10 S 8 GS 65 c E1 *5 S aeERA!Sg E8ST• RE —* 8 8 S SSSL a* V1I8 K— — *9.— LUU Baun 38ar gess. # 4 — 9835 S8sTas S31 SHSDSSAS 9: 9o S 5 S1 5# 9 5 825 ∆ 3 8 S Mensch die Heimat, um zugleich das Vaterland seiern. War das kein Widersinn? Kaisersgeburtstag= und Sedanfeiern sind nicht mehr zeitgemäß; was sich aber aus jenen Tagen erhalten hat, das ist das Schicksal der Hülse. Wenn der MGV.„Gute Lunge" siegreich vom Wettstreit heimkehrt, ehren die passiven Mitglieder ihre Sangesbrüder, indem sie Ehrenpforten bauen und Stechpalmensträucher daran binden. Wie manches Turn= oder Feuer. wehrfest wird noch mit der Hülse„verschönert Tut einmal die Augen zum kommenden Totenfest auf! Wie mancher geschäftstüchtige Gärtner Friedhofshofsschmuck aus Hülsen liefert. Sogar am Volkstrauertage, wenn es gilt, die zu ehren, die für den Heimatboden starben, senken sich große Kränze von Behörden und Korporationen auf die Heldengedenkstätten.„Liebet die Heimat, mahnen die Toten,“ sagt uns der Spruch aus dem SGV.= Ehrenmal am Kohlberg. Die Heimat lieben heißt ihre eigentümlichen und schönen Naturgebilde achten und schützen. Der Haus= und Grundbesitzer holt die Hülse als Baum oder Strauch aus dem Walde und pflanzt sie in den Garten. In den meisten Fällen ohne Erfolg; denn sie verträgt selten das Umpflanzen. Kürzlich beobachtete ich, wie ein Siedler 30 zum Teil recht stattliche Exemplare zu einer Hecke um das Haus pflanzte; 3 davon sind angemachsen, die anderen verdorrt. Ihre glänzenden, immergrünen Stachelblätter sind verwelkt und starren in die Luft. Der heimische Wald ist um einen Teil seiner Schönheit beraubt. Wenn das Weihnachtsfest kommt, gibt es genug Menschen— sonst ganz gute Christen— die sich den prächtigsten Baum im Welde aussuchen und als Christbaum geschmückt auf den Tisch stellen. Erstens ist es schön, behaupten sie, und zweitens mal was anderes. (Herscheid).: Im Garten an der ohnhauses Witr und Mischwäldern nicht gedeihen würde. In seh-]. Berghagen migem Baden gedeiht die Hülse besonders gut. Giebelseite des Wohnhauses Witwe Cordt. 0.90 Trotz ihrer geringen Empfindlichkeit gegen Hitze Meter— 13 Meter. Als Rest des Waldbestandes und Kälte war in dem heißen Sommer 1911 starker urwüchsig. Stamm bis zum Beginn der Zweige mit Blattfall und in dem kalten Winter 1929 vielfach Efeu umrankt, wurde 1927 auf Anraten entfernt, Warum muß dieses Klagelied von der Verschandelung der Natur gesungen werden? Unwissenheit und Gedankenlosigkeit sind es einmal, womit die Menschen zu Werke gehen, in einzelnen Fällen auch Royheit. Wer weiß in unserm aufgeklärten Zeitalter etwas über den interessanten Hülsenstrauch? Warum wird die Jugend in Schulen und Verbänden nicht in frommer Einstellung zur Natur erzogen? Sind diese Fragen genügend behandelt, so bleibt für die Polizeibehörde, die den praktischen Schutz der Hülse auszuüben hat, nur noch wenig Arbeit übrig. Denn es ist immer ein zweischneidiges Schwert, mit Strafmandat und Gummiknüppel zum Naturschutz zu erziehen. Und doch wundert sich der Heimatfreund oft, wie wenig von den Polizeiorganen getan wird, um die Stechpalme zu schützen. Es gibt in der Gegenwart eine Behörde, die sich mit der Erfassung der materiellen Werte befaßt, deren Charakterbild noch schwankt und von der Parteien Haß und Gunst zerrissen wird. Jeder kennt die Behörde, wie ohne Rücksicht sie ihr Ziel verfolgt. Ginge das nicht auch bei Schutzmaßnahmen ideeller Güter? Die heimische Bevölkerung nennt den Strauch Hülse, die botanischen Lehrbücher bezeichnen ihn mit Stechpalme, lateinisch llex aquifolium. Im übrigen Verbreitungs unseres Vaterlandes sind gebräuchlich: Christdorn, Distelbaum, Stachelesche, Wilder Lorbeer, Stechholder, Hülsenkrabbe, Myrtendorn. Die Hülse muß wohl zu den ältesten Einwohnern der Provinz Westfalen gehören. Das ergibt sich aus den zahlreichen Orts=, Flur= und Familiennamen, zu deren Bildung sie Veranlassung gegeben hat. Im Kreise Altena kommen vor an Ortsnamen: Hulsberg(Lüdenscheid=Land), Hülseberg(Meinerzhagen), an Flurnamen: Hülssiepen, Hülsberg(Kierspe), In den Hülsen(Rönsahl), an Familiennamen: Hülsebusch(Lüdenscheid), Huls Halver), Hülsmann(Glörfeld), Hülsmann(Magdseide), Hüls(Niederkarthausen), Hülskötter(Hedfeld), Hülsen(Siepen), Hülsewig(Nachrodt). Die Bezeichnung Stechpalme rührt von dem palmenähnlichen Aussehen der Blätter her, die dazu mit Stacheln versehen sind.— Frau Sage erzählt folgendes: Als Christus in Jerusalem einzog, streute das Volk Palmen auf den Weg. Als man aber„Kreuziget ihn!“ rief, da bekam die Palme, von der die Zweige abgeschnitten waren, Dornen, und so entstand die Stechpalme.— Die Hülse hat Beziehungen zu der atlantischen Planzengruppe und bevorzugt feuchtes und gemäßigtes Klima. Sie gedeiht vornehmlich im Westen Europas; in Deutschland beschränkt sich ihr Vorkommen auf das Rheinland, den südwestlichen Teil Westfalens, den Schwarz= wald und die Vogesen. Man findet die Stachelpalme jedoch auch auf Rügen, in Vorpommern, Schleswig=Holstein und in den Alpen. Für uns ist es von Interesse zu wissen, daß die östliche Vegetationsgrenze durch unsere Heimat läuft: Goslar, Solling. Arnsberger Wald. Ebbegebirge, Kreis Gummersbach, Kreis Waldbröl, Wisien a. d. Sieg. Die Grenzfestlegung nach Ortschaften und Wasserläufen ist eine Aufgabe, die noch ihrer Lösung harrt. Bemerkenswert ist, daß in der Nähe der Vegetationsgrenze noch recht staatliche Bäume vorkommen. So in Sechtenbecke und Schwarzenberg, Gemeinde