V ) 7* 77 Landwirtschaltliche Beilage zum„Sbester Kreisblatt Nr.(2 Seez, den 11. Januar 1928 UME. 22 Die Bestellung der Saͤmereien. Wahl der Bezugsquelle.— Berechnung der Saatgutmengen. Um die Jahreswende pflegen die Samenhandlungen ihre Preisverzeichnisse zu versenden. Damit erhalten die alten Kunden eine Mahnung, sich ihren Bedarf zu sichern. Meist werden sie besonders darauf hingewiesen, daß es von Vorteil für sie ist, wenn sie die Bestellung bald aufgeben. Das wird Geflügelhaltung mit Wechselausläufen. Von Lore Pfennigwerth. Bei der Anlage von Geflügelzuchten denken die Besitzer gewöhnlich nicht daran, daß es nicht möglich ist, jahraus, jahrein Tiere auf denselben beschränkten Laufplätzen zu halten. Es muß aber jedem einleuchten, daß der Boden die Ausscheidungen aber leider noch zu wenig beachtet. Dann kommt es vor, daß der Tiere nicht unbegrenzt aufnehmen und verarbeiten kann. die Bestellung ganz vergessen wird und die Aussaaten schließlich Aufschub erleiden. Oder einige der besten Sorten sind bei später Bestellung schon veruriffen. Da die Handlungen die Bestellungen gerechterweise in der Reihenfolge des Eingangs ausführen, kann auch die sollte Aufgabe Ursache für Verzögerung der Aussaat werden. Also: wer mit der Firma zufrieden war, von der er im letzten Jahre die Sämereien bezog, der folge der Anregung der Preisliste sofört. Wer Anlaß hatte, sich zu ürgern, suche sich einen mehr Vertrauen verdienenden Verkäufer. Vertrauenssache bleibt der Samenverkauf immer, denn von der Güte der Ware kann sich der Käufer höchstens inbezug auf die Keimfähigkeit überzeugen, bevor er zur eigentlichen Aussaat schreitet. Auf die Sortenechtheit und die Lebenskraft der aus den Samen entstehenden Pflanzen muß er sich verlassen. Hier werden Mängel immer erst bemerkt, wenn es zu spät ist, d. h. wenn weder Ersatz verlangt, noch der Schaden wieder gut gemacht werden kann. Der Händler und Züchter weigert sich grundsätzlich, Schaden über den Wert des Samens hinaus zu vergüten. Daraus muß der Samenkäufer die Folgerung ziehen, daß er um so besser fährt, je vorsichtiger er in der Wahl des Samenhändlers ist. Mit anderen Worten: er soll nicht dem billigsten Angebot Gehör schenken. Erstklassige Saat ist nicht billig. Wer beim Samenkauf ein paar Pfennige spart und nachher nichts oder nicht viel erntet, bezahlt in Wirklichkeit viel mehr als der andore, der vorher nicht knansert und dafür gute Ernte einheimst. Vor jeder Bestellung von Samen muß der Bedarf berechnet werden. Dieser wird bald über=, bald unterschätzt. Dabei ist es ziemlich einfach, ihn genau zu bestimmen. Man muß nur wissen, wieviel Korn eine Gewichtseinheit des Samens enthält, oder welche mittlere Gewichtsmenge für ein Geviertmeter oder Ar gebraucht wird. Bei manchen Samenarten ist es gar nicht möglich, die richtige Menge für kleinen Bedarf zu erwerben, da schon ein Gramm eine Unzahl von Pflanzen ergibt, für die der Garten keinen Raum hat. So enthält das Gramm Saatgut bei Kohlarten schon 300 bis 320 Samen. Wenn man auch auf nicht keimfähige Körner und unbrauchbare Pflanzen einen angemessenen Prozentsatz rechnen muß, so liefert ein Gramm doch eine Pflanzenmenge für eine ansehnliche Beetfläche, wie sie für Eigenbedarf kaum einer Gemüseart zugeteilt wird. Bei der Gurke enthalten 10 Gramm Saataut 450 bis 500 Samen. Davon fallen wenige aus. Beim Kopfsalat faßt ein Gramm sogar tausend Korn. Geringen Pflanzenbedarf deckt man hier lieber in der Gärtnerei als aus eigener Saat, wenn man nicht selbst Pflänzchen verkaufen kann. Zu hoch angesetzt wird auch meist die Samenmenge bei Tomaten. Hier gehen rund 330 Korn auf das Gramm. Bei Porree sind es 350 bis 360 Korn, bei Winterendivien 800 bis 850, bei Sellerie sogar 2500. Welcher Ueberfluß könnte uns zuwachsen, wenn der Boden diese Massen von Pflanzen ohne Unterstützung durch menschliche Arbeit nähren wollte! 