliche Familie für gewöhnlich zu sitzen pflegt: s Raul, dumme Jans! Auf diesen un sonorer Stimme gegebenen Ruf fühlte sich im ganzen Theater kein Mensch mehr beunruhigt. Das andere Mal war die Situation peinlicher. In einer Aufführung von„Hänsel und Greie!" erlosch plötzlich die elekrrische Beleuchtung, das ganze Haus erfüllte undurchdring. liche Finsternis; ede aber die Insassen des Zuschauerraums noch vor Angst den Kopf verlieren konnten, hörten ne dibekannte Simme ihres Herzogs aus der Loge über dem Orchester, wie er den Kapellmeister anrief:„ „Klugharde, was bedeutet das"" und auf die kaum ver stäindliche Antwort weiker fragte:„Ja warum seckt denn Schafskorf die Rotlampen nicht an?“. Der so Apostrophierte mußte wohl schleunigst seines Amtes gewaltet haben, den ohne weiteren Zwischenfall ging die Vorstellung zu Ende. Zwei kernige nur. aber beidemal haben sie einer Panit vorgeveugt und mehr zegen gestistet, als manche lange und wohlgesetzte Rede. Sie sind charakteristisch für den alten Herzog * Zwischen der Bewegung der Bevölkerung in Frantreich und in Deutschland im Jahre 1902 stellt die„Stai. Korr." Vergleiche an und berechnet dabei, daß auf 1000 Einwohner in Frantreich 15.1, in Preußen 16,1, Eheschließungen, ferner in Frant reich 21,7, in Preußen 35,8 Lebenogeburten und in Frankreich 19,5, in Preußen 19,3 Sterbefälle kamen. Der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle betrug danach in Frankreich 2,2, in Deutschlaud 16,5. Die natürliche Volksvermehrung war also in Deutschland 7½mal so groß als in Fraufreich. Beacenswert ist auch, daß in Frank reich auf 100 Geburten 4,5, in Deutschland nur 3,1 Tot gevurten und in Frankreich 9,0, in Deutschland 7,1 unehe liche Geburten entfielen. * Ein eigenes Mißgeschick passierte nach einer Augsburger Meldung der„Frankf. Ztg.“ den Landshutern deim Bau des schönen neuen Realschulgebändes. Als alles fertig war, entdeckte man, daß kein Kammn vorhanden war. * Eine nette Tanzordnung. Aus der Kplonie San Pereira bei Rosario in Argentinien teilt man der„La Plata=Post“ die Abschrift einer merkwürdigen Tanzordnung mit, die dort der Inhaber eines öffentlichen Tanzlokals für seine Gäste ausgehängr hat. Das erste der etwas drakonisch aufgestellten Gesetze lautet: Kein Tänzer darf mehr als ekhumal mit einer Frauensperson tanzen. Weiter wird vorgeschrieven: Die Mäuner müssen ein Taschentuch in der Hand haben, mit welcher sie die Taille der Tänzerin umfassen, damit deren Kleid nicht schmutzig wird. Das Tanzen mit gleichzeitigem Hofmachen ist verboten. Die namme und Behälter mit Puder sind hübsch auf dem Toilettentisch zu lassen. Niemand darf im Tanzsaal spucken oder sich mit der Hand schneuzen. So gehts in bunter Folge weiter. Da wird angeordnet, daß die Tänzer sowohl mit den hübschen als den häßlichen Mädchen ohne Unterschied der Farbe oder Nationalität tanzen müssen; daß jeder sofort zu bezahlen hat, war er verzehrt; daß die Verheirateten mit ihren Frauen, die Ledigen mit den Mädchen tanzen; daß niemald der Musik befehlen darf, wann und was sie spielen soll, und endlich, daß Bezechte auf die Straße fliegen. Mit dieser tröstlichen Aussicht schließt das kuriose Schriftstück. * Durchsichtige Regenschirme. Man berichtet aus London: Das neueste auf dem Gebiete der Mode ist der durchsichtige Regenschirm. Der schwarze Schirm soll verschwinden; man hat bereits den Versuch gemacht, in den Londoner Parks rore Regenschilme mit gelben Streifen einzuführen. Aber auch diese farvigen Sirme haben noch dieselben Nachteile, wie die schwarzen, sie sind undurchsichtig, und man kann bei nassem Wetter ebensogut jemand mit seinem farbigen Regenschirm anrennen, wie mu dem schwarzen. Ein genialer Erfinder ist nun auf den Gedanken verfallen, für den Februar durchsichtige Regenschirme zu bringen. Man wird so freilich nicht länger die Entschuldigung haben, jemand, den man nicht sehen will, nicht zu sehen, indem man den Schirm etwas niedriger trägt. Die Substanz, aus der diese durchsichsigen Schirme gemacht werden, ist ein Geheimnis des Erfinders. Die Schirme sehen wie Glas aus, sind jedoch nicht ganz so durchsichtig. Sie ähneln in der Farbe dem Elfenbein, und die Stäbe des Gestells scheinen aus Aluminium oder Silber zu sein. * Hotelregeln in Wild=West. In den Kaumen des Hotels in Oklaboma(Terar, sind, wie em englisches Blatt erzählt, folgende Vorschuiften angeschlagen: 1.„Es wird eine Nachzahlung von Herren erhoben, die mit ihren Stiefeln zu wert gehen. 2. Drei Schläge an die Tür bedeuten, daß ein Mord im Hause begangen ist und daß die Gäste sofort aufstehen müssen. 3 Ein einziger Pistolenschuß genügt nicht, um Alarm zu schlagen. 4. Es in verboten, die Tapeten von den Mauern berabzureißen, um sich die Pfeise anzustecken. 5. Falls Regen durch die Decke in das Zimmer dringt, findet man den Regenschurm umer dem Ben!