Plettenberg. Das vielfach beobachtete Auftreten der Stechpalme in Buchenwäldern führt dazu, daß man sie als Buchenbegleiter bezeichnen kann. Damit ist nicht gesagt, daß sie in EichenErfrieren der Blätter zu verzeichnen. Neben der Eigenwilligkeit der Hülse bzw. Vorkommen weist sie noch andere Eigentümlichkeiten auf. Hiervon interessiert in erster Linie die Abänderung der Blätter. Während diese bei den gewöhnlich strauchartig vorkommenden Hülsen wellig und am Rande mit Stacheln besetzt sind, nehmen sie bei den älteren und baumartig gewachsenen Exemplaren oft eine flache, ovale Form an und werden ganzrandig. In der Regel bleibt jedoch die stachelige Spitze erhalten. Eine weitere Absonderlichkeit bilden die Blüten und ihre Geschlechtsverteilung. Anfangs Herbst bilden sich in den Achseln, der in dem gleichen Jahre getriebenen Laubblätter die Blütenknospen. die in der Regel bis zum nächsten Frühjahr in diesem Zustand ver harren und sich dann erschließen. Nur in besonders sonnigen Herbsten kommen die Knospen noch in demselben Jahre zum Erblühen, und man kann Zweige mit Blüten finden, die neben den grünen Früchten des Vorjahres noch die roten Beeren des Vorvorjahres tragen. Ein eigenartiges und seltenes Naturschauspiel. Die Hülse trägt entweder mannliche oder weibliche Blüten; die männlich blühen den sind in der Ueberzahl. Alte Hülsenbäume wechseln manchmal ihr Geschlecht. Es kommt also vor, daß männliche Bäume, die nie Früchte getra gen haben, in einem Jahre weiblich werden und im Herbst über und über mit roten Beeren bedeckt sind. Dr. Hans Foerster, der Chronist der Hülse. hat diese Erscheinung bei dem Exemplar in MittelEnkeln, Kreis Wipperfürth, beobachtet. Die Hülse wächst in der Jugend verhältnismäßig schnell, jedoch bei weitem nicht so schnell wie die anderen Bäume und tSräucher. Ist sie 30 bis 40 Jahre alt. so geht sie nur noch recht langsam voran. Einwandfreie Feststellungen über das Alter sind schwerlich zu machen, da die Jahresringe bei gefällten Exemplaren nicht genau zu zählen sind. Die Schnelligkeit des Wachstums richtet sich ferner nach Standort, Art des Bodens und anderen Faktoren, so daß man bei der Altersangabe meist auf Vermutungen angewiesen ist. Für einen Baum mit mehr als 1 Meter Umfang in Brusthöhe gilt ein Alter von 150 bis 200 Jahren. Der Chronist der Hülse ist Dr. Hans Foerster, Barmen, der ehemalige Leiter der Bergischen Stelle für Naturdenkmalpflege. Dank seiner Bemühungen wurde die vorhingenannte Hülse in Mittel=Enkeln im Jahre 1911 mit 13 Quadratmeter Umlage angekauft, als Naturdenkmal erklärt und auf den Kreis Wipperfürth grundbuchamtlich eingetragen. Bei einer im Jahre 1913 vorgenomfmenen Besichtigung wurde auf Vorschlag des Leiters der Staatlichen Stelle für Naturenkmalpflege, Dr. Conventz. dieser schöne Baum zu Ehren seines Entdeckers Dr. Foerster=Hülse benannt. Er ist zehn Meter hoch und hat in 1.30 Meter Höhe einen Stammumfang von 1.45 Meter. Der Stamm ist gleichmäßig rund und trägt an sich verteilt noch die linsenförmigen Umrisse der alten tammansätze. Die Krone trägt glattrandige, ovale, flache Blätter. der Stockausschlag dagegen stachelige Blätter. Das Alter wird auf 600 bis 800 Jahre geschätzt, 1911 war der Baum vollbesetzt mit roten Beeren, 1916 blüchte er nur männlich. Nach den bisherigen Forschungen ist er der stattlichste Baum Deutschlands. Sind das nicht eine Menge Eigentümlichkeiten, gehäuft auf einer Pflanze, an der wir Menschen verständnislos vorübergehen? Ihr Freunde der Heimat und der Natur, jetzt geht Ihr durch den Herbstwald und grüßt die Hülse, die sich im immergrünen Schmuck vor den Kameraden im gelbbraunen Kierspe(Kierspe): Im Garten des Gasthofes Kubier. 0.45 Meter— 5 Meter. Hermann Hesse sagt: „Viele sagen, sie„lieben die Natur". Das heißt, sie sind nicht abgeneigt, je und je ihre dargebotenen Reize sich gefallen zu lassen. Sie gehen hinaus und freuen sich über die Schönheit der Erde, zertreten die Wiesen und reißen schließlich eine Menge Blumen und Zweige ab, um sie bald wieder wegzuwerfen oder daheim verwelken zu sehen. So lieben sie die Natur. Sie erinnern sich dieser Liebe am Sonntag, wenn schönes Wetter ist, und sind dann gerührt über ihr gutes Herz. Sie hätten es ja nicht nötig: denn„der Mensch ist die Krone der Natur“. Ach ja, die Krone!" Westälisscher Humor. Zwischen Schulze=Wurzelkamp und seinem Nachbar Leppelsack besteht ein alter Grenzstreit aus Großväterzeit her, wie man ihn bei westfälischen Bauernnachbarn vielfach antrifft. Man spricht infolgedessen nur sehr wenig miteinander und gönnt sich im übrigen gegenseitig alles Unangenehme und Böse, was man seinem Mitmenschen nur gönnen kann.— Leppelsachs Sohn Karl studiert; er studiert schon eine besorgniserregende Anzahl Semester an verschiedenen Universitäten ohne greif= oder sichtbaren Erfolg. Da hört Wurzelkamp eines Tages im Dorf, es ginge das Gerücht um, daß Leppelsacks Karl ein Examen gemacht hätte. Bei der nächsten Begegnung fragt daher Wurzelkamp seinen Nachbarn:„Segget es, Nower, es dat wohr, hiätt Kaal Exomen gemaket?"— „Jo, dat hiätt hä!“— Hiätt hä denn ok bestohn?" —„Nä, hä es düörfalln!"— Mit geheuchelter Teilnahme fragt Wurzelkamp:„Bu kömmet dat denn, hä hiätt jo op mährere Uiniversitäten studeert?"— Jo, Nower,“ sagt Leppelsack darauf,„dat hiätt hä, ower eck harre es en Kalw, dat zuckelde ok bi twee Keih, un er was doch men en Osse!