2Leichter ist das Rechnen bei den Gemüsen, die ins freie Land gesät werden. Als Grundbegriff dient hier die Fläche von hundert Quadratmetern, ein Ar. Dafür braucht man z. B. von Spinat rund 400 Gramm Saat, von Karotten oder Mohrrüben 60 Gramm, von Zwiebeln 80—100 Gramm, von Erbsen 1,5—2.5 Kilogramm, je nach Höhe der Sorte, da höhere Sorten größere Reihenabstände verlangen. Bei Buschbohnen finden wir verschiedene Korngrößen und müssen die einem Ar entsprechende Saatmenge deshalb auf 700 bis 1000 Gramm bemessen. Aehnlich verhält es sich mit Puffbohnen. Sie sind noch schwerer und müssen daher mit 1500 bis 2500 Gramm auf das Ar eingestellt werden. Tg. Dies fällt überhaupt völlig weg bei Ausläufen, in denen sich wegen der starken Besetzung keine grüne Bodendecke behaupten tann. Es ist vor allem die Tuberkulose, die sich bei derartig mangelhafter Haltung von Geflügel sehr schnell ausbreitet und unausrottbar einnistet, bis man sich entschließt, den ganzen Bestand abzuschlachten und den Boden mindestens ein Jahr lang frei von Geflügel zu lassen, mit Aetzkalk zu behandeln und mit Semüse zu bestellen. Aber auch, wenn man von der Krankheit verschont bleibt, so kommt doch einmal die Zeit, wo der Boden so mit Kot durchsetzt ist, daß man es den lich wieder aus. Den Stall kann man an die eine Längsfeite des Jaunes und zwar in die Mitte bauen und dann von der Stallwand den Trennzaun zur gegenüberliegenden Zaunmitte ziehen. Diese Bauart genügt dort, wo nur ein Stamm gehalten wird. Bei größerem Betriebe baut man Doppelställe in die Mitte von vier Ausläufen, so daß wiederum jeder Stamm zwei Ausläufer benutzen kann. Es empfiehlt sich in diesem Falle, die kurzen Zwischenzäune so anzulegen, daß sie nach Bedarf schnell versetzt werden können. Einmal bietet das den Vorteil, die jeweils nicht benutzten Ausläufe mit dem Pfluge zu bearbeiten, ferner hat man dabei die Möglichkeit, die Auslaufflächen der jeweiligen Stärke der Stämme anzupassen. Die Grundrißskizze eines solchen Auslaufes mag dies verdeutlichen. Der versetzbare Zaun besteht aus gleichförmigen, hölzernen Gestellen, die mit Drahtgeflecht bespannt sind. Nach der Abbildung kann sie sich jeder geschickte Geflügelzüchter selbst herstellen. In der Länge gehe man nicht über drei Meter hinaus. Die Gestelle werden sonst zu unhandlich und die dafür nötigen Latten zu teuer. Beim Bau legt man am besten zuerst die Stützpfosten auf die Erde und befestigt daran das Geflecht. Dann nagelt man die sich kreuzenden Latten und die unten den Abschluß bildende Latte auf. Zuletzt wird an einer Seite der Stützfuß angebracht. Unter einander werden die einzelnen Teile durch Haken und Oesen verbunden: daher genügt es. wenn jeder Teil nur einen Fuß mit Querbalken hat. Der Wechsel der Ausläufe findet alle vier Monate statt. Dieser Zeitraum verhindert, daß ein und derselbe Anslauf immer in derselben Jahreszeit benutzt wird, wie es bei halboder vierteljährlichem Wechsel der Fall wäre. Die Flüchen 1 B C W SS= Doppelstall für 2 Stämme. w= versetzbare Zäune. A, a, B, b, C, c, D, d= Wechselausläufe. Chilesalpeter oder deutschen Natronsalpeter? Unter den künstlichen Stickstoffdüngemitteln nahm früher den ersten Platz der Chilesalpeter ein. Er wird fabrikmäßig aus den natürlichen Ablagerungen der regenlosen Gegenden von Thile, Pern, Bolivia gewonnen und ist wahrscheinlich durch Verwesung von Meerespflanzen entstanden. Das durch Auslaugen des Rohsalpeters und Umkristallisieren gereinigte Salz enthält 95 bis 96 Prozent salpetersaures Natron und dementsprechend 15 bis 16 Prozent Stickstoff. Es stellt seiner Löslichkeit