“ Je non e vero... * Die Generosität des Fiskus. Man schreibt der„Frankf. Ztg.“ aus Köln unterm 27. Jan.: Als ich heute Mittag die Rheinschiffbrücke berrat und meinen Obolus für die Abnutzung der Brette: durch meine Stiefelsohlen entrichten wollte, bedeutete mir der Kontrolleur, daß es heute „nichts koste", heue sei ja Kaisersgeburtstag! Richtig, zur Erhohung der Feuesstimmung sind heute die Rheinbrücken frei. Und angesichts solcher Tatsachen giebt es noch Leute, die den vreußischen Fiskus, den Eisenbahnfiskus— denn dem gehören die Kölner Brücken— für habsüchtig erklären! Allerdings werden nur die Futzgänger von dieser Generosität betroffen, denn wer mit der Droschke oder dem Fahrrad den Versuch machen wollle, aus seinem Patriotismus Kapital zu schlagen, hätte die Großmut des Fiskus doch überschätzt. Uebrigens schüttete ein Freund mir einigen Wein in meine fiskalische Begeisterung. Als ich ihm davon erzählte, meinte er, die Generosität des preußischen Fiskus sei an keinem Orte und zu keinen Heiren sehr groß. Er sei zwar Eigentümer der Brücken, aber er habe sie gegen eine feste Summe verpachtet und habe deshalb gar kein Interesse an dem Ausfall des einen Tages. Den müßte einfach der Pächter auf Grund seines Vertrages freigeben Das mag ja richtig sein. aber ich halte doch dafür, daß es für den vielverkannten peußischen Eisenbahnfiskus schon viel bedeutet und er alle Anerkennung verdient, wenn er— andere zur Generosität zwingt! * Die größte Orgel der Welt ist natürlich etwas amerikanisches. Sie ist für die Ausstellung von St. Louis gebaut worden. Diese Orgel besitzt 140 Register und 10 059 Pfeifen. Sie kestet annähernd 400000 Mk. Zwei Elektromotoren, jeder von 10 Pferdekräften, betreiben dieselbe. Fünf getrennte Orgeln find in dieser einen kombiniert. Sie können alle gleichzeitig automatisch auf einem beson deren Orgelpult gespielt werden. Ein bewegliches Orgelpult dient dem Organisten, die große Orgel zu spielen. Dieses Pult ist mit der Orgel durch ein elektrisches Kabel verbunden. Wenn der Spieler vor der Orgel sitzt, so muß er die fünf Mannale, die 140 Registerzüge 5 Tremolozüge und 36 Koppelzüge, die 46 Züge, die zu dem Kombinationssystem gehören, und alle die Schweller, die die Ausdruckskraft der ganzen Orgel in Tätigkeit setzen, beherrschen. Das zweite oder selbstspielende Orgelpult steht fest; durch die Wirksamkeit dieses Orgelpultes können die größten Orchesterpartituren von Symphonien Note für Note gespielt werden, ohne daß man die Komposition den Fähigkeiten der menschlichen Hand entsprechend zu vereinfachen brauchte. Zur Veranschaulichung des gewaltigen Umfanges der Orgel sei bemerkt, daß während eine volle Orchestrierung zehn Finger an jeder Hand verlangen würde, die automatische Vorrichtung das Spiel ebenso leicht mit den fünf Fingern bewerkstelligen kann: ein doppelter Anschlag, der hierbei benutzt wird, bringt genau dieselbe Wirkung hervor, als ob der Organist vier Hände hätte, von denen zwei in vollen Griffen auf dem einen Manual spielen, während die beiden anderen bei vollem Werk ein mächtiges Thema ausführen. An kunstvollem Mechanismus stellt dieses Instrument, wie die Zeitschrift Musical Age schreibt, den höchsten Typus des Orgelbaues dar. Fünf Schwellergehäuse, die die verschiedenen Orgeln umschließen, die zu einer Orgel kombiniert sind, erfordern 7500 Fuß der kalifornischen Riesenkiefer; fünf automatische elektrische Schwellermaschinen dirigieren die Ventile dieser Kästen; 5000 offene Gänge verbinden die einzelnen Teile; ein Dampfmotor, der die AkkumulatorenBatterien versorgt, ist so eingerichtet, daß die Orgel unausgesetzt während der ganzen Ausstellungszeit spielen kann. Fünf Blasebälge von denen jeder 12 Fuß lang und 6 Fuß breit ist, werden durch die beiden Motoren von zehn Pferdekräften in Bewegung gesetzt und liefern den Wind, der in die 140 Register und 10059 Orgelpfeifen durch Windkästen verteilt wird, die 20000 Fuß Bauholz erforderten; für die Bälge und Regulatoren wurden 8000 Fuß und für die Windladen noch 2000 Fuß verbraucht. Humoristisches. Angenehm überrascht. Tourist sauf dem Bergaipsel:„Endlich einmal ein Punkt, wo cs nich: nach Benzin necht.—— Rutterstolz.„Aber ordenklich herausgemac, hat sich Ihr Junge."—„Tus will ich meinen; durch Telephon wird er auch schon imner u.„Sie" angeredet!"—— Schwer zu machen. Cbef(zum Angestellten, der zu spät zum Dienst komm:]:„Sie kommen schon wieder fünf Minuten zu spät"—„Verzeiben Sie. meine Uhr geht nach.“—„Das ist ein großer Fehler. Eine nihng gebende Uhr gehr stets fünf Minuten vor.“ „Die Verlobung Deiner Tochrer int infolge Deines Konkurses also zurürkgegangen?"— latürlic, meine Tochter kann doch jer: eine viel bessere Barne machen.“.— Dann schon. Herr:„Ist Ihr junger Hausarz: tüchtig?“— Dame:„O ja, er hat mir schon oreimal das Leben geretten". Herr:„####ssich?