“— Mit bedauernder Miene schied Schulze Wurzelkamp höchst befriedigt von seinem Nachbar Leppelsack, J. B. Schulze=Wurzelkamps sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Vergrößerung ihrer Schweinezucht von Vorteil wäre. Es wird also ein zweiter Schweinestall gebaut— ganz nach neuster Vorschrift; so wird u. a. zu dem Stallgebäude auch eine große Schweinedung= und wühlstätte angelegt. Die hin und wieder aus der Stadt sich einfindende Verwandtschaft stellt bei ihrem nächsten Besuch fest, daß die neue Anlage zwar großartig wäre, aber den einen Fehler hätte, daß die Dung= und Wühlstätte gerade unter dem Fenster des Wohnzimmers sich befinde. Sie ist der Meinung, daß das gesundheitsschädlich sei. Darauf antwortet Wurzelmkamp im beruhigenden Ton:„Do maket ink men keine Suorge drüm! Bis nu es mi noch kein Fiärken krepeet.“ J. B. Schulze=Wurzelkamp hat als vermögender Mann den sehnlichsten Wunsch seines dreizehnjährigen Sohnes Willem erfüllt und diesem zu seinem Geburtstage einen Esel mit einem passenden WäGewande abhebt. Bald trägt sie ihr rotes Korallengeschmeide und erfreut Auge und Herz durch das gelchen dazu geschenkt. Stolz erledigt der Junge wunderschöne Farbenspiel von grun und rot. Wer geichen vuhn geschennt. Sioig eriroitz ihre Zweige abreißt, um daheim seine Vase zu üllen, schändet die Heimatnatur. Stechnalmen im Kreise Altena. Angeführt sind nur die bemerkenswerten. Die erste Bezeichnung bedeutet Stammumsang in 1.30 Meter Höhe, die zweite Gesamthöhe des Baumes. Fernhagen(Lüdenscheid): Etwas unterhalb am Wege nach Belkenscheid. 0.85— 6 Meter. Durch Abschneiden der Zweige für Kranzbinderei ehr verunstaltet. Listringhausen(Meinerzhagen): Im Garten der Försterei am Zaun. 0.75— 9 Meter. Ein selten schöner Pyramidenbaum. Sechtenbecke(Plettenberg): Am südlichen Waldrand unterhalb des Ortes. In 0.30 Meter Höhe 1.39 Meter Umfang, daselbst Teilung in drei Stümme. Der stärkste von ihnen in 1.20 Meter Höhe 0.62 Meter Umfang. Gesamthöhe 8 Meter. An der Vegetationsgrenze. Schwarzenberg(Plettenberg): Unter der Ruine im Garten der Försterei. 4 pyramidenf, Bäume. 0.50 bis 0.80 Meter— 4 bis 5 Meter. Aus dem Walde verpflanzt. An der Vegetationsgrenze. damit hin und wieder selbständig kleine Fuhren. Die gesamte Dorfbevölkerung macht Glossen über Wurzelkamps Eseisgespann. Und als eines Tages der junge Willem wieder mit seinem langohrigen Geburtstagsgeschenk durch die Gemeinde zieht, begegnet ihm der pfiffige Dorfschuster. Dieser grüßt. indem er mit Mühe das Lachen unterdrückt, mit den Worten:„Gudden Dag tesammen!“ Willem beachtet scheinbar den„Gruß" nicht und geht schweigend weiter. Aus einiger Entfernung aber ruft er:„Hört es.“ und auf das Langohr zeigend: „hä kennt sinen Broer Schauster nit men!" J. B. Deshalb! Dän Giettling freig dä Goas:„Bekennt, worum giett dumme Goas mie nennt.“ Do sag dä Spatz un bleev am huppen:„Bloes wa räch dumm es, lött sick ruppen!". Lusebrink. Verantwortlich: Ernst Lorenzen in Hagen. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Zagener Heimatblätter Nr. 11 Monatliche Beilage zur Hagener Zeitung November 1929 Die Einweihung des Stein-Denkmals Ueber die Einweihungsfeier brachte die„Hagener Zeitung“ folgenden Festbericht: Ungeachtet der sehr ungünstigen Witterung hat am Sonntagnachmittag bei großer und lebhafter Beteiligung das Einweihungsfest des Stein=Denkmals auf dem Kaisberge bei Herdecke stattgesunden. Aus allen Orten der Grafschaft Mark und benachbarten westfälischen und rheinischen Städten waren Gäste gegenwärtig. Auf dem Bahnhof Herdecke formierte sich der Festzug, die Musik an der Spitze, geleitet von Herrn August Hassel, der mehrere Turnvereine mit ihren Fahnen folgten, welchen sich das Komitee anschloß und sich die Sängerscharen und die zahlreiche Menge anreihten. Unter dem Donner der Kanonen gelangte der Festzug auf das Plateau des Berges, auf dem sich das am 17. Oktober 1369. sondern Bürger, Landleute und Arbeiter! Der erste Beitrag, den wir erhielten, war vom Deutschen Arbeiterverein aus Paris. Das beweist, daß der Deutsche auch im Ausland sein Vaterland nicht vergißt. Wir können also zur Weihe dieses Baues übergehen. Wir weihen ihn zu ewigen Zeiten dem Andenken des Freiherrn Heinrich Fridrich Carl Den Manen Steins ein Ehrenzeichen!— Vom Berge schaut der mächt'ge Bau, Umweht vom Laub der deutschen Eichen, Hernieder in Westfalens Gau. An jenen Großen will's gemahnen, Der treulos nie sein Volk verließ. Der zu der Freiheit Sonnenbahnen Aus Nacht und Schmach die Wege wies! So lange noch ein deutscher Streiter Fürs Vaterland die Hand erhebt, So lang in Männerherzen weiter Vom Freiheitskrieg die Kunde lebt. So lang noch redet die Geschichte Von jenem großen Volksbefrei'n, So lang auch glänzt, vom Ruhmeslichte Umstrahlt der edle Name: Stein! Denkmal, ein schöner aus Quadersteinen gebauter, 90 Fuß hoher und zinnengekrönter Turm erhebt. Das gewaltige und in einem edlen Stile ausge führte Bauwerk hat Herr Baumeister Fr. Schmidt, Haspe, geschaffen; dasselbe gewährte in seinem geschmackvollen Gewande von Fahnen und Kränzen einen festlichen Anblick. Die Festgenossen gruppierten sich um das Denkmal, und gleichsam wie bei einer Enthüllungsfeierlichkeit zog der Himmel seinen dunklen Wolkenflor zurück; das heit're Blau wurde hell von der Sonne durchstrahlt, welche nunmehr freundlich auf das Fest niederzulächeln schien. Friedrich Harkort eröffnete die Feier durch eine Ansprache an die Versammelten, in welcher er ein glänzendes Charakterbild von dem Freiherrn vom und zum