GOEPANO „xIBTISATZsagabocPininngon elbelbebbaaöuöaane * 0•—T B □.— 9S„ET SS S3 3 3 -—" 2.70—x—2 5 ———„„ 2—5— FSSEE SJgS N 1—— 2.— Oa 5 * R* 3 Sn 2 — B0— S2.9s S E: " G.— 2.2— 22 —* — 2. 883 S Sc 9—2 * B *** 7 E•— TSES S: FS.2.T " s85 S: — —„ *• □— * 9928S S 308 5885 ####S#. # o E Am: 31E S. SFOSBSG p9.a.0 • 0 0 9 3* * O 9 S55251 E! S— S###gg #ang S1 9— 2#TEES a gg.OhüE - S „S rs.- S. 9.8* S## * 9 O P En 60 00• O 6 F. □ S 5 7 8. S-Sgec S9532 S 8. 9• # E* Von Jul. Büscher. Wir sehen es heute als etwas Selbstverständliches an, daß jeder einen Familien= und einen Vornamen hat. Das war durchaus nicht immer so. Wann die Familiennamen entstanden sind, läßt sich nicht genau feststellen; denn wir wissen von den An“ sängen des deutschen bürgerlichen Lebens verhältnismäßig wenig. Die Völker des Altertums hatten nur einen Namen, der etwa unserem heutigen Vornamen entsprechen würde. Bei unseren Vorfahren ist es genau so gewesen. Um nun Leute mit gleichem Namen unterscheiden zu können nannte man noch ihren Wohnort, den Geburtsort. den Beruf oder eine besondere Eigenschaft des betreffenden dazu. Dafür einige Beispiele aus den heutigen Aemtern Milspe und Voerde aus dem Jahre 1480. Peter den Hesterberghe= Peter auf dem Hesterberg; Heynken to Berlynkhusen= Hein„u, Berninghausen; Hans to Aalhusen= Hans zu Ahlhausen; Johann van den Eyken— Johann von dem Eiken; Heynken th Hyndenberge= Heinrich auf dem Hinnenberg; Telman tor Schuren= Telman aus Schüren; Mesmecker to Wyllynkhusen der Ressermacher zu Willringhausen; den Wutte to Doylholte— der Weiße auf Dürholz; dey Dove in de Hembecke= der Taube in der Hembecke.— Jahre 1631 finden wir schon mehrfach Vor= und Familiennamen: Dirich Hesterbergh, Elbert Jellinchuß. Ties Kerckhoff, Michell Flueß u. a.; daneben aber kommt auch noch die gleiche Namensart wie die von 1486 vor: Hamman to Bilstein, Hans tom Loe, Hans zu Altenvorde, usw. Es scheint also, als ob in der Zeit von 1486 bis 1631 in der Enneperstraße ein merklicher Schritt zur Anwendung der heutigen Namensform getan worden ist während im übrigen feststeht, daß anderswo, besonders in den Städten, etwa von 1300 ab, schon der Familienname etwas festes war und sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbte. Es haben verschiedene Umstände zur Entstehung unserer bürgerlichen Haus= und Familiennamen beigetragen. Vor allem haben das Gewerbe und das Handwerk die Namensbildung stark beeinflußt. So entstanden die heute noch in der Enneperstraße vorhandenen Familiennamen: Schmidt, Sichelschmidt, Hammerschmidt, Neuschmidt, Schlösser Kaufmann. Jäger, Förster, Wildschütz, Müller, Möller, Schneider, Schuhmacher, Krämer. Ackermann. Pflüger. Fischer, Schreiner, Weber, Bäcker, Schäfer, Steinhauer, Burmann, Biermann u. a Die Namen Timmerbeil, Reifenrad, Hammer, Nagel, Blankennagel u. a. deuten auf einen bestimmten Beruf hin.— Die Namen Schwerter und Spießmacher erinnern an ein Handwerk, das heute nicht mehr vorhanden ist.— Oft sind es auch Oertlichkeiten— Wald, Busch. Heide oder Hedt. Hain, Acker, Kamp, Bach oder Becke, Fluß, Kolk u. a.— gewesen, die zur Namensbildung geführt haben: Grünewald, Buschmann, Buschhaus, Büscher, Bilstein, Acker. Hedtmann, Hedtfeld, Hedtstück, Bilstein, Rüggeberg, Bachmann, Langenbach. Ischebeck, Rutenbeck, Rutenkolk, Hülsenbeck. Griesenbeck Schemmann, Brüggemann, Brückhäuser, Altenhain, Kampmann, Winkelmann, Häusgen ukw.— Auch ist der Ursprung mancher Namen in der besonderen geistigen oder körperlichen Eigenschaften der Stammväter zu suchen, wie z. B. Fröhlich, Frei, Fromme, Trost, Gnad, Lang, Lange, Schmale, Dicke, Dickertmann, Speckmann, Langbehn, Weißhaupt, Kraushaar, Glatthaar, Kruse, Alt, Junge u. a.— Besondere Fähigkeiten verliehen ihren Besitzern die Namen Wettlaufere, und Renner.— Weiter entstanden Familiennamen von Farben: Schwarz Weiß, Grun, Braun, Roth, Grau. Vermutlich haben hierbei manchmal die Haar= und Hautfarbe oder die Kleidung Einfluß gehabt auf die Namensbildung. An die Aemter der Vorfahren erinnern die Namen Schulz, Schulze, Meier, Richter, Wächrer, Köster, Pfaff, Burgmann, Schriever, Sänger.— ## Tiernamen sind vielsach übernommen worden: Wulf, Wolf. Voß, Fuchs, Löwen, Hirsch, Finke, Falke, Bock, Vogel, Geier, Huhn, Hahn, Schaaf, Rieke, Mieze, Maus, Lämmer u. a. Es ist anzunehmen, daß hier manchmal eine besondere Wesenseigenart zur Namensbildung Anlaß gab: Fuchs lau, listig; Löwen= stark, mutig usw. Vielleicht hat aber eine andere Deutung dieser Namen mehr Berechtigung. Im frühen Mittelalter hatten die Häuser in den Städten keine Hausnummer, sondern zur Unterscheidung Bilder aus der Tier= und Pflanzenwelt.- z. B. Hirsch, Bar, Rose u. a. m. Von den Häusern ging nun dieser Name auf die Besitzer über: Rose= Röse, Rösener. Uebrigens finden wir noch heute in Städten mit reicher geschichtlicher Vergangenheit alte Gasthausnamen wie„zum Löwen",„zum schwarzen Bären",„zur blauen Rose“(Haspe).— Ferner spielen auch Vornamen, die teils biblisch, vaterländisch oder von fremden Nationen entlehnt sind, bei der Namensbildung eine Rolle: Paulus. Paul Richard— Reichhard, Klaus. Bertram, Michels, Klemens, Hermanns, Otto, Heinrichs. Wilhelmi, Friderizi. Jakobi. Albers. Adrian u. a.— Die Erklärung. Ein frisch Zugezogener slel auf alNeuling, und man nante ihn kurz nach seiner Heimat.— Namen, deren Ursprung man auf die obengenannte Weise nicht ersorschen kann, oder die nicht aus dem Lateinischen stammen, sind wahrscheinlich die ältesten von allen, und ihre Abstammung verliert sich im Dunkel der Zeiten. Manche Namen haben im Lause der Jahrhunderte eine vielfache Umformung, Verstümelung oder Abkürzung über sich ergehen lassen müssen, so daß eine klare Deutung kaum möglich ist. Viel la#t ferner zur Veränderung mancher Namen die oft nachlässige Führung der Kirchenbücher in früheren Jahrhunderten beigetragen. Den Küstern, die oft kaum schreiben konnten, wurden häufig diese Arbeit überlassen. War nun der Küster oder Pfarrer noch dazu ein Ortsfremder, so entstanden oft die unglaublichsten Entgleisungen, zumal wenn sie die plattdeutsche Sprache nicht beherrschten. Dafür lassen sich aus Kirchenbüchern unserer Heimat viele Beispiele bringen. Auch die Namen der zugewanderten Ausländer hat man oft aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit stark verunstaltet.— Weniger bekannt ist vielleicht, daß die jüdischen Familiennamen kaum ein Jahrhundert alt sind. Noch um 1800 führten die Juden in Deutschland und den benachbarten Ländern nur einen, und zwar alttestamentlichen Namen: Nathan, Levi, Moses, Aron u. a. In Frankreich hatte Napoleon schon früher den Juden die Notwendigkeit der Annahme eines Familien= namens auferlegt. Im preußischen Staat wurden die Juden durch das Edikt vom 14. März 1812 zu Staatsbürgern erklärt mit der Bestimmung, daß sie feste, bestimmte Familiennamen annahmen. In vielen Fällen haben die Juden die Namen der Städte und Dörfer angenommen, in denen sie geboren waren. Vielsach wurden auch Namen aus dem Pflanzen= und Tierreich übernommen. gssaubert sind, ohne Umstände abzutreiden. underdoktor logiert beim Gastwirt Lueg.