“ Dame:„Ja. immer, wenn ich erpstlich krank war dann wur er verreist." Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckeret. Verantwortlicher Redakteur F. L. Knappe in Bochumn. 0 #0 ∆ K7 40 # □ Täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt Cräume Rnd nicht Calen: Ohne Erbeit wird dür nichts geragen. Nr. 28 5. Februar 1904 Nur eine Nachschrift. Novelle von C. Bocges.(Nachdruck verboten.) 1. Kapitel. war ein klarer heller Wintermorgen, fast ein wenig zu warm für den Anfang Februar, so dachte wenigstens Graf Ulrich von Hohentroß, der, anscheinend in heiteren Gedanken, langsam durch die belebten Straßen der Residenz schlenderte.— „Walloh!“, rief er plötzlich, als ein schwerfälliger, bum bemalter Omnibus langsam vorüberfuhr; der Rosselenker hielt einen Augenblick, um den neuen Passagier aufzunehmen. Der junge Graf blickte erstaunt umher. Er wa: ganz allein— doch nein! dort in der äußersten Ecke saß ein junger Mann mit feinen, aristokratischen Gesichtszügen, der aber sanft eingeschlummert war und den neuen Ankömmling nicht bemerkt hatte. Das Haupt des jungen Schläfers war müde auf seine Brust herabgesunken; in der Hand hielt er ein weißes Stück Papier, welches jetzt langsam den Fingern entfiel. „Da liegt es,“ flüsterte der Graf leise, und ein schelmisches Lächeln glitt über seine Züge. Dann von Neugierde und Uebermut getrieben, bückte er sich, hob das Papier auf und las die mit Bleistift geschriebenen Worte: „Erwarten Sie mich nicht am Dienstag um 5 Uhr im goldenen Löwen; denn ich werde unter keiner Bedingung kommen. H. U.“ U.“, dachte der junge Graf, und wieder erschien das übermütige Lächeln auf seinem schonen Antlitzwelchen Namen mögen diese Buchstaben bedeuten? — Helene, Hildegard— oder wie sie sonst heißen mag, willigt nicht in ein vorher geplantes Rendezvous ein, denn um ein geheimes Stelldichein handelt es sich doch gewiß: nun, das ist edel von ihr, aber wissen möchte ich doch, wer sie ist.“ Kurz entschlossen nahm er einen Bleistift, und die Schrift so gu wie möglich nachahmend, schrieb er unten an der Ecke„verte“ und auf der anderen Seite: „V. S. Nach reiflicher Ueberlegung willige ich ein= zur festgestellten Stunde in der Nähe des goldenen Löwen zu sein. H. U.“ Der goldene Löwe war ein einsames mitten im Walde gelegenes Wirtshaus, ungefähr eine halbe Stunde von der Residenz entfernt, das wenig besucht wurde und sich nicht des beiten Rufes erfreute. So jetzt vorsichtig!“ murmelte er leise und steckte Schläfer behutsam das verhängnisvolle Papier in die Rocktasche, ohne zu abnen, daß dieser übermütige Streich für sein ganzes Leben entscheidend werden sollte. Endlich war es gelungen; der harmlose junge Mann hatte noch immer die Augen fest geschlossen, und seine gleichmäßigen, ruhigen Atemzüge bezeugten hinreichend, daß er von dem Vorgefallenen keine Ahnung hatte. Graf von Hohentroß lächelte still vergnügt, dann öffnete er behutsam die Tür und sprang auf die Straße. „Es ist doch ein schlechter Scherz," dachte er bei sich selbst, als er dem schwerfälligen Omnibus nachschaute, „der junge Mann sah so edel und hochherzig aus, ch möchte wohl wissen, wer er ist.“ Wieder wurde der Omnibus angehalten. Jetzt stiegen mehrere Damen und Herren ein, die sich so munter und lebhaft unterhielten, daß der junge Mann in einer Ecke jäh erwachte und erschrocken umherblickte. Schnell sprang er auf: seine suchenden Blicke irrten angsterfüllt auf dem Boden; dann faßte er in die Tasche und zu seinem Erstaunen fand er dort das Gesuchte. „Ha!“ rief er überrascht, während Purpurglut seine bleichen Wangen färbte,„wie war es nur möglich, daß ich das Wörtchen„verte“ nicht sah!“ Dann fiel sein Blick auf die Mitfahrenden, die erstaunt seinen Bewegungen folgten. Gott sei gedankt, daß er kommen will, ohl wenn doch morgen schon Dienstag wäre," dachte er weiter, als er ahnungslos die Nachschrift gelesen hatte. Der Tag neigte sich zu Ende; ein eisig kalter Ostwind pfiff durch die kahlen Bäume; der volle Mond warf sein silbernes Licht auf die schneeige Landschaft und erhellte hinreichend die ganze Gegend, als Graf Ulrich von He', roß jetzt langsam in der Nähe des goldenen Löw#. auf und ab schritt. Vier Tage waren vergangen, seitdem er dem Schläfer inz. Omnibus den Streich gespielt hatte; oft hatte er im Stillen seine Tat bedauert, aber da er geschehene Dinge nun nicht ungeschehen machen konnte, wollte er doch wenigstens zusehen, wie sehnsüchtig der junge Mann auf seinDame warten würde. Lom er sah Niemand! Schon wollte als plötzlich eine altliche vornehme Dame im schweren schwarzen Seidenkleide eilig durch den Wald kam, und als sie jetzt den jungen Grafen erblickte, in augenscheinlicher Erregung auf ihn zukam und ihm die Hand entgegenstreckte. „Sind Sie Herr Ulrich?