Stein entwickelte. Er führte folgendes aus: „Geehrte Festgenossen! Im Namen des Komitees heiße ich Sie alle, die von nah und fern zu diesem Feste erschienen sind, willkommen. Zunächst danken wir den löblichen Gesang= und Turnvereinen für das freundliche Erscheinen auf unsere Einladung; dann haben wir den Damen vorzugsweise unsern Dank abzustatten für die Dekorationen, die sie mit fleißigen Händen zu dem heutigen Tage gewunden haben; dann haben wir zu danken dem Baumeister, Herrn Schmidt, dem Bauunternehmer und allen Werkmeistern und Werkleuten für diesen Bau. der Ihrem Urteil jetzt vorliegt. Ich glaube, daß er Ihre völlige Billigung finden wird. Wenn Sie mich fragen:„Wer ist der Bauherr?", dann antworte ich Ihnen: Sie selbst, das Volk! Nicht der Staat, nicht die sogenannten hochgestellten Herren haben die Mittel hergegeben, Manne zunächst das Gesetz, wodurch die Erbuntertänigkeit aufgehört und wo der König sagte: „Von diesem Tage an sollen alle Leute frei sein!“ Wir verdanken ihm die Teilbarkeit des Grundbesitzes, und die Domänenbauern verdanken es ihm, daß sie jetzt ihr Eigen nennen können, was sie sonst in Pacht hatten. Sein letzter Akt war die Städteordnung, die noch heute der Stolz des Landes ist. Nachdem er dies getan, schleuderte Napoleon den Bannstrahl von Madrid aus gegen diesen Mann, und er mußte das Land verlassen, und er tat es, um in der Fremde gegen Frankreich die Völker in Bewegung zu setzen. Nachdem dieser Mann den Kampf gegen den großen Kaiser ausgenommen, hatte er die Genugtuung, nach sechs Jahren siegreich wieder zurückkehren zu Ein Heros hat er wachgerufen Zum heil'gen Kampf den freien Geist, Und an der Throne glatten Stufen. Fürs Recht des Volkes sprach er dreist! Kein Höfling mit geschmeid'gem Rücken, Kein Leisetreter wortgewandt— Ein ganzer Mann, den mit Entzücken Und Jubel preist das Vaterland! So steht dein Bild in unsren Seelen, So klingt dein Lob mit lautem Ton, Du Diamant in den Juwelen. In Deutschlands reicher Ehrenkron“!! Wie auch der Zeiten Stürme toben, Du bleibest unvergessen, Stein, Und wir, wir wollen still geloben Zu streben deiner wert zu sein! Emil Rittershaus. vom und zum Stein, des Mannes. von dem das Lied sagt: „Der Gewaltigste war in des Vaterlands Marken Der Stärkste, der unzerbrechliche Stein: So lange klingt von deutschen Lippen Gesang. Wird klingen des mächtigen Namens Klang!" Möge dieser Bau den Stürmen von Jahrhunderten trotzen und noch zu fernen Enkeln Zeugnis bringen von der DDankbarkeit des Bürgertums. Es ist hier nicht der Platz oder die Zeit vielmehr, Ihnen die Verdienste des Herrn vom Stein speziell auseinanderzusetzen; ich will bloß in wenigen großen Zügen das Leben dieses großen Mannes in bezug auf uns und Deutschland malen. Es war vorzugsweise die Grafschaft Mark, die dem Freiherren vom Stein zunächst die ersten Landstraßen, die ins Land kamen, verdankt. Binnen vier Jahren hat er 20 Meilen gebaut. Wir verdanken ihm ferner die Schiffbarmachung der Ruhr, die Hebung des Gewerbes und des jetzt so blühenden Bergbaues; und das ganze Preußen verdankt diesem können. während Napoleon als Verbannter auf St. Helena saß. Diesen Tag haben wir gewählt als Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, der gleichzeitig aber der 112. Geburtstag ist, wo Stein das Licht der Welt erblickte. Die Witterung haben wir natürlich nicht mitberücksichtigen können, allein ich sehe, Sie haben darauf auch keine Rücksicht genommen, sondern sind in Massen hier erschienen. Der treue Herold des Herrn vom Stein war Ernst Moritz Arndt, dessen ehernes Bild die Wacht am Rhein hält. Beider Gesinnungen leben am besten fort in dem Liede:„Was ist des Deutschen Vaterland?“. und darum möchte ich die geehrten Gesangvereine bitten, am Schluß meiner Ansprache dies Lied anzustimmen. Charakteristisch war, daß sogleich die deutsche Zerrissenheit sich in verschiedenen Singweisen zeigte, die aber bald überwunden wurde. Jubelnd stimmten dann die Anwesenden in das von Harkort ausgebrachte Hoch auf das ganze Deutschland und seine vereinigten Völkerschaften ein. Darauf sangen die Sängerchöre:„Was ist des Deutschen Vaterland?“ Nachdem die letzten Klänge des Liedes verhallt waren, wurde dem, in der alten und neuen Welt berühmten Dichter, Herrn Emil Rittershaus, das Wort zuteil. Mit wohltönender und kräftiger Stimme trug derselbe folgendes zu Ehren des unsterblichen Stein verfaßte Gedicht vor, welches zündend in die lauschende Menge fiel. Es lautete: Die Einweihung des Stein=Denmals am 17. Oktober 1869. Der Abend vor dem Jahrestag der großen Völkerschlacht— der delle Zestgesang! Was will die Fahnenpracht? Ein Denkmal auf dem Kaiserberg für unsern großen Stein.——.— Am Abend vor der Bölkerschlacht, da weihen wir es ein. Und wir gedenken heut“ einmal noch jener Helden all. Die für das Vaterland gehämpft beim Schlachtdrommetenschall. An Blücher und an Gneisenau, an Scharnhorst und an Schill, In dieser Stunde, Stein geweiht, das Herz gedenken will. Vor unserm Geiste steh'n sie auf, die Recken mann für Mann, Die mit dem scharfen Stahl befreit das Land von Druck und Bann Und mit den Kriegern treten strachs die Sänger vor den Blich, Die einst den rechten Reim gewußt zur wilden Schlachtmusik! Ein Körner, Arndt und Schenkendorff, ein edler Bardenchor, Aus ihren Grüften kranzgeschmückt, da schweben sie empor:— Ihr Odem rauscht ums Monument, aus Quadern festgefügt, Das von des Berges Spitze hier weit in die Ferne lugt. O, wenn ihr Geist herniederstieg— das wär' der rechte Klang! Mir kommt es in den Sinn hinein, was Ludwig Uhland sang. O. wär' nur mein ein einz'ger Ton aus ihrem Harsenspiel, Ein Strahl der Glut, die leuchtend einst in ihre Seelen fiel, Ich säng' fürwahr ein besseres Lied für Stein an diesem Tag. Ein Lied, das durch die Lande flög, wie Blitz und Donnerschlag, Und doch so mild und doch so sanft, als wär's ein Siegschora!!