“ Es entstand um diesen Wichline". Es entstand um diesen Wichlinghofener„Menschenfreund“ ein großer Streit der Meinungen, der zum Teil auch im Westfälischen Anzeiger ausgetragen wurde. Aber zur Ehre unserer Vorfahren sei hier gesagt, daß die Vernunft siegte und Linden. schmidt über die Grenze abgeschoben wurde. Ein Eßlöffel Praxis. 4 Kurpfuscherei in Herdecke im Jahre 1806. Von Jul. Büscher. Das Geschlecht der Kurpfuscher ist uralt und heute leider noch recht lebensfähig. Immer noch ist die auf das Kurpfuschertum schwörende Schar derjenigen, die nicht alle werden, bemerkenswert groß. Scheinbare„Erfolge“ der Vertreter dieser edlen Zunft werden in aufdringlicher, schamloser Reklame all den Kranken, die vielfach bisher erfolglos in ärztlicher Behandlung waren, mitgeteilt, und es ist zu natürlich, daß diese armen Menschenkinder in ihren Nöten und Aengsten sich häufig diesen Schädlingen der Menschheit anvertrauen, um dann vielfach vollends zu Grunde zu gehen. In Blüte stand die Kurpfuscherei zu Ende des 18, und Anfang des 19. Jahrhunderts, also mitten in der sogenannten Aufklärungszeit. Von Ort zu Ort zogen diese Volksbeglücker und boten auf Jahrmärkten oder in Wirtshäusern ihre„Künste" und „Heilmittel" zu teuren Preisen an. Ein typisches Beispiel für das Gebaren eines solchen Medizinmannes in damaliger Zeit bringt der Westfälische Anzeiger, das führende westfälische Intelligenzblatt jener Zeit, in einem Bericht aus Herdecke unter dem 19. Mai 1806 in folgender drastisch=humorvollen Weise:„Einem geehrten Publikum in= und außerhalb Westfalens, so weit diese Blätter gelesen werden, ja der ganzen Welt wird hierdurch bekannt gemacht, daß der berühmte Wunderdoktor Lindenschmidt von Wichlinghofen im Bergischen seit einigen Tagen sich hier aufhält. Der ganze Ort ertönt von dem Geschrei:„Wunder! Wunder! Wunder!". Die umliegende Gegend ist bis auf meilenweit in Bewegung, Kranke, Krüppel, Lahme, Taube, Blinde— mit einem Worte, Gebrechliche aller Art strömen von allen Seiten hinzu und werden zum Teil auf Schubkarren herbeigeschoben; Pferde, Kühe, Kälber, Ziegen, Schweine usw. nichts ist ausgenommen: alle finden— Hülfe! Lahme tanzen, Krüppel hüpfen wie Lämmer, Preßhafte aller Art fühlen Erleichterung, Taube hören, Blinde sehen, und— Sehende sind blind! Zwar.— oh, unseliger Geist unseres prüfenden Zeitalters!— gibt's Menschen— glücklicherweise ist ihr Häuflein klein,— welche von allen diesen Wundern nichts glauben wollen, und vor dem Geschrei: Mirake!! Mirakel! ihre Ohren verstopfen. Ja, wer sollte es denken?! Dieser Wohltäter der Menschheit ist sogar auf Veranlassung eines benacbarten Arztes in Arrest gesetzt und wegen seiner wohltätigen Bemühungen um's hiesige und auswärtige Publikum zur Untersuchung gezogen worden. Indessen hindert dies nichts. Durch die Güte der Polizei genießt derselbe vollkommene Freiheit, selbst in seinem Arreste für bares Geld Wunder zu tun. Er geruhet, für die Kleinigkeit von 1 Stüber bis 1 Reichstaler gewöhnliche Fehler mit einem Worte— mit einer Berührung zu heilen. Hätte aber jemand das Unglück, am Verstande zu leiden, so hilft er für die Bagatelle von 50—80 Talern— gewiß. Vorzüglich werden aber diejenigen aufgefordert, die durch Hexerei bezaubert sind oder dergleichen an ihrem Vieh wahrnehmen, sich diesem Wunderdoktor nur getrost anzuvertrauen, denn er Von Wilhelm Lienenkämper. Herscheid=Schönebecke. Wochenende! Das Stahlroß=trägt uns aus dem Steinmeer der Großstadt hinaus zur grünen Mutter Natur. Wir lehnen den Kopf ans Fenster und genießen die köstliche Freiheit des Sonnabendnachmittags. Kein Ferngespräch, kein Geschäftsbesuch kann uns erreichen. Im bunten Wechsel fliegt die Sauerlandlandschaft an unserm Blick vorüber. Hier fesseln die mächtigen Kronen uralter Eichen, wie sie hie und da noch bei Bauernhäusern und Adelsitzen wachsen, dort ruht das Auge auf dem blaugrünen Polster der Grummetwiesen. Hinler der Kurve grüßt ein Gehöft: Weißgetünchte Mauern, grüne Fensterläden, Akelei und Nelken in dem Bauerngarten. Das Strohdach mit dem Moospolster weiß wie alt das Haus ist. Dies friedevolle Bild will uns mit den Gedanken in die Vergangenheit des Märkischen Sauerlandes ziehen. Jedoch — Mauxion! Das ist Schokolade, für 60 Reichspfennige zu haben in jeder Konditorei. Auch jede anständige Wirtschaft führt sie in ihrem Schränkchen, welches auf der Theke steht. Damit das alle Leute wissen, hängt an den„Kläidielen“ der Scheune ein riesengroßes Plakat, gelb mit zwei blauen Strichen, und schaut in das stille Tal hinein. Wir leben unter anderem im Zeitalter der Reklame! Das Ziel ist erreicht. Was sind das für Buden, die dort den Weg zum Gasthof einrahmen? Andenkenbuden. Geheiligte Stätten des Spießbürgertums aller Zeiten. Hier ersteht soeben eine holde Maid ein perlmutterbekleidetes Miniaturdenkmal: Andenken an die Hohensyburg! Der pietätvolle Wandersmann schlägt seinen letzten Stocknagel ein; undankbar wäre es, nicht jener Blumenvasen in Gestalt einer am Rücken offenen Kuh zu gedenken, die sich mit bewundernswürdiger Fügsamkeit in die Flanken brennen läßt: Erinnerung an die Hohensyburg. Albernheit und Geschmacklosigkeit sind das gemeinsame Merkmal fast aller jener Gegenstände, aus denen sich der Inhalt der Andenkenbuden zusammensetzt. Diese Tatsache ist ebenso allgemein bekannt, wie sie unausrottbar erscheint. Was aber unsere Aufmerksamkeit besonders fesseln muß, ist die betrübliche Zunahme der sogenannten Schmetterlingskunst. Ihr hohes Ziel ist, von den bunten Faltern, die sich in taumelndem Fluge über die Wiesen schaukeln, möglichst viele aufs Totenbett zu strecken und diese Massenschlächterei zur Grundlage eines neuen Gelderwerbs zu machen. Da liegen kleine, ovale Handspiegel in Metallfassung, auf deren Rücken ein zierlicher Bläuling eingelegt ist, das Stück für nur 1,50 RM. Daneben messinggesaßte Untersetzer mit farbenprächtiger Rosette unter Glas, die erst bei genauerem Zuschauen als aus Flügeln verschiedener Schmetterlinge zusammengesetzt erkennbar ist, falls das Auge nicht schon das beiliegende Schildchen gelesen hat: Ausschließlich garantiert echte Schmetterlingsflügel! Hunderte, ja Tausende von Schmetterlingen müssen für jedes einzelne dieser„Kunstwerke“ geopfert werden. Dementsprechend gestallet sich auch ihr Preis. So begegnen wir diesen Schöpfungen hauptsächlich in den Verkaufsständen der Badeorte, wo ein genügend zahlungsfähiges Publikum vorüberwogt. Also auch wir, das Volk der Dichter und Denker, sind auf dem Wege zu amerikanischen Verhältnissen, wo der Modeunfug bereits den Gipfel der Verstiegenheit erklommen hat, und wo die Frauen schon lebendige Schildkröten und Schlangen als Schmuck tragen. Was soll uns diese Moralpredigt lehren? fragst du, lieber Leser. Jeder Mensch ist als Verbraucher und Käufer all der tausend Dinge, die zu des Leibes Notdurft und Nahrung gehören, in der Lage, Umsatz und Beschaffenheit der erzeugten Güter mirzubestimmen, somit auch der eigenen Lebensauffassung Geltung zu verschaffen. Jeder Groschen, jedes Markstück ist gewissermaßen ein Stimmzettel, durch dessen