Landwirtschaftliche Beilage 9 Soeller Kreisblatt“ Nr. 23 golt den 5. Jeni 1928 4 7. Jahegang gelhof im Juni. Die grundlegende Arbeit für die Erneuerung des Tierbestandes ist getan: die Brut ist im großen und ganzen beendet. Wenigstens für Zuchtzwecke sollte jetzt nicht mehr gebrütet wer den, da sich diese Spätbruten selten noch bis zum Beginn der rauheren Jahreszeit kräftig entwickeln. Sie bleiben in der Regel minderwertig und insolgedessen unlohnend. Etwas anderes ist es mit Schlachtaeflügel. Wo Absatz leicht möglich ist und annehmbare Preise zu erzielen sind, ist dieser Zweig der Geflügelzucht eigentlich das ganze Jahr hindurch zu betreiben, vorausgesetzt, daß die nötigen Aufzuchtgelegenheiten vorhanden sind. Eine Ausnahme bildet vielleicht die Zwerguhnzucht, da manche Züchter dieser Rassen behaupten, daß unibruten die schönsten Tiere ergeben. Sobald sich die Geschlechter unterscheiden lassen, sollte man Hähnchen und Hennen trennen. Sie gedeihen dann besser. Namentlich sind es die leichten Rassen, die recht früh reif werden und sich dann unnötigerweise schwächen würden. Gleichzeitig findet die erste Musterung statt. Alles, was aus irgendeinem Grunde nicht für tauglich befunden wird, ist auszumerzen. Man spart dadurch nicht nur an Futter, sondern kann den Zurückgebliebenen umso bessere Pflege und Wartung angedeihen lassen. In Ställen und Restern achte Ställen und Restern achte man streng auf Reinlichkeit. Futter darf nicht verabreicht werden, dagegen viel Grünes und stets frisches Trinkwasser. Da Weichfutter in der heißen Zeit leicht säuert, sind Futterreste alsbald zu entfernen und die Futtergefäße peinlich sauber zu halten. Die brütlustigen Hennen, die keine Brut mehr machen sollen, sperrt man in Käfige mit Lattenböden, die im Freien so aufgestellt werden, daß die Tiere 20—30 Zentimeter über dem Erdboden sitzen und die Luft von unten her ihren Körper umspült. Man ibt ihnen Gelegenheit zu trinken, füttert aber ganz wenig. die Brutlust vergeht dann oft schon in zwei Tagen. Gänse gehören jetzt auf die Weide. Bis zum Herbst brauchen dann keine nennenswerte Futterzugabe.— Enten können noch erbrütet werden; sie geben dann noch bis Oktober einen saftigen Braten. Um dem Fleisch einen pikanten Geschmack zu geben, mische man unter das Weichfutter kleingehackte Sellerieblätter.— Die Kücken von Puten, Perlhühnern, Fasanen und Pfauen bedürfen sehr der Wärme. Dieses beachte man besonders in den ersten Lebenswochen. Nur an stillen, warmen Tagen lasse man sie hinaus, schütze sie aber gegen grelle Sonnenstrahlen, Tau und Regen. Größere Puten treibt man, wie die Hänse, auf die Weide und Brachäcker. Auch im Taubenschlag sorge man für größte Reinlichkeit und Lüftung.— Die Nester sind täglich nachzusehen, um abgestorbene Eier oder tote Junge gleich entfernen zu können. Um einem Ueberhandnehmen des Ungeziefers zu steuern, spare man nicht mit Desinfektionsmitteln. Ein Bad darf in keinem Taubenschlag fehlen. Das Wasser ist täglich zu ersetzen. der Selbstfütterer an der Stallwand. Bei der Ausdehnung der Hühnerhaltung kommt man einmal an den Punkt, wo die Herstellung von Weichfutter wegen des damit verbundenen Arbeits= und Zeitaufwandes unmöglich wird. Man muß dann zur Trockenfütterung übergehen, d. h auch die bisher im Weichfutter gebotenen Nährstoffe in einer Form reichen, die nicht nur keine besondere Zubereitung voraussetzt, sondern zugleich längere Lagerung erlaubt. Für diesen Wir haben zu wenig Rhabarber. hat man vesondere Mischungen züsammengestellt und Vorrid in denen diese Futterchtungen erdacht, in denen. mischungen den Hühnern zu beliebigem Gebrauch dauernd daroten werden. Einen solchen Trockenfütterer, den sich jeder aus Holz selbst zusammenfügen kann, zeigen wir hier im Querschnitt. Er wird entweder an einer Stallwand aufgehängt oder auf Stützen gestellt, die an der Wand befestigt sind. Vor der Rinne, aus der die Hühner das Futter picken