Landwirtschaftliche Beilage zum„Sbester Kreisblatt“ Nr. 10 Søest. den 8. März 1928 27. Jahraang Aussaat und Anzucht der Einjahrsblumen. Von Dora Kösseine. Für den Fachgärtner hat dieses weitläufige Saatkapitel längst begonnen, denn die schönen, immerblühenden kleinen Beponien, die Lobelien, Petunien, Löwenmäulchen und andere müssen schon im Januar—Februar keimen, wenn sie rechtzeitig blühen sollen. Wir dürfen jedoch annehmen, daß sich nur ganz wenige Blumenliebhaber und Liebhaberinnen mit diesen anspruchsvollen Warenhauskulturen befassen. Die Gärtner wollen auch bestehen, und wit tun besser, uns unseren Bedarf an solchen Blumenpflanzen von ihnen zu holen. Unsere Sämanns= und Pflanzenfreude können wir ja noch in reichem Maße bei jenen Arten finden, die man im kalten Kasten heranzieht oder auch gleich ins Freie ausstreut. Für diese Arbeiten kommt unsere Aufklärung jetzt gerade recht, wir haben sogar noch Zeit, uns die nötigen Sämereien zu besorgen. Ins kalte Mistbeet säen wir nämlich in der zweiten Märzhälfte, und zwar von den bekanntesten Gattungen folgende: Astern, Chrysanthemum, Coreopsis, Levkojen, Nemesia, Salpiglossis, Tagetes und Verbena. Bei ihnen genügt Sie natürliche, durch Fenster gesammelte Sonnenwärme vollauf zur guten Keimung. Man braucht daher nicht einmal einen regelrechten Kulturkasten dafür, sondern kann sich auch mit ein paar Brettern behelfen, mit denen man ein gut bearbeitetes Saatbeet des Freilandes ohne große Mühe einfaßt. Durch Auflegen von Mistbeetfenstern entsteht dann ein wärmehaltender Raum über der Saatfläche. Die Erde eines solchen Beetes sei leicht und humushaltig, jedoch frei von unverwesten Dungteilen. Im allgemeinen sind die Sämlinge der Einjahrsblumen wenig empfindlich oder anspruchsvoll, nur Levkojen verlangen besondere Sorgfalt. Da sie in fettem Boden leicht kränkeln, gebe man ihnen recht sandige Erde. Mit einer kantigen Latte drückt man in das geebnete Saalbeet feine Rillen, in die man die Samen so weitläufig wie möglich streut. Nach leichtem Bedecken und Ueberbrausen werden die Fenster aufgelegt und/ bis zum Erscheinen der Sämlinge nicht wieder entfernt. Dann muß gelüftet und gegossen werden, beides mit Vorsicht./ Die schönsten, stärksten und gesündesten Pflanzen gewinnt man, wenn man die Sämlinge bald verstopft. Dazu gehört natürlich eine weitere, durch Fenster und Bretter geschützte Beetfläche. Wer die Ausgabe dafür scheut, muß die zu dicht stehenden Pflänzchen auf dem Saatbeet beizeiten vereinzeln. Sehr groß ist die Zahl der Einjahrsblumen, die man unmittelbar ins Freie säen kann. Dies geschieht häufiger zu spät als zu früh in der Furcht, die Sämlinge könnten erfrieren. Es gibt aber viele Arten, deren Same langsam keimt und deren (Sämlinge viel Zeit zur Entwicklung brauchen. aber verhältnismäßig frosthart sind. Manche erreichen sogar nur bei Herbstsaat ihre höchste Vollkommenheit. Die Pflanzen werden stämmiger, verzweigen sich besser und blühen infolgedessen nicht nur zeitiger, sondern auch reicher als bei Frühjahrssaat. Für andere eignet sich am besten zeitige Frühjahrssaat. Weniger frostharte Arten sät man dagegen um die Mitte des April. Hier sind zu nennen Agrostemma, Bartonia, Calendula, Cypsophila, Helenium, Helianthus, Reseda. Ins Freie säen wir erst, wenn die Erde gut abgetrocknet „und bearbeitet ist. Diese Beete sollten schon im Herbst tief bearbeitet sein. Auch hier ist dichte Saat von Uebel und durch „Reihen möglichst zu vermeiden. Zu dichter Stand wird recht„zeitig gelichtet, Unkraut durch Hacken unterdrückt. Saatenschutz gegen Vogelfraß. Manche Saaten haben sehr unter den Nachstellungen von Vögeln zu leiden. Diese scharren nicht nur die Körner aus der Erde heraus, sie fressen auch die hervorbrechenden Keime und vernichten oft die ganze Aussaat. Besonders die Sperlinge machen sich durch solche Unarten verhaßt. Von