P 583 S: 2 " a-.— S 888 8a3 S 555 0 schen, des Paderborn!men, das Ser; falen enthält sie in Menge. Wir haben ebenso lachende als wilde, eben so anmuthige als romantische Gegenden. Wirklich war es schade, daß sie bisher duich Pinsel und Grabstichel dem Inländ.r. wie dem Ausländer so gar wenig bekannt gemacht wurden" Die zweite Verteidigung Westfalens stammt von Bürgermeister Dahlenkamp=Hagen und findet sich in einem Schreiben über die Pressefreiheit aus dem Jahre 1817, das für das Ministerium in Berlin bestimmt war. Hier werden vor allem auch die Gründe untersucht, weswegen die Verhältnisse in Westfalen in den letzten 20 Jahren ganz anders geworden sind, so daß es sogar in diesem Schreiven als„eine der schönsten Perlen in der Krone Preußens" bezeichnet wird. Es heißt dort: ..„Die Grafschaft Mark und das ganze preußtsche Westfalen, in so mancher Hinsicht eine der schönsten Perlen in der Krone Preußens, ward vor noch nicht langer Zeit in Hinsicht auf Kultur und Bildung als eine der vernächlässigsten, tief unter den anderen Provinzen Deutschlands stehende Gegend angesehen.. „ Seit etlichen zwanzig Jahren hat sich dieses so Westfalen mit jeder anderen Gegend Deutschlands in Bildung und Kultur wetteifert, daß es Allgemeinheit der Bildung vielleicht andern vorsteht", usw. Seit den Freiheitskriegen ist wohl niemand nicht auch Westfalen als„eine der schönsten Persen in der Krone Preußens" bezeichnen möchte. guter alter Zeit: Westfälischer Schinken. Von Eberhard Winkhaus. Je mehr sich in den vergangenen Jahrhunderten die Fürsorge der preußischen Könige der Hebung von Handel und Gewerbe in den industriereichen Provinzen des Reiches zuwandte, je größer die Zahl der Erlasse und Verordnungen wurde, desto mehr Einfluß gewannen die Beamten des Königs. Waren diese auch oft nur ungern gesehen, so gebot doch Lebensklugheit sich mit ihnen gut zu stellen und sie zu Freunden zu haben. Da aher i# den absolutistischen Zeitalter der König Ir. Leiner Person vereinigte, so war es selbstverständlich, daß alle aus dem Rahmen des alltäglichen hinausgehenden Fragen seiner versönlichen Entscheidung unterlagen. Ein langwiertger Dienstweg vom Kriegs= und Domänenrat zur in Cleve, von dort zu dem Finanz= ministerium, dem als Steuererhebestelle fast alle Gebiete des Gewerbes und des Handels unterstanden, von dort zum Könige ließ es manchem Westsalen geboten erscheinen, nicht nur Freunde in Cleve, sondern auch wohlwollende Befürworter in Berlm in nächster Nähe der Ministerien zu haben. . Mancher Westfale hat einst seine Ausbildungs. jahre in Berlin verbracht, dort seinen Beruf erVerbindungsmann zwischen räterlichem„Beschafte und Rinisterlen spielend. Dabei half nicht nur der devote, untertänigst ergebene #. der damaligen Zeit, sondern auch eine väterliche Aufmerksamkeit, als welche in Sonderheit der westfälische Schinken weit über Westfalen hinaus als Delikatesse berühmt und begehrt. Vom ketten Schwein genommen, in Wacholderschwaden sorgsam geräuchert, entzückte er nicht nur das Herz r. Frau näti. h„Cleve oder der Frau Geheimen Oberrätin in Berlin, nein er ließ auch den gestrengen Herrn Rat dienstlich sanfter auf den Mann blicken, dessen geschäftliche Absichten solche Delikatessen zu den Regierungen wandern ließen. " Semuunt ist ja wohl, daß in dem Hagener Kirchenstreite Boten der Hagener Kirche, Schinken bewaffnet, den Streit durch günstigen Regierungszu beeinflussen suchten. Wie solche Schinken industrieelle Anlagen beeinflußten, zeigt nachstehender Briefwechsel. Vorausgeschicht sei der Grund dieser Briefe. Der Besitzer einiger an den Bächen des Sauerlandes gelegenen Hämmer, auf denen aus Siegener Roheisen Stahl gereckt und der Osemund für die Altenaer Drahtindustrie gefertigt wurde, beabsichtigte, einen neuen Hammerteich mit einem Hammeranbau anzulegen. Dieses Vorhaben wurde aber von der Regierung abschlägig beschieden, da sich die unterhalb des Teiches liegenden Hammerwerksbesitzer beschwerten, daß ihnen zuviel Wasser festgehalten würde. Wenn man bedenkt, daß von dem Fassungsvermögen des Hammerteiches in trockenen Sommern die Arbeitsleistung abhing und im Winter oder Frühjahr bei Hochwasser der Leich Ueberschwemmungen abhalten konnte, so versteht man das Bestreben eines Hammerbesitzers. einen möglichst großen Teich zu besitzen. Begreiflich ist auch das Bestrehen unseres Hammerbesitzers, neben den offiziellen Verhandlungen noch durch indirekte Beeinflussungen seinen Plan zu verwirklichen. Daß dieser Plan letzten Endes scheitern mußte, lag wiederum nur an den Schinken! Und an was für Schinken!= Post und zwei vseren Boten habe ich richtig erhalten und Dein Wohlbefinden mit vielen Vergnugen daraus ersehen. Wir sind aue gottlob noch gesund, unser Louisgen hat nunmehr die Rüteln und der Ferdinand die Pocken glücklich überstanden. Da auf unsere vom 8ten July datierte und durch Dich übergebene Vorstellung eine ungünstige Resolution erfolgt ist und ich in Strafe soll genommen werden, ob Militärische Execution oder Civile stehet dahin, und wie weit wir mit dem Hammerprozeß gekommen sind, alles dieses wird Dir Dein Onkel Peter umständlich erzählen, der auch der Ueberbringer dieses sein wird. Wir werden aber nähere Vorstellung zur ferneren Besorgung an Dich ehestens abgehen lassen. Da ich heute wegen der ungünstigen Resolution in Brekkerfeld war, um unseren Herrn concipienten, Herrn Bürgermeister Goebel, nähere Gründe zu unserer neuen Vorstellung ausführlich darzulegen, kann Dir Onkel Peter Neueres schon erzählen und erhalst dann in einiger Wochen unsere neue Vorstellung zur Weiterbringung. Vorher begebe ich noch zu meinem, Freunde, dem Herrn Kriegs und Steuer Rath Eversmann nach Wehringhausen, um mir informations zu holen. Der gute Freund hält auch das Urteil seiner Regierung falsch, solches darf er aber nur mir sagen. Tanzen ist Anfang und Weg zu Ausschreitungen, besonders von Deinen Jahren, also! um Gelegenheit, wo Diebe macht, wie man zu sagen pflegt, muß man suchen zu verbannen, den Dein Onele in Lüdenscheid hat nie Tanzen gelernt und ist doch ein reicher Mann geworden! Kümmere und sorge nur für unsere Vorstellung. Dein lebelang habe Gott im Herzen und vor Augen und hüte Dich, daß Du in keine Sünde willigst, sondern handelst nach seinem Gebothe! Wenn meine Dir für die Zukunft gebenen Lehren Erinnerungen und Ermahnungen nicht befolgt