— Umsonst, umsonst! Wohl ist die Zeit auch eine Zeit von Stahl Wie jene war, als Blücher socht, als Stein zum Kampfe rief, Als in die Burg des Korsen slog der Völker Fehdebrief Ja, unsere Zeit ist auch von Stahl! die Welt in Waffen blitzt. Und Säbel ist und Bajonett geschlissen und gespitzt. der Begeisterung Funke sehlt, nicht jene Flamme lebt:—= Richt Säbel macht's und Bajonett, nicht scharser Stahl allein—— Wohl hatte jene Zeit den Stahl, doch auch zum Stahl den Stein! Da slog der Funke lichterloh, durchzuchend jede Brust.—— Da hat der Dichter siegesfroh## rechte Lied gewußt.—— Ich aber greise zagend hier nur in die Saiten ein Und frag:„O Gott, wann finden wir noch einmal einen Stein?!— Wer lenkt noch einmal sonnenwärts wie Stein der Bölker Schritt? Vergeblich Fragen! Blankes Erz das Vaterland zerschnitt— Wir tragen all“, die Hand auss Herz, ein Teil der Sünden mit. Er braucht die Lobgesänge nicht, den dieses Denkmahl ehrt:—— Längst hat der Ruhm mit gold'nem Licht den Namen Stein verklärt, Doch ihn, den Hohen, ehren heißt— verkündigt sei es laut— Wenn unser Geist in seinem Geist am Dom der Freiheit baut! Er starb, der Letzte seines Stamm's, der Mann vom Strand der Lahn Und nahm uns alle allzumal zu seinen Kindern an. Die and're Zeit will and're Art! Nicht lenkt mehr eine Hand:—— Es will die Welt, die mündig ward, nicht mehr das Gängelband!— Richt geht's um eines Mannes Tat; wir wollen kein Idol! Die Bölker sitzen selbst zu Rat heut ob dem Bölkerwohl Es mahnt die Zeit: Die Augen auf, daß du nicht ratlos treibst Im Strom des Tag's und immerdar der Väter würdig bleibst! Sei, Zu. ein„Stein“, sei seines Sinns, sei seines Geistes Kind! Nie um des Judas Lohnes Zins sei schwankend Rohr im Wind! Se s an Triz, Ton, dem weichen gleich, gefügig Ein, üchter„ztein, lo dau am Reich der freien ZuSo fügt dich in den Riesendom, der hoch und wundervoll tämme all', die Völber all, einmal umsassen 104„ Ein Streben in dem Geiste Steino! O möcht" en doch aus Erden In unserer Brust, in jeder Brust ringsum lebendig werden! Dann zieht noch einmal eine Schar wohl zu dem Kaiserberge, Noch einmal weist ein Dichter dann hin aus der Helden Särge, Gedenkt der Alten, aus dem Schutt vergang'ne Zeiten grabend, Dann spricht er wohl:„Dies Monument, es wurd geweiht am Abend Vor einer Weltschlacht Jahrestag. Und ist das Glück beschieden, Am Freiheitsmorgen kränzen wir's, am Tag des Weltenfriedens!" Mit Jubel von des Berges Kron' blingt's kann ins Land hinein: „Doch lebe Deutschlands großer Sohn, ein dreisach Hoch für Stein!“ Auf den Wunsch vieler, besonders aber auf Bitten Friedrich Harkorts, brachte dann Adolf Müller, Fuuen, seine poctische Gabe zum Feste dar.—— Opp'm Kaisblärge. O Bonapatt, o Bonapatt, Wie hett se di bi Leipzig hatt! Am siewentienten oder achtienten, es en Daun; Am siewentienten, do woren se noch dapper am Hau'n, Am achtienten, do was de Schlacht vördie, Und use Heeme was wier frie Un der dat Beste dobie hiätt dohn, Dän heww't vie nu hier op däm Kaisbjärg stohn. Hä steht do as op dä ollen Biller— Do sätten sä mols so Lüh op de Schiller Und höllen se hoge un börden se opp Und börden se bis noh'm Hiemmel ropp, Dat jedwedereen konn seih'n dän Mann Und hadde siene Freude dran. Nicks op de Welt gefällt iäm biätter, As dat hä hier kiekt noh Frigget Wetter, was boll de, hä was boll hier, Owwer de Frigget, dat was sien leiweste Stier. In Frigget Wetter, do lährt hä verstohn, Met de Bonepattes ümtegohn. Und in de grote Leipziger Schlacht Do hiätt häft Examen afgelagt Un bis an sienen letzten Dag De Frigget täm lutter am Hiärten lag. Hier steht de Stein un op Syb'rg de Binck, Man süht se wiet herüm im Krink,— Man füht se dör't ganze Land so wiet Un denkt an de guede olle Tied. Wat sick da Vader Bincke met freit Un hier noh'm Kaisbiärg wenken deit! ha stonn op Syb'rg so alleen, un steht op däm Kaisbiärg Badder Steen. Hä steht op däm Kaisbiärg, de Vink weet warüm: Hä kieket sick hier noh'm Kaiser üm! Rit noh däm Kaiser Bonapatt, Dä hiät bi Leipzig sin Fett gehatt; Rit noh däm Kaiser Franz Josef to Wien, Dä hiät et versocht un lätt et nu sien;— Näh noh däm groten Kaiser Kahl, Dä hier noh Syb'rg trock ter Dahl; Un noh däm ollen starken Hiärmen,— De Tied es do, de Ihmen wellt schwiärmen. „Hiarmen, schloh Diärmen, schloh Piepen, schloh Trummen". Dat Riek es do, de Kaiser maut kummen! Und sall't ok noch en bitthen duern,— Geduld un en Schmoltbuetter! segget de Buern. Se hett jo do duowen en guet Verbliw Un ok en gudden Tietverdriw. Sä kieket met grote Oogen aan Sick Dag füör Dag de Iserbahn, Un wat do geht un kömmt int Land Vom eene in de and're Hand. Sä seiht sich mästen op de Wei' Vör'n Beemarkt all de setten Kei“; Zeit Schuottsteen duenne di Schuotisten stohn, abriken un de Hiämmers gohn: m Jämpe, Buolme, Liänne, Ruhr De olle märkische Natur,— En biettken köppsch wuoll un verkahrt, Dat liett nu eenmol in de Art, Dat bliew't se lutter, dus sä stiärwet, Dat heww't vom Stein un Vinck se järwet; Un oh wuollens en biettken’nau Und hollt dän Bühel duenne