den vielen zum Schutze der Saatbeete empfohlenen Mitteln erfüllen die meisten ihren Zweck schlecht oder gar nicht. Nur kurze Zeit wirkt z. B das Ausspannen von schwarzen Fäden dicht über den Beeten und das Aufhängen von Spiegelglasscherben oder blanken Blechstreifen. Wer ganz sicher gehen will, mun es den Vögeln einfach unmöglich machen, an die Saaten Neben den wirtschaftspolitischen Fragen, die in den Besprechungen der letzten„Landwirtschaftlichen Woche“ einen großen Raum einnahmen, beschäftigte die versammelten Landwirte noch eine andere Erscheinung besonders stark: daß trotz gesteigerter Aufwendung, trotz verbesserter Bodenkultur die Erträge der Vorkriegszeit noch immer nicht erreicht sind. Die einen meinten, es könnte an der stark gestiegenen Mehrverwendung des schwefelsauren Ammoniaks liegen, und erhofften von einer Rückkehr zu den älteren Stickstoff=Düngemitteln, z. B. Chilesalpeter, Besserung. Andere glaubten in dem starken Auftreten des Rostes die Ursache gefunden zu haben. Sicherlich hat jede dieser Vermutungen etwas für sich. Allein ein Umstand wurde leider nicht mit dem Nachdrück erörtert, den er verdiente: das Verhältnis, in dem die einzelnen Nährstoffe dem Acker in den letzten Jahren zugeführt wurden. Sehen wir einmal von dem im Boden vorhandenen Nährstoffvorrat ab, für dessen Feststellung wir noch keine ganz sichere Grundlage haben. Wie steht es mit dem Bedarf der Pflanzen an Stickstoff, Phosphorsäure und Kali und mit der Ausnutzung dieser verschiedenen Nährstoffe durch die Pflanze? Wir wollen das für die volle Versorgung der Pflanzen notwendige Nährstoffverhältnis im Boden berechnen und setzen zur besseren Uebersicht für die hauptsächlich angebauten Feldfrüchte, Getreide, Kartoffeln und Rüben, den Stickstoff= 1. Dann erhalten wir nach einer Zusammenstellung von Prof. Haselhof, Harleshausen, im Amtsblatt der Landw.=Kammer Kassel folgende Verhältniszahlen: Das Verhältnis der 1913,14 im Kunstdünger angewendeten Nährstoffmengen— Stickstoff zu Phosphorsäure zu Kali wie 1:3,0:2,7— zeigt also eine weitgehende Uebereinstimmung im Nährstoffverhältnis. Von reinen Nährstoffen wurden damals je Hektar angewendet: 6 Kilogramm Stickstoff, 18 Kilogramm Phosphorsäure und 15,9 Kilogramm Kati. Bei dieser Form der Kunstdüngung waren die Ernten auf ihrem höchsten Stand angelangt. 1926/27 wurden gegeben 13.8 Kilogramm Stickstoff. Auf Grund der guten Erfahrungen der Vorkriegszeit hätten dazu gehört 41.- Kilogramm Phosphorsäuce und 37,3 Kilogramm Kali. Verbraucht wurden aber nur 16,3 Kilogramm und 24,7 Kilogramm für 1 Hektar. Es ist auffallend, wie stark gegenüber früher Kali undPhosphorsäure in ihrer Anwendung im Vergleich zu Stickstoff zurückgeblieben sind. Wenn man nun bedenkt, daß gerade die Phosphorsäure besonderen Einfluß auf Ansatz und Ausbildung der Körner beim Getreide hat, so braucht man sich nicht darüber zu wundern, däß nicht nur die Kornerträge, sondern auch dasKorngewicht in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind. Drei ungünstige Momente wirkten zusammen: 1. Einseitige Stickstoffdüngung mit ihren schädlichen Folgen, 2. Mangel an Phosphorsäure, 3. schlechte Witterung. An der Witterung könner wir nichts ändern, wohl aber können wir die Ernährung richtig stellen. Der Umstand, daß die Auswaschungsverluste in den beiden letzten Jahren vor allen Dingen Stickstoff und Kali, weniger die Phosphorsäure getroffen haben, darf nicht dazu verleiten, noch weiter an P. osphorsäure sparen zu wollen. Schon während des Krieges wurden die Böden unzureichend mit Phosphorsäure versorgt. Nachher hat besonders der Ruhreinbruch der Franzosen mit der infolge Stilllegung der Staylindustrie nur geringen Erzeugung von Thomasmehl, das ja den Hauptbedarf der Phosphorsäure des deutschen Bodens deckt, einen empfindlichen Phosphorsäuremangel verursacht. Vetrug doch