würden, würde mir äußerst empfindlich sein und besonders lieber Sohn, Du Stütze unseres ganzen Hauses, ja das ganze Glück desselben seyn wirst Du, denk an unsere Vorstellung und halte Dich klug wie die Schlangen. Deine“ schwache Leides Konstitution, was Doktor Spiritus Dir sagte, wirst Du vorzüglich berücksichtigen müssen. Tanzen schadet da, nicht aber unsere Vorstellung, die doch auch der Stütze Deines Hauses dienen soll. Ich erwarte über eins als das andere mit ehestem Antwort. Mit Compliments für Deinen Herrn Prinzipal und dessen Frau Gemahlin. Wir grüßen Dich allesamt herzlich, ich aber verbleibe Dein aufrichtiger Vater. Diesem Brief folgt schon unter dem 20. September 1803 der folgende: Lieber Sohn! Als ich gestern am Teiche die neue Schmitte aufrichten hals, kam unsere Magd gelaufen und bracht mir die Nachricht, daß ich eine Militärexeeution erhalten hätte. Da ich mich nun nach Hause verfüge und mir die Order vorzeigen ließ, erfuhr ich, daß sie nicht eher abweichen sollten, als bis ich wegen des Hammerbaues 8 Thaler 45 Stüber Strafe und ihre Gebühren bezahlet hätte. Hierauf erklärte ich, daß da es Mittag. Ihnen als Freund und nicht als Executant zu bewirthen bereit wäre, aber keine Strafe und Gebühren zahle. Darauf erklärte der Sergeant, wenn Sie uns nichts zu essen geben, so können wir hier nicht bleiben, er verlange aber eine Bescheinigung, daß ich sie a. Freunde bewirte und keine Gebühren bezahle. Ich gab ihm solche Bescheinigung um so herzlicher als ja mein Freund der Rat Eversmann, welcher aber diese Execution hatte schikken müssen, mir gesaget hatte, daß die pp. Herrn Räte in Berlin einmal mehr von nichts Verständnis hätten, sondern einem gutem Patrioten nur die Arbeit verderbten. Gut getränket und auch gespeiset, zogen sie späterum ab. Was es nun weiter gibt, muß die Zukunft lehren. Du mußt nun aber vortragen, daß ich eine Civil aber keine Militär Erecution erwartet hätte, nun mußt Du auch der Frau Ober Finanzrätin Wehling compliments machen, so der Herr Geheime Ober Finatnzrat Wehling sich meiner Freundschaft nicht mehr erinnern will, so werde ich müssen zahlen. Weise ihn, den Herrn pp. Wehling nochmalens darauf hin, daß ich mit allen Reidemeistern gesprochen habe. alle halten die Entscheidung eines kal. Ministeriums für unendlich fälschlich, alle wollen sich bittschriftlich mit mir direkt an den Könia wenden, so das nicht umaeändert wird. Es schädigt doch die Steuern, die wir sollen immer zahlen, vom Dienen sind wir doch frei, so er keine Steuern bekommt, wovon will er denn regieren? Es erübriget sich nun nicht mehr, daß Du der Oberrätin Schinken bringst. Da wird ihr auch Freude machen. Zibe Dich aber mit Deinem besten Anzuge an. Deine liebe Mutter sogt Dir das durch mich besonders und dann mache ihr compliments, wie Du das von mir gelernt hast. PS. Die Schinken sind gestern abgesandt. Gruß und Freundschaft von Deinem aufrichtigen Vater. „Am, 10. November folgt von dem Sohne aus Berlin folgende Antwort: Berlin, den 1v. November 1805. Lieber Vater! Ihre abermalige Vorstellung, Briefe pp. habe im am 5. er. an ihre Adresse besorgt. Herr Geheime Ober Finanz Rat Wehling war außerordentlich freundlich und ganz unerwartet war mir die Art der Aufnahme, die mir in seinem Hause wiederfuhr. Er versicherte mir mehrmals, daß alles, was er bereits getan hätte, seine Pflicht erfordere und daß es sein Grundsatz wäre, entfernt von kleinlichem Eigennutze nach den hierin obwaltenden Provinzial und Landgesetzen zu handeln. Ich beantwortet dieses so höflich als möglich. Wir unterhielten und noch eine Zeitlang über allerhand Sachen und die Frau pp. Wehling, die sich besonders freundschaftlich zeigte, präsentierte mir ihre Schwester, die Vormalige Frau Postmeisterin Halfmann in Hagen, sie wohnt jetzt erst seit vorigen Sommer hier und hat ehedem einen Sohn bei dem Herrn Inspektor Bädicker in Dahl in Pension gehabt der jetzt in Memel auf einem Holzhandlungs. kontore arbeitet. (Schluß folgt.) Lammersche Streiche. Van Zeitz Linde. En Lammerschen Küatter har sie es met'ner schworen Kiepe voll Botterwecken op en Pad'emat nom Attendörnschen Matte. Ungerwiages küömmet hei bie en Oelper Buern, dei ouk nom Matte well met Piad un Kar. „Stieget op, Baddersmann.“ siett de Buer, „ieck niahme ink met.“ Unse Küatter klätert op de Kar, de Kiepe hölt hei ower oppe. „Nu, Baddersmann,“ siett de Buer no ner „settet doch de Kiepe dial. Son Dingen drücket op de Dur ganz wahne.“ „Jou, jon, Badder,“ meint unse Lammersche Küatter,„dat kann ieck ower doch nit verlangen. Et es wüötlek genaug, dat ieck es tan Danke föühern kann.“ Küömmet do es en Lammerschen in'en Laden: „Wat kosset de Häringe?“ „Stück vüär Stück en Groschen.“ „Un de Souße?" 7 „Dann daut mien Pott voll Souße.“ Wann me met so’nem Halfgeduaschenen te daun, hiat, do es nit viell met optestellen un wann t dann noch en Lammerschen es, dann es dei Sake fortens ganz verrattzt. Käpp was d’r son einen. Hei leit sieck tiargen ase'n Kienrüen. Am meiesten kunn hei ower giftig wären, wann sei„Dicksack“ rieger jahne sägten, wil at hei ok son richtigen Dubbeldicken was. Ens har hei es’ne Taschenuhr sefungen un har do'en grouten Spaß ane, bis dat hei es dian Infall kreig, dat Dingen an't Ohi te hollen, do was et am Aenge met'm Spaß. „Wat,“ sagte hei,„du verdammte Dingen, wat siehst du do? Dicksack. Dicksack, Dicksack? Wat? Du woß mieck ouk noch ärgern?" un karbatsch floug de Uhr an de Müer, dat se an dousend Schiarweln kaputt ging. Ens harn dei Lammerschen es en grouten Rotschlag'ehat, wat met diar ollen Esche am Dieke te daun wär.— Dei was am drönge wären im Toppe. Dei Lammerschen sind nü ümme Rot verlian ewiast, man blous düot was doch’ne döübelsche Sake Et leste hiat de Schulte do Rächte fungen: „Sei maut met'm Toppe int Water.“ „Jowuahl, ower mu dat anfangen?“ „Einfache Sake: Einer hänget sieck in'n Topp, diam geiht en andern an de Schuacken hangen un diam wier einer un so futt, bis dat sieck de Topp in Water böüget.“ „Jou, fou, richtig, richtig!“ raupet alle. Badder Schulte, du büs et stärkste, du maust in'n Topp.“ Dei Sake geiht luas. At diam Schulten ower es en Mann af twei=drei an dian Schuacken hanget. do weit et jahme arrig duanne: „Wart es en Ougenblick,“ räupet hei, Lieck maut es iawen in de Hände soiggen.