“ fragte sie, vor Aufregung zitternd. Der junge Graf blickte überrascht auf. Wie konnt. diese fremde, stolze Dame seinen Namen kennen und noch dazu ihn so vertraulich anreden? „Ich heiße Ulrich," versetzte er erstaunt, aber seine Erregung wuchs, als sie mit Tränen in den Augen seine Hand, die sie noch fest in der ihrigen hielt, drückte und ausrief: „Wie kann ich Ihnen danken! Wie glücklich bin ich, wie dankbar sind meine Kindec, daß Sie gekommen sind; ohl es wäre schrecklich gewesen, wenn Sie unsere Bitte nicht erfüllt hätten.“ Sie schwieg und bedeckte ihr bleiches Antlitz mit ihren Händen. „Was kann ich tun? Befehlen Sie über mich,“ bat der Graf. „Kommen Sie; lassen Sie uns keinen Augenblick verlieren,“ fuhr die alte Dame bewegt fort.„Bedenken Sie, wie wir leiden, wie mein Sohn und meine Tochter in Angst und Sorge sind, bis die Frage entschieden ist! kommen Sie, der Weg ist nicht so weit.“ und dann schritt sie rüstig voran durch den einsamen Wald. „Graf Ulrich folgte gezwungen. „Hier muß ein Irrtum vorliegen, stammelte er endlich verlegen.“ „Das glauben wir auch,“ entgegnete sie, ohne ihren eiligen Gang zu unterbrechen,„darum sind wir Ihnen so dankbar, daß Sie gekommen sind, wir konnten den Zeitpunkt gar nicht erwarten.“ Bald lag der Wald hinter ihnen; in geringer Entfernung erhob sich ein prächtigesHerrenhaus mit parkähnlicher Umgebung; die voranschreitende Dame schien ihren Schritt noch zu beschleunigen, als sie es erblickte. „Lassen Sie mich den Irrtum erklären,“ bat Graf von Hohentroß= und versuchte seinen Gang zu mäßi. gen. „Nicht hier, nicht hier!“ flehte die Dame.„Ich kann hier kein Wort hören: kommen Sie!" Bald war das Ziel erreich Sie wurden augenscheinlich erwartet, denn ein alter Diener in reicher prächtiger Livree öffnete bereits vor ihrer Ankunft das schwere Portal. Die Herrin des Schlosses stieg eine breite Treppe hinauf und winkte dem Fremden, ihr zu folgen.— Der Graf konnte jetzt nicht mehr zurück, zwar schlug ihm Herz und Gewissen, als er gleichsam wie im Traum der voranschreitenden Dame solate. Vor einer breiten eichenen Flügeltur am äußersten Ende des geräumigen Korridors wartete die Dame. dann, als der Graf sich ängstlich naberte, öffnete sie Ni. Der Erzahler. 1901. haf, und beumt mit ihm das Gemnan. Der une warte Antlick, der sich hie seinen uugen vol. ei## dem Gi### für sein gon..... Auf ein ier mit schneren stieenenor hängen lag in bleicher, abgezehrter Mann, denen Augen in wilder Fiebermm leuchteten. Eine Krankenpflegerin mit breiter weiger Haube, stand am Fuße des Bettes; ein junges. liebliches Maocen von unge fähr achtzehn Jahren stand an ihrer### und im Hintergrunde stand ein dnger stattlicher Mann, den der junge Graf zu seinem Entsetzen sofort als den ruhigen Schläser erkannte, dem er vor wenigen Ta gen im Omnibus den unverzeihlichen Streich gespielt hatte. Aller Augen richteten sich gespannt auf den Ankommenden: die Mutter ging ihren Kindern ent gegen und flüsterte ihnen zu: „Hier ist er endlich, meine geliebten Kinder"; dann trocknete sie die Tränen, die sich wider Willen in ihre Augen drängten, als sie jetzt den Fremden bei der Hand nahm und ihn tief bewegt an das Lager führte. „Sehen Sie ihn genau an.“ flüsterte sie leise.„Jede Krankheit verändert die Züge, und dann sagen Sie uns, was Sie denken.“ Eine peinliche Pause entstand. Der jüngere Graf blickte verwirrt in die durch Fieber verstörten Züge: dann begegnete er dem ängstlich fragenden Blick der alten Dame, sah die gespannte Erregung in den Augen des lieblichen Mädchens und wagte nicht einmal, den jungen Mann anzusehen, der jetzt erregi fragte: „Ist er Ihr Freund?“ Fast hülfesuchend blickte er umher, als die beiden Damen fast zu gleicher Zeit dieselbe Frage an ihn richteten.— So gerne er auch offen die Wahrheit ge steben wollte, so war es ihm doch hier im Beisein des Leidenden nicht möglich, denn das gefübl seiner Schuld und die Scham über den unziemlichen Scherz erstickten ihm die Worte in der Kehle. „Antworten Sie mir.“ flebte jetzt die Dame,„ist er Ihr Freund? Sie wissen doch, was ich Ihnen geschrieben habe— erkennen Sie ihn wieder? Ist er Ihr Freund?“ „Sie zögern?“ fragte jetzt die klangvolle melodiscr Stimme der jungen Dame. als ne auf den Fremden zutrat.„Deshalb wünschen wir so sen, daß Sie kommen sollten, denn wir mußten Genunheit haben. Sehen Sie ihn genau an, unter ganzes#irdisches Glück hängt von Ihrer Antwort ab: ist er Ihr Freund?“ „Meine Schwester spricht mir gen; aus der Seele." begann jetzt der junge Mann. Verzeider Sie uns daß wir Sie jo empfangen, aver wir sind alle so erErreat! oh! Graf von Hohentroß war erregt, befühlte er über seinen unüberlegten Streich im Omnibus. r tann ich es nicht erklären." stammelte er endlich bewegt und erfaßte die Hand des jungen Mannes: inn deute##### er auf das Lager:„Ich habe den Mann noch nie gesehen!" Annesenden sahen erstaunt auf. eisen Sie das bestimmt?" fragte die junge Tame.