sollen, bringt man eine Sitzstange an. Die schräge Decke des Futterkastens Zu diesem Ergebnis kommt jetzt manche Hausfrau, die von ihrem Garten erwartet, daß er ihre Küche mit den Gerichten der Jahreszeit versorgt. Sie möchte fast jeden Tag eine Schüssel mit erfrischendem Rhabarberkompott auf den Tisch stellen, aber die Blätter wachsen nicht so schnell nach, wie sie davon erntet. Dann hat sie eben nicht genug Pflanzen, sollte man denken, aber dieser Grund ist nicht der einzige, der den Mangel verschulden kann. Die Pflanzenzahl wäre vielleicht ausreichend, den Haushalt zu beliefern, aber der Boden gibt nicht soviel Nährstoffe her, wie die Pflanzen umsetzen möchten, oder die Sorte, die gepflanzt wurde, läßt es an Triebkraft fehlen. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche Ansprüche die Rhabarberpflanze stellt, wird man leicht entscheiden können, durch welche Maßnahme die gewünschte reichere Ernte zu erzielen ist. Als besten Boden für Rhabarber bezeichnet man einen gehaltreichen, warmen, feuchten Niederungsboden. Daß er gut gefüttert werden muß, kann man aus seiner schnellwüchsigen und massenerzeugenden Natur schließen. Seine großen Blätter verdunsten natürlich auch sehr viel Wasser. Dafür müssen die Wurzeln Ersatz schaffen. Bei einem Grundwaenerstand von 100 bis 150 Zentimetern sind sie dazu bestens imstande. Stauende Nässe vertragen die Rhabarberpflanzen nicht. Die Bodenart allein entscheidet über Erfolg und Mißerfolg des Anbaues nicht, die Hauptsache ist, daß der Standort eine starke Schicht frischer, nährstoffreicher Erde aufweise. Ob ihren Hauptbestandteil Lehm, Humus oder Sand bildet, ist weniger wichtig. Ueberschätzt wird auch oft die Bedeutung der Besonnung. Es muß gerade als ein großer Vorteil beim Rhabarber hervorgehoben werden, daß er besser als viele andere Kulturgewächse im Schatten gedeiht. Nur das sei nicht verschwiegen: warme, sonnige Lage beschleunigt den Beginn der Ernte. Der Rhabarber ist ein starker Zehrer am Boden, jedoch bei weitem nicht so gefräßig wie der Kohl. Die Düngermengen, die man ihm reicht, braucht man nicht ängstlich abzuwägen, er verträgt alles und lohnt es auch. Es ist z. B. vorteilhafter, eine kleinere Anlage ausgiebig zu düngen, als eine größere fpärlich. Besonders im ersten Jahre darf man nicht knausern, denn von der kräftigen Jugendentwicklung hängt der Ertrag der späteren Jahre ab. Auf ein Ar rechne man etwa zwölf Zentner. Bei der tiefen Lockerung des Bodens vor der Pflanzung empfiehlt sich eine normale Kalkung zusammen mit acht Kilogramm Thomasmehl als Vorratsdüngung. Aeltere Anlagen erhält man durch eine Herbstdüngung mit sechs bis acht Zentnern Stallmist leistungsfähig. Daneben kann man im und Frühjahr noch etwas Kainit oder 40prozentigen Kali Superphosphat verabreichen. Zur Pflanzung verwendet man am besten geteilte Wurzelstöcke aus bestehenden, guten Anlagen. Jedes Teilstück sollte mindestens zwei Pfund wiegen. Sämlinge geben ungleichmäßigen Bestand und viele Pflanzen mit zähen, herben Stengeln. Auch beim Rharbarber gibt es gute und schlechte Sorten. Die am meisten verbreitete Sorte heißt Verbesserter Viktoria. Die Pflanzen entwickeln sich schnell, treiben früh aus und geben frühe Ernte. Der Ertrag vom Morgen bewegt sich zwischen 200 und 250 Zentnern. Er wird noch übertroffen von der Sorte Amerikanischer Riesen=Rhabarber, die von einer Pflanze 20 Kilogramm Stiele liefert. Die Herbstpflanzung hat vor der Frühjahrspflanzung gewisse Vorzüge. Im Oktober gesetzte Pflanzen wurzeln vor Winterbeginn noch etwas an. Die Pflanzweite muß man so wählen, daß ein dichter Bestand entsteht und der Boden von den Blättern völlig bedeckt wird. Dadurch spart man sich die- sommerliche Bearbeitung des Bodens. Der Mindestabstand nach allen Seiten beträgt 1 Meter. Daß man die Blütenstände des Rhabarbers, die im Mai zu erscheinen pflegen, nicht emporschießen lassen darf, ist den meisten Gartenfreunden