“ Dat däut hei dann ouk un— trrrrr un plunsch, plunsch, plunsch, leit dei Lammerschen im Dieke, Verantwortlich: Ernst Lorenzen in Hagen. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Monatliche Beilage zur Hagener Zeitung Nr. 3 März 1929 Es war einmal ein stolzer Husar... Es war einmal ein stolzer Husar, Der liebt“ sein Mädchen ein ganzes Jahr, Ein ganzes Jahr und noch viel mehr, Die Liebe nahm kein Ende mehr. Es zog der Husar in ein fremdes Land, Indessen ward sein Liebchen krank, Es wurde krank bis in den Tod, Drei Tag' und drei Nächte sagt“ es kein Wort. Die Mutter sprach:„Du liebes Kind, Du weinst dir ja die Augen blind.“ „Ach, Mutter, hab doch um mich kein“ Not, Ich denke schon längst an meinen Tod.“ Da schrieb die Mutter wohl auf das Wort Schnell einen Brief an den Jüngling fort: Wenn er nicht käm sehr bald zurück, Dann war er um sein höchstes Glück. Als der Soldat die Botschaft bekam. Daß sein Feinsliebchen im Sterben lag. Da verließ er all sein Hab und Gut, Um zu sehen, was sein Liebchen tut. Als der Soldat zu Haus eintraf. Sein Liebchen schon im Sterben lag, „Gut'n Abend, gut'n Abend, mein lieber Knab', Mit mir ist's aus, ich muß ins Grab.“ „Ach, Mutter, bring' doch schnell ein Licht, Mein Liebchen stirbt, ich seh' es nicht.“ Drauf hat die Mutter ein Licht gebracht, Der Jüngling wachte die ganze Nacht. Und als der frühe Morgen kam, Kam auch der bittre Tod heran. Da schlief das Mädchen so sanft, so sein Wohl in des Jünglings Armen ein. (Aus der Sammlung„Das Volkslied im Volmetal“ von Fritz Linde.) Das Hagener Schulwesen in der Franzosenzeit. (1807 bis 1814.) Von Dr. Adolf Sellmann. Im Jahre 1799 hatte man in Hagen unter Leitung des Rektors Wiedemann, den man sich aus Gummersbach geholt hatte, eine neue Handlungs=, Bürger= und Lateinschule gegründet und große Hoffnungen für die Entwicklung des Hagener Schulwesens daran geknüpft. Johann Friedrich Dahlenkamp, der erste Prediger von Hagen und auch einige Jahre Generalinspektor der märkischen lutherischen Synode(1797 bis 1800). hatte in ausführlichen und weitsichtigen Denkschriften dem König von Preußen seine Erziehungs= und Unterdargelegt, die er nicht nur mit bezug auf das Volksschulwesen und auf die Lehrerbildung hatte. Er höfft, in Hagen selbst einen Teil seiner Pläne verwirklichen zu können. In Hagen wurde er in der Verwirklichung seiner Gedanken von Peter Harkort wirkungsvoll und umsichtig unterstützt. Außerhalb Hagens standen einflußreiche Männer, wie Freiherr vom Stein. Minister von Heinitz u. a. helfend und fördernd hinter ihm. Trotz alledem ist aus all diesen Plänen wenig geworsen. Selbst in Hagen sind die Schuldinge im alten Schlendrian weitergelaufen. Auch die Wiedemannsche neue Handlungsschule hat die Erwartung nicht erfüllt, die man darauf gesetzt hat. Woran lag dies? Sicherlich haben die politisch ungünstigen Verhältnisse uhnd vor allem die französische Fremndherrschaft die Entwicklung gehemmt. Allein diese störenden Einflüsse darf man nicht überschätzen. Der Zeitgeist der großen Masse stand noch nicht hinter pädagogischen Reformen; im Gegenteil, er hemmte am meisten. Wir gewinnen ein genaues Bild der Hagener Schulverhältnisse aus Akten des Hagener Stadtarchivs aus jener Zeit. Bürgermeister oder richtiger Maire Dahlenkamp. der Sohn von Prediger Dahlenkamp, mußte allmonatlich Polizeiberichte an den Unterpräfekten von Holtzbrink erstatten, worin üder viele Dinge, u. a. unter Rubrik 10 jedesmal über Hagener Schulwesen nühere Angaben zu machen waren. Mit dem Abschluß des Rheinbundes am 12. Juli 1806 ward Cleve=Berg zum Großherzogtum Infolge des Tilsiter Friedens vom 9. Juli 1807 wurde durch kaiserliches Dekret vom Mai 1808 die Mark mit dem Großherzogtum Berg vereinigt. Durch Verwaltungsordnung vom 18. Dezember 1808 wurde die Beaussichtigung des Kultus. des Unterrichts und der milden Anstalten dem Präfekten überwiesen. Der Minister des Innern Graf von Nesselrode in Düsseldorf verfügte am 4. April 1809. daß auch in den neueren Provinzen des Großherzogtume Berg, monatlich Polizeiberichte zu erstatten seien, in denen über verschiedenen Punkte jedesmal Aufklärung gegeben werden sollte. Punkt 10„chulen war noch näher erläutert durch den Zusatz:„Zahl der Schulkinder in jeder Schule der Gemeinde, Fortgang in der Lehre: öffentliche Prüfungen und Belohnungen, Veränderung in der Person des Lehrero. Mangel an Lehrern oder Lehrerinnen: Betragen derselben: Teilnahme der Geistlichkeit an der Bildung der Jugend.“ Diese so geforderten Berichte von dem Bürgermeister (Maire) Dahlenhamp sind noch vorhanden und gestatten einen genauen Einblich. Zur Munizipalität Hagen unter dem Präfekten von Holzbrink gehörte, und dies gehörte zum Departement der Ruhr unter dem Präfekten von Romberg. rechnete wie schon in früheren Zeiten neben der Stadt Hagen die Bauernschaften Wehringhausen. Eilpe Detstern ung Eppenhausen. Gleich im ersten Bericht über den Monat August des Jahres 1809 erfahren wir sehr genaue Einzelheiten der Hagener Schulverhältnisse. In der Hagener Munizipalität befinden sich außer der Handlungsschule vier privilegierte und zwei Winkelschulen. An den privilegierten Schulen sind gute und tüchtige Lehrer, und zwar an der protestantischen Schule zu Hagen Schullchrer Schemann an der kath. Schule Hagen Schullehrer Struck, an der protestantischen Schule Eilpe I H. C. Koch. und an der protestantischen Schule Wehringhausen Schullehrer J. C. Staudsandt. Die beiden Lehrer an den Windelschulen in Delstern werden nicht mit Namen genannt. Doch es wird angeführt, daß der Lehrer der Windel. schule in Delstern ein Oekonom, ein Biuer ist, der aber wenigstens regelmäßig Schule hält; dagegen wird von dem Lehrer zu Eppenhausen gesagt, daß er Handwerher sei, der das Wenige. was er selbst weiß, nur nebenbei beizubringen sucht. Der Schulbesuch, über den in jedem Monat berichtet wird. war durchaus nicht regelmäßig. Im Winter gehen mehr zur Schule als im Sommer, oft vielsach nicht mehr als die Hälfte. Schulzwang gab es noch nicht. Die Kinder, die die Schule besuchten, werden nicht ahs„schulpflichtig“. sondern als„schuifahig" bezeichnet. Gleich im ersten Polizeibericht vom August 1809 finden wir folgende Liste: Schulfahige Zur Schule Protestantische Schule Hagen Katholische Schule Hagen Protestantische Schule Eilpe Prot. Schule Wehringhausen Winkelschule in Delstern Winkelschule in Eppenhausen richt an seine vorgesetzte Behörde deutlich zum Ausdruck, daß ihm an der Hebung der Erziehung und der Schulen sehr viel liegt:„Bei dem unbzweifelten großen Einfluß. den die Erziehung auf den Menschen hat, ware es sehr zu wunschen, daß die Regierung sich dieses Gegenstandes mit Kraft und Nachdruck annähme. Vom„grohen Haufen" erwarttt er nichts:„Bisher konnte sehr wenig gewirkt werden, weil der große Haufe zu viel Einfluß hierbei hatte.