„Sie allein haben ihn doch da drüben in Amerika gesehen—“ Wir haben ihn als den rechtmäßigen Erben dieses chlosses ausgenommen,“ unterbrach die Mutter, un er legitimierte sich als solchen, und die Anwälte fanden seine Papiere in bester Ordnung. Wir mußten schon zufrieden sein. obgleich uns der Gedanke schwer wurde, unser liebes Erbe zu verlassen. Dann kam vor einigen Wochen diese Krankheit—“ die alte Dame stockte. Während seiner Krankheit," fuhr der junge Mann leise fort,„schöpfte Aurelia“— auf seine Schwester deutend—„zuerst Verdacht, daß wir betrogen wurden. Seine wilden Fieberphantasien deuteten darauf hin, daß er gar nicht der rechtmäßige Erbe sei, daß er fürchtete, entdeckt zu werden= und daß vielleicht eine Schuld seine Seele belastete.— Haben Sie von ihm unsere Geschichte nicht gehört? Seit länger als achtzi Jahren ist unsere Jamilie im Besitz diesesSchlosses und seiner reichen Güter. Damals war der letzte Sproß und Erbe als junger ungestümer Mann nach Amerika ausgewandert, und mein Großvater hatte, als einziger, weit entfernter Verwandter. Besitz von den verlassenen Gütern ergriffen. Nach seinem Tode erbte mein Vater die Besitzung, die jetzt auf mich übergehen würde, wenn nicht dieser Fremde sich als rechtmäßiger Nachkomme des vor achtzig Jahren ausgewanderten Erben legitimiert hätte. Wundern Sie sich daher= daß wir so ängstlich Ihren Ausspruch erwar teten, da Sie ihn doch gekannt haben? Als Sie zuerst unsere Einladung ausschlugen, waren wir fast verzweifelt, auch unsere zweite Bitte schien anfänglich unerfüllt zu bleiben, glücklicherweise schrieben Sie aber nie Nachschrift, daraufhin eilte meine Mutter Ihnen entgegen und brachte Sie hierber." (Praf Hohentroß hatte mit gemischten Gefühlen dieser Auseinanderietzung gelauscht. Oft hatte er terbrechen wollen, doch die Gegenwart des Kranken inderte ihn. Plötzlich richtete sich der Leidende auf: eine Augen funkelten, seine wilden Reden waren ni verständnislos. Die Wärterin gab ihm beruhigende Tropfen, die er widerstandslos nahm, worauf er einen kurzen Augenblick in die Kissen zurücksank. „Ha, ha“, rief er dann deutlicher.„Niemand wird es ahnen; Niemand kennt mich! Wer sagt, was früher geschehen ist? Ha, ha, Niemand ahnt die Wahrheit!“ und ein unheimliches, heiseres Lachen folgte den wilden Phantasien. „Was sagen Sie dazu?" flüsterte Aurelia's Bruder leise,„wir glauben bestimmt, daß er ein Betrüger ist, aber die Advokaten legen auf irre Fieberreden keinen Wert, und er hat das Recht auf seiner Seite.“ Wieder richtete sich der Kranke empor; seine glänzenden Augen irrten suchend umher. „Niemand kennt meinen Namen,“ murmelte er jetzt fast unhörbar.„Ich sage Eum, ich bin Baron Edgar von Steineck! Wer sagt, daß ich es nicht bin? Der Advokat glaubt es, warum glaubt Ihr es nicht?— Wer seid Ihr alle?“ fuhr er jetzt heiser auf,„und wo bin ich hier? Wer kennt mich? Int dieses der Gerichte hof? Wer seid Ihr? sagt es mir!“ Der junge Mann legte seine kalte Hand auf die fieberhafte Stirn des Unglücklichen und sagte beruhi gend: „Sagen Sie uns die Wahrheit, wer Sie sind, und ich gebe Ihnen die Versicherung, daß keine Strafe Sie treffen soll.“ Einen Augenblick schienen sich die wirren Gedanken des Leidenden zu erhellen, dann zuckte es wieder wild in seinen Augen und. wieder erscholl das unheimliche Lachen durch das Gemach. Der junge Graf konnte den Anblick nicht länger ertragen.„Um Gotteswillen." flüsterte er dem jungen Manne zu,„lassen Sie mich dieses Zimmer verlassen, ich ertrage es nicht länger.“ „Sie wollen uns doch nicht verlassen?“ bat die alte Dame, dann verließen sie das Krankenzimmer. So sehr der junge Graf auch hoffte, daß die Damen nicht Zeugen seines Geständnisses sein möchten, so sah er doch, wie sie dem jungen Manne folgten, der jetzt den Gast in ein anderes Gemach führte. „Hier können wir ungestört überlegen." begann er, dem jungen Grafen einen Sessel an den Kamin rückend.„Setzen Sie sich. Herr Ulrich. Sie bleiben doch über Nacht bei uns?“ Ulrich! wie war es nur möglich, daß er so vertraulich angeredet wurde! Er durfte sich nicht setzen, ohne einen Augenblick zu zogern, mußte er rückhaltlos seine Schuld bekennen: ein längeres Schweigen war unver zeihlich. (Fortsetzung folgt.) Lebenswege. Sie schraubte den Dock stehenden Lampe höher. ben beleuchtete die erren „Warum fragen Sie das großte Vergnüg. welche sie in meiner braucht sie dann noch gehen?“ sagte er. steben „Herr Werner, sagen t der vor ihm auf dem und lische rtei. die Was nachzuder 1n Juge kun, weil ewährten sellschaft ubringe zeiteren Vergnüger bleibend. sagen Sie nicht dasselbe auch von sich, und doch geben Sie fast jeden Abend in Gesellschalt:“ „Ja, ich, das ist was Anderes. Es würde auffallen, wollte ich mich von Allem zurückziehen.