Abgabe wir unsern ganz persönlichen Willen ausdrücken können. Freunde der Heimat, gebt Euern Stimmzettel nicht der Interessentengruppe, die den Gelderwerb über die Unverletzlichkeit der Heimat stellt Hundert ausgestopfte Vögel hatte der Privat= gelehrte. Tausend aufgespießte Käfer, die er immer noch vermehrte. Und wer zählt die Schmetterlinge, die er tötete und spannte! Daher kam es, daß ihn jeder einen HauptNaturfreund nannte. Fliegende Blätter Nr. 4395.) v o* un 55 6— S 8 8 O S 2 G 60 de gener Monatliche Beilage zur Hagener Zeitung September 1929 Verantwortlich: Ernst Lorenzen in Hagen. Stadt und Burg in Westfalen. Von Dr. Dr. Dr. Lappe, Lünen. Stadt und Burg des Mittelalters dienten dem gleichen Zwecke: Sie waren militärische Stützpunkte, von den Landesherren zum Schutze ihrer Territorien möglichst auf den Landesgrenzen angelegt. Aelter war in der Regel die Burg. Schon vor dem Kampfe um die Landeshoheit in Westfalen, der mit der Aechtung Heinrich des Löwen(1180) einsetzte, erbauten die geistlichen und weltlichen Großen. Burgen und legten zur Besatzung Burgmannen hinein, denen sie als Sold für ihre Dienste Burglehen gaben. Diese Plätze waren meist nicht sehr stark befestigt, auch die Zahl der Verteidiger war nicht groß, so daß sie einem ernsten Angriffe auf die Dauer nicht widerstehen konnten. Einnahme aber führte entweder zur Zerstörung oder zur dauernden Besetzung durch den Gegner. Um dem vorzubeugen, legten die Landesherren zum Schutze der Burgen in unmittelbarer Nähe Städte an, deren Bewohner die Aufgabe hatten, Burg und Burgmannsckaft zu verteidigen. Einige Beispiele mögen diesen Vorgang veranschaulichen. Die Fredeburg, so genannt, weil der Platz nach der Befestigung aus dem Gerichte und der Verwaltung des umliegenden Landes als selbständiger Bezirk herausgenommen,„gefreit“ wurde(also Fredeburg— Freiburg), wurde auf einem steilen Felsen durch die Edelherren von Bilstein im südlichen Sauerlande angelegt. Nur von einer Seite führte ein Weg hinauf. und hier war die Burgmauer durch und ein starkes Tor mit Zugbrücke verstärkt. Um aber den Aufstieg zu sperren, wurde an dieser Stelle unmittelbar vor der Burg eine Stadt angelegt, die den Zweck hatte, den ersten Ansturm aufzufangen und die auf dem Gipfel liegende Burg zu decken. Auch der Weg zur Burg Blankenstein führte durch die Stadt, die zuvor genommen werden mußte, ehe der Feind zum Angriff auf die Burg schreiten konnte. Burg und Stadt Blankenstein bildete so besondere Festungen, die nur durch einen tiefen und breiten Graben von einander getrennt waren. Ein gleiches Verhältnis bestand in Wetter, so daß hier die Stadt mit Recht die„Vorburg“ genannt wurde. Dasselbe Befestigungssystem finden wir in Volmarstein, Arnsberg, Hallenberg, Gallenhardt, Wünnenburg und Eversverg. Die Burg lag auf einem steilen Felsen, der nur von einer Seite zugänglich war und somit nur von dieser Stelle aus angegriffen werden konnte. Hier erbauten die Landesherren eine Stadt, damit die Anmarschstraße gesperrt wurde und die Bürger als die Garnison der Stadt die auf der Höhe liegende Burg schützten. Abweichende Verhältnisse ergaben sich in ebenem Gelände, wo von allen Seiten der Angriff gegen die Burg vorgetragen werden konnte. Hier wurden Burg und Stadt von demselben Festungsringe umschlössen, waren also zusammengebaut. und zwar in der Weise, daß die Burg, die einen kleineren Umfang hatte, an einer Ecke oder Biegung lag, wie in Menden und Werl. Es brauchte also von den Burgmannen nur der Teil der Burgbefesti gung, der nach außen lag, verteidigt zu werden, während die andern Seiten durch die Stadt gedeckt waren. Trotz dieses engen Zusammenhanges waren Burg und Stadt scharf getrennt, ursprünglich durch einen Graben, später auch durch eine Mauer, und dieser räumlichen Scheidung entspracht die Selbständigkeit von Burgfreiheit und Weichbild: Hier die Stadtgemeinde, dort die Burgmann schaft. Bei einigen Städten fehlte die Burg, hier lagen die Burgsitze zwischen den Bürgerhäusern im Weichbild. So gab es in Kamen 10 Burghöfe mit Wohnund Wirtschaftsgebäuden, ebenso in Unna, mit geraumigen Höfen und Bauten, die zum Teil noch heute bekannt sind, in Lünen, Werne, wo sie als massive Gebäude(„Steinhäuser") von den bürgerlichen Fachwerkhäusern sich abhoben, und an andern Orten mehr. Aber auch von diesen Städten bildeten die Burgmannen eine besondere Genossenschaft, die nicht dem Stadtgerichte unterstand und der Stadtgemeinde selbständig gegenübertrat, waren daher frei von den Bürgerpflichten des Grabens und Wachens, d. h. der Anlegung und Verteidigung der Festungswerke, sie zahlten Rittersteuer, nicht Landschatzung, sie brauchten einer Vorladung vor das Ratsgericht nicht zu folgen, hatten aber auch keine Gerichtsbarkeit über die Bürger. Um diese Unabhängigkeit zum Ausdruck zu bringen, sanden sich Rat und Burgmannschaft bei Verhandlungen an einem neutralen Orte, z. B. in Salzkotten in der Kirche zur Beratung zusammen, und daher führ ten die Ritter in der Stadt so gut wie die Bürger gemeinde ein besonderes Siegel. Seit dem Ausgange des Mittelalters verloren infolge der Umwälzungen auf dem Gebiete des Heerwesens, die zu einer Verdrängung der Feudalheere durch Soldtruppen führten, auch die Burgen bei den Städten ihre Bedeutung. Nur in seltenen Fällen wurden sie wie in Münster durch Bernhard von Galen zu Zitadellen ausgebaut, um dadurch die trotzige Bürgerschaft der Stadt niederzuhalten und Aufstände durch die Geschütze, deren Mündungen ununterbrochen auf die Straßen der Stadt gerichtet waren, im Keime zu ersticken. Einzelne Burgen blieben dadurch erhalten, daß sie zu Residenzen der Landesherren umgebaut wurden. So verweilten die Kurfürsten von Köln während ihres Aufenthaltes im Herzogtum Westfalen gern im Schlosse Arnsberg, das am Ende des siebenjährigen Krieges auch der Besetzung durch die Franzosen von Ferdinand von Braunschweig zerschossen und zerstört wurde. Zum Sommeraufenhalte wählten sie mit Vorliebe die Burg Menden, in der sich heute eine Brennerei befindet. Auch im Schlosse Werl. das erst im 19. Jahrhundert verkauft und abgebrochen wurde, haben sich die Erzbischöse von Köln oft aufgehalten. Wieder andere Burgen dienten nach Durchführung der erforderlichen Veränderungen für die landesherrliche Verwaltung als Amtshäuser, wie in Dringenberg und Lüdingnausen. Zuweilen wurden sie einem Burgmann als Erblehen gegeben und dann in Gutshöfe umgewandelt, auf denen noch heute alte, adelige Geschlechter sitzen, z. B. in Borgholz, Peckelsheim und Wöhrden im Paderborner Lande. Die meisten Burgen wurden jedoch von den Rittern verlassen, weil sie zwecklos geworden waren und den seit dem Ende des Mittelalters gesteigerten Ansprüchen an Wohnlichkeit und Behaglichkeit nicht mehr genügten, und waren so dem Untergange geweiht. Da sie nicht mehr verteidigt werden konn. ten. waren sie eine Gefahr für die Stadt, indem der belagernde Feind sich darin festsetzen und von hier aus den Angriff gegen die Stadt vortragen konnte und wurden deshalb von den Bürgern vollständig abgetragen, wie die Burg Schmallenberg. In der Regel gingen