“ Er seehrt dann fort: „Der Schullehrer, der Einsicht und guten Willen genug besaß, durfte in der Regel doch nicht vom alten Schlenorian abgeben, wenn er nicht be fürchten wollte, daß die Eilern ihre Kinder zu Hause behielten und sein ohnehin kärgliches Ein kommen geschmälert würde.“ Ueber die Prediger äußert er:„Die Prediger konnten nicht mitwirken. weil sie sich dadurch bei dem Volke verhaßt machten und die Verbesserung doch nicht durchsetzen konnten.“ Er hat sicherlich bei dem Niederschreiben dieser Zeilen an seinen alten Vater gedacht, der auf dem Schulgebiet so viel durchsetzen wollte und dann doch die Hand danon ließ. So blieb das Schulwesen auch in Hagen beim Alten, obwohl es hier noch weil! besser wur als anderswo. Maire Dahlenkamp macht aber in diesem Zusammenhang auch Besserungsvor. schläge. Er will die„elenden Schulstüber“ beseitigen und eine Schulsteuer einführen, durch die die Schullehrer von den Eltern unabhängig gemacht werden. Das war ja das Schlimme, daß da. mals jedes Schulkind noch von seinen Eltern die Schulstüber mitbringen mußte, um diese dem Lehrer in die Hand zu drücken. Er fordert schließlich, daß dem großen Hausen aller Einfluß auf die Lehrmethode genommen wird und daß die Eltern gezwungen werden, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Mit Einführung der Schulsteuer war eine große Schwierigheit beseitigt. Nun hatte der arme Mann nicht mehr die Schulausgabe zu scheuen. Auf die Eltern wurde immer mehr Druck ausgeübt, daß ne ihre Eltern zur Schule schickten. Die Schullehrer mußten auch genaue Berichte über die Kinder„der Armen“ einreichen, über ihre Versäumnisse über ihre Lernfortschritte, über ihr Betragen. Es ist rührend zu sehen, mit welcher Treue und Sorgfalt die Hageur Schullehrer dieser Vorschrift nachkommen. Wie schwierig die Dinge hier noch lagen, soll an einem Beispiel klar gemacht werden: Wilhelm vom Wege und auch seine Geschwister, die Kinder von Caspar vom Weg machten dem Lehrer sehr viel Sorge. Drei Monate waren sie im Sommer 1811 hintereinander aus der Eilper Schule weggeblieben. 1812 wird dann von Wilhelm vom Wege berichtet, daß er 13 Jahre sei und noch im Buchstabierensernen steckte.„Er ist erst gestern Nachmittag in die Schule gekommen und seit einigen Jahren gar nicht drin gewesen.“ Drei Wochen ist er dann gekommen und dann eine Woche wieder ausgeblieben. Trotzdem sagte der gute Lehrer über seinen Charakter:„Er scheint still und ordentlich zu sein.“ Beim zweiten Monatsbericht vom September 1809 kommt Maire Dahlenkamp auch auf die höhere Schule Hagens, auf die Wiedemannsche Handlungsschule zu sprechen. Es ist nichts Angenehmes, was wir da hören. Wir waren bisher wohl der Meinung, daß die französische Fremdherrschaft der Entwicklung viel geschadet habe. Doch die Sache lag tiefer. Wir lesen in diesem Septemberbericht vom Jahre 1809:„Die mit bedeutenden Aufopferungen in hiesiger Commune errichtete Handlungsschule könnte etwas Vorzügliches leisten, wenn die Organisation derselben zweckmäßiger eingerichtet wäre. Der jetzige Direktor(Wiedemann ist gemeint) scheint das Schulsach nicht zu lieben, und da er eine Handlung errichtet hat, die ihm nebst seiner Oekonomie sehr viel Zeit wegnimmt, so kann er sich seinem Amte nicht ganz widmen, und dies veranlaßt Verhältnisse unter den Lehrern, die auf die Schule einen nicht anders als nachteiligen Einfluß äußern. Wenn der jetzige Direktor seine Stelle quittierte und dem zweiten Lehrer Herrn Storck, einem sehr geschickten und dem Schulfach sich ganz widmenden Manne, die Direktion der Schule allein übertragen wurde, dann würde diese unstreitig ihrem Zwecke durchaus entsprechen. Durch eine solche Aenderung würde wenigstens der Wunsch der ganzen Commune und vorzüglich der dabei am meisten interessierten Eltern erfüllt werden.“ In der Tat, deutlicher konnten die Mißstände an der Handlungsschule nicht herausgestellt werden. Diese Beschwerde hat auch sofort geholfen. Direktor Wiedemann bekommt ein Schreiben von der Düsseldorfer Regierung, das für ihn sehr peinlich sein mußte. In einem Ministerial= reiurivt vom 18. November stand zu lesen, daß Direktor Wiedemann entweder seine Geschäfte, die er neden der Schule noch triebe, ganz aufgeben sollte. Wollte er dies nicht, so sollte er sich einen Gehilfen halten, der diese Geschäfte erledigen könne, damit seine Arbeitskraft ganz der Schule zugute käme. Wenn die Klagen über seine Person und über seine Arbeit nicht verstummen würden, dann würde erneut eine Untersuchung und seine Absetzung erfolgen. Dieses Schreiben hat sofort Ersolg gehabt. Direktor Wiedemann verläßt Hagen. Herr Storck wird Direktor, und bessere Schulverhältnisse am„Institut“. so nannte man die Schule, weil auch viele Auswärtige, die in Hagen in Pension waren, die Schule besuchten— treten ein. Die Regierung wird gebeten, grade diese Schule zu unterstützen. Storck nimmt sich schon 1810 einen neuen Gehilsen. ein Beweis, daß es wieder voranging Auch an andern Stellen merken wir, daß man in der Franzosenzeit sich wirklich und nicht ohne 13. hesgmnik lortianestenrnunig estane urnz gmn al zich auns uumg wusenaum Mnlausch un D ic un ien dunidusbnrach 1.n.u ur 9.119 bas 10 1 I. K 310 chenschule zu errichten. Die Kinder werden besonders zum Schulbesuch angehalten. Die Prediger werden ausgefordert, sich um den Schulinierrich: zu kümmern. Augun 1812 werden die Hagener Schulbezirke in ihren Grenzen genau fest Derjenige Lehrer von Hagen. der bei weitem die meinen Schulkinder hat, ist Schemann Lehrer an der protestantischen Schule von Hogen. Er schreibt im Augusbericht des Jahres 1812:„In dem jetzt laufenden Monat sind in meiner Schule Knaben 90, Mädchen 86. Summa: 176.“ Die Zahl der schulsähigen Kinder betrug damale in Hagen aif evangelischer Seite 250, so daß immerhin daein Drittel der Kinder die Schule nicht besuchten. .. In den Berichten werden alle Lehrer bis auf die Winkelschullehrer in Eilpe und Eppenhausen immer wieder sehr gelobt. So heißt es im Bericht vom August 1813:„Die angestellten Lehrer verrichten sämtlich ihr Geschäft mit allem Beifall.