“ „Und bei Kütheen wurde ese „Wäre sie nur nicht bei. Frau Schmidt sähe es gern, wenn Frau Hellmuth würde.“ „O ja, warum nicht? Es ware sende und gute Parne. Die Hellmut reich und der junge Herr####anmi mit seinem seinen, stattlichen Neuß mann" „Christine, schweigen noch mehr mit solchen Käthcben, wärest Du b „Wesbalb gehen Si Her: Schmidt doch Kät ten, sie ihnen zur Gattin „In meiner jetzigen Ste gen. ich würde sicher eine abschlägige Antwort erhalten. In Hinsickt des Vermögens kann ich mich den len.“ ! I c h g l a u b e, ihre Schwester meden ltern Sie rief W nicht offen zu Schi bchens Vormund ist. zu geben?" 1a da 19 nidts, da und bitsicht waErzühlung von Clara Wilhe:mi Franke und Hellmuth nicht zur Seite stellen vom ich brsitze reiche kaufmännische Kenntnisse, und mich dazu, später auch einem anderen Lebenskreise anzugehören, wie jetzt.“ So lange Sie der Welt gegenüber Käthchen nicht Iore Braut präsentieren können, müssen Sie sich rin ingen, sie auch von anderen Herren umworben n. Und dies wird Ihnen doch keine Ueberwindung kosten, da Sie wissen, wie Sie geliebt werden." „Ja. aber wegen meiner grenzenlosen Liebe kann mich nicht gleichgültig lassen, sie so umschwärmt sehen. Doch. Jungfer Christine, ich will Sie nicht langer meor aufhalten, die Erwartete kommt doch nicht meyr, aber ich hoffe sicher, sie morgen Abend hier zu treffen. Gute Nacht." Nacht. Herr Werner,“ sagte sie, ihm zur Türe hinausleuchtend. „Wenn mein liebes Herzchen nur keinen Feblgriff getan hat“ sagte Christine, ihren eben verlassenen Platz wieder einnehmend.„Es scheint mir. Herr Werner hat große Anlagen zur Eifersucht. Und wenn nicht irre, so trug die Furcht, einen eifersüchtigen kann zu bekommen, viel dazu bei. Herrn Frankes Antrag zurückzuweisen.“ Nachdenkend wiegte sie den Kopf bin und ber. Nun. will auch nicht das Schlimmste denken, ihre gegemeitige große Liebe wird diesen bösen Fehler nicht aufkommen lassen.“ Paul promenierte noch ein wenig in den Straßen umher und begab sich dann zum Hotel zur Sonne, (Nachdruck verboten.) in der Hoffnung. noch einen Gruß von der Geliebten zu erhalten. Er fand jedoch das Seitenzimmerchen nicht erhellt, demnack mußten die Danien noch nicht zurückgekehrt sein. Heute Abend sagten ihm die Scherze der anwesenden Herren nicht zu, er bing seinen eigenen, nicht allzu erfreulichen Gedanken nach. Plötzlich zuckte sein Herz zusammen; hatte er recht gehört? „Die Damen sind bei Hellmuths," hörte er in seiner Nähe sprechen,„wer weiß, was dies zu bedeuten hat. Der alte Herr wünscht, daß sein Sohn ihm bald eine Schwiegertochte: ins Haus bringt und Fräulein Bruns ist ihm die liebste.“ „O ja,“ entgegnete der Angeredete,„sie wäre dort auch ganz am Platze. Und der schöne Beutel voll Geld, welchen sie mitbringt, ist auch nicht zu verachten.“ Paul konnte diese Unterredung nicht mehr anhören, ergrifr mit einem finsteren Blick auf die ahnungslosen Gäste seinen Hut und stürmte hinaus, seiner Wohnung zu. In der Hast, mit der er voran schritt, bemerkte er nicht die beiden verhüllten weiblichen Gestalten, welche um die Ecke bogen und den Weg zur Sonne einschlugen. War es nicht Herr Werner, der an uns soeben vorbei stürmte?" fragte Helene. „Ich glaube ja,“ entgegnete Kärbchen,„er geht heute ja früh nach Hause. Werner hat sich in der letzten Zeit recht verändert. er ist so eigentümlich geworden, daß ich ihn miunte: Nr. 28. Der Erzahler. 1904. nicht begreisen kann. Da gefällt mir der junge Hell muth besser, der bleibt sich immer gleich.“ „Ich kann nicht sagen, daß der junge Hellmuth meine Sympathie erweckt und ich merte wohl, wo der alte Papa hinauswill. Helene, ich will nur gleich sagen, mache ihm keine Hoffnung, sein Projekt wird sich niemals erfüllen. Ich nehme seinen Sohn nicht und wenn Du und der alte Papa mich dazu zwingen wollt—“ „Gebrauche doch nicht dieses häßliche Wort. Es will Dich Niemand zwingen, besonders ich nicht. Du hast Deinen freien Willen, sei deshalb nicht immer gleich so heftig. Du weißt, ich wünsche Dir den besten aller Gatten.“ Hätte Paul Käthchens Worte gehört, er würde um Vieles ruhiger gewesen sein, nun aber wälzte er sich ruhelos auf seinem Lager, bis endlich der Schlaf seine Augen schloß und der Engel des Traumes sich zu ihm niede#akte und ihm seine Braut in den schönsten und anmutigsten Bildern zeigte. Am folgenden Abend ging Paul zur bestimmten Stunde zu Jungser Christinens Wohnung. Käthchen eilte ihm im Hausflur entgegen und hing sich an seinen Hals. Nun er die Geliebte umschlang und an sein Herz preßte, waren die Gedanken und Regungen der Eifersucht, welche ihn gestern Abend und die Nacht so gequält verschwunden. „Habe ich Dich, mein liebes, böses Mädchen?“ sagte er liebkosend,„o, warum hast Du mich gestern Abend so warten lassen?