sie einem allmählichen Verfalle entgegen und dienten dann als Steinbrüche, indem die Quadersteine herausgebrochen wurden, so daß die innere Mörtelschicht als Ruine z. B. bei Hachen und Eversberg abgetragen waren, wurde der Burgraum als Baugrund für Neusiedlungen benutzt, wie in der Freiheit Bödefeld im Sauerland oder mit Bäumen bepflanzt und in eine Anlage umgewandelt. z. B. bei Neuenrade. Einige Städte, denen in der Regel die verfallenen Burgen von den Landesherren überlassen wurden, verlegten dorthin ihre Friedhöfe, so daß die Stätte, die früher vom Waffenlärm widerhallte, zum Ruheplatze der Toten wurde. Ueber den Namen„Westfalen“. Ueber den Namen Westfalen sind schon mancherlei Untersuchungen angestellt. Es haben auch früher darüber manche Streitigkeiten stattgefunden. Wenn die Sache klipp und klar auch heute noch nicht entschieden werden kann, so interessiert es doch, was früher Gelehrte in dieser Frage behauptet haben. H. Kampschulte, Pfarrer in Alme, spricht sich in der Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, die von dem Verein für Geschichte und Altertumskunde herausgegeben wird, im ersten Band vom Jahre 1864, Seite 139. folgendermaßen aus:„Wenn wir über den Namen unseres engeren Vaterlandes Westfalen uns aussprechen sollen, so kann nach unserer Ansicht über den ersten Theil des WortesWest, kein Zweisel mehr bestehen. Es war dem alten Sachsenvolke, welchem die Westfalen angehörten, durchaus eigenthümlich, daß es die Bezeichnung von Land und Leuten am liebsten von der Lage und Wohnung derselben nach irgendeiner Heimathsgegend hin entnahm. Die zweite, prosodisch lange Silbe fal ist nun sehr passend in Verbindung gebracht mit dem altsächsischen: dwalen, welchem das englische: dwell, das dänische: dwaele, das althochdeutsche twelen und das neuhochdeutsche weilen entspreche. Die Westsalen sind also jener Theil des deutschen Sachsenvolkes, welcher im Gegensatze zu den östlicher wohnenden Ostsalen, im Westen weilte oder wohnte. Für diese Erklärung wird auch der interessante Umstand angeführt, daß das noch im Englischen vorkommende dwelling auffallend an die Wortsorm: Westsälinger erinnere; bei den Ostfalen finden wir die entsprechende, aber abgebürzte Form: Osterlinger. Besonders wichtig ist hier aber noch der Umstand, daß der Bocia Saro=nicus selbst diese Abteilung zu inoiziren scheint. Obgleich Dichter selten gute Rathgeber in etymologischen Fragen sind, so dürfen wir die Beschreibung der gens Saxonum unseres Poeten doch nicht außer Acht lassen, da er, wie uns dünkt. ex professo die Namen der drei großen Sachsenvölker erklären will. Die unser Land berührenden Verse lauten: Denique Westfalos voritant, in parte mancntes Oecidus, quorum non longe terminus amne A Rheno distat. Wir glauben, daß die gegebene Erklärung des Namens Westfalen allen Anspruch auf Beachtung hat. " In nuester Zeit ist dagegen die Erklärung J. Grimm's sehr beifällig begrüßt, und auch von unserem gefeierten Historiker Seibertz als das Sinnreichste von Allem bezeichnet worden, was bisher zur Deutung unseres Namens beigebracht sei. In der Edda wird nämlich einem der drei Söhne Odins, dem Beldegg, die Herrschaft über Westfalen beigelegt. Damit wird dann in Verbindung gebracht, daß die angelsächsischen Genealogien dem Voden als Nachkommen(im 6. Grade) den Westerfalena beilegen, der auch Westfalen genannt wird. Aus Westfalca soll dann Westfali oder Westsalai (Lex. Sax.) entstanden sein. Ob aber unser Name aus der Mythologie, oder umgekehrt die letztere aus dem Namen gebildet sei, wäre noch zu fragen. Sinn= und geistreich ist diese Aufsassung allerdings; aber mit Ueberzeugung theilen können wir sie nicht. Aus allen übrigen Erklärungen heben wir nur der Curiosität halber die des alten Weygand heraus, der den Namen Westfalen von dem weizen Valen ableitete, den die Herzoge von Altsachsen im Wappen führten. Sicher gab doch nicht das Abzeichen dem Lande den Namen, sondern weit wahrscheinlicher gab der Landesname die Veranlassung zur Entstehung des Wappens, wenn überhaupt zwichen beiden eine Verbindung dieser Art besteht. Was noch den Namen Westfalens als„Land der rothen Erde“ angeht, so ist die Bodenfarbe Westfalens entschieden nicht rother gefärbt, als die der Nachbarländer; ja namentlich im Süden herrscht die rothe Färbung im Gestein und Boden erst recht jenseits unserer Grenzen. Wir geben hier eine Hypothese wieder, die mindestens so viel Werth hat, als manche andere. Die„rothe Erde“ bildet einen Gegensatz zu der terra salica und zu der fränkischen Erde. Jene ist das Land der Unterworfenen, diese das der Herrschenden. Ein Analogon bildet Roth=Rußland, Noth=Croatien, gegenüber einem Weißrußland und Weißcroatien, deren letztere ebenfalls den ersteren früher bevorrechtet gegenüber standen. Die Geschichte Westsalens würde es allerdings erklärlich finden lassen, weshalb unser Volk gerade diesen, scheinbar wenig ehrenvollen Namen festgehalten habe.“ Soweit die Darstellung von Pfarrer Kampschukte. Der Name Westsalen hat einen eindeutigen Sinn schon im 6. und 7. Jahrhundert nach Christi Geburt bekommen, wo als Westsalen derjenige Teil des Sachsenvolkes bezeichnet wird, der westlich wohnt, im Unterschied von den Engern und Ostfalen. Den Umsang für das Westfalenland genau zu beschreiben ist unter Umständen schwierig, weil die Grenzlinie in den verschiedenen Jahrhunderten schwankend gewesen ist. Die Provinz„Westsalen“ ist bekanntlich erst im Jahre 1816 in ihrem heutigen Umsang festgelegt. Das erste märkisch=westfälische Gesangfest in Iserlohn. am 27. September 1846 und seine Bedeutung. Von. Jul. Büscher. An einer anderen Stelle dieser Blätter ist bereits in bezug auf die Geschichte der Gesangspflege in unserer engeren Heimat darauf hingewiesen worden, daß man erst um die Zeit nach den Freiheitskriegen von dem Gesang als Volkskunst reden könne. Die auf den ersten staatlichen Lehrerbildungsanstalten der Mark, die im Jahre 1806 zu Soest und Büren gegründet worden waren, gesar lich geschulten Lehrer, die sich zunächst nur untereinander zwecks Förderung des Kirchengesangs zu Gesangvereinen zusammenschschlossen, machten sich bald vertraut mit den Liedern derjenigen Komponisten, die besonders nach den Freiheitskriegen * noal Vue M it slnc ihre, das deutsche Nationalgefühl in nie geahnter Weise fördernden Schöpfungen dem deutschen volk schenkten. Mit Eiser betrieben sie etwa von 1840 ab im Verein mit Gesangsfreunden die Gründung von„Liedertafeln", wie man ansangs sämtliche Gesangvereine bezeichnete, und machten die herrlichen Liederschöpfungen von Schumann, Mendelsohn, Kreutzer, Silcher, Abt, Zöllner, Schubert und vieler anderer zum Volkseigentum. Das deutsche Lied wurde auch in der Mark zum tiefsten und reinsten Brunnen deutscher Volkskraft. So bedeutet die Gründung dieser Liedertafeln einen wichtigen Markstein in der Entwicklung der Gesangspflege in unserer Heimat. Ueberall in der Mark. wo es nur eben sich ermöglichen ließ, entstanden Liedertaseln, die neben der Gesangspflege in der Förderung der Sangesgeselligkeit und der Beredelung der Gemeinschaft ihre