“ 1812 ist nochmals eine genaue Zählung der chulpflichtigen Kinder der Munizipakität Hagen Zorgenommen. Das ergibt folgende Zahlen: Protestantische Schule Hagen 269 Katholische Schule Hagen 87 Protestantische Schule Eilpe 156 Prot. Schule Wehringhausen 99 Winkelschule Delstern 53 Winkelschule Eppenhausen 72 Insgesamt: 736 .##e kommenden großen Weltereignisse sind nicht spurlos an dem Hagener Schulwesen vorübergegangen. Im harten Winter 1812/13 kommt das große Soldatensterben in Rußlands weiten Schneeseldern. Auch in Hagen hofft man aus Freiheit. Die große Schlacht bei Leipzig bringt Oktober 1813 scheidung. Dahlenkamp.vergißt November 1813 seinen Polizeibericht seinem Unterpräsekten zuzuschicken. Er bekommt deshalb ein Monitum. ' kommen dann neue Berichte und neue Aufrderungen, aber schon Dezember 1813 ist auf dem ormular der Vordruck„Großherzogtum Berg“, zbenso dos Bappen, ebenso der Titel„Unteräsekt" durchgestrichen. Eine neue Zeit beginnt. ie Schüler der Hagener Handlungsschule eilen zum Heer. Das Waffenspiel beginnt auch für die Markaner Jugend, sie will tätigen Anteil an den neuen Ereignissen haben. Das Schulwesen von Hagen trat hinter den großen Kriegsereignissen zurück. Erst später konnte man wieder an seine Förderung denken. Ortsnamen von Hagen und Umgegend. Von 1 Pastor zur Nieden. II. Südlich von dem Häuserring um die Kirche lag dus alte, mutmaßlich für sich befestigte, Haus zur Klippe. Der Platz nördlich war ein freier Versammlungsplatz. Hier wurden Beratungen gehalten und Beschlüsse gefaßt, auch wohl Gericht gehalten. Solche Plätze hießen anderweit wohl„Wohrt". Eine Oertlichkeit„in der Wohrt“ findet sich in Eilpe. Von der Marktstraße geht es zur Potthofstraße, wirder ein hochdeutsch verderbtes Wort. Der Fremde wird denken, daß hier ehedem eine Töpferei gelegen habe; aber dann würde der Platz „um Düppenbäcker“ heißen. Einen Platz gab es in Hagen, der diesen Namen trug, und die alten Leute werden sich noch des Töpfers entsinnen, der seine irdenen Töpse, Näpfe, Teller, Schüsseln dort auf der Scheibe drehte. Heute muß ja alles vornehm städtisch„Straße" heißen, auch solche Gassen, die auf diesen Namen eigentlich gar keinen Anspruch haben. Uebrigens ist„Gasse" im Grunde vornehmer als„Straße“. Man denke nur an die Eschenheimer Gasse in Frankfurt, wo der verflossene Bund tagte. Doch es ging nicht anders: „Am Düppenbäcker“ wurde in Düppenbeckerstraße umgetauft und durch diese Schreibweise der Verdacht genährt, daß dort eine Düppenbecke gesprudelt hätte. Der Potthof hieß und heißt noch heute bei den plattdeutschen Leuten„Im Puothauwe,“ richtig ins Hochdeutsche übersetzt:„Im Baumhofe". Der Tuchfabrikant Karl Moll hauste um das Jahr 1800 den Kotten, welcher— wenn ich mich recht entsinne— Volmerhof hieß und legte dort eine Baumhof an, in welchem er später das , Herrn Karl Kerckhoff gehörige Wohnhaus Jenseits der Volme liegt der Stadtteil, der den Namen trägt„Unter dem Berge“. Auf dem Berge lag ein Haus, dessen Besitzer Puppe hieß. Er war Frone, d. k. Amts= und Gerichtsdiener. Dieses Amt scheint in der Familie erblich oder herkömmlich gewesen zu sein; den Art und Name kommt in ziemlich weitauseinanderliegenden JahBerge war also stabtbehannt und hat der Hausergruppe den Namen Puppenberg gegeben. Aehnlich veryau es sich mit dem Namen Frusewinkel, wo ebenfalls ein Mann mit kamen Bruse wohnte, wie mit der Böhmer= straße. Ebenso hieß die Gartenstraße früher Rusingstraße. Es war eine sehr bekannte Ecke; dort ging der Feldweg zum Buschey hinauf, der als Leichenweg für den unteren Teil der Gemeinde diente. Außerdem gab es noch einen Winkel unter dem Berge, welcher der Winkelstraße den Namen gegeben hat, und ebenso in Eilpe(Killing im Winkel), gegenüber der Stennert, ehedem Stein. hardt geschrieben, was eine hochaufgeschobene Kiesbank im Flusse oder am Flusse bedeutet. Neuerdings ist in Wehringhausen eine Straße entstanden, welche den Namen„In der Beihe" trägt. Das Haus, das dort dicht am Pelmhebach stand hieß„In den Bäuken,“ d. i. in den Buchen. Es war von mächtigen Bäumen, soviel ich mich erinnere, Buchen, umgeben. Nun soll nach Jahrzehnten mal einer herausfinden, woher der Name kommt! In Wehringhausen ist auch eine Oertlich. keit„In der Pfefferhaube', zu einer„Straße“ ist sie bislang noch nicht erhoben worden. Der alte plattdeutsche Name heißt„in de Piepperhuowe", hochdeutsch„In dem Pfefferhose". Das Haus oder der Hof hatte mutmaßlich ehedem als Erbpachtzins eine Abgabe in Pfeffer zu entrichten. Diese Abgaben bestanden nicht nur in Roggen, Hafer und ähnlichen Erzeugnissen des Hofes, sondern auch in allen möglichen anderen Dingen, z. B. Wachs, Branntwein, Handschuhen u. a. Ein Hof in der Nachbarschaft hatte zu liefern außer Hafer und Gerste drei kleine Schweine,„die aus einem Schefsel springen konnten“, und 8 Hühner,„welche auf einen Stuhl fliegen konnten“. Höfe, die Pfeffer liefern mußten. kommen auch in anderen Gegenden vor. Die Vokale in dem Worte„Huawe" sind schwer zu schreiben und klingen innerhalb der kleinsten Bezirke schon verschieden: zu, ua. äu, „In de Hauwe“ heißt so viel als„Im Hose". Die„Werdestraße" hieß früher„Im Werde", d. i. aus der Flußinsel. Diese Flußinseln werden im Hochdeutich mit Werth bezeichnet Kaiserswerth. Nonnenwerth). Sie hätte also richtig hochdeutsch Werthstraße heißen müssen. Was man man einst aus der Werdestraße herausschnüffeln wird. ist nicht abzusehen. Es ist dabei zu bemerken, daß in jener Gegend Volme und Ennepe ein großes Flußzdelta bildeten mit verschiedenen oder einer großen Insel. Die Ansiedelung an diesem Wertb oder Werde bekam den Namen Werdehausen. dies ist die alte Namensform für Wehringhausen. „Ischerland“ ist nach meiner Mutmaßzung als Eisenland. Die Gräben auf der Hagener Heide sielen mir früher auf wegen ihres rost. braunen Wassers. Der Name stärkt die Vermurung, daß dort Rasenerz gegraben worden ist, wie an vielen Stellen der Umgebung. Die„Schanze" an vielen Stellen der Umgegend. Die„Schanze“ einstweilen liegen lassen und später darauf zurückkommen und am Rittergute Altenhagen, das in alten Zeiten der Familie Düding gehörte, über Echesey zur„Gellebrucke" wandern. Es ist ein Name. der mir in den alten Kirchenbüchern erst um 1700 herum entgegengetreten ist. Geitebrücke— wird mancher denken— ist leicht zu erklären. Es wird dort eine Eisengießerei gelegen haben, die der Brücke den Namen gegeben hat. Aber wenn die Hammerwerke dort auch alt sein mogen, eine Gießerei ist dort nie gewesen. Der Name hat einen ganz anderen Ursprung.