bekannt, nicht aber, daß falsches Vorgehen dabei geignet ist, den Ertrag zu schmälern. Zur Bildung der Blüten nimmt die Pflanze einen viel stärkeren Anlauf als für das Wachstum der Blätter, und durch plötzliches Ausbrechen des Blütenansatzes mutet man ihr eine schnellere Umstellung ihres Stoffwechsels zu, als sie durchführen kann. Die Folge ist dann eine Stockung im gesamten Wachstum. Diese umgeht man, wenn man zuerst nur einen oder zwei besonders kräftige Blütentriebe mit allen dazugehörigen Blättern auszieht und nach einigen Tagen die übrigen. Spätere Triebe beseitigt man dann jeweils bei der Ernte der Blätter. Abgebrochen oder abgeschnitten werden dürfen die Triebe nicht, da die stehenbleibenden Stummel das flotte Wachstum der Pflanze beeinträchtigen. Ebensowenig schneidet man ja die Blattstiele ab. Richtig ausgezogene Stiele müssen am Ende zwei Flügel haben. Die ältesten Blätter läßt man stehen, nur die jungen, fast ausgewachsenen Stengel werden geerntet. Man darf die Pflanzen auf einmal nicht zu großer Blattflächen berauben. Nach Beendigung der Ernte, Ende Juni, dienen die Blätter der Pflanze dazu, sich für das nächste Jahr von neuem zu kräftigen. Im Herbst läßt man sie welk werden und entfernt sie erst, wenn sie sich von selber von den Pflanzen gelöst haben. läßt sich bis zur Hälfte aufklappen, damit das Futter eingeschüttet werden kann. Eine bewährte Trockenfuttermischung besteht aus je fünf Teilen Kartoffelflocken, Gerstenschrot, Haferschrot und Weizenkleie und 7,5 Teilen Dorschmehl. Dazu gibt man natürlich Körner und Grünes. Was der Kleintierzüchter im Juni beachten muß. In der Kaninchenzucht bringt der Juni den zweiten Wurf. Die Jungen des ersten Wurfes, die inzwischen soweit herangewachsen sind, daß sie nach Geschlechtern getrennt werden müssen, sind als Zuchttiere beizubehalten. Weniger gute Tiere mästet man für die Küche. Die Fütterung der Kaninchen verlangt besondere Sorgfalt, sonst bleiben die gefürchteten Krankheiten Trommelsucht und Speichelfluß nicht aus. Immer verfüttere man etwas Heu mit, das Nagebedürfnis befriedige man durch einige Baumzweige. Die Stallungen sollen rein, ungezieferfrei und nicht zu sonnig sein. Jungkaninchen müssen ständig beobachtet werden. Schwächliche Tiere werden von den anderen vom Futter weggedrängt und magern infolgedessen ab. Solche Tiere müssen also besonders gefüttert werden, am besten trennt man sie überhaupt von den übrigen. Ist der Jungtierstall nicht geräumig und hell, so muß man für seine Bewohner unbedingt einen Auslauf herrichten, wo sie sich einige Stunden des Tages tummeln können. Aufenthalt und Bewegung in frischer Luft macht die Tiere kräftig und geignet, gute Nachkommenschaft zu liefern. An Stelle des reinen Trinkwassers kann man übrigens den Kaninchen das beim Kochen von Gemüsen übrige Brühwasser, das Kartoffelwasser, Kloßbrühe und Spülwasser aus Milchgeschirren geben. Spülicht von fettigen Eßgeschirren ist dagegen nur für Schweine geeignet. In der Ziegenzucht beginnt jetzt die Weidewirtschaft. Die Tiere sind erst dann auf die Weide zu treiben, wenn der Tau getrocknet ist. Vor Nässe und Kälte, Sonnenbrand und Durst sind die Tiere zu bewahren. Beim Anbinden verfahre man so, daß die Tiere sich nicht in den Leinen festwickeln oder aufhängen können. Das erreicht man am einfachsten durch einen um den Pfahl frei beweglichen Ring, an dem die Leine befestigt wird, oder einen drehbaren Haken am Halsband. Nasse Wiesen mit hohem Grundwasserstande sind wegen der Leber= und Lungenwürmer, die sich an den Gräsern im Uebergangsstadium befinden, gefährlich, ebenso solche Wiesen, die im Ueberschwemmungsgebiet von Flüssen liegen, da deren Wasser immer durch Abflüsse von Fabriken oder Bergwerken verunreinigt ist. Bei der Stallfütterung verwende man fleißig Abfälle aus Garten, Feld und Haushalt. Dazu gehören Geiztriebe des Weinstocks, das Blattwerk abgenützter Erdbeerbeete, Abschnitte der