Bedeutung sahen. Bald hatten diese durch das Streben nach gleichen edlen Zielen sich verbunden fühlenden Gesangvereine das Bedürfnis, an einem gemeinsamen Ort einander sich zu begrüßen. Und am 16. August 1846 sehen wir die Vertreter der Liedertaseln von Hamm, Unna und Hagen zugleich auch im Auftrage der in der Umgebung ihrer Heimatorte bestehenden Vereine in Iserlohn über das Zustandekommen eines märkisch=westfälischen Gesangfestes beraten. Iser sohn wurde als Festort gewählt. Die Vertreter meldeten 421 Sänger an zur Teilnahme an dem Gesangfest, welches auf den 27. September fest gesetzt wurde. Iserlohn hatte damals noch keine Eisenbahnverbindung. Die einzige vorhandene Bahn der Mark, die Köln—Mindener Bahn, war erst bis Kamen durchgeführt, so daß die Mehrzahl der Sänger das Opser einer größeren Marschlei. stung oder einer unbequemen Wagenfahrt zu brin gen hatte, um am Feste teilnehmen zu können Das ist mit ein Beweis für die große Begeisterung, mit der man der Pflege des Gesanges zu widmen sich bemühte. Bevor die weitere Bedeutung des ersten märkisch=westfälischen Gesangfestes hier dargelegt wird, sei das wesentlichste des Festberichts, der im Oktober 1846 in einer Heimatzeitung erschienen ist, wiedergegeben. Das erste märkisch=westfälische Gesangsen zu Iserlohn. Die Sängerfeste sind ein Zeichen der Zeit, vorzüglich aber in unserm Deutschland. Was in einsamer Muße die schöpferische Kraft des Dichters und Komponisten hervorgebracht, das eilt jetzt auf den lauten Markt des Lebens und mahnt, tröstet und weckt das Volk. Auch Westfalen, das oft verschrieene und verhetzerte ist nicht zurückgeblieben in der Bewegung, auch in allen seinen Marken ist das echte, deutsche Volksleben wieder erwacht, auch Weftfalens Sänger schlossen ihren Bund. Am eigentlichen Hauptfesttage, Sonntag, dem 27. September, versammelten sich in den Morgenstunden die Sänger zur letzten Probe. Um ein Uhr sand im Festzelte das Mittagessen statt, wozu sich außer den Sängern eine große Menge Teilnehmer eingefunden hatte. Das Mahl war für den Prei= ziemlich gewöhnlich und die Bedienung nicht besser. An einem solchen Tage entschuldigt die große Zahl der Gäste allerdings einigermahen die Unregelmäßigheit der Bewirtung, doch darf die Nachsicht derselben nicht zu sehr in Anspruch genommen werden, wie es hier mitunter geschah. Den ersten Trinkspruch brachte das Mitglied des Festvorstandes, Herr Justizkommissar Schede von Hamm Sr. Majestät dem Könige aus,„dem Gerechten, unter dessen Schutz sich auch der Bund der Sänger gebildet hat,“ Herr Oberlandgerichtsassessor Korte, der Dichter des Westfalenliedes, ebenfalls Mitglied des Vorstandes, feierte hierauf in einer längeren Rede den märkisch=westsälischen Sängerbund. Er zeigte in blaren, bestimmten Worten, welche höhere Bedeutung der Sängerverein habe außer dem Zwecke der Geselligheit. Der Glanzpunkt der ganzen Tasel war aber der Toast des Herrn Justizkommissars Schuchard von Iserlohn auf das edle, hart bedrängte Schleswig. Hierauf trat der Männergesangverein von Hagen unter seinem wacheren Dirigenten Herrn Lehrer Cornelius Flüs auf und trug in gelungener Weise das Nationallied der nordischen Herzogtümer„Schleswig=Holstein meerumschlungen“ vor. Die Wirbung dieses Liedes war ergreisend, außerordentlich lang anhaltendes Bravo belohnte die unermüdeten Sänger.— Nach Herrn Schuchard trat ein Mitglied der Dortmunder Liedertasel auf und verlas ein von ihm versaßtes, kräftiges Gedicht, das allgemeinen Beifall erntete. Hierauf wurde mit kräftigen Worten den Mitgliedern des Festvorstandes, den Herren Korte, Schede aus Hamm, Staab aus Unna, C. Riepe und C. Elbers aus Hagen ein„Lebe hoch“ ausgebracht in dankbarer Anerhennung der Mühe und Sorgfalt, mit welcher diese Herren das Fest eingeleitet sund geordnet hatten. Auch der Armen wurde gedacht bei dem fröhlichen Mahle,„jener Brüder, die an unserer Freude nicht teilnehmen können, die darben wäh. rend unserer festlichen Tase!!“ Manche Gabe siel auf den Sammelteller. Um 5.30 Uhr sand das große Konzert, bestehend aus Vorträgen der vereinigten Sänger, statt. Eine unübersehbare Menge Zuhörer füllte die weien Räume des Festzelkes un lautloser Spannung die ersten Töne. Endlibrauste der Choral„Herr, unser Gott, wie groß bist du“ durch den Saal und übte eine ergreifende Wirkung aus, die bei besseren akustischen Verhältnissen noch größer gewesen sein würde. Es folgten die Vorträge einzelner Vereine. Allgemein bewundert wurde das„Lied von der Loreley“, eine liebliche, gefällige Komposition, die ausgezeichnet exakt vorgetragen ward. Das Lied„die Kapelle“ ist reich an Schönheiten und verfehlte durch den Vortrag seine Wirkung nicht. Auch das von Mendelsohn komponierte Lied„Wer hat dich, du schöner Wald,“ ist voll schöner Musik. Das Abendlied„Ueber allen Wipfeln ist Ruh'“ wurde ausgezeichnet mit Gefühl vorgetragen. Den Schluß machte das Arndtsche Lied„Was ist des Deutschen Vaterland". Reicher Beifall lohnte die Sänger Am zweiten Festtage, Montag, den 28. September, versammelten sich die Sänger um 9 Uhr in der Festhalle, um die Vereinsstatuten zu beraten, wozu der Festvorstand einen Entwurf ausgearbeitet hatte. Nachdem dieselben festgesetzt worden waren, schritt man zur Wahl des Vorstandes für das nächste Jahr. Dieselbe fiel auf die beiden Mitglieder desselben, die Herren Riepe und Elbers aus Hagen, und auf die Herren Musikdirektor Breidenstein, Hüttemann und Lührmann von Dortmund. Darauf begann das Konzert mit dem Gesamtvortrage aller Sänger„O Isis und Osiris" (hox, aus der Zauberslöte). Demselben folgten elvorträge der Gesangvereine von Altena, Arnsberg, Behringhausen, Dortmund, Hamm, Lippstadt, Rüggeberg, Vörde, Schwerte, Witten und Hagen; nachdem die Gesangvereine des letztgenannten Ortes das Konzert mit dem Chor aus „Zar und Zimmermann":„Greifet an!“ beschlossen hatten, wurden sie von den Zuhörern aufgefordert, das an dem vorigen Tage gesungene Lied„Schleswig=Holstein, meerumschlungen!" nochmals vorzutragen, das einen solchen Beifall erntete, daß am Schlusse die meisten Zuhörer mit einstimmten. Einen ganz besonderen Beifall erhielt der Gesangverein Rüggeberg durch den Vortrag Tyroler Lieder, wie„Bin i nit a lustiger Schweizerbub" u. a., und die Liedertafel von Börde durch das Brummlied mit Brummstimmen und Chor von A. Neithardt, worin sich der Bassist Herr Dan. Schulte durch seine schöne klare und klangvolle Stimme auszeichnete. Nach Beendigung des Konzertes erhob sich unter den Zuhörern Herr Alexander Löbbecke und brachte dem märkisch=westfälischen Sängerverein ein„Lebehoch", das O.=L.