„Gaiten“ ist die niederdeutsche Bezeichnung für das Laichen der Fische. Die heutige Geitebrücke lag früher enige hundert Schritte stromauswärts unmittelbar unter dem Wehr, welches das erste Wehr in der Volme ist, das die von der Ruhr aufsteigenden Fische zu überwinden hatten. Bei Hochwasser in der Herbstzeit stauten sich dort die Fische in großen Massen, und das Fischefangen war bei den ehemaligen gewaltigen Fischreichtum unserer Flüsse dann keine Kunst. Ein alter Mann, dessen Geburtsdatum noch erheblich hinter 1800 fiel, erzählte mir:„Wann de Fische am gaiten wären, dann lief alles von Hagen, von Herdecke, von Boele mit Luten und Hamen zu der Brücke und nahm Körbe voll mit So dekam die Brücke kurzweg den Namen „Geitebrücke." Berge, Bäche, Flächen. Fangen wir an mit dem Hagen überragenden. allen bekannten Goldberg. Es soll dort einst Gold gegraben worden worden sein. Bergwerksversuche sind dort— vielleicht in Verbindung mit dem Namen— offenbar einmal gemacht. Der Flurname heißt„am Dömberg". Als ortsgeschichtlich feststehend glaube ich annehmen zu dürfen, daß einst der steile Abhang des heutigen Goldberges mit alten mächtigen Eichen bestanden war. Als sie geällt wurden, besamte sich von dem darüberliegen. aus der Abhang mit Ginsterbülschen, welche in ihrer Blütezeit den Berg vergoldeten. Wenn man dazu nimmt, daß der oben 18. Jahrhunderte sind. Des Die Hagener sind auch in späterer Zeit in Ortsbezeichnungen recht erfinderisch gewesen. Manche Namen sind gekommen und gegangen, andere sind geblieben. Ich will nur erinnern an den Namen„Krim“. Die so benannte Fabrik wurde in den Jahren des Krimkrieges gebaut. Hinter dem Platze wurde eine Notbrücke über die Ennepe geschlagen und die nötigen Bausteine an der „Philippshöhe“ gebrochen. Als man die Schüsse aus dem Steinbruche in Hagen hörte und verwundert fragte:„Was ist denn das?“ antwortete ein Witzbold:„Das ist der Kanonendonner von der Krim.“ Aehnlich war es mit der„Düppeler Schanze“, die im Jahre 1864 entstand. Der Ziegeleibesitzer Schlickmann hatte auf der Höhe am Rande der Hagener Heide ein Feld abgeziegelt und einige Wohnungen dort gebaut. Der Bauernhof des Bauers Middel, dessen Besitzung gleich binter der Altenhagener Brücke lag, grenzte an diese Häuser. Um ihn vor ihren Bewohnern zu schützen, haufte Middel eine Partie alter Eisenbahnschwellen und stellte sie als Palissadenzann um die Höhe herum. Vom Bahnsteig aus hatte man damals völlig freien Durchblick zu dieser Höhe, und die Fremden, die sich nach dieser seltsamen Befestigung erkundigten, bekamen die Antwort:„Das ist die Düppeler Schanze!" Der Name setzte sich durch, wurde aber hernach vornehm in„Düppelstraße" verwandelt. Im russisch=türkischen Kriege entstand der„Schiphapaß“, als Bezeichnung für die gefährliche enge Eisnbahndurchfahrt in Altenhagen. (Schluß folgt.) Wanderung durch die Erdgeschichte unserer Heimat. von Dr. Hermann Budde. 11. Schluß. . Nachdem wir unser Heimatgebiet nach den verschiedenen Richtungen hin durchwandert haben, möchte ich noch kurz einige anschließende Wanderungen andeuten: 1. Rummenohl— Brügge.(Siehe 4.) Wir finden auf dieser Wanderung die gleichen Gesteinsschichten wie in 4. Von Rummenohl aus. wo wir die rötlichen, grauen und dunklen Tonschiefer der Hohenhöfer Schichten beobachten, treten wir in die mehr dunklen Schiefer der Hobräcker Schichten, die wir bis Flatzkamp, unterhalb Schalksmühle, anstehend finden. ein. Eine alte, erste Flußterrasse der Volme liegt auf dem linken User, dem Walzwerk bei Dahlerbrück gegenüber. Die Grauwacken der Mühlerder=Schichten erkennen wir wieder bei Schalksmühle. Einige Steinbrüche, besonders an dem Wege zur Glörsperre, geben uns einen guten Einblick. Nachdem wir auf unserer Weiterwanderung links den Klagebach hinter uns gelassen haben, treten wir in die Brandenberg=Schichten(wie Ambrockh) ein, einige Diabasganze können hier aufgesucht werden. Oberhalb Lauenscheiderohl. wo wir auf dem linken User nochmals eine Talterrasse (Strücken) erblicken, dann aber begleiten uns weiterhin bis kurz über Noltenhammer die andenberg=Schichten. Nun führt uns unsere bis nach Brügge in die Honseler Schichten hinein. Das ganze Gelände um Lüdenscheid gehört diesem Gestein an. In allem sehen wir auf unserem Wege eine Wiederholung der von uns auf der Wanderung in 4. hennengelernten Gesteinsschichten. Diese Wiederholung ist nicht, runderbar, denn sie erklärt sich aus dem galtenbild 2 in 4.; wir durchqueren nämlich den Südflügel des Remscheid=Altenaer Sattels. Anmerkung: Die Gegend um Breckerfeld liegt im Bereich der Hohenhöfer Schichten, die auch die Straße von Breckerfeld bis Reckhammer begleiten(unterhalb Schemm. an der Biegung, links oben, ein angebrochener Diabasgang), von Rechhammer bis Priorei Hobräcker Schichten. 2. Letmathe— Altena. Wanderung 7. führte uns bis zum Massenkalk bei Letmathe. Von hier (Landstraße verfolgen, ab Ausgang Grüne=Aal, unterwegs die gewaltigen Steinbrüche im Massenkalk. weiße Kalkspatadern.„Vater und Nonne") dis Altena durchwandern wir die gleichen Gesteine wie von Delstern bis Dahl=Priorei=4., Nordflüge! des Remscheid=Altenaer Sattels. Der Baumbewuchs auf den Hängen links der Straße kann uns leicht zeigen, wo der Massenkalb aufhört und die Lenneschiefer, zunächst Honseler Schichten beginnen.(Auf Kalb spärlicher Baumwuchs und rankender Efeu). Den Phönixwerken gegenüber, ein breiterer Fußweg nach Pillingsen hinaufführt, beginnen die roten Schiefer und graugelben Grauwacken der Brandenberg=Schichtn. Ein starkes Verwerfungsquellwasser kömmt gleich hinter den ersten Häusern herabgeflossen. Der Ort Nachrodt liegt auf der dritten Lenneterrasse, nur wenig über dem heutigen Wasserspiegel. Jenseits der Lennebrücke steigen wir zur SBSS treren wir vor dem Eisenbahntunne! in die Mühlenberg=Grauwacken hinein. Beim Bahnhof Einsal verlassen wir die Landstraße und gehen über die Terrassenlehne(Kirchhof! Nachfragen!) auf einem Fahrweg entlang, westlich der Gleise, zum Kreinberger Bach. Hier an alten Teichen vorbei etwas talaufwärts. Der 500 Meter lange Einsaler Diabasgang. Die Schlucht entstand auf der Suche nach Brauneisenerzen. Zurück zum Talausgang und dann in Richtung Opperhusen, Altena(nachfragen!).