das Nährstoffverhältnis Stickstoff zu Phosphorsäure zu Kali gerade in jenem Jahr(1923/24) 1: 0,63: 2,1. Es wurde also damals notgedrungen fast doppelt soviel Stickstoff wie Phoephorsäure gegeben. Heute scheint#t die Erkenntnis der Unzweckmäßigkeit diesesNährstoffverhältnisses langsam durchzusetzen. Im letzten Düngerjahr verschob sich das Verhältnis Stickstoff— Phosphorsänre— Kali auf 1: 1,2: 1,8. Volle Ernten können wir jedoch erst wieder erwarten, wenn das Verhältnis der Nährstoffe zueinander so geworden ist, wie es die Theorie stets und die Praxisder Vorkriegszeit lehrte, wenn also auf einen Teil Stickstoff je2,8 Teile Phosphorsäure und Kali entfallen. Leider verhindern noch sehr viele Landwirte die rechtzeitigeBelieferung gerade mit der notwendigen Phosphorsäure dadurch, daß sie zu spät bestellen. Der Bedarf an Thomasmehl ist schon im Sommer bekannt. Wer mit dem Auftrag bis zum Herbst und Winter wartet, läuft Gefahr, nicht beliefert zu werden. Aareiz zur Wurzelbildung. Wenn Obstbäume und Ziergehölze nach dem Verpflanzen nicht anwachsen, dann bedeutet das nicht nur Zeit= und Geldverlust für den Gartenbesitzer, sondern auch Einbuße an Liebe zum Garten und seinen Aufgaben. Es ist wie im Leben der Menschen untereinander: Enttäuschungen untergraben das Vertrauen. An dem Schaden, der so entsteht, sind besonders stark die Virnbäume, Rosen und Nadelhölzer beteiligt. Soll man ihn als unvermeidlich ansehen, als Unsicherheitsspielraum, den man von vornherein in Kauf nehmen muß? Nein; denn es gibt Maßnabmen durch die man das Versagen neugepflanzter Gehölze fast völlig antschalten kann. Jeder Anfänger im Gartenfach prägt sich ein, daß die Wurzeln der aus der Baumschule beheranzukommen. Das ist aber nur durch Bedecken der Beete mit netzartigen Vorrichtungen zu erreichen. Man kann sich da leicht helfen, wenn man ein paar Mark opfert. Aus 10 bis 15 Zentimeter breiten Brettern fügt man Rahmen zusammen, die bei beliebiger Länge eine Breite von 1,20 Meter haben. Die Länge bemesse mun nicht zu groß, damit die Handhabung nicht leidet. Die besten Maße dürften zwischen 1,20 und 1,50 Meter liegen Diese Rahmen werden schließlich mit verzinktem Maschendraht von 1.5 Zentimeter Maschenweite bespannt. Beim Auflegen der Gitter ist darauf zu achten, daß kein Zwischenraum zwischen den Rahmen und dem Erdboden bleibt. Die Sperlinge entdecken bald den schmalsten Durchschlupf. Um zu verhüten, daß schwerere Vögel das Gitter durch ihre Gewicht herabdrücken und so die Samen erreichen, stützt man das Geflecht in der Mitte durch einige Stäbchen. Sobald die Schutzvorrichtung nicht mehr die gehörige Entfernung vom Boden hat, verfehlt sie ihren Zweck, auch dann, wenn die Vögel ihren Kopf durch die Maschen stecken können zogenen Pflanzen dauernd feucht gehalten und vor hellem Sonnenschein geschützt werden müssen, bis sie in der Baumgrübe wieder zur Ruhe kommen, daß beim Pflanzen alle kranken und abgestorbenen Teile mit scharsem Messer entfernt und die Schnittflächen womöglich in einen aus Lehm und Kuhdung bereiteten Brei getaucht werden sollen. Das alles ist auch ganz gut, bietet aber doch keinen unbedingten Schutz vor nachträglichem Absterben der Pflanze vor oder nach dem Austrieb. Davon kann man jedoch beinahe sprechen bei der Anwendung von Torfmull. Nach fünfzigjähriger Erfahrung des bekannten bayerischen Fachmannes, Oberregierungsrat F. Rebholz, ist Torfmull beim Pflanzen das wirksamste und wichtigste Mittel, die Neubildung von Wurzeln und somit das Anwachsen der Bäume und Sträucher zu fördern. Besser als Worte überzeugt davon die abgebildete Wurzel eines dreijährigen Buschbaumes„Schöner von Boskoop“ auf Paradies, der im Frühjahr verspätet mit Zugabe von Torfmull gepflanzt und im folgenden Herbst wieder ausgegraben wurde. Die auffallend starke Bildung von Faserwurzeln in knapp einem halben Jahre