tau. Owwer kümmt de Tied, geht Not an Mann, Dann deit jedweder, wat hä kann. Dann es kän Mensche so ruhbästig,— Hä spielt doch met wier Säßunsäßztig! o seiht se de Buolme, Jämpe, Liänne, Sieck reeken met de Ruhr de Hänne Und all jähr Water tesammengeiten Und noh däm Vader Rhin hen fleiten,— Und denket: Wannähr, dat es us glens Nen endlich wätt doch Dütschland ens! Ss 1ei2: de Kodbenspinnen weigen Un seiht de Krukranen fleigen Un denkt: Fleiget nit to wiet Un brengt us met de rächte Tied, Ollwiewersommer es bolle vörbie, Noh'm Winter kömmt Ostern, et leiwe Luh! Briennt dann, ei Füers, dam Stein te Aehren, At wann et Poschefüers wären,— De Binck un de Stein sind oppestohn, Met Dütschland sall et nämlich gohn! De olle Hähr Hokuort, dä sall noch seihn Und sall sick darüöwwer van Hiärten freun Un noch en drüdden Tohern bau'n Däm Kaiser te Aehren un siener Frau'n. Un kämen wie'r de Franzosen,— Bi Guot! Hier söllt se wuoll hollen un posen. Vüör düese beiden Kiekintland Hält siecker kein Franzose stand. Hier denket se an Binck un Stein Un maket schwank sick op de Bein Un lopet un raupet: O Bonapatt, Wie hett se di bi Leipzig hatt! Das höstliche Gedicht entzückte jedermann und rief eine heitere Stimmung wach. Dem Dichter Müller wurde stürmischer Applaus zuteil. Darauf verherrlichte der Wuppertaler Sängersmann Emil Rittershaus den bewährten Kämpfer für Freiheit und Recht, Friedrich Harkort. Die improvisierten Berse lauten: Dem Manne Heil, der als Jüngling schon Errungen des Mutes Lorbeerkron“, Der mit dreister Stirn sechtend stand In dem heiligen Kampf für's Vaterland, Der noch heute mächtig steht im Gefecht Für Volkes Freiheit und Volkes Recht. Und reimen wir auf den Namen„Stein“ Das stolze Reimwort„sleckenrein", Wohlan, ihr Freunde, reimen wir Auf Harkort—„Wahrwort“— heute hier.— Ihr Götter, mit allem Guten erfreut's Das goldene Herz unterm eisernen Kreuz, Und ruset hier auf der Bergesspitz: „Hoch Harkort, Westsalens alter Fritz!“ Mit Begeisterung stimmte die Festversammlung in das Hoch auf Friedrich Harkort ein. Mehrere schöne Gesangstücke, welche durch den Lehrer C. Flüs, Hagen, dirigiert wurden, gelangten zum Vortrag und veredelten durch ihre harmonische Wirkung die denkwürdige Feier. Zum Schluß der Feierlichkeit teilte Fritz Harkort noch zwei inzwischen eingegangene Depeschen mit, deren eine von den Abgeordneten Berger, Florschütz, Berswordt=Wallrabe und Dr. Becker war und den Festgenossen herzlichen Gruß überbrachte. Die andere Depesche stammte von dem früheren Leibarztes des Freiherrn vom Stein, dem Herrn Dr. Wiesmann aus Dülmen, der zu dem Feste eingeladen war und sein Nichtkommen unter Gruß an das Komitee und die Versammelten entschuldigte. Viele stiegen jetzt die 144 Stufen des Denkmals hinan, um von der Plattform desselben die herrliche Aussicht auf die gesegnete und malerische Landschaft zu genießen. Nachdem die Festlichkeit auf dem Berge ihr Ende erreicht hatte, wurde dieselbe in Herdecke durch gemütliches und frohes Zusammensein ln dem trefflichen Gasthause„Zweibrücker Hof“ sortgesetzt, wo sich die auf dem Berge erstarrten Glieder bald wieder erholten. In gleichem Maße wurde auch die Stimmung der Festteilnehmer eine gehobenere. Toaste wechselten mit launigen Gesangvorträgen, durch welch letztere sich der„Hagener QuartettVerein" den ungeteiltesten Beifall und Dank der Anwesenden erwarb. Von den verschiedenen Toasten erwähnen wir den von Emil Rittershaus auf die westfälischen Dichter Ed. Schulte und Adolf Müller und den des Pastors Henkell, welcher ein Hoch auf die deutsche Jugend brachte. Außerdem wurde allen noch eine hübsche Ueberraschung zuteil durch die bengalische Beleuchtung des Denkmals, welches in dieser farbigen Pracht einen herrlichen Anblick gewährte. Während der Nachversammlung im„Zweibrücker Hof“ wurde wie aus dem Kaisberge nach der Weihe ein illustriertes Erinnerungsblatt, ein Gedicht von Emil Rittershaus und die Abbildung des Steindenkmals enthaltend, zur Beförderung des weiteren Ausbaues des Turmes ausgegeben. Im folgenden bringe ich eine Wiedergabe desselben auf der ersten Seite. Das Festkomitee vergaß bei der Einweihungsfeier aber auch die Werkmeister und die Werkleute des Denkmals nicht. Beim Bahnhofswirt Karl Düllmann zu Herdecke lag für sie ein Anker Bier zur Stillung des Durstes(2 Taler 15 Silbergroschen) auf. Ferner wurden 10 Flaschen Wein, à 12 Sgr., der Hals gebrochen und 40 gut belegte Butterbrote, das Sück zu 2 Sgr. von ihnen verzehrt. Freiherr vom Stein ist tot. Schon in 2 Jahren, am 25. Juni 195., können wir die 100. Wiederkehr seines Sterbetages begehen. Stein ist tot, und doch lebt er, denn: „Wer den Besten seiner Zeit genug getan, Der hat gelebt für alle Zeiten!“ Paul Schulte. Alte westfälische Siedlungen. Etymologische Plauderei von E. Wendroth. Steigt man von den Ruhrbergen nach Norden ins Tal, in die Ebenen Westsalene hinab, wo sich Industrie und Landwirtschaft die Hand reichen, dann erspäht man schon von Ferne die alte Hansestadt Dortmund. Auf historischem Grund und Boden stehen wir. Das Land der Sachsen liegt zu unseren Füßen der Gaugrenze„Herringen", wieder am hellen, glänzenden„Bach“„Lüttringhausen" und am en". Weiterhin troffen wir st Berghausen. Flachsbau wird getrieben. Während„Severingöhrenwald ansiedelt, bezeichnet ein Gut in der Niederung. End„„„Böckinghausen"(vock, sok, zaun, Jahrhunderte verändert! Die Wälder haben dem gitter) und„Meininghausen" auf. Aus letzterem Quel!