wegen einen wertvollen Dünger für grüne Pflanzen dar. In Deutschland bedürfen wir jedoch seiner nicht mehr, seitdem es gelungen ist, den Stickstoff der Luft in Salpetersäure umzuwandeln. Der zuerst von der Badischen Anilin= und Sodafabrik in Oppau bei Ludwigshafen erzeugte künstliche Natronsalpeter ist dem aus Amerika eingeführten nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen. Er enthält ebenfalls 16 Prozent Stickstoff in leicht löslicher, schon nach einigen Tagen wirkender Form. ihm fehlen aber völlig die schädlichen Beimischungen, die sich im Chilesalpeter häufig unangenehm bemerkbar machen, im Gartenbau mehr als in der Landwirtschaft. Sie bestehen hauptsächlich in überchlorsaurem Kali, das auf die Pflanzen giftig wirkt. Der Natronsalpeter erhärtet auch bei längerer trockener Aufbewahrung nicht und zeigt anderseits auch nicht die Reigung zum Zerfließen, wie der Chilesalpeter. Zu erwähnen ist noch, daß Natronsalpeter sowohl wie Chilesalpeter nicht in größeren Mengen, sondern am vorteilhaftesten in mehreren kleinen Gaben verabreicht wird, und zwar so, daß die letzte Gabe kurz vor der Hauptentwicklungszeit der Gartenfrüchte usw. gegeben wird. Zu vermeiden ist ein Ausstreuen, wenn die Pflanzen vom Regen oder Tau angefeuchtet sind, damit der Salpeter nicht auf den Blättern haften leibt.»Ein bald nach der Düngung fallender leichter Regen oder schwaches Gießen fördert die Wirkung, dagegen schwemmen starke Regengüsse das Salz schueller in den Untergrund, als es die Pflanzen aufnehmen können. Tieren nicht mehr zumuten kann, ihr Futter davon aufzupicken. Namentlich bei feuchtem Wetter wird man wortwörtlich mit der Nase darauf gestoßen. Soweit darf es in einem geordneten Betrieb aber gar nicht kommen, und es gibt ein einfaches Mittel der Vorbeugung, das leider noch recht selten angewandt wird. Den Wechselauslauf. Im Anfang verursacht er allerdings etwas höhere Kosten, da man mehr Drahtgeflecht und Pfähle braucht, auch muß man für die Gesamtanlage etwas mehr Land abtrennen, aber der Vorteil des Verfahrens gleicht das in der Folge reichwerden als Weide angesät und in großen Abständen mit hochstämmigen Obstbäumen bepflanzt. In den Ruhezeiten erholt sich der Boden und Pflanzenwuchs immer wieder und Krankheitskeime werden durch das Sonnenlicht zerstört. Wer die freien Ausläufe als Gemüseland verwenden will, muß den Wechsel natürlich nach dessen Entwicklungszeit abändern. Für die Flächenberechnung der Ausläufe gilt die Regel, daß die Legehenne im Jahr über zehn Quadratmeter verfügen soll, die Zuchthenne über das Doppeite. Auf das Kücken rechnet man fünf Quadratmeter im Vierteljahr. Godenvorbereitung für Feldgemusebau. Von Ludwig Schöpf. Gemüsepflanzen sind anspruchsvolle Kulturpflanzen, die einen gartenmäßig hergerichteten Voden verlangen. Neben guter Gare ist namentlich Feuchtigkeit für ihr Gedeihen wichtig. Um den Wasservorrat des Bodens zu schonen, pflügt man Gemüseland möglichst schon im Herbst tief, um sich im Frühjahr auf Lockern und Einebnen der Krume beschränken zu können. Beim Pflügen kommt es nicht so sehr darauf an, den Boden in starker Schicht zu wenden, als ihn tiefgreifend zu lockern. Für diese Aufgabe stellen die Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen besondere Geräte her, die auch im gewöhnlichen Ackerbau verwendet werden. Sie heißen Untergrundlockerer oder Wühler und bearbeiten den Boden zum Teil bis auf 45 Zentimeter Tiefe. Die oft sehr tief gehenden Wurzeln der Gemüsepflanzen verlangen eine derartige Bodenvorbereitung.» In weicher Furche läßt man den Gemüscacker über Winter nur dann liegen, wenn der Boden übermäßig feucht und schwer ist. Sonst ebnet man ihn mit der Ackerschleife ein. Den Stallmist glauben viele Landwirte