haben wir zweifellos dem Torfmull zu verdanken. Gehölze, die in solch kurzer Zeit ein so gutes Wurzelnetz bilden, können in den nächsten Jahren kräftig treiben und bald fruchtbar werden. Beim Verpflanzen des fraglichen Baumes verwendete man fünf Pfund Torfmull, mit 3 bis 5 Teilen humoser Erde vermengt. Das Gemisch wurde dicht unter, zwischen und über die Wurzeln gebracht. Torfmull hält die Erde feucht, locker und luftig und fördert dadurch das Leben der Kleinwesen im Boden, die Neubildung von Wurzeln, die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser. Korbweidenkultur als lohnende Anlage. Für den Anbau von Korbweiden eignen sich alle Uebergangs= Niedermoor= und Humusböden, soweit sie nicht unter stauender Nässe leiden, gerodete Waldflächen, Flußauen, soweit sie nicht aus undurchlässigem Lehm oder Ton oder trockenemKies bestehen. Bisher ungenutzte oder mangelhaft bewirtschaftete Böden müssen erst einmal mit Kartoffeln oder einbis zweimal mit Hafer oder Roggen bestellt werden. Tiefes Pflügen und Bearbeitung mit einem Untergrundlockerer machen das Rigolen der Fläche vor dem Setzen der Weidenstecklinge entbehrlich. Die Sortenwahl muß Bodenart, Lage und Verwendungszweck des Produktes berücksichtigen. Für die Grünverarbeitung kommen zunächst die anspruchsloseren Steinweiden und die gewöhnlichen Hanfweiden in Frage. Auf feuchten, humosen Böden gedeihen besonders gut die grüne Steinweide (Salix helix) und die Uralweide. Die gewöhnliche Hanfweide evorzugt mehr dichten mineralischen Boden. Unter den Schälweiden steht die amerikanisch: Weide an erster Stelle Bei sachnäßer Düngung und Pflege liefert sie auf humosem Boden zu 100 Zenener vom Morgen. Vom sechsten Jahre an zeigt freilich schon Lücken. Auf mineralischem Boden gedeiht erner sehr gut die gelbe Königshanfweide(Salix viminalisregalis). Die auf Moor= und humusreichen Böden wachsenden Mandelweiden befriedigen weniger. Die Stecklinge, wozu man 20 bis 30 Zentimeter lange, gesunde und nicht zu dünne Zweigstücke verwendet, werden im März und Anfang April ausgepflanzt. Man schneidet sie aber schon im Winter und bewahrt de in kühlen, feuchten Räumen auf, damit sie nicht anstrocnen. Gladiolen in Töpfen. Nach Art der Blumenzwiebeln kann man auch Gladiolen leicht im Zimmer treiben, wenn man ihnen einen hellen, nicht zu warmen Platz gibt. So reiche Blüte wie im Freien darf man freilich nicht erwarten. Man legi die Knollen im Februar oder März zu 3 bis 6 in größere Blumenlopfe, die mit einer Mischung von Gartenerde. Lanberde undsand gefüllt sind. Die Spitzen der Knollen müssen nach oben gerichtet sein, aber nicht vorstehen wie bei Maiblumen und Hyazinthen, sondern ganz mit Erde bedeckt werden. Nun wird die Pflanzung angegossen und vorerst an eine kühle dunkle Stelle gebracht. Nach etwa 11 Tagen kommen sie an einen wärmeren Platz, zuletzt ins Helle ans Fenster. Sobald die Blütenentwicklung begonnen hat, muß reichlich gegossen werden. Nach dem Blühen gießt man sparsamer, bis die Pflanze ihre Blätter eingezogen hat, nimmt die Knollen aus dem Topf. läßt sie trocknen und bewahrt sie in Sand auf. Im nächsten Frühjahr können sie dann wieder im freien Lande benutzt werden. Wie oft soll man Kaninchen füttern? Die Meinungen hierüber sind recht verschieden, das Gedeihen der Tiere hängt aber nicht davon ab. Wichtiger als die Einteilung der Mahlzeiten ist es, daß sie aus gutem Futter besten und reichlich bemessen werden. Erwachsene Tiere braucht man täglich nur zweimal zu füttern. Den ganzen Tag brauchen auch die Kaninchen nicht zu fressen. Jungen Tieren im Alter bis zu drei Monaten reicht man mehrmals Futter, etwa fünfmal, weil man dadurch Futter spart. Im vierten und fünften Monat geht man zu vier Mahlzeiten über und später zu drei. Sind sie ganz erwachsen, dann genügen schließlich zwei, wenn man dadurch Zeit erübrigen kann.