“ „Dönninghausen“ in„Leiningen" haus“ sich am „Siddinghausen“ Aber wie hat sich die Landschaft im Lause der lich fallen noch Ackerbau weichen müssen und diese hat wiederum stammt eine in Dortmund bekannte, weitverzweigte####. Oaitägun in der Industrie Platz gemacht. Jedoch ist noch man Familie Meininghaus. Grundwort ist Meinhard.* die Veisügung in cher Ort, Wald. Busch, Bach und Kotten übrigge Gehen wir auf den Wald zurück, so finden wir! schaftswort, 1. Zusammengesetzte Dingwörter: a) Das Bestimmungswort ist ein Personen= oder Familtenname: d) das Bestimmungswort ist ein sonstiger Eigenname; c) das Bestimmungsort ist ein Gattungsname. 2. Dingwörter mit voranstehendem Eigenschaftswort als Beifügung: ursprüngliches Eigenein blieben, die an das Einst erinnern. Wandern wir durch die Gegend, so sällt uns die reiche landschaft liche Abwechslung und die Mannigfaltigkeit der Ortsnamen auf. Wie sind sie entstanden? Als die Altvordern seßhaft geworden, die Gegend besiedelt, den Wald gerodet, sich der Vieh in„Asseln" das Eschenhausen, wie im Braunschweigischen Eschershausen, dagegen in„Eickholt" und „Ichterloh“, die Eichenhaine. Siedelungen mit Haselbüschen gibt's vielerorts, hier heißt's„Hassel"; auf Buschwerk deutet„Heesen“; auch in„Holzwikkede“ ist der Busch angedeutet, gleichzeitig ist der Hof befestigt, was aus der Silbe wick—wiek gefolDort mer hau bao. Min L„ b) die Beifügung ist aus einem Ortsnamen abgeleitet. Daraus ergibt sich die richtige Schreibung von selbst. 1a Das Bestimmungswort ist ein Familien oder Personenname, Schreibrege!: Das Bestimmungswort ist zucht und dem Ackerbau gewidmet hatten, bauten gert werden kann und weist neben Ackerland auch von dem Grundworte so zutrennen, daß der Versie Siedlungen, Höfe und Kotten. Zur Unterschei= Weiden auf, denn ede—ithi=weide. Wiederum sonen" oder Familienname als solcher unzweidendung gaben sie ihnen Namen, die sie nach der Lage kauchen Buchen auf in„Sandbockum“; dichter Hoch= tig zu erkennen ist: und Umgebung wählten. Nach ihrer Deutung kann wald steckt in„Wullen". Auch„Lippholthausen man noch die einftige örtliche Beschaffenheit fest= liegt an einem schmalen Bach im Busch. In„Frohstellen, auch wenn die Gegend heute ein ganz an= linde“ finden wir ein mit Linden umgebenes Gederes Gepräge, ein anderes Gesicht zeigt. Wald, höft, einen Fronhof. Busch, Bach, Sumpf, Bruch, Riet, Schilf und ihre. Steil fällt der Berg ab in„Hengstey“. Auf der sprachlichen Abarten haben bei der Tause Pate ge= Höhe liegt„Hostede", denn„ho“ bedeutet„hoch“, standen. seine Silbe die in vielen Ortsnamen in mancherlei Eine Wanderung durch die Umgebung von Gestalt als hoh, ha, han, hu usw. wiederkehrt. Ich Bochum bis Hamm zeigt uns eine Fülle alter Sied= nenne nur Hohenstauffen Hohenlohe, Höhscheid bei lungen.(Düsseldorf, gedeutet in Hochsels, Hochwald und Jeder Ortsnamen zersällt in Grundwort Berggrenze. und Beiwort Stammsilbe und Nebensilbe(n). Das, Hohegeiß, das hohe Gunst im Harz, Höchst am Bismarck=Straße: Goethe=Straße; Jahn=Straße; Gabelsberger=Straße: Harkort=Straße; MoltkeStraße usw. Außerdem: Gevelsberger=Platz; Kaiser=Friedrich= Turm; Harkort=Schule; Jahn=Denkmal: Bürgermeister Lange=Gedenkstein. 1b Das Bestimmungswort ist ein sonstiger Eigenname. Trochenes, unfruchtbares Gelände weisen auf sammengesiotz, so ist die Bezeichrung ale zusam„Haaren“, Hardenberg sauf steinigem Hügel an, wengesetztes Dingwort im gewöhrlichen Sinne anlegen).„Horsteld; wie Dorsen,„Geist- wie Gest“ Karstraßze: Luisenstraße: Hardtrabe, Heu Geichs Aller, Bedenstluß der Veser), Anke, Asferde. Teanrape: Könsestrabe: Kivverstrate: Gr. uff) nicht nur in der Gegend, im Gau, sondern in fast allen deutschen Gauen einschließlich Schweiz, Oesterreich, Elsaß; daher die überraschende Gleichheit oder Aehnlichkeit mancher Ortsnamen in verhiedenen Gegenden. 3. B. Mülheim=Ruhr, Mil eim=Rhein, Mühlheim im württembergischen Schwarzwald, Mühlheim in Hessen und Mühlhausen im Elsaß; oder Thann im Elsaß und Tanne Beckelfum, Ewing. Hilbeck, Ober=, Nieder=Aden,I Tillmannsstraße: Eigentlich müßte es Till im Harz; oder Marbach in Württemberg(Schillers zwei Schwestersiedlungen, die auch einen Verwand= mann=Straße heißen, da dieser Straßenzug nach Geburtsort) und Marbach in der Schweiz; Birgel#ei in Adenau an der Ahr haben.„Unna“ soll ohne einem Anwohner mit Namen Tillmann bei Düreni im Rheinland und Bürglen in der Wasser— un aha gedeutet werden. Im Bruch und worden ist; ebenso bei Leimstraße. d. b. LeimannSchweiz(bekannt durch Wilhelm Tell); Borken in Sumpf hausten sie ehedem.„Brackel“ mit manchen Straße, dach darüber später mehr. Hessen und Borken an der holländischen Grenze verwandten Siedlungen erinnert daran. Ich nenne Vruert eutr: ee2t Bestsalens, Eschenbach in Franken(Geburtsort Brackwede bei Bielefeld, Brakel bei Höxter, Broich] 1. Das Bestimmungswort ist ein Gattungsname des epischen Dichters Wolfram) und Eschenbach in im Rheinland, Bracht an der holländischen Grenze,! der Pfalz; endlich Freiberg bei Dresden, Freiberge Pruchsal bei Karlsruhe. Brack kann auch aus—39:“.9,. enamaslatch#. 09 in der Schweiz, Freiburg im Breisgau(Baden),„brachliegendem Feldstück(Acker) hergeleitet—— geiten als zusammengesetztes Dingwort Freiburg bei Stade und Freiburg in Schlesien werden.