“ „Lieber Paul, ich konnte die Einladung nicht ablehnen, ohne den Arawohn meiner Schwester zu wecken. Sei versichert, ich ware tausendmal lieber hierher zu Dir gerommen, wie zu Hellmuths gegangen: „Käthchen, sprich den Namen nicht aus, er ist mir verhaßt,“ sagte er finster. „Warum denn, was fehlt Dir?“ fragte sie besorgt, nachdem sie ihn ins Zimmer geführt. „Glaubst Du, ich wüßte nicht, was die Einladungen dort bezwecken? Nicht ich allein, die ganze Stadt weiß davon zu erzählen. Gestern Abend wurde in Euerem Gastzimmer öffentlich Dein Name mit dem des jungen Hellmuths in Verbindung gebracht.“ „Nun, und weite:,“ sagte sie verwundert zu ihm aufschauend. „Was weiter? Glaubst Du, daß es mir gleichgültig ist, daß ich ruhig dabei bleiben kann, wenn ich täglich mit ansehen muß, wie Andere sich um Deine Gunst be werben, wie man Dir schmeichelt und Dir Huldigungen darbringt.“ „Die mich weiter gar nicht berühren, nicht den geringsten Eindruck auf mich machen. Du weißt, daß ich nur Dich allein liebe, deshalb laß die anderen Herren schwatzen, was sie wollen,“ sagte das junge Mädchen, sich an ihn schmiegend. „Und doch möckte ich Dich bitten, den Herren gegenüber nicht so freundlich zu sein, ich kann es nicht leiden.“ „Was würde Helene denken, wenn ich ihre Gäste nicht artig behandelte? Müßte sie nicht Argwohn schöpfen? Und ist es nicht gerade Dein Wunsch, daß ihr unser Verhältnis geheim bleibe?“ „Freilich, aber ich leide Folterqualen,“ seufzte Paul. „Dann tritt doch offen vor meinen Schwager und sage ihm, daß wir uns lieben.“ „Ich kann es noch nicht, damit müssen wir noc warten.“ „Nun, dann verschkpne mich auch noch mit solchen Vorwürsen, wie Du mir sie immer machst,“ sagte sie mit gereiztem Tone. „Käthchen vergieb! Nur meine grenzenlose Liebzu Dir läßt mich so sprechen,“ bat er, sie fester an sich ziehend. „Und liebe ich Dich vielleicht weniger?" flüsterte sie zärtlich. „Schwöre mir, daß Du mich immer lieben, mir ewig treu bleiben willst,“ sagte Paul erregt. „Ich schwöre es Dir,“ antwortete sie feierlich. „Dank. tausend Dan!! Nun bin ich beruhigt, und ich will Dir nie wieder Vorwürfe machen.“ Ein lan ger, herzlicher Kuß besiegelte das Versprechen. Christine, welche schon längst in dem großen, alten Lehnstuhl eingeschlummert war, ob wirtlich, oder nur zum Schein, wollen wir dahingestellt sein lassen, räu sperte sich und öffnete die Augen. Käthchen fand, daß es Zeit sei, nach Hause zu gehen. und verabschiedete sich.„Als Werner sie begleiten wollte, hielt die Alte ihn zurück:„Ich habe noch einige Worte mit Ihnen zu sprechen. Herr Werner. Gute Nacht, liebes Kind. Du findest den Weg wohl allein, er ist nicht weit.“ sagte sie, und schloß die Türe. „Ich muß Ihnen sagen, Herr Werner,“ wandte sie sich an diesen,„daß ich heute Abend einmal wieder nicht mit Ihnen zufrieden bin. Bitte, unterbrechen Sie mich nicht. Weshalb quälen Sie das liebe Kind mit Eifersucht? Das tut keine wahre Liebe, die hat großeres Vertrauen. Wie oft haben ähnliche Szenen wie heute Abend hier schon stattgefunden? Sie versprachen jedesmal Besserung, und doch fallen Sie immer wieder in denselben Fehler zurück. Ich sage Ihnen, Herr Werner. machen Sie mein Kind, mein Herzblatt nicht unglücklich! Käthchen ist mir ans Herz gewachsen, ich liebe sie, als ob sie mein eigenes Kind wäre. Wird sie durch Sie unglücklich, so mache ich Sie dereinst vor Gott dafür verantwortlich.“ „Liebe Christine———— „Nein, kein Wort,“ unterbrach sie ihn,„gehen Sie jetzt, und denken Sie über meine Worte nach.“ „* Es war Ballabend: der erste Kasinoball in diesem Winter. Wagen auf Wagen rollte vor das Portal des Gebäudes und der Saal begann sich allmählich zu füllen. Der Damenflor strahlte in den geschmackvoll sten, elegantesten Toiletten; Käthchen besonders in dem schönen selbstgestickten weißen Tüllkleide erregte Aufmerksamkeit und feierte wahre Triumphe. Sie war fortwährend umringt, bewundert, und die jungen Herren wagten förmlich einen Sturm, um die Zusage eines Tanzes zu erhalten. Helene blickte bisweilen zu den Gruppen hinüber, die sich um ihre Schwester bildeten, und ein Lächeln lag auf ihren Lippen. Sie sah, mit wie großem Vergnügen, aber auch wie unbefangen sie die Huldigungen entgegennahm, welche ihr von allen Seiten dargebracht wurden. Auch Paul Werner war längst im Saale, aber sie hatten kaum einige flüchtige Worte miteinander gewechselt. Er hatte Frau Schnidt und Käthchen eben begrüßt, als Her: Hellmuth mit seinem Sohne herantrat und die Aufmerksamkeit der Damen vollständig in Anspruch nahm. Noch einige andere nähere Bekannte der Damen gesellten sich dazu, und Paul. wohl einsehend, daß er jetzt doch kein Wort von der Geliebten erhaschen könne, zog sich zurück. Der Ball hatte eben begonnen. Die Paare ordneten sich zum Rheinländer. Käthchen war von einem Tanz zum anderen geflogen: sie liebte das Vergnügen ganz besonders und genoß dasselbe in vollen Zügen. Die Huldigungen und Schmeicheleien der Herren fanden bei dem jungen Mädchen ein geneigtes Gehör und sie bemerkte es nicht, wie vorwurfsvoll Pauls Augen sie oft anblickten. Endlich kam der Tanz, welchen sie Panl zugesagt, er reichte ihr den Arm, führte sie in die Reihen und bald schwebte sie bezelig: mu ihm durch den Saal. Frau Helene mit verschiedenen anderer Damen und Herren jahen dem Tanze zu. Auch der Gutsbesitzer Herr Franke gesellte sich zu ihnen. „Fräulein Bruns ist doch eine imposante Erscheinung. Sieht sie in der weißen Tüllwolle und mu den Silberähren im Haar nicht aus wie eine Nymphe?