Hecken, Erbsen= und Bohnenstroh, allerlei Kräuter usw. dünnsaat und Hackmaschinen. Viele Landwirte wenden gegen die Dünnsaat des Getreides ein, sie gebe nur dem Unkraut mehr Raum. Sie hätten wohl Recht, wenn es keine Abhilfe dagegen gäbe. Da es aber möglich ist, das Unkraut mit Hackmaschinen zwischen den Getreidereihen zu unterdrücken, ist der Einwand nicht stichhaltig. Alle Gefahren, die man durch Dünnsaat fürchtet, werden durch das regelmäßige Hacken beseitigt, weil nicht nur das Unkraut vertilgt wird, sondern das mit dem Hacken verbundene Anhäufeln zugleich ein reicheres Bestecken der Getreidepflanzen verursacht. Außerdem erhält die wiederholte Brechung der Bodenkruste eine lockere, gekrümelte Oberfläche, die den Wasservorrat im Boden bewahrt und ihm dadurch dauernde Frische gibt. Solange man zwischen die Pflanzen kommen kann, muß diese Krümelschicht immer wieder hergestellt werden. Haben sie sich dicht über dem Boden geschlossen, dann bleibt die Krümeldecke in ihrem Schatten bestehen. Vom Düngerhaushalt des Bodens. Jedem Gärtner ist bekannt, daß die Kohlarten anspruchsvoller in bezug auf Düngung sind als Wurzelgewächse wie Gurken und Möhren. Der Landwirt weiß, daß die Hackfrüchte besondere Ansprüche an die Nährstoffzufuhr stellen. Aber auch innerhalb derselben Pflanzenart sind die Anforderungen an den Nährstoffhaushalt des Bodens durchaus verschieden. Der Landwirt baut des öfteren Hafer als abtragende Frucht, d. h. als letzte Frucht in der Fruchtfolge. Es geschieht das aus dem Grunde, weil diese Pflanze, verglichen mit den anderen Halmfrüchten, in besonderem Maße imstande ist, sich Nährstoffe anzueignen. Für diese Fähigkeit ist nicht allein der Umfang des Wurzelwerkes entscheidend, sondern auch die Eigenart der Wurzeln. Diese wirken nämlich mit Hilfe von Säureausscheidungen lösend auf die Bodennährstoffe und können somit ofs dort noch Nährstoffe vorfinden, vo andere Pflanzen schon hungern müßten. Aber auch eine Pflanze mit dem besten Wurzelvermögen muß einen gewissen Nährstoffvorrat im Boden vorfinden, um gedeihen zu können. Hierin unterscheiden sich num die Böden von Hause aus. Im allgemeinen kann man wohl sagen, je leichter, d. h. je sandiger ein Boden, um so ärmer ist er an Nährstoffen, um so notwendiger ist also die Düngungs Das bedeutet nun freilich nicht, daß die guten Bodenarten geringerer Düngung bedürften. Hier fällt ins Gewicht, daß die Ernten besser ausfallen, also mehr Nährstoffe durch sie fortgeführt werden. Infolgedessen muß auch die Nährstoffzufuhr höher sein. Einen Ueberblick über den Nährstoffhaushalt und damit das Düngerbedürfnis des Bodens gibt uns die Bodenuntersuchung. Den Stickstoff liefert den Pflanzen in der Natur der Humus. Ein Ueberschußgehalt des Bodens an Stickstoff ist nicht nötig, wir messen ihn je nach Bedarf der Pflanze dem Boden zu. An Phosphorsäure und Kali hingegen muß ein gewisser Vorrat im Boden vorhanden sein. Nach den neuesten Untersuchungen ist dies nun leider meist nicht der Fall. Besonders der Phosphorsäurevorrat unserer Böden ist stark zurückgegangen. Auf diesen Punkt ist daher bei der Düngung besonders zu achten. Um Abhilfe zu schaffen, bestehen hier weder technische noch wirtschaftliche Schwierigkeiten. Besitzen wir doch im Thomasmehhl ein Düngemittel, mit dessen Hilfe wir den Boden, ohne Schaden für seine Struktur und ohne Verluste befürchten zu müssen, an Phosphorsäure anreichern können, und auch in wirtschaftlicher Hinsicht läßt sich diese Maßnahme durchführen; denn setzen wir den Preis dieses Düngemittels 1913= 100, so beträgt er heute 86, während z. B. der Preis für Roggen 1913= 100, heute= 165 beträgt. Gerade die letzten niederschlagsreichen Jahre haben gezeigt, wie unangenehm sich der Phosphorsäuremangel im Boden bemerkbar macht. Lagerkorn und Rostbefall waren die bekannten Begleiterscheinungen. Viel Stroh und wenig und leichte Körner kennzeichnen die Ernten der letzten Jahre.