=Assessor Korte mit einer Dankrede an Iserlohn für die ausgezeichnete freundliche Aufnahme der Sänger erwiderte, Abends feierten die in Iserlohn gebliebenen Vereine einen“ schönen Ball in dem GesellschaftsHaus; derselbe wurde noch durch mehrere sehr schön ausgeführte Vorträge der Arnsberger und Dortmunder Liedertafel und durch verschiedene sehr gefällige, vom Herrn Reserendar Vagedes aus Arnsberg mit Guitarrebegleitung vorgetragene Gesangstücke verherrlicht. So endete das erste märkisch=westsälische Sängerfest. Nur ungetrübte Heiterkeit delebte die ganze Feier. Wünschen wir, daß das zweite, wahrscheinlich in Dortmund stattfindende Fest sich ebenso großer Teilnahme zu erfreuen haben möge, daß es ebenso schön ausfalle, denn„das Schöne blüht nur im Gesange!" Soweit der Festbericht. Liest man ihn und vergegenwärtigt sich dabei die revolutionären Iserlohner Ereignisse von 1849 gelegentlich der Einberufung des Iserlohner Landwehrbataillons, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß gewisse Beziehungen zwischen dem Gesangsest von 1846 und den Geschehnissen von 1849 bestehen. Da sind zunächst die Namen Schuchard, Elbers und Löbbeke. Die Justizbehörde macht 1849 besonders Schuchard für die Ereignisse in Iserlohn verantwortlich, während Elbers beschuldigt wird, Hagener Revolutionäre auf dem Wege nach Iserlohn geführt zu haben. Auch Löbbeke wurde wegen vermeintlicher Beteiligung an den Unruhen unter Anklage gestellt.— Die große Begeisterung für den Freiheitskampf der Schleswig=Holsteiner gegen die Dänen hatte ihren tiefsten Grund in der Tatsache, daß dieser Kampf eine Sache des Volkes war, die maßgebenden Führer des preußischen Staates aber immer noch nicht das Volkstum anerkennen wollten und mit der von Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen, die einen Sieg des Volkes darstellen, versprochenen neuen Versassung zurückhielten. Gegenüber der äußeren Befreiung durch die Freiheitskriege war die durch Minister Stein so großzügig begonnene innere Befreiung des Volkes arg ins Hintertreffen geraten. Man denke nur an den königlichen Erlaß vom 1. Januar 1820, in welchem„jegliches Turnwesen“ bei hoher Strase verboten wird. Und wenn man auf dem Gesangfest trotzdem des Königs an erster Stelle gedenkt, so beweist das nur, daß man weniger ihn als seine reaktionären Berater für die bestehenden Zustände verantwortlich machte.— Das große Interesse der Festteilnehmer für die Lieder des freien Schweizers redet ebenfalls eine deutliche und ihren großen Veranstaltungen nicht mehr recht traute, ist daraus zu schließen, daß nicht nur aulf dem Iserlohner Fest, sondern auch auf dem drei Tage später, am 1. Oktober 1846, in Altena äußerst glänzend verlaufenen 15. märkischen Lehrergesangfest— und zwar hier zum ersten Male— kein Vertreter der Regierung erschien. Aus dem Altenaer Fest war sogar der Leiter sämtlicher bisher veranstalteten märkischen Lehrergesangfeste, der königliche Seminarmusiklehrer Engelhardt aus Soest, ebenfalls zum ersten Male am Erscheinen „wegen Krankheit verhindert", so daß Kantor Heuser aus Hattingen und der Lehrer Schmidt aus Dahle die Leitung übernehmen mußten.— So erscheint uns das erste märkisch=westfälisch Gesangfest in Iserlohn als eine Veranstaltung, die in kultureller und politischer Hinsicht ihre Bedeutung für unsere Heimat hat. Heinrich Wehberg. Von H. Neurik. Zu den grohen Toten des Jahres 1912, das nun schon drei inhaltsschwere Lustren hinter uns liegt, gehören zwei hervorragende Mediziner aus dem Ennepetale, ein Spezialist und ein sozialer Arzt. Fast gleichaltrig, wurden sie domals beide auf der Höhe ihres Lebens und Schaffens abgerusen. Den Spezialisten Dr. Eversbusch. einen lugenarzt von Weltruf, hat noch neuerdings der Heimatbund Hagen=Schwelm in seinem Wirken würdigt und die Anbringung einer Gedenktafel an seinem Hasper Geburtshause angeregt; der am 28. Mai nächsten Jahres bevorstehende 75. Geburtstag des Gefeierten könnte dafür einen äußeren Anlaß bieten. Mit seinem heimatlichen Gegenspiel, dem sozialen Arzt, hat sich die Oeffentlichkeit an Ruhr und Ennepe bislang erst wenig befaßt. Und doch verdient auch Dr. Wehberg, daß wir uns seiner nicht nur als unseres Landemannes, sondern zugleich als eines hochverdienten Zeitgenossen dankbar erinnern. Heinrich Wehberg ist am 29. September 1855 auf dem Gute Berge am Nordrande des Ennepetales im Amte Volmarstein geboren. Seine Eltern waren der Gutsbesitzer Friedrich Wehberg, ein Kopf eigener Prägung, und dessen Ehefrau Amalie, geb. Schmiemann. Er besuchte das Gymnasium in Dortmund und studierte sodann auf den Universitäten Tübingen, Greisswald und Vonn Medizin, Nachdem er am 19. Mai 1879 in Bonn zum Doktor der Medizin promoviert war, wurde er dort zunächst Assistent an der geburtshilfsgynäkologischen Klinik und darauf Leiter der Universitätskinderklinik. Darauf kam er als Arzt nach Düsseldorf. Hier entfaltete er auf sozialpolitischem wie auf medizinischem Gebiete eine ungemein rege schriftstellerische Tätigkeit, aus der er zu früh scheiden mußte. Ein Herzschlag machte am 16. Dezember 1912 seinem Leben ein Ende.— Er hat den Bund für Bodenbesitzreform mitbegründet und war dessen 1. Vorsitzender, sowie Schriftleiter des Bundesorganes„Freiland". Auch war er Mitbegründer der deutschen Landliga, der ersten deutschen Bodenresormvereinigung. Eine Aufzählung der bedeutendsten Schriften und Aufsätze Wehbergs bringt zugleich sein volkswirtschaftliches Programm. Ausgehend von theoretischen wie praktischen Fragen seines ärztlichen Beruses, besonders in der Bekämpfung von verschiedenen neuaufkommenden Modeheilverfahren, behandelt er nachdrücklich den Alkoholmißbrauch und die Boden= und Wohnungsreform, sowie allgemeine Fragen des Sozialismus, der Arbeiterbewegung, des Kapitals und der Weltanschauung. Hiernach ergeben sich innerhalb seiner umfassenden Wirksamkeit als Schriftsteller folgende Gruppen von Arbeitsgebieten. 1. Aerztliche Fach. und Streitfragen: Die Salpetersäure im Brunnenwasser.— Der Kampf um die Lebensanschauung und der Arznei=Aberglaube der Aerzte.— Die Luft, in der wir leben.— Ausdehnung der akademischen Berufe.— Die ursächliche Bedeutung der Tuberkelbazillen.— Wider Pastor Felke, den Bahndrecher und Wohltäter der nschheit.— Notwendigste Bedingungen der Gesundheit.— Zur Philosophie des artfremden Serum, contra Professor Dr. med. Behring.— Ueber Diphtheritis.— Wider das Soxhletsche Sterilisierungsverfahren.— Materialistische und medizinische Anschauungen des Professors Dr. med. Ludwig Büchner.— Wider die Behandlung der kruppösen Lungenentzündung nach den Grundsätzen des Professors Th. von Jürgensen, Tübingen.— Ueber die Grippe.— Die Organisation des ärztlichen Standes. 2. Zur Rauschgiftbekämpfung: Wider den Mißbrauch des Alkohols, zumal am Krankenbette.— Die Erlösung der Menschheit vom Fluche des AAlkohols.— Die Enthaltsamkeit von geistigen Getränken, eine Konsequenz moderner Weltanschauung. — Ueber den Wert, bzw. Unwert des Alkohols als Genuß= und Heilmittel.— Theorie der Kulturmission des Bieres.— Alkohol als Sparmittel. Ueber die Alkoholfrage vom ärztlichen Standpunkte.— Laien und Alkoholtherapie.— Alkohol und innere Krankheiten.— Der Alkohol am KranEEE * San ü S—— u m„ E B- □ TANUTEEE TENEELOE SG,üemuo o-ES• „„#a n* * FÄUTTE * G B a6•———" •.Pa:WEES rEcZuSaESGT —"— GUUUNO G—" G———" E□ ESLEES osengg SEEELTSOESES S E —.— S# —* • N —5 rO ·pEET —* 6 1 T"• 8 -# 82•5. Alkohols bekämpfen?— Kann der Alkohol einen Teil der regelmäßigen Nahrungsmittel ersetzen?— Gegen Lokaloption und Prohibition.— Ueber Malton=Weine. 