“ sagte er zu ihr. „Mein Gott. Her: Franke. Sie werden ja noch vortisch." lachte sie. „Sie begeistert nicht nur mich allein, sondern auch noch viele Andere. Ich glaube, Sie werden Fräulein Käthchen nicht allzulange mehr um sich haben, sie wird Ihnen bald von ihrem künftigen Gatten entjührt werden.“ „O nein, das befürchte ich nicht,“ entgegnete Helene bestimmt:„Meine Schwester denkt noch nitn daran sich zu verbeiraten, sie ist ja fast noch ein Kind.“ „Ich glaube, Fräulein Käthchen würde ganz ent schneden gegen diese Behauptung protestieren, und sehr ungehalten darüber sein, wollte man es wagen, sie wie ein Kind zu behandeln.“ Bitte sehr um Entschuldigung." vortetzte sie mit leichtem Spott,„allein es sind die eigenen Worte meiner Schwester:„Ich bin sast noch wie ein Kind, und denke nicht daran, mich zu verheiraten.“ Dann ist sie jetzt anderer Meinung wie damale als sie diese Worte sprach,“ sagte er, indem seine Augen dem tanzenden Paare folgten;„wann war das?“ „Vor einem halben Jahre.“ „Ein halbes Jahr ist ein langer Zeitraum in einem Mädchenleben und kann darin ein großer Umschnung der Gedanken, Ansichten und Empfindungen statt finden. Und dieses scheint mir bei Ihrer sahnen Schwester auch de: Fall zu sein. Sehen Sie nur ist das die Haltung und der Ausdruck eines Kindes? Wie graziös sie mit ihrem Tänzer dahinschwebt.“ Helene antwortete nicht, sondern beobachtete unaus gesetzt das Paar, welches eben vordeiflog. Käthchen war ihr noch nie so schön erschienen, wie an diesem Ballabend. Sie schien auch hier eine ganz Andere zu sein, wie im Hause. Der geschnackvoll dekorierte Saal, die rauschende Musik und die Flut des Lichtes welche den Hunderten von Kerzen entströmte, war die Umgebung, die zu ihrem ganzen Wesen paßte, und ihre strablenden Augen und geröteten Wangen zeigten deutlich, welches Vergnugen sie an dieesr Umge bung fand. Wie strahlte sie vor Glück und Freude als sie in Paul- Armen dahin schwebte. Auch Paul schien außer der Geliebten Alles um sich her vergessen zu haben. Ein unsagbares Glück leuchtete in seinen Augen, als sie in seinen Armen lag, und diese Augen verrieten nur zu deutlich das Geheimnis des Herzens. Das Glück und die Freude machten die Liebenden unvorsichtig und ein genauer Beobachter konnte recht gut abnen, daß nicht die Freude am Tanzen allein die Beiden so glücklich mache. Alles dieses bemerkte auch Helene, welche noch im mer den Platz zur Seite des Saales einnahm. Sie unterhielt sich zwar mit ihrer Umgebung, beobachtet aber dabei sortwährend das Paar. Es war, als ob Käthchen den Blick de Schwester fühlte, denn plötzlich sah auch sie zu jener herüber, und als die Augen sich trafen, überflog eine heiße Glut das Angesicht der jungen Mädchens, und sie schlug verwirrt die Augen nieder. (Fortsetzung felgt.) Allerlei. Tägliche Erinnerungen. 6. Februar. 1840: Fr. v. Gandv. Dichter, 7.(Berlin). 1894: Der Chirurg Theodor Billroth= f.(Abazzia). 1899: Graf v. Caprivi. ebemaliger deuticher Reichskan; ler. t.(Skyren bei Crossen). * Der Zeitungsverkehr in Rheinland und Westialen. Daß bei dem hockentwickelen Postverlehr, den Rheinland und Westsalen aufzuweisen haben, auch der Zeitungsur selbswernändlich angesehen mitn#wer Zabien de Wenen das ern recht.n die vor kun em ersa Nane Sta— stalenderjahr 1902 bieter hierfür ein ebenso reiches wie interessantes Maicrial. Was den Leitungsverlagverteh: im Oberpostdirektionsbezirk Köln berrifft, so bat die Zahl der von den Verlags=Postämtern 1 des Bezirks Köln. Vonn m a. Rb., Siegburg, Berg.=Gladbach, Euslirchen. (odesberg, Königswinter und Gummersbach, abgesetzten Zeitungsnummern nadezu 421 Millionen Stuck betragen Der H##l fällt aus die rheinische Metrovoie, indem vol. voln allein über 37½ Mil onen(34 617 991) Stuck Zeitung=nummern abgesetzt worden uind. Vonn mit Vor dat 3 Millionen(3000 172" Gummersbad 79, 440 Siuck, Juubura 415 744 Stück Jetungsnummern abgesetzt. Ueber 100 000 Stück haben Berg.=Gladvas 207 906, Mulheim a. Rö.(187 251) und 101 450 abgcsent. Den schwachten Zeitungsverlagse# lehr haven Godesberg mit 17 405 und Komgswinter un 13229 Stuck abgesetzten Zeitungsnummern gepabt. Wie bedeuend der von Köln vermiktette Zeitungsverlagsver kehr ist, wird ern rech: klat. wenn man damit den eitungder Postamier in andern Großstadten des A.