„Am Halse“ vor Altena zum Teil noch MühlenbergGesteine, dann am Bahnhof Hobräcker Schichten. Der Burgberg setzt sich aus Hobräcker Schichten zusammen. Vor dem Burgeingang, wo die Straße rechts eingeschnitten ist, liegt Diadasgenein aufgeschlossen. Aussicht von Ruine Schwarzenstein! Tief eingeschnittene Täler! 3. Westig über Gundwig. Zeisenmeer— Hönnetal. Ueber die Bildung und Erscheinungen des Massenkalkes sprachen wir in Fünftens. Zu emp. sehlen ist der Besuch der Heinrichshöhle in Sundwig. In ihr kann man noch sehr gut den Lehm betrachten, den das Wasser, das ursprünglich die Höhle durchfloß, abgelagert hat. Zum Teil liegt auf dieser Lehmschicht eine Tropfsteindecke; in dem Lehm sieht man an verschiedenen Stellen die mit dem Wasser zusammengeschwemmten Knochen der damaligen Tiere liegen. Höhlenbärenskelett im Restaurant! Knochensammlung am der Höhle. Im Felsenmeer müssen wir auf die beiden Teile achten! Der nördliche Teil, das große Felsenmeer mit seinem tiefen Trichterloch, verdankt seine Entstehung dem Einsturz unterirdischer Hohlräume; der ostwestlich verlausende, langgestreckte Teil stellt in der Hauptsache die von ihrer Lehmschicht durch Wasser befreite Oberflächen. sorm des Massenkalkes dar. Würde man anderswo auf der Kalkhochfläche künstlich den Lehm wegraumen, entstände ein ähnliches Bild. Auf dem Wege vom Felsenmeer nach Deilinghofen überblicken wir die weite Ebene des Massenkalkes Der Lehm stellt einen fruchtbaren Ackerboden dar. Wegen der Wasserarmut entstanden hier keine Ansiedlungen. Die Dörser und Gehöfte liegen erst am Rande des Gebietes. Ein wasserloses Tal führt uns ins Hönnetal hinab. Das Hönnetal mit seinen steilen Felsen ist weniger durch die eintiefende Tätigkeit der Hönne entstanden. als vielmehr durch den Einsturz vom Wasser geschaffener, langgestreckter Höhlen. Zu beobachten ist das Versickern der Hönne bei trockener eZit in der Nähe Binolens und das Wiedererscheinen am linken Bachufer oberhalb Klusenstein, unterhalb der Feldhoshöhle. Auf dieser Strecke durchfließt das Hönne wasser eine Höhle. Zusammenfassender, letzter Ueberblick über das Paust, Besamtgebiet. Die mannigfaltigen Landsformen unserers Wandergebietes sind, geologesprochen, jungen Alters, denn ihre Herausgestaltung beginnt erst am Ende der Tertiärzeit, als die Hebung einer früheren Fastebene erfolgte. Damals wurde auch unser heutiges Flußnetz anDie Flüsse folgten im allgemeinen der Abdachung des Gebietes von Südosten nach Nordwesten. Die größten Höhen unserer durchquerten Heimat liegen im Süden bei 400 Meter und bewegen sich im Norden zwischen 150 und 200 Meter. Siebe Karte Figur 1. sie ist ein Längetal.——.— Wir wollen uns nun noch einmal den wechselvollen Landschaftsformen zuwenden. Sie sind ja ein Spiegelbild der verschiedenen Gesteinsbeschaffenheiten des Untergrundes, denn die härteren Gesteinsarten setzen den abtragenden Kräften einen größeren Widerstand entgegen, als die weicheren und ragen daher überall weit höher empor. Im Süden unseres Wandergebietes liegen die Lenneschiefer. Ihre Grauwacken und Schiefer sind recht widerstandsfühig. Darum haben wir hier die größten Höhen. 300— 400 Meter Einen auffallenden Gegensatz dazu bildet die Landschaft des Massenkalkes, nördlich davon, 200 Meter. Sie reicht von Hagen=Emst östlich bis zur Hönne. Der Massenkalk löst sich verhältnismäßig leichter im Wasser auf. er unterliegt alio einer stärkeren Abtragung. Nördlich vom Massenkalk schließt sich ein noch tiefer liegendes Gebiet an. Seine Ausgestaltung verdankt es den weichen Schiefern des Oberdevons. Die oberdevonische Senke verläuft von Eppenhausen über Elsey, Letmathe. Oestrich nach Drösecke=Hemer. Nördl'ch dieser Senke steigt zu einem scharfen Höhenzug der Culm mit seinen harten Kiepe= und Plattenkalken an. Dieser Rücken ist schon nöndlich Eppenhausen zu erkennen, klar und deutlich tritt er aber erst östlich der Lenne mit der Humpfert hervor. Der weitere Norden unseres Wandergebietes gehört dem Flözleeren an. Es ist eine wellige Landschaft. Besonders stark ist die oberste Zone der Flözleeren, die Zone der weichen Ziegelschiefer, eingekreist. Die Landschaft des Flözleeren beginnt im Westen bei Berge, Volmarstein und reicht über Tücking, Vorhalle und Hagener Heide. Boele nach Osten zur Berchumer=. Reher=, Schälker= und Grürmannsheide hin. Nördlich von dieser Senke erhebt sich der aus harten Sandsteinen bestehende Werksandsteinrücken des produktivne Karbons von Wetter über Kaisbera. Herdecke bis zur Hohensyburg. Eine große Störung in unserem Gebiet liect an der Ennepe. Hier liegt Lenneschiofer unmittelbar neben Flözleeren. Es sehlen Massenhalk, Oberderon, Culm. Erklärung VIII. Zum Schluß noch ein paar Worte über den Zusammenhang zwischen geologischem Aufbau und Pflanzenwuchs. Besiedelung, Bodenwirtschaft. Die Lenneschieferrücken und=kuppen sind bewaldet und unbesiedelt, denn die Hänge sind steil und der Boden i steinig. Die Hochflächen zeigen Einzelgehöfte und Dörfer, die Ebenheit des Geländes lud zum Ackerbau ein. Die Täter stellen wichtige Verkehrslinien (Quertäler) dar und weisen darum lebhafte Besiedelung auf. Die Massenkalkhochfläche mit ihrer Lehmdecke ist ein Ackerbaugebiet, wegen der Wasserdurchlässigkeit des Gesteins fehlen aber durchweg Niederlassungen, diese liegen erst am Ronde. Eine Reihe von Dörfern liegt in der Oberdevonsenke, die fruchtbares Anbaugelände darstellt. Die schroffen Culmrücken sind bewaldet. Im Flözleeren steht auf den Sandsteinrücken mehr Wald, Nadelwald. ursprünglich war hier auch viel Heide vorhanden(Sandboden). In den Senken treffen wir altes Sied. lungsgelände an. Auf den Volme= und Lenneterrassen mit ihren Lehmböden wird überall Ackerbau betrieben. Unser ganzes Wandergebiet läßt sich am klarten vom Schälker, Aussichtsturm auf der Humpfert aus überblicken(VII.). Und nun Glückauf! Verkeidigung des geschmählen Westfalens. gie Pubracht ier date briher die Aate r Lauf ist nicht zufällig entstanden, sondern durch esteinsbeschaffenheit und Verwerfungen bedingt In unserm Gebiet folgt sie hauptsächlich den weichen Schiefern des Flözleeren. Zwischen WetterWitten durchbricht die Ruhr den Werksandsteinrücken. Nördlich von Eckesey mündet die Volme