und Gemüsebäuern noch unbedingt unterpflügen zu müssen. Die gute Bodengare, die unter dem obenauf liegenden Mist entsteht, sollte jedoch zu denken geben. Man muß den Dünger allerdings sofort auf die leicht geebnete Furche breiten. Da man im Frühjahr nicht mehr pflügt, bleibt von dem Dünger ein gut Teil oben liegen. Das schadet nichts, wenn das Feld mit Pflanzgemüse bestellt werden soll. Sonst kann man den ausgelaugten Mist abrechen und kompostieren. Im Frühling beginnt die Arbeit auf dem Gemüseacker mit der Schleife, dann folgen Federzahnkultivatoren oder Eggen und Walzen. Die Schleife ebnet den Boden, ohne ihn dicht zu machen. Der Federzahnkultivator hilft dann die letzten Kunstdüngergaben mit dem Voden mischen. Walzen sind mit größter Vorsicht zu gebrauchen. Wir dürfen nie vergessen, daß die Erdoberfläche möglichst locker bleiben soll. Lockerer Boden hält sich nicht nur feuchter als fester, sondern auch wärmer. Die Wärmeausstrahlung in wolkenlosen Nächten kann den Kulturen leicht schaden. Die unteren Vodenschichten verdichtet man dort, wo es nötig ist, z. B. auf leichteren Böden, durch den Untergrundpacker. Das geschieht aus dem Grunde mit Vorteil, weil alle Gemüsepflanzen unter der lockeren Oberkläche einen oten Voden verlangen. Ergänzung des Obstgartens durch Nachpflanzung. Man muß oft staunen, was für alte, unbrauchbare Krüppel in manchen Gärten geduldet und Jahr für Jahr weiter gepflegt werden, Gestalten, für die der Name Baum eine Schmeichelei wäre. Merken die Besitzer nicht, daß solche Pflanzen den Raum über und unter der Erde nicht bezahlen? Sie scheinen sich nur an die Zahl der Bäume zu halten, anstatt die Leistung jedes einzelnen zu prüfen. Würden sie sich fragen ob nicht ein baldiger Ersatz der Krüppel durch junge, gesunde Bäume in einigen Jahren den gleichen und dann steigenden Ertrag bringt, müßten sie sich immer mit Ja antworten. Durch die Beseitigung der völlig wertlosen Bäume, die überall noch herum stehen wäre dem Gesamtobstbau schon sehr gedient. Jetzt ist es noch Zeit. die Bestände daraufhin durchzusehen und Nachpflanzungen zu beschließen. Winterarbeit am Komposthaufen. Wenn der Frost einmal eine Pause macht, sollte man sich alsbald des Komposthaufens annehmen, um ihn in den Zustand versetzen, in dem er am sichersten eine gleichmäßige Erde bildet. Zunächst liegen seine Bestandteile ungemiicht aufeinander, so wie sie im Laufe des Jahres zulammengetragen wurden. Nun ist es unsere Aufgabe, alles aründlich durchzuarbeiten, damit eine einheitliche Maise entsteht. Durch Veimischung von zerfallenem Aetzkalk oder auch von gemahlenem kohlensauren Kalk können wir den Vorgang des Verrottens beschleunigen. Die meisten Pflanzenkulturen— auspenommen die sogenannten Moorbeetpflanzen— lieben ja kallhaltigen Boden. Stammen die Bestandteile des Komposthanfens von sehr leichtem Boden, dann tut man ant, durch Lehm. Schlamm. Mergel usw. die Masse an Gehalt und Kraft zu bereichern. Man gibt den Haufen beim Umarbeiten eine ante Form. Auch ältere Komposthaufen. Laub= Dung= und Erdhaufen und jetzt umzustechen und neu aufzusetzen. Soweit sie zum Verbranch fertig sind, kann man dabei je nach Bedarf noch Nährstoif zuführen wie Jauche. Hornspäne. Kali= und Phosphorsäureialze. Nistgelegenheiten für Singvögel. In Gehölzgruppen kann man durch einen einfachen Kunstariff Nistplätze für nützliche Vögel schaffen indem man starke, jüngere Triebe wüchsiger Sträucher in anderthalb bis zweieinhalb Meter Höhe köpft. Drei= bis vierjährige Triebe eignen sich besonders dazu. Unterhalb der Schnittfläche entstehen nun im Frühjahr eine Anzahl Schosse, die mit der Zeit einen kleinen Kessel bilden Solche Stellen wählen verschiedene unserer Sinzvögel mit Vorliebe zum Nestbau.