— zn üblichen Sinne, müssen also in ein Wort zuusw.Das Beiwort ist das Charakteristikum für den! Mancher Kotten stand auf tiesem, fruchtbaren! ga#öogen wetern. Kotten, aus dem bei Vermehrung der Familie die oden, so„Gahmen“ und„Gemmerich“, wie Gehmen! Dachltraße: Bahnhofstraße; Marktstraße; BrükSippe und der Ort entstanden sind. Finden wir bei Borken und Gemmingen in Württemberg. Frei! sgatstaßs: Kleinbahnstraße: Lindenstraße, einerseits Orte mit den Silben hagen, holt, horst, blickt das Auge, weite saftige Auen, Weiden und! Narktplaß; Lammnraße unw. ist durch ein ursprüng(Adjektiv) gegeben, Eigenschaftswort ist Teil 9= nen Srrich mir dem Grunowort vervunden sein: Kurze Straße: Lange Straße: Neue Straße; Alte Wilhelmstraße: An der Weißen Rose: Am Kurzen Erlen: Obere Hallestraße usw. die vielen Buchenhaine andeuten. Auch„Witten deutet auf Wald.„Iserlohn“ ist der Eisenwald, d. h. der Bergwald, wo Eisen gefunden wird. In „Lindenhorst" rauschen die duftenden Linden, wie in„Ickern" die knorrigen Eichen und in„Asseln die Kiesern nicht geschlagen(dere— föhre). In„Lehmhegge" buddelt man Lehm zur Töpferei. Sofern man weiß, daß her grenze ist, erklären sich leicht„Herbern" und„Herdecke". Die Kotten standen an einer damals fest bezeichneten die schlanken Eschen.„Waltrop“ zeigt einen festen Grenze(des Gaues, der Sippe, des Waldes oder 2b Die nähere Bestimmung ist durch ein von einem Mlat im Melh. emi. Aallinnt MI. 48—Li2 Tähnliche! Oer.in. WDilllanm.. PL Te. im Walde, wie„Hölting“ ein Erbgut in Hieran anschließend komme ich—. die Erbgüter. Landbesitz und dessen Vererbung auf die Nachkommen war in früheren Jahrhunderten stark ausgeprägt. Selbstverständlich, daß man bei der Namengebung dies besonders betonte. Der ähnliche). Von einem Rittergut oder Kloster abhängige Höfe finden wir in„Fröhmern" und zunächst auf„Fronhausen“. Nach der Wetterlage taufte man„Oestrich“, es war ein im Osten, nach Osten gelegener Hof, wie Oestrich im Rheingau, am Ostufer des Rheines und Oesterreich, die Ostmark des alten Deutschen Ortsnamen abgeleitetes Eigenschaftswort gegeben. Schreibregel wie bei 2a: Berger Straße; Grundschötteler Straße: Boerder Straße; Berliner Straße; Kölner Straße; Volmarsteiner Straße. bei der Namengebung dies besonders betonte. Der Oesterreich, die Ostmark des alten Deutschen!. Wenn obige Ausführungen bei der Herstellung Adel heißt heute noch nach seinem Erbsitz, auch Reiches. Als Gegenstück finden wir„Westrich“ und der Namenschilder an den tSraßen, beim Druck des „Westerwinkel". IAdreßbuches und der Zeitungen, beim Schreiben Eine slawische Siedelung ist„Camen“ in der der Straßennamen im öffentlichen und privat Bedeutung„Stein“, wie Camin in Preußen und Verkehr usw. Beachtung finden, dann haben Camentz in Schlesien. „Es hat Pisa seinen schiesen Turm, die Sesecke bleibt ruhig, selbst im stärksten Sturm!" wenn er ihn verloren hat, Außer„leben" deutet „ingen“ den Besitz, das Erbgut an. Während man Orte mit„leben“ häufig in Hannover, Braunschweig und Sachsen trifft— ich nenne Aschersleben, Eisleben, Fallersleben, Oschersleben, Wegeleben und Lebenstedt, sind die mit„ingen“ über alle deutschen Gaue zerstreut zu finden und häufen sich!.. In Westsalen besonders. Im Braunschweigischen So heißt's in einem westsälischen Sang.„ofast liegen Beddingen, Kneitlingen, Laningen, Rünin[as Dörvem; war der Wahlspruch der alten gen,Süpplingen, Uefingen; in Mitteldeutschland Dortmunder. Dortmund war der Altsitz der Feme Göttingen, Meiningen; an der Ruhr Hattingen 1altho reme) unid bedeutet Traimann: und Heisingen; im Bergischen Solingen; am Rhein Uerdingen und Ratingen; an der Mosel die Weinorte Winningen und Zeltigen und in Süddeutschland Gemmingen, Hechingen, Reutlingen, Sigmaringen, Säckingen und Tübingen usw. Ganz eigenartig ist die Erscheinung, daß gerade in Westfalen ihren Zweck erfüllt. Ein Kapitel Stechpalme. Von Wilhelm Lienenkämper. „ Aus meinen Kinderjahren sind mir die Kaiser(althd reme) unid bedeutet Trotmanni= Gerichts= geburtstag= und Sedanseiern noch in sehr guter Erinnerung. Für die Jugend gab es an diesen Tagen Wettlaufen und Vogelwerfen und als Belohnung Brezeln und Limonade. Auf dem Festsaal war das Rednerpult mit Tannenreisern geschmückt, desgleidie Versonennamen auf„ing., überraschend zahlreich auftreten. Die Ahnen saßen auf eigenem Auf zcotreich auftreten. Die Ahnen saßen auf eigenem herrscht solche Unsicherheit u.* Regellosigkeit, jasecke in die andere schwangen und si Grund und Boden, ihre Siedelungen sind teilweise Ratlosigkeit, wie auf dem lb. Schreibung der bei dem Kronleuchter trafen. Schon ring ver gpen. B#. Straßennamen, wovon sich jedermunn täglich und vor dem Feste durchstöberte die Schuljugend die Die festen Plätze, geschlossenen Orte tragen oft leicht überzeugen kann. die Endungen dorf, hausen, sen, nen; letztere sind] Weil aber in unseren Straßennamen deutsche Kürzungen von„hausen" und„heim“; auch die Erb= Schreibung sozusagen auf die Straße tritt, so sollguter sind teilweise so benannt, weil sich um den ten wir doppelt um ihr Aussehen besorgt sein. Gutshof die Leibeigenen, die Frohnen und später Unsere Straßen=, Wege=, Flur= und Ortsnamen Die Schreibung unserer Straßennamen. Von Paul Schulte. keinem Gebiete ur rer Rechtschreibung chen die Bilder an der Wand. Aber das Schmuchstück bildeten ohne Zweifel die zwei riesigen Girlanden aus Hülsenblättern, die sich aus einer SaalWälder, um Hülsenbäume zu sammeln und die Blätter anzuschnüren. Arme, gute Stechvalme, wieviel deiner Kinder mußten sterben, damit eine einzige Girlande zustande kam! Und an wieviel Orten wurde so gehandelt. So verschandelte der