3. Bodenreform: Die Wohnungsfrage im Lichte der Bodenreform, zugleich ein Protest gegen die Wohnungspolitik der Düsseldorfer Stadtverwaltung.— Wohnungsüberfluß und Wohnungsnot.— Das Auftreten der Cholera, eine furchtbare Anklage.— Die Pest in Ostindien.— Die Wohnungsfrage.— Unsere Säuglinge in den Mietskasernen.— Bodenreform und Ueberschwemmungen im Gebirge.— Praktische Ziele der deutschen Haus= und Grundbesitzvereine. Bodenreform und rbbaurecht.— Fortschritte der Bodenreform.— Entwicklung in der Bodenreform.— Was will die deutsche Landliga?— Der humanistische Sozialismus im Lichte des Freihandels, zugleich eine Kritik zur nötigen Klärung der Bodenreform. 4. Weltanschauung und allgemein Soziales: Im Wandel der Weltanschauung.— Die moderne Weltanschauung und ihr Einfluß auf die soziale Bewegung.— Das kapitalistische System und der humanistische Sozialismus.— Elendkrankheiten und Sozialismus.— Beiträge zur Entwicklung und Begründung des Sozialismus.— Das Kohlensyndikat. Welche Stellung nimmt die Verstaatlichung der Bergwerke in der Volkswirtschaft und Polltik ein?— Flotte und schwarze Diamanten.— Verstaatlichung der Hypothekenbanken.— Die Verstaatlichung der Bergwerke, ein Stück staatserhaltender, organisierter Bodenreform.— Die moderne Arbeiterbewegung.— Die Währungsfrage im Lichte ehrlicher Sozialreform. Schon aus vorstehender Uebersicht, die nur die bemerkenswertesten Veröffentlichungen Wehbergs zusammenstellt, ergibt sich der außerordentliche Umsang seiner schriftstellerischen Sozialbestrebungen, denen er mit 57 Jahren plötzlich und zu früh durch den Tod entrissen worden ist. Die Flußhaldinsel zwischen der unteren Ennepe und einem Teil des Mittelruhrlaufes ist zu zwei verschiedenen Zeiten ein Schauplatz leidenschaftlicher Kämpfe um die Lösung der sozialen Frage gewesen. Vor 700 Jahren waren die Ritter an der Ruhr bestrebt, im kurzen Prozeß des Raudes einen Ausgleich zwischen der Oberschicht des verarmenden Adels und dem tieferstehenden, reichwerdenden Kaufmannsstande herbeizuführen. Im Jahre 1921 versuchten auf ähnlicher rechtloser Grundlage die Aufständler des Ennepetales, durch Maschinengewehr und Handgranate die Spannung zwischen Kapital und Arbeit ungestüm zu beseitin. Wenn auch zwischen diesen beiden geschichtlichen Auftritten eine kleine Welt von Unterschieden liegt, die sozusagen an den entgegengesetzten Enden der gesellschaftlichen Entwicklung stehen, so war doch die Form rücksichtsloser Gewalt, in der sie erschienen, sowie der Mangel an unmittelbarem Erfolg— und vielleicht sogar bis zu einem gewissen Grade ein psychoses Fehlen von Einsicht in das Gesetzlose der Handlungsweise— beiden gemeinsam. Sie haben unserer friedlichen Heimat das weitverbreitete Gerücht einst des Raubrittertums, in unseren Tagen des Moskowitismus eingetragen. Da dürkte es ein Gebot der Gerechtigkeit sein, wenn einmal deutlich hervorgehoben wird, daß diese soziale Wetterecke auch das Geburtsland oder der Wirkungskreis friedlicher, gesetzlich aufbauender Solizalreformer von anerkannter Bedeutung gewesen ist. Auf Gut Harkorten ward Fritz Harkort geboren, der„mit dem Gesetzbuch in der Hand, nicht mit Pflastersteinen“ den emporstrebenden Arbeitern helfen wollte und wirksam geholfen hat. In Volmarstein steuerte Pfarrer Franz Arndt durch seine Heime für Alte, für Frauen, Krüppel und Kriegsbeschädigte dem Elend mit gesegnetem Erfolge. Diesen beiden, dem Volkswirt und dem Seelenhirten, gesellt sich ein dritter Landsmann zu, der„der Seele verfallenes Haus slickte“, der Arzt Heirrich Wehberg. Der Brand in Dahl. Von K. Lamprechi. Vor 200 Jahren, im September 1729, war es, ais in dem Hause Dahl, das damals der Familie von Degingk gehörte, Feuer ausbrach, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Eine„Feuerrettungsgesellschaft" bestand damals noch nicht, und die von dem Zirkelschmied Hans Hautsch in Nürnberg 1650 erfundene„Wasserkunst", eine Art Vorläuferin der Feuerspritze, hatte ihren Weg bis Dahl noch nicht gefunden. Man betrachtete den Ausbruch eines Brandes als eine Art Strafe Bottes. die namentlich die Sabbatschänder und Gotteslästerer heimsuchte. Deshalb schließt manche Feuerordnung gleich der Dortmunder Ordnung vom Jahre 1677 mit den Worten:„Und dieweil endlich der HERR unser Gott in seinem heiligen Wort, insonderheit im 17. Cap. des Propheten Jeremiae gedreuet hat, daß Er die Entheiligung des Sabbaths und Verachtung seines Göttlichen Worts, mit solchen Feurbrunsten, die nicht zu leschen seyn sollen, bestraffen wolle— So wollen wir Jedermänniglich hiemit Obrigkeitlich vermahnet haben für solchen und dergleichen Feurs=Straffe nach sich ziehenden Dahler brennen, was brennen möchte; vielleicht war auch keine Möglichkeit zur Rettung gegeben. Bald griff das Feuer auf die Kirche über. Der Turm samt den Glocken und dem Uhrwerk, das Kirchendach, ein großer Teil des Gewölbes, die Kanzel, die erst 1705 für 500 Taler neu hergestellte Orgel, die Türen und Kirchensitze fielen dem gefräßigen Element zum Opser, und auch die Umfassungsmauern wurden derart beschädigt, daß sie größtenteils niedergerissen werden mußten. Diess Brandunglück traf die Kirchengemeinde um so härter, als noch am 17. April 1704 das Pfarrhaus niedergebrannt war. Aber man ging frisch ans Werk und hatte die Freude, daß die neue Kirche schon im Herbste 1730 im Rohbau fertig war. Der Pastor Johann Christoph Drude hat sich um die Wiederherstellung der Kirche besonders verdient gemacht. Die Baukosten wurden teils in der Gemeinde, teils auswärts gesammelt. Für das Dach erfolgte eine Erhebung im Kirchspiel, die 185 Taler 15 Stüber einbrachte. Aus der Kuhweider Mark wurden 12 Eichen und 20 Buchen geschenkt. Der König spendete 300 Taler, der Landtag 100 Taler. Die Erhebungen im Steuerbezirk Wetter hatten guten Erfolg; die eingenommene Summe ist nicht angegeben. Aus dem Bezirk Hagen gingen 30 Taler 20 Stüber ein. Aus Armenmitteln und aus dem Armenstock wurden 111 Taler 29 Stüber 3 Dt. leihweise genommen. Die Stadt Dortmund gab 77 Taler. Die Materialien zum Bau, Holz, Steine, Kalk, Sand, schaffte die Gemeinde herbei, So gelang es denn, das neue Gotteshaus notdürftig unter Dach und Fach zu bringen. Die Inneneinrichtung war aber noch sehr dürftig, und es bedurfte langer Zeit, bis die arme Gemeinde sie beschaffen konnte. Tatkräftige Hilfe wird ihr dabei zuteil. Die Kanzel schenkte das Gemeindemitglied Friedrich zu Werninghausen. Die neue Orgel wurde 1749 und 1750 erbaut und erforderte 200 Taler, so bescheiden war sie. Der Altar konnte erst im Jahre 1771 unter Pastor Hermann Dietrich Hülshoff(1743—1783) hergerichtet werden. Unter seinem Nachfolger Franz Gotthilf Heinrich Jakob Bädeker, dem späteren Generalsuperintendenten (1781—1825), traten bessere Zeiten für die Gemeinde ein. Die„Reidemeister". Aus dem altwestsälischen Handwerksleben. In dem Altenaer Drahtgewerbe treten uns Handwerksmeister entgegen, die den eigenartigen Namen„Reidemeister" haben. Im Lennetal und auch in Lüdenscheid und Iserlohn ist dieser Name sehr gebräuchlich gewesen, anderswo findet man ihn kaum. So sucht man z. B. diesen Namen vergeblich in den Kölner Zunft= und