in die Ruhr. Die Volme folgt bis Hagen der allgemeinen Abdachung nach Nordwesten, dann wendet sie sich. an die sogenannte Hagener= und Volmetalverwerfung gebunden, plötzlich nach Norden hin. Die Enneve betritt unser Gebiet am Westrande. Auch sie folgt bis Milspe=Gevelsberg der allgeminen Abdachung, diegt dann aber, da sie in das Bereich der Ennepestörung(8.) eingetreten Ist, scharf nach Osten, dieser Störung folgend, um. Von Dr. Lehmann. Heute haben wir es glücklicherweise nicht mehr nötig, unser geliebtes Westfalenland zu verteidigen. Die Bedeutung Westfalens in wirtschaftlicher und intellektueller Beziehung und die Schönheit seines Landes wird heute von jedermann anerkannt. Das ist nicht immer so gewesen. Im Gegenteil, vor dem Jahre 1800 standen Land und Bewohner Westfalens im schlechten Ruf. und es war ernste Arbeit nötig, um diese Vorteile zu beseitigen. Eine ganze Reihe von gewichtigen Personen sind hier zu nennen, die im 18. Jahrhundert Westfalen geschmäht haben. Wir wollen da vor allen Dingen Boltaire nennen der durch Westfalen gereist ist und dann in seinen Reise=Erinnerungen die Schale seines giftigen Spottes über Land und Leute von Westfalen ergossen hat. Auch Friedrich der Große muß hier genannt werden, der auf das Gesuch eines Westfalen, der um eine Stelle warb, schrieb:„Nein, er kann sie nicht haben, denn die Westfalen haben gar kein Genie.“ Herder, der sich in so genialer Weise in Menschen und Verhältnisse einfügen konnte, schrieb. in den Briefen zur Beförderung der Humanität:„Ich habe auf unserer Reise(1783) fast ganz Westfalen gesehen und gewiß, wenn Gott seinen göttlichen Hauch den Menschen verlieh, so muß diese Nation wenig davon bekommen haben, daß man wohl fragen möchte, ob diese Nation denkende und erstarrte, schließlich zu einem Vorurteil, das nur durch die allmähliche und ernste Arbeit beseitigt werden konnte. . s o l l z u g e s t a n d e n w e r d e n, d a ß t a t s ä c h l i c h i n früheren Zeiten in Westfalen die Verkehrs= und Wegeverhältnisse schlecht und die Schulen und Bildungsanstalten minderwertig waren. Im 18. Jahrhundert sind alle diese Verhältnisse besser geworden. Vor allem ist es dann auch die erwachende und sortschreitende Industrie gewesen, die bedeutsame Besserungen auf allen Lebensgeliieten herbeigeführt hat. Infolgedessen war es an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts nicht mehr so schwierig. Weftfalen zu preisen und zu rühmen Vor allem waren es die neu erstehenden Zeitschriften und Taschenbücher usw., die planmäßtig Westfalen von den alten Vorurteilen zu befreien suchten. Wir nennen hier vor allem den„Westsälischen Anzeiger“ der vom Jahre 1798 ab von den Gebrüdern Mallinckrodt in Dortmund herausgegeben wurde. Im Jahre 1801 erschien das erste„Westsälische Taschenbuch“ in Minden, wo im Prolog eine gut gelungene Verteidigung der westsälischen Heimat zu finden ist: „Aus Wephalen kommst Du, dem Lande der Schinken und Würste, Armes Taschenbuch Du, wie wird es Dir wohl ergehen? Kann aus Westphalen, dem seisten und wohlernährenden Lande, Etwas kommen, was noch mehr als Körper verspricht? Sind da die Menschen auch Menschen? Sind's nicht vielmehr Troglodyten, Ichthnophagen, und wie sonst man die Untiere nennt. Die an den Ufern der See Moräste und Sümpfe durchwaten“ usw. Wir fügen noch zwei Verteidigungen hinzu, die, soweit wir sehen können, noch gänzlich unbekannt sind. Die erste stammt von Pfarrer Wilhelm Aschenbach=Kronenberg, dem späteren Herausaeber des„Hermann“ und findet sich in den Niederrheinischen Blättern 1802, Seite 430. Es heißt dort folgendermaßen: „Lang und viel hat unser Westfalen, und besonders der große Strich zwischen Rhein und Weser, unter unbilligen Vorurteilen gelitten. Man glaubte es von Natur eben stiefmütterlich behandelt, als von seinen Bewohnern vernachlässigt. Nur den Gegenden, welche der Rhein bespült. und dann einem kleinen Bezirk unfern der Weser— ließ man Gerechtigkeit widerfahren. Das übrige warf man alles in eine Kategorie, und machte es zum Symbol eines elenden Landes. Der berühmte Justus Lipsius, der auf einer Reise vor länger als 200 Jahren im nördlichen Weftfalen, und auf einem armseligen Dörschen festregnete, war der erste Tonangeber. Zwar antwortete ihm der ehrliche Hamelmann auf eine kräftige Weise: allein seine Stimme reichte nicht so weit, wie die seines allgepriesenen Gegners. Späterhin übte Voltaire, dem es bekanntlich ganz einerlei war, worüber er spottete, wofern er nur Lacher fand, an uns seine beißende Laune. Friedrich der Zweite— denn bei dieser Gelegenheit möcht ich ihn nicht aren den Großen, oder den Einzigen nennen— stimmte treulich in den Ton seines Freundes: er, der doch die Sache etwas besser hätte wissen sollen, und der in eben diesem Weftfalen Länder voll treuer Unterthanen besaß, die, um seinetwillen, jahrelang litten und duldeten. Freilich ist es mahr, daß es im Innern von Weftfalen. im Münsterschen unw. große Moräste, unabsehbare Haiden giebt. auf denen der Wind, wie in den Wüsten von Afrika. Sandberge zusammen. weht, und wieder auseinanderstiebt; wo die einzelnen Familien. völlig isoliert, halbe und ganze Stunden voneinander entfernt wohnen: wo Menschen und Thiere unter ein und demselben Dach wohnen; wo die sittliche Kultur kaum beoonnen hat. Freilich gibt es Gegenden, wo die Dörfer aus elenden Hütten bestehen, und selbst in Städten die Reinlichkeit noch sehr vermißt wird.(Letzteres ist auch vorzüglich in einigen preußischen und kurkölnischen Orten der Fall). Aber— fleht es in den lüneburgischen und brandenburgtschen, in den pommerschen und niederlausizischen Haiden besser aus? Giebt es nicht gleich armselige Dörfer um das stolze Berlin, um das schöne Kassel herum? Findet man ihrer nicht selbst im gesegneten Süddeutschlande genug?. Und wo im heiligen römischen Reich fehlt es an kleinen schmutzigen Landstädten? Von der großen Revublik wollen wollen wir vollends schweigen. Westfalen verdient also das vornehme Nasenrümpfen nicht, welches ihm so oft zu Theil ist. Hingegen, wo ist in Deutschland die Benutzung und der Anbau des Bodens weiteraetrie. ben, als in unsern nördlichsten Provinzen? Wo oibt es eine blühendere Industrie und einen sichtlicheren Wohlstand, als in den pfälztschen und als in einem großen Theil der vreußischen Besitzungen ufw.? Auch hat die Paveer unser Oertolen sichr ohne