Gewerbeurkunden, die in 2 starken Bänden Heinrich von Loesch herausgegeben hat. Auch im Grimm'schen Wörterbuch findet man nur wenige Zeilen über dieses Wort, merkwürdigerweise aber in einem etwas anderen Sinne. In den Altenaer Urkunden bedeutet Reidemeister so viel wie Drahtziehermeister. So tritt uns in den Wilküren der Freiheit Altena schon im Jahre 1534 das Wort„Reydemeister" entgegen, wo gefordert wird, daß der Knecht, der Draht schmieden und ziehen kann, sich nur einem Reidemeister vermieten und ihm treu bleiben soll. Aus dieser Notiz geht hervor, daß der Meister sich einen und mehrere Knechte hielt, die gegen Bezahlung Schmiede= und Drahtzieherarbeiten verrichteten. Das Wort„Knecht" taucht in den Zunftakten alter Zeit immer wieder auf und bedeutet so viel wie das heutige Wort„Geselle". Woher kommt aber das Wort„Reidemeister"? Gerade auf die Erklärung dieses Wortes kommt es uns in diesem Zusammenhang an. Neuerdings ist ein Werk von Dr. Josef Lappe„Die Freiheit Altena“ im Verlage der Stadt Altena erschienen, das einen wertvollen Beitrag zur Wirtafts= und Rechtsgeschichte des märkischen Süderlandes darstellt. Hier ist auf Grund genauester Quellenkenntnis breit und ausführlich vom Altenaer Drabtgewerbe die Rede(S. 19 bis 100). Hier wird auch der Versuch gemacht, den Namen Reidemeister zu erklären(vgl. Seite 94 ff.). In der Zeitschrift des Vereine für rheinische und westfälische Volkskunde aus dem Jahre 1906 finden wir schon eine längere Untersuchung über das Wort„Raitmeister“(S. 98 ff.). In dem Aufsatz dieser Zeitschrift wird Raitmeister— das natürlich dasselbe Wort ist wie Reidemeister, an der Schreibweise brauchen wir uns nicht zu stoßen— als „Rechenmeister“ gedeutet. Es werden hierfür auch eine Reihe Belege gebracht, so daß an dieser Deutung nicht gezweifelt werden kann. Hiermit stimmt auch überein, was wir im Grimm finden, wo zu lesen ist„Reitemeister"= Rechnungsbeam= ter, nur der älteren Sprache angehörig, daneben „Reidemeister". Für diese Deutung wird bei Grimm aus einer Urkunde des Frankfurter Archivs vom Jahre 1473 gebracht:„der andechtig und geistliche bruder Clase von Myntzenberg zu dieser zyt reidemeister des closters und convents zu Arnspurg". Wie kommen wir aus der vorhandenen Schwierigkeit heraus. Das Wort Reidemeister, das wir aus den Altenaer Gewerbeurkunden kennen, hat wurde ursprünglich in den Ziehgadem, die an die Wohnhäuser angebaut waren, mit Hilfe einer Zange durch das Zieheisen, das auf einer Bank be festigt war, gezogen. Das Geräte, was zu solch einem Drahtziehbetrieb gehörte, wurde„Gereide" genannt. Als später die Wasserkraft in den Drahtrollen oder Drahtmühlen von den Reidemeistern gebraucht wurde, wurde natürlich die Ausrüstung eines Drahtziehemeisters umfangreicher. In der Regel gab es in jeder Rolle oder Mühle mehrere Bankzögersbänke, Kleinzögersbänke und Winnerscheiben. Damit war der Besitz eines Reidemeistere auch wertvoller geworden. Wenn dann ein Reidemeister seinen Besitz vererbt, so wird von„Gereide und Ungereide“ gesprochen. Unter Ungereide versteht man wohl vor allen Dingen die Wasserkraft. Da diese Wasserkraft dem Landesherrn gehörte, so mußte jährlich eine Abgabe von den Reidemeistern erstattet werden: Es war dies in alten Zeiten jährlich ein Pfund Wachs und zwei Hühner. Dr. Lappe erklärt Reidemeister anders. Er weist darauf hin; daß Reiden so viel wie verfertigen oder machen bedeutet. Es ist richtig, daß reiden in dieser Bedeutung vielfach in alten Urkunden vorkommt. Das Wort„reide“ kommt in der Bedeutung fertig auch in anderen deutschen Dialekten vor, so z. B. im Thüring'schen. Dieser Deutung kann man zustimmen, wenn es auch gewagt erscheint, wenn man behauptet, daß„Reidemeister" allgemein einen Handwerksmeister bedeutet. Infolge der Veränderung und Entwicklung des Drahtziehergewerbes bekommt allmählich das Wort Reidemeister einen etwas anderen Inhalt. Ursprünglich hieß wohl jeder Drahtzieher„Reidemeister“, ganz gleichgültig, ob er viel oder wenig Knechte oder überhaupt keinen Knecht hatte. Durch das Emporkommen der Drahtmühlen kam der Reidemeister immer mehr in eine gehobene Stellung. Das ersehen wir daraus, daß später ein Unterschied zwischen Reidemeistern und Drahtziehern gemacht wird. Aus einer Aufstellung wissen wir, daß in Altena im Jahre 1738 wohnten: 48 Reidemeister, 253 Drahtzieher, 59 Vorschläger, 81 Drahtschmiede, 25 Zangenschmiede, 4 Spankenschmiede, 7 Nagelschmiede, 5 Kleinschmiede, 4 Hufschmiede. Bei dieser Aufzählung fällt uns die kleine Zahl der Reidemeister im Verhältnis zur großen Zahl der Drahtzieher auf. Als Reidemeister ist wohl später auch derjenige bezeichnet worden, der die Drahtmühle besaß oder wenigstens Werkzeug darin. Kein Wunder, daß ein Reidemeister zugleich Metzger und Brauer, Krämer, Branntweinbrenner und dergleichen sein konnte. Selbst Witwen hatten das Recht der Drahtreidung, denn sie erbten nach altem Zunftrecht ohne weiteres das Handwerksprivilegium des verstordenen Mannes. Wir haben hier eine Entwicklung im Drahtziehergewerbe, wie wir sie überhaupt bei allen Handwerken haben. Die Differenzierung schritt immer weiter vorwärts. Ursprünglich hat der Reidemeister auch das Rohmaterial sich verschafft und bearbeitet. Später wurde das Rohmaterial (der Drahtosemund) von den Hammerwerken der Umgegend bezogen. Der Reidemeister hatte dann nur die Verarbeitung des Rohmaterials in den Händen. Draht wurde aber nur an wenigen Stellen im deutschen Reiche hergestellt. Für Westdeutschland kommt eigentlich nur die Gegend von Altena, Iserlohn und Lüdenscheid in Betracht. Infolgedessen war der Absatz, der Verkauf, der Versand des Drahtes non größter Wichtis eit. Diesen Drahthandel führte natürlich den Reidemeister. Da taucht nun auch sonst der Begrift „Reidemeister“ auf. Aus dem Siegerlande wird uns berichtet, daß man unter Reidemeister (Raitmeister) den Händler verstand, der den Eisenstein oder das Roheisen, hauptsächlich aber das Schmiedeeisen vertrieb. Im Siegerlande soll also Raitmeister soviel wie Eisenhändler bedeuten, der natürlich in den früheren Zeiten zugleich Hüttenoder Hammerbesitzer war. Raitmeister in der Bedeutung Rechenmeister ist auch sonst im deutschen Sprachschatz zu finden, denn das Wort„raiten“ oder„reiten" bedeutet soviel wie rechnen, berechnen, zählen. Im bergischen Lande ist der Reider oder Reidmeister noch etwas anderes. In der Solinger Gegend gab der Schmied der Wasse die Form, der Schleifer das Aussehen, der Aetzer und Vergolder die Verzierungen. Den Griff lieferte der Kreuz= oder Knaufschmied, die Scheide der Schwertseger; der Reider oder Reidmeister endlich setzte alle Teile zusammen und machte die Waffe für den Verkauf bereit. An dieser Stelle tritt sehr deutlich hervor, daß hier das Wort Reidmeister soviel wie Fertigmacher bedeutet. Wir kommen also zu folgendem Ergebnis: Der Reidemeister ist 1. der Fertigsteller des Drahtes, der Drahtzieher, 2. der Besitzer des Gereides, das sich in der Drahtmühle befindet, 3. der Drahthändler, der für eine größere Zahl von Drahtziehern den Draht nach auswärts verkauft. Dr. Adolf Sellmann.